Lexikon der Argumente


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Assoziation Deacon I 96
Assoziationen/Deacon: (> href="https://www.philosophie-wissenschaft-kontroversen.de/details.php?id=1026366&a=$a&autor=Deacon&vorname=Terrence%20W.&thema=Symbolische%20Referenz">Symbolische Referenz/Deacon; >Symbolisches Lernen/Deacon; > Icon/Deacon; >Lernen/Deacon). a) Indexartige Stufe/zeichenartig: (Korrelation Reiz/Reaktion, Geräusch/Objekt, Signal/Gegenstand): hier gibt es konkurrierende Mengen von überlappenden assoziativen Relationen. Diese werden in sich gegenseitig stärkende semantische Kategorien auf der höheren, der symbolischen Stufe übersetzt.
b) Symbolische Stufe: hier gibt es Relationen zwischen den Symbolen, die es auf der Stufe der Indexartigen Relationen nicht gibt: Bsp Bedeutungskategorien, syntaktische Unterschiede usw. Auf dieser Ebene konkurrieren die Reize nicht miteinander, wie sie es auf der zeichenartigen Stufe tun.
Das erklärt, warum z.B. Tiere, die die symbolische Stufe erreicht haben, schneller lernen. Die neuartigen Assoziationen zwischen Zeichen (nicht mehr nur zwischen einem Zeichen und einem Objekt) führen zu einem Netzwerk mit zwei vorherrschenden Typen von Assoziation: a) eins gegenüber vielen – b) viele gegenüber einem.
I 97
Gedächtnis/Deacon: jede zeichenartige Assoziation (Reiz/Reaktion) erhält nun auf der symbolischen Stufe Unterstützung durch eine große Anzahl anderer zeichenartiger Assoziationen, weil alle auf vielfältige Weise im Gedächtnis kodiert sind. Zusammen sind sie viel stärker geschützt gegen Auslöschung, weil die externen Relationen zu Objekten nun relativ weniger Gewicht hat. Assoziatives Lernen/Deacon: das erklärt, warum wir relativ leicht extrem viele Wörter lernen.
Gehirn: speichert und findet zeichenartig und symbolhaft assoziierte Information auf dieselbe Weise. Das zeigen Versuche mit elektrischen Reizen, die gleichzeitig mit dem Vorkommen von Wörtern gesetzt wurden.
I 98
Tier: Versuche mit Affen (Savage-Rumbaugh et al., 1978(1);1980(2) and Savage-Rumbaugh 1986(3)) zeigten, dass neues Vokabular schneller gelernt wurde, wenn die Tiere fähig zu symbolischer Assoziation waren. Das können wir die symbolische Schwelle nennen.
I 266
Assoziationen/Sprache/Deacon: das rekursive Einbetten von Teilsätzen schafft auf eine ökonomische Weise eine Hierarchie von Assoziationen.
I 267
Im Gehirn sind die Operationen für die Organisation dieser kombinatorischen Relationen im präfrontalen Cortex angesiedelt.
I 277
Sprache/Gehirn: Beim Menschen ist das Kleinhirn wahrscheinlich in viel stärkerem Maße an der Analyse von Klängen beteiligt. Das kann sehr wichtig für die Bildung von Wortassoziationen sein. Das Kleinhirn ist sehr schnell bei der Bildung von Vorhersagen. Eine Verlinkung mit dem Kleinhirn ist z.B. günstig für schnelle Konjugationen, die bei der Bildung von Sätzen gebraucht werden.

(1) Savage-Rumbaugh et al. (1978)
(2) Savage-Rumbaugh et al. (1980)
(3) Savage-Rumbaugh (1986). Ape Language: From Conditioned Response to Symbol. New York: Columbia University Press.

Dea I
T. W. Deacon
The Symbolic Species: The Co-evolution of language and the Brain New York 1998

Dea II
Terrence W. Deacon
Incomplete Nature: How Mind Emerged from Matter New York 2013
Chinese Room Deacon I 445
Chinese Room/Deacon: bei dem Beispiel geht es meiner Meinung nach nicht um den Unterschied zwischen Geist und reinem Mechanismus. Vielmehr geht es um den Unterschied zwischen indexikalischer und symbolischer Repräsentation. (Indexikalisch: einfache Beziehung zwischen einem Zeichen und einem Gegenstand – dagegen bilden Symbole selbst schon ein komplexes System mit internen Relationen).
I 446
Algorithmus/Geist/Deacon: falsch an der Metapher vom Geist als einem Algorithmus ist, das hier die Landkarte mit dem Gebiet verwechselt wird. Im Algorithmus sind die Tokens ihrer Basis als Indizes oder Icons entkleidet und werden isoliert manipuliert. Die Wände des Chinese Room machen eine Interpretation der Tokens als Symbole unmöglich. Es sind nur noch die typographischen Informationen übrig geblieben. Wir müssen also zwischen dem Problem der Symbolisierung und dem der Referenz unterscheiden. Das macht Descartes, wenn er Tiere als bloße mechanische Einheiten beschreibt.
Chinese Room/Deacon: das Beispiel ist kein Modell für den Unterschied zwischen menschlichem und tierischem Geist, sondern für den Unterschied zwischen Mensch und Computer.


Dea I
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Gefühl Deacon I 428
Gefühle/Deacon: man ist versucht zu sagen, das die Entwicklung unserer Sprachfähigkeiten Hand in Hand ging mit einer Abschwächung unserer Sensitivität und Empathie (verglichen mit Tieren).
I 429
Das gilt aber nur, wenn man Sprache als ein Medium der Kommunikation von Gefühlen betrachtet. Wenn wir der repräsentationalen Hierarchie folgen, können wir drei Weisen unterscheiden, wie der emotionale Zustand von Individuen mit dem von anderen in Einklang gebracht werden kann.
1. Spontane Mimikry
2. Reaktion auf gemeinsam erlebte äußere Reize (das ist indexikalisch) 3. Repräsentation des Zustands anderer (das ist symbolisch).


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Icons Deacon I 71
Icon/Index/Symbol/Deacon: wenn wir sagen, etwas sei ikonisch meinen wir, dass es uns an etwas erinnert, Bsp Landschaften, Portraits usw. Index/Indikator: hier gibt es eine physische Verbindung zu etwas anderem, Bsp Thermometer, Wetterfahne, usw.
Symbole: hier geht es um soziale Konvention, Bsp Ehering. Zusammengenommen symbolisieren die Wörter eines Satzes eine bestimmte Idee oder eine Menge von Ideen.
Kein Objekt ist intrinsisch ein Icon, ein Index oder ein Symbol. Wenn wir etwas ein Icon oder einen Index nennen, sprechen wir über die Intention seiner Verwendung.
VsIkonizität: Viele sagen, dass alles ein Ikon für alles Mögliche sein kann.
Deacon: das kann man auch über die beiden anderen Fälle sagen.
I 72
Man streitet sich z.B. darüber, ob gewisse Zeichensprachen wie die American Sign Language (ASL) symbolisch oder ikonisch sind. Interpretation/Interpretierbarkeit: es ist auch die Frage, ob interpretative Fähigkeiten gebraucht werden bzw. im Laufe der Zeit verloren gehen und neu gewonnen werden.
I 73
Symbol/Icon/Tiersprache/Deacon: Bsp Gelächter/Humor: wahrscheinlich steckt im Begriff Humors ein symbolisches Element, für das Tiere - im Gegensatz zu Gelächter – nicht empfänglich sind. Tiere sind auch nicht empfänglich dafür, die soziale Komponente einfacher Signale zu verstehen, selbst wenn sie in diesem Prozess involviert sind.
Interpretation/Peirce/Deacon: Peirce unterscheidet zwischen verschiedenen Arten der Referenz und erklärt sie mit verschiedenen Ebenen der Interpretation:
Tierrufe: im Gegensatz zum Tier kann der Mensch Assoziationen höherer Stufe unterscheiden. Dabei geht es um mehr als bloß zunehmende Komplexität.
I 74
Pointe: wenn ich die symbolische Referenz nicht erkenne, kann ich dasselbe immer noch als Icon auffassen, d.h. ich kann seine Ähnlichkeit mit etwas anderem erkennen. Man könnte annehmen, dass es eine Hierarchie der Referenz von ikonischer über Indexhafte bis hin zu symbolischer Referenz gäbe, aber so einfach ist es nicht.
Pointe. Es ist nicht die Ähnlichkeit, die die Ikonizität schafft! Erst nach dem Erkennen der ikonischen Relation beurteilen wir die Ähnlichkeit des Zeichens mit dem Objekt. Die Interpretation ist dabei etwas, das wir eben nicht tun! Es ist ein Akt, eine Unterscheidung nicht zu machen!
I 75
Bsp Mimikry: ob sie funktioniert hängt von Kleinigkeiten wie der Aufmerksamkeit oder Unaufmerksamkeit des Fressfeindes ab. Von diesen Umständen hängt nun ab, ob wir die Färbung des Tiers als ikonisch oder als indexhaft interpretieren.
I 76
Ähnlichkeit/Interpretation: Ähnlichkeit, die im Interpretationsvorgang aufgrund externer Einflüsse festgestellt wird, entscheidet also darüber, ob wir etwas als Icon oder als Index auffassen. Interpretation: ist im Fall von Skulpturen oder Schwärzungen des Papiers nicht anders.
I 77
Icons/Deacon: These. Icons entstehen aus dem Fehlschlagen des Versuchs differenzierende Indizes für die Unterscheidung von Dingen aufzustellen. >Symptome.

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Lernen Deacon I 48
Lernen/Deacon: Lernen findet immer in einem besonderen Kontext statt, wobei bestimmte Sinne und motorische Aktionen involviert sind. Es ist mehr als Verstärkung von Assoziationen im Gedächtnis. Lernen erfordert, dass herausgefunden wird, was relevant ist und wie die relevanten Variablen zusammenhängen. Es erfordert eine Filterung und die Organisation dessen, was wir schon gelernt haben.
I 50
Spracherwerb: was verhindert, dass andere Spezies eine Sprache lernen können? Ist symbolische Referenz kontraintuitiv? Verlangt sie von Tieren, die Dinge auf eine radikal andere Weise zu sehen, wozu sie nicht in der Lage sind? Tiere bekommen nicht mit, worum es geht, selbst wenn sie mit einfachen Formen von Sprache konfrontiert werden.
I 83
Lernen/Spracherwerb/Symbolisches Lernen/Deacon: das Lernen von Symbolen ist anders als das Lernen von Zeichen. Während es bei Zeichen um die Projektion früher gelernter Verbindungen von Objekt und Zeichen in die Zukunft geht, ist diese Projektion in die Zukunft im Fall von Symbolen viel schwieriger. Symbolisches Lernen: Symbole bilden unter sich ein komplexes System, das seinerseits erkannt, verstanden und gelernt werden muss. Eine Besonderheit ist., dass gerade Wörter mit einer ähnlichen Bedeutung eben nicht gemeinsam benutzt werden, sondern alternativ. Gleichzeitig tendieren Wörter mit sehr verschiedener Bedeutung dazu, zusammen aufzutreten.
Spracherwerb: weiteres Problem: Sätze werden äußerst selten exakt wiederholt. Das Auftreten einer bestimmten Kombination geschieht häufig nur ein einziges Mal.
Indexhaftes Lernen/Reiz/Reaktion: Indexhaftes Lernen (aus gemeinsamem Auftreten von Objekt und Zeichen) ist daher im Fall von Symbolsystemen (Sprachen) äußerst ungeeignet.
I 98
Lernen/Deacon: es ist hilfreich, wenn die Zahl der Worttypen zunimmt, damit ein reicheres Netzwerk von Relationen der Symbole untereinander entsteht. So wird schneller neues Vokabular gelernt. Slots/Deacon: These: neu auftretende logische Gruppen von Wörtern öffnen neue Slots, die gefüllt werden können. ((s) Slots/(s): werden hier als Positionen in Sätzen aufgefasst, die mit bestimmten Wortarten gefüllt werden können.).
Vokabular: neu auftretende Slots müssen rasch mit neuem (neu zu lernendem) Vokabular gefüllt werden.
I 99
Tierversuche: (Savage-Rumbaugh et al., 1978(1); 1980(2) und Savage-Rumbaugh 1986(3)) zeigten, dass keine neuen Korrelationen (Zeichen/Gegenstand) gelernt werden mussten, wenn die Einordnung in semantische Kategorien zur Verfügung stand.
I 338
Lernen/Adaption/Evolution/Gehirn/Deacon: eine Disposition zum erlernen spezifischer Dinge kann die Konsequenz einer genetischen Assimilation sein, wenn konstante Bedingungen gegeben sind sowie eine Invarianz der neuronalen Schaltungen über Individuen hinaus. Wie können spezifische Lerndispositionen im Gehirn repräsentiert sein? Die Fähigkeit zum Lernen ist keine allgemeine Funktion, die unabhängig von der Art des zu Lernenden wäre. Sie ist ganz anders für das Lernen von Zeichen, die isoliert für eine Sache stehen als z.B. für das Lernen von Symbolen, die ihrerseits in Systemen fundiert sind.
Lerndispositionen/Deacon: sind beides: Resultat und Ursache für Baldwinsche Evolution (Baldwin-Effekt). (Siehe Evolution/Deacon).


(1) Savage-Rumbaugh et al., 1978
(2) Savage-Rumbaugh et al., 1980
(3) Savage-Rumbaugh, E. S. (1986). Animal intelligence. Ape language: From conditioned response to symbol. Columbia University Press.

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Repräsentation Deacon I 77
Zeichen/Repräsentation/Deacon: ein Zeichen wird interpretiert - und wird damit als Repräsentation gesehen – indem es reduziert (also in Teilrepräsentationen zerlegt) wird bis es nicht weiter reduzierbar ist. Das ist die Grundlage, auf der alle anderen Repräsentationen aufgebaut sind.
I 78
Repräsentation/Deacon: Icon und Index (siehe Icon/Deacon) entsprechen nicht einfach Wahrnehmung und Lernen, sondern referieren auf Fähigkeiten zum Schlüsseziehen und Vorhersagen die in den entsprechenden neuronalen Prozessen involviert sind. Repräsentationale Relationen sind nicht einfach diese Mechanismen, sondern sie sind ein Merkmal ihre potentiellen Relationen zu vergangenen, zukünftigen, abwesenden oder imaginären Gegenständen. Diese Gegenstände werden nicht re-präsentiert, sondern sie werden virtuell dargestellt durch gelernte Reaktionen, die normalerweise erzeugt würden, wenn diese Gegenstände anwesend wären. In diesem Sinn sind mentale Prozesse nicht weniger repräsentational als äußere Kommunikationsprozesse und äußere Kommunikationsprozesse sind in dieser Hinsicht nicht weniger repräsentational als mentale Prozesse. Pointe: Mentale Repräsentation reduziert sich auf interne Kommunikation.
I 300
Repräsentation/Gehirn/Deacon: die systematische Natur der symbolischen Referenz legt nahe, dass die Repräsentation symbolischer Assoziationen über das Gehirn verteilt ist und dass dennoch ähnliche Wortklassen neuronale Gemeinsamkeiten teilen. In dem Maße, wie Repräsentationen höherer Stufe in Bestandteile niedrigerer Stufe zerlegt werden können, dürfen wir erwarten, dass ihre neuronalen Repräsentationen eine ähnlich verschlungene hierarchische Struktur aufweisen.
I 397
Repräsentation/Symbole/symbolische Kommunikation/Deacon: wir sollten nicht unterschätzen, was alles ohne Symbole repräsentiert werden kann: fast alles kann allein mit indexikalischen oder ikonischen Mitteln dargestellt werden. Tierrufe können sich ganz spezifisch auf Arten von Feinden, Arten von Nahrung und vieles mehr beziehen. Indexikalische Referenz: braucht allerdings eine Teil-Ganzes-Beziehung.
Menschliche Kommunikation: ihr besonderes Merkmal ist der mögliche Bezug auf Nichtmaterielles durch Symbole.
I 400
Die Bestrafung sexueller Untreue wird in menschlichen Gemeinschaften toleriert bzw. gefördert. Dies erfordert ein hohes Maß an Abstraktionsvermögen wie Referenz auf Vergangenes und mögliche Konsequenzen in der Zukunft.

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Selbstbewusstsein Deacon I 451
Selbstbewusstsein/Sprache/Symbole/Zeichen/Deacon: Symbole (die ihrerseits als ein System mit internen Relationen ausgebildet sind) ermöglichen, dass bei der Referenz Verbindungen zu persönlichen Erfahrungen eliminiert werden. Das Individuum kann seinerseits neue indexikalische Verbindungen zu subjektiven Erfahrungen etablieren. Die „subjektive Distanz“ der öffentlichen Sprache ermöglicht eine größere Freiheit als sie gegeben wäre, wenn es sich um direkte Erinnerung oder Vergegenwärtigung von Erlebnissen handelte. Das ist entscheidend für die Ausbildung eines Selbstbewusstseins. (Siehe auch Sprache/Wygotski).

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Symbole Deacon I 79
Symbole/Deacon: Tradition: nimmt an, dass symbolische Assoziation durch das Lernen der Verbindung zwischen einem Geräusch oder einer Zeichenkette mit etwas anderem in der Welt gebildet wird. DeaconVsTradition: das ist es, was wir dagegen mit Index bzw. indexhafter oder indizierender Assoziation meinen (siehe Icon/Deacon).
I 80
Auch Wörter können ein Index sein: Bsp „Aha!“, „dort“ usw. Verstehen: ein Zeichen dafür, dass jemand ein Wort verstanden hat ist seine Fähigkeit, dieses Wort in anderen Sätzen zu verwenden. Wenn das Wort allerdings nur irgendwo eingebaut wird, wäre das nur ein Indexartiges oder ikonisches Verstehen.
Symbol: um etwas als Symbol zu verwenden, müsste man auch die referentiellen Funktionen (worauf bezieht es sich?) handhaben können.
Def Reizverallgemeinerung: der Transfer von Assoziationen von einem Reiz auf einen ähnlichen. Ähnlich die Übertragung von gelernten Mustern auf einen ähnlichen Kontext. Das wird oft mit symbolischen Assoziationen verwechselt.
I 81
Lernen/DeaconVsTradition: solche Übertragungen sind keine besonderen Lernformen, sondern einfach ikonische Projektionen. Das geschieht von selbst, weil immer Mehrdeutigkeit im Spiel ist. Psychologische Modelle sprechen oft von Regeln für diese Übertragung. DeaconVs: da es sich um eine ikonische Relation handelt, gibt es keine implizite Liste von Kriterien, die gelernt wird. ((s) Bilder werden direkt verglichen, nicht anhand von Listen von Kriterien).
Icon/Deacon: Wörter oder Reize stehen für eine Menge von Dingen, die sich mehr oder weniger voneinander unterscheiden. Menschen und auch Tiere lernen das. Dieses Lernen geschieht nicht durch Kriterien für Symbole, sondern durch ikonische Überlappung. Diese liefert die Basis für Indexhafte Referenz.
I 83
Symbol/Lernen/Deacon: die Schwierigkeit des symbolischen Lernens rührt von der komplexen Relation her, die ein Symbol (z.B. ein Wort) zu anderen Symbolen hat. Solche komplexen Relationen gibt es nicht zwischen Indices (einfachen Zeichen mit physischer Verbindung zu einem Objekt).
I 92
Symbole/Deacon: Problem: Symbole können nicht einzeln gelernt werden, da sie untereinander ein System bilden.
I 93
Bevor eine einzige Assoziation Symbol-Objekt überhaupt festgestellt werden kann, muss das vollständige logische System der Symbole gelernt sein. Problem: selbst bei wenigen Symbolen gibt es eine sehr große Zahl von möglichen Kombinationen, von denen die meisten sinnlos sind. Diese müssen aussortiert, d.h. „verlernt“ werden.
I 99
Symbole/Deacon: Symbole sind keine unstrukturierte Menge von Tokens die Gegenstände repräsentieren, sondern sie repräsentieren sich auch untereinander. Symbole referieren nicht direkt auf Dinge in der Welt, sondern sie tun dies indirekt, indem sie auf andere Symbole referieren ((s) Weil sie in einem syntaktischen und semantischen System lokalisiert sind).
I 100
Begrenzung/Grenzen: zufällige uninterpretierte Zeichenketten haben keine Referenz und daher keine Begrenzung in ihrer Menge. Anders Symbole: Ihre Menge ist begrenzt wegen des (praktischen, externen) Gebrauchs und wegen des Gebrauchs der anderen Symbole, durch die sie definiert sind. Frage: warum sind nur einige Arten von Symbolsystemen in menschlichen Sprachen verwirklicht, andere aber nicht?
I 266
Symbole/Deacon: es ist falsch anzunehmen, sie wären irgendwo im Gehirn lokalisiert. Sie sind vielmehr Relationen zwischen Tokens, nicht die Tokens selbst. Sie symbolische Funktion wird auch nicht durch eine spezielle Assoziation konstituiert, sondern durch die Menge der Assoziationen, die in jeder Instanz des Symbols teilweise abgebildet sind.
I 267
Im Gehirn sind die Operationen für die Organisation dieser kombinatorischen Relationen im präfrontalen Cortex angesiedelt.
I 336
Symbole/Sprache/Gehirn/Evolution/Deacon: These: es ist der Symbolgebrauch, der es erforderlich machte dass unser menschliches Gehirn sich so entwickelte, dass ein besonderes Gewicht auf Aktionen im präfrontalen Cortex gelegt werden konnte. (Siehe auch Adaption/Deacon).
I 339
Symbole/Evolution/Gehirn/DeaconVsPinker/DeaconVsChomsky: was immer wir „Sprachinstinkt“ nennen, Symbolverarbeitung ist so stark im Gehirn verteilt, dass sie nicht der natürlichen Selektion unterworfen sein kann. Damit ist Sprache von dem abgeschnitten, was die biologische Evolution formen kann.
I 339/340
Universalgrammatik/Sprachentstehung/Lösung/Deacon: Ko-Evolution von Sprachen mit Rücksicht auf die Gegebenheiten und Dispositionen des Gehirns. Das kann eine Erklärung für eine entstehende grammatische Universalität sein.

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Symbolische Kommunikation Deacon I 334
Symbolische Kommunikation/Deacon: es gab niemals eine Protosprache mit einfacheren Strukturen als z.B. die Unterscheidung von Subjekt und Prädikat, die überhaupt mit Symbolen statt mit reinen Indizes umgeht. (Siehe auch Index/Deacon, Symbol/Deacon). Diese Formen waren von Anfang an vorhanden, als symbolische Kommunikation entstand. Tiefenstruktur: für sie gibt es keine Merkmale, die über Sprachgrenzen hinaus wirksam wären wie Satzstellung, Satzmelodie oder spezifische Wörter. Daher ist es stichhaltig, dass Chomsky sich von darwinistischen Erklärungen verabschiedet.
I 335
Sprache/Gehirn/Deacon: die speziellen neuronalen Verarbeitungen, die notwendig sind, um die Aufmerksamkeitsschwelle zu überwinden, hängen von Prozessen ab, die im präfrontalen Cortex stattfinden. Hier haben wir eine Gemeinsamkeit zwischen individuellen Gehirnen und einen Angriffspunkt für eine Baldwinsche Evolution (Siehe auch >Baldwins Evolution).
I 353
Symbolische Kommunikation/Evolution: symbolische Kommunikation hat sich über 2 Millionen Jahre entwickelt. Dass das Sprechen der wesentliche Strang für die tägliche Kommunikation und die Weitergabe unserer Sprache an die Kinder ist, wie es heute der Fall ist, war nicht immer so.
I 354
Nichtverbale Kommunikation mag über lange Zeit in Konkurrenz zu verbaler Kommunikation gestanden haben.
I 362
Symbolische Kommunikation/Gesten/Artikulation/Sprache/Deacon: wegen der noch nicht ausgebildeten vokalen Fähigkeiten von Frühmenschen dürfte frühe symbolische Kommunikation nicht einfach nur eine simplere Sprache gewesen sein, sondern sollte sich in vielerlei Hinsicht von Sprache unterscheiden. Einige Autoren vermuteten, dass frühe Sprache wie Wortketten ohne bestimmte Syntax oder Grammatik beschaffen gewesen seien.. DaeconVs: paradoxerweise dürfte die Beschränkung des Stimmapparats eine größere Komplexität früher Sprachen zur Folge gehabt haben.
I 363
Ein kleineres Repertoire an Klangunterschieden führt zunächst zu längeren Ketten. Solche Sprachen sind dann in stärkerem Maße fehleranfällig. Das Kurzzeitgedächtnis wird außerdem stärker ausgelastet. Zur Vermeidung von Irrtümern dürfte ein erhöhtes Maß an Redundanz zweckmäßig gewesen sein.
I 368
Sprachentstehung: es ist ein verbreiteter Fehler, aus primitivem Werkzeuggebrauch früher Völker auf eine primitive Sprache zu schließen. Ebenso ist es problematisch, aus dem Fehlen von Belegen überhaupt etwas zu erschließen.
I 370
Während Steinwerkzeuge in verschiedenen Regionen der Erde sich ähnelten (ihr Gebrauch war universell) wird sich die frühe symbolische Kommunikation entfernter Völker nicht im selben Maße geglichen haben.
I 372
Neandertaler hatten aus neurologischer Sicht ein vollentwickeltes modernes Gehirn.
I 373
Der Hauptgrund für den Niedergang früher Völker waren eingeschleppte Krankheiten, nicht kulturelle Unterlegenheit. Mit den schnellen Veränderungen im Paläolithikum korrespondiert keine biologische Veränderung.
I 378
Warum hat symbolische Kommunikation sich entwickelt? Sie war nützlich für Koordination bei der Jagd, zur Weitergabe von Wissen über Werkzeuggebrauch und vieles mehr. Aber keins davon kann als Erklärung dienen, da es immer schon eine gewisse symbolische Kommunikation voraussetzt. Die ersten Anfänge waren wahrscheinlich nur ein kleiner Teil der sozialen Kommunikation und nicht besser ausgebildet als die Kommunikation moderner Affen. Problem: Das Lernen von Symbolen erfordert viel indirekteres Assoziieren als das, was normalerweise bei Assoziationen in anderen Organismen als dem Menschen zum Einsatz kommt. Diese indirekteren Assoziationen sind zunächst gar nicht von Nutzen und damit ineffizient und schädlich für das Überleben.
I 378-381
Aus evolutionärer Sicht ist die wichtigste Information die, die das Weibchen über die Fähigkeiten des Männchens erhalten kann und die das Männchen dem Weibchen zu liefern in der Lage ist. Dabei muss Fehlinformation ausgeschieden werden können und Information von anderen Verhaltensweisen unterschieden werden können.
I 382
Die Kommunikation zwischen Männchen muss komplexer sein, wenn es darum geht, die Stärken eines Rivalen einzuschätzen, ohne einen direkten Kampf zu riskieren.
I 384
Menschliche Kommunikation/Deacon: These: die Entwicklung komplexerer (symbolischer) Kommunikationsmittel ist wahrscheinlich dort angelegt, wo es gilt, den unvermeidlichen Konflikt zwischen sexueller Reproduktion und sozialer Kooperation zu regeln.
I 385
Ein besonderes Merkmal menschlicher gegenüber tierischen Gemeinschaften ist die langfristige sexuelle Bindung. Hochzeiten etablieren eine größere Anzahl von Rechten und Verpflichtungen innerhalb einer Gemeinschaft. Heiratsregeln legen fest, wer wen heiraten kann oder eben nicht. Die meisten Gemeinschaften kennen ein Inzestverbot.
I 388
Charakteristisch für menschliche Gemeinschaften ist eine relativ stabile Paarung von Eltern mit gleichzeitiger Sorge für die Aufzucht der Nachkommen innerhalb eines größeren sozialen Verbands. Der Grund, warum dies in der Evolution selten ist, ist der, dass solche Strukturen dazu tendieren, sich selbst zu unterminieren.
I 392
Zusammenleben in Gruppen und gleichzeitige männliche Brutpflege kann nur aufrechterhalten werden, wenn der Zugang zur Reproduktion begrenzt und eindeutig ist, was nur in Gemeinschaften von Fleischfressern der Fall ist. Ersatz für Pflege wird nur von Verwandten geleistet. Eine Besonderheit ist, dass wir Menschen besonders schlecht ausgerüstet sind, soziales Verhalten durch Gerüche zu steuern.
I 396
Weibchen müssen eine Garantie haben, dass ihr Nachwuchs durch Männchen mit Fleisch versorgt wird. Die Männchen müssen sicher sein können, dass sie nur ihren eigenen Nachwuchs versorgen.
I 397
Das Problem der Aufstellung einer Sozialstruktur, die dies ermöglicht, kann durch Symbolgebrauch gelöst werden.
I 401
Im Zusammenhang mit Heiratsregeln geht es um Reziprozität und Altruismus. Dazu müssen vergangene und mögliche zukünftige Handlungen repräsentiert werden können. Indexikalische Kommunikation reicht dafür nicht aus. Allerdings genügen schon ziemlich einfache Symbole. Abstrakte Referenz: Referenz auf Abwesendes wurde durch Ritualisierung geübt und erreicht.
I 403
Abstraktheit: ein besonders schwierig zu symbolisierendes Problem ist Frieden bzw. seine Herstellung. Das hängt zusammen mit den hohen Kosten möglicher Täuschung.
I 405
Negation: um Krieg und Frieden zu unterscheiden wird Negation bzw. symbolische Darstellung von Negation gebraucht. Zusätzlich braucht man Verallgemeinerung, um Frieden als Abwesenheit aller Konflikte verstehen zu können.

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Symbolische Referenz Deacon I 43
Symbolische Referenz/Deacon: These: Symbolische Referenz ist allein der menschlichen Spezies vorbehalten, während viele Tiere über komplexe nichtsymbolische Referenz verfügen. Grammatik. Grammatische Regeln und Kategorien sind symbolische Regeln und Kategorien.
Syntax: syntaktische Strukturen sind nur physikalische Regelmäßigkeiten, wenn sie nicht als symbolische Operationen aufgefasst werden, die es zu entschlüsseln gilt.
Daher müssen Sprachtheorien zuerst symbolische Referenz erklären.
I 44
Dass Linguisten der symbolischen Referenz nicht viel Beachtung geschenkt haben, ist damit zu erklären dass Grammatik und Syntax durch den Vergleich von Sprachen erklärt werden kann. Auch die Korrelationen von Sprachprozessen und Gehirnfunktionen können ohne symbolische Referenz erklärt werden. Spracherwerb: kann weit gehen ohne Bezug auf symbolische Referenz erklärt werden.
Tier/Mensch/Sprach/Deacon: aber Theorien, die die Unterschiede zwischen menschlicher und nichtmenschlicher Kommunikation erklären wollen, können nicht ohne Bezug auf symbolische Referenz auskommen. Das gilt auch für Theorien, die menschlichen und tierischen Geist vergleichen wollen.
I 82
Symbolische Referenz/Deacon: bleibt auch erhalten, wenn ein Reiz durch einen anderen ausgelöscht wird, z.B. wenn die Koppelung zwischen einem Signal und einem folgenden Ereignis unterbrochen wird. Eine indexhafte, indexartige Assoziation würde diese Korrektur nicht überdauern. Lernen von Symbolen/Tiere: wenn eins von mehreren gelernten Zeichen ausgelöscht wird, hat dies so gut wie keine Auswirkung auf die Assoziation mit anderen Zeichen. Das ist ganz anders im Fall von Wörtern.
Wörter: stehen – anders als Symbole - in Relation zu allen anderen Wörtern einer Sprache.
I 83
Symbolische Referenz/Deacon: entsteht aus kombinatorischen Möglichkeiten und Unmöglichkeiten. Das ist der Unterschied zur einfachen Korrelation von Signalen mit Reizen.
I 88
Symbolische Referenz/Deacon: kein einzelnes Symbol legt seine Referenz fest. Referenz entsteht aus der hierarchischen Beziehung zwischen den zwei Stufen der zeichenhaften (indexartigen) Referenz: a) keine Interaktion bzw. Korreliertheit zwischen den Elementen, weder auf der Ebene der Objekte, noch auf der der Zeichen, lediglich Assoziation von Zeichen und Objekt. b) keine Interaktion (Korreliertheit) auf der Ebene der Objekte – wohl aber auf der der Zeichen (sinnvolle Muster)
Symbol: Erst auf der dritten Stufe stellt sich symbolische Repräsentation ein: hier gibt es Interaktion (bzw. die Unterscheidung sinnvoller und sinnloser Muster) auf beiden Ebenen: der der Objekte und der der Zeichen.
Neu: damit wird logische und kategorische Verallgemeinerung möglich, die bei der Verallgemeinerung von Reizen (stimulus generalization) nicht möglich ist.
Tierversuche: (Savage-Rumbaugh et al., 1978(1); 1980(2) und Savage-Rumbaugh 1986(3)): zeigten mit Affen, das neue Symbole relativ schnell in ein bereits etabliertes Schema mit verschiedenen Bedeutungskategorien eingeordnet wurden. Dabei spielte ein Verständnis der Funktionen der Relationen der Zeichen untereinander offensichtlich eine Rolle. Die Aufmerksamkeit der Tiere war dabei nicht mehr nur auf die Objekte, sondern auch auf die Zeichen und ihr Verhältnis untereinander gerichtet.
Kategorien: die Fähigkeit zur Kategorisierung und zum Erkennen logischer Beziehungen ist ein wesentlicher Teil des Lernens symbolischer Referenz.
I 89
Symbolisches Lernen: nachdem die Tiere den Unterschied zwischen Symbolen für essbare und nicht-essbare Objekte gelernt hatten, lernten sie, die Objekte in verschiedene Behälter zu sortieren. Später lernten sie etwas entscheidendes Neues: sie lernten, die Symbole für die jeweiligen Objekte Symbolen für die jeweiligen Behälter zuzuordnen. Damit zeigten sie, dass sie eine symbolische Verallgemeinerung vornehmen konnten. >Verstehen/Einsicht/Deacon, Tier/Deacon.
I 322
Symbolische Referenz/Gehirn/Deacon: These: das Aufkommen der symbolischen Referenz bei unseren entfernten Vorfahren änderte grundsätzlich die Weise, wie Prozesse der natürlichen Selektion das menschliche Gehirn seitdem veränderten. Letztlich veränderte der Gebrauch von Sprache etwas, das sich in der Anatomie und im Aufbau unseres Gehirns niederschlug. Man könnte sagen, „Das Wort wurde Fleisch“. (>Koevolution von Sprache und Gehirn).

(1) Savage-Rumbaugh et al., 1978
(2) Savage-Rumbaugh et al., 1980
(3) Savage-Rumbaugh, E. S. (1986). Animal intelligence. Ape language: From conditioned response to symbol. Columbia University Press.

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Symbolisches Lernen Deacon I 84
Symbolisches Lernen/Symbolische Assoziation/Symbole/Tier/Savage-Rumbaugh/Rumbaugh/Deacon: (Savage-Rumbaugh et al., 1978(1); 1980(2) und Savage-Rumbaugh 1986(3)): Versuche mit Schimpansen und anderen Affenarten. Die Affen bekommen Bildschirme mit anklickbaren Symbolen (Lexigrammen), mit denen sie Assoziationen dieser Zeichen mit Gegenständen oder Aktivitäten lernen. Symbolischer Gebrauch von Zeichen: war für die Tiere schwer zu lernen, eine rudimentäre Form von syntaktischen Verknüpfungen entwickelte sich jedoch. Damit ging das Lernen über einen einfachen Indexartigen Gebrauch der Zeichen hinaus.
I 85
Es wurden Gruppen von Symbolen gebildet, für Objekte bzw. für Aktionen. Nachdem die Tiere etliche Symbole in gewissen Kombinationen gelernt hatten, wurden sie mit neuen Kombinationen konfrontiert. Einige Tiere wiederholten stereotyp die gelernten Kombinationen, während andere alle möglichen Kombinationen ausprobierten. Problem beim Lernen: sinnlose Kombinationen können nicht ausgeschlossen werden, bevor sie auftreten. Der Grund dafür ist, dass den Tieren das Verständnis der Kombinationsmöglichkeiten, die durch die Eigenschaften des Systems bestimmt sind, fehlt.
I 86
Kategorien: ob die Tiere den Unterscheid flüssig/fest gelernt hatten, stellte sich heraus, als neue Symbole für neue Objekte eingeführt wurden. Tatsächlich genügten bei den neuen Symbolen erheblich weniger Versuche, bis sich der Lernerfolg eingestellt hatte. Die Tiere hatten auch gewisse logische Relationen zwischen den Symbolen (Lexigrammen) gelernt, nicht nur zwischen Symbolen und Objekten.
I 87
Symbolisches Lernen: drei Stufen: (dargestellt durch zwei Ebenen und ihre Abbildungsrelationen) Unterste Stufe: Indexartig/zeichenartig: nur direkte Relationen zwischen Zeichen und Objekten. Keine Korrelation zwischen den Zeichen, keine Korrelation zwischen den Objekten.
Mittlere Stufe: Muster von Symbolkombinationen bilden sich aus – immer noch keine Korrelationen zwischen den Objekten.
Oberste Stufe: Symbolisch: hier gibt es Korrelationen auf beiden Ebenen: der Ebene der Objekte (pragmatische und physische Korrelationen) – auf der Symbolebene: logische Relation zwischen den Symboltokens.
Symbolisches Lernen/Fazit/(s): wegen der Strukturiertheit der Relationen der Symbole untereinander unterscheidet sich dieses Lernen stark vom Lernen von Zeichen, die lediglich auf Objekte abgebildet werden.
I 88
Symbolische Referenz/Deacon: kein einzelnes Symbol (Lexigramm) legt seine Referenz fest.
I 413
Symbolisches Lernen/Deacon: was das symbolische Lernen so schwer macht ist das Lernen von konditionierten Assoziationen höherer Stufe. Individuen mit rudimentären symbolischen Fähigkeiten haben einen enormen Selektionsvorteil. Das hat auf die Dauer symbolisches Lernen quasi unfehlbar gemacht.

(1) Savage-Rumbaugh et al., 1978
(2) Savage-Rumbaugh et al., 1980
(3) Savage-Rumbaugh, E. S. (1986). Animal intelligence. Ape language: From conditioned response to symbol. Columbia University Press.

Dea I
T. W. Deacon
The Symbolic Species: The Co-evolution of language and the Brain New York 1998

Dea II
Terrence W. Deacon
Incomplete Nature: How Mind Emerged from Matter New York 2013
Symptome Deacon I 77
Symptom/Deacon: Bsp der Geruch von Rauch lässt mich an ein Feuer denken. Erklärung: vergangene Erfahrungen legen mir dies nahe. Lernen: hier wird die entscheidende Rolle von Icons sichtbar: die Indexikalische Kompetenz erwächst aus der Zusammenstellung ikonischer Relationen beim Verstehen neuer Reize.
I 78
Ähnlichkeit: die vergangenen Erfahrungen beinhalten allerdings auch andere Ähnlichkeiten. Ikonizität: entsteht aus der Wiederholung und damit Gewichtung besonderer Merkmale.
Asymmetrie: frühere ikonische Relationen sind notwendig für indizierende Referenz, aber nicht umgekehrt in derselben Weise.


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Wortbedeutung Deacon I 59
Wortbedeutung/Deacon: es ist nicht so, dass sich Wörter bloß zufällig oder konventionell von anderen Signalen unterschieden.
I 60
Tradition: nimmt an, dass es zwei Arten von referentiellen oder bedeutungsvollen Relationen gibt: a) transparent: hier wirkt eine Ähnlichkeit zwischen dem Signal (Wort, Bild, Zeichen) und dem angesprochenen Gegenstand (>Icon).
b) opak: hier fehlt diese Ähnlichkeit. Stattdessen ist zusätzliches Wissen über den Kode notwendig. (>Symbol).
Icon: referiert über Ähnlichkeitsmerkmale zwischen dem Zeichen (Wort, Geräusch, Bild) und dem Gegenstand. (>Transparenz).
Symbol: referiert ohne eine solche Ähnlichkeit, stattdessen muss ein Kode gelernt werden. (Opazität (Undurchsichtigkeit)).
Signal: ist einfach ein Zeichen das physisch, ohne Berücksichtigung der Semantik, mit anderen Objekten korreliert ist. ((s) >Index, Indikator, >Benzinuhr-Beispiel/Dretske) .
I 62
Referenz: Beispiele wie die > Zwillingserde zeigen, dass Referenz nicht generell so etwas wie Bedeutung benötigt, um bestimmt zu werden. Referenz/Lösung/DeaconVsPutnam: das was so unbelebte Dinge wie Schwärzung des Papiers oder ein Zeichen auf dem Bildschirm bedeutungsvoll macht, ist eine Interpretation von der ein entscheidender Teil sehr wohl
I 63
(wenn auch nicht alles) „im Kopf“ passiert. Referenz ist nicht intrinsisch „im“ Wort (Geräusch, Geste), sondern Referenz wird durch eine Art Antwort auf es gebildet. > Referenz/Deacon, > Interpretation/Deacon.

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Wörter Deacon I 82
Wörter/Deacon: Wörter stehen – anders als Symbole - in Relation zu allen anderen Wörtern einer Sprache. Wenn die Bedeutung eines Worts geändert wird, hat dies Auswirkungen auf alle Kontexte und damit auf alle Wörter. Dann wird auch die Referenz fehlschlagen. Referenz: ist daher dual: a) Wörter referieren auf Gegenstände – b) sie referieren auch auf andere Wörter (zumindest auf ihre semantischen Alternativen).
I 83
Daher die Unterscheidung zwischen Bedeutung und Referenz. Index: der Unterschied zwischen Wörtern und Indices besteht darin, dass Wörter wegen ihrer dualen Referenz auch auf die Referenzrelation selbst referieren können, Ein Index (bloßes Zeichen mit physischer Verbindung zu einem Objekt) kann das nicht.


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