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John Urry über Kultur – Lexikon der Argumente

Gaus I 272
Kultur/Postmoderne/Lash/Urry/West: Eine wichtige (...) Folge [der] wirtschaftlichen, sozialen und politischen Entwicklungen (>Kapitalismus/Lash/Urry) ist die zunehmende Bedeutung der Kultur als Ort der Herrschaft und des Widerstandes: "Herrschaft durch kulturelle Formen gewinnt im desorganisierten Kapitalismus eine Bedeutung, die in ihrer Bedeutung mit der Herrschaft in der Sphäre der Produktion selbst vergleichbar ist" (1987(1):14).
Postmoderne: Was Lash und Urry als Theoretiker der Postmoderne am deutlichsten unterscheidet, ist ihre ausgeprägt postmoderne Sicht auf die zeitgenössische Kultur. Der desorganisierte Kapitalismus wird mit dem "Auftreten und der massenhaften Verbreitung einer kulturideologischen Konfiguration des "Postmodernismus" in Verbindung gebracht, [die] die Hochkultur, die Populärkultur und die Symbole und Diskurse des Alltagslebens betrifft" (1987(1):7).
Dementsprechend kann die philosophische Postmoderne als ein Symptom breiterer kultureller Entwicklungen betrachtet werden, die ihrerseits im Sinne der postmodernen Philosophie charakterisiert werden können. Die postmoderne Kultur ist "transgressiv" sowohl hinsichtlich der intellektuellen Grenzen zwischen "rational" und "nicht-rational" als auch hinsichtlich der ästhetischen Grenzen zwischen "hoher" und "niedriger" Kultur. Sie ist misstrauisch gegenüber der (für Habermas so wichtigen) Unterscheidung zwischen ethischem, wissenschaftlichem und ästhetischem Diskurs.
Kunst/Aura: In Anlehnung an das Werk von Walter Benjamin beschreiben Lash und Urry die postmoderne Kultur als "post-auratisch" (1987(1):286): Das Kunstwerk ist nicht länger ein ewiges Objekt kontemplativer, fast religiöser Verehrung, sondern nur noch ein weiterer Bestandteil einer "Ökonomie des Vergnügens", ein Mittel der Zerstreuung wie jeder andere. Daraus folgt, dass die postmoderne Kultur besonders resistent gegenüber den für die Moderne charakteristischen diskursiven Formen ist. Kommunikation findet heute mehr über Bilder, Töne und Impulse statt als über das gesprochene oder geschriebene Wort.
Politik: Kultur schließlich ist ein zunehmend wichtiges Medium des politischen Kampfes. Sie ist der potenzielle Schauplatz für die Durchsetzung eines "autoritären Populismus", der eng mit der Politik der neuen Rechten und des Thatcherismus identifiziert wird. Auf der anderen Seite zeugen Entwicklungen wie die Gegenkultur, die populäre Musik und der Film von der alternativen Möglichkeit einer "antiautoritären radikalen Demokratie". Weniger klar aus der Analyse von Lash und Urry sind die Details dieser progressiven Alternative: Sie bieten wenig Orientierung über die Notwendigkeit eines "echten Dialogs" zwischen "neuen sozialen Bewegungen" und der alten Linken hinaus (1987(1): 312). >Demokratie/Laclau/Mouffe.


1. Lash, Scott and John Urry (1987) The End of Organized Capitalism. Cambridge: Polity.


West, David 2004. „New Social Movements“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Urry, John

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004

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