Philosophie Lexikon der Argumente

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I 178
Kritik/Kultur/Internet/Morozov: Durch ( …eine) Logik, die eine massive kulturelle Beteiligung als eigenständig und unabhängig von der Kultur als erstrebenswert zelebriert, könnten sogar Bewertungen von Alben und Songs, die wir auf iTunes und Spotify generieren, letztendlich den Bewertungen professioneller Musikkritiker vorzuziehen sein. Solutionisten würden sich freuen: Solche Ratings produzieren nicht nur mehr "objektive" Kunstmeinungen, sondern beziehen auch die Öffentlichkeit in den Prozess der Kulturbildung (oder zumindest der Kulturbewertung) mit ein; sie sind damit demokratischer und partizipativer.
MorozovVs: Es gibt mehrere Probleme mit einer solchen Ansicht. Erstens tendiert sie dazu, die Teilnahme an der Kultur viel mehr zu schätzen als die Kultur selbst.
Kultur/Rating/Internet/Social Media/Nancy Hanrahan: Es ist nicht zu leugnen, dass die durch die neuen Technologien ermöglichte Erosion des kulturellen Fachwissens zumindest in einem gewissen Sinne demokratisch ist, da es eine breitere Beteiligung an der Herstellung und Bewertung von Kultur gibt. Wenn Demokratie so leicht quantifizierbar wäre wie CD-Verkäufe oder die Anzahl der Zugriffe auf eine Website, könnte man vielleicht das Argument dort belassen.
Aber nicht nur die Teilnahme, sondern auch die Teilnahmebedingungen müssen berücksichtigt werden. Wenn eine stärkere Beteiligung an der Kultur durch digitale Technologien und die Netzwerkstrukturen, in die sie eingebettet sind, den Markt begünstigt, künstlerische Innovationen behindert oder auf Kosten der kritischen Reflexion über Kunst gekauft wird, aus welchen Gründen kann das als demokratisch angesehen werden? Wenn Demokratie andererseits bedeutet, dass die Möglichkeiten der Beratung, der Öffentlichkeit oder der wirklichen Vielfalt erweitert werden, dann ist die gegenwärtige Situation unzureichend. (1)
Morozov: professionelle Kritiker üben noch andere Funktionen aus, die nicht einfach an die Massen übertragen werden können, z.B. Innovationen, vielleicht auch Provokationen ausfindig zu machen und dem Publikum zu erklären, warum sie Aufmerksamkeit verdienen. Wie Adorno schreibt, ohne Kenntnis des Bisherigen kann das Neue nicht verstanden werden. (2)

1. Nancy Weiss Hanrahan, “If the People Like It, It Must Be Good: Criticism, Democracy and the Culture of Consensus,” Cultural Sociology 11 (July 2012), http:// cus.sagepub.com/ content/ early/ 2012/ 05/ 15/ 1749975512453656. abstract.
2. zitiert in Hanrahan, p. 4.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.

Morozov I
Evgeny Morozov
To Save Everything, Click Here: The Folly of Technological Solutionism New York 2014

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