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| Piketty-Modell: Das Piketty-Modell r > g besagt, dass die Vermögensungleichheit zunimmt, wenn die Kapitalrendite (r) das Wirtschaftswachstum (g) übersteigt. Auf der Grundlage historischer Daten zeigt Thomas Piketty, dass der Kapitalismus von Natur aus eine Vermögenskonzentration bewirkt, sofern dem nicht durch progressive Besteuerung, Vermögensumverteilung oder politische Eingriffe entgegengewirkt wird. Sein Modell verdeutlicht strukturelle Ungleichheiten und die Notwendigkeit von Regulierungen, um wirtschaftliche Fairness zu gewährleisten. Siehe auch Thomas Piketty, Piketty-Hypothese, Pikettys Gesetze._____________Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente. | |||
| Autor | Begriff | Zusammenfassung/Zitate | Quellen |
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Clemens Fuest über Piketty-Modell – Lexikon der Argumente
Fuest I 3 Piketty-Modell/Fuest/Peichl/Waldenström: Das sogenannte r - g Modell von Piketty (2014)(1), das die Differenz zwischen der Kapitalrendite r und der Einkommenszuwachsrate g mit dem Ausmaß der wirtschaftlichen Ungleichheit in Beziehung setzt, (...) [i]n seiner einfachsten Ausprägung besagt (...), dass, wenn bestehendes ('altes') Kapital schneller wächst als neues Kapital aus akkumulierten Einkommen geschaffen wird, dann werden bereits relativ reiche Kapitalbesitzer relativ zu den anderen, die kein Kapital besitzen, noch reicher, und damit steigt die Ungleichheit. VsPiketty: Aus theoretischer Sicht ist es klar, dass r > g weder notwendig noch hinreichend ist, damit die Ungleichheit zunimmt. Es ist nicht notwendig, weil die Ungleichheit auch aus anderen Gründen zunehmen kann, z. B. wegen der Ungleichheit der Arbeitseinkommen, die eine der Hauptursachen für den jüngsten Anstieg der Einkommensungleichheit in den Vereinigten Staaten war. Sie ist auch nicht ausreichend, weil Kapitalisten viel verdienen, aber wenig sparen können. MankivVsPiketty: Wie Mankiw (2015)(2) (…) betonte, führt r > g möglicherweise nicht zu wachsender Ungleichheit, weil Kapitaleinkommenssteuern die Nettorendite des Kapitals unter g senken können oder weil Kapitalbesitzer einen Teil ihres Einkommens verbrauchen. Wenn die Kapitaleigner genügend Kinder haben, wird die Vermögenskonzentration abnehmen, da sie ihr Vermögen der nächsten Generation vererben. Darüber hinaus können die Einkommen der Kapitaleigner nicht unbegrenzt wachsen, selbst wenn sie viel sparen. Der Zinssatz kann zwar dauerhaft höher sein als die Wachstumsrate des BIP, aber es ist offensichtlich, dass das Kapitaleinkommen nicht dauerhaft schneller wachsen kann als das BIP. Auch die Grenzproduktivität wird mit zunehmender Kapitalintensität der Produktion sinken.* Fuest I 6 Ungleichheit/Fuest/Peichl/Waldenström: Im Großen und Ganzen bieten die Ergebnisse (...) eine vorläufige Unterstützung für das von Piketty (2014)(1) vorgeschlagene r-g-Modell und die darin vorgeschlagenen Zusammenhänge zwischen dem r-g-Differenzial und der Vermögensungleichheit. Fuest I 7 Problem: Angesichts der beträchtlichen Probleme im Zusammenhang mit der Messung, der Datenverfügbarkeit und der statistischen Spezifikation ist natürlich noch viel mehr Aufwand erforderlich, bevor wir von stabilen Beziehungen bei diesen Ergebnissen sprechen können. Darüber hinaus sagt die Beziehung zwischen den Anteilen am Spitzenvermögen, der Entwicklung des Finanzsektors und dem Wirtschaftswachstum nichts über die Richtung der Kausalität aus. So ist es durchaus möglich, dass eine steigende Vermögenskonzentration ein stärkeres Wachstum des Finanzsektors bewirkt. Wir kommen daher zu dem Schluss, dass zur Klärung dieser Fragen weitere Untersuchungen erforderlich sind, >Kapitalsteuer/Piketty. * Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass die Zahl der Kinder mit dem Einkommen abnimmt (Jones und Tertilt 2006)(3). Die durchschnittliche Anzahl der Kinder pro Familie liegt bei reichen Haushalten unter 2. Grundlegend für Piketty: >Cambridge Capital Controversy (Kapitalkontroverse), >Geoffrey C. Harcourt, >Capital reversing, >Joan Robinson, >Kapital/Joan Robinson, >Ausbeutung/Robinson, >Reswitching/Robinson, >Reswitching/Wirtschaftstheorien, >Reswitching/Harcourt, >Neo-Keynesianismus, >Neo-Neoklassische Theorien. 1. Piketty, T. (2014), Capital in the 21st Century, Cambridge, MA: Belknap 2. Mankiw, Greg (2015). “Yes, r > g. So What?” In: American Economic Review: Papers & Proceedings 105.5, pp. 43–47. doi: 10.1257/aer.p20151059. 3. Jones, L.E. and M. Tertilt (2008). “An Economic History of Fertility in the United States: 1826–1960”, in: Rupert, P. (ed.), Frontiers of Family Economics, Bingley, West Yorkshire: Emerald Group Publishing Limited. Clemens Fuest, Andreas Peichl and Daniel Waldenström. Piketty’s r-g Model: Wealth Inequality and Tax Policy. https://www.ifo.de/DocDL/forum1-15-focus1.pdf_____________ Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der ArgumenteDer Hinweis [Begriff/Autor], [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] bzw. "Problem:"/"Lösung", "alt:"/"neu:" und "These:" ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente. |
Fuest I Clemens Fuest (ed.) George R. Zodrow Critical Issues in Taxation and Development (Cesifo Seminar Series) Cambridge, MA 2013 |
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