Lexikon der Argumente


Philosophische Themen und wissenschaftliche Debatten
 
[englisch]

Screenshot Tabelle Begriffes

 

Finden Sie Gegenargumente, in dem Sie NameVs…. oder….VsName eingeben.

Erweiterte Suche:
Suchbegriff 1: Autor oder Begriff Suchbegriff 2:Autor oder Begriff

zusammen mit




Der gesuchte Begriff oder Autor findet sich in folgenden 22 Einträgen:
Begriff/
Autor/Ismus
Autor
Autor
Eintrag
Eintrag
Literatur
Literatur
Allgemeinheit Leibniz Holz I 128
Übergreifendes Allgemeines/an sich/Leibniz/König/Holz: das Ansich ist Gattung seiner selbst und seines Gegenteils, der Erscheinung.
I 129
KantVs: dann könnte die Erscheinung immer noch verschieden sein von dem, wovon sie Erscheinung ist - Lösung/Leibniz: die Welt garantiert durch die Perzeption, dass Erscheinung = Ansich: 1. Als Ganzes aber immer unter anderer Perspektive
2. Räumlich als Auseinandersein verschiedener Perzeptionen
3. Zeitlich als Abfolge von Perzeptionen
Pointe: der Unterschied zwischen Ansich und Erscheinung ist der Unterschied des Ansich selber. - Die Erscheinung ist nicht gegen das Ansich abgehoben.
I 130
Welt: drückt sich immer als Sosein einer einzelnen Monade aus. - ((s) Erscheinung, nicht Totalität, diese müsste alle Monaden umfassen).

Lei II
G. W. Leibniz
Philosophical Texts (Oxford Philosophical Texts) Oxford 1998

Holz I
Hans Heinz Holz
Leibniz Frankfurt 1992

Holz II
Hans Heinz Holz
Descartes Frankfurt/M. 1994
Bedeutung Benkler Benkler I 289
Bedeutung/kulturelle Bedeutung/Internetkultur/Werbung/Werben/Benkler: Kultur, Symbolik und Bedeutung, die mit marktbasierten Gütern verbunden sind, werden zum Hauptfokus der Werbung und des Nachfragemanagements. Niemand, der in den letzten Jahrzehnten den Werbekampagnen von Coca-Cola, Nike oder Apple sowie praktisch einer der unterschiedlichsten Werbekampagnen ausgesetzt war, kann übersehen, dass es sich hierbei nicht in erster Linie um eine Kommunikation über die materiellen Eigenschaften oder Qualitäten der von den Werbetreibenden verkauften Produkte oder Dienstleistungen handelt.
I 290
Bei ihnen geht es um die Bedeutung. Diese Kampagnen versuchen, den Akt des Kaufs ihrer Produkte oder Dienstleistungen mit einer kulturellen Bedeutung zu versehen, die sie kultivieren, manipulieren und in den Praktiken der Gesellschaft, in der sie werben, zu verallgemeinern, um den Geschmack zu formen. Wenn es einen geschäftlichen Grund gibt, etwas gegen die Kultur zu unternehmen, dann ist es der Versuch, die kulturelle Bedeutung eines Objekts oder einer Praxis zu formen, um die Nachfrage danach ebenfalls zu formen, während die Rolle der Kultur verborgen bleibt und die Kontrolle über die sorgfältige kulturelle Choreographie der Firmen-gebundenen Symbole gewährleistet wird.
Während es einen gewissen verfassungsmäßigen Schutz vor freier Rede für Kritik gibt, gibt es auch einen grundlegenden Wandel im Verständnis des Markenrechts - von einem Verbraucherschutzgesetz, das sicherstellen soll, dass sich die Verbraucher auf die Konsistenz der auf eine bestimmte Weise gekennzeichneten Waren verlassen können, zu einem Schutzrecht, das die Bedeutung der Symbole kontrolliert, die ein Unternehmen erfolgreich kultiviert hat, so dass sie tatsächlich berühmt sind. Diese Gesetzesänderung markiert einen großen Wandel in der Rolle des Rechts bei der Zuweisung der Kontrolle über die kulturelle Bedeutung, die von den Marktakteuren erzeugt wird. >Kulturelle Freiheit/Benkler, >Kulturübergreifende Kommunikation/Benkler.

Benkler I
Yochai Benkler
The Wealth of Networks: How Social Production Transforms Markets and Freedom New Haven 2007
Denkformen Leibniz Holz I 68
"Übergreifendes Allgemeines"/Leibniz/Holz: die Vernunftwahrheit ist die Gattung, die zwei (und nur zwei) Arten umfasst, nämlich die Vernunftwahrheit selbst und ihre Gegenteil, die Tatsachenwahrheiten. Für den formalen Logiker bleibt dies ein systematischer Widerspruch: Leibniz trifft eine Unterscheidung zwischen notwendigen und kontingenten Wahrheiten. Nichtsdestoweniger begreift er sie beide als analytisch!
Holz: in der Tat ist das Verhältnis kein formallogisches, sondern ein dialektisches.
>Josef König: „Das Übergreifende Allgemeine" als logische Grundfigur der Leibnizsches Metaphysik. Nötig wegen der unausdrückbaren Vielfältigkeit der Welt, die so dennoch einer Ordnung der Vernunft unterworfen werden kann.

Lei II
G. W. Leibniz
Philosophical Texts (Oxford Philosophical Texts) Oxford 1998

Holz I
Hans Heinz Holz
Leibniz Frankfurt 1992

Holz II
Hans Heinz Holz
Descartes Frankfurt/M. 1994
Erscheinung Leibniz Holz I 128
Ansich/Erscheinung/Leibniz/Josef König: ihr Verhältnis ist bei Leibniz ein dialektisches. Es entspricht wiederum genau dem Schema des "Übergreifenden Allgemeinen": Das Ansich ist Gattung seiner selbst (!), des Ansich und seines Gegenteils, der Erscheinung.
I 129
Damit ist nicht die Tatsache gemeint, dass die Erscheinung immer die Erscheinung eines Ansich ist, (was ja der Sinn des Wortes ist). KantVsLeibniz: denn dann könnte die Erscheinung ja immer noch verschieden von dem sein, dessen Erscheinung sie ist, und von daher wäre keine Kenntnis des Gegenstands möglich. (So sieht Kant das Verhältnis).
LeibnizVsKant: besteht darauf, dass die Erscheinung dasselbe ist wie das Ansich, das sich in der Erscheinung zeigt.
Die Welt tut das in der Perzeption. Dadurch vervielfältigt sie sich in zweifacher Hinsicht.
1. Als Ganzes aber jeweils unter anderer Perspektive
2. Sie erscheint räumlich als das Auseinandersein der verschiedenen Substanzen,
3. Sie erscheint zeitlich als Abfolge verschiedener Perzeptionen.
Das System der Perzeptionen ist "wohl begründet", weil es nichts anderes ist als die sich selbst beschränkende Aktivität der ursprünglichen Kraft des Ansich.
Der Unterschied zwischen Ansich und Erscheinung ist der Unterschied des Ansich selber! Das ist die Totalität und das Prinzip seines Unterschieds.
I 130
Daher ist die Erscheinung nicht gegen das Ansich abgehoben, sondern eine Art desselben und als solche etwas durchaus Reales. Erscheinung/Welt/Leibniz: die Welt erscheint nun immer nur insofern sie sich als Sosein einer einzelnen Monade ausdrückt.
Phänomenalität/Leibniz: die Weise, in der das Auszudrückende im Ausgedrückten enthalten ist. Jedes Ausgedrückte ist ein Phänomen. Es ist wohl begründet, weil das Ansich, indem es sich ausdrückt, das Phänomen ist, mit ihm identisch ist und es als erscheinendes Ansichseiendes begründet.
Das Phänomen ist der Realität nicht entgegengesetzt (VsKant) sondern gerade ihre spezifische Seinsweise im Vorgang der universellen Repräsentation.
Daher müssen auch alle Perzeptionen in allen einzelnen Substanzen einander entsprechen.
I 131
Einheit/Leibniz: nur so kann es sein, dass alle verschiedenen Monaden ein und dieselbe Erscheinung perzipieren. Das ist die "harmonie universelle" (univerelle Harmonie, s.o.) in Prozessform, in der alle Erscheinungen verknüpft sind, weil sie Erscheinungen desselben Ansich sind.
Phänomen/Repräsentation/Leibniz: das bedeutet nun aber, dass alles Seiende phänomenal ist. (Ebenso wie es zugleich Ansichseiendes ist).
Da Repräsentation bei Leibniz ein universaler und allseitiger Vorgang ist, muss jedes Seiende für jedes andere Seiende Phänomen sein.


Lei II
G. W. Leibniz
Philosophical Texts (Oxford Philosophical Texts) Oxford 1998

Holz I
Hans Heinz Holz
Leibniz Frankfurt 1992

Holz II
Hans Heinz Holz
Descartes Frankfurt/M. 1994
Ganzes Leibniz Holz I 73
Totalität/Ganzes/außen/außerhalb/Leibniz: weil es einzig und als solches eins und alles (hen kei pan) ist, muss dieses oberste Allgemeine außerhalb der series rerum gedacht werden. Die Welt ist nicht ein Glied, sondern die Reihe selbst. ((s) deshalb aber nicht außerhalb!). Aristoteles: damit ist die ganze Reihe das "Sein selbst" (on hê on).
Holz: der absolut irreduzible Satz, das erste Axiom überhaupt: "Die Welt ist alles, was der Fall ist". (Wittgenstein).
Der Zusammenhang aller Körper ist aber nicht selbst ein Körper, also nicht extensional, (die res extensa, Descartes) sondern intensional, die Struktur.
Das ist der "vollständige Begriff". >Hegel: "absoluter Begriff".
Vollständiger Begriff/Leibniz: enthält alle möglichen Bedingungen und Bestimmungen für die Existenz eines bestimmten Seienden, ist mithin identisch mit dem Begriff von der Welt im Ganzen.
Nur wahrnehmbar für einen unendlichen Verstand.
I 74
Identität/Leibniz/Holz: die Identität des Endlichen mit sich selbst ist formal nicht zu unterscheiden von der Identität des unendlichen Ganzen mit sich selbst.
Außen/außerhalb/Ganzes/Leibniz: gäbe es nun aber einen unendlichen Verstand, müsste dieser außerhalb des Ganzen stehen, um es gleichzeitig erfassen zu können. Damit wäre aber das Ganze nicht mehr das Ganze.
Es ist a priori wahr, dass das Ganze nicht isotrop abgebildet werden kann.
Daher bleibt der Grenzbegriff des unendlichen Verstandes eine heuristische Fiktion eine heuristische Analogie zum endlichen Verstand.

Holz I 113
Einzelnes/Ganzes/Identität/Leibniz/Holz: die Identität des Einzelnen mit dem Ganzen und umgekehrt gründet in der Unterscheidung von beiden! (>Hegel: Grund: die Einheit der Identität und des Unterschieds). Leibniz: die Def Immanenz der Substanz in der Welt und die
Def Inhärenz der Welt in der einzelnen Substanz.
Logische Form/Holz: das "Übergreifende Allgemeine":
I 114
Das Ganze hat zwei Arten: a) das Ganze selbst und
b) das Einzelne, das einerseits eine Art Ganzes ((s) durch Abgrenzung) und doch sein Gegenteil, nämlich Teil ist.
Die ontologische Entsprechung dieser logischen Struktur:
zweifache Weise des In seins:
a) "in der Welt" gekennzeichnet durch Lage,
b) Substanz selbst als ein Umfassendes, in dem die Totalität aller anderen Substanzen, also die Welt, als Bedingung ihrer selbst "enthalten" ist.

Lei II
G. W. Leibniz
Philosophical Texts (Oxford Philosophical Texts) Oxford 1998

Holz I
Hans Heinz Holz
Leibniz Frankfurt 1992

Holz II
Hans Heinz Holz
Descartes Frankfurt/M. 1994
Jigsaw-Methode Psychologische Theorien Haslam I 221
Jigsaw-Methode/psychologische Theorien: In den Jahren seit Aronsons Experimenten (>Jigsaw-Methode/Aronson; Aronson et al.(1)) hat die Forschung am Jigsaw-Klassenzimmer weiterhin positive Ergebnisse in Bezug auf verbesserte akademische Leistungen und Wertschätzung, insbesondere bei Schülern mit wirtschaftlich oder bildungsmäßig benachteiligten Hintergründen, sowie verbesserte gruppenübergreifende Beziehungen innerhalb des Klassenzimmers und der Schule erbracht (Johnson et al., 2000(2); Tomcho und Foels, 2012(3)). Es wurde erfolgreich auf verschiedene Themenbereiche
Haslam I 222
wie Englisch als Zweitsprache (ESL; Ghaith und El-Malak, 2004(4)) und Physikunterricht (Hänze und Berger, 2007)(5), und positive Ergebnisse wurden international wiederholt (Walker und Crogan, 1998)(6). Robert Cialdini initiierte eine einflussreiche Reihe von Studien über den sozialen Einfluss, die sich auf Beobachtungen von Strategien stützten, die von Einzelpersonen, wie z.B. Verkäufern, in angewandten Umgebungen verwendet wurden, identifizierte zugrunde liegende psychologische Prinzipien und testete diese Ideen in Feldbedingungen (Cialdini, 2009)(7). Auch die Grundlagenforschung zu Einstellungen und Verhaltensweisen, wie die Arbeit von Ajzen und Fishbeins (1980)(8) Theorie des begründeten Handelns (...), leitete maßgeblich die Entwicklung wirksamer Interventionen zur Änderung der Sexualpraktiken und zur Förderung der medizinischen Einhaltung, um die sich abzeichnende internationale AIDS-Epidemie einzudämmen (Albarracin et al., 2001)(9).
Gruppeninterne Beziehungen: Die Forschung zu diesem Thema wurde auch durch die Jigsaw-Klassenraumforschung inspiriert; siehe Paluck und Grün (2009(10).
Haslam I 223
Veröffentlichungen: Tatsächlich wurden die ersten Veröffentlichungen über das Jigsaw-Klassenraum - auch bekannt als kooperatives Lernen - in Bildungszeitschriften und nicht in sozialpsychologischen Zeitschriften veröffentlicht. Einschränkungen der Methode:/VsAronson: Aronsons Arbeit brachte eine neue Generation von kooperativen Lerninterventionen hervor, die so konzipiert wurden, dass sie in einem breiteren Spektrum von Unterrichtssituationen wirksam sind, nicht nur unter den spezifischen Umständen, die mit kürzlich desegregierten Schulen verbunden sind. Diese neueren kooperationsbasierten Interventionen waren in pädagogischer Hinsicht Allgemeiner wirksam. Als David Johnson und Kollegen (2000)(2) acht häufig verwendete kooperationsorientierte Lehrmethoden in Bezug auf ihre Effektivität einstuften, lag das Jigsaw-Klassenzimmer in Hinblick auf die Auswirkungen auf den Bildungserfolg nur auf Platz sechs.
Anfang der 1990er Jahre nutzten 79% der US-amerikanischen Grundschulen Methoden des kooperativen Lernens (Puma et al., 1993)(11), was den Einfluss des Jigsaw-Klassenzimmers auf die Umsetzung der Strategie belegt. >Jigsaw-Methode/Sozialpsychologie.


1. Aronson, E., Stephan, C., Sikes, J., Blaney, N. and Snapp, M. (1978) The Jigsaw Classroom. Beverly Hills, CA: Sage.
2. Johnson, D., Johnson, R.T. and Stanne, M.B. (2000) ‘Cooperative learning methods: A meta-analysis’, https://www.researchgate.net/profile/David_Johnson50/publication/220040324_Cooperative_learning_methods_A_meta-analysis/links/00b4952b39d258145c000000.pdf (04.05. 2019)).
3. Tomcho, T.J. and Foels, R. (2012) ‘Meta-analysis of group learning activities: Empirically-based teaching recommendations’, Teaching of Psychology, 39: 159–69.
4. Ghaith, G. and El-Malak, M.A. (2004) ‘Effect of Jigsaw II on literal and higher-order EFL reading comprehension’, Educational Research and Evaluation, 10: 105–55.
5. Hänze, M. and Berger, R. (2007) ‘Cooperative learning, motivational effects, and student characteristics: An experimental study comparing cooperative learning and direct instruction in 12th grade physics classes“, Learning and instruction, 17: 29-41.
6. Walker, I. and Crogan, M. (1998) ‘Academic performance, prejudice, and the jigsaw classroom: New pieces to the puzzle’, Journal of Community & Applied Social Psychology, 8: 381–93.
7. Cialdini, R.B. (2009) Influence: Science and Practice (5th edn). New York: Pearson.
8. Ajzen, I. and Fishbein, M. (1980) Understanding Attitudes and Predicting Social Behavior: Attitudes, Intentions, and Perceived Behavioral Control. Englewood Cliffs, NJ: Prentice Hall.
9. Albarracin, D., Johnson, B.T., Fishbein, M. and Muellerleile, P.A. (2001) ‘Theories of reasoned action and planned behavior as models of condom use: A meta-analysis’. Psychological Bulletin, 127: 142–61.
10. Paluck, E.L. and Green, D.P. (2009), ‘Prejudice reduction: What works? A review and assessment of research and practice’, Annual Review of Psychology, 60: 339-67.
11. Puma M.J., Jones C.C., Rock D. and Fernandez, R. (1993) ‘Prospects: The congressionally mandated study of educational growth and opportunity’, Interim Report. Bethesda, MD: Abt Associates.



John F. Dovidio, „ Promoting Positive Intergroup Relations. Revisiting Aronson et al.’s jigsaw classroom“, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic studies. London: Sage Publications

Haslam I
S. Alexander Haslam
Joanne R. Smith
Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017
Kognitive Dissonanz Festinger Haslam I 43
Kognitive Dissonanz/Festinger: Festinger (1954)(1) hatte seine Theorie der sozialen Vergleichsprozesse vorgestellt. Die Theorie des sozialen Vergleichs identifizierte die starke Notwendigkeit, dass Menschen ihre eigenen Meinungen und Fähigkeiten bewerten müssen, indem sie sie mit den Meinungen und Fähigkeiten anderer vergleichen. Festinger (1957)(2) führte eine neue Theorie ein, die über den sozialen Vergleich hinausgeht: Sie fokussierte die Sichtweise der sozialen Welt ungeniert aus der Perspektive des Einzelnen.
Individuen/Festinger: Individuen repräsentieren die soziale Welt als eine Reihe von mentalen Kognitionen. Jedes Verhalten, jede Einstellung oder Emotion wurde als Kognition betrachtet - das heißt, eine mentale Darstellung im Kopf einer Person. So auch die Wahrnehmungen der Welt um uns herum. Unsere Wahrnehmungen anderer Menschen, sozialer Gruppen und der physischen Welt wurden alle als kognitive Repräsentationen betrachtet.
Problem: Diese Darstellungen existierten in Beziehung zueinander - mal konsequent zusammenpassend, mal uneinheitlich in den Köpfen der Menschen.
Menschen verabscheuen Inkonsistenzen zwischen ihren Wahrnehmungen, und so erzeugen mentale Repräsentationen, die miteinander unvereinbar sind, psychologische Unannehmlichkeiten, die einem unangenehmen Antrieb ähneln. Wie andere Antriebszustände, beispielsweise Hunger, müssen sie reduziert werden.
Haslam I 44
Kognitive Dissonanz/Festinger: z.B. nach einer unerfüllten Weltuntergangsprophezeiung müssen diejenigen, die daran glaubten, die Dissonanz zwischen Glaube und Realität reduzieren, weil sie diese Diskrepanz als unangenehmen Spannungszustand erleben werden. Lösung: Normalerweise können Menschen eine Kognition ändern, um die Diskrepanz zu reduzieren.
Problem: Wenn wir uns zu unserem Glauben bekennen - zum Beispiel, wenn wir eine öffentliche Haltung eingenommen hätten, die sich für den Glauben einsetzt - dann versuchen wir, ihn zu bewahren, auch angesichts einer widersprüchlichen Erkenntnis, die die genaue Distanz angibt.
Haslam I 45
Lösung: (Festinger, Riecken und Schachter 1956)(3) machten eine mutige und umstrittene Vorhersage: Die Suchenden [diejenigen, die an die Prophezeiung des Jüngsten Gerichts glaubten] würden nicht nur in ihrem Glauben bestehen bleiben, sondern tatsächlich glühender werden als zuvor. Sie würden hartnäckig an ihrer Überzeugung festhalten, dass ihre Prophezeiung von Anfang an richtig war. Natürlich könnten sie nicht behaupten, dass die Welt untergegangen sei, aber sie könnten ihr allgemeines Glaubensmuster bekräftigen. Vielleicht war das Datum falsch oder es gab einen anderen Grund für die mangelnde Zerstörung. Aber sie würden an ihrem Glaubenssystem mit größerer Hartnäckigkeit als je zuvor festhalten. "Wenn immer mehr Menschen davon überzeugt werden können, dass das Glaubenssystem richtig ist, dann muss es doch richtig sein" (Festinger et al., 1956(3): S. 28).
Das Ende der Welt-Studie: Festinger et al. (1956) testeten diese Annahme in einem realen Fall der Weltuntergangsprophezeiung von 1955.
Haslam I 46
Wie von den Ermittlern vorhergesagt, wurde die Bekehrung zum Hauptweg, um die durch das Scheitern der Prophezeiung verursachte Dissonanz zu reduzieren. Die diskreten Erkenntnisse, die durch die Dissonanz der Prophezeiung von der Realität verursacht wurden, wurden in eine übergreifendere Botschaft umgewandelt, wie die kleine Gruppe wahrer Gläubiger die Welt vor der Zerstörung bewahrt hatte. (...) wenn alle glaubten, dass es so war, dann muss es so gewesen sein. >Methode/Festinger.
Haslam I 48
Festinger und Carlsmith (1959)(4): Der Kern von Festingers zweitem bahnbrechenden Experiment war es, eine Person eine Aussage machen zu lassen, die im Widerspruch zu seiner Haltung stand, und dann die Auswirkungen auf die Haltung der Person zu messen. Die Inkonsistenz sollte zu einer Verhaltensänderung führen, die mit der Aussage der Person übereinstimmt. Obwohl es keine Studie in der psychologischen Literatur gab, die diese Vorhersage getestet hatte, war sie im Einklang mit dem, was von mehreren anderen Gleichgewichtstheorien vorhergesagt worden wäre, die der Dissonanztheorie vorausgingen. Aber was die Dissonanz unter den Gleichgewichtstheorien einzigartig machte, war das Konzept der Dissonanz als Energiemodell. Und als eine Form der Energie hatte sie eine Größe. Energie/Messungen/Festinger: Einstellung? Angenommen, ein Mann wird dafür bezahlt, eine Aussage zu machen, die seiner Einstellung widerspricht. Würde das die Dissonanz verringern?
Haslam I 49
FestingerVsLerntheorie: Diese Vorhersage war eine direkte Herausforderung an den bestehenden Zeitgeist in der Psychologie. Belohnungen/Lerntheorie: Der dominante Ansatz der Psychologie, einschließlich der Sozialpsychologie, in den späten 1950er Jahren basierte auf der Lerntheorie. Dies deutete darauf hin, dass die Menschen als direkte Funktion der Belohnung lernten. Menschen haben ihr Verhalten geändert, weil sie bestärkt (reinforce) oder belohnt werden. >Lerntheorie.
FestingerVs: These (Festinger und Carlsmith (1959)(4): Je kleiner der Anreiz, desto mehr Menschen würden von ihren eigenen diskrepanten Aussagen beeinflusst werden und dass große Anreize die Auswirkungen des Verhaltens auf die Einstellungen beseitigen würden.
Dies war eine einfache Ableitung aus der Dissonanztheorie, aber eine Herausforderung an die Reinforcement Theory als Leitprinzip der Sozialpsychologie. >Experiment/Festinger, >Methode/Festinger.



1. Festinger, L. (1954) ‘A theory of social comparison processes’, Human Relations, 1: 117–40.
2. Festinger, L. (1957) A Theory of Cognitive Dissonance. Stanford: Stanford University Press.
3. Festinger, L., Riecken, H.W. and Schachter, S. (1956) When Prophecy Fails. Minneapolis: University of Minnesota Press.
4. Festinger, L. and Carlsmith, J.M. (1959) ‘Cognitive consequences of forced compliance’, Journal of Abnormal and Social Psychology, 58: 203–10.


Joel Cooper, “Cognitive Dissonance. Revisiting Festinger’s End of the World study”, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications

Haslam I
S. Alexander Haslam
Joanne R. Smith
Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017
Korrespondenz Millikan I 107
Korrespondenz/Korrespondenzrelation/Millikan: hier geht es um die zwischen einem indikativischen intentionalen Icon und seinem real value. 1. Der real value ist die Normale Bedingung für die Ausübung der direkten Eigenfunktion des Icons.
2. Es gibt Korrespondenzen zwischen Transformationen auf beiden Seiten!
3. Jede Transformation auf der Seite des Icons hat eine Normale Bedingung für die Eigenfunktion (proper performance) der entsprechenden Transformation des real value.
Pointe: dabei geht es um ein Inbeziehungsetzen der Transformationen von Icon und real value, nicht eine Korrespondenz der Elemente von Icon und real value. ((s) Vgl. >Kovarianz).
Transformation/Millikan: dabei geht es nicht um „Teile“ sondern um invariante und variable Aspekte ((s) eines Ganzen).
Bsp Bienentanz: variabel: Richtung – invariant: Existenz von Nektar.
I 108
Transformation/Satz/Millikan: bei Sätzen ist die häufigste Transformation die Substitution oder die Negation. Bsp „Theaitetos schwimmt“ Jede Transformation korrespondiert einer möglichen Weltsituation (Tatsache, world affair).
Artikulation: einer Tatsache, ist durch eine Gruppe möglicher Transformationen bestimmt.

I 307
Übereinstimmung/Millikan: zuerst muss man etwas über die objektive Welt, nicht die Welt, wie wir sie wahrnehmen (Empfindungswelt) wissen. Übereinstimmung/Urteil: Übereinstimmung im Urteil ist nicht, auf denselben Reiz mit derselben Reaktion zu antworten. Selten reagieren zwei Leute auf denselben Reiz mit derselben Wortwahl. Es ist auch nicht Übereinstimmung darüber, wie man die Welt in Stücke aufteilt. Stattdessen ist sie ein Zeichen dafür, dass jeder Sprecher auf seine Weise Kontakt hat mit der Welt, und dass es dasselbe ist, was auf verschiedene Weise abgebildet wird.

I 329
Korrespondenz/Putnam: es ist inkohärent anzunehmen, dass Wahrheit eine Korrespondenz mit der WELT sei. Abbildung/Repräsentation/Putnam: mathematische Abbildungen sind allgegenwärtig, Repräsentationen sind nicht allgegenwärtig.
Problem: eine Korrespondenztheorie, die darauf beruht, dass es eine Abbildungsrelation zwischen einer vollständigen Menge wahrer Repräsentationen und der Welt gäbe, ist leer
I 330
Lösung: es muss zunächst eine Unterscheidung zwischen Abbildungen und Repräsentationen geben. Lösung: es muss eine zusätzliche Bedingung für Referenz geben, nämlich, dass eine intendierte Interpretation ausgezeichnet wird.
Kausaltheorie/Putnam: würde hier nicht helfen. Denn es ist genauso unsicher, ob „Ursache“ eindeutig referiert, wie ob „Katze“ eindeutig referiert.
Begriff/Zeichen/Ockham/Putnam: Problem: ein Begriff darf nicht einfach ein „mentales ED“ sein, sonst verweist jedes Zeichen bloß immer wieder auf ein anderes Zeichen.
PutnamVsRealismus/PutnamVsmetaphysischer Realismus: es ist unverständlich, wie eine Relation zwischen einem Zeichen und seinem Objekt herausgegriffen werden könnte, entweder, indem man das Zeichen selbst hochhält, Bsp
KUH
Oder indem man ein anderes Zeichen hochhält z.B.
REFERIERT
Oder vielleicht
VERURSACHT.
Meinen/Bedeutungsrationalismus/Putnam/Millikan: das ist der Bedeutungsrationalismus: um etwas meinen zu können, müssen wir wissen, was wir meinen und zwar „wissen“ mit einem ganz bestimmten bedeutungsrationalistischen Glanz auf „wissen“: Die Relation zwischen Kopf und Welt muss zur Gänze im Kopf gespiegelt werden,
((s) > Siehe Leibniz, „Übergreifendes Allgemeines“).
PutnamVs: das ginge nur, wenn es ein mysteriöses „direktes Erfassen von Formen“ ((s) platonistisch) gäbe. Dann müsste die Relation nicht noch einmal gespiegelt werden.
I 331
Korrespondenz/Meinen/Bedeutung/Referenz/MillikanVsPutnam/Millikan: These: die Relationen zwischen Kopf und Welt sind tatsächlich zwischen Kopf und Welt. Das Verstehen dieser Relationen trägt aber nichts zur Begründung von Bedeutung und Referenz bei. Sie müssen auch nicht intendiert werden, damit man referieren kann.

Millikan I
R. G. Millikan
Language, Thought, and Other Biological Categories: New Foundations for Realism Cambridge 1987

Millikan II
Ruth Millikan
"Varieties of Purposive Behavior", in: Anthropomorphism, Anecdotes, and Animals, R. W. Mitchell, N. S. Thomspon and H. L. Miles (Eds.) Albany 1997, pp. 189-1967
In
Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005
Kulturpsychologie De Raad Corr I 133
Kulturpsychologie/Kulturelle Unterschiede/Verallgemeinerbarkeit/Fünf-Faktoren-Modell/Charakterzüge/De Raad: Replizierbarkeit. Auf der Suche nach einer sprachübergreifenden Charakterzugsstruktur verglichen Hofstee, Kiers, De Raad et al. (1997)(1), De Raad, Perugini und Szirmák (1997)(2) und De Raad, Perugini, Hrebícková und Szarota (1998)(3) mehrere psycholexisch abgeleitete Fünf-Faktoren-Strukturen nach psychometrischen Kriterien. Die Allgemeine Schlussfolgerung dieser Studien war, dass die für die entsprechenden Big Five-Faktoren berechneten Kongruenzkoeffizienten die Replizierbarkeit der ersten drei Faktoren der Big Five (Extraversion, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit) und die moderate Replizierbarkeit des vierten Faktors, Emotionale Stabilität, nahelegt. Darüber hinaus führten interkulturelle Vergleiche, die auf der Substanz der Big Five-Faktoren aus sechs verschiedenen psycholexikalischen Studien basierten, auch zu dem Schluss, dass Extraversion, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit interkulturell kohärent sind, emotionale Stabilität und Intellekt nicht (De Raad and Peabody 2005(4); Peabody and De Raad 2002)(5).
Siehe auch >Sprache/Psychologische Theorien.


1. Hofstee, W. K. B., Kiers, H. A. L., De Raad, B., Goldberg, L. R. and Ostendorf, F. 1997. A comparison of Big-Five structures of personality traits in Dutch, English, and German, European Journal of Personality 11: 15-31
2. De Raad, B., Perugini, M. and Szirmák, Z. 1997. In pursuit of a cross-lingual reference structure of personality traits: comparisons among five languages, European Journal of Personality 11: 167–85
3. De Raad, B., Perugini, M., Hrébicková, M. and Szarota, P. 1998. Lingua franca of personality: taxonomies and structures based on the psycholexical approach, Journal of Cross-Cultural Psychology 29: 212–32
4. De Raad, B. and Peabody, D. 2005. Cross-culturally recurrent personality factors: analyses of three factors, European Journal of Personality 19: 451–74
5. Peabody, D. and De Raad, B. 2002. The substantive nature of psycholexical personality factors: a comparison acrosss languages, Journal of Personality and Social Psychology 83: 983–97

Boele De Raad, “Structural models of personality”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Kulturpsychologie Deary Corr I 90
Kulturpsychologie/kulturelle Unterschiede/Verallgemeinerbarkeit/Fünf-Faktoren-Modell/Charakterzüge/Deary: Die Anwendbarkeit des Fünf-Faktoren-Modells auf andere Kulturen und Sprachgruppen wurde in Frage gestellt, trotzdem hat sich das Modell auch in diesem Bereich weitgehend bewährt. Das überarbeitete NEO Persönlichkeitsinventar wurde in viele verschiedene Sprachen übersetzt. In einer Studie mit über 26 Kulturen (viele nicht westlich), berichtete McCrae (2001)(1), dass Faktoranalysen sehr ähnliche Strukturen der Persönlichkeitsbeschreibung gefunden haben. Ein späterer Bericht, in dem fast 12.000 Schüler in fünfzig Kulturen die Charakterzüge einer anderen Person bewerteten, fand gute Übereinstimmung in Bezug auf die amerikanische Selbstberichtsstruktur (McCrae und 79 andere 2005)(2). Diese Studie ergab ähnliche Geschlechts- und Altersunterschiede zwischen den Kulturen. Auch bei dieser Art von interkulturellem Vergleich schneiden die Persönlichkeitsfragebögen von Eysenck gut ab (z.B. Eysenck und Eysenck 1982)(3).
A. Diese Art der Forschung wird als "etic"-Ansatz bezeichnet, bei dem ein in einer Kultur (meist westlich) entwickelter Persönlichkeitsfragebogen übersetzt und auf andere Kulturen angewendet wird.
B. Die andere Art der Forschung ist "emic", die mit dem kultureigenen Lexikon beginnt und fragt, ob in jedem eine ähnliche Persönlichkeitsstruktur gefunden wird. Peabody und De Raad's (2002)(4). Fazit des emic research war, dass die Bemühungen um die Erreichung der Big Five-Universalität überzogen wurden. Sie fanden die beste kulturübergreifende Allgemeingültigkeit für >Gewissenhaftigkeit, >Extraversion und >Verträglichkeit.
Siehe auch >Sprache/psychologische Theorien, >Fünf-Faktoren-Modell.


1. McCrae, R. R. 2001. Trait psychology and culture: exploring intercultural comparison, Journal of Personality 69: 819–46
2. McCrae, R. R. and 79 others 2005. Universal features of personality traits from the observer’s perspective: data from 50 cultures, Journal of Personality and Social Psychology 88: 547–61
3. Eysenck, H. J. and Eysenck, S. B. G. 1982. Recent advances in the cross-cultural study of personality, in C. D. Spielberger and J. N. Butcher (eds.), Advances in personality assessment, pp. 41–69. Hillsdale, NJ: Erlbaum
4. Peabody, D. and De Raad, B. 2002. The substantive nature of psycholexical personality factors: a comparison across languages, Journal of Personality and Social Psychology 83: 983–97


Ian J. Deary, “The trait approach to personality”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Liberalismus Waldron Gaus I 89
Liberalismus/Waldron: Die moderne Unterscheidung zwischen "politischen" und "umfassenden" Versionen des Liberalismus entsteht im Zusammenhang mit einem ernsthaften Problem der Rechtfertigungsgrundlage liberaler Prinzipien in einer pluralistischen Gesellschaft. Das Problem stellt sich wie folgt. Die Liberalen stellen sich eine tolerante, integrative Gesellschaft vor, die von Menschen bevölkert ist, die einer Vielzahl von Glaubenssystemen angehören. Viele moderne Gesellschaften, in denen der Liberalismus als politisches Ideal gedeiht, haben bereits diesen Charakter: Es sind religiös pluralistische und multikulturelle Gesellschaften (...).
Aber eine pluralistische Gesellschaft steht auch vor einer zusätzlichen Agenda. Wo verschiedene Glaubensrichtungen und Kulturen aufeinander treffen, kommt es wahrscheinlich zu Reibungen und Beleidigungen: Der Gottesdienst oder die Feierlichkeiten einer Gruppe können wie ein Vorwurf oder ein Angriff auf eine andere Gruppe erscheinen, und da Werte und Philosophien auf dem Marktplatz der Ideen miteinander konkurrieren, wird der Wettbewerb oft respektlos erscheinen, da jede Glaubensrichtung versucht, ihre Gegner zu diskreditieren und Anhänger für sich zu gewinnen. Es ist nicht leicht, unter diesen Umständen die Pflicht zur gegenseitigen Duldung zu definieren oder die Unterscheidung zwischen Schaden und Vergehen aufrechtzuerhalten, die ein pluralistisches Regime erfordert. >Pluralismus/Waldron.
Gaus I 90
Duldung/Pluralismus/Liberalismus/Problem: (...) Indem wir auf einer solchen Grundlage liberale Prinzipien und liberale Lösungen für die Probleme des gesellschaftlichen Lebens erarbeiten und verteidigen, scheinen wir inmitten der kulturellen und ethischen Pluralität Partei zu ergreifen. Wir scheinen aus der Vielfalt der ethischen, philosophischen und religiösen Traditionen in der Welt auszuwählen, wobei wir einige als grundlegend privilegieren und andere an den Rand drängen. >Toleranz/Waldron.
Gaus I 91
Def Politischer Liberalismus/Waldron: Zwei politische Liberale lassen sich also durch ihre unterschiedlichen Positionen und ihre unterschiedlichen Vorstellungen voneinander unterscheiden. Aber was sie - als politische Liberale - gemeinsam haben werden, ist ihr Bestehen auf einer Unterscheidung zwischen den Prinzipien und Idealen, die (in ihren jeweiligen Ansichten) eine liberale Gesellschaftsordnung definieren, und den tieferen Werten und Verpflichtungen, die mit bestimmten philosophischen Auffassungen verbunden sind. Def Umfassender Liberalismus/Waldron: Der oder die politische Liberale besteht darauf, dass die Artikulierung und Verteidigung einer bestimmten Reihe liberaler Verpflichtungen für eine Gesellschaft nicht von einer bestimmten Theorie darüber abhängen sollte, was einem menschlichen Leben Wert oder Sinn verleiht. Ein umfassender Liberaler verneint dies. Er oder sie behauptet, dass es unmöglich ist, liberale Verpflichtungen angemessen zu verteidigen oder auszuarbeiten, es sei denn, man beruft sich auf die tieferen Werte und Verpflichtungen, die mit einer Allgemeinen oder "umfassenden" Philosophie verbunden sind.
Politischer Liberalismus: Es kann auch eine zweite Ebene der Unterschiede zwischen politischen Liberalen geben. Unabhängig davon, ob der Inhalt ihres liberalen Engagements derselbe ist oder nicht, können sich zwei politische Liberale in den Rechtfertigungsstrategien unterscheiden, die sie als politische Liberale anwenden. >Konsens/Waldron. ((s) Vgl. >Verständigung/Habermas).
Umfassender Liberalismus: Offensichtlich gibt es auch unter den umfassenden Liberalen wichtige Unterschiede. Zwei umfassende Liberale können unterschiedliche liberale Verpflichtungen haben: der eine kann ein Linksliberaler und der andere ein libertärer Liberaler sein. Eine zweite Ebene der Differenz hat mit dem Inhalt der umfassenden Perspektiven zu tun, auf denen ihre liberalen Verpflichtungen beruhen. John Lockes christliche Grundlagen sind nicht dasselbe wie die Autonomietheorie von Immanuel Kant (1991)(1), und keine davon ist dasselbe wie die hedonistische Grundlage des Utilitarismus von Jeremy Bentham (1982)(2). >Autonomie/Kant, >Utilitarismus.
Gaus I 92
Probleme: (VsMill, VsKant, VsHumboldt): Es scheint Locke, Kant und Mill nicht in den Sinn gekommen zu sein, dass [die] Grundpositionen ein Problem für die Politik des Liberalismus in einer Gesellschaft darstellen würden, deren Mitglieder über die Existenz Gottes, die Natur der Vernunft und das Schicksal des menschlichen Individuums uneins waren. Sie gingen einfach davon aus, dass der Liberalismus einer solchen philosophischen Grundlage bedürfe und dass ihre Aufgabe als politische Philosophen darin bestünde, diese Grundlage zu artikulieren, (wie Mill es ausdrückte) "den intelligenten Teil der Öffentlichkeit ... davon zu überzeugen, ihren Wert zu erkennen" (1956(1): 90), und wenn nötig zu argumentieren, wie Locke in seiner Diskussion über den Atheismus (1983(2): 51) argumentierte, dass diejenigen, die sich diesen Grundpositionen nicht anschließen konnten, von der Regierung einer liberalen Gesellschaft als gefährlich angesehen werden müssten. >Liberalismus/Mill, >Gemeinschaft/Humboldt, >Staat/Humboldt, >Kategorischer Imperativ, >Neutralität/Waldron.
Gaus I 97
Die in einer Theorie der Gerechtigkeit angewandte Doktrin der Menschenwürde und Gleichheit muss - mehr oder weniger in der Art eines moralischen Absoluten - verschiedenen pragmatischen Erwägungen widerstehen können, die uns dazu verleiten könnten, die Interessen einiger weniger Schwacher und Verletzlicher um der Bequemlichkeit oder des Wohlstands der Reichen oder Mächtigen willen zu opfern oder zu vernachlässigen. Die Gerechtigkeit muss dem standhalten können, und ihre konstitutiven Doktrinen müssen das Zeug dazu haben, diese schwere moralische Arbeit zu leisten. Viele der umfassenden Konzeptionen, die politische Liberale aus dem öffentlichen Raum ausschließen wollen, richten sich genau an diese Frage: Sie erklären in ethischen oder transzendenten Begriffen, warum gerade die wenigen Schwachen und Verletzlichen nicht auf diese Weise geopfert werden dürfen. Die politischen Liberalen schlagen vor, diese Arbeit ohne Hilfe einer solchen Konzeption zu leisten, aber in einer Art und Weise, die dennoch ihre Loyalität im übergreifenden Konsens bewahrt. >Überlappender Konsens/Rawls, >Überlappender Konsens/Waldron, >Abtreibung/Rawls.
Gaus I 99
Umfassender Liberalismus/Waldron: Einige umfassende Konzeptionen werden die moralische Bedeutung der tatsächlichen Erfahrung der Menschen hier und jetzt bejahen, während andere sie vielleicht beiseite schieben oder verunglimpfen. Diejenigen, die sie bejahen, werden die moralischen und politischen Verpflichtungen, die traditionell mit dem Liberalismus verbunden sind, auf natürlichere Weise unterstützen und in gewisser Weise erzeugen und inspirieren. Und genau daran will uns der umfassende Liberale erinnern. Der Liberalismus beruht auf bestimmten ethischen Verpflichtungen, auf bestimmten Aussagen über das, was zählt, und auf der Bedeutung bestimmter Formen des Respekts für das Leben, die Erfahrungen und die Freiheit gewöhnlicher Männer und Frauen. Er ist kein neutrales oder nonchalantes Glaubensbekenntnis, und seine Verpflichtungen können wohl kaum auf rein politischer Ebene artikuliert werden.

1. Mill, John Stuart (1956 [1859]) On Liberty, ed. Currin V. Shields. Indianapolis: Hackett.
2. Locke, John (1983 [1689]) A Letter Concerning Toleration, ed. James H. Tully. Indianapolis: Hackett.

Waldron, Jeremy 2004. „Liberalism, Political and Comprehensive“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications.

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Logische Form Leibniz Holz I 135
Welt/Spiegel/Leibniz: gebraucht für dieses Verhältnis die Metapher des Spiegels. Jede Monade ist ein lebendiger Spiegel und mit innerer Handlung ausgestattet, dass sie das Weltall gemäß ihrem Gesichtspunkt darstellt (Perspektive).
Spiegel/Holz: sein Wesen ist es, die Erscheinung eines bespiegelten Ansichseienden zu sein.
Aber es ist auch wahr, dass das Bespiegelte außerhalb des Spiegels nur "extensive" oder als Aggregat zerstreuter Teile existiert (bei Leibniz).
Die Einheit wird durch den Spiegel hergestellt! Aber das ist eine bestimmte und bildhafte Einheit.
Ansich und Erscheinung existieren immer in der Identität der Unterschiedenen, weil wir im Spiegel das Ding selbst sehen,
I 136
anders als auf einem Gemälde oder einer Fotographie. Holz: dabei ergibt sich ein merkwürdig reziprokes Verhältnis von logischem und ontologischem Übergreifen der Glieder auf ihr jeweiliges Gegenteil.
Darstellung/Holz: logisch: die Darstellung ist logisch Gattung ihrer selbst und des Dargestellten. (Siehe "Das übergreifende Allgemeine").
Ontologisch: ist umgekehrt das Dargestellte Gattung seiner selbst und der Darstellung.
Verschränkung von Welt und Substanz bei Leibniz.

Lei II
G. W. Leibniz
Philosophical Texts (Oxford Philosophical Texts) Oxford 1998

Holz I
Hans Heinz Holz
Leibniz Frankfurt 1992

Holz II
Hans Heinz Holz
Descartes Frankfurt/M. 1994
Minimale Gruppe Tajfel Haslam I 164
Minimale Gruppe/Tajfel: In Fortführung der früheren Arbeit von Sherif (>Robbers Cave Experiment/Sherif, >Gruppenverhalten/Sherif, >Soziale Gruppe/Sherif, wurden [Taifels] Minimalgruppenstudien entwickelt, um die Gruppe oder Kategorie auf ihre minimalsten Elemente zu reduzieren und dann festzustellen, an welchem Punkt Konflikt und Diskriminierung zwischen Gruppen auftauchen würde. Wie sich herausstellte, entstand eine gruppenübergreifende Diskriminierung. Diese ergab sich aus dem durchaus erkennbaren Phänomen der Banden von Jungen, die um Territorium und Ressourcen kämpfen, auch, wenn alle offensichtlichen Merkmale, die einen solchen Konflikt hervorrufen könnten (z.B. eine Geschichte des Antagonismus, eine Knappheit an Ressourcen), beseitigt wurden.
Auf diese Weise lieferten die Studien eindrucksvolle Beweise dafür, dass Jungen (und später auch Erwachsene) zugunsten ihrer eigenen Gruppe diskriminieren würden, wenn es keine sichtbaren Anzeichen der Gruppen selbst gäbe - ein Phänomen, das typischerweise als minimale Verzerrung innerhalb der Gruppe bezeichnet wird.
Def Minimale Verzerrung in der Gruppe: Jungen (und später Erwachsene) würden zugunsten ihrer eigenen Gruppe diskriminieren, wenn es keine sichtbaren Anzeichen der Gruppen selbst gäbe. >Soziale Identitätstheorie/Tajfel.
Vorgänger: Sherifs Boys-Camp-Studien (>Robbers Cave Experiment/Sherif, Sherif und Sherif (1967(1) zeigten, dass Spannungen zwischen Gruppen entstehen, wenn sie um knappe Ressourcen konkurrieren müssen.
TajfelVsSherif: Wie in dem einflussreichen Artikel von 1971 (Tajfel 1971)(2) dargelegt, in dem Tajfel und seine Kollegen die Ergebnisse der ersten Minimalgruppenstudien vorstellten, scheinen zwei verwandte Themen Tajfels Bestreben zu motivieren, über Sherifs Ideen hinauszugehen. Erstens betonte er die Bedeutung des sozialen Kontextes, in dem Verhalten eingebettet und Bedeutung erlangt wurde.
Haslam I 165
Vorurteil/Tajfel: Die Artikulation der sozialen Welt eines Individuums in Bezug auf seine/ihre Kategorisierung in Gruppen wird zum Leitfaden für sein [oder ihr] Verhalten in Situationen, in denen ein Kriterium der Intergruppenteilung sinnvoll angewendet werden kann. (Sinnvoll muss nicht "rational" sein.) Eine undifferenzierte Umgebung macht sehr wenig Sinn und bietet keine Handlungsanweisungen... . Wann immer.... eine Form der gruppenübergreifenden Kategorisierung verwendet werden kann, wird sie Ordnung und Kohärenz in der sozialen Situation schaffen. >Gruppenverhalten/Tajfel.
Haslam I 167
Experiment 1: (siehe >Methode/Tajfel), wenn Allokation
Haslam I 168
zwei InGroup-Mitglieder oder zwei OutGroup-Mitglieder involviert, zeigten die Teilnehmer eine überwältigende Präferenz für eine Strategie der Fairness. Wenn es jedoch um Differenzmatrizen ging, bei denen es darum ging, ein InGroup- gegenüber einem OutGroup-Mitglied zu belohnen, waren sie nun diskriminierender zugunsten der InGroup (obwohl die modale Antwort immer noch auf Fairness ausgerichtet war). Mit anderen Worten, diese Matrizen lieferten Hinweise auf eine signifikante Verzerrung innerhalb der Gruppe. Darüber hinaus blieb die Unterstützung der Teilnehmer für diese Strategie unverändert, als das Kategorisierungsverfahren eine Wertkonnotation erhielt, die eine Diskriminierung rechtfertigen könnte (...). Experiment 2: Experiment 2 wurde entwickelt, um weiter zwischen den verschiedenen Belohnungsstrategien zu unterscheiden, die die Teilnehmer verwendeten. Das klare Ergebnis war, dass [die Strategie "Maximale Differenz"; siehe >Methode/Tajfel] im Gegensatz zu den anderen Strategien einen signifikanten Einfluss ausübte. (...) Die Differenzierungsmatrizen liefern konsistente Beweise für InGroup-Präferentialismus und maximale Differenzstrategien. (>Methode/Tajfel).
Interpretation der Ergebnisse: Zunächst interpretierten Tajfel und seine Kollegen [die Unterstützung für die Maximale-Differenz-Strategie (größter positiver Unterschied zwischen InGroup- und Outgroup-Punkten zugunsten der Ingroup) als Unterstützung einer generischen sozialen Norm zur Diskriminierung.
Haslam I 169
VsTajfel: Viele nachfolgende Berichte interpretierten dies als Beispiel für eine Beeinträchtigung für die OutGroup (weil es die OutGroup auf Kosten der eigenen Gruppe schadet). Problem/Spears/Otten: In der MD-Strategie sind positive Differenzierung und Ausnahmeregelungen verwirrt, und dieses Problem wurde nie angemessen angegangen (und wird selten, wenn überhaupt, diskutiert).
Alternative Interpretationen/Tajfel: (Tajfel et al. 1971)(2): (a) Nachfragemerkmale (die Idee, dass die Teilnehmer auf Hinweise reagierten, die die Hypothese des Experimentators vermittelten), (b) Erwartungen an die Gegenseitigkeit und (c) Vorwegnahme zukünftiger Interaktionen.
Ad (a): Lindsay St. Claire und John Turner (1982)(3) fanden heraus, dass, wenn Leute gebeten wurden, als Mitglieder der Gruppen Rollenspiele zu spielen (anstatt selbst kategorisiert zu werden) und dann die Matrizen entsprechend zu vervollständigen, sie nicht den gleichen Grad an InGroup-Verzerrung (MD und MIP) zeigten, sondern dazu neigten, Fairness vorherzusagen.
Ad (b): Tajfel und Kollegen gaben zu, dass sie keine Daten zu diesem Thema hatten, und daher konnte diese Erklärung nicht leicht ausgeschlossen werden.
Ad (c): Tajfel schlug vor, dass die rationalste Strategie - da sie nicht wussten, wer zu "ihrer" Gruppe gehörte - darin bestand, sich für eine MJP-Strategie (Maximum Joint Points) zu entscheiden. Allerdings (...) war diese Strategie wenig attraktiv.
Haslam I 170
Allgemeine Normerklärung: Diese Erklärung fiel aufgrund der möglichen Zirkularität einer normativen Darstellung schnell in den Hintergrund: Wenn es eine Wettbewerbsnorm gibt (z.B. unter Teilnehmern aus westlichen Ländern), woher kommt sie und was erklärt das? Für eine Lösung: siehe >Soziale Identitätstheorie/Tajfel.
Haslam I 171
1. Problem: In der Literatur werden Tajfels Minimalgruppenstudien oft verwendet, um den Schluss zu rechtfertigen, dass Diskriminierung allgegenwärtig und unvermeidlich ist ((s), was von Tajfel und Turner nicht ausdrücklich behauptet wird). 2. Problem: Es ist die Frage, ob die Darstellung der Studien von Tajfel und Turner immer korrekt ist:
A.
Theorie der sozialen Dominanz: Hier werden Beweise für die Begünstigung der InGroup verwendet, um zu argumentieren, dass die Diskriminierung zwischen den Gruppen ein Allgemeines Merkmal vieler Beziehungen zwischen den Gruppen ist (Sidanius und Pratto, 1999)(4).
B.
Systemausrichtungstheorie: (Jost und Banaji, 1994)(5): hier werden Hinweise auf gruppeninterne Begünstigungen
Haslam I 172
verwendet, um vorzuschlagen, dass Gruppen (insbesondere solche mit hohem Status) oft versuchen, ihre Position durch Vorurteile gegenüber anderen zu rechtfertigen. >Minimale Gruppe/Psychologische Theorien.


1. Sherif, M. (1967) Group Conflict and Co-operation: Their Social Psychology. London: Routledge and Kegan Paul.
2. Tajfel, H., Flament, C., Billig, M.G. and Bundy, R.F. (1971) ‘Social categorization and intergroup behaviour’, European Journal of Social Psychology, 1: 149–77.
3. St Claire, L. and Turner, J.C. (1982) ‘The role of demand characteristics in the social categorization paradigm’, European Journal of Social Psychology, 12: 307–14.
4. Sidanius, J. and Pratto, F. (1999) Social Dominance: An Intergroup Theory of Social Hierarchy and Oppression. New York: Cambridge University Press.
5. Jost, J.T. and Banaji, M.R. (1994) ‘The role of stereotyping in system-justification and the production of false consciousness’, British Journal of Social Psychology, 33: 1–27.



Russell Spears and Sabine Otten,“Discrimination. Revisiting Tajfel’s minimal group studies“, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic studies. London: Sage Publications

Haslam I
S. Alexander Haslam
Joanne R. Smith
Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017
Motivation Bowlby Corr I 228
Motivation/Bowlby/Shaver/Mikulincer: BowlbyVsFreud: Bei der Erläuterung der Motivationsgrundlagen der Persönlichkeitsentwicklung lehnte Bowlby (1982/1969)(1) Freudsche und objektbezogene Versionen der psychoanalytischen Theorie ab, die die menschliche Motivation in Bezug auf "Triebe" konzeptualisieren und den Geist als von "psychischer Energie" angetrieben betrachten. Stattdessen schuf er ein der Ethologie und der kybernetischen Kontrolltheorie entlehntes Motivationsmodell der "Verhaltenssysteme", nach dem das menschliche Verhalten von artenübergreifenden, angeborenen neuronalen Programmen (>Verhaltenssystemen) organisiert und gesteuert wird. Diese Bindungs-, Pflege-, Erkundungs- und Sexualsysteme erleichtern die Befriedigung grundlegender menschlicher Bedürfnisse und erhöhen dadurch die Wahrscheinlichkeit des Überlebens, der Anpassung und der Fortpflanzung. Motivation: Bowlby (1982/1969)(1) betrachtete die Systeme als "zielorientiert" und "zielkorrigiert" (d.h. korrigiert durch Änderung von Teilzielen basierend auf Rückmeldungen über die Zielerreichung). Jedes System wurde als ein Servomechanismus konzipiert, der durch bestimmte Reize oder Situationen eingeschaltet oder "aktiviert" werden konnte und durch andere Reize und Situationen "deaktiviert" oder "beendet" werden konnte (im Wesentlichen durch das Erreichen dessen, was Bowlby "Set-Ziele" nannte, die im Falle des Bindungssystems die Flucht vor und Vermeidung von Bedrohungen und Gefahren beinhalten).
Corr I 229
BowlbyVsFreud: Diese neue Konzeption der Motivation machte den Freudschen Begriff des allgemeinen Antriebs (z.B. Libido) unnötig. Zielorientiertes und zielkorrigierendes Verhalten wird nicht durch eine Anhäufung von psychischer Energie oder den Wunsch, die Antriebsintensität zu reduzieren, aktiviert. Es wird aktiviert durch Bedingungen innerhalb einer Person oder der Umgebung der Person, die ein Verhalten aktivieren, das darauf abzielt, einen bestimmten Zielzustand zu erreichen oder Bedrohungen und Gefahren zu vermeiden.

1. Bowlby, J. 1982. Attachment and loss, vol. I, Attachment, 2nd edn. New York: Basic Books (original edn 1969)


Phillip R. Shaver and Mario Mikulincer, “Attachment theory: I. Motivational, individual-differences and structural aspects”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Persönlichkeit bei Tieren Gosling Corr I 281
Persönlichkeit bei Tieren/Ethologie/Gosling: Der bisher umfassendste Überblick über die Literatur zur Tierpersönlichkeit identifizierte Persönlichkeitsstudien an 64 verschiedenen nichtmenschlichen Arten (Gosling 2001)(1). Seit dieser Rezension sind Persönlichkeitsstudien an zahlreichen anderen Arten entstanden, die von Wasserläufern (Sih und Watters 2005)(2), Eidechsen (Cote und Clobert 2007)(3) und Tintenfischen (Sinn, Gosling und Moltschaniwskyj 2008)(4) bis hin zu tropischen Fischen (Brown, Jones und Braithwaite 2005)(5), Gänsen (Kralj-Fiser, Scheiber, Blejec et al. 2007)(6) und Orang-Utans (Weiss, King und Perkins 2006)(7) reichen. Es ist jedoch zu beachten, dass Forscher nicht immer explizit den Begriff "Persönlichkeit" verwenden. So können Forscher beispielsweise Begriffe wie "Verhaltenssyndrome", "Verhaltenstypen" oder "Temperament" verwenden, oft nicht aus theoretischen Gründen, sondern in dem Bestreben, die anthropomorphen Konnotationen eines Wortes mit der "Person" darin zu vermeiden. Artenübergreifende Vergleiche: Eine Herausforderung für jeden Vergleichsforscher besteht darin, festzustellen, inwieweit scheinbar ähnliche Charakterzüge tatsächlich auf dasselbe zugrunde liegende Merkmal zurückgreifen. Wie lässt sich feststellen, dass das, was bei Tintenfisch oder Forelle oder Schimpanse als Kühnheit erscheint, in irgendeiner Weise der Kühnheit beim Menschen ähnlich ist? Zum Beispiel spiegelt das Schimpansengesicht, bei dem die Lippen zurückgezogen werden, so dass zusammengedrückte Zähne freigelegt werden, Angst und nicht Glück wider, wie es durch die scheinbare Ähnlichkeit des Ausdrucks mit einem menschlichen Lächeln angenommen werden könnte. Um diese Herausforderung zu lösen, können artenübergreifende Forscher auf die Erfahrungen der interkulturellen Forscher zurückgreifen.
Corr I 282
Die Lösung für die Bestimmung der interkulturellen Äquivalenz von Wutausdrücken besteht darin, zu untersuchen, was vor und nach den Ausdrücken kommt, und wenn möglich, nach Gemeinsamkeiten in der zugrunde liegenden Physiologie zu suchen. Bei der Verallgemeinerung über Arten hinweg müssen Wissenschaftler mehrere Dimensionen von Ähnlichkeit und Differenz berücksichtigen (Gosling 2001)(1). In der Regel sollten artenübergreifende Vergleiche die Umwelt- und Sozialökologien der Arten, ihre Biologie und ihre phylogenetischen Beziehungen zu anderen Arten berücksichtigen und die Bedeutung dieser Kriterien je nach dem zu untersuchenden Phänomen abwägen.
Corr I 283
Herkunft und Funktion der Charakterzüge: Durch die Untersuchung der Existenz von Charakterzügen vor dem Hintergrund bekannter phylogenetischer Beziehungen zwischen den Arten können die Forscher die wahrscheinliche Zeitspanne bestimmen, in der dieser Charakterzug entstanden ist, und aus diesen Informationen die ursprüngliche Funktion dieses Charakterzuges ableiten (Fraley, Brumbaugh and Marks 2005(8); Gosling and Graybeal 2007)(9).



1. Gosling, S. D. 2001. From mice to men: what can we learn about personality from animal research?, Psychological Bulletin 127: 45–86
2. Sih, A. and Watters, J. V. 2005. The mix matters: behavioural types and group dynamics in water striders, Behaviour 142: 1417–31
3. Cote, J. and Clobert, J. 2007. Social personalities influence natal dispersal in a lizard, Proceedings of the Royal Society B 274: 383–90
4. Sinn, D. L., Gosling, S. D. and Moltschaniwskyj, N. A. 2008. Development of shy/bold behaviour in squid: context-specific phenotypes associated with developmental plasticity, Animal Behaviour 75: 433–42
5. Brown, C., Jones, F. and Braithwaite, V. 2005. In situ examination of boldness-shyness traits in the tropical poeciliid, Brachyraphis episcopi, Animal Behaviour 70: 1003–9
6. Kralj-Fiser, S. Scheiber, I. B. R., Blejec, A., Moestl, E. and Kotrschal, K. 2007. Individualities in a flock of free-roaming greylag geese: behavioural and physiological consistency over time and across situations, Hormones and Behaviour 51: 239–48
7. Weiss, A., King, J. E. and Perkins, L. 2006. Personality and subjective well-being in orangutans (Pongo pygmaeus and Pongo abelii), Journal of Personality and Social Psychology 90: 501–11
8. Fraley, R. C., Brumbaugh, C. C. and Marks, M. J. 2005. The evolution and function of adult attachment: a comparative and phylogenetic analysis, Journal of Personality and Social Psychology 89: 808–22
9. Gosling, S. D. and Graybeal, A. 2007. Tree thinking: a new paradigm for integrating comparative data in psychology, Journal of General Psychology 134: 259–77



Samuel D. Gosling and B. Austin Harley, „Animal models of personality and cross-species comparisons“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.)2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Prinzipien Rawls I 4
Prinzipien/Gesellschaft/Rawls: 1. Jeder akzeptiert und weiß, dass die anderen Mitglieder der Gesellschaft dieselben Prinzipien der Gerechtigkeit akzeptieren.
2. Die grundlegenden sozialen Institutionen erfüllen diese Prinzipien uim Allgemeinen und sind bekannt dafür, dass sie dies tun.
I 7
Prinzipien/Rawls: wir sind hier nur an allgemeinen Prinzipien der Gerechtigkeit der Gesellschaft als ganzer, nicht an solchen für spezielle oder private Gemeinschaften oder für nationenübergreifende Institutionen interessiert.
I 10/11
Prinzipien/Gerechtigkeit/Rawls: Prinzipien müssen am Anfang festgelegt werden. Unser Ausgangspunkt, die Situation der Gleichheit, der eine Wahl folgen soll, entspricht dem Naturzustand der traditionellen Theorien des Sozialvertrags, ist aber weder eine konkrete historische Situation noch eine primitive Kultur. Es ist eine rein hypothetische Situation, die zu einer bestimmten Verwirklichung von Gerechtigkeit führen soll.
I 41
Prinzipien/MillVsIntuitionismus/Mill/Rawls: Mill argumentierte, dass das Nützlichkeitsprinzip das einige oberste Prinzip sein könne, da es sonst keinen Schiedsrichter zwischen konkurrierenden Kriterien geben könne(1). Prinzipien/Sidgwick: das Nützlichkeitsprinzip sei das einzige, das diese Rolle einnehmen kann(2).
Rawls: das ist, es, was die klassische Doktrin so attraktiv machte: dass sie das Problem der Prioritäten zu lösen versucht und den Intuitionismus vermeidet.
RawlsVsMill/RawlsVsSidgwick/RawlsVsUtilitarismus: wir müssen erkennen, dass es möglicherweise keinen Weg gibt, um die Pluralität der verschiedenen Prinzipien aufzulösen.
I 43
Prinzipien/Rawls: ich schlage vor, selbst bei der „lexikalischen Ordnung (dem stückweise Abarbeiten von Prinzipien nach einer äußerlichen Ordnung) das Prinzip der gleichen Verteilung von Rechten vorrangig vor dem Regeln von wirtschaftlichen oder sozialen Ungleichheiten zu behandeln.
I 61
Prinzipien/Gerechtigkeit/Rawls: vorläufige Formulierung: 1. Jede Person muss das gleiche Recht auf weitest gehende grundlegende Freiheit haben, soweit sie mit gleicher Freiheit für andere kompatibel ist.
2. Soziale und ökonomische Ungleichheiten sind so zu arrangieren, dass sie
a) vernünftig erwartbar zu jedermanns Vorteil sind und
b) mit Positionen und Verwaltungsvorgängen verknüpft sind, die von jedermann inne gehabt werden können.
Zeitlich werden die beiden Prinzipien nacheinander angewendet. Das bedeutet, dass ein Aufgeben des ersten Prinzips nicht durch größere soziale oder wirtschaftliche Vorteile aufgewogen werden kann.
I 62
Abweichungen von einer Gleichverteilung von sozialen Rechten oder wirtschaftlichen Vorteilen kann nur dadurch gerechtfertigt werden, dass dies für jedermann von Vorteil ist. ((s) Das ist eine Anlehnung an den Utilitarismus).
I 63
Die zeitliche Reihenfolge der Befolgung schließt auch aus, dass grundlegende Freiheiten gegen wirtschaftliche Vorteile eingetauscht werden können.
I 64
Ebenso bedeutet die zeitliche Reihenfolge der Prinzipien, dass von Personen immer nur in Form von Inhabern sozialer Rollen die Rede sein kann.
I 83
Prinzipien/Rawls: Neuformulierung des Zweiten Prinzips: Soziale und ökonomische Ungleichheit sind so zu arrangieren, dass sie a) den größten Nutzen für die am schlechtesten Gestellten und b) mit Verwaltungseinrichtungen und Positionen darin verknüpft sind, die allen unter Bedingungen einer fairen Chancengleichheit offen sind.
I 89
Ich gehe davon aus, dass die beiden Teile des Prinzips lexikalisch geordnet sind.
I 116
Prinzipien/Rawls: es ist nichts Inkonsistentes daran, dass Gerechtigkeit als Fairness unbedingte Prinzipien ermöglicht. Es genügt zu zeigen, dass die Parteien in der Ausgangssituation (einer zu errichtenden Gesellschaft) Prinzipien zustimmen, die die natürlichen Pflichten definieren, die dann unbedingt gelten. ((s)VsRawls: Widerspruch: Rawls sagt selbst, dass die natürlichen Pflichten Bsp nicht grausam zu sein, nicht Gegenstand von Vereinbarungen sind. (Siehe Rawls I 114).
I 250
Prinzipien/Gerechtigkeit/Rawls: Neuformulierung im Lichte der Berücksichtigung kontingenter individueller und historischer Ungleichheiten: Erstes Prinzip: Jede Person muss ein gleiches Recht auf das umfassendste System gleicher Grundrechte haben, dass mit einem gleichen System von Freiheit für alle kompatibel ist.
Prioritätsregel: die Prinzipien der Gerechtigkeit sind in lexikalischer Ordnung aufgebaut und daher kann Freiheit nur zum Wohl der Freiheit eingeschränkt werden. Hier gibt es zwei Fälle: a) eine weniger umfassende Freiheit muss die Freiheit des Gesamtsystem der Freiheit, das von allen geteilt wird, vergrößern, b) eine eingeschränkte Freiheit, muss für diejenigen akzeptierbar sein, die davon betroffen sind.
I 253
Prinzipien/Kategorischer Imperativ/Kant/Rawls: diese Prinzipien sind im Sinn von Kant ebenfalls Kategorische Imperative. Sie setzen keine bestimmten gesellschaftlichen Verhältnisse und keine individuellen Ziele voraus. Es wird nur ein Interesse an primären öffentlichen Gütern (z.B. Freiheit) vorausgesetzt. Die Präferenz für diese wiederum ist von allgemeinsten Annahmen über Rationalität und den Bedingungen des menschlichen Lebens hergeleitet.
I 302
Prinzipien/Rawls: endgültige Fassung für Institutionen/Rawls: die beiden Prinzipien der Gerechtigkeit (s.o.) plus Prioritätsregeln: 1. Prioritätsregel: die Prinzipien der Gerechtigkeit müssen in lexikalischer Reihenfolge abgearbeitet werden, sodass Freiheit nur zugunsten größerer Freiheit eingeschränkt werden darf. Zwei Fälle sind möglich: a) Eine eingeschränkte Freiheit muss das Gesamtsystem der Freiheiten stärken, die allen zugutekommen. b) Eine nicht gleiche Freiheit muss von denen akzeptiert werden können, die weniger Freiheiten genießen.
2. Prioritätsregel: (Gerechtigkeit geht vor Effizienz und Wohlstand): Das zweite Gerechtigkeitsprinzip ist lexikalisch vorrangig vor dem Prinzip der Effizienz und dem der Maximierung von Vorteilen,
I 303
Faire Chancengleichheit ist vorrangig gegenüber dem Differenzprinzip. Zwei Fälle sind möglich: a) Chancenungleichheit muss die Chancen der Benachteiligten vergrößern. b) Eine extreme Sparrate muss die Lasten der Betroffenen mindern. Allgemeine Konzeption: alle primären sozialen Güter (Freiheiten, Rechte, Einkommen, Wohlstand, die Voraussetzungen für Selbstachtung usw.) sind gleich zu verteilen, außer wenn eine ungleiche Verteilung einiger oder aller dieser Güter zum Vorteil der am wenigsten Begünstigen ist.
I 446
Prinzipien/Rawls: während die Prinzipien der Gerechtigkeit die sind, die in der Ausgangsposition gewählt werden, werden die Prinzipien der Rationalen Entscheidung oder der Rationalität gar nicht gewählt. Das führt zu der Unterscheidung zwischen dem Richtigen und dem Guten.

(1) Mill, A System of Logic, Buch VI, Kap. XII, Abschn. 7 und Utilitarianism, Kap. V, paers. 26-31.
(2) Sidgwick, The Methods of Ethics, Buch IV Kap. II und III.

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005
Propensitäten Bigelow I 333
Funktionale Erklärung/vorwärtsblickende Theorie/Funktion/Bigelow/Pargetter: 1. ätiologische Theorie/Bigelow/Pargetter:
I 334
Bsp Angenommen, ein Muster hat normalerweise eine bestimmte Wirkung und ist durch natürliche Selektion entstanden. Dann sagt die ätiologische Theorie, dass es jetzt eine Funktion dieses Musters ist. Dazu muss es in der Vergangenheit eine relevante Wirkung in einer hinreichenden Anzahl von Fällen gegeben haben.
Pointe: die entsprechenden Situationen sind keine, die zufällig ausgesucht wurden, sondern solche, in denen der Effekt angemessen war. In diesen Situationen trägt er zum Überleben bei.
Propensität/Überleben/Bigelow/Pargetter: obwohl die Wahrscheinlichkeits--Gesetze zulassen, dass es eine lange Reihe von Zufällen gibt, ist das sehr unwahrscheinlich. Normalerweise wird es eine Propensität hin zum Überleben des Individuums geben.
Funktion/Bigelow/Pargetter: wenn es nur eine Reihe von Zufällen gibt, sprechen wir sicher nicht von Funktion.
I 335
Ätiologische Theorie/Bigelow/Pargetter: interpretieren wir so, dass sie die Funktion für die ganze Zeit zuschreibt, auch schon, bevor sie zum Überleben beitrug! Damals trug sie zu einer Propensität bei. Umwelt: auch dies muss auf die Umwelt relativiert werden. Wenn diese plötzlich wechselt, kann es Mehrdeutigkeiten der Angepasstheit geben.
I 336
Funktion/Bigelow/Pargetter: Funktionen können beschrieben werden als Komponenten eines Organismus in absteigender Hierarchie von Komplexität. Bsp Körperteile, aber auch Zellen haben Funktionen. Propensitäts-Theorie/Bigelow/Pargetter: nach ihr sind die Funktionen daher relationale Eigenschaften.
Und sie sind dispositional. Das ist auch dann wahr, wenn das Individuum nicht überlebt oder niemals in seiner normalen Umwelt ist.
I 337
Erklärung/Bigelow/Pargetter: die so (als Propensitäten) interpretierten Funktionen erklären das Überleben durch kausale Information, als Warum-Erklärung. Propensitäts-Theorie/Artefakte/Bigelow/Pargetter: kann sie auch auf Artefakte angewendet werden, ebenso gut wie auf biologische Muster? Sie kann Teil einer übergreifenden Theorie sein, aber bei Artefakte gibt es wieder das Problem des Rückwärts-Blickens (s.o.).
Lösung/Bigelow/Pargetter: These wir schlagen als vorwärtsblickende Theorie für biologische Muster wie für Artefakte eine Theorie der Propensität für Selektion vor.
I 338
Damit haben alle Funktionen, seien sie biologische oder die von Artefakten, etwas gemeinsam.
I 338
Funktion/Fitness/Kausalerklärung/Propensitäts-Theorie/Bigelow/Pargetter: es kann sein, dass ein Organismus nicht überlebt, obwohl er eine Funktion zum Überleben ausgebildet hat. Aber wenn er überlebt, dann wegen dieser Funktion. VsPropensitätstheorie/Bigelow/Pargetter: Bsp eine Struktur dient überhaupt keinen Zwecken, Angenommen, seine Umwelt ändert sich, und plötzlich dienen seine Funktionen dem Überleben. Dann müsste unsere Propensitätstheorie sagen, dass die Struktur neuerdings eine Funktion hat. Bsp Angenommen, man könnte sagen, dass Herztöne die Funktion hat, Ärzte zu alarmieren. Aber erst in diesem Jahrhundert, das scheint falsch.
ätiologische Theorie: sagt, dass Herztöne keine solche Funktion haben, weil sie nicht dafür entwickelt wurde.
Bigelow/Pargetter: dennoch der Grund, warum wir den Herztönen eine Funktion absprechen möchte ist nicht, dass sie keine Evolutionsgeschichte der gewünschten Art hat.
I 339
sondern weil die Herztöne eine unvermeidliche Verbindung mit der Funktion des Blutpumpens haben. Die Herztöne produzieren keine Propensität zum Überleben. Dem entsprechen Beispiele für Funktionen, die es früher gab, die heute aber ihre Funktion verloren haben:
VsPropensitäts-Theorie/Bigelow/Pargetter: diese nimmt an, dass das Muster keine Funktion hat.
ätiologische Theorie: nimmt an, dass es eine Funktion hat, egal wofür sie gebraucht wurde, und wofür sie entwickelt wurde.
Propensitäts-Theorie/Bigelow/Pargetter: gibt im Allgemeinen bessere Erklärungen. Wir können sagen, daß es früher diese Funktion gab, diese aber unglücklicherweise schädlich für das Individuum wurde.
I 340
Erklärung/Bigelow/Pargetter: eine Propensität kann eine erklärende kausale Rolle spielen, während die Tatsache, daß etwas einen historischen Ursprung hat, keine spielt. Das zeigt uns, dass die Propensitätstheorie so starke Vorteile hat, dass es gerechtfertigt scheint, Gegen-Bsp wegzudiskutieren.
Paul GriffithsVsPropensitäts-Theorie/Bigelow/Pargetter: eben weil Fitness vorwärtsblickend ist, sollten Funktionen rückwärtsblickend sein. Und den Begriff „Funktion“ können wir überhaupt zugunsten von „Fitness“ aufgeben.
BigelowVsVs: Funktion und Fitness können unabhängige Rollen spielen.
Fitness: Eigenschaft eines Organismus
Funktion: Funktionen spezifizieren die Eigenschaften, die zusammen zur Fitness beitragen. Und hier können wir auch fragen, warum sie das tun.
Information/Bigelow/Pargetter: eine Zuschreibung von Fitness bricht auseinander in die Zuschreibung vieler Funktionen. So sind Funktionen in einer Hinsicht informativer, in anderer Hinsicht weniger informativ als Fitness.
a) sie sagen uns nichts über den Grad von Fitness, aber
b) jede sagt uns nicht nur, welche Merkmale beitragen, sondern auch warum.
I 341
Artefakt/Fitness/Bigelow/Pargetter: bei Artefakten geht es nicht um Fitness, also kann Funktion nicht durch sie überflüssig gemacht werden. Daher kann Fitness bei ihr auch nicht redundant sein. Aber statt dessen kann hier in analoger Weise Nützlichkeit redundant sein. Propensitätstheorie/Lösung/Bigelow/Pargetter: liefert einen einheitlichen Begriff von Funktion der auch auf Artefakte zutrifft.

Big I
J. Bigelow, R. Pargetter
Science and Necessity Cambridge 1990
Schuldhafte Gesinnung Sozialpsychologie Parisi I 142
Schuldhafte Gesinnung/Recht/Sozialpsychologie/Nadler/Mueller: Sowohl im Straf- als auch im Zivilrecht werden verschiedene schuldhafte Gesinnungen unterschieden, z.B. Fahrlässigkeit, Rücksichtslosigkeit, Wissen und Vorsatz/Intentionalität (siehe Model Penal Code S2.02; Restatement (Second) of Torts § 8A). Diese Kodifizierungen gehen davon aus, dass Geschworene und Richter schuldhafte Gesinnungen so wahrnehmen, dass sie sie zuverlässig in diese Kategorien einordnen können, was eine hohe Anforderung zu sein scheint, wenn man bedenkt, dass nicht einmal Gerichte bei der Unterscheidung zwischen schuldhaften Geisteszuständen immer konsistent sind (Simons, 1992)(1). Sozialpsychologie: Im Alltag machen Menschen ständig Rückschlüsse auf die mentalen Zustände anderer Menschen, und inwieweit diese Einschätzungen mit den Kategorien des MPC (Model Penal Code) übereinstimmen, ist eine wichtige empirische Frage. Im Kontext der Justiz (und vielleicht in der gesamten sozialen Wahrnehmung; siehe Malle und Holbrook, 2012)(2) ist Intentionalität der grundlegende mentale Zustand. Die buchstäblich lebenswichtige Rolle der Beurteilung von Absichten ("ist diese Person Freund oder Feind?") führt zum Primat dieser Urteile (Fiske, Cuddy und Glick, 2007)(3).
Wahrnehmung: Untersuchungen zur Wahrnehmung von rechtlich schuldhaften Geisteszuständen durch Laien haben gemischte Ergebnisse erbracht. Severance, Goodman und Loftus (1992)(4) fanden heraus, dass die Teilnehmer recht schlecht in der Lage waren, mentale Zustände zu unterscheiden, und nur vorsätzliche und fahrlässige Schädigungen zuverlässig trennen konnten. Im Gegensatz dazu fanden Robinson und Darley (1995)(5) heraus, dass die Intuitionen über Haftung und Strafe im Allgemeinen den Kategorien des Model Penal Code für Gesinnungen entsprachen.
Interkulturelle Studien: In einer kulturübergreifenden Studie unterschieden sich die Einschätzungen der Gesinnungen stark zwischen den Schadensvignetten (...); dennoch stimmten in drei von vier Szenarien die Schlussfolgerungen der Personen nicht
Parisi I 143
mit den MPC-Kategorien überein (Levinson, 2005)(6). Kulturelle Unterschiede: Interessanterweise schlossen die chinesischen Teilnehmer in dieser Studie systematisch auf eine größere Schuldfähigkeit als die amerikanischen Teilnehmer. Andere Forschungen legen nahe, dass kollektivistische Kulturen, einschließlich der chinesischen, bei der Erklärung von Verhalten situativen Faktoren mehr Gewicht beimessen als dispositionellen Faktoren (z. B. Morris und Peng, 1994)(7); diese Studien bewerten jedoch nicht speziell die Wahrnehmung von Schuld oder Verantwortung.
Rücksichtslosigkeit/Wissen: In jüngerer Zeit legt eine Reihe von Studien von Shen und Kollegen nahe, dass Menschen entsprechend den MPC-Kategorien "schuldlos", "fahrlässig" und "zielgerichtet" tadeln und bestrafen, aber dass sie schlecht darin sind, wissende und rücksichtslose Gesinnungen zu unterscheiden (Shen et al., 2011)(8). Sie weisen auf eine reale Konsequenz dieser Schwierigkeit hin: Die Verurteilung wegen einer fahrlässigen Tötung im Gegensatz zu einer wissentlichen Tötung kann den Unterschied zwischen einer zweijährigen und einer achtundvierzigjährigen Strafe ausmachen.
Intentionalität: Einschätzungen der Intentionalität werden auch durch die Motivation beeinflusst (Mueller, Solan und Darley, 2012(9); Ditto, Pizarro und Tannenbaum, 2009(10)). Wenn zum Beispiel gesagt wird, dass eine schwerere Strafe davon abhängt, ob der Arbeitgeber einen Arbeitnehmer vorsätzlich geschädigt hat, sind Scheinjuroren bereit, eine minimal schuldhafte Gesinnung (d.h. fahrlässig) oder eine minimale Risikowahrnehmung (3%) als vorsätzliche Schädigung wahrzunehmen (Mueller, Solan und Darley, 2012)(9). Als sie gebeten wurden, die Gesinnung des Arbeitgebers auf einer fünfstufigen Skala basierend auf den MPC-Kategorien zu kategorisieren, erkannten 88% dieser Teilnehmer fahrlässiges Verhalten und 96% rücksichtsloses Verhalten.
Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass selbst in Situationen, in denen Menschen in der Lage sind, mentale Zustände genau zu kategorisieren, diese nuancierten Unterscheidungen durch ihre Zuschreibungen von moralischer Schuld und den Wunsch, einen Übeltäter zu bestrafen, außer Kraft gesetzt werden können.


1. Simons, Kenneth W. (1992). "Rethinking Mental States." BUL Rev. 72:463.
2. Malle, Bertram F. and Jess Holbrook (2012). "Is There a Hierarchy of Social Inferences? The Likelihood and Speed of Inferring Intentionality, Mind, and Personality." Journal of Personality and Social Psychology 102(4):661.
3. Fiske, S. T., A. J. C. Cuddy, and P. Glick (2007). "Universal Dimensions of Social Cognition: Warmth and Competence." Trends in Cognitive Sciences 1 1 (2):77-83. doi:16/ j.tics.2006.11.005.
4. Severance, Laurence J., Jane Goodman, and Elizabeth F. Loftus (1992). "Inferring the Criminal Mind: Toward a Bridge Between Legal Doctrine and Psychological Understanding." Journal of Criminal Justice 20(2): 107-120.
5. Robinson, P. H. and J. M. Darley (1995). Justice, Liability, and Blame: Community Views and
the Criminal Law. Boulder, CO: Westview Press.
6. Levinson, Justin D. (2005). "Mentally Misguided: How State of Mind Inquiries Ignore Psychological Reality and Overlook Cultural Differences." Howard LJ 49: 1.
7. Morris, Michael W. and Kaiping Peng (1994). "Culture and Cause: American and Chinese Attributions for Social and Physical Events." Journal of Personality and Social Psychology 67(6):949
8. Shen, Francis X., Morris B. Hoffman, Owen D. Jones, Joshua D. Greene, and René Marois
(2011). "Sorting Guilty Minds." New York University Law Review 86: 1306-1360.
9. Mueller, Pam A., Lawrence M. Solan, and John M. Darley (2012). "When Does Knowledge
Become Intent? Perceiving the Minds of Wrongdoers." Journal of Empirical Legal studies 9(4):859-892.
10. Ditto, Peter H., David A. Pizarro, and David Tannenbaum (2009). "Motivated Moral Reasoning." Psychology of Learning and Motivation 50:307-338.

Nadler, Janice and Pam A. Mueller. „Social Psychology and the Law“. In: Parisi, Francesco (Hrsg.) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Bd. 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University Press

Parisi I
Francesco Parisi (Ed)
The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017
Software Zittrain I 184
Software/Datenschutz/Zittrain: ((s) Hier geht es um die Aufrechterhaltung der Privatsphäre wenn Software zur Dienstleistung wird): Die Nutzung unserer PCs schrumpft auf den reinen Arbeitsplatz, wobei private Daten weitab in den Händen von Dritten gespeichert werden.
I 185
Die neueste Version von Google Desktop ist eine PC-Anwendung, die eine "Computerübergreifende Suche" bietet. Es wird dafür geworben, dass Benutzer mit mehreren Computern einen Computer benutzen können, um Dokumente zu finden, die auf einem anderen gespeichert sind. (1) Die Anwendung erreicht dies, indem sie einen Index der Inhalte der Benutzerdokumente an Google selbst sendet. (2) ((s) Geschrieben in 2008). Die Bewegung der Daten aus dem PC bedeutet, dass ein Haftbefehl, der
I 186
persönlichen Computern und deren Festplatten auferlegt wurde, immer weniger Informationen liefern wird, da die Daten ins Web transferiert werden, was die Strafverfolgung zu den vernetzten Dritten treibt, die diese Informationen nun hosten. Wenn unsere Tagebücher, E-Mails und Dokumente nicht mehr zu Hause, sondern bei einer Dotcom aufbewahrt werden, landen fast alle ehemals flüchtigen Kommunikationen dauerhaft und zugänglich in den Händen Dritter und unterliegen einem vergleichsweise schwachen gesetzlichen und verfassungsrechtlichen Schutz vor Überwachung. (3) Ein Haftbefehl ist im Allgemeinen erforderlich, damit die Regierung auf Daten auf dem eigenen PC zugreifen kann, und Haftbefehle verlangen, dass die Strafverfolgungsbehörden einen wahrscheinlichen Grund dafür angeben, dass durch die Durchsuchung Beweise für ein Verbrechen erbracht werden. (4) Mit anderen Worten, die Regierung muss eine höhere Hürde überwinden, um den eigenen PC zu durchsuchen, als die eigene Datenkommunikation zu belauschen, und sie hat mit den wenigsten Hindernissen zu kämpfen, wenn sie an anderer Stelle gespeicherte Daten erhält. (5)

1. Siehe Google, Google Desktop—Features, http://desktop.google.eom/features.html# searchremote (last visited May 15, 2007).
2. Matthew Fordahl, How Google’s Desktop Search Works, MSNBC.com, Oct. 14, 2004, http://www.msnbc.msn.com/id/6251128/.
3. Siehe, z.B., Declan McCullagh, Police Blotter: Judge Orders Gmail Disclosure, CNET NEWS.COM, Mar. 17, 2006, http://news.com.com/Police+blotter+Judge+orders+Gmail+disclosure/2100-1047_3-6050295.html (reporting on a hearing that contested a court subpoena ordering the disclosure of all e-mail messages, including deleted ones, from a Gmail account).
4. Orin Kerr, Search and Seizure: Past, Present, and Future, OXFORD ENCYCLOPEDIA OF LEGAL HISTORY (2006).
5. Cf. Orin S. Kerr, Searches and Seizures in a Digital World, 119 HARV. L. REV. 531, 557 (2005) (“Under Arizona v. Hicks (480 U.S. 321 (1987)), merely copying information does not seize anything.” (footnote omitted)).

Zittrain I
Jonathan Zittrain
The Future of the Internet--And How to Stop It New Haven 2009
Verallgemeinerung Parsons Habermas IV 267
Verallgemeinerung/Generalisierung/Talcott Parsons/Habermas: Def Wertgeneralisierung/Parsons: nennt Parsons die Tendenz, dass die Wertorientierungen, die den Handelnden institutionell nahegelegt werden, im Lauf der Entwicklung immer allgemeiner und formaler Werden. Dieser Trend ergibt sich mit struktureller Notwendigkeit aus einer Rechts- und Moralentwicklung, die eine für den Konfliktfall vorgesehene Konsenssicherung auf immer abstraktere Ebenen verschiebt. Auch die einfachsten Interaktionssysteme funktionieren nicht ohne ein gewisses Maß an generalisierten Handlungsorientierungen. Das Grundproblem ist: wie bringt Ego es fertig, dass Alter eine Interaktion in erwünschter Weise fortsetzt – wie vermeidet er einen Konflikt, der die Handlungssequenz unterbricht? Habermas: wir stoßen auf triviale Elemente, die an keine speziellen Voraussetzungen gebunden sind: auf das Ansehen, das Ego genießt und den Einfluss, den er ausübt. Wenn eine angesehene Person Initiative ergreift, kann sie mit einem Vertrauensvorschuss rechnen, der sich (…) in einer, einzelne Situationen übergreifenden Konsens- und Folgebereitschaft auszahlt. Dem Prestige, über das einige Personen verfügen, entsprechen die generalisierten Handlungsorientierungen der anderen Interaktionsteilnehmer. (Siehe Verallgemeinerung/Habermas).

ParCh I
Ch. Parsons
Philosophy of Mathematics in the Twentieth Century: Selected Essays Cambridge 2014

ParTa I
T. Parsons
The Structure of Social Action, Vol. 1 1967

ParTe I
Ter. Parsons
Indeterminate Identity: Metaphysics and Semantics 2000

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Vollständigkeit Leibniz Holz I 73
Vollständiger Begriff/Leibniz: enthält alle möglichen Bedingungen und Bestimmungen für die Existenz eines bestimmten Seienden, ist mithin identisch mit dem Begriff von der Welt im Ganzen. Nur wahrnehmbar für einen unendlichen Verstand.
Übergreifendes Allgemeines: für den unendlichen Verstand ist nun wiederum die Unterscheidung von Vernunftwahrheiten und Tatsachenwahrheiten hinfällig: für ihn ist alles eine Vernunftwahrheit bzw. genauso gut kann man sagen, alles ist für ihn eine Tatsachenwahrheit!
Für den endlichen Verstand ist die Vernunftwahrheit aber das Gegenteil der Tatsachenwahrheit.
Übergreifendes Allgemeines: das eine beinhaltet sein Gegenteil.


Lei II
G. W. Leibniz
Philosophical Texts (Oxford Philosophical Texts) Oxford 1998

Holz I
Hans Heinz Holz
Leibniz Frankfurt 1992

Holz II
Hans Heinz Holz
Descartes Frankfurt/M. 1994
Wahrheit Leibniz Holz I 44
Vernunftwahrheiten/Tatsachenwahrheiten/Leibniz: Vernunftwahrheiten: bestimmte einfache und ursprüngliche Ideen, wie die der Identität, werden uns als Modi oder Formen unserer Sinneswahrnehmung als Kategorien der Gegebenheit des Seienden unmittelbar ansichtig.
Sie werden nicht durch die Wahrnehmung vermittelt, sondern sind die Bestimmtheit der Wahrnehmung selbst.
Holz I 54
Def Wahrheit/Leibniz/Holz: erscheint als Aussagenrelation, in der die Identität von Verschiedenen gegeneinander bestimmt wird. Def Erfahrung/Leibniz/Holz: Rückführung von Verschiedenem auf ihren Zusammenhang in einer solchen Relation.
Entdeckung der Wahrheit von Verschiedenem, nämlich Subjekt und Prädikat in synthetischen Sätzen der Erfahrung. Wahrheit/Leibniz/Holz: liegt also nicht eigentlich in der Identität des Subjekts A = A, sondern in der Rückführung der Prädikation auf die Identität eines bestimmten Prädikats mit einem bestimmten Subjekt, in dem es enthalten ist, wodurch sich das Subjekt von anderen Subjekten unterscheidet.
Wahrheit eines Satzes besagt, dass er auf eine identischen Satz (Axiom) zurückgeführt werden.
I 57
Wahrheit/Leibniz: erscheint nur vermittelt, im Medium ihres Gegenteils, des Scheins (>Schein/Hegel). Tatsachenwahrheit/Vernunftwahrheiten/Leibniz: ich gewinne die Gewissheit der Tatsachen, die vérités de fait nur vermittels ihrer Abbildung auf der Ebene der Vernunftgewissheit, der vérités de raison.
Diese kann mir das material Wahre aber nur als das Nicht
Falsche zeigen! ((s) >Doppelte Negation: ist schwächer.)
In der Umkehrung des Beweisverfahrens bei Tatsachenwahrheiten stehen sich die Varietät der Erfahrung und die Einheit der Vernunft gleichsam spiegelbildlich gegenüber.
Holz 63
Tatsachenwahrheit/Leibniz: muss es geben, wenn über die unendliche Mannigfaltigkeit überhaupt etwas ausgesagt werden soll, Erkenntnis also gewonnen werden soll.
Vernunftwahrheiten/Leibniz: notwendig, ihr Gegenteil ist unmöglich.
Tatsachenwahrheiten/Leibniz: kontingent, ihr Gegenteil ist möglich.
Holz: den Unterschied zwischen beiden darf man nicht missverstehen, sonst hätte Russell recht:
I 64/65
Russell: es ist unsinnig, von einem wahren Satz zu sagen, dass er im Sinne eines anderen, apodiktisch wahren Satzes nicht wahr ist. ((s) z.B. dass eine Vernunftwahrheit einer Tatsachenwahrheit widerspräche). Holz: die Differenz liegt in der Beweisführung.
Für den Beweis einer Tatsachenwahrheit müssen wir die davorliegende Kette der Verknüpfungen und wegen der unendlichen Teilbarkeit der Körper eine unendliche Anzahl von Sätzen prüfen. Das kann nur der unendliche Geist Gottes.
Vernunftwahrheit/Leibniz: ist der Gattungsbegriff für Vernunftwahrheiten und Tatsachenwahrheiten!
Das Wahrheitsattribut beider liegt darin, dass im Subjektbegriff alle seine möglichen Prädikate enthalten sind. "praedicatum inest subiecto".
Einschluss des Prädikats im Subjekt: A ist in Ax enthalten oder Ax = A + B +...X.
I 66
Dieser Einschluss des Prädikats ist der Grund der Wahrheit. Das ist der Struktur nach ein Vernunftgrund. Def Wahrheit/Leibniz/Holz: ist dann die Verfassung jenes Zustands, in dem einem Seienden oder einer Tatsache Identität zukommt, wenn sie zu sich selbst in ein Unterscheidungsverhältnis Subjekt/Prädikat/Definiendum/Definiens tritt.
Dieser Zustand ist es, in dem die Tatsache als Begriff der Tatsache erscheint.
Wahrheit ist ein Reflexionsverhältnis.
Holz I 68
"Übergreifendes Allgemeines"/Leibniz/Holz: die Vernunftwahrheit ist die Gattung, die zwei (und nur zwei) Arten umfasst, nämlich die Vernunftwahrheit selbst und ihre Gegenteil, die Tatsachenwahrheiten. Für den formalen Logiker bleibt dies ein systematischer Widerspruch: Leibniz trifft eine Unterscheidung zwischen notwendigen und kontingenten Wahrheiten. Nichtsdestoweniger begreift er sie beide als analytisch!
Holz: in der Tat ist das Verhältnis kein formallogisches, sondern ein dialektisches.
>Josef König: „Das Übergreifende Allgemeine" als logische Grundfigur der Leibnizsches Metaphysik. Nötig wegen der unausdrückbaren Vielfältigkeit der Welt, die so dennoch einer Ordnung der Vernunft unterworfen werden kann.
Holz I 73
Vollständiger Begriff/Leibniz: enthält alle möglichen Bedingungen und Bestimmungen für die Existenz eines bestimmten Seienden, ist mithin identisch mit dem Begriff von der Welt im Ganzen. Nur wahrnehmbar für einen unendlichen Verstand.
Übergreifendes Allgemeines: für den unendlichen Verstand ist nun wiederum die Unterscheidung von Vernunftwahrheiten und Tatsachenwahrheiten hinfällig: für ihn ist alles eine Vernunftwahrheit bzw. genauso gut kann man sagen, alles ist für ihn eine Tatsachenwahrheit!
Für den endlichen Verstand ist die Vernunftwahrheit aber das Gegenteil der Tatsachenwahrheit.
Übergreifendes Allgemeines: das Eine beinhaltet sein Gegenteil. (>Übergreifendes Allgemeines).
Wahrheit/Erkenntnis/Metaphysik/Leibniz/Holz: das hat nun wiederum die verblüffende Konsequenz, dass Leibniz sinnvoll nur dann von zwei Arten von Wahrheit (Vernunftwahrheiten/ Tatsachenwahrheiten) sprechen kann, wenn er die Idee des unendlichen Verstandes (für den die beiden zusammenfallen) nur als eine metaphysische Hilfskonstruktion auffasst! (>Vernunftwahrheit; >Tatsachenwahrheit.)


Lei II
G. W. Leibniz
Philosophical Texts (Oxford Philosophical Texts) Oxford 1998

Holz I
Hans Heinz Holz
Leibniz Frankfurt 1992

Holz II
Hans Heinz Holz
Descartes Frankfurt/M. 1994

Der gesuchte Begriff oder Autor findet sich in folgenden 4 Kontroversen:
Begriff/
Autor/Ismus
Autor Vs Autor
Eintrag
Literatur
übergreifende Allgemeine Leibniz Vs Kant Frege III 31
Zahlen/LeibnizVsKant: hat denn auch die Beweisbarkeit der Zahlformeln behauptet. "Es ist keine unmittelbare Wahrheit, daß 2 und 2 4 sind. Vorausgesetzt, daß 4 bezeichnet 3 und 1. Man kann sie beweisen, und zwar so:
Definitionen: 1. 2 ist 1 und 1,
2. 3 ist 2 und 1
3. 4 ist 3 und 1.

Axiom: Wenn man gleiches an die Stelle setzt, bleibt die Gleichung bestehen.
Beweis: 2 + 2 = 2 + 1 + 1 = 3 + 1 = 4.
Also: nach Axiom: 2 + 2 = 4.


Leibniz I 83
Letztbegründung/LeibnizVsKant: macht den subjektphilosophischen Radikalismus nicht mit. Wie vor ihm Spinoza und nach ihm Hegel hat er von der seit Descartes unverzichtbaren Subjektreflexion aus einen nicht subjektiven Seinsgrund finden wollen, der sich in den Vernunftwahrheiten ausdrückt. Dafür reichen zwei Prinzipien aus:
1. Prinzip des Widerspruchs
2. das Prinzip des zureichenden Grundes. (Kann auf das Widerspruchsprinzip zurückgeführt werden).
Da außerdem das Identitätsprinzip aus der Sinneswahrnehmung eingesehen wird, dürfen wir den Prinzipien der Sachen selbst (also ihrer ontischen Realität) die in unserem Denken vorausgesetzte Vernunft (ihre Logizität) zuschreiben.
das ebenso panlogisch wie das System Hegels.
I 84
Im Universum und seinen Teilen ist so Logik niedergeschlagen und verkörpert. Metaphysik/Logik/Leibniz: daher lassen sich alle Beziehungen zwischen Wirklichkeiten phänomenalen wie metaphysischen in logischer Form ausdrücken.
Letztbegründung/LeibnizVsKant: nicht erscheint die Welt logisch, weil das Subjekt sie in der Logikform seines Denkens auffasst, sondern die Logikform des Denkens ist zwingend, weil die Welt sich als logisch verfasste zeigt.
Leibniz: dem Subjekt zeigt sich die Welt nun aber gerade nicht als Welt sondern als additive Reihe, als Aggregat.

I 128
Phänomen/LeibnizVsKant: darf nicht kantisch als vom Wesen getrennt aufgefasst werden! Vielmehr bildet der "mundus intelligibilis" die Grundlage für den "mundus sensibilis". Dieser ist auch keine Verdoppelung, sondern eine "Übersetzung".
Das Phänomenale ist das Substanzielle selbst, aber unter Bedingungen der Imagination, für die Räumlichkeit und Zeitlichkeit maßgeblich sind.
Ansich/Erscheinung/Leibniz/Josef König: ihr Verhältnis ist bei Leibniz ein dialektisches. Es entspricht wiederum genau dem Schema des "Übergreifenden Allgemeinen":
Das Ansich ist Gattung seiner selbst (!), des Ansich und seines Gegenteils, der Erscheinung. ((s) > „Das übergreifende Allgemeine“, >Paradoxien).
I 129
Damit ist nicht die Tatsache gemeint, dass die Erscheinung immer die Erscheinung eines Ansich ist, (was ja der Sinn des Wortes ist). KantVsLeibniz: denn dann könnte die Erscheinung ja immer noch verschieden von dem sein, dessen Erscheinung sie ist, und von daher wäre keine Kenntnis des Gegenstands möglich. (So sieht Kant das Verhältnis).
LeibnizVsKant: besteht darauf, dass die Erscheinung dasselbe ist wie das Ansich, das sich in der Erscheinung zeigt.
Die Welt tut das in der Perzeption. Dadurch vervielfältigt sie sich in zweifacher Hinsicht.
1. als Ganzes aber jeweils unter anderer Perspektive
2. sie erscheint räumlich als das Auseinandersein der verschiedenen Substanzen,
3. sie erscheint zeitlich als Abfolge verschiedener Perzeptionen.
Das System der Perzeptionen ist "wohl begründet", weil es nichts anderes ist als die sich selbst beschränkende Aktivität der ursprünglichen Kraft des Ansich.
Der Unterschied zwischen Ansich und Erscheinung ist der Unterschied des Ansich selber! Das ist die Totalität und das Prinzip seines Unterschieds.
I 130
Daher ist die Erscheinung nicht gegen das Ansich abgehoben, sondern eine Art desselben und als solche etwas durchaus Reales. Phänomenalität/Leibniz: die Weise, in der das Auszudrückende im Ausgedrückten enthalten ist. Jedes Ausgedrückte ist ein Phänomen. Es ist wohl begründet, weil das Ansich, indem es sich ausdrückt, das Phänomen ist, mit ihm identisch ist und es als erscheinendes Ansichseiendes begründet.
Das Phänomen ist der Realität nicht entgegengesetzt (VsKant) sondern gerade ihre spezifische Seinsweise im Vorgang der universellen Repräsentation.
Daher müssen auch alle Perzeptionen in allen einzelnen Substanzen einander entsprechen.

I 133
Bewegung/Leibniz: etwas tritt an den Platz von etwas anderem.
I 134
Das, was alle diese Plätze umfasst, heißt "der Raum". Dafür braucht man auch keine "absolute Realität" von Raum anzunehmen. Raum/Zeit/LeibnizVsKant: Inbegriff möglicher Verhältnisse, aber nicht als Anschauungsformen, sondern real ontologisch als Strukturen des Verhältnisses der materiell Ansichseienden zueinander.

Lei II
G. W. Leibniz
Philosophical Texts (Oxford Philosophical Texts) Oxford 1998

F I
G. Frege
Die Grundlagen der Arithmetik Stuttgart 1987

F II
G. Frege
Funktion, Begriff, Bedeutung Göttingen 1994

F IV
G. Frege
Logische Untersuchungen Göttingen 1993
übergreifende Allgemeine Millikan Vs Metaphysischer Realismus Millikan I 329
Korrespondenz/Putnam: es ist inkohärent anzunehmen, dass Wahrheit eine Korrespondenz mit der WELT sei. Abbildung/Repräsentation/Putnam: mathematische Abbildungen sind allgegenwärtig, Repräsentationen sind nicht allgegenwärtig.
Problem: eine Korrespondenztheorie, die darauf beruht, dass es eine Abbildungsrelation zwischen einer vollständigen Menge wahrer Repräsentationen und der Welt gäbe, ist leer
I 330
Lösung: es muss zunächst eine Unterscheidung zwischen Abbildungen und Repräsentationen geben. Lösung: es muss eine zusätzliche Bedingung für Referenz geben, nämlich, dass eine intendierte Interpretation ausgezeichnet wird.
Kausaltheorie/Putnam: würde hier nicht helfen. Denn es ist genauso unsicher, ob „Ursache“ eindeutig referiert, wie ob „Katze“ eindeutig referiert.
Begriff/Zeichen/Ockham/Putnam: Problem: ein Begriff darf nicht einfach ein „mentales Einzelding“ sein, sonst verweist jedes Zeichen bloß immer wieder auf ein anderes Zeichen.
PutnamVsRealismus/PutnamVsMetaphysischer Realismus: es ist unverständlich, wie eine Relation zwischen einem Zeichen und seinem Objekt herausgegriffen werden könnte, entweder, indem man das Zeichen selbst hochhält, Bsp
KUH
Oder indem man ein anderes Zeichen hochhält z.B.
REFERIERT
Oder vielleicht
VERURSACHT.
Meinen/Bedeutungsrationalismus/Putnam/Millikan: das ist der Bedeutungsrationalismus: um etwas meinen zu können, müssen wir wissen, was wir meinen und zwar „wissen“ mit einem ganz bestimmten bedeutungsrationalistischen Glanz auf „wissen“: Die Relation zwischen Kopf und Welt muss zur Gänze im Kopf gespiegelt werden,
((s) >Übergreifendes Allgemeines).
PutnamVs: das ginge nur, wenn es ein mysteriöses „direktes Erfassen von Formen“ ((s) platonistisch) gäbe. Dann müsste die Relation nicht noch einmal gespiegelt werden.
I 331
Korrespondenz/Meinen/Bedeutung/Referenz/MillikanVsPutnam/Millikan: These:die Relationen zwischen Kopf und Welt sind tatsächlich zwischen Kopf und Welt. Das Verstehen dieser Relationen trägt aber nichts zur Begründung von Bedeutung und Referenz bei. Sie müssen auch nicht intendiert werden, damit man referieren kann.

Millikan I
R. G. Millikan
Language, Thought, and Other Biological Categories: New Foundations for Realism Cambridge 1987

Millikan II
Ruth Millikan
"Varieties of Purposive Behavior", in: Anthropomorphism, Anecdotes, and Animals, R. W. Mitchell, N. S. Thomspon and H. L. Miles (Eds.) Albany 1997, pp. 189-1967
In
Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005
übergreifende Allgemeine Prior Vs Moore, G.E. I 21
Korrespondenztheorie/Prior: jetzt können wir damit umgehen, dass Wahrheit und Falschheit nicht nur auf Propositionen angewendet werden, sondern auch auf Glauben und Behauptungen. Wahrheit/Glauben/logische Form/Prior:
Bsp "X glaubt, dass es einen Atomkrieg geben wird und es wird einen geben."
(X glaubt dass) p und p. (Klammer!).
Falschheit:
Bsp "X glaubt, dass es einen Atomkrieg geben wird aber es wird keinen geben."
((s) aber = und.)
X glaubt dass p und ~p.
Korrespondenztheorie: Aquins "adaequatio intellectus et rei" geht auf den jüdischen Neoplatonisten Isaac Israeli aus dem 10. Jahrh. zurück.
locus classicus der Moderne:
Koorespondenztheorie/Moore: (Some main problems of philosophiy)
I 22
Bsp Angenommen, ein Freund glaub fälschlicherweise, dass er (Moore) in die Ferien gefahren ist und sagt: Moore: wir sollten natürlich sagen, dass wenn dieser Glaube wahr ist, dann muss ich in die Ferien gefahren sein
und umgekehrt (konvers):
wie sollten sagen, dass wenn ich gefahren bin, dieser Glaube natürlich wahr ist.
Prior: so weit ist das Aristotelisch.
Jetzt geht Moore aber weiter und sagt:
Obwohl sein Fernsein eine notwendige und hinreichende Bedingung dafür ist, dass der Glaube seines Freundes wahr ist, kann es nicht das sein, was damit gemeint ist, dass der Glaube wahr ist! Denn:
Moore: wenn wir behaupten, "der Glaube, dass ich weg bin, ist wahr" meinen wir, dass der Glaube eine bestimmte Eigenschaft hat, die er mit andern wahren Glaubenseinstellungen teilt.
Aber wenn wir äußern: "ich bin weg", schreiben wir überhaupt keiner Proposition eine Eigenschaft zu!
Wir äußern nur eine Tatsache, und diese Tatsache könnte auch bestehen, wenn niemand das glaubt!
Pointe/Moore: wenn niemand das glaubt, existiert der Glaube nicht, und dann muss dieser Glaube falsch sein, auch wenn ich weggegangen bin!
((s) Dann muss er überhaupt nicht falsch sein, denn nichts, was nicht existiert muss irgendwas sein oder irgendwelche Eigenschaften an sich haben.)
PriorVsMoore: er wird dazu getrieben, das zu sagen, weil er davon ausgeht, dass Glauben in einer Beziehung zwischen diesem Glauben und einer Tatsache besteht. Einer Relation, die zwar nicht definierbar sei, aber "wohlvertraut".
((s) > „Übergreifendes Allgemeines“: wenn der Glaube selbst aus einer Relation zwischen (sich") dem Glauben und einer Tatsache besteht, kommt der Glaube zweimal vor. Problem, wenn er durch dies Relation definiert sein sollte. Aber das sagen hier weder Moore noch Prior. Stattdessen: Trennung der Ebene. Glaube/Name des Glaubens.)
Moore: der "Name des Glaubens" soll sein: "Der Glaube, dass ich weg bin".
Name der Tatsache: "dass ich weg bin".
Korrespondenz/Moore: die Beziehung zwischen "dem Namen des Glaubens und dem Namen der Tatsache" nennt er die Korrespondenz.
PriorVsMoore: (hat er wahrscheinlich sowieso später verworfen). das ist zweifelhaft in zweierlei Hinsicht:
1. Der Grund, den er angibt, dass sein Wegsein konstitutiv für die Wahrheit des Glaubens seines Freundes sein soll ist gleichzeitig der Grund dafür, zu sagen, dass "das erstere keine hinreichende und notwendige Bedingung für das letztere" wäre.
2. Wenn wir das nun aber mit einer wirklich hinreichenden Bedingung korrigierten, würde uns diese Korrektur eben auch eine Definition liefern.
D.h. der Glauben ist dann wahr, wenn
X glaubt dass p und es ist der Fall dass p.
Mehr wäre Korrespondenz dann nicht. (Eben Übereinstimmung mit den Tatsachen).

Pri I
A. Prior
Objects of thought Oxford 1971

Pri II
Arthur N. Prior
Papers on Time and Tense 2nd Edition Oxford 2003
übergreifende Allgemeine Fodor Vs Quine, W.V.O. Esfeld I 62
FodorVsQuine: (und Lepore): der Bestätigungs Holismus und der Verifikationismus beziehen sich auf verschiedene Sachen: Verifikationismus: bezieht sich auf Sprachliches.
Bestätigungs Holismus: bezieht sich auf sprachübergreifende Entitäten wie Propositionen.
EsfeldVsFodor: wenn wir jedoch von Überzeugungen ausgehen, können wir beides zusammenfassen.

Fodor II 114
Sprache/Verhalten/Bedeutung/Quine/Fodor: aber selbst wenn es eine feststellbare Eigenschaft gäbe, wie sollten wir die Behauptung rechtfertigen, angenommen, wir hätten sie gefunden? Quine: (The Problem of Meaning in Linguistics): Test für die Frage, ob S eine grammatische Phonemfolge sei: ob die Äußerung Verwunderung auslöse.
FodorVsQuine: das geht in beiden Richtungen fehl: 1. fast alle Äußerungen in der Alltagssprache sind ungrammatisch!
2. Fast jeder grammatische Satz kann in gewissen Situationen Verwunderung auslösen!
Unsere Intuitionen über die Grammatik sind oft nicht im Einklang mit der Grammatik selbst.
Auf der anderen Seite ist die Intuition in der Semantik weit unzuverlässiger als in der Grammatik.

Fodor/Lepore IV 54
Fodor/Lepore VsQuine: sein Argument ist ein Fehlschluss der Äquivokation! ((s) Zwischen Aussage und Formel). (Nämlich:
IV 52
Quine/Fodor/Lepore: Def Immanenz der Bestätigung: die These, dass weil Bestätigung über Arten von Entitäten definiert ist, deren Verbindung
IV 53
zu einer bestimmten Theorie wesentlich ist, es nicht möglich sein muss, solche Fragen so zu konstruieren, als ob es darum ginge, ob zwei Theorien in Bezug auf die Bestätigungsbedingungen übereinstimmen.)
IV 76/77
Kind/Spracherwerb/Sprachlernen/Quine: hat das Kind vielleicht einen Hintergrund (vielleicht angeboren), z.B. über den Charakter seines Dialekts? Jedenfalls unterscheidet dieser sich dann von dem des Linguisten, dass er kein Bootstrapping ist. Fodor/LeporeVsQuine: das ist überhaupt nicht gerechtfertigt. Seine Wahl einer WT rechtfertigt nicht wahren Glauben und liefert kein Wissen.
Aber dann kann man dem Kind auch kein Wissen über die Sprache zuschreiben!
Lösung: Kinder kennen die Sprache in dem Sinne, dass sie sprechen können, daher haben sie jeden möglichen wahren Glauben, den das Sprechen erfordern mag ((s) und der damit vereinbar ist, also darüber hinausgeht).
Auch Quine glaubt nicht, dass die epistemische Situation des Kindes vollständig dadurch charakterisiert ist, dass man die Beobachtungsdaten bestimmt. Irgendwie verAllgemeinert auch das Kind.
Problem: die Prinzipien der VerAllgemeinerung können nicht ihrerseits gelernt sein. (Sonst Regreß). Sie müssen angeboren sein.
Lösung/Quine: Ähnlichkeitsraum. Gleichfalls:
Skinner: "intakter Organismus " mit angeborenen Dispositionen, in die eine, aber nicht die andere Richtung zu verAllgemeinern.
Hume: Assoziationsmechanismen, "intrinsisch" in der menschlichen Natur usw.

Anmerkung
IV 237
13 > IV 157 o
Kausaltheorie: viele Philosophen halten kausale Beziehungen für konstitutiv für semantische Eigenschaften, aber ihre Beispiel beziehen sich immer auf spezielle Intuitionen über spezielle Fälle, wie z.B. dass wir die mentalen Zustände von Zwillingen (ZE?) unterscheiden müssen. Quine: dieser hat im Gegensatz dazu kein Problem zu erklären, warum das, was Zustimmung kausal veranlaßt, dasselbe sein muss, das wie WB festlegt. Denn Davidson schreibt zu recht, dass das für Quine die "sensorischen Kriterien" sind, die Quine als Evidenz behandelt.
Und als Verifikationist nimmt Quine die Evidenzrelation (Belege) als ipso facto konstitutiv für semantische Relationen. ((s): Relation/Relation).
VsQuine: der Preis den er dafür bezahlt ist, dass er kein Argument gegen den Skeptizismus hat!

IV 218
Intuitionismus/Logik/Quine/Fodor/Lepore: Quine favorisiert eine ökumenische Geschichte, der zufolge die logischen Verbindungen (Junktoren) verschiedenes bedeuten, je nachdem ob in klassischer oder intuitionistischer Logik gebraucht. Fodor/LeporeVsQuine: solange es keinen transtheoretischen Begriff von Satzidentität gibt, ist es unklar, wie das überhaupt festgestellt werden soll.

F/L
Jerry Fodor
Ernest Lepore
Holism. A Shoppers Guide Cambridge USA Oxford UK 1992

Fodor I
Jerry Fodor
"Special Sciences (or The Disunity of Science as a Working Hypothesis", Synthese 28 (1974), 97-115
In
Kognitionswissenschaft, Dieter Münch Frankfurt/M. 1992

Fodor II
Jerry Fodor
Jerrold J. Katz
Sprachphilosophie und Sprachwissenschaft
In
Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995

Fodor III
Jerry Fodor
Jerrold J. Katz
The availability of what we say in: Philosophical review, LXXII, 1963, pp.55-71
In
Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995

Es I
M. Esfeld
Holismus Frankfurt/M 2002