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Wohlfahrts��konomik über Wohlfahrtsstaat - Lexikon der Argumente

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Wohlfahrtsstaat/Wohlfahrtsökonomik/Moon: Trotz der Bedeutung des Funktionierens und nicht des Besitzens konzentrieren sich die meisten Bewertungen der Leistung des Wohlfahrtsstaates auf das, was die Menschen haben, und nicht auf das, was sie tun können.
Rothstein: Ein gängiges Maß ist zum Beispiel der "Prozentsatz der armen Haushalte, die durch Steuern und Transfers aus der Armut herausgeholt wurden", wobei Armut definiert wird als ein Einkommen unter 50 Prozent des angepassten mittleren Haushaltseinkommens des Landes, in dem man lebt (Rothstein, 1998(1): 183-4). Wenn das Ziel des Wohlfahrtsstaates jedoch darin besteht, den Bürgern eine wirksame Teilhabe zu ermöglichen, ist diese Maßnahme problematisch, weil das Einkommen allein nicht in der Lage ist, viele der wichtigsten Funktionen zu erfüllen.
Susan Mayer: In einer neueren Studie mit dem treffenden Titel "What Money Can Buy" (1997(2)) hat Susan Mayer die "Funktionsweisen" von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen untersucht und sie mit dem Familieneinkommen in Beziehung gesetzt.
Arbeit: Die Auseinandersetzung über die Notwendigkeit eines effektiven Funktionierens im Gegensatz zum bloßen Zugang zu Ressourcen ist im Bereich der Arbeit am heftigsten geführt worden. Wenn die demokratische Staatsbürgerschaft verlangt, dass alle in die Lage versetzt werden, voll an der Gesellschaft teilzuhaben, dann müssen die Menschen nicht nur über bestimmte Ressourcen, sondern auch über bestimmte Fähigkeiten, Fertigkeiten und Veranlagungen verfügen.
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Man kann anerkennen, dass die Menschen auf "Wohlfahrt" angewiesen sind, weil ihre Möglichkeiten so begrenzt sind und ihr Zustand daher eher eine Anklage gegen die Gesellschaft als gegen die betroffenen Individuen darstellt, aber die Tatsache bleibt bestehen, dass der Bezug von Sozialhilfe es nicht ermöglicht, die volle Staatsbürgerschaft oder Mitgliedschaft in der Gesellschaft zu erlangen. Sie erhalten einen lediglich in einem marginalisierten Zustand. Soziale Eingliederung erfordert mehr als den Erhalt von Leistungen.
Lawrence Mead: Diese Argumentationslinie ist von einer Reihe "konservativer" Kritiker des Wohlfahrtsstaates vertreten worden. Lawrence Mead (1992)(3) beispielsweise argumentiert, dass sich der Charakter der Armut zumindest in Amerika in den letzten Jahrzehnten verändert hat und dass die durch Armut repräsentierte soziale Ausgrenzung die Unfähigkeit armer Menschen widerspiegelt, als rationale Handelnde selbst ihre eigenen Interessen zu verfolgen. >Arbeit/Lawrence Mead.
Nikolas Rose: Nikolas Rose hat darauf hingewiesen, dass die Betonung der bezahlten Beschäftigung kein Monopol der Rechten ist: "Auch von der "sozialdemokratischen Linken" wird Arbeit heute als die [wichtigste] Form der Eingliederung gesehen, und die Abwesenheit vom Arbeitsmarkt ist die stärkste Quelle der Ausgrenzung" (1999(4), 163).
David Harris: In einigen solidarischen Darstellungen beruft sich die Betonung der Arbeit auf eine ältere Sprache der Pflichten. In Harris' Bericht beispielsweise sind die Pflichten, die mit unseren Wohlfahrtsrechten korrelieren, "strenge Verpflichtungen" und können durch "Zwang" durchgesetzt werden (1987(5): 161).
Marshall: Darin knüpft [Harris] an Marshall an, der über die sozialen Rechte der Staatsbürgerschaft hinausblickte, um die Pflichten des bereicherten und integrativen Modells der Staatsbürgerschaft zu betrachten, das er befürwortete, einschließlich der "Pflicht zur Arbeit", die er für "überaus wichtig" hielt.
Gotmann/Thompson: In ähnlicher Weise bieten Amy Gutmann und Dennis Thompson eine Rechtfertigung für die Durchsetzung von Arbeitsverpflichtungen an, die sich auf die Idee der Staatsbürgerschaft stützt, indem sie argumentieren, dass "Arbeit als notwendiger Teil der Staatsbürgerschaft angesehen werden sollte" (1996(6): 293), weil sie "wesentlich für die soziale Würde" sei. Da "das Verdienen nicht nur ein Mittel zum Lebensunterhalt ist, sondern auch ein Zeichen der gleichen Staatsbürgerschaft", hat die bezahlte Beschäftigung eine "politische Dimension", die "eine weitere Rechtfertigung für die Verpflichtung zur Arbeit darstellt" (1996(6): 302).

* Es sei darauf hingewiesen, dass Mead die Charakterisierung seiner Position als "konservativ" ablehnen würde, da er argumentiert, dass zumindest in Amerika die konservative Position die liberale Annahme teilt, dass die Armen "kompetent" sind, und glaubt, dass das Problem der Armut durch die Art und Weise verursacht wird, in der Wohlfahrtsprogramme die Anreize für arme Menschen verfälschen. Die Lösung besteht also nicht in einer Reform der Armen, sondern in der Abschaffung der Wohlfahrtsprogramme. Zweifellos spiegelt diese Ansicht die Denkweise einiger Konservativer wider, aber andere selbsternannte Konservative sehen das Thema ähnlich wie Mead.


1. Rothstein, Bo (1998) Just Institutions Matter. Cambridge: Cambridge University Press.
2. Mayer, Susan (1997) What Money Can't Buy. Cambridge, MA: Harvard University Press.
3. Mead, Lawrence M. (1992) The New Politics of Poverty. New York: Basic.
4. Rose, Nikolas (1999) Powers of Freedom. Cambridge: Cambridge Umversity Press.
5. Harris, David (1987) Justifying State Welfare. Oxford: Blackwell.
6. Gutmann, Amy and Dennis Thompson (1996) Democracy and Disagreement. Cambridge, MA: Harvard University Press.


Moon, J. Donald 2004. „The Political Theory of the Welfare State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Wohlfahrtsökonomik

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004

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