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Pikettys Gesetze: Zu Pikettys Gesetzen in der Volkswirtschaftslehre gehören Erstes Grundgesetz α = r × β → Der Anteil des Kapitals am Volkseinkommen (α) hängt von der Kapitalrendite (r) und der Kapital-Einkommens-Relation (β) ab. Zweites Grundgesetz β = s/g → Die Kapital-Einkommens-Relation (β) wächst, wenn die Sparquote (s) das Wirtschaftswachstum (g) übersteigt, was zur Vermögensbildung führt. Siehe auch Thomas Piketty, Piketty-Modell, Piketty-Hypothese.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor Begriff Zusammenfassung/Zitate Quellen

Wirtschaftstheorien über Pikettys Gesetze - Lexikon der Argumente

Bofinger I 77
Pikettys Gesetze/Kapitalismus/Sparen/Piketty/van Treek: Piketty spricht von „fundamentalen Gesetzen des Kapitalismus“, tatsächlich besteht das Modell lediglich aus einer Identitätsgleichung (Gleichung 1) und einem einfachen arithmetischen Prinzip (Gleichung 2). Gerade deswegen besitzt das Modell jenseits theoretischer Grundkonflikte (zum Beispiel keynesianische versus neoklassische Makroökonomik) Gültigkeit, sofern man ein langfristiges Gleichgewichtskonzept (Steady State) anwendet.
>Keynesianismus
, >Neoklassiker.
I.
Im „ersten fundamentalen Gesetz“ wird der Anteil der Kapitaleinkommen (P) an den Nationaleinkommen (Y) mit ∝ bezeichnet und definiert als das Produkt aus der Kapitalrendite (r) und der Relation aus gesamtwirtschaftlichen Nettovermögen (W) und dem Nationaleinkommen (Y), die mit β bezeichnet wird:

(1) ∝ = P/Y = r * β = rW/Y

II.
Im langfristigen Gleichgewicht konvergiert β gemäß dem „zweiten fundamentalen Gesetz“ gegen die Relation aus
Bofinger I 78
gesamtwirtschaftlicher Sparquote (s) und der nominalen Wachstumsrate des Nationaleinkommens (g):

(2) β = s/g

Diese Zusammenhänge gewinnen durch zwei empirische Beobachtungen an Bedeutung für die Entwicklung der Einkommens- und Vermögensverteilung:
1) Erstens sparen Personen mit hohen Einkommen einen größeren Anteil ihres Einkommens und vererben relativ zu ihrem Einkommen mehr als Personen mit geringen Einkommen. Dies trägt entscheidend dazu bei, dass Vermögen ungleicher verteilt sind als Einkommen und dass Erbschaften im Laufe der Zeit gegenüber den Arbeitseinkommen an Bedeutung gewinnen.
2) Zweitens lag nach Piketty die Kapitalrendite (r) historisch oftmals oberhalb der Wachstumsrate des Nationaleinkommens (g).
Vgl. >Methode/Piketty.
Van Treek: Dies bedeutet, dass, wenn die Vermögensbesitzer einen hinreichend großen Teil ihrer Einkommen sparen, die Vermögen tendenziell schneller steigen als die Arbeitseinkommen. Übersteigt die Ersparnis aus Kapitaleinkommen die Wachstumsrate des Nationaleinkommens, so steigt die Vermögen-Einkommen-Relation (β) kontinuierlich an. Dies führt zu einem immer größeren Anteil der Kapitaleinkommen an den Nationaleinkommen (∝), was schließlich eine immer größere Einkommensungleichheit impliziert.(1)
Verteilung/van Treek: Die verteilungspolitische Brisanz eines großen r-g-Verhältnisses ergibt sich erst aus den unterschiedlichen Sparquoten verschiedener Einkommensgruppen.
Sparquoten: Wenn die Sparquoten unabhängig vom Einkommen wären, dann wäre auch das Verhältnis von Vermögen zu Einkommen für die einzelnen Haushalte unabhängig von deren Einkommen.
Bofinger I 79
Bei einheitlichen Sparquoten wäre zudem die Vermögens- und Einkommensverteilung langfristig identisch mit der Lohnverteilung, und das Verhältnis von r und g wäre irrelevant für die Verteilungsentwicklung.

Grundlegend für Piketty:
>Cambridge Capital Controversy (Kapitalkontroverse),
>Geoffrey C. Harcourt,
>Capital reversing,
>Joan Robinson,
>Kapital/Joan Robinson,
>Ausbeutung/Robinson,
>Reswitching/Robinson,
>Reswitching/Wirtschaftstheorien,
>Reswitching/Harcourt,
>Neo-Keynesianismus,
>Neo-Neoklassische Theorien.

1. Formal steigt β genau dann unendlich an, wenn sPr > g, wobei sP die Sparquote aus Kapitaleinkommen ist.

Till van Treeck. 2015. „Zur Bedeutung von r > g in Pikettys „Kapital im 21.Jahrhundert“.“ In: Thomas Piketty und die Verteilungsfrage. Ed. Peter Bofinger, Gustav A. Horn,
Kai D. Schmid und Till van Treeck. 2015.

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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Begriff/Autor], [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] bzw. "Problem:"/"Lösung", "alt:"/"neu:" und "These:" ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.


Wirtschaftstheorien

Bofinger II
Peter Bofinger
Monetary Policy: Goals, Institutions, Strategies, and Instruments Oxford 2001

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