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Mause I 510f
Humankapital//Bildungspolitik/Wirtschaftstheorien: Im Zentrum bildungsökonomischer Untersuchungen steht der Begriff des Humankapitals (Becker 1962 (1); Mincer 1962 (2); Oi 1962 (3)). Bereits Adam Smith (1776) (4) bildete in seinem Buch „Wohlstand der Nationen“ Analogien zwischen Fähigkeiten und Qualifikationen zu Sachkapital. Die moderne Fassung dessen, was heute unter der Humankapitaltheorie diskutiert wird, begann in den 1960er-Jahren. Damals versuchte man, unterschiedliche Effektivitäten von Sachinvestitionen in Industrie- und Entwicklungsländern zu erklären (für einen Überblick siehe Sesselmeier et al. 2010) (5).
Die Humankapitaltheorie stellt eine Erweiterung des neoklassischen Wirtschaftsmodells dar.
Humankapital/Becker: Die Homogenität des Faktors Arbeit wird in eine neue Inhomogenität aufgelöst (Becker 1992, 1993a, b.) (6)(7). Nachfrager nach Humankapital sind, ebenso wie Nachfrager nach anderen Kapitalformen und nach den Produktionsfaktoren Arbeit und Boden, die Unternehmen, der Staat und andere Arbeitgeber. Kern der Humankapitaltheorie ist die Auffassung, dass Humankapital die Produktivität eines Akteurs erhöht und die erhöhte Produktivität ein höheres Einkommen des Akteurs und Wachstum der Volkswirtschaft insgesamt bewirkt.
Frage: wie wird die Menge des Humankapitals und ihrer gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen bestimmt?
Lösung: Vergleich von Kosten und Nutzen der Bildungsausgaben.
Enge Auffassung. Investitionen in Humankapital sind nur solche Handlungen, die die Produktivität in Zukunft steigern.
Individuum: der Humankapitalbestand eines Individuums ist der Bestand an produktiven Fähigkeiten und Fertigkeiten, die einen Einkommensstrom zur Folge haben.
Humankapital/David Friedman/Wirtschaftstheorie: „Humankapital ist durch Investition in Bildung und Ausbildung geschaffenes Vermögen, das zunächst immateriell ist und später zur Erzielung künftigen höheren Einkommens führen kann. Der wesentliche Unterschied zum Realkapital ist, dass es weder beliebig übertragbar noch ohne Umstände beleihbar oder als Sicherheit einzusetzen ist.“ (Friedman 1999, S. 450).
Anbieter von Humankapital sind die privaten Haushalte. Sie stellen ihr Humankapital den Nachfragern (Unternehmen, dem Staat) zur Verfügung und erzielen damit Einkommen. Individuen entscheiden selbst über ihre Schulbildung oder Berufsausbildung, indem sie Kosten und Nutzen abwägen.
Durch eine Investition in Bildung wird die Produktivität des Arbeitsanbieters erhöht. Der Lohn entspricht dann der Grenzproduktivität der Arbeit.


1. Becker, Gary S. 1962. Investment in human capital: A theoretical analysis. Journal of Political Economy 70: 9– 49.
2. Mincer, Jacob. 1962. On-the-job training: Costs, returns and some implications. Journal of Political Economy 70( Supplement): 50– 79.
3. Oi, Walter Y. 1962. Labor as a Quasi-fixed factor. Journal of Political Economy 70: 538– 555.
4.(4)
4. Smith, Adam. 1776. An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations, London; deutsche Übersetzung: Der Wohlstand der Nationen. Eine Untersuchung seiner Natur und seiner Ursachen. München 1974.
5. Sesselmeier, Werner, Funk Lothar, und Bernd Waas, Arbeitsmarkttheorien, 3.   Aufl. Heidelberg 2010.
6. Gary S. Becker, Menschliches Dasein aus ökonomischer Sicht. Nobel-Lesung vom 9. Dezember 1992. In Die Nobelpreisträger der ökonomischen Wissenschaft, Hrsg. Karl-Dieter Grüske, Bd. III, 206– 236. Düsseldorf 1992
7. Gary. S. Becker 1993Human capital. A theoretical and empirical analysis with special references to education, 3.   Aufl. Chicago: NBER..
8. David Friedman, Der ökonomische Code. Wie wirtschaftliches Denken unser Handeln bestimmt. Frankfurt a. M. 1999.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Wirtschaftstheorien

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018

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