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Paul N. Edwards über Wettervorhersage – Lexikon der Argumente

Edwards I 362
Wettervorhersage/Edwards: Seit den Anfängen der synoptischen Vorhersage umfasste die Wettervorhersage drei Hauptschritte: (1) Das Sammeln der verfügbaren Daten, (2) das Interpretieren der Daten, um ein Bild der Wettersituation zu erstellen, und (3) die Vorhersage, wie sich dieses Bild während des Vorhersagezeitraums verändern wird. Der zweite Schritt, der ursprünglich als "Diagnose" bezeichnet wurde, verwandelte die Rohdaten von relativ wenigen Punkten in ein kohärentes, in sich konsistentes Bild der atmosphärischen Struktur und Bewegung(1). Wie bei einer medizinischen Diagnose kombinierten die Meteorologen Theorie und Erfahrungswissen, um aus unvollständigen und potenziell mehrdeutigen Hinweisen (Symptomen) ein gemeinsames Verständnis der Realität zu gewinnen.
Analyse: Für die frühe NWP (Numerische Wettervorhersage) erwies sich die Diagnose oder "Analyse" als der schwierigste Aspekt der Vorhersage. Letztendlich war es aber auch der lohnendste. Auf lange Sicht würde die Analyse auch die Vorhersage mit der Klimatologie auf neue, unerwartete und wichtige Weise verbinden. >Reanalyse/Klimatologie.
Edwards I 364
Interpretation: Vor der numerischen Wettervorhersage war die Analyse ein interpretierender Prozess, der eine wechselnde Kombination aus Mathematik, grafischen Techniken und Mustererkennung beinhaltete. Die menschliche Interpretation spielte eine entscheidende Rolle bei der Datenerfassung (...)(2).
Edwards I 369
Objektive Analyse: Das erste, experimentelle Analyseprogramm der JNWPU (Northwestern Polytechnical University) definierte ein 1000×1000 km großes Quadrat um jeden Gitterpunkt. Als nächstes suchte es nach allen verfügbaren Beobachtungsdaten innerhalb dieses Quadrats. Wenn es keine Daten fand, übersprang das Programm diesen Gitterpunkt und ging zum nächsten. Wenn es Daten fand, fügte das Programm eine quadratische Fläche an alle Datenpunkte innerhalb des Suchquadrats an. Dann interpolierte es einen Wert auf dieser Fläche für den Gitterpunkt. (...) diese Technik funktionierte gut für Gebiete, die dicht mit Beobachtungen bedeckt waren, aber schlecht in großen datenleeren Regionen(3). >Modelle/Klimatologie, >Klimadaten/Edwards.
Edwards I 391
Modelle/Wettervorhersage: Traditionell haben Wissenschaftler und Philosophen mathematische Modelle als Ausdruck einer Theorie verstanden - als Konstrukte, die abhängige und unabhängige Variablen gemäß physikalischer Gesetze zueinander in Beziehung setzen. In dieser Sichtweise erstellt man ein Modell, um eine Theorie (oder einen Ausdruck einer Theorie) zu testen. Man nimmt einige Messungen vor, setzt sie als Werte für Anfangsbedingungen in das Modell ein und löst dann die Gleichungen, indem man in die Zukunft iteriert. Aus Sicht der operationellen Vorhersage ist das Hauptziel der Analyse nicht, das Wetter zu erklären, sondern es zu reproduzieren. Sie erzeugen ein globales Datenbild, simulieren und beobachten gleichzeitig, überprüfen und gleichen Ihre Simulation und Ihre Beobachtungen gegeneinander ab. Wie der Philosoph Eric Winsberg argumentiert hat, testet diese Art der Simulationsmodellierung keine Theorie, sondern wendet sie an. Dieser Modus - Anwendung, nicht Rechtfertigung, von Theorie - ist "den meisten Wissenschaftstheoretikern fremd"(4).


1. V. Bjerknes, Dynamic Meteorology and Hydrography, Part II. Kinematics (Gibson Bros., Carnegie Institute, 1911); R. Daley, Atmospheric Data Analysis (Cambridge University Press, 1991).
2. See 14. P. Bergthorsson and B. R. Döös, “Numerical Weather Map Analysis,” Tellus 7, no. 3 (1955), 329.
3. As one of the method’s designers observed, “straightforward interpolation between observations hundreds or thousands of miles apart is not going to give a usable value.” G. P. Cressman, “Dynamic Weather Prediction,” in Meteorological Challenges: A History, ed. D. P. McIntyre (Information Canada, 1972), 188.
4. E. Winsberg, “Sanctioning Models: The Epistemology of Simulation,” Science in Context 12, no. 2 (1999), 275.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente

Edwards I
Paul N. Edwards
A Vast Machine: Computer Models, Climate Data, and the Politics of Global Warming Cambridge 2013

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