Lexikon der Argumente


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Anthropomorphismus Jonas Brocker I 618
Anthropomorphismus/BirnbacherVsJonas/Jonas: Jonas berwendet, wenn er von der Natur spricht, Begriffe und Metaphern, die dem Bereich der menschlichen Praxis entnommen sind: Seine Teleologie setzt Zwecke der Natur an, als wolle sie etwas oder als handelte sie ((s) „falsches Subjekt“). Das ist ein Anthropomorphismus (1). Brocker: Die methodische Zulässigkeit dieser Denkfigur wird in der zeitgenössischen Philosophie von vielen bestritten. ((s) Dabei handelt es sich darum, der Natur quasi menschliche Züge eines handelnden oder wollenden Subjekts zuzuschreiben.)


1.Dieter Birnbacher, „Rezension zu Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung“, in: Zeitschrift für Philosophische Forschung 37, 1983, S. 146.


Manfred Brocker, „Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Jonas I
Hans Jonas
Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation Frankfurt 1979

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Demokratie Jonas Brocker I 611
Demokratie/Politik/Ökologie/JonasVsDemokratie/Jonas/Brocker: Um dem »Nein zum Nichtsein« (1) von Mensch und Natur Wirkung zu verleihen, möchte Jonas eher auf politische Eliten (2) und staatliche Zwangsmittel setzen als auf die Kraft des Arguments in einer deliberierenden Demokratie, in der die Bürger selbst die notwendigen Änderungen herbeiführen. (Zusammenhang: Siehe Ethik/Jonas, Ökologischer imperativ/Jonas).
Brocker I 612
Demokratie/Jonas: müsse zumindest „zeitweilig, (…) suspendiert“ werden. (3) Verantwortung/BrockerVsJonas: hier bleibt offen, wie „Verantwortung“ denn nun konkret übernommen werden soll. (Siehe Verantwortung/Jonas.)


1. Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation, Frankfurt/M. 1979, S. 250.
2.Ebenda S. 263
3. Hans Jonas, »Naturwissenschaft versus Natur-Verantwortung. Hans Jonas im Gespräch mit Eike Gebhardt«, in: Dietrich Böhler (Hg.), Ethik für die Zukunft. Im Diskurs mit Hans Jonas, München 1994, S. 211.


Manfred Brocker, „Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Jonas I
Hans Jonas
Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation Frankfurt 1979

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Existenz Jonas Brocker I 612
Existenz/Jonas: Jonas‘ Ökologischer Imperativ (siehe Ökologischer Imperativ/Jonas) besagt, dass wir »nicht das Recht haben, das Nichtsein künftiger Generationen wegen des Seins der jetzigen zu wählen oder auch nur zu wagen. Warum wir dieses Recht nicht haben, warum wir im Gegenteil eine Verpflichtung gegenüber dem haben, was noch gar nicht ist und ›an sich‹ auch nicht zu sein braucht, jedenfalls als nicht existent keinen Anspruch auf Existenz hat, ist theoretisch gar nicht leicht und« – so ergänzt er bezeichnenderweise – »vielleicht ohne Religion überhaupt nicht zu begründen« (1). Philosophie/Jonas/Brocker: Damit bekundet Jonas deutlich, dass er eine philosophische Argumentation in der vorliegenden Frage
Brocker I 613
nicht für ausreichend oder zwingend genug hält, um Überzeugungen und Verhaltensweisen nachhaltig zu verändern. BrockerVsJonas: das ist ein performativer Widerspruch gegenüber Jonas‘ eigenem Tun. Außerdem ist fraglich, wie religiöse Grundlagen, von denen Jonas annimmt, dass sie weitgehend verschwunden sind (2), dies sollen leisten können. (3)
Existenz/Jonas: allein, weil die Menschheit sei, sei sie es wert, erhalten zu werden. (4) Die Existenz der Menschheit dürfe nicht als kontingentes biologisches Faktum, als zufälliges Resultat evolutionärer Entwicklungsprozesse angesehen werden, sondern sei eine Wertsetzung der Natur. Siehe auch Generationengerechtigkeit/Jonas.
Problem/JonasVsKant zur Begründung müsse man, trotz Kant, die Möglichkeit einer rationalen Metaphysik einräumen.
Lösung/Jonas: die Frage, warum überhaupt etwas ist und nicht nichts, müsse man dahingehend umformulieren, was es wert sei, zu existieren.
Brocker I 614
Teleologie/Lösung/JonasVsAristoteles: wir müssen Zwecke in der Natur annehmen, statt sie im Handeln des Subjekts zu verorten. (5) Dies sei begründbar durch den in der Natur auffindbaren Selbsterhaltungstrieb allen Lebens. (6)

1. Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation, Frankfurt/M. 1979, S. 36.
2. Hans Jonas, »Warum wir heute eine Ethik der Selbstbeschränkung brauchen«, in: Elisabeth Ströker (Hg.), Ethik der Wissenschaften? Philosophische Fragen, München/Paderborn u. a. 1984, S. 76, 80.
3. Vgl. Oelmüller, Willi, »Hans Jonas. Mythos – Gnosis – Prinzip Verantwortung«, in: Stimmen der Zeit 206, 1988, 349-350.
4. Jonas 1979, S. 92-100.
5. Ebenda S. 138
6. Ebenda S. 142f.

Manfred Brocker, „Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Jonas I
Hans Jonas
Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation Frankfurt 1979

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Generationengerechtigkeit Jonas Brocker I 613
Generationengerechtigkeit/Ethik/Rechtfertigung/Jonas: Jonas These: die traditionelle Ethik könne nicht erweisen, warum das gegenwärtige Glück nicht mit dem Unglück oder der Nicht-Existenz zukünftiger Generationen erkauft werden dürfe und dass »die Reihe […] weitergehen soll« (1). Hierfür bedürfe es einer andersartigen Grundlegung der Ethik, als sie etwa Kant zu geben verstand. Um sie liefern zu können, führt Jonas die Trias »Zweck – Wert – Pflicht« ins Feld. Sein/Sollen/Antike Philosophie/Brocker: für die Antike Philosophie bestand, anders als für die Moderne seit der Aufklärung) enger Zusammenhang zwischen dem »Sein« und dem »Sollen«. (Siehe Naturalistischer Fehlschluss).
Jonas: knüpft daran an, wenn er sagt, dass allein, weil die Menschheit sei, sie es wert sei, erhalten zu werden. (2)
Brocker I 618
WolfVsJonas: aus Jonas Argumentation geht hervor, dass er selbst zukünftigen Generationen nur dann ein Recht zubilligen will, (von uns) erhalten zu werden, wenn sie unseren heutigen (oder vielmehr den von Jonas angenommenen) Werten entsprechen. (3) Widerspruch/BrockerVsJonas: wenn wir aber die Handlungswelt zukünftiger Generationen in technologischer Hinsicht nicht nach unserem Abbild formen dürfen (Siehe Technologie/Jonas): Warum dürfen wir das dann in ethischer?


1.Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation, Frankfurt/M. 1979, S. 35.
2. Ebenda S. 92-100.
3. Vgl. Jean-Claude Wolf „Hans Jonas. Eine naturphilosophische Begründung der Ethik“, in: Anton Hpgli/Poul Lübcke (Hg.) Philosophie im 20. Jahrhundert, Bd. 1, Reinbek 1992, S. 228.

Manfred Brocker, „Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Jonas I
Hans Jonas
Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation Frankfurt 1979

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Hypostase Jonas Brocker I 618
Hypostasierung/Verdinglichung/Reifikation/Hypostase/Natur/Menschheit/Handeln/Kant: Nach Kant sind „Menschheit“ oder „Natur“ bloße Hypostasen und können als solche kein Korrelat einer menschlichen Handlung sein (vgl. Birnbacher (1). Hypostase/Kant: den Akt, ein nur im Denken Existierendes gleichsam unter der Hand („subreption“) zu verdinglichen und ihm, zu Unrecht, dieselbe Qualität zuzuschreiben wie einem wirklichen Gegenstand: nach seiner Auffassung eine unerlaubte philosophische Operation.
Brocker: KantVsJonas: siehe Werte/Jonas, Ethik/Jonas, Naturalistischer Fehlschluss/Jonas.


1.Dieter Birnbacher, „Rezension zu Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung“, in: Zeitschrift für Philosophische Forschung 37, 1983, S. 145.


Manfred Brocker, „Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Jonas I
Hans Jonas
Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation Frankfurt 1979

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Hypostase Kant Brocker I 618
Hypostasierung/Verdinglichung/Reifikation/Hypostase/Natur/Menschheit/Handeln/Kant: Nach Kant sind „Menschheit“ oder „Natur“ bloße Hypostasen und können als solche kein Korrelat einer menschlichen Handlung sein (vgl. Birnbacher (1)). Hypostase/Kant: den Akt, ein nur im Denken Existierendes gleichsam unter der Hand („subreption“) zu verdinglichen und ihm, zu Unrecht, dieselbe Qualität zuzuschreiben wie einem wirklichen Gegenstand: nach seiner Auffassung eine unerlaubte philosophische Operation.
Brocker: KantVsJonas: siehe Werte/Jonas, Ethik/Jonas, Naturalistischer Fehlschluss/Jonas.


1.Dieter Birnbacher, „Rezension zu Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung“, in: Zeitschrift für Philosophische Forschung 37, 1983, S. 145.


Manfred Brocker, „Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018
I. Kant
I Günter Schulte Kant Einführung (Campus) Frankfurt 1994
Externe Quellen. ZEIT-Artikel 11/02 (Ludger Heidbrink über Rawls)
Volker Gerhard "Die Frucht der Freiheit" Plädoyer für die Stammzellforschung ZEIT 27.11.03

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Naturalistischer Fehlschluss Jonas Brocker I 617
Naturalistischer Fehlschluss/Sein/Sollen/Jonas: Jonas erklärt ausdrücklich, dass die „Trennung von ‚Sein‘ und ‚Sollen‘ (wonach die Natur wertfreie Faktizität ist, aus der sich keine Prinzipien, Normen oder Werte ableiten lassen) ein philosophisches Dogma darstellen, dem er sich nicht unterwerfen wolle. (1) VsJonas: es ist in der Forschung umstritten, ob Jonas des „naturalistischen Fehlschlusses“ bezichtigt werden dürfe. (2)(3)(4).
Gethmann-Siefert: verteidigt Jonas gegen diese Kritik, wirft ihm allerdings eine zirkelhafte Begründung“ vor. (5)
Brocker I 618
Karl-Otto Apel: verteidigt Jonas gegen den Vorwurf des naturalistischen Fehlschlusses, wirft ihm jedoch vor, gegen Kants Verdikt gegen „dogmatische Metaphysik“ zu verstoßen. (6)

1. Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation, Frankfurt/M. 1979, S. 92f.
2. Anna Claas, Lässt sich das ‚Prinzip Verantwortung‘ doch noch verteidigen? Versuch der Begründung des ‚Prinzips Verantwortung‘ von Hans Jonas auf der Basis der diskursiven und neo-pragmatistischen Ethik von Albrecht Wellmer, Marburg 2011, S 14, 80-82.
3. Wolfgang-Erich Müller, Hans Jons, Philosoph der Verantwortung, Darmstadt 2008, S. 210ff.
4. Wolfgang Kuhlmann, „‘Prinzip der Verantwortung‘ versus Diskursethik“ in: Dietrich Böhler (hg.) Ethik für die Zukunft, IM Diskurs mit Hans Jonas, München 1994, S. 282
5. Annemarie Gethmann-Siefert, ‚Ethos und metaphysisches Erbe Zu den Grundlagen von Hans Jonas‘ Ethik der Verantwortung“, in: Herbert Schnädelbach/Geert Keil (Hg.) Philosophie der Gegenwart – Gegenwart der Philosophie, Hamburg 1993, S. 190-195, 200.
6. Karl-Otto Apel, „Die ökologische Krise als Herausforderung für die Diskursethik“, in: Dietrich Böhler (Hg.) Ethik für die Zukunft, Im Diskurs mit Hans Jonas, München 1994, S. 389.


Manfred Brocker, „Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Jonas I
Hans Jonas
Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation Frankfurt 1979

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Ökologischer Imperativ Jonas Brocker I 609
Ökologischer Imperativ/Jonas: in Anlehnung an Kants Kategorischen Imperativ entwickelt Jonas einen „ontologischen Imperativ“, der im Sein selbst gründe. JonasVsKant: dessen Kategorischer Imperativ ist anders verortet. Def Ontologischer Imperativ/Jonas: „Handle so, dass di Wirkungen deiner Handlung verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf der Erde“. „Gefährde nicht die Bedingungen für den indefiniten Fortbestand der Menschheit.“ (1)
Andernorts wird dieser Jonas‘sche Imperativ auch „Ökologischer Imperativ“ genannt.
Andere Formulierung von Jonas: „Handle so, dass die Folgen deines Tuns mit einem künftigen menschenwürdigen Dasein vereinbar sind, d.h. mit dem Anspruch der Menschheit, auf unbeschränkte Zeit zu überleben.“ (2)
Brocker: die Formulierungen zeigen, dass es Jonas nicht allein um das physische Überleben geht, sondern auch um die Qualität dieses Lebens (echtes menschliches Leben“).
(s)VsJonas: die Formulierungen sind jedoch, wenn man sie nicht sowieso zirkulär nennen will, schwächer als die Kants, denn es wird nicht auf ein Prinzip Bezug genommen.
Lösung/Jonas: Jonas stellt Forderungen auf, die das individuelle wie das kollektive Leben fortan bestimmen müssten:
„Heuristik der Furcht“/Jonas: Ausgehend von einer »Heuristik der Furcht« (3) müsse jeder vor einer Handlung so viel Wissen als möglich über die denkbaren Konsequenzen und »Fernwirkungen« seines Tuns sammeln (4). Es müsse der schlechten Prognose stets Vorrang vor der guten eingeräumt werden.
Zur ethischen Begründung siehe Teleologie/Jonas, Ethik/Jonas, Menschheit/Jonas, Existenz/Jonas, Sein/Jonas.


1.Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation, Frankfurt/M. 1979, S. 36
2. Hans Jonas, »Warum wir heute eine Ethik der Selbstbeschränkung brauchen«, in: Elisabeth Ströker (Hg.), Ethik der Wissenschaften? Philosophische Fragen, München/Paderborn u. a. 1984, 75-86.
3. Jonas 1979, S. 8, 64
4. Ebenda S. 9, 28.


Manfred Brocker, „Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Jonas I
Hans Jonas
Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation Frankfurt 1979

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Technologie Jonas Brocker I 612
Technologie/Jonas/Brocker: Jonas entwickelt letztlich keine präzisen Kriterien dafür, wie eine Technologie angewendet werden soll, sondern belässt es bei der Frage des »ob überhaupt«: Nach Jonas ist offensichtlich schon die bloße Möglichkeit, dass von einer Technologie eine Gefährdung für die Biosphäre ausgehen könnte, ausreichend, um sie zu verbieten. Siehe auch Ethik/Jonas, Demokratie/Jonas. BrockerVsJonas: gerade eine deliberative Demokratie ((s) gegen die sich Jonas auch ausspricht) wäre am ehesten in der Lage, die Ambivalenzen der Technologie aufzuarbeiten.
Brocker I 619
BrockerVsJonas: Widerspruch: wenn wir nach Jonas unsere Technologie bremsen müssen (1), um z.B. den Ausstoß schädlicher Klimagase zu verringern, müssten wir gleichzeitig unsere Technologie ausbauen, um die Menschheit z.B. gegen Kometeneinschläge zu schützen, die den Bestand unserer Art genauso bedrohen.

1. Hans Jonas, »Warum wir heute eine Ethik der Selbstbeschränkung brauchen«, in: Elisabeth Ströker (Hg.), Ethik der Wissenschaften? Philosophische Fragen, München/Paderborn u. a. 1984, S. 83.


Manfred Brocker, „Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Jonas I
Hans Jonas
Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation Frankfurt 1979

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Verpflichtungen Jonas Brocker I 608
Pflichten/Generationengerechtigkeit/Verantwortung/Jonas: Frage: warum sollten die heute Lebenden für die Zukunft der Menschheit verantwortlich seien. Nach seiner Auffassung gibt es zwar keine Pflicht gegenüber einzelnen Zukünftigen, ihr Dasein zu gewährleisten: Die gesuchte und »notwendige« neue Zukunftsethik liege, so Jonas, außerhalb des individuellen Recht-Pflicht-Feldes, weil es keine Reziprozität mit einzelnen Zukünftigen geben könne, da sie ja noch nicht existierten (1) Lösung/Jonas: es gibt eine Verpflichtung gegenüber der Menschheit als Ganzer, eine Pflicht, die Menschheit zu erhalten. Dies sei in der Form eines kategorischen Imperativs zu denken, als »eine unbedingte Pflicht der Menschheit zum Dasein« (2). Siehe Ethik/Jonas.
Brocker I 615
Intuitionismus/Jonas/Brocker: Jonas argumentiert intuitionistisch: Der Säugling dient ihm als Beispiel für die »Selbstbejahung des Seins« (3). Der Anblick eines hilflosen Babys reiche aus, um unmittelbar die Erkenntnis einer Pflicht zur Sorge und Hege ihm gegenüber zu vermitteln. Dies ist für Jonas ein „ontisches Paradigma“: die Koinzidenz von Sein und Wert. (4) Siehe Sein/Jonas, Ethik/Jonas, Existenz/Jonas.
Brocker I 616
WernerVsJonas: das Beispiel des Säuglings ist nicht kulturinvariant. (5) Bsp In Sparta löste ein Säugling kein allgemeines Verantwortungsgefühl aus. Problem/BrockerVsJonas: zukünftige Generationen, also noch nicht Geborene, können gerade nicht auf dieselbe Weise an unsere Verpflichtung appellieren, wie der Säugling in Jonas‘ Beispiel.
VsJonas: letztlich verstößt dann auch ein kinderlos bleibender Mensch nach Jonas gegen universelle Pflichten, da er den Erhalt der Menschheit nicht gewährleistet.
VsJonas: wo wäre die Grenze zu ziehen, wenn man den Wert eines zu erhaltenden Guts bestimmen wollte? Bei Insekten? Bei Bakterien? Bei Krebszellen?


1. Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation, Frankfurt/M. 1979, S. 84
2. Ebenda S. 80
3. Ebenda S. 234-242.
4. Ebenda S. 235.
5. Micha H. Werner, „Dimensionen der Verantwortung. Ein Werkstattbericht zur Zukunftsethik von Hans Jonas“. In: Dietrich Böhler (Hg.) ethik für die Zukunft. Im Diskurs mit Hans Jonas, München, 1994, S. 303-338.


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Jonas I
Hans Jonas
Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation Frankfurt 1979

Brocker I
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Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Werte Jonas Brocker I 614
Werte/Moral/Jonas: Jonas vertritt einen moralischen Realismus, für den es objektive Werterkenntnis gibt. Axiologie ist bei ihm Teil der Ontologie (1). Danach gibt es Werte in der Natur, die uns unmittelbar verpflichten. Das »Sollen« ist »im Sein« der Natur selbst begründet (2). Der »Ruf«, so Jonas, kommt von außen, nicht – wie bei Kant – aus der (reinen praktischen) Vernunft (3). Der Mensch sei infolgedessen »unter eine Seinsverpflichtung gestellt, als Mandatar sozusagen eines Wollens der Natur« (4). Siehe Ethik/Jonas, Teleologie/Jonas, Sein/Jonas.
Brocker I 617
VsJonas: wo wäre die Grenze zu ziehen, wenn man den Wert eines zu erhaltenden Guts bestimmen wollte? Bei Insekten? Bei Bakterien? Bei Krebszellen? Siehe Verpflichtung/Jonas.

1.Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation, Frankfurt/M. 1979, S. 153
2. Ebenda S. 8
3. Ebenda S. 164, 168-171
4. Hans Jonas, Technik, Medizin und Ethik. Zur Praxis des Prinzips Verantwortung, Frankfurt/M. 1985.


Manfred Brocker, „Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Jonas I
Hans Jonas
Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation Frankfurt 1979

Brocker I
Manfred Brocker
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