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Sparen: In der Wirtschaftswissenschaft wird Sparen als der Teil des verfügbaren Einkommens definiert, der nicht konsumiert wird.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor Begriff Zusammenfassung/Zitate Quellen

Thomas Piketty über Sparen – Lexikon der Argumente

Bofinger I 138
Sparen/Piketty/Schmidt: „Sparen“ ist einer der unklarsten Begriffe in der Ökonomie, der je nach Kontext sehr unterschiedliche Bedeutungen haben kann:
Bofinger I 139
- Reinvermögensbildung: Meint man mit ‚Sparen‘ die Rein- vermögensbildung, so ist dies auf der Ebene der privaten Haushalte oder auch des Staates die Differenz zwischen Einkommen einer Periode und dem Konsum derselben Periode. Bei den Unternehmen handelt es sich einfach um die unverteilten Gewinne, das heißt der Teil der Differenz zwischen Ertrag und Aufwand derselben Periode, der nicht an die Eigentümer ausgeschüttet wird.
- Geldvermögensbildung: Verwendet man ‚Sparen‘ im Sinne von Geldvermögensbildung, so bezeichnet es die Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben derselben Periode. Hat ein Wirtschaftssubjekt weniger ausgegeben als eingenommen, so hat sich sein Geldvermögen vergrößert - nicht zwingend dagegen sein Reinvermögen, denn das Geldvermögen kann ja auch aufgrund des Verkaufs von Sachvermögensgütern gestiegen sein.
- Konsumeinschränkung: ‚Sparen‘ im Sinne von Konsumeinschränkung bedeutet, dass ein Wirtschaftssubjekt seine Konsumausgaben verringert im Vergleich zu den Konsumausgaben in der vorherigen Periode. Diese Bedeutung ist nur für private Haushalte und den Staat relevant, da Unternehmen per definitionem nicht konsumieren.(1)
- Langfristige Anlage: Häufig wird unter ‚Sparen‘ auch keine Vermögensbildung verstanden, sondern eine Vermögensumschichtung, insbesondere innerhalb des Geldvermögensbestandes. Sparen in diesem Sinne liegt etwa dann vor, wenn vorhandene Mittel (Zahlungsmittel oder Beträge auf einem Sparkonto oder Tagesgeldkonto) längerfristig angelegt werden, etwa durch den Kauf von längerlaufenden Anleihen oder Aktien oder auch in Sachvermögen. Der Vermögensbestand ändert sich in diesem Falle nicht, nur die Zusammensetzung des Vermögens - nämlich in Richtung einer weniger liquiden Anlageform, die aber in aller Regel eine höhere Rendite ermöglicht.
>Sparen
.
Bofinger I 140
Piketty: Die von Piketty angeführten Daten (Piketty 2014: 229 ff.)(2) beziehen sich auf die Reinvermögensbildung (in erster Linie des privaten Sektors). Dabei kann sich die Reinvermögensbildung jedes Sektors zusammensetzen aus Sachvermögensbildung (= Nettoinvestitionen) und Geldvermögensbildung. Soweit sich die Geldvermögensänderungen der inländischen Akteure nicht gegenseitig aufheben, kann ein Land als Ganzes durch Leistungsbilanzüberschüsse sein Geldvermögen erhöhen beziehungsweise durch Leistungsbilanzdefizite sein Geldvermögen reduzieren. Die von Piketty angeführten Werte geben also die realisierte Reinvermögensbildung der Länder in Prozent des (Netto-)Nationaleinkommens (NNE) an.
Bofinger I 149
Sparen/Rendite/Wachstum/VsPiketty: Piketty muss in seinen Überlegungen eine niedrige Wachstumsrate (die er auf niedriges Bevölkerungswachstum und nicht näher erklärten geringen Produktivitätszuwachs zurückführt) und andererseits eine Substitutionselastizität zwischen Kapital und Arbeit von größer als eins annehmen, um die größere Bedeutung und Macht des Kapitals zu erklären. Was er dabei übersieht, ist, dass ein Anstieg der geplanten Ersparnis zu einem Rückgang der Rendite und des Wachstums führen kann - für ihn scheinen diese Größen weitgehend unabhängig voneinander zu sein.

Grundlegend für Piketty:
>Cambridge Capital Controversy (Kapitalkontroverse),
>Geoffrey C. Harcourt,
>Capital reversing,
>Joan Robinson,
>Kapital/Joan Robinson,
>Ausbeutung/Robinson,
>Reswitching/Robinson,
>Reswitching/Wirtschaftstheorien,
>Reswitching/Harcourt,
>Neo-Keynesianismus,
>Neo-Neoklassische Theorien.


1. Beim Staat ist der Begriff des „Staatskonsums“ im Grunde auch unglücklich, da er ja eigentlich die staatlichen Leistungen bezeichnet, die der Staat den Bürgern zur Verfügung stellt. Dies geschieht in der Regel kostenlos, da die staatlichen Leistungen nicht auf dem Markt verkauft, sondern indirekt über Steuern finanziert werden.
2. Piketty, T. 2014. Das Kapital im 21. Jahrhundert. München: Beck.

Johannes Schmidt. 2015. „Kapital und Sparen bei Piketty: Einige saldenmechanische Anmerkungen“. In: Thomas Piketty und die Verteilungsfrage. Ed. Peter Bofinger, Gustav A. Horn,
Kai D. Schmid und Till van Treeck. 2015.

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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Begriff/Autor], [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] bzw. "Problem:"/"Lösung", "alt:"/"neu:" und "These:" ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.



Piketty I
Thomas Piketty
Capital in the Twenty First Century Cambridge, MA 2014

Piketty II
Thomas Piketty
Capital and Ideology Cambridge, MA 2020

Piketty III
Thomas Piketty
The Economics of Inequality Cambridge, MA 2015

Bofinger II
Peter Bofinger
Monetary Policy: Goals, Institutions, Strategies, and Instruments Oxford 2001

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