Lexikon der Argumente


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Baldwin-Effekt Norvig Norvig I 130
Baldwin-Effekt/Computertheorie/Simulation/Russell/Norvig: James Baldwin (1896)(1) schlug (...) vor, dass das Verhalten, das während der Lebenszeit eines Organismus gelernt wurde, die Evolutionsrate beschleunigen könnte. Im Gegensatz zu Lamarck ist Baldwins Theorie völlig im Einklang mit der darwinistischen Evolution, weil sie auf Selektionsdruck beruht, der auf Individuen ausgeübt wird, die lokale Optima unter den möglichen Verhaltensweisen gefunden haben, welche durch ihre genetische Aufmachung ermöglicht werden. Computersimulationen bestätigen, dass der "Baldwin-Effekt" real ist, sobald die "normale" Evolution Organismen geschaffen hat, deren interne Leistungsmessung mit der tatsächlichen Fitness korreliert. >Suchalgorithmen, >Evolution, >Lokale Minima, >Simulated annealing, >Fitness-Landschaft.

1. Baldwin, J. M. (1896). A new factor in Evolution. American Naturalist, 30, 441–451. Continued on pages 536–553.

Norvig I
Peter Norvig
Stuart J. Russell
Artificial Intelligence: A Modern Approach Upper Saddle River, NJ 2010
Evolution Deacon I 29
Evolution/Selektion/Deacon: es scheint selbstverständlich, dass schlauere Spezies über primitivere obsiegen. Ist das wirklich immer so? Ist es richtig, Geist und mentale Defizite auf einer linearen Skala zu ordnen? Dabei werden Ausdehnung von Bewusstsein, sozialer Fortschritt und Evolution als wechselseitig austauschbare Begriffe angesehen. Das rührt daher, dass wir die Welt in Begriffen von Design betrachten und den Begriff der Evolution aus der Geschichte der Technischen Entwicklung entlehnt haben. Biologische Evolution/Deacon: diese ist im Gegensatz zur technischen Evolution nicht additiv. Das menschliche Genrepertoire entspricht ungefähr dem des Frosches oder der Maus. Auch der Körperbau und sogar das Gehirn ist bei den meisten Primaten fast identisch aufgebaut.
Evolution: verstärkt Diversifikation und Verteilung. Damit werden aber nur weitere Nischen besetzt.
I 317
Evolution/Adaption/Anpassung/Deacon: es gibt eine „evolutionäre Überdetermination“: die scheinbare Unabhängigkeit vieler adaptierter Vorteile tragen zum selben strukturellen Wechsel bei. Da die Evolution durch Muster von Tendenzen angetrieben ist, tendieren unabhängige Entwicklungen auf die Dauer dazu, sich gegenseitig zu verstärken. So kann es dazu kommen, dass sich gewisse Funktionen auf eine Gehirnhälfte konzentrieren.
I 322
Evolution/Baldwins Evolution/Deacon/Baldwinsche Evolution/J. M. Baldwin/Deacon: James Mark Baldwin schlug eine Modifikation der Darwinschen Evolution vor(1). Baldwin These: Lernen und verhaltensmäßige Flexibilität können natürliche Selektion durch die Ausbildung bestimmter Fähigkeiten beeinflussen, die Individuen ermöglicht, neue Nischen zu besiedeln. In der Folge sind nachfolgende Generationen einer anderen Art von Selektionsdruck ausgesetzt. Damit wird nicht behauptet, dass die Evolution innerhalb eines Lebens wirksam wird, sondern dass Nachkommen eventuell bessere Voraussetzungen für weitere Anpassungen erhalten, z.B. für die Besiedlung kälterer Regionen. Damit widerspricht Baldwin in keiner Weise der Lehre des Darwinismus.
I 323
Während also kein genetischer Wechsel augenblicklich in Gang gesetzt wird, wird der Wechsel in den Bedingungen eine Veränderung bewirken in Bezug darauf, welche der schon existierenden genetischen Prädispositionen in der Zukunft bevorzugt werden. Als Beispiel dafür wird oft Lactose-Intoleranz angeführt.

(1) J. M. Baldwin, (1902): Consciousness and Evolution, Science 2, 212-223, J. M. Baldwin Development and Evolution, NY.

Dea I
T. W. Deacon
The Symbolic Species: The Co-evolution of language and the Brain New York 1998

Dea II
Terrence W. Deacon
Incomplete Nature: How Mind Emerged from Matter New York 2013
Gehirn Deacon I 45
Gehirn/Deacon: in der Koevolution von Sprache und Gehirn wurde das Verhältnis von Ursache und Wirkung insofern umgedreht, als die neue Fähigkeit der symbolischen Referenz (die allein der menschlichen Spezies vorbehalten ist) von der genetischen Weitergabe abgekoppelt wurde. Wenn es stimmt, dass es einen Selektionsdruck auf symbolverarbeitende Organismen gab, muss unsere einzigartige geistige Fähigkeit ebenfalls in diesen Begriffen verstanden werden.
Dann sollte die Architektur unserer Gehirne auch systematische Abweichungen von der Architektur von Affengehirnen aufweisen.
Größe: ist nur ein unwesentliches Merkmal. Wichtiger ist die Umgestaltung, das Re-Engineering der Architektur.
I 146 - 164
Gehirn/Lernen/Deacon: Gehirngröße hat wohl etwas mit Intelligenz zu tun, nur muss man außerdem viele weitere Faktoren berücksichtigen wie z.B. den Anteil an Gehirnkapazität, den die Kontrolle des Bewegungsapparates in Anspruch nimmt.
I 164
Lernen zweiter Ordnung, d.h. das Entwickeln neuartiger Reaktionen auf neuartige Situationen entsteht nur in Organismen, die länger leben. In kurzlebigeren Arten würde sich eine solche Fähigkeit nicht auszahlen.
I 166
Kleine Hunde mit entsprechend kleinen Gehirnen sind in ihren Gehirnleistungen großen Hunden sehr ähnlich. Ihre Zerebralisierung (d.h. ihre Gehirnleistung relativ zu ihrem Gewicht) ist sogar etwas größer als die ihrer größeren Artgenossen.
I 170
Zerebralisierung/encephalisation: der Ursprung ihrer Zunahme bei Primaten liegt nicht im Kopf! Er liegt im relativ langsameren Wachstum ihrer Körper.
I 183
Um Gehirne von Tieren mit denen von Menschen zu vergleichen, brauchen wir nicht allgemein Größenvergleiche, sondern wir müssen die Größen der einzelnen Teile des Gehirns vergleichen. Der Aufbau des Gehirns bzw. die Steuerung des relativen Größenwachtums einzelner Körperteile überhaupt. wird durch homöotische Gene gesteuert.
I 194
Das Gehirn passt sich während der Evolution an den restlichen Körper an. Das erklärt das ansonsten äußerst unwahrscheinliche Ergebnis, dass ein Hinzufügen weiterer Komponenten dieses extrem vernetzten Gebildes zu einer Zunahme an Funktionen führt und diese nicht vielmehr einschränkt. Lösung: das Gehirn selbst wirkt systemisch an der Gestaltung seiner Teile mit. Neuronen sind - anders als andere Zellarten - für Kommunikation und damit einer Abstimmung der Funktion mit entfernten Zellen eingerichtet.
I 195
So kann das Nervensystem selbst am Prozess seiner Konstruktion teilnehmen.
I 199
Xenotransplantation von Gehirnteilen zwischen verschiedenen Tierarten zeigten, dass Wachstum und Verschaltung mit fremdem Gewebe möglich ist. Die molekularen Prozesse sind bei den verschiedenen Tierarten identisch.
I 202
In fremdem Gewebe beginnen Neuronen eine vermehrte Anzahl von Axone zu produzieren, von denen sich einige als weniger geeignet herausstellen und anschließend weniger genutzt werden. Das ist ein Darwin-artiger Prozess der selektiven Elimination.
I 474
Deacon These: die anfängliche unspezifische Verbindbarkeit und anschließende Konkurrenz der Verbindungen beeinflusst kognitive Prozesse durch Tendenzen in neuronaler Computation, die aus übergeordneten Mustern aufgrund von regionaler Aufteilung resultieren. So bilden sich Unterschiede zwischen den Arten heraus.
I 205
Zellen in verschiedenen Hirnregionen haben ihre Verbindungen nicht zuvor diktiert bekommen und können sich in verschiedenen Richtungen spezialisieren. Buchstäblich passt sich jede sich entwickelnde Hirnregion dem Körper an, in dem sie sich befindet.
I 207
Verschiebung/displacement/Deacon: wenn eine genetische Variation die relative Größe einer Population von Nervenzellen stärkt, wird eine Verschiebung der Axone von kleineren zu größeren Regionen stattfinden.
I 212
Wir müssen nicht über besondere Gehirnfunktionen spekulieren, die allein dem Menschen vorbehalten sind, wenn wir die Verschiebung verstehen, die nicht von der schieren Größe des Gehirns abhängig ist. Die Weichenstellungen für die Aufteilung von Regionen für die individuellen Gehirnfunktionen geschehen kurz nach der Geburt.
I 213
Die Ausbildung und Differenzierung der Gehirnregionen des Menschen verläuft entlang der Ausbildung der Funktionen seiner Körperglieder und übrigen Körperfunktionen wie Augen, Ohren, Bewegungsapparat. Diese Ausbildung verläuft ganz anders als die im Fall von z.B. kleinen und großen Hunden.
I 214ff
Gedankenexperiment: Angenommen, ein menschliches Embryogehirn werde in einen gigantischen Affenkörper transplantiert. Man kann ziemlich genau vorhersagen, welche Gehirnregionen sich wie entwickeln, angepasst an die Körperfunktionen und ihre relative Ausprägung. Dabei sind Faktoren wie die abweichende Größe der Netzhaut oder Konkurrenz der Gehirnzellen um die Steuerung von Muskelzellen entscheidend. Diese Veränderungen sind keine isolierten Adaptionen.
I 220
Sprache/Gehirn/Deacon: These: zunehmende Vokalisierung kann zurückverfolgt werden in motorische Projektionen des Mittelhirns und des Hirnstamms, während das symbolische Lernen auf die Ausdehnung des präfrontalen Cortex und die Konkurrenz um Synapsen überall im Gehirn zurückgeführt werden kann. DeaconVsTradition: man nahm frühe an, dass z.B. Musiker eine besonders große Hirnregion für die Verarbeitung auditiver Signale haben. Das hat sich als falsch herausgestellt.
I 221
Es findet Konkurrenz sowohl zwischen zentralen und peripheren als auch zwischen benachbarten Hirnregionen statt. Eine Selektion findet nicht nur im Hinblick auf Regionen, sondern auch im Hinblick auf Funktionen statt.
I 253
Sprache/Säugetiere/Deacon: Dass die meisten Säugetiere nicht sprechen können liegt daran, dass die Verbindung zwischen dem Motorcortex und den vokalen Steuerungsinstanzen im Stammhirn während der frühen Entwicklung beschnitten wurden.
I 267
Im Gehirn sind die Operationen für die Organisation der kombinatorischen Relationen, die Symbolgebrauch und Assoziationen ordnen, im präfrontalen Cortex angesiedelt.
I 277
Das Kleinhirn ist sehr schnell bei der Bildung von Vorhersagen. Eine Verlinkung mit dem Kleinhirn ist z.B. günstig für schnelle Konjugationen, die bei der Bildung von Sätzen gebraucht werden. Der präfrontale Cortex ist dann für ein Herausfiltern der richtigen Assoziationen zuständig.
I 343
Gehirn/Mensch/Evolution: Was entscheidend ist, ist nicht ein absolutes Größenwachstum des Gehirns sondern ein Größenwachstum relativ zu einer Zunahme der Körpergröße innerhalb von Arten. Und wir können feststellen, dass es neben diesem relativen Größenwachstum im Fall des Menschen zu einer Größenzunahme des präfrontalen Cortex bekommen ist. Dies entspricht einer Verschiebung von Lerndispositionen.
I 345
Diese Entwicklung kann nur in Begriffen der Baldwinschen Evolution (Baldwin-Effekt) verstanden werden.
I 346
Werkzeuggebrauch/Deacon: wird von Individuum zu Individuum weitergegeben, d.h. gelernt und ist kein Merkmal, das sich in der Gehirnstruktur wiederfindet.
I 347
Die ersten Werkzeuge wurden von Lebewesen gebraucht, deren Gehirn für den Symbolgebrauch nicht gut angepasst war. Versuche mit Affen wie Kanzi zeigen aber, dass auch solche Gehirne mit erheblichem sozialem Training imstande sind, Symbolgebrauch zu lernen.

Dea I
T. W. Deacon
The Symbolic Species: The Co-evolution of language and the Brain New York 1998

Dea II
Terrence W. Deacon
Incomplete Nature: How Mind Emerged from Matter New York 2013
Lernen Deacon I 48
Lernen/Deacon: Lernen findet immer in einem besonderen Kontext statt, wobei bestimmte Sinne und motorische Aktionen involviert sind. Es ist mehr als Verstärkung von Assoziationen im Gedächtnis. Lernen erfordert, dass herausgefunden wird, was relevant ist und wie die relevanten Variablen zusammenhängen. Es erfordert eine Filterung und die Organisation dessen, was wir schon gelernt haben.
I 50
Spracherwerb: was verhindert, dass andere Spezies eine Sprache lernen können? Ist symbolische Referenz kontraintuitiv? Verlangt sie von Tieren, die Dinge auf eine radikal andere Weise zu sehen, wozu sie nicht in der Lage sind? Tiere bekommen nicht mit, worum es geht, selbst wenn sie mit einfachen Formen von Sprache konfrontiert werden.
I 83
Lernen/Spracherwerb/Symbolisches Lernen/Deacon: das Lernen von Symbolen ist anders als das Lernen von Zeichen. Während es bei Zeichen um die Projektion früher gelernter Verbindungen von Objekt und Zeichen in die Zukunft geht, ist diese Projektion in die Zukunft im Fall von Symbolen viel schwieriger. Symbolisches Lernen: Symbole bilden unter sich ein komplexes System, das seinerseits erkannt, verstanden und gelernt werden muss. Eine Besonderheit ist., dass gerade Wörter mit einer ähnlichen Bedeutung eben nicht gemeinsam benutzt werden, sondern alternativ. Gleichzeitig tendieren Wörter mit sehr verschiedener Bedeutung dazu, zusammen aufzutreten.
Spracherwerb: weiteres Problem: Sätze werden äußerst selten exakt wiederholt. Das Auftreten einer bestimmten Kombination geschieht häufig nur ein einziges Mal.
Indexhaftes Lernen/Reiz/Reaktion: Indexhaftes Lernen (aus gemeinsamem Auftreten von Objekt und Zeichen) ist daher im Fall von Symbolsystemen (Sprachen) äußerst ungeeignet.
I 98
Lernen/Deacon: es ist hilfreich, wenn die Zahl der Worttypen zunimmt, damit ein reicheres Netzwerk von Relationen der Symbole untereinander entsteht. So wird schneller neues Vokabular gelernt. Slots/Deacon: These: neu auftretende logische Gruppen von Wörtern öffnen neue Slots, die gefüllt werden können. ((s) Slots/(s): werden hier als Positionen in Sätzen aufgefasst, die mit bestimmten Wortarten gefüllt werden können.).
Vokabular: neu auftretende Slots müssen rasch mit neuem (neu zu lernendem) Vokabular gefüllt werden.
I 99
Tierversuche: (Savage-Rumbaugh et al., 1978(1); 1980(2) und Savage-Rumbaugh 1986(3)) zeigten, dass keine neuen Korrelationen (Zeichen/Gegenstand) gelernt werden mussten, wenn die Einordnung in semantische Kategorien zur Verfügung stand.
I 338
Lernen/Adaption/Evolution/Gehirn/Deacon: eine Disposition zum erlernen spezifischer Dinge kann die Konsequenz einer genetischen Assimilation sein, wenn konstante Bedingungen gegeben sind sowie eine Invarianz der neuronalen Schaltungen über Individuen hinaus. Wie können spezifische Lerndispositionen im Gehirn repräsentiert sein? Die Fähigkeit zum Lernen ist keine allgemeine Funktion, die unabhängig von der Art des zu Lernenden wäre. Sie ist ganz anders für das Lernen von Zeichen, die isoliert für eine Sache stehen als z.B. für das Lernen von Symbolen, die ihrerseits in Systemen fundiert sind.
Lerndispositionen/Deacon: sind beides: Resultat und Ursache für Baldwinsche Evolution (Baldwin-Effekt). (Siehe Evolution/Deacon).


(1) Savage-Rumbaugh et al., 1978
(2) Savage-Rumbaugh et al., 1980
(3) Savage-Rumbaugh, E. S. (1986). Animal intelligence. Ape language: From conditioned response to symbol. Columbia University Press.

Dea I
T. W. Deacon
The Symbolic Species: The Co-evolution of language and the Brain New York 1998

Dea II
Terrence W. Deacon
Incomplete Nature: How Mind Emerged from Matter New York 2013
Lernen Pinker I 226
Lernen/Evolution/Pinker: Lernen führt zur Evolution angeborener Fähigkeiten, aber nicht dazu, dass alle Fähigkeiten angeboren sind. - ((s) Angeboren/(s): alles was durch Evolution hervorgebracht wurde, ist angeboren, sonst folgt der Adaptionismus.)
I 226~
Baldwin-Effekt/Pinker: geht von der Vermutung aus, dass Lernen die Evolution so lenkt, dass es nach lamarckistischer Evolution aussieht. - Durch die Lernfähigkeit ändert sich das Problem der Evolution - statt blindlings die Nadel im Heuhaufen zu suchen, sagt einem nun etwas, wann man in die Nähe kommt
I 229
Lernen/Pinker: Lernen ist nicht assoziativ. - Bsp Junge Zugvögel prägen sich den Sternenhimmel samt Rotation ein.- Tiere berechnen Kalorienverbrauch bei der Jagd im Revier.

Pi I
St. Pinker
Wie das Denken im Kopf entsteht München 1998
Symbolische Kommunikation Deacon I 334
Symbolische Kommunikation/Deacon: es gab niemals eine Protosprache mit einfacheren Strukturen als z.B. die Unterscheidung von Subjekt und Prädikat, die überhaupt mit Symbolen statt mit reinen Indizes umgeht. (Siehe auch Index/Deacon, Symbol/Deacon). Diese Formen waren von Anfang an vorhanden, als symbolische Kommunikation entstand. Tiefenstruktur: für sie gibt es keine Merkmale, die über Sprachgrenzen hinaus wirksam wären wie Satzstellung, Satzmelodie oder spezifische Wörter. Daher ist es stichhaltig, dass Chomsky sich von darwinistischen Erklärungen verabschiedet.
I 335
Sprache/Gehirn/Deacon: die speziellen neuronalen Verarbeitungen, die notwendig sind, um die Aufmerksamkeitsschwelle zu überwinden, hängen von Prozessen ab, die im präfrontalen Cortex stattfinden. Hier haben wir eine Gemeinsamkeit zwischen individuellen Gehirnen und einen Angriffspunkt für eine Baldwinsche Evolution (Siehe auch >Baldwins Evolution).
I 353
Symbolische Kommunikation/Evolution: symbolische Kommunikation hat sich über 2 Millionen Jahre entwickelt. Dass das Sprechen der wesentliche Strang für die tägliche Kommunikation und die Weitergabe unserer Sprache an die Kinder ist, wie es heute der Fall ist, war nicht immer so.
I 354
Nichtverbale Kommunikation mag über lange Zeit in Konkurrenz zu verbaler Kommunikation gestanden haben.
I 362
Symbolische Kommunikation/Gesten/Artikulation/Sprache/Deacon: wegen der noch nicht ausgebildeten vokalen Fähigkeiten von Frühmenschen dürfte frühe symbolische Kommunikation nicht einfach nur eine simplere Sprache gewesen sein, sondern sollte sich in vielerlei Hinsicht von Sprache unterscheiden. Einige Autoren vermuteten, dass frühe Sprache wie Wortketten ohne bestimmte Syntax oder Grammatik beschaffen gewesen seien.. DaeconVs: paradoxerweise dürfte die Beschränkung des Stimmapparats eine größere Komplexität früher Sprachen zur Folge gehabt haben.
I 363
Ein kleineres Repertoire an Klangunterschieden führt zunächst zu längeren Ketten. Solche Sprachen sind dann in stärkerem Maße fehleranfällig. Das Kurzzeitgedächtnis wird außerdem stärker ausgelastet. Zur Vermeidung von Irrtümern dürfte ein erhöhtes Maß an Redundanz zweckmäßig gewesen sein.
I 368
Sprachentstehung: es ist ein verbreiteter Fehler, aus primitivem Werkzeuggebrauch früher Völker auf eine primitive Sprache zu schließen. Ebenso ist es problematisch, aus dem Fehlen von Belegen überhaupt etwas zu erschließen.
I 370
Während Steinwerkzeuge in verschiedenen Regionen der Erde sich ähnelten (ihr Gebrauch war universell) wird sich die frühe symbolische Kommunikation entfernter Völker nicht im selben Maße geglichen haben.
I 372
Neandertaler hatten aus neurologischer Sicht ein vollentwickeltes modernes Gehirn.
I 373
Der Hauptgrund für den Niedergang früher Völker waren eingeschleppte Krankheiten, nicht kulturelle Unterlegenheit. Mit den schnellen Veränderungen im Paläolithikum korrespondiert keine biologische Veränderung.
I 378
Warum hat symbolische Kommunikation sich entwickelt? Sie war nützlich für Koordination bei der Jagd, zur Weitergabe von Wissen über Werkzeuggebrauch und vieles mehr. Aber keins davon kann als Erklärung dienen, da es immer schon eine gewisse symbolische Kommunikation voraussetzt. Die ersten Anfänge waren wahrscheinlich nur ein kleiner Teil der sozialen Kommunikation und nicht besser ausgebildet als die Kommunikation moderner Affen. Problem: Das Lernen von Symbolen erfordert viel indirekteres Assoziieren als das, was normalerweise bei Assoziationen in anderen Organismen als dem Menschen zum Einsatz kommt. Diese indirekteren Assoziationen sind zunächst gar nicht von Nutzen und damit ineffizient und schädlich für das Überleben.
I 378-381
Aus evolutionärer Sicht ist die wichtigste Information die, die das Weibchen über die Fähigkeiten des Männchens erhalten kann und die das Männchen dem Weibchen zu liefern in der Lage ist. Dabei muss Fehlinformation ausgeschieden werden können und Information von anderen Verhaltensweisen unterschieden werden können.
I 382
Die Kommunikation zwischen Männchen muss komplexer sein, wenn es darum geht, die Stärken eines Rivalen einzuschätzen, ohne einen direkten Kampf zu riskieren.
I 384
Menschliche Kommunikation/Deacon: These: die Entwicklung komplexerer (symbolischer) Kommunikationsmittel ist wahrscheinlich dort angelegt, wo es gilt, den unvermeidlichen Konflikt zwischen sexueller Reproduktion und sozialer Kooperation zu regeln.
I 385
Ein besonderes Merkmal menschlicher gegenüber tierischen Gemeinschaften ist die langfristige sexuelle Bindung. Hochzeiten etablieren eine größere Anzahl von Rechten und Verpflichtungen innerhalb einer Gemeinschaft. Heiratsregeln legen fest, wer wen heiraten kann oder eben nicht. Die meisten Gemeinschaften kennen ein Inzestverbot.
I 388
Charakteristisch für menschliche Gemeinschaften ist eine relativ stabile Paarung von Eltern mit gleichzeitiger Sorge für die Aufzucht der Nachkommen innerhalb eines größeren sozialen Verbands. Der Grund, warum dies in der Evolution selten ist, ist der, dass solche Strukturen dazu tendieren, sich selbst zu unterminieren.
I 392
Zusammenleben in Gruppen und gleichzeitige männliche Brutpflege kann nur aufrechterhalten werden, wenn der Zugang zur Reproduktion begrenzt und eindeutig ist, was nur in Gemeinschaften von Fleischfressern der Fall ist. Ersatz für Pflege wird nur von Verwandten geleistet. Eine Besonderheit ist, dass wir Menschen besonders schlecht ausgerüstet sind, soziales Verhalten durch Gerüche zu steuern.
I 396
Weibchen müssen eine Garantie haben, dass ihr Nachwuchs durch Männchen mit Fleisch versorgt wird. Die Männchen müssen sicher sein können, dass sie nur ihren eigenen Nachwuchs versorgen.
I 397
Das Problem der Aufstellung einer Sozialstruktur, die dies ermöglicht, kann durch Symbolgebrauch gelöst werden.
I 401
Im Zusammenhang mit Heiratsregeln geht es um Reziprozität und Altruismus. Dazu müssen vergangene und mögliche zukünftige Handlungen repräsentiert werden können. Indexikalische Kommunikation reicht dafür nicht aus. Allerdings genügen schon ziemlich einfache Symbole. Abstrakte Referenz: Referenz auf Abwesendes wurde durch Ritualisierung geübt und erreicht.
I 403
Abstraktheit: ein besonders schwierig zu symbolisierendes Problem ist Frieden bzw. seine Herstellung. Das hängt zusammen mit den hohen Kosten möglicher Täuschung.
I 405
Negation: um Krieg und Frieden zu unterscheiden wird Negation bzw. symbolische Darstellung von Negation gebraucht. Zusätzlich braucht man Verallgemeinerung, um Frieden als Abwesenheit aller Konflikte verstehen zu können.

Dea I
T. W. Deacon
The Symbolic Species: The Co-evolution of language and the Brain New York 1998

Dea II
Terrence W. Deacon
Incomplete Nature: How Mind Emerged from Matter New York 2013

Der gesuchte Begriff oder Autor findet sich in folgenden Thesen von Autoren des zentralen Fachgebiets.
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Autor/Ismus
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Baldwin Dennett, D. I 102
Def Baldwin-Effekt: Die These, dass die Tiere selbst zur Evolution beigetragen hätten. - Pro: = Entdeckung, dass Lebewesen durch Verstärkung lernen können.