Philosophie Lexikon der Argumente

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Brocker I 851
Freiheit/PettitVsLiberalismus/Pettit: Pettit kritisiert die liberale Fixierung auf eine »negative Freiheit«: Diese ziele allzu einseitig auf die Wahrung des Abstandes zwischen Individuum und Staat. Hier gibt es zwei Versäumnisse:
a) Die erforderlichen Schutzfunktionen des Staates für die freie Selbstentfaltung des Individuums und
b) den Ertrag aus der Mitwirkung der Individuen an den politischen Entscheidungen zu erkennen und zu würdigen. Siehe aber auch Liberalismus/Pettit.
Mit dem Liberalismus teilt Pettit die Sorge vor einem dominanten Staat, der individuelle Wahlmöglichkeiten einschränkt und letztendlich politische Teilhabe verwehrt. Sein daraus abgeleitetes modelltheoretisches und programmatisches Leitziel lautet daher: Freiheit ohne Dominanz, aber durchaus eine staatliche Unterstützung zur Erlangung von individueller Freiheit.
Formen von Freiheit/Pettit: neben dem traditionellen Verständnis von Freiheit „zu“ bzw. „von“ etwas, führt Pettit eine dritte Form ein: eine Form der „non-domination“: bringen: die Freiheit von Beherrschung, Zwang und Willkür, von »domination« und »mastery«, die aber einer Freiheit zur politischen Teilhabe nicht im Wege steht. (1)
Problem: Eine willkürliche Herrschaftsposition von Personen oder Institutionen schränke die Wahlfreiheit eines Individuums durch offen ausgeübte oder verdeckte Verfügungsgewalt, durch die Beeinträchtigung der Willensfreiheit oder durch die Manipulation des individuellen Verhaltens ein.
Non-domination/Pettit: Lösung: von jeglicher Willkürherrschaft erklärtermaßen Abstand genommen wird. (2) Der Staat wird vornehmlich als eine politische Agentur mit der Aufgabe begriffen, die Freiheit des Individuums zu befördern und sie vor Fremdbeherrschung zu schützen. Siehe Staat/Pettit, Republikanismus/Pettit.
Brocker I 853
Pettit polemisiert gegen jene republikanischen Varianten, die »bürgerhumanistisch« die Freiheit zur politischen Teilhabe als das wichtigste Merkmal der politischen Sphäre betrachten. Sie unterschätzen nach seiner Auffassung den notorischen Hang des Staates zur Beherrschung (»domination«), dem sich die Individuen als Teilhabende am öffentlichen Leben unversehens auslieferten. Pettit tituliert diesen Republikanismus, eher ungewöhnlich und im Ausdruck der Geringschätzung, als »populist« oder »communitarian«. (3) PettitVsKommunitarismus. Siehe Herrschaft/Pettit, Staat/Pettit.


1. Philip Pettit, Republicanism. A Theory of Freedom and Government, Oxford 1997, S. 22
2. Ebenda S. 66
3. Ebenda S. 8


Emanuel Richter, „Philip Pettit, Republicanism“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.

Pett I
Ph. Pettit
Just Freedom: A Moral Compass for a Complex World New York 2014

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018

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