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Robert N. Stavins über Emissionsrechte – Lexikon der Argumente

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Emissionsrechte/CO2-Preis-Koordinierung/Stavins: Im Rahmen eines internationalen handelbaren Emissionsrechtesystem würden allen teilnehmenden Ländern Berechtigungen für "Netto-Emissionen", d.h. Emissionen abzüglich Sequestrierung, zugeteilt. Eine Emissiongenehmigung würde ein Recht auf die Emission einer bestimmten Menge über einen bestimmten Zeitraum, z.B. ein Jahr, definieren. In jedem Zeitraum steht es den Ländern frei, Lizenzen an einer internationalen Börse zu kaufen und zu verkaufen. Die Zuteilung der Erstgenehmigungen könnte eine Vielzahl von Kriterien berücksichtigen, wie z.B. frühere Emissionen, Bruttoinlandsprodukt, Bevölkerung und Produktion fossiler Brennstoffe. Unabhängig von der anfänglichen Zuteilung kann ein nachfolgender Handel theoretisch zu einem kosteneffizienten Ergebnis führen (Montgomery, 1972)(1), wenn die Transaktionskosten nicht signifikant sind (Stavins, 1995)(2). Dieses Potenzial zur Verfolgung von Vertriebszielen bei gleichzeitiger Sicherstellung der Kosteneffizienz ist ein wichtiges Attribut der handelbaren Emissionsrechte. Aus verteilungspolitischer Sicht würden die Entwicklungsländer einen Ausgleich erhalten, während die Industrieländer für ihre eigene Emissionsminderung und für den Kauf von Genehmigungen aus dem Ausland zur Deckung des Restbetrags ihrer Emissionen aufkommen müssten (Olmstead & Stavins, 2012)(3).
Ein wichtiges Hindernis für den erfolgreichen Betrieb eines solchen Systems besteht darin, dass der Handel seiner Natur nach zwischen den Nationen stattfinden würde (Hahn & Stavins, 1999)(4). Nationalstaaten sind kaum einfache Kostenminimierer wie Privatunternehmen, so dass es keinen Grund zu der Annahme gibt, dass der Wettbewerbsdruck zu einer Gleichstellung der marginalen Vermeidungskosten in den einzelnen Ländern führen würde. Selbst wenn die Nationen Kostenminimierer wären, verfügen sie nicht über ausreichende Informationen über die marginalen Vermeidungskosten der Unternehmen in ihrem Hoheitsgebiet, um ihre eigenen aggregierten Grenzkosten zu definieren. Wenn jedes Land, das an einem solchen System teilnimmt, die handelbaren Emissionsrechte an Unternehmen in seinem Hoheitsgebiet weitergeben würde, d.h. wenn jedes Land ein inländisches handelbares Emissionsrechtesystem als Mittel zur Erreichung seines nationalen Ziels einführt, dann könnte der Handel zwischen Unternehmen und nicht zwischen Regierungen stattfinden, sowohl innerhalb als auch außerhalb des Landes (Hahn & Stavins, 1999)(4). Ein solches System könnte in der Tat kostengünstig sein. In naher Zukunft könnte dieses
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Handelssystem in ein Emissionsminderungs-Credit-System, wie beispielsweise den CDM (Clean Development Mechanism), für Länder integriert werden, die keine Emissionsobergrenzen übernehmen. >CO2-Preis-Koordinierung/Stavins.



1. Montgomery, D. W. (1972). Markets in licenses and efficient pollution control programs. Journal of Economic Theory, 5, 395-418.
2. Stavins, R. N. (1995). Transaction costs and tradeable permits. Journal of Environmental Economics and Management, 29, 133-148.
3. Olmstead, S. M., & Stavins, R. N. (2012). Three key elements of post-2012 international climate policy architecture. Review of Environmental Economics and Policy, 6(2), 1-22.
4. Hahn, R. W., & Stavins, R. N. (1999). What has the Kyoto Protocol wrought? The real architecture of international tradeable permit markets. Washington, DC: The AEI Press.



Robert N. Stavins & Joseph E. Aldy, 2012: “The Promise and Problems of Pricing Carbon: Theory and
Experience”. In: Journal of Environment & Development, Vol. 21/2, pp. 152–180.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente

Stavins I
Robert N. Stavins
Joseph E. Aldy
The Promise and Problems of Pricing Carbon: Theory and Experience 2012

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