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Gerald F. Gaus über Utilitaristischer Liberalismus – Lexikon der Argumente

Gaus I 105
Utilitaristischer Liberalismus/Gaus: Utilitaristische Moraltheorien besagen, dass wir Kenntnisse sowohl über das Gute als auch über das Rechte besitzen können; im Sinne von Rawls sind dies keine Fragen des "vernünftigen Pluralismus". Die einfachsten Versionen des Utilitarismus behaupten, dass das Gute entweder Vergnügen, Glück oder Vorzugsbefriedigung ist, und das Recht ist die allgemeine Maximierung des Guten.
Bentham: Interessanterweise glaubte Bentham nicht, dass das Prinzip der Nützlichkeit bewiesen werden könnte; er behauptete jedoch, dass es vernünftigerweise nicht geleugnet werden könne (1987(1): Kap. 11, S. 11). Jeder vernünftige Mensch würde sehen, dass Vergnügen das letztendliche Ziel ist: Folglich war das Prinzip der Nützlichkeit über jeden vernünftigen Streit erhaben. Ob das Prinzip der Nützlichkeit durch Vernunft festgestellt werden konnte oder nicht, war und ist jedoch umstritten.
Mill: Mill legte bekanntlich einen Beweis vor (1963c(2): Kap. 4).
SidgwickVsMill: Sidgwick hingegen besteht darauf, dass bei jedem Argument für den Utilitarismus auf grundlegende Intuitionen zurückgegriffen werden muss; schließlich schien Sidgwick zu akzeptieren, dass man ein Egoist und dennoch nicht irrational sein konnte (1962(3): 418-22).
Gaus I 106
Ob der Utilitarismus die liberale Politik und Wirtschaft unterwandert (...) hängt von der Wirtschaftstheorie, der Public-Choice-Theorie, den Theorien des institutionellen Designs (Goodin, 1996)(4) und so weiter ab. In diesem Sinne ist der liberale Utilitarismus in der Tat eine teilweise umfassende Theorie, wobei verschiedene Theorien der Wirtschaft und Politik Teil der Argumentation für den liberalen Utilitarismus sind. >Märkte/McCulloch, >Märkte/Utilitarismus.
Viele Philosophen sind geneigt, den liberalen Utilitarismus abzulehnen, nur weil er sich auf empirische Behauptungen stützt; diese Anti-Utilitaristen führen oft phantasievolle "Was-wäre-wenn"-Beispiele an, die zeigen, dass Utilitarismus unter seltsamen Umständen zu seltsamen Ergebnissen führen kann. Im Gegensatz dazu haben Utilitaristen typischerweise großes Vertrauen in diese Theorien und sehen keinen Grund zu der Annahme, dass unsere Theorie des politischen Rechts unabhängig von unseren besten empirischen Theorien der Wirtschaft und Politik sein sollte (Goodin, 1982)(5). >Utilitarismus/Gaus, >Utilitarismus/Chapman.


1. Bentham, Jeremy (1987) Introduction to the Principles of Morals and Legislation. In Utilitarianism and Other Essays, Hrsg. v. Alan Ryan. Harmondsworth: Penguin.
2. Mill, John Stuart (1963c) Utilitarianism. In J. M. Robson, (Hrsg.), The Collected Works of John Stuart Mill. Toronto: University of Toronto Press, Bd. X, 203–59.
3. Sidgwick, Henry (1962) The Methods of Ethics, 7th edn. Chicago: University of Chicago Press.
4. Goodin, Robert E., (Hrsg.) (1996) The Theory of Institutional Design. Cambridge: Cambridge University Press.
5. Goodin, Robert E. (1982) Political Theory and Public Policy. Chicago: University of Chicago Press.


Gaus, Gerald F. 2004. „The Diversity of Comprehensive Liberalisms.“ In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004

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