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G. W. F. Hegel über Weltgeschichte – Lexikon der Argumente

Höffe I 337
Weltgeschichte/Hegel/Höffe: Die Weltgeschichte ist durchaus eine Synthese von innerem und äußerem Staatsrecht, was sich fraglos auf eine (...) Steigerung, sogar deren Vollendung
beläuft. Vgl. >Staat/Hegel.
Allerdings (...) besteht die Steigerung in einem nur subjektiven «Gericht», das ausdrücklich nicht als vernünftig gilt. Im Gegenteil, heißt es in den Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte(1), ist die Weltgeschichte eine «Schlachtbank, auf welcher das Glück der Völker, die Weisheit der Staaten und die Tugend der Individuen zum Opfer gebracht worden» sind. Trotzdem beharrt
Höffe I 338
Hegel auf seinem philosophischen Grundgedanken, die allgemeine Vernunft behaupte sich gegen die partikulare Willkür (von Völkern, Staaten und Individuen). >Frieden/Hegel.
Fortschritt: Um den Fortschritt zu vollziehen, bedient sich nach Hegel die Vernunft
zweier «bewusstloser Werkzeuge», der «welthistorischen Individuen» (...) als auch der «Volksgeister», worunter im Sinne von Montesquieu oder auch Herder die Art zu verstehen ist, wie Völker ihr Recht und ihre Verfassung organisieren.
Volk/Völker: Hegel spricht vom «besonderen Nationalcharakter eines Volkes»(2). Beide Subjekte, die Individuen und die Volksgeister, folgen ihren eigenen Interessen und verhelfen trotzdem, so die List der Vernunft, der Vernunft qua freiem Willen zu Erfolg.
Weltgeist: Wenn Hegel dabei von Weltgeist spricht, so meint er keine abstruse Kraft, sondern die gesamte, namentlich das Recht, die Familie, die Wirtschaftswelt und die Gemeinwesen umfassende sittliche Welt der Menschheit.
Abfolge von vier „welthistorischen Reichen“: dem orientalischen, dem griechischen, dem römischen und dem germanischen Reich. Stufen:
1) (...) das orientalische Reich erfüllt nicht die Kriterien, die für den vorausgehenden Teil, das «innere Staatsrecht», gelten. Weil im «orientalischen Reich» die Staatsverfassung und Gesetzgebung mit Religion verquickt und die «individuelle Persönlichkeit rechtlos» ist, werden selbst die Bedingungen des systematisch ersten Teils, das «abstrakte Recht», nicht erfüllt(3).
Höffe I 339
2) (...) in der «schönen sittlichen Individualität» des «griechischen Reiches», findet der Weltgeist «zur individuellen Geistigkeit, zur Schönheit und zur freien heiteren Sittlichkeit»(4).
3) Auf der nächsten Stufe, der «abstrakten Allgemeinheit» des «römischen Reiches», wird das sittliche Leben «in die Extreme persönlichen privaten Selbstbewusstseins und abstrakter Allgemeinheit zerrissen»(5).
4) Beim «germanischen Reich» schließlich, dem «nordischen Prinzip der germanischen Völker» (...) ist die wahrhafte Versöhnung laut Hegel objektiv geworden(6). Denn hier, so schließen die Grundlinien, entfaltet sich der Staat zum «Bilde und zur Wirklichkeit der Vernunft»(7).


1. Hegel, Vorlesungen zur Philosophie der Geschichte 1821-32 hrsg. v. E. Gans 1837
2. Hegel, Grundlinien der Philosophie des Rechts oder Naturrecht und Staatswissenschaft im Grundriss, 1820, § 3
3. Ebenda § 355
4. Ebenda § 356
5. Ebenda § 357
6. Ebenda § 358
7. Ebenda § 360


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente

Höffe I
Otfried Höffe
Geschichte des politischen Denkens München 2016

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