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Protagoras: früher Sophist, ca. 485 – ca. 415 v. Chr. Bekannt ist der sogenannte homo-mensura-Satz „Der Mensch ist Maßstab aller Dinge – für die seienden, dass sie sind; für die nicht seienden, dass sie nicht sind.“ Dieser Satz wird als Summe der sophistischen Aufklärung verstanden, nämlich als die Behauptung, dass dem Menschen nichts vor- oder übergeordnet sei. Allerdings sollte der Satz nicht als ethische Relativierung interpretiert werden, sondern erkenntnistheoretisch. (Vgl. Der Kleine Pauly, Lexikon der Antike, München 1979).

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten

Platon über Protagoras - Lexikon der Argumente

Gaus I 307
Protagoras/Plato/Keyt/Miller: Der platonische Dialog, der den Namen Protagoras trägt, enthält eine lange Passage (Prot. 320c-328d), die gewöhnlich als Protagoras' "Große Rede" bezeichnet wird und voller Ideen zur politischen Philosophie ist. Die Authentizität der Großen Rede ist schwer zu beurteilen, da das Werk oder die Werke von Protagoras, auf denen sie beruhen könnte, verloren gegangen sind. (Für eine neuere Verteidigung ihrer Authentizität siehe Nill, 1985: 5-22).
Techne: Die Große Rede ist eine Antwort auf zwei sokratische Argumente, dass die politische Kunst (hé politiké techné), die Protagoras angeblich lehrt, in Wirklichkeit nicht gelehrt werden kann.
Mythos: Die Antwort wird zuerst im Mythos (Mythos) gegeben (Prot. 320c-324d) - nicht wörtlich zu nehmen, da Protagoras' Agnostizismus über die Götter bekannt ist (DK 4 und Tht. 162e) - und dann im Argument (Logos) (Prot. 324d-328d). Die mythologische Antwort ist, dass die Gaben des Zeus, Gerechtigkeit und Schande (aidös) und der Rest der politischen Tugend (politiké areté), im Gegensatz zu den von Prometheus verbreiteten technischen Fertigkeiten wie Metallurgie, Spinnen und Weben, jedem gegeben werden. Entmythologisiert, sind die Gaben der Götter die Gaben der Lehrer, und der Sinn des Mythos besteht darin, dass politische Tugend von jedem jedem gelehrt wird.
Politik: Die Große Rede berührt die meisten Antithesen, die die griechische politische Philosophie strukturieren.
Erziehung: Überzeugungskraft und Gewalt sind die Mittel, mit denen Gerechtigkeit und Schande gelehrt werden (Prot. 325d5). Platons Protagoras, angeblich ein Verfechter der Überzeugungskunst, ist ein überraschend starker Gläubiger an die Wirksamkeit der Gewaltanwendung. Das Kind, das sich den Ermahnungen seiner Lehrer über das Ungerechte, Gottlose und Niederträchtige widersetzt, "wird durch Drohungen und Schläge aufgerichtet, wie ein gebogenes oder verzogenes Stück Holz" (Prot. 325d; siehe auch 322d, 325ab, 327d).
Nomos/physis/Tugenden: Obwohl nomos und physis erst später im Dialog explizit unterschieden werden (Prot. 337d), ist eines der Themen der Großen Rede, dass Gerechtigkeit und Schande nicht von Natur aus, sondern durch die Lehre kommen (Prot. 323c-d). Da diese Tugenden "die Bande der Freundschaft", die protagoräische Version von (Prot. 322c3) - homonoia - ermöglichen, existieren diese Bande und die Poleis, die sie zusammenhalten, auch nicht von Natur aus.


1. Nill, Michael (1985) Morality and Self-Interest in Protagoras, Antiphon, and Democritus. Leiden: Brill.

Keyt, David and Miller, Fred D. jr. 2004. „Ancient Greek Political Thought“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004

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