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Deliberative Demokratie über Konsens - Lexikon der Argumente

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Konsens/Deliberative Demokratie/Bohman: Für einige Befürworter der deliberativen Demokratie bietet eine starke Unterscheidung zwischen vernünftiger Argumentation und bloßer Diskussion die Grundlage für die Behauptung, dass die Deliberation am Konsens orientiert sein muss (Habermas, 1996(1); Cohen, 1997(2)). Deliberation ist nicht nur Diskurs oder Dialog, argumentiert Cohen, denn sie muss "vernünftig" sein, d.h. auf "öffentlichem Argumentieren und Argumentieren unter gleichberechtigten Bürgern" basieren, die die einzig beste Antwort ergeben (1997(2): 74).
VsHabermas/VsCohen: Kritiker werfen oft vor, dass diese beiden Behauptungen ausgrenzend sind und zu undemokratischen Konsequenzen unter dem
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Umstand der Ungerechtigkeit im Hintergrund und der allgegenwärtigen Ungleichheiten führen. Es mag den Anschein haben, dass eine Orientierung am Konsens keine Voraussetzung für eine Deliberation ist, auch wenn sie als regulatives Ideal funktionieren mag.
Die Deliberation muss zumindest insofern der Argumentation ähneln, als es darum geht, Gründe zu nennen und nach ihnen zu fragen. Die Gründe, die eine Entscheidung akzeptabel machen, sind von den Formen zu unterscheiden, mit denen sie mitgeteilt werden. Demokratische Standards, die für Entscheidungen gefordert werden, müssen nicht für das Kommunikationsmedium als solches gelten, und nicht alle formellen öffentlichen Sphären müssen idealerweise inklusiv sein. Das bedeutet, dass formale Kommunikations- und Rationalitätstheorien nicht von vornherein genau entscheiden können, welche Kommunikationsmodi und -formen in verschiedenen Settings empirisch angemessen sind. >Deliberative Demokratie/Dryzek, vgl. >Argumentation/Crosswhite.
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Bohman: (...) Uneinigkeit ist genau das, was demokratische Deliberation nicht nur notwendig, sondern auch fruchtbar und produktiv macht, wenn sie durch die Vielfalt der Perspektiven getestet wird, die für ein vielfältiges und pluralistisches Publikum typisch ist. Der argumentative Diskurs muss nicht Einstimmigkeit voraussetzen oder Konsens suchen, sondern stellt Konflikte in einen gemeinsam konstruierten Begründungsraum. >Argumentation/Crosswhite.
Diese Tatsache der Uneinigkeit wirft die Frage auf, ob die öffentliche Deliberation "auf Konsens ausgerichtet" ist oder nicht. Konsens ist hier als Gegensatz zur bloßen Aggregation von Präferenzen bei der Abstimmung und zu Verhandlungen oder Kompromissen gemeint. Sicherlich würde es der Demokratie, wenn sie nur wählen und verhandeln würde, an der selbstkritischen Prüfung und Reaktionsfähigkeit der Vernunft und des Diskurses mangeln; die Probleme der Tyrannei der Mehrheit und die Probleme der Aggregation sozialer Entscheidungen würden die Wirksamkeit der
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Demokratie und ihr Anspruch auf Ligitimität untergraben. >Konsens/Diskurstheorien.


1. Habermas, Jürgen (1996) Between Facts and Norms. Cambridge, MA: MIT Press.
2. Cohen, Joshua (1997) 'Deliberation and democratic legitimacy'. In J. Bohman and W. Rehg, (Hrsg.), Deliberative Democracy. Cambridge, MA: MIT Press.

Bohman, James 2004. „Discourse Theory“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Begriff/Autor], [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] bzw. "Problem:"/"Lösung", "alt:"/"neu:" und "These:" ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.
Deliberative Demokratie

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004

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