Lexikon der Argumente


Philosophische Themen und wissenschaftliche Debatten
 
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Literatur
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Ähnlichkeit Foucault I 17
Ordnung/Ähnlichkeit/Borges, "Die analytische Sprache John Wilkins'" zitiert "eine gewisse chinesische Enzyklopädie": die Tiere gruppieren sich wie folgt: a) Tiere, die dem Kaiser gehören
b) einbalsamierte Tiere
c) gezähmte
d) Milchschweine
e) Sirenen
f) Fabeltiere
g) herrenlose Hunde
h) in diese Gruppierung gehörige
i) die sich wie Tolle gebärden
k) die mit einem ganz feinen Pinsel aus Kamelhaar gezeichnet sind
l) und so weiter
m) die den Wasserkrug zerbrochen haben
n) die von weitem wie Fliegen aussehen.
Borges/Foucault: nicht die Fabeltiere sind unmöglich, sondern der geringe Abstand.
Die Monstrosität besteht darin, dass Borges den gemeinsamen Raum des Zusammentreffens zerstört.
Was unmöglich ist, ist nicht die Nachbarschaft der Dinge, sondern der Platz selbst, an dem sie nebeneinandertreten könnten.
Die Kamelhaartiere und die Tollen könnten sich nie treffen, außer in der Ortlosigkeit der Sprache.
Das "Und" der Aufzählung wird ruiniert.
Trocknet die Sprache aus, bestreiten bereits in der Wurzel die Möglichkeit einer Grammatik.
I 21
Ähnlichkeit/Borges/Foucault: reflektierte Klassifizierung: Bsp Hund und Katze ähneln sich weniger als zwei Windhunde, selbst wenn beide einbalsamiert sind, oder gezähmt sind, oder gerade einen Krug zerbrochen haben. Selbst für die naivste Erfahrung gibt es keine Ähnlichkeit die nicht aus vorher vorhandenen Kriterien resultiert.
>Ähnlichkeit, >Analogien, >Kriterien, >Klassifikation, >Kategorisierung, >Kategorien.
Vier Ähnlichkeiten
I 46f
Convenientia: eher Nachbarschaft von Orten als Ähnlichkeit. Orte grenzen aneinander, verfransen sich Doppelte Ähnlichkeit: des Ortes, an den die Natur zwei Dinge gestellt hat, und Ähnlichkeit der Eigenheiten. a) Seele und Körper berühren sich zweimal.
b) verschiedene Wesen gleichen in der Syntax der Welt sich einander an: Pflanze und Tier kommunizieren, Erde und Meer, Mensch und Umgebung.
convenientia: Konjunktion und Anpassung, gehört enger zu den Dingen selbst als zur Welt, in der sie sich befinden.
Rückt die Welt in eine Kette mit sich selbst in jedem Berührungspunkt beginnt und endet ein Ring von Kreis zu Kreis setzt sich die Ähnlichkeit fort, sie hält die Extreme in Distanz.
I 48 f
2. aemulatio: eine Art Konvenienz, aber vom Gesetz des Ortes frei. Hat unbeweglich in der Entfernung ihr Spiel, als ob Kette gebrochen, Ringe berührungslos in der Entfernung, reproduzieren aber die Ähnlichkeit. Reflex und Spiegel. Bsp Von fern ist das Gesicht Nacheiferer des Himmels, der Intellekt reflektiert unvollkommen die Weisheit Gottes, die Augen unvollkommen das große Licht der Sonne, der Mund ist Venus, denn durch ihn werden Küsse und Liebesworte ausgetauscht. Quer durchs Universum ohne Verkettung direkte Nachahmung.
Nachahmung eine Art natürlicher Zwillingshaftigkeit der Dinge. Sie entsteht aus einer Falzung des Seins
I 49
lässt die beiden reflektierten gestalten nicht untätig, eine kann schwächer sein, und Einfluss der anderen aufnehmen. >Metaphern.
Bsp Ohne Anstrengung gibt die Helligkeit des Grases die reine Form des Himmels wieder.
Ähnlichkeit kann auch Kampf einer Form gegen die andere sein:
Bsp bei Paracelsus: Der Mensch ist wie das Firmament "eine Konstellation von Sternen" aber es ist nicht mit ihm verbunden, wie "der Dieb mit den Galeeren, der Fisch mit dem Fischer, das Wild mit dem Jäger."
>Wiedererkennen, >Gedächtnis.
Die Distanz wird bei der aemulatio nicht durch ihre subtile Metapher annulliert. Sie bleibt sichtbar.
Die Ringe der aemulatio bilden keine Kette, sondern eher konzentrische, reflexive, rivalisierende Kreise.
3. Analogie (siehe dort)
I 53 f
4. Sympathie: im Spiel der Sympathien ist kein Weg vorher festgelegt. Keine Entfernung wird angenommen, keine Verkettung vorgeschrieben. Ihre Kraft ist so groß, dass sie sich nicht damit begnügt, bei einer einigen Berührung auszubrechen und die Räume zu durchlaufen, sie ruft die Bewegung der Dinge in der Welt hervor und bewirkt die Annäherung der entferntesten Dinge. Sie ist der Ursprung der Mobilität zieht die Schweren zur Schwere des Bodens, die Leichten zum gewichtslosen Äther.
Sie treibt die Wurzeln ins Wasser und lässt die Sonnenbahn von der Sonnenblume nachziehen.
Sie hat die gefährliche Kraft, zu assimilieren, die Dinge miteinander identisch zu machen, sie zu mischen, in ihrer Individualität verschwinden zu lassen, sie dem fremd zu machen, was sie waren.
Deshalb wird die Sympathie von ihrer Zwillingsgestalt, der Antipathie kompensiert.
Diese erhält die Dinge in ihrer Isolierung aufrecht und verhindert die Assimilierung.
Bsp Die indische Ratte ist gefährlich für das ägyptische Krokodil, in dessen geöffnetes Maul sie hineinspringt und sich von innen wieder herausfrisst. Die Natur hat sie ihm zum Feind gegeben. Andererseits wird die Ratte von ihren Feinden beobachtet, denn sie lebt in Zwietracht mit der Spinne und stirbt oft im Kampf mit der Natter.
Bsp Das heiße, trockene Feuer hat eine Antipathie zum Wasser, das kalt und feucht ist.
Alle Verkettungen der Analogie, alle Echos der aemulatio werden verdoppelt durch die Raum der Sympathie und Antipathie. Durch dieses Spiel bleibt die Welt identisch.

Foucault I
M. Foucault
Die Ordnung der Dinge. Eine Archäologie der Humanwissenschaften Frankfurt/M. 1994

Foucault II
Michel Foucault
Archäologie des Wissens Frankfurt/M. 1981
Atome Quine IX 7f
Atomare Schemata: Bsp "Fxy", "Gx" usw: können beliebig komplexe Aussagen darstellen.
II 218
Atomare Tatsachen/Quine/Cresswell: "Quine hat nichts übrig für eine Theorie, durch die die atomaren Tatsachen zu einfachen, von allen anderen jeweils logisch unabhängigen Tatsachen über unsere Erfahrung würden". Quine: richtig. Siehe auch >Atomismus/Quine.

XIII 12
Atom/Atome/Quine: Welten/Mögliche Welten/MöWe/beste Welt/Leibniz/Quine: nach Leibniz sind wir mit der „besten der Welten“ gesegnet. Aber „die Beste“ nach welchen Kriterien? Er gibt einen Hinweis:
Def Perfektion/perfekt/Leibniz/Quine: Perfektion ist Reichtum an Zwecken und Ökonomie der Mittel. Die Zahl der Komponenten und Kräfte, mit der der beobachtete Reichtum der Welt erreichbar ist, muss so klein wie möglich sein.
Wissenschaft: die Wissenschaft verfährt ähnlich. >Wissenschaft/Quine.
Theorie/Quine: die Theorie ist immer komplizierter als man möchte, aber der Wissenschaftler ist seinen widerspenstigen Daten verpflichtet und tut was er kann. >Theorien/Quine.
Leibniz/Quine: war selbst Wissenschaftler, so kam er darauf.
Atomismus/Atom/Demokrit/Leukipp/Quine: auch ihr Atomismus war durch Streben nach Ökonomie motiviert. Sie beschränkten die mögliche Variabilität der Bausteine der Natur. Die Atome unterschieden sich nur in Form und Größe.
XIII 13
Punktereignis/Vierdimensionalismus/RZ-Punkte/Quine: pro: 1. weil sich herausstellte, dass die Grundbausteine (Quarks usw.) nicht so einheitlich sind, wie man es sich von den Atomen erhofft hatte. 2. weil es Probleme dabei gibt, ein Teilchen von einem Augenblick zum anderen zu identifizieren (Identität in der Zeit, zeitliche Identität, Elementarteilchen).
Individualität/Teilchenphysik/Quine: die statistische Austauschbarkeit von Teilchen bedroht ihre Individualität.
Atom/Atomismus/Quine: aber welcher entscheidende Zug sollte eine Theorie dennoch atomistisch machen?
XIII 14
Lösung/Quine: These lautet, es gibt zwar unbestimmt oder sogar unendlich viele Teilchen, aber nicht unendlich viele Arten von Teilchen. Identität/Elementarteilchen/Art/Quine: die Teilchen derselben Art spielen eine identische Rolle innerhalb der Gesetze der Theorie. Nur das erlaubt es der Theorie, sich zum Messen von Information zu eignen.
Def Punktereignis/Quine: Punktereignisse sind Atome, deren Arten die verschiedenen Zustände sind, in denen ein Punkt sein kann, gemäß der herrschenden Physik. Bzw. die Atome sind die minimalen raumzeitlichen Lokalisierungen und die Arten sind die wenigen Dinge, die an einem solchen Ort geschehen können.

Punkt/Linguistik/Atom/Quine: für die Linguisten ist der Punkt das Phonem. Nicht die Phoneme selbst (ihr Klang ist individuell bei jedem Sprecher), sondern ihre Klassifizierbarkeit!
Def Phonem/Quine: ein Phonem ist nicht ein einzelner Laut, sondern eine Lautart. Sie sind dann äquivalent für alle Zwecke in der bestimmten Sprache, selbst wenn sie phonetisch nicht identisch sind!
Atome/Sprache/Quine: Atome fallen unter Phoneme. >Phoneme/Quine.

Quine I
W.V.O. Quine
Wort und Gegenstand Stuttgart 1980

Quine II
W.V.O. Quine
Theorien und Dinge Frankfurt 1985

Quine III
W.V.O. Quine
Grundzüge der Logik Frankfurt 1978

Quine V
W.V.O. Quine
Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989

Quine VI
W.V.O. Quine
Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995

Quine VII
W.V.O. Quine
From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953

Quine VII (a)
W. V. A. Quine
On what there is
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (b)
W. V. A. Quine
Two dogmas of empiricism
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (c)
W. V. A. Quine
The problem of meaning in linguistics
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (d)
W. V. A. Quine
Identity, ostension and hypostasis
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (e)
W. V. A. Quine
New foundations for mathematical logic
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (f)
W. V. A. Quine
Logic and the reification of universals
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (g)
W. V. A. Quine
Notes on the theory of reference
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (h)
W. V. A. Quine
Reference and modality
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (i)
W. V. A. Quine
Meaning and existential inference
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VIII
W.V.O. Quine
Bezeichnung und Referenz
In
Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982

Quine IX
W.V.O. Quine
Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967

Quine X
W.V.O. Quine
Philosophie der Logik Bamberg 2005

Quine XII
W.V.O. Quine
Ontologische Relativität Frankfurt 2003

Quine XIII
Willard Van Orman Quine
Quiddities Cambridge/London 1987
Bedeutung McDowell I 160ff
Bedeutung/Quine: Neu: "empirische Bedeutung": ist intellektuell angesehen, weil er vollständig durch die gesetzmäßig ablaufenden Operationen der Rezeptivität erklärbar ist. Der alte Bedeutungsbegriff steht dagegen auf der falschen Seite dieser Dualität. (Siehe auch Inhalt/McDowell). Bedeutung/Quine: der Witz besteht bei Quine darin, dass Bedeutung im intuitiven Sinn nicht durch exogene Faktoren bestimmt werden kann.
I 184/5
McDowell: wenn wir nun das Dritte Dogma (Trennung von >Schema/Inhalt) fallen lassen, ist es nicht überraschend, dass die Bedeutung nun durch die "empirische Bedeutung" unterbestimmt ist.
I 185
McDowell: die "empirische Bedeutung" kann ja sowieso gar keine richtige Bedeutung sein, da sie als Gegenstück zur "begrifflichen Souveränität" nichts mehr mit Gründen und Rechtfertigung zu tun haben kann. McDowellVsQuine: das zeigt aber nicht, dass Bedeutung überhaupt unterbestimmt ist! Dazu müsste man zeigen, daß wir einen untilgbaren Spielraum haben, wenn wir nach einer Art von Verstehen suchen, die uns aus dem Gebiet der "empirischen Bedeutung" herausbringt. Ein Verstehen, das zeigt, wie Lebensphänomene in der Ordnung der Rechtfertigung, dem Raum der Vernunft, strukturiert werden. Das kann man nicht von Quine lernen.
I 119
Bedeutung/McDowell: wir dürfen sie nicht "sozialpragmatisch" oder "kommunitaristisch" konstruieren. (Das hat Wittgenstein auch nicht getan). Sonst ist sie nicht mehr autonom. Ungezügelter Platonismus wäre hier ein Hang zum Okkulten.
Wittgenstein: hat nicht behauptet, dass Bedeutung nichts anderes wäre als Zustimmung oder Ablehnung durch die Gemeinschaft. (>Bedeutung/Kripke).
I 119
Kripkes Wittgenstein/McDowellVsKripke: kommt zu dem Ergebnis, dass es nichts gibt, was die Empfänglichkeit für die Forderung konstituiert, die die Bedeutung an uns stellt, stattdessen müssen wir die Rolle des Gedankens in unserem Leben mittels unserer Partizipation in der Gemeinschaft verstehen.
I 121
These: Bedeutung/McDowellVsDualismus: Lösung: zweite Natur. Die Idee der Bildung bürgt dafür, dass die Autonomie der Bedeutung nicht inhuman ist. Das lässt keine echten Fragen über Normen aufkommen.
II XIV
Bedeutung/McDowell: Wahrheitstheorie ist nicht ausreichend für eine Bedeutungstheorie wegen der Äquivalenz von "Schnee ist weiß" und "Gras ist grün". - Das ist wahr, aber nicht bedeutunggebend. - McDowell: These: wir brauchen zusätzlich psychologische Begriffe. -
II XV
Problem: dann müssen die propositionalen Einstellungen genauso fixiert sein wie die Bedeutungen. - > Radikale Interpretation.

McDowell I
John McDowell
Geist und Welt Frankfurt 2001

McDowell II
John McDowell
"Truth Conditions, Bivalence and Verificationism"
In
Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell
Blogs Morozov I 154
Blogs/Morozov: Die Annahme, dass Blogger – die aus ganz verschiedenen Bereichen kommen können – als Blogger eine zentrale Eigenschaft gemeinsam hätten, ist ein Zeichen von „Internet-Zentrismus“. Terminologie/Morozov).
Niemand profitiert mehr von der Idee, dass "online" ein eigenständiger intellektueller Raum ist, als die Public Relations Industrie, die diese digitale Dualität geschickt ausnutzt, um langweilige Pressemeldungen als spannende und autonom generierte "Meme" zu kleiden.
I 155
Meme/Morozov: Meme sind meist gemacht und nicht entstanden („born“). Ryan Holiday: These: Es ginge darum, zu suggerieren, dass das Meme bereits existiert und alles, was der Reporter (oder Musikredakteur oder Promoter) zu tun habe, sei, es zu popularisieren.(1)
Morozov: Diesem Zweck dienen nach Holiday Blogs.
>Musikindustrie.
I 165
Blogs/Zwischeninstanzen/Morozov: Als die erste Generation der Blogger Ende der 90er Jahre online ging, waren die einzigen Vermittler zwischen ihnen und dem Rest der Welt ihre Hosting-Unternehmen und Internet-Service-Provider. Leute, die 2012 einen Blog starten, werden wahrscheinlich auf einer kommerziellen Plattform wie Tumblr oder WordPress landen, mit all ihren Blog-Kommentaren, die über eine Drittfirma wie Disqus laufen. Doch damit nicht genug: Disqus selbst kooperiert mit der Firma Impermium, die sich auf verschiedene maschinelle Lernprogramme stützt, um zu prüfen, ob die geposteten Kommentare Spam sind. Es ist die Verbreitung - nicht die Eliminierung - von Vermittlern, die das Bloggen so weit verbreitet gemacht hat. Impermium geht sogar noch weiter und durchsucht Inhalte nach Gewalt, Rassismus, Hassreden usw.(2)
1. Ryan Holiday, Trust Me, I’m Lying: Confessions of a Media Manipulator, Kindle ed. (New York: Portfolio Hardcover, 2012), 23.
2. Mark Risher, “The Dark Side of Social: Protect Your Brand from Abusive Social Spam,” The Allied Front (Impermium’s corporate blog), October 10, 2012, http:// www.impermium.com/ blog/ 2012/ 10/ 10/ the-dark-side-of-social-protect-your-brand-from-abusive-social-spam.

Morozov I
Evgeny Morozov
To Save Everything, Click Here: The Folly of Technological Solutionism New York 2014
Determinismus Schopenhauer Korfmacher Schopenhauer zur Einführung Hamburg 1994
I 114
Determinismus/Schopenhauer: Der Determinismus steht in der empirischen Welt fest. Individualität: ist kein Werden, sondern Aufdeckung eines vorgegebenen Seins.
>Sein, >Individuen, >Veränderung.
Dialethismus Logik-Texte Sainsbury V 203
Aussage/Satz/Sainsbury: These: etwas auszusagen ist eine Handlung. Wenn sie wahrhaftig ist, drückt sie einen mentalen Zustand der Akzeptanz aus. Ebenso ist das Verneinen eine Handlung.
Drei Dualitäten: wahr/falsch
aussagen/verneinen
akzeptieren/ablehnen.

Widerspruch/Akzeptieren/Priest: es gibt zwei Möglichkeiten, wenn man [die Aussage] A nicht akzeptiert.

a) die Aussage verwerfen, sich weigern sie zu akzeptieren
b) bezüglich A agnostisch sein, weder akzeptieren, noch sich weigern sie zu akzeptieren.

V 204
Wahrheit/Priest: These: Wahrheit und Falschheit schließen einander nicht aus. Eine Proposition kann zu einer Zeit sowohl wahr als auch falsch sein. Frage: lassen sich a) und b) zugleich vertreten?
Problem:

F Was falsch ist, sollte abgelehnt werden.

Nun sollten alle Widersprüche abgelehnt werden. F verlangt nach Modifikation. Es ist nicht vernünftig abzulehnen, was de facto falsch ist, wenn alle verfügbaren Anhaltspunkte darauf hindeuten, daß es wahr ist. (z.B. bis zu späteren wissenschaftlichen Entdeckungen).

Wahrheit/Priest: ist unentwirrbar mit Falschheit verquickt. Man kann nicht alle Wahrheiten akzeptieren und alle Falschheiten ablehnen.
V 205
Was man tun sollte, ist, alle Falschheiten ablehnen, die nicht zugleich auch Wahrheiten sind. Das ist eine Verhaltensregel, über die Anti Dialethisten nicht streiten können, sie läuft auf F hinaus.
Priest: Die meisten von uns glauben irgendwann Widersprüche. Das scheint zu Schwierigkeiten zu führen:
Wenn wir von einem A, A akzeptieren und auch nicht A akzeptieren, dann könnten wir nicht A wahrhaftig aussagen.
Also könnten wir A wahrhaftig verneinen. Also lehnen wir A ab.
Also gibt es eine Proposition, die wir sowohl akzeptieren als auch ablehnen.
PriestVs: dieser Gedankengang gestattet nicht, dass aus der Prämisse, dass nicht A akzeptiert werden soll, geschlossen werden kann, dass A abgelehnt werden muss.

Sainsbury: Es ist ausgeschlossen, sich gleichzeitig im Zustand der Akzeptanz und der Ablehnung zu befinden.
Das verbietet aber offenbar nicht, dass die Vernunft gebietet, eine Proposition zu einer Zeit sowohl zu akzeptieren, als auch abzulehnen.
„Sollte“ impliziert nicht „könnte“.
Lösung:
Dialethismus/Sainsbury: die Idee ist, dass wenn wir zu einer Dialetheia kommen, dann können wir sie akzeptieren und müssen deshalb den Gedankengang nicht kritisieren, der zu ihr geführt hat.
>Bivalenz, >Dialethismus/Priest, >Widerspruch.
Texte zur Logik
Me I Albert Menne Folgerichtig Denken Darmstadt 1988
HH II Hoyningen-Huene Formale Logik, Stuttgart 1998
Re III Stephen Read Philosophie der Logik Hamburg 1997
Sal IV Wesley C. Salmon Logik Stuttgart 1983
Sai V R.M.Sainsbury Paradoxien Stuttgart 2001

Sai I
R.M. Sainsbury
Paradoxien Stuttgart 1993
Dialog Schleiermacher Gadamer I 183
Dialog/Schleiermacher/Gadamer: SchleiermacherVsTradition: (…) gerade die Ausweitung der hermeneutischen Aufgabe auf das „bedeutsame Gespräch“, die für Schleiermacher besonders charakteristisch ist, zeigt, wie sich der Sinn der Fremdheit, deren Überwindung die Hermeneutik leisten soll, gegenüber der bisherigen Aufgabenstellung der Hermeneutik grundsätzlich gewandelt hat. In einem neuen, universalen Sinn ist Fremdheit mit der Individualität des Du unauflöslich gegeben.
Gadamer: Man darf den lebhaften, ja genialen Sinn für menschliche Individualität, der Schleiermacher auszeichnet, gleichwohl nicht als eine individuelle Besonderheit nehmen, die hier die Theorie beeinflusst. Vielmehr ist es die kritische Abwehr all dessen, das im Zeitalter der Aufklärung unter dem Titel „Vernünftige Gedanken“ als das gemeinsame Wesen der Humanität galt, was zu einer grundsätzlichen Neubestimmung des Verhältnisses zur Überlieferung nötigt(1). Vgl. >Ich-Du-Verhältnis/Gadamer.

1. Chr. Wolff und seine Schule rechneten die „allgemeine Auslegungskunst“ folgerichtig
zur Philosophie, da »endlich alles dahin abziele, dass man anderer Wahrheiten erkennen und prüfen möge, wenn man ihre Rede verstanden« (J.Walch, Philosophisches Lexikon, (1726), S. 165). Ähnlich ist es für Bentley, wenn er vom Philologen fordert: » Seine einzigen Führer seien Vernunft das Licht der Gedanken des Verfassers und ihre zwingende Gewalt« (zitiert nach Wegner, Altertumskunde, S. 94).

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Differentielle Psychologie Lamiell Corr I 83
Differentielle Psychologie/Lamiell: William Stern prägte den Ausdruck in Stern 1900(1); 1911(2)). >W. Stern.
Lamiell: Signifikant ist jedoch, dass Stern die Beurteilung und Untersuchung individueller Unterschiede nicht für geeignet hielt, um unser Verständnis von Persönlichkeiten (oder dem, was er "Individualitäten" nannte) zu fördern. Im Gegenteil, er sah (richtig), dass Studien über individuelle Unterschiede das Wissen über die Variablen der Person generieren. Außerdem erkannte er dass das, was in jeder Psychologie der Persönlichkeit, die den Namen verdient, benötigt wird, das Wissen über die Personen ist.
>Persönlichkeit, >Charakterzüge.
Leider, aber aus Gründen, die ich an anderer Stelle ausführlich diskutiert habe (siehe insbesondere Lamiell 2003(3), Kap. 5), wurde diese Unterscheidung durch die Entwicklungen innerhalb des Feldes in den ersten drei Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts - gegen die anstrengenden und wiederholt erhobenen Einwände Sterns - praktisch aufgehoben (siehe Lamiell 2006)(4). Diese unglückliche historische Entwicklung ist eine Hauptquelle für die aktuellen begrifflichen Schwierigkeiten in diesem Bereich.

1. Stern, W. 1900. Über Psychologie der individuellen Differenzen (Ideen zu einer ‘differentiellen Psychologie’). Leipzig: Barth
2. Stern, W. 1911. Die Differentielle Psychologie in ihren methodischen Grundlagen. Leipzig: Barth
3. Lamiell, J. T. 2003. Beyond individual and group differences: human individuality, scientific psychology, and William Stern’s critical personalism. Thousand Oaks, CA: Sage Publications
4. Lamiell, J. T. 2006. William Stern (1871–1938) und der ‘Ursprungsmythos’ der Differentiellen Psychologie, Journal für Psychologie 14: 253–73


James T. Lamiell, “The characterization of persons: some fundamental conceptual issues”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Differentielle Psychologie Stern Corr I 83
Differentielle Psychologie/Stern/Lamiell: Stern prägte den Ausdruck Differentielle Psychologie in Stern 1900(1), 1911(2)). Lamiell: Bezeichnenderweise hielt Stern jedoch die Bewertung und Untersuchung individueller Unterschiede nicht für geeignet, um unser Verständnis von Persönlichkeiten (oder dem, was er als "Individualitäten" bezeichnete) voranzubringen. Im Gegenteil, er sah (richtigerweise), dass Studien über individuelle Unterschiede Wissen über Personenvariablen generieren, und dass das, was in jeder Psychologie der Persönlichkeit, die diesen Namen verdient, benötigt wird, Wissen über Personen ist.
>Person, >Persönlichkeit, >Individuen, >Subjekte, >Charakterzüge, >Persönlichkeitspsychologie.
Unglücklicherweise, aber aus Gründen, die ich an anderer Stelle ausführlich erörtert habe (siehe insbesondere Lamiell 2003(3), Kap. 5), wurde diese Unterscheidung durch die Entwicklungen innerhalb des Fachgebiets in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts - entgegen den energischen und wiederholt geäußerten Einwänden von Stern (siehe Lamiell 2006)(4) - fast völlig verwischt. Diese höchst unglückliche historische Entwicklung ist eine der Hauptursachen für die gegenwärtigen konzeptionellen Schwierigkeiten auf diesem Gebiet.

1. Stern, W. 1900. Über Psychologie der individuellen Differenzen (Ideen zu einer ‘differentiellen Psychologie’). Leipzig: Barth
2. Stern, W. 1911. Die Differentielle Psychologie in ihren methodischen Grundlagen. Leipzig: Barth
3. Lamiell, J. T. 2003. Beyond individual and group differences: human individuality, scientific psychology, and William Stern’s critical personalism. Thousand Oaks, CA: Sage Publications
4. Lamiell, J. T. 2006. William Stern (1871–1938) und der ‘Ursprungsmythos’ der Differentiellen Psychologie, Journal für Psychologie 14: 253–73


James T. Lamiell, “The characterization of persons: some fundamental conceptual issues”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Diversität (Soziologie) Waldron Gaus I 90
Diversität/Gesellschaft/Toleranz/Pluralismus/Liberalismus/Waldron: (...) Indem wir liberale Prinzipien und liberale Lösungen für die Probleme des gesellschaftlichen Lebens ausarbeiten und verteidigen (...), scheinen wir inmitten der kulturellen und ethischen Pluralität Partei zu ergreifen. Toleranz/Locke/Waldron: (...) ein Teil der Locke'schen Verteidigung der religiösen Toleranz ist auf religiösen Grundlagen aufgebaut: "Die Toleranz derer, die sich in Religionsfragen von anderen unterscheiden", so Locke, "ist dem Evangelium Jesu Christi so angenehm, dass es ungeheuerlich erscheint, dass die Menschen so blind sind, um die Notwendigkeit und den Vorteil davon nicht in einem so klaren Licht zu sehen" (1983(1): 25).
>Toleranz/Locke.
Problem/Waldron: Vielleicht kann man nicht erkennen, was wirklich wichtig an der Toleranz ist, außer aus einer Perspektive, die sich auf bestimmte Werte und bestimmte philosophische Vorstellungen beruft.
Gaus I 91
Hobbes: Ein anderer könnte sich für einen Ansatz des "kleinsten gemeinsamen Nenners" entscheiden und dabei die rechtfertigenden Prämissen betonen, die alle Mitglieder einer pluralistischen Gesellschaft unabhängig von den Unterschieden in ihrer Ethik oder Weltanschauung vermutlich akzeptieren werden. Die Formulierung "kann als akzeptiert vorausgesetzt werden" kann auf verschiedene Weise beschönigt werden, von der Idee allgemein zugänglicher Gründe und Argumentation bis hin zu einer ziemlich aggressiven Darstellung grundlegender menschlicher Interessen, wie die von Hobbes (1991)(2) entwickelte Überlebensstrategie. >Toleranz/Waldron.
Gaus I 94
Individualismus/Rawls/SandelVsRawls/Kommunitarismus/Waldron: (...) Der Individualismus von Rawls' dünner Theorie zog Kritik von kommunitaristischen Philosophen auf sich, die die implizite Annahme zurückwiesen, dass individuelle Lebenspläne von Personen gewählt werden, die nicht durch frühere Verpflichtungen und Loyalitäten belastet sind. Diejenigen, die sich im Wesentlichen als Mitglieder einer bestimmten Familie oder Gemeinschaft oder bestimmter Völker betrachteten, könnten es schwierig finden, eine Theorie der Gerechtigkeit zu akzeptieren, die sich auf der grundlegenden Ebene am Wohlergehen von Personen orientiert, die als von allen derartigen Bindungen befreit angesehen werden (Sandel, 1982)(4). Diversität/Inhomogenität/Gesellschaft/Rawls: "[W]ie ist es möglich", fragte Rawls, "dass es im Laufe der Zeit eine gerechte und stabile Gesellschaft von freien und gleichen Bürgern gibt, die durch vernünftige religiöse, philosophische und moralische Lehren tief gespalten bleiben?" (1993(3): 4).
Gauß I 95
Waldron: Der Schlüssel (...) ist, darauf zu bestehen, dass eine akzeptable Gerechtigkeitstheorie, T, so beschaffen sein muss, dass unter den Gründen für die Ablehnung von T oder die Nicht-Übereinstimmung von T, keiner sich gegen die Verpflichtung von T auf eine bestimmte Wertvorstellung oder eine andere umfassende philosophische Konzeption wendet. >Individualismus/Rawls, >Rawls/Waldron. Lösung/Rawls: Stattdessen entwickelt Rawls die Idee, dass T einen überlappenden moralischen Konsens zwischen {C1, C2, ... , Cn } darstellen sollte. Damit meint er, dass T für die Anhänger von C1 aus moralischen Gründen akzeptabel gemacht werden könnte, als auch für die Anhänger von C2 und so weiter.
Vielfalt/Toleranz/Locke/Kant/Rawls/Waldron: So kann zum Beispiel die Behauptung, dass religiöse Toleranz als eine Frage der Gerechtigkeit erforderlich ist, von Christen aus Locke'sche-Gründen, die mit der individualisierten Verantwortung eines jeden Menschen gegenüber Gott für seine eigenen religiösen Überzeugungen zu tun haben, von säkularen Locke-Anhängern aus Gründen der Unabänderlichkeit des Glaubens gegenüber Zwang, von Kantianern aus Gründen der hohen ethischen
Gaus I 96
Bedeutung, die der Autonomie beigemessen wird, von Anhängern von John Stuart Mill auf der Grundlage der Bedeutung der Individualität und des freien Zusammenspiels von Ideen usw. bestätigt werden. >Toleranz/Locke. Waldron: Ob dies tatsächlich funktioniert, ist eine Frage, die wir in Betracht gezogen haben, als wir Ackermans Ansatz zur Neutralität diskutiert haben. >Neutralität/Waldron, >Überlappender Konsens/Rawls.

1. Locke, John (1983 [1689]) A Letter Concerning Toleration, ed. James H. Tully. Indianapolis: Hackett.
2. Hobbes, Thomas (1991 [1651]) Leviathan, ed. Richard Tuck. Cambridge: Cambridge University Press.
3. Rawls, John (1993) Political Liberalism. New York: Columbia University Press.
4. Sandel, Michael (1982) Liberalism and the Limits of Justice. Cambridge: Cambridge University Press.

Waldron, Jeremy 2004. „Liberalism, Political and Comprehensive“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications.

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Empfindungen Carnap Putnam V 240f
CarnapVsÜbersetzung Empfindungen in Aussagen über physikalische Gegenstände. - >Quine: Unbestimmtheit der Übersetzung.
Carnap VI 129
Empfindung/Carnap: Bestandteil von Erlebnissen. >Erlebnisse. Ihre Individualität erhalten sie durch die Angabe, zu welchen Elementarerlebnissen sie gehören.
Def Empfindung/Carnap: Geordnetes Paar aus einem Elementarerlebnis und einer Qualitätsklasse, zu der das Erlebnis gehört.
Empfindungen/Carnap: gehören zur Psychologie. >Psychologie/Carnap.
VI 91
Empfindung/Gefühl/Carnap: als Einzelbestandteil der Wahrnehmung erst das Ergebnis einer Analyse.
VI 93
Weitere Zerlegung: Intensitäts- und Qualitätskomponenten. >Qualität.

Ca I
R. Carnap
Die alte und die neue Logik
In
Wahrheitstheorien, G. Skirbekk (Hg) Frankfurt 1996

Ca II
R. Carnap
Philosophie als logische Syntax
In
Philosophie im 20.Jahrhundert, Bd II, A. Hügli/P.Lübcke (Hg) Reinbek 1993

Ca IV
R. Carnap
Mein Weg in die Philosophie Stuttgart 1992

Ca IX
Rudolf Carnap
Wahrheit und Bewährung. Actes du Congrès International de Philosophie Scientifique fasc. 4, Induction et Probabilité, Paris, 1936
In
Wahrheitstheorien, Gunnar Skirbekk Frankfurt/M. 1977

Ca VI
R. Carnap
Der Logische Aufbau der Welt Hamburg 1998

CA VII = PiS
R. Carnap
Sinn und Synonymität in natürlichen Sprachen
In
Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982

Ca VIII (= PiS)
R. Carnap
Über einige Begriffe der Pragmatik
In
Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982

Putnam I
Hilary Putnam
Von einem Realistischen Standpunkt
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Frankfurt 1993

Putnam I (a)
Hilary Putnam
Explanation and Reference, In: Glenn Pearce & Patrick Maynard (eds.), Conceptual Change. D. Reidel. pp. 196--214 (1973)
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (b)
Hilary Putnam
Language and Reality, in: Mind, Language and Reality: Philosophical Papers, Volume 2. Cambridge University Press. pp. 272-90 (1995
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (c)
Hilary Putnam
What is Realism? in: Proceedings of the Aristotelian Society 76 (1975):pp. 177 - 194.
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (d)
Hilary Putnam
Models and Reality, Journal of Symbolic Logic 45 (3), 1980:pp. 464-482.
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (e)
Hilary Putnam
Reference and Truth
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (f)
Hilary Putnam
How to Be an Internal Realist and a Transcendental Idealist (at the Same Time) in: R. Haller/W. Grassl (eds): Sprache, Logik und Philosophie, Akten des 4. Internationalen Wittgenstein-Symposiums, 1979
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (g)
Hilary Putnam
Why there isn’t a ready-made world, Synthese 51 (2):205--228 (1982)
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (h)
Hilary Putnam
Pourqui les Philosophes? in: A: Jacob (ed.) L’Encyclopédie PHilosophieque Universelle, Paris 1986
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (i)
Hilary Putnam
Realism with a Human Face, Cambridge/MA 1990
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (k)
Hilary Putnam
"Irrealism and Deconstruction", 6. Giford Lecture, St. Andrews 1990, in: H. Putnam, Renewing Philosophy (The Gifford Lectures), Cambridge/MA 1992, pp. 108-133
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam II
Hilary Putnam
Repräsentation und Realität Frankfurt 1999

Putnam III
Hilary Putnam
Für eine Erneuerung der Philosophie Stuttgart 1997

Putnam IV
Hilary Putnam
"Minds and Machines", in: Sidney Hook (ed.) Dimensions of Mind, New York 1960, pp. 138-164
In
Künstliche Intelligenz, Walther Ch. Zimmerli/Stefan Wolf Stuttgart 1994

Putnam V
Hilary Putnam
Vernunft, Wahrheit und Geschichte Frankfurt 1990

Putnam VI
Hilary Putnam
"Realism and Reason", Proceedings of the American Philosophical Association (1976) pp. 483-98
In
Truth and Meaning, Paul Horwich Aldershot 1994

Putnam VII
Hilary Putnam
"A Defense of Internal Realism" in: James Conant (ed.)Realism with a Human Face, Cambridge/MA 1990 pp. 30-43
In
Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994

SocPut I
Robert D. Putnam
Bowling Alone: The Collapse and Revival of American Community New York 2000
Empirismus Hume Deleuze I 12
Empirismus/Hume: Der Empirismus bildet die Grundlage. Weil die menschliche Natur den Geist übersteigt, übersteigt nichts im Geist die menschliche Natur. Nichts ist transzendental - die Vorstellungen werden im Geist, aber nicht durch den Geist verbunden. >Übersetzung, >Transzendentales, >Geist, >Denken, >Ideen, >Assoziation.
I 101
Empirismus/Hume: Empirismus muss sich am Problem der Subjektivität festmachen lassen. >Subjektivität.
I 104
Grundprinzip des Empirismus/Hume: Das Grundprinzip des Empirismus ist das Prinzip der Differenz. >Prinzipien/Hume, >Unterscheidungen, >Ungleichheit, >Bestimmtheit.
I 136
Empirismus/Hume: Weil die Relationen den Dingen äußerlich sind (> Atomismus), ist der Empirismus dualistisch: Dualität zwischen Termen und Relationen. Gegensätzlich dazu wäre eine Philosophie, die von analytischen (begrifflichen) Wahrheiten ausgeht.
>Analytizität/Synthetizität.
Nicht-empiristisch: wäre eine Theorie, nach der die Relationen aus der Natur die Dinge ergeben.
D. Hume
I Gilles Delueze David Hume, Frankfurt 1997 (Frankreich 1953, 1988)
II Norbert Hoerster, "Hume: Existenz und Eigenschaften Gottes" aus J. Speck(Hg) Grundprobleme der großen Philosophen der Neuzeit I Göttingen, 1997

Deleuze I
Gilles Deleuze
Felix Guattari
Was ist Philosophie? Frankfurt/M. 2000

Hum I
G. Deleuze
David Hume , Frankfurt 1997
Empirismus Quine Graeser I 146
QuineVsCarnap: weil die Theorie nur als ganzes zur Debatte steht, entziehen sich theoretische Termini der Reduktion auf sinnliche Termini. Aber: der Empirismus ist laut Quine kein strikter Gegner. Woher stammt sonst die Kenntnis der Welt? >Holismus, >Theorien.
Quine VII (b) 40ff
Empirismus/Quine: ist eine überreiche Ontologie - die Wissenschaft hat eine doppelte Abhängigkeit von Sprache und Erfahrung, aber eine These lautet, dass diese Dualität nicht bis in einzelne Aussagen zurückverfolgt werden kann.
XII 90/1
Empirismus/Quine pro: 1. Alles was für wissenschaftliche Theorien spricht, stammt aus der Erfahrung.
2. Jede Wortbedeutung gründet letztlich auf der Erfahrung.
XII 94
Der Empirismus hat aufgegeben: 1. Alles aus Sinnesdaten erklären zu wollen.
2. Die rationale Rekonstruktion.

Stalnaker I 3
QuineVsEmpirismus/Two Dogmas/Stalnaker: Es gibt keine Basis für die Unterscheidung zwischen Sprachregeln (Regeln) und unseren Urteilen über die Welt. Keine Theorie-neutrale Basis. Vgl. >Two Dogmas.


Quine I
W.V.O. Quine
Wort und Gegenstand Stuttgart 1980

Quine II
W.V.O. Quine
Theorien und Dinge Frankfurt 1985

Quine III
W.V.O. Quine
Grundzüge der Logik Frankfurt 1978

Quine V
W.V.O. Quine
Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989

Quine VI
W.V.O. Quine
Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995

Quine VII
W.V.O. Quine
From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953

Quine VII (a)
W. V. A. Quine
On what there is
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (b)
W. V. A. Quine
Two dogmas of empiricism
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (c)
W. V. A. Quine
The problem of meaning in linguistics
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (d)
W. V. A. Quine
Identity, ostension and hypostasis
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (e)
W. V. A. Quine
New foundations for mathematical logic
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (f)
W. V. A. Quine
Logic and the reification of universals
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (g)
W. V. A. Quine
Notes on the theory of reference
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (h)
W. V. A. Quine
Reference and modality
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (i)
W. V. A. Quine
Meaning and existential inference
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VIII
W.V.O. Quine
Bezeichnung und Referenz
In
Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982

Quine IX
W.V.O. Quine
Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967

Quine X
W.V.O. Quine
Philosophie der Logik Bamberg 2005

Quine XII
W.V.O. Quine
Ontologische Relativität Frankfurt 2003

Quine XIII
Willard Van Orman Quine
Quiddities Cambridge/London 1987

Grae I
A. Graeser
Positionen der Gegenwartsphilosophie. München 2002

Stalnaker I
R. Stalnaker
Ways a World may be Oxford New York 2003
Genie Schleiermacher Gadamer I 193
Genie/Verstehen/Schleiermacher/Gadamer: Verfahren bewirkten. Sofern [eine] Produktion mechanisch nach Gesetzen und Regeln erfolgt und nicht unbewusst-genial, wird die Komposition vom Ausleger bewusst nachvollzogen werden; sofern sie aber eine individuelle, im eigentlichen Sinne schöpferische Leistung aus Genie ist, kann es einen solchen Nachvollzug nach Regeln nicht geben. Das Genie ist selbst musterbildend und regelgebend. Es schafft neue Formen des Sprachgebrauchs, der literarischen Komposition usw. Diesem Unterschied trägt Schleiermacher durchaus Rechnung. Der genialen Produktion entspricht auf der Seite der Hermeneutik, dass es der Divination bedarf, des unmittelbaren Erratens, das letzten Endes eine Art Kongenialität voraussetzt. Wenn nun aber die Grenzen zwischen der kunstlosen und kunstvollen, der mechanischen und der genialischen Produktion fließend sind, sofern sich immer eine Individualität zum Ausdruck bringt und darin immer ein Moment der regelfreien Genialität wirksam Ist wie in den Kindern, die in eine Sprache hineinwachsen, so folgt daraus, dass auch der letzte Grund alles Verstehens immer ein divinatorischer Akt der Kongenialität sein muss, dessen Möglichkeit auf einer vorgängigen Verbundenheit aller Individualitäten beruht. >Individuum/Schleiermacher, >Hermeneutik/Schleiermacher.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Gerechtigkeit Rawls I 3
Gerechtigkeit/Rawls: Gerechtigkeit ist die erste Tugend sozialer Institutionen, wie Wahrheit dies für Gedankensysteme ist. So wie eine unwahre Theorie zurückgewiesen oder revidiert werden muss, müssen Gesetze und Institutionen reformiert oder abgeschafft werden, wenn sie ungerecht sind.
>Ungerechtigkeit, >Gesetze.
Jede Person besitzt eine Unverletzlichkeit, die auf Gerechtigkeit gründet, die nicht einmal durch das Wohlergehen einer Gesellschaft als Ganzes außer Kraft gesetzt werden kann. Daher kann ein Verlust der Freiheit einiger nicht durch ein größeres Gut außer Kragt gesetzt werden, das mehreren zuteil wird. (RawlsVsUtilitarismus, RawlsVsSinger, Peter).
>Utilitarismus, >P. Singer.
I 4
Die Rechte, die durch Gerechtigkeit verbürgt sind, sind kein Gegenstand politischen Aushandelns oder sozialer Interessen. Vgl.>Menschenrechte, >Grundrechte.
So wie das Akzeptieren einer fehlerhaften Theorie nur durch die Abwesenheit einer besseren Theorie gerechtfertigt ist, so ist Ungerechtigkeit nur tolerierbar, wenn das notwendig ist, um größeres Unrecht zu vermeiden. Um zu untersuchen, ob diese allzu starken Behauptungen gerechtfertigt sind, müssen wir eine Theorie der Gerechtigkeit entwickeln.
>Gesellschaft/Rawls.
I 5
Gerechtigkeit/Gesellschaft/Rawls: Auch wenn die Menschen uneins sind darüber, welche Prinzipien zu akzeptieren sind, nehmen wir dennoch an, dass sie jeder eine Vorstellung von Gerechtigkeit haben. Das heißt, sie verstehen, dass solche Prinzipien nötig sind, um grundlegende Rechte und Pflichten zu bestimmen und ihre Verteilung zu überwachen. Daher scheint es vernünftig, einen Begriff der Gerechtigkeit verschiedenen Vorstellungen von Gerechtigkeit gegenüberzustellen.
I 6
Gerechtigkeit/Rawls: Gerechtigkeit kann nicht bei Verteilungsgerechtigkeit stehen bleiben. Sie muss zu einem Merkmal sozialer Institutionen werden.
I 54/55
Gerechtigkeit/Prinzipien/Rawls: Die Prinzipien der Gerechtigkeit unterscheiden sich stark, je nachdem sie für Individuen oder für Institutionen gelten sollen. >Prinzipien/Rawls.
I 237
Natural justice/Rawls: Die Grundsätze des Naturrechts sollen die Integrität des Rechtsverfahrens sicherstellen.(1). >Naturrecht.
I 310
Gerechtigkeit/Idealisierung/RawlsVsLeibniz/RawlsVsRoss, W.D./Rawls: Man sollte Gerechtigkeit nicht mit einem „idealen Glück“ gleichsetzen oder definieren zu versuchen. (Vgl: W.D. Ross, The Right and the Good(2)(3). >G.W. Leibniz.
Die Theorie der Gerechtigkeit als Fairness weist solche Vorstellungen zurück. Ein solches Prinzip würde in der Anfangssituation nicht gewählt. Dort könnte man solche Kriterien gar nicht definieren.
I 311
Wozu Menschen berechtigt sind, bemisst sich nicht aus einem intrinsischen Wert. Der moralische Wert hängt nicht von Angebot und Nachfrage ab. Wenn bestimmte Leistungen nicht mehr nachgefragt werden, nimmt der moralische Verdienst nicht gleichermaßen ab.
I 312
Der Begriff des moralischen Werts liefert kein erstes Prinzip der Verteilungsgerechtigkeit. Der Moralische Wert kann definiert werden als ein Sinn für Gerechtigkeit, wenn die Prinzipien der Gerechtigkeit verfügbar sind.
1. Siehe L. A. Hart, The Concept of Law, Oxford, 1961, S. 156, 202.
2. Vgl. W. D. Ross, The Right and the Good (Oxford, 1930), S. 21,26-28,57f.
3. Leibniz, „On the Ultimate Origin of Things“ (1697) Hrsg. P.P. Wiener (New York, 1951), S. 353.


Gaus I 94
Gerechtigkeit/Rawls/Waldron: Diversität/Inhomogenität/Gesellschaft/Rawls: "[W]ie ist es möglich", fragte Rawls, "dass es im Laufe der Zeit eine gerechte und stabile Gesellschaft freier und gleicher Bürger gibt, die durch vernünftige religiöse, philosophische und moralische Lehren tief gespalten bleiben?" (1993(2):4).
Gaus I 95
Waldron: Der Schlüssel (...) besteht darin, darauf zu bestehen, dass eine akzeptable Gerechtigkeitstheorie T so beschaffen sein muss, dass unter den Gründen für die Ablehnung von T oder die Nichtübereinstimmung mit T keiner sich gegen die Verpflichtung von T auf eine bestimmte Wertvorstellung oder eine andere umfassende philosophische Konzeption wendet. >Individualismus/Rawls, >Rawls/Waldron.
Probleme: (...) es gibt weitere Fragen, wie [ein] Schwellenwerttest zu verstehen ist. Eine Möglichkeit ist, daß T einen akzeptablen modus vivendi für die Anhänger der verschiedenen umfassenden Konzeptionen darstellt {C1 , C2 , ..., Cn }. Wie ein Vertrag, der den Konflikt zwischen ehemals verfeindeten Mächten beendet, kann T als das Beste dargestellt werden, was C1 im Sinne einer Gerechtigkeitstheorie erhoffen kann, da es mit C2, ..., Cn koexistieren muss, und das Beste, was C2 erhoffen kann, da es mit C1 , C3 ,..., Cn , und so weiter koexistieren muss. Rawls hält dies jedoch als Grundlage für ein Gerechtigkeitsverständnis für unbefriedigend. Es macht T verwundbar gegenüber demographischen Veränderungen oder anderen Veränderungen des Kräfteverhältnisses zwischen rivalisierenden Gesamtkonzepten - eine Verwundbarkeit, die ganz im Gegensatz zu der unerschütterlichen moralischen Kraft steht, die wir gewöhnlich mit Gerechtigkeit assoziieren (1993(1): 148).
Lösung/Rawls: Stattdessen entwickelt Rawls die Idee, dass T einen überlappenden moralischen Konsens zwischen {C1, C2, ... , Cn } darstellen sollte. Damit meint er, dass T für die Anhänger von C1 aus moralischen Gründen akzeptabel und für die Anhänger von C2 aus moralischen Gründen akzeptabel gemacht werden könnte, und so weiter.
Vielfalt/Toleranz/Locke/Kant/Rawls/Waldron: So kann zum Beispiel die Behauptung, dass religiöse Toleranz als eine Frage der Gerechtigkeit erforderlich ist, von Christen aus Locke'schen-Gründen, die mit der individualisierten Verantwortung eines jeden Menschen gegenüber Gott für seine eigenen religiösen Überzeugungen zu tun haben, von säkularen Locke-Anhängern aus Gründen der Unabänderlichkeit des Glaubens gegenüber Zwang, von Kantianern aus Gründen der hohen ethischen
Gaus I 96
Bedeutung, die der Autonomie beigemessen wird, von Anhängern von John Stuart Mill auf der Grundlage der Bedeutung der Individualität und des freien Zusammenspiels von Ideen usw. bestätigt werden. >Toleranz/Locke.
Waldron: Ob dies tatsächlich funktioniert, ist eine Frage, die wir in Betracht gezogen haben, als wir Ackermans Ansatz zur Neutralität diskutiert haben.
>Neutralität/Waldron, >Überlappender Konsens/Rawls.

1. Rawls, John (1993) Political Liberalism. New York: Columbia University Press.

Waldron, Jeremy 2004. „Liberalism, Political and Comprehensive“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications.

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Geschichtsschreibung Dilthey Gadamer I 202
Geschichtsschreibung/Historische Schule/Historismus/Dilthey/Gadamer: Mit [der] Übertragung der Hermeneutik auf die Historik ist Dilthey (...) nur der Interpret der historischen Schule. Er formuliert das, was Ranke und Droysen selber im Grunde denken. So war also die romantische Hermeneutik und ihr Hintergrund, die pantheistische Metaphysik der Individualität, für die theoretische Besinnung der Geschichtsforschung des 19. Jahrhunderts bestimmend. Gadamer: Das ist für das Schicksal der Geisteswissenschaften und die Weltansicht der historischen Schule verhängnisvoll geworden. Vgl. >Geschichte/Hegel.
SchleiermacherVsHegel/Gadamer: Schleiermachers Individualitätsbegriff, der mit dem Anliegen der Theologie, der Ästhetik und der Philologie so gut zusammenging, war eben eine kritische Instanz gegen die apriorische Konstruktion der Philosophie der Geschichte, und bot den geschichtlichen Wissenschaften zugleich eine methodische Orientierung, die sie nicht minder als die Naturwissenschaften auf Forschung, d. h. auf die alleinige Grundlage fortschreitender Erfahrung, verwies. Der Widerstand gegen die Philosophie der Weltgeschichte trieb sie so in das Fahrwasser der Philologie. Es war ihr Stolz, dass sie den Zusammenhang
Gadamer I 203
der Weltgeschichte nicht teleologisch, nicht im Stile der vorromantischen oder nachromantischen Aufklärung von einem Endzustande her dachte, der gleichsam das Ende der Geschichte, ein jüngster Tag der Weltgeschichte wäre. Vielmehr gibt es für sie kein Ende und Außerhalb der Geschichte. Das Verständnis des gesamten Verlaufs der Universalgeschichte kann daher nur aus der geschichtlichen Überlieferung selbst gewonnen werden. Eben das aber ist der Anspruch der philologischen Hermeneutik, daß der Sinn eines Textes aus ihm selbst verstanden werden kann. Die Grundlage der Historik ist also die Hermeneutik. >Hermeneutik/Dilthey, >Universalgeschichte/Dilthey.

Dilth I
W. Dilthey
Gesammelte Schriften, Bd.1, Einleitung in die Geisteswissenschaften Göttingen 1990

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Gesetzesartigkeit Schurz I 237
Naturgesetze/NG/Schurz: Naturgesetze nehmen auf keine spezifischen physikalischen Systeme Bezug sondern drücken aus, was für beliebige Systeme in allen physikalisch möglichen Universen gilt. Bsp die Newtonschen Kernaxiome (Bsp Gesamtkraft = Masse mal Beschleunigung, Bsp Kraft = Gegenkraft, Bsp Gravitationskraft ist proportional zum Produkt der Massen). Erst wenn sie Systembedingungen eingesetzt werden, die die anwesenden Kräfte explizit auflisten, erhalten wir eine konkret lösbare Differentialgleichung.
Es gibt nur wenige fundamentale und man findet sie nur in der Physik.
Die meisten physikalischen Gesetze sind aber:
Def Systemgesetze/Schurz: involvieren konkrete kontingente Systembedingungen. Daher sind sie nicht physikalisch notwendig sondern kontingent. Bsp Fallgesetz, Bsp Pendelgesetz, Bsp Planetengesetz usw.

Gesetzesartigkeit/gesetzesartig/Schurz:
a) im weiten Sinn: die Gesetzesartigkeit von raumzeitlich beschränkten generellen Sätzen ist graduell. In diesem Sinn sind nicht nur die Naturgesetze sondern auch alle Systemgesetze gesetzesartig.
Kontrafaktische Konditionale: wenn wir ihnen zustimmen würden, sind ein Hinweis auf Gesetzesartigkeit.
Problem: der Kontrafaktischen Konditionale charakterisiert auch raumzeitlich beschränkte Gesetze Bsp „Alle Raben sind schwarz“.
Kontrafaktische Konditionale/Schurz: andererseits: wir würden nicht sagen Bsp „Wäre dieser Apfel nicht in dem Korb gewesen, wäre er nicht grün“.
>Kontrafaktische Konditionale, >Naturgesetze, >Gesetze.

I 237
Ähnlichkeitsmetrik/Mögliche Welten/Kontrafaktisches Konditional/RescherVsLewis/Schurz: (Lewis 1973b(1)): für die Wissenschaftstheorie gibt Lewis’ logische Semantik für Kontrafaktische Konditionale wenig her, denn die inhaltliche Interpretation der Ähnlichkeitsmetrik zwischen Möglichen Welten setzt voraus, dass wir schon eine Unterscheidung zwischen Gesetzen und kontingenten Tatsachen kennen. (Stegmüller 1969(2), 320-334).
I 238
Gesetzesartigkeit/gesetzesartig/Schurz: b) im engeren Sinn: = physikalische Notwendigkeit (um der Vagheit bzw. Gradualität des weiten Begriffs zu entgehen). Problem: Nicht alle raumzeitlich unbeschränkten Gesetze sind gesetzesartig im engeren Sinn.
Universell aber nicht physikalisch notwendig: Bsp „Kein Klumpen Gold hat einen Durchmesser von mehr als einem Kilometer“.
Universalität: ist also keine hinreichende, aber eine notwendige Bedingung für Gesetzesartigkeit. Bsp der Allsatz „Alle Äpfel in diesem Korb sind rot“ ist nicht universell, auch dann nicht, wenn man ihn durch seine Kontraposition ersetzt: Bsp „Alle nicht-roten Gegenstände sind keine Äpfel in diesem Korb“. (Hempel 1965(3), 341).
Starke Hume-These/Hume/Schurz: Universalität ist eine hinreichende Bedingung für Gesetzesartigkeit.
SchurzVs: das ist falsch
Schwache Hume-These/Schurz: Universalität ist eine notwendige Bedingung für Gesetzesartigkeit.
>Kausalität/Hume.
Stärker/schwächer/(s): Die Behauptung, dass eine Bedingung hinreichend ist, ist stärker als die, dass sie notwendig ist. BhaskarVsschwache Hume These.
Lösung/Carnap/Hempel:
Def Maxwell-Bedingung/Gesetzesartigkeit: Naturgesetze bzw. nomologische Prädikate dürfen keinen analytischen Bezug auf bestimmte Individuen oder Raumzeitpunkte (Raumzeit Punkte) enthalten. Das ist viel stärker als die Universalitätsbedingung. (stärker/schwächer).
Bsp „Alle Smaragde sind glau“: ist zwar raumzeitlich universell, aber erfüllt nicht die Maxwell-Bedingung.
>Glauheit.
I 239
Naturgesetze/Armstrong: These: Naturgesetze sind Implikationsbeziehungen zwischen Universalien. Daher kein Bezug auf Individuen. >Naturgesetze/Armstrong, >Kausalität/Armstrong.
Maxwell-Bedingung/Wilson/Schurz: (Wilson 1979): stelle ein physikalisches Symmetrieprinzip dar: d.h. Naturgesetze müssen invariant sein unter Translation ihrer Zeitkoordinaten und Translation bzw. Rotation ihrer Raumkoordinaten. Daraus lassen sich Erhaltungssätze gewinnen.
Symmetrieprinzipien/Prinzip/Prinzipien/Schurz: physikalische Symmetrieprinzipien sind jedoch nicht a priori, sondern erfahrungsabhängig!
>Symmetrien/Feynman, >Symmetrien/Kanitscheider.
Maxwell-Bedingung/Schurz: ist für Gesetzesartigkeit zu schwach: Bsp „kein Klumpen Gold hat einen Durchmesser von mehr als 1 km“ auch dieser Allsatz erfüllt sie.
Gesetzesartigkeit/Mill/Ramsey/Lewis/Schurz: Vorschlag: alle jene generellen Sätze, die aus jenen Theorien folgen, die die beste Vereinheitlichung der Menge aller wahren Sätze erzeugen. (Lewis 1973b(1), 73).
Vs: Problem: Es bleibt unklar, warum man den Satz Bsp „Kein Klumpen Gold hat einen Durchmesser von mehr als 1 km“ nicht hinzufügen sollte. Denn auch daraus folgen viele wahre singuläre Sätze.
Lösung/Schurz: Wir brauchen einen klaren Begriff von physikalischer Möglichkeit.
Problem: wir haben keine durchgängige Abgrenzung von Naturgesetzen und Systemgesetzen.

1. Lewis, D. (1973b). Counterfactuals. Oxford: Basil Blackwell
2. Stegmüller, W. (1969). Probleme und Resultate der Wissenschaftstheorie und Analytischen Philosophie. Band I:Wissenschaftliche Erklärung und Begründung. Berlin: Springer.
3. Hempel, C. (1965). Aspects of Scientific Explanation and other Essays in the Philosophy of Science, New York: Free Press.

Schu I
G. Schurz
Einführung in die Wissenschaftstheorie Darmstadt 2006
Hermeneutik Schleiermacher Gadamer I 171
Hermeneutik/Schleiermacher/Gadamer: Am Anfang steht für Schleiermacher wie für Hegel das Bewusstsein eines Verlusts und einer Entfremdung gegenüber der Überlieferung, das ihre hermeneutische Besinnung herausfordert. Sie bestimmen dennoch die Aufgabe der Hermeneutik auf sehr verschiedene Weise. Schleiermacher (…) ist ganz darauf gerichtet, die ursprüngliche Bestimmung eines Werkes im Verständnis wiederherzustellen. Denn Kunst und Literatur, die uns aus der Vergangenheit überliefert sind, sind ihrer ursprünglichen Welt entrissen. So schreibt Schleiermacher, dass es schon
nicht mehr das Natürliche und Ursprüngliche sei, »wenn Kunstwerke in den Verkehr kommen. Nämlich jedes hat einen Teil seiner Verständlichkeit aus seiner ursprünglichen Bestimmung. « »Daher das Kunstwerk, aus seinem ursprünglichen Zusammenhang gerissen, wenn dieser nicht geschichtlich aufbewahrt wird, von seiner Bedeutsamkeit verliert.« Er sagt geradezu: »So
ist also eigentlich ein Kunstwerk auch eingewurzelt in seinen Grund und Boden, in seine Umgebung. Es verliert schon seine Bedeutung, wenn es aus dieser Umgebung herausgerissen wird und in den Verkehr übergeht, es ist wie etwas, das aus dem Feuer gerettet ist und nun Brandflecken trägt«(1).
Gadamer I 172
Gadamer: Das geschichtliche Wissen öffnet nach Schleiermacher den Weg, das Verlorene zu ersetzen und die Überlieferung wiederherzustellen, sofern es das Okkasionelle und Ursprüngliche zurückbringt. So sucht das hermeneutische Bemühen den „Anknüpfungspunkt“ im Geiste des Künstlers wiederzugewinnen, der die Bedeutung eines Kunstwerks erst voll verständlich machen soll, genau wie es sonst Texten gegenüber verfährt, indem es die ursprüngliche Produktion des Verfassers zu reproduzieren strebt. ((s) Vgl. hierzu die Diskussion verschiedener philosophischer Theorien über >Bedeutungswandel.) GadamerVsSchleiermacher: (…) es fragt sich, ob das, was hier gewonnen wird, wirklich das ist, was wir als die Bedeutung des Kunstwerkes suchen, und ob das Verstehen richtig bestimmt wird, wenn wir in ihm eine Zweite Schöpfung, die Reproduktion der ursprünglichen Produktion, sehen. Am Ende Ist eine solche Bestimmung der Hermeneutik nicht minder widersinnig wie alle Restitution und Restauration vergangenen Lebens. Wiederherstellung ursprünglicher Bedingungen ist, wie alle Restauration, angesichts der Geschichtlichkeit unseres Seins ein ohnmächtiges Beginnen.
Hegel/Gadamer: Hegel geht einen anderen Weg als Schleiermacher: >Hermeneutik/Hegel.
Gadamer I 182
SchleiermacherVsDilthey/SchleiermacherVsTradition/Gadamer: Schleiermacher (…) sucht die Einheit der Hermeneutik nicht mehr in der inhaltlichen Einheit der Überlieferung, auf die das Verstehen angewendet werden soll, sondern abgelöst von aller inhaltlichen Besonderung in der Einheit eines Verfahrens, das nicht einmal durch die Art, wie die Gedanken überliefert sind, ob schriftlich oder mündlich, in fremder oder in der eigenen gleichzeitigen Sprache, differenziert wird. (Vgl. >Hermeneutik/Dilthey). Schleiermachers Idee einer universalen Hermeneutik bestimmt sich von
Gadamer I 183
da aus. Sie ist aus der Vorstellung entstanden, dass die Erfahrung der Fremdheit und die Möglichkeit des Missverständnisses eine universelle ist. SchleiermacherVsTradition: (…) gerade die Ausweitung der hermeneutischen Aufgabe auf das „bedeutsame Gespräch“, die für Schleiermacher besonders charakteristisch ist, zeigt, wie sich der Sinn der Fremdheit, deren Überwindung die Hermeneutik leisten soll, gegenüber der bisherigen Aufgabenstellung der Hermeneutik grundsätzlich gewandelt hat. In einem neuen, universalen
Sinn ist Fremdheit mit der Individualität des Du unauflöslich gegeben.
Gadamer: Man darf den lebhaften, ja genialen Sinn für menschliche Individualität, der Schleiermacher auszeichnet, gleichwohl nicht als eine individuelle Besonderheit nehmen, die hier die Theorie beeinflusst. Vielmehr ist es die kritische Abwehr all dessen, das im Zeitalter der Aufklärung unter dem Titel „Vernünftige Gedanken“ als das gemeinsame Wesen der Humanität galt, was zu einer grundsätzlichen Neubestimmung des Verhältnisses zur Überlieferung nötigt(2).
Gadamer I 188
Verstehen/SchleiermacherVsTradtion: (…) , anstelle eines „Aggregats von Observationen“ [gilt es] eine wirkliche Kunstlehre des Verstehens zu entwickeln Das bedeutet etwas grundsätzlich Neues. Denn nun rechnet man mit der Verständnisschwierigkeit und dem Missverständnis nicht mehr als gelegentlichen, sondern als integrierenden Momenten, um deren vorgängige Ausschaltung es geht. So definiert Schleiermacher geradezu: »Hermeneutik ist die Kunst, Missverstand zu vermeiden«. Sie erhebt sich über die pädagogische Okkasionalität der Auslegungs-
Gadamer I 189
praxis zur Selbständigkeit einer Methode, sofern »das Missverstehen sich von selbst ergibt und das Verstehen auf jedem Punkt muss gewollt und gesucht werden«(3).
Gadamer I 191
Die Hermeneutik umfasst grammatische und psychologische Auslegungskunst .Schleiermachers Eigenstes ist aber die psychologische Interpretation. Sie ist letzten Endes ein divinatorisches Verhalten, ein Sich-versetzen in die ganze Verfassung des Schriftstellers, eine Auffassung des "inneren Herganges" der Abfassung eines Werkes(4) schöpferischen Aktes. Verstehen also ist eine auf eine ursprüngliche Produktion bezogene Reproduktion, ein Erkennen des Erkannten (Boeckh)(5), eine Nachkonstruktion, die von dem lebendigen Moment der Konzeption, dem „Keimentschluss“ als dem Organisationspunkt der Komposition ausgeht(6).
Gadamer: Eine solche isolierende Beschreibung des Verstehens bedeutet aber, dass das Gedankengebilde, das wir als Rede oder als Text verstehen wollen, nicht auf seinen sachlichen Inhalt hin, sondern als ein ästhetisches Gebilde verstanden wird, als Kunstwerk oder „künstlerisches Denken“. >Genie/Schleiermacher, >Verstehen/Schleiermacher.
Verstehen/Schleiermacher: Schleiermacher [kommt] zu dem Satz, es gelte, einen Schriftsteller besser zu verstehen, als er sich selber verstanden habe - eine Formel, die seither immer wiederholt
worden ist und in deren wechselnder Interpretation sich die gesamte Geschichte der neueren Hermeneutik abzeichnet.

1. Schleiermacher, Ästhetik, ed. R. Odebrecht, S. 84 ff.
2. Chr. Wolff und seine Schule rechneten die „allgemeine Auslegungskunst“ folgerichtig
zur Philosophie, da »endlich alles dahin abziele, dass man anderer Wahrheiten erkennen und prüfen möge, wenn man ihre Rede verstanden« (J.Walch, Philosophisches Lexikon, (1726), S. 165). Ähnlich ist es für Bentley, wenn er vom Philologen fordert: » Seine einzigen Führer seien Vernunft das Licht der Gedanken des Verfassers und ihre zwingende Gewalt« (zitiert nach Wegner, Altertumskunde, S. 94).
3. Schleiermacher, Hermeneutik § 15 und 16, Werke I, 7, S. 29f.
4. Schleiermacher Werke I, 7, S. 83.
5. Schleiermacher Werke III, 3, S. 355, 358, 364.
6. Boeckh, Enzyklopädie und Methodologie der philologischen Wissenschaft, ed. Bratuschek,
2.Autfl. 1886, S. 10.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Historismus Gadamer I 202
Historismus/Historische Schule/Dilthey/Gadamer: Mit [der] Übertragung der Hermeneutik auf die Historik ist Dilthey (...) nur der Interpret der historischen Schule. Er formuliert das, was Ranke und Droysen selber im Grunde denken. So war also die romantische Hermeneutik und ihr Hintergrund, die pantheistische Metaphysik der Individualität, für die theoretische Besinnung der Geschichtsforschung des 19. Jahrhunderts bestimmend. Gadamer: Das ist für das Schicksal der Geisteswissenschaften und die Weltansicht der historischen Schule verhängnisvoll geworden.
Vgl. >Geschichte/Hegel, >Geschichtsschreibung/Dilthey, >L. v. Ranke, >J.G. Droysen.
Der Widerstand gegen die Philosophie der Weltgeschichte trieb [die Historische Schule] so in das Fahrwasser der Philologie. Es war ihr Stolz, dass sie den Zusammenhang
Gadamer I 203
der Weltgeschichte nicht teleologisch, nicht im Stile der vorromantischen oder nachromantischen Aufklärung von einem Endzustande her dachte, der gleichsam das Ende der Geschichte, ein jüngster Tag der Weltgeschichte wäre. Vielmehr gibt es für sie kein Ende und Außerhalb der Geschichte. Das Verständnis des gesamten Verlaufs der Universalgeschichte kann daher nur aus der geschichtlichen Überlieferung selbst gewonnen werden. Eben das aber ist der Anspruch der philologischen Hermeneutik, dass der Sinn eines Textes aus ihm selbst verstanden werden kann. Die Grundlage der Historik ist also die Hermeneutik. GadamerVsDilthey: So weit vermag die hermeneutische Grundlage zu tragen. Aber weder kann diese Abgehobenheit des Gegenstandes von seinem Interpreten, noch auch die inhaltliche Abgeschlossenheit eines Sinnganzen die eigentlichste Aufgabe des Historikers, die Universalgeschichte, mittragen. Denn die Geschichte ist nicht nur nicht am Ende - wir stehen als die Verstehenden selbst in ihr, als ein bedingtes und endliches Glied einer fortrollenden Kette.
GadamerVsHistorismusd/GadamerVsHistorische Schule: Auch die „historische Schule« wusste,
dass es im Grunde keine andere Geschichte als Universalgeschichte geben kann, weil sich nur vom Ganzen aus das Einzelne in seiner Einzelbedeutung bestimmt. Wie soll der empirische Forscher, dem niemals das Ganze gegeben sein kann, sich da helfen, ohne sein Recht an den Philosophen und seine aprioristische Willkür zu verlieren?
Vgl. >Geschichte/Hegel.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
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Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Humboldt, Wilhelm von Gadamer I 347
Humboldt/Historismus/Gadamer: In letzter Konsequenz ist es doch die Position Hegels, in [der Historismus des 19. Jahrhunderts] seine Legitimation findet, auch wenn die Historiker, die das Pathos der Erfahrung beseelte, sich statt dessen lieber auf Schleiermacher und auf Wilhelm von Humboldt beriefen. >Historismus, >G.W.F. Hegel, >W.v. Humboldt als Autor.
GadamerVsSchleiermacher/GadamerVsHumboldt: Weder Schleiermacher noch Humboldt haben aber ihre Position wirklich zu Ende gedacht. Sie mögen die Individualität, die Schranke der Fremdheit, die unser Verstehen zu überwinden hat, noch so sehr betonen, am Ende findet doch lediglich in einem unendlichen Bewusstsein das Verstehen seine Vollendung und der Gedanke der Individualität seine Begründung.
Hegel/Gadamer: Es ist die pantheistische Eingeschlossenheit aller Individualität ins Absolute, die das Wunder des Verstehens ermöglicht. So durchdringen sich auch hier Sein und Wissen im
I 348
Absoluten. >Absolutheit/Hegel, >Pantheismus.

1. Der Ausdruck Reflexionsphilosophie( ist von Hegel gegen Jacobi, Kant und Fichte
geprägt worden. Schon im Titel von „Glauben und Wissen“ aber als eine „Reflexionsphilosophie der Subjektivität“. Hegel selbst setzt ihr die Reflexion der Vernunft entgegen.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Humesche Welt Bigelow I 243
Humesche Welt/slippery slope-Argument/Jackson/Bigelow/Pargetter: (Jackson 1977a)(1) pro Humesche Welt: "schlüpfriger Abhang"). Bsp Eine Welt in der Gesetze 1. Stufe nicht nur nicht notwendig sind, sondern auch Ausnahmen haben. >Gesetze, >Naturgesetze, >Kausalität, >Determinismus.
Bsp Angenommen, es sei reiner Zufall, ob ein F ein G ist, oder nicht. Jedes Nicht-G wäre ein kontingentes Ding, das nicht existiert haben müsste. Wenn es existiert, wirkt es sich nicht auf irgendein F aus.
Dann gibt es eine Welt, in der es auch Zufall ist, ob ein F ein G ist, aber in der es ein F weniger gibt, das ein Nicht-G ist.
>Mögliche Welten, >Zufall.
Aus dieser Welt können wir die Existenz einer weiteren Welt schließen, die noch ein F weniger hat, das ein Nicht-G ist, usw. Am Ende beweist das, dass es eine Welt gibt, in der jedes F eine Chance von 0,5 hat, ein G zu sein, und dennoch alle Fs Gs sind!
Das stimmt völlig mit einer Theorie der Wahrscheinlichkeits-Theorie überein.
Daraus schließen wir, dass es gut möglich ist, dass es für jede mögliche Welt eine Humesche Welt gibt.
Humesche Welt/Bigelow/Pargetter: Ein Humesche Welt ist einfach zu definieren, wenn wir es mit Gesetzen in Form einfacher Sätze (die Regularitäten beschreiben) zu tun haben.
>Regularität.
Schwieriger ist es bei komplexeren Formen.
Zugänglichkeit/Bigelow/Pargetter: Die Humesche Welt verpflichtet uns zu einer Zugänglichkeitsrelation, die nicht auf Eigenschaften 1. Stufe und Relationen superveniert.
>Zugänglichkeit, >Supervenienz.
I 245
Kontrafaktisches Konditional: Kontrafaktische Konditionale, die die in der aktualen Welt für Gesetze gelten, schlagen in der Humeschen Welt fehl. >Kontrafaktisches Konditional.
Daher würde die Humesche Welt in ihrer Zugänglichkeit von der aktualen Welt differieren, ohne in ihren Eigenschaften 1. Stufe zu differieren.
>Wirkliche Welt.
Zugänglichkeit/Bigelow/Pargetter: Dennoch gibt es starke Gründe, an eine Supervenienz der Zugänglichkeitsrelation auf den Inhalten der Welt zu glauben. Das lässt uns annehmen, dass die Inhalte 1. Stufe nicht alle Inhalte der Welt ausschöpfen.
>Modale Eigenschaften.
Kombinatoriale Theorien: Kombinatoriale Theorien Müssen daher Universalien höherer Stufe annehmen und daher auch die Eigenschaftstheorie der Welteigenschaften.
>Universalien.
I 279
Kausale Welt/Bigelow/Pargetter: Eine kausale Welt sei eine Welt, in der einige Dinge einige andere verursachen. Wie viele solcher Welten mag es geben? Manche Autoren: Alle Welten sind kausale Welten. Und zwar aus Überlegungen zur Individualität:
Individuum/manche Autoren/Bigelow/Pargetter: Nach einigen Theorien sind Individuen nur „Bündel von Eigenschaften“.
>Individuen.
Frage: Was hält sie zusammen? These: Eigenschaften werden kausal zusammengehalten.
Kausale Welt/manche Autoren/Bigelow/Pargetter: Manche Autoren sagen, jede Welt sei kausal, weil keine mögliche Welt zeitlos ist.
>Zeit, >Zeitloses, >Unmögliche Welt.
Zeit/Bigelow/Pargetter: Wir glauben an die kausale Theorie des Zeitpfeils und an die Asymmetrie von Vergangenheit und Zukunft, aber nicht an eine kausale Theorie der Zeit selbst.
>Zeitpfeil, >Vergangenheit, >Gegenwart, >Zukunft.
Daher glauben wir auch nicht, dass alle Welten kausal sind. Wir glauben, dass es Humesche Welten und Heimson-Welten gibt. Was wir jetzt brauchen, ist eine Humesche Welt.
Vgl. >Heimson-Beispiel.
Humesche Welt/Bigelow/Pargetter: Es spielt keine Rolle, ob sie zugänglich ist oder nicht. Nur ihre Existenz zählt. Wir müssen ihre logische Möglichkeit zeigen. (D.h. die Möglichkeit einer Welt die wie unsere ist, in Bezug auf Regularitäten 1. Stufe, aber ohne Ursachen und ohne Gesetze).
I 280
Modalität: Der Unterschied zwischen der aktualen Welt und einer Humeschen Welt kann nicht bloß modal sein. Die modalen Unterschiede müssen auf Unterschieden des Inhalts der Welten beruhen. Sie können nicht identisch sein in Bezug auf ihren Inhalt und sich dennoch modal unterscheiden. Es muss etwas geben, das in kausalen Welt präsent ist, und abwesend in nichtkausalen. >Inhalt.
Def Humesche Welt/Bigelow/Pargetter: Eine Humesche Welt kann daher nicht durch die Abwesenheit von Kausalität definiert werden. Wir definieren sie als eine Welt, die auf der 1. Stufe von Eigenschaften und Relationen mit unserer übereinstimmt. Aber beide Welten unterscheiden sich in Bezug auf Relationen zwischen Eigenschaften und Relationen von Relationen.
>Eigenschaften, >Relationen.
Sie unterscheiden sich in Bezug auf Universalien höherer Stufe. Einige von diesen werden nämlich nicht auf solchen 1.Stufe supervenieren.
Def Verursachung/Bigelow/Pargetter: Verursachung ist eine Relation 2. Stufe zwischen Ereignissen.(Relation zwischen Eigenschaften). Sie superveniert nicht auf intrinsischen Eigenschaften 1. Stufe von Ereignissen.
>Ereignisse.
Die Relationen 2. Stufe gelten kontingenterweise, wenn wir Humesche Welten zulassen.
>Kontingenz.
D.h. Wirkung und Ursache könnten auch vorkommen, mit denselben Eigenschaften 1. Stufe, wenn sie nicht in den relevanten Relationen 2. Stufe stehen. Diese sind extern.
>Stufen/Ebenen, >Beschreibungsebenen
Ereignisse: können dieselben Eigenschaften 1. Stufe haben und sich dennoch in Eigenschaften 2. Stufe unterscheiden. Deshalb kann die Humesche Welt der aktualen gleichen.
I 281
Wenn sie dagegen in derselben Welt vorkommen, werden sie sich auf beiden Stufen gleichen. (Weil wir sie als Universalien behandeln). Grad/Stufe/Ordnung/Terminologie/Bigelow/Pargetter: daher impliziert eine Übereinstimmung auf der 1. Stufe eine Übereinstimmung 2. Grades (sic) für alle Ereignispaare in derselben Welt.
>Grad/Graduelles.
Für die Unterscheidung Grad/Stufe vgl. >Größen/Bigelow.
Grad/Eigenschaften: (s.o. I 53) Eigenschaften 2. Grades: das Gemeinsame von Eigenschaften. Bsp Grün umfasst alle Schattierungen von Grün).
Verursachung: Aber wegen ihres lokalen Charakters (s.o.) kann es sein, dass die Ereignispaare sich kausal unterscheiden! D.h. dass Verursachung eine Relation 2. Stufe ist, die nicht superveniert, weder auf Eigenschaften 1. Stufe noch 2. Grades und Relationen.
Pointe: Verursachung verbindet nicht nur Universalien, sondern Strukturen, die beides involvieren, Universalien höherer Stufe und Einzeldinge.
Kausalrelation/Bigelow/Pargetter: Die Kausalrelation muss daher selbst höherer Stufe sein.
Frage: Welche Eigenschaften und Relationen konstituieren sie? Dazu betrachten wir einen weiteren Unterschied zwischen der Humeschen Welt und der aktualen Welt.
Def Berkeley-Welt/Bigelow/Pargetter: Eine Berkeley-Welt sei eine, in der Verursachung ein Willensakt (Gottes) ist. Bsp Berkeley dachte, dass die fernen Planeten unmöglich eine Kraft auf die Sonne ausübe konnten. So war es Gott, der bewirkte, dass die Sonne ein kleines Stücke von ihrem Platz weggerückt wurde.
Hume: entfernte den Willensakt aus der Berkeley-Welt und so wurde seine Welt zur Welt ohne Verursachung.
Humesche Welt/Bigelow/Pargetter: Eine Humesche Welt ist zuerst und vor allem eine Welt ohne Kräfte.
>Kräfte.

1. Jackson, F. (1977a) A causal theory of counterfactuals. Australasian Journal of Philosphy 55, pp.3-21

Big I
J. Bigelow, R. Pargetter
Science and Necessity Cambridge 1990
Identität Genz II 15
Identität/Elementarteilchen/Individuation/Identifikation/Quantenmechanik/Genz: Atome und Teilchen sind ohne Individualität. Zwei Teilchen desselben Typs sind absolut identisch. Bsp Elektronen, Atome, Quarks und Gluonen. Sie beziehen ihre Realität aus der Theorie. Davon, ob wir sie für real erklären, hängt nichts ab.
>Theorien, >Realität, >Theoretische Entitäten, >Theoretische Termini, >Theoriesprache, >Beschreibung.

Gz I
H. Genz
Gedankenexperimente Weinheim 1999

Gz II
Henning Genz
Wie die Naturgesetze Wirklichkeit schaffen. Über Physik und Realität München 2002
Identität Kulturpsychologie Upton I 120
Identität/Kulturpsychologie/Upton: (...)[das] sich entwickelnde Selbstgefühl kann als ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur erwachsenen Unabhängigkeit angesehen werden, da das Ziel der Selbstentwicklung in der westlichen Gesellschaft darin besteht, unsere Individualität oder ein Gefühl unserer eigenen Einzigartigkeit und Trennung von anderen zu etablieren. In der Tat wird das Wort "Identität" in der westlichen Gesellschaft oft als dasselbe angesehen wie Einzigartigkeit und Individualität; man könnte dies ausprobieren, indem man in einem Thesaurus nach Synonymen des Wortes "Identität" sucht. Inwieweit diese Suche nach Individualität ein universelles Entwicklungsziel ist, wurde jedoch in Frage gestellt (Guisinger und Blatt, 1994(1). Anthropologische Studien haben gezeigt, dass sich diese westliche Sichtweise mit ihrer Betonung der Unterscheidungskraft des Individuums von anderen Kulturen unterscheidet. Es gibt Hinweise darauf, dass nicht-westliche Kulturen ein stärker sozial ausgerichtetes Ideal von der Person haben, die die Unterscheidung zwischen dem Selbst und anderen herunterspielt und nicht aufzeigt (Kim und Berry, 1993)(2). Dies hat einige Psychologen veranlasst, die Tradition der Betonung der Bedeutung der Entwicklung des Selbst und der Identität über die Entwicklung sozialer Beziehungen in Frage zu stellen (Guisinger und Blatt, 1994)(1). Tatsächlich gibt es Hinweise darauf, dass Verbundenheit in Form von Familienbeziehungen und Freundschaften die Suche nach Identität in der Pubertät fördern kann (Kamptner, 1988)(3).

1. Guisinger, SJ and Blatt, S (1994) Individuality and relatedness: evolution of a fundamental dialectic. American Psychologist, 49: 104-11.
2. Kim, U and Berry, JW (1993) Indigenous Psychologies: Research and experience in cultural context. Newbury Park, CA: Sage.
3 . Kamptner, LN (1988) Identity development in early adolescence: causal modeling of social and familial influences. Journal of Youth and Adolescence, 17:493-513.

Upton I
Penney Upton
Developmental Psychology 2011
Identität Wiener II 99
Identität/Rechenmaschine: Vom Standpunkt der Rechenmaschine besteht geistige Individualität in der Speicherung ihrer früheren Programmierungen und Gedächtnisinhalte und in der Fortsetzung ihrer Entwicklung in bereits angelegten Richtungen. >Computer, >Programmierung, >Software, >Gedächtnis, >Roboter, >Identität/Henrich, >Person, >Individuen, >Maschinenlernen.

WienerN I
Norbert Wiener
Cybernetics, Second Edition: or the Control and Communication in the Animal and the Machine Cambridge, MA 1965

WienerN II
N. Wiener
Mensch und Menschmaschine Frankfurt/M. 1952
Individualismus Mill Höffe I 353
Individualismus/Mill/Höffe: Mill erweitert [in seinem sozial- und rechtsphilosophischen Hauptwerk, der Abhandlung Über die Freiheit(1)], seinen sozialen Wirtschaftsliberalismus um einen politischen Liberalismus. Dessen Grundgedanke besteht im kompromisslosen Einspruch gegen eine «Tyrannei der herrschenden Meinung und Gesinnung», gegen eine «Tyrannei der Mehrheit», die selbst die Seele versklavt.
Höffe I 356
Mill befürchtet von der nicht näher qualifizierten, bloßen Demokratie einen Gesinnungsterror, den er mit allem Nachdruck verwirft. Im Gegensatz zu einem schlichten, nur auf faktische Mehrheiten verkürzten Verständnis von Volksherrschaft deutet sich darin der Gedanke einer rechts- und verfassungsstaatlichen, konstitutionellen Demokratie an. Denn in jeder bloßen Demokratie drohe eine Zwangsherrschaft der Gesellschaft über das Individuum. Dann werde nämlich nicht, was allein erstrebenswert sei, jeder von sich selbst, sondern jeder von allen anderen regiert, sodass, was den hochgebildeten Mill erschreckt, jeder von einer ungebildeten Masse beherrscht werde.
Höffe I 357
VsMill/Höffe: Problem: Zwischen dem politischen Liberalismus der Freiheitsschrift(1) und seinem bald darauf veröffentlichten, dem Kollektivwohl verpflichteten Utilitarismus(2) besteht eine Spannung, die Mill erstaunlicherweise nicht bemerkt. Als Alternative - entweder Liberalismus oder aber Utilitarismus - spielt sie in späteren Debatten eine bedeutende Rolle.. Ein in sich stimmiges Plädoyer für die soziale und politische Freiheit des Einzelnen müsste jedenfalls beide Gedankenstränge voneinander trennen und sich dann entscheiden, welche Seite es bevorzugt: den der Individualität verpflichteten >Liberalismus oder den am kollektiven Wohl orientierten >Utilitarismus.
1. J.St. Mill. On Liberty, 1859, (dt. Über die Freiheit)
2. J.St. Mill, Utilitarianism 1861

Mill I
John St. Mill
Von Namen, aus: A System of Logic, London 1843
In
Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993

Mill II
J. St. Mill
Utilitarianism: 1st (First) Edition Oxford 1998

Mill Ja I
James Mill
Commerce Defended: An Answer to the Arguments by which Mr. Spence, Mr. Cobbett, and Others, Have Attempted to Prove that Commerce is Not a Source of National Wealth 1808
Individuen Mill Gaus I 102
Individuen/Mill/Gaus: (...) ein großer Teil der liberalen Philosophie ist auf einer besonderen Sichtweise der menschlichen Exzellenz aufgebaut. Was man eine perfektionistische Theorie des guten Lebens oder eine der Selbstverwirklichung als Ende gewidmete Theorie nennen könnte, findet sich bei Mill, T. H. Green, Bernard Bosanquet, L. T. Hobhouse, John Dewey und sogar, ich wage zu behaupten, im dritten Teil von John Rawls' "Theory of Justice"(1) - dem "umfassendsten" Element des Buches (Gaus, 1983a)(2). Die Krux dieser Theorie wird im dritten Kapitel von "On Liberty"(3), "Of Individuality, as One of the Elements of Well-Being", dargestellt, in dem die menschliche Natur mit "einem Baum verglichen wird, der es erfordert, zu wachsen und sich nach allen Seiten zu entwickeln, entsprechend der Tendenz der inneren Kräfte, die ihn zu einem Lebewesen machen" (Mill, 1963a(3): Kap. 3).
Mill verbindet die Individualität eng mit diesem Wachstum oder dieser Entwicklung der menschlichen Natur: "Individualität ist dasselbe wie Entwicklung" (1963a(3): Kap. 3). Mill glaubt, dass die Vernunft unsere Natur und ihre Bedürfnisse offenbart; die menschliche Natur besitzt Impulse oder Energien, die versuchen, sich zu manifestieren. Wir besitzen nicht nur von Natur aus verschiedene Fähigkeiten, sondern diese Fähigkeiten sind auch Energiequellen, die sich auszudrücken versuchen. Eine Person daran zu hindern, ihre Fähigkeiten zu entwickeln, bedeutet folglich, sie zu entkräften - sie passiv und lethargisch zu machen (1963a(3): Kap. 3; Gaus, 1983a(2): Kap. 4).
>Liberalismus/Gaus, >Liberalismus/Waldron, >Liberalismus/Mill, >Liberalismus/Kymlicka, >Autonomie/Gaus; vgl. >Kommunitarismus.

1. Rawls, John (1971) A Theory of Justice. Cambridge, MA: Harvard University Press.
2. Gaus, Gerald F. (1983a) The Modern Liberal Theory of Man. New York: St Martin’s.
3. Mill, John Stuart (1963a) On Liberty. In J. M. Robson, ed., The Collected Works of John Stuart Mill. Toronto: University of Toronto Press, vol. XVIII, 213–301.

Gaus, Gerald F. 2004. „The Diversity of Comprehensive Liberalisms.“ In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications.

Mill I
John St. Mill
Von Namen, aus: A System of Logic, London 1843
In
Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993

Mill II
J. St. Mill
Utilitarianism: 1st (First) Edition Oxford 1998

Mill Ja I
James Mill
Commerce Defended: An Answer to the Arguments by which Mr. Spence, Mr. Cobbett, and Others, Have Attempted to Prove that Commerce is Not a Source of National Wealth 1808

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Individuen Nietzsche Danto III 173
Individuum/Gruppe/Nietzsche/Danto: gegenüber Nietzsches Auffassung vom Individuum im Frühwerk der Geburt der Tragödie(1), wo er eine Vorstellung davon hatte, wie das Individuum durch die Musik in einer Art von Kommunion in der Gruppe aufgehen könnte,
Danto III 174
findet man im Spätwerk davon kaum noch etwas. Nietzsche war inzwischen zu der Überzeugung gelangt, dass es im Leben ausreichend Solidarität, nicht aber genug Individualität gab. Individuum/Tradition/Danto: Hobbes und Locke (ursprünglich Platon im Glaukon) waren versucht, die Menschen für uranfängliche Individuen zu halten, aus denen sich dann Gesellschaften derart gebildet haben sollten, wie sich chemische Verbindungen vermeintlich aus Elementen oder Atomen und Molekülen gebildet haben sollten.
>Sprache und Denken/Antike, >Sprache/Hobbes, >Gesellschaftsvertrag/Hobbes, >Sprache/Locke, >Gesellschaftsvertrag/Locke.
Soziale Beziehungen wären dann bloß äußerlich, oder wie Hobbes sagt, „künstlich“.
NietzscheVsLocke/NietzscheVsHobbes/NietzscheVsPlaton/Nietzsche/Danto: Nietzsche verwarf solch eine Theorie; seiner Ansicht nach besitzen das Bewusstsein und die Sprache einen sozialen Ursprung und eine soziale Funktion,
Danto III 175
sodass die Einzelnen nur von denjenigen Vorstellungen ein Bewusstsein entwickeln, die jeder mit jedem gemein hat. So wie der Einzelne kaum ohne Gemeinschaft überleben könnten, kann er nur schwer eine Empfindung seiner selbst als unabhängige Einheit erlangen. >Bewusstsein/Nietzsche.

1. F. Nietzsche. Die Geburt der Tragödie, 4, KGW III.

Nie I
Friedrich Nietzsche
Sämtliche Werke: Kritische Studienausgabe Berlin 2009

Nie V
F. Nietzsche
Beyond Good and Evil 2014

Danto I
A. C. Danto
Wege zur Welt München 1999

Danto III
Arthur C. Danto
Nietzsche als Philosoph München 1998

Danto VII
A. C. Danto
The Philosophical Disenfranchisement of Art (Columbia Classics in Philosophy) New York 2005
Individuen Schleiermacher Gadamer I 193
Individuum/Autorschaft/Verstehen/Hermeneutik/Schleiermacher/Gadamer: [Es ist] Schleiermachers Voraussetzung, dass jede Individualität eine Manifestation des Allebens ist und daher »jeder von jedem ein Minimum in sich trägt und die Divination wird sonach aufgeregt durch Vergleichung mit sich selbt« . So kann er sagen, dass die Individualität des Verfassers unmittelbar aufzufassen ist, »indem man sich selbst gleichsam in den anderen verwandelt«. Indem Schleiermacher dergestalt das Verstehen auf das Problem der Individualität zuspitzt, stellt sich ihm die Aufgabe einer Hermeneutik als eine universelle dar. Denn die beiden Extreme der Fremdheit und
der Vertrautheit sind mit der relativen Differenz aller Individualität gegeben. Die „Methode“ des Verstehens wird ebenso sehr das Gemeinsame durch Vergleichen wie das Eigentümliche durch Erraten im Auge haben, das heißt, sie wird sowohl komparativ als auch divinatorisch sein. Sie bleibt aber in beiden Hinsichten „Kunst“, weil sie nicht als Anwendung von Regeln mechanisiert werden kann. Das Divinatorische bleibt unentbehrlich(1). >Genie/Schleiermacher, >Hermeneutik/Schleiermacher.

1. Schleiermacher, Werke I, 7, 146f.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Intersubjektivität Sandel Brocker I 672
Intersubjektivität/SandelVsRawls/Sandel: Rawls setzt in seinem angenommenen Urzustand für eine zu errichtende Gesellschaft eine bestimmte Anthropologie voraus, die annimmt, dass Intersubjektivität bzw. soziale Beziehungen für die Identität von Subjekten nicht konstitutiv ist. Rawls nimmt dann an, dass Menschen ihre Identität und Individualität bereits unabhängig von und vorgängig zu den sozialen Beziehungen und geschichtlichen Verortungen besitzen, in denen sie stehen. (1) >J. Rawls, >Intersubjektivität, >Soziale Beziehungen.
Brocker I 673
Außerdem: Auch Ziele und Zwecke der Menschen können für Rawls nie konstitutiv für die Identität eines Subjekts sein. >Ziele, >Menschen, >Subjektivität.
Brocker I 676
Bezieht man die Dimension der Intersubjektivität mit ein, kann Politik nicht darin bestehen, einmal eine Reihe von Gerechtigkeitsprinzipien festzulegen, die dann für alle Zeiten gleichsam nur noch von Politik und Rechtsprechung verwaltet würden. Politik muss vielmehr in der ständigen, demokratischen Auseinandersetzung um das Gute des Gemeinwesens bestehen. >Gerechtigkeit, >Prinzipien.

1. Michael Sandel, Liberalism and the Limits of Justice, Cambridge/New York 1998 (zuerst 1982), S. 48.

Markus Rothhaar, “Michael Sandel, Liberalism and the Limits of Justice” in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Sand I
Michael Sandel
The Procedural Republic and the Unencumbered Self 1984

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Körper Hobbes Adorno XIII 244
Körper/Hobbes/Adorno: Körper bedeutet bei Hobbes das, was unabhängig von unserem Denken einen Teil des Raumes erfüllt und mit dem Raum zusammenfällt. Da er Raum und Zeit selber ihrerseits subjektiv erklärt, also als bloße Phantasmata, so entfällt bei ihm die alte Dualität
XIII 245
von Raum und Materie, wie wir sie an Demokrit und Epikur kennengelernt haben. >Demokrit, >Epikur, >Raum/Kant, >Zeit/Kant, >Materie, >Raum.

Hobbes I
Thomas Hobbes
Leviathan: With selected variants from the Latin edition of 1668 Cambridge 1994

A I
Th. W. Adorno
Max Horkheimer
Dialektik der Aufklärung Frankfurt 1978

A II
Theodor W. Adorno
Negative Dialektik Frankfurt/M. 2000

A III
Theodor W. Adorno
Ästhetische Theorie Frankfurt/M. 1973

A IV
Theodor W. Adorno
Minima Moralia Frankfurt/M. 2003

A V
Theodor W. Adorno
Philosophie der neuen Musik Frankfurt/M. 1995

A VI
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften, Band 5: Zur Metakritik der Erkenntnistheorie. Drei Studien zu Hegel Frankfurt/M. 1071

A VII
Theodor W. Adorno
Noten zur Literatur (I - IV) Frankfurt/M. 2002

A VIII
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 2: Kierkegaard. Konstruktion des Ästhetischen Frankfurt/M. 2003

A IX
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 8: Soziologische Schriften I Frankfurt/M. 2003

A XI
Theodor W. Adorno
Über Walter Benjamin Frankfurt/M. 1990

A XII
Theodor W. Adorno
Philosophische Terminologie Bd. 1 Frankfurt/M. 1973

A XIII
Theodor W. Adorno
Philosophische Terminologie Bd. 2 Frankfurt/M. 1974
Kräfte Dilthey Gadamer I 230
Kraft/Geschichte/Dilthey/Gadamer: Es gibt [für Dilthey] gar keine ursprüngliche Kraft der Individualität. Sie ist erst, was sie ist, indem sie sich durchsetzt. Begrenzung durch den Wirkungsverlauf gehört zum Wesen der Individualität - wie zu allen geschichtlichen Begriffen. Zwecke/Dilthey: Auch Begriffe wie Zweck und Bedeutung meinen für Dilthey nicht Ideen im Sinne des Platonismus oder der Scholastik. Auch sie sind geschichtliche Begriffe, sofern sie auf die Begrenzung durch den Wirkungsverlauf bezogen sind. Sie müssen Energiebegriffe sein.
Dilthey beruft sich dafür auf Fichte(1) der ja ebenso auf Ranke von bestimmendem Einfluss war. Insofern will seine Hermeneutik des Lebens auf dem Boden der historischen Weltansicht bleiben(2). Die Philosophie liefert ihm nur die begrifflichen Möglichkeiten, deren Wahrheit auszusagen. >Lebensphilosophie/Dilthey.
Indessen ist mit diesen erklärten Abgrenzungen noch nicht entschieden, ob Diltheys Grundlegung der Hermeneutik im “Leben“ sich auch den impliziten Konsequenzen der idealistischen Metaphysik wirklich zu entziehen vermocht hat(3). Die Frage stellt sich für ihn folgendermaßen: Wie verbindet
Gadamer I 231
sich die Kraft des Individuums mit dem, was über es hinaus und ihm voraus liegt, dem objektiven Geist? Wie ist das Verhältnis von Kraft und Bedeutung, von Gewalten und Ideen, von Faktizität und Idealität des Lebens zu denken? An dieser Frage muss sich letztlich auch entscheiden, wie Erkenntnis der Geschichte möglich ist. Denn der Mensch in der Geschichte ist gleichfalls durch das Verhältnis von Individualität und objektivem Geist von Grund auf bestimmt. Nun ist dieses Verhältnis offenbar kein eindeutiges. Es ist einmal die Erfahrung von Schranke, Druck, Widerstand, durch die das Individuum seiner eigenen Kraft inne wird. Aber es sind nicht nur die harten Wände der Tatsächlichkeit, was es erfährt. Als geschichtliches Wesen erfährt es vielmehr geschichtliche Wirklichkeiten, und diese sind immer zugleich auch etwas, was das Individuum trägt, worin es sich selbst zum Ausdruck bringt und wiederfindet. Als solche sind sie nicht „harte Wände“ sondern Objektivationen des Lebens. (Droysen hatte von „sittlichen Mächten“ gesprochen.)


1. Dilthey, Ges. Schriften Vll, 157; 280; 333.
2. VII, 280.
3. F. Bollnow, Dilthey, S. 168f. hat richtig gesehen, dass der Begriff der Kraft bei Dilthey zu sehr in den Hintergrund tritt. Darin spricht sich der Sieg der romantischen Hermeneutik über Diltheys Denken aus.

Dilth I
W. Dilthey
Gesammelte Schriften, Bd.1, Einleitung in die Geisteswissenschaften Göttingen 1990

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Leben Mayr I 21
Leben/Mayr: Leben ist in Wirklichkeit bloß der zum Ding gemachte Vorgang des Lebendseins (im Gegensatz zum Tod) und existiert nicht als selbständige Entität! Man kann sogar versuchen zu erklären, dass das Lebendsein als Vorgang das Produkt von Molekülen sein kann, die ihrerseits unbelebt sind.
Leben: Was dagegen "Leben" sei, ist seit dem 16. Jahrhundert heftig umstritten. Ein Lager behauptete stets, dass sich lebende Organismen nicht wirklich von unbelebter Materie unterscheiden: die Physikalisten.
Vitalisten: lebende Organismen besitzen Eigenschaften, die der unbelebten Materie fehlen, weshalb man biologische Theorien und Konzepte nicht auf die Gesetze der Physik und Chemie reduzieren könne.
>Physikalismus, >Vitalismus.
Heute ist deutlich, dass beide Lager in gewisser Weise Recht und Unrecht hatten.
Heute: "Organizismus": Der Organizismus vereint das brauchbarste aus beiden und verwirft die Extreme.
I 46
Leben/Mayr: Leben lässt sich prinzipiell im Labor synthetisieren. Es handelt sich um prinzipiell offene Systeme, daher dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik unterworfen. Vgl. >St. Kauffman, >Zweiter Hauptsatz der Thermodynamik.
I 349
Def Leben/Mayr: Aktivitäten selbstgebildeter Systeme, die von einem genetischen Programm gesteuert werden. >Selbstorganisation.
Def Leben/Rensch(1): Lebewesen sind hierarchisch geordnete, offene Systeme, von vorwiegend organischen Verbindungen, die normalerweise als umgrenzte, zellig strukturierte Individuen von zeitlich begrenzter Konstanz in Erscheinung treten.
Def Leben/Sattler 1986(2): offenes System, das sich selbst repliziert und reguliert, Individualität zeigt, und sich von Energie aus der Umwelt ernährt.
MayrVs: Alle diese Definitionen enthalten Überflüssiges und gehen nicht auf das genetische Programm ein, das vielleicht das wichtigste ist. Sie sind mehr Beschreibung als Definition.


1. R. Sattler (1986). Biophilosophy. Berlin: Springer. S. 228.
2. B. Rensch (1968). Biophilosophie. Stuttgart: G. Fischer. S. 54.

Mayr I
Ernst Mayr
Das ist Biologie Heidelberg 1998
Lebensphilosophie Dilthey Gadamer I 230
Lebensphilosophie/Dilthey/Gadamer: Für [Dilthey] ist Bedeutung nicht ein logischer Begriff, sondern wird als Ausdruck des Lebens verstanden. Das Leben selbst, diese fließende Zeitlichkeit, ist auf die Herausgestaltung von bleibenden Bedeutungseinheiten angelegt. Das Leben selbst legt sich aus. Er hat selbst hermeneutische Struktur. So bildet das Leben die wahre Grundlage der Geisteswissenschaften. Die Hermeneutik ist nicht bloßes romantisches Erbgut in Diltheys Denken, sondern ergibt sich folgerichtig aus der Grundlegung der Philosophie im "Leben". DiltheyVsHegel: Dilthey meint sich gerade dadurch dem „lntellektualismus« Hegels
grundsätzlich überlegen.
DiltheyVsLeibniz: Ebenso wenig konnte ihm der von Leibniz herkommende, romantisch-pantheistische Individualitätsbegriff genügen. Die Grundlegung der Philosophie im Leben wehrt sich auch gegen eine Metaphysik der Individualität und weiß sich von dem Leibnizschen Aspekt der
fensterlosen Monaden, die ihr eigenes Gesetz entfalten, weit entfernt. Individualität ist für sie nicht eine in der Erscheinung wurzelnde ursprüngliche Idee. Dilthey besteht vielmehr darauf, dass alle „seelische Lebendigkeit“, unter Umständen steht(1).
Kraft/Dilthey: Es gibt gar keine ursprüngliche Kraft der Individualität. Sie ist erst, was sie ist, indem sie sich durchsetzt. Begrenzung durch den Wirkungsverlauf gehört zum Wesen der Individualität - wie zu allen geschichtlichen Begriffen. Auch Begriffe wie Zweck und Bedeutung meinen für Dilthey nicht Ideen im Sinne des Platonismus oder der Scholastik. Auch sie sind geschichtliche Begriffe, sofern sie auf die Begrenzung durch den Wirkungsverlauf bezogen sind. Sie müssen Energiebegriffe sein.
Dilthey beruft sich dafür auf Fichte(2) der ja ebenso auf Ranke von bestimmendem Einfluss war. Insofern will seine Hermeneutik des Lebens auf dem Boden der historischen Weltansicht bleiben(3). Die Philosophie liefert ihm nur die begrifflichen Möglichkeiten, deren Wahrheit auszusagen. >Kraft/Dilthey.


1. Dilthey, Ges. Schriften V, 266.
2. Vll, 157; 280; 333.
3. VII, 280.

Dilth I
W. Dilthey
Gesammelte Schriften, Bd.1, Einleitung in die Geisteswissenschaften Göttingen 1990

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Menschen Ortega y Gasset Brocker I 193
Mensch/Ortega y Gasset: Als Wesen, das zur Freiheit bestimmt ist, das heißt immer wieder zu entscheiden hat, wer er sein will und wie er leben möchte - denn die »Umstände« können nicht für ihn entscheiden - ist der Mensch geschichtlich situiert, in bestimmten Handlungs- und Entscheidungskonstellationen existentiell verankert, die er nicht ignorieren kann. Sie sind ein bestimmter Raum von Möglichkeiten und Optionen, innerhalb dessen er handeln und entscheiden kann, um überhaupt weiterleben zu können. Sie sind seine »Lebensbestimmung«. Über diese Lebensbestimmung bzw. »vitale Bestimmung« heißt es: »Die Umstände – die Möglichkeiten – sind das Gegebene und uns Auferlegte an unserem Leben. Sie bilden unsere Welt. Das Leben wählt seine Welt nicht; es findet sich von vornherein in einer bestimmten, unvertauschbaren, in dieser gegenwärtigen Welt vor. Unsere Welt ist die schicksalhaft bestimmte Komponente, die in unser Leben eingeht. Aber diese vitale Bestimmung gleicht nicht der physikalischen.«(1) Diese „vitale Bestimmung“ hebt allerdings die Entscheidungsfreiheit des Menschen nicht auf. Sie stellt Optionen zur Verfügung. Aber innerhalb der Umstände. Diese Optionen sind nicht identisch mit den Umständen.
Brocker I 196
Massenmensch/Ortega: die Vermassung. >Masse/Ortega) hat dazu geführt, dass der Durchschnittsmensch Herr im Gesellschaftlichen geworden ist. Er handelt nach seinem eigenen Gutdünken, setzt seine Art zu genießen und zu leben durch, verweigert jede Unterordnung und hört auf niemanden.
Brocker I 197
Def Massenmensch/Ortega: 1. Er ist eine statistische Durchschnittsgröße, ein Typ, ein anonymes Bündel von Eigenschaften. ((s) Dennoch spricht Ortega hier nicht von einem Typ im Sinne von Kategorie, sondern von Individuen, wie man sie in der Öffentlichkeit trifft und Ortega meint, diesen fehle eine Individualität.) Ortega: 2. Der Massenmensch ist affektbestimmt, nicht primär vernunftgeleitet und daher leicht beeinflussbar.
3. Wird der Massenmensch nicht durch Intelligenz und Verantwortungsfähigkeit ausgezeichnet. In der Masse sinkt das Niveau der einzelnen Individuen, sowohl was die Intelligenz, als auch, was die persönliche Verantwortung betrifft. (Siehe Kollektive Intelligenz.
4. Charakteristikum: die ungehemmte Ausdehnung der Wünsche sowie eine grundsätzliche Undankbarkeit gegen alles, was sein reibungsloses, komfortables Leben ermöglicht hat. Ähnlich einem verwöhnten Kind. (2)
5. Unbelehrbarkeit: Er ist sich selbst genug. Er ist zufrieden mit sich selbst, so wie er ist, und verspürt nicht das Bedürfnis, den eigenen Horizont zu erweitern und über ihn hinauszugehen. (3)
Brocker I 198
Der Massenmensch ist für Ortega ein Produkt der liberalen Demokratie, der experimentellen Naturwissenschaft und des technischen Industrialismus. (4) Siehe auch Verhalten/Ortega.

1. José Ortega y Gasset, La Rebelión de las Masas (con un prólogo para franceses, un epílogo para ingleses y un apéndice: Dinámica del tiempo), Madrid 1937 (zuerst 1929). Dt.: José Ortega y Gasset, Der Aufstand der Massen, Reinbek 1956, S. 33.
2. Ebenda S. 41
3. Ebenda S. 44 4. Ebenda S. 39.

Thomas Gil, „Ortega y Gasset, Der Aufstand der Massen (1929)“ In: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Menschen Wiener II 94
Mensch/Wiener, Norbert: These: Der Mensch ist selbst eine Nachricht. Die älteren Auffassungen von der Individualität waren irgendwie mit dem Begriff der Identität verknüpft, sei es nun, dass es sich um die materielle Substanz des Animalischen oder um die geistige der menschlichen Seele handelte. Heutzutage müssen wir zugestehen, dass Individualität mit der Kontinuität des Schemas in Zusammenhang steht und infolgedessen mit ihr das Wesen der Kommunikation teilt. >Schema/Wiener, >Kommunikation, >Mitteilung, >Person.
WienerVsAdorno.
II 99
Identität/Individuum/Wiener: Die körperliche Identität eines Individuums beruht nicht auf der Identität der Substanz, aus der es gemacht ist. Der Stoffwechsel bewirkt einen viel stärkeren stoffumbau, als man lange für möglich hielt. Vgl. >Identität/Henrich.

WienerN I
Norbert Wiener
Cybernetics, Second Edition: or the Control and Communication in the Animal and the Machine Cambridge, MA 1965

WienerN II
N. Wiener
Mensch und Menschmaschine Frankfurt/M. 1952
Multikulturalismus Barry Gaus I 257
Multikulturalismus/Barry/Kukathas: Laut Barry ist Multikulturalismus unvereinbar mit Liberalismus und dem Respekt vor liberalen Werten und sollte daher abgelehnt werden (Barry 2001)(1). Galston: [William] Galston hat den Begriff 'Reformationsliberalismus' geprägt. Im Gegensatz zum "Liberalismus der Aufklärung", der die Bedeutung der individuellen Autonomie betont, hält Galston an der Vielfalt fest, schätzt sie und sieht die Bedeutung von "Unterschieden zwischen Individuen und Gruppen in Fragen wie der Natur des guten Lebens, Quellen moralischer Autorität, Vernunft versus Glaube und dergleichen" (1995(2): 521).
BarryVsGalston: Barry lehnt diese Unterscheidung ab, ist aber dennoch besonders kritisch gegenüber denjenigen, die dem Lager des die Vielfalt fördernden Liberalismus angehören. Barry weist drei Hauptargumente zurück, die zur Unterstützung des reformatorischen Liberalismus vorgebracht werden.
1) Das erste ist, dass die liberale Theorie den Respekt für Personen schätzt, und dies impliziert den Respekt für die Kulturen, zu denen Personen gehören. Darauf antwortet Barry, dass illiberale Kulturen oft gegen das Gebot des gleichen Respekts verstoßen und insofern keinen Respekt verdienen (2001(1): 128).
2) Das zweite Argument ist, dass der Liberalismus die Vielfalt schätzt, weil sie die Bandbreite der Optionen für Einzelpersonen vergrößert. Darauf antwortet Barry, dass die Liberalen Individualität statt Vielfalt schätzen (2001(1): 129).
3) Das dritte Argument ist, dass der Liberalismus der Unterscheidung zwischen dem öffentlichen und privaten Bereich große Bedeutung beimisst und sich daher für die Nichteinmischung in den privaten Bereich einsetzen sollte. Darauf antwortet Barry, dass der Liberalismus historisch die Heiligkeit der elterlichen und väterlichen Autorität in Frage gestellt hat und versucht hat Einzelpersonen aus den Gruppen, denen sie angehören, zu schützen.
Einzelpersonen/Barry: Einzelpersonen müssen die Freiheit haben, sich auf jede beliebige Art und Weise zusammenzuschließen (in Übereinstimmung mit dem Gesetz zum Schutz der Interessen von Personen außerhalb der Vereinigung). Es gibt jedoch zwei wichtige Bedingungen: Alle Teilnehmer an der Vereinigung sollten zurechnungsfähige Erwachsene sein, und ihre Teilnahme sollte freiwillig sein (2001(1): 148).
Rechte der Gruppe: Gruppen können dann tun, was sie wollen, vorausgesetzt, dass diejenigen, denen die Art und Weise, wie die Angelegenheiten einer Gruppe geführt werden, nicht gefällt, ohne übermäßige Kosten aus der Gruppe aussteigen können (2001(1): 150).
Probleme/VsBarry: Barrys Ansicht erlegt also der Arbeit von Gruppen ernsthafte Beschränkungen auf. Letztlich toleriert er nur das, was Fish "Boutique Multikulturalismus" nennt. (>Multikulturalismus/Fish). Sie verlangt, dass illiberale Praktiken nicht geduldet werden, dass von den Eltern verlangt wird, ihre Kinder zur Schule zu schicken, und dass der Staat im Allgemeinen dafür sorgt, dass die Kinder angemessen von ihren Eltern erzogen werden und nicht zu Opfern von Kreationisten und religiösen Eiferern gemacht werden - selbst wenn ihre Eltern dies sind. >Religion/Bildung/Multikulturalismus.
Egalitarismus: Letztlich läuft Barrys Ansicht auf eine Bekräftigung des liberalen Egalitarismus als eine Doktrin hinaus, die mit dem Multikulturalismus schlichtweg unvereinbar ist.
VsBarry: (Zur Kritik an Barry siehe die Beiträge in Kelly, 2002(3);
Pro Barry: für eine weitere Verteidigung des liberalen Egalitarismus siehe Kernohan, 1998(4)).


1. Barry, Brian (2001) Cultuæ and Equality: An Egalitarian Critique of Multiculturalism. Oxford: Polity.
2. Galston, William (1995) 'Two concepts of Liberalism', Ethics, 105(3): 516-34.
3. Kelly, Paul, Hrsg. (2002) Multiculturalism Reconsidered: Cultuæ and Equality and Its Critics. Oxford: Polity.
4. Kernohan, Andrew (1998) Liberalism, Equality, and Cultural Oppression. Cambridge: Cambridge
University Press.

Kukathas, Chandran 2004. „Nationalism and Multiculturalism“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

EconBarry I
Brian Barry
Sociologists,economists, and democracy Chicago 1970

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Papsttum Marsilius von Padua Höffe I 179
Papsttum/Marsilius/Höffe: MarsiliusVsPapsttum: Laut Marsilius ist der Statthalter Gottes auf Erden, der römische Bischof, kein Friedensfürst, sondern die Hauptursache für Unfrieden. >Päpstliche Macht.
Herrschaftsanspruch: Marsilius' Papstkritik setzt sich in der Kritik am Primatanspruch der Päpste fort. Recht verstanden, seien die römischen Bischöfe nicht mehr als lediglich ein Repräsentant der christlichen Einheit. Der Vorrang vor den anderen Bischöfen habe keine biblische Autorität, er sei lediglich einer historischen Gewohnheit, freiwilliger Zustimmung und pragmatischen Überlegungen geschuldet.
Konzilien: Folgerichtig erklärt Marsilius, selbst im theologischen Bereich, bei allen Fragen der christlichen Lehre, sei der Bischof von Rom einer höheren Autorität unterworfen und nur sie, ein allgemeines Konzil, sei unfehlbar. Alle weltlichen Machtansprüche des Papstes, ebenso - ist zu ergänzen - die eines Konzils, werden rundum abgelehnt.
Weltliche Gewalt: Der von Seiten der Geistlichkeit erhobene Anspruch auf weltliche Gewalt ist in keiner Hinsicht zu rechtfertigen: «Wenn eine Mehrzahl von Regierungen (Höffe: also die Dualität staatliche und kirchliche Gewalt) gesetzt ist, so wird kein Reich und keine Stadt eine Einheit
sein».(1)
> href="https://www.philosophie-wissenschaft-kontroversen.de/details.php?id=3092390&a=t&autor=Marsilius%20von%20Padua&vorname=&thema=Herrschaft">Herrschaft/Marsilius.
1. Marsilius, Defensor pacis, I, 17, §7
Person Lorenz Lorenz I 188
Person/Persönlichkeit/Individuum/Individualität/Tier/Lorenz: beginnt da, wo von zwei Einzelwesen jedes in der Welt des anderen eine Rolle spielt. Vgl. >Psychologische Theorien über Persönlichkeit, >Charakterzüge, >Persönlichkeit bei Tieren.

Lorenz I
K. Lorenz
Das sogenannte Böse Wien 1963
Physisch/Psychisch Chalmers I 42
Psychisch/physisch/Gesetze/Gesetzesartigkeit/Chalmers: These: Es ist natürlich anzunehmen, dass meine Prinzipien der Kohärenz zwischen Bewusstsein und Aufmerksamkeit (awareness) d.h. dass Bewusstsein immer von Aufmerksamkeit belgeitet ist und umgekehrt, in allen menschlichen Organismen dieselben sind und daher eine gesetzesartige Korrelation sind. >Aufmerksamkeit/awareness/Chalmers, >Bewusstsein/Chalmers, >Erleben, >Wissen wie.
Wir können die These aufstellen, dass diese Kohärenz ein Naturgesetz ist. D.h. dass es für alle Systeme gilt.
Chalmers: Das gilt auch für die bemerkenswerte Korrelation zwischen der Struktur von Bewusstsein und der Struktur von Aufmerksamkeit. Sie ist zu spezifisch, um ein Zufall sein zu können.
I 243
Chalmers These: Für jedes System irgendwo wird die Struktur des Bewusstseins ((s) phänomenal) von der Struktur der Bewusstheit, (Aufmerksamkeit, psychologisch) gespiegelt werden und umgekehrt. Dann können wir sagen, dass Bewusstsein aus der funktionalen Organisation eines Systems entsteht, die für Aufmerksamkeit notwendig ist. Dann ist die Struktur des Bewusstseins bestimmt durch die Struktur der Aufmerksamkeit (psychologischen Bewusstheit, awareness).
Das ist natürlich kein fundamentales psychophysisches Gesetz. Das müsste grundlegendere Strukturen verknüpfen als so etwas wie „Bewusstheit“.
I 244
Können wir ausschließen, dass es noch irgendeinen zusätzlichen X-Faktor geben muss, damit wir von Bewusstsein reden können?
I 245
Lösung/Chalmers: Wenn wir Bewusstsein als zusätzliche nichtphysikalische Tatsache - zusätzlich zum Physischen - annehmen sowie unabhängige psychophysische Gesetze, wird ein wie auch immer gearteter „X-Faktor“ überflüssig. >Unabhängigkeit.
I 246
Beste Erklärung/Einfachheit/Chalmers: Mein Ansatz ist der einfachste und daher ein Schluss auf die Beste Erklärung, wie er oft in physikalischen Theorien praktiziert wird. >Beste Erklärung, >Einfachheit.
I 276
Psychisch/physisch/Chalmers: Wie einfach kann die Organisation eines Systems mit bewussten Erlebnissen werden, bevor Erfahrung verschwindet?
I 277
Wir werden eine Menge von psycho-physikalischen Gesetzen brauchen.
I 284
Physisch/psychisch/Information/Chalmers: Wann immer wir eine phänomenale Information erhalten, werden wir dieselbe Information auch physikalisch realisiert finden:
I 285
Wir wissen nicht genau, wie die phänomenale Information kodiert ist, daher wissen wir auch nicht genau, wie der Informationsraum physikalisch realisiert ist, aber wir wissen, dass er realisiert sein muss. Die physikalische Information muss dabei nicht lokal realisiert sein. Vgl. >Gehirn/Deacon, >Denken.
Psychologisch/phänomenal/Chalmers: Es ist natürlich anzunehmen, dass dieses Doppelleben von Informationsräumen einer Dualität auf einer tieferen Ebene entspricht. Wir könnten sogar annehmen, dass diese doppelte Realisation der Schlüssel zu einer grundlegenden Verbindung zwischen physikalischen Prozessen
I 286
und bewussten Erlebnissen. Wir brauchen hier eine Art von Konstrukt und Information scheint dafür so gut geeignet zu sein wie irgendetwas. These: Es könnte sein, dass Prinzipien der doppelten Realisation von Information zu einem System grundlegender Gesetze für eine Verbindung des physikalischen und des phänomenalen Bereichs ausgebaut werden können.
Vgl. >Theorie der Mehrfachentwürfe.

Cha I
D. Chalmers
The Conscious Mind Oxford New York 1996

Cha II
D. Chalmers
Constructing the World Oxford 2014
Rawls Sandel Brocker I 673
Rawls/Subjekt/Individuum/Metaphysik/Subjektivität/Individualität/SandelVsRawls/Sandel: Sandel kritisiert an Rawls Konzeption eines angenommenen Ausgangszustands für eine zu errichtenden Gesellschaft (Siehe Schleier des Nichtwissens/Rawls, Reflexives Gleichgewicht/Rawls, Schleier des Nichtwissens/Sandel): 1. Rawls verfehlt sein eigenes Ziel, Kants praktische Philosophie frei von Metaphysik zu rekonstruieren und ohne spezifische Theorie des Subjekts zu reformulieren. Im Gegenteil, Rawls setzt eine spezifische Theorie des Subjekts voraus („gegenseitiges Desinteresse“, Subjektivität und Identität unabhängig von Zielen und Zwecken des Subjekts). (1) (Siehe Subjektivität/Sandel).
2. Dies führt zu einer Verarmung der Möglichkeiten menschlichen Selbstverständnisses in der politischen Gemeinschaft. (2)
3. Damit sei der Ansatz von Rawls schlicht falsch, da Menschen sich in dieser Weise überhaupt nicht verstehen können. (3)
4. Die Konzeption des Anfangszustands bei Rawls stehe im Widerspruch zu anderen Elementen seiner Theorie, insbesondere zum Differenzprinzip (siehe Differenzprinzip/Rawls) und zu seiner Vertragstheorie. (Siehe Vertragstheorie/Rawls). Siehe auch Differenzprinzp/Sandel, Rawls/Nozick.

1. Michael Sandel, Liberalism and the Limits of Justice, Cambridge/New York 1998 (zuerst 1982), S. 65
2. Ebenda S. 177
3. Ebenda S. 65.
Markus Rothhaar, “Michael Sandel, Liberalism and the Limits of Justice” in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Sand I
Michael Sandel
The Procedural Republic and the Unencumbered Self 1984

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Reflexion Gadamer I 347
Reflexion/Wirkungsgeschichte/Hermeneutik/Gadamer: Unsere ganze Darlegung über Horizontbildung und Horizontverschmelzung sollte (...) die Vollzugsweise des wirkungsgeschichtlichen Bewusstseins beschreiben. >Wirkungsgeschichte/Gadamer, >Hermeneutik/Gadamer, >Verstehen/Gadamer. Aber was ist das für ein Bewusstsein? Hier liegt das entscheidende Problem. Man mag noch so sehr betonen, dass das wirkungsgeschichtliche Bewusstsein gleichsam in die Wirkung selbst eingelegt ist. Als Bewusstsein scheint es wesensmäßig in der Möglichkeit, sich über das zu erheben, wovon es Bewusstsein ist. Die Struktur der Reflexivität ist grundsätzlich mit allem Bewusstsein gegeben. Sie muss also auch für das Bewusstsein der Wirkungsgeschichte gelten. Werden wir damit nicht gezwungen, Hegel recht zu geben, und muss uns nicht doch die absolute Vermittlung von Geschichte und Wahrheit, wie sie Hegel denkt, als das Fundament der Hermeneutik erscheinen? In letzter Konsequenz ist es doch die Position Hegels, in [der Historismus des 19. Jahrhunderts] seine Legitimation findet, auch wenn die Historiker, die das Pathos der Erfahrung beseelte, sich statt dessen lieber auf Schleiermacher und auf Wilhelm von Humboldt beriefen.
GadamerVsSchleiermacher/GadamerVsHumboldt: Weder Schleiermacher noch Humboldt haben aber ihre Position wirklich zu Ende gedacht. Sie mögen die Individualität, die Schranke der Fremdheit, die unser Verstehen zu überwinden hat, noch so sehr betonen, am Ende findet doch lediglich
in einem unendlichen Bewusstsein das Verstehen seine Vollendung und der Gedanke der Individualität seine Begründung.
Hegel/Gadamer: Es ist die pantheistische Eingeschlossenheit aller Individualität ins Absolute, die das Wunder des Verstehens ermöglicht. So durchdringen sich auch hier Sein und Wissen im
I 348
Absoluten. >Absolutheit.
Weder Schleiermachers noch Humboldts Kantianismus ist somit gegenüber der spekulativen Vollendung des Idealismus in Hegels absoluter Dialektik eine selbständige systematische Affirmation. Die Kritik an der Reflexionsphilosophie(1), die Hegel trifft, trifft sie mit.
>F. Schleiermacher, >W. v. Humboldt.
VsHegel/Gadamer: Es geht für uns darum, wirkungsgeschichtliches Bewusstsein so zu denken, dass sich im Bewusstsein der Wirkung die Unmittelbarkeit und Überlegenheit des Werkes nicht wieder zu einer bloßen Reflexionswirklichkeit auflöst, mithin eine Wirklichkeit zu denken, an der sich
die Allmacht der Reflexion begrenzt. Genau das war der Punkt, gegen den sich die Kritik an Hegel richtete und an dem sich in Wahrheit das Prinzip der Reflexionsphilosophie gegenüber allen seinen Kritikern als überlegen erwies.
>Reflexion/Hegel.
I 350
VsReflexionsphilosophie/Gadamer: [Es] stellt sich die Frage, wie weit die dialektische Überlegenheit der Reflexionsphilosophie einer sachlichen Wahrheit entspricht und wie weit sie lediglich einen formalen Schein erzeugt. Dass die Kritik am spekulativen Denken, die vom Standpunkt des endlichen menschlichen Bewusstseins geübt wird, etwas Wahres enthält, kann durch die Argumentation der Reflexionsphilosophie am Ende doch nicht verdunkelt werden. >Junghegelianer/Gadamer.
Beispiele für Reflexion/Gadamer: Dass die These der Skepsis oder des Relativismus selber wahr sein will und sich insofern selber aufhebt, ist ein unwiderlegliches Argument. Aber wird damit irgend etwas geleistet? Das Reflexionsargument, das sich derart als siegreich erweist, schlägt vielmehr auf den Argumentierenden zurück, indem es den Wahrheitswert der Reflexion suspekt
macht. Nicht die Realität der Skepsis oder des alle Wahrheit auflösenden Relativismus wird dadurch getroffen, sondern der Wahrheitsanspruch des formalen Argumentierens überhaupt.


1. Der Ausdruck Reflexionsphilosophie( ist von Hegel gegen Jacobi, Kant und Fichte
geprägt worden. Schon im Titel von „Glauben und Wissen“ aber als eine „Reflexionsphilosophie der Subjektivität“. Hegel selbst setzt ihr die Reflexion der Vernunft entgegen.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Schleiermacher Gadamer I 347
Schleiermacher/Historismus/Gadamer: In letzter Konsequenz ist es doch die Position Hegels, in [der Historismus des 19. Jahrhunderts] seine Legitimation findet, auch wenn die Historiker, die das Pathos der Erfahrung beseelte, sich statt dessen lieber auf Schleiermacher und auf Wilhelm von Humboldt beriefen. >F. Schleiermacher, >W. v. Humboldt, >Erfahrung.
GadamerVsSchleiermacher/GadamerVsHumboldt: Weder Schleiermacher noch Humboldt haben aber ihre Position wirklich zu Ende gedacht. Sie mögen die Individualität, die Schranke der Fremdheit, die unser Verstehen zu überwinden hat, noch so sehr betonen, am Ende findet doch lediglich in einem unendlichen Bewusstsein das Verstehen seine Vollendung und der Gedanke der Individualität seine Begründung.
>Bewusstsein, >Verstehen.
Hegel/Gadamer: Es ist die pantheistische Eingeschlossenheit aller Individualität ins Absolute, die das Wunder des Verstehens ermöglicht. So durchdringen sich auch hier Sein und Wissen im
I 348
Absoluten. >Absolutheit.
Weder Schleiermachers noch Humboldts Kantianismus ist somit gegenüber der spekulativen Vollendung des Idealismus in Hegels absoluter Dialektik eine selbständige systematische Affirmation, Die Kritik an der Reflexionsphilosophie(1), die Hegel trifft, trifft sie mit.
>Einträge zu Schleiermacher als Autor.


1. Der Ausdruck Reflexionsphilosophie( ist von Hegel gegen Jacobi, Kant und Fichte
geprägt worden. Schon im Titel von „Glauben und Wissen“ aber als eine „Reflexionsphilosophie der Subjektivität“. Hegel selbst setzt ihr die Reflexion der Vernunft entgegen.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Selbst Sandel Brocker I 676
Selbst/Sandel: Sandel These: Für die Identität und Individualität von Subjekten ist deren jeweiliges Selbstverständnis als Mitglieder einer Gemeinschaft und Träger einer Geschichte, sowie ihre Überzeugungen davon, was für Menschen das Gute ausmacht konstitutiv.(1) >Das Gute, >Subjekte, >Individuen, >Anerkennung.
SandelVsLiberalismus/SandelVsRawls: Pointe: Wenn diese Momente der Gemeinschaftlichkeit nicht „besessen“ werden und damit letztlich äußerlich bleiben, sondern vielmehr die Identität von Subjekten ausmachen, dann können Menschen sie auch nicht „hinter sich lassen“, wenn sie den Raum des Politischen“ betreten.
>Liberalismus, >Liberalismus/Sandel.
SandelVsLiberalismus: Der Liberalismus fordert, Staat und Politik so auszugestalten, als ob die Subjekte jene Momente der Gemeinschaftlichkeit hinter sich lassen, die ihre Identität ausmachen ((s) und sie quasi neu erfinden).
Sandel: Das muss fast unvermeidlich zu einem Unvergnügen an der Demokratie führen.(2)
>Demokratie.

1. Michael Sandel, Liberalism and the Limits of Justice, Cambridge/New York 1998 (zuerst 1982), S. 179
2. Vgl. M. Sandel Democracy’s Discontent. America in Search of a Public Philosophy, 1996.

Markus Rothhaar, “Michael Sandel, Liberalism and the Limits of Justice” in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Sand I
Michael Sandel
The Procedural Republic and the Unencumbered Self 1984

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Sexualität Beauvoir Brocker I 297
Sexualität/Beauvoir: Grundsätzlich herrscht nach Beauvoir in jeder biologischen Spezies ein Konflikt zwischen Individuum und Gattung. Je niedriger die Art, umso mehr regieren die Gattung und der Zwang zur Reproduktion, je höher die Art, desto individualisierter sind die einzelnen Exemplare. In der menschlichen Gattung nimmt dieser Konflikt dramatische Züge an und bestimmt in asymmetrischer Weise das männliche und das weibliche Geschlecht. Während der Mann die Sexualität seiner Individualität unterordnen kann, sind Frauen, bedingt durch ihre biologische Konstitution, der Gattung subordiniert, sie tragen ein »feindliches Element in sich […]: die Spezies, die von ihnen zehrt« (1). Da menschlich zu existieren aber grundsätzlich besagt, sich in ein Verhältnis zur eigenen Natur setzen zu können, ist zwar die Ausgangslage der Frau in verstärktem Maß durch ihre Biologie bestimmt, aber gleichwohl nicht schon determiniert. >Existentialismus, >Subjekt, >Feminismus, >Gender, >Geschlechterrollen, >Geschlechtsunterschiede/Psychologie, >Kultur, >Kulturelle Überlieferung, >Wertewandel.


1. Simone de Beauvoir, Le deuxième sexe, Paris 1949. Dt.: Simone de Beauvoir, Das andere Geschlecht. Sitte und Sexus der Frau, Reinbek 2005 (zuerst 1951), S. 55

Friederike Kuster, „Simone de Beauvoir, Das andere Geschlecht (1949)“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Sinn Ranke Gadamer I 210
Sinn/Geschichte/Wirken/Ranke/Gadamer: Was geworden ist, ist nicht einfach umzustoßen. Insofern ist es »die Grundlage aller neu emporkommenden Tätigkeit«(1), wie Ranke sagt, und ist doch selbst durch Tätigkeit Gewordenes. Indem das Gewordene als Grundlage beharrt, formt es die neue Tätigkeit in die Einheit eines Zusammenhangs ein. Ranke sagt: »Das Gewordene konstituiert den Zusammenhang mit dem Werdenden«.
Gadamer: Dieser sehr unklare Satz will offenbar ausdrücken, was die geschichtliche Wirklichkeit ausmacht: dass das Werdende zwar frei ist, aber die Freiheit, aus der es wird, jeweils durch das
Gewordene, d. h. die Umstände, in die sie hineinwirkt, ihre Begrenzung findet. Die von den Historikern gebrauchten Begriffe wie Kraft, Macht, bestimmende Tendenz usw. wollen alle das Wesen des geschichtlichen Seins sichtbar machen, indem sie implizieren, dass die Idee in der Geschichte
Gadamer I 211
immer nur eine unvollständige Repräsentation findet. Nicht die Pläne und Ansichten der Handelnden stellen den Sinn des Geschehens dar, sondern die geschichtlichen Wirkungen, die die geschichtlichen Kräfte erkennbar machen. Die geschichtlichen Kräfte, die die eigentlichen Träger der geschichtlichen Entwicklung bilden, sind nicht wie die monadische Subjektivität des Individuums. Alle Individuation ist vielmehr selbst schon durch die entgegenstehende Realität mitgeprägt, und eben deshalb ist Individualität nicht Subjektivität, sondern lebendige Kraft. Auch die Staaten sind für Ranke solche lebendigen Kräfte. Er sagte von ihnen ausdrücklich, sie seien nicht „Abteilungen des Allgemeinen“ sondern Individualitäten, „reale geistige Wesen“.(2) Ranke nennt sie “Gedanken Gottes“ um damit anzuzeigen, dass es die eigene Lebenskraft dieser Gebilde ist, die sie wirklich sein lässt, und nicht irgendein menschliches Setzen und Wollen oder ein von Menschen einsehbarer Plan. >Geschichte, >Geschichte/Ranke, >Geschichtsschreibung, >Weltgeschichte, >Universalgeschichte.

1. Ranke, Weltgeschichte IX, Xlllf.
2. Ranke, Das politische Gespräch (ed. Rothacker), S. 19, 22, 25.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Sprache Humboldt Gadamer I 442
Sprache/Humboldt/Gadamer: Das moderne Denken über die Sprache seit Herder und Humboldt (...) möchte studieren, wie sich die Natürlichkeit der menschlichen Sprache - eine mühsam dem Rationalismus und der Orthodoxie abgetrotzte Einsicht — in der Erfahrungsbreite der Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaus entfaltet. Indem es in jeder Sprache einen Organismus erkennt, sucht es in vergleichender Betrachtung die Fülle der Mittel zu studieren, deren sich der menschliche Geist bedient hat, um seine Sprachfähigkeit auszuüben.
Gadamer I 443
Das normative Interesse, unter dem [Humboldt] den Sprachbau der menschlichen Sprachen vergleicht, hebt (...) die Anerkennung der Individualität, und das heißt der relativen Vollkommenheit einer jeden, nicht auf. Bekanntlich hat
Gadamer I 444
Humboldt jede Sprache als eine eigene Weltansicht verstehen gelernt, indem er die innere Form, in der Sich das menschliche Urgeschehen der Sprachbildung jeweils differenziert, untersuchte. Hinter dieser These steht nicht nur die idealistische Philosophie, die den Anteil des Subjekts an der Erfassung der Welt hervorhebt, sondern die von Leibniz zuerst entwickelte Metaphysik
der Individualität.
Vgl. > href="https://www.philosophie-wissenschaft-kontroversen.de/gesamtliste.php?thema=Sapir-Whorf-Hypothese">Sapir-Whorf-These, >Relativismus, >Kulturrelativismus.
Gadamer I 445
Fremdsprachen/Humboldt: (...) Humboldt sagte einmal, das die Erlernung einer fremden Sprache die Gewinnung eines neuen Standpunktes in der bisherigen Weltansicht sein muss, und fährt fort: »Nur weil man in eine fremde Sprache immer, mehr oder weniger, seine eigene Welt-, ja, seine eigene Sprachansicht hinüberträgt, so wird dieser Erfolg nicht rein und vollständig empfunden«.(1)
>Spracherwerb.
Gadamer: Was hier als eine Einschränkung und ein Mangel geltend gemacht wird, (und vom Standpunkt des Sprachforschers aus, der seinen eigenen Erkenntnisweg im Auge hat, mit Recht), stellt in Wahrheit die Vollzugsweise der hermeneutischen Erfahrung dar.
Form/Hermeneutik/Gadamer: Sprachliche Form und überlieferter Inhalt lassen sich in der hermeneutischen Erfahrung nicht trennen.
Kultur/Weltsicht/Fremdsprachen/Humboldt: Auch wenn man sich noch so sehr in eine fremde Geistesart versetzt, vergisst man nicht darüber seine eigene Welt-, ja seine eigene Sprachansicht. Vielmehr ist die andere Welt, die uns da entgegentritt, nicht nur eine fremde, sofern eine beziehungsvoll andere. Sie hat nicht nur ihre eigene Wahrheit in sich, sondern auch eine eigene Wahrheit für uns.
Gadamer I 446
[Humboldt] hat den lebendigen Vollzug des Sprechens, die sprachliche Energeia als das Wesen der Sprache erkannt und dadurch den Dogmatismus der Grammatiker gebrochen. Von dem Begriff der Kraft aus, der sein ganzes Denken über die Sprache leitet, hat er insbesondere auch die Frage nach dem Ursprung der Sprache zurechtgestellt, die durch theologische Rücksichten besonders belastet war.
Ursprung der Sprache/Humboldt: [Humboldt] betont mit Recht, dass die Sprache von ihrem Anbeginn an menschlich ist.(2)
Welt/Gadamer: Für den Menschen ist die Welt als
I 447
Welt da, wie sie für kein Lebendiges sonst Dasein hat, das auf der Welt ist. Dies Dasein der Welt aber ist sprachlich verfasst. Das ist der eigentliche Kern des Satzes, den Humboldt in ganz anderer Absicht äußert, dass die Sprachen Weltansichten sind.(1) Humboldt will damit sagen, dass die Sprache gegenüber dem Einzelnen, der einer Sprachgemeinschaft angehört, eine Art selbständiges Dasein behauptet und ihn, wenn er in sie hineinwächst, zugleich in ein bestimmtes Weltverhältnis und Weltverhalten einführt.
Wichtiger aber ist, was dieser Aussage zugrunde liegt: dass die Sprache ihrerseits gegenüber der Welt, die in ihr zur Sprache kommt, kein selbständiges Dasein behauptet. Nicht nur ist die Welt nur Welt, sofern sie zur Sprache kommt - die Sprache hat ihr eigentliches Dasein nur darin, dass sich in ihr die Welt darstellt. Die ursprüngliche Menschlichkeit der Sprache bedeutet also zugleich die ursprüngliche Sprachlichkeit des menschlichen In-der-Welt-Seins.

1. W. von Humboldt, „Über die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaus ..“
(zuerst gedruckt 1836),§9.
2. Ebenda, S. 60

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Sprache Ricoeur II 6
Sprache/RicoeurVsSaussure/Ricoeur: Gegen [die] eindimensionale Annäherung an Sprache, für die Zeichen die einzigen grundlegenden Entitäten sind (>Strukturelle Linguistik/Ricoeur), möchte ich einen zweidimensionalen Ansatz anwenden, bei dem sich die Sprache auf zwei irreduzible Entitäten, Zeichen und Sätze, stützt. Diese Dualität stimmt nicht mit der von Langue und Parole überein, wie sie in Saussure's Cours de linguistique générale(1) definiert ist, oder auch nicht, wie diese Dualität später als Opposition zwischen Code und Botschaft umformuliert wurde. In der Terminologie von langue und...
II 7
parole (...). Sprache/Emile Benveniste/Ricoeur: Sprache beruht [nach Benveniste] auf der Möglichkeit zweier Arten von Operationen, der Integration in größere Ganzheiten und der Dissoziation in konstitutive Teile. Der Sinn geht von der ersten Operation aus, die Form von der zweiten. >Diskurs/Ricoeur.
II 20
Sprache ist keine eigene Welt. Sie ist nicht einmal eine Welt. Aber weil wir in der Welt sind, weil wir von Situationen betroffen sind, und weil wir uns in diesen Situationen umfassend orientieren, können wir
II 21
etwas zu sagen haben, haben wir Erfahrung, die wir in die Sprache einbringen können. >Sprecherbedeutung/Ricoeur. Die Vorstellung, Erfahrung in die Sprache zu bringen, ist die ontologische Bedingung der Referenz, eine ontologische Bedingung, die sich in der Sprache als ein Postulat widerspiegelt, das keine immanente Rechtfertigung hat; das Postulat, nach dem wir die Existenz singulärer Dinge voraussetzen, die wir identifizieren.

1. Ferdinand de Saussure, Cours de linguistique générale (Paris: Payot, 1971); English trans., by Wade Baskin, Course in General Linguistics (New York: McGraw-Hill, 1966).

Ricoeur I
Paul Ricoeur
Die Interpretation. Ein Versuch über Freud Frankfurt/M. 1999

Ricoeur II
Paul Ricoeur
Interpretation theory: discourse and the surplus of meaning Fort Worth 1976
Subjekte Schopenhauer Korfmacher Schopenhauer zur Einführung Hamburg 1994
I 22
Subjekt/Objekt/Schopenhauer: Das Auseinanderfallen von Subjekt und Objekt, ihre Nichtidentität in der empirischen Welt, sagt schon aus, dass deren Wirklichkeit nur relativ sein kann. - Wenn kein Objekt ohne Subjekt denkbar ist, dann gibt es kein an sich seiendes Objekt. >Subjekt-Objekt-Problem.
I 36
Subjekt/Schopenhauer: nicht bloß Erkenntnis, sondern auch Leib mit Sinnesempfindungen: Lust und Unlust. Lust/Schopenhauer: ist Erleben, kein Erkennen. - Daher auch kein bloßes Vorstellen.
>Vorstellung.
I 90
Def Reines Subjekt des Erkennens/Schopenhauer: ist von seiner Individualität befreit. - Frei von Wollen. >Wille, >Erkenntnis/Schopenhauer.
Subjektivismus Psychologische Theorien Upton I 10
Subjektivismus/Psychologische Theorien/Upton: Psychologen lehnen die Idee ab, dass menschliches Denken und Verhalten jemals objektiv untersucht werden kann. Sie argumentieren, dass es keine einzige objektive Realität gibt. Vielmehr konstruiert jeder von uns sein eigenes Verständnis und seine eigene Interpretation von "Realität", die in den Kontext unserer Interaktionen mit anderen eingebettet ist. Die "Realität" ist daher sehr individuell und subjektiv.
>Subjektivität, >Objektivität, >Objektivismus/Philosophie, >Realität, >Denken, >Welt/Denken, >Gewissheit/Philosophie, >Anomaler Monismus/Philosophie.
Lokale Theorien: These: Diese Psychologen argumentieren, dass es die Wechselwirkungen zwischen Menschen sind, die im Mittelpunkt der psychologischen Forschung stehen sollten. Ziel ist es, die subjektive Erfahrung der Teilnehmer zu beschreiben und Individualität zu verstehen, um "lokale Theorien" aufzubauen, die auf den spezifischen sozialen Kontext einer Veranstaltung zutreffen.
>Situationen, >Sozialpsychologie.
Im Gegensatz zu den "wissenschaftlichen" Theorien geht es ihnen nicht darum, Vorhersagen zu treffen, sondern Phänomene zu verstehen. Dies sind einige der Hauptmerkmale eines sogenannten qualitativen Ansatzes, der manchmal als "neues Paradigma" bezeichnet wird. Der Unterschied zu diesem traditionellen Ansatz wird durch Grieg und Taylor (1999)(1) veranschaulicht, die vorschlagen, dass Kinder im positivistischen Ansatz bestimmt, kenntlich, objektiv und messbar sind, während sie im qualitativen Ansatz subjektiv, kontextuell, selbstbestimmend und dynamisch sind.
>Positivismus/Psychologie, >Positivismus/Philosophie, >Selbstbestimmung.

1. Grieg, A and Taylor, J (1999) Doing Research with Children. London: Sage.

Upton I
Penney Upton
Developmental Psychology 2011
Temperament Rothbart Corr I 177
Def Temperament/Persönlichkeit/Rothbart: Temperament und Persönlichkeit stellen zwei verschiedene, aber miteinander verbundene Ansätze zum Studium der Individualität dar. Wir haben Temperament als konstitutionell begründete individuelle Unterschiede in emotionaler, motorischer und aufmerksamer Reaktivität und Selbstregulierung definiert, die Konsistenz über Situationen und relative Stabilität über die Zeit zeigen (Rothbart und Derryberry 1981)(1). Def konstitutionell/Rothbart: Der Begriff "konstitutionell" bezieht sich auf die Verbindung zwischen Temperament und Biologie.
Def "Reaktivität:" bezieht sich auf die Latenz, Anstiegszeit, Intensität und Dauer der Reaktionsfähigkeit der Person auf Stimulation.
Def "Selbstregulierung": bezieht sich auf Prozesse, die dazu dienen, die Reaktivität zu modulieren; dazu gehören Verhaltensansatz, Rückzug, Hemmung und exekutive oder aufwendige Aufmerksamkeit.
>Persönlichkeit/Rutter.
Corr I 180
In faktoranalytischen Studien über das von den Eltern berichtete Temperament in der Kindheit werden häufig drei bis vier breite Faktoren gefunden (Rothbart and Bates 1998)(2). Der erste von ihnen ist Begeisterungsfähigkeit oder Extraversion, welcher Aktivitätsniveau, Geselligkeit, Impulsivität und Genuss von hochintensivem Vergnügen beinhaltet. Der zweite ist negative Affektivität, einschließlich Angst, Wut/Frustration, Unbehagen und Traurigkeit. Der dritte Faktor ist "Effortful Control", einschließlich Aufmerksamkeitsfokussierung und -verschiebung, hemmende Kontrolle, Wahrnehmungsempfindlichkeit und Vergnügen geringer Intensität. >Temperament/Psychologische Theorien.
(...) Die Strukturen, die sich aus der Temperamentforschung (unter Verwendung grundlegender psychologischer Prozesse von Affekt, Erregung und Aufmerksamkeit) und der Persönlichkeitsforschung (unter Verwendung einer lexikalischen oder Persönlichkeitsanalyse) ergeben, sind eng miteinander verbunden (Evans und Rothbart 2007)(3).

1. Rothbart, M. K. and Derryberry, D. 1981. Development of individual differences in temperament, in M. E. Lamb and A. L. Brown (eds.), Advances in developmental psychology, vol. I, pp. 37–86. Hillsdale, NJ: Erlbaum
2. Rothbart, M. K. and Bates, J. E. 1998. Temperament, in W. Damon (Series ed.) and N. Eisenberg (Vol. ed.), Handbook of child psychology, Vol. III, Social, emotional, and personality development, 5th edn, pp. 105–76. New York: Wiley
3. Evans, D. and Rothbart, M. K. 2007. Developing a model for adult temperament, Journal of Research in Personality 41: 868–8


Mary K. Rothbart, Brad E. Sheese and Elisabeth D. Conradt, “Childhood temperament” in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Terminologien Hilbert Berka I 58
Normalform/Berka: Folgendes Verfahren soll Wahrheitstabellen ersetzen: die ausgezeichnete (kanonische) Normalform: Hilbert/Ackermann (1928).
Berka I 112
Def überführbar/Hilbert/Berka: in eine andere überführbar heißt, eine Formel wenn die Äquivalenz der beiden ableitbar ist. Def pränex/Hilbert: Eine Formel ist pränex, bei der alle Quantoren am Anfang stehen und die Bereiche (Reichweiten) sich bis zum Ende erstrecken.
Def deduktionsgleich/Hilbert: Zwei Formeln heißen deduktionsgleich, wenn jede aus der anderen ableitbar ist.
Jede Formel ist einer jeden solche Formel deduktionsgleich, die aus ihr entsteht, indem jede freie Individuenvariable (IV) durch eine vorher nicht auftretende gebundene Variable ersetzt wird und die zu den eingeführten gebundenen Variablen gehörigen Allzeichen (Allquantoren) (in beliebiger Reihenfolge) an den Anfang gestellt werden. ("Austausch der freien Variablen gegen gebundene").
Das geht auch in umgekehrter Reihenfolge.
Def Skolemsche Normalform/SN/Hilbert: Die Skolemsche Normalform ist eine eine pränexe Formel (d.h. alle Quantoren sind am Anfang, Reichweiten bis zum Ende), bei der unter den voranstehenden Quantoren nirgends ein Allquator vor einem Existenzquantor steht.
Jede Formel ist einer Skolemschen Normalform deduktionsgleich.
(s) D.h. Jede Formel kann zu einer Skolemschen Normalform umgeformt werden.
Berka I 116
Anmerkung: Diese Skolemsche Normalform ist die "beweistheoretische". Def erfüllungstheoretische Skolemsche Normalform/Hilbert: Die erfüllungstheoretische Skolemsche Normalform ist dual zur beweistheoretischen Skolemschen Normalform, d.h. die Allquantoren und Existenzquantoren tauschen ihre Rollen. (>Dualität).
Einsetzen/Hilbert/(s): Das Einsetzen wird hier auf freie Variablen angewendet.
Umbenennung/Hilbert/(s): Die Umbenunng wird hier auf gebundene Variablen angewendet(1).


1. D. Hilbert & P. Bernays: Grundlagen der Mathematik, I, II Berlin 1934-1939 (2. Aufl. 1968-1970).

Berka I
Karel Berka
Lothar Kreiser
Logik Texte Berlin 1983
Terminologien Mayr I 45
Def Genotyp: Nukleinsäuren, (Gesamtheit der Gene) Def Phänotyp: Proteine, Lipide, Makromoleküle, (Gesamtheit der Merkmale, Umweltbedingt).

I 373
Def Ähnlichkeit: Bestimmte Merkmale müssen zusammen mit anderen Merkmalen auftreten, von denen sie logisch unabhängig sind.
I 179
Def Art/Mayr: Eine Art ist eine Vorrichtung zum Schutz ausgewogener, harmonischer Genotypen. "Biologisches Artkonzept" sucht biologischen Grund für die Existenz von Arten. Vielleicht gibt es zufällig noch andere Eigenschaften.
I 183
Def Arttaxa: Besondere Populationen oder Populationsgruppen, die der Artdefinition entsprechen. Sie sind Entitäten ("Individuen") und lassen sich als solche nicht definieren.
I 43
Def Integron/Mayr: Ein Integron ist ein durch Integration untergeordneter Einheiten auf höherer Stufe entstehendes System. Integrons entwickeln sich durch natürliche Selektion. Sie sind auf jeder Stufe angepasste Systeme, weil sie zur Fitness (Eignung) eines Individuums beitragen.
I 248
Def "Weiche Vererbung" (erworbener Merkmale). Wurde durch die Genetik widerlegt. Def "Harte Vererbung" (sogenanntes "Zentrales Dogma"): Die in den Proteinen (dem Phänotyp) enthaltene Information kann nicht an die Nukleinsäuren (den Genotyp) weitergegeben werden! (Erkenntnis der Molekularbiologie).

I 205
Def Parthenogenese: Asexualität: Bei manchen Organismen entwickeln sich Individuen von selbst aus den Eiern, eine Befruchtung ist nicht nötig. Bsp Blattläuse, Planktonkrustentiere: hier wechseln sich sexuelle und asexuelle Generationen ab.
I 211
Def Präformation: Eier bringen Individuen derselben Art hervor. Daher schloss man, dass Ei oder Spermium bereits eine Miniaturausgabe des zukünftigen Organismus sei.
I 212
Def Epigenesis: Man glaubte, die Entwicklung entstehe aus einer gänzlich ungeformten Masse:"vis essentialis". Jede Art habe ihre eigene eigentümliche "wesentliche Kraft". Def Epigenese: Entwicklung während der Lebensgeschichte des Individuums, im Gegensatz zur Ontogenese und Phylogenese (Stammesgeschichte).

I 219
Def Induktion/Biologie/Mayr: Einfluss schon bestehender Gewebe auf die Entwicklung anderer Gewebe. Durch Proteine. Das hat bei fast allen Organismen große Bedeutung.
I 175
Def Klasse/Biologie/Mayr: Gruppierung von Entitäten, die einander ähnlich und miteinander verwandt sind.
I 177
Def "Varietät": Abweichungen, die etwas geringfügiger sind als die einer neuen Art. ("Typologisches" oder "essentielles Artkonzept", "Gemeinsame Essenz", "Wesen").
I 178
Def Zwillingsart: Zwillingsarten wurden erst spät entdeckt: sie sind räumlich getrennt, aber gleich entwickelt.
I 183
Def Arttaxa: Arttaxa sind besondere Populationen oder Populationsgruppen, die der Artdefinition entsprechen. Sie sind Entitäten ("Individuen") und lassen sich als solche nicht definieren. Individuen können nicht definiert werden, sondern lediglich beschrieben und abgegrenzt.
I 189
Def "Taxon": Ein Taxon ist eine separate Gruppe von Nachkommen. Jedes Taxon besteht aus den Nachkommen des nächsten gemeinsamen Vorfahren; "monophyletisch".
I 349
Def Leben/Mayr: Aktivitäten selbstgebildeter Systeme, die von einem genetischen Programm gesteuert werden. >Selbstorganisation.

Def Leben/Rensch(1): Lebewesen sind hierarchisch geordnete, offene Systeme, von vorwiegend organischen Verbindungen, die normalerweise als umgrenzte, zellig strukturierte Individuen von zeitlich begrenzter Konstanz in Erscheinung treten.
Def Leben/Sattler 1986(2): offenes System, das sich selbst repliziert und reguliert, Individualität zeigt, und sich von Energie aus der Umwelt ernährt.

I 186
Def Merkmal/Biologie/Mayr: Ein Merkmal ist ein unterscheidendes Kennzeichen oder Attribut.
I 332
Def Moralisches Wesen/Darwin: Ein moralisches Wesen ist ein Wesen das fähig ist, seine früheren Handlungen und deren Motive zu überlegen und einige gutzuheißen bzw. andere zu verwerfen.
I 41
Def Reduktionismus/Mayr: Der Reduktionismus betrachtet das Problem des Erklärens grundsätzlich als gelöst, sobald die Reduktion auf die kleinsten Bestandteile abgeschlossen ist.
I 279
Def r-Selektion: stark schwankende oft Katastrophen ausgesetzte Populationsgröße, schwache intraspezifische Konkurrenz, sehr fruchtbar. K-Selektion: konstante Populationsgröße, starke Konkurrenz, stabile Lebenserwartung.

I 49
Def Wissen/Mayr: Fakten und ihre Interpretation.
I 81
Def Theorie: Eine Theorie ist die Definition eines Systems. Theorien haben weder dauerhaften, noch allgemeinen Charakter. Sie sind mit vielfältigen Lösungen und evolutionärem Charakter vereinbar.
I 324
Def Altruismus: (Trivers 1985)(3): Handlung, die einem andere Organismus nützt, auf Kosten des Handelnden, wobei Kosten und Nutzen im Hinblick auf Fortpflanzungserfolg definiert sind. Altruismus/Comte: Sorge um das Wohlergehen anderer.
Altruismus/Mayr: beschränkt sich nicht auf Fälle von Gefahr oder Schaden für den Altruisten.


1. B. Rensch (1968). Biophilosophie. Stuttgart: G. Fischer. S. 54.
2. R. Sattler (1986). Biophilosophy. Berlin: Springer. S. 228.
3. R. L. Trivers (1985). Social evolution. Menlo Park: Benjamin/Cummings.

Mayr I
Ernst Mayr
Das ist Biologie Heidelberg 1998
Two Dogmas McDowell I 158
Two Dogmas/Quine/McDowell: 1. Dogma/QuineVsErstes Dogma: (Unterscheidung analytisch/synthetisch) gegen die Vorstellung, die Wahrheit eines synthetischen Satzes hänge von zweierlei ab: der Bedeutung und der Welt. ((s) Die Bedeutung kann man nicht vor der Welt haben).
>Analytisch/synthetisch.
Quine bewahrt allerdings die Dualität: "Offensichtlich hängt die Wahrheit sowohl von der Sprache als auch von außersprachlichen Tatsachen ab."
McDowell: Quine behauptet nicht, dass es diese zwei Faktoren nicht gibt, wir können sie nur nicht Satz für Satz auseinanderhalten.
>Quine-Duhem-These.
I 158
2. Dogma/QuineVsZweites Dogma: Stattdessen Holismus. Wissenschaft ist, kollektiv betrachtet, sowohl von Sprache als auch von Erfahrung abhängig. Doch dieser Doppelcharakter kann nicht sinnvollerweise bis in die einzelnen Aussagen der Wissenschaft verfolgt werden. ((s) Wir können nicht fragen: was in diesem Satz entspricht mehr der Welt und was mehr der Sprache.) >Holismus.
I 158
Dogmen/Two Dogmas/McDowell: Das erste könnte nur richtig sein, wenn auch das zweite richtig wäre. Wenn nun "empirische Bedeutung" nicht einzelnen Sätzen zugeteilt werden kann, ist die Idee eines "Satzes ohne empirische Bedeutung" in Frage gestellt.
>Empirischer Gehalt, vgl. Drittes Dogma: >Begriffsschema.

McDowell I
John McDowell
Geist und Welt Frankfurt 2001

McDowell II
John McDowell
"Truth Conditions, Bivalence and Verificationism"
In
Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell
Überlappender Konsens Rawls Gaus I 93
Überlappender Konsens/Vielfalt/Individualismus/Rawls/Waldron: Was eine Auffassung von Gerechtigkeit rechtfertigt, ist nicht, dass sie einer Ordnung entspricht, die uns vorausgegangen ist und die uns gegeben wurde, sondern dass sie mit unserem tieferen Verständnis von uns selbst und unseren Bestrebungen übereinstimmt und mit unserer Erkenntnis, dass sie angesichts unserer Geschichte und der Traditionen, die in unser öffentliches Leben eingebettet sind, für uns die vernünftigste Doktrin ist. (Rawls 1980(1): 518-19). >Gerechtigkeit/Rawls, >Prinzipien/Rawls.
Gaus I 94
Ethische und religiöse Heterogenität sollte nicht länger als ein Merkmal betrachtet werden, das Gesellschaften, die durch Gerechtigkeit regiert werden, haben oder nicht haben können oder in einer Zeitperiode haben können und in einer anderen aber nicht. Sie ist vielmehr als ein dauerhaftes Merkmal der Gesellschaften zu betrachten, von dem man nicht erwarten konnte, dass es bald vergeht. >Gesellschaft/Walzer.
RawlsVsRawls: Anfang der 1990er Jahre war Rawls zu der Überzeugung gelangt, dass sein Ansatz in "A Theory of Justice"(2) aus diesem Grund generell disqualifiziert wurde.
>Individualismus/Rawls.
Diversität/Inhomogenität/Gesellschaft/Rawls: "[W]ie ist es möglich", fragte Rawls, "dass es im Laufe der Zeit eine gerechte und stabile Gesellschaft freier und gleicher Bürger gibt, die durch vernünftige religiöse, philosophische und moralische Doktrinen zutiefst gespalten bleiben?" (1993(3): 4). In der Einführung zum Politischen Liberalismus argumentierte er, dass dies nicht mehr erreicht werden könne, indem man jeden von den ethischen und philosophischen Prämissen überzeugt, auf denen eine umfassende liberale Theorie der Gerechtigkeit beruhen könnte. Stattdessen müsse die Rawls'sche Gerechtigkeit nun als etwas dargestellt werden, das aus verschiedenen ethischen Perspektiven Unterstützung finden könne.
Frage: Wie viele der wesentlichen Prinzipien und Doktrinen einer Theorie der Gerechtigkeit würden diesen neuen Ansatz überleben?
Rawls beschrieb (...) die Vielfalt als eine soziale Tatsache - ein fester Bestandteil der modernen Gesellschaft. Das menschliche Leben ist mit einer Vielzahl von Werten verbunden, und es ist natürlich, dass sich die Menschen nicht darüber einig sind, wie diese Werte auszugleichen oder Prioritäten zu setzen sind.
Gaus I 95
Waldron: Der Schlüssel (...) ist, darauf zu bestehen, dass eine akzeptable Gerechtigkeitstheorie, T, so beschaffen sein muss, dass unter den Gründen für die Ablehnung von T oder die Nicht-Übereinstimmung von T, keiner sich gegen die Verpflichtung von T auf eine bestimmte Wertvorstellung oder eine andere umfassende philosophische Konzeption wendet. >Individualismus/Rawls, >Rawls/Waldron.
Probleme: (...) es gibt weitere Fragen, wie [ein] Schwellenwerttest zu verstehen ist. Eine Möglichkeit ist, dass T einen akzeptablen modus vivendi für die Anhänger der verschiedenen umfassenden Konzeptionen darstellt {C1, C2, ..., Cn }. Wie ein Vertrag, der den Konflikt zwischen ehemals verfeindeten Mächten beendet, kann T als das Beste dargestellt werden, was C1 im Sinne einer Gerechtigkeitstheorie erhoffen kann, da es mit C2 , ..., Cn koexistieren muss, und das Beste, was C2 erhoffen kann, da es mit C1 , C3 ,..., Cn und so weiter koexistieren muss.
Rawls hält dies jedoch als Grundlage für ein Gerechtigkeitsverständnis für unbefriedigend. Es macht T verwundbar gegenüber demographischen Veränderungen oder anderen Veränderungen des Kräfteverhältnisses zwischen rivalisierenden Gesamtkonzepten - eine Verwundbarkeit, die ganz im Gegensatz zu der unerschütterlichen moralischen Kraft steht, die wir gewöhnlich mit Gerechtigkeit assoziieren (1993(3): 148).
Lösung/Rawls: Stattdessen entwickelt Rawls die Idee, dass T einen überlappenden moralischen Konsens zwischen {C1 , C2 , ... , Cn } darstellen sollte. Damit meint er, dass T für die Anhänger von C1 aus moralischen Gründen akzeptabel und für die Anhänger von C2 aus moralischen Gründen akzeptabel gemacht werden könnte, und so weiter.
Vielfalt/Toleranz/Locke/Kant/Rawls/Waldron: So kann zum Beispiel die Behauptung, dass religiöse Toleranz als eine Frage der Gerechtigkeit erforderlich ist, von Christen aus Locke'schen-Gründen, die mit der individualisierten Verantwortung eines jeden Menschen gegenüber Gott für seine eigenen religiösen Überzeugungen zu tun haben, von säkularen Locke-Anhängern aus Gründen der Unabänderlichkeit des Glaubens gegenüber Zwang, von Kantianern aus Gründen der hohen ethischen
Gaus I 96
Bedeutung, die der Autonomie beigemessen wird, von Anhängern von John Stuart Mill auf der Grundlage der Bedeutung der Individualität und des freien Zusammenspiels von Ideen usw. bestätigt werden. >Toleranz/Locke. Waldron: Ob dies tatsächlich funktioniert, ist eine Frage, die wir in Betracht zogen, als wir Ackermans Ansatz zur Neutralität diskutiert haben.
>Neutralität/Waldron.
Überlappender Konsens/WaldronVsRawls: Die Idee des überlappenden Konsenses geht davon aus, dass es viele Wege zum gleichen Ziel geben kann. Geografisch ist die Metapher plausibel genug, aber wenn das Ziel eine Reihe moralischer Prinzipien ist und "Routen" als Gründe für die Akzeptanz dieser Prinzipien gelesen werden, dann ist die Sache weniger klar. Anders als gesetzliche Regeln sind moralische Aussagen nicht nur Formeln. Ein Grundsatz lässt sich vielleicht am besten als normativer Satz zusammen mit den Gründen verstehen, die zu seiner Unterstützung ordnungsgemäß angeführt werden. In beiden Fällen unterscheidet sich das Prinzip der Duldung auf christlichem Weg von dem Prinzip der Duldung basierend auf Mill. Und dies ist ein Unterschied, der von Bedeutung sein kann, denn eine Theorie der Gerechtigkeit soll nicht nur eine Reihe von Slogans für eine Gesellschaft liefern, sondern sie soll auch die Mitglieder dieser Gesellschaft durch die Streitigkeiten führen, die sich darüber entzünden können, wie diese Slogans zu verstehen und anzuwenden sind.
>Gerechtigkeit/Liberalismus, >Liberalismus/Waldron.
WaldronVsRawls: Soziale Gerechtigkeit wirft schließlich Bedenken auf, die mit der Strategie der Vagheit oder Ausflucht, die mit einem sich überlappenden Konsens einhergeht, kaum zu bewältigen sind - indem man eine Reihe von Anodyne-Formeln aufstellt, die für alle Menschen alles bedeuten können.
Vgl. >Abtreibung/Rawls.

1. Rawls, John (1980) ‘Kantian constructivism in moral theory’. Journal of Philosophy, 77 (9): 515–72.
2. Rawls, John (1971) A Theory of Justice. Cambridge, MA: Harvard University Press.
3. Rawls, John (1993) Political Liberalism. New York: Columbia University Press.

Waldron, Jeremy 2004. „Liberalism, Political and Comprehensive“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications.

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Universalgeschichte Dilthey Gadamer I 203
Universalgeschichte/Dilthey/Gadamer: Das Ideal der Universalgeschichte [muss (...)] für die historische Weltansicht eine besondere Problematik gewinnen, sofern das Buch der Geschichte für jede Gegenwart ein im Dunkel abbrechendes Fragment ist. >Geschichtsschreibung.
Es fehlt dem universalen Zusammenhang der Geschichte die Abgeschlossenheit, die für die Philologen ein Text besitzt und die für den Historiker etwa eine Lebensgeschichte, aber auch die Geschichte einer vergangenen, vom Schauplatz der Weltgeschichte abgetretenen Nation, ja selbst die Geschichte einer Epoche, die abgeschlossen ist und hinter uns liegt, zu einem fertigen Sinnganzen, einem in sich verstehbaren Text zu machen scheint.
(...) auch Dilthey [hat] von solchen relativen Einheiten aus gedacht (...), und damit ganz auf der Grundlage der romantischen Hermeneutik weiter [ge]baut. Was es da wie dort zu verstehen gibt, ist ein Ganzes von Sinn, das sich da wie dort in der gleichen Abgehobenheit von dem Verstehenden selbst findet. Immer ist es eine fremde Individualität, die nach ihr eigenen Begriffen, Wertmaßstäben usw. beurteilt werden muss und die dennoch verstanden werden kann, weil Ich und Du des gleichen Lebens sind.
GadamerVsDilthey: So weit vermag die hermeneutische Grundlage zu tragen. Aber weder kann diese Abgehobenheit des Gegenstandes von seinem Interpreten, noch auch die inhaltliche Abgeschlossenheit eines Sinnganzen die eigentlichste Aufgabe des Historikers, die Universalgeschichte, mittragen. Denn die Geschichte ist nicht nur nicht am Ende - wir stehen als die Verstehenden selbst in ihr, als ein bedingtes und endliches Glied einer fortrollenden Kette.
>W. Dilthey.

Dilth I
W. Dilthey
Gesammelte Schriften, Bd.1, Einleitung in die Geisteswissenschaften Göttingen 1990

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Verallgemeinerung Freeden Gaus I 5
Verallgemeinerung/Individualität/Generalität/Politische Theorie/Freeden: (... ) die zunehmende Demokratisierung der Politik hat den Schwerpunkt der Wissenschaft von den 'großen Männern und Frauen' der Philosophie auf die moralischen Ansprüche verlagert, die jedes Individuum und alle Individuen an ihre Gesellschaften und die Vorteile, die sie aus dem gesellschaftlichen Leben ziehen sollten, stellen können. So wie Historiker heute nur noch selten die Geschichte von Königen und Königinnen erzählen, sondern ein starkes Interesse an der Volksgeschichte entwickelt haben, so haben sich politische Theoretiker wieder auf die individuelle Selbstentwicklung, Partizipation, Staatsbürgerschaft und bürgerliche Tugend konzentriert (Young, 1996: 479, 484-5), Begriffe, die den Anliegen der zeitgenössischen liberalen Theorie nahe stehen (...). Eine Manifestation davon ist die jüngste Faszination der Philosophen für Fragen der Gerechtigkeit.
>Selbstverwirklichung, >Partizipation.
Obwohl Gerechtigkeit eine systemische Eigenschaft einer gut organisierten Gesellschaft ist, wurde sie vor allem von John Rawls (1971) neu formuliert, indem er die korrekte Art und Weise der Erlangung von Fairness für den Einzelnen festlegte, und zwar durch Vorkehrungen, die sicherstellen, dass gewöhnliche Menschen selbst vernünftig über die Regeln der Gerechtigkeit entscheiden, die für sie gelten sollten.
>Gerechtigkeit, >Gerechtigkeit/Rawls, >J. Rawls.
Deontologie/Methode: Folglich wurde die Deontologie der Rechte und Pflichten überwiegend dem Individuum zugewiesen, und die anglo-amerikanische politische Philosophie hat sich gegen das Treffen von Gruppen und Gemeinschaften auf ihre fundamentale Erkenntnistheorie - eine Neigung zum Atomismus, die selbst ideologisch wie methodisch ist - gewehrt.
>Deontologie.
Universalität/Generalität: Darüber hinaus beruht dieser Ansatz auf der Annahme, dass die rational ausgeübten Fähigkeiten von Einzelpersonen in entscheidenden Fällen auf einer gemeinsamen Grundlage konvergieren und nicht in einer Reihe von akzeptablen, rationalen und guten Lösungen divergieren, die von einem gemeinsamen Kern ausgehen, wie John Stuart Mill angedeutet hatte.
>Allgemeinheit.

Freeden, M. 2004. „Ideology, Political Theory and Political Philosophy“. In: Gaus, Gerald F. 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications.

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Verstand Hume Deleuze I 7
Verstand/Hume: Der Verstand hat den Zweck, Leidenschaft gesellschaftsfähig zu machen.
I 24
Ihm geht es immer um das Wahrscheinlichkeitskalkül und um Regeln.
I 117
Verstand/Hume: Der Verstand reflektiert die Vergangenheit nach dem Prinzip der Erfahrung. Einbildungskraft/Hume: Die Einbildungskraft reflektiert die Zukunft nach dem Prinzip der Gewohnheit.
Glaube/Hume: Der Glaube ist die Klammer zwischen diesen beiden Dimensionen des Geistes.
Zeit/Hume: Zeit transformiert sich so, wenn sich das Subjekt so im Geist konstituiert.
>Geist/Hume.
I 40
Vernunft/Hume: Die Vernunft ist sedierte Affektivität; sie bringt uns dazu, die unzulässigen Komponenten in unseren Affekten zu beurteilen. Die wahre Dualität besteht nicht zwischen dem Affekt (der Natur) und der Vernunft (dem Künstlichen), sondern zwischen dem Gesamtzusammenhang der Natur und dem Geist, der diese Beziehung beeinflusst. Assoziation: darf nicht sediert werden.
>Assoziation/Hume.
D. Hume
I Gilles Delueze David Hume, Frankfurt 1997 (Frankreich 1953, 1988)
II Norbert Hoerster, "Hume: Existenz und Eigenschaften Gottes" aus J. Speck(Hg) Grundprobleme der großen Philosophen der Neuzeit I Göttingen, 1997

Deleuze I
Gilles Deleuze
Felix Guattari
Was ist Philosophie? Frankfurt/M. 2000

Hum I
G. Deleuze
David Hume , Frankfurt 1997
Weltgeschichte Hegel Höffe I 337
Weltgeschichte/Hegel/Höffe: Die Weltgeschichte ist durchaus eine Synthese von innerem und äußerem Staatsrecht, was sich fraglos auf eine (...) Steigerung, sogar deren Vollendung beläuft. Vgl. >Staat/Hegel.
Allerdings (...) besteht die Steigerung in einem nur subjektiven «Gericht», das ausdrücklich nicht als vernünftig gilt. Im Gegenteil, heißt es in den Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte(1), ist die Weltgeschichte eine «Schlachtbank, auf welcher das Glück der Völker, die Weisheit der Staaten und die Tugend der Individuen zum Opfer gebracht worden» sind. Trotzdem beharrt
Höffe I 338
Hegel auf seinem philosophischen Grundgedanken, die allgemeine Vernunft behaupte sich gegen die partikulare Willkür (von Völkern, Staaten und Individuen). >Frieden/Hegel. Fortschritt: Um den Fortschritt zu vollziehen, bedient sich nach Hegel die Vernunft
zweier «bewusstloser Werkzeuge», der «welthistorischen Individuen» (...) als auch der «Volksgeister», worunter im Sinne von Montesquieu oder auch Herder die Art zu verstehen ist, wie Völker ihr Recht und ihre Verfassung organisieren.
Volk/Völker: Hegel spricht vom «besonderen Nationalcharakter eines Volkes»(2). Beide Subjekte, die Individuen und die Volksgeister, folgen ihren eigenen Interessen und verhelfen trotzdem, so die List der Vernunft, der Vernunft qua freiem Willen zu Erfolg.
Weltgeist: Wenn Hegel dabei von Weltgeist spricht, so meint er keine abstruse Kraft, sondern die gesamte, namentlich das Recht, die Familie, die Wirtschaftswelt und die Gemeinwesen umfassende sittliche Welt der Menschheit.
Abfolge von vier „welthistorischen Reichen“: dem orientalischen, dem griechischen, dem römischen und dem germanischen Reich. Stufen:
1) (...) das orientalische Reich erfüllt nicht die Kriterien, die für den vorausgehenden Teil, das «innere Staatsrecht», gelten. Weil im «orientalischen Reich» die Staatsverfassung und Gesetzgebung mit Religion verquickt und die «individuelle Persönlichkeit rechtlos» ist, werden selbst die Bedingungen des systematisch ersten Teils, das «abstrakte Recht», nicht erfüllt(3).
>Recht/Hegel.
Höffe I 339
2) (...) in der «schönen sittlichen Individualität» des «griechischen Reiches», findet der Weltgeist «zur individuellen Geistigkeit, zur Schönheit und zur freien heiteren Sittlichkeit»(4). 3) Auf der nächsten Stufe, der «abstrakten Allgemeinheit» des «römischen Reiches», wird das sittliche Leben «in die Extreme persönlichen privaten Selbstbewusstseins und abstrakter Allgemeinheit zerrissen»(5).
4) Beim «germanischen Reich» schließlich, dem «nordischen Prinzip der germanischen Völker» (...) ist die wahrhafte Versöhnung laut Hegel objektiv geworden(6). Denn hier, so schließen die Grundlinien, entfaltet sich der Staat zum «Bilde und zur Wirklichkeit der Vernunft»(7).
>Weltgeist/Hegel, >Geschichte/Hegel.

1. G.W.F. Hegel, Vorlesungen zur Philosophie der Geschichte 1821-32 hrsg. v. E. Gans 1837
2. Hegel, Grundlinien der Philosophie des Rechts oder Naturrecht und Staatswissenschaft im Grundriss, 1820, § 3
3. Ebenda § 355
4. Ebenda § 356
5. Ebenda § 357
6. Ebenda § 358
7. Ebenda § 360
Westlicher Rationalismus Mbembe Brocker I 915
Westlicher Rationalismus/Mbembe/Herb: »Es war noch nie einfach, vernünftig über das subsaharische Afrika zu sprechen« (Mbembe 2016(1), 39). Mbembe macht dafür das dogmatische Bild des Westens verantwortlich, in dem Afrika vornehmlich als Zeichen von Mangel, Abwesenheit und Nicht-Sein erscheint, als Ort von Kannibalismus, Pandemien und Pest, kurzum als das absolut Andere des Westens.
Brocker I 916
Insofern ebnet es dem Westen gerade den Zugang zum eigenen Unbewussten und rechtfertigt die Gestalt der eigenen Subjektivität. An der Entstehung dieses Bildes sind viele beteiligt. Im Gefolge der Großdenker der Moderne von >Hegel bis Weber, nämlich all jene, die Subjektivität, Individualität und Rationalität als ausschließliche Errungenschaften des Westens feiern. >Subjektivität/Mbembe.
Demgegenüber erscheinen alle anderen Kulturen als traditionell, primitiv und unterentwickelt, unfähig, den Regeln der universellen Grammatik des Westens zu folgen. Mbembe benennt die unheilige Allianz von Moderne, Rationalität und Okzidentalität im eurozentrischen Selbstbild und will sie überwinden. Er verlangt nach einer grundlegenden philosophischen Kritik der westlichen Episteme.
So sieht er die Gewalt des westlichen Diskurses noch heute in den Sozial- und Geisteswissenschaften am Werk. Wirtschafts- und Politikwissenschaften etwa, so dürftig ihre Afrika-Expertise auch sein mag, führten mit den Forderungen nach good governance, freiem Markt und neoliberaler Weltordnung auf ihre Weise die Praktiken kolonialer Unterwerfung fort. Bei solcher Kritik wahrt Mbembe gleichermaßen Distanz zu marxistischen Dependenztheorien und zu Diskursen foucaultscher, neo-gramscianischer und poststrukturalistischer Façon.
>Subjektivität/Mbembe.

1. Achille Mbembe, De la postcolonie. Essai sur l’imagination politique dans l’Afrique contemporaine, Paris 2000. Dt.: Achille Mbembe, Postkolonie. Zur politischen Vorstellungskraft im Afrika der Gegenwart, Wien/Berlin 2016

Karlfriedrich Herb, „Achille Mbembe, Postkolonie (2000)“. in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Wissenschaft Windelband Wright I 19
Wissenschaft/Windelband/Wright, G. H.: Windelband prägte die Bezeichnung „nomothetisch“ für Wissenschaften, die auf der Suche nach Gesetzen sind, und „ideogaphisch“ für die deskriptive Untersuchen von Individualität. (W. Windelband, Geschichte und Naturwissenschaft, 1894, 1904)(1). >Gesetze, >Naturgesetze >Kausalität, >Ereignisse, >Prozess, >Beobachtung, >Experimente, >Methode.

1. Windelband, Wilhelm: Geschichte und Naturwissenschaft, 3. Auflage. Straßburg: Heitz 1904.

Windelband I
W. Windelband
Lehrbuch der Geschichte der Philosophie Tübingen 1993

WrightCr I
Crispin Wright
Wahrheit und Objektivität Frankfurt 2001

WrightCr II
Crispin Wright
"Language-Mastery and Sorites Paradox"
In
Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976

WrightGH I
Georg Henrik von Wright
Erklären und Verstehen Hamburg 2008
Zeichen Ricoeur I 24
Zeichen/Bedeutung/Ausdruck/Benennen/Ricoeur: [es gibt] im Zeichen eine Dualität (...) a) strukturale Dualität von sinnlichem Zeichen und der Bedeutung, die es trägt
b) intentionale Dualität von Zeichen und Sache oder benanntem Objekt.
Einerseits haben die je nach der Sprache phonetisch verschiedenen Wörter identischen Bedeutungen, andererseits bewirken diese Bedeutungen, dass die sinnlichen Zeichen für etwas stehe, das sie benennen; wir sagen, dass die Wörter aufgrund ihrer sinnlichen Qualität Bedeutungen ausdrücken und dass sie, dank ihrer Bedeutung, etwas
I 25
benennen. Bezeichnen/Bezeichnung/Ricoeur: das Wort „bezeichnen umfasst diese beiden Paare, das des Ausdrucks und das der Benennung. Nicht um diesen Dualismus handelt es sich beim Symbol. >Symbol/Ricoeur.

Ricoeur I
Paul Ricoeur
Die Interpretation. Ein Versuch über Freud Frankfurt/M. 1999

Ricoeur II
Paul Ricoeur
Interpretation theory: discourse and the surplus of meaning Fort Worth 1976
Zusammenhang Ranke Gadamer I 211
Zusammenhang/Geschichte/Freiheit/Notwendigkeit/Ranke/Gadamer: Die geschichtlichen Kräfte, die die eigentlichen Träger der geschichtlichen Entwicklung bilden, sind nicht wie die monadische Subjekivität des Individuums. Alle Individuation ist vielmehr selbst schon durch die entgegenstehende Realität mitgeprägt, und eben deshalb ist Individualität nicht Subjektivität, sondern lebendige Kraft. >Kraft/Ranke. Zusammenhang: Der Gebrauch der Kategorie der Kraft ermöglicht nun, den Zusammenhang in der Geschichte als eine primäre Gegebenheit zu denken. Kraft ist immer nur wirklich als ein Spiel der Kräfte, und Geschichte ist ein solches Spiel von Kräften, das Kontinuität erwirkt.
Ranke wie Droysen sprechen in diesem Zusammenhang davon, daß Geschichte eine „werdende Summe« ist, um damit allen Anspruch auf apriorische Konstruktion der Weltgeschichte abzuweisen, und sie meinen damit ganz auf dem Boden der Erfahrung zu stehen.(1)
GadamerVsRanke/GadamerVsdroysen: Es fragt sich aber, ob damit nicht doch mehr vorausgesetzt ist, als sie selber wissen. Dass die Universalgeschichte eine werdende Summe ist, heißt doch, dass sie ein - wenn auch unfertiges - Ganzes sei. Das aber ist keineswegs selbstverständlich. Qualitativ ungleiche Posten summieren sich nicht. Summierung setzt vielmehr voraus, dass die Einheit, unter der sie zusammengefasst werden, ihre Zusammenfassung schon vorgängig leitet. Diese Voraussetzung ist aber eine Behauptung. Die Idee der Einheit der Geschichte ist in Wahrheit nicht so formal und so unabhängig von einem inhaltlichen Verständnis „der« Geschichte, wie es scheint.(2)
Die Welt der Geschichte hat man durchaus nicht immer unter dem Aspekt der weltgeschichtlichen Einheit gedacht. Sie kann z. B. auch - wie bei Herodot - als ein moralisches Phänomen betrachtet werden. Als solches bietet sie eine Fülle von Exempla, aber keine Einheit. Was legitimiert die Rede von einer Einheit der Weltgeschichte? Diese Frage war ehedem leicht beantwortet, als man die Einheit eines Zieles und damit eines Planes in der Geschichte voraussetzte. Aber was ist der Generalnenner, der ein Zusamenzählen
Gadamer I 212
erlaubt, wenn ein solches Ziel und ein solcher Plan in der Geschichte nicht angenommen wird? >Einheit/Geschichte/Historismus, >Einheit/Geschichte/Ranke, >Kontinuität/Ranke.

1. Ranke, Weltgeschichte IX, S. 163;
2. Dass Ranke - und nicht als einziger - subsumieren als summieren denkt und schreibt (z. B. a. a. O. , S. 63), ist für die geheime Gesinnung der historischen Schule höchst bezeichnend.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977

Der gesuchte Begriff oder Autor findet sich in folgenden Thesen von Autoren des zentralen Fachgebiets.
Begriff/
Autor/Ismus
Autor
Eintrag
Literatur
Theorie Quine, W.V.O. VII 40ff
Empirismus/Quine: überreiche Ontologie. Wissenschaft hat doppelte Abhängigkeit von Sprache und Erfahrung, aber These: Diese Dualität kann nicht bis in einzelne Aussagen zurückverfolgt werden.
VII 42
Selbst wenn wir Aussagen als ganzes nehmen, ist unser Netz zu feinmaschig: Die Einheit der empirischen Bedeutung ist das Ganze der Wissenschaft.