Philosophie Lexikon der Argumente

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Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten
Brocker I 567
Recht/Verträge/Vertragstheorie/Buchanan: Durch das Recht wird nur die naturwüchsig entstandene Ungleichverteilung in eine rechtlich fixierte Ungleichverteilung transformiert. Dass diese Transformation überhaupt zustande kommt, liegt daran, dass auch die in der natürlichen Verteilung Schlechter gestellten durch Abrüstung und Rechtsetablierung gewinnen. Siehe Vertragstheorie/Buchanan, Gleichgewicht/Buchanan.
Problem: es gibt immer noch die Gefahr einer Instabilität, da es zwar für jedermann besser ist, in einem vertraglichen und nicht in einem vorvertraglichen Zustand zu leben – dennoch profitiert man von Vertragsverletzungen! Und zwar in zweifacher Weise: a) man genießt die vertraglichen Vorteile und b) man profitiert durch Rechtsbruch.
Lösung/Buchanan: es muss eine übergeordnete Instanz geben. Dieser Notwendigkeit verdankt sich die Existenz des Staats. Siehe Verfassung/Buchanan.
Brocker I 571
In letzter Konsequenz erwägt Buchanan sogar die Möglichkeit eines Sklavereivertrages (1) (siehe Sklaverei/Buchanan).
KerstingVsBuchanan/KerstingVsÖkonomismus: Diese Passage zeigt die Unsittlichkeit des Ökonomismus. Der ökonomistische Reduktionismus treibt den traditionellen Konzepten der sittlichen Welt die herkömmliche normative Bedeutung aus. Die Redeweise von einem Recht des Sklaven, das darin besteht, am Leben gelassen zu werden, hätte man als unerträglichen Zynismus verurteilt. Der Ökonomismus ist ein Zwillingsbruder des Szientismus.
Der von Buchanan skizzierte Begriffsrahmen für den Ausgangszustand einer philosophischen Rechtfertigungstheorie ist so groß und weit, dass er selbst die Negation aller sittlichen zwischenmenschlichen Beziehungen, Apartheid und Sklaverei, als konstitutionell-kontraktualistische Zustände umgreifen kann. Aber da stellt sich dann die Frage, ob eine solch radikal naturalisierte Szenerie für die Generierung zustimmungsfähiger sozialer und politischer Beurteilungs- und Gestaltungsprinzipien taugen kann.
Sind Rechte Resultate vertraglicher Übereinkunft unter realistischen Bedingungen – und kommt eine Übereinkunft generell nur zustande, wenn jeder sich von ihr Vorteile erhofft –, dann wird 572eine vertragliche Rechtsetablierung erst dann erreicht werden, wenn Gewaltanwendungen unökonomisch werden, wenn Erpressung, Einschüchterung, Mord zu viel kosten. Das besagt aber nur, dass das Recht gewaltkonstituierte Ungleichheiten besiegelt. Es ist für Buchanans Konzeption bezeichnend, dass die traditionelle Begriffsopposition Gewalt/Recht ihre Leitfunktion verloren hat.


1. James M. Buchanan, The Limits of Liberty. Between Anarchy and Leviathan, Chicago/London 1975. Dt.: James M. Buchanan, Die Grenzen der Freiheit. Zwischen Anarchie und Leviathan, Tübingen 1984.


Wolfgang Kersting, „James M. Buchanan, Die Grenzen der Freiheit“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.

EconBuchan I
James M. Buchanan
Politics as Public Choice Carmel, IN 2000

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018

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