Wirtschaft Lexikon der Argumente

Home Screenshot Tabelle Begriffe

 
Währungskrisen: Zu Währungskrisen kommt es, wenn die Währung eines Landes gegenüber ausländischen Währungen erheblich an Wert verliert, was zu wirtschaftlicher Instabilität führt. Zu den Ursachen gehören hohe Inflation, hohe Staatsverschuldung, Spekulationsangriffe und schwache Finanzsysteme. Krisen können Kapitalflucht auslösen, das Vertrauen der Anleger schwächen und die Staatsfinanzen belasten.

_____________
Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor Begriff Zusammenfassung/Zitate Quellen

Paul Krugman über Währungskrisen – Lexikon der Argumente

Feldstein I 421
Währungskrisen/Krugman: [Eine] Art zirkuläre Logik - bei der Investoren aus einer Währung fliehen, weil sie eine Abwertung erwarten, und ein Großteil (wenn auch normalerweise nicht alles) des Drucks auf die Währung genau wegen dieses mangelnden Vertrauens der Investoren entsteht - ist das entscheidende Merkmal einer Währungskrise.
Feldstein I 423
Salant/Krugman: Das kanonische Währungskrisenmodell, wie es ursprünglich von Krugman (1979)(2) entwickelt und von Flood und Garber (1984)(3) verfeinert wurde, sollte die Commodity Board Story nachahmen.
Kanonisches Krisenmodell/Salant/Krugman: Das kanonische Währungskrisenmodell erklärt solche Krisen als das Ergebnis einer grundlegenden Inkonsistenz zwischen der Innenpolitik - typischerweise das Fortbestehen
Feldstein I 424
von geldfinanzierten Haushaltsdefiziten - und dem Versuch, einen festen Wechselkurs beizubehalten.
Dieses Modell hat einige wichtige Vorzüge. Erstens spiegeln viele Währungskrisen eindeutig eine grundlegende Inkonsistenz zwischen der Innen- und der Wechselkurspolitik wider; (...). Zweitens zeigt das Modell deutlich, dass der plötzliche, milliardenschwere „Run“ auf eine Währung weder auf die Irrationalität der Anleger noch auf die Machenschaften von Marktmanipulatoren zurückzuführen sein muss. Er kann einfach das Ergebnis der Logik der Situation sein, in der das Halten einer Währung unattraktiv wird, sobald ihr Preis nicht mehr stabilisiert ist, und das Ende der Preisstabilisierung selbst durch die spekulative Kapitalflucht ausgelöst wird. Diese Erkenntnisse sind wichtig, insbesondere als Korrektiv zu der Tendenz von Beobachtern, die mit der Logik von Währungskrisen nicht vertraut sind, diese als etwas außerhalb des normalen Universums wirtschaftlicher Ereignisse stehend zu betrachten - sei es als Offenbarung, dass die Märkte von der Chaostheorie übernommen wurden, dass „virtuelles Geld“ nun die Realwirtschaft überwältigt hat (Drucker 1997)(4), oder als Anscheinsbeweis für böswillige Marktmanipulation.
VsKanonisches Modell/Krugman: Was am kanonischen Krisenmodell falsch ist, lässt sich vielleicht am besten damit beschreiben, dass es die Regierungspolitik (nicht aber die Reaktion des Marktes) auf sehr mechanische Weise darstellt. Es wird davon ausgegangen, dass die Regierung blindlings weiter Geld druckt, um ein Haushaltsdefizit zu decken, unabhängig von der außenwirtschaftlichen Situation; die Zentralbank verkauft hartnäckig Devisen, um den Wechselkurs zu binden, bis der letzte Dollar an Reserven aufgebraucht ist. In Wirklichkeit ist das Spektrum der möglichen Maßnahmen viel breiter.
Für komplexere Modelle siehe >Währungskrisen/Obstfeld
, >Währungskrisen/Wirtschaftsheorien.
Feldstein I 439
Vorbeugung: [Eine] Antwort besteht einfach darin, Spekulanten kein leichtes Ziel zu bieten, indem man sich weigert, einen bestimmten Wechselkurs überhaupt zu verteidigen. Sobald ein Land einen
Feldstein I 440
schwankenden Wechselkurs hat, spiegeln sich alle spekulativen Bedenken über seine zukünftige Politik bereits im Wechselkurs wider.
Wer also gegen die Währung wettet, geht ein echtes Risiko ein und nicht die einseitige Option, gegen einen festen Kurs zu spekulieren. Diese Überlegungen haben eine Reihe von Ökonomen, die sich mit Währungskrisen befassen, davon überzeugt, dass die ultimative Lehre aus den krisengeschüttelten 1990er Jahren darin besteht, dass die Länder Zwischenlösungen vermeiden sollten. Sie sollten entweder ihre Währungen floaten lassen oder Währungsunionen beitreten.

1. Salant, Stephen. "Exhaustible Resources and Industrial Structure: A Nash-Cournot Approach to the World Oil Market," Journal of Political Economy, October 1976.
2. Krugman, P. 1979. A model of balance of payments crises. Journal of Money, Credit and Banking 11:311-25.
3. Flood, R., and P. Garber. 1984. Collapsing exchange rate regimes: Some linear examples. Journal of International Economics 17: 1-13.
4. Drucker, P. 1997. The global economy and the nation-state. Foreign Affairs 76 (5): 159-71.


Paul R. Krugman. „Currency Crises“. In: Martin Feldstein (ed). International Capital Flows. Chicago: University of Chicago Press. 1999.

_____________
Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Begriff/Autor], [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] bzw. "Problem:"/"Lösung", "alt:"/"neu:" und "These:" ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.



EconKrug I
Paul Krugman
Volkswirtschaftslehre Stuttgart 2017

EconKrug II
Paul Krugman
Robin Wells
Microeconomics New York 2014

Krugman III
Paul Krugman
Alasdair Smith
Empirical Studies of Strategic Trade Policy Chicago: The University of Chicago Press 1994

Feldstein I
Martin Feldstein (ed.)
International Capital Flows. Chicago: University of Chicago Press. 1999. Chicago 1999

Send Link
> Gegenargumente gegen Krugman
> Gegenargumente zu Währungskrisen

Autoren A   B   C   D   E   F   G   H   I   J   K   L   M   N   O   P   Q   R   S   T   U   V   W   Y   Z  


Begriffe A   B   C   D   E   F   G   H   I   J   K   L   M   N   O   P   Q   R   S   T   U   V   W   X   Z