Lexikon der Argumente


Philosophische Themen und wissenschaftliche Debatten
 
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Begriff/
Autor/Ismus
Autor
Eintrag
Literatur
Deutsch Leben = Simulation: beide Verkörperung von Theorien über die Umwelt

Leben beruht darauf, dass es Moleküle gibt, die bestimmte Umwelten dazu bringen, Kopien dieser Moleküle herzustellen

Def Replikator: Ein Replikator veranlasst seine Umwelt dazu ihn zu kopieren. Er trägt ursächlich zu seiner eigenen Kopie bei.

Kopie: alles, was tatsächlich kopiert wird, muss irgend einen ursächlichen Beitrag zu diesem Kopieren geleistet haben.(FÄ).

Leben stellt eine Art Wirklichkeitssimulation dar.

Gene blind, Nische: Umwelt - Benutzer stößt- Anpassung: unbeabsichtigte, nicht wahrgenommene Simulation/Anregung zur Replikation

Def Anpassung: eine Größe ist an ihre Nische angepasst, wenn sie Wissen verkörpert, das die Nische dazu bringt, dieses Wissen zu bewahren.

These: Wir können der Sonne wahrscheinlich eines Tages Materie wegnehmen, um sie am explodieren zu hindern.
Sollte das der Fall sein, dann gibt unsere gegenwärtige höchst erfolgreiche Theorie der Sternentwicklung ein völlig falsches Bild wieder!

Deutsch I
D. Deutsch
Die Physik der Welterkenntnis München 2000
Adaption Evolutionäre Psychologie Corr I 267
Adaption/Evolutionspsychologie/Figueredo: Es gibt im Wesentlichen drei Lösungen für das Problem der Anpassung an Umgebungen, die zeitlich oder räumlich variabel oder heterogen sind (einschließlich des "ökologischen Raums"): (1) Entwicklungsplastizität,
(2) genetische Vielfalt und
(3) räumliche Migration. Nach der Brunswick Theorie der evolutionären Entwicklung (BED) wählen Ökologien, die im Laufe der Entwicklungszeit variabel sind, nach Organismen, die phänotypisch plastisch genug sind, um sich durch Lernen im Laufe der Entwicklungszeit anzupassen (Figueredo, Hammond und McKiernan 2006)(1).
Eine solche Verhaltensentwicklung hängt jedoch entscheidend von der Existenz zuverlässiger und valider Hinweise ab, die signalisieren, welcher alternative Phänotyp unter den jeweiligen lokalen Bedingungen in Zeit, Raum und Ökologie optimal ist. >Nischen/Figueredo, >Ökologie/Evolutionäre Psychologie.


1. Figueredo, A. J., Hammond, K. R. and McKiernan, E. C. 2006. A Brunswikian evolutionary developmental theory of preparedness and plasticity, Intelligence 34: 211–27


Aurelio José Figueredo, Paul Gladden, Geneva Vásquez, Pedro Sofio, Abril Wolf and Daniel Nelson Jones, “Evolutionary theories of personality”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Adaption Gould I 198
Adaption/Präadaption/Gould: Def Präadaption: aus der These hergeleitet, dass in den Anfangsstadien andere Funktionen erfüllt worden sind. Bsp ein halber Kiefer konnte die Kiemen stützen. Ein halber Flügel mag zum Fang von Beutetieren gedient haben, oder zur Kontrolle der Körpertemperatur. Gould: Der Begriff der Präadaption ist unverzichtbar, aber nicht geeignet, in allen Fällen eine Kontinuität zu erweisen.
I 199
Bsp bei zwei Gattungen von Biodae (Riesenschlangen) auf Mauritius gibt es einen geteilten Oberkieferknochen, (mit elastischer Verbindung), den es sonst bei keinem Wirbeltier auf der Erde gibt. Hier ist einem diskontinuierlichen Übergang der Vorzug zu geben denn ein Kiefer kann nicht halb gebrochen sein. Beispiele:
I 195
Bsp Fische, die Kiefer besitzen, sind mit ihren Vorfahren ohne Kiefer verwandt. Die Makroevolution (die größeren strukturellen Übergänge) ist nichts als eine ausgeweitete Mikroevolution (z.B. die Veränderung von Fliegen in geschlossenen Behältern).
I 196
Bsp Wenn schwarze Nachtfalter die Weißen innerhalb eines Jahrhunderts ersetzen, dann können Reptilien durch sanfte Summierung zahlloser Veränderungen im Laufe von einigen Millionen Jahren zu Vögeln werden.
II 51
Adaption/Gould: Wir müssen nicht zwischen Beschränkung und Schönheit der Adaption wählen, da nur beides zusammen die notwendige Spannung zur Regulation der Evolution liefert. Selektion/Gould: GouldVs: Gould richtet sich gegen die Annahme einer konsequenten Auslese, bzw. die Annahme, es gebe ein Wirken der Selektion auf jeder Ebene gleichzeitig, bzw. die Theorie, dass jedes Detail das an einem Organismus aufzufinden ist, aus der Selektion resultiert.
Verhalten/Adaption: Jedes Einzelverhalten mag eine wunderbare Adaption sein, aber es muss innerhalb einer vorherrschenden Beschränkung geformt sein. Bsp Brutverhalten des Tölpels.
II 52
Verhalten/Tier/Gould: Die Quellen organischer Formen und Verhaltensweisen sind mannigfaltig und beinhalten wenigsten drei Primärkategorien: a) Augenblickliche Adaption (des Verhaltens der Jungen),
b) Die potentiell nichtadaptiven Konsequenzen grundlegender struktureller Entwürfe die als Beschränkungen der Adaption wirken.
c) Adaptionen der Vorfahren, die jetzt von der Nachkommenschaft in anderer Weise verwendet werden.
II 153
Adaption/GouldVsAdaptionismus/Gould: man kann z. B. besondere Merkmale bei manchen abnormalen menschlichen Kindern nicht als Adaption bezeichnen. Wir bewohnen keine perfekte Welt, in der die natürliche Selektion rücksichtslos alle organischen Strukturen überprüft und sie dann im Hinblick auf optimale Nützlichkeit formt. In vielen Fällen spiegelt die Evolution mehr ererbte Muster als augenblickliche Forderungen der Umwelt wider.
II 152
Wir neigen (fälschlicherweise) dazu, jede Struktur so zu betrachten, als sei sie für einen bestimmten Zweck geschaffen.
IV 27
Adaption/Anpassung/Gould: wir sollten nicht folgern, dass die von Darwin angenommene Anpassungsfähigkeit an eine lokale Umwelt uneingeschränkte Macht besitzt, theoretisch optimale Entwürfe für alle Situationen zu erzeugen. Die natürliche Selektion kann nur auf vorhandenes Material zurückgreifen. Klassisches Dilemma der Evolutionstheorie. Frage: wie entstehen die Zwischenschritte?
Strukturalisten (wie Geoffroy Saint Hilaire, 1772-1844): These: Zuerst ändert sich die Form und findet dann eine Funktion.
Funktionalisten (wie Lamarck): These: zunächst müssen Organismen eine funktional andere Lebensweise annehmen, bevor sich die Formen entwickeln.
DarwinVsStrukturalismus: Die Umwelt gibt ihre Anforderungen an eine Anpassung nicht direkt an den Organismus weiter. Vielmehr indirekt über mehr Überlebende Nachkommen derjenigen, die das Glück hatten, in Richtung einer besseren Anpassung an ihre lokale Umwelt zu variieren.
IV 28
Lamarck: tatsächlich war er es, der die richtige Antwort gefunden hatte (wie Darwin): Er schlug lediglich einen falschen Mechanismus für die Übertragung der Information zwischen Umwelt und Organismus vor. Seine funktionalistische Lösung enthält eine elegante Vereinfachung, die heute von nahezu allen Evolutionsforschern akzeptiert wird. »Es ist weder die Gestalt des Körpers noch die Form seiner Gegner, welche die Gewohnheiten der Tiere entstehen lässt, sondern es sind im Gegenteil die Gewohnheiten und Lebensumstände, die im Laufe der Zeit die Gestalt des Körpers gebildet haben«.(1)
Gould: das wird heute als richtig angesehen.



1. Lamarck, J.B. (1809/1984). Zoological Philosophy. Chicago: University Press.


Gould I
Stephen Jay Gould
Der Daumen des Panda Frankfurt 2009

Gould II
Stephen Jay Gould
Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991

Gould III
Stephen Jay Gould
Illusion Fortschritt Frankfurt 2004

Gould IV
Stephen Jay Gould
Das Lächeln des Flamingos Basel 1989
Adaption Ökologische Theorien Norgaard I 331
Adaption/Klimawandel/Klimagerechtigkeit/Ökologische Theorien: Die Logik der Adaption als Frage der Gerechtigkeit ist auf einer Ebene ganz einfach: Wenn eine Person oder Gemeinschaft durch den anthropogenen Klimawandel gefährdet wurde und dieses Risiko durch eine Art proaktiver Investitionen, die von denen unterstützt werden, die das Risiko verursacht haben, verringert oder beseitigt werden kann, besteht eine moralische Verpflichtung, diese Investitionen zu tätigen. (...) die mit der "Adaption" verbundenen Verpflichtungen könnten durch ein Prinzip der "Hilfsfähigkeit" gerechtfertigt werden, auch wenn keine kausale Verantwortung für die Verhängung von Risiken besteht (Jamieson 1998(1); Caney 2009(2)). VsAdaption: (...) Da die am stärksten vom anthropogenen Klimawandel bedrohten Bevölkerungsgruppen im Großen und Ganzen die am stärksten von "normalen" Klimaschwankungen und extremen Wetterereignissen bedrohten Bevölkerungsgruppen sind, ist es konzeptionell sehr schwierig, wenn nicht gar unmöglich, Investitionen zu trennen, die nur das "zusätzliche" Risiko durch anthropogenen Wandel betreffen. (...) Wenn es möglich ist, diejenigen, die am anfälligsten für den anthropogenen Klimawandel sind, zu trennen, bedeutet dies, ihnen Schutz durch proaktive Anpassung zu bieten und nicht diejenigen zu unterstützen, die am anfälligsten für klimabedingte Schäden sind. Es sollten stattdessen diejenigen, geschützt werden, deren Anfälligkeit durch die anthropogene Erwärmung erhöht wird.
Adaption/Entwicklung: es ist allgemein anerkannt, dass "Adaption" der "Entwicklung" sehr ähnlich sieht. Tatsächlich ist es eine der Ironien, dass die Logik einer effektiven Anpassung die Integration von Anpassungsfinanzierung und -aktivitäten in bestehende Entwicklungsplanungen, -politiken und -projekte beinhaltet (sogenanntes "Mainstreaming- z.B. Huq et al. 2004(3); Yamin 2005(4)), während der Wunsch der Entwicklungsländer
Norgaard I 332
das Transfervolumen und ihre Kontrolle darüber zu erhöhen, dazu geführt hat, dass gefordert wurde, dass die Anpassungshilfe von der bestehenden Entwicklungshilfe getrennt und nachweislich "zusätzlich" und unter der Kontrolle neuer, von der UNFCCC gelenkter Institutionen erfolgen muss.


1. Jamieson, D. 1998. Global responsibilities: Ethics, public health and global environmental change. Indiana Journal of Global Legal Studies 5: 99–120.
2. Caney, S. 2009. Human rights, responsibilities and climate change. In C. R. Beitz and R. E. Goodin (eds.), Global Basic Rights. Oxford: Oxford University Press.
3. Huq, S. et al. 2004. Mainstreaming adaptation to climate change in Least Developed Countries (LDCs). Climate Policy 4(1): 25–43.
4. Yamin, F. 2005. The European Union and future climate policy: Is mainstreaming adaptation a distraction or part of the solution? Climate Policy 5: 349–61.



Baer, Paul: “International Justice”, In: John S. Dryzek, Richard B. Norgaard, David Schlosberg (eds.) (2011): The Oxford Handbook of Climate Change and Society. Oxford: Oxford University Press.

Norgaard I
Richard Norgaard
John S. Dryzek
The Oxford Handbook of Climate Change and Society Oxford 2011
Ähnlichkeit Foucault I 17
Ordnung/Ähnlichkeit/Borges, "Die analytische Sprache John Wilkins'" zitiert "eine gewisse chinesische Enzyklopädie": die Tiere gruppieren sich wie folgt: a) Tiere, die dem Kaiser gehören
b) einbalsamierte Tiere
c) gezähmte
d) Milchschweine
e) Sirenen
f) Fabeltiere
g) herrenlose Hunde
h) in diese Gruppierung gehörige
i) die sich wie Tolle gebärden
k) die mit einem ganz feinen Pinsel aus Kamelhaar gezeichnet sind
l) und so weiter
m) die den Wasserkrug zerbrochen haben
n) die von weitem wie Fliegen aussehen.
Borges/Foucault: nicht die Fabeltiere sind unmöglich, sondern der geringe Abstand.
Die Monstrosität besteht darin, dass Borges den gemeinsamen Raum des Zusammentreffens zerstört.
Was unmöglich ist, ist nicht die Nachbarschaft der Dinge, sondern der Platz selbst, an dem sie nebeneinandertreten könnten.
Die Kamelhaartiere und die Tollen könnten sich nie treffen, außer in der Ortlosigkeit der Sprache.
Das "Und" der Aufzählung wird ruiniert.
Trocknet die Sprache aus, bestreiten bereits in der Wurzel die Möglichkeit einer Grammatik.
I 21
Ähnlichkeit/Borges/Foucault: reflektierte Klassifizierung: Bsp Hund und Katze ähneln sich weniger als zwei Windhunde, selbst wenn beide einbalsamiert sind, oder gezähmt sind, oder gerade einen Krug zerbrochen haben. Selbst für die naivste Erfahrung gibt es keine Ähnlichkeit die nicht aus vorher vorhandenen Kriterien resultiert.

Vier Ähnlichkeiten
I 46f
Convenientia: eher Nachbarschaft von Orten als Ähnlichkeit. Orte grenzen aneinander, verfransen sich Doppelte Ähnlichkeit: des Ortes, an den die Natur zwei Dinge gestellt hat, und Ähnlichkeit der Eigenheiten. a) Seele und Körper berühren sich zweimal.
b) verschiedene Wesen gleichen in der Syntax der Welt sich einander an: Pflanze und Tier kommunizieren, Erde und Meer, Mensch und Umgebung.
convenientia: Konjunktion und Anpassung, gehört enger zu den Dingen selbst als zur Welt, in der sie sich befinden.
Rückt die Welt in eine Kette mit sich selbst in jedem Berührungspunkt beginnt und endet ein Ring von Kreis zu Kreis setzt sich die Ähnlichkeit fort, sie hält die Extreme in Distanz.
I 48 f
2. aemulatio: eine Art Konvenienz, aber vom Gesetz des Ortes frei. Hat unbeweglich in der Entfernung ihr Spiel, als ob Kette gebrochen, Ringe berührungslos in der Entfernung, reproduzieren aber die Ähnlichkeit. Reflex und Spiegel. Bsp Von fern ist das Gesicht Nacheiferer des Himmels, der Intellekt reflektiert unvollkommen die Weisheit Gottes, die Augen unvollkommen das große Licht der Sonne, der Mund ist Venus, denn durch ihn werden Küsse und Liebesworte ausgetauscht. Quer durchs Universum ohne Verkettung direkte Nachahmung.
Nachahmung eine Art natürlicher Zwillingshaftigkeit der Dinge. Sie entsteht aus einer Falzung des Seins (> Metaphern)
I 49
lässt die beiden reflektierten gestalten nicht untätig, eine kann schwächer sein, und Einfluss der anderen aufnehmen. Bsp Ohne Anstrengung gibt die Helligkeit des Grases die reine Form des Himmels wieder.
Ähnlichkeit kann auch Kampf einer Form gegen die andere sein:
Bsp bei Paracelsus: Der Mensch ist wie das Firmament "eine Konstellation von Sternen" aber es ist nicht mit ihm verbunden, wie "der Dieb mit den Galeeren, der Fisch mit dem Fischer, das Wild mit dem Jäger."
Die Distanz wird bei der aemulatio nicht durch ihre subtile Metapher annulliert. Sie bleibt sichtbar.
Die Ringe der aemulatio bilden keine Kette, sondern eher konzentrische, reflexive, rivalisierende Kreise.
3. Analogie (siehe dort)
I 53 f
4. Sympathie: im Spiel der Sympathien ist kein Weg vorher festgelegt. Keine Entfernung wird angenommen, keine Verkettung vorgeschrieben. Ihre Kraft ist so groß, dass sie sich nicht damit begnügt, bei einer einigen Berührung auszubrechen und die Räume zu durchlaufen, sie ruft die Bewegung der Dinge in der Welt hervor und bewirkt die Annäherung der entferntesten Dinge. Sie ist der Ursprung der Mobilität zieht die Schweren zur Schwere des Bodens, die Leichten zum gewichtslosen Äther.
Sie treibt die Wurzeln ins Wasser und lässt die Sonnenbahn von der Sonnenblume nachziehen.
Sie hat die gefährliche Kraft, zu assimilieren, die Dinge miteinander identisch zu machen, sie zu mischen, in ihrer Individualität verschwinden zu lassen, sie dem fremd zu machen, was sie waren.
Deshalb wird die Sympathie von ihrer Zwillingsgestalt, der Antipathie kompensiert.
Diese erhält die Dinge in ihrer Isolierung aufrecht und verhindert die Assimilierung.
Bsp Die indische Ratte ist gefährlich für das ägyptische Krokodil, in dessen geöffnetes Maul sie hineinspringt und sich von innen wieder herausfrisst. Die Natur hat sie ihm zum Feind gegeben. Andererseits wird die Ratte von ihren Feinden beobachtet, denn sie lebt in Zwietracht mit der Spinne und stirbt oft im Kampf mit der Natter.
Bsp Das heiße, trockene Feuer hat eine Antipathie zum Wasser, das kalt und feucht ist.
Alle Verkettungen der Analogie, alle Echos der aemulatio werden verdoppelt durch die Raum der Sympathie und Antipathie. Durch dieses Spiel bleibt die Welt identisch.

Foucault I
M. Foucault
Die Ordnung der Dinge. Eine Archäologie der Humanwissenschaften Frankfurt/M. 1994

Foucault II
Michel Foucault
Archäologie des Wissens Frankfurt/M. 1981
Aktiva (Assets) Neoklassiker Mause I 225
Aktiva/Neoklassiker/Monetarismus: Vermögensaktiva, sind Geld, Anleihen, Aktien sowie bestehendes und neu zu schaffendes Realkapital bis hin zum Humanvermögen. Im Sinne der mikroökonomischen Theorie befindet sich das Portfolio in einem Gleichgewicht, wenn der Grenzertrag jeder Anlageform identisch ist. Kommt es in dieser Situation zu einer expansiven Geldpolitik, sinkt der Ertragssatz der Geldhaltung. Die Haushalte werden ihr Vermögen in andere Aktivaformen transferieren. Die neoklassischen bzw. monetaristischen Ansätze unterstellen eine hohe Zinsreagibilität aller Anlageformen und somit auch der Investitionsnachfrage.
Alle wirtschaftspolitischen Eingriffe werden demzufolge auch danach beurteilt, inwieweit sie das gesamtwirtschaftliche Zinsniveau beeinflussen. Eine expansive Geldpolitik bewirkt zunächst Zinssenkungen (Liquiditätseffekt) und damit erhebliche Effekte auf die Gütermärkte in Form von Mengen- und Preisanpassungen.

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Allostase McEwen Corr I 208
Allostase/McEwen/Elovainio/Kivimäki: Zukunft. McEwen (1998(1); McEwen und Stellar 1993(2)) hat die vorherrschenden Bedingungen beschrieben, unter denen die adaptive Funktion beeinträchtigt werden kann und unter denen die möglichen gesundheitsschädlichen Auswirkungen von Stress auftreten. Vgl. >Stress/Selye, >Stress/Lazarus. Def Allostase/McEwen: McEwen definiert Allostase als den adaptiven Prozess zur aktiven Aufrechterhaltung der Stabilität durch Veränderung. Allostatische Belastung kann als kumulativer Verschleiß bezeichnet werden, und sie bezieht sich auf die Kosten für den Körper, die durch wiederholte Aktivierung oder unzureichendes Management von Mediatoren der Allostase (z.B. Nebennierenhormone, Immunzytokine und Neurotransmitter) entstehen.
Laut McEwen gibt es vier grundlegende Quellen der allostatischen Belastung:
(1) häufiger Stress;
(2) mangelnde Anpassung an wiederholte ähnliche Stressfaktoren; (3) Unfähigkeit, allostatische Reaktionen abzuschalten, wenn der Stress beendet ist; und
(4) unzureichende Reaktionen eines allostatischen Systems, die zu einem Ausgleich in anderen Systemen führen (McEwen 1998)(1).


1. McEwen, B. S. 1998. Protective and damaging effects of stress mediators, mediators, New England Journal of Medicine 338: 171–9
2. McEwen, B. S. and Stellar, E. 1993. Stress and the individual: mechanisms leading to disease, Archives of Internal Medicine 153: 2093–101



Marko Elovainio and Mika Kivimäki, “Models of personality and health”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Angst Matthews Corr I 412
Angst/Gedächtnis/Kognitionspsychologie/Matthews: Russo et al.(2006)(1) sagten voraus, dass Angst die Gedächtnisverzerrung bei einem freien Erinnerungstest beeinflussen würde, nach dem zufälligen Lernen mit einer "flachen" Kodierung; d.h. einer Aufmerksamkeitsaufgabe (die Stroop-Aufgabe), bei der die Probanden die Bedeutung von Wörtern ignorieren sollten. Die Vorhersage wurde bestätigt. Ängstliche Probanden erinnerten sich an mehr bedrohungsbezogene Worte als die Personen, die wenig Angst hatten. Es gab keinen Effekt der Angst auf die Erinnerung an neutrale Worte. Wie Russo et al. (2006)(1) vorschlagen, kann eine erhöhte Aufmerksamkeit für bedrohliches Material in einigen Fällen zu einer späteren Gedächtnisverzerrung führen.
Corr I 420
Angst/Kognitiv-adaptive Theorie/Matthews: Die kognitiv-adaptive Theorie der Charakterzüge (Matthews 1999(2), 2000(3), 2008a(4); Matthews und Zeidner 2004(5)) schlägt vor, dass Merkmale funktionelle und nicht strukturelle Kohärenz aufweisen. Angst/Neurotizismus/Matthews: repräsentiert die (teilweise unbewusste) Wahl der Strategie des Einzelnen im Umgang mit sozialen Bedrohungen. Der ängstliche Mensch passt sich der Bedrohung an, indem er Bedrohungen antizipiert und vermeidet, während der emotional stabile Mensch eine Vorliebe für eine direktere, aufgabenorientierte Bewältigung hat. Die verschiedenen Verarbeitungsattribute der Angst unterstützen die allgemeine Anpassung.
Die Empfindlichkeit neuronaler Systeme zur Bedrohungserkennung, Verzerrungen bei der symbolischen Berechnung von Bedrohungen und die Annahme, dass man anfällig für Gefahren ist, tragen alle zur adaptiven Haltung bei, Bedrohungen zu erkennen und zu verhindern, bevor sie unmittelbar bevorstehen. >Selbstregulation/Matthews.


1. Russo, R., Whittuck, D., Roberson, D., Dutton, K., Georgiou, G. and Fox, E. 2006. Mood-congruent free recall bias in anxious individuals is not a consequence of response bias, Memory 14: 393–9
2. Matthews, G. 1999. Personality and skill: a cognitive-adaptive framework, in P. L. Ackerman, P. C. Kyllonen and R. D. Roberts (eds.), The future of learning and individual differences research: processes, traits, and content, pp. 251–70. Washington, DC: APA
3. Matthews, G. 2000. A cognitive science critique of biological theories of personality traits, History and Philosophy of Psychology 2: 1–17
4. Matthews, G. 2008a. Personality and information processing: a cognitive-adaptive theory, in G. J. Boyle, G. Matthews and D. H. Saklofske (eds.), Handbook of personality theory and testing, vol. I, Personality theories and models, pp. 56–79. Thousand Oaks, CA: Sage
5. Matthews, G. and Zeidner, M. 2004. Traits, states and the trilogy of mind: an adaptive perspective on intellectual functioning, in D. Dai and R. J. Sternberg (eds.), Motivation, emotion, and cognition: integrative perspectives on intellectual functioning and development, pp. 143–74. Mahwah, NJ: Lawrence Erlbaum


Gerald Matthews, „ Personality and performance: cognitive processes and models“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Arbeitsteilung Spencer Habermas IV 175
Arbeitsteilung/Spencer/Durkheim/Habermas: Spencer These (laut Durkheim): das soziale Leben, wie das Leben im Allgemeinen, kann nur organisiert werden durch eine unbewusste und spontane Anpassung, unter dem gleichzeitigen Druck der Bedürfnisse, und nicht nach einem überlegten, intelligenten Plan. (…)
Habermas IV 176
Der Typ der sozialen Beziehungen wäre die wirtschaftliche Beziehung (…). (1) Spencer/Durkheim: der einheitsstiftende Mechanismus ist dabei der Markt. Die Integration durch den Markt erfolgt insofern „spontan“, als Handlungsorientierungen nicht über moralische Regeln, sondern über funktionale Zusammenhänge aufeinander abgestimmt werden.
Frage: wie kann die Arbeitsteilung gleichermaßen ein Naturgesetz der Evolution und der Erzeugungsmechanismus für eine bestimmte Form der gesellschaftlichen Solidarität sein? (2)
Lösung/Spencer: die über den nicht-normativen Markmechanismus gesteuerte Teilung der gesellschaftlichen Arbeit findet im „Riesensystem der Privatverträge“ bloß ihren normativen Ausdruck.


1.E. Durkheim, De la division du travail social, Paris 1930, German Frankfurt 1977, S. 242f
2. Ebenda, S. 81.

Spencer I
Herbert Spencer
The Man versus the State Indianapolis 2009

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Arten Dennett Arten/Dennett: Dennett diskutiert verschiedene Autoren:
I 48
Natürliche Art/Philosophie/Quine/Dennett: Quine unterscheidet damit gute und schlechte wissenschaftliche Kategorien. Art/Darwin/Dennett: Darwin erwähnt die Artbildung überhaupt nicht! Aber: I 55: "Abstammung mit Abwandlung"!
Anpassung/Darwin/Dennett: Natürliche Selektion führt zwangsläufig zur Anpassung.
Art/Darwin/Dennett: Aufspaltung durch unterschiedliche Fähigkeiten und Eigenschaften.
Genetik/Dennett: Genetik war zu Darwins Zeit noch nicht bekannt. Mendel forschte 50 Jahre später.
Art/Darwin/Dennett: Art ist eigentlich willkürlich! Der Begriff wird aus Bequemlichkeit auf eine Reihe von Individuen angewendet!
I 56
Art/Dawkins: Es gibt nichts, was die Artbildung wünscht! Vor der Trennung muss es eine Phase der "vorläufigen Trennung" geben. Art/Dennett: Frage: Gehören Lebewesen zu verschiedenen Arten, wenn sie sich nicht kreuzen können oder wenn sie es einfach nicht tun?

Dennett I
D. Dennett
Darwins gefährliches Erbe Hamburg 1997

Dennett II
D. Dennett
Spielarten des Geistes Gütersloh 1999

Dennett III
Daniel Dennett
"COG: Steps towards consciousness in robots"
In
Bewusstein, Thomas Metzinger Paderborn/München/Wien/Zürich 1996

Dennett IV
Daniel Dennett
"Animal Consciousness. What Matters and Why?", in: D. C. Dennett, Brainchildren. Essays on Designing Minds, Cambridge/MA 1998, pp. 337-350
In
Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005
Arten Gould I 223
Arten/Gould: Eine durchschnittliche wirbellose Art lebte ungefähr 5 - 10 Mio Jahre unverändert. Sie verändert sich in der Zeit kaum und stirbt aus ohne Nachfolger. Auf höherem Niveau ist die Evolution im Grunde eine Angelegenheit des unterschiedlichen Erfolgs der Arten und nicht einer langsamen Transformation von Stammbäumen.

II 331
Arten/Gould: Der Ursprung von Arten. Def Art: Arten werden als Populationen definiert, die fortpflanzungsmäßig von allen anderen isoliert sind. Mit anderen Arten zusammengebracht, werden sie sich nicht vermischen. Schlüsselfrage für den Ursprung einer neuen Art: wie entwickeln sich Isolationsmechanismen?
II 332
Traditionelle Sicht: eine ursprünglich einheitliche Population wird durch Auseinanderdriften von Kontinenten getrennt, durch neu entstehende Gebirgszüge, die neu isolierten Gruppen würden sich durch Adaption an ihre neue Umwelt anpassen. Nach einer gewissen Zeit werden die Populationen so verschieden, dass sie sich nicht mehr kreuzen lassen. Neue Sicht: Der letztliche Erfolg einer entstandenen Art mag von der Entwicklung der Anpassung abhängen, aber der Akt der Artbildung selbst kann ein zufälliges Ereignis sein.
Taxonomen haben entdeckt, dass viele Gruppen eng verwandter Arten sich in Form, Verhalten, und sogar in der genetischen Ausstattung nicht sehr unterscheiden. Sie weisen allerdings hervorstechende Unterschiede in der Anzahl und der Form der Chromosomen auf, und diese Unterschiede erzeugen die Isolationsmechanismen, die sie als getrennte Art erhalten. Die Hauptveränderung entsteht in einem einzigen Individuum. Mit wem soll es sich fortpflanzen?

IV 198
Arten: Artenvielfalt hat durchaus im Laufe der Zeit zugenommen. die heutigen Ozeane enthalten mindestens doppelt so viele Arten wie die Meere im Paläoziokum. Daher könnte man erwarten, dass sie nicht nur mehr Arten enthalten, sondern auch unterschiedlicherer Arten von Organismen, mit grundlegend anderen Bauplänen,. Dem ist aber nicht so! Heute werden doppelt so viele Arten in viel weniger Gruppen höherer Taxa gestopft.
Die heutigen Meere werden von weniger Gruppen beherrscht: primär von Muscheln, Schnecken, Krebsen, Fischen und Seeigeln. Jede Gruppe umfasst viel mehr Arten als sie irgendein Stamm im Paläoziokum sie je aufwies.
Diese stetige Abnahme organischer Konstruktionstypen bei starker Zunahme der Artenzahl ist der wohl hervorstechendste Trend der fossilen Dokumente! Blau.
IV 199
Kausalität/Zufall/Evolution: es lässt sich vielleicht ein Prinzip ausfindig machen: "anfängliches Experimentieren und spätere Standardisierung". Bsp Um 1900 gab es wenige Automarken und eine erheblich größere Bandbreite an Konstruktionstypen. Heute hunderte Marken und viel einheitlichere Konstruktion. Evolution/Artenreichtum: Der Wandel von wenigen Arten und vielen Gruppen zu wenigen Gruppen und vielen Arten würde selbst bei rein zufälligem Aussterben auftreten, wenn jeder Speziationsvorgang zu Beginn der Geschichte des Lebens von durchschnittlich größeren Veränderungen begleitet gewesen wäre.
IV 201
Aussterben: jedes ist unausweichlich für immer. Ein ausgestorbenes Experiment wird sich nie wiederholen. Die Chancen sind mathematisch zu gering. Biologen sprechen vom "Prinzip der Nichtumkehrbarkeit der Evolution". Ordnung/Zufall/Gould: Zufallsprozesse bringen ein hohes Maß an Ordnung hervor. Dass sie bestimmte Muster zur Folge haben, spricht nicht gegen ihre Zufälligkeit.
IV 327
Art/Arten/Gould: Jede Art ist eine Verkettung von Unwahrscheinlichkeiten. Jede Art ob Mensch, Koralle oder Tintenfisch - ist jeweils das letzte Glied in einer Kette, die sich zurück erstreckt bis zum Beginn allen Lebens. Wenn irgendeine dieser Arten ausgestorben wäre oder sich in eine andere Richtung entwickelt hätte, wären die Endresultate deutlich verschieden. Bsp Unsere Vorfahren, die Fische, entwickelten eine besondere Flosse, mit einer stabilen, zentralen knöchernen Achse. Ohne sie hätten sie sich nicht an Land entwickeln können.
Dennoch entwickelten sich diese Flossen nicht in einer Vorahnung sich aus dem Landleben ergebender Notwendigkeiten. Sie entwickelten sich als Adaptionen an einen lokalen Lebensraum.
Notwendigkeit: menschliche Gehirne entwickelten sich nicht auf einer direkten und notwendig aufsteigenden Stufenleiter, sondern auf verschlungenen Wegen voller Unfälle.

III 264
Arten/Gould: in der Frühzeit der Evolution wurde das größte Formenspektrum erreicht, die meisten der frühen Experimente starben aus. Und zwar zufällig und nicht durch vorhersagbare Ursachen. Heute gibt es nur noch einen kleinen Teil der Möglichkeiten.

Gould I
Stephen Jay Gould
Der Daumen des Panda Frankfurt 2009

Gould II
Stephen Jay Gould
Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991

Gould III
Stephen Jay Gould
Illusion Fortschritt Frankfurt 2004

Gould IV
Stephen Jay Gould
Das Lächeln des Flamingos Basel 1989
Autonomie Benn Gaus I 104
Autonomie/Benn/Gaus: Wie John Stuart Mill hervorhob, ist es "bloßer Zufall", der über die Traditionen entscheidet, in die man eingeweiht wird: "Dieselben Gründe, die ihn in London zum Kirchenmann machen, hätten ihn auch zu einem Buddhisten oder Konfuzianer gemacht (...) (1963a(1): Kap. 2, Abs. 4). Benn: Angesichts der Tatsache, dass wir notwendigerweise mit Werten und Verpflichtungen ins Erwachsenenalter kommen, die wir nicht gewählt haben, argumentiert Stanley Benn, dass eine autonome Person eine Person ist, die sich in einem fortlaufenden Prozess der "kritischen Anpassung innerhalb eines Glaubenssystems befindet, in dem es möglich ist, einen Sektor durch Kanons, die aus einem anderen gezogen werden, zu beurteilen" (1988(2): 32; vgl. aber Wall, 1998(3): 128-9).
Gaus: Nach dieser Sichtweise ist eine Person, die ein selbstgewähltes Leben führt, nicht wirklich eine Person, die sich selbst erschafft, sondern eine Person, die alle ihre Verpflichtungen und Werte ständig evaluiert, um sicherzustellen, dass es diejenigen sind, die sie im Licht der anderen Dinge, die sie akzeptiert, auch weiterhin bejahen kann. Sie kann nicht alles auf einmal bewerten, aber sie kann immer bereit sein, ihre Werte und Projekte kritisch zu betrachten und zu fragen, ob sie wirklich Dinge sind, die sie bereit ist, weiterhin zu bejahen. So verstanden ist das Leben einer Person kein frei gewähltes, autonomes Leben, wenn es Teile davon gibt, die sie sich weigert zu untersuchen - wenn sie Verpflichtungen hat, über die sie nicht kritisch nachdenken will oder kann. >Autonomie/Mill, >Autonomie/Gaus, >Autonomie/Robert Young, >Autonomie/Gerald Dworkin.
Grade der Autonomie: Benn räumt jedoch ein, dass dies die persönliche Autonomie zu einem Charakterideal macht, das in verschiedenen Graden erreicht werden kann und das von vielen Menschen bei weitem nicht erreicht wird. Anders als die meisten liberalen Autonomisten weigert sich Benn daher, liberale Freiheiten auf Autonomie zu gründen, da er sie als ein persönliches Ideal, nicht aber als Grundlage für eine liberale Grundgerechtigkeit ansieht (1988(2): Kap. 9).




1. Mill, John Stuart (1963a) On Liberty. In J. M. Robson, ed., The Collected Works of John Stuart Mill. Toronto: University of Toronto Press, Bd. XVIII, 213–301.
2. Benn, Stanley I. (1988) A Theory of Freedom. Cambridge: Cambridge University Press.
3. Wall, Steven (1998) Liberalism, Perfectionism and Restraint. Cambridge: Cambridge University Press.

Gaus, Gerald F. 2004. „The Diversity of Comprehensive Liberalisms.“ In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications.

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Autonomie Gaus Gaus I 103
Autonomie/Gaus: Der Großteil der Gesellschaft, so Mill(1), ist eine "kollektive Mittelmäßigkeit": Sie neigt zur Anpassung und ist nicht an neuen Ideen interessiert. >Individuen/Mill, >Perfektionismus/Gaus. Paternalismus: (...) Daraus folgt, dass solche perfektionistischen Theorien das Schreckgespenst eines weit verbreiteten Paternalismus aufkommen lassen. Obwohl Mill für eine stark anti-paternalistische Moral plädierte, scheint das Ideal so spezifisch und anspruchsvoll zu sein, dass es die Tore für Eingriffe in die Freiheit öffnet und versucht, die mittelmäßige Masse zu einer reicheren Persönlichkeit zu treiben. Es wird auch weniger offensichtlich, warum ihnen eine Freiheit gewährt werden sollte, die der sich vervollkommnenden Elite gleichkommt.
VsVs: Viele haben argumentiert, dass eine auf persönlicher Autonomie beruhende Verteidigung der Freiheit nicht Gegenstand dieser Einwände ist (...).
Joseph Raz: Joseph Raz zufolge ist nach Mill's Ideal der "Selbstverwirklichung in der vollen Entfaltung aller oder aller wertvollen Fähigkeiten, die eine Person besitzt, ... [d]ie autonome Person, eine Person, die ihr Leben selbst gestaltet. Sie kann den Weg der Selbstverwirklichung wählen oder ihn ablehnen" (1986(2): 325). Der Grundgedanke ist, dass es nach dem Ideal der Autonomie nicht ausschlaggebend ist, dass eine Person entscheidet, ihre Fähigkeiten zu entwickeln, sondern dass sie entscheidet, ob sie ihre Fähigkeiten entwickelt und, allgemeiner, wie sie ihr Leben leben will.
Varianten der Autonomie: Das Ideal der persönlichen Autonomie zerfällt in eine Vielzahl von spezifischeren Doktrinen (Lindley, 1986(3)). Persönliche Autonomie wurde im Sinne von Projektverfolgung, Selbstbestimmung, Selbstschöpfung und kritischer Reflexion über die eigenen Projekte und Werte oder der Konsistenz zwischen Willensäußerungen erster und zweiter Ordnung verstanden (zu letzterer siehe Gill, 2001(4): 20ff ).
Steven Wall: Laut Steven Wall, zum Beispiel, "brauchen autonome Menschen
(a) die Fähigkeit, Projekte auszuwählen und Verpflichtungen einzuhalten,
(b) die Unabhängigkeit, die notwendig ist, um ihren eigenen Lebensweg zu bestimmen und ein eigenes Verständnis dessen zu entwickeln, was wertvoll und tunswert ist,
(c) das Selbstbewußtsein und die Kraft, ihre Angelegenheiten in die Hand zu nehmen" (1998(5): 132; siehe auch Raz, 1986(2)). >Autonomie/Gerald Dworkin, >Autonomie/Robert Young.
Gaus I 104
Young, Robert: Eine autonome Person setzt ihre kritischen Fähigkeiten ein, um ihre Ziele und Projekte so zu bewerten und auszuwählen, dass sie wirklich ihre eigenen sind und nicht einfach von anderen aufgezwungen oder unreflektiert von ihnen übernommen werden(6). Gaus: Diese Konzeption der Autonomie ist also ein viel offeneres und damit weniger umstrittenes Ideal als die Ideale der Selbstverwirklichung oder der Projektverfolgung. Die Autonomie sagt uns nicht, was wir wählen sollen; sie besteht nur auf dem Wert eines gewählten Lebens. Die Sorge ist allerdings, dass sich niemand wirklich selbst schafft. Unsere Persönlichkeiten und Entscheidungen werden zutiefst von unseren natürlichen Begabungen und Neigungen, unserer Kultur und unserer Erziehung beeinflusst. Welche Optionen wir für attraktiv halten, wird stark von unserer Erziehung und Kultur beeinflusst. >Autonomie/Mill, >Autonomie/Benn, >Autonomie/Robert Young.


1. Mill, John Stuart (1963a) On Liberty. In J. M. Robson (Hrsg.), The Collected Works of John Stuart Mill. Toronto: University of Toronto Press, vol. XVIII, 213–301.
2. Raz, Joseph (1986) The Morality of Freedom. Oxford: Clarendon.
3. Lindley, Richard (1986) Autonomy. London: Macmillan.
4. Gill, Emily R. (2001) Becoming Free: Autonomy and Diversity in the Liberal State. Lawrence, KS: University of Kansas Press.
5. Wall, Steven (1998) Liberalism, Perfectionism and Restraint. Cambridge: Cambridge University Press.
6. Young, Robert (1986) Personal Autonomy: Beyond Negative and Positive Freedom. London: Croom-Helm.


Gaus, Gerald F. 2004. „The Diversity of Comprehensive Liberalisms.“ In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications.

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Bedeutung Mead Habermas IV 23
Bedeutung/Mead/Habermas: in der Interaktion über Gesten gewinnt die Gebärde des ersten Organismus eine Bedeutung für einen zweiten Organismus, der darauf reagiert: diese Reaktion bringt zum Ausdruck, die der eine die Geste des anderen interpretiert. Wenn nun der erste Organismus „die Einstellung des anderen einnimmt“ und, indem er seine Geste ausführt, bereits die Reaktion des anderen und damit dessen Deutung vorwegnimmt, gewinnt die eigenen Gebärde für ihn die gleiche, wenn auch noch nicht dieselbe Bedeutung, die sie für den anderen hat. (1) Die Bedeutungsgleichheit wird nach Mead durch eine Internalisierung erreicht. (Siehe Internalisierung/Mead).
Habermas IV 24
HabermasVsMead: überzeugender ist ein darwinistischer Ansatz: dass der Anpassungsdruck eine Prämie auf erhöhte Reaktionsgeschwindigkeit aussetzt.
Habermas IV 25
Beschreibungsebene/Habermas: dass Interaktionsteilnehmer denselben Stimulus übereinstimmend interpretieren, ist ein Sachverhalt, der an sich, aber nicht für sie ((s) die Interaktionsteilnehmer) existiert. ((s) Siehe Außen/Innen/Maturana, Beschreibung/Maturana).
1. G. H. Mead, Mind, Self and Society (Ed) Ch. W. Morris (German) Frankfurt 1969, S. 86.

Mead I
George Herbert Mead
Geist, Identität und Gesellschaft aus der Sicht des Sozialbehaviorismus Frankfurt 1973

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Beobachtungssprache Feyerabend I 87
Theorie/Beobachtungssprache/Feyerabend: Auch die sorgfältigste Prüfung eines Beobachtungssatzes stört nicht die Begriffe, mittels derer er ausgedrückt ist, oder die Struktur des Wahrnehmungsbildes. Wie kann man nun etwas untersuchen, dass man ständig verwendet und in jeder Aussage voraussetzt?
I 95
Beobachtung/Beobachtungssprache/Feyerabend: Es hat keinen Sinn, sich auf die Beobachtung zu berufen, wenn man nicht weiß, wie man eine Beobachtung beschreiben soll!
I 97
Beobachtungsbegriffe/Feyerabend: Beobachtungsbegriffe sind Trojanische Pferde, auf die man sehr genau achten muss.
I 98
Beobachtungssprache/Feyerabend: Die in den Beobachtungsaussagen versteckten Begriffe dürften kaum in den abstrakteren Teilen der Sprache hervortreten. Begriffe sind ganz wie Wahrnehmungen mehrdeutig und vom Hintergrund abhängig. Außerdem wird der Inhalt eines Begriffes auch dadurch bestimmt, wie er mit der Wahrnehmung zusammenhängt. Die einzige Möglichkeit, aus diesen Zirkel herauszukommen: die Anwendung eines äußeren Vergleichsmaßstabes, neue Beziehungen zwischen Begriffen und Wahrnehmungen eingeschlossen. >Turmbeispiel.
I 89
Turmargument/Feyerabend: schwere Körper fallen senkrecht auf die Erdoberfläche. Das betrachtet man als unwiderlegliches Argument dafür, dass die Erde sich nicht bewegt.)
I 99
Turmbeispiel/Feyerabend: wir können jetzt das Argument herumdrehen, und als Suchgerät verwenden, dass uns bei der Entdeckung der natürlichen Interpretationen hilft, die Erdbewegung ausschließen.
I 100
Dazu behaupten wir zunächst die Erdbewegung und untersuchen dann, welche Veränderungen den Widerspruch beheben könnten. Natürliche Interpretation/Feyerabend: sollte man sie identifiziert haben, kann man sie natürlich nicht mit den "Beobachtungsergebnissen" vergleichen. Die gibt es ja nicht mehr.
Einige ältere Rationalisten wollten der Beobachtung nun nur noch eine ganz untergeordnete Hilfsfunktion zuweisen. Galilei ging diesen Weg nicht.
I 101
Beobachtungssprache/Galilei/Feyerabend: er führt eine neue Beobachtungssprache ein: die Sinne sind nur noch für relative Bewegung verantwortlich! Gemeinsame Bewegung übt keinerlei Wirkung aus. Egal welche Bewegung von der Erde zuschreibt, sie muss unbemerkt bleiben. Problem: andererseits sagt Galilei auch: nichts bewegt sich von Natur aus geradlinig. Also müssen auch Pferde, Kutschen usw. sich auf Kreisbahnen bewegen.
I 102
"Anpassungswörter" (Ausdruck von Austin im Zusammenhang mit Aristoteles): Bsp "wie", "entsprechend". Sie ermöglichen einen Vergleich zwischen verschiedenen Beobachtungssprachen.
I 103
Beobachtungssprache/Feyerabend: Man braucht einen fairen Vergleich: man muss dafür sorgen, dass eine Beobachtungssprache nicht kritisiert wird, weil sie noch nicht genug bekannt ist und daher mit unseren Sinneswahrnehmungen weniger eng verbunden und weniger einleuchtend ist, als eine gebräuchlichere Sprache. Wir müssen lernen, alle Beobachtungssprachen gleich fließend zu sprechen. Man sollte sich hüten, rein kognitive Sprachen einzuführen.
I 360
Theorie/Beobachtungssprache/Feyerabend: Ein Widerspruch zwischen Theorie und Beobachtung kann durchaus einen Fehler in der Beobachtungssprache enthüllen. Es liegt nahe, die Beobachtungssprache zu ändern, sie der neuen Theorie anzupassen und zu sehen, was geschieht. >Bedeutungswandel.

Feyerabend I
Paul Feyerabend
Wider den Methodenzwang Frankfurt 1997

Feyerabend II
P. Feyerabend
Erkenntnis für freie Menschen Frankfurt 1979
Beschreibungsebenen Quine V 33
Ähnlichkeit/Wahrnehmung/Ontologie/Quine: der Übergang von Wahrnehmung zu der Wahrnehmungsähnlichkeit bringt ontologische Klarheit: die Wahrnehmung, also das Ergebnis des Wahrnehmungsakts, fällt weg. >Wahrnehmung/Quine.
V 34
Ähnlichkeit/Quine: die Wahrnehmungsähnlichkeit unterschiedet sich von der Rezeptionsähnlichkeit. Letztere ist eine rein physikalische Ähnlichkeit. Drei stellige Relation: Episode a ähnelt b mehr als der Episode c. Wahrnehmungsähnlichkeit: ist dagegen ein Bündel von Verhaltensdispositionen 2. Ordnung. (zu reagieren).
Der Gegensatz lässt sich beseitigen, indem man sich der Rezeptionsähnlichkeit bedient, aber nicht lediglich von einzelnen Episoden a, b, c spricht, sondern allgemeiner von Episoden, die mit diesen eine Rezeptionsähnlichkeit aufweisen. ((s) >Ähnlichkeitsklassen).

VI 71
Ebenen der Unbestimmtheit: Die Unbestimmtheit der Referenz ist nicht identisch mit der Übersetzungsunbestimmtheit und auch nicht so gravierend. Die Übersetzungsunbestimmtheit ist gravierender, weil sie holophrastisch ist, d.h. sie bezieht sich auf ganze Sätze. Sie kann divergierende Interpretationen hervorbringen, die sogar auf der Ebene ganzer Sätze unausgeräumt bleiben.
VI 72
Die Unbestimmtheit des Bezugs lässt sich durch Beispiele kompensierender Anpassungsmanöver innerhalb eines Satzes illustrieren.
X 20
QuineVsÄquivalenz von Sätzen/VsSatzäquivalenz: die Äquivalenzrelation hat auf der Ebene von Sätzen keinen objektiven Sinn.

Quine I
W.V.O. Quine
Wort und Gegenstand Stuttgart 1980

Quine II
W.V.O. Quine
Theorien und Dinge Frankfurt 1985

Quine III
W.V.O. Quine
Grundzüge der Logik Frankfurt 1978

Quine V
W.V.O. Quine
Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989

Quine VI
W.V.O. Quine
Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995

Quine VII
W.V.O. Quine
From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953

Quine VII (a)
W. V. A. Quine
On what there is
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (b)
W. V. A. Quine
Two dogmas of empiricism
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (c)
W. V. A. Quine
The problem of meaning in linguistics
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (d)
W. V. A. Quine
Identity, ostension and hypostasis
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (e)
W. V. A. Quine
New foundations for mathematical logic
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (f)
W. V. A. Quine
Logic and the reification of universals
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (g)
W. V. A. Quine
Notes on the theory of reference
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (h)
W. V. A. Quine
Reference and modality
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (i)
W. V. A. Quine
Meaning and existential inference
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VIII
W.V.O. Quine
Bezeichnung und Referenz
In
Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982

Quine IX
W.V.O. Quine
Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967

Quine X
W.V.O. Quine
Philosophie der Logik Bamberg 2005

Quine XII
W.V.O. Quine
Ontologische Relativität Frankfurt 2003

Quine XIII
Willard Van Orman Quine
Quiddities Cambridge/London 1987
Bindungstheorie Bowlby Corr I 29 (XXIX)
Persönlichkeit/Bindungstheorie/Bowlby: Bowlby's Erkenntnis war, dass das Beziehungsmuster des Kindes mit seinem primären Betreuer die Persönlichkeit des Erwachsenen beeinflusst hat; eine sichere Bindung an den Betreuer förderte eine gesunde Anpassung im späteren Leben. Die Theorie verweist auf viele der Schlüsselthemen dieser Überprüfung der Persönlichkeit. Der Bindungsstil kann durch Beobachtung oder Fragebogen gemessen werden; eine gemeinsame Unterscheidung besteht zwischen sicheren, ängstlichen und vermeidenden Stilen (Ainsworth, Blehar, Waters and Wall 1978)(1). Es entspricht auch den Standardmerkmalen; z.B. korreliert eine sichere Bindung mit Extraversion und Angenehmen (Carver 1997)(2). Bindung besitzt wahrscheinlich biologische Aspekte (ersichtlich durch ethologische Studien an Primaten), soziale Aspekte (ersichtlich durch Daten über Beziehungen zu Erwachsenen) und kognitive Aspekte (ersichtlich durch Studien über die mentalen Repräsentationen, die den Bindungsstil unterstützen).


1. Ainsworth, M. D. S., Blehar, M. C., Waters, E. and Wall, S. 1978. Patterns of attachment: a psychological study of the strange situation. Hillsdale, NJ: Lawrence Erlbaum
2. Carver, C. S. 1997. Adult attachment and personality: converging evidence and a new measure, Personality and Social Psychology Bulletin 23: 865–83


Corr I 228
Bindungstheorie/Bowlby/Shaver/Mikulincer: Bowlbys Bindungstheorie (Bowlby 1973(1), 1980(2), 1982/1969(3)) wurde dann von Mary Ainsworth und ihren Kollegen (z.B. Ainsworth, Blehar, Waters and Wall 1978(4)) erarbeitet und empirisch getestet. Siehe auch >Bindungstheorie/Ainsworth. Frage: Warum Trennungen von der Mutter zu Beginn des Lebens so viele psychologische Schwierigkeiten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene im späteren Leben verursachen (z.B. Bowlby 1951(5), 1958(6)).


1. Bowlby, J. 1973. Attachment and loss, vol. II, Separation: anxiety and anger. New York: Basic Books
2. Bowlby, J. 1980. Attachment and loss, vol. III, Sadness and depression. New York: Basic Books
3. Bowlby, J. 1982. Attachment and loss, vol. I, Attachment, 2nd edn. New York: Basic Books (original edn 1969)
4. Ainsworth, M. D. S., Blehar, M. C., Waters, E. and Wall, S. 1978. Patterns of attachment: assessed in the Strange Situation and at home. Hillsdale, NJ: Erlbaum
5. Bowlby, J. 1951. Maternal care and mental health. Geneva: World Health Organization
6. Bowlby, J. 1958. The nature of the child’s tie to his mother, International Journal of Psychoanalysis 39: 350–73


Phillip R. Shaver and Mario Mikulincer, “Attachment theory: I. Motivational, individual-differences and structural aspects”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Bon sens Bergson Gadamer I 31
Bon sens/Bergson/Gadamer: Das moralische Motiv im Begriff des common sense oder des bon sens ist bis zum heutigen Tage wirksam geblieben und unterscheidet diese Begriffe von unserem Begriff des „gesunden Menschenverstandes“. Ich verweise als Beispiel auf die schöne Rede, die Henri Bergson 1895 anläßlich der großen Preisverteilung an der Sorbonne über den bon sens gehalten hat(1). Seine Kritik an den Abstraktionen der Naturwissenschaft wie an denen der Sprache und des Rechtsdenkens, sein stürmischer Appell an die »énergie intérieure d'une intelligence qui se reconquiert a tout moment sur elleméme, éliminant les idéesfaites pour laisser la place libre aux idées qui se font« (88), konnte in Frankreich auf den Namen des bon sens getauft werden.
Die Bestimmung dieses Begriffs enthielt zwar, wie es natürlich ist, eine Bezugnahme auf die Sinne, aber es ist für Bergson offenbar selbstverständlich, daß im Unterschied zu den Sinnen der bon sens auf das "milieu social geht. » Tandis que les autres sens nous mettent en rapport avec des choses, le bon senspréside nos relations avec des personnes«(85).
Er ist eine Art Genie für das praktische Leben, aber weniger eine Gabe als die beständige Aufgabe des »ajustement toujours renouvelé des situations toujours nouvelles«, eine Art der Anpassung der allgemeinen Prinzipien an die Wirklichkeit, durch die sich die Gerechtigkeit realisiert, ein »tact de la vérité pratique«, eine »rectitude du jugement, qui Vient de la droiture de l'äme« (88).
Der bon sens ist nach Bergson als die gemeinsame Quelle von Denken und Wollen ein sens social, der ebensosehr die Fehler der wissenschaftlichen Dogmatiker, welche soziale Gesetze suchen, wie die der metaphysischen Utopisten vermeidet. (BergsonVsMetaphysik). Vgl. >Sensus communis, >Common sense.
Gadamer I 32
Wissenschaft/Hermeneutik/Bergson: Bergson spricht zwar auch über die Bedeutung der klassischen Studien für die Ausbildung dieses bon sens - er sieht in ihnen die Bemühung, das „Eis der Worte“ zu brechen und darunter den freien Strom des Gedankens zu entdecken(91), aber er stellt freilich nicht die umgekehrte Frage, wie weit zu den klassischen Studien selber bon sens erforderlich ist, d. h. er spricht nicht von seiner hermeneutischen Funktion. Seine Frage ist ganz und gar nicht auf die Wissenschaften gerichtet, sondern auf den selbständigen Sinn des bon sens für das Leben.

1. Henri Bergson, Ecrits et paroles I (RM Mossé-Bastide), S. 84ff.

Bergs I
Henri Bergson
Dauer und Gleichzeitigkeit: Über Einsteins Relativitätstheorie Hamburg 2014

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Cap and Trade System Stavins Stavins I 157
Cap-and-Trade-Systeme/Aldy/Stavins: Ein Cap-and-Trade-System begrenzt die Gesamtemissionen regulierter Quellen, indem es eine begrenzte Anzahl handelbarer Emissionszertifikate schafft - insgesamt in Höhe der Gesamtobergrenze - und diese Quellen verpflichtet, Zertifikate zur Deckung ihrer Emissionen zurückzugeben (Stavins, 2007)(1). Angesichts der Wahl, ob sie ein Zertifikat abgeben oder Emissionen reduzieren wollen, legen die Unternehmen Wert auf ein Zertifikat, das die Kosten der Emissionsminderungen widerspiegelt, die durch die Abgabe eines Zertifikats vermieden werden können. Unabhängig von der anfänglichen Verteilung der Zertifikate kann der Handel dazu führen, dass die Zertifikate zu ihrem höchstwertigen Zweck verwendet werden: zur Deckung der Emissionen, die am kostspieligsten zu reduzieren sind, und als Anreiz, die geringsten Kosten zu senken (Hahn & Stavins, in der Presse(2); Montgomery, 1972)(3). Cap-and-Trade setzt eine Gesamtmenge fest, und durch den Handel ergibt sich ein Preis für die Emissionen. Dieser ist praktisch das Doppelte einer CO2-Steuer, die die Emissionen bewertet und eine Menge an Emissionen liefert, wenn die Unternehmen auf die Minderungsanreize der Steuer reagieren. VsCap and Trade: In einem Emissionshandelsprogramm, Kostenunsicherheit - unerwartet hoch oder volatile Preise der Zertifikate - können die politische Unterstützung für die Klimapolitik untergraben und
Stavins I 158
Investitionen in neue Technologien sowie in Forschung und Entwicklung entmutigen. Daher hat sich das Augenmerk auf die Einbeziehung von "Kostendämpfungsmaßnahmen" in Cap-and-Trade-Systemen gerichtet, einschließlich Offsets, Emissionsbanking- und Kreditvergabe, Sicherheitsventile und Preiskorridore. Eine Erhöhung der Sicherheit über die Minderungskosten (durch die oben genannten Methoden) verringert die Sicherheit über die zulässige Emissionsmenge.
1. VsVsCap and Trade: Das Ebnen der Zertifikatspreise im Laufe der Zeit durch Bankgeschäfte und Kreditaufnahme verringert die Sicherheit der Emissionen in einem bestimmten Jahr, bewahrt aber die Sicherheit der Gesamtemissionen über einen längeren Zeitraum. Eine kosteneffiziente Politik mit einem Mechanismus, der gegen unerwartet hohe Kosten versichert - entweder durch Cap and Trade oder eine CO2-Steuer - erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Unternehmen ihren Verpflichtungen nachkommen und die Teilnahme und Einhaltung eines Landes an einem globalen Klimaabkommen erleichtern kann.
Im Falle einer Cap and Trade-Regelung würde die Grenzanpassung in Form einer Import-Erlaubnis erfolgen, so dass den Importen dieselben Regulierungskosten entstehen wie den im Inland hergestellten Waren.
2. VsCap and Trade: Grenzmaßnahmen im Rahmen einer CO2-Abgabe oder eines Cap and Trade werfen jedoch Fragen nach der Anwendung von Handelssanktionen zur Förderung umfassenderer und umfangreicherer Emissionsminderungsmaßnahmen weltweit sowie nach ihrer Rechtmäßigkeit im Rahmen der Welthandelsorganisation auf (Brainard & Sorking, 2009(4); Frankel, 2010(5)). >CO2-Preis-Strategien/Stavins, >CO2-Preis/Fankhauser.

Stavins I 172
Cap and Trade-Verknüpfungen/CO2-Preis-Koordinierung/Stavins: Da die Verknüpfung zwischen handelbaren Genehmigungssystemen (d.h. die ein- oder zweiseitige Anerkennung von Zertifikaten aus einem System zur Nutzung in einem anderen) die Einhaltungskosten senken und die Marktliquidität verbessern kann, besteht großes Interesse an der Verknüpfung von Cap and Trade-Systemen untereinander. Es gibt nicht nur Vorteile, sondern auch Bedenken im Zusammenhang mit verschiedenen Arten von Verknüpfungen (Jaffe, Ranson, & Stavins, 2010)(6). Ein großes Problem ist, dass wenn zwei
Stavins I 173
Cap and Trade-Systeme direkt miteinander verbunden sind (d.h. sie ermöglichen die bilaterale Anerkennung von Zertifikaten in den beiden Jurisdiktionen), werden wichtige Kostendämpfungsmechanismen, wie Sicherheitsventile, automatisch von einem System zum anderen übertragen. Da einige Länder (wie die Europäische Union) gegen den Begriff des Sicherheitsventils sind, während andere Länder (wie die Vereinigten Staaten) sehr für die Verwendung eines Sicherheitsventils prädisponiert zu sein scheinen, wäre eine Vereinheitlichung erforderlich. Dieses Problem kann durch den Einsatz einer indirekten Verknüpfung vermieden werden, bei der zwei Cap and Trade-Systeme Kompensationen aus einem gemeinsamen Emissionsminderungs-Kreditsystem wie dem Clean Development Mechanism akzeptieren. Dadurch konvergieren die Vergütungspreise der beiden Cap and Trade-Systeme (solange der ERC-Markt ausreichend tief ist), und alle Vorteile der direkten Verknüpfung werden erreicht (niedrigere Gesamtkosten, geringere Marktmacht, geringere Preisvolatilität), jedoch ohne die Weitergabe von Kostendämpfungsmechanismen von einem System zum anderen. (...) es ist wichtig zu fragen, ob eine Vielzahl heterogener nationaler, subnationaler oder regionaler klimapolitischer Instrumente produktiv verknüpft werden kann. Die grundlegende Antwort ist, dass ein solcher Satz von Instrumenten verknüpft werden kann, aber diese Verknüpfung ist wesentlich schwieriger ist als bei einem Satz von homogeneren handelbaren Genehmigungssystemen (Hahn & Stavins, 1999)(7). Eine weitere Form der Koordination können einseitige Instrumente des Wirtschaftsschutzes sein, d.h. Grenzanpassungen. >CO2-Preis-Koordinierung/Stavins.


1. Stavins, R. N. (2007). A U.S. cap-and-trade system to address global climate change (The Hamilton Project Discussion Paper 2007-13). Washington, DC: The Brookings Institution.
2. Hahn, R. W., & Stavins, R. N. (in press). The effect of allowance allocations on cap-and-trade system performance. Journal of Law and Economics.
3. Montgomery, D. W. (1972). Markets in licenses and efficient pollution control programs. Journal of Economic Theory, 5, 395-418.
4. Brainard, L., & Sorking, I. (Eds.). (2009). Climate change, trade, and competitiveness: Is a collision inevitable? Washington, DC: Brookings Institution Press.
5. Frankel, J. (2010). Global environment and trade policy. In J. E. Aldy & R. N. Stavins (Eds.), Post-Kyoto international climate policy: Implementing architectures for agreement (pp. 493-529). New York, NY: Cambridge University Press.
6.Jaffe, J., Ranson, M., & Stavins, R. (2010). Linking tradable permit systems: A key element of emerging international climate policy architecture. Ecology Law Quarterly, 36, 789-808.
7. Hahn, R. W., & Stavins, R. N. (1999). What has the Kyoto Protocol wrought? The real architecture of international tradeable permit markets. Washington, DC: The AEI Press.



Robert N. Stavins & Joseph E. Aldy, 2012: “The Promise and Problems of Pricing Carbon: Theory and
Experience”. In: Journal of Environment & Development, Vol. 21/2, pp. 152–180.

Stavins I
Robert N. Stavins
Joseph E. Aldy
The Promise and Problems of Pricing Carbon: Theory and Experience 2012
Charakterzüge Allport Corr II 29
Charakterzug-Wörter/Charakterzüge/Lexikon/Studienhintergrund/Allport/Odbert/Saucier: Die Essenz von [Allports und Odberts Artikel 'Trait-names: A psycho-lexical study'] war eine Klassifizierung von (...) englischen Charakterzug-Wörtern (engl. trait names) (Begriffe, die das Verhalten eines Menschen von dem eines anderen unterscheiden) in vier Kategorien. (...) Aus wissenschaftlicher Sicht könnten einige der grundlegendsten Charakterzüge durch das Studium von Konzepten entdeckt werden, die im Gebrauch der natürlichen Sprache impliziert sind. Wenn eine Unterscheidung im Lexikon stark vertreten ist - und in jedem Wörterbuch zu finden ist - kann davon ausgegangen werden, dass sie von praktischer Bedeutung ist. Dies liegt daran, dass der Repräsentationsgrad eines Charakterzuges in der Sprache eine gewisse Entsprechung mit der allgemeinen Bedeutung des Charakterzuges in Transaktionen der realen Welt hat. Wenn also ein Wissenschaftler Charakterzüge identifiziert, die in der natürlichen Sprache stark repräsentiert sind, identifiziert dieser Wissenschaftler gleichzeitig die möglicherweise wichtigsten Charakterzüge.
II 30
Studiendesign/Allport/Odbert: Allport und Odbert wandten sich an Webster's New International Dictionary (1925)(1), ein Kompendium mit etwa 400.000 einzelnen Begriffen. Indem sie die Urteile von drei Ermittlern (sie selbst und eine Person, die nur als "AL" bezeichnet wurde, (...)) kombinierten, erstellten sie eine Liste von 17.953 Charakterzug-Wörtern in englischer Sprache, die sich auf das folgende Kriterium für die Aufnahme stützte: "die Fähigkeit eines Begriffs, das Verhalten eines Menschen von dem eines anderen Menschen zu unterscheiden" (S. 24)(2). Allport und Odbert gingen noch weiter und teilten die Begriffe in vier Kategorien oder Spalten. Die (...) Begriffe in Spalte I waren 'neutrale Begriffe, die mögliche
II 31
persönliche Eigenschaften" (S. 38)(2) bestimmten - genauer definiert als "verallgemeinerte und personalisierte bestimmende Tendenzen und konsistente und stabile Modi der Anpassung eines Individuums" an seine Umgebung (S. 26)(2). Die (...) Begriffe in Spalte II waren "Begriffe, die in erster Linie vorübergehende Stimmungen oder Aktivitäten beschreiben" (...). Bei den (...) Begriffen in Spalte III handelte es sich um "gewichtete Begriffe, die soziale und charakterliche Urteile über persönliches Verhalten oder bezeichneten Einfluss auf andere vermitteln" (S. 27)(2) (...).Die anderen (...) Begriffe fielen in die Kategorie "Sonstiges" in Spalte IV, die als "metaphorische und zweifelhafte Begriffe" (S. 38) bezeichnet wurden(2). Diese letzte Kategorie umfasste Begriffe, die physische Eigenschaften und verschiedene Fähigkeiten beschreiben (...).
II 33
Befund/Bericht/Odbert: 1. Allport und Odbert argumentieren überzeugend, dass ein normales menschliches Leben im Grunde nicht ohne einen gewissen Bezug zu Persönlichkeitsdispositionen ablaufen kann. Es gibt kein besseres Argument als ihre pointierten Worte aus der Monographie: "Sogar der Psychologe, der sich gegen Charakterzüge ausspricht und leugnet, dass ihre symbolische Existenz mit der 'realen Existenz' übereinstimmt, wird dennoch ein überzeugendes Empfehlungsschreiben schreiben, um zu beweisen, dass einer seiner Lieblingsschüler 'vertrauenswürdig, selbständig und sehr kritisch' ist" (S. 4-5)(2).
2. Allport und Odbert weisen darauf hin, dass die Dispositionen, auf die sich Charakterzug-Wörter beziehen, mehr als nur ein Gesprächsartefakt und auch mehr als eine Form alltäglicher Irrtümer sind (auch wenn sie das zum Teil sein mögen). Sie sind bis zu einem gewissen Grad nützlich für das Verständnis und die Vorhersage, wie spätere Forschungen bestätigen (Roberts et al., 2007) (3). [Die nachfolgende Behauptung besagt, dass] der Repräsentationsgrad eines Charakterzuges in der Sprache eine gewisse Übereinstimmung mit der allgemeinen Bedeutung dieses Charakterzuges in Transaktionen der realen Welt hat.
II 34
3. (...) Die Wissenschaft kann sich auf den Korpus der sprachlichen Vernunftbegriffe stützen und darauf aufbauen. Anstatt sich ausschließlich auf die Top-down-Gambits der Theoretiker zu verlassen, gibt es die Möglichkeit eines generativen Bottom-up-Ansatzes.
II 35
4. (...) Allport und Odbert erkannten eine der Persönlichkeitssprache innewohnende Schwierigkeit: Charakterzug-Wörter bedeuten für verschiedene Menschen unterschiedliche Dinge. Bis zu einem gewissen Grad sind diese Bedeutungen abhängig von den 'Denkgewohnheiten' (S. 4)(2). Ein Grund dafür ist die Polysemie (mehrere unterschiedliche Bedeutungen), die viele Wörter aufweisen. 5. Innerhalb der Wissenschaft könnte die Schwierigkeit durch explizite Kommunikation und Konsens noch weiter gelöst werden. Für Allport und Odbert bedeutete dies, Charakterzüge in einer sorgfältigen und logischen Weise zu benennen und nicht nur zu kodifizieren, sondern auch die natürlich-sprachliche Terminologie zu "reinigen" (S. vi)(2).
II 36
6. Allport und Odbert interessierten sich in erster Linie für Tendenzen, die "konsistente und stabile Formen der Anpassung eines Individuums an seine Umgebung" sind und nicht "nur vorübergehendes und spezifisches Verhalten" (S. 26)(2). 7. (...) Charakterzüge spiegeln eine Kombination der biophysikalischen Einflüsse und etwas Kulturelleres (vielleicht historisch Unterschiedliches) wider. (...) Charakterisierungen menschlicher Eigenschaften werden teilweise durch "zeittypische Normen und Interessen" (S. 2)(2) in einer bestimmten gesellschaftlichen Epoche bestimmt. [Auf diese Weise werden] Charakterzüge zum Teil 'entsprechend den kulturellen Anforderungen erfunden' (S. 3)(2).
II 37
VsAllport/VsOdbert:
1. (...) sie [Allport und Odbert] ignorieren und verkürzen den kulturellen Anteil, sowohl im Hinblick auf Fragen der interkulturellen Verallgemeinerbarkeit als auch darauf, wie Charakterzüge selbst kulturrelevante Inhalte widerspiegeln können. 2. Nach ihrer ausgeprägten "Charakterzug-Hypothese" (S. 12)(2) besitzen keine zwei Personen "genau den gleichen Charakterzug" (S. 14)(3) und jedes "Individuum unterscheidet sich in jedem seiner Charakterzüge von jedem anderen Individuum" (S. 18)(2). Das Problem ist nicht, dass der Individualismus falsch ist; vielmehr mag es ethnozentrisch sein, einen individualistischen Filter durch die gesamte Persönlichkeitspsychologie zu ziehen und in der Tat liegen solche idiothetischen Ansätze außerhalb des Mainstreams der aktuellen und neueren Persönlichkeitspsychologie.
II 38
3. Ein weiterer Aspekt des Denkens (...), der im Rückblick seltsam erscheinen mag, ist die Vorstellung eines einzigen, kardinalen Charakterzuges, der bestimmende Tendenzen in einem individuellen Leben liefert. (...) ein bestimmter Charakterzug wird so allgegenwärtig in einer Person, dass es zu einem ausgeprägten Fokus der Organisation wird. Siebzig Jahre später scheint es immer noch einen Mangel an Beweisen für Kardinalcharakterzüge zu geben, die eine mehr oder weniger feindselige Übernahme durchführen und den Rest des Persönlichkeitssystems bestimmen und strukturieren.
II 39
4. Allport und Odbert plädieren für eine neutrale Terminologie in der Wissenschaft. Leider hat es den Anschein, dass sie den Wunsch nach ungewichtetem, emotionsfreiem Vokabular bis in die Charakterzug-Inhalte ausdehnen, die sich in den Charakterzug-Wörtern in der Sprache zeigen, was verwirrende Folgen hat. Aus dieser Sicht sind die Bezeichnungen der Charakterzüge (...), die durch eine affektive Polarität wertend und "emotional gefärbt" (S. v)(2), verdächtig und weniger "studienwürdig" als die neutralen Bezeichnungen. Jedoch sind Begriffe wie "böse" und "Tugend" wegen ihres extrem affektiven Tons besonders "studienwürdig" (...).
II 40
5. (...) Die zahlenmäßig größte Kategorie von Bezeichnungen für Charakterzüge war die soziale Bewertung. Sie geben jedoch keinen Aufschluss darüber, warum die dritte Spalte, die soziale Beurteilungen widerspiegelt, die wahrscheinlich nicht mit biophysikalischen Merkmalen in Zusammenhang stehen, die größte Komponente in der Wahrnehmung einer Person sein sollte. 6. (...) die Vorstellung, dass zensorische und moralischen Begriffe - Tugenden,
II 41
[und] Laster, was auch immer mit Tadel oder Lob verbunden ist, ganz zu schweigen von sozialen Auswirkungen - für einen Psychologen keine Verwendung haben, ist heute obsolet. 7. Die besondere Allport- und Odbert-Einteilung von Charakterzug-Wörtern in vier Kategorien für bare Münze zu nehmen, bedeutet, die Annahmen einer spezialisierten Theorie der Charakterzüge zu übernehmen, deren Hauptaussagen auf der Grundlage der Klassifizierung selbst konstruiert werden können. (...) Die Beachtung von Emotionen und Moral würde uns von den zentralen Aspekten der Persönlichkeit ablenken, die dauerhafte Konsistenzen widerspiegeln und die in der Person selbst und außerhalb des Einflusses der Gesellschaft wirken (...).


1. Webster’s new international dictionary of the English language (1925). Springfield, MA: Merriam.
2. Allport, G. W., & Odbert, H. S. (1936). Trait-names: A psycho-lexical study. Psychological Monographs, 47 (1, Whole No. 211).
3. Roberts, B. W., Kuncel, N. R., Shiner, R., Caspi, A., & Goldberg, L. R. (2007). The power of personality: The comparative validity of personality traits, socioeconomic status, and cognitive ability for predicting important life outcomes. Perspectives on Psychological Science, 2, 313–345.


Saucier, Gerard: “Classification of Trait-Names Revisiting Allport and Odbert (1936)”, In: Philip Corr (Ed.), 2018. Personality and Individual Differences. Revisiting the classical studies. Singapore, Washington DC, Melbourne: Sage, pp. 29-45.

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Charakterzüge Bindungstheorie Corr I 236
Charakterzüge/Bindungstheorie/Shaver/Mikulincer: Studien, die Selbstberichte zur Bindung von Erwachsenen verwenden, haben ergeben, dass sie in kohärentem Zusammenhang mit Beziehungsqualität, psychischer Gesundheit, sozialer Anpassung, Bewältigungsstrategien, Emotionsregulation, Selbstwertgefühl, zwischenmenschlichem Verhalten und sozialen Kognitionen stehen (siehe Mikulincer und Shaver 2003(1), 2007(2), für einen Review). Wichtig ist, dass diese Variationen des Bindungsstils in der Regel nicht gut durch weniger spezifische, globalere Charakterzüge wie Extraversion, Neurotizismus oder Selbstwertgefühl erklärt werden (siehe Mikulincer und Shaver 2007(2), für eine Rezension), obwohl es vorhersehbare und sinnvolle Assoziationen zwischen Bindungsorientierungen und Charakterzügen gibt (z.B. Carver 1997(3); Noftle und Shaver 2006(4)).

1. Mikulincer, M. and Shaver, P. R. 2003. The attachment behavioural system in adulthood: activation, psychodynamics, and interpersonal processes, in M. P. Zanna (ed.), Advances in experimental social psychology, vol. XXXV, pp. 53–152. New York: Academic Press
2. Mikulincer, M. and Shaver, P. R. 2007. Attachment in adulthood: structure, dynamics, and change. New York: Guilford Press
3. Carver, C. S. 1997. Adult attachment and personality: converging evidence and a new measure, Personality and Social Psychology Bulletin 23: 865–83
4. Noftle, E. E. and Shaver, P. R. 2006. Attachment dimensions and the Big Five personality traits: associations and comparative ability to predict relationship quality, Journal of Research in Personality 40: 179–208


Phillip R. Shaver and Mario Mikulincer, “Attachment theory: I. Motivational, individual-differences and structural aspects”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

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Charakterzüge Evolutionäre Psychologie Corr I 265
Charakterzüge/Evolutionäre Psychologie: Das Argument, dass Persönlichkeitsunterschiede selektiv neutral sind, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass unser nächster lebender Verwandter, der Schimpanse, ähnliche Versionen der >Big Five Charakterzüge (plus Dominanz) aufweist (King und Figueredo 1997)(1). >Fünf-Faktoren-Modell, >Kausalität/Psychologie/Evolutionäre Theorien, >Erblichkeit/Tooby/Cosmides.
Corr I 272
Charakterzüge/Evolutionäre Psychologie/Figueredo: Wir schlagen vor, dass Sozialität die Hauptursache für Persönlichkeitsvariationen beim Menschen ist. Insbesondere die Anpassung an verschiedene Mikro-Nischen innerhalb der gesamten Sozialökologie der Art führt zur Differenzierung der Persönlichkeitsmerkmale zwischen den Individuen. Klimatische und ökologische Schwankungen während wiederholter Eiszeiten mögen in der Vergangenheit einen Großteil der anfänglichen Impulse durch die Verschärfung des sozialen Wettbewerbs gegeben haben, aber die größeren Bevölkerungsdichten, die durch die neolithische Revolution in den menschlichen Subsistenzwirtschaften (z.B. Landwirtschaft, Viehzucht, Industrie und heute informationsbasiert) verursacht wurden, haben ihren Platz in der jüngsten Menschheitsgeschichte weitgehend eingenommen. >Ökologie/Evolutionäre Psychologie, >Nischen/Evolutionäre Psychologie, >Adaption/Evolutionäre Psychologie, >Selektion/Evolutionäre Psychologie.

1. King, J. E. and Figueredo, A. J. 1997. The five-factor model plus dominance in chimpanzee personality, Journal of Research in Personality 31: 257–71


Aurelio José Figueredo, Paul Gladden, Geneva Vásquez, Pedro Sofio, Abril Wolf and Daniel Nelson Jones, “Evolutionary theories of personality”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

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Charakterzüge Matthews Corr I 411
Charakterzüge/Arousal/Aufmerksamkeit/Verzerrung/Matthews: These: (Matthews 2000(1), 2008a(2)) Charakterzüge beziehen sich typischerweise auf eine Vielzahl von Verzerrungen in der Informationsverarbeitung, die sich nicht auf einen allgemeinen Aufmerksamkeits- (oder Erregungs-) Mechanismus reduzieren lassen.
Corr I 419
Charakterzüge/Kognitiv-adaptive Theorie/Matthews: Die kognitiv-adaptive Theorie der Charakterzüge (Matthews 1999(3), 2000(4), 2008a(5); Matthews und Zeidner 2004(6)) schlägt vor, dass Charakterzüge funktionelle Kohärenz und nicht strukturelle Kohärenz haben; das heißt, es gibt keinen einzigen "Master-Prozess", der Verhaltensausdrücke von Merkmalen vermittelt, einschließlich Leistungseffekte. Eigenschaften beziehen sich auf multiple, strukturell-
Corr I 420
unabhängige Verzerrungen in einer Vielzahl von neuronalen, rechnerischen und selbstregulierenden Prozessen. Diese Verarbeitungsverzerrungen hängen jedoch insofern zusammen, als sie gemeinsame adaptive Ziele unterstützen, die für das betreffende Merkmal von zentraler Bedeutung sind. Charakterzüge stellen verschiedene Arten der Anpassung an die großen Herausforderungen des menschlichen Lebens dar. >Angst/kognitiv-adaptive Theorie/Matthews, >Extraversion/kognitiv-adaptive Theorie/Matthews.



1. Matthews, G. 2000. A cognitive science critique of biological theories of personality traits, History and Philosophy of Psychology 2: 1–17
2. Matthews, G. 2008a. Personality and information processing: a cognitive-adaptive theory, in G. J. Boyle, G. Matthews and D. H. Saklofske (eds.), Handbook of personality theory and testing, vol. I, Personality theories and models, pp. 56–79. Thousand Oaks, CA: Sage
3. Matthews, G. 1999. Personality and skill: a cognitive-adaptive framework, in P. L. Ackerman, P. C. Kyllonen and R. D. Roberts (eds.), The future of learning and individual differences research: processes, traits, and content, pp. 251–70. Washington, DC: APA
4. Matthews, G. 2000. A cognitive science critique of biological theories of personality traits, History and Philosophy of Psychology 2: 1–17
5. Matthews, G. 2008a. Personality and information processing: a cognitive-adaptive theory, in G. J. Boyle, G. Matthews and D. H. Saklofske (eds.), Handbook of personality theory and testing, vol. I, Personality theories and models, pp. 56–79. Thousand Oaks, CA: Sage
6. Matthews, G. and Zeidner, M. 2004. Traits, states and the trilogy of mind: an adaptive perspective on intellectual functioning, in D. Dai and R. J. Sternberg (eds.), Motivation, emotion, and cognition: integrative perspectives on intellectual functioning and development, pp. 143–74. Mahwah, NJ: Lawrence Erlbaum



Gerald Matthews, „ Personality and performance: cognitive processes and models“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

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Charakterzüge Tupes Corr II 87
Charakterzüge/Tupes/Christal/Johnson: Nachdem Allport und Odbert (...) in Websters ungekürztem New International Dictionary 17.953 Wörter für menschliche Charakterzüge gefunden hatten, [entstand die Forderung, diese Liste zu kürzen]. Cattell reduzierte seinen Satz von 35 Charakterzug-Variablen noch einmal mit einem statistischen Verfahren namens Faktorenanalyse. Seine Faktoranalysen zeigten 11 Charakterzugfaktoren in einer Studie und 12 Charakterzugfaktoren in einer zweiten Studie (Cattell, 1945, 1947)(1,2). Alles hätte damit in Ordnung sein können, außer dass ein anderer Satz von Faktoranalysen, der von Donald Fiske (1949...)(3) veröffentlicht wurde, wiederholt fünf statt der von Cattell entdeckten 11 oder 12 Faktoren zeigte. Die Studie von Tupes und Christal (1961/1992)(4) sollte den Unterschied zwischen den Ergebnissen von Cattell und Fiske erklären.
II 88
Faktor-Rotation/Tupes/Christal: (...) Tupes und Christal glaubten, dass der wahrscheinlichste Grund für die unterschiedlichen Ergebnisse darin bestand, dass Cattell in seinen statistischen Analysen die so genannte schräge Rotation (engl. oblique rotation) der Faktoren verwendete, während Fiske die so genannte orthogonale Rotation der Faktoren verwendete. Der Unterschied zwischen den beiden Rotationsstrategien besteht darin, dass schräge Faktoren einander überlappen dürfen, während orthogonale Faktoren voneinander unabhängig sind (...). Tupes und Christal (1961/1992)(4) wollten nun testen, ob die Verwendung der gleichen (orthogonalen) Rotationsmethode die gleichen Faktoren in verschiedenen Sätzen von Charakterzugbewertungsdaten erzeugen würde (...). Methode/Tupes/Christal: [Tupes und Christal] re-
II 89
analysierten einfach acht bestehende Datensätze. Die Methode von Tupes und Christal wurde durch die Beobachtung motiviert, dass Unterschiede in der Anzahl der Charakterzugfaktoren, die in früheren Studien gefunden wurden, entweder auf die Unterschiede in den Teilnehmer- und Bewertungsskalen oder auf Unterschiede in der verwendeten Methode der Faktorenanalyse (...) zurückzuführen sein könnten. Durch die erneute Analyse von Daten aus diesen verschiedenen Stichproben mit der gleichen Form der Faktorenanalyse kamen sie zu dem Schluss, dass, wenn ähnliche Faktoren in den Stichproben gefunden werden, diese Faktoren "universell genug sein könnten, um in einer Vielzahl von Stichproben aufzutreten, und [...] nicht übermäßig empfindlich auf die Bewertungsbedingungen oder -situationen reagieren" (Tupes & Christal, 1992, S. 227)(4). Ergebnisse/Charakterzugfaktoren/Tupes/Christal: Tupes und Christal (1992) fassen ihre Ergebnisse in folgendem Satz zusammen: "In jeder Stichprobe außer einer schienen fünf relativ starke und wiederkehrende Charakterzugfaktoren zu dominieren und nichts Weiteres von Bedeutung" (S. 245)(4). (...) Unabhängig von der Gesamtzahl der Faktoren, die in jeder Stichprobe gefunden wurden, war in jeder Stichprobe jeder der ersten fünf Faktoren
II 90
klar definiert durch denselben einzigartigen Satz von Charakterzug-Wörtern. Tupes und Christal bezeichneten das gemeinsame Thema unter den Charakterzugwörtern, die jeden der fünf Faktoren definierten, mit einem Begriff aus früheren faktorenanalytischen Studien. Der erste Faktor von Tupes und Christal wurde in allen acht Stichproben durch die folgenden Charakterzüge definiert: I
still vs. gesprächig;
verschwiegen vs. offen;
vorsichtig vs. abenteuerlustig;
unterwürfig vs. durchsetzungsfähig; und
träge, langsam vs. energisch.
Zusammen beschreiben diese Charakterzüge nach Tupes und Christal einen wiederkehrenden Faktor, den andere als Extraversion bezeichnen (...). Die Charakterzüge, die den zweiten Faktor in allen acht Stichproben definierten, waren:
II.
gehässig vs. gutmütig; obstruktiv vs. kooperativ;
misstrauisch vs. vertrauensvoll;
unflexibel vs. anpassungsfähig; und
kühl, distanziert vs. aufmerksam gegenüber Menschen.
Bei sechs der acht Proben halfen:
eifersüchtig vs. nicht eifersüchtig;
anspruchsvoll vs. emotional reif;
eigenwillig vs. sanft; und
hart, streng vs. freundlich
den zweiten Faktor zu definieren.
Charakterzüge, die den dritten Faktor in allen acht Stichproben definierten, waren:
III.
leichtfertig vs. verantwortlich und skrupellos vs. gewissenhaft. Darüber hinaus definierten:
entspannt, faul vs. aufdringlich ordentlich;
aufhörend vs. ausdauernd und
unkonventionell vs. konventionell
bei sechs der acht Proben den dritten Faktor.
Charakterzüge, die den vierten Faktor in allen acht Stichproben definieren, waren:
IV.
besorgt, ängstlich, vs. gelassen; leicht verärgert vs. ausgeglichen, zäh und
veränderlich vs. emotional stabil.
[Faktoren, die ebenfalls zur Definition dieses Faktors beitrugen, waren:]
neurotisch vs. nicht neurotisch;
hypochondrisch vs. nicht hypochondrisch und
emotional vs. ruhig.
Der fünfte Faktor war weniger klar definiert als die ersten vier. Insgesamt war der fünfte Faktor in allen acht Stichproben nur durch die folgenden drei Charakterzüge definiert:
V.
flegelhaft vs. intellektuell, kultiviert; ungeschickt, unbeholfen vs. elegant und
unreif vs. selbstständig denkend.
II 91
Die fünf wiederkehrenden Faktoren wurden als folgende bezeichnet: (a) Begeisterungsfähigkeit [andere: "Extraversion"], (b) Verträglichkeit, (c) Verlässlichkeit, (d) emotionale Stabilität und (e) Kultur.
II 94
Gegenargumente gegen Tupes und Christal: VsTupes/VsChristal: Eine der ersten Fragen, die man sich zu jeder Studie stellen sollte, lautet: "Wie repräsentativ ist die Stichprobe der Probanden?"(...) Tupes und Christal verwendeten acht Gruppen, und nur zwei davon waren Bachelor-Studenten. Zwei der Stichproben waren jedoch Master-Psychologiestudenten (eine ziemlich exklusive Gruppe) und die anderen vier waren Studenten oder Absolventen der Offiziersanwärterschule der US-Luftwaffe (wiederum eine ziemlich spezialisierte Gruppe). Am ungünstigsten war jedoch, dass nur eine der acht Stichproben durch Frauen repräsentiert wurde und in dieser Stichprobe teilten sich die Bewertungen, die den Kulturfaktor in den sieben männlichen Stichproben definierten, in zwei Faktoren auf. Tupes und Christal (1961/1992)(4) geben die Nationalität und ethnische Zugehörigkeit der Probanden in den acht Stichproben nicht an. Ebenso wenig wie die Originalberichte, aus denen sie ihre Daten entnahmen, wir können jedoch ziemlich sicher sein, dass fast alle von ihnen englischsprachige, kaukasische Amerikaner waren.
VsVs: Nachfolgende Forschungen berichteten von konsistenten Geschlechtsunterschieden bei einigen der Big Five-Charakterzüge, wobei Frauen ein höheres Maß an Verträglichkeit und Neurotizismus ausdrücken als Männer (z.B. Costa, Terracciano, & McCrae, 2001)(5). Andererseits haben keine Studien Hinweise darauf erbracht, dass es bei Männern und Frauen unterschiedliche grundlegende Charakterzugfaktoren gibt.
>Extraversion.



1. Cattell, R. B. (1945). The description of personality: Principles and findings in a factor analysis. American Journal of Psychology, 58, 69–90.
2. Cattell, R. B. (1947). Confirmation and clarification of primary personality factors. Psychometrika, 12, 197–220.
3. Fiske, D. W. (1949). Consistency of the factorial structures of personality ratings from different sources. Journal of Abnormal and Social Psychology, 44, 329–344.
4. Tupes, E. C., & Christal, R. E. (1961/1992). Recurrent personality factors based on trait ratings (USAF ASD Technical Report No. 61–97). Aeronautical Systems Division, Personnel Laboratory: Lackland Air Force Base, TX. (Reprinted as Tupes, E. C., & Christal, R. E. (1992). Recurrent personality factors based on trait ratings. Journal of Personality, 60, 225–251.)
5. Costa, P. T., Terracciano, A., & McCrae, R. R. (2001). Gender differences in personality traits across cultures: Robust and surprising findings. Journal of Personality and Social Psychology, 81, 322–331.


Johnson, John A.: “Five Strong and Recurrent Personality Factors - Revisiting Tupes and Christal (1961)”, In: Philip J. Corr (Ed.) 2018. Personality and Individual Differences. Revisiting the classical studies. Singapore, Washington DC, Melbourne: Sage, pp. 87-100.

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CO2-Preis Fankhauser Fankhauser I 1
CO2-Preis/Carattini/Carvalho/Fankhauser: (...), um den Anstieg der globalen Durchschnittstemperaturen deutlich unter 2°C über dem vorindustriellen Niveau zu halten (...), bedarf es einer Vielzahl politischer Maßnahmen, einschließlich Subventionen zur Unterstützung des Durchbruchs kohlenstoffarmer Technologien, regulatorischer Normen zur Senkung des Energieverbrauchs von Gebäuden, Autos und Geräten sowie Finanzierungsregelungen zur Überwindung von Kapitalengpässen (Bowen & Fankhauser, 2017)(1). Ein effektiver CO2-Preis ist jedoch unerlässlich, um schwerwiegendere Störungen des Klimasystems zu vermeiden (Stiglitz et al., 2018)(2). Nur wenn die Emittenten von Treibhausgasen mit den vollen Umweltkosten ihres Handelns konfrontiert werden, werden sie ihre CO2-Emissionen effektiv steuern. Die CO2-Preise verändern die relativen Preise, was zu einer automatischen Anpassung des Verhaltens von Unternehmen und Verbrauchern führt und einen kontinuierlichen Anreiz für Investitionen in kohlenstoffarme technologische Verbesserungen schafft. Sie funktioniert als dezentrale Richtlinie, da sie die Regulierungsbehörden nicht verpflichtet, Informationen über die marginalen Vermeidungskosten zu erhalten. Handelnde reagieren auf den CO2-Preis basierend auf ihren marginalen Minderungskosten. Durch die Nutzung der Heterogenität der marginalen Vermeidungskosten ermöglicht die CO2-Preisgestaltung eine Senkung der gesamten Vermeidungskosten (Weitzman, 1974)(3).
Emissionsrechtehandel: Bislang war der Emissionsrechtehandel in den meisten Zuständigkeitsbereichen das Instrument der Wahl für den CO2-Preis. In der Europäischen Union deckt das EU-Emissionshandelssystem (EU ETS) fast die Hälfte der gesamten Treibhausgasemissionen ab. Kohlenstoff wird auch in Kanada, China, Neuseeland, der Schweiz und den Vereinigten Staaten gehandelt, obwohl die meisten dieser Systeme in ihrem regionalen oder sektoralen Umfang begrenzt sind (Weltbank, 2016)(4). >CO2-Steuer/Fankhauser.




1. Bowen, A., & Fankhauser, S. (2017). Good practice in low-carbon policy. In A. Averchenkova, S. Fankhauser, & M. Nachmany (Eds.), Climate change legislation (pp. 123–140). London, England: Edward Elgar.
2. Stiglitz, J. E., Stern, N., Duan, M., Edenhofer, O., Giraud, G., Heal, G., La Rovere, E. L., Morris, A., Moyer, E., Pangestu, M., Shukla, P. R., Sokona, Y., & Winkler, H. (2018). Report of the High-Level Commission on Carbon Prices. Carbon Pricing Leadership Coalition.
3. Weitzman, M. L. (1974). Prices vs. quantities. The Review of Economic Studies, 41(4), 477–491.
4. World Bank. (2016). State and trends of carbon pricing 2016. Washington, DC: Author.


Stefano Carattini, Maria Carvalho & Sam Fankhauser, 2018: “Overcoming public resistance to carbon taxes”. In: Stéphane Hallegatte, Mike Hulme (Eds.), WIREs Climate Change, Vol. 9/5, pages 1-26.

Fankhauser I
Samuel Fankhauser
Stefano Carattini
Maria Carvalho,
Overcoming public resistance to carbon taxes
In
Wiley Interdisciplinary Reviews: Climate Change Vo, 2018
CO2-Steuer Fankhauser Fankhauser I 1
CO2-Steuer/EU/US/Carattini/Carvalho/Fankhauser: Die CO2-Steuer könnte in Verbindung mit anderen Regulierungsmaßnahmen ein wirksames Mittel sein, um politische Lücken in Bereichen zu schließen, die nicht bereits durch ein funktionierendes Emissionshandelssystem abgedeckt sind. In der EU könnten CO2-Steuern eine Rolle bei der Reduzierung von
Fankhauser I 2
Emissionen außerhalb des EU-ETS (Emissionshandelssystem) spielen, wo ein Großteil der zukünftigen politischen Anstrengungen liegen muss, so die Europäische Umweltagentur (2016)(1). In den Vereinigten Staaten haben ältere Republikaner ihre Argumente für eine US $40 CO2-Steuer in "The Conservative Case for Carbon Dividends" (Baker III, Feldstein, Halstead, et al., 2017)(2) dargelegt. >Emissionshandel. Eine CO2-Steuer ist ein relativ einfaches Instrument, dass auch auf einzelne Emittenten gut angewendet werden kann. Hiermit sind auch viele kleinere gemeint, die die Nicht-ETS-Sektoren dominieren und sich mit geringerer Wahrscheinlichkeit als große Emittenten oder Quellen am CO2-Handel beteiligen. Nach den von der Weltbank gesammelten Erkenntnissen sind Cap-and-Trade-Systeme wie das EU-ETS am besten für industrielle Akteure geeignet, die über die Fähigkeit und das Können verfügen, aktiv am Markt mitzuwirken (Weltbank, 2016)(3). Mit ihren hohen Transaktionskosten sind solche Systeme für Sektoren mit einer großen Anzahl kleiner Emissionsquellen wie Verkehr und Gebäude weniger attraktiv (Goulder & Parry, 2008)(4). Ökonomen befürworten die Verwendung von CO2-Steuern, weil sie den Preisanreiz bieten, Emissionen zu reduzieren, ohne technologisch vorgeschrieben zu sein, einfacher zu verwalten sind und nicht auf staatliche Haushalte zurückgreifen (Aldy & Stavins, 2012(5); Baranzini et al., 2017(6); Baumol & Oates, 1971(7); Goulder & Parry, 2008(4); Mankiw, 2009(8); Metcalf, 2009(9); Weitzman, 2015(10)).
Fankhauser I 4
Die erforderliche Steuerhöhe wird durch das Umweltziel und insbesondere durch die Grenzkosten zur Erreichung eines bestimmten Emissionsziels bestimmt (Bowen & Fankhauser, 2017)(11).
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VsCO2-Steuer/Einwände gegen CO2-Steuer/Carattini/Carvalho/Fankhauser: Trotz dieser Vorteile sind die CO2-Steuern eines der am wenigsten genutzten Instrumente der Klimapolitik. Vorschläge zur CO2-Steuer wurden rückgängig gemacht, manchmal in einem fortgeschrittenen politischen Stadium, z.B. in Australien (2014), Frankreich (2000), der Schweiz (2000 und 2015) und zuletzt in den Vereinigten Staaten im Staat Washington (2016). Einwände gegen die CO2-Besteuerung beziehen sich oft nicht auf die Einführung der Steuer selbst, sondern auf ihre Gestaltung (Dresner, Dunne, Clinch, & Beuermann, 2006)(12) und die Art und Weise, wie relevante Informationen ausgetauscht werden. Sozialpsychologische Faktoren - wie wahrgenommene Zwänge, Fairness und Gerechtigkeit - beeinflussen das Ausmaß, in dem die Wähler verschiedene klimapolitische Instrumente akzeptieren (Drews & van den Bergh, 2015)(13). Wenn man sie von Anfang an in das Design einbezieht, könnte die Gesetzgebung zur CO2-Steuer leichter durchführbar sein. Der Widerstand der Interessengruppen hat sich als sehr wirksam erwiesen, um die öffentliche Intervention in einer Vielzahl von Umweltfragen zu begrenzen (Oates & Portney, 2003)(14). Zudem kann ihre Lobbyarbeit die Ansichten der Wähler beeinflussen, die Durchsetzung verhindern oder sogar die Einführung einer CO2-Steuer widerrufen. Weitere Studien, z.B. von Hammar, Löfgren und Sterner (2004)(15), Van Asselt und Brewer (2010)(16), Dechezleprêtre und Sato (2017)(17) und Neuhoff et al. (2015)(18), geben Aufschluss darüber, wie Eigeninteressen und andere Aspekte der politischen Ökonomie die Gestaltung der CO2-Preise in jüngster Zeit beeinflusst haben.
Fankhauser I 3
In Anbetracht der Tatsache, dass es Unterschiede in den Einstellungen und Wahrnehmungen der einzelnen Personen gibt, identifizieren wir fünf allgemeine Gründe für die Abneigung gegen CO2-Steuern, die in der Literatur immer wieder hervorgehoben wurden.
1. VsCO2-Steuer: Die persönlichen Kosten werden als zu hoch empfunden. Eine schwedische Umfrage von Jagers und Hammar (2009)(19) ergab, dass die Menschen die CO2-Steuer mit höheren persönlichen Kosten in Verbindung bringen, mehr als mit alternativen politischen Instrumenten. Ein diskretes Auswahlexperiment von Alberini, Scasny und Bigano (2016)(20) zeigte, dass die Italiener unter den klimapolitischen Instrumenten eine Präferenz für Subventionen gegenüber CO2-Steuern hatten. Die Teilnehmer eines Laborexperiments von Heres, Kallbekken und Galarraga (2015)(21) erwarteten ähnlich höhere Subventionen als aus Steuern, insbesondere wenn Unsicherheiten darüber bestanden, wie Steuereinnahmen "rückerstattet" werden würden. Ex ante neigen Einzelpersonen dazu, die Kosten einer Umweltsteuer zu überschätzen und deren Nutzen zu unterschätzen (Carattini et al., 2018(22); Odeck & Bråthen, 2002(23); Schuitema, Steg, & Forward, 2010(24)). Die sozialpsychologische Literatur deutet auch darauf hin, dass Einzelpersonen Subventionen bevorzugen, weil sie als weniger zwingend als Steuern wahrgenommen werden. Steuern werden auf die Verursacher "gedrückt" ("pushed"), was zu obligatorischen Kosten führt, während Subventionen als "Pull"-Maßnahmen angesehen werden, die angeblich klimafreundliches Verhalten belohnen (de Groot & Schuitema, 2012(25); Rosentrater et al., 2012(26); Steg et al., 2006(27)).
2. VsCO2-Steuer: CO2-Steuern können regressiv sein. [Wähler] nehmen zu Recht wahr, dass CO2-Steuern ohne Ausgleichsmaßnahmen unverhältnismäßig negative Auswirkungen auf Haushalte mit niedrigem Einkommen haben können. Diese Ausgleichsmaßnahmen können jedoch die negativen Verteilungseffekte der CO2-Steuern ausgleichen und sogar progressiv gestalten. Darüber hinaus ist zu beachten, dass alternative klimapolitische Instrumente wie die Förderung erneuerbarer Energien auch ähnliche regressive Effekte haben können und möglicherweise keine Einnahmen generieren, um ihnen entgegenzuwirken (Baranzini et al., 2017)(28).
3. VsCO2-Steuer: CO2-Steuern könnten der Gesamtwirtschaft schaden. Dies wurde in der Schweiz deutlich, wo in zwei verschiedenen Fällen, die mehr als 10 Jahre auseinander liegen, die Besorgnis über die potenziellen Wettbewerbs- und Beschäftigungseffekte von Energiesteuern selbst bei sehr begrenzter Arbeitslosigkeit in öffentlichen Abstimmungen zu ihrer Ablehnung beigetragen hat (Carattini, Baranzini, Thalmann, Varone, & Vöhringer, 2017(29); Thalmann, 2004(30)). Obwohl diese Bedenken teilweise gerechtfertigt sind, können die Wähler dazu neigen, die Wettbewerbsfähigkeit und die Auswirkungen auf die Beschäftigung zu überschätzen. Dies kann auch aus spezifischen Informationskampagnen energieintensiver Unternehmen resultieren, wie im Falle Australiens (vgl. Spash & Lo, 2012)(31).
4. VsCO2-Steuer: Es wird angenommen, dass CO2-Steuern hohe Emissionen von CO2 nicht behindern (...) (Klok, Larsen, Dahl, & Hansen, 2006(32); Steg et al., 2006(27)). [Einzelpersonen] betrachten kohlenstoffarme Subventionen als eine stärkere Methode, um die Treibhausgasemissionen zu reduzieren, insbesondere wenn die Kosten für den Umstieg vom Konsum kohlenstoffreicher Güter auf kohlenstoffarme Güter als hoch angesehen werden. [Sie] glauben, dass die Preiselastizität der Nachfrage nach kohlenstoffintensiven Gütern nahe Null liegt. Die Erwartung, dass CO2-Steuern nicht funktionieren, ist einer der Hauptgründe für Ablehnungen in Umfragen und echten Abstimmungen (Baranzini & Carattini, 2017(6); Carattini et al., 2017(29); Hsu, Walters, & Purgas, 2008(33); Kallbekken & Aasen, 2010(34); Kallbekken & Sælen, 2011(35)).
Fankhauser I 4
5. VsCO2-Steuer: Regierungen können CO2 besteuern wollen, um ihre Einnahmen zu steigern. [Einzelpersonen] gehen - als direkte Folge von Punkt 4 - davon aus, dass der Zweck der Einführung einer CO2-Steuer nicht darin besteht, Treibhausgase zu reduzieren, sondern die Staatseinnahmen zu erhöhen (Klok et al., 2006)(32). Fragen der Glaubwürdigkeit betreffen manchmal den spezifischen Vorschlag für eine Umweltsteuer, können aber auch breiter angelegt sein und sich auf die allgemeine Sicht der Menschen auf die Steuerpolitik oder sogar auf das Vertrauen in die Regierung selbst beziehen (Baranzini & Carattini, 2017(6); Beuermann & Santarius, 2006(36); Dietz, Dan, & Shwom, 2007(37); Hammar & Jagers, 2006(38)).
VsVs/Verteidigung der Steuer: Einige dieser Wahrnehmungen sind falsch. Es gibt Hinweise darauf, dass die CO2-Preisgestaltung tatsächlich die Emissionen reduziert (J. Andersson, 2015(39); Baranzini & Carattini, 2014(40); Martin, de Preux, & Wagner, 2014(41)) und bisher nur minimale Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft gehabt hat, da sie die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Industrie zumindest in Anbetracht von Anpassungen und spezifischen Maßnahmen zur Unterstützung der am stärksten gefährdeten Unternehmen beeinträchtigt (Dechezleprêtre & Sato, 2017)(17). Auf der anderen Seite haben die Wähler zu Recht den Verdacht, dass die Regierungen die zusätzlichen Einnahmen wahrscheinlich begrüßen würden. Tatsächlich werden die positiven steuerlichen Auswirkungen oft als einer der Vorzüge einer CO2-Steuer hervorgehoben (Bowen & Fankhauser, 2017)(11). Es ist auch der Fall, dass CO2-Steuern oft regressiv sind; ohne Gegenmaßnahmen können sie arme Haushalte unverhältnismäßig stark treffen (Gough, Abdallah, Johnson, Ryan Collins, & Smith, 2012(42); Metcalf, 2009(9); Speck, 1999(43); Sterner, 2011(44)). (...) Die Genauigkeit der öffentlichen Wahrnehmung ist weniger wichtig als die Tatsache, dass sie weit verbreitet ist und die Annahme ansonsten wünschenswerter Strategien behindern kann. Die Einstellung der Menschen zu CO2-Steuern scheint mehr von den direkten persönlichen Kosten der Maßnahme beeinflusst zu werden als von der Einschätzung des Umweltziels (Kallbekken, Kroll, & Cherry, 2011)(45). Folglich hängt die öffentliche Akzeptanz einer Umweltsteuer stark von ihrer politischen Stringenz ab, da der vorgeschlagene Steuersatz die direkten Kosten für die Verbraucher bestimmt.



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Stefano Carattini, Maria Carvalho & Sam Fankhauser, 2018: “Overcoming public resistance to carbon taxes”. In: Stéphane Hallegatte, Mike Hulme (Eds.), WIREs Climate Change, Vol. 9/5, pages 1-26.

Fankhauser I
Samuel Fankhauser
Stefano Carattini
Maria Carvalho,
Overcoming public resistance to carbon taxes
In
Wiley Interdisciplinary Reviews: Climate Change Vo, 2018
CO2-Steuer-Strategien Geroe Geroe I 18
CO2-Steuer-Strategien/Unternehmenssteuer/Investitionsanreize/Geroe: Anpassungen der Unternehmenssteuern, um die wirtschaftlichen Auswirkungen einer CO2-Steuer abzumildern, könnten vorgenommen werden, um die Emissionsreduzierung zu maximieren. Anstatt eines übergreifenden Konzepts, bei dem alle haftenden Einheiten eine feste Reduzierung der spezifischen sonstigen Steuern erhalten, könnte ein abgestufter Ansatz gewählt werden. So könnten beispielsweise Stromerzeuger auf der Grundlage des Prozentsatzes an zertifizierten Emissionsreduktionen mit Kohleverstromung als Ausgangsbasis eine Senkung anderer Steuern erwirtschaften. So könnte ein Solarkraftwerk möglicherweise fast eine 100%ige Steuerbefreiung erhalten, eine hybride Solar-Erdtankstelle sagen wir eine 30%ige Reduzierung, oder ein Kohlekraftwerk mit Kohlenstoff-Geosequestrierung eine 5%- bis 80%ige Reduzierung basierend auf dem tatsächlichen Anteil der nachweislich abgesonderten Emissionen. Dieser Ansatz könnte die Emissionsreduzierung mit deutlich niedrigeren Niveaus der CO2-Besteuerung und -Preise unterstützen, als dies sonst der Fall wäre. Es würde auch die Finanzierung der derzeit teuren sauberen Energietechnologien mit einem deutlich reduzierten Satz von Subventionssatz, FIT [federal income tax](Bundeseinkommenssteuer) oder einer anderen staatlichen Unterstützung ermöglichen. Dieser Ansatz ist vergleichbar mit dem Clean Energy Target Design, welches durch den Bericht von Finkel über Energiesicherheit für die australische Regierung empfohlen wurde und bei dem die Zertifikate auf prozentualen Reduzierungen unterhalb einer Emissionsintensitätsschwelle basieren (Finkel, Moses, Effeney, & O'Kane, 2017)(1). Verschiedene steuerliche Anreize wurden genutzt, um generell Investitionen mit geringem CO2-Ausstoß anzuregen, wie beispielsweise Energieeffizienzprojekte. Sowohl in Bezug auf die soziale Gerechtigkeit als auch auf die politische Umsetzbarkeit ist dieser Ansatz der Steuererleichterung dem Ansatz, kohlenstoffarme Projekte mit einem Satz zu besteuern, der dem von umweltschädlichen Industrien entspricht, und höhere Kosten für saubere Energie (im Rahmen von RPS, FIT und CO2-Politik) an die Verbraucher weiterzugeben, überlegen. Darüber hinaus könnten handelsexponierte (und andere) Industrien erhöhte Steuerabschreibungen für Energieeffizienz-Ausgaben erhalten, als eine Alternative entweder zur Befreiung vom Geltungsbereich des Systems, zum Erhalt kostenloser Genehmigungen ("Grandfathering") im Rahmen eines ETS oder zur Minderung der Kompensationspflichten. Dieser Ansatz würde den Anreiz für Investitionen in emissionsarme Technologien,
Geroe I 19
die mit einem Preis für Kohlenstoff verbunden sind, aufrechterhalten und gleichzeitig die Verlagerung von CO2-Emissionen und den Verlust der internationalen Wettbewerbsfähigkeit verringern. >CO2-Steuer-Strategien/Fankhauser.

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Steven Geroe, 2019: “Addressing Climate Change Through a Low-Cost, High-Impact Carbon Tax”. In: Journal of Environment & Development, Vol. 28/1, pp. 3-27.

Geroe I
Steven Geroe
Addressing Climate Change Through a Low-Cost, High-Impact Carbon Tax 2019
Deep Learning Gropnik Brockman I 224
Deep Learning/Gropnik: A. Deep Learning von unten nach oben (bottom-up): In den 1980er Jahren entwickelten Informatiker eine geniale Art und Weise, wie Computer dazu gebracht werden konnten, Muster in Daten zu erkennen: konnektionistische, oder neuronale Netzwerk-, Architektur (der "neuronale" Teil war und ist metaphorisch). Der Ansatz geriet in den 1990er Jahren in eine Flaute, wurde aber erst kürzlich mit leistungsstarken "Deep-Learning"-Methoden wie Googles DeepMind wiederbelebt. Geben Sie dem Programm z.B. eine Reihe von Internetbildern mit dem Label "Katze" etc. Das Programm kann diese Informationen verwenden, um neue Bilder korrekt zu labeln.
Unüberwachtes Lernen: kann Daten ohne jegliche Labels erkennen; diese Programme suchen einfach nach Merkmalsclustern (Faktorenanalyse).
Verstärkungslernen: In den 1950er Jahren programmierte B. F. Skinner, aufbauend auf der Arbeit von John Watson, bekannterweise Tauben, um komplizierte Aktionen durchzuführen (...), indem er ihnen einen bestimmten Zeitplan von Belohnungen und Strafen vorgab. Die wesentliche Idee war, dass Handlungen, die belohnt wurden, wiederholt werden und solche, die bestraft werden, nicht, bis das gewünschte Verhalten erreicht ist. Selbst zu Skinners Zeiten konnte dieser einfache Prozess, der immer wieder wiederholt wird, zu einem komplexen Verhalten führen. >Konditionierung.
So nutzten beispielsweise die Forscher von Googles DeepMind eine Kombination aus Deep Learning und Verstärkungslernen, um einem Computer das Spielen von Atari-Videospielen beizubringen. Der Computer wusste nichts darüber, wie die Spiele funktionieren.
Brockman I 225
Diese Bottom-up-Systeme können sich zu neuen Beispielen verallgemeinern; sie können ein
Brockman I 226
neues Bild meist ziemlich zuverlässig als Katze labeln. Aber sie tun dies auf eine Weise, die sich von der Art und Weise unterscheidet, wie Menschen verallgemeinern. Einige Bilder, die fast identisch mit einem Katzenbild sind, werden von uns überhaupt nicht als Katzen identifiziert. Andere, die wie eine zufällige Unschärfe aussehen, werden identifiziert.
B. Bayessche Modelle - von oben nach unten (top-down): Die ersten Versuche, diesen Ansatz zu nutzen, sahen sich mit zwei Arten von Problemen konfrontiert.
1. Die meisten Beweismuster könnten im Prinzip durch viele verschiedene Hypothesen erklärt werden: Es ist möglich, dass meine Journal-E-Mail-Nachricht echt ist, es scheint aber einfach nicht wahrscheinlich.
2. Woher kommen überhaupt die Konzepte, die die generativen Modelle verwenden? Platon und Chomsky sagten, dass man mit ihnen geboren wurde. Aber wie können wir erklären, wie wir die neuesten Konzepte der Wissenschaft lernen?
Lösung: Bayessche Modelle kombinieren generative Modelle und Hypothesentests. (>Bayesianismus). Mit einem Bayesschen Modell können Sie berechnen, wie wahrscheinlich es ist, dass eine bestimmte Hypothese angesichts der Daten wahr ist. Und indem wir kleine, aber systematische Anpassungen an den bereits vorhandenen Modellen vornehmen und diese mit den Daten testen, können wir manchmal neue Konzepte und Modelle aus alten erstellen.
Brockman I 227
VsBaysianismus: Die Bayesschen Techniken können Ihnen helfen, zu wählen, welche von zwei Hypothesen wahrscheinlicher ist, aber es gibt fast immer eine enorme Anzahl von möglichen Hypothesen, und kein System kann sie alle effizient berücksichtigen. Wie entscheiden Sie, welche Hypothesen es wert sind, überhaupt getestet zu werden? Top-Down-Methode: So haben z.B. Brenden Lake von der New York University und Kollegen mit Top-Down-Methoden ein Problem gelöst, das für Menschen einfach, aber für Computer extrem schwierig ist: das Erkennen unbekannter handschriftlicher Zeichen.
Bottom-up-Methode: Diese Methode gibt dem Computer Tausende von Beispielen (...) und lässt ihn die wichtigsten Merkmale herausziehen.
Top-down-Methode: Lake et al. gaben dem Programm ein allgemeines Modell, wie man ein Zeichen zeichnet: Ein Strich geht nach rechts oder links; nachdem du einen beendet hast, fängst du einen anderen an; und so weiter. Wenn das Programm ein bestimmtes Zeichen sah, konnte es die Reihenfolge der Striche ableiten, die am ehesten zu ihm geführt haben (...). Dann konnte es beurteilen, ob ein neuer Charakter wahrscheinlich aus dieser Sequenz oder aus einer anderen resultieren würde, und es konnte selbst einen ähnlichen Satz von Strichen erzeugen. Das Programm funktionierte viel besser als ein Deep-Learning-Programm, das auf genau die gleichen Daten angewendet wurde, und es spiegelte die Leistung des Menschen wider.
Brockman I 228
Bottom-up: Hier braucht das Programm anfangs nicht viel Wissen, aber viele Daten, und es kann nur bedingt verallgemeinern. Top-down: Hier kann das Programm aus nur wenigen Beispielen lernen und viel breitere und vielfältigere Generalisierungen erzeugen, aber man muss zunächst viel mehr einbauen.
Brockman I 229
Lernen bei Kindern/Gropnik: (...) das wirklich Bemerkenswerte an Menschenkindern ist, dass sie irgendwie die besten Eigenschaften jedes Ansatzes kombinieren und dann weit über sie hinausgehen. In den letzten fünfzehn Jahren haben Entwicklungswissenschaftler untersucht, wie Kinder Struktur aus Daten lernen. Vierjährige können lernen, indem sie, wie bei einem Top-down-System, nur ein oder zwei Datenbeispiele nehmen und zu sehr unterschiedlichen Konzepten generalisieren. Aber sie können auch neue Konzepte und Modelle aus den Daten selbst lernen, wie es ein Bottom-up-System tut. Kleine Kinder lernen schnell abstrakte, intuitive Theorien der Biologie, Physik und Psychologie ganz ähnlich wie es erwachsene Wissenschaftler tun, selbst mit relativ wenigen Daten.

Gropnik, Alison “AIs versus Four-Year-Olds”, in: Brockman, John (ed.) 2019. Twenty-Five Ways of Looking at AI. New York: Penguin Press.

Brockman I
John Brockman
Possible Minds: Twenty-Five Ways of Looking at AI New York 2019
Denken James Diaz-Bone I 32
Geistige Tätigkeiten/James: können nicht unabhängig von ihrer Beziehung zur physischen Umwelt erkannt werden. Realität und Erkenntnis, Umwelt und Wissen sind keine getrennten Vollzüge. Handlung ist Anpassung.

James I
R. Diaz-Bone/K. Schubert
William James zur Einführung Hamburg 1996
Diskriminierung Pariser I 137
Diskriminierung/Software/Pariser: Problem: eine Software, die z.B. die Einstellungspraxis eines Unternehmens untersucht und zufällig neun weiße Personen herausgreift könnte festlegen, dass dieser Firma nicht an der Einstellung Schwarzer gelegen ist, und diese von vornherein herausfiltern. (1) Dieses Problem wird unter Programmierern „Überanpassung“ genannt.
I 139
Überanpassung/Pariser: wird zu einem zentralen und irreduziblen Problem der Filterblase, weil hier Überanpassung und Stereotypisierung gleichbedeutend sind.
I 140
Solche Stereotype können dazu führen, dass Ihre Kreditwürdigkeit herabgestuft wird, weil Ihre Freunde ihre Schulden nicht pünktliche bezahlen.

1. Dalton Conley, Elsewhere, U. S. A.: How We Got from the Company Man, Family Dinners, and the Affluent Society to the Home Office, BlackBerry Moms, and Economic Anxiety, New York: Pantheon, 2008, S. 164.


Pariser I
Eli Pariser
The Filter Bubble: How the New Personalized Web Is Changing What We Read and How We Think London 2012
Dunkle Triade Paulhus Corr II 246
Dunkle Triade/Charakterzüge/Paulhus/Williams/Zeigler-Hill/Marcus: Paulhus und Williams (2002)(1) untersuchten die Möglichkeit, dass Narzissmus, Psychopathie und Machiavellismus eine dunkle Triade von Charakterzügen darstellen. Die Messungen von Narzissmus, Psychopathie und Machiavellismus wiesen in dieser Stichprobe mäßige Korrelationen miteinander auf, was zeigt, dass eine Person, die für einen dieser Charakterzüge einen hohen Wert erhielt, wahrscheinlich auch relativ hohe Werte für die anderen zwei dieser Charakterzüge erhielt. (...) die Charakterzüge der Dunklen Triade hatten ähnliche negative Assoziationen mit dem Charakterzug der Annehmbarkeit, aber oft divergierende Assoziationen mit dem Charakterzug des Neurotizismus (...). Die Schlussfolgerung, zu der Paulhus und Williams (2002)(1) kamen, war, dass die Charakterzüge der Dunklen Triade verschiedene Konstrukte waren, die wichtige Ähnlichkeiten miteinander hatten, aber weit davon entfernt waren, austauschbar zu sein.
II 251
Um ein umfassenderes Verständnis der Dunklen Triade zu entwickeln, könnte es hilfreich sein, ihre potenziellen evolutionären Ursprünge zu berücksichtigen. Die Idee, die (...) evolutionären Perspektiven zugrunde liegt, ist, dass die eigennützigen, manipulativen und ausbeuterischen Strategien, die die Charakterzüge der Dunklen Triade ausmachen, unter bestimmten Bedingungen adaptiv sein können. Einer der frühesten Gelehrten, der sich für eine evolutionäre Perspektive für einen der Charakterzüge der Dunklen Triade einsetzte, war Mealey (1995)(2), der vorschlug, dass Psychopathie Ausdruck einer frequenzabhängigen Lebensstrategie sein kann, die als Reaktion auf unterschiedliche Umweltbedingungen gewählt wird. Ein anderer Ansatz zum Verständnis der Ursprünge der Dunklen Triade bestand darin, ihre Verbindungen zu Strategien von Lebensgeschichten zu untersuchen,
II 252
die sich damit befassen, wie Einzelpersonen verschiedenen Kompromisse lösen, die aufgrund von Zeit- und Energiebeschränkungen eingegangen werden müssen (z.B. Kaplan & Gangestad, 2005)(3). Diese Kompromisse konzentrieren sich auf: (1) somatische Anstrengung vs. Reproduktionsanstrengung; (2) elterliche Anstrengung vs. Paarungsanstrengung; (3) Qualität der Nachkommenschaft vs. Quantität der Nachkommenschaft; und (4) zukünftige Reproduktion vs. gegenwärtige Reproduktion. Diese Perspektive argumentiert, dass sich Individuen entlang eines Kontinuums hinsichtlich der Reproduktionsstrategien unterscheiden, die sie anwenden, um diese Kompromisse aufzulösen (z.B. Buss, 2009)(4).
II 253
[Verschiedene] Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Charakterzüge der Dunklen Triade möglicherweise spezialisierte Anpassungen darstellen, die es den Individuen erlauben, bestimmte Nischen innerhalb der Gesellschaft auszunutzen, wie z.B. die der opportunistischen Paarung (z.B. Furnham et al., 2013)(5). Die Charakterzüge der Dunklen Triade neigen dazu, ähnliche - aber nicht identische - Assoziationen mit einer Reihe von aversiven Ergebnissen zu haben (...). Obwohl viele der Ergebnisse bezüglich der Dunklen Triade einen unangenehmen Blick auf diese Charakterzüge bieten, zeigen andere Studien, dass die Züge der Dunklen Triade in bestimmten Lebensbereichen vorteilhaft oder zumindest neutral sein können. Beispielsweise können diese Eigenschaften für Personen, die eine Führungsposition anstreben, hilfreich sein, insbesondere wenn sie mit Faktoren wie Intelligenz und körperlicher Attraktivität kombiniert werden (Furnham, 2010)(6) (...).
II 255
VsDunkle Triade: Abgesehen vielleicht von der "Dreierregel" (Dundes, 1968)(7) gibt es keinen intrinsischen Grund, warum die Menge der dunklen Charakterzüge auf eine Triade beschränkt werden sollte. Tatsächlich haben Chabrol, Van Leeuwen, Rodgers und Séjourné (2009)(8) überzeugende Beweise dafür geliefert, dass Sadismus zu diesen anderen Merkmalen gehört, wodurch eine "Dunkle Tetrade" geschaffen wurde. Wir haben argumentiert, dass es zahlreiche zusätzliche dunkle Charakterzüge gibt, die eine Untersuchung verdienen und die in die Arten von Studien aufgenommen werden könnten, die die Dunkle Triade untersucht haben (z.B. Marcus & Zeigler-Hill, 2015(9); Zeigler-Hill & Marcus, 2016(10)).

1. Paulhus, D. L., & Williams, K. M. (2002). The Dark Triad of personality: Narcissism, Machiavellianism, and psychopathy. Journal of Research in Personality, 36, 556—563.
2. Mealey, L. (1995). The sociobiology of sociopathy: An integrated evolutionary model. Behavioral and Brain Sciences, 18, 5 23—599.
3. Kaplan, H. S., & Gangestad, S. W. (2005). Life history theory and evolutionary psychology. In D. M. Buss (Ed.), The handbook of evolutionary psychology. Hoboken, NJ: Wiley.
4. Buss, D. M. (2009). How can evolutionary psychology successfully explain personality and individual differences? Perspectives on Psychological Science, 4, 359—366.
5. Furnham, A., Richards, S. C., & Paulhus, D. L. (2013). The Dark Triad of personality: A 10 year review. Social and Personality Psychology Compass, 7, 199—2 16.
6. Furnham, A. (2010). The elephant in the boardroom: The causes of leadership derailment. London: Palgrave Macmillan.
7. Dundes, A. (1968). The number three in American culture. In A. Dundes (Ed.), Every man his way: Readings in cultural anthropology. Englewood Cliffs, NJ: Prentice—Hall.
8. Chabrol, H., Van Leeuwen, N., Rodgers, R., & Séjourné, N. (2009). Contributions of psychopathic, narcissistic, Machiavellian, and sadistic personality traits to juvenile delinquency. Personality and Individual Differences, 47, 734—73 9.
9. Marcus, D. K., & Zeigler-Hill, V. (2015). A big tent of dark personality traits. Social and Personality Psychology Compass, 9,434—446.
10. Zeigler-Hill, V., & Marcus, D. K. (2016). A bright future for dark personality features? In V. Zeigler-Hill & D. K. Marcus (Eds.), The dark side of personality: Science and practice in social, personality, and clinical psychology. Washington, DC: American Psychological Association.


Zeigler-Hill, Virgil; Marcus, David K.: “The Dark Side of Personality Revisiting Paulhus and Williams (2002)”, In: Philip J. Corr (Ed.) 2018. Personality and Individual Differences. Revisiting the classical studies. Singapore, Washington DC, Melbourne: Sage, pp. 245-262.

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Eigenschaften Dennett I 68ff
Eigenschaften/Wettbewerb/Evolution/Dennett: Bsp Wettbewerb im Münzwurf bringt irgend einen Sieger hervor. Dieser Sieger ist aber nicht Träger irgendwelcher historischer Eigenschaften, die ihn zum Sieger prädestiniert hätten, wie etwa bei einem Tennisturnier. Bei einer Wiederholung würde kaum derselbe gewinnen.
Zufall/Dennett: der Zufall hat kein Gedächtnis. (Bsp Wettbewerb im Münzwurf begünstigt keinerlei Eigenschaften des Gewinners).
I 131ff
Eigenschaften/"Eva"/Entstehung des Menschen/Dennett: außer der Tatsache, dass sie zwei Töchter hatte, ist an der Eva nichts besonderes! Sie war mit Sicherheit nicht die erste menschliche Frau und auch nicht tüchtiger als ihre Zeitgenossinnen. (> Wettbewerb im Münzwurf). Sie kann nur nachträglich identifiziert werden.
I 295
Eigenschaften/Evolution"Warum"-Fragen/Dennett: Bsp 99 Prozent aller Lebewesen, die jemals gelebt haben, sind ohne Nachkommen gestorben, aber zu unseren Vorfahren gehörte keines von ihnen! In unserem Stammbaum finden wir Vorfahren mit Stärken und Schwächen, aber keine dieser Schwächen führte zum Aussterben. Also könnte es scheinen, als könne die Evolution keine einzige Eigenschaft erklären, die wir von unseren Vorfahren geerbt haben. > Erklärung.
I 382
Eigenschaften/Dennett: hat die Welt des Lebendigen viele Eigenschaften, die ohne Grund vorhanden sind? Das hängt davon ab, was man als Eigenschaft bezeichnet. Bsp daß ein Elephant mehr Beine als Augen hat, ist keine Anpassung und kein Adaptionist würde das behaupten.
I 601f
Eigenschaften/Dennett: Bsp Das Schwert im Stein, das nur Artus herausziehen kann: unsichtbare Eigenschaft, die sich erst in der Situation zeigt. ((s) Gibt es hier also etwas, das über das reine Verhalten hinausgeht? Disposition?)

Dennett I
D. Dennett
Darwins gefährliches Erbe Hamburg 1997

Dennett II
D. Dennett
Spielarten des Geistes Gütersloh 1999

Dennett III
Daniel Dennett
"COG: Steps towards consciousness in robots"
In
Bewusstein, Thomas Metzinger Paderborn/München/Wien/Zürich 1996

Dennett IV
Daniel Dennett
"Animal Consciousness. What Matters and Why?", in: D. C. Dennett, Brainchildren. Essays on Designing Minds, Cambridge/MA 1998, pp. 337-350
In
Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005
Eltern-Kind-Beziehung Psychologische Theorien Slater I 18
Eltern-Kind-Beziehung/Psychologische Theorien: Ein großer Fortschritt sowohl in menschlichen als auch in tierischen Modellen der frühen sozialen Erfahrung war die Erkenntnis, dass es natürlich auftretende Variabilität im Betreuungsverhalten der Mütter gab. In ihren Beobachtungen von Müttern und ihren Säuglingen im häuslichen Umfeld entwickelte Mary Ainsworth Codes zur Unterscheidung zwischen sensiblem und unsensiblem Pflegeverhalten (Ainsworth et al., 1978)(1). Säuglinge, die eine sensible Betreuung erfuhren, wurden anschließend in Labortests nach dem Paradigma der fremden Situation (>Situation/Ainsworth) nach 12 und 18 Monaten als sicher eingestuft.
Die Sicherheit von Säuglingen in der seltsamen Situation wiederum hat Aspekte der späteren Anpassung von Kindern in Vorschule, Kindheit und Jugend vorhergesagt (Sroufe et al., 2005)(2). Die Vorstellung, dass individuelle Unterschiede in der Qualität der von der Mutter erhaltenen Pflege langfristige Auswirkungen auf psychosoziale Ergebnisse haben können, wurde in der Regel in mehreren großen Längsschnittstudien bestätigt (Belsky & Fearon, 2002)(3).
Ein Nagetier-Modell zur Untersuchung der frühen mütterlichen Betreuung verwendet natürlich auftretende Variationen im mütterlichen Verhalten in den ersten acht Tagen nach der Geburt (Champagne & Meaney, 2007)(4).
Die direkte Beobachtung der Mutter-Welpen-Interaktionen bei normal aufgezogenen Tieren identifizierte zwei Formen des mütterlichen Verhaltens - diejenigen, die das Lecken/Pflegen von Welpen (LG) beinhalten, und eine weitere, die durch die Pflege mit gebogenem Rücken (ABN) gekennzeichnet ist, bei der eine Mutter ihre Welpen mit auffällig gewölbtem Rücken pflegt. Da die beiden Arten des mütterlichen Verhaltens tendenziell zusammen auftreten, könnten Mütter entweder als hoch oder niedrig LG-ABN klassifiziert werden.
Die Folgen für die Nachkommen des verschiedenen mütterlichen Verhaltens wurden durch die intergenerationelle Stabilität des mütterlichen Verhaltens festgestellt, wobei Mütter, die viel LB-ABN aufwiesen, ein ähnliches mütterliches Verhalten wie ihre Nachkommen zeigten, als sie später Mütter wurden. Außerdem zeigten sie eine erhöhte explorative Aktivität der Nachkommen und verringerte Schreckreaktionen als Erwachsene (Cameron, Champagne, & Parent, 2005)(5).
Die gekreuzte Aufzucht von hochrangigen LG-Müttern mit Rattenwelpen diente dazu, die genetische Übertragung von intergenerationellen Effekten auszuschließen. Nachkommen von Müttern mit niedrigem LG-Gehalt, die mit hohen LG-Pflegemüttern abgestimmt waren, zeigten ein hohes mütterliches Verhalten durch LG. Die frühe Exposition gegenüber Müttern mit hohem LG hat auch Auswirkungen auf das spätere sexuelle und reproduktive Verhalten weiblicher Nachkommen (Cameron et al., 2005(5); Curley, Champagne, & Bateson, 2008)(6). >Umwelt/Entwicklungspsychologie.


1. Ainsworth, M. D. S., Blehar, M. C., Waters, E., & Wall, S. (1978). Patterns of attachment: A psychological study of the strange situation. Hillsdale, NJ: Erlbaum
2. Sroufe, L. A., Carlson, E., Egeland, B., & Collins, A. (2005). The development of the person: The Minnesota study of risk and adaptation from birth to adulthood. New York, NY: Guilford Press
3. Belsky, J., & Fearon, R. M. P. (2002). Early attachment security, subsequent maternal sensitivity, and later child development: Does continuity in development depend upon continuity of caregiving? Attachment & Human Development, 4, 361–387.
4. Champagne, F., & Meaney, M. (2007). Transgenerational effects of social environment on variations in maternal care and behavioral response to novelty. Behavioral Neuroscience, 121, 1353–1363.
5. Cameron, N., Champagne, F., & Parent, C. (2005). The programming of individual differences in defensive responses and reproductive strategies in the rat through variations in maternal care. Neuroscience & Biobehavioral Reviews, 29, 843–865
6. Curley, J., Champagne, F., & Bateson, P. (2008). Transgenerational effects of impaired maternal care on behaviour of offspring and grand offspring. Animal Behaviour, 75, 1551–1561


Roger Kobak, “Attachment and Early Social deprivation. Revisiting Harlow’s Monkey Studies”, in: Alan M. Slater and Paul C. Quinn (eds.) 2012. Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications

Slater I
Alan M. Slater
Paul C. Quinn
Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2012
Emotionale Bindung Ainsworth Slater I 15
Emotionale Bindung/Ainsworth: Ainsworth (1989)(1) betonte, dass sich emotionale Bindungen auf der Grundlage des Verhaltenssystems, das die Bindungsbildung motivierte, unterschieden. Während die Bindung der Kinder an die Betreuer durch das Bindungssystem motiviert wurde, wurde die Bindung der Erwachsenen an das Kind durch das Pflegesystem motiviert. Die Bindung an einen Altersgenossen kann entweder durch die Zugehörigkeit im Falle von Freunden oder durch sexuelle und reproduktive Systeme im Falle von Erwachsenenpaarbindungen motiviert sein.
Slater I 18
Ein großer Fortschritt sowohl in menschlichen als auch in tierischen Modellen der frühen sozialen Erfahrung war die Erkenntnis, dass es natürlich auftretende Variabilität im Betreuungsverhalten der Mütter gab. In ihren Beobachtungen von Müttern und ihren Säuglingen im häuslichen Umfeld entwickelte Mary Ainsworth Codes zur Unterscheidung zwischen sensiblem und unsensiblem Pflegeverhalten (Ainsworth et al., 1978)(2). Säuglinge, die eine sensible Betreuung erfuhren, wurden anschließend in Labortests nach dem Paradigma der fremden Situation (>Situation/Ainsworth) nach 12 und 18 Monaten als sicher eingestuft.
Die Sicherheit von Säuglingen in der seltsamen Situation wiederum hat Aspekte der späteren Anpassung von Kindern in Vorschule, Kindheit und Jugend vorhergesagt (Sroufe et al., 2005)(3). Die Vorstellung, dass individuelle Unterschiede in der Qualität der von der Mutter erhaltenen Pflege langfristige Auswirkungen auf die psychosozialen Ergebnisse haben können, wurde im Allgemeinen in mehreren großen Längsschnittstudien bestätigt (Belsky & Fearon, 2002)(4).


1. Ainsworth, M. S. (1989). Attachments beyond infancy. American Psychologist, 44, 709–716.
2. Ainsworth, M. D. S., Blehar, M. C., Waters, E., & Wall, S. (1978). Patterns of attachment: A psychological study of the strange situation. Hillsdale, NJ: Erlbaum
3. Sroufe, L. A., Carlson, E., Egeland, B., & Collins, A. (2005). The development of the person: The Minnesota study of risk and adaptation from birth to adulthood. New York, NY: Guilford Press
4. Belsky, J., & Fearon, R. M. P. (2002). Early attachment security, subsequent maternal sensitivity, and later child development: Does continuity in development depend upon continuity of caregiving? Attachment & Human Development, 4, 361–387.


Roger Kobak, “Attachment and Early Social deprivation. Revisiting Harlow’s Monkey Studies”, in: Alan M. Slater and Paul C. Quinn (eds.) 2012. Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications

Slater I
Alan M. Slater
Paul C. Quinn
Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2012
Emotionssystem Tooby Corr I 61
Emotionssystem/Evolution/Tooby/Cosmides: Auf emotionale Dispositionen bezogen, argumentieren Tooby und Cosmides (Tooby und Cosmides 1990)(1), dass, wenn Unterschiede in der Emotionalität (z.B. geringe versus hohe Ängstlichkeit) einem Selektionsdruck ausgesetzt gewesen wären, sie sich nicht über evolutionäre Zeiten durchgesetzt hätten. Stattdessen wären sie zu einem optimalen Grad an Emotionalität (z.B. mittlere Ängstlichkeit) konvergiert. VsTooby/VsCosmides: Wie Penke, Denissen und Miller (2007)(2) feststellten, hätten sich jedoch interindividuelle Unterschiede in der Emotionalität entwickeln können. Dies hätte passieren können, wenn, wie es plausibel erscheint, in unserer evolutionären Vergangenheit kein allgemein optimales Maß an Angst, Irritation usw. existierte, aber verschiedene Ebenen der Emotionalität in verschiedenen Umgebungen oder sozialen Nischen am anpassungsfähigsten waren. >Emotionssystem/Psychologische Theorien.


1. Tooby, J. and Cosmides, L. 1990. On the universality of human nature and the uniqueness of the individual: the role of genetics and adaptation, Journal of Personality 58: 17–67
2. Penke, L., Denissen, J. J. A. and Miller, G. F. 2007. The evolutionary genetics of personality, European Journal of Personality 21: 549–87


Rainer Reisenzein & Hannelore Weber, “Personality and emotion”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press.

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

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Philip J. Corr (Ed.)
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Entscheidungsbaum Norvig Norvig I 698
Def Entscheidungsbaum/Norvig/Russell: Ein Entscheidungsbaum repräsentiert eine Funktion DECISION TREE, die als Input einen Vektor von Attributwerten verwendet und eine "Entscheidung" - einen einzelnen Output-Wert - ausgibt. Die Ein- und Ausgabewerte können diskret oder kontinuierlich sein. Ein Entscheidungsbaum fällt seine Entscheidung mittels einer Reihe von Tests. Jeder interne Knoten im Baum entspricht einem Test des Wertes eines der Input-Attribute Ai, und die Zweige des Knotens werden mit den möglichen Werten des Attributs Ai =vik gekennzeichnet. Jeder Blattknoten im Baum gibt einen Wert an, welcher von der Funktion zurückgegeben werden muss. Ein Boolescher Entscheidungsbaum ist logisch äquivalent zu der Behauptung, dass das Zielattribut wahr ist, und zwar nur dann, wenn die Eingabeattribute einen der Pfade erfüllen, die zu einem Blatt mit dem Wert wahr führen.
Wenn wir dies in der Aussagenlogik ausschreiben, haben wir
Ziel ⇔ (Pfad1 V Pfad2 ∨ · · ·) ,
wobei jeder Pfad eine Kombination von Tests des Attributwerts ist, die erforderlich sind, um diesem Pfad zu folgen. Der gesamte Ausdruck entspricht also der disjunkten Normalform. >Normalform/Logik.
Leider ist es, egal wie wir die Größe messen, ein unlösbares Problem, den kleinsten konsistenten Baum zu finden; es gibt keine Möglichkeit, die 22n Bäume effizient zu durchsuchen. Mit einigen einfachen Heuristiken können wir jedoch eine gute ungefähre Lösung finden: einen kleinen (aber nicht kleinsten) konsistenten Baum. Der Lernalgorithmus für Entscheidungsbäume verfolgt eine gierige Strategie des Teilen und Herrschens: immer das wichtigste Attribut zuerst testen. Dieser Test teilt das Problem in kleinere Teilprobleme auf, die dann rekursiv gelöst werden können.
"Wichtigstes Attribut": dasjenige, das für die Klassifizierung eines Beispiels den größten Unterschied macht.
Lernalgorithmus für Entscheidungsbäume: siehe Norvig I 702.
Norvig I 705
Probleme: Der Lernalgorithmus für Entscheidungsbäume erzeugt einen großen Baum, wenn eigentlich kein Muster zu finden ist. Überanpassung (overfitting): Der Algorithmus greift jedes Muster auf, das er in der Eingabe finden kann. Wenn sich herausstellt, dass ein blauer, 7 Gramm schwerer Würfels zweimal mit gekreuzten Fingern gewürfelt wird und beide Würfe 6 ergeben, dann kann der Algorithmus einen Pfad konstruieren, der in diesem Fall 6 vorhersagt.
Lösung: Das Pruning des Entscheidungsbaums verhindert Überanpassung. Das Pruning funktioniert durch Eliminierung von Knoten, die nicht eindeutig relevant sind.
Norvig I 706
Fehlende Daten: In vielen Bereichen sind nicht alle Attributwerte für jedes Beispiel bekannt.
Norvig I 707
Multivariate Attribute: Wenn ein Attribut viele mögliche Werte hat, gibt das Maß für den Informationszuwachs einen unangemessenen Hinweis auf die Nützlichkeit des Attributs. Im Extremfall hat ein Attribut (z.B. die genaue Zeit) für jedes Beispiel einen anderen Wert, was bedeutet, dass jede Untermenge von Beispielen einzigartig ist und eine eindeutigen Klassifikation hat und das Maß für den Informationszuwachs für dieses Attribut seinen höchsten Wert hätte. Kontinuierlich und ganzzahlig bewertete Input-Attribute: Kontinuierlich oder ganzzahlig bewertete Attribute wie Größe und Gewicht haben eine unendliche Menge möglicher Werte. Anstatt unendlich viele Äste zu erzeugen, finden Lernalgorithmen für Entscheidungsbäume normalerweise den Teilungspunkt, der den höchsten Informationszuwachs ergibt.
Kontinuierlich bewertete Output-Attribute: Wenn wir versuchen, einen numerischen Output-Wert vorherzusagen, wie z.B. den Preis einer Wohnung, dann brauchen wir einen Regressionsbaum statt eines Klassifikationsbaums. Ein Regressionsbaum hat an jedem Blatt eine lineare Funktion einer Teilmenge numerischer Attribute und nicht nur einen einzelnen Wert.
>Lernen/Norvig.
Norvig I 758
Geschichte: Die erste nennenswerte Verwendung von Entscheidungsbäumen war in EPAM, dem "Elementary Perceiver And Memorizer" (Feigenbaum, 1961)(1), der eine Simulation des menschlichen Konzeptlernens war. ID3 (Quinlan, 1979)(2) fügte die entscheidende Idee hinzu, das Attribut mit maximaler Entropie zu wählen; sie ist die Grundlage für den Algorithmus für Entscheidungsbäume in diesem Kapitel. Die Informationstheorie wurde von Claude Shannon entwickelt, um daie Erforschung der Kommunikation zu unterstützen (Shannon und Weaver, 1949)(3). (Shannon hat außerdem eines der frühesten Beispiele für maschinelles Lernen beigesteuert, eine mechanische Maus namens Theseus, die durch Versuch und Irrtum lernte, durch ein Labyrinth zu navigieren). Die χ2 Methode des Tree Pruning wurde von Quinlan (1986)(4) beschrieben. C4.5, ein industrielles Entscheidungsbaum-Paket, ist in Quinlan (1993)(5) zu finden. In der statistischen Literatur gibt es eine unabhängige Tradition des Lernens mit Entscheidungsbäumen. Classification and Regression Trees (Breiman et al., 1984)(6), bekannt als das "CART-Buch", ist die wichtigste Referenz.

1. Feigenbaum, E. A. (1961). The simulation of verbal learning behavior. Proc. Western Joint Computer
Conference, 19, 121-131.
2. Quinlan, J. R. (1979). Discovering rules from large collections of examples: A case study. In Michie,
D. (Ed.), Expert Systems in the Microelectronic Age. Edinburgh University Press.
3. Shannon, C. E. and Weaver, W. (1949). The Mathematical Theory of Communication. University of
Illinois Press.
4. Quinlan, J. R. (1986). Induction of decision trees. Machine Learning, 1, 81-106. 5. Quinlan, J. R. (1993). C4.5: Programs for machine learning. Morgan Kaufmann.
6. Breiman, L., Friedman, J., Olshen, R. A., and Stone, C. J. (1984). Classification and Regression Trees. Wadsworth International Group.

Norvig I
Peter Norvig
Stuart J. Russell
Artificial Intelligence: A Modern Approach Upper Saddle River, NJ 2010
Erblichkeit Cosmides Corr I 266
Erblichkeit/Charakterzüge/Psychologie/Tooby/Cosmides: Tooby and Cosmides (1990)(1) haben behauptet, dass erbliche und variable Charakterzüge, wie die >Big Five, die mit einem Spielraum von .3 bis .5 vererbbar sind (MacDonald 1995)(2), nicht das Ergebnis einer Anpassung sein können. Dennoch haben die meisten evolutionären Persönlichkeitspsychologen im Allgemeinen den Schluss gezogen, dass individuelle Unterschiede in den Charakterzügen adaptiv sind (siehe Figueredo, Sefcek, Vasquez et al. 2005(3) für eine Rezension).
1. Tooby, J. and Cosmides, L. 1990. On the universality of human nature and the uniqueness of the individual: the role of genetics and adaptation, Journal of Personality 58: 17–67
2. MacDonald, K. B. 1995. Evolution, the five-factor model, and levels of personality, Journal of Personality 63: 525–67
3. Figueredo, A. J., Sefcek, J. A., Vasquez, G., Brumbach, B. H., King, J. E. and Jacobs, W. J. 2005. Evolutionary personality psychology, in D. M. Buss (ed.), Handbook of evolutionary psychology, pp. 851–77. Hoboken, NJ: Wiley


Aurelio José Figueredo, Paul Gladden, Geneva Vásquez, Pedro Sofio, Abril Wolf and Daniel Nelson Jones, “Evolutionary theories of personality”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

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Erblichkeit MacDonald Corr I 266
Erblichkeit/Charakterzüge/Psychologie/MacDonald: Erbliche und variable Merkmale, wie die >Big Five-Charakterzüge, die mit einem Spielraum von .3 bis .5 vererbbar sind (MacDonald 1995)(1), können nicht das Ergebnis einer Anpassung sein. Siehe >Persönlichkeit/MacDonald, >Erblichkeit/Toobie/Cosmides.

1. MacDonald, K. B. 1995. Evolution, the five-factor model, and levels of personality, Journal of Personality 63: 525–67

Aurelio José Figueredo, Paul Gladden, Geneva Vásquez, Pedro Sofio, Abril Wolf and Daniel Nelson Jones, “Evolutionary theories of personality”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

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Erblichkeit Tooby Corr I 266
Erblichkeit/Charakterzüge/Psychologie/Tooby/Cosmides: Tooby and Cosmides (1990)(1) haben behauptet, dass erbliche und variable Charakterzüge, wie die >Big Five, die mit einem Spielraum von .3 bis .5 vererbbar sind (MacDonald 1995)(2), nicht das Ergebnis einer Anpassung sein können. Dennoch haben die meisten evolutionären Persönlichkeitspsychologen im Allgemeinen den Schluss gezogen, dass individuelle Unterschiede in den Charakterzügen adaptiv sind (siehe Figueredo, Sefcek, Vasquez et al. 2005(3) für einen Review).

1. Tooby, J. and Cosmides, L. 1990. On the universality of human nature and the uniqueness of the individual: the role of genetics and adaptation, Journal of Personality 58: 17–67
2. MacDonald, K. B. 1995. Evolution, the five-factor model, and levels of personality, Journal of Personality 63: 525–67
3. Figueredo, A. J., Sefcek, J. A., Vasquez, G., Brumbach, B. H., King, J. E. and Jacobs, W. J. 2005. Evolutionary personality psychology, in D. M. Buss (ed.), Handbook of evolutionary psychology, pp. 851–77. Hoboken, NJ: Wiley


Aurelio José Figueredo, Paul Gladden, Geneva Vásquez, Pedro Sofio, Abril Wolf and Daniel Nelson Jones, “Evolutionary theories of personality”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

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Evolution Darwin Gould II 329
Darwin: 2 Stufen der Evolution 1. zufällige Variationsbreite (Erzeugung von Rohmaterial)
2. Auslese (Selektion) als konventionelle Kraft.
Gould II 331
Die offizielle Definition der Evolution/Gould: Def Evolution: "Veränderung der Genfrequenzen in Populationen". (Der Prozess der zufälligen Zu oder Abnahme der Genfrequenz wird
Def "Gendrift" genannt.)
Die neue Theorie des Neutralismus deutet an, dass viele wenn nicht gar die meisten Gene in individuellen Populationen ihre Häufigkeit primär dem Zufall verdanken.

Mayr I 235
Darwin (früh): Anpassungsveränderung. Vs: kann niemals die enorme Vielfalt organischen Lebens erklären, denn es lässt keine Zunahme der Artenzahl zu.
Mayr I 236
Darwin/Mayr: Die Entstehung der Arten: 5 Haupttheorien 1. Organismen entwickeln sich im Lauf der Zeit ständig weiter (Evolution als solche).
2. Verschiedene Organismenarten stammen von einem gemeinsamen Vorfahren ab.
3. Arten vervielfachen sich im Lauf der Zeit (Speziation)
4. Evolution erfolgt in Form allmählichen Wandels.(GradualismusVsSaltationismus).
5. Der Evolutionsmechanismus besteht in der Konkurrenz unterzahlreichen einzigartigen Individuen um begrenzte Ressourcen, die zu Unterschieden in Überleben und Fortpflanzung führt (natürliche Selektion).

Gould IV 357
Evolution/Darwin: These keine innere Dynamik treibt das Leben voran! Wenn die Umwelt sich tatsächlich nicht veränderte, wäre es nicht ausgeschlossen, dass die Evolution knirschend zum Stehen käme! Eigentlich führen die Arten ihr Leben unabhängig voneinander! Ihre wichtigsten Kämpfe führen sie gegen Klimate, geologische und geographische Verhältnisse. (>Arten).

Gould I
Stephen Jay Gould
Der Daumen des Panda Frankfurt 2009

Gould II
Stephen Jay Gould
Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991

Gould III
Stephen Jay Gould
Illusion Fortschritt Frankfurt 2004

Gould IV
Stephen Jay Gould
Das Lächeln des Flamingos Basel 1989

Mayr I
Ernst Mayr
Das ist Biologie Heidelberg 1998
Evolution Deacon I 29
Evolution/Selektion/Deacon: es scheint selbstverständlich, dass schlauere Spezies über primitivere obsiegen. Ist das wirklich immer so? Ist es richtig, Geist und mentale Defizite auf einer linearen Skala zu ordnen? Dabei werden Ausdehnung von Bewusstsein, sozialer Fortschritt und Evolution als wechselseitig austauschbare Begriffe angesehen. Das rührt daher, dass wir die Welt in Begriffen von Design betrachten und den Begriff der Evolution aus der Geschichte der Technischen Entwicklung entlehnt haben. Biologische Evolution/Deacon: diese ist im Gegensatz zur technischen Evolution nicht additiv. Das menschliche Genrepertoire entspricht ungefähr dem des Frosches oder der Maus. Auch der Körperbau und sogar das Gehirn ist bei den meisten Primaten fast identisch aufgebaut.
Evolution: verstärkt Diversifikation und Verteilung. Damit werden aber nur weitere Nischen besetzt.
I 317
Evolution/Adaption/Anpassung/Deacon: es gibt eine „evolutionäre Überdetermination“: die scheinbare Unabhängigkeit vieler adaptierter Vorteile tragen zum selben strukturellen Wechsel bei. Da die Evolution durch Muster von Tendenzen angetrieben ist, tendieren unabhängige Entwicklungen auf die Dauer dazu, sich gegenseitig zu verstärken. So kann es dazu kommen, dass sich gewisse Funktionen auf eine Gehirnhälfte konzentrieren.
I 322
Evolution/Baldwins Evolution/Deacon/Baldwinsche Evolution/J. M. Baldwin/Deacon: James Mark Baldwin schlug eine Modifikation der Darwinschen Evolution vor(1). Baldwin These: Lernen und verhaltensmäßige Flexibilität können natürliche Selektion durch die Ausbildung bestimmter Fähigkeiten beeinflussen, die Individuen ermöglicht, neue Nischen zu besiedeln. In der Folge sind nachfolgende Generationen einer anderen Art von Selektionsdruck ausgesetzt. Damit wird nicht behauptet, dass die Evolution innerhalb eines Lebens wirksam wird, sondern dass Nachkommen eventuell bessere Voraussetzungen für weitere Anpassungen erhalten, z.B. für die Besiedlung kälterer Regionen. Damit widerspricht Baldwin in keiner Weise der Lehre des Darwinismus.
I 323
Während also kein genetischer Wechsel augenblicklich in Gang gesetzt wird, wird der Wechsel in den Bedingungen eine Veränderung bewirken in Bezug darauf, welche der schon existierenden genetischen Prädispositionen in der Zukunft bevorzugt werden. Als Beispiel dafür wird oft Lactose-Intoleranz angeführt.

(1) J. M. Baldwin, (1902): Consciousness and Evolution, Science 2, 212-223, J. M. Baldwin Development and Evolution, NY.

Dea I
T. W. Deacon
The Symbolic Species: The Co-evolution of language and the Brain New York 1998

Dea II
Terrence W. Deacon
Incomplete Nature: How Mind Emerged from Matter New York 2013
Evolution Gould Dennett I 412
Evolution/Gould These: der entscheidende Unterschied in der Evolution ist nicht die schlichte Anpassung sondern die Artbildung. (DennettVs) - Gould: These: Arten sind zerbrechliche, aber unveränderliche Gebilde. nicht Verbesserungen sondern geschlossenes Verwerfen - Richtige Ebene: nicht Gene sondern ganze Arten oder Klades - Arten/Gould/(s): werden nicht verbessert, sondern verworfen - Ebene/Erklärung/Dennett: wie bei Software/Hardware: einiges wird besser auf der einen, anderen auf der anderen Ebene erklärt.
Gould I 88ff
Evolution/Darwinismus/Individuum/Gould: Individuen entwickeln sich nicht evolutionär, sie können nur wachsen, sich fortpflanzen und sterben. Evolutionäre Veränderungen treten auf bei Gruppen von miteinander interagierenden Organismen. Arten sind die Einheiten der Evolution. Orthodoxer Darwinismus/Gould: These: Gene mutieren, Individuen unterliegen der Selektion, Arten entwickeln sich evolutionär.
I 131
Evolution/Gould: These: ich stelle mir die Evolution nicht als Leiter sondern eher in Form eines Strauchs mit vielen Verzweigungen vor. Daher: je mehr Arten desto besser.
I 133
Die Wichtigkeit dieses Punkts kann man an Entwicklung der Moleküle sehen. Die Zahl der Unterschiede zwischen den Aminosäuren korreliert deutlich mit der Zeit seit der Abzweigung von Entwicklungslinien. Je länger die Trennung, desto größer die Unterschiede. So hat man eine molekulare Uhr entwickelt. Die Darwinisten waren generell überrascht von der Regelmäßigkeit dieser Uhr. Denn die Selektion sollte eigentlich mit erkennbar unterschiedlicher Geschwindigkeit bei der verschiedenen Entwicklungslinien zu versch. Zeiten vorgehen.
I 134
VsDarwinismus: Die Darwinisten sind tatsächlich gezwungen, zu erwägen, dass die regelmäßige molekulare Uhr eine Evolution wiedergibt, die nicht der Selektion unterliegt, sondern der zufälligen Fixierung neutraler Mutationen. Wir haben uns nie von der Auffassung der Evolution des Menschen trennen können, die das Gehirn in den Mittelpunkt stellt. Der Australopithecus afarensis widerlegte das, wie es übrigens von scharfsinnigen Evolutionstheoretikern wie Ernst Haeckel und Friedrich Engels vorausgesagt worden war.
Tradition: Allgemeine Auffassung: dass der aufrechte Gang eine leicht erreichbare allmähliche Entwicklung, und der Zuwachs des Gehirnvolumens einen überraschend schnellen Sprung darstellte.
I 136
GouldVs: ich möchte die gegenteilige Auffassung vertreten: Nach meiner Auffassung ist der Aufrechtgang eine Überraschung, ein schwer zu erreichendes Ereignis, eine rasche und fundamentale Umgestaltung unserer Anatomie. Die darauf folgende Vergrößerung unseres Gehirns ist in anatomischen Begriffen ein sekundäres Epiphänomen, ein einfacher Übergang, eingebettet in das allgemeine Muster der menschlichen Evolution. Zweifüßigkeit ist keine einfache Errungenschaft, sie setzt eine fundamentale Umgestaltung unserer Anatomie, insbesondere der Füße und des Beckens.
I 191
Evolution/Gould: geht im Wesentlichen auf zweierlei Weise vor sich: a)
Def phyletische Transformation: Eine Gesamtpopulation verändert sich von einem Zustand zu einem anderen hin. Würden sich alle evolutionären Veränderungen auf diese Weise ereignen, könnte sich das Leben nicht lange halten.
Denn bei einer phyletischen Transformation kommt es nicht zu einer Zunahme an Mannigfaltigkeit und Vielgestaltigkeit, nur zur Transformation von einem Zustand zu einem anderen. Da nun Aussterben (durch Ausrottung) so verbreitet ist, würde bald alles vernichtet, das nicht die Fähigkeit zur Anpassung hat.
b)
Def Speziation: neue Arten zweigen sich von bisherigen ab. Alle Theorien der Speziation gehen davon aus, dass Aufspaltungen bei sehr kleinen Populationen rasch eintreten.
Bei der "sympatrischen" Speziation treten neue Formen innerhalb des Verbreitungsgebiets der bisherigen Form auf.
Große stabile Zentralpopulationen üben einen starken homogenisierenden Einfluss aus. Neue Mutationen werden durch die starken bisherigen Formen beeinträchtigt: Sie mögen langsam an Häufigkeit zunehmen, aber eine veränderte Umwelt setzt gewöhnlich ihrer selektiven Wert herab, lange bevor sie sich durchsetzen können. Mithin sollte eine phyletische Transformation die großen Populationen sehr selten sein, wie dies auch die Fossilfunde beweisen.
Anders sieht es an der Peripherie aus: hier isolierte kleine Populationen sind sehr viel stärker dem Selektionsdruck ausgesetzt, weil die Peripherie die Grenze der ökologischen Toleranz der bisherigen Lebewesen markiert.
I 266
Evolution/Biologie/Gould: Die Evolution geht durch Ersetzung der Nukleotide vor sich.
II 243
Evolution/Gould: These: Die Evolution hat keine Tendenz.
II 331
Evolution/Gould: Die offizielle Definition der Evolution/Gould: Def Evolution: "Veränderung der Genfrequenzen in Populationen". (Der Prozess der zufälligen Zu oder Abnahme der Genfrequenz wird
Def "Gendrift" genannt.)
Die neue Theorie des Neutralismus deutet an, dass viele wenn nicht gar die meisten Gene in individuellen Populationen ihre Häufigkeit primär dem Zufall verdanken.
IV 199
Evolution/Artenreichtum: Der Wandel von wenigen Arten und vielen Gruppen zu wenigen Gruppen und vielen Arten würde selbst bei rein zufälligem Aussterben auftreten, wenn jeder Speziationsvorgang zu Beginn der Geschichte des Lebens von durchschnittlich größeren Veränderungen begleitet gewesen wäre.
IV 221
Evolution/Gould. Vorevolutionäre Theorie: Kette des Seins: die alte Idee, dass jeder Organismus ein Bindeglied darstellt. Sie verwechselt Evolution mit Höherentwicklung. Ist als primitive Form der Evolution missinterpretiert worden, hat aber damit nichts zu tun! Die These ist nachdrücklich antievolutionär.
Problem: es gibt keine Bindeglieder zwischen Wirbeltieren und Wirbellosen
IV 223
Zwischenform: Die Theorie nahm Asbest als Zwischenform zwischen Mineralien und Pflanzen an, wegen der Faserartigen Struktur. Hydra und Korallen wurden als Zwischenform zwischen Pflanzen und Tieren angesehen. (Heute: beides sind natürlich Tiere). Absurd: Ähnlichkeit zwischen Pflanzen und Pavianen, weil Pflanzen ihre Blätter verlieren und Paviansäuglinge ihre Haare.
IV 346
Evolution/Gould: entwickelt sich keineswegs in Richtung auf Komplexität, warum auch?

Gould I
Stephen Jay Gould
Der Daumen des Panda Frankfurt 2009

Gould II
Stephen Jay Gould
Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991

Gould III
Stephen Jay Gould
Illusion Fortschritt Frankfurt 2004

Gould IV
Stephen Jay Gould
Das Lächeln des Flamingos Basel 1989

Dennett I
D. Dennett
Darwins gefährliches Erbe Hamburg 1997

Dennett II
D. Dennett
Spielarten des Geistes Gütersloh 1999

Dennett III
Daniel Dennett
"COG: Steps towards consciousness in robots"
In
Bewusstein, Thomas Metzinger Paderborn/München/Wien/Zürich 1996

Dennett IV
Daniel Dennett
"Animal Consciousness. What Matters and Why?", in: D. C. Dennett, Brainchildren. Essays on Designing Minds, Cambridge/MA 1998, pp. 337-350
In
Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005
Evolution Mayr I 43
Evolution/Mayr: Einheit der Evolution ist die Population (oder Art) und nicht das Gen oder das Individuum. (MayrVsDawkins). Integron/Mayr: durch Integration untergeordneter Einheiten auf höherer Stufe entstehendes System. Integrons entwickeln sich durch natürliche Selektion. Sie sind auf jeder Stufe angepasste Systeme, weil sie zur Fitness (Eignung) eines Individuums beitragen.
I 183
Evolution/Mayr: Art ist die entscheidende Entität der Evolution.
I 230
Evolution/Fortschritt/Mayr: Kohäsion: Ausdruck dafür, dass das System der Entwicklung sehr eng geworden ist.
Evolution: geht in großen, mitgliederreichen Arten sehr langsam voran, in kleinen peripher isolierten Gruppen schnell. (>Speziation, > Unterbrochenes Gleichgewicht/Gould, >Punktuelles Gleichgewicht/Gould/Eldridge).
Eine Gründerpopulation mit wenigen Individuen und daher nur wenig verborgener genetischer Variation kann leichter einen anderen Genotyp annehmen.
Makroevolution: wird am stärksten durch den geographischen Faktor (Isolation) bestimmt.
I 234
Evolution/Mayr: der Konzepte: 1.Sprunghafte Evolution: (Transmutationismus): Typensprung. Selbst nach Darwin konnten einige Forscher (u.a. sein Freund Huxley) das Konzept der natürlichen Selektion nicht akzeptieren und entwickelten saltationistische Theorien.
2.Transformationelle Evolution (Transformationismus) allmähliche Veränderung des Eis zum Organismus. Von Darwin verdrängt.
I 235
3. Variationsevolution (Darwin)
I 235
Darwin (früh): Anpassungsveränderung. Vs: kann niemals die enorme Vielfalt organischen Lebens erklären, denn es lässt keine Zunahme der Artenzahl zu.
I 236
Darwin/Mayr: Die Entstehung der Arten: 5 Haupttheorien 1. Organismen entwickeln sich im Lauf der Zeit ständig weiter (Evolution als solche).
2. Verschiedene Organismenarten stammen von einem gemeinsamen Vorfahren ab.
3. Arten vervielfachen sich im Lauf der Zeit (Speziation)
4. Evolution erfolgt in Form allmählichen Wandels.(GradualismusVsSaltationismus).
5. Der Evolutionsmechanismus besteht in der Konkurrenz unterzahlreichen einzigartigen Individuen um begrenzte Ressourcen, die zu Unterschieden in Überleben und Fortpflanzung führt (natürliche Selektion).
I 377
Entstehung des Lebens: chemischer Vorgang, an dem auch Autokatalyse und ein richtungsgebender Faktor beteiligt sind. Präbiotische Selektion.
I 237
Pasteur: wies Unmöglichkeit der Entstehung von Leben in sauerstoffreicher Atmosphäre nach! 1953 ließ Stanley Miller mit elektrischen Entladungen in einem Glaskolben mit einem Gemisch aus Methan, Ammonium, Wasserstoff und Wasserdampf Aminosäuren, Harnstoff und andere organische Moleküle entstehen.
I 238
Proteine, Nukleinsäuren: diese größeren Moleküle müssen die Organismen selbst bilden. Aminosäuren, Pyrimidine, Puridine, müssen nicht von den Organsimen selbst gebildet werden.
I 239
Molekularbiologie: entdeckte, dass selbst bei Bakterien, die ja keine Zellkern besitzen, der genetische Code derselbe ist, wie bei Protisten, Pilzen , Tieren und Pflanzen.
I 240
Missing link: Archaeopteryx: halb Vogel halb Reptil. Nicht unbedingt direkter Vorfahr. Speziation: a) dichopatrisch: ein vorher zusammenhängendes Gebiet wird durch eine neue Barriere: Gebirgszug, Meeresarm, Unterbrechung der Vegetation geteilt.
b) peripatrisch: neue Gründungspopulaiton entsteht jenseits des ursprünglichen Verbreitungsgebiets.
c) sympatrische Speziation: neue Art aufgrund ökologischer Spezialisierung innerhalb des Verbreitungsgebiets.
Darwins Theorie vom Gradualismus
I 243
VsGradualismus: könne nicht die Entstehung völlig neuer Organe erklären. Problem: Wie kann ein rudimentärer Flügel durch natürliche Selektion vergrößert werden bevor er zum Fliegen tauglich ist?
I 244
Darwin: zwei mögliche Lösungen: a) Intensivierung der Funktion: Bsp Augen, Bsp Entwicklung der Vordergliedmaßen von Maulwürfen, Walen, Fledermäusen.
b) Funktionsveränderung: Bsp Antennen von Daphia (Wasserfloh): zusätzliche Funktion eines Schwimmpaddels, das unter Selektionsdruck größer und modifiziert wird.
Bsp Gould: Federn zunächst wahrscheinlich zur Temperaturregelung, bevor irgendein Tier fliegen konnte.
Funktion/Biologie: Funktionsverschiedenheiten hängen auch mit Verhaltensmustern zusammen Bsp Putzen des Federkleids.
Konkurrierende Theorien zum evolutionären Wandel
I 247
Salationismus: Huxley später Bateson, de Vries, (Mendelisten). Zur saltationistischen Entstehung neuer Arten kommte es bei sexueller Fortpflanzung nur über Poyploidie und einige andere Formen chromosomaler Neustrukturierung (sehr selten). Teleologische Theorien: gehen davon aus, dass der Natur ein Prinzip innewohnt: Osbrons Arsitogenese, Chardins Omega Prinzip. Soll zur Perfektion führen.
Lamarcksche Theorien: Änderungen gehen auf Gebrauch und Nichtgebrauch zurück, Umweltbedingungen. Bis in die 30er Jahre!
I 248
Def "Weiche Vererbung" (erworbener Merkmale). Wurde durch die Genetik widerlegt. Def "Harte Vererbung" (sogenanntes "Zentrales Dogma"): Die in den Proteinen (dem Phänotyp) enthaltene Information kann nicht an die Nucleinsäuren (den Genotyp) weitergegeben werden! (Erkenntnis der Molekularbiologie).
I 256
Makroevolution: nachdem Saltationismus, weiche Vererbung und Autogenese mit der Evolution widerlegt waren, musste man die die Makroevolution immer mehr als Phänomen auf Populationsebene erklären, als o als Phänomen, das sich unmittelbar auf Ereignisse und Vorgänge während der Mikroevolution zurückführen ließ. (Speziation: schneller in der Isolation). (>Gould, Eldredge, 1971: "unterbrochenes Gleichgewicht", "punctuated equilibrium, Punktualismus).
I 281
Neu: wir wissen heute, dass die Zyklen der Pflanzenfresser diejenigen der Raubfeinde hervorrufen und nicht umgekehrt! Koevolution: Bsp Die Yuccamotte zerstört die Samenanlagen der Pflanze durch ihre Larven, bestäubt aber die Blüten.

Mayr I
Ernst Mayr
Das ist Biologie Heidelberg 1998
Evolution Vollmer I 51
Evolutionäre Erkenntnistheorie/EE/Vollmer: in der Evolution der Wissenschaft gibt es keine "Mutationen", weil es bei wissenschaftlichen Theorien keine "Nachkommen" gibt. - Evolutionäre Erkenntnistheorie ist nur sinnvoll, soweit subjektive Erkenntnisstrukturen vererbt werden. - Die Evolutionäre Erkenntnistheorie hat nicht den Wahrheitsbegriff des Pragmatismus - sie wird durch Erfolg nicht bewiesen.
I 75
Erfolg/Vollmer: beweist nur, dass die Hypothese nicht ganz falsch war.
I 217
VsEvolutionstheorie/VsDarwinismus: Zirkulär. - VollmerVsVs: das ist falsch "Fitness" kann ohne Rückgriff auf "Überleben" definiert werden.
I 260
Fitness wird nicht nach dem Überleben des Individuums bestimmt, sondern durch Fortpflanzungserfolg, mehr Nahrung, mehr Wohnraum, mehr Partner, mehr Nachkommen usw..
I 264
Entropie/Evolution/Leben/Vollmer: entgegen einer verbreiteten Meinung nicht immer ein Maß für Unordnung - unter speziellen Bedingungen (niedrige Gesamtenergie und Existenz anhaltender Wechselwirkungen oder Einschluss durch äußere Kräfte) schließt die Zunahme der Entropie sogar eine Zunahme von Ordnung und Struktur ein - somit widerspricht der Zweite Hauptsatz nicht der Entstehung von Lebewesen.
I 279
Anpassung/Selektion/VsEvolutionäre Erkenntnistheorie: ist keine Falsifikation - das Urauge wird durch das Adlerauge nicht falsifiziert - richtiges Abbilden spielt keine Rolle - Übertragen der Selektionstheorie auf kognitive Fähigkeiten kann nur gelingen, wenn es objektive Wahrheit gibt und wenn Erkenntnis nützlicher ist als Irrtum (Simmel, 1895) - VollmerVsVs: das ist kein Argument VsEvolution, egal wer sich wem anpasst - Koadaption.
I 298
Evolution/Erfolg/Vollmer: die Richtigkeit von Erfahrung kann nicht aus evolutionärem Erfolg geschlossen werden - sonst naturalistischer Fehlschluss - Verwechslung von Fakten mit Normen.
II 190
Evolution/Zeitrichtung/Vollmer: wegen der kosmischen Expansion sind keine zwei Momente der Evolution identisch - (>Zeitpfeil).

Vollmer I
G. Vollmer
Was können wir wissen? Bd. I Die Natur der Erkenntnis. Beiträge zur Evolutionären Erkenntnistheorie Stuttgart 1988

Vollmer II
G. Vollmer
Was können wir wissen? Bd II Die Erkenntnis der Natur. Beiträge zur modernen Naturphilosophie Stuttgart 1988
Evolutionäre Psychologie Buss Corr II 171
Evolutionäre Psychologie/EP/Buss/Figueredo: (...) wir können uns eine Masse von Menschen vorstellen, die aus einem brennenden Gebäude durch verschiedene Ausgänge fliehen: Hauptausgänge, Notausgänge, Fenster und Servicetüren. Die Persönlichkeit ist ähnlich. So wie in der Analogie jeder dem brennenden Gebäude entkommen muss, so gibt es den evolutionären Imperativ, sich vor dem Tod fortzupflanzen; und so wie es viele Ausgänge gibt, kann man eine erfolgreiche Fortpflanzung fördern, indem man gesellig und charmant ist wie bei dem sozialen Extravertierten, verbissenen
II 172
und ausdauernd wie die überaus gewissenhaften, oder einschmeichelnd und affiliativ wie bei sehr verträglichen Menschen. So haben sich verschiedene Persönlichkeitsstile und -strategien entwickelt, die miteinander um das gleiche Ziel des Überlebens und der Fortpflanzung konkurrieren, jedoch mit unterschiedlichen Mitteln und Wegen der Anpassung.
II 173
[Buss] besteht darauf, dass die Evolution die "physiologischen, anatomischen und psychologischen Mechanismen" schmiedet, die Wahl, Neigung, Abneigung und Anziehung beeinflussen.
II 175
(...) die neue Wissenschaft der evolutionären Psychologie stellte die emittierten Verhaltensweisen korrekt als das Produkt der Wechselwirkungen zwischen entwickelten psychologischen Mechanismen und spezifischen Reizen aus der Umwelt dar, auf die sie fein abgestimmt waren.
II 179
Überleben/Reproduktion: (...) Buss skizzierte acht Erfordernisse des Überlebens und der Reproduktion in jeder adaptiven Landschaft, die von einer großen Dichte von Artgenossen bevölkert ist: (1) erfolgreiche intrasexuelle Konkurrenz, (2) Partnerwahl, (3) erfolgreiches Empfängnis, (4) Bindung an den Partner, (5) Bildung wechselseitiger dyadischer Allianzen, (6) Bildung und Erhaltung von Bündnissen, (7) elterliche Fürsorge und Sozialisierung und (8) Investitionen in außereheliche Verwandtschaft. Es folgt eine Fortsetzung der Behauptung von Buss, dass evolutionäre Psychologie ein fähiger theoretischer Schiedsrichter ist, wenn es darum geht, eine biologisch informierte Art von Ockhams Rasiermesser auf theoretische Ansprüche innerhalb der Persönlichkeitspsychologie anzuwenden.
II 180
Ein häufiges Missverständnis bezüglich der Persönlichkeitsentwicklung, das von Buss (2011)(1) kritisiert wird, ist, dass Selektion als homogenisierende Kraft wirkt, die zu einem einzigen Optimalitätspunkt in der Verteilung des Phänotyps führt. Im Gegensatz dazu sagt die Evolutionstheorie voraus, dass die Lage dieses Punktes je nach der Art des aktiven Selektionsdrucks in Übereinstimmung mit der Beziehung zwischen einer Eigenschaft und ihrer Fitness variiert.
II 182
Die von Buss (1991)(2) zusammengefassten alternativen Erklärungen für die Entstehung teilweise vererbbarer Charakterzüge und die Beibehaltung individueller Unterschiede bleiben als Möglichkeiten bestehen, aber die Liste der Alternativen wurde [in einem von Buss und Hawley (2011)(3) herausgegebenen Band] erweitert. So wurde beispielsweise als möglich argumentiert, dass selektive Schwünge innerhalb der letzten mehreren tausend Jahre (...) hinter der großen Variation unter den Menschen stehen. Auch der Genfluss aufgrund beschleunigter Migration von Individuen zwischen menschlichen Populationen ist eine umstrittene Hypothese. Die ausgleichende Selektion, bei der mehrere Phänotypen auf komplementäre Weise adaptiv sind, jeder in einer bestimmten Untergruppe der Artennischen, ist nach wie vor ein Schwerpunkt der Diskussion.

1. Buss, D. (2011). Evolutionary psychology: The new science of the mind (4th ed.). Hove, UK: Psychology Press.
2. Buss, D. M. (1991). Evolutionary personality psychology. Annual Review of Psychology, 42, 459–491.
3. Buss, D. M., & Hawley, P. H. (2011). The evolution of personality and individual differences. New York: Oxford University Press.


Figueredo, Aurelio J.; Fernandes, Heitor B. F.; Peñaherrera-Aguirre, Mateo and Hertler, Steven C.: “The Evolution of Personality Revisiting Buss (1991)”, In: Philip J. Corr (Ed.) 2018. Personality and Individual Differences. Revisiting the classical studies. Singapore, Washington DC, Melbourne: Sage, pp. 171-190.

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Experimente Harlow Slater I 11
Experimente/Verbundenheit/Affektion/Harlow: In einer Reihe von Studien mit dem Surrogatpräferenz-Paradigma zeigte Harlow, dass Säuglingsaffen große und konstante Präferenzen für Stoffsurrogate zeigten, die Kontaktkomfort gegenüber Draht-Surrogaten boten, die Nahrung lieferten. Die größte Stichprobe, die 1962 in der Studie(1) berichtet wurde, bestand aus 56 Affen, die unter Bedingungen einer "teilweisen sozialen Isolation" aufgezogen wurden. Diese Affen waren in Käfigen untergebracht, wo sie andere Affen sehen und hören konnten. (…+…).
Slater I 13
In einer weiteren Reihe von Studien (...) wurden Affen einer totalen sozialen Isolation ausgesetzt, ein Zustand, in dem sie einzeln in einer Kabine mit festen Wänden untergebracht waren, die jeden visuellen und auditiven Kontakt mit anderen Affen ausschloss. (...) Harlow kam zu dem Schluss, dass die totale soziale Isolation in den ersten sechs Lebensmonaten eine kritische Phase war, die irreversible Auswirkungen auf die spätere soziale Anpassung hatte. Er deutete an, dass diese sechsmonatige Periode beim Rhesusaffen den ersten zwei bis drei Lebensjahren des menschlichen Kindes entsprach. (…+…). Eine Reihe von Studien variierte die Bedingungen und den Grad der sozialen Isolation und das daraus resultierende Verhalten der Affen wurde beschrieben. ((s) Die Schwere der sozialen Einschränkungen entsprach der Länge und Schwere der Isolation sowie dem Zeitpunkt des Beginns der Isolation im Leben der Affen.)
Slater I 14
Harlows Arbeit hatte einen unmittelbaren Einfluss auf die laufende Debatte über die Bedeutung der Mutter-Kind-Bindung in der Kinderpsychiatrie. In den 1950er Jahren hatte John Bowlby, ein britischer Psychiater, eine Monographie (1951)(2) über die Auswirkungen mütterlicher Deprivation auf die Entwicklung von Kindern veröffentlicht. Bei seinen Besuchen in Harlows Labor in den 1950er Jahren mag Bowlby dafür verantwortlich gewesen sein, Harlow darauf hinzuweisen, dass seine von Käfigen aufgezogene Affenkolonie Bedingungen schuf, die einer teilweisen sozialen Isolation gleichkamen (Suomi, Horst, & Veer, 2008)(3).
Slater I 15
[Harlows] Ansatz wurde von europäischen Ethologen, insbesondere Robert Hinde, und von Harlows Sensibilität für die Auswirkungen verschiedener Aufzuchtumgebungen beeinflusst, die von seinem Labor über den lokalen Zoo bis hin zu Affen, die in freier Wildbahn geboren und aufgezogen wurden, reichen. Harlows Kreativität bei der Gestaltung von Laborumgebungen, die Bindung, Angst, exploratives und affiliatives Verhalten hervorrufen, zeigte ein einzigartiges Verständnis für die Bedeutung von Kontext bei der Beurteilung, wie früh soziale Erfahrungen die spätere Entwicklung beeinflussen könnten. Er gestaltete aktiv Umgebungen, die das Zusammenspiel von Bindung, Angst und Erforschung erprobten. >Situation/Ainsworth. VsHarlow: Die Feststellung, dass die Aufzucht mit Altersgenossen die Auswirkungen der mütterlichen Deprivation auf die Entwicklung von Peer-Beziehungen kompensieren könnte, war der umstrittenste und vorläufigste Befund in seiner Arbeit von 1962 (1). Für Kritik an Harlow siehe >Verhalten/Harlow.


1. Harlow, H. F., & Harlow, M. (1962). Social deprivation in monkeys. Scientific American, 207, 137–146.
2. Bowlby, J. (1951). Maternal care and mental health. New York: Columbia University Press.
3. Suomi, S. J., Horst, F. C. P., & Veer, R. (2008). Rigorous experiments on monkey love: An account of Harry F. Harlow’s role in the history of attachment theory. Integrative Psychological and Behavioral Science, 42, 354–369.


Roger Kobak, “Attachment and Early Social deprivation. Revisiting Harlow’s Monkey Studies”, in: Alan M. Slater and Paul C. Quinn (eds.) 2012. Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications

Slater I
Alan M. Slater
Paul C. Quinn
Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2012
Experimentelle Ökonomik Smith Parisi I 78
Experimentelle Ökonomik/Vernon Smith/Sullivan/Holt: Smiths Ansatz zur Untersuchung des Marktgleichgewichts bestand darin, einen Markt für ein künstliches Gut zu schaffen. Käufer in Smiths Markt bewerteten die Ware, weil die Regeln des Experiments ihnen erlaubten, jede "Einheit" der Ware, die sie kauften, gegen Bargeld einzulösen und so die Differenz zwischen einem zugewiesenen Rückkaufswert und dem ausgehandelten Preis für jeden Kauf zu verdienen. Die Verkäufer bewerteten den Handel in ähnlicher Weise, weil sie die Differenz zwischen dem ausgehandelten Verkaufspreis und einer jeder Einheit der Ware zugewiesenen Kostennummer verdienten. Diese induzierten Werte erlaubten es Smith, die beobachteten Transaktionen mit dem Walras'schen Preis zu vergleichen, der Angebot und Nachfrage auf seinem Markt tatsächlich ausglich. ((s) >Gleichgewicht/Walras). Das Experiment war bemerkenswert, weil es zeigte, dass Märkte mit guten Informationen über Gebote, Nachfragen und Verkaufspreise zur Gleichgewichtsvorhersage konvergieren - sogar mit einer kleinen Anzahl von Händlern und ohne öffentliche Informationen über die Werte und Kosten anderer. Anpassungen des experimentellen Ansatzes an andere Situationen folgten schnell und flossen schließlich in die ebenfalls expandierende Literatur der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften ein. >Law and Economics/Sullivan/Holt, >Induced Value Theory/Wirtschaftstheorien.
Parisi I 89
Es wird seit langem vermutet, dass Versuchspersonen in Experimenten unter bestimmten Umständen durch persönliche Präferenzen über abstrakte Ergebnisse, wie z.B. den Gewinn eines Spiels, adäquat und angemessen angespornt werden können (Smith, 1976(1), S. 277). Sullivan/Holt: Die deutliche Besorgnis, die viele Menschen über das Ableben von Charakteren in fiktiven Geschichten und Fernsehsendungen äußern - abgebildet auf die Ergebnisse von fiktiven Prozessparteien in Scheinstreitigkeiten - unterscheidet sich vielleicht nicht so sehr von den Präferenzen, die tatsächliche Geschworene über die "realen", aber in vielerlei Hinsicht nicht weniger hypothetischen Ergebnisse der ihnen vorliegenden Fälle haben. Es ist jedoch Vorsicht geboten, da die Motivation der Probanden durch den Kontext gleichzeitig dazu führen kann, dass die Überzeugungen oder wahrgenommenen Werte der Probanden in einer Weise verzerrt werden, die die theoretischen Vorhersagen ungültig macht oder zumindest verschleiert. Andererseits können solche Verzerrungen von begrenztem Interesse sein, wenn sie nicht mit den Behandlungsbedingungen korreliert sind. >Rechtsprechung/Experimentelle Ökonomik, >Risikowahrnehmung/Ökonomische Theorien, >Strategisches Wählen/Experimentelle Ökonomik.


1. Smith, V. L. (1976). “Experimental economics: Induced value theory.” American Economic Review 66(2): 274–279.


Sullivan, Sean P. and Charles A. Holt. „Experimental Economics and the Law“ In: Parisi, Francesco (Hrsg.) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Bd. 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University Press.

EconSmith I
Adam Smith
The Theory of Moral Sentiments London 2010

EconSmithV I
Vernon L. Smith
Rationality in Economics: Constructivist and Ecological Forms Cambridge 2009

Parisi I
Francesco Parisi (Ed)
The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017
Experimentelle Ökonomik Wirtschaftstheorien Parisi I 78
Experimentelle Ökonomik/Wirtschaftstheorien/Sullivan/Holt: [Es gibt] eine immer häufigere Interaktion zwischen zwei Literaturrichtungen: experimentelle Ökonomik und Recht und Wirtschaft (engl. law and economics). In vielerlei Hinsicht entwickelten sich diese Literaturen als Geschwister während der berauschenden Periode der Wirtschaftsforschung in den 1960er und frühen 1970er Jahren. Etwa zur gleichen Zeit, als Ronald Coase (1960)(1), Guido Calabresi (1961)(2) und Gary Becker (1968)(3) die bahnbrechenden Arbeiten der modernen Law-and-Economics-Bewegung verfassten, wurde die experimentelle Wirtschaftsliteratur durch Vernon Smiths (1962)(12) experimentelle Herausforderung der etablierten Vorstellung, dass Theorien des effizienten, perfekten Wettbewerbs nur in idealisierten Situationen mit einer großen Anzahl gut informierter Händler relevant seien, beschleunigt. Vernon Smith: Smiths Ansatz zur Untersuchung des Marktgleichgewichts bestand darin, einen Markt für ein künstliches Gut zu schaffen. Anpassungen des experimentellen Ansatzes an andere Gegebenheiten folgten schnell und flossen schließlich in die ebenfalls expandierende Literatur zu "Law and Economics" ein. >Experimentelle Ökonomik/Vernon Smith, >Law and Economics/Sullivan/Holt.
Parisi I 79
Methodik: (... ) die Planung und Durchführung von kontrollierten Experimenten ist so grundlegend für die wissenschaftliche Untersuchung wie nichts anderes.
Parisi I 80
Eine weitere intuitive Verwendung von Experimenten ist Teil einer ergebnisoffenen Suche nach praktischen Lösungen für ein neuartiges Problem. Dies ist häufig bei Experimenten der Fall, die für technische Anwendungen entwickelt wurden. Wirtschaftswissenschaftler verwenden Experimente in ähnlicher Weise wie Physiker oder Ingenieure. Voraussetzungen/Hypothesen: Ökonomische Theorien basieren typischerweise auf starken Annahmen über Rationalität und Voraussicht und werden auf der Basis von Eleganz, Schärfe der Vorhersage und Übereinstimmung mit der grundlegenden Intuition bewertet.
Idealisierung/Kontext: Merkmale des Kontexts, zwischenmenschliche Unstimmigkeiten und institutionelle Details werden häufig weggelassen, um eine größere Nachvollziehbarkeit und Allgemeinheit zu erreichen.
Experimente: Die resultierenden Theorien schreien nach experimentellen Tests, bei denen Unterschiede in individuellen Persönlichkeitsmerkmalen und Neigungen, Einschränkungen in der Aufmerksamkeit und Voraussicht und andere Details, die zu kompliziert sind, um sie formal zu messen oder zu modellieren, durch zufällige Zuordnung und andere experimentelle Kontrollen berücksichtigt werden können.
Beispiel: Betrachten Sie die Frage, ob eine Obergrenze für Schadensersatz die Häufigkeit von Schadensersatzklagen reduziert.*
Randomisierung: Mittels Randomisierung oder sorgfältiger Auswahlalgorithmen könnten die Mitglieder der Gesellschaft in zwei identische (oder zumindest nahezu identische) Gruppen aufgeteilt werden: Eine Gruppe würde unter den Haftungsregeln des Status quo bleiben, während die andere einer Schadensbegrenzung unterworfen würde. Ohne dass sich sonst etwas ändert, würde der Forscher
Parisi I 81
Daten für ein paar Monate sammeln und dann die Raten von Schadensersatzklagen in den beiden Gruppen vergleichen, um zu sehen, welchen kausalen Effekt die Obergrenze für Schadensersatz auf das Ergebnis von Interesse hatte. Vergleich/Kontrolle: Der Forscher nutzt die Kontrolle über die experimentelle Umgebung, um eine Behandlung nur auf eine von zwei ansonsten identischen Gruppen von Probanden anzuwenden. Die Versuchspersonen interagieren dann gemäß ihren normalen Eigeninteressen, aber die Personen in der Behandlungsgruppe handeln nach etwas anderen Regeln als die in der Kontrollgruppe. Der Experimentator misst das beobachtete Verhalten sowohl in der Behandlungs- als auch in der Kontrollgruppe, und jeder Unterschied im Verhalten spiegelt den kausalen Behandlungseffekt von Interesse wider.**
Experimente ohne Kontrollgruppe: (...) ökonomische Experimente werden manchmal einfach dazu entworfen, um zu messen und zu dokumentieren, wie sich Probanden in einer bestimmten Marktstruktur oder einem bestimmten Anreizumfeld verhalten, ohne Bezug auf eine Kontrollgruppe. Beispiele hierfür sind Experimente, die die Effizienz einer Auktionsstruktur testen, wie z. B. ein innovativer Vorschlag, der es erlaubt, Gebote für Kombinationen von Frequenzlizenzen in einer Weise abzugeben, die Firmen davor schützt, zu viel für Teile eines fragmentierten Netzes zu bezahlen.***
Variationen: (...) ökonomische Experimente können auch so strukturiert werden, dass sie eine Reihe von Behandlungseffekten berücksichtigen. Ein Beispiel ist eine experimentelle Untersuchung der Gleichgewichtspreisbildung in einem Oligopol für homogene Güter, wenn die Anzahl der Produzenten von fünf auf vier, drei oder zwei sinkt (z. B. Huck, Normann und Oechssler, 2004(10); Dufwenberg und Gneezy, 2000(11)). In jedem Fall ist der konzeptionelle Rahmen des ökonomischen Experiments derselbe wie der von Experimenten in jedem anderen Wissenschaftsbereich. >Induced Value Theory/Wirtschaftstheorien.
Experimente/Methoden: Siehe >Experimente/Experimentelle Ökonomik, >Außergerichtliche Einigung/Experimentelle Ökonomik.

* Für ökonomische Experimente zur Auswirkung von Schadensersatzobergrenzen auf die Vergleichsrate siehe Babcock und Pogarsky (1999)(4) und Pogarsky und Babcock (2001)(5).

** Für breite Übersichten über verschiedene experimentelle Designs in den Wirtschaftswissenschaften, siehe Davis und Holt (1993)(6), Kagel und Roth (1995)(7) und Holt (2007)(8). Für einen praktischen Ansatz zur Versuchsplanung für Wirtschaftswissenschaftler siehe Friedman und Sunder (1994)(8).

*** Siehe Goeree und Holt (2010)(9) für eine Reihe von Experimenten, die von der U.S. Federal Communications Commission verwendet wurden, um eine große Auktion für Frequenzlizenzen für die Bereitstellung von drahtlosen Kommunikationsdiensten in einem geografischen Netzwerk zu entwerfen und durchzuführen. Selbst diese Arbeit hatte jedoch eine Kontrollbehandlung ohne Paketgebotsmöglichkeiten, die Probleme aufzeigte, die entstehen könnten, wenn Bieter keine "Alles-oder-Nichts"-Gebote für Kombinationen von Lizenzen abgeben dürfen.



1. Coase, R. H. (1960). “The Problem of Social Cost.” Journal of Law and Economics 3: 1–44.
2. Calabresi, G. (1961). “Some Thoughts on Risk Distributions and the Law of Torts.” Yale Law Journal 70(4): 499–553.
3. Becker, G. S. (1968). “Crime and Punishment: An Economic Approach.” Journal of Political Economy 76(2): 169–217.
4. Babcock, L. and G. Pogarsky (1999). “Damage Caps and Settlement: a Behavioral Approach.” Journal of Legal Studies 28(2): 341–370.
5. Pogarsky, G. and L. Babcock (2001). “Damage Caps, Motivated Anchoring, and Bargaining Impasse.” Journal of Legal Studies 30(1): 143–159.
6. Davis, D. D. and C. A. Holt (1993). Experimental Economics. Princeton, NJ: Princeton University Press.
7. Kagel, J. H. and A. E. Roth, eds. (1995). Handbook of Experimental Economics. Princeton, NJ: Princeton University Press.
7. Holt, C. A. (2007). Markets, Games, & Strategic Behavior. Boston, MA: Pearson Education, Inc.
8. Friedman, D. and S. Sunder (1994). Experimental Methods: A Primer for Economists. New York: Cambridge University Press.
9. Goeree, J. K. and C. A. Holt (2010). “Hierarchical Package Bidding: A Paper & Pencil Combinatorial Auction.” Games and Economic Behavior 70: 146–169.
10. Huck, S., H.-T. Normann, and J. Oechssler (2004). “Two Are Few and Four Are Many: Number Effects in Experimental Oligopolies.” Journal of Economic Behavior & Organization 53(4): 435–446.
11.Dufwenberg, M. and U. Gneezy (2000). “Price Competition and Market Concentration: An Experimental Study.” International Journal of Industrial Organization 18: 7–22.
12.Smith, V. L. (1962). “An Experimental Study of Competitive Market Behavior.” Journal of Political Economy 70(2): 111–137.



Sullivan, Sean P. and Charles A. Holt. „Experimental Economics and the Law“ In: Parisi, Francesco (Hrsg.) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Bd. 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University Press.

Parisi I
Francesco Parisi (Ed)
The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017
Extraversion Matthews Corr I 420
Extraversion/Kognitiv-adaptive Theorie/Matthews: Die kognitiv-adaptive Theorie der Charakterzüge (Matthews 1999(1), 2000(2), 2008a(3); Matthews und Zeidner 2004(4)) schlägt vor, dass Charakterzüge funktionelle und nicht strukturelle Kohärenz aufweisen. Extraversion/Matthews: kann als Anpassung an sozial anspruchsvolle Umgebungen angesehen werden. Kognitive Merkmale der Extraversion wie effizientes Multitasking, verbale Fähigkeiten und schnelle Reaktionsfähigkeit arbeiten zusammen, um die Anpassung zu erleichtern. Umgekehrt unterstützen die verschiedenen Merkmale von Introversion die Anpassung an solitäre Umgebungen, die eine Selbststeuerung erfordern. >Selbstregulation/Matthews.



1. Matthews, G. 1999. Personality and skill: a cognitive-adaptive framework, in P. L. Ackerman, P. C. Kyllonen and R. D. Roberts (eds.), The future of learning and individual differences research: processes, traits, and content, pp. 251–70. Washington, DC: APA
2. Matthews, G. 2000. A cognitive science critique of biological theories of personality traits, History and Philosophy of Psychology 2: 1–17
3. Matthews, G. 2008a. Personality and information processing: a cognitive-adaptive theory, in G. J. Boyle, G. Matthews and D. H. Saklofske (eds.), Handbook of personality theory and testing, vol. I, Personality theories and models, pp. 56–79. Thousand Oaks, CA: Sage
4. Matthews, G. and Zeidner, M. 2004. Traits, states and the trilogy of mind: an adaptive perspective on intellectual functioning, in D. Dai and R. J. Sternberg (eds.), Motivation, emotion, and cognition: integrative perspectives on intellectual functioning and development, pp. 143–74. Mahwah, NJ: Lawrence Erlbaum


Gerald Matthews, „ Personality and performance: cognitive processes and models“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Farben Deacon I 116
Farbwörter/Sprachentstehung/Deacon: Die Entwicklung von Farbwörtern in verschiedenen Sprachen und Gesellschaften konvergiert. Prinzipiell kann die Verknüpfung von Farbtönen und Lauten beliebig sein. Tatsächlich sind aber die Abbildungsrelationen in mancher Hinsicht universell.
I 117
Aber das bedeutet nicht, dass sie irgendwie ins Gehirn eingebaut sind. Farbwörter/Farben/Berlin/Kay/Deacon: In verschiedenen Gesellschaften sind Schwarz (dunkel) und Weiß (hell) die ersten Unterscheidungen, später kommt immer zunächst die Unterscheidung Rot/Grün hinzu. Wenn es in einer Sprache drei oder vier Farbbegriffe gibt, kommt als nächstes Gelb oder Blau hinzu. Wenn es mehr Begriffe gibt, ist das Muster nicht mehr so eindeutig vorherzusagen(1).
Erstaunlicherweise ähneln sich die Farbtöne, die als typisch rot oder typisch grün angesehen werden (best red/best green) überall in der Welt(2).
I 118
Erklärung: es kommt hier eine Leistung des Gehirns bei der Unterscheidung bzw. der Hervorhebung von Unterschieden ins Spiel, die über die Besonderheiten des Sprachgebrauchs von Individuen oder Gesellschaften hinausgeht.
I 119
Sprachentstehung/Farbwörter: die Muster von typischen Irrtümern tragen dazu bei, dass der Sprachgebrauch sich neurophysiologischen Gegebenheiten der Wahrnehmung anpasst. Das ist ein Fall von neurologischer Tendenz als Selektionsdruck in sozialer Evolution. Angenommen, wir wollten ein neues Wort für einen ganz besonderen Farbton zwischen bekannten Farben einführen. Auf die Dauer wird dieser neue Name zugunsten alter Farbwörter wieder verschwinden. Es werden bestimmte hervorstechende Farbtöne dominieren. Die Tendenz unserer Gehirne, sich an bestimmte Farbtöne besser zu erinnern, entspricht der natürlichen Selektion gewisser Varianten anstelle von anderen Varianten. So wird sich die Referenz von Farbwörtern in Anpassung an das menschliche Nervensystem entwickeln.
I 120
Diese Entwicklung geschieht aber aufgrund nicht-genetischer Kräfte. Ohne diese sozialen Universalien wäre der Gebrauch von Farbwörtern idiosynkratrisch, d.h. auf einzelne Individuen beschränkt. Dennoch ist es klar, dass Farbbegriffe nicht fest im Gehirn verankert sind. Was universell verankert ist, das sind vielmehr gewisse Tendenzen der Gruppierung, die nicht sprachlich sind. Die Aufteilung der Farbbegriffe wie sie ist, ist kein notwendiges Merkmal von Sprache und keine angeborene linguistische Kategorie.

(1) Berlin, B., und Kay, P. (1969). Basic Color Terms: Their Universality and Evolution. Berkeley & Los Angeles: University of California Press.
(2) Rosch, E. (1978). Principles of categorization. In: E. Rosch, & B. B. Lloyd (Hrsg.), Cognition and categorization (pp. 28-49). Hillsdale, NJ: Erlbaum.

Dea I
T. W. Deacon
The Symbolic Species: The Co-evolution of language and the Brain New York 1998

Dea II
Terrence W. Deacon
Incomplete Nature: How Mind Emerged from Matter New York 2013
Form Gould I 44
Form/Natur/Physik/Gould: D'Arcy Wentworth Thompson (1942) vertrat prophetisch die Auffassung, dass Organismen durch physikalische Kräfte direkt geformt werden. (1)
I 260
Form/Leben/Lebewesen/Evolution/Physik/Gould: Stabilität entsteht dadurch, dass ein Lebewesen groß genug ist, in einen Bereich vorzudringen, in dem die Schwerkraft jene Kräfte übertrifft, die sich an der Oberfläche abspielen. Da das Verhältnis von Oberfläche zu Volumen mit dem Wachstum abnimmt, ist eine zunehmende Größe der sicherste Weg in diesen Bereich. Die physikalische Umwelt der Erde enthält zahlreiche Lebensräume, die nur den Lebewesen zur Verfügung stehen, die größer sind als Einzeller.
Die Vielzelligkeit ist wahrscheinlich an mehreren Stellen unabhängig voneinander entstanden. Sie weist die beiden Hauptzüge der analogen Ähnlichkeit auf:
1. Sie ist relativ einfach zu erreichen und sowohl hochgradig anpassungsfähig als auch
2. der einzig mögliche Weg zu den Vorteilen, den sie mit sich bringt.
Sieht man von der Ausnahme der Straußeneier ab, können einzelne Zellen nicht sehr groß werden.
I 261
Die Vielzelligkeit ist wahrscheinlich sogar innerhalb der einzelnen Reiche mehrmals entstanden. Die meisten Biologen meinen, dass sie bei Pflanzen und Pilzen durch Amalgamierung eintrat. Diese Organismen sind die Nachkommen von Protistenkolonien. (Protisten: Einzeller, siehe Terminologie/Gould). Bsp Manche Volvox Kolonien mit einer festgelegten Anzahl von Zellen sind regelmäßig angeordnet. Die Zellen können in ihrer Größe differieren und die Fortpflanzungsfunktion kann auf diejenigen von ihnen beschränkt sein, die sich an einem Pol befinden.
I 264
Größere Tiere haben ein so niedriges Verhältnis von äußerer Oberfläche zu Volumen, dass sie zur Vergrößerung der ihnen zur Verfügung stehenden Oberfläche innere Organe ausbilden müssen.
I 288
Verhältnis von Oberfläche zu Volumen: bei kleinen Lebewesen sehr hoch. Wärme wird durch das Volumen des Körpers erzeugt, und an seiner Oberfläche abgestrahlt. Daher haben warmblütige Tiere einen besonders hohen Energiebedarf. Bsp Feldmäuse müssen die ganze Zeit über fressen. Das Verhältnis war bei den großen Dinosauriern so gering, dass sie ohne Isolierschicht auskommen konnten.
I 311
Form/Leben/Physik/Größe/Gould: Gould: Die Figur des Morgan in E. L. Doctorows "Ragtime" hatte unrecht, wenn er dachte, dass große Säugetiere geometrische Kopien ihrer kleineren Verwandten seien. Elefanten haben verhältnismäßig größere Gehirne und dickere Beine als Mäuse. Recht hat er insofern, als größere Tiere kleineren Verwandten in derselben Gruppe oft ähnlich sind. Galilei gab schon ein klassisches Beispiel: Bsp Die Stärke eines Beins ist eine Funktion des Querschnitts. Das Gewicht, das die Beine tragen müssen, variiert mit dessen Volumen.
Damit die Körperfunktionen gleich bleiben, müssen als die Tiere, wenn sie größer werden, ihre Form ändern: "Skalierungstheorie". Bsp Von der Krabbenspinne bis zur Tarantel reicht die Skala von Verwandten bis zum tausendfachen Körpergewicht des kleinsten Exemplars.
Auch hier verläuft die Skala regelmäßig: die Dauer des Herzschlages steigt im Vergleich zum Körpergewicht nur 4/10 mal so schnell.
I 312
Kleine Tiere bewegen sich viel schneller durchs Leben als große, ihr Herz schlägt rascher, sie atmen häufiger, ihr Puls ist schneller ihr "Lebensfeuer ist schneller "verbrannt": Die Stoffwechselrate nimmt bei Säugetieren nur um drei Viertel so schnell zu, wie das Körpergewicht. Kleine leben tendenziell kürzer als Große.
I 313
Der homo sapiens lebt allerdings weit länger als ein vergleichbares Säugetier gleicher Größe: Siehe Neotenie/Gould. Es soll keineswegs die Bedeutung der astronomischen Zeit geleugnet werden, Tiere müssen sie messen, um zu überleben.
I 315
Atemdauer und Herzschlag nehmen etwa 0,28 Mal so schnell zu wie das Körpergewicht; das Körpergewicht kann man kürzen, wonach für Säugetiere jeder Körpergröße übrigbleibt, dass sie bei etwa 4 Herzschlägen einmal atmen. Für alle Säugetiere unabhängig von der Größe gilt auch, dass sie während ihres Lebens etwa 200 Mio mal atmen, das Herz als etwa 800 Mio mal schlägt.
I 318 ff
Es gibt magnetotaktische Bakterien, die sich nach den Feldern ausrichten und sich entsprechend bewegen. Sie widerstehen damit dem Mechanismus der Brownschen Bewegung. Man fand heraus, dass die Magnete im Körper der Bakterien in Form von ungefähr 20 kleinen Partikeln verteilt sind. Frage: warum gibt es diese Verteilung des Magnetismus auf Partikel, und warum sind diese Partikel etwa 500 Angström groß (1 Angström = 1 Zehnmillionstel Millimeter).
Sie schließen sich im Körper der länglichen Bakterien zu einer Kette zusammen.
I 320
Wären diese Partikel nun etwas kleiner (etwa ein Fünftel kleiner) dann wären sie "superparamagnetisch", d.h. bei Zimmertemperatur könnte eine magnetische Neuorientierung der Partikel bewirkt werden. Wären sie hingegen z.B. doppelt so groß, bildete sich innerhalb der Partikel ein eigener magnetischer Bereich, der in verschiedene Richtungen wiese. Was kann ein so kleines Lebewesen mit einem Magnetfeld anfangen? Der Bewegungsspielraum während der wenigen Minuten ihrer Existenz beträgt wahrscheinlich nur einige Zentimeter. Da fällt es doch nicht so sehr ins Gewicht, in welche Richtung es geht.
Es kann nun für eine Bakterie entscheidend sein, sich nach unten zu bewegen. Nun ist die Schwerkraft eigentlich ohne Magnetfeld mindestens genauso gut zu spüren. Das gilt aber nur für große Lebewesen.
I 322
Insekten und Vögel leben in einer Welt, die von Kräften beherrscht ist, die auf die Oberfläche einwirken. Einige können auf dem Wasser laufen oder von der Decke herunter hängen, weil die Oberflächen Spannung so stark und die Gravitation relativ schwach ist. Die Gravitation macht den Insekten kaum zu schaffen, den Bakterien überhaupt nicht.

IV 17
Formen/Biologie/Gould: Darwin: These: Form folgt der Funktion.
IV 19
Es ist die Frage, wie eine Form sich kontinuierlich entwickelt.
IV 27
Adaption/Anpassung: wir sollten nicht folgern, dass die von Darwin angenommene Anpassungsfähigkeit an eine lokale Umwelt uneingeschränkte Macht besitzt, theoretisch optimale Entwürfe für alle Situationen zu erzeugen. Die natürliche Selektion kann nur auf vorhandenes Material zurückgreifen. Klassisches Dilemma der Evolutionstheorie.
IV 151
Formen/Evolution/Gould: das vielleicht schwierigste Problem der Evolution: wie können neue komplexe Formen (nicht einfach nur einzelne adaptiv vorteilhafte Eigenschaften) entstehen, wenn jede einzelne Form Tausender von Einzelveränderungen bedarf und wenn Zwischenstufen keine lebensfähigen Exemplare hervorbringen? Lösung: neue Formen brauchen gar nicht Stück für Stück zu entstehen, sondern koordiniert durch die Betätigung eines "Hauptschalters" wird ein Entwicklungsprogramm gestartet.
IV 337
Form/Organismen/Evolution/Gould: Oberflächen wachsen mit dem Quadrat der Länge, Volumina mit der dritten Potenz der Länge, also viel schneller. Deshalb besitzen kleine Tiere, verglichen mit ihrem Volumen, große Oberfläche(und müssen mehr fressen).

1. D' Arcy Wentworth Thompson, On Groth and Form, 1917, Cambridge University Press, https://openlibrary.org/books/OL6604798M/On_growth_and_form. (access date 12.01. 2018)

Gould I
Stephen Jay Gould
Der Daumen des Panda Frankfurt 2009

Gould II
Stephen Jay Gould
Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991

Gould III
Stephen Jay Gould
Illusion Fortschritt Frankfurt 2004

Gould IV
Stephen Jay Gould
Das Lächeln des Flamingos Basel 1989
Freie Software Benkler Benkler I 321
Freie Software/Software/Industrieländer/Entwicklungsländer/Benkler: Im Rahmen der Entwicklung hat freie Software das Potenzial, zwei verschiedene und bedeutende Rollen zu spielen. Die erste ist der kostengünstige Zugang zu leistungsstarker Software für Entwicklungsländer. Zweitens geht es darum, das Potenzial für die Teilnahme an Softwaremärkten auf der Grundlage menschlicher Fähigkeiten zu schaffen, auch ohne Zugang zu einem Bestand an exklusiven Rechten an bestehender Software. Derzeit gibt es sowohl in den Entwicklungsländern als auch in den am weitesten entwickelten Volkswirtschaften eine Bewegung, um die Abhängigkeit von freier Software zu erhöhen. Im Jahr 2000 in den Vereinigten Staaten riet die Presidential Technology Advisory Commission dem Präsidenten, die Verwendung von freier Software in unternehmenskritischen Anwendungen zu erhöhen, und untermauerte dies mit der hohen Qualität und Zuverlässigkeit solcher Systeme. In dem Maße, in dem Qualität, Zuverlässigkeit und einfache Selbstanpassung mit bestimmten freien Softwareprodukten konsequent besser sind, sind sie für Regierungen von Entwicklungsländern aus den gleichen Gründen attraktiv wie für die Regierungen von Industrieländern. Im Kontext der Entwicklungsländer sind die wichtigsten zusätzlichen Argumente, die vorgebracht wurden, Kosten, Transparenz, Unabhängigkeit von dem Verlassen auf einer einzigen ausländischen Quelle (read, Microsoft) und das Potenzial der lokalen Softwareprogrammierer, das Programm zu erlernen, Fähigkeiten zu erwerben und somit leicht in den globalen Markt mit Dienstleistungen und Anwendungen für Freie Software einzutreten. Freie
I 322
Software kann eine Vorauszahlung beinhalten oder auch nicht. Auch wenn dies nicht der Fall ist, ist es trotzdem nicht kostenlos. Freie Software ermöglicht jedoch einen offenen Markt für die Wartung freier Software, was wiederum die Kosten für die Wartung der Software im Laufe der Zeit verbessert und senkt. Wichtiger noch, weil die Software zugänglich für alle ist und weil Entwicklergemeinschaften oft multinational sind, können lokale Entwickler die Software lernen und zu relativ kostengünstigen Software-Dienstleistern für ihre eigene Regierung werden. Andere Argumente für die öffentliche Beschaffung freier Software konzentrieren sich auf den Wert der Transparenz von Software, die für öffentliche Zwecke verwendet wird.
Der letzte und ganz entscheidende potenzielle Gewinn ist die Möglichkeit, einen Kontext und einen Anker für einen auf Service basierenden Bereich der freien Softwareentwicklung zu schaffen. Software-Dienstleistungen stellen eine sehr große Branche dar. In den Vereinigten Staaten sind Software-Dienstleistungen eine Branche, die etwa doppelt so groß ist wie die Film- und Videoindustrie. Softwareentwickler aus Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen können am wachsenden Segment der freien Software dieses Marktes partizipieren, indem sie ihre Fähigkeiten allein nutzen.
>Software/Stallman, >Open-Source-Software.

Benkler I
Yochai Benkler
The Wealth of Networks: How Social Production Transforms Markets and Freedom New Haven 2007
Funktionen Parsons Habermas IV 363
Funktionen/Gesellschaft/Systeme/Parsons/Habermas: Weil jede Institution (Unternehmen, Staatsverwaltung, Recht, Kirche, Familie) unter verschiedenen Aspekten allen gesellschaftlichen Subsystemen (Ökonomie, Recht, Erhaltung kultureller Muster) angehört, eignet sich keine als definierendes Merkmal für jeweils eines dieser Subsysteme. Funktionen/Parsons: definiert er nun auf einer verhältnismäßig abstrakten Ebene als Anpassung, Zielerreichung, Integration und Erhaltung von Strukturmuster (Siehe AGIL-Schema/Terminologie). Es sind Produktionsleistungen der Wirtschaft, Organisationsleistungen staatlicher Verwaltungen, Integrationsleistungen des Rechts und die Normalisierungsleistungen der Überlieferung.
Habermas IV 364
Problem: Parsons muss begründen, warum diese vier funktionalen Gesichtspunkte für die Analyse von Handlungssystemen notwendig und hinreichend sind.
Habermas IV 367
Da das Schema der vier Grundfunktionen bei Parsons nun nicht mehr handlungstheoretisch basiert ist und für lebende Systeme allgemein gilt, müssen die analytischen Bestandteile der Handlung nun ihrerseits als Lösung von Systemproblemen begriffen werden.
IV 370
VsParsons: die Aufteilung und Zuordnung der Funktionen in seiner Systemtheorie ist willkürlich. J. Alexander fragt z.B., warum Integrationsprobleme nicht ebenso gut durch universalistische wie durch partikularistische Handlungsorientierungen oder warum Probleme der Erhaltung kultureller Muster nicht genauso gut durch die Orientierung an den Leistungen statt an den intrinsischen Qualitäten eines Gegenübers sollten gelöst werden können.

ParCh I
Ch. Parsons
Philosophy of Mathematics in the Twentieth Century: Selected Essays Cambridge 2014

ParTa I
T. Parsons
The Structure of Social Action, Vol. 1 1967

ParTe I
Ter. Parsons
Indeterminate Identity: Metaphysics and Semantics 2000

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Gefühl Pinker I 457
Gefühle/Pinker: These: Gefühle sind Anpassungen, Softwaremodule. - Mit ihrer Hilfe sollen Kopien der Gene reproduziert werden, die sie hervorgerufen haben.
I 499
Gefühle/Erklärung/Trivers: Strategien im Vergeltungsspiel: Zuneigung: richtet sich an jene, die anscheinend zu einem Gegengefallen bereit sind - Wut: schützt davor, betrogen zu werden - Dankbarkeit: berechnet Kosten und Nutzen der ersten Handlung - Mitleid: soll uns Dankbarkeit einbringen - Scham: soll eine Beziehung aufrechterhalten.
I 500
Gefühle: gleichzeitige Evolution von Anreiz, Gefühle nur vorzutäuschen. - Darauf folgt die Evolution der Unterscheidungsfähigkeit. - Gefühle helfen keinem Menschen, aber sie haben seinen Vorfahren geholfen. - ((s) Daraus folgt eine Trennung von Situation und Gefühl.)
I 510
Gefühle/PinkerVsTradition: Gefühle sind kein Relikt aus tierischer Vergangenheit, kein Born der Kreativität, kein Feind des Intellekts. Der Intellekt überträgt den Gefühlen die Kontrolle, sobald die Situation so ist, dass diese als Garanten für seine Angebote, Versprechen und Drohungen fungieren können.
I 522
Kognitive Dissonanz/Pinker: man verringert sie, indem man eine neue Meinung erfindet, um einen inneren Widerspruch aufzulösen. - Bsp so kommt eine langweilige Arbeit einem rückwirkend interessant vor. - Gefühl der Unsicherheit, das aus widersprüchlichen Überzeugungen herrührt.
I 523
PinkerVs: das stimmt nicht, es gibt gar keinen Widerspruch zwischen "Die Arbeit ist langweilig" und "Ich wurde zur Lüge gedrängt". - Aronson: es geht um den Widerspruch mit der Aussage: "Ich bin nett und habe alles unter Kontrolle".

Pi I
St. Pinker
Wie das Denken im Kopf entsteht München 1998
Geldnachfrage Tobin Mause I 225
Geldnachfrage/Keynesianismus/Tobin: Die keynesianische Geldnachfragetheorie in der Tradition von James Tobin (1) nimmt die Überlegungen der monetaristischen Theorie in weiten Teilen auf.
(Wirtschaftspolitik/Monetarismus: These: Alle wirtschaftspolitischen Eingriffe werden (…) danach beurteilt, inwieweit sie das gesamtwirtschaftliche Zinsniveau beeinflussen. Eine expansive Geldpolitik bewirkt zunächst Zinssenkungen (Liquiditätseffekt) und damit erhebliche Effekte auf die Gütermärkte in Form von Mengen- und Preisanpassungen.)

Tobin: These: Marktteilnehmer haben eine Fülle von unterschiedlichen Anlagemöglichkeiten für ihr Vermögen. Der portfoliotheoretische Transmissionsprozess stellt allerdings die hohe Substituierbarkeit zwischen den einzelnen Assetklassen in Frage. (…) Hierdurch wird die Wirksamkeit der Geldpolitik eingeschränkt.


1. James Tobin, “The Interest Elasticity of the Transactions Demand for Cash”. Review of Economics and Statistics. 38 (3), 1956, S. 241– 247.

EconTobin I
James Tobin
The Interest Elasticity of the Transactions Demand for Cash 1956

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Genetische Algorithmen Norvig Norvig I 126
Genetische Algorithmen/Norvig/Russell: Ein genetischer Algorithmus (oder GA) ist eine Variante der stochastischen Strahlensuche, bei der Nachfolgezustände durch Kombination zweier Elternzustände (parent states) und nicht durch Modifikation eines einzelnen Zustands erzeugt werden. Die Analogie zur natürlichen Selektion ist die gleiche wie bei der stochastischen Strahlensuche, nur dass es sich jetzt um eine sexuelle und nicht um eine asexuelle Fortpflanzung handelt.
Norvig I 127
Wie bei der Strahlensuche beginnen GAs mit einer Reihe von k zufällig erzeugten Zuständen, der sogenannten Population. Jeder Zustand oder jedes Individuum wird als Zeichenkette über einem endlichen Alphabet dargestellt - am häufigsten eine Zeichenkette von Nullen und Einsen.
Norvig I 128
Wie die stochastische Strahlensuche kombinieren genetische Algorithmen eine uphill-Tendenz mit zufälliger Erkundung und Informationsaustausch zwischen parallelen Search Threads. Der primäre Vorteil genetischer Algorithmen liegt, wenn überhaupt, in der Crossover-Operation. Es lässt sich jedoch mathematisch nachweisen, dass, wenn die Positionen des genetischen Codes zunächst in zufälliger Reihenfolge vertauscht werden, das Crossover keinen Vorteil bietet.
Norvig I 155
In den 1950er Jahren verwendeten mehrere Statistiker, darunter Box (1957)(1) und Friedman (1959)(2), evolutionäre Techniken zur Optimierung von Problemen, aber erst Rechenberg (1965)(3) führte Evolutionsstrategien zur Lösung von Optimierungsproblemen für Tragflächen ein, sodass der Ansatz an Popularität gewann. In den 1960er und 1970er Jahren setzte sich John Holland (1975)(4) für genetische Algorithmen ein, sowohl als nützliches Werkzeug als auch als Methode zur Erweiterung unseres Verständnisses von Anpassung, biologisch oder anderweitig (Holland, 1995)(5). Die künstliches Leben-Bewegung (Langton, 1995)(6) geht mit dieser Idee noch einen Schritt weiter und betrachtet die Produkte von genetischen Algorithmen als Organismen und nicht als Problemlösungen. VsGenetische Algorithmen: Die meisten Vergleiche von genetischen Algorithmen mit anderen Ansätzen (insbesondere stochastisches Bergsteigen) haben ergeben, dass die genetischen Algorithmen langsamer konvergieren (O'Reilly und Oppacher, 1994(7); Mitchell et al., 1996(8); Juels und Wattenberg, 1996(9); Baluja, 1997)(10).
VsVs: Solche Erkenntnisse sind in der GA-Gemeinschaft nicht universell verbreitet, aber die jüngsten Versuche innerhalb dieser Gemeinschaft, die populationsbasierte Suche als eine ungefähre Form des Bayes'schen Lernens zu verstehen, könnten helfen, die Lücke zwischen dem Feld und seinen Kritikern zu schließen (Pelikan et al., 1999)(11). >Genetische Programmierung/Norvig.


1. Box, G. E. P. (1957). Evolutionary operation: A method of increasing industrial productivity. Applied
Statistics, 6, 81–101.
2. Friedman, G. J. (1959). Digital simulation of an evolutionary process. General Systems Yearbook, 4, 171–184.
3. Rechenberg, I. (1965). Cybernetic solution path of an experimental problem. Library translation 1122, Royal Aircraft Establishment
4. Holland, J. H. (1975). Adaption in Natural and Artificial Systems. University of Michigan Press.
5. Holland, J. H. (1995). Hidden Order: How Adaptation Builds Complexity. Addison-Wesley.
6. Langton, C. (Ed.). (1995). Artificial Life. MIT Press.
7. O’Reilly, U.-M. and Oppacher, F. (1994). Program search with a hierarchical variable length representation: Genetic programming, simulated annealing and hill climbing. In Proc. Third Conference on Parallel Problem Solving from Nature, pp. 397–406
8. Mitchell, M., Holland, J. H., and Forrest, S. (1996). When will a genetic algorithm outperform hill climbing? In Cowan, J., Tesauro, G., and Alspector, J. (Eds.), NIPS 6. MIT Press.
9. Juels, A. and Wattenberg, M. (1996). Stochastic hill climbing as a baseline method for evaluating genetic algorithms. In Touretzky, D. S., Mozer, M. C., and Hasselmo, M. E. (Eds.), NIPS 8, pp. 430–6.
MIT Press.
10. Baluja, S. (1997). Genetic algorithms and explicit search statistics. In Mozer, M. C., Jordan, M. I., and Petsche, T. (Eds.), NIPS 9, pp. 319–325. MIT Press 11. Pelikan, M., Goldberg, D. E., and Cantu-Paz, E. (1999). BOA: The Bayesian optimization algorithm.
In GECCO-99: Proc. Genetic and Evolutionary Computation Conference, pp. 525–532.

Norvig I
Peter Norvig
Stuart J. Russell
Artificial Intelligence: A Modern Approach Upper Saddle River, NJ 2010
Geschichte Bubner I 7
Geschichte/Bubner These: Statt Kontinuität: Brüche sichtbar machen.
Philosophie/Geschichte/Bubner: These: man muss die anerzogene Methodenkompetenz zugunsten der Aufrufung und Ausweitung von Problembewusstsein zurückstellen.
I 9
"Strategische Verfremdung". Mißverständnis möglicher Anpassung an das wissenschaftliche Methodenideal.
I 10
Feyerabend/Bubner: seit ihm (sowie Popper und Kuhn) gilt es nicht mehr als schlechthin legitim, den zu einem bestimmten Zeitpunkt erreichten Stand der Erkenntnis auf die Vergangenheit zurückzuprojizieren.
I 14
Geschichte/Philosophie/Interpretation/Bubner: Philosophiegeschichte geht anders vor als andere Geschichte. Weder will man nur wissen, was ein Autor jenseits aller Interpretation "wirklich" gemeint hat, noch unterstellt man ihm, was er aus heutiger Sicht "hätte sagen sollen". Entwicklung/Geschichte/Aristoteles: bereits er hat ein Prinzip für die Entwicklung der Wahrheit durch historische Stadien des Irrtums.
Geschichte/Philosophie/Bubner: den Anfängen gebührt ein durch keine Reflexion mehr einholbares Übergewicht.
I 111
Geschichte/Bubner: man sollte vorhandene und abschätzbare Zeitabstände nicht künstlich vergrößern.

Bu I
R. Bubner
Antike Themen und ihre moderne Verwandlung Frankfurt 1992
Geschichte Gould IV 43
Geschichte//Selektion/Darwinismus/Gould: nach der traditionellen Sichtweise ist der Darwinismus zuerst und vor allem eine Theorie der natürlichen Selektion. Gould: das ist sicher richtig, aber den Bezug auf Macht und Reichweite der Selektion sind wir übereifrig geworden, wenn wir versuchen, jede erdenkliche Form und Verhaltensweise ihrem direkten Einfluss zuzuschreiben.
Ein weiteres oft vergessenes Prinzip verhindert jede optimale Anpassung: die seltsamen und doch zwingenden Wege der Geschichte! Organismen stehen unter Zwängen ererbter Formen, die ihre Evolution bremsen! Sie können nicht jedes Mal umgeformt werden, wenn sich ihre Umgebung ändert.
IV 44
Geschichte/Gould: eine Welt, die optimal an ihre aktuelle Umgebung angepasst wäre, wäre eine Welt ohne Geschichte, eine solche Welt hätte auch so erschaffen werden können, wie wir sie jetzt vorfinden.

Gould I
Stephen Jay Gould
Der Daumen des Panda Frankfurt 2009

Gould II
Stephen Jay Gould
Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991

Gould III
Stephen Jay Gould
Illusion Fortschritt Frankfurt 2004

Gould IV
Stephen Jay Gould
Das Lächeln des Flamingos Basel 1989
Geschichte Nietzsche Höffe I 375
Geschichte/Nietzsche/Höffe: Nietzsche(1) gibt einem Grundphänomen des Politischen, dem Streben nach Macht, eine umfassendere, zugleich tiefere Bedeutung. Er unterwirft nämlich die gesamte menschliche Kultur, hier exemplarisch die Geschichtsbetrachtung, dem Prinzip der Steigerung des Lebens: Als Wille zur Macht muss das Leben sich ständig überwinden und produktiv über Sich selbst hinauswachsen. Mit dem Grundsatz: «Nur soweit die Historie dem Leben dient, wollen wir ihr dienen» (Vorwort), führt Nietzsche drei Arten einer lebensdienlichen Historie
ein: die «monumentalische Historie» (2. Kap.), die dem «Tätigen und Streben-
den» «Vorbilder, Lehrer, Tröster» liefert; die «antiquarische Historie» (3. Kap.),
die «dem Bewahrenden und Verehrenden» erlaubt, «mit Treue und Liebe» auf
seine Herkunft zurückzublicken; schließlich die «kritische Historie», die «dem
Leidenden und der Befreiung Bedürftigen» die Kraft schenkt, eine Vergangenheit
nach einer peinlichen Prüfung am Ende zu verurteilen (ebd.).
1m Sinne des stillschweigenden Motivs vom Willen zur Macht warnt
Höffe I 376
Nietzsche vor Übersättigung mit Historie, da sie in fünffacher Hinsicht dem Leben schade:
(1) Durch den Kontrast von Innerlich und Äußerlich schwächt sie die
Persönlichkeit;
(2) sie nährt die Illusion, die höchst seltene Tugend, die Gerechtigkeit, besäße die Gegenwart in höherem Maß als jede andere Zeit;
(3) sie stört «die Instinkte des Volkes», womit sowohl der Einzelne als auch das Ganze «am
Reifwerden verhindert» wird;
(4) es wird der schädliche «Glaube, Spätling und Epigone zu sein» gepflanzt; und
(5) implizit NietzscheVsHegel: eine Epoche gerät in die Verherrlichung der Gegenwart als Vollendung der Weltgeschichte.
Höffe: Mit Kants Gedanke der Geschichte als einem zur Zukunft hin offenen Rechtsfortschritt setzt sich Nietzsche nicht auseinander.


1. F. Nietzsche, Unzeitgemäße Betrachtungen II: «Vom Nutzen und Nachteil der
Historie für das Leben» (1874)



Ries II 36
Geschichte/NietzscheVs: VsHistorismus VsTeleologie, Vs teleologische Sinndeutung
Ries II 38
Geschichte/NietzscheVsStrauß, Friedrich David: Strauß‘ »Leben Jesu« (1835) hatte den jungen Nietzsche einst begeistert. Das erste Stück der unzeitgemäßen Betrachtungen richtet sich gegen ihn.
Ries II 39/40
Geschichte/Unzeitgemäße Betrachtungen /Nietzsche: Zweites Stück: »Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben«: die Unmittelbarkeit des Lebens setzt sich »zuinnerst« dem historischen Wissen entgegen. Jene »Unmittelbarkeit« ist im Vergessen garantiert.
Geschichte/Unzeitgemäße Betrachtungen/NietzscheVsHistorismus: gegen die unreflektierte ideologische Implikation einer Philosophie, deren wissenschaftstheoretisches Postulat einer Trennung von Theorie und Praxis die Anpassung an das Tatsächliche verschleiert.
Ries II 42
Es ist unmöglich, aus der Geschichte als der bloßen Abfolge ihrer Begebenheiten eine Notwendigkeit des Geschehens nachzuweisen. Wissenschaftlicher Anspruch auf Erkennbarkeit eines Weges muss aufgegeben werden. Auch der Gedanke an einen Fortschritt!
Ries II 43
Geschichtskonstruktion versucht die Sinnlosigkeit des Todes zu eliminieren.

Nie I
Friedrich Nietzsche
Sämtliche Werke: Kritische Studienausgabe Berlin 2009

Nie V
F. Nietzsche
Beyond Good and Evil 2014

Ries II
Wiebrecht Ries
Nietzsche zur Einführung Hamburg 1990
Geschlechterrollen Fraser Mause I 201f
Geschlechterrollen/Fraser: Vertreterinnen der Differenztheorie innerhalb der feministischen Debatte kritisieren, dass die Forderung nach Gleichheit die einseitige Anpassung von Frauen an zwar universalistisch gerahmte, tatsächlich jedoch männliche Normen und Prinzipien verlangt. Nancy Fraser: Vorschlag: die moderne Frauenbewegung in eine dritte Phase zu überführen: diese ist charakterisiert durch die Verknüpfung von sozioökonomischer Umverteilungspolitik mit einer geschlechtersensiblen Politik der Anerkennung kultureller Differenzen sowie einer geschlechtersensiblen Repräsentationspolitik. (1) Dieser Vorschlag ist innerhalb der Frauenbewegung noch nicht Konsens.


1. Nancy Fraser, Mapping the feminist imagination. From redistribution to recognition to representation. Constellations 12, (3) 2005, S. 295– 307.

PolFras I
Nancy Fraser
Mapping the feminist imagination. From redistribution to representation 2005

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Goldstandard Eichengreen Mause I 95
Goldstandard/Eichengreen: Der Goldstandard war ein rigides System fixer Wechselkurse, welches die wirtschaftspolitische Autonomie der Nationalstaaten stark beschränkte und tendenziell prozyklisch wirkte: Geriet ein Land in wirtschaftliche Schwierigkeiten und erlitt entsprechend einen Devisenabfluss, so konnte das Gleichgewicht nur über den Weg der Deflation wiederhergestellt werden – ein Anpassungspfad, der mit erheblichen sozialen Kosten, vor allem in Form von Arbeitslosigkeit, verbunden war. Die auf dem Goldstandard basierende internationale Wirtschaftsordnung war nur möglich, solange die Arbeiterklasse im Wesentlichen politisch ausgeschlossen blieb. (1) Der Goldstandard sicherte, dass die sozialpolitische Regulierung weitgehend Sache der Nationalstaaten war, während die internationale Wirtschaftsordnung (trotz moderat ansteigender Zölle) liberal geprägt blieb.
Der Versuch, den Goldstandard nach 1932 neu zu beleben, scheiterte, nicht allein aus politischen Gründen, sondern auch daran, dass die diesem System zugrunde liegenden klassisch-neoklassischen ökonomischen Ideen immer stärker von Ansätzen herausgefordert wurden, die es nahelegten, dass der Staat regulierend in den Wirtschaftskreislauf eingreifen könne und müsse. KeynesVsGoldstandard, vgl. Golla (2).


1. Vgl. B. Eichengreen, Marc Flandreau, Hrsg. The gold standard in theory and history, Bd. 2. London 1997.
2. G. Golla, Nachfrageseitige Konzeptionen zur Zeit der Weltwirtschaftskrise in Deutschland: Keynesianer vor Keynes? Köln 1996.

EconEich I
Barry J. Eichengreen
Marc Flandreau
The gold standard in theory and history London 1997

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Hermeneutik Gadamer I 169
Hermeneutik/Gadamer: Hermeneutik müsste (…) derart umfassend verstanden werden, dass sie die ganze Sphäre der Kunst und ihre Fragestellung mit einbezöge. Wie jeder andere zu verstehende Text muss ein jegliches Kunstwerk nicht nur
I 170
das literarische verstanden werden. Damit erhält das hermeneutische Bewusstsein eine umfassende Weite, die diejenige des ästhetischen Bewusstseins noch übertrifft. Die Ästhetik muss in der Hermeneutik aufgehen. Vgl. >Ästhetisches Bewusstsein.
Die heutige Aufgabe könnte sein, sich dem beherrschenden Einfluss der Diltheyschen Fragestellung und den Vorurteilen der durch ihn begründeten „Geistesgeschichte“ zu entziehen. >Hermeneutik/Dilthey.
I 171
(…) die Kunst [ist] niemals nur vergangene (…), sondern [sie weiß] den Abstand der Zeiten durch ihre eigene Sinnpräsenz zu überwinden. Insofern zeigt sich am Beispiel der Kunst nach beiden Seiten hin ein ausgezeichneter Fall von Verstehen. Sie ist kein bloßer Gegenstand des historischen Bewusstseins, dennoch aber schließt ihr Verständnis schon historische Vermittlung mit ein. Wie bestimmt sich dann ihr gegenüber die Aufgabe der Hermeneutik? Vgl. >Hermeneutik/Schleiermacher, >Hermeneutik/Hegel.
I 177
Hermeneutik/Gadamer: Auf zwei Wegen, dem theologischen wie dem philologischen, hatte sich die Kunstlehre des Verstehens und der Auslegung aus einem analogen Antrieb entwickelt: die theologische Hermeneutik, wie Dilthey schön gezeigt hat(1), aus der Selbstverteidigung des reformatorischen Bibelverständnisses gegen den Angriff der tridentinischen Theologen und ihre Berufung auf die Unentbehrlichkeit der Tradition die philologische Hermeneutik als ein Instrumentarium für den humanistischen Anspruch auf Wiederentdeckung der
I 178
klassischen Literatur. Biblische Hermeneutik: ihre Voraussetzung ist das Schriftprinzip der Reformation. >Interpretation/Luther.

I 280
Hermeneutik/Gadamer: Die grundsätzliche Diskreditierung aller Vorurteile, die das Erfahrungspathos der neuen Naturwissenschaft mit der Aufklärung verbindet, wird in der historischen Aufklärung universal und radikal. Eben hier liegt der Punkt, an dem der Versuch einer philosophischen Hermeneutik kritisch einzusetzen hat. Die Überwindung aller Vorurteile, diese Pauschalforderung der Aufklärung, wird sich selber als ein Vorurteil erweisen, dessen Revision erst den Weg für ein angemessenes Verständnis der Endlichkeit freimacht, die nicht nur unser Menschsein, sondern ebenso unser geschichtliches Bewusstsein beherrscht. Vgl. >Tradition/Romantik. Heißt in Überlieferungen stehen in erster Linie wirklich: Vorurteilen unterliegen und in seiner Freiheit begrenzt sein? Ist nicht vielmehr alle menschliche Existenz, auch die freieste, begrenzt und auf mannigfaltige Weise bedingt? Wenn das zutrifft, dann ist die Idee einer absoluten Vernunft
überhaupt keine Möglichkeit des geschichtlichen Menschentums. Vernunft ist für uns nur als reale geschichtliche, d. h. schlechthin: Sie ist nicht ihrer selbst Herr, sondern bleibt stets auf die Gegebenheiten angewiesen, an denen
I 281
sie sich betätigt. Das gilt nicht nur in dem Sinne, in dem Kant die Ansprüche des Rationalismus unter dem Einfluss der skeptischen Kritik Humes auf das apriorische Moment in der Naturerkenntnis eingeschränkt hat - es gilt viel entschiedener für das geschichtliche Bewusstsein und die Möglichkeit geschichtlicher Erkenntnis. Verstehen/Gadamer: Der Mensch ist sich selber und seinem geschichtlichen Schicksal in noch ganz anderer Weise fremd, als ihm die Natur fremd ist, die nicht von ihm weiß.
Für das historische Verstehen siehe auch >Das Klassische/Gadamer.
I 295
Hermeneutik/Gadamer: Das Verstehen selbser ist icht so sehr als eine Handlung der Subjektivität zu denken, sondern als Einrücken in ein Überlieferungsgeschehen, in dem sich Vergangenheit und Gegenwart beständig vermitteln. Das ist es, was in der hermeneutischen Theorie zur Geltung kommen muss, die viel zu sehr von der Idee eines Verfahrens, einer Methode, beherrscht ist.
I 300
[Eine Spannung] spielt zwischen Fremdheit und Vertrautheit, die die Überlieferung für uns hat, zwischen der historisch gemeinten, abständigen Gegenständlichkeit und der Zugehörigkeit zu einer Tradition. In diesem Zwischen ist der wahre Ort der Hermeneutik.
I 313
Anwendung des Verstandenen: Die innere Verschmelzung von Verstehen und Auslegen führte (...) dazu, dass das dritte Moment am hermeneutischen Problem, die Applikation, ganz aus dem Zusammenhang der Hermeneutik herausgedrängt wurde. Bsp Die erbauliche Anwendung, die etwa der Heiligen Schrift in der christlichen Verkündigung und Predigt zuteil wird, schien etwas ganz anderes als das historische und theologische Verständnis derselben. Nun haben uns unsere Überlegungen zu der Einsicht geführt, dass im Verstehen immer so etwas wie eine Anwendung des zu verstehenden Textes auf die gegenwärtige >Situation des Interpreten stattfindet. Wir werden also gleichsam einen Schritt über die romantische Hermeneutik hinaus genötigt, indem wir nicht nur Verstehen und Auslegen, sondern dazu auch Anwenden als in einem einheitlichen Vorgang begriffen denken. >Juristische Hermeneutik/Gadamer, >Theologische Hermeneutik/Gadamer.
I 334
Hermeneutik/Gadamer: Sofern der eigentliche Gegenstand des historischen Verstehens nicht Ereignisse sind, sondern ihre „Bedeutung“ ist solches Verstehen offenbar nicht richtig beschrieben, wenn man von einem an sich seienden Gegenstand und dem Zugehen des Subjekts auf diesen spricht. In Wahrheit liegt im historischen Verstehen immer schon darin, dass die auf uns kommende Überlieferung in die Gegenwart hineinspricht und in dieser Vermittlung - mehr noch: als diese Vermittlung - verstanden werden muss.
I 391
Hermeneutik/Gadamer: So wie der Übersetzer als Dolmetsch die Verständigung im Gespräch nur dadurch ermöglicht, daß er an der verhandelten Sache teilnimmt, so ist auch gegenüber dem Text die unentbehrliche Voraussetzung für den Interpreten, dass er an seinem Sinn teilnimmt. Es ist also ganz berechtigt, von einem hermeneutischen Gespräch zu reden. Dann folgt daraus aber, dass das hermeneutische Gespräch sich wie das wirkliche Gespräch eine gemeinsame Sprache erarbeiten muss und dass diese Erarbeitung einer gemeinsamen Sprache ebenso wenig wie beim Gespräch die Bereitung eines Werkzeuges für die Zwecke der Verständigung ist, sondern mit dem Vollzug des Verstehens und der Verständigung selbst zusammenfällt. Auch zwischen den Partnern dieses „Gesprächs“ findet wie zwischen zwei Personen eine Kommunikation statt, die mehr ist als bloße Anpassung. Der Text bringt eine Sache zur Sprache, aber dass er das tut, ist am Ende die Leistung des Interpreten. Beide sind daran beteiligt.
I 392
In diesem Sinne handelt es sich im Verstehen ganz gewiss nicht um ein „historisches Verständnis“ das die Entsprechung des Textes rekonstruierte. Vielmehr meint man den Text selbst zu verstehen.
I 446
Hermeneutik/Humboldt/Gadamer: [Humboldts] Bedeutung für das Problem der Hermeneutik liegt (...) [darin]: in der Erweisung der Sprachansicht als Weltansicht. >Sprache/Humboldt, >Kultur/Humboldt. Er hat den lebendigen Vollzug des Sprechens, die sprachliche Energeia als das Wesen der
Sprache erkannt und dadurch den Dogmatismus der Grammatiker gebrochen. Von dem Begriff der Kraft aus, der sein ganzes Denken über die Sprache leitet, hat er insbesondere auch die Frage nach dem Ursprung der Sprache zurechtgestellt, die durch theologische Rücksichten besonders belastet war.
Ursprung der Sprache/Humboldt: [Humboldt] betont mit Recht, dass die Sprache von ihrem Anbeginn an menschlich ist.(2)
I 479
Hermeneutik/Gadamer: Universalität der Hermeneutik: (...) sprachlich und damit verständlich ist das menschliche Weltverhältnis schlechthin und von Grund aus. Hermeneutik ist (...) insofern ein universaler Aspekt der Philosophie und nicht nur die methodische Basis der sogenannten Geisteswissenschaften.
I 480
Kunst/Geschichte: (...) die Begriffe von „Kunst“ und „Geschichte“ (...) sind Auffassungsformen, die sich aus der universalen Seinsweise des hermeneutischen Seins als Formen der hermeneutischen Erfahrung erst ausgliedern.


1.2 Dilthey, Die Entstehung der Hermeneutik, Ges. Schriften Bd. V, 317 338.
2. W. von Humboldt, „Über die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaus ..“
(zuerst gedruckt 1836), § 9, S. 60

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Herrschaft Pettit Brocker I 855
Herrschaft/Government/Pettit: Pettit will das Bild eines öffentlichen Lebens entwerfen, das Freiheit ohne Beherrschung bietet. Seine idealtypische Konzeptualisierung der politischen Sphäre soll pluralistisch, anpassungsfähig und auf Nachhaltigkeit gerichtet sein. Sie soll nicht nur unterschiedliche Interessen und Bedürfnisse in egalitaristischer Stoßrichtung untereinander austarieren, sondern auch die öffentliche Sensibilität für ökologische Fragen, für die Frauenemanzipation, für Minderheiten-Probleme und für ein multikulturelles Miteinander pflegen. Insbesondere geht es Pettit um damit zusammenhängende Probleme des Verfassungsrechts.
Brocker I 856
Verfassung/Pettit: seine Auseinandersetzung mit verfassungsrechtlichen Fragen wird von einigen Autoren als zu grobschlächtig angesehen. VsPettit: (2)(3) - Pettits Replik: PettitVsVs: (4)(5)
Brocker I 860
VsPettit: er landet bei einer erstaunlich konventionellen Vorstellung vom Regieren. McMahonVsPettit: Er Ignoriere die widrigen Realisierungsbedingungen republikanischer Freiheitsgarantien im Dickicht der realen politischen Handlungszusammenhänge. (6)
VsPettit: dieser lande letztlich bei dem von ihm kritisierten Liberalismus bzw. einem liberalen Leitbild des Gemeinwohls, das den Respekt für die Freiheit des Individuums an die erste Stelle rückt.
Problem: Pettit habe keine bündige Neuinterpretation der kollektiven Interaktion von Individuen und ihrer politischen Funktionsbestimmung. (9)


Philip Pettit, Republicanism. A Theory of Freedom and Government, Oxford 1997, S. 129
2. John A. Bruegger »Republican Freedom: Three Problems«, in: The Journal Jurisprudence 11, 2011, S. 582
3. McMahon, Christopher, »The Indeterminacy of Republican Policy«, in: Philosophy and Public Affairs 33/1, 2005, 67-93.
4. Philip Pettit, »The Determinacy of Republican Policy: A Reply to McMahon«, in: Philosophy and Public Affairs 34/3, 2005, 275-283.
5. Philipp Schink,»Freedom, Control and the State«, in: Andreas Niederberger/Philipp Schink (Hg.), Republican Democracy. Liberty, Law, and Politics, Edinburgh 2013, S. 224
6. McMahon ebenda
7.Laborde, Cécile/Maynor, John, »The Republican Contribution to Contemporary Political Theory«, in: dies. (Hg.), Republicanism and Political Theory, Malden, Mass./Oxford/Carlton 2008, s. 1 - 28
8. John P. McCormick, »Republicanism and Democracy«, in: Andreas Niederberger/Philipp Schink (Hg.), Republican Democracy. Liberty, Law, and Politics, Edinburgh 2013
9. Laborde, Cécile/Maynor, John, »The Republican Contribution to Contemporary Political Theory«, in: dies. (Hg.), Republicanism and Political Theory, Malden, Mass./Oxford/Carlton 2008, S. 9.


Emanuel Richter, „Philip Pettit, Republicanism“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Pett I
Ph. Pettit
Just Freedom: A Moral Compass for a Complex World New York 2014

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Individuen Hegel Adorno XIII 236
Individuum/Hegel/Goethe/VsEpikur/Adorno: es gibt keine Entfaltung des Ich dadurch, dass das Ich sich selber wie eine Pflanze hegt und mit Wasser begießt, sondern eben nur durch das, was Hegel und Goethe als Entäußerung bezeichnet haben. Das bedeutet nicht etwa, dass man sich in Anpassung aufgibt und der Welt gleichmacht. Man muss vielmehr das, was man nun einmal so ist, die Zufälligkeit des Soseins der eigenen Existenz, der Dialektik mit dem Nicht-Ich exponieren. Person/Hegel/Adorno: Person ist eigentlich zugleich die der Welt, die man erführt und sie bildet sich nur in der Erfahrung dieser Welt. >Individuum/Schopenhauer.

A I
Th. W. Adorno
Max Horkheimer
Dialektik der Aufklärung Frankfurt 1978

A II
Theodor W. Adorno
Negative Dialektik Frankfurt/M. 2000

A III
Theodor W. Adorno
Ästhetische Theorie Frankfurt/M. 1973

A IV
Theodor W. Adorno
Minima Moralia Frankfurt/M. 2003

A V
Theodor W. Adorno
Philosophie der neuen Musik Frankfurt/M. 1995

A VI
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften, Band 5: Zur Metakritik der Erkenntnistheorie. Drei Studien zu Hegel Frankfurt/M. 1071

A VII
Theodor W. Adorno
Noten zur Literatur (I - IV) Frankfurt/M. 2002

A VIII
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 2: Kierkegaard. Konstruktion des Ästhetischen Frankfurt/M. 2003

A IX
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 8: Soziologische Schriften I Frankfurt/M. 2003

A XI
Theodor W. Adorno
Über Walter Benjamin Frankfurt/M. 1990

A XII
Theodor W. Adorno
Philosophische Terminologie Bd. 1 Frankfurt/M. 1973

A XIII
Theodor W. Adorno
Philosophische Terminologie Bd. 2 Frankfurt/M. 1974
Induktion Goodman I 23
Def Induktion erfordert, dass einige Klassen unter Ausschluss anderer als relevante Arten aufgefasst werden.
II 82
Die schärfste Kritik VsHume: seine Analyse beziehe sich bestenfalls auf den Ursprung der Voraussagen, nicht auf ihre Berechtigung.
Deduktion/Goodman: Übereinstimmung mit anerkannter Praxis. (Quelle: wo?)
II 88
Das Induktionsproblem ist kein Beweisproblem, sondern ein Problem der Definition des Unterschieds zwischen gerechtfertigten und ungerechtfertigten Voraussagen
II 89
Gegenseitige Anpassung zwischen Definition und Sprachgebrauch.
II 101f
glau: Problem: gleiche Daten stützen gegensätzliche Voraussagen - Frage: in welcher wesentlichen Eigenschaft sich Hypothesen gleichen müssen. > Gesetz: nicht im Zusammenhang mit z.B. Gegenstand in meiner Tasche - "glau" nicht wie übliche nicht-gesetzesartige Hypothesen (räumlich oder zeitlich eingeschränkt) - man kann nämlich Ableitung umkehren: rot und grün aus grot und rün. Siehe Glauheit.
II 109
Gesetzesartige oder fortsetzbare Hypothesen sind nicht rein syntaktisch zu charakterisieren.
II 95
Was bestimmte Daten bestätigen, ist nicht das, was sich durch Verallgemeinerung von getrennten Einzelfällen ergibt, sondern das, was sich durch Verallgemeinerung des gesamten vorliegenden Datenmaterials ergibt.

G IV
N. Goodman
Catherine Z. Elgin
Revisionen Frankfurt 1989

Goodman I
N. Goodman
Weisen der Welterzeugung Frankfurt 1984

Goodman II
N. Goodman
Tatsache Fiktion Voraussage Frankfurt 1988

Goodman III
N. Goodman
Sprachen der Kunst Frankfurt 1997
Inflation Targeting Taylor Taylor III
Inflation Targeting/Zinsen/Zentralbank/Löhne/Wirtschaft/TaylorVsSummers/TaylorVsStansbury/Lance Taylor: Was die Inflation betrifft, so ignorieren sowohl die Zentralbanken als auch [Summers und Stansbury] die Fakten, dass die Inflation ein kumulativer Prozess ist, der von widersprüchlichen Ansprüchen auf Einkommen und Vermögen getrieben wird, und dass in den letzten fünf Jahrzehnten Gewinne fast alle Forderungen erfasst haben. Inflation Targeting/Summers: Betrachten Sie den realen "Produktlohn", den Nominal- oder Geldlohn geteilt durch einen Erzeugerpreisindex (PPI), um die Kosteninflation zu korrigieren, mit der die Unternehmen konfrontiert sind. Einige Berechnungen (...) zeigen, dass der Arbeits- oder Lohnanteil der Produktion, der den realen "Lohnstückkosten" entspricht, gleich dem Reallohn geteilt durch die Produktivität oder dem Output-/Arbeitsverhältnis ist. Die Gewinnbeteiligung entspricht eins minus dem Lohnanteil. (...) der Gewinnanteil und die Wachstumsraten der Reallöhne und der Produktivität haben sich im Laufe der Zeit verändert (...).
Die Wachstumsrate der nominalen Lohnstückkosten ist die Differenz zwischen dem Wachstum der Lohn- und Produktivitätsraten. Wie bei den anderen Arbeitsmarktindikatoren hat sich das Kostenwachstum nach 2000 verlangsamt.
Um die Dynamik zu entwirren, brauchen wir eine Theorie der Inflation. Um die Jahrhundertwende wies der schwedische Ökonom Knut Wicksell darauf hin, dass die Inflation ein "kumulativer Prozess" ist, der eine Rückkopplung zwischen Preis- und Lohninflationsraten beinhaltet. Auch nach ihrem langen Rückgang zeigt [sich], dass die Arbeitszahlungen immer noch 55 % der Produktionskosten ausmachen und mit in die Inflationsrechnung einfließen müssen.
Der "reale Gleichgewichtseffekt" (oder die "Inflationssteuer" in einer dynamischen Version) besagt, dass ein Anstieg des Preisniveaus den realen Wert von Vermögenswerten mit nominal festgelegten Preisen verringert - Geld ist das übliche Beispiel. Der Wohlstand sinkt und die Haushalte sollen in der Folge mehr sparen. Neben einer Lohnverzögerung ist der Realgleichgewichtseffekt der wichtigste Anpassungsmechanismus in Milton Friedmans (1968) "Inflation"-Modell, das der heutigen Geldpolitik noch immer zugrunde liegt. "Zwangssparen" entsteht, wenn ein Preissprung gegen einen konstanten Geldlohn die realen Zahlungen an die Lohnempfänger reduziert. Wenn ihre Kreditkapazität begrenzt ist, müssen sie den Konsum senken und die Nachfragekurve nach unten verschieben. Wenn ein expansives Paket das Preisniveau in die Höhe treibt, wären die Haushalte der Mittelschicht und der unteren Einkommensschichten, die auf Löhne angewiesen sind, diejenigen, die leiden würden.
Konflikte entstehen, weil Preiserhöhungen von der Wirtschaft kontrolliert werden, während der Geldlohn Gegenstand von Verhandlungen zwischen Wirtschaft und Arbeit ist. Beide Seiten versuchen, den Arbeitsanteil als wichtigen Verteilungsindikator zu manipulieren. In einem inflationären Gesamtumfeld kann die Wirtschaft sofort auf einen Anstieg des Lohnanteils oder der Produktion reagieren, indem sie die Preissteigerungsrate der Phillips-Kurve entlang des "Inflation"-Zeitplans nach oben treibt (...). Geldlöhne hingegen werden nicht sofort an die Preisinflation gekoppelt, so dass sie mit Verzögerung folgen werden. Die Arbeit wird auf eine schnellere Lohninflation drängen, wenn der Lohnanteil niedrig ist.
Angenommen, es gibt ein anfängliches Inflationsgleichgewicht (...). Der Vorschlag von [Summers und Stansbury], die Fiskalpolitik zur Stimulierung der Gesamtnachfrage zu nutzen, würde die Inflationskurve nach oben treiben (...) mit einer schnelleren Inflation und einem etwas niedrigeren Lohnanteil im Makrogleichgewicht (...) entlang des stabilen Aktienplans. Angesichts des Verschwindens von NAIRU [Non Accelerating Inflation Rate of Unemployment] in den letzten zwei Jahrzehnten ist nicht klar, wie stark diese Aufwärtsbewegung sein könnte.
Die Art und Weise, wie sich expansive Politik im Hinblick auf Ungleichheit und (möglicherweise) schnellere Inflation auszahlen könnte, wäre eine Aufwärtsbewegung im stabilen Aktienplan, wenn sich der Arbeitsmarkt strafft, was zu mehr Verhandlungsmacht für die Arbeit führt.
Die neuen keynesianischen Erfinder sind nun die regierenden Ältesten der Makroökonomie, die ihre Meinung wahrscheinlich nicht ändern werden. (...) [Summers und Stansbury] erinnern sich vielleicht mit Max Planck daran, dass die Wissenschaft eine Beerdigung nach der anderen vorantreibt. Sie haben sicherlich Recht, wenn sie sagen, dass "die Rolle bestimmter Reibungen und Rigiditäten bei der Untermauerung von Konjunkturschwankungen im Vergleich zu einem grundlegenderen Mangel an der Gesamtnachfrage heruntergespielt werden sollte".
(...) Viele der richtigen Beobachtungen, die [Summers und Stansbury] über die wahrscheinliche Ineffektivität von Zinsänderungen machen, wurde vor fast 90 Jahren von Keynes' Kollege Piero Sraffa (1932a (1), 1932b (2)) in einer Kontroverse mit Friedrich von Hayek angesprochen. Sraffas Hauptaugenmerk lag auf der Nichtanwendbarkeit eines "natürlichen Zinssatzes", ein Punkt, der durch Keynes in der Allgemeinen Theorie verstärkt wurde.
Der natürliche Zinssatz bleibt jedoch ein Thema, das für linksgerichtete Keynesianer von großem Interesse ist. Wie sie diese Idee mit der faschistischen keynesianischen Perspektive von [Summers und Stansbury] in Einklang bringen, bleibt abzuwarten. >Zentralbank/Summers.


1. Sraffa, Piero (1932a) “Dr. Hayek on Money and Capital,” Economic Journal, 42: 42-53.
2. Sraffa, Piero (1932b) “Money and Capital: A Rejoinder,” Economic Journal, 42: 249-25.



Taylor, Lance: Central Bankers, Inflation, and the Next Recession, in: Institute for New Economic Thinking (03/09/19), URL: http://www.ineteconomics.org/perspectives/blog/central-bankers-inflation-and-the-next-recession

EconTayl I
John Brian Taylor
Discretion Versus Policy Rules in Practice
In
Carnegie-Rochester Conference Series on Public Pol, 1993

Taylor III
Lance Taylor
Central Bankers, Inflation, and the Next Recession, in: Institute for New Economic Thinking (03/09/19), URL: http://www.ineteconomics.org/perspectives/blog/central-bankers-inflation-and-the-next-recession 9/3/2019

TaylorB II
Barry Taylor
"States of Affairs"
In
Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976

TaylorCh I
Charles Taylor
The Language Animal: The Full Shape of the Human Linguistic Capacity Cambridge 2016
Information Wiener II 83
Information/Sprache/Wiener: es ist theoretisch möglich, die Statistik der semantischen und Verhaltenssprache so zu entwickeln, dass wir ein gutes Maß des Informationsbetrags in jedem System erhalten. Jedenfalls können wir ganz allgemein zeigen, dass phonetische Sprache im Verhältnis zur Eingabe weniger
II 84
Gesamtinformation enthält oder auf jeden Fall nicht mehr als das zum Ohr führende Übermittlungssystem und dass semantische und Verhaltenssprache noch weniger Information enthalten. Diese Tatsache ist eine Form des zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik und gilt nur, wenn wir bei jeder Stufe die übertragene Information als Maximalinformation betrachten, die mit einem entsprechend verschlüsselten Empfangssystem übertragen werden könnte.
II 121
Das Eigentumsrecht an Information leidet an dem notwendigen Nachteil, dass eine Information, die zum allgemeinen Informationsstand der Gemeinschaft beitragen soll, etwas vom vorherigen allgemeinen Informationsbesitz der Gemeinschaft wesentlich Verschiedenes aussagen muss.
II 122
Der Gedanke, dass Information in einer sich ändernden Welt ohne merkbare Minderung ihres Wertes gestapelt werden kann, ist falsch.
II 123
Information ist eben mehr eine dynamische als eine Angelegenheit der Stapelung.
II 124
Der Zeitfaktor ist in alle Beurteilungen des Informationswertes wesentlich.


Brockman I 155
Information/Wiener/Kaiser: [Wiener borgte sich Shannons Einsicht]: Wenn Information wie Entropie war, dann konnte sie nicht konserviert oder eingedämmt werden. (>Information/Shannon). Fazit/Wiener: Es war Wahnsinn, dass die Militärführer versuchten, das "wissenschaftliche Know-how der Nation in statischen Bibliotheken und Laboren" zu sammeln.(1)
Brockman I 156
Da "Information und Entropie nicht konserviert werden", sind sie "ebenso ungeeignet, Waren zu sein"(2).
Brockman I 157
KaiserVsWiener: Was Wiener im Sinn hatte, war nicht das, was Shannon mit "Information" meinte. Wieners Umgang mit "Information" klang 1869 eher wie Matthew Arnold(3) als Claude Shannon 1948 - mehr "Körper und Geist" als "Bit".
Brockman I 158
In vielerlei Hinsicht hat sich Wieners Ansicht als richtig erwiesen. Seine Vision von vernetzten Rückkopplungsschleifen, die durch Machine-to-Machine-Kommunikation gesteuert werden, ist zu einem alltäglichen Bestandteil des Lebens geworden.

1. Wiener, N. (1950) The Human Use of Human Beings. Boston: Houghton Mifflin.
2. ibid.
3. Matthew Arnold, Culture and Anarchy, ed. Jane Garnett (Oxford, UK: Oxford University
Press, 2006).


Kaiser, David “”information” for Wiener, for Shannon, and for Us” in: Brockman, John (ed.) 2019. Twenty-Five Ways of Looking at AI. New York: Penguin Press.



Brockman I 179
Information/Wiener/Hillis: "Information ist eine Bezeichnung für den Inhalt dessen, was mit der Außenwelt ausgetauscht wird, während wir uns an sie anpassen und sie
Brockman I 179
unsere Anpassung spüren lassen." Mit seinen Worten ist Information das, was wir benutzen, um "effektiv in dieser Umgebung zu leben."(1) Für Wiener ist Information ein Weg für die Schwachen, effektiv mit den Starken umzugehen.
1. Wiener, N. (1950) The Human Use of Human Beings. Boston: Houghton Mifflin. 17-18.


Hillis, D. W. “The First Machine Intelligences” in: Brockman, John (ed.) 2019. Twenty-Five Ways of Looking at AI. New York: Penguin Press.

WienerN I
Norbert Wiener
Cybernetics, Second Edition: or the Control and Communication in the Animal and the Machine Cambridge, MA 1965

WienerN II
N. Wiener
Mensch und Menschmaschine Frankfurt/M. 1952

Brockman I
John Brockman
Possible Minds: Twenty-Five Ways of Looking at AI New York 2019
Institutionen Demsetz Parisi I
Institutionen/Recht/Rechtsgeschichte/Demsetz/Wangenheim: Initiiert durch Harold Demsetz' bahnbrechenden Aufsatz (1967)(1), betrachten neo-institutionelle Untersuchungen der Rechtsentwicklung typischerweise spezifische Veränderungen von Eigentumsrechtsregimen. Alchian: Die Grundidee ist eng verwandt mit Alchians (1950)(2) optimistischer Darstellung der Verhaltensevolution: Gesellschaften neigen dazu, Institutionen zu haben, die die aktuellen Bedürfnisse dieser Gesellschaft unter Berücksichtigung ihrer Umwelt und ihrer Präferenzen widerspiegeln und an diese angepasst sind.
Eigentumsrechte/Demsetz: Die Labrador-Indianer wechselten von frei zugänglichen Eigentumsrechtsregimen zu Privateigentum
Parisi I 163
als der Pelzhandel die Biberjagd für jeden Jäger wertvoller machte, so dass die natürliche Umgebung die radikal gestiegene Belastung durch die folglich erhöhten Jagdaktivitäten nicht mehr tragen konnte. Bedingungen/Demsetz: In seiner Aufarbeitung fünfunddreißig Jahre später stützt Demsetz (2002)(3) seine Argumentation auf eine Reihe von Bedingungen, die erfüllt sein müssen, damit Umweltveränderungen optimale institutionelle Anpassungen induzieren. Im Einzelnen berücksichtigte er
(1) die Anzahl und Nähe der beteiligten Personen,
(2) ihre Produktivität bei der Lösung von Ressourcenallokationsproblemen, und
(3) die Komplexität des Problems als relevante Bedingungen.
Wenn sie sich ändern, meist aufgrund neuer Spezialisierungsgrade in der Produktion, passen sich die beobachtbaren Eigentumsrechtsregime an, um die dann vorherrschenden Externalitätsprobleme besser zu lösen, so argumentiert Demsetz (2002)(4).
North: Die Idee, dass sich Institutionen in Richtung Effizienz entwickeln, steht auch im Zentrum der früheren Schriften von Douglas North (z.B. 1981)(4), der seine Darstellung der Wirtschaftsgeschichte auf dieses Argument stützt.
WangenheimVsDemsetz: Unabhängig davon, ob man diesen funktionalistischen Demsetz'schen Ansatz als wirklich evolutionär bezeichnen will oder nicht, fehlt dem Argument jede kausale Erklärung, warum sich die Institutionen verändern. Es gibt weder eine Diskussion darüber, wie Regeln in archaischen Gesellschaften zustande kommen, noch gibt es einen Hinweis auf die Anreize der Gesetzgeber, wenn komplexere Gesellschaften diskutiert werden (hauptsächlich in der Arbeit von 2002).
WittVsDemsetz: Viele Autoren wie Witt (1987)(5), Banner (2002)(6), Eggertson (1990(7), S. 247-280) und Anderson und Hill (1975(8) , 2002(9)) haben auf diesen Fallstrick von Demsetz' Ansatz hingewiesen.
Die Idee wurde von Wissenschaftlern wie Umbeck (1977a(10), 1977b(11)), Ellickson (1991(12), 1994(13)) und Anderson und Hill (1975(8), 2002(9)) aufgegriffen, die argumentiert haben, dass Gesellschaften sich selbst organisieren und Eigentumsrechte entwickeln, wenn das Recht nicht existiert oder nicht durchgesetzt wird (prominente Beispiele sind Konflikte zwischen Farmern und Ranchern in Shasta County, Bergbauansprüche während des kalifornischen Goldrausches, Hummerfanggebiete in Maine und Weidegebiete an der amerikanischen Westgrenze in der zweiten Hälfte des 19.)
Kausalität: (...) die Autoren bieten eine kausale Ergänzung zu Demsetz' teleologischer Hypothese: Sie identifizieren einige Individuen, die es privat lohnend finden, Eigentumsrechte gegen verletzende Gruppenmitglieder oder Außenstehende zu gestalten und durchzusetzen.
VsUmbeck: Nicht alle Beispiele sind unumstritten geblieben. Clay und Wright (2005)(14) zum Beispiel stellen Umbecks Beobachtungen zu den Ordnung schaffenden Bergbaubezirksordnungen in Frage. Sie argumentieren, dass die Kodizes der Bergbaureviere den Rechten von denen, die widerrechtlich Grubenanteile beanspruchten, die gleiche Aufmerksamkeit schenkten wie denen, denen die Gruben wirklich gehörten, was zu chronischer Unsicherheit und Rechtsstreitigkeiten führte.


1. Demsetz, H. (1967). "Toward a Theory of Property Rights." American Economic Review, P&P
57: 347-359.
2. Alchian, A. (1950). "Uncertainty, Evolution and Economic Theory." Journal of Political
Economy 58: 211—221.
3.Demsetz, H. (2002). "Toward a Theory of Property Rights Il: The Competition Between Private and Collective Ownership." Journal of Legal studies 31: S653—S672.
4. North, D. C. (1981). Structure and Change in Economic History. New York: Norton.
5. Witt, U. (1987). "How Transaction Rights Are Shaped to Channel Innovativeness." Journal
of Institutional and Theoretical Economics 143: 180—195.
6. Banner, S. (2002). "Transitions Between Property Regimes." Journal of Legal studies 31:
S359-S371.
7. Eggertson, T. (1990). Economic Behavior and Institutions. Cambridge: Cambridge University Press. 8. Anderson, T. L. and P. J. Hill (1975). "The Evolution of Property Rights: A Study of the
American West." Journal of Law and Economics 18: 163—179.
9. Anderson, T. L. and P. J. Hill (2002). "Cowboys and Contracts." Journal of Legal studies 31:
S489-S514.
10. Umbeck, J. (1977a). "The California Gold Rush: A Study of Emerging Property Rights." Explorations in Economic History 14: 197—226. 11. Umbeck, J. (1977b). "A Theory of Contract Choice and the California Gold Rush." Journal of
Law and Economics 20: 421—437.
12. Ellickson, R. (1991). Order Without Law: How Neighbors Settle Disputes. Cambridge, MA:
Harvard University Press.
13. Ellickson, R. (1994). "The Aim of Order without Law." Journal of Institutional and Theoretical Economics 150: 97—100.
14. Clay, K. and G. Wright (2005). "Order without law? Property Rights during the California
Gold Rush." Explorations in Economic History 42: 155—183.

Wangenheim, Georg von. „Evolutionary Law and Economics.” In: Parisi, Francesco (Hrsg.) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Bd. 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University Press

EconDems I
Harold Demsetz
Toward a theory of property rights 1967

Parisi I
Francesco Parisi (Ed)
The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017
Intelligenz McGinn II 52
Intelligenz/McGinn: die neuere Lehrmeinung betont drei Merkmale: Anlage, Formbarkeit, Anpassung. Wir lernen nicht, Arme, Beine und Nieren zu besitzen.
Intelligenz ist stets bei oder für etwas. Die Fähigkeit, die einem Organismus gesteckten Ziele zu erreichen.
II 57
Mensch/Evolution/Geist/McGinn: es ist eine merkwürdige Fügung, dass wir die einzige Art auf der Erde sind, die fähig ist, Wissenschaft und Philosophie zu treiben. Es hätte ohne weiteres eine andere Art mit einem gewissen Maß an wissenschaftlichem Talent geben können, etwa auf dem Niveau eines Zehnjährigen vielleicht. Oder eine Art, die in Biologie uns überlegen ist, in Physik aber unterlegen usw. Die Art von Intelligenz, die wir haben, ist absolut nicht notwendig für Lebewesen, um zu überleben.

McGinn I
Colin McGinn
Die Grenzen vernünftigen Fragens Stuttgart 1996

McGinn II
C. McGinn
Wie kommt der Geist in die Materie? München 2001
Interpretation Strauss Gaus I 24
Interpretation/Leo Strauss/Ball: Die Anhänger des verstorbenen Leo Strauss (1899-1973) - behaupten, dass ein Kanon von Werken Platons und einer Handvoll anderer Autoren die ganze Wahrheit über die Politik enthält, eine Wahrheit, die ewig, unveränderlich und nur wenigen Glücklichen zugänglich ist (...). Der Zugang zu dieser Wahrheit erfordert eine besondere Art zu lesen und zu interpretieren, was man liest. StraussVsLiberalismus: (...) Strauss sah die Geschichte des modernen westlichen liberalen politischen Denkens als eine Geschichte der Degeneration und Entkräftung. Er und seine Anhänger stellten die Vitalität des klassischen griechischen und römischen politischen Denkens dem resignierten Ennui der schlaffen modernen liberalen Denker gegenüber. Der moderne Liberalismus ist eine Philosophie ohne Fundament. Der moderne Liberalismus, von Hobbes bis zur Gegenwart, hat sich jeglicher Grundlage in der Natur oder im Naturrecht entzogen und ist auf einen rückgratlosen Relativismus reduziert und verfügt daher nicht über die normativen Grundlagen und philosophischen Ressourcen, um den Winden des Fanatismus des zwanzigsten Jahrhunderts zu widerstehen, die sowohl von rechts als auch von links wehen.
StraussVsHistorizismus: Da die Gegenwart bankrott ist, müssen sich Studenten der politischen Philosophie von der Vergangenheit leiten lassen; sie müssen Historiker sein, aber keine "Historizisten".
Wissen und Leitung der Art, wie wir sie benötigen, sind jedoch nicht leicht zu bekommen. Sie erfordern, dass wir diese "alten Bücher" richtig lesen - dass wir
Gaus I 25
die wahre Bedeutung der Botschaften entziffern, die von Autoren verschlüsselt wurden, die sich vor Verfolgung fürchten und im Laufe der Zeit mit den Kognoszenen kommunizieren wollten (Strauss, 1952)(1). StraussVsLocke/StraussVsHobbes: Sich mit den großen Denkern der Antike zu verständigen, bedeutet zu würdigen, wie tief wir gefallen sind. Die Fäulnis kam im 17. Jahrhundert, mit dem Aufkommen des modernen Liberalismus, insbesondere des Liberalismus von Hobbes und Locke (Strauss, 1953)(2). Sie leugneten die alte Weisheit und die ältere Idee des Naturrechts und zogen stattdessen eine auf Sicherheit und Eigeninteresse beruhende Sichtweise der Politik vor. Das alte "philosophische" Streben nach dem guten Leben wurde in die moderne "wissenschaftliche" Suche nach Sicherheit, Geborgenheit und der Anpassung an konkurrierende Interessen umgewandelt.
1) VsStrauss: Straussische Interpretationen sind aus verschiedenen Gründen kritisiert worden. Einer ist, dass sie sich auf die Art von vermeintlichem "Insiderwissen" stützen, das nur denjenigen zur Verfügung steht, die in die Geheimnisse der Straußischen Interpretation eingeweiht wurden (und die ihrerseits Kritik von nicht-russischen Außenstehenden bequemerweise als hoffnungslos ignorant und uninformiert abtun).
2) VsStrauss: Eine andere ist, dass sie ohne Argumente oder Beweise davon ausgehen, dass der "echte" Text nicht Punkt für Punkt mit dem geschriebenen und öffentlich zugänglichen "exoterischen" Text übereinstimmt; der echte oder "esoterische" Text bleibt der Öffentlichkeit verborgen, seine Bedeutung ist für Uneingeweihte unzugänglich und unwürdig.


1. Strauss, Leo, 1952. Persecution and the Art of Writing. Glencoe, IL: Free.
2. Strauss, Leo, 1953. Natural Right and History. Chicago: University of Chicago Press.

Ball, Terence. 2004. „History and the Interpretation of Texts“. In: Gaus, Gerald F. 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications.

StraussDFr I
David Friedrich Strauss
Der alte und der neue Glaube Hamburg 2012

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Klimakosten Singer Norgaard I 326
Klimakosten/Shue/Singer: (...) Es besteht ein weitgehender Konsens unter den Philosophen, die zu dem Thema geschrieben haben, dass Gerechtigkeitsüberlegungen tatsächlich die Verpflichtung der reichen und hoch emittierenden Länder rechtfertigen, ihre Emissionen zu reduzieren, für Emissionssenkungen in armen Ländern zu zahlen und den armen Ländern bei der Anpassung an den Klimawandel zu helfen. Sowohl Henry Shue (1993(1), 1995(2)) als auch Peter Singer (2002)(3) (...) argumentieren, dass man auf allen plausiblen moralischen Darstellungen zu dieser allgemeinen Interpretation der Verpflichtungen der Reichen und der Rechte der Armen gelangt. Die wenigen wissenschaftlichen Bemühungen, diese Argumente zu widerlegen - nicht von Philosophen -, basieren auf einer Vielzahl von Gegenstrategien und argumentieren beispielsweise, dass die Verhinderung des Klimawandels ein sehr ineffizienter Weg ist, die Rechte zu erfüllen, sollten die Reichen Verpflichtungen gegenüber den Armen haben (z.B. Beckerman und Pasek 2005(4); Lomborg 2006(5)). (…).
Norgaard I 331
Eine länderbezogene Bewertung kann kaum zu einer anderen Schlussfolgerung führen, als dass die reichen Länder noch "zuerst handeln müssen", wie sie es in der UNFCCC versprochen haben (Brown et al. 2006)(6).
Norgaard I 326
Klimakosten/Nationen/Individuen/Shue: (...) Nation-zu-Nation-Verpflichtungen erlauben zu Unrecht den Armen im Norden, Verpflichtungen gegenüber den Nichtarmen im Süden einzugehen (Posner und Sunstein 2008)(7).
Norgaard I 327
Einige (Shue 1993(1); Neumayer 2000(8)) haben eine breite "historische Rechenschaftspflicht" verteidigt, mit der die Staaten als Ganzes Verpflichtungen haben, die proportional zu ihren historischen Treibhausgasemissionen stehen. Andere (Caney 2009(9); Baer et al. 2010(10); Harris 2010(11)) haben argumentiert, dass solche kollektiven, historischen Konten problematisch sind (insbesondere für Emissionen vor der Erkennung der Risiken der globalen Erwärmung) und dass die Verpflichtungen auch oder stattdessen auf der internationalen Gerechtigkeit basierend die Fähigkeit zu zahlen sein sollte. Diese Argumente der "Zahlungsfähigkeit" konzentrieren sich auch auf Einzelpersonen und nicht auf Länder, was mit den Grundprinzipien eines kosmopolitischen Ansatzes vereinbar ist.


1. Shue, H. 1993. Subsistence emissions and luxury emissions. Law and Policy 15: 39–59.
2. Shue; H. 1995. Ethics, the environment and the changing international order. International Affairs 71: 453–61.
3. Singer, P. 2002. One World: The Ethics of Globalization. New Haven: Yale University Press.
4. Beckermann, W., and J. Pasek. 2005. Justice, posterity, and the environment. Oxford: Oxford University Press.
5. Lomborg, B. (ed.) 2006. How to Spend $50 Billion to Make the World a Better Place. Cambridge: Cambridge University Press.
6. Brown, D. et al. 2006. White Paper on the Ethical Dimensions of Climate Change. Available at (http://www.psu.edu/dept/rockethics/climate/whitepaper/edcc‐whitepaper.pdf) (Link not available as of 15/04/19)
7. Posner, E. A., and Sunstein, C. R. 2008. Climate change justice. Georgetown Law Journal 96: 1565–612.
8. Neumayer, E. 2000. In defence of historical accountability for greenhouse gas emissions. Ecological Economics 33: 185–92.
9. Caney, S. 2009. Human rights, responsibilities and climate change. In C. R. Beitz and R. E. Goodin (eds.), Global Basic Rights. Oxford: Oxford University Press.
10. Bear, P. et al. 2010. Greenhouse development rights: A framework for climate protection that is ‘more fair’ than equal per capita emissions rights. Pp. 215–30 in S. M. Gardiner, S. Caney, D. Jamieson, and H. Shue (eds.), Climate Ethics: Essential Readings. Oxford: Oxford University Press.
11. Harris, P. G. 2010. World Ethics and Climate Change: From International to Global Justice. Edinburgh: Edinburgh University Press.



Baer, Paul: “International Justice”, In: John S. Dryzek, Richard B. Norgaard, David Schlosberg (eds.) (2011): The Oxford Handbook of Climate Change and Society. Oxford: Oxford University Press.

SingerP I
Peter Singer
Practical Ethics (Third Edition) Cambridge 2011

SingerP II
P. Singer
The Most Good You Can Do: How Effective Altruism is Changing Ideas About Living Ethically. New Haven 2015

Norgaard I
Richard Norgaard
John S. Dryzek
The Oxford Handbook of Climate Change and Society Oxford 2011
Konfuzianismus Weber Habermas III 290
Konfuzianismus/Taoismus/Weber/Habermas: Max Weber bewertet in seiner Studie ünber die Wirtschaftsethik der Weltreligionen den Konfuzianismus und den Taoismus allein unter dem Gesichtspunkt der ethischen Rationalisierung. Daher gelangt er zu seiner bekannten (und kontroversen) Einschätzung des geringen Rationalisierungspotentials dieser Weltbilder. Weber: „Die innere Voraussetzung dieser Ethik der unbedingten Weltbejahung und Weltanpassung war der ungebrochene Fortbestand rein magischer Religiosität, von der Stellung des Kaisers angefangen, der mit seiner persönlichen Qualifikation für das Wohlverhalten der Geister, den Eintritt von Regen (…) verantwortlich war, bis zu dem (…) Kult der Ahnengeister (…).“ (1)
J. NeedhamVsWeber/Habermas: dank der bahnbrechenden Untersuchungen von J. Needham (2) ist inzwischen bekannt, dass die Chinesen zwischen dem 1. Jahrhundert v. Chr. Und dem 15. Jahrhundert n. Chr. In der Entwicklung des theoretischen Wissens und seiner Nutzung für praktische Bedürfnisse offenbar erfolgreicher gewesen sind als der Westen. Erst in der Renaissance übernimmt Europa auf diesem Gebiet eindeutig die Führung.
Konfuzianismus/Needham: enthält Grundzüge eines rationalisierungsfähigen Weltbilds. Mit dem Begriff einer konkreten Weltordnung wird die Mannigfaltigkeit der Erscheinungen systematisch erfasst und auf Prinzipien bezogen. Es fehlen allerdings die dominierenden Erlösungsmotive, die den Dualismus zwischen der Erscheinungswelt und weltüberschreitenden Prinzipien verschärfen.
III 292
Die chinesische Bildungsschicht konnte sich nicht wie die griechischen Philosophen auf ein von der Praxis abgehobenes, der Kontemplation gewidmetes, „akademisches“ Leben, auf einen bios theoretikos stützen. HabermasVsNeedham: ich vermute, dass die chinesischen Traditionen in ein anderes Licht gerückt würden, wenn sie nicht primär unter Gesichtspunkten der Ethik sondern der Theorie mit den klassischen griechischen Traditionen verglichen würden. Jedenfalls geht es hier nicht wie bei gesinnungsethischen Erlösungsreligionen um Heilswege, sondern um Wege der Weltvergewisserung.

1. M. Weber, Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, Bd. I Tübingen, 1963, S. 515.
2. J. Needham, Wissenschaftlicher Universalismus, Frankfurt 1977.

Weber I
M. Weber
Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus München 2013

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Konjunktur Neoklassiker Mause I 226
Konjunktur/Neoklassische Theorie: Die konjunkturellen Schwankungen können (…) im Sinne der neuklassischen Theorie bzw. in der Theorie realer Konjunkturzyklen (Real Business Cycle- oder RBC-Theorie; Stadler 1994 (1)) auch auf der Angebotsseite der Gütermärkte auftreten, wenn es zu einer schwankenden Bereitstellung von Produktionsfaktoren kommt. Neoklassische Theorie: für sie ist auf mittlere Sicht das Geschehen auf den Arbeitsmärkten ((s) für die konjunkturelle Entwicklung) bedeutsam.
NeoklassikerVsKeynesianer/NeoklassikVsKeynesianismus: Neoklassische Modelle betrachten ((s) anders als der Keynesianismus, der das Verhalten privater Haushalte betrachtet) den Staat als Hauptverantwortlichen für das Auftreten von Konjunkturzyklen, während sie dem privaten Sektor eine inhärente Stabilität unterstellen. Eine unsystematische Geld- oder Fiskalpolitik führen zu Unsicherheit und Anpassungsreaktionen der Marktteilnehmer, die sich in Konjunkturschwankungen widerspiegeln. (Siehe Hayek „Anmaßung von Wissen“). Siehe Konjunktur/Neue Politische Ökonomie.

1. Stadler, George W., Real business cycles. Journal of Economic Literature 32, (4) 1994, S. 1750– 1783.

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Korrespondenztheorie James Diaz-Bone I 83
Korrespondenztheorie: für sie ist Wahrheit unabhängig von der Verifikation. Außerdem zeitlos.
I 88
PragmatismusVsKorrespondenztheorie: Übereinstimmung bei James weicht die Dichotomie wahr/falsch auf. (>Verwirklichung, >Anpassung).
Horwich I 22
Korrespondenz/Übereinstimmung/Pragmatismus/James: erst hier beginnt er sich vom „Intellektualismus“ zu unterscheiden: Übereinstimmung/James: heißt zunächst soviel wie „kopieren“, aber Bsp unser Wort für Uhr ist keine Kopie, sondern ein Symbol, das ein Vorstellungsbild sehr gut ersetzen kann.
Symbol/James: für viele Dinge gibt es überhaupt keine „Kopien“ sondern nur Symbole: Bsp „Vergangenheit“, „Kraft“, „Spontaneität“ usw.
Übereinstimmung: kann hier nur richtige Führung bedeuten. Und zwar praktisch wie intellektuell.
Horwich I 23
Sie führt zu Konsistenz, Stabilität und flüssiger menschlicher Kommunikation. (1)

1. William James (1907) "Pragmatisms Conception of Truth“ (Journal of Philosophy, Psychology and Scientific Methods, 4 p. 141-55 and 396-406) in: Paul Horwich (Ed.) Theories of Truth, Aldershot 1994

James I
R. Diaz-Bone/K. Schubert
William James zur Einführung Hamburg 1996

Horwich I
P. Horwich (Ed.)
Theories of Truth Aldershot 1994
Krisen Habermas IV 434
Krisen/Gesellschaft/HabermasVsPasons/Habermas: Talcott Parsons These: Sozialpathologische Erscheinungen gehen auf systemische Ungleichgewichte zurück. HabermasVsParsons: bei dieser Reduzierung geht das Spezifische gesellschaftlicher Krisen verloren. Für selbstgesteuerte Systeme, die ihren riskanten Bestand permanent durch Anpassung an Bedingungen einer kontingenten und überkomplexen Umwelt sicher müssen,
Habermas IV 434
sind interne Ungleichgewichte der normale Zustand. Ob diese Ungleichgewichte ein „kritisches Ausmaß“ annehmen, kann der Systemanalytiker aus der Außenperspektive nur dann beurteilen, wenn er sich, wie bei Organismen, auf eindeutig identifizierbare Grenzen des Überlegens beziehen kann. Ein vergleichbar klar geschnittenes Problem des Todes stellt sich für gesellschaftliche Systeme nicht. (1) Krisen/Habermas: erst wenn relevante gesellschaftliche Gruppen Strukturwandlungen, die systemisch reduziert sind, als bestandskritisch erfahren und ihre Identität bedroht fühlen, darf der Sozialwissenschaftler von Krisen sprechen. (2)
Lösung/Weber/Habermas: indem Weber Modernisierung als gesellschaftliche Rationalisierung begreift stellt er einen Zusammenhang mit identitätsverbürgenden Weltbildern und mit Strukturen der Lebenswelt her, welche die Konsistenzbedingungen sozialer Erfahrungen festlegen.

IV 565
Krisen/Habermas: als Krisen wirken sich Systemungleichgewichte erst dann aus, wenn die Leistungen von Ökonomie und Staat manifest unterhalb eines etablierten Anspruchsniveaus bleiben und die symbolische Reproduktion der Lebenswelt beeinträchtigen, indem sie dort Konflikte und Widerstandsreaktionen hervorrufen.
IV 566
Bevor solche Konflikte Kernbereiche der sozialen Integration gefährden, werden sie in die Peripherie verschoben: bevor anomische Zustände eintreten, kommt es zu Erscheinungen des Legitimations- bzw. des Motivationsentzugs. Wenn es aber gelingt, Steuerungskrisen d. h. wahrgenommene Störungen der materiellen Reproduktion durch Rückgriffe auf Ressourcen der Lebenswelt abzufangen, entstehen Pathologien der Lebenswelt. Das kann man sich als einen Raubbau an den übrigen Ressourcen vorstellen: Kultur und Persönlichkeit werden zugunsten einer krisenbewältigenden Stabilisierung der Gesellschaft angegriffen. Es entstehen Phänomene der Entfremdung und der Verunsicherung kollektiver Identitäten. Siehe Kolonialisierung der Lebenswelt (Terminologie/Habermas) und Verdinglichung/Habermas.

1.R. Döbert, Systemtheorie und die Entwicklung religiöser Deutungssysteme, Frankfurt, 1973
2.J. Habermas, Legitimationsprobleme im Spätkapitalismus, Frankfurt 1973, S. 9ff.

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Kulturelle Werkzeuge Wygotski Upton I 14
Kulturelle Werkzeuge/Menschheitsgeschichte/Wygotski/Upton: Wygotski These: Die Menschheitsgeschichte entsteht durch den Bau und die Nutzung von Kulturinstrumenten (Wygotski 1930/1978)(1). Es ist dieser erfinderische Umgang mit Werkzeugen, der den Menschen einzigartig macht. Ein Hammer ist ein physisches Beispiel für ein kulturelles Werkzeug. Es ist ein Mittel, um scharfe Gegenstände wie Nägel in Oberflächen zu schlagen, um eine neue Struktur zu schaffen. Form und Funktion des Hammers sind
Upton I 15
das Ergebnis von Generationen kultureller Evolution und Anpassung. Die Bedeutung und Verwendung eines Hammers ist für jemanden, der noch nie zuvor auf einen gestoßen ist oder der nie Nägel einschlagen musste, nicht sofort ersichtlich. Die Informationen über den Umgang mit Werkzeugen werden auch kulturell vermittelt. Jede Generation kann den Hammer an ihre eigenen Bedürfnisse anpassen oder ihn auf neue Weise einsetzen. Wygotski nennt das "Aneignung".
Upton I 16
Sprache/Wygotski: Eines der wichtigsten kulturellen Werkzeuge, die Menschen benutzen, ist die Sprache. Wie der Hammer ist die Sprache, die wir heute verwenden, das Ergebnis einer langfristigen kulturellen Entwicklung, Anpassung, Übertragung und Aneignung.

1. Wygotski, LS (1930/1978) Mind in Society: The development of higher psychological processes. Cambridge, MA: Harvard University Press.

Wygotski I
L. S. Wygotski
Denken und Sprechen Frankfurt/M. 1977

Upton I
Penney Upton
Developmental Psychology 2011
Leben Gould I 227 ff
Anfang/Leben/Gould: Bsp Ende 1977 wurden in Südafrika fossile Prokaryoten entdeckt, die etwa 3,4 Milliarden Jahre alt waren. Das ist ein wesentlich früherer Beginn des Lebens, als man bisher angenommen hatte. Def Prokaryoten: u.a. Bakterien, Blaualgen, bilden das Reich der
Def Moneren: haben keine Organellen, keine Zellkerne, keine Mitochondrien.
Kurze Zeit später wurde verkündet, dass diese Methanbakterien überhaupt nicht eng mit anderen Moneren verwandt sind. Gemeinsame Vorfahren mussten also noch viel älter sein!
Die ältesten datierbaren Felsen, in Westgrönland, sind 3,8 Milliarden Jahre alt. Es ist also nur sehr wenig Zeit von der Entstehung überhaupt annehmbarer Lebensbedingungen bis zur Entstehung von Leben selbst.
Vielleicht ist die Entstehung von Leben (primitivem Leben) so unvermeidlich wie das von Feldspat oder Quarz.
Wenn Methanogene gesondert aufgeführt werden, sind sie ein 6. Reich.
Biologen unterscheiden heute eher zwischen Eukaryoten und Prokaryoten statt zwischen Pflanzen und Tieren.
Die Prokaryoten müssen wegen einer gemeinsamen RNA-Sequenz irgendwann einen gemeinsamen Vorläufer gehabt haben.
I 234
Die Annahme einer gleichmäßigen Evolutionsgeschwindigkeit ist vermutlich nicht zu halten. Die frühen Methanogene können sich viel schneller entwickelt haben.
I 260
Form/Leben/Lebewesen/Evolution/Physik/Gould: Stabilität entsteht dadurch, dass ein Lebewesen groß genug ist, in einen Bereich vorzudringen, in dem die Schwerkraft jene Kräfte übertrifft, die sich an der Oberfläche abspielen. Da das Verhältnis von Oberfläche zu Volumen mit dem Wachstum abnimmt, ist eine zunehmende Größe der sicherste Weg in diesen Bereich. Die physikalische Umwelt der Erde enthält zahlreiche Lebensräume, die nur den Lebewesen zur Verfügung stehen, die größer sind als Einzeller.
Die Vielzelligkeit ist wahrscheinlich an mehreren Stellen unabhängig voneinander entstanden. Sie weist die beiden Hauptzüge der analogen Ähnlichkeit auf:
1. Sie ist relativ einfach zu erreichen und sowohl hochgradig anpassungsfähig als auch
2. der einzig mögliche Weg zu den Vorteilen, den sie mit sich bringt.
Sieht man von der Ausnahme der Straußeneier ab, können einzelne Zellen nicht sehr groß werden.
I 261
Die Vielzelligkeit ist wahrscheinlich sogar innerhalb der einzelnen Reiche mehrmals entstanden. Die meisten Biologen meinen, dass sie bei Pflanzen und Pilzen durch Amalgamierung eintrat. Diese Organismen sind die Nachkommen von Protistenkolonien. (Protisten: Einzeller, siehe Terminologie/Gould). Bsp Manche Volvox Kolonien mit einer festgelegten Anzahl von Zellen sind regelmäßig angeordnet. Die Zellen können in ihrer Größe differieren und die Fortpflanzungsfunktion kann auf diejenigen von ihnen beschränkt sein, die sich an einem Pol befinden.
I 264
Größere Tiere haben ein so niedriges Verhältnis von äußerer Oberfläche zu Volumen, dass sie zur Vergrößerung der ihnen zur Verfügung stehenden Oberfläche innere Organe ausbilden müssen.
I 288
Verhältnis von Oberfläche zu Volumen: bei kleinen Lebewesen sehr hoch. Wärme wird durch das Volumen des Körpers erzeugt, und an seiner Oberfläche abgestrahlt. Daher haben warmblütige Tiere einen besonders hohen Energiebedarf. Bsp Feldmäuse müssen die ganze Zeit über fressen. Das Verhältnis war bei den großen Dinosauriern so gering, dass sie ohne Isolierschicht auskommen konnten.
I 311
Form/Leben/Physik/Größe/Gould: Gould: Die Figur des Morgan in E. L. Doctorows "Ragtime" hatte unrecht, wenn er dachte, dass große Säugetiere geometrische Kopien ihrer kleineren Verwandten seien. Elefanten haben verhältnismäßig größere Gehirne und dickere Beine als Mäuse. Recht hat er insofern, als größere Tiere kleineren Verwandten in derselben Gruppe oft ähnlich sind. Galilei gab schon ein klassisches Beispiel: Bsp Die Stärke eines Beins ist eine Funktion des Querschnitts. Das Gewicht, das die Beine tragen müssen, variiert mit dessen Volumen.
Damit die Körperfunktionen gleich bleiben, müssen als die Tiere, wenn sie größer werden, ihre Form ändern: "Skalierungstheorie". Bsp Von der Krabbenspinne bis zur Tarantel reicht die Skala von Verwandten bis zum tausendfachen Körpergewicht des kleinsten Exemplars.
Auch hier verläuft die Skala regelmäßig: die Dauer des Herzschlages steigt im Vergleich zum Körpergewicht nur 4/10 mal so schnell.
I 312
Kleine Tiere bewegen sich viel schneller durchs Leben als große, ihr Herz schlägt rascher, sie atmen häufiger, ihr Puls ist schneller ihr "Lebensfeuer ist schneller "verbrannt": Die Stoffwechselrate nimmt bei Säugetieren nur um drei Viertel so schnell zu, wie das Körpergewicht. Kleine leben tendenziell kürzer als Große.
I 313
Der homo sapiens lebt allerdings weit länger als ein vergleichbares Säugetier gleicher Größe: Siehe Neotenie/Gould. Es soll keineswegs die Bedeutung der astronomischen Zeit geleugnet werden, Tiere müssen sie messen, um zu überleben.
I 315
Atemdauer und Herzschlag nehmen etwa 0,28 Mal so schnell zu wie das Körpergewicht; das Körpergewicht kann man kürzen, wonach für Säugetiere jeder Körpergröße übrigbleibt, dass sie bei etwa 4 Herzschlägen einmal atmen. Für alle Säugetiere unabhängig von der Größe gilt auch, dass sie während ihres Lebens etwa 200 Mio mal atmen, das Herz als etwa 800 Mio mal schlägt.
I 318 ff
Es gibt magnetotaktische Bakterien, die sich nach den Feldern ausrichten und sich entsprechend bewegen. Sie widerstehen damit dem Mechanismus der Brownschen Bewegung. Man fand heraus, dass die Magnete im Körper der Bakterien in Form von ungefähr 20 kleinen Partikeln verteilt sind. Frage: warum gibt es diese Verteilung des Magnetismus auf Partikel, und warum sind diese Partikel etwa 500 Angström groß (1 Angström = 1 Zehnmillionstel Millimeter).
Sie schließen sich im Körper der länglichen Bakterien zu einer Kette zusammen.
I 320
Wären diese Partikel nun etwas kleiner (etwa ein Fünftel kleiner) dann wären sie "superparamagnetisch", d.h. bei Zimmertemperatur könnte eine magnetische Neuorientierung der Partikel bewirkt werden. Wären sie hingegen z.B. doppelt so groß, bildete sich innerhalb der Partikel ein eigener magnetischer Bereich, der in verschiedene Richtungen wiese. Was kann ein so kleines Lebewesen mit einem Magnetfeld anfangen? Der Bewegungsspielraum während der wenigen Minuten ihrer Existenz beträgt wahrscheinlich nur einige Zentimeter. Da fällt es doch nicht so sehr ins Gewicht, in welche Richtung es geht.
Es kann nun für eine Bakterie entscheidend sein, sich nach unten zu bewegen. Nun ist die Schwerkraft eigentlich ohne Magnetfeld mindestens genauso gut zu spüren. Das gilt aber nur für große Lebewesen.
I 322
Insekten und Vögel leben in einer Welt, die von Kräften beherrscht ist, die auf die Oberfläche einwirken. Einige können auf dem Wasser laufen oder von der Decke herunter hängen, weil die Oberflächen Spannung so stark und die Gravitation relativ schwach ist. Die Gravitation macht den Insekten kaum zu schaffen, den Bakterien überhaupt nicht.

II 325
Leben/Sinn/Gould: These: Die Geschichte des Lebens weist ein paar schwache empirische Tendenzen auf, aber im Wesentlichen bewegt sie sich nirgendwohin.
IV 196
Leben/Vielzeller: gibt es erst seit 600 Mio Jahren. Diese Zeit wird in drei große Teile eingeteilt: Paläozoikum (Erdaltertum), Mesozoikum (Erdmittelalter) – Känozoikum (Erdneuzeit). Alle problematischen Fälle spielen sich im Paläoziokum ab.
Überraschend: es gibt ein übergeordnetes Muster: obwohl die Anzahl der Problematica (Lebewesen, die keine Zukunft in der Evolution hatten und daher, wegen ihrer Seltenheit und Isolation schwer zuzuordnen sind) zur Neuzeit hin abnimmt, ist es erstaunlich, wie fast vollständig sie zum Ende des Paläozoikums verschwinden.
In der Frühgeschichte der Vielzeller muss es also zu einem Aufblühen der Problematica gekommen sein.
IV 303
Leben/Gould: Leben als Ergebnis struktureller und funktionaler Komplexität kann nicht in seine chemischen Bestandteile zerlegt werden und nicht in seiner Ganzheit durch Gesetze erklärt werden. Funktion: Bsp Zellmembran steuert sehr viele Prozesse in der Zelle. Wie kann man dann die Funktionen der Zelle interpretieren, indem man sie in die molekularen Bestandteile zerlegt?

III 207
Leben/Entwicklung/Komplexität: Gould: 7 Argumente 1. Leben muss an der linken Wand beginnen.(Minimale Komplexität).
2. Zeitliche Stabilität der ursprünglichen Bakteriellen Form. Zu den Def Prokaryonten (Organellen ohne Zellkern, ohne Chromosomen, ohne Mitochondrien und Choroplasten)) gehören atemberaubend vielfältige Gruppen, die man zusammenfassend als "Bakterien" bezeichnet und die "blaugrünen 'Algen", eigentlich ebenfalls Bakterien, (Cyanobakterien genannt), sie bedienen sich der Photosynthese.
Mehr als die Hälfte der Geschichte des Lebens ist die Geschichte der Prokaryonten.
3. Damit sich das Leben ausbreiten konnte, musste sich eine immer stärker rechtsschiefe Verteilung ausbilden.
4. Eine Gesamtverteilung durch einen Extremwert in einem Schwanz zu charakterisieren ist kurzsichtig.
Über 80 % aller Arten sind Gliederfüßer, und in der Regel gelten alle Angehörigen dieses Stammes als primitiv.
Außerdem bilden die Formen, die im Lauf der Zeit den rechten Schwanz besetzten, keine ununterbrochene Evolutionsfolge. Es ist eine buntscheckige Reihe, die nicht zusammenhängt. Zeitliche Folge: Bakterium, Eukaryontenzelle, Meeresalge, Qualle,. Trilobit, Nautilid, Panzerfisch, Dinosaurier, Säbelzahntiger, Homo sapiens.
5. Kausalität liegt an der ((s) linken) Wand (geringste Komplexität) und in der Ausweitung der Variationsbreite. Der rechte Schwanz ist nicht Ursache, sondern Wirkung. (Abb III 210, Mensch steht rechts.)
III 212
6. Der einzige Weg, den Fortschritt wieder einzuschmuggeln ist logisch möglich, aber empirisch höchstwahrscheinlich falsch. Das erste Lebewesen steht an der linken Wand aber das erste Säugetier, die erste Blütenpflanze oder die erste Muschel geht von der Mitte aus und die Nachkommen können sich in beide Richtungen bewegen.
Aber man kann mit guten Gründen eine Bevorzugung der Richtung nach links unterstellen, denn Parasitismus ist eine sehr verbreitete Evolutionsstrategie, und Parasiten sind anatomisch in der Regel einfacher gebaut als ihre selbständigen Vorfahren (VsFortschritt!).
So könnte das ganze System untergeordnete Gegenlinien enthalten.
Empirisch zeigen die Funde keine Vorliebe nach rechts!
7. Selbst eine engstirnige Beschränkung auf den rechten Schwanz (>Komplexität) bringt nicht die ersehnte Schlussfolgerung, nämlich eine vorhersagbare, sinnvolle Evolution zur Vorherrschaft eines bewussten Wesens.
Es muss den rechten Schwanz statistisch geben, aber was für Lebewesen dort stehen, lässt sich überhaupt nicht voraussagen. Es ist keineswegs durch die Mechanismen der Evolution bestimmt!
Würde die Evolution sich wiederholen, wäre die Entwicklung zu menschenähnlichen Wesen so gut wie ausgeschlossen, wegen der extremen Unwahrscheinlichkeit.

Gould I
Stephen Jay Gould
Der Daumen des Panda Frankfurt 2009

Gould II
Stephen Jay Gould
Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991

Gould III
Stephen Jay Gould
Illusion Fortschritt Frankfurt 2004

Gould IV
Stephen Jay Gould
Das Lächeln des Flamingos Basel 1989
Lernen Konnektionismus Slater I 93
Lernen/Konnektionismus/Mareschal: (d.h. Anpassung des eigenen Verhaltens) wird durch Abstimmung der Verbindungsgewichte erreicht, bis ein stabiles Verhalten erreicht ist. Überwachte Netzwerke passen ihre Gewichte an, bis die Ausgangsreaktion (für einen bestimmten Eingang) einer Zielreaktion entspricht. Dieses Ziel kann von einem aktiven Lehrer oder passiv durch Beobachtung der Umwelt kommen, aber es muss von außerhalb des Systems kommen. Unüberwachte Netzwerke passen ihre Gewichte an, bis eine interne Einschränkung erfüllt ist (z.B. müssen maximal unterschiedliche Eingänge maximal unterschiedliche interne Darstellungen haben).
Slater I 94
Die wichtigste Schlussfolgerung aus dieser Arbeit (Munakata et al. 1997)(1) ist der Begriff der abgestuften Darstellung von Wissen. Das heißt, anstatt als Alles-oder-Nichts-Konzept zu existieren, wurde die Objektpermanenz schrittweise erworben. Folglich existierten die Darstellungen, die diesem Konzept zugrunde lagen, in abgestuften Zuständen, die mit Alter und Erfahrung immer robuster wurden und immer komplexere Verschwindensereignisse unterstützten.

1. Munakata, Y., McClelland, J. L., Johnson, M. H., & Siegler, R. S. (1997). Rethinking infant knowledge: Toward an adaptive process account of successes and failures in object permanence tasks. Psychological Review, 104, 686–713.


Denis Mareschal and Jordy Kaufman, „Object permanence in Infancy. Revisiting Baillargeon’s Drawbridge Experiment“ in: Alan M. Slater & Paul C. Quinn (eds.) 2012. Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications

Slater I
Alan M. Slater
Paul C. Quinn
Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2012
Lernen Mareschal Slater I 93
Lernen/Konnektionismus/Mareschal: (d.h. Anpassung des eigenen Verhaltens) wird durch Abstimmung der Verbindungsgewichte erreicht, bis ein stabiles Verhalten erreicht ist. Überwachte Netzwerke passen ihre Gewichte an, bis die Ausgangsreaktion (für einen bestimmten Eingang) einer Zielreaktion entspricht. Dieses Ziel kann von einem aktiven Lehrer oder passiv durch Beobachtung der Umwelt kommen, aber es muss von außerhalb des Systems kommen. Unüberwachte Netzwerke passen ihre Gewichte an, bis eine interne Einschränkung erfüllt ist (z.B. müssen maximal unterschiedliche Eingänge maximal unterschiedliche interne Darstellungen haben).
Slater I 94
Die wichtigste Schlussfolgerung aus dieser Arbeit (Munakata et al. 1997)(1) ist der Begriff der abgestuften Darstellung von Wissen. Das heißt, anstatt als Alles-oder-Nichts-Konzept zu existieren, wurde die Objektpermanenz schrittweise erworben. Folglich existierten die Darstellungen, die diesem Konzept zugrunde lagen, in abgestuften Zuständen, die mit Alter und Erfahrung immer robuster wurden und immer komplexere Verschwindensereignisse unterstützten.

1. Munakata, Y., McClelland, J. L., Johnson, M. H., & Siegler, R. S. (1997). Rethinking infant knowledge: Toward an adaptive process account of successes and failures in object permanence tasks. Psychological Review, 104, 686–713.


Denis Mareschal and Jordy Kaufman, „Object permanence in Infancy. Revisiting Baillargeon’s Drawbridge Experiment“ in: Alan M. Slater & Paul C. Quinn (eds.) 2012. Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications

Slater I
Alan M. Slater
Paul C. Quinn
Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2012
Lernen Maturana I 63
Lernen/Maturana: historische Transformation eines Organismus durch Erfahrung - dien der basalen Zirkularität - neues Verhalten entwickelt sich - für einen Beobachter erscheint das Verhalten durch die Einverleibung einer Repräsentation gerechtfertigt, die durch Erinnerung das Verhalten modifiziert. - Das System arbeitet aber in der Gegenwart - Vorteilhaftigkeit kann nur a posteriori festgestellt werden.
I 70
Lernen/Maturana: erlaubt rein konsensuelle (kulturelle) Evolution, ohne Evolution des Nervensystems.
I 73
Lernen/Maturana: Verhaltensänderung muss von anderen Veränderungen begleitet sein.
I 74
Lernen ist nicht Akkumulation von Repräsentationen, sondern kontinuierliche Transformation von Verhalten.
I 119
Lernen/Instinktverhalten/Maturana: zunächst ununterscheidbar, weil sie n der konkreten Verwirklichung durch die Strukturen des Nervensystems bestimmt sind. Lernen: ontogenetisch erworben - Instinkt: evolutionär erworben.
I 119
Lernen/Maturana: verändert nicht die Struktur - Erwerb von Repräsentationen: bloß metaphorisch - (würde instruktives System voraussetzen). - Ein lernendes System hat keine trivialen Erfahrungen (Interaktionen), weil alle Interaktionen zu Strukturveränderungen führen.
I 280
Lernen/Maturana: eingeklammert beschrieben: rein epigenetischer Prozess (Entwicklung des Individuums ) - kein gerichteter Prozess der Anpassung an eine Realität.

Maturana I
Umberto Maturana
Biologie der Realität Frankfurt 2000
Lerntheorie Norvig Norvig I 713
Lerntheorie/Norvig/Russell: [Hauptproblem:] Wie können wir sicher sein, dass unser Lernalgorithmus eine Hypothese aufgestellt hat, die den richtigen Wert für bisher ungesehene Inputs vorhersagen kann? Wie können wir formal gesehen wissen, dass die Hypothese h nahe an der Zielfunktion f liegt, wenn wir nicht wissen, was f ist? Über diese Fragen wird seit mehreren Jahrhunderten nachgedacht. In den letzten Jahrzehnten sind andere Fragen aufgetaucht: Wie viele Beispiele brauchen wir, um eine gute Hypothese h zu erhalten? Welchen Hypothesenraum sollten wir verwenden? Wenn der Hypothesenraum sehr komplex ist, können wir dann überhaupt das beste h finden, oder müssen wir uns mit einem lokalen Maximum im
Norvig I 714
Hypothesenraum begnügen? Wie komplex sollte h sein? Wie vermeiden wir eine Überanpassung (overfitting)? (>Entscheidungsbaum/Norvig, >Komplexität/Norvig, >Lernen/KI-Forschung). Computational learning theory: (...) liegt an der Schnittstelle von KI, Statistik und theoretischer Informatik. Das zugrundeliegende Prinzip ist, dass jede Hypothese, die ernsthaft falsch ist, mit hoher Wahrscheinlichkeit nach einer kleinen Anzahl von Beispielen "entdeckt" wird, weil sie eine falsche Vorhersage macht. Daher ist es unwahrscheinlich, dass eine Hypothese, die mit einer ausreichend großen Anzahl von Trainingsbeispielen übereinstimmt, ernsthaft falsch ist: das heißt, sie muss wahrscheinlich annähernd richtig sein.
PAC: Jeder Lernalgorithmus, der Hypothesen hervorbringt, die wahrscheinlich annähernd richtig sind, wird als PAC-Lernalgorithmus bezeichnet; wir können diesen Ansatz verwenden, um Grenzen für die Leistung verschiedener Lernalgorithmen festzulegen.
Annahme der Stationarität: Zukünftige Beispiele werden aus der gleichen festgelegten Verteilung P(E)=P(X, Y ) wie frühere Beispiele gezogen.
Richtigkeit: Eine Hypothese h wird als annähernd richtig bezeichnet, wenn der Fehler (h) ≤ ϵ ist, wobei es sich bei ϵ um eine kleine Konstante handelt. Wir werden zeigen, dass wir ein N finden können, sodass, nachdem wir N Beispiele gesehen haben, mit hoher Wahrscheinlichkeit alle konsistenten Hypothesen annähernd richtig sein werden. >Lernen/KI-Forschung, >Künstliche Neuronale Netze.
Norvig I 757
Die computational learning theory analysiert die Komplexität der Stichprobe (sample complexity) und die Berechnungskomplexität (computational complexity) des induktiven Lernens. Es gibt einen Tradeoff zwischen der Expressivität der Sprache der Hypothese und der Leichtigkeit des Lernens. Die lineare Regression ist ein weit verbreitetes Modell. Die optimalen Parameter eines Modells der linearen Regression können durch eine gradient descent search gefunden oder exakt berechnet werden.
Ein linearer Klassifikator mit einem hard threshold - auch als Perzeptron bekannt - kann durch eine einfache Regel zur Aktualisierung der Gewichte so trainiert werden, dass er zu Daten passt, welche linear trennbar sind. In anderen Fällen konvergiert die Regel nicht.
Norvig I 759
Geschichte: Die Theorie des PAC-Lernens wurde von Leslie Valiant (1984)(1) eingeführt. In seiner Arbeit betonte er die Wichtigkeit der Berechnungs- und Stichprobenkomplexität. Zusammen mit Michael Kearns (1990)(2) zeigte Valiant, dass sich mehrere Konzeptklassen nicht sinnvoll mittels PAC-Lernen erlernen lassen, obwohl in den Beispielen genügend Informationen vorhanden sind. Einige positive Ergebnisse wurden für Klassen wie z.B. Entscheidungslisten erzielt (Rivest, 1987)(3). Eine unabhängige Tradition der Analyse von Stichprobenkomplexität hat in der Statistik existiert, beginnend mit den Arbeiten zur einheitlichen Konvergenztheorie (Vapnik und Chervonenkis, 1971)(4).
Die sogenannte VC-Dimension liefert ein Maß, das in etwa analog zum, aber allgemeiner als das aus der PAC-Analyse gewonnene ln |H| Maß ist. Die VC-Dimension kann auf kontinuierliche Funktionsklassen angewendet werden, auf die die herkömmliche PAC-Analyse nicht anwendbar ist. Die PAC-Lerntheorie und die C-Theorie wurden zunächst durch die "vier Deutschen" (von denen keiner tatsächlich deutsch ist) miteinander verbunden: Blumer, Ehrenfeucht, Haussler und Warmuth (1989)(5).
Die lineare Regression mit quadratischem Fehlerverlust geht auf Legendre (1805)(6) und Gauss (1809)(7) zurück, die beide an der Vorhersage von Umlaufbahnen um die Sonne arbeiteten. Die moderne Verwendung der multivariaten Regression für machine learning wird in Texten wie Bishop (2007)(8) behandelt. Ng (2004)(9) analysierte die Unterschiede zwischen der Regularisierung von L1- und L2.


1. Valiant, L. (1984). A theory of the learnable. CACM, 27, 1134-1142.
2. Kearns, M. (1990). The Computational Complexity of Machine Learning. MIT Press.
3. Rivest, R. (1987). Learning decision lists. Machine Learning, 2(3), 229-246.
4. Vapnik, V. N. and Chervonenkis, A. Y. (1971). On the uniform convergence of relative frequencies of events to their probabilities. Theory of Probability and Its Applications, 16, 264-280.
5. Blumer, A., Ehrenfeucht, A., Haussler, D., andWarmuth, M. (1989). Learnability and the Vapnik-
Chervonenkis dimension. JACM, 36(4), 929–965.
6. Legendre, A. M. (1805). Nouvelles méthodes pour la détermination des orbites des comètes.
7. Gauss, C. F. (1809). Theoria Motus Corporum Coelestium in Sectionibus Conicis Solem Ambientium.
Sumtibus F. Perthes et I. H. Besser, Hamburg.

Norvig I
Peter Norvig
Stuart J. Russell
Artificial Intelligence: A Modern Approach Upper Saddle River, NJ 2010
Märkte Spencer Habermas IV 176
Markt/Spencer/Durkheim/Habermas: Spencer These (laut Durkheim): das soziale Leben, wie das Leben im Allgemeinen, kann nur organisiert werden durch eine unbewusste und spontane Anpassung, unter dem gleichzeitigen Druck der Bedürfnisse, und nicht nach einem überlegten, intelligenten Plan. (…)
Habermas IV 176
Der Typ der sozialen Beziehungen wäre die wirtschaftliche Beziehung (…). (1) Spencer/Durkheim: der einheitsstiftende Mechanismus ist dabei der Markt. Die Integration durch den Markt erfolgt insofern „spontan“, als Handlungsorientierungen nicht über moralische Regeln, sondern über funktionale Zusammenhänge aufeinander abgestimmt werden.
Frage: wie kann die Arbeitsteilung gleichermaßen ein Naturgesetz der Evolution und der Erzeugungsmechanismus für eine bestimmte Form der gesellschaftlichen Solidarität sein? (2)
Lösung/Spencer/Durkheim: die über den nicht-normativen Markmechanismus gesteuerte Teilung der gesellschaftlichen Arbeit findet im „Riesensystem der Privatverträge“ bloß ihren normativen Ausdruck.
Habermas IV 176/177
DurkheimVsSpencer: Durkheim geht es dagegen nicht um einen normfeien Regelmechanismus, denn in Tauschbeziehungen findet sich „nichts, was einer Regelwirkung ähnlich wäre.“ (3) Lösung/Durkheim: die sozialintegrative Kraft moralischer Regeln. „Das Interesse ist ((s) dagegen) das am wenigsten Beständige auf der Welt.“(4)


1.E. Durkheim, De la division du travail social, Paris 1930, German Frankfurt 1977, S. 242f
2. Ebenda, S. 81.
3. Ebenda S. 243 4. Ebenda.


Spencer I
Herbert Spencer
The Man versus the State Indianapolis 2009

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Marktregulierung Wirtschaftstheorien Mause I 377
Marktregulierung/Koordination/Wirtschaftstheorien: wettbewerbliche Märkte als dezentraler Koordinationsmechanismus haben eine Reihe gesellschaftlicher Vorteile: sie steigern die Wohlfahrt (Ausstattung der Volkswirtschaft mit knappen Gütern) durch eine effiziente Allokation (Verteilung der Produktionsfaktoren auf die Anbieter), die Schaffung von
Mause I 378
Innovationsanreizen (dynamische Effizienz), der Förderung der Konsumentensouveränität (Anpassung der Güterproduktion an die Präferenzen der Nachfrager) und adaptive Effizienz (Anpassungsfähigkeit der Volkswirtschaft an exogene Schocks und Krisen). Zudem bedingen sich wirtschaftliche Freiheit und wettbewerbliche Märkte gegenseitig (Röpke 1949 (1); Eucken 1952 (2)). Siehe auch Marktregulierung/Hayek, Siehe Marktregulierung/Politische Theorie.


1. Röpke, Wilhelm. 1949. Civitas humana – Grundfragen der Gesellschafts- und Wirtschaftsreform, 3.   Aufl. Erlenbach/ Zürich: Rentsch.
2. Eucken, Walter, Grundsätze der Wirtschaftspolitik. Tübingen 1952.

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
McCallum-Regel McCallum Mause I 232f
McCallum-Regel/McCallum: McCallum macht den Vorschlag (1), monetaristische Geldpolitik zu erleichtern, indem die Geldmengensteuerung indirekter angelegt wird als im Fall der Taylor-Regel (Siehe Taylor-Regel/Taylor). Die Notenbank soll die Geldbasis am längerfristigen Entwicklungspfad des nominalen Inlandsprodukts ausrichten.
McCallumVsTaylor: die direkte Geldmengensteuerung durch die Taylor-Regel führt dazu, dass die geldpolitischen Entscheidungsträger explizite Aussagen über die Preis- und Mengenkomponenten treffen müssen.
LösungMcCallum: Die sehr langfristige Orientierung (mehr als 20 Jahre) stellt ferner sicher, dass der Entwicklungspfad unabhängig von der monetären Entwicklung ist. (2)
Die Durchschnittswerte werden über einen rollierenden Zeitraum von 4 Jahren berechnet und sollen somit ausschließen, dass die Geldbasis auf konjunkturbedingte Schwankungen der Umlaufgeschwindigkeit reagiert. Die McCallum-Regel basiert im Gegensatz zur originären Taylor-Regel ausschließlich auf den Daten der Vorperiode bzw. auf langfristigen Durchschnittswerten. Das Problem der Echtzeitdaten bei der Identifikation des Anpassungsbedarfs tritt somit nicht auf.
VsMcCallum: dieses mengenorientierte Konzept nimmt stärkere Zinsschwankungen bewusst in Kauf.


1. McCallum, Bennett T., The case for rules in the conduct of monetary policy: A concrete example. Review of World Economics 123, (3), 1987, S. 415– 429.
2. Ebenda.

EconMcCall I
Bennett McCallum
The case for rules in the conduct of monetary policy: A concrete example 1987

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Methode Meehl Corr I 15
Methoden/Psychologie/Meehl: Die Persönlichkeitspsychologie hat viele Begriffe, die selbst nicht direkt beobachtet werden können. In einer klassischen theoretischen Beschreibung von MacCorquodale und Meehl (1948)(1) als hypothetische Konstrukte bezeichnet, können diese theoretischen Begriffe indirekt abgeleitet werden, sind aber selbst nicht direkt beobachtbar. Persönlichkeitspsychologen verwenden Begriffe wie "Anpassung" und "Extraversion" und "Selbstwertgefühl", können aber keinen von ihnen direkt beobachten, nur indirekt durch Beobachtungen und Messungen, die unvollkommen sind. Die Konstrukte werden durch ein Netzwerk von Korrelationen mit verschiedenen Beobachtungen abgeleitet.
Konvergierende Beweise bestätigen die Realität oder zumindest den Nutzen eines Konstrukts. Betrachten Sie "Extraversion": Wenn sich herausstellt, dass dieselben Personen extravertiert werden, wenn sie durch Selbsteinschätzung, durch Peer-Report und durch Verhaltensmaßnahmen gemessen werden, dann wird das Konstrukt der "Extraversion" unterstützt. Wenn nicht, kann das Konstrukt ungültig sein, oder es gibt ein Problem mit der Messung. So schlagen Theoretiker ein nomologisches Netz von Assoziationen zwischen Konstrukten und Beobachtungen vor, die die Forschung leiten können (Cronbach und Meehl 1955)(2).



1. MacCorquodale, K. and Meehl, P. E. 1948. On a distinction between hypothetical constructs and intervening variables, Psychological Review 55: 95–107
2. Cronbach, L. J. and Meehl, P. E. 1955. Construct validity in psychological tests, Psychological Bulletin 52: 281–302


Susan Cloninger, “Conceptual issues in personality theory”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press.

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Moderne Parsons Habermas IV 303
Moderne/Parsons/HabermasVsParsons/Habermas: Parsons Theorie der Moderne ist zu harmonistisch, weil sie nicht über die Mittel für eine plausible Erklärung pathologischer Entwicklungsmuster verfügt.
Habermas IV 420
Moderne/Parsons/HabermasVsParsons/Habermas: Parsons‘ Theorie der Moderne hat ein Janusgesicht: A) sie unterscheidet sich von einem Systemfunktionalismus, der an modernen Gesellschaften ausschließlich die Züge der Komplexität hervorhebt. Das ist die Linie von Luhmann. Siehe Moderne/Luhmann.
Habermas IV 421
Methode/ParsonsVsLuhmann/Habermas: Parsons begreift gesellschaftliche Modernisierung nicht nur als systemische, sondern als handlungsbezogene Rationalisierung.
Habermas IV 422
HabermasVsParsons: Problem: es fehlt Parsons dafür ein aus der Handlungsperspektive entworfenes Gesellschaftskonzept. Daher kann er die Rationalisierung der Lebenswelt und die Komplexitätssteigerung von Handlungssystemen nicht als getrennte, als interagierende, aber oft auch gegenläufige Prozesse beschreiben. Daher kann er die entsprechende Dialektik nicht erfassen und muss diese Erscheinungen auf das Maß von Krisenerscheinungen reduzieren, die sich nach dem Muster von Inflation und Deflation erklären lassen. (Siehe Revolutionen/Parsons).
Habermas IV 432
Moderne/Parsons/ParsonsVsWeber/Habermas: Parsons kommt nicht durch eine abweichende Beschreibung globaler Trends, über die man sich streiten könnte, zu einer anderen Auffassung als Weber; sondern diese Auffassung ergibt sich deduktiv aus seiner Analyse des Modernisierungsprozesses: Wenn sich entwickelte moderne Gesellschaften durch hohe Eigenkomplexität auszeichnen, und wenn sie diese Komplexität nur in allen vier Dimensionen der Anpassungskapazität. Ausdifferenzierung von mediengesteuerten Subsystemen, Inklusion und Wertgeneralisierung gleichzeitig steigern können, dann besteht eine analytische Beziehung zwischen a) der hohen Systemkomplexität und b) universalistischen Formen der sozialen Integration sowie zwanglos institutionalisiertem Individualismus. Habermas: Parsons zeichnet deshalb ein harmonisiertes Bild der Moderne. Siehe Bürokratie/Parsons.
Habermas IV 433
Moderne/Parsons/HabermasVsParsons/Habermas: sozialpathologische Erscheinungen muss Parsons auf systemische Ungleichgewichte reduzieren; dabei geht das Spezifische gesellschaftlicher Krisen verloren. Für selbstgesteuerte Systeme, die ihren riskanten Bestand permanent durch Anpassung an Bedingungen einer kontingenten und überkomplexen Umwelt sicher müssen,
Habermas IV 434
sind interne Ungleichgewichte der normale Zustand.

ParCh I
Ch. Parsons
Philosophy of Mathematics in the Twentieth Century: Selected Essays Cambridge 2014

ParTa I
T. Parsons
The Structure of Social Action, Vol. 1 1967

ParTe I
Ter. Parsons
Indeterminate Identity: Metaphysics and Semantics 2000

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Motivation Bowlby Corr I 228
Motivation/Bowlby/Shaver/Mikulincer: BowlbyVsFreud: Bei der Erläuterung der Motivationsgrundlagen der Persönlichkeitsentwicklung lehnte Bowlby (1982/1969)(1) Freudsche und objektbezogene Versionen der psychoanalytischen Theorie ab, die die menschliche Motivation in Bezug auf "Triebe" konzeptualisieren und den Geist als von "psychischer Energie" angetrieben betrachten. Stattdessen schuf er ein der Ethologie und der kybernetischen Kontrolltheorie entlehntes Motivationsmodell der "Verhaltenssysteme", nach dem das menschliche Verhalten von artenübergreifenden, angeborenen neuronalen Programmen (>Verhaltenssystemen) organisiert und gesteuert wird. Diese Bindungs-, Pflege-, Erkundungs- und Sexualsysteme erleichtern die Befriedigung grundlegender menschlicher Bedürfnisse und erhöhen dadurch die Wahrscheinlichkeit des Überlebens, der Anpassung und der Fortpflanzung. Motivation: Bowlby (1982/1969)(1) betrachtete die Systeme als "zielorientiert" und "zielkorrigiert" (d.h. korrigiert durch Änderung von Teilzielen basierend auf Rückmeldungen über die Zielerreichung). Jedes System wurde als ein Servomechanismus konzipiert, der durch bestimmte Reize oder Situationen eingeschaltet oder "aktiviert" werden konnte und durch andere Reize und Situationen "deaktiviert" oder "beendet" werden konnte (im Wesentlichen durch das Erreichen dessen, was Bowlby "Set-Ziele" nannte, die im Falle des Bindungssystems die Flucht vor und Vermeidung von Bedrohungen und Gefahren beinhalten).
Corr I 229
BowlbyVsFreud: Diese neue Konzeption der Motivation machte den Freudschen Begriff des allgemeinen Antriebs (z.B. Libido) unnötig. Zielorientiertes und zielkorrigierendes Verhalten wird nicht durch eine Anhäufung von psychischer Energie oder den Wunsch, die Antriebsintensität zu reduzieren, aktiviert. Es wird aktiviert durch Bedingungen innerhalb einer Person oder der Umgebung der Person, die ein Verhalten aktivieren, das darauf abzielt, einen bestimmten Zielzustand zu erreichen oder Bedrohungen und Gefahren zu vermeiden.

1. Bowlby, J. 1982. Attachment and loss, vol. I, Attachment, 2nd edn. New York: Basic Books (original edn 1969)


Phillip R. Shaver and Mario Mikulincer, “Attachment theory: I. Motivational, individual-differences and structural aspects”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Multikulturalismus Feminismus Gaus I 257
Multikulturalismus/Feminismus/Kukathas: Einer der wichtigsten Einwände gegen den Multikulturalismus besteht darin, dass er, wenn er Ausnahmeregelungen oder Sonderrechte für kulturelle Gruppen oder religiöse Gemeinschaften und Organisationen anstrebt, faktisch Schutz für Gruppen anstrebt, deren Praktiken sexistisch und für Frauen höchst nachteilig - wenn nicht gar schädlich - sind. Susan Moller OkinVsFeminismus: Diese Ansicht wurde am eindringlichsten von Susan Okin (1998(1); 1999a(2); 1999b(3); 2002(4)) vertreten, die sich mit fast allen der prominentesten Verteidigerinnen des Multikulturalismus auseinandergesetzt hat und ihr Engagement für die Rechte und Interessen der Frauen als unzureichend empfand.
Der Multikulturalismus steht in Spannung zum Feminismus, weil beide Ideen politische Visionen repräsentieren, die weit voneinander entfernt sind.
Gleichheit/PollitVsFeminismus: Katha Pollit drückt es so aus: "In seiner Forderung nach Gleichheit für Frauen stellt sich der Feminismus praktisch jeder Kultur auf der Erde entgegen. Der Multikulturalismus fordert Respekt für alle kulturellen Traditionen, während der Feminismus alle kulturellen Traditionen in Frage stellt" (1999(5): 27). Feministische Kritikerinnen des Multikulturalismus fragen daher nicht nur, warum Gruppen, die Frauen nicht die gleichen Chancen oder gar die gleiche Würde zugestehen, besondere Rechte oder Schutzmaßnahmen erhalten sollen, sondern auch, warum
Gaus I 258
der liberale Staat es versäumt, in solche kulturellen Gemeinschaften einzugreifen, um sicherzustellen, dass Frauen Bildung nicht verleugnet wird, zur Heirat gezwungen werden oder zu Opfern von Körperverstümmelung werden. Warum sollte eine Kulturgruppe das Recht haben, zu versuchen, nach ihren Wegen zu leben, wenn diese Wege die individuellen Rechte ihrer Mitglieder verletzen? Bildung: Warum sollte der liberale Staat nicht stattdessen den Mitgliedern solcher Gruppen, vorzugsweise durch Erziehung, aber wo nötig auch durch Bestrafung, deutlich machen, dass solche Praktiken nicht zu tolerieren sind (Okin, 1998(1): 676).
Religion: Wenn Schriftsteller wie Margalit und Halbertal (1994)(6) die öffentliche Finanzierung des Religionsunterrichts für ultra-orthodoxe Juden auf der Grundlage des Rechts auf Kultur verteidigen, fragen Feministinnen wie Okin (1999b(3): 131), wie dies verteidigt werden kann, wenn die Folge dieser Praxis eine Erziehung für Mädchen ist, die darauf ausgerichtet ist, das religiöse Leben von Jungen zu erleichtern.
Kukathas: (...) die Tatsache dieses Konflikts bestimmt nicht, ob die eine oder die andere philosophische Haltung vorherrschen sollte (Kukathas, 2001(7)).
Shachar: Einige Schriftsteller haben jedoch versucht zu argumentieren, dass multikulturelle Anpassung nicht unvereinbar mit feministischen Anliegen sein muss. Der bemerkenswerteste Beitrag zu dieser Position kam von Ayelet Shachar, die argumentiert, dass es ein Fehler sei, Multikulturalismus nur im Sinne der Gewährung "äußerer Schutzmaßnahmen" für kulturelle Gruppen zu verstehen. Da Einzelpersonen typischerweise Mitglieder vieler Gruppen sind, stellt sich die Frage, wie man "Identitätsgruppen in bestimmten Rechtsgebieten die Gerichtsbarkeit zuweist und gleichzeitig die Rechte der Gruppenmitglieder als Bürger respektiert" (Shachar, 2001(8): 27-8).
>Multikulturalismus/Shachar.
Staatsbürgerschaft/Kultur/Frauen: Auch andere Schriftsteller haben nach Wegen gesucht, eine Lösung für das Spannungsfeld zwischen Feminismus und Multikulturalismus zu finden. Einige sind zu dem Schluss gekommen, dass eine Form der differenzierten Staatsbürgerschaft entwickelt werden muss, wenn die Ansprüche von Frauen und die Ansprüche der Kultur vermittelt werden sollen (Benhabib, 2002(9): 82-104). Andere haben vorgeschlagen, dass eine dialogische Lösung, bei der auf die Berufung auf individuelle Rechte oder Verfahrensgerechtigkeit verzichtet wird, eine bessere Aussicht bietet, eine Übereinstimmung von kulturellen Werten und Fraueninteressen zu erreichen (Eisenberg, 2003(10)).



1. Okin, Susan Moller (1998) 'Feminism and multiculturalism: some tensions'. Ethics, 108: 661—84.
2. Okin, Susan Moller (1999a) 'Is multiculturalism bad for women?'. In Joshua Cohen, Matthew Howard and Martha C. Nussbaum, Hrsg., Is Multiculturalism Bad for Women? Princeton, NJ: Princeton University Press, 7-24.
3. Okin, Susan Moller (1999b) 'Reply'. In Joshua Cohen, Matthew Howard and Martha C. Nussbaum, Hrsg., Is Multiculturalism Bad for Women? Princeton, NJ: Princeton University Press, 115—31.
4. Okin, Susan Moller (2002) '"Mistresses of their own destiny": group rights, gender, and realistic rights of exit'. Ethics, 112: 205-30.
5. Pollit, Katha (1999) 'Whose culture?' In Joshua Cohen, Matthew Howard and Martha C. Nussbaum, Hrsg., Is Multiculturalism Bad for Women? Princeton, NJ: Princeton University Press, 27—30.
6. Margalit, Avishai and Moshe Halbertal (1994) 'Liberalism and the right to culture'. Social Research,61: 491-510.
7. Kukathas, Chandran (2001) 'Is Feminism Bad for Multiculturalism?' Public Affairs Quarterly, 15 (2): 83-98.
8. Shachar, Ayelet (2001) Multicultural Jurisdictions. Cambridge: Cambridge University Press.
9. Benhabib, Seyla (2002) The Claims of Culture: Equality and Diversity in the Global Era. Princeton, NJ: Princeton Umversity Press.
10. Eisenberg, Avigail (2003) 'Diversity and equality: three approaches to cultural and sexual difference'. Journal ofP01itica1 Philosophy, 11 41-64.


Kukathas, Chandran 2004. „Nationalism and Multiculturalism“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Multikulturalismus Shachar Gaus I 258
Multikulturalismus/Feminismus/Shachar/Kukathas: Einige Schriftstellerinnen, (...) haben versucht zu argumentieren, dass multikulturelle Anpassung nicht unvereinbar mit feministischen Anliegen sein muss. Der bemerkenswerteste Beitrag zu dieser Position kam von Ayelet Shachar, die argumentiert, dass es ein Fehler sei, Multikulturalismus einfach im Sinne der Gewährung "äußerer Schutzmaßnahmen" für kulturelle Gruppen wahrzunehmen. Da Einzelpersonen typischerweise Mitglieder vieler Gruppen sind, stellt sich die Frage, wie man "Identitätsgruppen in bestimmten Rechtsgebieten die Gerichtsbarkeit zuweist und gleichzeitig die Rechte der Gruppenmitglieder als Bürger respektiert" (Shachar, 2001(1): 27-8). Die Tatsache, dass Einzelpersonen Mitglieder mehrerer Gruppen sind, lässt hoffen, dass die Macht auf mehrere Gerichtsbarkeiten aufgeteilt werden kann, so dass Frauen sowohl Schutz vor der Macht bestimmter Gruppen erhalten als auch die Fähigkeit zur Teilhabe an den kulturellen Traditionen, die sie schätzen, behalten können. Vgl. >Multikulturalismus/Feminismus.

1. Shachar, Ayelet (2001) Multicultural Jurisdictions. Cambridge: Cambridge University Press.


Kukathas, Chandran 2004. „Nationalism and Multiculturalism“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Nationalismus Multikulturalismus Gaus I 260
Nationalismus/Multikulturalismus/Kukathas: In dem Maße, in dem der Multikulturalismus die Anpassung einer Vielzahl von Identitäten befürwortet, die an divergierenden Werten innerhalb eines Gemeinwesens festhalten, ist er mit jeder Form von Nationalismus unvereinbar. Und doch ist Multikulturalismus in einem anderen Sinne die Theorie des Nationalismus schlechthin, zumindest wenn man Moores Ansicht vertritt, dass Nationalismus nicht Separatismus, sondern nur ein gewisses Maß an Unabhängigkeit bedeutet. >Nationalismus/Moore. Vielfalt: Multikulturalismus bzw. jede Form von Pluralismus mit Nationalismus in Einklang zu bringen, war ein wichtiges Anliegen für eine Reihe von Theoretikern, die am Prinzip der Nationalität festhalten wollen, ohne die kulturelle Vielfalt und die Duldung von Unterschieden aufzugeben.
David Miller: von besonderer Bedeutung ist hier die Arbeit von David Miller (1995(1); 2000(2); 2001(3)), der der Ansicht ist, dass Nationen guten Grund haben, selbstbestimmt sein zu wollen, der aber auch der Meinung ist, dass wir die Ansprüche der Nationalität anerkennen können, ohne andere Identitätsquellen, wie etwa die ethnische Zugehörigkeit, zu unterdrücken. >Nationen/Miller.


1. Miller, David (1995) On Nationality. Oxford: Clarendon.
2. Miller, David (2000) Citizenship and National Identity. Oxford: Polity.
3. Miller, David (2001) 'Nationality in divided societies'. In Alain-G. Gagnon and James Tully, Hrsg., Multinational Democracies. Cambridge: Cambridge University Press, 299-318.

Kukathas, Chandran 2004. „Nationalism and Multiculturalism“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Neo-Fisher-Effekt Uribe Uribe I 4
Def Fisher-Effekt/Uribe: Eine Vielzahl empirischer und theoretischer Studien argumentieren, dass eine vorübergehende positive Störung des Nominalzinses einen vorübergehenden Anstieg des Realzinses verursacht, was wiederum die Gesamtnachfrage und die Inflation (...) herunter drückt (siehe zum Beispiel
I 5
Christiano, Eichenbaum und Evans, 2005)(1). Ebenso ist eine Eigenschaft praktisch aller modernen geldwirtschaftlich untersuchten Modelle, dass ein vorübergehender Anstieg des Nominalzinses langfristig keinen Einfluss auf die Inflation hat. Im Gegensatz dazu, wenn der Anstieg des Nominalzinses dauerhaft ist, muss die Inflation früher oder später um etwa das gleiche Ausmaß steigen, wenn der Realzins, gegeben durch die Differenz zwischen dem Nominalzins und der erwarteten Inflation, nicht langfristig durch nominale Faktoren bestimmt wird (...). Diese eins-zu-eins langfristige Beziehung zwischen Nominalzinsen und Inflation wird als Fisher-Effekt bezeichnet. Def Neo-Fisher Effekt/Uribe: Der Neo-Fisher-Effekt besagt, dass ein permanenter Anstieg des Nominalzinses nicht nur langfristig, sondern auch kurzfristig zu einem Anstieg der Inflation führt.
I 6
Der Fisher-Effekt liefert jedoch keine Prognose, wann die Inflation wahrscheinlich
I 8
den dauerhaften Anstieg des Nominalzinses einholen wird. Sie besagt nur, dass sie dies schließlich tun muss.
Uribe I 8
Neo-Fisher-Effekt/Empirisches Modell/Neu-Keynesianisches Modell/Inflation/Zinsen/Uribe: Empirisches Modell: Das empirische Modell zielt darauf ab, die Dynamik von drei makroökonomischen Indikatoren (...) zu erfassen: der Logarithmus der realen Pro-Kopf-Leistung (...), die Inflationsrate (...), ausgedrückt in Prozent pro Jahr, und der Nominalzins (....), ausgedrückt in Prozent pro Jahr.
[Uribe] geht davon aus, dass [die drei obigen Indikatoren] von vier exogenen Schocks getrieben werden: einem nicht stationären (oder permanenten) monetären Schock (...), einem stationären (oder vorübergehenden) monetären Schock (...), einem nicht stationären nicht monetären Schock (...) und einem stationären nicht monetären Schock (...).
I 16
[Uribe] schätz[t] das empirische Modell auf vierteljährlichen US-Daten über den Zeitraum 1954:Q3 bis 2018:Q2.
I 18
Das Hauptergebnis [aus dem empirischen Modell] ist, dass die Anpassung der Inflation an ihr höheres langfristiges Niveau kurzfristig erfolgt. Tatsächlich steigt die Inflation um 1 Prozent und bleibt danach in etwa auf diesem Niveau. Auf der realen Seite der Wirtschaft führt der permanente Anstieg des Nominalzinses nicht zu einem Rückgang der Gesamtaktivität. Tatsächlich weist die Produktion eine vorübergehende Expansion auf. Dieser Effekt könnte die Folge niedriger Realzinsen sein, die sich aus der schnellen Konjunkturbelebung nach dem permanenten Zinsschock ergeben. Aufgrund der schnelleren Reaktion der Inflation im Verhältnis zu dem des Nominalzinses fällt der Realzins bei Belastung um fast 1 Prozent und nähert sich von unten auf sein stationäres Niveau an, was bedeutet, dass die gesamte Anpassung an einen permanenten Zinsschock im Zusammenhang mit niedrigen Realzinsen erfolgt.
I 22
Wie wichtig sind nicht-stationäre monetäre Schocks? Die Relevanz des Neo-Fisher-Effekts hängt nicht nur davon ab, ob er in den Ist-Daten identifizierbar ist (...), sondern auch davon, ob permanente monetäre Schocks eine wichtige Rolle bei der Erklärung kurzfristiger Bewegungen der Inflationsrate spielen.
I 23
Das empirische Modell weist dieser Art von monetärer Störung [dem nicht-stationären monetären Schock] eine bedeutende Rolle zu, insbesondere bei der Erklärung von Bewegungen bei nominalen Variablen. Im Vergleich dazu erklärt der stationäre monetäre Schock einen relativ kleinen Anteil der Bewegungen in den drei im Modell enthaltenen makroökonomischen Indikatoren.
I 25
Zusammenfassend prognostiziert das geschätzte empirische Modell, dass ein permanenter Anstieg des Nominalzinses zu einem sofortigen Anstieg der Inflation und einer Übergangsdynamik führt, die durch niedrige Realzinsen und keinen Output-Verlust gekennzeichnet ist. >Terminologie/Uribe
Neu-Keynesianisches Modell: In diesem Abschnitt wird das Vorhandensein eines Neo-Fisher-Effekts im Rahmen eines geschätzten Standardoptimierungsmodells in der neokeynesianischen Tradition untersucht. [Das Modell] wird von sechs Schocks angetrieben: permanenten und vorübergehenden Zinsschocks, permanenten und vorübergehenden Produktivitätsschocks, einem Präferenzschock und einem Arbeitskräfteversorgungsschock.
I 37
Die Antworten, die das neukeynesianische Modell impliziert, stimmen mit denen des empirischen Modells überein (...). Eine Erhöhung des Nominalzinssatzes, die von privaten Agenten als dauerhaft angesehen wird (...), führt kurzfristig zu einem Anstieg der Inflation, ohne dass die Gesamtaktivität verloren geht. Im Gegensatz dazu verursacht eine Erhöhung des nominalen Zinssatzes, der als
I 39
vorübergehend interpretiert wird (...), einen Rückgang der Inflation und einen Rückgang der Gesamtaktivität. Die Reaktion auf einen permanenten Anstieg der Nominalzinseninflation, heißt nicht nur, dass die Inflation zu steigen beginnt, sondern dies auch schneller tut als der Nominalzins. Infolgedessen sinkt der Realzins. Im Gegensatz dazu führt ein vorübergehender Anstieg des Nominalzinses zu einem Rückgang der Inflation und einem Anstieg des Realzinses. Eine natürliche Frage ist, warum sich die Inflation kurzfristig schneller bewegt als der Zinssatz, wenn der Währungsschock voraussichtlich dauerhaft sein wird. Die Antwort hat mit dem Vorhandensein von nominalen Rigiditäten und mit der Art und Weise zu tun, wie die Zentralbank die Geldpolitik betreibt. Als Reaktion auf einen permanenten
I 40
Geldschock, der den Nominalzins langfristig um ein Prozent erhöht, erhöht die Zentralbank den kurzfristigen Leitzins schnell, aber schrittweise. Gleichzeitig wissen die Unternehmen, dass durch den Fisher-Effekt das Preisniveau langfristig um ein Prozent steigen wird und dass auch sie langfristig ihren eigenen Preis im gleichen Verhältnis erhöhen müssen, um Verluste zu vermeiden. Da Unternehmen mit quadratischen Kosten für die Preisanpassung konfrontiert sind, finden sie es optimal, sofort mit der Erhöhung des Preises zu beginnen. Da alle Unternehmen das Gleiche tun, beginnt die Inflation selbst zu steigen, sobald der Schock angekündigt wird.

1. Christiano, Lawrence J., Martin Eichenbaum, and Charles L. Evans, “Nominal Rigidities and the Dynamic Effects of a Shock to Monetary Policy,” Journal of Political Economy 113, 2005, 1-45.


Martín Uribe (2019): The Neo-Fisher Effect: Econometric Evidence from Empirical and Optimizing Models. In: NBER Working Paper No. 25089.

Uribe I
Martin Uribe
The Neo-Fisher Effect: Econometric Evidence from Empirical and Optimizing Models. NBER Working Paper No. 25089 2019
Neuronale Netze Mareschal Slater I 92
Neuronale Netzwerke/Konnektionism/Mareschal: Konnektionistische Modelle sind implementierte Computersimulationen von "brain-style" (Gehirn-Stil) Lernen und Informationsverarbeitung (Rumelhart & McClelland, 1986)(1). Konnektionistische Netzwerkmodelle bestehen aus einfachen Verarbeitungseinheiten (idealisierte Neuronen), die über gewichtete Kommunikationsleitungen miteinander verbunden sind (idealisierte
Slater I 93
Synapsen). Einheiten werden oft als Kreise und die gewichteten Kommunikationslinien, als Linien zwischen diesen Kreisen dargestellt. Über diese Verbindungsgewichte fließt die Aktivierung von Einheit zu Einheit. Das globale Verhalten des Netzwerks wird durch die Verbindungsgewichte bestimmt. Wenn die Aktivierung durch das Netzwerk fließt, wird sie durch den Satz von Verbindungsgewichten zwischen aufeinanderfolgenden Schichten im Netzwerk umgewandelt.
Lernen/Konnektionismus/Mareschal: (d.h. Anpassung des eigenen Verhaltens) wird durch Abstimmung der Verbindungsgewichte erreicht, bis ein stabiles Verhalten erreicht ist. Überwachte Netzwerke passen ihre Gewichte an, bis die Ausgangsreaktion (für einen bestimmten Eingang) einer Zielreaktion entspricht. Dieses Ziel kann von einem aktiven Lehrer oder passiv durch Beobachtung der Umwelt kommen, aber es muss von außerhalb des Systems kommen. Unüberwachte Netzwerke passen ihre Gewichte an, bis eine interne Einschränkung erfüllt ist (z.B. müssen maximal unterschiedliche Eingänge maximal unterschiedliche interne Darstellungen haben).
Slater I 94
Die wichtigste Schlussfolgerung aus dieser Arbeit ist der Begriff der abgestuften Darstellung von Wissen. Das heißt, anstatt als Alles-oder-Nichts-Konzept zu existieren, wurde die Objektpermanenz schrittweise erworben. Folglich existierten die Darstellungen, die diesem Konzept zugrunde lagen, in abgestuften Zuständen, die mit Alter und Erfahrung immer robuster wurden und immer komplexere Verschwindensereignisse unterstützten. >Objektpermanenz/Konnektionismus.

1. Rumelhart, D.E. and McClelland, J.L. 1986.Parallel distributed processing: explorations in the microstructure of cognition, vols. I and II. Cambridge, MA: MIT Press


Denis Mareschal and Jordy Kaufman, „Object permanence in Infancy. Revisiting Baillargeon’s Drawbridge Experiment“ in: Alan M. Slater & Paul C. Quinn (eds.) 2012. Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications

Slater I
Alan M. Slater
Paul C. Quinn
Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2012
Ontologie Rorty IV (a) 25f
Ontologie/Rorty: es ist ein gehöriges Maß an Kulturanpassung vonnöten, um Fragen wie diese zu beantworten: existiert Gott, existieren Zahlen, gibt es Gerechtigkeit? RortyVsReichenbach: heute hängt ontologischer Status nicht mehr mit Definierbarkeit zusammen. Vgl. >Ontologische Relativität, >Theorieabhängigkeit, >Beobachtbarkeit, >Platonismus.

Rorty I
Richard Rorty
Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997

Rorty II
Richard Rorty
Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000

Rorty II (b)
Richard Rorty
"Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (c)
Richard Rorty
Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (d)
Richard Rorty
Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (e)
Richard Rorty
Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (f)
Richard Rorty
"Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (g)
Richard Rorty
"Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty III
Richard Rorty
Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992

Rorty IV (a)
Richard Rorty
"is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty IV (b)
Richard Rorty
"Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty IV (c)
Richard Rorty
"Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty IV (d)
Richard Rorty
"Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty V (a)
R. Rorty
"Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983
In
Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998

Rorty V (b)
Richard Rorty
"Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984
In
Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988

Rorty V (c)
Richard Rorty
The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992)
In
Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988

Rorty VI
Richard Rorty
Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000
Optimismus Experimentelle Psychologie Parisi I 104
Optimismus/Experimentelle Psychologie/Ryan-Wilkinson: (...) der bekannte Befund, dass Menschen in verschiedenen Dimensionen übermäßig optimistisch oder zuversichtlich sind (z. B. Weinstein 1980(1), 1989(2)) (...) ist ein echter kognitiver Fehler, in dem Sinne, dass wir wissen, dass die Menschen bestimmte Antworten objektiv falsch geben. Zum Beispiel gaben in Fischhoff, Slovic und Lichtenstein (1977)(3) die Teilnehmer Schätzungen und Antworten auf schwierige
Parisi I 105
Fragen und mussten ihre Zuversicht quantifizieren; sie waren, objektiv gesehen, viel zu sicher, dass sie richtig geantwortet hatten. Was diese Frage jedoch von einem normativen Standpunkt aus interessant macht, ist, dass selbst im Falle einer eindeutigen Voreingenommenheit, einem Phänomen, das zu falschen Antworten führt, es umfangreiche Belege dafür gibt, dass die Verzerrung insgesamt hilfreich und durchaus adaptiv ist. Positive Illusionen werden mit besseren Anpassungs- und Bewältigungsfähigkeiten in Verbindung gebracht (z. B. Taylor und Armor, 1996)(4); tatsächlich wurde das Fehlen dieser Verzerrung mit klinischer Depression assoziiert (z. B. Allan, Siegel und Hannah, 2007)(5).


1. Weinstein, Neil D. (1980). “Unrealistic Optimism About Future Life Events.” Journal of Personality and Social Psychology 39: 806–820.
2. Weinstein, Neil D. (1989). “Optimistic Biases About Personal Risks.” Science 246: 1232–1233.
3. Fischhoff, Baruch, Paul Slovic, and Sarah Lichtenstein (1977). “Knowing with Certainty: The Appropriateness of Extreme Confidence.” Journal of Experimental Psychology 3: 552–564.
4. Taylor, Shelley E. and David A. Armor (1996). “Positive Illusions and Coping with Adversity.” Journal of Personality 64: 873–898.
5. Allan, Lorraine G., Shepard Siegel, and Samuel Hannah (2007). “The Sad Truth About Depressive Realism.” Quarterly Journal of Experimental Psychology 60: 482–495.


Wilkinson-Ryan, Tess. „Experimental Psychology and the Law“. In: Parisi, Francesco (Hrsg.) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Bd. 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University Press.

Parisi I
Francesco Parisi (Ed)
The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017
Persönlichkeit Allport Corr I 4
Persönlichkeit/Allport: Gordon Allport (1937)(1) definierte Persönlichkeit als "die dynamische Organisation innerhalb des Individuums jener psychophysischen Systeme, die seine einzigartigen Anpassungen an die Umwelt bestimmen" (Allport 1937, S.48).
I 5
McAdamsVsAllport/PalsVsAllport: Eine Definition, die dieser personalen Integration eine moderne Wendung verleiht, bieten McAdams und Pals (2006)(2), die Persönlichkeit als "die einzigartige Variation des Individuums über das allgemeine evolutionäre Design für die menschliche Natur definieren, ausgedrückt als ein sich entwickelndes Muster von Dispositions-Charakterzügen, charakteristischen Anpassungen und integrativen Lebensgeschichten, die komplex und unterschiedlich in der Kultur angesiedelt sind" (McAdams und Pals 2006(2), S. 212). Die Betonung von Dynamik und Entwicklung in diesen beiden personologischen Definitionen erinnert uns daran, dass einige Theorien Funktion und Veränderung betonen, im Gegensatz zu den typischerweise eher statischen Charakterzügen, die sich auf die Beschreibung konzentrieren.

1. Allport, G. W. 1937. Personality: a psychological interpretation. New York: Holt, p. 48.
2. McAdams, D. P. and Pals, J. L. 2006. A new Big Five: fundamental principles for an integrative science of personality, American Psychologist 61: 204–17

Susan Cloninger, “Conceptual issues in personality theory”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press



Corr I 43
Persönlichkeit/Allport/AsendorpfVsAllport: Allport (1937) verdankte die meisten seiner Ideen William Stern (1911)(1).
1. Stern, W. 1911. Die Differentielle Psychologie in ihren methodischen Grundlagen [Methodological foundations of differential psychology]. Leipzig: Johann Ambrosius Barth


Jens B. Asendorpf, “Personality: Traits and situations”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press



Corr I 380
Persönlichkeit/Allport/Saucier: Allport (1937)(1): "Persönlichkeit ist die dynamische Organisation innerhalb des Individuums jener psychophysischen Systeme, die seine einzigartigen Anpassungen an seine Umgebung bestimmen" (1937, S. 48). Saucier: Allport nannte dies eine "biophysikalische" Konzeption. Es ging darum, "was ein Individuum ist, unabhängig davon, wie andere Menschen seine Qualitäten wahrnehmen oder bewerten" (1937, S. 40). Phrasierungen wie "innerhalb des Individuums" und "Systeme, die bestimmen" zeigen eine Betonung der zugrunde liegenden Verhaltensmechanismen.



1. Allport, G. W. 1937. Personality: a psychological interpretation. New York: Holt


Gerard Saucier, „Semantic and linguistic aspects of personality“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Politik Avicenna Höffe I 131
Politik/Avicenna/Höffe: Im politischen Denken, das seine Summe mitbehandelt, ist Avicenna ziemlich orthodox. Er hebt zwar die Bedeutung von Partnerschaft, Recht
Höffe I 132
und Gerechtigkeit hervor, setzt sich für eine Umverteilung des Reichtums und für ein anpassungsfähiges Rechtssystem ein. In den Bestimmungen zu Ehe und Ehescheidung, zu Strafen und zu Steuern folgt er aber den religiösen Gesetzen; Herrschaft: Der Kalif gilt als allzuständig; gegen die Feinde der rechten Lehre sind Kriege zu führen; das Vermögen der Besiegten fällt dem Sieger zu.
Sklaverei: Mit Aristoteles gibt es «Sklaven von Natur aus», unter die, erstaunlich konkret, alle «Neger und Türken» fallen.
HöffeVsBloch: Derartige Aussagen wecken Zweifel an Ernst Blochs Versuch, Avicenna zur Aristotelischen Linken zu zählen.
VsAvicenna/Höffe: Avicennas Vermittlung von Philosophie und islamischer Theologie stößt sowohl bei Philosophen als auch Theologen auf heftige Kritik. Den schärfsten Widerspruch erhebt der wohl größte Theologe des Islam, >al-Gazali (Algazel, 1058-1111).
Pragmatismus James Diaz-Bone I 68
Pragmatismus/James: der Begriff wird zum ersten Mal von James 1898 verwendet. Er beruft sich aber auf Peirce, 1878.
I 68f
Zeichen/Peirce/ VsKant: Vs Konstruktion vom transzendentalen Subjekt: Pragmatismus ist diejenige Methode, die erfolgreiche sprachliche und gedankliche Kommunikation und klare Ideen ermöglicht. Für Peirce ist jeder Gedanke Zeichen.
I 70
Pragmatismus/Peirce: voluntaristische Handlungstheorie. Def Voluntarismus: Wille als Grundprinzip des Seins.
I 76
Pragmatismus: wie ein Korridor in der Mitte vieler Zimmer, er gehört allen, die ihn benutzen. Begriff/Pragmatismus: Er hält alle Begriffe für Hypothesen. Verwendung ist immer persönlicher Entschluß.
I 78
Wir leben nicht um zu denken, sondern wir denken, um zu leben.
I 79
Wissenschaft/James: Wissenschaften, comon sense und einzelnes Bewusstsein haben eines gemeinsam: sie sollen die menschliche Anpassungsfähigkeit steigern.
I 88
PragmatismusVsKorrespondenztheorie: Übereinstimmung bei James weicht die Dichotomie wahr/falsch auf. (>Verwirklichung, >Anpassung).
I 102
VsPragmatismus: dass James Wahrheit mit Bewährung verwechsele: es kann niemals festgestellt werden, ob eine Beobachtung richtig übersetzt ist. (>Basissatzproblem).



James I
R. Diaz-Bone/K. Schubert
William James zur Einführung Hamburg 1996
Prototypen Bindungstheorie Corr I 249
Prototypen/Bindungstheorie/Fraley/Shaver/Mikulincer: Fraley (2002)(1) konstruierte ein dynamisches mathematisches Modell, das davon ausgeht, dass ein stabiler Prototyp der Säuglingsbindung über lange Zeit hinweg bestehen bleibt, aber mit prototypisch diskrepanten Ereignissen und Beziehungen, die den Einfluss des Prototyps im Laufe der Zeit mildern, und seine Anpassungsfähigkeit mit Längsdaten testen. Er verglich dieses Modell mit dem alternativen "revisionistischen" (kontinuierlichen Wandel) Modell, das nicht von der Existenz eines ersten Prototyps ausgeht, der einen nachhaltigen Einfluss hatte. Fraley (2002(1), S. 135) kam zu dem Schluss, dass das Prototypmodell am besten zu den Daten passt, was darauf hindeutet, dass ein prototypähnlicher Prozess zur Stabilität der Bindung über den gesamten Lebenszyklus beitragen kann.


1. Fraley, R. C. 2002. Attachment stability from infancy to adulthood: meta-analysis and dynamic modeling of developmental mechanisms, Personality and Social Psychology Review 6: 123–51


Phillip R. Shaver and Mario Mikulincer, “Developmental, psychodynamic and optimal-functioning aspects”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Proximale Theorie Proust Joelle Proust Das intentionale Tier in D. Perler/M. Wild (Hg) Der Geist der Tiere Frankfurt/M. 2005

I 227
Proximal/Proust: primitive Lebewesen wie der Seehase (Meeresnacktschnecke) reagieren auf einen proximalen Zustand der Rezeptoren.
I 227
Proximal/Proust: z.B. Schnecke: kann eine Information nur dann verarbeiten, wenn Kontakt zu ihren Rezeptoren besteht. Distal: Vögel und Säugetiere brauchen keinen Kontakt zu ihren Rezeptoren. Daher können sie ganz andere räumliche Begriffe entwickeln! (VsQuine).
I 228
Raum/Tier/Denken/Proust: intuitiv ist der Raum eine Art von leerem Rahmen für mögliche Wahrnehmungsgehalte. Die Relation, die für uns von Interesse ist, ist das Vorkommen am gleichen Ort, d.h. die Äquivalenzklasse für alle Wahrnehmungserfahrungen, die die gleiche Lokalisierung in der Umgebung betreffen.
Proust: diese Relation ist interessant, weil sie weder den Begriff von Raum noch den Begriff von einem Begriff voraussetzt. Sie ist rein logisch.
Proust: das Vorkommen am gleichen Ort ist auch wesentlich als Grundlage für Wiedererkennen von Objekten.
I 229
Def Kalibrierung/Proust: Anpassung eines auditiven Musters an ein visuelles. ((s) Koordinierung von Sinneseindrücken.) Proust: dieser Mechanismus ist unerlässlich, um die sinnlichen Inputs zu korrigieren.

Proust I
Joelle Proust
"L’animal intentionnel", in: Terrain 34, Les animaux, pensent-ils?, Paris: Ministère de la Culture/Editions de la maison des Sciences de l’Homme 2000, pp. 23-36
In
Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005
Psychopathie Paulhus Corr II 247
Psychopathie/Dunkle Triade/Charakterzüge/Paulhus/Williams/Zeigler-Hill/Marcus: Die Psychopathie gilt als der bösartigste Charakterzug der dunklen Triade (Furnham, Richards, & Paulhus, 2013(1); Muris, Merckelbach, Otgaar, & Meijer, 2017(2)). Obwohl das Wesen und die wesentlichen Komponenten der Psychopathie umstritten sind, herrscht allgemeine Übereinstimmung darüber, dass Psychopathie "bestimmte wesentliche affektive (z.B. Erbarmungslosigkeit), zwischenmenschliche (z.B. oberflächlicher Charme) und Verhaltensmerkmale (z.B. Verantwortungslosigkeit) umfasst, oft in Verbindung mit erheblichem antisozialem Verhalten (Edens & McDermott, 2010, S.32(3)).
II 248
Mit der Messung von Psychopathie sind verschiedene Schwierigkeiten verbunden, da Personen mit einem hohen Grad an Psychopathie betrügerisch sind, einen Anreiz haben können, ihre psychopathischen Züge falsch darzustellen, und oft keine Einsicht in ihre eigene Persönlichkeit haben (Lilienfeld & Fowler, 2006(4)). Als Antwort auf diese Herausforderungen entwickelte Hare die Psychopathie-Checkliste (PCL; Hare, 1980(5)) und später eine überarbeitete Psychopathie-Checkliste (PCL-R; Hare, 2003(6)). Bei der PCL und der PCL-R handelt es sich um Skalen zur Bewertung von Klinikern, die auf der Grundlage eines halbstrukturierten Interviews bewerten, das in Verbindung mit einer Aktensichtung durchgeführt wird. [Diese Checkliste] enthielt jedoch nicht die Punkte, die sich auf die positive Anpassung konzentrierten. Darüber hinaus ist die überarbeitete Checkliste nicht ideal für die Untersuchung subklinischer Manifestationen der Psychopathie, auf die sich die meisten Studien zur dunklen Triade konzentrieren. Stattdessen haben Forscher der Dunklen Triade häufig die auf der PCL-R basierende Selbstbericht-Psychopathie-Skala-Ill (SRP-III; Paulhus, Hemphill, & Hare, 2009(7)) verwendet. [E]iner der einflussreichsten neueren Ansätze zum Verständnis der Psychopathie [ist] eine triarchische Konzeptualisierung [einer Eigenschaft] (Patrick, Fowles, & Krueger, 2009(8)). Dieses Modell geht davon aus, dass die prototypische Psychopathie aus einer Kombination von Enthemmung, Gemeinheit und Kühnheit besteht.


1. Furnham, A., Richards, S. C., & Paulhus, D. L. (2013). The Dark Triad of personality: A 10 year review. Social and Personality Psychology Compass, 7, 199—2 16.
2. Muris, P., Merckelbach, H., Otgaar, H., & Meijer, E. (2017). The malevolent side of human nature: A meta-analysis and critical review of the literature on the Dark Triad (narcissism, Machiavellianism, and psychopathy). Perspectives on Psychological Science, 12, 183—204.
3. Edens, J. F., & McDermott, B. E. (2010). Examining the construct validity of the Psychopathic Personality Inventory-Revised: Preferential correlates of fearless dominance and self-centered impulsivity. Psychological Assessment, 22, 3 2—42.
4. Lilienfeld, S. O., & Fowler, K. A. (2006). The self-report assessment of psychopathy: Problems, pitfalls, and promises. In C.J. Patrick (Ed.), Handbook of psychopathy. New York: Guilford Press.
5. Hare, R. D. (1980). A research scale for the assessment of psychopathy in criminal populations. Personality and Individual Differences, 1, 111—117.
6. Hare, R. D. (2003). Manual for the Revised Psychopathy Checklist (2nd ed.). Toronto, ON: Multi-Health Systems.
7. Pauthus, D. L., Hemphill, J. F., & Hare, R. D. (2009). Self-report psychopathy scale (SRP-III). Toronto, ON: Multi-Health Systems.
8. Patrick, C. J., Fowles, D. C., & Krueger, R. F. (2009). Triarchic conceptualization of psychopathy: Developmental origins of disinhibition, boldness, and meanness. Development and Psychopathology, 21, 9 13—938.


Zeigler-Hill, Virgil; Marcus, David K.: “The Dark Side of Personality Revisiting Paulhus and Williams (2002)”, In: Philip J. Corr (Ed.) 2018. Personality and Individual Differences. Revisiting the classical studies. Singapore, Washington DC, Melbourne: Sage, pp. 245-262.

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Rationalität Rorty I 275 f
Rorty: "Rationalität" bedeutet hier soviel wie die Anpassung von Mitteln an Zwecke. Der Unterschied zu hormonellen Aktivitäten besteht darin, daß diese nur mit einem metasprachlichen Vokabular beschrieben werden können. Beim Verstehen solcher Vorgänge, geht es mehr um Tricks als um Erfassen von Allgemeinheit. Das hat wenig mit Rationalität zu tun. Wir verstehen dadurch nicht was es heißt, ein rationaler Forscher zu sein. "Rational" ist ebenso wenig wie "wahr" (oder "aufrichtig") ein Kandidat für einen Begriff, der sich in Kenntnis der Funktionsweise des mentalen Apparats besser verstehen ließe.
III 84f
Irrational/Rorty: die Unterscheidung zwischen rational und irrational ist wenig nützlich.

Rorty I
Richard Rorty
Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997

Rorty II
Richard Rorty
Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000

Rorty II (b)
Richard Rorty
"Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (c)
Richard Rorty
Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (d)
Richard Rorty
Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (e)
Richard Rorty
Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (f)
Richard Rorty
"Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (g)
Richard Rorty
"Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty III
Richard Rorty
Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992

Rorty IV (a)
Richard Rorty
"is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty IV (b)
Richard Rorty
"Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty IV (c)
Richard Rorty
"Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty IV (d)
Richard Rorty
"Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty V (a)
R. Rorty
"Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983
In
Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998

Rorty V (b)
Richard Rorty
"Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984
In
Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988

Rorty V (c)
Richard Rorty
The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992)
In
Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988

Rorty VI
Richard Rorty
Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000
Rechtsgeschichte Mikroökonomie Parisi I 164
Rechtsgeschichte/Mikroökonomie/Wangenheim: Die beiden bahnbrechenden Aufsätze von Rubin (1977)(1) und Priest (1977)(2) bilden die Wurzel einer langen Geschichte mikroökonomischer Veröffentlichungen über die Entwicklung des Common Law (dt. Gewohnheitsrecht), d.h. des vom Richter geschaffenen Rechts. Rubin: Rubins zentrales Argument war, dass rechtliche Regeln nur dann vor Gericht angefochten werden, wenn sie ineffizient sind. Wenn Regeln effizient sind,
Parisi I 165
werden alle Fälle beigelegt, um Prozesskosten zu vermeiden. Die Möglichkeit, eine ineffiziente Regel durch eine effiziente zu ersetzen, erlaubt jedoch genügend gemeinsame erwartete zukünftige Gewinne aus einer besseren Regel, um die Prozesskosten zu überwiegen. Infolgedessen, so Rubins Argument, entwickelt sich das Gewohnheitsrecht in Richtung Effizienz. Priest: Priest (1977)(2) formalisiert das Argument als einen einfachen Markov-Prozess des Anteils der Regeln, die effizient sind, wobei jede Regel entweder effizient oder ineffizient sein kann. >Rechtsgeschichte/Priest.
Weiterentwicklung der Theorie von Priest: Cooter und Kornhauser (1980)(3) sowie Miceli (2010)(4) gehen auf die stochastische Natur des Modells ein und betonen, dass sich das Recht im Modell nicht zu einem bestimmten Zustand hin entwickelt, sondern zu einer stationären Verteilung, so dass das Recht zwischen allen möglichen Zuständen, effizienten und ineffizienten, hin und her wechselt. Goodman (1978)(5), Landes und Posner ( 1979)(6), und Wangenheim ( 1993)(7) endogenisieren die Prozessausgaben der Parteien und deren Auswirkung auf die gerichtlichen Entscheidungen.
Asymmetrie: Priest und Klein (1984)(8) sowie Fon und Parisi (2003)(9) und Fon et al. (2005)(10) stellen fest, dass die Bedingungen, unter denen die Parteien einen Rechtsstreit beginnen, eine Asymmetrie zwischen Klägern und Beklagten implizieren. Viele dieser Variationen schwächen das Ergebnis, dass sich das Richterrecht in Richtung Effizienz entwickelt.
Vs: Dass es dies mehr tut als gesetzliches Recht, wird von Hirshleifer (1982)(11), Wangenheim ( 1993)(7), Rubin und Bailey (1994)(12), Georgakopoulos (1997)(13) und wiederum Rubin (1982(14), 2005(15)) mit der Begründung in Frage gestellt, dass alle Argumente, die für die Effizienzbehauptung in Bezug auf das Gewohnheitsrecht erforderlich sind, auch für das Gesetzesrecht gelten.
Trotz all dieser Kritikpunkte diente der Ansatz als theoretische Grundlage für empirische Studien über den Einfluss der rechtlichen Herkunft von Ländern auf ihren wirtschaftlichen Erfolg und die Qualität ihres geltenden Rechts (z.B. La Porta et al. 1997(16); siehe auch La Porta et al., 2017(17)).
Vs: Hatzis (2002)(18), Garoupa und Morriss (2012)(19), sowie Garoupa und Ligüerre (2011)(20) kritisieren diesen Ansatz und andere einfache Dichotomien des Gewohnheitsrechts und
Parisi I 166
des Gesetzesrechts, da sie empirischen Erkenntnissen zu mehreren Rechtsgebieten widersprechen und es ihnen an einem tiefgreifenden Verständnis der Funktionsweise von Gewohnheitsrecht und Grundrechte mangelt. Hadfield (2011)(21) identifiziert alternative Parameter von Rechtssystemen, die für die Vorhersage der Anpassungsfähigkeit von Rechtssystemen wichtiger sind als die Dichotomie zwischen Gewohnheitsrecht und Gesetzesrecht.
Exogene Variationen: Ponzetto und Fernandez (2008)(22) schlagen ein Modell vor, in dem sie Gesetzesänderungen in ein Modell der Entwicklung des Gewohnheitsrechts integrieren. Wie Georgakopoulos (1997)(13) lassen sie exogene Variationen des effizienten Zustands des Rechts zu und argumentieren, dass unter vielen Bedingungen eine Kombination aus Gewohnheits- und Gesetzesrecht optimal ist.
Rubin: Rubin et al. (2001)(23) und Osborne (2002)(24) nehmen den Grad, in dem ein Rechtssystem von Gewohnheits- oder Gesetzesrecht bestimmt wird, nicht als gegeben hin, sondern lassen zu, dass Rent-Seeker das relative Gewicht der beiden Rechtsquellen beeinflussen, indem sie ihre Tätigkeit zwischen dem Gesetzgeber und den Gerichten aufteilen. Die bisher genannten Publikationen konzentrieren sich bis auf wenige Ausnahmen auf die prozessierenden Parteien (die "Nachfrageseite") (...).
"Angebotsseite"/Richter: Ehrlich und Posner (1974)(25) untersuchen, wie der Wunsch der Richter nach Reputation, nicht im Widerspruch zu Präzedenzfällen zu stehen, ihre privaten Präferenzen für gutes Recht einschränken kann. Miceli und Cosgel (1994)(26) erweitern diese Idee, indem sie argumentieren, dass die Entscheidung, gegen einen Präzedenzfall zu entscheiden, nicht notwendigerweise ein Preis für die Richter ist, sondern eher ein Vorteil sein kann, wenn ihre Entscheidungen die Grundlage für einen neuen Präzedenzfall werden.
Gennaioli und Shleifer (2007)(27) zeigen, dass von Richtern, die Fehlentscheidungen nicht mögen und individuell, aber nicht im Durchschnitt, in Bezug auf Effizienz voreingenommen sind, erwartet werden kann, dass sie die Effizienz des allgemeinen Rechts verbessern, wenn Präzedenzfälle in dem Sinne strikt sind, dass Richter die Rechtsregel nur durch weitere Differenzierung der Regeln ändern können, nicht aber durch deren Aufhebung.


1. Rubin, P. H. (1977). "Why Is the Common Law Efficient?" Journal of Legal studies 6: 51-63.
2. Priest, G. L. (1977). "The Common Law Process and the Selection of Efficient Rules." Journal of Legal Studies 6:65-82.
3. Cooter, R. D. and L. Kornhauser (1980). "Can Litigation Improve the Law without the Help of Judges?" Journal of Legal Studies 9: 139-163.
4. Miceli, T. J. (2010). "Legal Change and the Social Value of Lawsuits." International Review of
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5. Goodman, J. C. (1978). "An Economic Theory of the Evolution of Common Law." Journal of
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6. Landes, W. and R. Posner (1979). "Legal Change, Judicial Behavior, and the Diversity Jurisdiction." Journal of Legal Studies 9:367-386.
7. Wangenheim, G. v. (1993). "The Evolution of Judge-Made Law." International Review of Law
and Economics 13: 381-411.
8. Priest, G. L. and B. Klein (1984). "The Selection of Disputes for Litigation." Journal of Legal
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9. Fon, V. and F. Parisi (2003). "Litigation and the Evolution of Legal Remedies: A Dynamic Model." Public Choice 116:419-433.
10. Fon, V., F. Parisi, and B. Depoorter (2005). "Litigation, Judicial Path-Dependence, and Legal
Change." European Journal of Law and Economics 20:43—56.
11. Hirshleifer, J. (1982). "Evolutionary Models in Economics and Law." Research in Law and
Economics 4: 1-60.
12. Rubin, P. H. and M. J. Bailey (1994). "The Role of Lawyers in Changing the Law." Journal of Legal studies 23:807-831.
13. Georgakopoulos, N. L. (1997). "Predictability and Legal Evolution." International Review of
Law and Economics 17:475-489.
14. Rubin, P. H. (1982). "Common Law and Statute Law!' Journal of Legal studies 1 1:205-223.
15. Rubin, P. H. (2005). "Why Was the Common Law Efficient?," in F. Parisi and C. K. Rowley,
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16. La Porta, R., F. Lopez-de-Silanes, A. Shleifer, and R. Vishny (1997). "Legal Determinants of
External Finance." Journal of Finance 52: 1131-1150.
17. La Porta, R., F. Lopez-de-Silanes, A. Shleifer, and R. Vishny (2017). "Legal Origins and Economic Performance: Theory and Evidence," in F. Parisi, ed., oxford Handbook of Law and Economics, vol. 3. Oxford: Oxford University Press.
18. Hatzis, A. (2002). "Having the Cake and Eating It Too: Efficient Penalty Clauses in Common
and Civil Contract Law." International Review of Law and Economics 22:381-406.
19. Garoupa, N. and A. Morriss (2012). "The Fable of the Codes: The Effciency of the Common
Law, Legal Origins, and Codification Movements." University of Illinois Law Review 2012:
1443-1497.
20. Garoupa, N. and C. G. Ligüerre (2011). "The Syndrome of the Efficiency of the Common Law." Boston University International Law Journal 29: 287-335.
21. Hadfield, G. K. (2011). "The Quality of Law: Judicial Incentives, Legal Human Capital and the Evolution of Law." Journal of Economic Behavior and Organization 79:80-94.
22. Ponzetto, G. A. M. and P. A. Fernandez (2008). "Case Law versus Statute Law: An Evolution Comparison." Journal of Legal Studies 3 7: 379-430.
23. Rubin, P. H., C. Curran, and J. F. Curran (2001). "Litigation Versus Legislation: Forum Shopping by Rent Seekers." Public Choice 107: 295-310.
24. Osborne, E. (2002). "What's Yours Is Mine: Rent-Seeking and the Common Law." Public Choice 111:399-415.
25. Ehrlich, I. and R. Posner (1974). "An Economic Analysis of Legal Rule Making." Journal of
Legal studies 3:257-286.
26. Miceli, T. J. and M. M. Cosgel (1994). "Reputation and Judicial Decision-Making." Journal of
Economic Behavior and Organization 23: 31-51.
27. Gennaioli, N. and A. Shleifer (2007). "The Evolution of Common Law." Journal of Political
Economy 115:43-68.

Wangenheim, Georg von. „Evolutionary Law and Economics.” In: Parisi, Francesco (Hrsg.) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Bd. 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University Press

Parisi I
Francesco Parisi (Ed)
The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017
Reize Allport Corr I 95
Stimuli/Verhalten/Allport/Deary: Allport betonte, dass es der Charakterzug und nicht der Reiz war, der die treibende Kraft hinter dem Verhalten war, das die Persönlichkeit ausdrückt. Diese Idee wurde von Matthews, Deary and Whiteman (2003(1)) überarbeitet, als sie die Grundannahmen des "inneren Locus" und des "kausalen Vorrangs" der Charakterzüge ausarbeiteten. Allport schlug die Definitionen "abgeleitete Triebe" oder "abgeleitete Motive" für Charakterzüge vor und fasste dies zusammen (Allport 1931(2), S. 369): Wie auch immer sie genannt werden, sie können als eine motivierende Rolle in jedem Akt angesehen werden, so dass die einzelnen Anpassungen des Individuums an spezifische Reize mit der adverbialen Qualität ausgestattet sind, die das Wesen der Persönlichkeit ausmacht. Adverbien/Adjektive/Kennzeichnung/Theorie/Deary: Die Charakterzug-Forscher von heute interessieren sich mehr für Adjektive als für Adverbien.


1. Matthews, G., Deary, I. J. and Whiteman, M. C. 2003. Personality traits, 2nd edn. Cambridge University Press
2. Allport, G. W. 1931. What is a trait of personality?, Journal of Abnormal and Social Psychology 25: 368–72

Ian J. Deary, “The trait approach to personality”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Repräsentation Papineau David Papineau Die Evolution des Zweck Mittel Denkens in D. Perler, M. Wild (Hg) Der Geist der Tiere Frankfurt 2005

I 248
Repräsentation/Tiere/Papineau: es gibt die Gefahr, bei der Erklärung mehr hinein zu legen, als durch das spezifische Design bei Tieren gerechtfertigt ist.
I 256
Repräsentation/Papineau: warum soll ein Tier keine allgemeinen Repräsentationen haben?
I 257
Schließlich hat es diese Disposition gerade jetzt, weil sein Verhalten in der Vergangenheit zu diesem Ergebnis geführt hat. Disposition/Repräsentation/Papineau: sollte man die Dispo selbst nicht als Verkörperung der allgemeinen Information "Trinken liefert Wasser" betrachten?
Solche Gehaltszuschreibungen möchte ich nicht bestreiten. Die Disposition verkörpert Information über die allgemeine "Verknüpfung von Reaktion mit Resultat" (B & T ,V >R).
Zweck-Mittel-Denken/Papineau: wenn es explizite Repräsentationen benötigt, folgt daraus nicht mehr, dass einfache Lebewesen als Zweck-Mittel-Denker gelten können.
I 258
Explizite Repräsentation erfordert körperliche Greifbarkeit. Vs: alle Verhaltensdispositionen müssen irgendeine Art physischer Verkörperung haben.
I 259
Explizit/implizit: wenn ein Organismus implizit über unterschiedliche Stückchen allgemeiner Information in verschiedenen Dispo verfügt ("Wasser ist in Teichen"), hat er jedoch noch immer kein System, diese zu kombinieren. Zweck-Mittel-Denken /Papineau: erfordert explizite Repräsentation allgemeiner Information, so dass diese so verarbeitet werden kann, dass sie neue Einzelteile allgemeiner Information liefert.
These: das ist eine biologische Anpassung, die menschlichen Wesen eigentümlich ist.
Vs: 1. Zweck-Mittel-Denken sei zu einfach, und daher im Tierreich verbreitet.
2. Zweck-Mittel-Denken sei zu schwierig, und deshalb kein wesentlicher Bestandteil
I 261
unseres evolutionären Erbes. Dann ist das Zweck-Mittel-Denken ein Nebenprodukt.
Papineau: das heißt jedoch nicht, dass sie keine Funktion übernehmen können.

Papineau I
David Papineau
"The Evolution of Means-End Reasoning" in: D. Papineau: The Roots of Reason, Oxford 2003, pp. 83-129
In
Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005

Papineau II
David Papineau
The antipathetic fallacy and the boundaries of consciousness
In
Bewusstein, Thomas Metzinger Paderborn/München/Wien/Zürich 1996

Papineau III
D. Papineau
Thinking about Consciousness Oxford 2004
Resilienz (Psychologie) Persönlichkeitspsychologie Slater I 207
Resilienz/Persönlichkeitspsychologie: Charakterzüge: Rutter (1987)(1) These: Resilienz ist kein Charakterzug. (vgl. Cicchetti und Garmezy, 1993(2). Angesichts der Tatsache, dass ein und dasselbe Merkmal in Menschen und Situationen und im Lebenslauf unterschiedlich funktionieren kann und dass die Entwicklung die Reaktions- und Anpassungsfähigkeit einer Person verändert, ist der Begriff eines Resilienz-Merkmals unhaltbar. >Resilienz/Psychologische Theorien, >Resilienz/Rutter.
Slater I 211
Das Merkmalsproblem ist in Form von jüngsten Bemühungen zur Entwicklung und Vermarktung von Maßnahmen zur Resilienz oder "Elastizität" (siehe Windle, Bennett, & Noyes, 2011(3), für eine Überprüfung) und auch zur Durchführung groß angelegter Programme zur Förderung der individuellen Resilienz wieder aufgetaucht. RutterVs: (Rutter, 1987(1)2006(4)) - zusammen mit anderen führenden Entwicklungswissenschaftlern in diesem Bereich - können solche Bemühungen fehlgeleitet sein. Die Resilienztheorie und der Beweis für die menschliche Resilienz unterstützen die Idee, dass Resilienz aus dem Zusammenspiel vieler Einflüsse, dem Betrieb mehrerer adaptiver Systeme in Übereinstimmung und den laufenden Wechselwirkungen zwischen komplexen Systemen innerhalb der Person und zwischen Person und Umgebung resultiert. In diesem dynamischen System ist es denkbar, die Resilienz zu fördern; dies setzt jedoch ein sehr gutes Verständnis der beteiligten Personen, der Art der herausfordernden Situation, adaptiver Prozesse zur Bewältigung dieser Art von Herausforderungen, der Art und Weise, wie diese Prozesse mobilisiert werden können, sowie wichtige potenzielle entwicklungstechnische und kulturelle Einflüsse auf diese verschiedenen Prozesse voraus.
Masten: (...) Es besteht ein erhebliches Risiko, die Fähigkeit zur Resilienz in Bezug auf individuelle Eigenschaften zu sehen. Ein Kind (oder Erwachsener), dem es nicht gut geht, wird dann von anderen oder dem Selbst zur Verantwortung gezogen. Das Opfer wird für mangelnde "Resilienz" verantwortlich gemacht, obwohl es in der Tat zu überwältigenden Widrigkeiten und völlig unzureichender externer Unterstützung durch Familie, Gemeinschaft oder die größere Gesellschaft gekommen sein kann, um die Bedrohung abzuschwächen, die Anpassung zu unterstützen, oder die
Regeneration zu fördern.


1. Rutter, M. (1987). Psychosocial resilience and protective mechanisms. American journal of Orthopsychiatry, 57, 316—331.
2. Cicchetti, D., & Garmezy, N. (199 3). Prospects and promises in the study of resilience. Development and Psychopathology, 5,497—502.
3. Windle, G., Bennett, K. M., & Noyes, J. (201 1). A methodological review of resilience measurement
scales. Health and Quality of Life Outcomes, 9, 8.
4. Rutter, M. (2006). Implications of resilience concepts for scientific understanding. Annals of the
New York Academy of Sciences, 1094, 1—12.


Ann S. Masten, “Resilience in Children. Vintage Rutter and Beyond”, in: Alan M. Slater and Paul C. Quinn (eds.) 2012. Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications

Slater I
Alan M. Slater
Paul C. Quinn
Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2012
Resilienz (Psychologie) Psychologische Theorien Slater I 204
Resilienz/Psychologische Theorien: eine Studie von Werner und Smith "Vulnerable but invincible: A study of resilient children" (Werner und Smith, 1982)(1) trug einen Meilenstein in der Resilienzforschung bei. Siehe auch Anthony und Koupernik, (1974)(2), Garmezy und Rutter (1983)(3).
Slater I 205
Laut Masten (2007)(4) gibt es vier überlappende Wellen der Resilienzforschung. 1) Grundlagenforschung zur Definition, Messung und Beschreibung dieser Phänomenfamilie
2) Bemühungen Resilienzprozesse zu verstehen
3) Tests der Resilienztheorie durch experimentelle Interventionsstudien
4) integrative, inhärent multidisziplinäre Forschung auf mehreren Analyse-Ebenen.
Def Resilienz/Psychologie/Tradition/Masten: Resilienz wurde oft als positive Funktion oder Entwicklung trotz Vorhandensein von Risikofaktoren beschrieben. Kinder, die unter widrigen Umständen gut abschneiden, wurden als "unverwundbar" (ein unglücklicher Begriff, der bald die Anhänger verlor), "stressresistent" oder "resilient" identifiziert. Die Ziele solcher Studien waren oft die Identitätsqualitäten des Kindes (z.B. Geschlecht, Persönlichkeit oder Fähigkeiten) oder der Umgebung (z.B. Beziehungen oder Unterstützungen), die mit einer positiven Anpassung, Kompetenz oder psychischen Gesundheit im Zusammenhang mit Risiken verbunden zu sein schienen.
VsTradition: neue Ansätze: Transaktionsmodelle verdeutlichten die bidirektionale Natur und die Vielzahl von Effekten, die sich aus den laufenden Interaktionen einer sich verändernden Person mit einer sich verändernden Umwelt ergeben. Während der Sozialisation, zum Beispiel, wird von einem Elternteil erwartet, dass es das Verhalten des Kindes durch Disziplin, Überwachung oder Ermutigung auf alters- und kindgerechte Weise verändert. (Eisenberg, 1977(5); Gottesman & Shields, 1972(6), 1982(7); Sameroff & Chandler, 1975(8); Sroufe, 1979(9)). >Resilienz/Rutter.
Slater I 207
Die Definition von Resilienz und verwandten Begriffen ist noch dynamischer geworden, wobei Konzepte wie "Resilienz" oder "Schutz" oder "Verwundbarkeit" aus komplexen Interaktionen und Prozessen auf vielen Ebenen des Einzelnen und der Person, die mit anderen Menschen oder deren Kontext interagiert, angenommen werden (Cicchetti, 2010(10); Sapienza & Masten, 2011(11)). Konzepte wie Schutz oder Resilienz werden zunehmend als aufkommende Eigenschaften dynamischer Systeme in der Interaktion angesehen. In späteren Jahren würden viele Resilienzforscher allgemein gute Einflüsse (verbunden mit wünschenswerten Ergebnissen für alle Risikostufen) als "fördernde" Faktoren (Sameroff, 2000)(12) und allgemein schlechte Einflüsse als "Risikofaktoren" bezeichnen, wobei sie anerkannten, dass viele Merkmale oder Erfahrungen unterschiedliche Rollen entlang eines Kontinuums spielen. (>Unterscheidungen/Rutter). Zum Schutz: siehe >Resilienz/Rutter, >Interaktion/Rutter.
Für negative Kettenreaktionen: siehe >Resilienz/Entwicklungspsychologie.
Slater I 212
Elterliche Betreuung: Eine Reihe von Experimenten bestätigen die wichtige Rolle der elterlichen Pflege für die Resilienz (siehe Gest & Davidson, 2011(13)), in Studien, die eine gezielte Veränderung der Qualität der Elternschaft zum Ziel haben (z.B. Borden et al., 2010(14), Patterson et al., 2010)(15) oder Pflegefamilien (Fisher, Van Ryzin, & Gunnar, 2011(16); Smyke, et al., 2010(17)). Neurobiologie der Resilienz: siehe Curtis & Cicchetti, 2003)(18)
Kultur/Ökologie der Resilienz: siehe Luthar (2006)(19), Ungar (2008(20), 2011(21).



1. Werner, E. E., & Smith, R. S. (1982). Vulnerable but invincible: A study of resilient children. New York: McGraw-Hill
2. Anthony, E. J., & Koupernik, C. (Eds) (1974). The child in his family: Children at psychiatric risk. New
York: Wiley.
3. Garmezy, N., & Rutter, M. (1983). Stress, coping and development in children. New York: McGraw-Hill.
4. Masten, A. S. (2007). Resilience in developing systems: Progress and promise as the fourth wave rises. Development and Psychopathology, 19, 921—930.
5. Eisenberg, L. (1977). Development as a unifying concept in psychiatry. British Journal of Psychiatry,
131, 225—237.
6. Gottesman, L L, & Shields, J. (1972). Schizophrenia and genetics: A twin study vantage point. New York: Academic Press.
7. Gottesman, I. I., & Shields, J. (1982). Schizophrenia: The epigenetic puzzle. New York: Cambridge University Press.
8. Sameroff, A. j., & Chandler, M. j. (1975). Reproductive risk and the continuum of caretaking casualty.
In F. D. Horowitz, E. M. Hetherington, S. Scarr-Salapatek, & G. M. Siegel (Eds), Review of child development research (VoL 4, pp. 187—243). Chicago: University of Chicago Press.
9. Sroufe, L. A. (1979). The coherence of individual development: Early care, attachment, and subsequent developmental issues. American Psychologist, 34, 834—841.
10. Cicchetti, D. (2010). Resilience under conditions of extreme stress: A multilevel perspective. World
Psychiatry, 9, 145—154.
11. Sapienza, J. K., & Masten, A. S. (201 1). Understanding and promoting resilience in children and youth. Current Opinion in Psychiatry, 24, 267—273.
12. Sameroff, A. J. (2000). Developmental systems and psychopathology. Development and Psychopathology, 12, 297—312.
13. Gest, S. D., & Davidson, A. J. (2011). A developmental perspective on risk, resilience and prevention.
In M. Underwood & L. Rosen (Eds), Social development: Relationships in infancy, childhood and adolescence (pp. 427-454). New York: Guilford Press.
14. Borden, L. A., Schultz, T. R, Herman, K. C., & Brooks, C. M. (2010). The incredible years parent training program: Promoting resilience through evidence-based prevention group. Group Dynamics:
Theory, Research and Practice, 14, 230—24 1.
15. Patterson, G. R., Forgatch, M. S., & DeGarmo, D. S. (2010). Cascading effects following intervention.
Developmental Psychopathology, 22,941—970.
16. Fisher, P. A., Van Ryzin, M. J., & Gunnar, M. R. (2011). Mitigating HPA axis dysregula-tion associated with placement changes in foster care. Psychoneuroendocrinology, 36, 531—539.
17. Smyke, A., Fox, N., Zeanah, C., Nelson, C. A., & Guthrie, D. (2010). Placement in foster care enhances quality of attachment among young institutionalized children. Child Development, 81, 212—223.
18. Curtis, J., & Cicchetti, D. (2003). Moving resilience on resilience into the 21st century: Theoretical and methodological considerations in examining the biologica1 contributors to resilience. Development and Psychopathology, 15, 773—810.
19. Luthar, S. S. (2006). Resilience in development: A synthesis of research across five decades. In D.
Cicchetti and D. J. Cohen (Eds), Developmental psychopathology. Vol. 3: Risk, disorder, and adaptation
(2nd edn, pp. 739—795). Hoboken, NJ: Wiley and Sons.
20. Ungar, M. (2008). Resilience across cultures. British Journal of Social Work, 38, 18—35.
21. Ungar, M. (201 1). The social ecology of resilience: Addressing contextual and cultural ambiguity of a nascent construct. American Journal of Orthopsychiatry, 81, 1—17.


Ann S. Masten, “Resilience in Children. Vintage Rutter and Beyond”, in: Alan M. Slater and Paul C. Quinn (eds.) 2012. Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications

Slater I
Alan M. Slater
Paul C. Quinn
Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2012
Resilienz (Psychologie) Rutter Slater I 206
Resilienz/Psychologie/Rutter: In seiner 1987er Rezension "Psychosocial Resilience and Protective Mechanisms" (Rutter 1987)(1) kommentiert Rutter einige der häufig beobachteten Schutzfaktoren, die in früheren Rezensionen (z.B. Garmezy, 1985)(2) festgestellt wurden, wie Selbstwertgefühl, harmonische Familien und externe Unterstützungssysteme. Dann wirft er eine kritische Frage auf, ob diese Schutzfaktoren etwas anderes darstellen als die weit verbreiteten Risikofaktoren (d.h. geringes Selbstwertgefühl, uneinheitliche Familien und mangelnde Unterstützung) oder der positive Pol der bipolaren Dimensionen. Mit anderen Worten, wurde etwas "Neues" identifiziert oder entdecken wir die gesamte Bandbreite der Schlüsselvariablen, die sich auf die Anpassung entlang eines Kontinuums von negativ zu positiv beziehen? In einem bekannten Abschnitt über den Nutzen der Benennung der entgegengesetzten Pole der gleichen zugrunde liegenden Dimension. >Unterscheidungen/Ordnung/Rutter. RutterVsTradition: Rutter konzentrierte sich auf Interaktionen und moderierende Effekte. >Resilienz/Psychologische Theorien.
Tradition: Viel Verwirrung begleitete die frühe Forschung zur Resilienz in Bezug auf die Unterscheidung von Faktoren, die in den meisten Fällen allgemein "gut" oder "schlecht" waren, von Faktoren, die unter bestimmten Umständen eine besondere Rolle spielten.
RutterVsTradition: In diesem Artikel betonte Rutter, dass Schutzfaktoren Wechselwirkungen oder besondere Rollen implizieren, wenn das Risiko hoch ist; mit anderen Worten, diese Variablen moderieren das Risiko in gewisser Weise mit unterschiedlichen Effekten, die nicht einfach aus dem, was unter risikoarmen Bedingungen passieren kann, vorhergesagt werden können. Es gibt einen anderen oder multiplikativen Effekt unter hohen im Vergleich zu risikoarmen Bedingungen.
Slater I 207
Persönlichkeitsmerkmale/Resilienz/Rutter: These: Resilienz ist kein Charakterzug. (vgl. Cicchetti und Garmezy, 1993(3). Angesichts der Tatsache, dass ein und dasselbe Merkmal in Menschen und Situationen und im Lebenslauf unterschiedlich funktionieren kann und dass die Entwicklung die Reaktions- und Anpassungsfähigkeit einer Person verändert, ist der Begriff eines Resilienz-Merkmals unhaltbar. Schutz/Rutter: Eine Schutzfunktion ist nicht dasselbe wie ein angenehmes oder lohnendes Erlebnis. Impfungen sind ein klassisches Beispiel für einen schützenden Eingriff in der Medizin. Ebenso kann es sein, dass die Disziplin der Eltern, die oft als Schutz für Kinder in riskanten Kontexten impliziert wird, zum Zeitpunkt der Intervention nicht angenehm ist.
Slater I 208
Rutter: Vier Faktoren können zu Widerstandsfähigkeit führen: 1) Risikominderung; 2) Reduzierung negativer Kettenreaktionen; 3) Förderung oder Unterstützung von Selbstwertgefühl und Selbstwirksamkeit; 4) Auftun von Chancen. >Resilienz/Entwicklungspsychologie.

1. Rutter, M. (1987). Psychosocial resilience and protective mechanisms. American journal of Orthopsychiatry, 57, 316—331.
2. Garmezy, N. (1985). Stress-resistant children: The search for protective factors. In J. E. Stevenson
(Ed.), Recent research in developmental psychopathology: Journal of Child Psychology and Psychiatry
Book Supplement 4 (pp. 213—233). Oxford: Pergamon Press.
3. Cicchetti, D., & Garmezy, N. (199 3). Prospects and promises in the study of resilience. Development and Psychopathology, 5,497—502.


Ann S. Masten, “Resilience in Children. Vintage Rutter and Beyond”, in: Alan M. Slater and Paul C. Quinn (eds.) 2012. Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications

Slater I
Alan M. Slater
Paul C. Quinn
Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2012
Schwachstellenbewertung Ökologische Theorien Norgaard I 208
Schwachstellenbewertung/Kriterien/Ökologische Theorien: Die vorangegangene Übersicht schlägt fünf spezifische Kriterien vor, die Assessments erfüllen sollten, um die verschiedenen Kritiken der bisherigen Wissenschaft zu beantworten (Schröter et al. 2005b)(1). Erstens, sollte die Wissensbasis
Norgaard I 209
die für die Analyse herangezogen wird, vielfältig und flexibel sein. Dieses Kriterium geht über die Standardforderung nach interdisziplinärer wissenschaftlicher Forschung hinaus. Schwachstellenforscher sollten auch mit Interessenvertretern zusammenarbeiten, um deren Perspektiven und Anliegen zu erfahren. Dieses Gebot kann eine ernsthafte Auseinandersetzung mit indigenem oder lokalem Wissen erfordern - trotz der Schwierigkeiten, solche Informationen in einem klassischen wissenschaftlichen Rahmen zu prüfen. Dieser Ansatz argumentiert außerdem, dass es wertvoll sein kann, sich bei der Entwicklung des Forschungsdesigns mit den Interessenvertretern als gleichberechtigte Partner auseinanderzusetzen (Cash et al. 2003)(2). Zweitens ist die Skala, auf der das gekoppelte Mensch-Umwelt-System untersucht wird, in der Regel "ortsbezogen", was bedeutet, dass Schwachstellen auf lokaler Ebene im Kontext von Prozessen und Ergebnissen auf anderen Skalen untersucht werden. Die meisten GCVAs [Global Change Vulnerability Assessments] untersuchen die Folgen von großskaligen Prozessen (z.B. Klimawandel) auf kleineren Skalen und sind daher per Definition multiskalig angelegt. Dennoch haben nur wenige GCVAs explizit die Rolle von Prozessen auf mehreren Skalen gleichzeitig untersucht und sich stattdessen typischerweise auf Prozesse und Ergebnisse auf der lokalen Skala konzentriert.
Drittens wird davon ausgegangen, dass die potenziellen Treiber der Schwachstellen möglicherweise vielfältig sind und sich gegenseitig beeinflussen. Es wäre ein Fehler anzunehmen, dass die Folgen der Klimavariabilität und des Klimawandels notwendigerweise die einzigen Probleme sind, die für eine bestimmte Bevölkerung oder ein Mensch-Umwelt-System von Bedeutung sind. In der Tat können Interessenvertreter alltägliche Angelegenheiten, die mit Armut, Krieg oder Gesundheit zusammenhängen, gleichrangig mit oder vor den Klimafragen sehen. O'Brien et al. (2004a)(3) formalisieren diese Idee mit dem Konzept der "Doppelbelastung" (siehe Leichenko und O'Brien (2008)(4) für eine erweiterte Diskussion) und wenden es auf den Fall des Klimawandels und der Handelsliberalisierungspolitik in der indischen Landwirtschaft an. Viertens ist das Verständnis der Anpassungsfähigkeit ein grundlegender Bestandteil des Verständnisses von Schwachstellen. Die Anpassungsfähigkeit wird als Dimension der Schwachstellen einbezogen, um eine Trennung von Mensch-Umwelt-Systemen zu ermöglichen, die einem externen Stress oder einer Störung ausgesetzt und empfindlich sind, sich aber nicht von solchen Systemen erfolgreich umstrukturieren oder erholen können, die
Norgaard I 210
auf die Auswirkungen in einer Weise reagieren, die plausible Hoffnung gibt, eine Wiederholung einer zukünftigen Katastrophe zu vermeiden. Dies geschieht indem Expositionen begrenzt, Empfindlichkeiten reduziert und/oder Reaktionsmöglichkeiten und Anpassungsfähigkeiten gestärkt werden. Die Schwachstellenbewertung hat jedoch gezeigt, dass die Anpassungsfähigkeit innerhalb eines Mensch-Umwelt-Systems variieren kann, abhängig von demografischen, sozialen, wirtschaftlichen oder anderen Faktoren. Die Dimension wird als Anpassungskapazität und nicht als "Anpassungen" bezeichnet, weil die Anpassungsoptionen einiger Personen oder Gruppen durch unzureichende Ressourcen (einschließlich Informationen) oder politisch-institutionelle Barrieren eingeschränkt sein können. Darüber hinaus ist es für Forscher in einigen Fällen schwierig zu wissen, ob eine bestimmte Anpassung gut oder schlecht ist; die Fokussierung auf Kapazität und Kapazitätsaufbau umrahmt das Thema in Bezug auf Entscheidungsprozesse und nicht auf Ergebnisse. Fünftens sollte ein Verständnis historischer Schwachstellen mit Szenarien zukünftiger sozialer und ökologischer Bedingungen verknüpft werden. Das Hauptziel von GCVAs ist es, "die Entscheidungsfindung bestimmter Interessengruppen über Optionen zur Anpassung an die Auswirkungen des globalen Wandels zu informieren" (Schröter et al. 2005b: 575)(1). Daher ist ein Versuch der Extrapolation vergangener Schwachstellen oder der Projektion neuer Schwachstellen in Verbindung mit neuen Trends, die in der Vergangenheit nicht beobachtet wurden, notwendig.



1. Schröter, D., Polsky, C. and Patt, A. 2005b. Assessing vulnerabilities to the effects of global change: An eight step approach. Mitigation and Adaptation Strategies for Global Change 10(4): 573–95.
2. Cash, D. W., Clark, W. C., Alcock, F., Dickson, N. M., Eckley, N., Guston, D. H., Jäger, J., and Mitchell, R. B. 2003. Knowledge systems for sustainable development. Proceedings, National Academy of Sciences 100(14): 8086–91.
3. O’Brian, K., Sygna, L., and Haugen, J. E. 2004b. Vulnerable or resilient? A multi‐scale assessment of climate impacts and vulnerability in Norway. Climatic Change 64: 193–225.
4. Leichenko, R., and O'Brien, K. 2008. Environmental Change and Globalization: Double Exposures. Oxford: Oxford University Press.



Polsky, Collin and Hallie Eakin: “Global Change Vulnerability Assessments: Definitions, Challenges, and Opportunities”, In: John S. Dryzek, Richard B. Norgaard, David Schlosberg (Hrsg.) (2011): The Oxford Handbook of Climate Change and Society. Oxford: Oxford University Press.

Norgaard I
Richard Norgaard
John S. Dryzek
The Oxford Handbook of Climate Change and Society Oxford 2011
Selbstregulation Carver Corr I 427
Selbstregulation/Carver/Scheier: Der Begriff Selbstregulierung (Carver und Scheier 1981(1), 1998(2)) hat in verschiedenen Kontexten unterschiedliche Konnotationen. Wenn wir es verwenden, wollen wir den Sinn für zielgerichtete Prozesse vermitteln, die bei Bedarf selbstklärende Anpassungen beinhalten, und dass die Anpassungen ihren Ursprung in der Person haben. Diese Sichtweise ist kein Ansatz zur Persönlichkeit, sondern eine Art zu sprechen, wie sich Persönlichkeit im Verhalten ausdrückt. >Feedback/Carver/Scheier, >Kontrollprozesse/Carver/Scheier, >Affekt/Carver/Scheier, >Ziele/Carver/Scheier.
Corr I 431
Das Argument, das den Einfluss widerspiegelt, spiegelt das Fehlersignal aus einem Vergleich in einer Feedbackschleife ("feedback loop") (>Affekt/Carver/Scheier) wider, hat eine sehr kontraintuitive Auswirkung auf den positiven Einfluss (Carver 2003). Wie bereits erwähnt, wenn Affekt das Fehlersignal in einem Feedbackkreis widerspiegelt, ist Affekt ein Signal zur Anpassung der Fortschrittsrate. Was ist jedoch mit positiven Gefühlen? Hier ist die Vorhersage weniger intuitiv. (...) Die Gefühle spiegeln immer noch eine Diskrepanz wider (>Kriterien/Carver/Scheier), und diskrepanzreduzierende Schleifen minimieren Diskrepanzen. Ein solches System "will" also weder negative noch positive Auswirkungen sehen. (....) Menschen, die die Kriteriumsrate des Fortschritts überschreiten (und somit positive Gefühle haben), werden automatisch dazu neigen, den späteren Aufwand in diesem Bereich zu reduzieren. Sie werden ein wenig "dahinrollen" (vgl. Frijda 1994(3), S. 113); nicht unbedingt anhalten, sondern sich zurücklehnen, so dass die nachfolgende Fortschrittsrate wieder zum Kriterium zurückkehrt. Der Einfluss auf den subjektiven Einfluss wäre, dass das positive Gefühl selbst nicht sehr lange erhalten bleibt. Es beginnt zu verblassen.
Im Allgemeinen (...) wirkt das System, um sowohl große Mengen an Lust als auch große Mengen an Schmerzen zu verhindern (Carver 2003(4); Carver und Scheier 1998(2)).

Corr I 432
Warum sollte ein Prozess eingebaut werden, der positive Gefühle begrenzt - Tatsachen, die sie dämpfen? Schließlich suchen Menschen Vergnügen und vermeiden Schmerzen. Wir glauben, dass der adaptive Wert einer Tendenz (...) sich aus der Tatsache ergibt, dass Menschen mehrere gleichzeitige Ziele haben. (Carver 2003(4); Carver and Scheier 1998(2); Frijda 1994(3)).Bei mehreren Zielen optimieren Menschen in der Regel nicht auf ein einziges Ziel, sondern auf "Zufriedenheit". (Simon 1953)(5). >Ziele/Carver/Scheier.

1. Carver, C. S. and Scheier, M. F. 1981. Attention and self-regulation: a control-theory approach to human behaviour. New York: Springer Verlag
2. Carver, C. S. and Scheier, M. F. 1998. On the self-regulation of behaviour. New York: Cambridge University Press
3. Frijda, N. H. 1994. Emotions are functional, most of the time, in P. Ekman and R. J. Davidson (eds.), The nature of emotion: fundamental questions, pp. 112–26. New York: Oxford University Press
4. Carver, C. S. 2003. Three human strengths, in L.G. Aspinwall and U.M. Staudinger (eds.),A psychology of human strengths: fundamental questions and future directions for a positive psychology, pp.87–102. Washington, DC: American Psychological Association 2008.
5. Simon, H. A. 1953. Models of man. New York: Wiley1967. Motivational and emotional controls of cognition, Psychological Review 74: 29–39


Charles S. Carver and Michael F. Scheier, “Self-regulation and controlling personality functioning” in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Selektion Evolutionäre Psychologie Corr I 269
Selektion/Evolutionäre Psychologie/Figueredo: Geary (2005)(1) hat den selektiven Druck auf den Vorfahren des Menschen in drei Grundtypen eingeteilt:
(1) klimatisch,
(2) ökologisch und (3) sozial.
Nachdem er einen Großteil der verfügbaren Beweise überprüft hat, kommt er zu dem Schluss, dass der große selektive Druck auf die jüngsten menschlichen Vorfahren und die modernen Menschen sozialer Natur war.
FigueredoVsGeary: Obwohl wir uns einig sind, dass die soziale Selektion die unmittelbarste und konstanteste Reihe von Anpassungsproblemen bietet, die vom Menschen gelöst werden müssen, sind wir uns nicht einig über den relativen Mangel an Bedeutung, der den klimatischen und ökologischen Kräften beigemessen wird. Stattdessen sind wir, wie von Richerson und Boyd (2000)(2) vorgeschlagen, der Ansicht, dass Veränderungen in der Sozialstruktur wahrscheinlich eine anpassungsfähige Lösung für selektive Belastungen sind, die durch klimatische und ökologische Variabilität verursacht werden. Durch die Lösung dieser adaptiven Probleme durch soziales Verhalten entstanden neue adaptive Probleme, die direkt mit der sozialen Selektion verbunden sind. >Ökologie/Evolutionäre Psychologie, >Nischen/Evolutionäre Psychologie, >Adaption/Evolutionäre Psychologie.



1. Geary, D. C. 2005. The origin of mind: evolution of brain, cognition, and general intelligence. Washington, DC: American Psychological Association Press
2. Richerson, P. J. and Boyd, R. 2000. The Pleistocene and the origins of human culture: built for speed, in N. S. Thompson and F. Tonneau (eds.), Perspectives in ethology: evolution, culture,



Aurelio José Figueredo, Paul Gladden, Geneva Vásquez, Pedro Sofio, Abril Wolf and Daniel Nelson Jones, “Evolutionary theories of personality”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Selektion Gould Gould I 52
Selektion/Darwin/Gould: Ich bin überzeugt, dass die natürliche Selektion das hauptsächlichem aber nicht das einzige Mittel von Veränderung gewesen ist.
I 94
Selektion/GouldVsDawkins: Wenn die Selektion bei der Bevorzugung eines stärkeren Körpers direkt auf ein für Körperstärke zuständiges Gen einwirkte, dann ließe sich die Theorie von Dawkins rechtfertigen. Wenn Körper unzweideutige Lagepläne ihrer Gene wären, dann könnten die miteinander kämpfenden Teile der DNA nach außen hin Flagge zeigen und die Selektion könnten direkt auf sie einwirken. Aber Körper sind so nicht aufgebaut. Es gibt kein Gen für so unzweideutige Teile der Morphologie wie die linke Kniescheibe oder einen Fingernagel. Hunderte von Genen tragen zum Aufbau der meisten Körperteile bei und ihr Vorgehen wird durch eine kaleidoskopartige Serie von Umwelteinflüssen kanalisiert, durch embryonale, postnatale, innere und äußere Einflüsse. Körperteile sind nicht einfach übertragene Gene, und die Selektion richtet sich nicht einmal direkt auf bestimmte Körperteile! Sie akzeptiert oder verwirft ganze Organismen.

II 19 ff
Selektion/Gould: Wenn die natürliche Auslese die Evolution vorantreibt, indem sie bevorzugte Varianten aus einem Spektrum am Leben hält, das zufällig um einen Durchschnittswert herum verteilt ist, dann bringt ein Mangel an Variationen diesen Prozess aus der Bahn. Denn natürliche Auslese erzeugt selber direkt nichts. Dagegen:
II 21
Sexuelle Fortpflanzung: Sex schafft ein riesiges Angebot an Variationen, indem das genetische Material zweier Individuen vermischt wird. Frage: Warum müssen aber die Männchen fast genauso groß und komplex sein wie Weibchen?
Darwin hat gezeigt, dass die
Def Natürliche Auslese ein Kampf zwischen Individuen ist, darum, möglichst viele Gene weiterzugeben.
Da Männchen wegen der sexuellen Fortpflanzung, die die Variation garantieren muss, unverzichtbar sind, werden sie zu eigenständigen Werkzeugen der Evolution, Sie sind nicht zum Nutzen ihrer Art geschaffen, als unabhängige Werkzeuge greifen sie auf ihre ureigenste Weise in den Kampf ein.
II 22
Beim Kampf um Weibchen haben Schwergewichtler einfach eine bessere Chance. Bei komplexen Lebewesen können Kampfvermeidungsstrategien hinzukommen.
II 51
Selektion/Gould: Gould richtet sich gegen die Annahme einer konsequenten Auslese, bzw. die Annahme, es gebe ein Wirken der Selektion auf jeder Ebene gleichzeitig, bzw. die Theorie, dass jedes Detail das an einem Organismus aufzufinden ist, aus der Selektion resultiert. Jedes Einzelverhalten mag eine wunderbare Adaption sein, aber es muss innerhalb einer vorherrschenden Beschränkung geformt sein.
II 173
Selektion/Gould: Gould schlägt vor, die Selektion (nicht Evolution) auf mehreren Ebenen anzuerkennen.
III 172
Natürliche Selektion/Gould: führt nur zu lokaler Anpassung.

Gould I
Stephen Jay Gould
Der Daumen des Panda Frankfurt 2009

Gould II
Stephen Jay Gould
Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991

Gould III
Stephen Jay Gould
Illusion Fortschritt Frankfurt 2004

Gould IV
Stephen Jay Gould
Das Lächeln des Flamingos Basel 1989
Selektion Mayr I 65
Natürliche Selektion/Mayr: kein zufälliger Vorgang! (Obwohl der Zufall in der Evolution eine Rolle spielt.
I 248
Selektion/Mayr: Heute durchgängig akzeptiert. Zwei Schritte: Variation und eigentliche Selektion. 1. Variation: in jeder Generation entsteht durch Rekombination, Genfluss, Zufallsfaktoren und Mutationen eine große genetische Vielfalt. Das genetische Material ist "hart" und nicht "weich",, wie Darwin annahm.
Sexuelle Fortpflanzung: die elterlichen Chromosomen werden gebrochen und neu zusammengesetzt. Dadurch Einzigartigkeit der Nachkommen durch Rekombination. Zusammensetzung der Gene nach keinerlei Gesetzmäßigkeit!
I 249
2.Auslese: Unterschiede in Überleben und Fortpflanzung der neugebildeten Individuen. Selbst bei Arten, die Millionen von Nachkommen in jeder Generation erzeugen, werden im Durchschnitt nur zwei davon benötigt, um das Populationsgleichgewicht zu erhalten.
I 250
Zufall/Mayr: dominiert bei der Variation Notwendigkeit/Mayr: dominiert bei der Selektion.
Selektion: es gibt keine "selektive Kraft"!
I 252
Selektion: Bates' Entdeckung der Mimikry (1862) bei essbaren und giftigen Schmetterlingen: erster Beweis für die natürliche Selektion. Nutzen/Biologie: welchen Nutzen hat die Emergenz eines Merkmals für das Überleben: adaptionistisches Programm.
I 252
Merkmale/Überleben: günstige Merkmale: Toleranz gegen widriges Klima, bessere Nahrungsverwertung, Resistenz gegen Krankheitserreger, Fluchtfähigkeit. (Durch sexuelle Fortpflanzung). Auswahl durch Weibchen (Pfauenschwanz) vielleicht wichtiger als Fähigkeit der Männchen, Nebenbuhler zu besiegen.
I 253
Geschwisterrivalität und elterliche Fürsorge: wirken sich eher auf den Fortpflanzungserfolg als auf das Überleben aus. Diese Selektion ist anscheinend wichtiger als der begriff der sexuellen Selektion vermuten lässt.
I 260
Aussterben: 99,9 % aller evolutionären Linien, die einmal auf der Erde existierten, sind ausgestorben. Selektion: Darwin:" Die natürliche Selektion ist überall in der Welt stündlich dabei, die geringsten Veränderungen aufzuspüren".
I 261
Selektion/MayrVsDarwin: die zur Perfektion eines Merkmals benötigt genetische Variation tritt vielleicht gar nicht auf. Bsp Innenskelett/Außenskelett: Wirbeltiere bis zum Dinosaurier, Außenskelett: Riesenkrabbe ist das größte Wesen geblieben. Der Unterschied ist durch die verschiedenen Wege bestimmt, die die Vorfahren eingeschlagen hatten, nicht durch das Vorhandensein der Merkmale.
I 262
Selektion/Mayr: weitere Einschränkung: Wechselwirkung in der Entwicklung. Die Teile des Organismus sind nicht voneinander unabhängig. Keiner reagiert auf die Selektion, ohne mit den anderen Merkmalen zu interagieren. Geoffroys, 1818: "Gesetz des Gleichgewichts": Organismen sind Kompromisse zwischen konkurrierenden Ansprüchen.
Selektion/Mayr. 3. Einschränkung: Fähigkeit zur nichtgenetischen Modifikation: je plastischer der Phänotyp (durch Flexibilität in der Entwicklung) ist, desto geringer wirkt die Kraft des Selektionsdrucks. Pflanzen (und vor allem Mikroorganismen) haben eine viel größere Fähigkeit zu phänotypischer Modifikation (vielfältigere Reaktionsnorm) als Tiere.
Fähigkeit zur nichtgenetischen Anpassung wird ausschließlich genetisch gesteuert.
Zufall: wirkt auf jeder Stufe.
I 264
Neu: ganze Populationen oder sogar Arten könnten Zielobjekt der Selektion sein.
I 265
Weiche/harte Gruppenselektion. Weiche Gruppenselektion: Erfolg durch mittleren Selektionswert der Individuen.so ist jede individuelle Selektion auch eine weiche Gruppenselektion.
Harte Gruppenselektion: Gruppe als Ganzes verfügt über bestimmte adaptive Gruppenmerkmale, die nicht einfach die Summe der Beiträge sind .Der Vorteil der Gruppe ist größer als der der Summe der einzelnen Mitglieder. Arbeitsteilung, Zusammenarbeit (Wächter, Nahrungssuche). Hier ist der Begriff der "Gruppenselektion" gerechtfertigt.
I 266
Entstehung der Arten: diese Kontroverse veränderte den Status der sogenannten Artselektion völlig: das Auftauchen einer neuen Art scheint sehr oft am Aussterben einer anderen mitzuwirken. "Artenaustausch", verläuft nach strengen Darwinistischen Prinzipien.
I 279
Def r-Selektion: stark schwankende oft Katastrophen ausgesetzte Populationsgröße, schwache intraspezifische Konkurrenz, sehr fruchtbar. K-Selektion: konstante Populationsgröße, starke Konkurrenz, stabile Lebenserwartung.
I 280
Mit wachsender Populationsdichte wächst auch der Einfluss widriger Faktoren: Konkurrenz, Nahrungsknappheit, Mangel an Fluchtmöglichkeit, Raubfeinde, das Wachstum verlangsamt sich.
I 317
Könnte der Mensch zum Übermenschen werden? Hier stehen die Chancen schlecht! Zu wenig Selektionsdruck. Vor allem gab es früher Gruppenselektion. Selektion/Mensch: Heute dagegen in der Massengesellschaft gibt es keinerlei Anzeichen für Selektion auf überlegene Genotypen, die es dem Menschen gestatten würden, sich über seine gegenwärtigen Fähigkeiten zu erheben.
Viele Autoren behaupten sogar einen gegenwärtigen Verfall des menschlichen Genpools.
Francis Galton legte als erster nahe, dass man mit angemessener Selektion die Menschheit verbessern könnte und sollte. Er prägte den Begriff "Eugenik".

Mayr I
Ernst Mayr
Das ist Biologie Heidelberg 1998
Sprache Dupré Perler I 325
Sprache/Evolution/Dupré: drei Theorien: 1. Pinker: These: Sprache ist jünger, es gibt einen Unterschied zwischen Mensch und Tier.
2. P. Greenfield: Sprache und Werkzeuggebrauch haben eine gemeinsame Basis. - Es gibt hierarchisch strukturierte Aufgaben der Objektmanipulation und eine neuronale Basis.
3. Ethologie (Evolution des Verhaltens): Sprache als Anpassung an einen Prozess. - Dennoch ist unsere Sprache mit Tierkommunikation verwandt. - Beide sind homolog (sie haben gemeinsame Vorläufer).
Sprache entstand nicht als Reaktion auf präsente Reize - Tiersprache ist keine Informationsverarbeitung - es gibt einen großen Unterschied zum Menschen.
Pro: Das erlaubt, zwischen älteren und jüngeren Eigenschaften zu unterscheiden.


John Dupré Gespräche mit Affen Reflexionen über die wissenschaftliche Erforschung der Sprache in D. Perler/M. Wild (Hg.) Der Geist der Tiere, Frankfurt 2005

Dupré I
John Dupré
"Conversations with Apes. Reflections on the Scientific Study of Language", in: Investigating Psychology. Sciences of the Mind after Wittgenstein, J. Hyman (Ed) London/New York 1991, pp. 95-116
In
Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005

Perler I
Dominik Perler
Markus Wild
Der Geist der Tiere Frankfurt 2005
Sprachentstehung Deacon I 25
Sprachentstehung/Evolution/Deacon: Sprache ist eine der auffälligsten verhaltensmäßigen Adaptionen unseres Planeten. Sprachen haben sich nur ein einer Spezies entwickelt, nur auf eine Weise, ohne Vorläufer - außer in einem sehr verallgemeinerten Sinn. Die Unterschiede zwischen Sprache und allen anderen Kommunikationsformen sind erheblich. Das schlägt sich auch in der Anatomie des Menschen nieder, insbesondere des Gehirns und des Stimmapparats. Diese Unterschiede können wir in lebenden Spezies feststellen.
I 34
Sprachentstehung/Mensch/Tier/Deacon: die Unvergleichbarkeit menschlicher und nichtmenschlicher Kommunikation hat zu übertriebenen und untragbaren Interpretationen der Sprachentstehung geführt.
I 35
Bsp Die Behauptung, das Sprache aus einer bestimmten Verschaltung im Gehirn entsteht, die einmalig ist, ist nicht bloß die Behauptung, dass es ein einmaliges neurologisches Merkmal ist, das mit diesem einmaligen Verhalten korreliert ist, sondern auch, dass damit eine wesentliche biologische Diskontinuität vorliegt. DeaconVs: das eine moderne Mythologie, nach der wir einem Affen einen Sprachcomputer in die Hand gegeben hätten. Das erinnert mich an den Film „Short Circuit“.
I 44
Sprachentstehung/Deacon: These: Sprache und Gehirn sind in gemeinsamer Evolution komplexer geworden und so gestaltet worden, wie sie heute sind. Wenn wir heute auch keine einfachen Sprachen finden, waren die Anfänge dennoch sicher einfacher als die heute so vorzufindenden Sprachen. Irgendwo in dieser Entwicklung wurde die Schwelle zur äußerst schwierigen symbolischen Referenz überschritten.
I 105 – 110
Sprachentstehung/DeaconVsChomsky/Deacon: Warum treffen Kinder so oft die richtige Wahl, wenn sie grammatische Regeln ausprobieren? Es ist die Sprache, die sich „benutzerfreundlich“ entwickelt. Sprache entwickelt sich schneller als Gehirne während der Evolution. So wie man Delphinen nur Kunststücke beibringen kann, die sie von sich aus schon ansatzweise vollführen, wenn sie guter Laune sind. Dabei ist die Sprache in ihrer Entwicklung aber nicht so eingeschränkt wie die Benutzeroberfläche eines Computers, die letztlich durch die Gestaltung der Ingenieure vorgegeben ist. Sprache hat sich im Hinblick auf Reproduzierbarkeit entwickelt, in Relation zum Selektionsdruck durch menschliche Benutzer. Sprache, die leichter lernbar ist, setzt sich stärker durch.
Pointe: dabei muss man nicht annehmen, wie Chomsky es tut, dass Kinder besonders schlau wären.
I 111
Es ist hilfreich sich vorzustellen, Sprache sei eine parasitäre Lebensform, die in Gehirnen nistet, um sich zu reproduzieren.
I 112
Deacon/Morton Christansen: These: Es gibt eine ko-evolutionäre Dynamik zwischen Sprache und ihrem Wirt, dem Gehirn. Man kann Sprache in gewisser Weise mit Viren vergleichen, die selbst keine völlig selbstständigen Lebewesen sind, aber voller Information zu ihrer eigenen Reproduktion.
I 113
Das Verhältnis von Menschen und Sprache kann man als symbiotisch bezeichnen, beide brauchen einander, um sich zu reproduzieren. Die Sprache als ganze ist natürlich nicht in dieser Weise zu definieren.
I 114
Zweisprachigkeit: bei Zweisprachigen findet man, dass die Gehirnregionen für die Verarbeitung der zwei Sprachen tendenziell getrennt sind. Eine Erklärung dafür ist, dass die beiden Sprachen andernfalls im Gehirn des Benutzers um die neuronalen Ressourcen konkurrieren würden. Früher oder später käme es dann zu einer gegenseitigen Störung.
I 122
Gehirne haben sich zusammen mit der Sprache entwickelt, doch der größte Teil der Anpassung lag aufseiten der Sprache.
I 354
Sprachentstehung/Lieberman/Deacon: Philip Lieberman hat in einer Reihe einflussreicher Artikel gezeigt, dass der Wegfall von physiologischen Begrenzungen der Stimmbildung zu einer rasanten Beschleunigung der Entwicklung von Sprache beigetragen hat(1)(2). DeaconVsLieberman: es hieße aber, die vorliegenden Fossilfunde überzuinterpretieren, wollte man die Sprachentstehung ausschließlich auf diese anatomischen Entwicklungen zurückführen, indem man ein plötzliches Ausbrechen einer Reihe von Fähigkeiten allein diesem Merkmal zuschreiben wollte.
I 355
Die Entwicklung des Gehirns und des Stimmapparats waren sicher beides, Wirkung und Ursache in einem sich gegenseitig verstärkenden Prozess der Sprachentwicklung.

(1) Lieberman, Ph. (1984). The Biology and Evolution of Language, Cambridge, MA.
(2) Lieberman, Ph. (1991). Uniquely Human: The Evolution of Speech, Thought and Selfless Behavior, Cambridge, MA.

Dea I
T. W. Deacon
The Symbolic Species: The Co-evolution of language and the Brain New York 1998

Dea II
Terrence W. Deacon
Incomplete Nature: How Mind Emerged from Matter New York 2013
Statistisches Lernen Norvig Norvig I 825
Statistisches Lernen/Norvig/Russell: Statistische Lernmethoden reichen von der einfachen Berechnung von Durchschnittswerten bis hin zur Konstruktion komplexer Modelle wie Bayessche Netze. Sie werden in der gesamten Informatik, im Ingenieurwesen, in der computergestützten Biologie, in den Neurowissenschaften, in der Psychologie und in der Physik angewandt. ((s) Vgl. >Vorwissen/Norvig). Bayessche Lernmethoden: formulieren Lernen als eine Form probabilistischer Inferenz, indem Sie die Beobachtungen nutzen, um eine frühere Verteilung über Hypothesen zu aktualisieren. Dieser Ansatz bietet eine gute Möglichkeit zur Implementierung von Ockhams Rasiermesser, wird aber für komplexe Hypothesenräume schnell unlösbar.
Maximales a posteriori (MAP) Lernen: wählt eine einzelne, angesichts der Daten wahrscheinlichste Hypothese aus. Die vorherige Hypothese wird nach wie vor verwendet und die Methode ist oft besser durchführbar als das vollständige Bayessche Lernen.
Lernen mit maximaler Wahrscheinlichkeit: wählt einfach die Hypothese aus, die die Wahrscheinlichkeit der Daten maximiert; sie entspricht dem MAP-Lernen mit einem einheitlichen Vorgänger. In einfachen Fällen wie bei der linearen Regression und vollständig beobachtbaren Bayesschen Netzwerken können Maximale-Wahrscheinlichkeits-Lösungen leicht in geschlossener Form gefunden werden. Das naive Bayes-Lernen ist eine besonders effektive Technik, die gut skaliert.
Versteckte Variablen/latente Variablen: Wenn einige Variablen verborgen sind, können mit Hilfe des EM-Algorithmus lokale Maximale-Wahrscheinlichkeits-Lösungen gefunden werden. Zu den Anwendungen gehören Clustering mit Mischungen von Gaussians, lernende Bayessche Netze und das Lernen verborgener Markov-Modelle.
Norvig I 823
EM-Algorithmus: Jeder dieser Algorithmen beinhaltet die Berechnung der erwarteten Werte der verborgenen Variablen für jedes Beispiel und die anschließende Neuberechnung der Parameter, wobei die erwarteten Werte so verwendet werden, als wären es Beobachtungswerte.
Norvig I 825
Das Erlernen der Struktur von Bayesschen Netzen ist ein Beispiel für die Modellauswahl. Dabei handelt es sich in der Regel um eine diskrete Suche im Raum der Strukturen. Eine Methode ist erforderlich, um die Modellkomplexität gegen den Grad der Anpassung abzuwägen. Nichtparametrische Modelle: stellen eine Verteilung unter Verwendung der Sammlung von Datenpunkten dar. Die Anzahl der Parameter wächst also mit dem Trainingsset. Nearest-Neighbor-Methoden betrachten die den betreffenden Punkt am nächsten liegenden Beispiele, während Kernel-Methoden eine entfernungsgewichtete Kombination aller Beispiele bilden.
Geschichte: Die Anwendung statistischer Lerntechniken in der KI war in den frühen Jahren ein aktives Forschungsgebiet (siehe Duda und Hart, 1973)(1), wurde aber vom Mainstream der KI getrennt, da sich letzterer Bereich auf symbolische Methoden konzentrierte. Ein Wiederaufleben des Interesses trat kurz nach der Einführung der Bayesschen Netzwerkmodelle in den späten 1980er Jahren ein; ungefähr zur gleichen Zeit,
Norvig I 826
begann sich eine statistische Sichtweise des Lernens mit neuronalen Netzen herauszubilden. In den späten 1990er Jahren gab es eine merkliche Annäherung der Interessen in den Bereichen maschinelles Lernen, Statistik und neuronale Netze, die sich auf Methoden zur Erstellung großer probabilistischer Modelle aus Daten konzentrierten.
Naives Bayes-Modell: ist eine der ältesten und einfachsten Formen des Bayesschen Netzwerks, die bis in die 1950er Jahre zurückreicht. Sein überraschender Erfolg wird teilweise durch Domingos und Pazzani (1997)(2) erklärt. Eine verstärkte Form des naiven Bayes-Lernens gewann den ersten Data-Mining-Wettbewerb des KDD-Cups (Elkan, 1997)(3). Heckerman (1998)(4) und bietet eine ausgezeichnete Einführung in das allgemeine Problem des Bayes-Netz-Lernens. Das Lernen von Bayesschen Parametern mit Dirichlet-Prioritäten für Bayessche Netzwerke wurde von Spiegelhalter et al. (1993)(5) diskutiert. Das Softwarepaket BUGS (Gilks et al., 1994)(6) enthält viele dieser Ideen und stellt ein sehr leistungsfähiges Werkzeug zum Formulieren und Lernen komplexer Wahrscheinlichkeitsmodelle dar. Die ersten Algorithmen zum Lernen von Bayes-Netzstrukturen verwendeten bedingte Unabhängigkeitstests (Pearl, 1988(7); Pearl und Verma, 1991(8)). Spirtes et al. (1993)(9) entwickelten einen umfassenden Ansatz, der im TETRAD-Paket für das Lernen von Bayes-Netzen verankert ist. Algorithmische Verbesserungen führten seitdem zu einem klaren Sieg im Data-Mining-Wettbewerb des KDD-Cups 2001 für eine Bayes-Netzlernmethode (Cheng et al., 2002)(10). (Die spezifische Aufgabenstellung war hier ein bioinformatisches Problem mit 139.351 Merkmalen!) Ein auf der Maximierung der Wahrscheinlichkeit basierender Struktur-Lernansatz wurde von Cooper und Herskovits (1992)(11) entwickelt und von Heckerman et al. (1994)(12) verbessert.
Mehrere algorithmische Fortschritte seit dieser Zeit haben zu einer recht respektablen Leistung im Fall der vollständigen Daten geführt (Moore und Wong, 2003(13); Teyssier und Koller, 2005(14)). Eine wichtige Komponente ist eine effiziente Datenstruktur, hier der AD-Baum, für die Zwischenspeicherung von Zählungen über alle möglichen Kombinationen von Variablen und Werten (Moore und Lee, 1997)(15). Friedman und Goldszmidt (1996)(16) wiesen auf den Einfluss der Darstellung lokaler bedingter Verteilungen auf die gelernte Struktur hin.
Versteckte Variablen/fehlende Daten: Das allgemeine Problem der Lernwahrscheinlichkeitsmodelle mit verborgenen Variablen und fehlenden Daten wurde von Hartley (1958)(17) behandelt, der die allgemeine Idee dessen, was später als EM bezeichnet wurde, beschrieb und mehrere Beispiele nannte. Weitere Impulse kamen vom Baum-Welch-Algorithmus für das HMM-Lernen (Baum und Petrie, 1966)(18), das ein Spezialfall der EM ist. Die Arbeit von Dempster, Laird und Rubin (1977)(19), die den EM-Algorithmus in allgemeiner Form vorstellte und seine Konvergenz analysierte, ist eine der meistzitierten Arbeiten sowohl in der Informatik als auch in der Statistik. (Dempster selbst betrachtet EM als ein Schema und nicht als einen Algorithmus, da möglicherweise eine Menge mathematischer Arbeit erforderlich ist, bevor es auf eine neue Familie von Verteilungen angewendet werden kann). McLachlan und Krishnan (1997)(20) widmen dem Algorithmus und seinen Eigenschaften ein ganzes Buch. Das spezifische Problem der Lernmischungsmodelle, einschließlich Mischungen von Gaussians, wird von Titterington et al. (1985)(21) behandelt. Innerhalb der KI war das erste erfolgreiche System, das EM für die Mischungsmodellierung verwendete, AUTOCLASS (Cheeseman et al., 1988(22); Cheeseman und Stutz, 1996(23)). AUTOCLASS wurde auf eine Reihe realer wissenschaftlicher Klassifikationsaufgaben angewandt, darunter die Entdeckung neuer Sterntypen aus Spektraldaten (Goebel et al., 1989)(24) und neuer Klassen von Proteinen und Intronen in DNA-/Proteinsequenzdatenbanken (Hunter und States, 1992)(25).
Parameter-Lernen mit maximaler Wahrscheinlichkeit: Für das Lernen von Parametern mit maximaler Wahrscheinlichkeit in Bayes-Netzen mit versteckten Variablen wurden EM und gradientenbasierte Methoden etwa zur gleichen Zeit von Lauritzen (1995)(26), Russell et al. (1995)(27) und Binder et al. (1997a)(28) eingeführt. Der strukturelle EM-Algorithmus wurde von Friedman (1998)(29) entwickelt und auf das maximale Wahrscheinlichkeitslernen von Bayes-Netzstrukturen mit
Norvig I 827
latente Variablen angewandt. Friedman und Koller (2003)(30) beschreiben das Bayessche Strukturlernen. Kausalität/Kausalitätsnetz: Die Fähigkeit, die Struktur von Bayesschen Netzwerken zu erlernen, ist eng mit der Frage der Wiederherstellung kausaler Informationen aus Daten verbunden. Das heißt, ist es möglich, Bayessche Netze so zu lernen, dass die wiederhergestellte Netzstruktur echte kausale Einflüsse anzeigt? Viele Jahre lang sind Statistiker dieser Frage ausgewichen, da sie der Meinung waren, dass Beobachtungsdaten (im Gegensatz zu Daten, die aus experimentellen Versuchen gewonnen wurden) nur korrelierende Informationen liefern könnten - schließlich könnten zwei Variablen, die miteinander in Beziehung zu stehen scheinen, in Wirklichkeit von einem dritten, unbekannten kausalen Faktor beeinflusst werden, anstatt sich direkt zu beeinflussen. Pearl (2000)(31) hat überzeugende gegenteilige Argumente vorgebracht, die zeigen, dass es in der Tat viele Fälle gibt, in denen Kausalität festgestellt werden kann. Außerdem entwickelte er den Kausalnetzformalismus, um Ursachen und Wirkungen von Interventionen sowie gewöhnliche bedingte Wahrscheinlichkeiten auszudrücken.
Literatur über statistisches Lernen und Mustererkennung: Gute Texte zur Bayesschen Statistik sind die von DeGroot (1970)(32), Berger (1985)(33) und Gelman et al. (1995)(34). Bishop (2007)(35) und Hastie et al. (2009)(36) bieten eine ausgezeichnete Einführung in das statistische maschinelle Lernen.
Der einschlägigste Text für die Musterklassifikation ist seit vielen Jahren Duda und Hart (1973)(1), jetzt aktualisiert (Duda et al., 2001)(37). Die Jahrestagung der NIPS (Neural Information Processing Conference), deren Berichte in der Reihe "Advances in Neural Information Processing Systems" veröffentlicht werden, wird inzwischen von Bayesschen Arbeiten dominiert. Artikel über lernende Bayessche Netzwerke erscheinen auch in der "Uncertainty in AI" und in Konferenzen zu maschinellem Lernen sowie in mehreren Statistik-Konferenzen. Zu den Zeitschriften, die sich speziell mit neuronalen Netzen befassen, gehören "Neural Computation", "Neural Networks" und die "IEEE Transactions on Neural Networks".


1. Duda, R. O. and Hart, P. E. (1973). Pattern classification and scene analysis. Wiley.
2. Domingos, P. and Pazzani, M. (1997). On the optimality of the simple Bayesian classifier under zero-one loss. Machine Learning, 29, 103–30.
3. Elkan, C. (1997). Boosting and naive Bayesian learning. Tech. rep., Department of Computer Science
and Engineering, University of California, San Diego.
4. Heckerman, D. (1998). A tutorial on learning with Bayesian networks. In Jordan, M. I. (Ed.), Learning in graphical models. Kluwer.
5. Spiegelhalter, D. J., Dawid, A. P., Lauritzen, S., and Cowell, R. (1993). Bayesian analysis in expert systems. Statistical Science, 8, 219–282.
6. Gilks, W. R., Thomas, A., and Spiegelhalter, D. J. (1994). A language and program for complex
Bayesian modelling. The Statistician, 43, 169–178.
7. Pearl, J. (1988). Probabilistic Reasoning in Intelligent Systems: Networks of Plausible Inference. Morgan Kaufmann.
8. Pearl, J. and Verma, T. (1991). A theory of inferred causation. In KR-91, pp. 441–452.
9. Spirtes, P., Glymour, C., and Scheines, R. (1993). Causation, prediction, and search. Springer-Verlag.
10. Cheng, J., Greiner, R., Kelly, J., Bell, D. A., and Liu, W. (2002). Learning Bayesian networks from data: An information-theory based approach. AIJ, 137, 43–90.
11. Cooper, G. and Herskovits, E. (1992). A Bayesian method for the induction of probabilistic networks from data. Machine Learning, 9, 309–347.
12. Heckerman, D., Geiger, D., and Chickering, D. M. (1994). Learning Bayesian networks: The combination of knowledge and statistical data. Technical report MSR-TR-94-09, Microsoft Research.
13. Moore, A. and Wong, W.-K. (2003). Optimal reinsertion: A new search operator for accelerated and more accurate Bayesian network structure learning. In ICML-03.
14. Teyssier, M. and Koller, D. (2005). Ordering-based search: A simple and effective algorithm for learning Bayesian networks. In UAI-05, pp. 584–590.
15. Moore, A. W. and Lee, M. S. (1997). Cached sufficient statistics for efficient machine learning with large datasets. JAIR, 8, 67–91.
16. Friedman, N. and Goldszmidt, M. (1996). Learning Bayesian networks with local structure. In UAI-96, pp. 252–262.
17. Hartley, H. (1958). Maximum likelihood estimation from incomplete data. Biometrics, 14, 174–194.
18. Baum, L. E. and Petrie, T. (1966). Statistical inference for probabilistic functions of finite state
Markov chains. Annals of Mathematical Statistics, 41.
19. Dempster, A. P., Laird, N., and Rubin, D. (1977). Maximum likelihood from incomplete data via the
EM algorithm. J. Royal Statistical Society, 39 (Series B), 1–38.
20. McLachlan, G. J. and Krishnan, T. (1997). The EM Algorithm and Extensions. Wiley.
21. Titterington, D. M., Smith, A. F. M., and Makov, U. E. (1985). Statistical analysis of finite mixture distributions. Wiley.
22. Cheeseman, P., Self, M., Kelly, J., and Stutz, J. (1988). Bayesian classification. In AAAI-88, Vol. 2,
pp. 607–611.
23. Cheeseman, P. and Stutz, J. (1996). Bayesian classification (AutoClass): Theory and results. In Fayyad, U., Piatesky-Shapiro, G., Smyth, P., and Uthurusamy, R. (Eds.), Advances in Knowledge Discovery and Data Mining. AAAI Press/MIT Press.
24. Goebel, J., Volk, K., Walker, H., and Gerbault, F. (1989). Automatic classification of spectra from the infrared astronomical satellite (IRAS). Astronomy and Astrophysics, 222, L5–L8.
25. Hunter, L. and States, D. J. (1992). Bayesian classification of protein structure. IEEE Expert, 7(4),
67–75.
26. Lauritzen, S. (1995). The EM algorithm for graphical association models with missing data. Computational Statistics and Data Analysis, 19, 191–201.
27. Russell, S. J., Binder, J., Koller, D., and Kanazawa, K. (1995). Local learning in probabilistic networks with hidden variables. In IJCAI-95, pp. 1146–52.
28. Binder, J., Koller, D., Russell, S. J., and Kanazawa, K. (1997a). Adaptive probabilistic networks with hidden variables. Machine Learning, 29, 213–244.
29. Friedman, N. (1998). The Bayesian structural EM algorithm. In UAI-98.
30. Friedman, N. and Koller, D. (2003). Being Bayesian about Bayesian network structure: A Bayesian approach to structure discovery in Bayesian networks. Machine Learning, 50, 95–125.
31. Pearl, J. (2000). Causality: Models, Reasoning, and Inference. Cambridge University Press.
32. DeGroot, M. H. (1970). Optimal Statistical Decisions. McGraw-Hill.
33. Berger, J. O. (1985). Statistical Decision Theory and Bayesian Analysis. Springer Verlag.
34. Gelman, A., Carlin, J. B., Stern, H. S., and Rubin, D. (1995). Bayesian Data Analysis. Chapman & Hall.
35. Bishop, C. M. (2007). Pattern Recognition and Machine Learning. Springer-Verlag.
36. Hastie, T., Tibshirani, R., and Friedman, J. (2009). The Elements of Statistical Learning: Data Mining,
Inference and Prediction (2nd edition). Springer- Verlag.
37. Duda, R. O., Hart, P. E., and Stork, D. G. (2001). Pattern Classification (2nd edition). Wiley.

Norvig I
Peter Norvig
Stuart J. Russell
Artificial Intelligence: A Modern Approach Upper Saddle River, NJ 2010
Stress Psychologische Theorien Corr I 206
Psychologischer Stress/Psychologische Theorien/Elovainio/Kivimäki: Die Forschungsergebnisse über die Zusammenhänge zwischen sozialen, psychologischen und physiologischen Reaktionen sind ohne den Begriff Stress schwer zu verstehen. Einer der grundlegenden Schritte zur Erforschung der Black Box zwischen Persönlichkeit und Gesundheit wurde mit der Einführung des Begriffs von Stress als biologischem Phänomen unternommen (Selye 1956)(1). Der Begriff Stress stammt ursprünglich aus dem Ingenieurswesen, wo er Druck in physikalischen Strukturen bedeutete, der sich aus äußeren Lasten und Kräften ergab. In der Psychologie und Physiologie blieb die Idee des Stresses als äußere Belastung oder Anforderung an ein biologisches, physiologisches oder psychologisches System. Vgl. Selye 1973(2). >Stress/Selye. Im Allgemeinen bezieht sich der Begriff Stress auf das Erleben von Ereignissen, die als Gefährdung des körperlichen oder geistigen Wohlbefindens wahrgenommen werden. Stressreaktionen zeigen typischerweise eine Spezifität von Reiz und Reaktion. Außerdem ist es offensichtlich, dass es keine objektive Möglichkeit gibt, das psychische Stressniveau vorherzusagen, ohne die individuelle Leistungsfähigkeit zu berücksichtigen (Lazarus 1993)(3). >Stress/Lazarus.
Corr I 207
Paradoxon des Stresses: Das Paradoxon von Stress liegt in der Gleichzeitigkeit seiner adaptiven Natur und seiner möglichen Rolle in der Krankheitsätiologie. Die effektiven, orchestrierten körperlichen Reaktionen auf Alltagsstressfaktoren oder tägliche Probleme sind entscheidend für unsere Anpassung und unser Überleben, und ein moderater Stress stärkt unsere Ressourcen, um mit ähnlichen Situationen in der Zukunft fertig zu werden. McEwen (1998(4); McEwen und Stellar 1993(5)) hat die vorherrschenden Bedingungen beschrieben, unter denen die adaptive Funktion beeinträchtigt werden kann und die möglichen gesundheitsschädlichen Auswirkungen von Stress auftreten. >Allostase/McEwen.
Corr I 208
Die Bewältigung stellt einen wichtigen Aspekt von Stress dar. Die Bewältigung zielt auf die Minimierung, Ablenkung oder Bewältigung von Not und wird manchmal als allgemeine Reaktion auf Bedrohung oder Nachfrage definiert und gilt als von Einzelpersonen ausgewählt, weil sie gut zu dem Stressfaktor oder der Situation passt (Lazarus und Folkman 1984)(6). Die Anwendung bestimmter Bewältigungsformen wird auch durch die Ressourcen, die man in die Situation einbringt, und durch Persönlichkeitsvariablen beeinflusst, die die eigenen Entscheidungen oder Handlungspräferenzen beeinflussen (z.B. Scheier, Carver and Bridges 1994)(7).

1. Selye, H. 1956. What is stress?, Metabolism 5: 525
2. Selye, H. 1973. The evaluation of the stress concept, American Scientist 61: 692–9
3. Lazarus, R. S. 1993. From psychological stress to the emotions: a history of changing outlooks, Annual Review of Psychology 44: 1–21
4. McEwen, B. S. 1998. Protective and damaging effects of stress mediators, mediators, New England Journal of Medicine 338: 171–9
5. McEwen, B. S. and Stellar, E. 1993. Stress and the individual: mechanisms leading to disease, Archives of Internal Medicine 153: 2093–101
6. Lazarus, R. S. and Folkman, S. 1984. Stress, appraisal and coping. New York: Springer
7. Scheier, M. F., Carver, C. S. and Bridges, M. W. 1994. Distinguishing optimism from neuroticism (and trait anxiety, self-mastery, and self-esteem): a reevaluation of the Life Orientation Test, Journal of Personal Social Psychology 67: 1063–78


Marko Elovainio and Mika Kivimäki, “Models of personality and health”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Täuschungen Sterelny Kim Sterelny Primatenwelten in D. Perler/M. Wild (Hg.) Der Geist der Tiere, Frankfurt 2005

I 364
Täuschung/Irrtum/Korrektur/Sinne/Wahrnehmung/Sterelny: ein Organismus, der seine Umwelt nur über einen einzigen Reiz registrieren kann, ist störanfälliger, und hat nur sehr beschränkte Kontrolle und Anpassung seines Verhaltens. Umweltveränderungen werden das Input oft verzerren.
Sterelny: es ist besser, funktional relevante Merkmale der Umwelt über mehr als einen Kanal aufzuspüren. (Def "reizgebunden": nur ein Kanal).
Es ist auch möglich, dass zwei unabhängige Reize über denselben Kanal eindringen: Bsp ein Zebra kann den Grad der Gefährdung durch eine Hyäne durch deren Haltung und Blickrichtung einschätzen, beides wird über das Sehen rezipiert.
Der Unterschied zwischen dem Einsatz mehrerer Reize und einer Verallgemeinerung ist schwer zu ziehen. Schließlich werden keine zwei Annäherungsversuche eines Feindes genau denselben Netzhautreiz produzieren.

Sterelny I
Kim Sterelny
"Primate Worlds", in: The Evolution of Cognition, C. Heyes/L. Huber (Eds.) Cambridge/MA 2000
In
Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005

Sterelny II
Kim Sterelny
Dawkins vs. Gould: Survival of the Fittest Cambridge/UK 2007
Temperament Kagan Corr I 13
Temperament/Kagan: Derzeit populäre evolutionäre Ansätze beschreiben eine gemeinsame angestammte Basis der Persönlichkeit, die jedoch anpassungsfähig ist, indem sie individuelle Unterschiede in der Bevölkerung bei der Verteilung der Persönlichkeitsmerkmale aufweist - Empathie für die einen, Dominanz für die anderen usw., wobei viele dieser Merkmale für Männer und Frauen unterschiedlich verteilt sind (Buss 1999(1); Silverman, Choi und Peters 2007)(2). Die Vorstellung, dass eine vererbte Persönlichkeitsveranlagung, ein Temperament, dauerhafte individuelle Unterschiede über die gesamte Lebensdauer hervorruft, war eine weit verbreitete Annahme in diesem Bereich (Kagan 1994(3)).
1.Buss, D. M. 1999. Human nature and individual differences: the evolution of personality, in L. A. Pervin and O. P. John (eds.), Handbook of personality: theory and research, 2nd edn, pp. 31–56. New York: Guilford
2.Silverman, I., Choi, J. and Peters, M. 2007. The hunter-gatherer theory of sex differences in spatial abilities: data from 40 countries, Archives of Sexual Behaviour 36: 261–8
3.Kagan, J. 1994. Galen’s prophecy: temperament in human nature. New York: Westview Press


Susan Cloninger, “Conceptual issues in personality theory”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press.

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Temperament Psychologische Theorien Corr I 177
Temperament/Psychologische Theorien/Rothbart: Die osteuropäische Temperamentstradition hat ihre Wurzeln in Pavlovs (1951-52)(1) Beobachtungen individueller Unterschiede im Verhalten seiner Hunde im Labor. Pavlov verknüpfte temperament-bedingte Unterschiede zwischen den Tieren (die er für den Menschen verallgemeinern würde) mit den Eigenschaften des zentralen Nervensystems, einschließlich der Stärke der neuronalen Aktivierung. Spätere Arbeiten von Nebylitsyn (1972)(2) und anderen haben diese Ideen an die Untersuchung individueller Unterschiede bei menschlichen Erwachsenen angepasst, und obwohl sich die osteuropäischen Methoden erheblich verändert haben, bleibt die zeitgenössische Forschung stark von Pavlovs Arbeit beeinflusst (für eine Diskussion siehe Strelau und Kaczmarek 2004)(3). Im Gegensatz zur osteuropäischen Forschung konzentrierten sich die frühen Temperamentstudien im Westen mehr darauf, Regelmäßigkeiten in der Struktur individueller Unterschiede durch den Einsatz psychometrischer Techniken zu identifizieren. 1908 baten Heymans und Wiersma 3.000 Ärzte, eine Familie (Eltern und Kinder) zu beobachten und einen Temperament/Persönlichkeitsfragebogen für jedes Familienmitglied auszufüllen.
Corr I 178
In jüngerer Zeit (....) ist ein Wiederaufleben des Interesses am Temperament zumindest teilweise auf die Erkenntnis zurückzuführen, dass der Eltern-Kind-Einfluss bidirektional ist, nicht nur von Eltern zu Kindern, sondern auch von Kindern zu Eltern. Kinder bringen viel in die Interaktion mit ihren Familien ein (Bell 1968)(4), und ein großer Teil dessen, was sie mitbringen, ist mit dem Temperament verbunden. Die Temperamentforschung wurde auch mit den jüngsten Fortschritten in den Neurowissenschaften verknüpft, wobei individuelle Unterschiede im Temperament Verbindungen zu Genen und neuronalen Netzwerken sowie zu sozialen Interaktionen herstellen.
Corr I 179
Temperament/Thomas und Chess: (Thomas und Chess 1977)(5): Eine Inhaltsanalyse der Informationen aus den Befragungen zu den ersten 22 Säuglinge ergab neun Dimensionen der temperamentvollen Variabilität: Aktivitätsniveau, Rhythmizität, Annäherung-Rückzug, Anpassungsfähigkeit, Schwellenwert, Intensität, Stimmung, Distraktibilität und Aufmerksamkeitsspannen-Persistenz. Die Ziele der New York Longitudinal Study (NYLS) waren hauptsächlich klinisch, und es wurde nicht versucht, diese Dimensionen konzeptionell voneinander zu unterscheiden. Als Ergebnis neuerer Forschungsarbeiten wurden jedoch größere Änderungen an der NYLS-Liste vorgeschlagen (Rothbart and Bates 2006)(6). Siehe >Temperament/Rothbart.

1. Pavlov, I. P. 1951–52. Complete works, 2nd edn. Moscow: SSSR Academy of Sciences
2. Nebylitsyn, V. D. 1972. Fundamental properties of the human nervous system. New York: Plenum
3. Strelau, J. and Kaczmarek, M. 2004. Warsaw studies on sensation seeking, in R. M. Stelmack (ed.), On the psychobiology of personality: essays in honor of Marvin Zuckerman, pp. 29–45. New York: Elsevier
4. Bell, R. Q. 1968. A reinterpretation of the direction of effects in studies of socialization, Psychological Review 75: 81–95
5. Thomas, A. and Chess, S. 1977. Temperament and development. New York: Brunner/Mazel
6. Rothbart, M. K., and Bates, J. E. 2006. Temperament in children’s development, in W. Damon and R. Lerner (Series eds.) and N. Eisenberg (Vol. ed.), Handbook of child psychology, vol. III, Social, emotional, and personality development, 6th edn, pp. 99–166. Hoboken, NJ: Wiley


Mary K. Rothbart, Brad E. Sheese and Elisabeth D. Conradt, “Childhood temperament” in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Terminologien Parsons Habermas IV 333
Pattern variables/Terminologie/Parsons: da Parsons den Verständigungsmechanismus beim Aufbau seiner Handlungstheorie vernachlässigt, muss er unter anderen Prämissen versuchen, ein Äquivalent zur Lebenswelt mit den drei Komponenten Kultur, Gesellschaft und Persönlichkeit zu finden. Er führt die „pattern variables of value orientation“ ein: (1) Kulturelle Werte fungieren als Muster für eine Wahl zwischen Handlungsalternativen: Sie bestimmen die Orientierungen eines Handelnden dadurch, das sie Präferenzen festlegen, ohne die Kontingenz der Entscheidung zu berühren.
Habermas IV 334/335
Die pattern variables liegen auf den Dimensionen, in denen die ältere Soziologie den Übergang von traditionalen zu modernen Gesellschaften, also die Prozesse gesellschaftlicher Rationalisierung beschrieben hatte.
Habermas VI 336
Habermas: die pattern-variables eigenen sich zur Beschreibung der Tatsache, dass moderne Gesellschaften für verschiedene Lebensbereiche gegebenenfalls konträre Entscheidungsmuster bewusst adoptieren und von einer Präferenzenkombination auf die entgegengesetzte umschalten können. Man soll mit ihnen prüfen können, wie beliebige Kulturelle Werte den Entscheidungsspielraum von Aktoren durch eine der a priori möglichen Kombinationen von Grundentscheidungen strukturieren.
Habermas IV 341
Def Allokation/Parsons: erstreckt sich auf Anpassungs- und Zielerreichungsfunktionen, auf die Beschaffung, Mobilisierung, Verteilung und den effektiven Einsatz knapper Ressourcen. Def soziale Integration/Parsons: erstreckt sich auf Funktionen der Erhaltung und Integration der dem Handlungssystem einverleibten kulturelle Werte. Sie bemisst sich nicht an funktionalen Imperativen, sondern an Konsistenzforderungen.
Habermas IV 361
AGIL-Schema/Parsons/Terminologie/Habermas: (Seit 1953): Adaption (Verhaltenssystem)
Goal attainment (Persönlichkeit)
Latency (Kulturelles System)
Integration (Soziales System).
HabermasVsParsons: damit macht er die Nahtstelle, die durch die Zusammenfügung der beiden Paradigmen „Handlung“ und „System“ entstanden war, unkenntlich gemacht.
Habermas IV 366
Problem: Parsons muss die Bewältigung der Probleme gleichzeitig in den Dimensionen Raum und Zeit analysieren. Ein System muss seinen Bestand zugleich im Verhältnis zur Umwelt und zu sich selbst (innen/außen) wie auch in der Beziehung Anfangs-/Endzustand sichern.

1.Talcott Parsons, The Social System NY 1951, S. 78ff

ParCh I
Ch. Parsons
Philosophy of Mathematics in the Twentieth Century: Selected Essays Cambridge 2014

ParTa I
T. Parsons
The Structure of Social Action, Vol. 1 1967

ParTe I
Ter. Parsons
Indeterminate Identity: Metaphysics and Semantics 2000

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Terminologien Proust Joelle Proust Das intentionale Tier in D. Perler/M. Wild (Hg) Der Geist der Tiere Frankfurt/M. 2005

I 229
Def Kalibrierung/Proust: Anpassung eines auditiven Musters an ein visuelles. ((s) Koordinierung von Sinneseindrücken.) Proust: dieser Mechanismus ist unerlässlich, um die sinnlichen Inputs zu korrigieren.

Proust I
Joelle Proust
"L’animal intentionnel", in: Terrain 34, Les animaux, pensent-ils?, Paris: Ministère de la Culture/Editions de la maison des Sciences de l’Homme 2000, pp. 23-36
In
Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005
Terminologien Zittrain I 68
Terminologien/Zittrain: Stundenglas-Architektur des Internets: Email – www – phone …
SMTP – http – RTP…
TCT – UDP …
IP
Ethernet – PPP CSMA – asnyc – sonet ….
Copper – fiber – radio …
I 70
Generativität: Was macht etwas generativ? Es gibt fünf Hauptfaktoren hier: (1) wie weit ein System oder eine Technologie eine Reihe von möglichen Aufgaben nutzt; (2) wie gut es an eine Reihe von Aufgaben angepasst werden kann; (3) wie leicht neue Mitarbeiter es beherrschen können; (4) wie zugänglich es für diejenigen ist, die bereit und in der Lage sind, darauf aufzubauen; und (5) wie übertragbar alle Änderungen auf andere - einschließlich (und vielleicht besonders) Nicht-Experten - sind. Druckmittel: Druckmittel erleichtern eine schwierige Arbeit.
I 71
Anpassungsfähigkeit: Anpassungsfähigkeit bezieht sich darauf, wie einfach das System aufgebaut oder modifiziert werden kann, um sein Einsatzspektrum zu erweitern. Leichte Beherrschung: Die einfache Beherrschung einer Technologie spiegelt wider, wie einfach es für ein breites Publikum ist, sie zu übernehmen und anzupassen.
I 72
Zugänglichkeit: Je einfacher es ist, Zugang zu einer Technologie zu erhalten, zusammen mit den notwendigen Werkzeugen und Informationen, um deren Beherrschung zu erreichen, desto generativer ist sie.
I 73
Übertragbarkeit: Die Übertragbarkeit gibt an, wie leicht Veränderungen in der Technologie auf andere übertragen werden können.

Zittrain I
Jonathan Zittrain
The Future of the Internet--And How to Stop It New Haven 2009
Theorien Feyerabend I 35
Theorie/Feyerabend: Es gibt keine einzige interessante Theorie, die mit allen bekannten Tatsachen auf ihrem Gebiet übereinstimmt.
I 39
Theorie/Feyerabend: Jede Theorie, die einer anderen außerhalb der Beobachtungen widerspricht, wird durch genau die gleichen Beobachtungen gestützt und daher auch annehmbar.
I 84
Theorie/Hume/Feyerabend: Theorien lassen sich nicht aus Tatsachen ableiten. Wenn man fordert, dass Theorien nur zugelassen werden sollen, die aus den Tatsachen folgen, dann bleibt überhaupt keine Theorie übrig.
I 86
Theorie/Feyerabend: Eine Theorie ist möglicherweise nicht deshalb mit den Daten unvereinbar, weil sie nicht richtig wäre, sondern weil die Daten verseucht sind! Sie könnten und analysierte Wahrnehmungen enthalten, die äußeren Vorgängen nur teilweise entsprechen, oder in alte Auffassungen eingekleidet sein, oder durch rückständige Hilfswissenschaften beurteilt sein.
I 87
Theorie/Beobachtungssprache/Feyerabend: Auch die sorgfältigste Prüfung eines Beobachtungssatzes stört nicht die Begriffe, mittels derer er ausgedrückt ist, oder die Struktur des Wahrnehmungsbildes. Wie kann man nun etwas untersuchen, dass man ständig verwendet und in jeder Aussage voraussetzt?
I 121
Lakatos: pro Ad-hoc Theorien. Theorie/Popper: Neue Theorien haben - und das muss so sein - überschüssigen Gehalt, der - und das sollte nicht so sein - allmählich durch ad hoc-Anpassungen infiziert wird.
Theorie/Lakatos: Neue Theorien sind - notwendigerweise - ad hoc. Überschüssiger Gehalt wird Stück für Stück geschaffen, indem man die Theorien allmählich auf neue Tatsachen und Gebiete ausdehnt.


Feyerabend I
Paul Feyerabend
Wider den Methodenzwang Frankfurt 1997

Feyerabend II
P. Feyerabend
Erkenntnis für freie Menschen Frankfurt 1979
Theorien Lakatos Feyerabend I 238
Lakatos/Feyerabend: auch der scharfsinnige Versuch von Lakatos, eine Methodologie aufzustellen, die die historische Wirklichkeit der Wissenschaften ernst nimmt, sie aber doch aufgrund von in ihr selbst entdeckten Regelmäßigkeiten einer Kontrolle unterwirft, ist von dieser Folgerung nicht ausgenommen. 1. Es gibt die Regelmäßigkeiten nicht, auf die sich Lakatos beruft er idealisierte die Wissenschaften genauso wie seine Vorgänger.
2. Wären die Regelmäßigkeiten, wenn es gäbe, Regelmäßigkeiten der Wissenschaften und also unbrauchbar zur »objektiven« Beurteilung.
3. Lakatos’ Regelmäßigkeiten sind nur ein Aufputz, hinter dem sich im Grunde ein anarchisches Verfahren verbirgt
I 239
Falsifikation/LakatosVsPopper/Feyerabend: einige der berühmtesten Falsifikationen waren alles andere als solche. Und darüber hinaus völlig irrational.
I 240
Lakatos/Feyerabend: These: man sollte Theorien eine "Atempause" gewähren: bei der Bewertung zählt die Entwicklung von Theorien über einen langen Zeitraum und nicht die momentane Gestalt. Außerdem stehen methodologische Maßstäbe nicht über jeder Kritik.
Hacking I 206
Theorien/Wissen/HackingVsLakatos: statt Vermehrung des Wissens müsste es heißen: Vermehrung der Theorien! Feyerabend/VsLakatos: seine "Methodologie" bringt keinen Nutzen, wenn man über gegenwärtige Forschung Rat braucht.

Schurz I 196
Theorierevision/Lakatos/Schurz: (Lakatos 1974, 129ff) Methodologie wissenschaftlicher Forschungsprogramme: zwei Annahmen: 1. “Immunisierung“: es ist immer möglich, den Kern einer Theorie im Fall eines Konflikts mit der Erfahrung zu retten, indem man an der Peripherie Anpassungen vornimmt.
I 197
2. Schutzgürtel“: jede (physikalische ) Theorie braucht Hilfshypothesen (exklusive ceteris paribus Hypothesen) um empirische Prognosen aufzustellen. Diese lagern sich wie ein Schutzgürtel in der äußeren Peripherie um Mitte und Kern. Konflikte mit der Erfahrung können dann beseitigt werden, indem eine Hilfshypothese ersetzt oder fallengelassen wird. Def Anomalie/Lakatos: ein Beobachtungsdatum, das der gesamten Theorie (Kern + Peripherie) widerspricht.
Lösung:
Def ad hoc Hypothese: nimmt kompliziertere Systembedingungen an, in denen unbekannte Störfaktoren postuliert werden.
Vs: Problem: das erklärt das abweichende Datum nicht. D.h. es bleibt auch nach der Einführung der ad hoc Hypothese eine Anomalie!
ad hoc/Lakatos: solche Anpassungen sind überhaupt nur legitim, wenn sie wissenschaftlich progressiv sind. Sie müssen neuen empirischen Gehalt besitzen.
I 198
Falsifikation/LakatosVsPopper: eine Theorieversion ist erst dann falsifiziert, wenn es eine progressive neue Version (mit neuem empirischen Gehalt) gibt. D.h. es gibt keine „Sofortrationalität“ (augenblickliche Entscheidung) welche Theorie besser ist. Das zeigt sich erst in der historischen Entwicklung.
Def Forschungsprogramm/Lakatos: harter Theoriekern zusammen mit einer negativen und einer positiven Heuristik.
Def negative Heuristik/Lakatos: Anpassungen werden nicht im Kern sondern nur an der Peripherie vorgenommen, Allerdings können im Zuge einer degenerativen Entwicklung sich die modus tollens Treffer auf gegen den Kern richten.
Def positive Heuristik/Lakatos: Programm, nach dem immer komplexere theoretische Modelle bzw. Systembedingungen für den Kern mit widerspenstigen Daten fertig werden können.
I 199
Theorieversion/Schurz: Kern plus Peripherie.
I 200
Def Falsifikation/Schurz: eine Theorieversion ist falsifiziert, gdw. einige aus ihr deduktiv folgende Phänomene durch aktuale Beobachtungssätze falsifiziert wurden. (s) Schurz spricht immer von Sätzen statt von Beobachtungen.
I 202
Wahrheitsnähe/SchurzVs/Misserfolg/Erfolg/Theorie: der Begriff des Misserfolgs hat den Vorteil, dass darunter nicht die erfahrungskonfligierenden Konsequenzen der Theorie verstanden werden, sondern die Phänomene. Der Wahrheitsbegriff geht nur von den Konsequenzen aus.
I 206
Def Klebeparadox/tacking paradox/Lakatos/Schurz: die Möglichkeit, durch die bloße konjunktive Hinzufügung irgendeiner empirisch ungeprüften Behauptung den empirischen Gehalt einer Theorieversion zu erhöhen. Lösung/Lakatos: die Verbindung einer einen neuen empirischen Gehalt erzeugenden Hilfshypothese mit der bisherigen Theorie muss inniger sein, als die einer bloßen Konjunktion.
I 207
Lösung: die Theorie T muss homogen sein in Bezug auf den empirischen Gehalt: Def Homogenität/Theorie/Schurz: eine Faktorisierung ((s) Aufteilung) von T in Bezug auf E(T) ist nicht möglich. Logische Form: Unterteilung von T und E(T) in zwei disjunkte Teilmengen
T1UT2 = T und
E1UE2 = E(T) sodass T1 alle Phänomene in E1 impliziert und T2 alle Phänomene in E2 impliziert. Wenn das möglich ist, ist die Theorie heterogen. Jede durch irrelevante Verstärkung gewonnene Theorie ist in diesem Sinn faktorisierbar. Eine Verbindung der Theorie T mit dieser Verstärkung H ist empirisch nicht kreativ.

Laka I
I. Lakatos
The Methodology of Scientific Research Programmes: Volume 1: Philosophical Papers (Philosophical Papers (Cambridge)) Cambridge 1980

Feyerabend I
Paul Feyerabend
Wider den Methodenzwang Frankfurt 1997

Feyerabend II
P. Feyerabend
Erkenntnis für freie Menschen Frankfurt 1979

Hacking I
I. Hacking
Einführung in die Philosophie der Naturwissenschaften Stuttgart 1996

Schu I
G. Schurz
Einführung in die Wissenschaftstheorie Darmstadt 2006
Trauer Psychologische Theorien Upton I 157
Trauer/Psychologische Theorien/Upton: Laut Archer (1999)(1) ist ein weit verbreiteter Glaube, dass Trauer eine geordneten Reihe von Phasen oder Phasen mit unterschiedlichen Merkmalen durchschreitet. Traditionelle Modelle haben eine wesentliche Gemeinsamkeit - die Notwendigkeit der Trauerarbeit -, die als ein anstrengender Prozess beschrieben wird, den wir durchlaufen müssen und welcher eine Konfrontation mit der Realität des Verlustes und eine allmähliche Akzeptanz der Welt ohne den geliebten Menschen mit sich bringt (Stroebe, 1998)(2). Alle Modelle betonen die Notwendigkeit, alle diese Phasen zu durchleben, um eine Akzeptanz des erlebten Verlustes zu erreichen. Modelle der Trauerarbeit können auf den Trauerprozess angewendet werden, den Erwachsene oder Kinder durchlaufen, bevor sie die Akzeptanz erreichen, obwohl, wie der nächste Abschnitt zeigt, das Alter die Art und Weise, wie Trauer gezeigt wird, beeinflusst. Parkes (1972(3), 1986(4)) vierstufiges Modell beschreibt die Phasen des Verlusts und damit wiederum die Trauerarbeit, die ein Individuum leistet. Nach diesem Modell muss ein Individuum die Phasen der Trauer durchlaufen, um Akzeptanz zu erlangen und im Leben voranzukommen.

Phase Eins: Erste Reaktion: Schock, Taubheitsgefühl oder Unglauben
Phase Zwei: Anflüge von Trauer, Suchen, Wut, Schuld, Traurigkeit und Angst
Phase Drei: Verzweiflung
Phase Vier: Akzeptanz/Anpassung; Erlangung einer neuen Identität.

>Tod/Entwicklungspsychologie.

Upton I 163
Manchmal wird zwischen Trauer (grief) und Trauerarbeit (mourning) unterschieden; Trauer wird als subjektiver Zustand angesehen - eine Reihe von Gefühlen, die spontan nach einem signifikanten Tod auftreten, während Trauerarbeit die Art und Weise beschreibt, wie Trauer gezeigt wird. Trauerarbeit wird oft durch die von einer Kultur vorgeschriebenen Rituale oder Verhaltensweisen eingeschränkt. Der westliche Ansatz für Trauerfälle ist nicht universell, und Darstellungen von Trauer und Trauerarbeit nehmen auf der ganzen Welt unterschiedliche Formen an. >Trauer/Kulturpsychologie.


1. Archer,J (1999) The Nature of Grief: The evolution and psychology of reactions to loss. New York: Routledge.
2. Stroebe, MS (1998) New directions in bereavement research: exploration of gender differences. Palliative Medicine, 12(1): 5-12.
3. Parkes, CM (1972) Bereavement: Studies of grief in adult life. Harmondsworth: Penguin.
4. Parkes, CM (1986) Bereavement: Studies of grief life (2nd edn). London: Tavistock.

Upton I
Penney Upton
Developmental Psychology 2011
Triebe Allport Corr I 95
Triebe/Verhalten/Allport/Deary: Allport betonte, dass es der Charakterzug und nicht der Reiz war, der die treibende Kraft hinter dem Verhalten war, das die Persönlichkeit ausdrückt. Diese Idee wurde von Matthews, Deary and Whiteman (2003(1)) überarbeitet, als sie die Grundannahmen des "inneren Locus" und des "kausalen Vorrangs" der Charakterzüge ausarbeiteten. Allport schlug die Definitionen "abgeleitete Triebe" oder "abgeleitete Motive" für Charakterzüge vor und fasste dies zusammen (Allport 1931(2), S. 369): Wie auch immer sie genannt werden, sie können als eine motivierende Rolle in jedem Akt angesehen werden, so dass die einzelnen Anpassungen des Individuums an spezifische Reize mit der adverbialen Qualität ausgestattet sind, die das Wesen der Persönlichkeit ausmacht. Adverbien/Adjektive/Kennzeichnung/Theorie/Deary: Die Charakterzug-Forscher von heute interessieren sich mehr für Adjektive als für Adverbien.

1. Matthews, G., Deary, I. J. and Whiteman, M. C. 2003. Personality traits, 2nd edn. Cambridge University Press
2. Allport, G. W. 1931. What is a trait of personality?, Journal of Abnormal and Social Psychology 25: 368–72

Ian J. Deary, “The trait approach to personality”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Umwelt Entwicklungspsychologie Slater I 19
Umwelt/Entwicklungspsychologie: Neue Aufmerksamkeit wurde auf die erhebliche Variabilität bei der Reaktion der Kinder auf ihre Umgebung gelenkt. (>Eltern-Kind-Beziehung/Psychologische Theorien, >Situation/Harlow, >Experiment/Harlow, >Situation/Ainsworth). Viele Kinder, die unter widrigen Bedingungen aufgewachsen sind, von Institutionen bis hin zu vernachlässigenden oder missbräuchlichen Elternteilen, haben eine bemerkenswerte Erholung bei späteren emotionalen und kognitiven Funktionen gezeigt. Merkmale von Kindern, die zur "Resilienz" beitragen, wurden in einer Vielzahl von Studien an Mensch und Tier untersucht (Sameroff, 2010)(1). Diese "Kindereffekte" wurden auf der genetischen, physiologischen und verhaltensbezogenen Ebene der Analyse konzipiert und gemessen (Obradovic & Boyce, 2009)(2).
Molekulare Analysen konzentrierten sich in erster Linie auf die Identifizierung genetischer Polymorphismen, die die Anfälligkeit des Kindes für ungünstige Umweltbedingungen erhöhen oder verringern. Physiologische Messungen haben sich auf autonome oder neuroendokrine Messungen der Reaktionsfähigkeit auf Stressereignisse konzentriert, während Verhaltensmessungen sich auf individuelle Unterschiede im Temperament konzentriert haben, die in Form von schüchternen/gehemmten oder impulsiven/aggressiven Dimensionen konzipiert wurden (Suomi, 2006)(3). ((s) vgl. >Umwelt/Molekulargenetik.)
Die Fähigkeit, Schwankungen sowohl in der Pflegeumgebung als auch in der Empfindlichkeit von Kindern gegenüber Umweltbelastungen zu messen, hat neue Forschungen über die Mechanismen gefördert, durch die frühe Erfahrungen die spätere Anpassung beeinflussen (Meaney, 2010)(4). Diese dynamische Transaktion zwischen dem Kind und der betreuenden Umgebung zeigt sich in Studien über Gen-Umwelt-Interaktionen im Zusammenhang mit psychiatrischen Störungen (Caspi & Moffitt, 2006)(5). Die Arbeit bei Nagetieren hat gezeigt, wie frühzeitige Erfahrungen die Genexpression beeinflussen und stabile epigenetische Modifikationen hervorbringen können, die einzelne Phänotypen über die gesamte Lebensdauer verändern (Roth & Sweatt, 2011(6).


1. Sameroff, A. (2010). A unified theory of development: A dialectic integration of nature and nurture. Child Development, 81, 6–22
2. Obradovic, J., & Boyce, W. T. (2009). Individual differences in behavioral, physiological, and genetic sensitivities to contexts: implications for development and adaptation. Developmental Neuroscience, 31, 300–308.
3. Suomi, S. J. (2006). Risk, resilience, and gene x environment interactions in rhesus monkeys. Annals of the New York Academy of Sciences, 1094, 52–62
4. Meaney, M. (2010). Epigenetics and the biological definition of gene × environment interactions. Child Development, 81, 41–79.
5. Caspi, A., & Moffitt, T. (2006). Gene-environment interactions in psychiatry: joining forces with neuroscience. Nature Reviews Neuroscience, 7, 583–590
6. Roth, T. L., & Sweatt, J. D. (2011). Annual Research Review: Epigenetic mechanisms and environmental shaping of the brain during sensitive periods of development. Journal of Child Psychology and Psychiatry, 52, 398–408


Roger Kobak, “Attachment and Early Social deprivation. Revisiting Harlow’s Monkey Studies”, in: Alan M. Slater and Paul C. Quinn (eds.) 2012. Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications



Upton I 50
Umwelt/Entwicklungspsychologie/Upton: Aktuelle Erkenntnisse (...) befürworten eine größere Rolle der Umwelt bei der Entwicklung von Fähigkeiten (wie Aufsetzen, Krabbeln und Gehen). Moderne Theorien der motorischen Kompetenzentwicklung betonen die Interaktion zwischen Anlage und Umwelt (nature and nurture). (>Nature and Nurture). Ein wichtiger Ansatz ist hier die Theorie der dynamischen Systeme (Thelen, 1995)(1). >Dynamische Systeme/Psychologische Theorien.
1. Thelen, E. (1995) Motor development: a new synthesis. American Psychologist, 50: 79–95.

Slater I
Alan M. Slater
Paul C. Quinn
Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2012

Upton I
Penney Upton
Developmental Psychology 2011
Umwelt Gould IV 43
Umwelt/Anpassung/Selektion/Darwinismus/Gould: nach der traditionellen Sichtweise ist der Darwinismus zuerst und vor allem eine Theorie der natürlichen Selektion. Gould: das ist sicher richtig, aber den Bezug auf Macht und Reichweite der Selektion sind wir übereifrig geworden, wenn wir versuchen, jede erdenkliche Form und Verhaltensweise ihrem direkten Einfluss zuzuschreiben.
Ein weiteres oft vergessenes Prinzip verhindert jede optimale Anpassung: die seltsamen und doch zwingenden Wege der Geschichte! Organismen stehen unter Zwängen ererbter Formen, die ihre Evolution bremsen! Sie können nicht jedes Mal umgeformt werden, wenn sich ihre Umgebung ändert.
IV 44
Geschichte/Gould: eine Welt, die optimal an ihre aktuelle Umgebung angepasst wäre, wäre eine Welt ohne Geschichte, eine solche Welt hätte auch so erschaffen werden können, wie wir sie jetzt vorfinden.

Gould I
Stephen Jay Gould
Der Daumen des Panda Frankfurt 2009

Gould II
Stephen Jay Gould
Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991

Gould III
Stephen Jay Gould
Illusion Fortschritt Frankfurt 2004

Gould IV
Stephen Jay Gould
Das Lächeln des Flamingos Basel 1989
Unterscheidungen Rutter Slater I 206
Unterscheidungen/Ordnungen/Formen des Denkens/Rutter: (Rutter 1987)(1): Es ist eine kritische Frage, ob (...) Faktoren etwas anderes darstellen als weit verbreitete (...) Faktoren (...) oder den positiven Pol bipolarer Dimensionen. Mit anderen Worten, wurde etwas "Neues" identifiziert oder entdecken wir die gesamte Bandbreite der Schlüsselvariablen, die sich auf die Anpassung entlang eines Kontinuums von negativ zu positiv beziehen? In einem bekannten Abschnitt über den Nutzen der Benennung der entgegengesetzten Pole der gleichen zugrunde liegenden Dimension diskutierte Rutter den Wert von "oben" und "unten" der Treppe als unterschiedlich in der Bedeutung von "oben" und "nicht oben". Er argumentiert, dass unterschiedliche Wörter die Aufmerksamkeit darauf lenken, wo die Handlung sein könnte und wo sie durchaus unterschiedliche Konnotationen haben könnte. Noch wichtiger ist, dass die Bedeutung in den funktionalen Prozessen liegt und nicht nur in der Bezeichnung des positiven oder negativen Pols einer bipolaren Dimension. [Z.b.] Impfungen werden als schützend bezeichnet, weil ihr Zweck darin besteht, das Immunsystem zu stimulieren, Antikörper zu bilden, die schwerwiegendere Invasionen durch Infektionserreger abwehren. Eine geschwächte Immunfunktion (vielleicht durch Unterernährung) hingegen würde im Hinblick auf die Anfälligkeit beschrieben, da die funktionelle Bedeutung darin besteht, das Risiko für Krankheiten oder eine schlechte Reaktion auf eine Infektion zu erhöhen.


1. Rutter, M. (1987). Psychosocial resilience and protective mechanisms. American journal of Orthopsychiatry, 57, 316—331.


Ann S. Masten, “Resilience in Children. Vintage Rutter and Beyond”, in: Alan M. Slater and Paul C. Quinn (eds.) 2012. Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications

Slater I
Alan M. Slater
Paul C. Quinn
Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2012
Utilitarismus Parsons Habermas IV 305
Utilitarismus/Parsons/ParsonsVsUtilitarismus/Habermas: in „The Structure of Social Action“ zeigt Parsons am Begriff des zweckrationalen Handelns, dass der Utilitarismus die Entscheidungsfreiheit des Handlungssubjekts nicht begründen kann.
Habermas IV 311
Das utilitaristische Dilemma: 1. Der Aktor steht genau einer objektiven Welt existierender Sachverhalte gegenüber und verfügt über eine mehr oder weniger genaue empirische Kenntnis dieser Situation.
Habermas IV 312
2. Erfolg/Parsons: bemisst sich in diesem Fall ausschließlich daran, ob das Ziel erreicht wurde. Normen: beschränken sich hier auf die Regulierung der Beziehungen zwischen Zwecken, Mittel und Bedingungen. Die Wahl der Zwecke wird also unbestimmt gelassen. („randomness of ends“). (1)
3. Zweckrationalität: sieht keinen Mechanismus vor, über den die Handlungen verschiedener Aktoren koordiniert werden könnten. Das nennt Parsons den „atomistischen“ Handlungsbegriff. Stabilität kann sich nur bei zufällig ineinandergreifenden Interessenlagen ergeben.
Dilemma: wie kann sich Entscheidungsfreiheit als Kern der Handlungsfreiheit aus dem utilitaristischen Handlungsbegriff entwickeln lassen?
Habermas IV 313
a) Zwecke können unabhängig von Mitteln und Bedingungen variieren, diese Bedingung ist zwar notwendig, aber nicht hinreichend. Solange neben Entscheidungsmaximen keine Werte zugelassen sind, gibt es Raum für zwei entgegengesetzte Interpretationen, die beide mit der Entscheidungsfreiheit unvereinbar sind, sowohl im positivistischen als auch im rationalistischen Sinn. b) Zwecksetzung als Funktion der Kenntnisse: Hier ist die Handlung ein Prozess der rationalen Anpassung an die Bedingungen. Die aktive Rolle des Handelnden wird auf das Verständnis der Situation reduziert.
Problem: weder die rationalistische noch die positivistische Deutung des utilitaristischen Handlungsmodells
Habermas IV 314
Kann erklären, warum der Handelnde in einem nicht nur kognitiven Sinn Fehler machen kann. (Siehe Autonomie/Parsons).
Habermas IV 321
Utilitarismus/Parsons/Habermas: Parsons hält am Kern des utilitaristischen Handlungsbegriffs fest. Vielleicht glaubt er, den Voluntarismus nur dadurch retten zu können, das er Entscheidungsfreiheit als kontingente Wahlfreiheit, in der Sprache des deutschen Idealismus: als Willkür konzipiert.
Habermas IV 371
Utilitarismus/Parsons/ParsonsVsUtilitarismus/Habermas: aus der Kritik des Utilitarismus gewann Parsons zunächst die Vorstellung einer durch Werte und Maximen geregelten Zweckselektion. Lösung: kulturelle Werte sollten auf dem Wege von Institutionalisierung und Internalisierung auf Handlungssituationen bezogen und mit Sanktionen verknüpft werden; dadurch sollten sie in der Realität der Lebensformen und Lebensgeschichten die Beständigkeit substantieller Sittlichkeit gewinnen.


1.Talcott Parsons, The Structure of Social Action, NY, 1949, S. 49.

ParCh I
Ch. Parsons
Philosophy of Mathematics in the Twentieth Century: Selected Essays Cambridge 2014

ParTa I
T. Parsons
The Structure of Social Action, Vol. 1 1967

ParTe I
Ter. Parsons
Indeterminate Identity: Metaphysics and Semantics 2000

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Variation Wawilow Gould II 132ff
Variation/Evolution/Vavilov/Gould: Nikolai I. Vavilov war der führende mendelsche Genetiker Russlands. Er diente 1936 als Hauptangriffsziel für den sowjetischen Agrarwissenschaftler T. D. Lyssenko, der unter Stalin großen Einfluss hatte. Angegriffen wurde Vavilov wegen seiner Theorie, dem sogenannten Gesetz der Homologen Reihen in Variation. Vavilov hatte Samen verschiedenster Rassen von Weizen Gerste, Hafer und Hirse von verschiedensten Standorten gesammelt, und bemerkte, dass innerhalb der verschiedenen Arten einer Gattung, aber auch häufig innerhalb der Arten verwandter Gruppen auffallend ähnliche Reihen von Varietäten festgestellt werden konnten.
II 135
Def homolog: Ähnlich aufgrund von Vererbung der gleichen Gene, Def analog: ähnlich aufgrund von erzwungenen Anpassungen an die Umwelt.
Vavilov These: Die neuen Arten entstünden, indem sie genetische Unterschiede entwickelten, die eine Kreuzung mit verwandten Arten ausschlössen.
Aber die neue Art ist nicht in allem genetisch von ihren Vorfahren verschieden. Die meisten bleiben unberührt. Die parallelen Abwandlungen stellen also das "zu Ende spielen" der gleichen genetischen Fähigkeiten dar, die als Blöcke von einer Art an eine andere vererbt werden.
Gould: Eine solche These widerspricht Darwin nicht, da sie der Auslese eine wichtige Rolle einräumt. Während jede Varietät eine vorhersagbare latente Fähigkeit darstellen kann, bedarf deren Entfaltung in jedem Klima oder in jeder geographischen Region der Selektion, um die adaptive Variante zu erhalten und andere auszuschalten.
DarwinismusVsVavilov: Vavilovs These kommt aber mit dem strengen Darwinismus in Konflikt, da sie die Hauptlehre schwächt, dass die Selektion die schaffende Kraft der Evolution ist.
II 136
Die zufällige und ungelenkte Abwandlung spielt bei Darwin eine Hauptrolle, weil sie die zentrale Stellung der Selektion festlegt, indem sie garantiert, dass die evolutionäre Veränderung der Variation selbst nicht zugeschrieben werden kann. Die Variation ist nur das Rohmaterial. Sie entsteht in alle Richtungen und ist zumindest nicht in adaptiver Weise bevorzugt geordnet. Die Richtung wird langsam durch die natürliche Selektion festgelegt, indem die besser angepassten Generationen sich stärker vermehren.
Sind die Möglichkeiten aber stark beschränkt und weist eine Art sie alle unter ihren verschiedenen Varietäten auf, dann kann diese Auswahl nicht allein durch Selektion erklärt werden. So setzt sich Vavilov von Darwin ab.
VavilovVsDarwin: Variation findet nicht in alle Richtungen statt, sondern in Klassen geordnet, die denen der Chemie und Kristallographie analog sind.
GoudlVsVavilov: Vavilov hat die kreative Rolle der Umwelt unterbetont.
II 139
Lysenko/Gould: Lysenko war ein Scharlatan und undialektisch (entgegen eigener Beteuerung) indem er Pflanzen als Knetmasse in den Händen der formenden Umwelt betrachtete. Vavilov starb im Namen eines Schein Lamarckismus. In der Sowjetunion herrschte ein übermäßig strenger Darwinismus, der Darwin missdeutete.
II 140
Gould: Aus heutiger Sicht hat Vavilov einen flüchtigen Blick auf etwas Wichtiges geworfen. Neue Arten erben ihre erwachsene Gestalt nicht von ihren Vorfahren. Sie erhalten ein kompliziertes genetisches System und eine Reihe von Entwicklungsmöglichkeiten. Dieser Satz von Möglichkeiten eng die Variationsbreite auf eine Linie ein, entlang derer die Selektion Punkte aussuchen kann, die sie aber nicht bewegen kann.
II 141
In neueren Versuchen mit wiederkehrenden Merkmalen bei gezüchteten Mäusen hat man nicht darwinistische homologe Reihen im Sinne Vavilovs gefunden. Die einfachste und üblichste Schlussfolgerung würde Bsp Schnecken mit glattem Gehäuse auf allen Inseln als verwandt und solche mit geripptem Gehäuse als Mitglieder einer anderen zusammenhängenden Gruppe betrachten.
Wir wissen aber inzwischen, dass der komplexe Satz von Eigenschaften immer wieder selbständig entsteht.
VsVavilov: er hat die internen Beschränkungen zu sehr hervorgehoben und die Kraft der Auslese zu sehr herabgesetzt.

Gould I
Stephen Jay Gould
Der Daumen des Panda Frankfurt 2009

Gould II
Stephen Jay Gould
Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991

Gould III
Stephen Jay Gould
Illusion Fortschritt Frankfurt 2004

Gould IV
Stephen Jay Gould
Das Lächeln des Flamingos Basel 1989
Verhalten Evolutionäre Psychologie Corr I 268
Verhalten/Evolutionäre Psychologie/Figueredo: Ein scheinbar paradoxer Vorschlag, der sich aus der evolutionären Psychologie ableiten lässt, ist, dass Persönlichkeitsunterschiede zwar wahrscheinlich anpassungsfähig sind, aber auch die Verhaltensflexibilität von Individuen einschränken. MacDonald (1998)(1) schlug vor, dass verschiedene Charakterzüge am besten für den Beruf in verschiedenen sozialen und ökologischen Nischen geeignet sind. Anders betrachtet bedeutet dies, dass Individuen in ihrem Verhaltensrepertoire aufgrund der besonderen Geeignetheit von Persönlichkeitsmerkmalen, die sie besitzen, aufgrund von Vererbung und Umweltfaktoren eingeschränkt sein können. Tatsächlich ist nach Ansicht einiger Psychologen, die die Situationsseite der Debatte über die Person-Situation bevorzugen (z.B. Mischel, Shoda und Smith 2004(2)), die Definition einer Persönlichkeitsstörung selbst eine unveränderliche Persönlichkeit angesichts der sich verändernden Umweltbedingungen, denen eine Person begegnet. >Situationen/Mischel. Vgl. >Ökologie/Evolutionäre Psychologie, >Nischen/Evolutionäre Psychologie, >Adaption/Evolutionäre Psychologie.
FigueredoVsMischel: Begegnungen. Im Gegensatz dazu schlagen wir vor, dass die biologische Bereitschaft und die Entwicklungsplastizität bestimmter Verhaltensweisen unabhängig voneinander variieren können und müssen (Figueredo, Hammond und McKiernan 2006)(3).


1. MacDonald, K. B. 1998. Evolution, culture, and the five-factor model, Journal of Cross-Cultural Psychology 29: 119–49
2. Mischel, W., Shoda, Y. and Smith, R. E. 2004. Introduction to personality: toward an integration, 7th edn. Hoboken, NJ: John Wiley & Sons
3. Figueredo, A. J., Hammond, K. R. and McKiernan, E. C. 2006. A Brunswikian evolutionary developmental theory of preparedness and plasticity, Intelligence 34: 211–27


Aurelio José Figueredo, Paul Gladden, Geneva Vásquez, Pedro Sofio, Abril Wolf and Daniel Nelson Jones, “Evolutionary theories of personality”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Verstehen Gadamer I 270
Verstehen/Hermeneutik/Heidegger/Gadamer: Heidegger ging auf die Problematik der historischen Hermeneutik und Kritik nur ein, um von da aus in ontologischer Absicht die Vorstruktur des Verstehens zu entfalten(1).
Gadamer: Wir gehen umgekehrt der Frage nach, wie die Hermeneutik, von den ontologischen Hemmungen des Objektivitätsbegriffs der Wissenschaft einmal befreit, der Geschichtlichkeit des Verstehens gerecht zu werden vermöchte.
Verstehen/Heidegger: [Man wird] nach den Konsequenzen fragen dürfen, die Heideggers grundsätzliche Ableitung der Zirkelstruktur des Verstehens aus der Zeitlichkeit des >Daseins für die geisteswissenschaftliche Hermeneutik hat. Diese Konsequenzen (...) könnten (...) darin bestehen, dass das Selbstverständnis des stets geübten Verstehens berichtigt und von unangemessenen
Anpassungen gereinigt würde - ein Vorgang, der höchstens mittelbar der Kunst des Verstehens zugute käme. >Hermeneutischer Zirkel/Heidegger.
I 273
Wie soll vorgängig ein Text vor Missverständnis geschützt werden? Sieht man näher zu, so erkennt man (...), dass auch Meinungen nicht beliebig verstanden werden können, Sowenig wir einen Sprachgebrauch dauernd verkennen können, ohne dass der Sinn des Ganzen gestört wird, so wenig können wir an unserer eigenen Vormeinung über die Sache blindlings festhalten, wenn wir die Meinung eines anderen verstehen. Es ist ja nicht so, dass man, wenn man jemanden anhört, oder an eine Lektüre geht, alle Vormeinungen über den Inhalt und alle eigenen Meinungen vergessen müsste. Lediglich Offenheit für die Meinung des anderen oder des Textes wird
gefordert. Solche Offenheit aber schließt immer schon ein, dass man die andere Meinung zu dem Ganzen der eigenen Meinungen in ein Verhältnis setzt oder sich zu ihr. Daher muss ein hermeneutisch geschultes Bewusstsein für die Andersheit des Textes von vornherein empfänglich seine Solche Empfänglichkeit setzt aber
I 274
weder sachliche noch gar Selbstauslöschung voraus, sondern schließt die abhebende Aneignung der eigenen Vormeinungen und Vorurteile ein. Es gilt, der eigenen Voreingenommenheit inne zu sein, damit sich der Test selbst in seiner Andersheit darstellt und damit in die Möglichkeit kommt, seine sachliche Wahrheit gegen die eigenen Vormeinung auszuspielen.
I 295
Verstehen/Gadamer: Das Verstehen selber ist nicht so sehr als eine Handlung der Subjektivität zu denken, sondern als Einrücken in ein Überlieferungsgeschehen, in dem sich Vergangenheit und Gegenwart beständig vermitteln.
I 304
Verstehen/Gadamer: Das erste, womit das Verstehen beginnt, ist, (...) dass etwas uns anspricht. Das ist die oberste aller hermeneutischen Bedingungen. Wir wissen jetzt, was damit gefordert ist: eine grundsätzliche Suspension der eigenen Vorurteile. Alle Suspension von Urteilen aber, mithin und erst recht die von Vorurteilen, hat, logisch gesehen, die Struktur der Frage.
I 311
Horizontverschmelzung: Es gibt so wenig einen Gegenwartshorizont für sich, wie es historische Horizonte gibt, die man zu gewinnen hätte. Vielmehr ist Verstehen immer der Vorgang der Verschmelzung solcher vermeintlich für sich seiender Horizonte. >Horizont/Gadamer.
I 316
Es ist ganz abwegig, die Möglichkeit des Verstehens von Texten auf die Voraussetzung der „Kongenialität“ zu gründen, die Schöpfer und Interpret eines Werkes vereinigen soll. Wäre das wirklich so, dann stünde es schlecht um die Geisteswissenschaften. Das Wunder des Verstehens besteht vielmehr darin, dass es keiner Kongenialität bedarf, um das wahrhaft Bedeutsame und das
ursprünglich Sinnhafte in der Überlieferung zu erkennen. Wir vermögen uns vielmehr dem überlegenen Anspruch des Textes zu öffnen und der Bedeutung verstehend zu entsprechen, in der er zu uns spricht. >Juristische Hermeneutik, >Theologische Hermeneutik.
I 346
Verstehen/Anwendung/Applikation/Gadamer: Applikation ist keine nachträgliche Anwendung von etwas gegebenem Allgemeinen, das zunächst in sich verstanden würde, auf einen konkreten Fall, sondern ist erst das wirkliche Verständnis des Allgemeinen selbst, das der gegebene Text für uns ist. Das Verstehen erweist sich als eine Weise von Wirkung und weiß sich als eine solche Wirkung. >Wirkungsgeschichte/Gadamer.
I 399
Verstehen/Gadamer: Nicht nur ist der bevorzugte Gegenstand des Verstehens, die Überlieferung, sprachlicher Natur - das Verstehen selbst hat eine grundsätzliche Beziehung auf Sprachlichkeit. Wir waren von dem Satz ausgegangen, dass Verstehen schon Auslegen ist, weil es den hermeneutischen >Horizont bildet, in dem sich die Meinung eines Textes zur Geltung bringt. Um aber die Meinung eines Textes in seinem sachlichen Gehalt zum Ausdruck bringen zu können, müssen wir sie in unsere Sprache übersetzen, d. h. aber, wir setzen sie in Beziehung zu dem Ganzen möglicher Meinungen, in dem wir uns sprechend und aussprachebereit bewegen.


1. Heideger, Sein und Zeit, 312ff

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Verstehen Sterelny Kim Sterelny Primatenwelten in D. Perler/M. Wild (Hg.) Der Geist der Tiere, Frankfurt 2005

I 357
Tier/Denken/Geist/Verstehen/Sterelny: verstehen Primaten etwas vom Geist anderer? Was würde ein solches Verstehen zeigen? Welches ist der einfachste Geist, der dazu fähig wäre? Wann warum und wie wurden Primaten "Gedankenleser". These: ich bewege mich innerhalb der "Hypothese der sozialen Intelligenz": Selektion nach sozialen Fähigkeiten.
I 358
Repräsentation/Methode/Gedankenlesen/Geist/Tier/Sterelny: Handlungen werden am besten durch die Repräsentation der geistigen Zustände verfolgt, die diese Handlungen erzeugen. Auch Nachahmung zeugt von kognitiver Verfeinerung, aber sie weist nicht auf die Fähigkeit hin, Gedanken zu lesen.
I 359
These: sogar relativ einfache Tiere können meta repräsentieren. ((s) Sie repräsentieren die Repräsentationen anderer.) Vorteil/Sterelny: fremde Handlungen vorwegnehmen zu können.
I 360
Dazu muss das gedankenlesende Tier wissen, ob eine Neuheit oder Neuordnung der Präferenzen oder nur der instrumentellen Überzeugungen verursacht. Def Informationsgradient/Wissen/Dennett: beschreibt Gruppen, in denen die Mitglieder sehr unterschiedlichen Wissensstand haben.
Information/Gedankenlesen/Tier/Sterelny: es gibt sogar noch weniger verfeinerte Methoden, sich anderer als Informationsquellen zu bedienen als Nachahmung:
I 361
"Reizsteigerung": erhöhte Aufmerksamkeit für die Interessen anderer.
I 361
Selektion/Sterelny: wenn es eine Selektion nach Gedankenlesern gegeben haben soll, dann müssen sich Gedankenleser anders verhalten als Verhaltensleser, und die Anpassungsvorteile müssen im Verhalten der Gedankenleser auffindbar sein.

Sterelny I
Kim Sterelny
"Primate Worlds", in: The Evolution of Cognition, C. Heyes/L. Huber (Eds.) Cambridge/MA 2000
In
Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005

Sterelny II
Kim Sterelny
Dawkins vs. Gould: Survival of the Fittest Cambridge/UK 2007
Wiener Hillis Brockman I 178
Wiener/Hillis: Wiener entschied sich, die Welt aus dem Blickwinkel und dem Maßstab des einzelnen Menschen zu betrachten. Als Kybernetiker nahm er die Perspektive des schwachen Protagonisten ein, der in ein starkes System eingebettet war und so versucht, das Beste aus den begrenzten Kräften zu machen. Er hat diese Perspektive in seine Definition von Information einbezogen. "Information", sagte er, "ist ein Name für den Inhalt dessen, was mit der Außenwelt ausgetauscht wird, während wir uns an sie anpassen und sie unsere
Brockman I 179
Anpassung spüren lassen." Mit seinen Worten ist Information das, was wir benutzen, um "effektiv in dieser Umgebung zu leben"(1). Für Wiener ist Information ein Weg für die Schwachen, effektiv mit den Starken umzugehen.

1. Wiener, N. The Human Use of Human Beings (Boston: Houghton Mifflin, 1954), 17—18.


Hillis, D. W. “The First Machine Intelligences” in: Brockman, John (ed.) 2019. Twenty-Five Ways of Looking at AI. New York: Penguin Press.

Brockman I
John Brockman
Possible Minds: Twenty-Five Ways of Looking at AI New York 2019
Wirtschaftspolitik Monetarismus Mause I 57f
Wirtschaftspolitik/Monetarismus/MonetarismusVsKeynesianismus/MonetarismusVsKeynes: Im Gegensatz zu den Keynesianern unterstellen die Monetaristen (…) die grundsätzliche Stabilität des Privatsektors und verneinen deshalb die Notwendigkeit einer aktiven Stabilisierungspolitik. Stattdessen wird eine Stabilitätspolitik in Form verlässlicher Rahmenbedingungen und wirtschaftspolitischer Zurückhaltung des Staates gefordert. Siehe auch Wirtschaftspolitik/Friedman).
Mause I 225
Wirtschaftspolitik/Monetarismus: Alle wirtschaftspolitischen Eingriffe werden (…) danach beurteilt, inwieweit sie das gesamtwirtschaftliche Zinsniveau beeinflussen. Eine expansive Geldpolitik bewirkt zunächst Zinssenkungen (Liquiditätseffekt) und damit erhebliche Effekte auf die Gütermärkte in Form von Mengen- und Preisanpassungen. Siehe Aktiva/Neoklassiker, Siehe Geldnachfrage/Tobin.

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Wissen Wirtschaftstheorien Mause I 415
Wissen/Wirtschaftstheorien: Wissen erster Art: Wissen über Funktions- und Wirkungszusammenhänge.
Wissen zweiter Art: unterliegt marktendogenen Prozessen der individuellen Wissensgenerierung.
Bsp Umweltpolitik: Die staatlichen Akteure verfügen nur über ein eingeschränktes umweltpolitisches Lenkungswissen, wobei auf Seiten des Staates insbesondere weitgehend unbekannt ist, wie die Steuerungsadressaten (Unternehmen, private Haushalte) angesichts der ihnen subjektiv zur Verfügung stehenden Anpassungsmöglichkeiten auf umweltpolitische Maßnahmen reagieren.
Daher ist das umweltpolitische Lenkungswissen des Staates im Zeitablauf stets zu erneuern ist, wenn Fehlsteuerungen vermieden werden sollen. Außerdem muss der Staat fallweise prüfen, inwieweit eine Kooperation mit den umweltpolitischen Steuerungsadressaten ein geeignetes Mittel darstellt, den Staat mit Informationen zu versorgen, die auf andere Weise nicht zu gewinnen sind. (1)(2)


1. Thomas Döring & Thilo Pahl. Kooperative Lösungen in der Umweltpolitik – eine ökonomische Sicht. In Kooperative Umweltpolitik, Hrsg. Bernd Hansjürgens, Wolfgang Köck und Georg Kneer, S.98. Baden-Baden 2003.
2. Annette E. Töller, Warum kooperiert der Staat? Kooperative Umweltpolitik im Schatten der Hierarchie. Baden-Baden 2012.

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Wissenschaft James Diaz-Bone I 30
Wissernschaft/James: Grundpositionen: 1. Primat der Beobachtung
2. Wissenschaftstheorie als Teil der empirischen Psychologie (zugrundeliegende Techniken: Identifikation und klassifizierende Assoziation)
3. Kritik des Nominalismus: induktive Klassifikation deckt die "wirkliche Identität der Phänomene" auf.
4. Wissenschaftliche Tätigkeit ist nützliches Probleme Lösen.
I 48
Wissenschaft/James: Die Wissensbestände der einzelnen Disziplinen sind vorläufig und müssen auf die anderer Disziplinen zurückgreifen. James hält jedoch am Postulat der Einheitswissenschaft fest!
I 79
Wissenschaft/James: Wissenschaften, comon sense und einzelnes Bewusstsein haben eines gemeinsam: sie sollen die menschliche Anpassungsfähigkeit steigern.

James I
R. Diaz-Bone/K. Schubert
William James zur Einführung Hamburg 1996
Wissenschaft Kuhn I 25
Def "normale Wissenschaft"/Kuhn: eine Forschung, die fest auf einer oder mehreren wissenschaftlichen Leistungen der Vergangenheit beruht.
I 47
Wissenschaft/Kuhn: Probleme: drei Klassen von Problemen: 1. Bestimmung bedeutsamer Tatsachen
2. Gegenseitige Anpassung von Fakten und Theorie
3. Artikulierung der Theorie.
I 182
Ziel/Wissenschaft/Kuhn: Wissenschaft bewegt sich nicht auf ein »Ziel« hin. - Es muss zumindest kein solches Ziel geben.
I 193
Gemeinschaft/Wissenschaft/Kuhn: typisch für Gruppenbildung: gemeinsamer Gebrauch von Symbolen - zum Beispiel mathematische Formeln.

Kuhn I
Th. Kuhn
Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen Frankfurt 1973
Zinsen Taylor Taylor III
Inflation Targeting/Zinsen/Zentralbank/Löhne/Wirtschaft/TaylorVsSummers/TaylorVsStansbury/Lance Taylor: Was die Inflation betrifft, so ignorieren sowohl die Zentralbanken als auch [Summers und Stansbury] die Fakten, dass die Inflation ein kumulativer Prozess ist, der von widersprüchlichen Ansprüchen auf Einkommen und Vermögen getrieben wird, und dass in den letzten fünf Jahrzehnten Gewinne fast alle Forderungen erfasst haben. Inflation Targeting/Summers: Betrachten Sie den realen "Produktlohn", den Nominal- oder Geldlohn geteilt durch einen Erzeugerpreisindex (PPI), um die Kosteninflation zu korrigieren, mit der die Unternehmen konfrontiert sind. Einige Berechnungen (...) zeigen, dass der Arbeits- oder Lohnanteil der Produktion, der den realen "Lohnstückkosten" entspricht, gleich dem Reallohn geteilt durch die Produktivität oder dem Output-/Arbeitsverhältnis ist. Die Gewinnbeteiligung entspricht eins minus dem Lohnanteil. (...) der Gewinnanteil und die Wachstumsraten der Reallöhne und der Produktivität haben sich im Laufe der Zeit verändert (...).
Die Wachstumsrate der nominalen Lohnstückkosten ist die Differenz zwischen dem Wachstum der Lohn- und Produktivitätsraten. Wie bei den anderen Arbeitsmarktindikatoren hat sich das Kostenwachstum nach 2000 verlangsamt.
Um die Dynamik zu entwirren, brauchen wir eine Theorie der Inflation. Um die Jahrhundertwende wies der schwedische Ökonom Knut Wicksell darauf hin, dass die Inflation ein "kumulativer Prozess" ist, der eine Rückkopplung zwischen Preis- und Lohninflationsraten beinhaltet. Auch nach ihrem langen Rückgang zeigt [sich], dass die Arbeitszahlungen immer noch 55 % der Produktionskosten ausmachen und mit in die Inflationsrechnung einfließen müssen.
Der "reale Gleichgewichtseffekt" (oder die "Inflationssteuer" in einer dynamischen Version) besagt, dass ein Anstieg des Preisniveaus den realen Wert von Vermögenswerten mit nominal festgelegten Preisen verringert - Geld ist das übliche Beispiel. Der Wohlstand sinkt und die Haushalte sollen in der Folge mehr sparen. Neben einer Lohnverzögerung ist der Realgleichgewichtseffekt der wichtigste Anpassungsmechanismus in Milton Friedmans (1968) "Inflation"-Modell, das der heutigen Geldpolitik noch immer zugrunde liegt. "Zwangssparen" entsteht, wenn ein Preissprung gegen einen konstanten Geldlohn die realen Zahlungen an die Lohnempfänger reduziert. Wenn ihre Kreditkapazität begrenzt ist, müssen sie den Konsum senken und die Nachfragekurve nach unten verschieben. Wenn ein expansives Paket das Preisniveau in die Höhe treibt, wären die Haushalte der Mittelschicht und der unteren Einkommensschichten, die auf Löhne angewiesen sind, diejenigen, die leiden würden.
Konflikte entstehen, weil Preiserhöhungen von der Wirtschaft kontrolliert werden, während der Geldlohn Gegenstand von Verhandlungen zwischen Wirtschaft und Arbeit ist. Beide Seiten versuchen, den Arbeitsanteil als wichtigen Verteilungsindikator zu manipulieren. In einem inflationären Gesamtumfeld kann die Wirtschaft sofort auf einen Anstieg des Lohnanteils oder der Produktion reagieren, indem sie die Preissteigerungsrate der Phillips-Kurve entlang des "Inflation"-Zeitplans nach oben treibt (...). Geldlöhne hingegen werden nicht sofort an die Preisinflation gekoppelt, so dass sie mit Verzögerung folgen werden. Die Arbeit wird auf eine schnellere Lohninflation drängen, wenn der Lohnanteil niedrig ist.
Angenommen, es gibt ein anfängliches Inflationsgleichgewicht (...). Der Vorschlag von [Summers und Stansbury], die Fiskalpolitik zur Stimulierung der Gesamtnachfrage zu nutzen, würde die Inflationskurve nach oben treiben (...) mit einer schnelleren Inflation und einem etwas niedrigeren Lohnanteil im Makrogleichgewicht (...) entlang des stabilen Aktienplans. Angesichts des Verschwindens von NAIRU [Non Accelerating Inflation Rate of Unemployment] in den letzten zwei Jahrzehnten ist nicht klar, wie stark diese Aufwärtsbewegung sein könnte.
Die Art und Weise, wie sich expansive Politik im Hinblick auf Ungleichheit und (möglicherweise) schnellere Inflation auszahlen könnte, wäre eine Aufwärtsbewegung im stabilen Aktienplan, wenn sich der Arbeitsmarkt strafft, was zu mehr Verhandlungsmacht für die Arbeit führt.
Die neuen keynesianischen Erfinder sind nun die regierenden Ältesten der Makroökonomie, die ihre Meinung wahrscheinlich nicht ändern werden. (...) [Summers und Stansbury] erinnern sich vielleicht mit Max Planck daran, dass die Wissenschaft eine Beerdigung nach der anderen vorantreibt. Sie haben sicherlich Recht, wenn sie sagen, dass "die Rolle bestimmter Reibungen und Rigiditäten bei der Untermauerung von Konjunkturschwankungen im Vergleich zu einem grundlegenderen Mangel an der Gesamtnachfrage heruntergespielt werden sollte".
(...) Viele der richtigen Beobachtungen, die [Summers und Stansbury] über die wahrscheinliche Ineffektivität von Zinsänderungen machen, wurde vor fast 90 Jahren von Keynes' Kollege Piero Sraffa (1932a (1), 1932b (2)) in einer Kontroverse mit Friedrich von Hayek angesprochen. Sraffas Hauptaugenmerk lag auf der Nichtanwendbarkeit eines "natürlichen Zinssatzes", ein Punkt, der durch Keynes in der Allgemeinen Theorie verstärkt wurde.
Der natürliche Zinssatz bleibt jedoch ein Thema, das für linksgerichtete Keynesianer von großem Interesse ist. Wie sie diese Idee mit der faschistischen keynesianischen Perspektive von [Summers und Stansbury] in Einklang bringen, bleibt abzuwarten. >Zentralbank/Summers.



1. Sraffa, Piero (1932a) “Dr. Hayek on Money and Capital,” Economic Journal, 42: 42-53.
2. Sraffa, Piero (1932b) “Money and Capital: A Rejoinder,” Economic Journal, 42: 249-25.



Taylor, Lance: Central Bankers, Inflation, and the Next Recession, in: Institute for New Economic Thinking (03/09/19), URL: http://www.ineteconomics.org/perspectives/blog/central-bankers-inflation-and-the-next-recession

EconTayl I
John Brian Taylor
Discretion Versus Policy Rules in Practice
In
Carnegie-Rochester Conference Series on Public Pol, 1993

Taylor III
Lance Taylor
Central Bankers, Inflation, and the Next Recession, in: Institute for New Economic Thinking (03/09/19), URL: http://www.ineteconomics.org/perspectives/blog/central-bankers-inflation-and-the-next-recession 9/3/2019

TaylorB II
Barry Taylor
"States of Affairs"
In
Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976

TaylorCh I
Charles Taylor
The Language Animal: The Full Shape of the Human Linguistic Capacity Cambridge 2016
Zitat/ Zitattilgung Millikan I 209
Anführungszeichen/Zitat/Davidson/Millikan: (D. Davidson Quotation,1979) These: erwähnende Anführungszeichen sind indexikalisch oder „demonstrativ“. Ihre Füllung liegt semantisch außerhalb des Satzes. So wie Bsp wenn ich auf einen Fisch zeige und sage „Diesen Fisch hab ich gefangen“ der Fisch außerhalb des Satzes liegt.
I 210
Erwähnende Anführungszeichen/Davidson: so etwas wie Bsp „der Ausdruck mit der hier abgebildeten Form“. MillikanVsDavidson: Angenommen, die Anführungszeichen allein besorgen die Indizierung. Dann ist die indexikalische Anpassungsrelation eine Relation zu einem Typ von Füllung ((s) der Inhalt spielt keine Rolle).
Aber wenn die Füllung als Teil des Satzes betrachtet wird, dann fragt sich, was das Kriterium dafür ist, wo der Satz endet und wo die Umwelt des Satzes beginnt. Bsp „Ich fing diesen Fisch heute“ ist ein vollständiger Satz mit und ohne Fisch. Dagegen „___“ hat fünf Buchstaben“ ist kein vollständiger Satz. ((s) Das Demonstrativum braucht also nicht im Satz erfüllt zu werden, sondern kann durch Ostension ergänzt werden, Die Füllung von Anführungszeichen ist aber im Satz unverzichtbar.
Anführungszeichen /Davidson/Millikan: These: Anführungszeichen referieren auf die Form des zwischen ihnen stehenden Ausdrucks (Füllung).
MillikanVsDavidson: das ist inadäquat, weil man keinen klaren Begriff von einem Ausdruckstyp hat. Ausdrücke werden niemals durch die Form kategorisiert.
Millikan: These: eine Stärke meines Ansatzes ist, dass sprachliche Einheiten zu Typen gruppiert werden können. Aber dabei geht es nie um Form, sondern um niedrigste Typen oder genetische Familien.
Millikan: wenn wir sagen „er hat zuerst dies… und dann das… gezeichnet“, brauchen wir Demonstrativa und Ostension, nicht Anführungszeichen.


Millikan I
R. G. Millikan
Language, Thought, and Other Biological Categories: New Foundations for Realism Cambridge 1987

Millikan II
Ruth Millikan
"Varieties of Purposive Behavior", in: Anthropomorphism, Anecdotes, and Animals, R. W. Mitchell, N. S. Thomspon and H. L. Miles (Eds.) Albany 1997, pp. 189-1967
In
Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005
Zwecke Papineau David Papineau Die Evolution des Zweck Mittel Denkens in D. Perler, M. Wild (Hg) Der Geist der Tiere Frankfurt 2005

I 246
Zweck/Mittel/Denken/Tier/Evolution/Fodor/Papineau: neuere Richtung: Fodor: die Annahme zweckgerichtet gebauter Module, die für gewisse Aufgaben selektiert wurden. Problem: das umgeht das eigentliche Denken, besonders die Berücksichtigung der Mittel. Papineau: dennoch pro Module. Aber als späterer Zusatz in der Evolution, zur Koordination von Wahrnehmung und Handlung.
I 247
Zweck-Mittel-Denken: ist ein sehr spezieller Mechanismus, kein "Universal-Taschenmesser". > Rationalität/Papineau.
I 254
Denken/Wissen/Tier/Papineau: Ebenen: Zweck-Mittel-Denken/Papineau:
Ebene 0: "Monomaten": Tue V
Ebene 1: "Opportunisten": Wenn B, tue V
I 248
Ebene 2: "Bedürftige": Wenn B und T, tue V Ebene 3: "Wähler": Wenn B1 und T1, tue V1, WENN T1 das dominierende Bedürfnis ist
Ein vergleichender Mechanismus wird hier benötigt.
Ebene 4: "Lerner": NACHDEM die Erfahrung gezeigt hat, dass B1, T1, und V1 zu einer Belohnung führen, dann...(wie 3).
Ebene 0 - 4 treffen auf einfache Lebewesen zu. Nirgends sind allgemeine Information der Form "alle As oder Bs" oder generische, kausale Informationen "As verursachen Bs"
I 255
oder sogar Konditionale über gegenwärtige Umstände, "Wenn A auftritt, wird auch B auftreten" präsent.
I 259
Zweck-Mittel-Denken /Papineau: erfordert explizite Repräsentation allgemeiner Information, so dass diese so verarbeitet werden kann, dass sie neue Einzelteile allgemeiner Information liefert. These: das ist eine biologische Anpassung, die menschlichen Wesen eigentümlich ist.
Vs: 1. Zweck-Mittel-Denken sei zu einfach, und daher im Tierreich verbreitet.
2. Zweck-Mittel-Denken sei zu schwierig, und deshalb kein wesentlicher Bestandteil
I 261
unseres evolutionären Erbes. Dann ist das Zweck-Mittel-Denken ein Nebenprodukt.
Papineau: das heißt jedoch nicht, dass sie keine Funktion übernehmen können.
I 276
Zweck-Mittel-Denken/Papineau: muss auch nicht-egozentrische kausale Tatsachen verwenden. (>Landkarte).
I 273
Kognition/Raum/Raumorientierung/Gehalt/Tier/Papineau: viele Vögel und Insekten haben nicht egozentrische Karten ihrer Umwelten. Dennoch ist das nicht notwendig Zweck-Mittel-Denken. Das hängt davon ab, wie sie diese Karten gebrauchen! Bsp vielleicht ziehen sie immer nur einfach eine gerade Linie von ihrer jeweiligen Position zum Zielort, das wäre kein Zweck-Mittel-Denken.
Bsp Zweck-Mittel-Denken wäre es, wenn sie mittels Kognition einen kontinuierlichen alle Hindernisse vermeidenden Weg von ihrer Ausgangsposition innerhalb der nicht egozentrischen Karte, und nehmen sich dann vor, den Weg zu gehen. Das wäre eine Kombination kausaler Einzelinformationen.

Papineau I
David Papineau
"The Evolution of Means-End Reasoning" in: D. Papineau: The Roots of Reason, Oxford 2003, pp. 83-129
In
Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005

Papineau II
David Papineau
The antipathetic fallacy and the boundaries of consciousness
In
Bewusstein, Thomas Metzinger Paderborn/München/Wien/Zürich 1996

Papineau III
D. Papineau
Thinking about Consciousness Oxford 2004
Zwecke Thomas v. Aquin Dennett I 85
Zweck/Thomas von Aquin: nahm an, Regentropfen, Vulkane, Planeten verhielten sich so, als ob sie ein Ziel anstrebten, um "das beste Ergebnis zu erzielen". die Anpassung der Mittel an den Zweck setzt eine Absicht voraus. Gott.

Aquin I
Thomas von Aquin
Über die Herrschaft des Fürsten Stuttgart 1971

Dennett I
D. Dennett
Darwins gefährliches Erbe Hamburg 1997

Dennett II
D. Dennett
Spielarten des Geistes Gütersloh 1999

Dennett III
Daniel Dennett
"COG: Steps towards consciousness in robots"
In
Bewusstein, Thomas Metzinger Paderborn/München/Wien/Zürich 1996

Dennett IV
Daniel Dennett
"Animal Consciousness. What Matters and Why?", in: D. C. Dennett, Brainchildren. Essays on Designing Minds, Cambridge/MA 1998, pp. 337-350
In
Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005

Der gesuchte Begriff oder Autor findet sich in folgenden 3 Thesen von Autoren des zentralen Fachgebiets.
Begriff/
Autor/Ismus
Autor
Eintrag
Literatur
Gefühle Pinker, St. I 457
Gefühle/Pinker: These Gefühle sind Anpassungen, Softwaremodule ï·" mit ihrer Hilfe sollen Kopien der Gene reproduziert werden, die sie hervorgerufen haben
Musik Pinker, St. I 656
Musik/Pinker: Bsp Sogar eine so simple Geschichte wie "Boy meets girl" läßt sich nicht auf eine Tonsequenz zurückführen. These Daher ist Musik ganz anders als Sprache, sie ist keine Anpassung, sondern eine Technik.
Dennoch gibt es gewissen Parallelen. Bernsteins "Musik ï·" die offene Frage": ein Versuch, Chomsky auf die Musik anzuwenden.
Evolut. Erkenntnth. Vollmer, G. I 37
Evolutionäre Erkenntnistheorie/EE/Vollmer: These: unser Erkenntnisapparat ist ein Ergebnis der biologischen Evolution. Die Übereinstimmung mit realen Strukturen ("Fertigwelt"?) ermöglicht das Überleben. Die Anpassung eines Organismus ist allerdings niemals ideal, sie muß es auch nicht sein.
I 271
VsEE: sagt überhaupt nichts neues. Schon Spencer wurde widerlegt. Bei Haeckel findet sich schon die Bezeichnung "biologische Erkenntnistheorie".
Die These vom Verstand als Organfunktion erinnert an die Kant-Interpretation bei Helmholtz und F.A. Lange: "Das Apriori als physisch-psychische "Organisation".

Der gesuchte Begriff oder Autor findet sich in folgenden 2 Thesen von Autoren angrenzender Fachgebiete:
Begriff/
Autor/Ismus
Autor
Eintrag
Literatur
VsAdaptionism. Gould, St. J. Dennett I 370
Gould: "Die Gewölbezwickel des Markusdoms und das "Pangloss-Prinzip": VsAdaptionismus. These: Anpassung ist nicht "durchdringend". Def "Zwickel"/Gould: alle jene biologischen Merkmale, die keine Anpassungen sind.

Dennett I
D. Dennett
Darwins gefährliches Erbe Hamburg 1997

Dennett II
D. Dennett
Spielarten des Geistes Gütersloh 1999

Dennett III
Daniel Dennett
"COG: Steps towards consciousness in robots"
In
Bewusstein, Thomas Metzinger Paderborn/München/Wien/Zürich 1996

Dennett IV
Daniel Dennett
"Animal Consciousness. What Matters and Why?", in: D. C. Dennett, Brainchildren. Essays on Designing Minds, Cambridge/MA 1998, pp. 337-350
In
Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005
Evolution Gould, St. J. Dennett I 402
Gould These die meiste Zeit geht die Evolution nicht nur langsam vor sich, sondern steckt in einer Sackgasse. (laut Dawkins).
I 412
Gould These der entscheidende Unterschied in der Evolution ist nicht die schlichte Anpassung sondern die Artbildung. (DennettVs). Gould/Eldrigde: These Arten sind zerbrechliche, aber unveränderliche Gebilde. nicht Verbesserungen sondern geschlossenes Verwerfen.

Dennett I
D. Dennett
Darwins gefährliches Erbe Hamburg 1997

Dennett II
D. Dennett
Spielarten des Geistes Gütersloh 1999

Dennett III
Daniel Dennett
"COG: Steps towards consciousness in robots"
In
Bewusstein, Thomas Metzinger Paderborn/München/Wien/Zürich 1996

Dennett IV
Daniel Dennett
"Animal Consciousness. What Matters and Why?", in: D. C. Dennett, Brainchildren. Essays on Designing Minds, Cambridge/MA 1998, pp. 337-350
In
Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005