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J. Donald Moon über Privatisierung – Lexikon der Argumente

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Privatisierung/Wohlfahrtsstaat/Moon: Es ist wichtig zu betonen, dass die staatliche Versorgung nicht notwendigerweise der privaten Vorsorge überlegen ist. Selbst wenn es klare Beispiele für "Marktversagen" gibt, Bereiche, in denen freiwillige Vorsorge nicht in der Lage ist, ein optimales Niveau an Dienstleistungen der einen oder anderen Art zu bieten, folgt daraus nicht, dass staatliches Handeln überlegen sein wird. So wie reale Märkte einem Marktversagen unterliegen, sind auch reale Regierungen einem Nichtmarktversagen unterworfen. >Marktversagen, >Staatliche Vorsorge/Moon, >Adverse Selektion/Barr.
Die Erkenntnis, dass die öffentliche Versorgung mit höheren Kosten verbunden sein kann als freiwillige Programme, hat in den letzten 20 oder 25 Jahren zu Forderungen nach einer "Privatisierung" einiger wohlfahrtsstaatlicher Aktivitäten geführt. Verschiedene Gruppen haben sich dafür ausgesprochen, die Tätigkeiten, die einst vom Staat ausgeführt wurden, an private Parteien zu übertragen, angefangen vom Verkauf verstaatlichter Industrien bis hin zur Vergabe von Aufträgen an private Firmen zur Erbringung öffentlicher Dienstleistungen, wie z.B. der Betrieb von Schulen oder die Bereitstellung von Reinigungsdiensten für eine Regierungsbürokratie. In ähnlicher Weise gab es in den letzten Jahren Bemühungen, die Auswahl zu vergrößern und Marktprozesse innerhalb öffentlicher Programme zu simulieren, wie z.B. die Verwendung von Gutscheinen im öffentlichen Bildungswesen oder den "Binnenmarkt" im britischen National Health Service. Bei all diesen Initiativen besteht die Hoffnung, die Effizienz zu steigern, die Dienstleistungsanbieter besser auf die Kunden eingehen zu lassen und den Menschen die Möglichkeit zu geben, individuellere Dienstleistungen zu erhalten, die ihren spezifischen Bedürfnissen und Interessen entsprechen.
Probleme: Andererseits werfen diese Entwicklungen die Sorge auf, dass selbst "marktnahe" Wahlmöglichkeiten in Bereichen wie Rente oder Bildung benachteiligte Gruppen negativ beeinflussen. Wenn beispielsweise eine erfolgreiche Schule in einem System, das sich auf Gutscheine oder andere "elterliche Wahlmöglichkeiten" stützt, in der Lage ist, mehr Schüler anzuziehen, als sie Platz hat, dann ist zu befürchten, dass sie
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"Problemkinder" ausschließen und sie möglicherweise noch schlechter gestellt werden als zuvor. Unabhängig davon, ob es um Renten, Bildung, Gesundheitsversorgung oder andere Bereiche des Wohlfahrtsstaates geht, beinhalten Effizienzargumente für öffentliche versus private Vorsorge eine Abwägung ihrer relativen Kosten. *


*Für eine ausgezeichnete Reihe von Studien über die "Revolution in der Sozialpolitik", die durch den Übergang zu "Quasi-Märkten" in einer Vielzahl von Politikbereichen und Ländern ausgelöst wurde, siehe Bartlett, Roberts und Le Grand (1998)(1).


1. Bartlett, Will, Jennifer Roberts and Julian Le Grand, eds (1998) A Revolution in Social Policy: Quasi-Market Reforms in the 1990s. Bristol: Policy.

Moon, J. Donald 2004. „The Political Theory of the Welfare State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Moon, J. Donald

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004

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