Philosophie Lexikon der Argumente

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Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten
Habermas IV 499
Revolution/Marx/Habermas: Marx will nicht nur darstellen, wie der systemisch verselbständigte Prozess der Selbstverwertung des Kapitals aus der Lebensweltperspektive der Lohnarbeiter als kontinuierliche Ausbeutung erfahren wird, wie die Subsumtion der Arbeitskraft unter die Warenform die Arbeiter aus ihren traditionalen Lebensverhältnissen herausreißt, ständische Existenzweisen erst plebejisch entwurzelt und dann proletarisiert. Marx entwirft vielmehr eine praktisch-politische Handlungsperspektive, die sich, in ihren Voraussetzungen, zu der vom Systemfunktionalismus stillschweigend eingenommenen Perspektive genau konträr verhält. Die Systemtheorie setzt voraus, dass der Prozess einer Instrumentalisierung der Lebenswelt bereits zum Abschluss gekommen ist.
Habermas IV 500
Demgegenüber fasst Marx einen zukünftigen Zustand ins Auge, in dem der objektive Schein des Kapitals zerronnen und die unter dem Diktat des Wertgesetzes gefangengehaltene Lebenswelt ihrer Spontaneität zurückgegeben worden ist. Er sieht die Formierung einer Bewegung voraus, die die politische Macht nur ergreift, um die Gesellschaft zu revolutionieren; zusammen mit dem Privateigentum an Produktionsmitteln wird sie die institutionellen Grundlagen des Mediums, über das die kapitalistische Wirtschaft ausdifferenziert worden ist, zerstören und den systemisch verselbständigten Prozess wirtschaftlichen Wachstums wieder in den Horizont der Lebenswelt einholen.
Terminologie/Marx: System und Lebenswelt erscheinen bei Marx unter den Metaphern des „Reichs der Notwendigkeit“ und des „Reichs der Freiheit“.
WeberVsMarx/Habermas: gegenüber den revolutionären Erwartungen von Marx, dass die theoretische Kritik den Zauber, der auf der abstrakt gewordenen Arbeit ruht, nur zu lösen brauche, hat Weber Recht behalten: „dass die Abschaffung des Privatkapitalismus…keineswegs ein Zerbrechen des stählernen Gehöuses der modernen gewerblichen Arbeit bedeuten würde..“ (1)
HabermasVsMarx: sein Irrtum geht auf die dialektische Verklammerung von System- und Lebensweltanalyse zurück, die eine (…) Trennung zwischen dem (…)
Habermas IV 501
Niveau der Systemdifferenzierung und den klassenspezifischen Formen seiner Institutionalisierung nicht zulässt.
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Brocker I 203
Permanente Revolution/Marx: bereits Marx gebrauchte den Begriff der „permanenten Revolution“, und zwar erstmals in seiner Schrift „Zur Judenfrage“, 1844. Dort erklärt er die Jakobinerherrschaft in der Französischen Revolution als einen gewaltsamen Versuch, den politischen Überbau der bürgerlichen Gesellschaft zu errichten. Dies gelinge nur dadurch, dass die Revolution für permanent erklärt wird. Das politische Drama ende daher ebenso notwendig mit der Wiederherstellung der Religion, des Privateigentums, aller Elemente der bürgerlichen Gesellschaft, wie der Krieg mit dem Frieden ende. (2)
Das hatte noch nichts mit dem Gedanken einer permanent verlaufenden Revolution zu tun, die das Proletariat an die Macht bringen solle.
Permanente Revolution/Marx/Engels: später geht es darum, die Revolution permanent zu machen und in alle Länder zu tragen, bis die Konkurrenz der Proletarier in diesen Ländern aufgehört hat. (3)


1.M. Weber, Wirtschaft und Gesellschaft, hrsg. v. J. Winckelmann, Köln 1964
2. Marx, Karl, »Zur Judenfrage« [1844], in: ders./Friedrich Engels, Werke, Berlin [DDR] 1956, Bd. 1, 347-377.
3. Karl Marx, Friedrich Engels, »Ansprache der Zentralbehörde an den Bund vom März 1850«, in: Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Berlin [DDR] 1960, Bd. 7, 244-254.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.

Marx I
Karl Marx
Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018

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