Wirtschaft Lexikon der Argumente

Home Screenshot Tabelle Begriffe

Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten

Wohlfahrtsökonomik über Verteilungsgerechtigkeit - Lexikon der Argumente

Gaus I 213
Verteilungsgerechtigkeit/Wohlfahrtsökonomie/Moon: Es ist wichtig zu betonen, dass die staatliche Vorsorge nicht notwendigerweise der privaten Vorsorge überlegen ist. Selbst wenn es klare Beispiele für "Marktversagen" gibt, Bereiche, in denen freiwillige Vorsorge nicht in der Lage ist, ein optimales Niveau an Dienstleistungen der einen oder anderen Art zu bieten, folgt daraus nicht, dass staatliches Handeln überlegen sein wird. So wie reale Märkte einem Marktversagen unterliegen, sind auch reale Regierungen einem Nichtmarktversagen unterworfen. >Marktversagen, >Staatliche Vorsorge/Moon, >Adverse Selektion/Barr. >Privatisierung/Moon, >Wohlfahrtsstaat/Politische Theorien.
Gaus I 214
Die Politik des Wohlfahrtsstaates ermöglicht es dem Einzelnen nicht nur, seine eigene Interessen wirksamer zu vertreten, aber im Allgemeinen die Einkommen umzuverteilen (...). Effizienzargumente gehen in der Regel von den Ergebnissen des Marktaustauschs vor der staatlichen Besteuerung und den Transfers aus und zeigen, dass eine bestimmte Politik zumindest im Prinzip alle Menschen besser stellen kann, als ihnen diese Ausgangslage zustehen würde. Aber in dem Maße, in dem Wohlfahrtspolitiken Einkommen umverteilen, wären diejenigen, deren Einkommen sinkt, normalerweise (wenn auch nicht notwendigerweise) schlechter dran; eine solche Politik ließe sich dann nur unter Berufung auf andere Werte als Effizienz rechtfertigen.*
Privatisierung/Probleme: Jedes private Vorsorgesystem beschränkt sich darauf, die geteilten Risiken, denen die Menschen in der Zukunft ausgesetzt sind, zu bündeln, und setzt daher eine "Grundlinie" einer bestimmten Verteilung von Vor- und Nachteilen voraus. Aber aus einer umfassenderen Sicht ist diese Beschränkung auf einen gegebenen Status quo willkürlich.
Umverteilung: (...) Jede Verteilung der 'Vorteile der sozialen Zusammenarbeit' muss gerechtfertigt sein, sei es durch Markttransaktionen oder durch wohlfahrtsstaatliche Politiken, die speziell auf die Umverteilung von Einkommen ausgerichtet sind. Die Annahme, daß die aus 'staatlichem' Handeln resultierenden Ausschüttungen gerechtfertigt sein müssen und daß die Ausschüttungen vor Steuern und Transfers vermutlich gerecht sind, scheint zumindest in Amerika weit verbreitet zu sein, was bei einigen zu einer Feindseligkeit gegenüber dem Wohlfahrtsstaat führt.
Libertarismus/Nozick: Starke Libertarianer wie Nozick sind der Meinung, dass eine Besteuerung zur Umverteilung von Ressourcen von einigen Steuerzahlern auf andere nicht nur mutmaßlich, sondern tatsächlich ungerecht ist, weil sie die Eigentumsrechte der Bürger verletzt (...) (Nozick 1974(1)).
MoonVs: Diese Kritik setzt natürlich voraus, dass das Recht, das wir auf unser Eigentum haben, einschließlich des Einkommens aus Arbeit oder unternehmerischer Tätigkeit, nicht vom Staat geschaffen wird, sondern in gewisser Weise "vor" dem politischen Leben existiert, und schränkt so das ein, was Regierungen legitimerweise tun dürfen. Wenn sich eine solche Theorie der natürlichen oder vorpolitischen Rechte rechtfertigen ließe, würde sie umverteilende wohlfahrtsstaatliche Programme blockieren. >Grundrechte/Politische Theorien.


* Das oben diskutierte Argument, dass die Linderung der Armut ein öffentliches Gut ist, wäre ein Beispiel für die Rechtfertigung einer Umverteilung aus Effizienzgründen.


1. Nozick, Robert (1974) Anarchy, State, and Utopia. Oxford: Blackwell.

Moon, J. Donald 2004. „The Political Theory of the Welfare State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications


_____________
Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Wohlfahrtsökonomik

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004

Send Link
> Gegenargumente zu Verteilungsgerechtigkeit

Autoren A   B   C   D   E   F   G   H   I   J   K   L   M   N   O   P   Q   R   S   T   U   V   W   Y   Z  


Begriffe A   B   C   D   E   F   G   H   I   J   K   L   M   N   O   P   Q   R   S   T   U   V   W   Z