Philosophie Lexikon der Argumente

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Mause I 51f
Wirtschaft/Neoklassik: Die Politische Ökonomie wird von der „reinen“ Ökonomie in Gestalt der Neoklassik abgelöst. Dies nennt man die „marginalistische“ Revolution.
1. Alle ökonomischen Fragestellungen werden unter dem Blickwinkel der Optimierung unter Nebenbedingungen betrachtet. Es geht immer darum, eine Zielfunktion (z. B. die Nutzenfunktion eines Haushalts) unter Beachtung bestimmter Nebenbedingungen (z. B. der Höhe des Haushaltsbudgets) zu optimieren (im Beispielsfall zu maximieren). Zu diesem Zweck wird eine Grenzwertbetrachtung durchgeführt, d. h. eine marginale Analyse. (> Rational Choice).
2. Im Mittelpunkt der neoklassischen Analyse steht das Gleichgewicht – eine Situation, in der es keinen Anlass zu Verhaltensänderungen gibt. Von zentraler Bedeutung ist dabei die Frage nach der Existenz von Marktgleichgewichten und deren Eigenschaften.
3. Es gilt das Prinzip des methodologischen Individualismus, wonach alle ökonomischen Phänomene durch individuelle Handlungen erklärt werden müssen. Dies impliziert insbesondere, dass die Gesellschaft lediglich eine Summe von Individuen ist und dass die Präferenzen derselben unabhängig voneinander sind.
I 52
Hauptvertreter: Antoine Augustin Cournot (1801– 1877), der das Fundament der Preistheorie errichtete (Cournot 1838 (1); Hermann Heinrich Gossen (1810– 1858), der die Konsumtheorie begründete (Gossen 1854) (2); und Johann Heinrich von Thünen (1783– 1850), der die Grundlagen der Produktions- und Verteilungstheorie legte (Thünen 1826) (3). Diese Ansätze wurden in der Folgezeit vor allem von William Stanley Jevons (1835– 1882) und Léon Walras (1834– 1910) weiterentwickelt und durchgesetzt (Jevons 1871) (4); Walras 1874/ 1877) (5).
NeoklassikVsKLassik: alle drei Grundbestandteile des neoklassischen Paradigmas sind der Klassik fremd: Das ist am deutlichsten im Fall von Optimierungs- und Gleichgewichtsprinzip; aber die Klassiker vertraten auch keinen strikten methodologischen Individualismus, sondern erkannten die soziale Natur des Menschen an und hielten deswegen die analytische Verwendung von überindividuellen Konzepten für gerechtfertigt (ohne deshalb diesen eine reale, von den Individuen unabhängige Existenz zuzugestehen). Die Neoklassiker waren stets um eine „Verwissenschaftlichung“ der Ökonomie bemüht, um eine Etablierung ihrer Disziplin als einer den Naturwissenschaften, und hier vor allem der Physik. (Optimierung, Gleichgewicht).
Klassik: betrachtet das ökonomische Handeln, also die Entstehung und Verteilung des materiellen Wohlstandes.
Neoklassik: mit dem neuen, formalen Verständnis ist diese Analyse nicht vereinbar.
Die neoklassische Ökonomie ist mikroökonomisch geprägt, d.h. im Mittelpunkt der Analyse steht das Verhalten einzelner Wirtschaftssubjekte, also einzelner Haushalte (Konsumtheorie) und Unternehmen (Produktions- und Preistheorie).


1. A. Cournot, Recherches sur les Principes Mathématiques de la Théorie des Richesses. Paris, 1838.
2. H.H.Gossen, Entwickelung der Gesetze des menschlichen Verkehrs, und der daraus fließenden Regeln für menschliches Handeln. Braunschweig 1854
3. J.H. von Thünen, Der isolirte Staat in Beziehung auf Landwirthschaft und Nationalökonomie. Hamburg 1826
4. W.St.Jevons, 1871. The theory of political economy. London 1871
5. L. Walras, Eléments d’Economie Politique Pure. Teile I– III (1874), Teile IV– VI (1877). Lausanne 1874/ 1877.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Neoklassiker

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018

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