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Yochai Benkler über Babel-Einwand – Lexikon der Argumente

Benkler I 169
Babel-Einwand/Benkler: Zu viele Informationen ohne wirkliche Möglichkeit, die Spreu vom Weizen zu trennen, bilden das, was wir den Babel-Einwand nennen könnten.
Einzelpersonen müssen Zugang zu einem Mechanismus haben, der das Universum der Informations-, Wissens- und Kulturbewegungen durchsucht, um sie auf einen überschaubaren und nutzbaren Umfang zu reduzieren. Die Frage stellt sich dann, ob die vernetzte Informationswirtschaft angesichts des menschlichen Bedarfs an Filtration das Informationsumfeld des Einzelnen im Vergleich zur industriellen Informationswirtschaft tatsächlich verbessert.
Erstens ist es wichtig, als Basislinie die Macht zu erkennen, die der redaktionellen Funktion innewohnt. Inwieweit die Informationsüberflutung die Autonomie gegenüber der Autonomie einer Person, die einem gut bearbeiteten Informationsfluss ausgesetzt ist, behindert, hängt davon ab, wie sehr der Redakteur (engl. editor), der den Informationsfluss bearbeitet, dadurch Macht über das Leben des Anwenders der redaktionellen Funktion gewinnt und wie er diese Macht nutzt.
Zweitens stellt sich die Frage, ob die Nutzer "ihren Redakteur" frei wählen und ändern können, oder ob die Redaktionsfunktion mit anderen Kommunikationsfunktionen gebündelt und von Dienstleistern verkauft wird, unter denen die Nutzer wenig Auswahl haben. Schließlich besteht das Verständnis, dass Filtration und Akkreditierung selbst Informationsgüter sind, wie jedes andere auch, und dass auch sie nach einem gemeinsamen, marktfreien Modell produziert werden können, und zwar ohne das Autonomiedefizit, das eine Wiedereinführung von Eigentum zur Lösung des Babel-Einwands mit sich bringen würde. >Benkler/Terminologie.
I 171
Filter/Babel-Einwand: (...) die Mittel zum Filtern von Daten innerhalb der vernetzten Informationswirtschaft
I 172
werden durch Peer-Produktion und die Koordinatenmuster der nicht-proprietären Produktion allgemeiner produziert. Das Vorhandensein dieser Filter ist die wichtigste Antwort auf den Babel-Einwand. Das Vorhandensein von Filtern, die nicht von der proprietären Kontrolle abhängen und die nicht die Produktion und den Transport von proprietären Inhalten mit der Filterung bündeln, bietet einen klaren Ansatz, um autonomen Individuen die Wahl zwischen verschiedenen Filtern zu ermöglichen, die wirklich unterschiedliche Motivationen und Organisationsformen der Anbieter widerspiegeln.
Der Babel-Einwand wird also teilweise dadurch gelöst, dass Menschen zu gemeinsamen Entscheidungen neigen. Wir tun dies nicht als Ergebnis einer gezielten Manipulation, sondern weil wir bei der Entscheidung, ob wir etwas lesen oder nicht, wahrscheinlich ein gewisses Gewicht darauf legen, ob andere Menschen es gelesen haben oder nicht.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Begriff/Autor], [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] bzw. "Problem:"/"Lösung", "alt:"/"neu:" und "These:" ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Benkler I
Yochai Benkler
The Wealth of Networks: How Social Production Transforms Markets and Freedom New Haven 2007

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