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Rachel E. Kranton über Falschinformation – Lexikon der Argumente

Kranton I 421
Falschinformation/Fake News/Kranton: ((s) Der Begriff "Fake News" wird von den zitierten Autoren nicht verwendet). Die individuellen Gewinne der Mittler hängen von einer kollektiven Entscheidung ab, wie beispielsweise der Wahl eines Kandidaten oder der Genehmigung des Einsatzes einer neuen Technologie. Die kollektive Entscheidungsfindung ist als stilisierte "Abstimmung" modelliert, die den erwarteten Nutzen der einzelnen Akteure aus der Entscheidung widerspiegelt. Einige Mittler sind unvoreingenommen und bevorzugen, dass die Entscheidung korrekt mit dem wahren Zustand der Welt übereinstimmt. (>Terminologie/Kranton). Andere Mittler sind voreingenommen und bevorzugen eine bestimmte Entscheidung, unabhängig vom tatsächlichen Zustand. (Solche Mittler könnten persönlich von der Entscheidung profitieren.) Mittler haben zunächst eine eigene Einstellung über den wahren Zustand. Ein zufällig ausgewählter Mittler erhält möglicherweise genaue Informationen über den wahren Zustand. Dieser Mittler, dessen Identität nicht bekannt ist, kann eine falsche oder wahre Botschaft erzeugen - ein Gerücht über den Zustand der Welt. Voreingenommene Mittler haben den Anreiz, eine falsche Nachricht zu erzeugen. Mittler, die eine Nachricht erhalten, machen Rückschlüsse auf die Wahrhaftigkeit der Nachricht und entscheiden, ob sie diese weitergeben oder nicht, um zu beeinflussen, wie andere über das kollektive Ergebnis abstimmen. >Falschinformation/Wirtschaftstheorien.
Kranton I 423
In einem Satz von Modellen verbreiten sich Meinungen wie Krankheiten, d.h. Individuen werden durch den Kontakt mit einem anderen Mittler mit dieser Krankheit infiziert (nehmen eine Meinung an) (siehe z.B. Kapitel 7 von Jackson, 2008)(1). Solche Diffusionsprozesse werden auch in den Bereichen Informatik, statistische Physik und Soziologie untersucht. In solchen Modellen sind voreingenommene Mittler immer dann besser dran, wenn es mehr von ihnen gibt (...).
In einem zweiten Satz von Modellen baut die Meinungsbildung in sozialen Netzwerken auf DeGroot (1974)(2) auf. Mittler, mit möglicherweise unterschiedlichen früheren Einstellungen, "tauschen" wiederholt ihre Überzeugungen mit ihren Nachbarn aus und nehmen eine Statistik (z.B. den gewichteten Durchschnitt) der Meinungen ihrer Nachbarn an. Solche Mittler berücksichtigen nicht die Wiederholung von Informationen, die sich über ein Netzwerk ausbreiten können, was zu Überzeugungsvorurteilen im Sinne von DeMarzo et al. (2003)(3) führt.
Kranton I 436
Allgemeine Netzwerke/Kommunikation/Bloch/Demange/Kranton: Wir identifizieren drei wesentliche vereinfachende Annahmen, die die Analyse des allgemeinen Netzwerks ähnlich der Analyse eines Baumes darstellen.
1. Wenn Mittler eine Nachricht senden, senden sie die Nachricht an alle ihre Nachbarn (außer demjenigen, von dem sie die Nachricht erhalten haben). Die Kommunikation ist multicast, und Mittler können nicht endogen wählen, auf welchem Weg sie die Nachricht versenden möchten.
2. Die Zeit, die eine Nachricht benötigt, um sich auf einem Weg zu bewegen, ist proportional zur Länge des Weges. Diese Annahme ist notwendig, um zu gewährleisten, dass die Mittler die Mittler, von denen sie die Nachricht beim ersten Mal erhalten, als diejenigen Mittler identifizieren können, die sich in kürzester Entfernung im Netzwerk befinden. Ohne diese Annahme müssten Mittler komplexe Berechnungen durchführen, um den Satz von Mittlern zu identifizieren, von denen sie die Nachricht beim ersten Mal erhalten.
3. (Am wichtigsten ist, dass) Mittler allein entscheiden, ob sie die Nachricht beim ersten Empfang weitersenden oder nicht; das heißt, obwohl eine Nachricht einen Mittler auf mehreren Wegen erreichen könnte und ein Mittler daher mehrere Nachrichten empfangen könnte, ignorieren sie alle Nachrichten außer der ersten. >Netzwerkmodelle/Kranton, >Kommunikationsmodelle/Kranton, >Kommunikationsfilter/Kranton, >Falschinformation/Wirtschaftstheorien, >Terminologie/Kranton.



1. JACKSON, M., Social and Economic Networks (Princeton: Princeton University Press, 2008).
2. DEGROOT,M. H., “Reaching a Consensus,” Journal of the American Statistical Association 69 (345) (1974), 118–21.
3. DEMARZO, P. M.,D.VAYANOS, AND J. ZWEIBEL, “Persuasion Bias, Social Influence, and Uni-Dimensional Opinions,” Quarterly Journal of Economics 113 (3) (2003), 909–68.



Francis Bloch, Gabrielle Demange & Rachel Kranton, 2018. "Rumors And Social Networks," International Economic Review, Department of Economics, University of Pennsylvania and Osaka University Institute of Social and Economic Research Association, vol. 59(2), pages 421-448.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente

Kranton I
Rachel E. Kranton
Francis Bloch
Gabrielle Demange,
Rumors And Social Networks 2018

Kranton II
Rachel E. Kranton
George A. Akerlof
Identity Economics: How Our Identities Shape Our Work, Wages, and Well-Being Princeton 2011

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