Lexikon der Argumente


Philosophische Themen und wissenschaftliche Debatten
 
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Äquivalenz Logik-Texte II 131
Bikonditional/Hoyningen-Huene: (Bikonditional, Bisubjunktion) ist ein Zeichen der Metalogik. - Logische Äquivalenz ⇔ steht für eine Aussagenverknüpfung der Objektsprache.
II 133
Äquivalenz/Hoyningen-Huene: Abschwächung der Identität von Aussagen. - Äquivalente Aussagen sind nicht in allen Hinsichten gleich, sondern nur in logischer. - Beide haben immer gleiche Wahrheitswerte. - Äquivalente Formel haben die gleichen Folgerungsmengen und können aus den gleichen Voraussetzungen gefolgert werden.
Texte zur Logik
Me I Albert Menne Folgerichtig Denken Darmstadt 1988
HH II Hoyningen-Huene Formale Logik, Stuttgart 1998
Re III Stephen Read Philosophie der Logik Hamburg 1997
Sal IV Wesley C. Salmon Logik Stuttgart 1983
Sai V R.M.Sainsbury Paradoxien Stuttgart 2001
Einsetzen Logik-Texte II 133
Einsetzen/Ersetzen/Identität/Wahrheitserhalt: Die logische Äquivalenz ist (...) eine Abschwächung der Identität von Aussagen. Logisch äquivalente Aussagen sind nicht in allen Eigenschaften gleich, sondern nur in logischer Hinsicht. Wenn eine Aussage logisch wahr ist, ist es auch die andere und umgekehrt. Wenn aus der einen eine bestimmte Aussage logisch folgt, dann auch aus der anderen und umgekehrt.
Einsetzungstheorem: Sei FA eine aussagenlogische Formel, die eine Teilform A enthält. Sei FB eine Formel, die aus FA entsteht, wenn man A durch eine aussagenlogische Formel B ersetzt, (nicht notwendig überall). Sei nun A ≡ B, dann gilt FA ≡ FB.

II 134
Logisch äquivalente Formeln haben die gleichen Folgerungsmengen. Logisch äquivalente Formeln können aus den gleichen Voraussetzungen gefolgert werden.

Redundanztheorie/Hoyningen-Huene: daher muss man in der Aussagenlogik auch tatsächlich nicht zwischen "A" und "Es ist wahr, dass A" unterscheiden. (In der Aussagenlogik wird von solchen Eigenschaften abstrahiert.)

Texte zur Logik
Me I Albert Menne Folgerichtig Denken Darmstadt 1988
HH II Hoyningen-Huene Formale Logik, Stuttgart 1998
Re III Stephen Read Philosophie der Logik Hamburg 1997
Sal IV Wesley C. Salmon Logik Stuttgart 1983
Sai V R.M.Sainsbury Paradoxien Stuttgart 2001
Erklärungen Hempel Bigelow I 299
Erklärung/Tradition/Gesetze/Hempel/Bigelow/Pargetter: (Vertreter: Hempel u. Oppenheim 1948(1), Hempel 1965(2), Mill 1843/50(3), Jevons 1877(4), Ducasse 1925(5), Feigl 1945(6), Popper 1945(7), Hospers 1946(8)). Hempel/Terminologie/Schreibweise/Bigelow/Pargetter:
O: Ergebnis
L: Gesetze
C: Bedingungen (Mengen von Sätzen, als Prämissen)
Dann könnte „O“ auch als Menge von Sätzen angesehen werden. Wir sprechen aber von zusammengesetzten Sätzen.
Dann haben wir:
L
C
O.
Anfangsbedingungen/Hempel/Bigelow/Pargetter: Anfangsbedingungen werden manchmal gar nicht gebraucht. Manchmal erklären aber die Gesetze allein den Fall nicht: Bsp Dass Halley’s Komet in 60 Jahren wiederkommt, dazu brauchen wir Informationen über bestimmte Tatsachen, es folgt nicht allein aus den Gesetzen. Die Tatsachen sind natürlich kontingent.
Bigelow I 301
Nichtstatistische Erklärung/Hempel: These: Wenn L und C O erklären, dann müssen sie O logisch implizieren (Englisch: "entail"). Sonst haben wir bestenfalls eine Erklärungsskizze, die weitere Annahmen erfordert. Bigelow/Pargetter: Das drückt aber noch nicht ganz die Idee der Erklärung durch „Ableitung aus Gesetzen“ aus: Die Gesetze müssen gebraucht und nicht nur erwähnt werden, d.h. es muss ein Sichverlassen auf Gesetze geben.
BigelowVsHempel/BigelowVsTradition: Pointe: Das sind dann aber nur Scheinerklärungen!
Bigelow I 302
So wie Quacksalber und Magiere oft eine Erklärung unter Berufung auf angesehene Naturgesetze liefern, die sich bei näherem Hinsehen als zirkulär entpuppt. Lösung/Hempel: Um das auszuschließen verlangt er, dass zusätzlich die Prämissen wahr sein müssen und O nicht gefolgt wäre, wenn C alleine ohne die Gesetze (L) gewesen wäre.
BigelowVsHempel/BigelowVsTradition: Daran muss man noch extrem viele Verfeinerungen vornehmen und Sonderfälle betrachten. Das würde Lewis die „Ein Flicken pro Loch“-Methode nennen.

Statistische Erklärung/probabilistisch/Hempel/Bigelow/Pargetter: (Hempel 1965) Hier ist es unmöglich Gesetze zu finden, die das genaue Ergebnis prognostizieren. Es mag aber in bestimmten Fällen sehr wahrscheinlich sein. Oder wahrscheinlicher, wenn die Gesetz wahr sind, als wenn sie nicht wahr wären.
Bigelow I 303
Die statistischen Erklärungen sind so etwas wie Ableitungen aus dem zu erklärenden Ding. Und zwar solche Ableitungen, die aus ungültigen Schlüssen entstehen. Logische Form: Die Konklusion soll wahrscheinlich sein, gegeben die Prämissen.
Varianten: Man kann hohe Wahrscheinlichkeit von vornherein fordern. Oder sie soll höher sein als die von O ohne die Prämissen oder schwächer: Dass O nur zu einem bestimmten Grad wahrscheinlich gemacht werden muss usw. (Lit: Salmon 1982).
Bigelow/Pargetter: Das unterscheidet sich alles nicht wesentlich von der nichtstatistischen Erklärung. Statistische Gesetze gehören ja auch zur Menge der Gesetze.
Erklärung/Bigelow/Pargetter: Mit Hempels Hilfe können wir jetzt aber unseren Begriff von Erklärung etwas erweitern:
Bigelow I 304
Wenn wir die Wahrscheinlichkeit eines Ergebnisses erhalten, haben wir damit das Ergebnis selbst auch ein wenig erklärt. Statistische Erklärung/Hempel/Bigelow/Pargetter: Letztlich geht es darum, ob ein Ergebnis herauskommt, oder wahrscheinlich ist. Wir können beide Fälle zusammenfassen.
„Statistisch“/Hempel/Bigelow/Pargetter: „Statistisch“ diente bei ihm nur der Abschwächung der Forderung der logischen Gültigkeit.
Erklärung/Hempel/Bigelow/Pargetter: These: Eine Erklärung ist ein offener Prozess. Das ist wichtig. Sowohl die Anfangsbedingungen können variiert werden, als auch die Gesetze von anderen Gesetzen abgeleitet werden.
Bsp Keplers Gesetze wurden von Newton auf tiefere zurückgeführt. Diese implizieren (Englisch: "entail") dann logisch die Keplerschen.
Bigelow I 305
Offenheit/Hempel: Offenheit besteht darin, dass man vielleicht immer tiefere Gesetze finden kann. Bigelow/Pargetter: Das ist eine Stärke seiner Theorie.

1. Hempel, C. G. and P. Oppenheim 1948: Studies in the Logic of Explanation, S. 15.
2. Hempel, C. G.: "Aspects of Scientific Explanation", in: Aspects of Scientific Explanation in the Philosophy of Science. New York 1965: The Free Press.
3. Mill, J. St.: A System of Logic, 1843.
4. Stevons, W. J: The principle of science: A treatise on logic and scientific method, 2nd edition London 1877: Macmillan Press.
5. Ducasse, C. J.: Explanation, mechanism and teleology. Journal of Philosophy 22. S. 150-5.
6. Feigl, H.: Operationism and Scientific method. Psychological Review 52, 1945, S. 250-9, 284-8.
7. Popper, K. R.: The Open Society and Its Enemies. London 1945.
8. Hospers, J.: On explanation. Journal of Philosophy 43, 1946, S. 337-56.

Hempel I
Carl Hempel
"On the Logical Positivist’s Theory of Truth" in: Analysis 2, pp. 49-59
In
Wahrheitstheorien, Gunnar Skirbekk Frankfurt/M. 1977

Hempel II
Carl Hempel
Probleme und Modifikationen des empiristischen Sinnkriteriums
In
Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich München 1982

Hempel II (b)
Carl Hempel
Der Begriff der kognitiven Signifikanz: eine erneute Betrachtung
In
Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich München 1982

Big I
J. Bigelow, R. Pargetter
Science and Necessity Cambridge 1990
Erweiterung Fraassen I 50
Erweiterung/Theorie/Fraassen: verführerisch: anzunehmen, dass Theorien verborgene Stärken haben, in dem sie Erweiterungen für neue Phänomene zulassen - Problem: dann kann es nie zwei empirisch äquivalente Theorien geben, denn sie könnten sich durch mögliche Erweiterungen unterscheiden.
I 51
Erweiterung/Theorie/Fraassen: Bsp angenommen, Experimente hätten (kontrafaktisch) ergeben, dass auch für elektromagnetische Wellen das Zentrum des Gravitationssystem in Ruhe sein sollte - dann wäre die Mechanik erfolgreich auf Elektromagnetismus ausgedehnt. Problem: "siegreiche" Erweiterungen können sie zwischen empirisch äquivalenten Theorien unterscheiden, denn diese haben immer dieselben Ressourcen, um Modelle für Erscheinungen zu konstruieren. - D.h. wenn eine Theorie einen Sieg erringt, dann auch alle die Theorien, die mit ihr empirisch äquivalent sind - Besser: Erweiterungen durch Phänomene, die nicht in eine Theorie passen. - > Abschwächung.

Fr I
B. van Fraassen
The Scientific Image Oxford 1980
Gefühl Deacon I 428
Gefühle/Deacon: man ist versucht zu sagen, das die Entwicklung unserer Sprachfähigkeiten Hand in Hand ging mit einer Abschwächung unserer Sensitivität und Empathie (verglichen mit Tieren).
I 429
Das gilt aber nur, wenn man Sprache als ein Medium der Kommunikation von Gefühlen betrachtet. Wenn wir der repräsentationalen Hierarchie folgen, können wir drei Weisen unterscheiden, wie der emotionale Zustand von Individuen mit dem von anderen in Einklang gebracht werden kann.
1. Spontane Mimikry
2. Reaktion auf gemeinsam erlebte äußere Reize (das ist indexikalisch) 3. Repräsentation des Zustands anderer (das ist symbolisch).


Dea I
T. W. Deacon
The Symbolic Species: The Co-evolution of language and the Brain New York 1998

Dea II
Terrence W. Deacon
Incomplete Nature: How Mind Emerged from Matter New York 2013
Konditional Fraassen I 118
Konditional/Wahrheitswert/WW/Fraassen: der Wahrheitswert eines Konditionals ist teilweise kontext-abhängig. - Aber Wissenschaft impliziert nicht, dass der Kontext irgendwie so oder so ist. - Daher impliziert Wissenschaft kontrafaktische Konditionale höchstens in dem Grenzfall, wo ein Konditional denselben Wahrheitswert in allen Kontexten hat - in diesem Fall impliziert die Theorie plus Antezedens (Rahmenbedingungen) strikt das Konsequens. - Dann gelten auch die Gesetze der Abschwächung und der Kontraposition - aber dann sind sie nutzlos für unsere Aufgabe, eine Erklärung zu liefern.

Fr I
B. van Fraassen
The Scientific Image Oxford 1980
Kontinuum Bernays Thiel I 194
Kontinuum/Bernays/Thiel: Bernays vertritt hier den klassischen Standpunkt (Aktualität): Vorstellung des Kontinuums zunächst eine geometrische Idee. Die Kritik der Konstruktivisten richte sich "im Grunde dagegen, dass durch den Begriff der reellen Zahl keine restlose Arithmetisierung der geometrischen Vorstellung geliefert wird. Es ist jedoch die Frage, ob sie tatsächlich gefordert wird. Bernays: Nein. Es kommt auf die Gesamtheit der Schnitte, nicht auf die einzelnen Definitionen an. Die Mannigfaltigkeit der einzelnen, in einem abgegrenzten Rahmen möglichen Definitionen von Schnitten ist ja gar nicht notwendig dem Kontinuum isomorph. Die Anwendung eines intuitiven Mengenbegriffs sollte als etwas methodisch Zusätzliches gelten gelassen werden.
I 195
Es gilt, statt einer Arithmetisierung der Analysis die klassische Analysis im Sinne einer engeren Verschmelzung von Geometrie und Arithmetik aufzufassen. (Konstruktivisten: Trennung).
Die Gegner behaupten ja nicht die Negate dieser Behauptungen, sondern sie sind der Meinung dass die Begründungspflicht bei demjenigen liegt, der eine Meinung vertritt.
I 196
Bsp Satz von der "oberen Grenze": Alt: jede nicht leere nach oben beschränkte Menge reeller Zahlen hat eine reelle Zahl als obere Grenze".
Konstruktiv, neu: Jede nicht leere nach oben beschränkte Menge reeller Zahlen mit definiter Linksklasse hat eine reelle Zahl als Obergrenze.
Def Links Klasse: Menge der rationalen Zahlen r mit r < x.
Die Neuformulierung ist eher eine Präzisierung als eine Abschwächung und der Einwand der "Unbeweisbarkeit" in konstruktiven Systemen kann nicht länger als gültig betrachtet werden.
Nochmal zur Frage "wie viele" reelle Zahlen es gibt: "halbe " Antwort: es gibt genauso viele reelle Zahlen wie es Dualfolgen gibt. (I 183f). Das suggeriert geradezu, dass es eine ganz bestimmte Anzahl geben müsse.


T I
Chr. Thiel
Philosophie und Mathematik Darmstadt 1995
Logik 2. Stufe Field I 37
Logik 2. Stufe/Field: In der Logik 2. Stufe haben die Quantoren kein rekursives Beweisverfahren. Quantifikation/Field: Daher ist sie hier vage und unbestimmt, aber selbst dann gilt (A >Logwahr(A)) & (~A > Logwahr(~A)) ist immer wahr. Die Vagheit bezieht sich auf das A.
II 238
Referentielle Unbestimmtheit/logische Operatoren/Logik 2. Stufe/Field: Sonderfall: Frage: Können komplexe logische Operatoren - Bsp unbeschränkte Quantoren 2. Stufe ((s) über Eigenschaften) überhaupt bestimmte Wahrheitsbedingungen haben? - Nein, z. B. kann alles was man mit ihnen ausdrückt, mit eingeschränkterer Quantifikation (über Mengen) reformuliert (reduziert) werden. Dabei hilft es nicht zu sagen, Bsp "Mit "für alle Eigenschaften" meine ich für alle Eigenschaften" - ((s) >"Alles was er sagte") - Alle/Pointe/Field: Der Gebrauch von "alle" ohne Anführungszeichen ist selbst Gegenstand einer Reinterpretation. ((s) Es könnte eine widersprechende, noch unentdeckte Eigenschaft geben, die nicht unter "alle Eigenschaften" einbezogen werden dürfte. Bsp Beschleunigung nahe Lichtgeschwindigkeit - hier würde der definitiv-Operator wiederum helfen.) VsDeflationismus: Der Deflationismus könnte einfach sagen "..alle..." ist wahr gdw. wenn alle... - Vs: Zusätzlich braucht man den definitiv-Operator, der Bedingungen fordert. Problem: Er fordert sie, aber er gibt sie nicht an! Field: Dito - bei Quantifikation höherer Stufe.
III 39
Logik 1. Stufe/2. Stufe/stärker/schwächer/Abschwächung/Field: Um die Logik 2. Stufe zur 1. Stufe abzuschwächen, können wir die Axiome 2. Stufe zu Axiomen-Schemata 1. Stufe abschwächen, nämlich dem Schema der Ersetzung und/oder der Separation. ((s) Statt eines Axioms über eine Menge ein Schema für alle Elemente?) - Problem: damit kommen viele Nicht-Standard-Modelle herein! Nämlich Modelle in denen Mengen, die in Wirklichkeit unendlich sind, die Formel erfüllen die normalerweise gerade Endlichkeit definiert. (> nicht-intendiertes Modell).
III 92
Logik 2. Stufe/Field: Wir haben Logik 2. Stufe an zwei Stellen: 1. bei der Axiomatisierung der Geometrie der Raumzeit (RZ) und der skalaren Ordnung von Raumzeit-Punkten haben wir...
III 93
...die "vollständige Logik der Teil-Ganzes-Relation" (s.o. Kapitel 4) bzw. die "vollständige Logik der Goodmanschen Summen" - 2. (im Abschnitt B, Kapitel 8): den binären Quantor "weniger als". Diesen brauchen wir aber nicht, wenn wir Goodmansche Summen haben: Goodmansche Summe: Ihre Logik ist hinreichend, um Vergleiche von Mächtigkeiten zu geben. Aus heuristischen Gründen wollen wir aber eine Extra-Logik für Mächtigkeiten ("weniger als") beibehalten.

Field I
H. Field
Realism, Mathematics and Modality Oxford New York 1989

Field II
H. Field
Truth and the Absence of Fact Oxford New York 2001

Field III
H. Field
Science without numbers Princeton New Jersey 1980

Field IV
Hartry Field
"Realism and Relativism", The Journal of Philosophy, 76 (1982), pp. 553-67
In
Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994
Selbstregulation Rizzo Parisi I 64
Selbstregulation/Wirtschaftstheorien/Rizzo/Whitman/Jolls: Die Arbeit von Mario Rizzo und Glen Whitman (2009)(1) zum Thema "Selbstregulation" hebt sowohl den Optimismus von Bibas als auch die Wahrnehmungen im Zusammenhang mit der Verlustaversion in Bibas' Plea Bargaining (dt. Verständigung im Strafverfahren) Treatment hervor. >Optimismus/Bibas, >Verlustaversion/Bibas. "Menschen sind von Optimismus befallen", schreiben Rizzo und Whitman (2009(1), S. 916, Hervorhebung weggelassen), "was sie dazu veranlasst, ihre persönliche Wahrscheinlichkeit zu unterschätzen [und] nachteilige Konsequenzen zu erleiden."
Status-quo: Auch Individuen leiden unter einer Verzerrung im "Status-quo: die psychologische Tendenz von Menschen, aktuelle Arrangements beizubehalten", anstatt von ihnen abzuweichen (Rizzo und Whitman, 2009, S. 915). Wie die Verlustaversion ist die Tendenz, "aktuelle Arrangements" beizubehalten, mit einer Rolle für Veränderungen von Zuständen verbunden, anstatt nur Endzustände zu erreichen, und diese Tendenz markiert somit einen ähnlichen Fall von Nicht-Optimierung innerhalb der oben angegebenen Definition.*
Lösung/Rizzo/Whitman: Als Antwort auf diese Formen begrenzt rationalen Verhaltens betonen Rizzo und Whitman (2009, S. 943), dass Menschen "zahlreiche Mittel zur Verfügung haben, um die Auswirkungen" eines solchen Verhaltens abzuschwächen - Mittel zur Abschwächung, die die Autoren als "'self-debiasing' oder 'Selbstregulation' bezeichnen.”
Verzerrung: Wie in der Arbeit von Bibas - hier allerdings auf das Selbst und nicht auf das Rechtssystem angewandt - bezieht sich Rizzo und Whitmans Darstellung von "debiasing" sowohl auf Maßnahmen, die versuchen, optimismusbasiertes Nichtwissen zu reduzieren, als auch auf Maßnahmen, die das Entscheidungsverhalten von nicht-optimierenden Individuen formen. ((s) Zu Nicht-Optimierung und Nichtwissen siehe >Begrenzte Rationalität/Jolls.)

* Siehe Kahneman, Knetsch und Thaler (1991)(2) für eine weitere Diskussion der Beziehung zwischen Verlustaversion und Status-quo-Verzerrung.


1. Rizzo, Mario J. and Douglas Glen Whitman (2009). “The Knowledge Problem of New Paternalism.” Brigham Young University Law Review 2009: 905–968.
2. Kahneman, Daniel, Jack L. Knetsch, and Richard H. Thaler (1991). “Anomalies: The Endowment Effect, Loss Aversion, and Status Quo Bias.” Journal of Economic Perspectives 5: 193–206.


Jolls, Christine, „Bounded Rationality, Behavioral Economics, and the Law“. In: Parisi, Francesco (Hrsg.) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Bd. 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University Press.

Parisi I
Francesco Parisi (Ed)
The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017
Stärke von Theorien Stärke von Theorien, Philosophie: Theorien und Systeme können in Bezug auf ihre Stärke verglichen werden. Mit zunehmender Ausdrucksstärke eines Systems, z.B. der Möglichkeit, dass Aussagen auf sich selbst Bezug nehmen, wächst allerdings die Gefahr von Paradoxien. Stärke und Ausdrucksfähigkeit gehen nicht Hand in Hand. So ist z.B. das modallogische System S5, das stärker als das System S4 ist, nicht in der Lage, eine eindeutige temporale Ordnung herzustellen. Aspekte von Stärke und Schwäche sind u.a. die Menge der ableitbaren Sätze oder die Größe des Gegenstandsbereichs einer Theorie oder eines Systems. Siehe auch Theorien, Systeme, Modallogik, Axiome, Axiomensysteme, Erweiterung, Abschwächung, Bereiche.
Stärke von Theorien Fraassen I 114
Abschwächung/Gesetz der /Logik/Konditional/Fraassen: 1. A > B - 2. A u C > B. Dagegen Alltagssprache: hier gibt es keine Abschwächung: Bsp wenn das Streichholz zusätzlich in Wasser getaucht worden wäre... - (stillschweigende ceteris-paribus-Bedingung).
Abschwächung/(s): was aus n Prämissen folgt, folgt auch aus n+1 Prämissen - gilt in der Logik, aber nicht in der Alltagssprache.)

Fr I
B. van Fraassen
The Scientific Image Oxford 1980
Terminologien Goodman I 88
Kunst: Es gibt Charakteristika zur Definition einer Symbolisierungsweise, die anzeigt, ob etwas ein Kunstwerk ist. 1. Syntaktische Dichte: Bei der syntaktischen Dichte dienen gewisse minimale Differenzen zur Unterscheidung von Symbolen, z.B. ein skalenloses Thermometer (im Gegensatz zu einem digitalen Instrument).
2. Semantische Dichte: Bei der Semantischen Dichte stehen Symbole für Dinge bereit,die sich nur durch minimale Differenzen voneinander unterscheiden, z.B. nicht nur das erwähnte skalenlose Thermometer, sondern auch gewöhnliches Deutsch, sofern es nicht syntaktisch dicht ist.
3. Relative Fülle: Bei der relativen Fülle sind vergleichsweise viele Aspekte eines Symbols signifikant, z.B. die aus einer einzigen Linie bestehende Zeichnung eines Berges von Hokusai bei der jede Eigenschaft wie Linie, Dicke, Gestalt, usw. zählt. Im Gegensatz zu der gleichen Kurve als Darstellung des Börsenverlaufs eines Tages, bei der allein die Höhe der Werte über der Basis zählt.
4. Exemplifikation: Bei der Exemplifikation ist ein Symbol, ob es denotiert oder nicht, dadurch symbolisiert, dass es als Probe von Eigenschaften dient, die es buchstäblich oder metaphorisch besitzt.
5. Bei der multiplen und komplexen Bezugnahme, erfüllt ein Symbol mehrere zusammenhängende und aufeinander einwirkende Bezugnahmefunktionen, einige direkte und andere durch andere Symbole vermittelte.
---
III 128
Def Symbolschema: Ein Symbolschema besteht aus Charakteren. Def Charaktere sind bestimmte Klassen von Äußerungen oder Inskriptionen. Ein Merkmal des Charakters in einer Notation besteht darin, dass seine Elemente frei untereinander ausgetauscht werden können, ohne syntaktische Auswirkungen. Das ist eine Klasse von Marken. Die Partitur erfordert eine Trennung der Charaktere. Ein Charakter in einer Notation ist eine Abstraktionsklasse von Charakter-Indifferenz unter Inskriptionen.
Def Inskription: Inskription schließt Äußerungen ein. Eine Inskription ist jede Marke visuell, auditiv etc. die zu einem Charakter gehört. Eine Inskription ist atomar, wenn sie keine andere Inskription enthält, andernfalls ist sie zusammengesetzt, z.B. einen Buchstabe sieht man einschließlich der Zwischenräume als atomar an. In der Musik lässt sich die Trennung in atomar/zussammen nicht immer sofort erkennen, sie ist komplexer. Man sortiert die Atome am besten in Kategorien: Schlüsselzeichen, Zeitzeichen, Tonhöhenzeichen.
III 128/129
Def Marke: Die Marke ist ein Einzelfall eines Charakters in einer Notation. Sie schließt Inskriptionen ein. Tatsächliche Marken werden selten bewegt oder ausgetauscht. Alle Inskriptionen einer gegebenen Marke sind syntaktisch äquivalent. Und dies ist eine hinreichende Bedingung, dass sie "echte Kopien" oder Replikas von einander sind, bzw. in derselben Weise buchstabiert werden. Keine Marke darf zu mehr als einem Charakter gehören (Disjunktivität). Eine Marke die unzweideutig eine Inskription eines einzelnen Charakters ist, ist dennoch ambig, wenn sie zu verschiedenen Zeiten oder in verschiedenen Kontexten verschiedene Erfüllungsgegenstände hat. Def Typ (Gegensatz: Verwendung, Peirce): Der Typ ist das Allgemeine, oder die Klasse, deren Einzelfälle oder Elemente die Marken sind. Goodman: Ich ziehe es vor auf den Typ ganz zu verzichten, und stattdessen die Verwendungsfälle eines Typs Replikas voneinander zu nennen.
Def Verwendungsfall: Der Verwendungsfall ist die Replika eines Typs ("echte Kopie").
Es gibt keinen Grad von Ähnlichkeit, der für Replikas notwendig oder hinreichend ist.
Def echte Kopie: Eine echte Kopie einer echten Koopie einer echten Kopie... muss immer eine echte Kopie von "x" sein. Wenn die Relation, eine echte Kopie zu sein, nicht transitiv ist, verliert die ganze Notation ihren Sinn (s.u.: streng genommen darf eine Aufführung dann keinen einzigen falschen Ton enthalten). Eine Partitur erfordert die Trennung der Charaktere.
Def Notation: 1. Bedingung ist die Charakter-Indifferenz unter den Einzelfällen eines jeden Charakters. Charakter-Indifferenz ist eine typische Äquivalenzrelation: reflexiv, symmetrisch und transitiv. (Keine Inskription gehört zu einem Charakter, zu dem die andere nicht gehört.)
2. Zweite Forderung an Notation: Die Charaktere müssen endlich differenziert oder artikuliert sein. Für jede zwei Charaktere K und K' und jede Marke m, die nicht tatsächlich zu beiden gehört, ist die Bestimmung, dass entweder m nicht zu K gehört oder m nicht zu K' gehört, theoretisch möglich.
3. Das (erste) semantische Erfordernis für Notationssysteme besteht darin, dass sie eindeutig sein müssen.
Def Ambiguität (Mehrdeutigkeit): Ambiguität besteht aus einer Vielzahl von Erfüllungsklassen für einen Charakter.
Def Redundanz: Redundanz besteht aus einer Vielzahl von Charakteren für eine Erfüllungsklasse.
III 133
Def syntaktisch dicht: Ein Schema ist syntaktisch dicht, wenn es unendlich viele Charaktere bereitstellt, die so geordnet sind, dass es zwischen jeweils zweien immer ein drittes gibt. Solch ein Schema weist immer noch Lücken auf. Bsp Wenn die Charaktere die rationalen Zahlen sind, die entweder kleiner als 1 sind, oder nicht kleiner als zwei. In diesem Fall wird die Einfügung eines Charakters, das der 1 entspricht, die Dichte zerstören. Def durchgängig dicht: Wenn keine Einfügung weiterer Charaktere an ihrer normalen Stelle die Dichte zerstört.
Def syntaktisch geordnet: Etwas kann z.B. durch das Alphabet syntaktisch geordnet sein.
Def diskret nicht überlappend: Man beachte, wie abwegig die übliche Vorstellung ist, dass die Elemente einer Notation diskret sein müssen. Erstens müssen Charaktere einer Notation als Klassen vielmehr disjunkt sein! Diskretheit ist eine Beziehung unter Individuen. Zweitens brauchen Inskriptionen einer Notation keineswegs diskret zu sein. Und schließlich brauchen selbst atomare Inskriptionen nur relativ zu dieser Notation diskret zu sein.
Def disjunkt/Disjunktivität: Keine Marke darf zu mehr als einem Charakter gehören. Die Disjunktivität der Charaktere ist deshalb etwas überraschend, als wir in der Welt keine säuberlich getrennten Klassen von sortierten Sphären von Inskriptionen haben, sondern ein verwirrendes Gemisch von Marken.
Semantische Disjunktivität impliziert ebenso wenig Diskretheit der Erfüllungsgegenstände, wie syntaktische Disjunktivität der Charaktere Diskretheit der Inskriptionen impliziert.
Auf der anderen Seite kann ein Schema aus nur zwei Charakteren bestehen, die nicht endlich differenziert sind. Bsp Alle Marken, die nicht länger als ein Zentimeter sind, gehören zu einem Charakter, alle längeren Marken gehören zu dem anderen.
III 213
Def Fülle: Die Symbole in dem pikturalen Schema sind relativ voll. Fülle wird sowohl von der Allgemeinheit des Symbols als auch von der Unbegrenztheit eines Schemas unterschieden. Sie ist in der Tat völlig unabhängig von dem, was ein Symbol denotiert, als auch von der Anzahl der Symbole in einem Schema. Def "Abschwächung". Für das Gegenteil von Fülle gebrauche ich Abschwächung.
Def Dicht: Bsp Reelle Zahlen, wo keine Punktabgrenzung möglich ist, sind dicht. Gegensatz: artikuliert.
Def artikuliert: Artikuliert ist das Gegenteil von dicht.
III 232 ff
Syntaktische Dichte, semantische Dichte und syntaktische Fülle können drei Symptome des Ästhetischen sein. Syntaktische Dichte ist charakteristisch für nicht-sprachliche Systeme; Skizzen unterscheiden sich durch sie von Partituren und Skripten.
Semantische Dichte ist charakteristisch für Repräsentation, Beschreibung und Ausdruck. Durch sie unterscheiden sich Skizzen und Skripten von Partituren.
Relative syntaktische Fülle unterscheidet die repräsentationaleren unter den semantisch dichten Systemen von den diagrammatischen, die weniger von den mehr "schematischen".
Dichte ist alles andere als mysteriös und vage und wird explizit definiert. Sie entsteht aus dem nicht zu befriedigenden Verlangen nach Präzision und hält es am Leben.

G IV
N. Goodman
Catherine Z. Elgin
Revisionen Frankfurt 1989

Goodman I
N. Goodman
Weisen der Welterzeugung Frankfurt 1984

Goodman II
N. Goodman
Tatsache Fiktion Voraussage Frankfurt 1988

Goodman III
N. Goodman
Sprachen der Kunst Frankfurt 1997
Ursachen Fraassen I 25
Prinzip der gemeinsamen Ursache/PdgU/Fraassen: führt letztlich zur Postulierung von unbeobachtbaren Entitäten. - Das PdgU kann kein allgemeines Prinzip der Wissenschaft sein.
I 28
Gemeinsame Ursache/gU/Fraassen: zu sagen, dass C die gemeinsame Ursache für die Korrelation zwischen A und B ist, ist zu sagen, dass relativ zu C es keine solche Korrelation gibt. C erklärt die Korrelation, weil wir eine Korrelation nur solange bemerken, wie wir C nicht berücksichtigen. FraassenVsReichenbach: das PdgU regiert nicht die Wissenschaft des 20. Jahrhunderts, weil es deterministische Theorien verlangt.
I 114
Ursache/Erklärung/Theorie: Def Ursache/Mackie: nicht-hinreichender aber notwendiger Teil einer nicht-notwendigen aber hinreichenden Bedingung. FraassenVsMackie: Einschränkung: sonst kann Bsp Wachstum-plus-Tod-plus-Verwesung Ursache für den Tod sein.
1. Nicht jede hinreichende Bedingung ist eine Ursache. - Bsp die Existenz des Messers ist ein notwendiger Teil.
2. Eine Ursache muss auch nicht notwendig sein. - Es kann sein, dass es überhaupt keine vorausgehenden hinreichenden Bedingungen gibt. - Bsp Radium verursacht das Klicken des Geigerzählers. - Aber die Atomphysik ist damit kompatibel, dass er nicht klickt.
Verursachung/Lösung/Lewis: Kontrafaktisches Konditional: wenn A nicht gewesen wäre, wäre B nicht gewesen. - Fraassen: aber nicht buchstäblich. - falsch: dass ein Kontrafaktisches Konditional einer notwendigen Bedingung entspräche.
Lösung/Fraassen: hier gilt nicht das "wenn/dann" der Logik, denn dort gilt das Gesetz der Abschwächung. - Alltagssprache: hier gibt es keine Abschwächung.

Fr I
B. van Fraassen
The Scientific Image Oxford 1980
Verständigung im Strafverfahren Bibas Parisi I 63
Verständigung im Strafverfahren/Bibas/Jolls: Für strafrechtlich Beschuldigte, so Bibas, ist die "natürliche Ausgangsbasis" bei der Erwägung des Abschlusses einer Verständigung im Strafverfahren oft eher ein Freispruch oder eine Bewährung als eine Gefängnisstrafe (Bibas, 2004(1), S. 2544). Dementsprechend werden Angeklagte dazu neigen, Gefängnisstrafen als "sichere Verluste" (Bibas, 2004(1), S. 2509) zu betrachten, die unter Verlustaversion ein großes Ausmaß annehmen oder, in Simon'schen Begriffen, als "unbefriedigend" angesehen werden. >Beschränkte Rationalität/Simon. Verlustaversion: Ein solche "Verlusteinschätzung" (Bibas, 2004(1), S. 2544) von Angeklagten wird sie natürlich tendenziell davon abhalten, sich auf Verständigungen im Strafverfahren einzulassen. Aus rechtspolitischer Sicht hebt Bibas die Art und Weise hervor, in der Verurteilungsrichtlinien - die den beträchtlichen Ermessensspielraum, den Richter traditionell bei der Strafzumessung ausübten, durch ziemlich genau festgelegte Strafen für Straftäter ersetzen - die Auswirkungen sowohl von Optimismusvoreingenommenheit als auch von Verlustaversion umwandeln können (ob dies insgesamt wünschenswert ist oder nicht). Voreingenommenheit: "[D]as Rechtssystem", stellt er fest, "verwendet allgemeine entlastende Instrumente. ... Wenn ... junge Männer besonders übermütig sind, ... reagieren die Urteilsrichtlinien [darauf], indem sie den Spielraum für übermütige Vorhersagen, wie Richter urteilen werden, verringern" (Bibas, 2004(1), S. 2544).
Optimismusvoreingenommenheit/Verurteilungsrichtlinien: Wie Bibas anmerkt, ersetzen Verurteilungsrichtlinien eine breite Palette möglicher Ergebnisse, deren Wahrscheinlichkeiten von übermütigen Angeklagten tendenziell unterschätzt werden, durch ein relativ bestimmtes Ergebnis, das die Auswirkungen der Optimismusvoreingenommenheit abschwächt.
Verlustaversion: Im Hinblick auf die Verlustaversion können "[R]ichtlinien für die Strafzumessung die Gewohnheit der "Verlusteinschätzung" in Strafsachen durchbrechen, indem sie das Urteil nach dem Prozess zur natürlichen Basis machen" (Bibas, 2004(1), S. 2544).
Verurteilungsrichtlinien: Bibas schlägt vor, dass Verurteilungsrichtlinien den impliziten Maßstab eines Freispruchs oder einer Bewährung zu einer "natürlichen Basis" einer Gefängnisstrafe umgestalten können; wenn dies der Fall ist, dann könnte ein verlustaverser Angeklagter offener für den Abschluss einer Vereinbarung über ein Geständnis sein. In Bibas' Optimismusverzerrung von Verständigungen im Strafverfahren reduzieren Strafzumessungsrichtlinien die Prävalenz empirisch ungenauer Überzeugungen über die Wahrscheinlichkeiten verschiedener potenzieller Ergebnisse; auf diese Weise entschärfen die Richtlinien ein Problem der Nicht-Allwissenheit. ((s) Für Nicht-Allwissenheit: >Beschränkte Rationalität/Jolls.)
Verhalten/Jolls: Beachten Sie jedoch, dass jede Reduzierung der Prävalenz von Fehleinschätzungen hier nicht durch die direkte Abschwächung des Überoptimismus von Individuen erreicht wird, sondern eher durch die Verringerung der Menge möglicher Ergebnisse, auf die Optimismusvoreingenommenheit in erster Instanz wirken könnte. In dieser Hinsicht unterscheidet sich die normative Analyse der Richtlinien von der normativen Analyse vieler anderer rechtlicher Reaktionen (...).
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Verlustaversion/Jolls: In der Verlustaversionsrechnung von Verständigungen im Strafverfahren ist die normative Analyse noch schwieriger. Sind Angeklagte, die als Ergebnis des "Reframings" der Richtlinien Angebote zum Abschluss von Strafverhandlungen annehmen, besser dran? Ist die Anwendung der Richtlinien als Reaktion auf Verlustaversion ein "entlastendes Instrument" (Bibas, 2004, S. 2544)? Normative Analyse der Richtlinien: Bibas' eigene normative Diskussion konzentriert sich auf diskrepanzreduzierende Effekte von Verurteilungsrichtlinien. Da z.B. junge männliche Angeklagte besonders wahrscheinlich Optimismusvoreingenommenheit zeigen, wird die Verengung des Bereichs, in dem Optimismusvoreingenommenheit eine Wirkung haben kann, die Unterschiede zwischen den Klassen von Angeklagten ausgleichen, und da die "Verlusteinschätzung" dazu neigt, vom Alter der Angeklagten beeinflusst zu werden, können die Richtlinien willkürliche altersbasierte Strafunterschiede ausgleichen (Bibas, 2004(1), S. 2544).


1. Bibas, Stephanos (2004). “Plea Bargaining Outside the Shadow of Trial.” Harvard Law Review 117: 2463–2547.


Jolls, Christine, „Bounded Rationality, Behavioral Economics, and the Law“. In: Parisi, Francesco (Hrsg.) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Bd. 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University Press.

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Francesco Parisi (Ed)
The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017