Lexikon der Argumente


Philosophische Themen und wissenschaftliche Debatten
 
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Der gesuchte Begriff oder Autor findet sich in folgenden 98 Einträgen:
Begriff/
Autor/Ismus
Autor
Eintrag
Literatur
Ableitung Lyons I 198
Derivation/Tradition/Linguistik/Lyons : Wortableitung. Verfahren, wie Wörter aus bereits bestehenden (oder aus „Wurzeln“) gewonnen werden Bsp triumphal (Adjektiv) aus Triumph (Nomen) usw.
I 199
Der Grund, warum den klassischen Grammatiken im 19. Jahrh. ein Abschnitt über Derivation aufgepfropft wurde, liegt am Einfluss der neu zugänglich gewordenen Abhandlungen über Sanskrit, worauf man sich neuerdings für historische Sprachentwicklung (diachronisch) interessierte. Man erkannte, dass Flexion und Derivation vieles gemeinsam haben. Klassische Grammatik: unterschied sehr genau zwischen Flexion und Derivation:
Bsp singing: ist nur eine syntaktisch bedingte Form des Wortes sing.
Dagegen:
Bsp singer: ist ein eigenes Wort mit einer eigenen Reihe von Formen und einem eigenen Paradigma. ((s) Weil es selbst veränderlich ist, z.B. Plural und Deklination gebildet werden kann).


Ly II
John Lyons
Semantics Cambridge, MA 1977

Lyons I
John Lyons
Einführung in die moderne Linguistik München 1995
BBC Prison Study Haslam Haslam I 141
BBC Prison Study/BPS/Sozialpsychologie/Reicher/Haslam: Die BBC Prison Study (BPS) (Reicher und Haslam, 2006(1); siehe auch Haslam und Reicher, 2005(2), 2009(3)) (...) griff wieder Fragen auf, die durch Zimbardos >Stanford-Prison-Experiment (SPE) unter Verwendung desselben grundlegenden Paradigmas wie Zimbardos Studie aufgeworfen wurden - mit dem Ziel, das Verhalten von 15 Männern zu untersuchen, die zufällig in einer speziell konstruierten, gefängnisähnlichen Umgebung über einen Zeitraum von bis zu zwei Wochen Rollen als Wachen oder Gefangene ausübten, die ihnen zugewiesen wurden. ReicherVsZimbardo/HaslamVsZimbardo: die BPS unterschied sich von dem SPE in zwei wesentlichen Punkten: 1. Es wurde keine Regel innerhalb des Gefängnisses angenommen, so dass
Haslam I 141
[man] die Gruppendynamik studieren konnte, ohne sie direkt zu verwalten. 2. Die Studie umfasste eine Reihe von Manipulationen, die auf der Grundlage der Social Identity Theory (SIT) entwickelt worden waren. Es wird vorgeschlagen, dass Menschen nicht automatisch Rollen übernehmen, die mit der Gruppenzugehörigkeit verbunden sind, sondern erst, wenn sie sich mit der betreffenden Gruppe identifiziert haben (Tajfel und Turner, 1979)(4).
BPS/Reicher/Haslam: sein Ergebnis deutet auf eine ganz andere Analyse der Tyrannei hin als die von Zimbardo.
1) Dies liegt daran, dass die Teilnehmer des BPS, als sie sich der Tyrannei verschrieben, nicht in Bezug auf die von den Experimentatoren zugewiesenen Rollen handelten, sondern diese abgelehnt und neue Rollen angenommen hatten.
Haslam I 142
2) Es gab Unterschiede in der Begeisterung der Teilnehmer für diese tyrannische Lösung. Diejenigen, die am meisten Begeisterung zeigten, waren die Teilnehmer, die von Anfang an am autoritärsten waren. (...) Dies bedeutete, dass autoritäre Teilnehmer erst dann in der Lage waren, ihre autoritären Ambitionen auszudrücken und voranzutreiben, wenn sie durch ein Gefühl der gemeinsamen Identität, das sie sowohl gestählt als auch moderatere Individuen für ihre Sache gewonnen hatte, motiviert worden waren.


1. Reicher, S.D. and Haslam, S.A. (2006) ‘Rethinking the psychology of tyranny: The BBC Prison Study’, British Journal of Social Psychology, 45: 1–40.
2. Haslam, S.A. and Reicher, S.D. (2005) ‘The psychology of tyranny’, Scientific American Mind, 16(3): 44–51.
3. Haslam, S.A. and Reicher, S.D. (2009) The BBC Prison Study website. Available at: www.bbcprisonstudy.org.
4. Tajfel, H. and Turner, J.C. (1979) ‘An integrative theory of intergroup conflict’, in W.G. Austin and S. Worchel (eds), The Social Psychology of Intergroup Relations. Monterey, CA: Brooks/Cole. pp. 33–48.


S. Alexander Haslam and Stephen Reicher, „Tyranny. Revisiting Zimbardo’s Stanford Prison Experiment“, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic studies. London: Sage Publications

Haslam I
S. Alexander Haslam
Joanne R. Smith
Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017
Bedeutung McGarty Haslam I 239
Bedeutung/Psychologie/Stereotypen/Terminologie//McGarty: Def "differenzierte Bedeutung": (McGarty und Turner(1992)(1) ist die Bedeutung, die ein Verständnis widerspiegelt, dass sich eine Sache oder ein Set von Dingen von anderen unterscheidet. Dies ist wichtig im Zusammenhang mit der illusorischen Korrelation: Wenn wir davon ausgehen, dass die Wahrnehmenden in einer Studie zur illusorischen Korrelation motiviert sind, herauszufinden, inwiefern Gruppe A und Gruppe B sich unterscheiden (was vernünftigerweise anzunehmen ist, da der Experimentator ihnen unterschiedliche Bezeichnungen gegeben hat), dann führt dies zu der Frage, warum sie dazu neigen, eine Gruppe als besser als die andere zu betrachten. >Stereotypbildung/McGarty, >Illusorische Korrelation/Psychologische Theorien.
Eine differenzierte Bedeutung könnte von Menschen im Paradigma der illusorischen Korrelation aus dem Prozess der Interpretation der Reizinformationen in einer Weise abgeleitet werden, die sich nicht auf Vorstellungen von Unterscheidungskraft stützte. >Illusorische Korrelation/McGarty, >Soziales Verhalten/McGarty.



1. McGarty, C. and Turner, J.C. (1992) ‘The effects of categorization on social judgment’, British Journal of Social Psychology, 31: 253–68.



Craig McGarty, „Stereotype Formation. Revisiting Hamilton and Gifford’s illusory correlation studies“, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic studies. London: Sage Publications

Haslam I
S. Alexander Haslam
Joanne R. Smith
Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017
Begriffe Aristoteles Gadamer I 436
Begriffe/Aristoteles/Gadamer: [in der] Epagoge-Analyse(1) (...) hatte Aristoteles (...) auf die geistreichste Weise offengelassen, wie es eigentlich zur Bildung von Allgemeinbegriffen kommt. (...) er [trägt] damit dem Umstand Rechnung (...), dass die natürliche Begriffsbildung der Sprache immer schon im Gang ist. Insofern besitzt auch nach Aristoteles die sprachliche Begriffsbildung eine ganz undogmatische Freiheit, indem das, was in der Erfahrung aus dem Begegnenden als gemeinsam herausgesehen wird und so zum Allgemeinen führt, den Charakter einer bloßen Vorleistung hat, die zwar am Anfang der Wissenschaft steht, aber noch nicht Wissenschaft ist.
Beweise/Wissenschaft/AristotelesVsSpeusippos/AristotelesVsPlaton: Sofern die Wissenschaft das Zwingende des Beweises als Ideal aufstellt, muss sie über solche Verfahrensweisen hinauskommen. So hat Aristoteles die Lehre Speusipps von dem Gemeinsamen ebenso wie die dihairetische Dialektik Platos von seinem Beweisideal her kritisiert. Vgl. >Analogien/Speusippos; >Sprache/Aristoteles.


1. An. Post. B 19.


Adorno XII 50
Begriffe/Aristoteles/Diogenes Laertius/Adorno: Laut Diogenes Laertius gebraucht Aristoteles verschiedene Namen für dieselbe Sache: So nennt er Ideen auch Form (Eidos), Gattung (Genos), Muster (Paradigma) und Anfang (Prinzip, Arche).

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977

A I
Th. W. Adorno
Max Horkheimer
Dialektik der Aufklärung Frankfurt 1978

A II
Theodor W. Adorno
Negative Dialektik Frankfurt/M. 2000

A III
Theodor W. Adorno
Ästhetische Theorie Frankfurt/M. 1973

A IV
Theodor W. Adorno
Minima Moralia Frankfurt/M. 2003

A V
Theodor W. Adorno
Philosophie der neuen Musik Frankfurt/M. 1995

A VI
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften, Band 5: Zur Metakritik der Erkenntnistheorie. Drei Studien zu Hegel Frankfurt/M. 1071

A VII
Theodor W. Adorno
Noten zur Literatur (I - IV) Frankfurt/M. 2002

A VIII
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 2: Kierkegaard. Konstruktion des Ästhetischen Frankfurt/M. 2003

A IX
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 8: Soziologische Schriften I Frankfurt/M. 2003

A XI
Theodor W. Adorno
Über Walter Benjamin Frankfurt/M. 1990

A XII
Theodor W. Adorno
Philosophische Terminologie Bd. 1 Frankfurt/M. 1973

A XIII
Theodor W. Adorno
Philosophische Terminologie Bd. 2 Frankfurt/M. 1974
Beobachtung Kuhn I 49
Beobachtung/Empirie/Paradigma/Fortschritt/Wissenschaft/Kuhn: nur rückblickend im Besitz eines späteren Paradigmas, können wir sehen, welche Eigenschaften von elektrischen Phänomenen die Beobachtungen darstellen.

Kuhn I
Th. Kuhn
Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen Frankfurt 1973
Bewusstsein Rorty Rorty I 60
Bewusstsein: die Antike hatte dafür keinen Namen.
III 37/38
RortyVsRyle/RortyVsDennett: deren Zweifel, ob es etwas wie »Geist« oder "Bewusstsein" gibt, hat mit der Vorstellung von einem Medium zwischen dem selbst unter Realität zu tun, einem Medium, dass Realisten für transparent und Skeptiker für opak gehalten. Rorty: da gibt es gar kein Medium.
VI 176
Bewusstsein/Rorty: Welches Ergebnis wünschen wir uns denn als Resultat unserer Forschung? Warum sollten wir unsere intuitiven Anschauungen verändern wollen? Weder Intuition noch ambitioniertes Streben bieten einen archimedischen Punkt.
Frank I 584
Bewusstsein/Rorty: gibt es im Sinne eines eigenständigen Bereichs von Mentalem in Wirklichkeit gar nicht - mentale Ereignisse sind Konventionen, ein kontingentes Sprachspiel - These: das kann ohne Verlust abgeschafft werden.
Richard Rorty (I970b) : Incorrigibility as th e Mark of the Mental, in: The
Journal of Philosophy 67 (1970), 399-424
Dt.: Unkorrigierbarkeit als das Merkmal des Mentalen, in : Peter Bieri (Ed.) (1981): Analytische Philosophie des Geistes,Königstein 1981 (Philosophie, Analyse und Grundlegung; Bd. 6)


Rorty I 132
Mentales/Ryle/Rorty: These: mentale Zustände wie Meinungen, Wünsche usw. sind Eigenschaften nicht des Bewusstseins, sondern der Person. >Geist/Geistzustand.
III 37
Bewusstsein/Geist/RortyVsRyle/RortyVsDennett: Geist bzw. Bewusstsein sind kein Medium zwischen einem selbst und der Realität.
III 67
Bewusstsein/Kant/Rorty: zwei Teile: a) vernünftig: bei allen gleich b) empirisch, kontingent. - Dagegen: Freud: behandelt Rationalität als einen Mechanismus, der Kontingenzen anderen Kontingenzen anpasst. - Schon Platon: (Staat) Gewissen = verinnerlichte Eltern und Gesellschaft. - Vernunft/Kant: allgemeine Prinzipien - FreudVsKant: zum Besonderen zurückkehren. - Kant: ehrliche Menschen seien paradigmatisch. - Freud: nichts Menschliches ist paradigmatisch.
VI 147
Bewusstsein/Verhalten/Wittgenstein/Rorty: falsche Frage: "Ist das Verhalten eine andere Tatsache als das Bewusstsein?" - Wittgenstein: wir sollten nicht versuchen, zwischen Sprache und Gegenstand zu treten.

Rorty I
Richard Rorty
Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997

Rorty II
Richard Rorty
Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000

Rorty II (b)
Richard Rorty
"Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (c)
Richard Rorty
Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (d)
Richard Rorty
Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (e)
Richard Rorty
Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (f)
Richard Rorty
"Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (g)
Richard Rorty
"Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty III
Richard Rorty
Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992

Rorty IV (a)
Richard Rorty
"is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty IV (b)
Richard Rorty
"Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty IV (c)
Richard Rorty
"Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty IV (d)
Richard Rorty
"Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty V (a)
R. Rorty
"Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983
In
Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998

Rorty V (b)
Richard Rorty
"Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984
In
Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988

Rorty V (c)
Richard Rorty
The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992)
In
Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988

Rorty VI
Richard Rorty
Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000

Fra I
M. Frank (Hrsg.)
Analytische Theorien des Selbstbewusstseins Frankfurt 1994
Biopolitik Foucault Brocker I 833
Biopolitik/MuhleVsAgamben/Foucault: Während sich Agambens Verschränkung von Biopolitik und souveräner Macht als Paradigma der modernen Politik und als Entfaltung einer politischen Rationalität – der Rationalität der Ausnahme – versteht, trägt der Foucault’sche Begriff der Biopolitik (1) der Tatsache Rechnung, dass die Geschichte der politischen Macht immer von Diskontinuitäten und heterogenen Machtformen bestimmt ist. In diesem Sinne liefert eine differenzierende Untersuchung Untersuchung der biopolitischen Machtmechanismen, das heißt ihrer Funktionsweisen und ihrer Gegenstände, so wie Foucault sie vornimmt, ein im Vergleich zu den Analysen Agambens besseres Verständnis der zeitgenössischen Machtformen, an das sich dann eine politische Haltung anknüpfen kann.


1. Vgl. Foucault, Sexualität und Wahrheit, Bd. 1: Der Wille zum Wissen, Frankfurt/M. 1977.


Maria Muhle, „Giorgio Agamben, Homo sacer – Die souveräne Macht und das nackte Leben“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Foucault I
M. Foucault
Die Ordnung der Dinge. Eine Archäologie der Humanwissenschaften Frankfurt/M. 1994

Foucault II
Michel Foucault
Archäologie des Wissens Frankfurt/M. 1981

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Bourgeois/Citoyen Rousseau Mause I 46
Citioyen/citizen/Rousseau: Nur in einem republikanischen Gemeinwesen kommt der Einzelne in den Genuss der „bürgerlichen Freiheit“ (1), weil nur die Gesetzeskraft des Gemeinwillens das Eigentumsrecht normativ wirksam begründet und er sich als citoyen zugleich als Urheber aller Gesetze verstehen kann, der damit, indem er der volonté générale gehorcht, letztlich nur sich selbst gehorcht, also autonom ist – eine Einsicht, die wiederum seine „moralische Freiheit“ (2) ausmacht und bei deren Ausbleiben es Rousseau zufolge angebracht ist, dass „man ihn dazu zwingt, frei zu sein“. (3) Im Falle eines Konfliktes zwischen den privaten Interessen des bourgeois und der im gemeinwohlorientierten citoyen verkörperten volonté générale ist also letztere ausschlaggebend, und darin verdichtet sich in paradigmatischer Weise das republikanische Primat der Politik bei Rousseau im Hinblick auf das Verhältnis zur Wirtschaft.
1. J.-J. Rousseau, Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des Staatsrechts. In Politische Schriften, Hrsg. Ludwig Schmidts, Bd.1, Paderborn 1977, S. 79
2. Ebenda
3. Ebenda S. 77

Rousseau I
J. J. Rousseau
The Confessions 1953

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Charakterzüge Psychologische Theorien Corr I 11
Charakterzüge/Psychologische Theorien: Gordon Allport (1937)(1) argumentierte, dass Eigenschaften ein zentrales Konzept der Persönlichkeit sind, das auf europäischer Forschung und Theorie aufbaut (Matthews und Deary 1998)(2). Forscher haben eine Vielzahl von spezifischen Charakterzügen wie Feldabhängigkeit, Sensationssuche und Leistungsmotivation gemessen und aus domänenspezifischen Persönlichkeitstests spezifische Verhaltensweisen vorhergesagt. Das Merkmalskonzept erlitt einen Rückschlag, als Walter Mischel (1968)(3) darauf hinwies, dass Situationen bei der Vorhersage von Verhalten einflussreicher waren als Eigenschaften. Diese situative Herausforderung an das Merkmalsparadigma kam mit dem Aufstieg der Sozialpsychologie und dem Niedergang der Persönlichkeitspsychologie als Teilgebiete der Psychologie. Siehe >Situationen/Mischel. Mischel selbst bot später eine konzeptionell anspruchsvollere, interaktionistischere Version der Merkmalstheorie an, in der die Wirkung der Eigenschaft einer Person vom situativen Kontext des Verhaltens abhängt (Mischel und Shoda 1995)(4).


1. Allport, G. W. 1937. Personality: a psychological interpretation. New York: Holt
2. Matthews, G. and Deary, I. J. 1998. Personality traits. Cambridge University Press
3. Mischel, W. 1968. Personality and assessment. New York: Wiley
4. Mischel, W. and Shoda, Y. 1995. A cognitive-affective system theory of personality: reconceptualizing situations, dispositions, dynamics, and invariance in personality structure, Psychological Review 102: 246–68


Susan Cloninger, “Conceptual issues in personality theory”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press.

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Citizen Science Edwards Edwards I 580
Citizen Science/Edwards: citizen science websites, and others like them, represent remarkable new possibilities for open access and citizen involvement in climate monitoring and modeling. On its face this seems salutary, and perhaps it will be. Yet such projects pull in multiple directions, not all of which lead to improvement in the quality of climate science. For example, while the National Science Foundation and numerous other agencies promote and even require data sharing, the paradigmatic case of such sharing is re-use of data by other scientists—not auditing by amateurs, no matter how knowledgeable and well educated they may be. The more open you make your science, the more effort you must expend to provide your data and to assist people in interpreting it. In the case of climate change, that effort can become onerous, even overwhelming; it can stop you from doing science at all. The “hockey stick” case (>Hockey stick controversy/Edwards) dragged Michael Mann and his co-authors into a years-long morass of hearings, letters, and public defenses of their data and methods, during which they could have been doing research. Yet if you close your science up, excluding outsiders by refusing them access to data and
Edwards I 581
methods, not only will you raise suspicions and open yourself to accusations of elitism; you also may miss real scientific benefits from unusual critiques and creative ideas “outside the box” of your field’s traditions. Climate Audit’s detection of errors in the GISS temperature data and Clear Climate Code’s discovery of bugs in GISTEMP are clearly beneficial, as GISS has acknowledged. But SurfaceStations.org went beyond surveying stations. It analyzed the survey results, then posted graphics and published a report indicating a large warm bias in the US Historical Climatology Network. Perhaps the survey is accurate, but in the absence of peer review this conclusion remains highly uncertain, and the rationale for posting those results on a public website is highly questionable. Similarly, the value of citizens’ interventions in the “hockey stick” controversy is not clear. >Hockey stick controversy/Edwards. Climatology/citizen science/Edwards: Blogs and citizen science initially appear to increase the transparency of climate knowledge. On their face, they look like another mode of infrastructural inversion. They can certainly contribute to extending “ownership” of the knowledge-production process, which can broaden consensus. But on closer examination, their effects so far are decidedly mixed. Some have contributed new insight, helping to improve the scientific infrastructure by inverting it. At least as often, however, they promote confusion, suspicion, false information, and received ideas.
Edwards I 582
To the extent that these new forms can be brought within some framework of credentialing and peer review, they may contribute substantially to climate knowledge. To the extent that they undermine those processes—and the danger that they will do so, at least in the near term, is great - they represent ideological and political strategies rather than knowledge projects. >IPCC/Edwards.

Edwards I
Paul N. Edwards
A Vast Machine: Computer Models, Climate Data, and the Politics of Global Warming Cambridge 2013
Deliberative Demokratie Sozialwahltheorie Gaus I 146
Deliberative Demokratie/Sozialwahltheorie/Dryzek: Die deliberative Demokratie hat drei prominente Gruppen von Kritikern, die ansonsten absolut nichts gemeinsam haben: die Sozialwahl-Theoretiker, die Diversitätstheorien (engl. difference democrats) und die skeptischen Egalitaristen. Vgl. >Demokratie/Riker, >Demokratie/Sozialwahltheorie.
Gaus I 147
Dryzek: [Die Sozialwahltheorie] (...) liefert eine Reihe von Warnungen darüber, wie demokratische Politik aussehen könnte, wenn sich die politischen Akteure nach der Art des Homo oeconomicus verhalten würden, und wenn es keine Mechanismen gäbe, um diese Verhaltensvorlieben und ihre Folgen einzudämmen. Die deliberative Demokratie bietet sowohl ein kommunikatives Paradigma des Menschseins als auch Mechanismen, um den Homo Oeconomicus und seine Interaktionen unter Kontrolle zu bringen (eine nicht-deliberative Alternative findet sich in Shepsles 1979(1), die Idee des strukturinduzierten Gleichgewichts von 1979). Nun können Sozialwahl-Theoretiker immer noch versuchen, die Deliberation mit kaltem Wasser zu übergießen, denn es ist leicht nachzuweisen, dass gerade die Bedingungen des freien Zugangs, der Gleichheit und der uneingeschränkten Kommunikation, die einer authentischen Deliberation förderlich sind, genau die Bedingungen sind, die Instabilität, Willkür und damit strategische Manipulation begünstigen (van Mill, 1996(2); siehe auch Grofman, 1993(3): 1578; Knight und Johnson, 1994)(4).
VsVs: Abwägende Demokraten können antworten, dass es Mechanismen gibt, die der Deliberation immanent sind und die Präferenzen so strukturieren, dass Probleme der sozialen Wahl gelöst werden (Dryzek und List, 2003(5)). Beispielsweise kann die Deliberation eine Dimension, in der die Präferenzen nicht einen einzigen Höhepunkt erreichen (eine Hauptursache für Zyklen über drei oder mehr Alternativen hinweg, die der Grund für die von Riker identifizierte Art von Instabilität sind), in mehrere Dimensionen zerlegen, in denen jeweils ein einziger Höhepunkt vorherrscht (Miller, 1992)(6).
VsDemokratie: In dem Maße, in dem diese deliberative Antwort gelingt, untergräbt die Sozialwahl-Kritik nur eine aggregierte Darstellung von Demokratie, in der sich alle Akteure strategisch verhalten, und kann tatsächlich eingesetzt werden, um zu zeigen, warum Deliberation notwendig ist.


1. Shepsle, Kenneth (1979) 'Institutional arrangements and equilibrium in multidimensional voting models'. American Journal of Political Science, 23:27—60.
2. Van Mill, David (1996) 'The possibility of rational outcomes from democratic discourse and procedures'. Journal of Politics, 58:734-52.
3. Grofman, Bernard (1993) 'Public choice, civic republicanism, and American politics: perspectives of a "reasonable choice" modeler'. Texas Law Review, 71: 1541-87.
4. Knight, Jack and James Johnson (1994) 'Aggregation and Deliberation: On the possibility of democratic legitimacy'. Political Theory, 22: 277-96.
5. Dryzek, John S. and Christian List (2003) 'Social choice theory and deliberative democracy: a reconciliation'. British Journal of Politica1 Science, 33: 1-28.
6. Miller, David (1992) 'Deliberative democracy and social choice'. Political Studies, 40 (special issue): 54—67.

Dryzek, John S. 2004. „Democratic Political Theory“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Egoismus Tajfel Haslam I 173
Egoismus/Selbstinteresse/Tajfel: VsTajfel: Problem: Der Ausschluss der Rolle des Eigeninteresses in den Minimalgruppenstudien (>Minimale Gruppe/Tajfel, >Gruppenverhalten/Tajfel, >Soziale Identitätstheorie/Tajfel) hat sich als nicht einfacher erwiesen als der Ausschluss in Fällen von Altruismus (eine Debatte, die in der Psychologie allgemein weiter wütet). Minimale Gruppe/Psychologische Theorien: Im Minimalgruppen-Paradigma vergeben die Teilnehmer immer Belohnungen an ein anderes Gruppen- oder Outgroup-Mitglied [ein Mitglied außerhalb der eigenen Gruppe], aber nie an sich selbst. Formal gibt es also keine Möglichkeit zum Eigeninteresse. Die Forscher haben jedoch argumentiert, dass es eine Erwartung geben kann, dass die Mitglieder einer Gruppe ihre eigene Gruppe bevorzugen werden, und so macht es Sinn (und ist rational), andere Mitglieder der Gruppe zu bevorzugen. Mit anderen Worten, es gibt Annahmen über die Interdependenz oder Gegenseitigkeit innerhalb der Gruppe, die den Bevorzugungseffekt der Gruppe erklären könnten. (Rabbie et al. 1989)(1).
Interaktion/Rabbie: (Rabbie et al. 1989)(1) schlugen ein 'Behavioural Interaction Model' vor, um dieses Argument der Interdependenz und Gegenseitigkeit zu formalisieren. Um dies zu testen, entwickelten sie ein Experiment mit verschiedenen Bedingungen, bei dem explizit festgelegt wurde, ob die Teilnehmer Vergütungszuweisungen von der InGroup (ID) [der eigenen Gruppe], der OutGroup (OD) oder beidem (IOD) erhalten (d.h. abhängig sind).
VsRabbie: Die Teilnehmer tendierten immer noch dazu, die InGroup in der ausgewogeneren IOD-Bedingung zu bevorzugen, und Richard Bourhis und Kollegen (1997)(2) weisen in einer Kritik dieser Forschung darauf hin, dass Parität oder Fairness in diesem Fall eine gültigere Vorhersage wäre, wenn nur Gegenseitigkeit am Werk wäre.
Haslam I 174
Eigeninteresse kann helfen zu erklären, warum die Teilnehmer danach streben, den Gewinn der Gruppe zu maximieren, aber es ist schwierig zu erklären, warum sie den Gewinn der Gruppe opfern, um einer Gruppe die Vorteile zu entziehen. >Reziprozität/Psychologische Theorien.


1. Rabbie, J.M., Schot, J.C. and Visser, L. (1989) ‘Social identity theory: A conceptual and empirical critique from the perspective of a behavioural interaction model’, European Journal of Social Psychology, 19: 171–202.
2. Bourhis, R.Y., Turner, J.C. and Gagnon, A. (1997) ‘Interdependence, social identity and discrimination’, in R. Spears, P.J. Oakes, N. Ellemers and S.A. Haslam (eds), The Social Psychology of Stereotyping and Group Life. Oxford: Blackwell. pp. 273–95.



Russell Spears and Sabine Otten,“Discrimination. Revisiting Tajfel’s minimal group studies“, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic studies. London: Sage Publications

Haslam I
S. Alexander Haslam
Joanne R. Smith
Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017
Eltern-Kind-Beziehung Psychologische Theorien Slater I 18
Eltern-Kind-Beziehung/Psychologische Theorien: Ein großer Fortschritt sowohl in menschlichen als auch in tierischen Modellen der frühen sozialen Erfahrung war die Erkenntnis, dass es natürlich auftretende Variabilität im Betreuungsverhalten der Mütter gab. In ihren Beobachtungen von Müttern und ihren Säuglingen im häuslichen Umfeld entwickelte Mary Ainsworth Codes zur Unterscheidung zwischen sensiblem und unsensiblem Pflegeverhalten (Ainsworth et al., 1978)(1). Säuglinge, die eine sensible Betreuung erfuhren, wurden anschließend in Labortests nach dem Paradigma der fremden Situation (>Situation/Ainsworth) nach 12 und 18 Monaten als sicher eingestuft.
Die Sicherheit von Säuglingen in der seltsamen Situation wiederum hat Aspekte der späteren Anpassung von Kindern in Vorschule, Kindheit und Jugend vorhergesagt (Sroufe et al., 2005)(2). Die Vorstellung, dass individuelle Unterschiede in der Qualität der von der Mutter erhaltenen Pflege langfristige Auswirkungen auf psychosoziale Ergebnisse haben können, wurde in der Regel in mehreren großen Längsschnittstudien bestätigt (Belsky & Fearon, 2002)(3).
Ein Nagetier-Modell zur Untersuchung der frühen mütterlichen Betreuung verwendet natürlich auftretende Variationen im mütterlichen Verhalten in den ersten acht Tagen nach der Geburt (Champagne & Meaney, 2007)(4).
Die direkte Beobachtung der Mutter-Welpen-Interaktionen bei normal aufgezogenen Tieren identifizierte zwei Formen des mütterlichen Verhaltens - diejenigen, die das Lecken/Pflegen von Welpen (LG) beinhalten, und eine weitere, die durch die Pflege mit gebogenem Rücken (ABN) gekennzeichnet ist, bei der eine Mutter ihre Welpen mit auffällig gewölbtem Rücken pflegt. Da die beiden Arten des mütterlichen Verhaltens tendenziell zusammen auftreten, könnten Mütter entweder als hoch oder niedrig LG-ABN klassifiziert werden.
Die Folgen für die Nachkommen des verschiedenen mütterlichen Verhaltens wurden durch die intergenerationelle Stabilität des mütterlichen Verhaltens festgestellt, wobei Mütter, die viel LB-ABN aufwiesen, ein ähnliches mütterliches Verhalten wie ihre Nachkommen zeigten, als sie später Mütter wurden. Außerdem zeigten sie eine erhöhte explorative Aktivität der Nachkommen und verringerte Schreckreaktionen als Erwachsene (Cameron, Champagne, & Parent, 2005)(5).
Die gekreuzte Aufzucht von hochrangigen LG-Müttern mit Rattenwelpen diente dazu, die genetische Übertragung von intergenerationellen Effekten auszuschließen. Nachkommen von Müttern mit niedrigem LG-Gehalt, die mit hohen LG-Pflegemüttern abgestimmt waren, zeigten ein hohes mütterliches Verhalten durch LG. Die frühe Exposition gegenüber Müttern mit hohem LG hat auch Auswirkungen auf das spätere sexuelle und reproduktive Verhalten weiblicher Nachkommen (Cameron et al., 2005(5); Curley, Champagne, & Bateson, 2008)(6). >Umwelt/Entwicklungspsychologie.


1. Ainsworth, M. D. S., Blehar, M. C., Waters, E., & Wall, S. (1978). Patterns of attachment: A psychological study of the strange situation. Hillsdale, NJ: Erlbaum
2. Sroufe, L. A., Carlson, E., Egeland, B., & Collins, A. (2005). The development of the person: The Minnesota study of risk and adaptation from birth to adulthood. New York, NY: Guilford Press
3. Belsky, J., & Fearon, R. M. P. (2002). Early attachment security, subsequent maternal sensitivity, and later child development: Does continuity in development depend upon continuity of caregiving? Attachment & Human Development, 4, 361–387.
4. Champagne, F., & Meaney, M. (2007). Transgenerational effects of social environment on variations in maternal care and behavioral response to novelty. Behavioral Neuroscience, 121, 1353–1363.
5. Cameron, N., Champagne, F., & Parent, C. (2005). The programming of individual differences in defensive responses and reproductive strategies in the rat through variations in maternal care. Neuroscience & Biobehavioral Reviews, 29, 843–865
6. Curley, J., Champagne, F., & Bateson, P. (2008). Transgenerational effects of impaired maternal care on behaviour of offspring and grand offspring. Animal Behaviour, 75, 1551–1561


Roger Kobak, “Attachment and Early Social deprivation. Revisiting Harlow’s Monkey Studies”, in: Alan M. Slater and Paul C. Quinn (eds.) 2012. Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications

Slater I
Alan M. Slater
Paul C. Quinn
Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2012
Emotionale Bindung Ainsworth Slater I 15
Emotionale Bindung/Ainsworth: Ainsworth (1989)(1) betonte, dass sich emotionale Bindungen auf der Grundlage des Verhaltenssystems, das die Bindungsbildung motivierte, unterschieden. Während die Bindung der Kinder an die Betreuer durch das Bindungssystem motiviert wurde, wurde die Bindung der Erwachsenen an das Kind durch das Pflegesystem motiviert. Die Bindung an einen Altersgenossen kann entweder durch die Zugehörigkeit im Falle von Freunden oder durch sexuelle und reproduktive Systeme im Falle von Erwachsenenpaarbindungen motiviert sein.
Slater I 18
Ein großer Fortschritt sowohl in menschlichen als auch in tierischen Modellen der frühen sozialen Erfahrung war die Erkenntnis, dass es natürlich auftretende Variabilität im Betreuungsverhalten der Mütter gab. In ihren Beobachtungen von Müttern und ihren Säuglingen im häuslichen Umfeld entwickelte Mary Ainsworth Codes zur Unterscheidung zwischen sensiblem und unsensiblem Pflegeverhalten (Ainsworth et al., 1978)(2). Säuglinge, die eine sensible Betreuung erfuhren, wurden anschließend in Labortests nach dem Paradigma der fremden Situation (>Situation/Ainsworth) nach 12 und 18 Monaten als sicher eingestuft.
Die Sicherheit von Säuglingen in der seltsamen Situation wiederum hat Aspekte der späteren Anpassung von Kindern in Vorschule, Kindheit und Jugend vorhergesagt (Sroufe et al., 2005)(3). Die Vorstellung, dass individuelle Unterschiede in der Qualität der von der Mutter erhaltenen Pflege langfristige Auswirkungen auf die psychosozialen Ergebnisse haben können, wurde im Allgemeinen in mehreren großen Längsschnittstudien bestätigt (Belsky & Fearon, 2002)(4).


1. Ainsworth, M. S. (1989). Attachments beyond infancy. American Psychologist, 44, 709–716.
2. Ainsworth, M. D. S., Blehar, M. C., Waters, E., & Wall, S. (1978). Patterns of attachment: A psychological study of the strange situation. Hillsdale, NJ: Erlbaum
3. Sroufe, L. A., Carlson, E., Egeland, B., & Collins, A. (2005). The development of the person: The Minnesota study of risk and adaptation from birth to adulthood. New York, NY: Guilford Press
4. Belsky, J., & Fearon, R. M. P. (2002). Early attachment security, subsequent maternal sensitivity, and later child development: Does continuity in development depend upon continuity of caregiving? Attachment & Human Development, 4, 361–387.


Roger Kobak, “Attachment and Early Social deprivation. Revisiting Harlow’s Monkey Studies”, in: Alan M. Slater and Paul C. Quinn (eds.) 2012. Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications

Slater I
Alan M. Slater
Paul C. Quinn
Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2012
Emotionale Bindung Psychologische Theorien Slater I 17
Emotionale Bindung/Psychologische Theorien: (vgl. >Emotionale Bindungen/Bowlby, >Verhalten/Harlow, >Experimente/Harlow) Studien über frühe Erfahrungen mit Nagetieren haben die Natur von Trennungen, die dauerhafte negative Auswirkungen haben können, weiter qualifiziert. Tägliche Trennungen sind ein normaler Bestandteil der sich entwickelnden emotionalen Bindung beim Menschen, und die Fähigkeit des Kleinkindes, nach der Trennung wieder Kontakt mit dem Betreuer herzustellen, ist entscheidend für den Erhalt der Bindung. Dieser Punkt wurde durch die Arbeit von Seymour Levine mit Nagetieren veranschaulicht. Er entwickelte ein "early handling"-Paradigma, in dem entdeckt wurde, dass Rattenwelpen, die kurze 15-minütige Trennungen von ihren Müttern erlebten, als Erwachsene in einem Vermeidungslern-Paradigma besser abschneiden als Welpen, die nicht von ihren Müttern getrennt wurden (Suomi & Levine, 1998)(1). Dieses Ergebnis veranschaulichte, wie die Exposition gegenüber normal auftretenden oder "intermittierenden Stressoren" in der frühen Entwicklungsphase zur Entwicklung effektiver Bewältigungsstrategien im späteren Leben führt. Levines frühes Handhabungsparadigma und die Auswirkungen von intermittierenden Stressoren wurden konsequent sowohl in Nagetier- als auch in Affenmodellen repliziert (Lyons et al., 2010)(2).

1. Suomi, S., & Levine, S. (1998). Psychobiology of intergenerational effects of trauma: Evidence from animal studies. In Y. Daneli (Ed.), International handbook of multigenerational legacies of trauma (pp. 623–637). New York: Plenum Press
2. Lyons, D. M., Parker, K. J., & Schatzberg, A. F. (2010). Animal models of early life stress: Implications for understanding resilience. Developmental Psychobiology, 52, 616–624.


Roger Kobak, “Attachment and Early Social deprivation. Revisiting Harlow’s Monkey Studies”, in: Alan M. Slater and Paul C. Quinn (eds.) 2012. Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications

Slater I
Alan M. Slater
Paul C. Quinn
Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2012
Ende der Geschichte Politik Deutschlands Krastev I 54
Ende der Geschichte/Politik Deutschlands/Krastev: Was die Europäer und insbesondere die Deutschen am Paradigma des Endes der Geschichte faszinierte, so [Thomas] Bagger, war, dass es sie sowohl von den Lasten der Vergangenheit als auch von den Ungewissheiten der Zukunft befreite: "Gegen Ende eines Jahrhunderts, das dadurch gekennzeichnet war, zweimal auf der falschen Seite der Geschichte gestanden zu haben, fand sich Deutschland schließlich auf der richtigen Seite. Was jahrzehntelang unmöglich, ja undenkbar ausgesehen hatte, schien plötzlich nicht nur real, sondern tatsächlich unvermeidlich zu sein'(1). Die beobachtbare
Krastev I 55
Transformation der mittel- und osteuropäischen Länder in parlamentarische Demokratien und Marktwirtschaften wurde als empirischer Beweis für die Gültigkeit der kühnen Behauptung angesehen, dass die Menschheit in ihrem Streben nach Freiheit nicht weiter als bis zur liberalen Demokratie westlichen Stils zu schauen braucht. Krastev: In einer Welt, die von dem moralischen Imperativ regiert wird, das unüberwindbare Modell der liberalen Demokratie westlichen Stils nachzuahmen, muss kein Land durch seine Vergangenheit gefangen sein oder gezwungen werden, Verantwortung für seine Zukunft zu übernehmen. Die Reduzierung des politischen Lebens auf die mehr oder weniger gelungene Nachahmung dieses voll ausgearbeiteten politischen und ideologischen "Supermodels" gab der Menschheit im Allgemeinen und den Deutschen im Besonderen Vergangenheit und Zukunft zum Preis von einem.
Imitation: Zu diesem beruhigenden deutschen Traum können wir hinzufügen, dass der Imitationsimperativ, wie er in Mittel- und Osteuropa erlebt oder vorgestellt wurde, stillschweigend implizierte, dass Deutschland das wirkliche Modell war, das zur Bewunderung der Imitation hochgehalten wurde. >Imitation/Krastev, >Imitation/Post-kommunistische Länder.
Krastev I 61
Die alte deutsche Frage drehte sich um die Idee, dass Deutschland zu klein für die Welt und zu groß für Europa sei. Die neue deutsche Frage ist anders. In der Welt nach dem Kalten Krieg stellte sich heraus, dass der Übergang Deutschlands zur liberalen Demokratie zu einzigartig und pfadabhängig war, als dass er von Ländern nachgeahmt werden konnte, die aufgrund ihrer eigenen jüngeren Geschichte der Idee einer post-ethnischen Gesellschaft an sich unwirtlich waren.

1. Thomas Bagger, ‘The World According to Germany: Reassessing 1989’, Washington Quarterly (22 January 2019), S. 54.

Krastev I
Ivan Krastev
Stephen Holmes
The Light that Failed: A Reckoning London 2019
Entwicklungsländer Acemoglu Acemoglu I 258
Entwicklungsländer/duale Wirtschaft/Arthur Lewis/Acemoglu/Robinson: Das Paradigma der "dualen Wirtschaft", das ursprünglich 1955 von Sir Arthur Lewis(1) vorgeschlagen wurde, prägt immer noch die Art und Weise, wie die meisten Sozialwissenschaftler über die wirtschaftlichen Probleme der weniger entwickelten Länder denken. Lewis zufolge haben viele weniger entwickelte oder unterentwickelte Volkswirtschaften eine duale Struktur und sind in einen modernen und einen traditionellen Sektor unterteilt. A. Der moderne Sektor, der dem höher entwickelten Teil der Wirtschaft entspricht, wird mit dem städtischen Leben, der modernen Industrie und dem Einsatz fortschrittlicher Technologien in Verbindung gebracht.
B. Der traditionelle Sektor wird mit dem ländlichen Leben, der Landwirtschaft und "rückständigen" Institutionen und Technologien in Verbindung gebracht. Zu den rückständigen landwirtschaftlichen Institutionen gehört der gemeinschaftliche Besitz von Land, was das Fehlen privater Eigentumsrechte an Land impliziert.
Arbeit: Laut Lewis wurde die Arbeit im traditionellen Sektor so ineffizient eingesetzt, dass sie dem modernen Sektor zugewiesen werden konnte, ohne die Produktionsmenge des ländlichen Sektors zu verringern. Für Generationen von Entwicklungsökonomen, die auf Lewis' Erkenntnissen aufbauten, bedeutete das "Problem der Entwicklung", Menschen und Ressourcen aus dem traditionellen Sektor, der Landwirtschaft und dem ländlichen Raum, in den modernen Sektor, die Industrie und die Städte zu verlagern.
Südafrika war eines der deutlichsten Beispiele: gespalten in einen traditionellen Sektor, der rückständig und arm war, und einen modernen Sektor, der lebhaft und wohlhabend war. Auch heute noch ((s) 2017) ist die von Lewis identifizierte duale Wirtschaft überall in Südafrika anzutreffen.
Acemoglu I 259
AcemogluVsLewis, Arthur: Nach dieser Perspektive sollte es bei der wirtschaftlichen Entwicklung also einfach darum gehen, dafür zu sorgen, dass aus der Transkei ((n) der weniger entwickelte Teil) schließlich Natal wird. An dieser Perspektive ist viel Wahres dran, aber ihr fehlt die ganze Logik, wie die duale Wirtschaft entstanden ist, sowie ihre Beziehung zur modernen Wirtschaft. Die Rückständigkeit der Transkei ist nicht nur ein historisches Überbleibsel der natürlichen Rückständigkeit Afrikas. Die Doppelwirtschaft zwischen der Transkei und Natal ist in der Tat noch recht jung und alles andere als natürlich.
Die Ursachen: Sie wurde von den weißen Eliten Südafrikas geschaffen, um ein Reservoir an billigen Arbeitskräften für ihre Unternehmen bereitzustellen und die Konkurrenz der Schwarzafrikaner zu verringern. Die duale Wirtschaft ist ein weiteres Beispiel für eine geschaffene Unterentwicklung, jedoch nicht für eine Unterentwicklung, wie sie auf natürliche Weise entstanden ist und über Jahrhunderte fortbestand.
Acemoglu I 270
Die duale Wirtschaft Südafrikas fand 1994 ein Ende. Aber nicht aus den Gründen, über die Sir Arthur Lewis theoretisierte. Es war nicht der natürliche Verlauf der wirtschaftlichen Entwicklung, der den Farbbalken und die Homelands beendete. Schwarze Südafrikaner protestierten und erhoben sich gegen das Regime, das ihre Grundrechte nicht anerkannte und die Gewinne des Wirtschaftswachstums nicht mit ihnen teilte. Nach dem Soweto-Aufstand von 1976 wurden die Proteste organisierter und stärker und brachten schließlich den Apartheidstaat zu Fall. Es war die Ermächtigung der Schwarzen, die es schafften, sich zu organisieren und aufzusteigen, was letztlich die duale Wirtschaft Südafrikas beendete, so wie sie von der politischen Macht der Weißen Südafrikas überhaupt erst geschaffen worden war.

1. Lewis, W. Arthur (1954). “Economic Development with Unlimited Supplies of Labour.” Manchester School of Economic and Social Studies 22: 139–91.

Acemoglu II
James A. Acemoglu
James A. Robinson
Economic origins of dictatorship and democracy Cambridge 2006

Acemoglu I
James A. Acemoglu
James A. Robinson
Why nations fail. The origins of power, prosperity, and poverty New York 2012
Entwicklungsländer Lewis Acemoglu I 258
Entwicklungsländer/duale Ökonomie/Arthur Lewis/Acemoglu/Robinson: Das Paradigma der "dualen Ökonomie", das ursprünglich 1955 von Sir Arthur Lewis(1) vorgeschlagen wurde, prägt immer noch die Art und Weise, wie die meisten Sozialwissenschaftler über die wirtschaftlichen Probleme weniger entwickelter Länder denken. Lewis zufolge haben viele weniger entwickelte oder unterentwickelte Volkswirtschaften eine duale Struktur und sind in einen modernen und einen traditionellen Sektor unterteilt. A. Der moderne Sektor, der dem höher entwickelten Teil der Wirtschaft entspricht, wird mit dem städtischen Leben, der modernen Industrie und dem Einsatz fortschrittlicher Technologien in Verbindung gebracht.
B. Der traditionelle Sektor wird mit dem ländlichen Leben, der Landwirtschaft und "rückständigen" Institutionen und Technologien in Verbindung gebracht. Zu den rückständigen landwirtschaftlichen Institutionen gehört der gemeinschaftliche Besitz von Land, was das Fehlen privater Eigentumsrechte an Land impliziert.
Arbeit: Laut Lewis wurde die Arbeit im traditionellen Sektor so ineffizient eingesetzt, dass sie dem modernen Sektor zugewiesen werden konnte, ohne die Produktionsmenge des ländlichen Sektors zu verringern. Für Generationen von Entwicklungsökonomen, die auf Lewis' Erkenntnissen aufbauten, bedeutete das "Problem der Entwicklung", Menschen und Ressourcen aus dem traditionellen Sektor, der Landwirtschaft und dem ländlichen Raum, in den modernen Sektor, die Industrie und die Städte zu verlagern.
Südafrika z.B. war eines der deutlichsten Beispiele, gespalten in einen traditionellen Sektor, der rückständig und arm war, und einen modernen Sektor, der lebhaft und wohlhabend war. Auch heute noch ((s) 2017) ist die von Lewis identifizierte duale Wirtschaft überall in Südafrika anzutreffen.
Acemoglu I 259
AcemogluVsLewis, Arthur: Nach dieser Perspektive sollte es bei der wirtschaftlichen Entwicklung also einfach darum gehen, dafür zu sorgen, dass aus der Transkei ((s) der weniger entwickelte Teil) schließlich Natal wird. An dieser Perspektive ist viel Wahres dran, aber ihr fehlt die ganze Logik, wie die duale Wirtschaft entstanden ist, und ihre Beziehung zur modernen Wirtschaft. Die Rückständigkeit der Transkei ist nicht nur ein historisches Überbleibsel der natürlichen Rückständigkeit Afrikas. Die Doppelwirtschaft zwischen der Transkei und Natal ist in der Tat noch recht jung und alles andere als natürlich.
Die Ursachen: Sie wurde von den weißen Eliten Südafrikas geschaffen, um ein Reservoir an billigen Arbeitskräften für ihre Unternehmen zu schaffen und die Konkurrenz der Schwarzafrikaner zu verringern. Die duale Wirtschaft ist ein weiteres Beispiel für eine geschaffene Unterentwicklung, nicht für eine Unterentwicklung, wie sie auf natürliche Weise entstanden ist und über Jahrhunderte fortbestand.
Acemoglu I 270
Die duale Wirtschaft Südafrikas fand 1994 ein Ende. Aber nicht aus den Gründen, über die Sir Arthur Lewis theoretisierte. Es war nicht der natürliche Verlauf der wirtschaftlichen Entwicklung, der den Farbbalken und die Homelands beendete. Schwarze Südafrikaner protestierten und erhoben sich gegen das Regime, das ihre Grundrechte nicht anerkannte und die Gewinne des Wirtschaftswachstums nicht mit ihnen teilte. Nach dem Soweto-Aufstand von 1976 wurden die Proteste organisierter und stärker und brachten schließlich den Apartheidstaat zu Fall. Es war das Empowerment der Schwarzen, die es schafften, sich zu organisieren und aufzusteigen, das letztlich die duale Wirtschaft Südafrikas beendete, so wie sie von der politischen Macht der Weißen Südafrikas überhaupt erst geschaffen worden war.

1. Lewis, W. Arthur (1954). “Economic Development with Unlimited Supplies of Labour.” Manchester School of Economic and Social Studies 22: 139–91.

Lewis I
David K. Lewis
Die Identität von Körper und Geist Frankfurt 1989

Lewis I (a)
David K. Lewis
An Argument for the Identity Theory, in: Journal of Philosophy 63 (1966)
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis I (b)
David K. Lewis
Psychophysical and Theoretical Identifications, in: Australasian Journal of Philosophy 50 (1972)
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis I (c)
David K. Lewis
Mad Pain and Martian Pain, Readings in Philosophy of Psychology, Vol. 1, Ned Block (ed.) Harvard University Press, 1980
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis II
David K. Lewis
"Languages and Language", in: K. Gunderson (Ed.), Minnesota Studies in the Philosophy of Science, Vol. VII, Language, Mind, and Knowledge, Minneapolis 1975, pp. 3-35
In
Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979

Lewis IV
David K. Lewis
Philosophical Papers Bd I New York Oxford 1983

Lewis V
David K. Lewis
Philosophical Papers Bd II New York Oxford 1986

Lewis VI
David K. Lewis
Konventionen Berlin 1975

LewisCl
Clarence Irving Lewis
Collected Papers of Clarence Irving Lewis Stanford 1970

LewisCl I
Clarence Irving Lewis
Mind and the World Order: Outline of a Theory of Knowledge (Dover Books on Western Philosophy) 1991

Acemoglu II
James A. Acemoglu
James A. Robinson
Economic origins of dictatorship and democracy Cambridge 2006

Acemoglu I
James A. Acemoglu
James A. Robinson
Why nations fail. The origins of power, prosperity, and poverty New York 2012
Erfahrung Kuhn I 137
Erfahrung//Inhalt/Kuhn: der unmittelbare Inhalt von Galileis Erfahrungen mit fallenden Steinen war nicht derselbe wie der von Aristoteles.
I 138
Die Messungen im Labor sind nicht das "Gegebene" sondern das "mit Schwierigkeiten Gesammelte". - Sie sind nicht das, was der Wissenschaftler "sieht".
I 139
Sehen durch ein neues Paradigma ist keine "Interpretation". >Interpretation/Kuhn.

Kuhn I
Th. Kuhn
Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen Frankfurt 1973
Erklärungen Ricoeur II 71
Verstehen/Erklären/Ricoeur: (...) Man kann, zumindest einleitend, sagen, dass - Verstehen: bedeutet zu lesen, was das Ereignis des Diskurses für die Äußerung des Diskurses ist und dass
- Erklären: bedeutet zu lesen was die verbale und textliche Autonomie für die objektive Bedeutung des Diskurses ist. >Diskurs/Ricoeur.
II 72
Erklärung/Tradition: Es findet sein paradigmatisches Anwendungsfeld in den Naturwissenschaften. Wenn es äußere Tatsachen zu beobachten gibt, Hypothesen, die einer empirischen Überprüfung zu unterziehen sind, allgemeine Gesetze zur Erfassung solcher Tatsachen, Theorien zur Einbeziehung der verstreuten Gesetze in ein systematisches Ganzes und die Unterordnung empirischer Verallgemeinerungen unter hypothetisch-deduktive Verfahren, dann können wir sagen, dass wir "erklären". Verstehen/Tradition: Das Verstehen dagegen findet sein ursprüngliches Anwendungsfeld in den Geisteswissenschaften, wo Wissenschaft mit der Erfahrung von
anderen Themen oder anderen Geistern, die unseren eigenen ähnlich sind, zu tun hat. Sie stützt sich auf die Sinnhaftigkeit von Ausdrucksformen wie physiognomische, gestische, stimmliche oder schriftliche Zeichen und auf Dokumente
II 73
und Denkmäler, die mit der Schrift den allgemeinen Charakter der Inschrift gemeinsam haben. Die unmittelbaren Ausdrucksarten sind sinnvoll, weil sie sich direkt auf die Erfahrung des anderen Geistes beziehen, die sie vermitteln. Tradition/Ricoeur: Die Dichotomie zwischen Verstehen und Erklären in der romantischen Hermeneutik ist sowohl erkenntnistheoretisch als auch ontologisch. Sie stellt zwei Methodologien und zwei Sphären der Wirklichkeit, Natur und Geist, gegenüber.
II 75
Verstehen/Ricoeur: (...) wir müssen den Sinn des Textes erraten, weil die Absicht des Autors außerhalb unserer Reichweite liegt.
II 79
Interpretation: (...) wenn es wahr ist, dass es immer mehr als eine Art der Auslegung eines Textes gibt, so ist es nicht wahr, dass alle Auslegungen gleich sind. Der Text stellt ein begrenztes Feld möglicher Konstruktionen dar. Die Logik der Validierung erlaubt uns, uns zwischen den beiden Grenzen des Dogmatismus und der Skepsis zu bewegen. Es ist immer möglich, für oder gegen eine Interpretation zu argumentieren, Interpretationen zu konfrontieren, zwischen ihnen zu vermitteln und eine Einigung zu suchen, auch wenn diese Einigung außerhalb unserer unmittelbaren Reichweite bleibt.
II 81
Strukturelle Linguistik/Interpretation/Verstehen/Ricoeur: [der Ansatz der strukturellen Schulen der Literaturkritik] geht von der Anerkennung dessen aus, was ich die Aussetzung oder Unterdrückung des scheinbaren Bezugs (der Referenz) genannt habe. (>Referenz/Ricoeur). Der Text fängt die "weltliche" Dimension des Diskurses - den Bezug zu einer Welt, die gezeigt werden könnte - ebenso ab, wie er den Zusammenhang des Diskurses mit der subjektiven Intention des Autors unterbricht. Nach dieser Entscheidung hat der Text nicht mehr ein Äußeres, er hat nur noch ein Inneres. (...) gerade die Konstitution des Textes als Text und des Systems von Texten als Literatur rechtfertigt diese Umwandlung des literarischen Objekts in ein geschlossenes System von Zeichen, analog zu der Art von geschlossenem System, das die Phonologie als allen Diskursen zugrunde liegend entdeckte und das Saussure als langue bezeichnete. Nach dieser Arbeitshypothese wird die Literatur zu einem Analogon der Sprache. >Langue/Ricoeur.
II 86
Erklären/Literatur/Texte/Ricoeur: [Die] Übertragung eines linguistischen Modells auf die Erzähltheorie bestätigt meine einleitende Bemerkung zum zeitgenössischen Verständnis von Erklärung vollkommen. Heute ((s) 1976) wird der Erklärungsbegriff nicht mehr aus den Naturwissenschaften entlehnt und in ein anderes Feld, das der schriftlichen Dokumente, übertragen. Sie geht von der gemeinsamen Sphäre der Sprache aus, dank der analogen Übertragung von den kleinen Einheiten der Sprache (Phoneme und Lexeme) auf die großen Einheiten jenseits des Satzes, einschließlich Erzählung, Folklore und Mythos.

Ricoeur I
Paul Ricoeur
Die Interpretation. Ein Versuch über Freud Frankfurt/M. 1999

Ricoeur II
Paul Ricoeur
Interpretation theory: discourse and the surplus of meaning Fort Worth 1976
Experimente Harlow Slater I 11
Experimente/Verbundenheit/Affektion/Harlow: In einer Reihe von Studien mit dem Surrogatpräferenz-Paradigma zeigte Harlow, dass Säuglingsaffen große und konstante Präferenzen für Stoffsurrogate zeigten, die Kontaktkomfort gegenüber Draht-Surrogaten boten, die Nahrung lieferten. Die größte Stichprobe, die 1962 in der Studie(1) berichtet wurde, bestand aus 56 Affen, die unter Bedingungen einer "teilweisen sozialen Isolation" aufgezogen wurden. Diese Affen waren in Käfigen untergebracht, wo sie andere Affen sehen und hören konnten. (…+…).
Slater I 13
In einer weiteren Reihe von Studien (...) wurden Affen einer totalen sozialen Isolation ausgesetzt, ein Zustand, in dem sie einzeln in einer Kabine mit festen Wänden untergebracht waren, die jeden visuellen und auditiven Kontakt mit anderen Affen ausschloss. (...) Harlow kam zu dem Schluss, dass die totale soziale Isolation in den ersten sechs Lebensmonaten eine kritische Phase war, die irreversible Auswirkungen auf die spätere soziale Anpassung hatte. Er deutete an, dass diese sechsmonatige Periode beim Rhesusaffen den ersten zwei bis drei Lebensjahren des menschlichen Kindes entsprach. (…+…). Eine Reihe von Studien variierte die Bedingungen und den Grad der sozialen Isolation und das daraus resultierende Verhalten der Affen wurde beschrieben. ((s) Die Schwere der sozialen Einschränkungen entsprach der Länge und Schwere der Isolation sowie dem Zeitpunkt des Beginns der Isolation im Leben der Affen.)
Slater I 14
Harlows Arbeit hatte einen unmittelbaren Einfluss auf die laufende Debatte über die Bedeutung der Mutter-Kind-Bindung in der Kinderpsychiatrie. In den 1950er Jahren hatte John Bowlby, ein britischer Psychiater, eine Monographie (1951)(2) über die Auswirkungen mütterlicher Deprivation auf die Entwicklung von Kindern veröffentlicht. Bei seinen Besuchen in Harlows Labor in den 1950er Jahren mag Bowlby dafür verantwortlich gewesen sein, Harlow darauf hinzuweisen, dass seine von Käfigen aufgezogene Affenkolonie Bedingungen schuf, die einer teilweisen sozialen Isolation gleichkamen (Suomi, Horst, & Veer, 2008)(3).
Slater I 15
[Harlows] Ansatz wurde von europäischen Ethologen, insbesondere Robert Hinde, und von Harlows Sensibilität für die Auswirkungen verschiedener Aufzuchtumgebungen beeinflusst, die von seinem Labor über den lokalen Zoo bis hin zu Affen, die in freier Wildbahn geboren und aufgezogen wurden, reichen. Harlows Kreativität bei der Gestaltung von Laborumgebungen, die Bindung, Angst, exploratives und affiliatives Verhalten hervorrufen, zeigte ein einzigartiges Verständnis für die Bedeutung von Kontext bei der Beurteilung, wie früh soziale Erfahrungen die spätere Entwicklung beeinflussen könnten. Er gestaltete aktiv Umgebungen, die das Zusammenspiel von Bindung, Angst und Erforschung erprobten. >Situation/Ainsworth. VsHarlow: Die Feststellung, dass die Aufzucht mit Altersgenossen die Auswirkungen der mütterlichen Deprivation auf die Entwicklung von Peer-Beziehungen kompensieren könnte, war der umstrittenste und vorläufigste Befund in seiner Arbeit von 1962 (1). Für Kritik an Harlow siehe >Verhalten/Harlow.


1. Harlow, H. F., & Harlow, M. (1962). Social deprivation in monkeys. Scientific American, 207, 137–146.
2. Bowlby, J. (1951). Maternal care and mental health. New York: Columbia University Press.
3. Suomi, S. J., Horst, F. C. P., & Veer, R. (2008). Rigorous experiments on monkey love: An account of Harry F. Harlow’s role in the history of attachment theory. Integrative Psychological and Behavioral Science, 42, 354–369.


Roger Kobak, “Attachment and Early Social deprivation. Revisiting Harlow’s Monkey Studies”, in: Alan M. Slater and Paul C. Quinn (eds.) 2012. Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications

Slater I
Alan M. Slater
Paul C. Quinn
Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2012
Falsifikation Kuhn I 90
Falsifikation/KuhnVsPopper: in der Geschichte der Wissenschaft gibt es kein Beispiel für Falsifikation durch Vergleich mit der Natur - für jene, die sich auf Newtons Theorie festgelegt haben, ist sein zweites Gesetz einfach eine rein logische Aussage, die durch Beobachtungen gar nicht widerlegt werden kann.
I 157
Falsifikation/ KuhnVsPopper: anomale Erfahrungen dürfen nicht mit falsifizierenden gleichgestellt werde - ich glaube, dass es letztere überhaupt nicht gibt - einerseits gibt es zu viel Abweichungen - andererseits: wenn nur größere Abweichungen zur Ablehnung einer Theorie führen soll, gibt es kein Kriterium.
I 158
Falsifikation ist immer post festum. - Dann kann sie aber genauso gut Verifikation eines neuen Paradigmas genannt werden.

Kuhn I
Th. Kuhn
Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen Frankfurt 1973
Gehorsam Psychologische Theorien Haslam I 120
Gehorsam/Milgram Experiment/Psychologische Theorien: (...) drei neue Ansätze für die experimentelle Untersuchung des Gehorsams wurden entwickelt, die es uns ermöglichen, echte Schäden anzugehen, ohne die Teilnehmer am Prozess zu schädigen. (vgl. >Milgram Experiment/Psychologische Theorien, >Vs Milgram).
Haslam I 121
A. Die erste verwendet Virtual-Reality-Simulationen des Milgram-Paradigmas. In diesen wurde gezeigt, dass das Verhalten in diesen Simulationen dem entspricht, was im ursprünglichen Paradigma beobachtet wird (Slater et al., 2006)(1). B. Die zweite besteht darin, eine Technik namens Immersive Digital Realism zu verwenden, um Akteure zu trainieren, die Rolle normaler Teilnehmer am Milgram-Paradigma zu spielen (Haslam, Reicher und Millard, 2015)(2).
C. Die dritte basiert auf der Beobachtung, dass das, was Menschen bei 150 Volt tun, ein sehr genauer Indikator dafür ist, ob sie bis zu 450 Volt gehorchen werden. Warum also nicht die Studien an der 150-Volt-Marke stoppen, wo man sehen kann, ob die Menschen gehorchen, ohne sie dazu zu bringen, tatsächlich etwas Schädliches zu tun? Dies war die Strategie, die Jerry Burger (2009a)(3) in seiner Replikation des Milgram-Paradigmas anwandte.
Haslam I 121
1. Mehrere Autoren weisen auf die Notwendigkeit hin, die Bedeutung von Ungehorsam und Gehorsam zu berücksichtigen (Bocchario und Zimbardo, 2010(4); Dimow, 2004(5); Jetten und Mols, 2014(6); Passini und Morselli, 2009(7); Rochat und Modigliani, 1995(8)). 2. Eine Reihe von Analysen zeigen auf Merkmale der verschiedenen Beziehungen im Gehorsamkwitsparadigma, die helfen könnten, zu erklären, ob Menschen gehorchen oder nicht gehorchen. Wim Meeus und Quinten Raaijmakers (1995)(9) argumentieren zum Beispiel, dass Gehorsam nicht aus einer Unfähigkeit, wissenschaftlichen Autoritäten zu widerstehen, resultiert, sondern aus einer kulturellen Tendenz, sich mit dem Sozialsystem zu identifizieren, kombiniert mit einer Tendenz, sich nicht mit unseren Mitbürgern zu identifizieren, sondern sie in Form von spezifischen Rollenpositionen zu sehen - eine Analyse, die darauf hindeutet, dass sich die Teilnehmer in den Milgram-Studien auf den Lernenden beziehen, und zwar in Bezug auf die verschiedenen Rollen, die die beiden von ihnen einnehmen, und nicht in Bezug auf ihre gemeinsame Staatsbürgerschaft.
3. Rochat und Modigliani (1995)(8): beobachteten, dass die Dorfbewohner von Chambon Nachkommen der verfolgten protestantischen Minderheit in Frankreich (die Hugenotten) waren, was bedeutete, dass sie die kollaborative Vichy-Regierung mit ihren eigenen Verfolgern verglichen und die Gemeinsamkeiten zwischen ihnen und den Verfolgten gesehen haben. Ihre Analyse kommt zu dem Schluss, dass, sobald die Verfolger zu "ihnen" und die Verfolgten zu "uns" wurden, die Wahl, mit wem man sich zusammenschließt - ob man gehorchen oder sich der Autorität entziehen will - einfach wurde. Siehe auch >Goldhagen (1996)(10).
Haslam I 123
Reicher/Haslam: These: Wir schaden anderen insofern, als wir auf die Appelle böswilliger Behörden hören, die über denen ihrer Opfer liegen. Gleichzeitig gibt es nun konvergierende Hinweise darauf, dass dies etwas mit dem Ausmaß zu tun hat, in dem wir uns miteinander identifizieren (Haslam et al., 2014(11), 2015(2); Reicher und Haslam, 2011a(12); Reicher et al., 2012(13)). Es gibt insbesondere drei Bereiche, die in Zukunft behandelt werden müssen
1) Wir müssen untersuchen, wie sich unterschiedliche situative Regelungen auf die Gruppenbildung und Identifikation zwischen dem Teilnehmer und den verschiedenen Parteien innerhalb des Gehorsamkeitsparadigmas auswirken (Reicher und Haslam, 2011a(12), 2011b(14)).
Haslam I 124
2) Wir müssen verstehen, welche Art von Appellen die Menschen auf die Seite des Experimentators und nicht des Lernenden stellen, sowie die Auswirkungen, die der eigene Diskurs der Teilnehmer auf ihre Fähigkeit hat, sich von diesen Parteien zu lösen. 3) Der Aspekt der Sprache: Nur eine der Ermahnungen, Bemerkungen ("prods") und Anweisungen, die der Experimentator in den Studien verwendet, ist ein direkter Befehl. In ihrer Replikationsstudie stellten Burger und Kollegen fest, dass sich die Teilnehmer jedes Mal, wenn der Experimentator diese endgültige Bemerkung von sich gab, weigerten, fortzufahren (Burger, Girgis und Manning, 2011(15)), und in kontrollierten eigenen Studien beobachten wir, dass die Bemerkung 4 ("Sie haben keine andere Wahl, sie müssen weitermachen.") eindeutig ineffektiv ist, um die Einhaltung der Vorschriften zu gewährleisten (Haslam et al., 2014(11), 2015(16)). Dies ist ein starker Beweis gegen die Vorstellung, dass die Teilnehmer an Milgrams Studien einfach nur Befehle befolgen.



1. Slater, M., Antley, A., Davison, A., Swapp, D., Guger, C., Barker, C., et al. (2006) ‘A virtual reprise of the Stanley Milgram obedience experiments’, PLoS ONE, 1: e39.
2 Haslam, S.A., Reicher, S.D. and Millard, K. (2015) Shock treatment: Using immersive digital realism to restage and re-examine Milgram’s ‘Obedience to Authority’ research. PLoS ONE, 1O(3):e109015.
3. Burger, J. (2009a) ‘In their own words: Explaining obedience through an examination of participants’ comments’. Paper presented at the Meeting of the Society of Experimental Social Psychology, Portland, ME, 15—17 October.
4. Bocchiaro, P. and Zimbardo, P.G. (2010) ‘Defying unjust authority: An exploratory study, Current Psychology, 29: 155—70.
5. Dimow, J. (2004) ‘Resisting authority: A personal account of the Milgram obedience experiments’, Jewish Currents, January.
6. Jetten,J. and Mols, F. (2014) 5O:5O hindsight: Appreciating anew the contributions of Mi1grams obedience experiments, Journal of Social Issues, 70: 587—602.
7. Passini, S. and Morselli, D. (2009) 1Authority relationships between obedience and disobedience &, New Ideas in Psychology, 27: 9 6—106.
8. Rochat, F. and Modigliani, A. (1995) 4The ordinary quality of resistance: From Milgram’s laboratory to the village of Le Chambon’, Journal of Social Issues, 51: 195—210.
9. Meeus, W.H.J. and Raaijmakers, Q.A. (1995) ‘Obedience in modem society: The Utrecht studies’, Journal of Social Issues, 5 1: 155—75.
10. Goidhagen, D. (1996) Hitler’s Willing Executioners: Ordinary Germans and the Holocaust. London: Little, Brown.
11. Haslam, S.A., Reicher, S.D. and Birney, M. (2014) ‘Nothing by mere authority: Evidence that in an experimental analogue of the Miigram paradigm participants are motivated not by orders but by appeals to science’, Journal of Social Issues, 70:473—88.
12. Reicher, S. and Haslam, S.A. (201 la) 4After shock? Towards a social identity explanation of the Milgram “obedience” studies’, British Journal of Social Psychology, 50: 163—9.
13. Reicher, S.D., Haslam, S.A. and Smith, J.R. (2012) 1Working towards the experimenter: Reconceptualizing obedience within the Milgram paradigm as identification-based followership’, Perspectives on Psychological Science, 7: 315—24.
14. Reicher, S.D. and Haslam, S.A. (201 lb) ‘Culture of shock: Milgram’s obedience studies fifty years on’, Scientific American Mind, 2 2(6): 3 0—5.
15. Burger, J.M., Girgis, Z.M., and Manning, C.C. (2011) ðln their own words: Explaining obedience to authority through an examination of participants’ comments’, Social Psychological and Personality Science, 2:460—6.
16. Haslam, S.A., Reicher, S.D. Millard, K. and McDonald, R. (2015) “Happy to have been of service”: The Yale archive as a window into the engaged followership of participants in Milgram’s “obedience” experiments’, British Journal of Social Psychology, 54: 55—83.


Stephen Reicher and S. Alexander Haslam, „Obedience. Revisiting Milgram’s shock experiments”, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications

Haslam I
S. Alexander Haslam
Joanne R. Smith
Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017
Geltung Habermas III 22-24
Geltung/Methode/Bedeutung/Geltung/Sinn/Theorie/Metatheorie/Habermas: bei methodologischen Fragen geht es um Fragen des Sinnverstehens
bei theoretische Fragen um Handlungen
bei Fragen der Bedeutung geht es um verstandenen Sinn und bei
Fragen der Geltung um implizierte Richtigkeit.

III 375
Geltung/validity/Habermas: um zu einer Theorie verständigungsorientierten Handelns zu kommen, müssen wir den Begriff der Geltung verallgemeinern, und zwar über die Wahrheitsgeltung von Propositionen hinaus. Gültigkeitsbedingungen dürfen dann nicht mehr nur auf der semantischen Ebene für Sätze, sondern auf der pragmatischen Ebene für Äußerungen identifiziert werden. Dazu muss es einen Bruch mit der „Logos-Auszeichnung der Sprache“ (1) d.h. mit der Privilegierung ihrer Darstellungsfunktion geben. Das hat auch Folgen für die ontologischen Voraussetzungen der Sprachtheorie.

1.K.O. Apel, Zwei paradigmatische Antworten auf die Frage nach der Logosauszeichnung der Sprache, in: Festschrift für Perpeet, Bonn, 1980.

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Hegel Honneth Brocker I 791
Hegel/Honneth: Hegels Jenaer Programm (1) muss als Bruch mit dem sozialphilosophischen Mainstream seiner Zeit verstanden werden; dieser war in seinem Verständnis sozialer Beziehungen vom Paradigma des „Kampfes um Selbsterhaltung“ dominiert gewesen. (HegelVsMachiavelli, HegelVsHobbes). Honneth: Dagegen rückt bei Hegel eine komplexere Logik der Praxis in den Vordergrund, nämlich diejenige, die sich aus dem „Kampf der Subjekte um die wechselseitige Anerkennung ihrer Identität“ (2) heraus entfaltet. Dabei geht es den Subjekten nicht mehr ausschließlich um knappe Ressourcen für das eigene Überleben, sondern um die eigene Identität bzw. um die Gewinnung einer positiven Selbstbeziehung. Siehe Identität/Honneth.
Brocker I 792
HonnethVsHegel: dieser hat mit seiner bewusstseinsphilosophischen Wende (die bereits in den Jenaer Schriften anhebt) letztlich die entscheidenden Anregungen seiner anerkennungstheoretischen Konzeption unbenutzt gelassen. Siehe Anerkennung/Honneth.

1. Vgl. G.W.F. Hegel, Jenaer Schriften 1808-1807 Frankfurt, 1986.
2. Axel Honneth, Kampf um Anerkennung. Zur moralischen Grammatik sozialer Konflikte, mit einem neuen Nachwort, Frankfurt/M. 2014 (zuerst 1992) S.11

Hans-Jörg Sigwart, „Axel Honneth, Kampf um Anerkennung“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Honn I
A. Honneth
Das Ich im Wir: Studien zur Anerkennungstheorie Frankfurt/M. 2010

Honn II
Axel Honneth
Kampf um Anerkennung. Zur moralischen Grammatik sozialer Konflikte Frankfurt 2014

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Hobbes Hegel Brocker I
Hobbes/Hegel/HegelVsHobbes/Honneth: Hegel kritisiert Hobbes individualistischen Ansatz einer Gesellschaft, die durch einen Kampf der Individuen gegeneinander ausgeht und den Aspekt eines Kampfes der Individuen um wechselseitige Anerkennung vernachlässige. Honneth: dabei integriert Hegel jedoch den „negativen, konfliktuösen Charakter“ (1) gesellschaftlichen Zusammenlebens in
Brocker I 793
die eigene Perspektive. Gleichzeitig wendet er sich aber in ein kritisches Argument gegen das Selbsterhaltungsparadigma um (Siehe Hegel/Honneth). Honneth: Hegel argumentiert also mit Hobbes gegen Hobbes, indem er das Motiv des Kampfes übernimmt, es aber mit einer ganz anderen Theorietradition, insbesondere mit der Ankerkennungstheorie von Fichte, verknüpft. (2) Siehe Anerkennung/Honneth, Hegel/Honneth, Intersubjektivität/Hegel.


1. Axel Honneth, Kampf um Anerkennung. Zur moralischen Grammatik sozialer Konflikte, mit einem neuen Nachwort, Frankfurt/M. 2014 (zuerst 1992) S. 27.
2. Ebenda S. 32.

Hans-Jörg Sigwart, „Axel Honneth, Kampf um Anerkennung“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Illusorische Korrelation Fiedler Haslam I 237
Illusorische Korrelation/Fiedler: Klaus Fiedler (1991)(1) schlug ein neue Bedeutung vor, welche gepaarten oder doppelt unterscheidungskräftigen Informationen keine besondere Bedeutung zuwies. (FiedlerVsHamilton, FiedlerVsGifford). >Illusorische Korrelation/Smith, >Illusorische Korrelation/Gifford/Hamilton, >Experiment/Gifford/Hamilton. Fiedler (wie Smith) erklärte den Effekt der illusorischen Korrelation als natürliche Folge der Anforderung an die Menschen, schiefe Verteilungen von Information zu verarbeiten. In der Tat waren die neuen Modelle Erklärungen für den illusorischen Korrelationseffekt und nicht für die Stereotypbildung. Siehe auch Berndsen et al., (1998)(2), McConnell et al., (1994)(3), Sherman et al., 2009)(4).
Fiedler's Modell konzentrierte sich auf den Informationsverlust. Es ist wahrscheinlich, dass ein Großteil der Informationen verloren geht (...). Unabhängig davon, ob der Informationsverlust das Ergebnis von Wahrnehmungs- oder Gedächtnisprozessen (oder beidem) ist, wird erwartet, dass die Wirkung des Informationsverlustes eine bestimmte Form annehmen wird, vorausgesetzt, dass dieser Informationsverlust zufällig ist.
Entscheidend ist, dass, wenn der Informationsverlust zufällig ist, im Durchschnitt die gleiche Menge an Informationsverlust dazu führt, dass der Eindruck der kleineren Gruppe mehr Schaden nimmt. Im Standard-Paradigma der illusorischen Korrelation ist die Informationsbilanz über beide Gruppen sehr positiv. Daraus folgt, dass die Wahrnehmenden, wenn sie über den gesamten Informationssatz verfügen, positive Eindrücke von beiden Gruppen gewinnen würden. Wenn ein Teil dieser Informationen über beide Gruppen verloren geht, dann kann es immer noch genügend Informationen geben, um einen positiven Eindruck über die große Gruppe zu erhalten, aber der positive Eindruck der kleinen Gruppe kann nachlassen. ((s) Ein ähnlicher Ansatz, der sich auf Zufälligkeit konzentriert, findet sich in der Wirtschaftstheorie: die Random Walk-Theorie.)
Haslam I 238
VsFiedler: Problem: Es ist schwierig zu beurteilen, ob diese Prozesse in der Lage sind, Effekte hervorbringen, die groß und rapide genug sind, um den Effekt der illusorischen Korrelation zu erklären. Es ist zudem so, dass das Modell einen schnellen Zerfall des Effekts der illusorischen Korrelation vorhersagen sollte, wenn die kleine Gruppe groß ist. Die verfügbaren Beweise sind in diesem Punkt jedoch sehr begrenzt.

1. Fiedler, K. (1991) ‘The tricky nature of skewed frequency tables: An information loss account of distinctiveness-based illusory correlations’, Journal of Personality and Social Psychology, 60: 24–36.
2. Berndsen, M., Spears, R., McGarty, C. and van der Pligt, J. (1998) ‘Dynamics of differentiation: Similarity as the precursor and product of stereotype formation’, Journal of Personality and Social Psychology, 74: 1451–63.
3. McConnell, A.R., Sherman, S.J. and Hamilton, D.L. (1994) ‘Illusory correlation in the perception of groups: An extension of the distinctiveness-based account’, Journal of Personality and Social Psychology, 67: 414–29.
4. Sherman, J.W., Kruschke, J.K., Sherman, S.J., Percy, E.T., Petrocelli, J.V. and Conrey, F.R. (2009) ‘Attentional processes in stereotype formation: A common model for category accentuation and illusory correlation’, Journal of Personality and Social Psychology, 96: 305–23.


Craig McGarty, „Stereotype Formation. Revisiting Hamilton and Gifford’s illusory correlation studies“, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic studies. London: Sage Publications

Haslam I
S. Alexander Haslam
Joanne R. Smith
Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017
Internet Lessig I 83
Def Internet/Lessig: Das Internet ist ein Kommunikationsmedium. Leute machen Dinge im Internet, sie kaufen und bezahlen Rechnungen.
I 83
Def Cyberspace/Lessig: Im Gegensatz dazu geht es im Cyberspace nicht nur darum, das Leben einfacher zu machen. Es geht darum, das Leben anders oder besser zu machen. Es geht darum, ein anderes (oder zweites) Leben zu führen.
I 84
Def Code/Lessig: Code ist ein Regulator im Cyberspace, weil er die Bedingungen definiert, unter denen Cyberspace angeboten wird. Und diejenigen, die diese Begriffe setzen, erkennen den Code zunehmend als Mittel, um das Verhalten zu erreichen, das ihnen am meisten nützt.
I 112
Internet/Susan Crawford: "Das wundersame Wachstum des Internets ist größtenteils auf die Nichtdiskriminierung höherer Ebenen zurückzuführen. . . . Innovatoren bei der Anwendungsschicht waren in der Lage den fortlaufenden stabilen Fortbestand der unteren Schichten annehmen können." (1)
I 112
Internet/Cyberspace: Wie bei den Geschichten über den "Cyberspace", so zeigt auch dieser Fall über das Internet die Verbindung zwischen Architektur und Politik. End-to-End ist ein Paradigma für eine Technologie, die Werte verankert: Welche Architektur wir fördern, ist eine Entscheidung darüber, welche Politik wir fördern. Dies gilt auch in dem Kontext, in dem das Internet kein "Ort" ist - auch wenn es "nur" ein Medium ist.

1. Susan P. Crawford, “Symposium, Law and the Information Society, Panel V: Responsibility
and Liability on the Internet, Shortness of Vision: Regulatory Ambition in the Digital
Age,” Fordham Law Review 74 (2005) 695, 700–701.

Lessig I
Lawrence Lessig
Code: Version 2.0 New York 2006ff
Klassen Wittgenstein II 343
Zahl/Klasse/Frege/Russell/Wittgenstein: Freges Definition: Klasse von Klassen. Eine Zahl ist die Klasse aller einander gleicher Klassen. Intension/Klassen/Mengen/Frege/Russell/WittgensteinVsRussell/WittgensteinVsFrege: die beiden glaubten, sie könnten die Klassen intensional abhandeln, weil sie dachten, sie könnten eine Liste in eine Eigenschaft, eine Funktion verwandeln. (WittgensteinVs).
Weshalb lag den beiden so sehr daran, die Zahl zu definieren?
II 354
Messen: Bsp numerische Gleichheit von Klassen oder Rechnen: Bsp gleiche Anzahl von Wurzeln einer Gleichung 4. Grades: das eine ist eine Messung,
das andere eine Berechnung.
Gibt es ein Experiment, um festzustellen ob zwei Klassen dieselbe Anzahl zukommt? Bei Klassen, die sich nicht überblicken lassen könnte es der Fall sein oder auch nicht.
II 355
Es ist ein schädliches Vorurteil, zu glauben, dass es sich um ein Experiment handelt, wenn man Striche benützt.
II 355
Klassen/Zuordnung/Wittgenstein: Unterschied: Zuordnung im Russellschen und im gewöhnlichen Sinne:
1. durch Identität
2. wie man Tassen und Untertassen durch Aufeinanderstellen zuordnet. Im zweiten Fall bedeutet es nicht, dass sie sich nicht auch in anderer Weise zuordnen lassen. Könnte man dasselbe auch über die Russellsche Zuordnung sagen? Nein, hier könnte keine andere Zuordnung bestehen, sofern jene nicht gegeben ist. Das, worauf ich aufmerksam machen will, ist keine Naturerscheinung, sondern eine Sache der Grammatik.
II 358
Zuordnung/Gleichzahligkeit/Wittgenstein: die Forderung, dass eine tatsächliche Zuordnung vorgenommen werden muss, um zwei Klassen für gleichzahlig zu erklären, ist beunruhigend.
II 367
Klassen/Wittgenstein: man darf nicht vergessen, dass wir keineswegs immer über dasselbe Phänomen sprechen, wenn wir davon reden, dass zwei Klassen dieselbe Anzahl von Elementen enthalten. Woher weiß man denn, ob nicht einige Stücke verschwinden werden, während sie gezählt werden, oder ob andere nicht zerbrechen werden?
II 419
Klassen/Gleichmächtigkeit/Gleichzahligkeit/Klassengleichheit/Wittgenstein: Frage: ob die Klassen tatsächlich dem Paradigma zugeordnet sein müssen, um die gleiche Anzahl zu haben, oder ob dies nur möglich zu sein braucht. Was ist das Kriterium der Existenz der Möglichkeit ihrer Zuordnung?
II 431
Klassen/Zahlen/Wittgenstein: wenn es heißt, mit den Klassen kann man genauso gut rechnen wir mit den rationalen Zahlen, hat eigentlich gar keine Ersetzung stattgefunden. Die Rechnung wird einfach mit den rationalen Zahlen vorgenommen.
II 436
Klasse/Verfahren/Wittgenstein: wir müssen unterscheiden zwischen einer Klasse von Münzwürfen und einem Verfahren (Regel). - Bsp irrationale Zahl: wird durch ein Verfahren definiert - sie ist ein Prozess. - √2 ist keine Extension, sondern eine Regel zur Erzeugung eines Bruchs.
IV 93
Klassen/Mengen/Tractatus: 6.031 Die Theorie der Klassen ist in der Mathematik ganz überflüssig. Das hängt damit zusammen, dass die Allgemeinheit, die wir in der Mathematik brauchen, nicht die zufällige ist.

W II
L. Wittgenstein
Vorlesungen 1930-35 Frankfurt 1989

W III
L. Wittgenstein
Das Blaue Buch - Eine Philosophische Betrachtung Frankfurt 1984

W IV
L. Wittgenstein
Tractatus logico-philosophicus Frankfurt/M 1960
Kommunikationstheorie Bubner I 198
Kommunikationstheorie/BubnerVsHabermas: es wird behauptet, die Einhaltung der Formalbedingungen sei so zum erstenmal in der Geschichte gewährleistet, 1. in Wahrheit soll aber das politische Geschehen strukturell verwandelt werden gemäß dem Paradigma einer philosophischen Idealvorstellung.
Idealisierung, weil die Teilnehmerzahl begrenzt bleiben muss, und das ist weder ein historischer Zufall noch ein Vorurteil undemokratischer Elitegesinnung.
I 199
2. ist der planmäßige Eintritt in den Dialog durch das Zerbrechen vorgängig unbefragter Einmütigkeit gekennzeichnet, trotzdem muss die Kontroverse in der primären Absicht erfolgen, wieder zur Gemeinsamkeit zurückzufinden. Doch Bemühung um Konsensfindung ist noch nicht Konsens, und erst Konsens stiftet Gemeinsamkeit kollektiver Praxis.
Mit einem Wort: der Dialog ist ein Mittel, aber nicht der letzte Inhalt von Politik.
3. es ist nicht klar, welches eigentlich die Inhalte sind, um die sich die Veranstaltung dreht.
mit der Tendenz, den Fluss der Praxis zum permanenten Dialog umzuformulieren, gehen die Inhalte verloren, die aus dem politischen Alltag stammen. Die Inhalte werden spielerisch, solange sie den praktischen Folgen entzogen sind.
BubnerVsKommunikationstheorie: daran zeigt, sich, dass anstelle eines Rationalisierungsvorschlags für politische Prozesse in Wahrheit eine Neubestimmung des Politischen intendiert ist. Der substantielle Gehalt des Aristotelismus der in der Gemeinsamkeit handlungsorientierender Wertvorstellungen lag, gilt historisch als überholt oder aufgezehrt.
Das Signum der Moderne, die Subjektivität, erlaubt nicht mehr die Ausrichtung auf das gute Leben, denn diese Reflexionsgestalt der Praxisstruktur lässt die Besonderheit des Individuums unberücksichtigt.
I 201
BubnerVsKommunikationstheorie/BubnerVsHabermas: scheinen sich allein auf den Akt des Vertragsschlusses zu konzentrieren, den sie mit linguistischen Mitteln umdeuten und zu einem permanenten Vorgang erklären. Sie sehen aber vom staatlichen Zustand gezähmter Praxis ab, den sie der Befestigung von Herrschaft verdächtigen.
Statt daß der Vertrag Politik ermöglicht, ist Politik eine unablässige Folge von Vertragsabschlüssen. Jeder triviale Konflikt nimmt die Form eines Grundsatzproblems an.
Die Institutionsenskepsis der Kommunikationstheorie reicht so tief, daß in Gestalt der Favorisierung des Dialogs die Vermeidung der strukturellen Festlegung politischer Ordnung im Prinzip betrieben wird. Verfahrensregeln, Instanzenweg, dezisionistische Entscheidungen, Gewaltenteilung, Herrschaft auf Zeit das gesamte System der ausdifferenzierten Organisationsform des Politischen ist suspendiert und kann im Gespräch stets revidiert werden.
Andere AutorenVs: man hat die zugrundeliegende Idealisierung beklagt, die Verwechslung der Modi theoretischer Erörterung mit Praxis, die unhistorische Vernachlässigung der Erfordernisse faktischer Komplexität von Gesellschaft usw.
Bubner: der wesentliche Einwand ist jedoch: die Voraussetzung allen politischen Redens, die Gemeinsamkeit der Zielsetzungen, wird durchgestrichen zugunsten einer abstrakten Einigung von Partnern, deren gemeinsames Handeln solange dahinsteht, wie sie im Zeichen der Dialogmethode diskutieren. (Siehe auch Subjektivität)

Bu I
R. Bubner
Antike Themen und ihre moderne Verwandlung Frankfurt 1992
Kommunikationstheorie Habermas Bubner I 196
Habermas/Kommunikationstheorie/Bubner: These: das Funktionieren des politischen Systems nach dem Vorbild des Dialogs zu denken. Klare Formalbedingungen, die auf das politische System als Ganzes zu übertragen wären. 1. Gleichberechtigung der Partner, kein Verhältnis von Wissenden zu Unwissenden.
2. Diese soll nicht wie bei Hegel durch mühsames Abarbeiten des Verhältnissees von Herr und Knecht geschehen, sondern als a priori gesetzt sein, ohne das gar keine Interaktion stattfindet.
2. Verpflichtung, auf Beeinflussung zu verzichten, Gleicher Spielraum.
3. Authentizitätspostulat: Verpflichtung auf Wahrheit. Da Absichten nicht zu prüfen sind, kann nur der Verlauf des Dialogs selber den Erweis erbringen.
BubnerVsHabermas: da man aber von vornherein auf Wahrhaftigkeit baut, handelt es sich offenbar mehr um eine Definitionsfrage, was man als Dialog überhaupt zulassen will.
I 198
Kommunikationstheorie/BubnerVsHabermas: es wird behauptet, die Einhaltung der Formalbedingungen sei so zum erstenmal in der Geschichte gewährleistet, 1. in Wahrheit soll aber das politische Geschehen strukturell verwandelt werden gemäß dem Paradigma einer philosophischen Idealvorstellung.
Idealisierung, weil die Teilnehmerzahl begrenzt bleiben muss, und das ist weder ein historischer Zufall noch ein Vorurteil undemokratischer Elitegesinnung.
I 199
2. ist der planmäßige Eintritt in den Dialog durch das Zerbrechen vorgängig unbefragter Einmütigkeit gekennzeichnet, trotzdem muss die Kontroverse in der primären Absicht erfolgen, wieder zur Gemeinsamkeit zurückzufinden. Doch Bemühung um Konsensfindung ist noch nicht Konsens, und erst Konsens stiftet Gemeinsamkeit kollektiver Praxis.
Mit einem Wort: der Dialog ist ein Mittel, aber nicht der letzte Inhalt von Politik.
3. es ist nicht klar, welches eigentlich die Inhalte sind, um die sich die Veranstaltung dreht.
mit der Tendenz, den Fluss der Praxis zum permanenten Dialog umzuformulieren, gehen die Inhalte verloren, die aus dem politischen Alltag stammen. Die Inhalte werden spielerisch, solange sie den praktischen Folgen entzogen sind.

BubnerVsKommunikationstheorie: daran zeigt, sich, dass anstelle eines Rationalisierungsvorschlags für politische Prozesse in Wahrheit eine Neubestimmung des Politischen intendiert ist. Der substantielle Gehalt des Aristotelismus der in der Gemeinsamkeit handlungsorientierender Wertvorstellungen lag, gilt historisch als überholt oder aufgezehrt.
Das Signum der Moderne, die Subjektivität, erlaubt nicht mehr die Ausrichtung auf das gute Leben, denn diese Reflexionsgestalt der Praxisstruktur lässt die Besonderheit des Individuums unberücksichtigt.


Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981

Bu I
R. Bubner
Antike Themen und ihre moderne Verwandlung Frankfurt 1992
Konformität Asch Haslam I 77
Konformität/Asch: Solomon Asch (1951(1), 1955(2)) fragte, warum wir manchmal unsere fest verankerten Überzeugungen aufgeben und unsere Einstellungen und Urteile mit denen anderer Menschen in Einklang bringen, auch wenn wir wissen, dass sie falsch sind und wir Recht haben.
Haslam I 78
In seinen Experimenten schuf er eine Situation, in der es verschiedene Merkmale der Aufgabe und des sozialen Kontextes äußerst schwierig machten, dem Konformitätsdruck zu widerstehen, obwohl es sehr klar war, dass Konformität eine falsche Antwort bedeuten würde. Experiment/Asch: In seinen Linienurteil-Studien befindet sich der Teilnehmer in einer Gruppe von anderen (die keine echten Teilnehmer sind, sondern Assistenten des Experimentators, die der Teilnehmer nicht kennt). Karten mit unterschiedlich langen Linien werden gezeigt und die Gruppe wird gebeten zu beurteilen, ob die Linien gleich oder unterschiedlich lang sind. Nach einer Weile beurteilt die ganze Gruppe außer dem eigentlichen Teilnehmer auf offensichtlich falsche Weise. >Methode/Asch.
Haslam I 79
Die Ergebnisse zeigen, dass es ziemlich schwierig ist, der Konformität in solchen Kontexten standzuhalten, auch wenn klar ist, dass die Mehrheit falsch liegt. (...) die Aufgabe war in der Tat unglaublich einfach. Auf dieser Grundlage bemerkte Asch, dass "während Personen, die die Linien zusammenführen, unter normalen Umständen weniger als 1 Prozent der Zeit Fehler machen werden, schwangen die Minderheitssubjekte unter Gruppendruck in 36,8 Prozent der Selektionen zur Akzeptanz der falschen Urteile der irreführenden Mehrheit" (Asch, 1955(2): 32-3).
Haslam I 80
In einer Variante der Linien-Beurteilungsstudie kehrte Asch das typische Paradigma um. Diesmal gab es nur einen Helfer, der angewiesen wurde, die falsche Antwort zu geben, und der Helfer war von mehreren echten Teilnehmern umgeben. Hier wurde der (unglückliche) Assistent offen und lautstark verspottet. Weitere Studien finden Sie unter >Konformität/Psychologische Theorien.
Haslam I 81
Asch prüfte auch, inwieweit die Konformität durch die Einstimmigkeit der Mehrheit beeinträchtigt würde. Die Ergebnisse dieser Studien waren noch auffälliger. Wenn es eine andere Person gab, die sich nicht an die falsche Mehrheitsantwort hielt (entweder ein Assistent oder ein anderer naiver Teilnehmer), sank die Konformität dramatisch. Andere Studien untersuchten die Konformität, wenn der Dissident nicht nur mit der Mehrheit, sondern auch mit dem Teilnehmer nicht übereinstimmte (d.h. immer noch eine offensichtlich falsche, aber eine andere Antwort als die Mehrheit gab). Hier war die Konformität mit der Mehrheit, die die falsche Antwort gab, relativ gering (nur bei 9% der kritischen Studien). Dies veranlasste Asch zu dem Schluss, dass das, was die Konformität untergrub, nicht die Richtung der Meinungsverschiedenheit war (d.h. ob der "Meinungsverschiedene" richtig oder falsch war), sondern die Tatsache, dass es überhaupt zu Meinungsverschiedenheiten gekommen war.
Haslam I 83
(...) Ist es wirklich so, dass Konformität ein Spiegelbild von Schwäche und Feigheit ist? (...) besonders aufschlussreich ist es zu lesen, was die Teilnehmer sagten, wenn sie nach der Studie gefragt wurden, was es war, das ihre Antworten diktierte. (...) Viele von denen, die sich spontan anpassten, erwähnten, dass sie sich der Gruppe anschlossen, weil sie - obwohl sie nicht dachten, dass die Mehrheit Recht hatte - nicht dumm erscheinen oder der Seltsame sein wollten. Es gab aber auch andere Gründe, warum sich die Menschen anpassten. Einige erwähnten, dass sie die Studienergebnisse nicht "verderben wollten" (Asch 1955(2): S. 33). Wieder andere glaubten, dass die erste Person, die die falsche Antwort gibt, eine Sehbehinderung haben muss. Als die Helfer 2 und 3 auch die falsche Antwort gaben, kamen sie einfach zu dem Schluss, dass diese Teilnehmer konform waren, möglicherweise weil sie die erste Person nicht wie einen Narren aussehen lassen wollten.
Nichtkonformität/Asch: Asch selbst hat sich auch eingehend mit den Antworten derjenigen beschäftigt, die sich dem Mehrheitsdruck widersetzten, diese Antworten werden seltener in sozialpsychologischen Lehrbüchern zusammengefasst. Also, was genau haben diejenigen, die sich widersetzten, gesagt? Asch berichtet über zwei Klassen von Individuen:
a) diejenigen, die von ihrem eigenen Urteil überzeugt waren und ohne große Rücksicht auf die Mehrheit zu reagieren schienen, und
b) diejenigen, die glaubten, dass die Mehrheit vielleicht Recht hatte, aber nicht aufhören konnten, das, was sie sahen, selbst zu sagen.
Haslam I 84
Konformität/Hornsey/Jetten: [in den Studien] wird deutlich, dass die Menschen aktiv versucht haben, die Situation zu verstehen, indem sie verschiedene Theorien darüber entwickelten, warum die Mehrheit diese offensichtlich falschen Antworten gab. Die Teilnehmer lehnten sich nicht zurück und ließen sich einfach von der Mehrheit überwältigen. Vielmehr waren sie kritisch engagiert und versuchten aktiv, die Situation zu verstehen, um eine Theorie zu entwickeln, die es ihnen ermöglichen würde, die höchst dissonante Erfahrung des Widerspruchs zwischen dem, was sie sahen, und der Reaktion der Mehrheit zu lösen. Vgl. >Kognitive Dissonanz/Festinger, >Kognitive Dissonanz/Psychologische Theorien. Siehe auch >Konformität/Psychologische Theorien, >Konformität/Kulturpsychologie, >Mehrheiten/Asch, >Widerstand/Hornsey.
Haslam I 88
Sozialer Druck/Asch: Wir sollten jedoch skeptisch gegenüber der Annahme sein, dass die Macht des sozialen Drucks notwendigerweise eine unkritische Unterwerfung unter ihn impliziert: Unabhängigkeit und die Fähigkeit, sich über die Gruppenleidenschaft zu erheben, sind auch beim Menschen möglich. (Asch 1955(2): 32)
Haslam I 89
Hornsey: Dennoch scheint es, dass nur die Hälfte von Aschs Botschaft überlebt hat und der andere Teil weitgehend vergessen ist. Seine Botschaft und sein Zweck haben sich im Laufe der Jahre gewandelt: Anstatt zu versuchen, das Zusammenspiel von Unabhängigkeit und Konformität zu verstehen, haben sich die Konsumenten seiner Arbeit ausschließlich auf die Neigung der Menschen zur Konformität konzentriert. >Widerstand/Hornsey, >Mehrheit/Hornsey.


1. Asch, S.E. (1951) ‘Effects of group pressure upon the modification and distortion of judgment’, in H. Guetzkow (ed.), Groups, Leadership and Men. Pittsburgh, PA: Carnegie Press. pp. 177–90.
2. Asch, S.E. (1955) ‘Opinions and social pressure’, Scientific American, 193: 31–5.


Matthew J. Hornsey and Jolanda Jetten, “Conformity. Revisiting Asch’s line-judgment studies”, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications

Haslam I
S. Alexander Haslam
Joanne R. Smith
Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017
Konformität Kulturpsychologie Haslam I 81
Konformität/Kulturelle Unterschiede/Kulturpsychologie: Mit Blick auf die nationalen Unterschiede in der Konformität im Asch-Paradigma (>Konformität/Asch; Asch 1955)(1) führten Rod Bond und Peter Smith (1996)(2) eine statistische Analyse durch, in der sie die Konformitätsstufen zwischen Ländern, die den Individualismus fördern (z.B. die USA) und Ländern mit einer kollektiveren Ausrichtung (z.B. Hongkong) verglichen. Ihre Analyse von 133 Asch-Linienurteils-Studien ergab, dass die Konformität in kollektivistischen Ländern höher war als in individualistischen Ländern, vermutlich weil die Konformität in den ersten Ländern höher bewertet wird als in den zweiten. Ihre Studie zeigte auch einen soliden Effekt, bei dem Frauen eher konform waren als Männer. Interessanterweise stellten die Forscher auch fest, dass die Konformitätswerte im Laufe der Jahrzehnte deutlich gesunken waren, wobei die Konformitätswerte in neueren Studien relativ niedrig waren.


1. Asch, S.E. (1951) ‘Effects of group pressure upon the modification and distortion of judgment’, in H. Guetzkow (ed.), Groups, Leadership and Men. Pittsburgh, PA: Carnegie Press. pp. 177–90.
2. Bond, R. and Smith, P. (1996) ‘Culture and conformity: A meta-analysis of studies using Asch’s (1952b, 1956) line judgment task’, Psychological Bulletin, 119: 111–37.


Matthew J. Hornsey and Jolanda Jetten, “Conformity. Revisiting Asch’s line-judgment studies”, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications

Haslam I
S. Alexander Haslam
Joanne R. Smith
Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017
Konformität Psychologische Theorien Haslam I 77
Konformität/Psychologische Theorien: Solomon Asch (1951(1), 1955(2)) fragte, warum wir manchmal unsere fest verankerten Überzeugungen aufgeben und unsere Einstellungen und Urteile mit denen anderer Menschen in Einklang bringen, auch wenn wir wissen, dass sie falsch sind und wir Recht haben. >Konformität/Asch.
Haslam I 80
Als weiteres Beispiel für die Macht des normativen Einflusses schufen Morton Deutsch und Harold Gerard (1955)(3) eine Situation, in der die Teilnehmer die (falschen) Antworten der Mehrheit miterleben konnten, aber ihre eigenen Antworten privat aufzeichnen durften (wodurch die Angst vor Spott und damit die Macht des normativen Einflusses beseitigt wurde). In dieser Variante ist der Konformitätsgrad gesunken (siehe auch Abrams et al., 1990(4); Insko et al., 1983(5)). Interessanterweise wurde die Konformität jedoch nicht auf Null reduziert. Für einige Teilnehmer reichte die Kraft der Situation aus, um sie davon zu überzeugen, dass die Mehrheit der Antworten doch die richtige Antwort war. Mit anderen Worten, die Studie liefert nicht nur Beweise für normativen Einfluss (d.h. "mit anderen mitzugehen"), sondern auch für informationellen Einfluss (d.h. von anderen überzeugt zu sein).
Haslam I 81
Alter/Konformität: In einer Studie, die ein etwas anderes Paradigma als Asch anwandte, stellten Michael Walker und Maria Andrade (Walker und Andrade 1996)(6) fest, dass die jüngeren Teilnehmer umso mehr konform waren: Die Konformitätsniveaus lagen bei 42% bei den 6- bis 8-Jährigen, 38% bei den 9- bis 11-Jährigen und 9% bei den 12- bis 14-Jährigen, jedoch gab es bei den 15- bis 17-Jährigen überhaupt keine Konformität. Konformität/kulturelle Unterschiede: Mit Blick auf die nationalen Unterschiede in der Konformität im Asch-Paradigma führten Rod Bond und Peter Smith (1996)(7) eine statistische Analyse durch, in der sie die Konformitätsniveaus zwischen Ländern, die den Individualismus fördern (z.B. die USA) und Ländern mit einer stärker kollektivistischen Ausrichtung (z.B. Hongkong) verglichen.
Ihre Analyse von 133 Asch-Linienurteilstudien ergab, dass die Konformität in kollektivistischen Ländern höher war als in individualistischen Ländern, vermutlich weil die Konformität in den ersten Ländern höher bewertet wird als in den zweiten. Ihre Studie zeigte auch einen robusten Effekt, bei dem Frauen eher konform waren als Männer. Interessanterweise stellten die Forscher auch fest, dass die Konformitätswerte im Laufe der Jahrzehnte deutlich gesunken waren, wobei die Konformitätswerte in neueren Studien relativ niedrig waren.
Haslam I 82
(...) Die Form der Konformität, welche in Aschs Studien beobachtetet wurde, soll so unterschiedlichen Verhaltensweisen zugrunde liegen wie der Nazi-Propaganda, Essstörungen wie Bulimie (wo die Menschen nicht in der Lage sind, dem Mehrheitszwang nach Dünnheit zu widerstehen; Crandall, 1988)(8) und Fußball-Hooliganismus und anderen Formen von Massengewalt (Le Bon, 1895)(9). >Konformität/Le Bon.
Haslam I 83
(...) Ist es wirklich so, dass Konformität ein Spiegelbild von Schwäche und Feigheit ist? (...) es ist besonders aufschlussreich zu lesen, was die Teilnehmer sagten, wenn sie nach der Studie gefragt wurden, was es war, das ihre Antworten diktierte. (...) Viele von denen, die sich spontan anpassten, erwähnten, dass sie sich der Gruppe anschlossen, weil sie - obwohl sie nicht dachten, dass die Mehrheit Recht hatte - nicht dumm erscheinen oder der Seltsame sein wollten. Es gab aber auch andere Gründe, warum sich die Menschen anpassten. Einige erwähnten, dass sie die Studienergebnisse nicht "verderben wollten" (Asch 1955(2): S. 33). Wieder andere glaubten, dass die erste Person, die die falsche Antwort gibt, eine Sehbehinderung haben muss. Als die Verbündeten 2 und 3 auch die falsche Antwort riefen, kamen sie einfach zu dem Schluss, dass diese Teilnehmer konform waren, möglicherweise weil sie die erste Person nicht wie einen Narren aussehen lassen wollten.



1. Asch, S.E. (1951) ‘Effects of group pressure upon the modification and distortion of judgment’, in H. Guetzkow (ed.), Groups, Leadership and Men. Pittsburgh, PA: Carnegie Press. pp. 177–90.
2. Asch, S.E. (1955) ‘Opinions and social pressure’, Scientific American, 193: 31–5.
3. Deutsch, M. and Gerard, H. (1955) ‘A study of normative and informational social influences upon individual judgment’, Journal of Abnormal and Social Psychology, 51: 629–36.
4. Abrams, D., Wetherell, M.S., Cochrane, S., Hogg, M.A. and Turner, J.C. (1990) ‘Knowing what to think by knowing who you are: Self-categorization and the nature of norm formation, conformity, and group polarization’, British Journal of Social Psychology, 29: 97–119.
5. Insko, C.A., Drenan, S., Solomon, M.R., Smith, R. and Wade, T.J. (1983) ‘Conformity as a function of the consistency of positive self-evaluation with being liked and being right’, Journal of Experimental Social Psychology, 19: 341–58.
6. Walker, M.B. and Andrade, M.G. (1996) ‘Conformity in the Asch task as a function of age’, Journal of Social Psychology, 136: 367–72.
7. Bond, R. and Smith, P. (1996) ‘Culture and conformity: A meta-analysis of studies using Asch’s (1952b, 1956) line judgment task’, Psychological Bulletin, 119: 111–37.
8. Crandall, C.S. (1988) ‘Social contagion of binge eating’, Journal of Personality and Social Psychology, 55: 588–98.
9. Le Bon, G. (1895) La Psychologie des foules (The Crowd: A Study of the Popular Mind, 1982, Atlanta: Cherokee Publishing Company).


Matthew J. Hornsey and Jolanda Jetten, “Conformity. Revisiting Asch’s line-judgment studies”, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications

Haslam I
S. Alexander Haslam
Joanne R. Smith
Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017
Körper Pelluchon Körper/Umwelt/Ressourcen/Pelluchon: Warum (...) ist der begriff der Nahrung zentral? Materielle Lebensmittel machen zwar nicht die Gesamtheit dessen aus, wovon ich lebe, da Nahrung gleichermaßen irdischer und geistiger, affektiver und intellektueller Natur ist und auch Arbeit, Unterhaltung und Beziehungen einschließt. Trotzdem ist die physische Ernährung das Paradigma dieser Philosophie der Körperlichkeit und des Empfindens.
Eine Philosophie, die danach fragt, ist eine politische Philosophie. >Existenz/Pelluchon, >Ökologie/Pelluchon, >Deep ecology/Pelluchon.
Ernährung: (...) [ist] eine gänzlich soziale Tatsache, weil sie über ihre ethische und politische Bedeutung hinaus eine affektive Dimension besitzt, die auf den Umstand zurückverweist, dass wir ursprünglich von denen genährt wurden, die uns seit unserer Geburt umsorgt und uns ihre Liebe gezeigt haben – oder auch nicht.

Corine Pelluchon. „Wovon leben wir?“ in: Die ZEIT Nr. 38. 10.09.2020
Kunst Horkheimer Habermas III 463
Kunst/Horkheimer/Habermas: These: in Horkheimer/Adorno, Dialektik der Aufklärung: sogar im paradigmatischen Jahrhundert der Aufklärung ist die Dissoziierung von Vernunft und Moral bis in die letzten Konsequenzen zu Bewusstsein gekommen: man „hat nicht vorgegeben, dass die formalistische Vernunft in einem engeren Zusammenhang mit der Moral als mit der Unmoral stünde.“ (1) Kunst/Horkheimer/Habermas: Horkheimer behauptet nur das gleiche von der modernen Kunstentwicklung: Die Dissoziierung der Kunst
Habermas III 464
von der Vernunft „überführt Kunstwerke in kulturelle Waren und ihren Konsum in eine Reihe von zufälligen Gefühlen, die von unseren wirklichen Intentionen und Bestrebungen getrennt sind. (2)

1.M. Horkheimer, Th. W. Adorno, Dialektik der Aufklärung, Amsterdam 1947, S. 141.
2. M. Horkheimer, Zur Kritik der instrumentellen Vernunft, Frankfurt 1967, S. 47.

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Lager Agamben Brocker I 822
Lager/Agamben: die Form (Agamben: „Topologie“), die das Politische durch die Einführung des Begriffs des „nackten Lebens“ annimmt, ist die des „Lagers“: das Lager „als biopolitische Paradigma der Moderne“ („nomos der Moderne“ (1)) Siehe Staat/Agamben, Leben/Agamben.
Brocker I 828
Das Lager erscheint als verborgenes Paradigma des politischen Raums der Moderne. Dies wird verständlich, wenn man Politik als Biopolitik, deutet, der es um das „nackte“ Leben geht - im Gegensatz zu einer Politik, die den Bürger als Subjekt ansieht. Das Lager bezieht sich auf politische Strukturen des Ausnahmezustands (Siehe Ausnahme/Terminologie/Agamben). Als Beispiele für „Lager“ nennt Agamben Auffanglager für Geflüchtete oder Bsp Guantanamo auf Kuba: letztlich rechtsleere Räume. VsAgamben: Agamben wurde in diesem Zusammenhang historische Unzulänglichkeit vorgeworfen: seine These stelle eine Vergleichbarkeit zwischen Ereignissen her, die historisch und ethisch nicht vergleichbar seien.
AgambenVsVs/Muhle: seine These muss insofern als strukturelle These ernst genommen werden, als sie darauf verweist, dass auch innerhalb der Grenzen der rechtsstaatlich gefestigten westlichen Demokratien Ausnahmezustände und damit rechtsfreie Räume produziert werden können und damit auch hier das nackte Leben als ursprüngliches politisches Subjekt hervortritt.
Brocker I 829
Lager/Agamben: es geht darum, das Lager nicht als »Anomalie« der Vergangenheit zu begreifen, sondern vielmehr »als verborgene Matrix, als nómos des politischen Raumes, in dem wir auch heute noch leben« (2). Zu unterstreichen ist hier, dass die Lager nicht aus dem gewöhnlichen Recht hervorgehen, noch dass sie eine Form des Strafvollzugsrechts sind, sondern dass sie »aus dem Ausnahmezustand und dem Kriegsrecht« herrühren. das Lager bietet eine »dauerhafte räumliche Einrichtung« (3) für den anderweitig zeitlich begrenzten Ausnahmezustand.

1.Giorgio Agamben, Homo sacer. Il potere sovrano e la nuda vita, Torino 1995. Dt.: Giorgio Agamben, Homo sacer – Die souveräne Macht und das nackte Leben, Frankfurt/M. 2002, S. 175.
2. Ebenda
3. Ebenda S. 178

Maria Muhle, „Giorgio Agamben, Homo sacer – Die souveräne Macht und das nackte Leben“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Agamben I
Giorgio Agamben
Homo sacer – Die souveräne Macht und das nackte Leben Frankfurt 2002

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Lexikalische Untersuchungen Saucier Corr I 386
Lexikalische Untersuchungen/Psychologie/Saucier: zu einer Schlüsselprämisse des lexikalischen Ansatzes: Der Grad der Darstellung eines Attributs in der Sprache hat eine gewisse Übereinstimmung mit der allgemeinen Bedeutung des Attributs in realen Transaktionen. >Lexikalische Hypothese. Lexikalische Untersuchungen in Bezug auf die Persönlichkeit:
A. 1. Lexikalisierte Konzepte finden sich in Standardquellen, die von Desinteressenten (z.B. Linguisten und Lexikographen) erstellt wurden. Die Grundlage für die Variablenauswahl auf einer solchen Quelle reduziert die Wahrscheinlichkeit, dass der Forscher bei der Entscheidung, was eine wichtige Variable ist oder nicht, voreingenommen ist.
2. Da lexikalisierte Konzepte eine endliche Domäne darstellen, kann man sie repräsentativ ausprobieren, um inhaltliche und qualitative Massstäbe für Persönlichkeitsvariablen festzulegen.
B. Das lexikalische Studienparadigma legt besonderen Wert auf die interkulturelle Verallgemeinerbarkeit.
Der lexikalische Ansatz beinhaltet eine indigene Forschungsstrategie. Die Analysen werden innerhalb jeder Sprache separat durchgeführt, wobei ein repräsentativer Satz von muttersprachlichen Deskriptoren verwendet wird, anstatt nur ausgewählte Variablen aus anderen Sprachen zu importieren.
Persönlichkeit: Die Mehrheit der lexikalischen Studien zu Persönlichkeitsdeskriptoren hat versucht, das einflussreichste Strukturmodell der letzten zwei Jahrzehnte, die >Big Five-Faktorstruktur, zu testen (Goldberg 1990(1); John 1990(2)).
Corr I 387
Mehrere lexikalische Studien haben Belege für Faktorlösungen mit nur einem Faktor geliefert (Boies, Lee, Ashton et al. 2001(3); Di Blas und Forzi 1999(4); Goldberg und Somer 2000(5); Saucier 1997(6), 2003b(7); Saucier, Georgiades, Tsaousis und Goldberg 2005(8); Saucier, Ole-Kotikash und Payne 2006(9); Zhou, Saucier, Gao und Liu in der Presse), mit konsistenten Ergebnissen. Der Einzelfaktor kontrastiert eine heterogene Mischung aus wünschenswerten Eigenschaften an einem Pol mit einer Mischung aus unerwünschten Eigenschaften am anderen Pol. Dieser nicht gedrehte Faktor kann als Bewertung (nach Osgood 1962)(10) oder als sozial wünschenswert gegenüber unerwünschten Eigenschaften bezeichnet werden.



1. Goldberg, L. R. 1990. An alternative ‘description of personality’: the Big-Five factor structure, Journal of Personality and Social Psychology 59: 1216–29
2. John, O. P. 1990. The ‘Big Five’ factor taxonomy: dimensions of personality in the natural language and in questionnaires, in L. A. Pervin (ed.), Handbook of personality: theory and research, pp. 66–100. New York: Guilford
3. Boies, K., Lee, K., Ashton, M. C., Pascal, S. and Nicol, A. A. M. 2001. The structure of the French personality lexicon, European Journal of Personality 15: 277–95
4. Di Blas, L. and Forzi, M. 1999. Refining a descriptive structure of personality attributes in the Italian language: language: the abridged Big Three circumplex structure, Journal of Personality and Social Psychology 76: 451–81
5. Goldberg, L. R. and Somer, O. 2000. The hierarchical structure of common Turkish person-descriptive adjectives, European Journal of Personality 14: 497–531
6. Saucier, G. 1997. Effects of variable selection on the factor structure of person descriptors, Journal of Personality and Social Psychology 73: 1296–1312
7. Saucier, G. 2003b. Factor structure of English-language personality type-nouns, Journal of Personality and Social Psychology 85: 695–708
8. Saucier, G., Georgiades, S., Tsaousis, I. and Goldberg, L. R. 2005. The factor structure of Greek personality adjectives, Journal of Personality and Social Psychology 88: 856–75
9. Saucier, G., Ole-Kotikash, L. and Payne, D. L. 2006. The structure of personality and character attributes in the language of the Maasai. Unpublished report. University of Oregon
10. Osgood, C. E. 1962. Studies on the generality of affective meaning systems, American Psychologist 17: 10–28


Gerard Saucier, „Semantic and linguistic aspects of personality“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Liberalismus Gaus Gaus I 100
Liberalismus/Gaus: Die Unterscheidung zwischen 'umfassenden' und 'politischen' Liberalismen (...) ist für die zeitgenössische politische Theorie zentral geworden. >Liberalismus/Waldron. Umfassender Liberalismus: Versionen:

- Liberalismus als säkulare Philosophie;
- Liberalismus als eine Philosophie des guten Lebens;
- Liberalismus als eine politische Theorie, die von einer spezifischen Moraltheorie abgeleitet ist;
- Liberalismus als eigenständige Theorie des Rechts oder der Gerechtigkeit.

Der Liberalismus als säkulare Philosophie ist eine ausgesprochen radikale Konzeption, die in gewisser Weise der paradigmatische "voll umfassende" Liberalismus ist. Auf der anderen Seite ist der Liberalismus als Theorie des Rechts viel vorsichtiger, was das Ausmaß der Konvergenz der menschlichen Vernunft betrifft; seine bescheideneren Versionen treten in den Schatten des politischen Rawls'schen Liberalismus.
GausVsRawls: So werde ich argumentieren, dass der "umfassende" Liberalismus aus "A Theory of Justice" (1971)(1) eine ausgesprochen "partielle" umfassende Sichtweise war, die nicht so umfassend war wie viele andere Varianten des Liberalismus.
Gaus I 101
Während des gesamten letzten Jahrhunderts wurde der Liberalismus von Kontroversen zwischen denjenigen, die allgemein als "Individualisten" bezeichnet werden, einerseits und den "Kollektivisten", "Kommunitaristen" oder "Organisten" andererseits heimgesucht (zur Skepsis darüber siehe jedoch Bird, 1999(2)).
Gaus I 102
(...) In den letzten 20 Jahren ist ein erneutes Interesse an kollektivistischen Analysen der liberalen Gesellschaft zu beobachten - obwohl der Begriff 'kollektivistisch' zugunsten des Begriffs 'kommunitär' widerrufen wurde. Gutmann: 1985 schrieb Amy Gutmann: "Wir sind Zeugen eines Wiederauflebens der kommunitaristischen Kritik an der liberalen politischen Theorie. Wie die Kritiker der 1960er Jahre machen auch die Kritiker der 1980er Jahre den Liberalismus dafür verantwortlich, irrtümlich und irreparabel individualistisch zu sein" (1985(3): 308). Ausgehend von Michael Sandel's berühmter Kritik an Rawls (1982)(4) wurde von einer Reihe von Kritikern der Vorwurf erhoben, dass der Liberalismus notwendigerweise auf einer abstrakten Konzeption des individuellen Selbst als reinem Wähler beruht, dessen Verpflichtungen, Werte und Anliegen Besitz des Selbst sind, aber niemals das Selbst konstituieren. >Rawls/Sandel.
Wichtig für unsere Zwecke ist, dass sich diese Debatten darauf konzentrieren, ob der Liberalismus eine individualistische Theorie des Menschen in der Gesellschaft beinhaltet oder ob seine politischen und moralischen Verpflichtungen mit verschiedenen Selbst- und Gesellschaftsvorstellungen verbunden werden können; es ist also eine Debatte darüber, wie "umfassend" der Liberalismus wirklich ist.
Gaus I 103
Liberalismus wird mit der Förderung einer bestimmten Art von sich selbst verwirklichendem Individuum identifiziert, das seine oder ihre Natur entwickelt, rational und misstrauisch gegenüber Bräuchen ist, mit verschiedenen Lebensweisen experimentiert und nicht zum Konformismus neigt. Vgl. >Mill/Gaus, >Individuen/Mill, >Individualismus/Rawls, >Perfektionismus/Rawls.
Gauß I 104
Es ist ein Fehler, Liberalismus definieren zu wollen; liberale Theorien sind komplexe Cluster von konzeptuellen und wertebezogenen Verpflichtungen. Aber sicherlich ist ein entscheidendes Kriterium für die Beschreibung einer "liberalen" Sichtweise die Frage, ob Freiheit die zentrale begriffliche Verpflichtung ist (Freeden, 1996;(6) Gaus, 2000a(7)). >Freiheit/Liberalismus.
Gaus I 105
Moraltheorie: (...) eine liberale Theorie des guten Lebens und der Moral muss von einer auf einer Moraltheorie beruhenden Verpflichtung zum Liberalismus unterschieden werden; diese beiden unterschiedlichen Konzeptionen des Liberalismus werden oft als "umfassender" Liberalismus in einen Topf geworfen. Liberale politische Prinzipien können aus Moraltheorien abgeleitet werden, die selbst nicht von Natur aus liberal sind. Es gibt [drei] solcher Theorien: Utilitarismus, Hobbes'scher Kontraktualismus und Werteskepsis. >Utilitaristischer Liberalismus/Gaus.

1. Rawls, John (1971) A Theory of Justice. Cambridge, MA: Harvard University Press.
2. Bird, Colin (1999) The Myth of Liberal Individualism. Cambridge: Cambridge University Press.
3. Gutmann, Amy (1985) ‘Communitarian critics of liberalism’. Philosophy & Public Affairs, 14: 308–22.
4. Sandel, Michael (1982) Liberalism and the Limits of Justice. Cambridge: Cambridge University Press.
5. Freeden, Michael (1996) Ideologies and Political Theory. Oxford: Clarendon.
6. Gaus, Gerald F. (2000a) Political Theories and Political Concepts. Boulder, CO: Westview.


Gaus, Gerald F. 2004. „The Diversity of Comprehensive Liberalisms.“ In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications.

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Logos Platon Gadamer I 416
Logos/Platon/Gadamer: [Der Logos ist der] Gebrauch der Worte, d. h. (...) die Rede mit [ihrem] Wahr- und Falschseinkönnen (...).Der Name, das Wort, scheint insofern wahr oder falsch zu sein, als es wahr oder falsch gebraucht wird, d. h. dem Seienden richtig oder unrichtig zugeordnet wird. Solche Zuordnung ist aber gar nicht mehr die des Wortes, sondern ist bereits Logos und kann in einem solchen Logos ihren angemessenen Ausdruck finden. Z. B. jemanden“Sokrates“ nennen, unterstellt, dass dieser Mensch Sokrates heißt. Die Zuordnung, die Logos ist, ist also viel mehr als bloße Entsprechung von Wörtern und Sachen - wie sie letzten Endes der eleatischen Seinslehre entsprechen würde und in der Abbildungstheorie vorausgesetzt ist. Gerade weil die im Logos gelegene Wahrheit nicht die des bloßen Vernehmens,
(noein), ist, kein bloßes Erscheinenlassen von Sein, sondern immer Sein in eine Hinsicht stellt, ihm etwas zuerkennt und zuspricht, ist nicht das Wort (onoma), sondern der Logos der Träger der Wahrheit (und freilich auch der Unwahrheit). Daraus folgt dann mit Notwendigkeit, daß diesem Beziehungsgefüge, in das der Logos die Sachen aufgliedert und eben damit auslegt, die Ausgesagtheit und damit die Sprachgebundenheit ganz sekundär ist.
Wort/Zahl/Zeichen/Platon/Gadamer: man begreift, dass nicht das Wort, sondern die Zahl das eigentliche Paradigma des Noetischen ist, die Zahl, deren Benennung ersichtlich reine
Konvention ist und deren „Genauigkeit“ eben darin besteht, dass jede Zahl durch ihre Stellung in der Reihe definiert ist, also ein reines Gebilde der Intelligibilität, ein ens rationis ist, nicht im abschwächenden Sinne seiner Seinsgeltung, sondern im Sinne seiner perfekten Vernünftigkeit. Dies ist das eigentliche Resultat, auf das der „Kratylos“ bezogen ist, und dieses Resultat
hat eine höchst folgenreiche Konsequenz, die in Wahrheit alles weitere Denken über Sprache beeinflusst.
Zeichen/Platon: Stellt der Bereich des Logos den Bereich des Noetischen in der Vielheit seiner Zuordnungen dar, so wird nämlich das Wort ganz wie die Zahl zum bloßen Zeichen eines wohldefinierten und damit vorgewussten Seins. Damit ist im Prinzip die Fragestellung umgekehrt. Jetzt wird nicht mehr von der Sache aus nach dem Sein und Mittelsein des Wortes gefragt, sondern vom Mittel des Wortes aus auf das hin gefragt, was und wie es etwas vermittelt, nämlich dem, der es gebraucht. Im Wesen des Zeichens liegt, dass es in seiner Verwendungsfunktion sein Sein hat, und das so, dass seine Eignung allein
Gadamer I 417
darin liegt, verweisend zu sein. Es muss sich daher in dieser seiner Funktion von der Umgebung, in der es angetroffen und als Zeichen genommen werden soll, abheben, um eben damit sein eigenes Dingsein aufzuheben und in seiner Bedeutung aufzugehen (zu verschwinden). Es ist die Abstraktion des Verweisens selbst. >Zeichen/Platon.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Makroökonomie Keynesianismus Mause I 58
Makroökonomie/Keynesianismus/VsLucas/VsMuth: Mitte der 1980er-Jahre entstand als Reaktion auf die Unfähigkeit der Neuen Klassischen Makroökonomie, makroökonomische Probleme sinnvoll zu behandeln, die Neue Keynesianische Makroökonomie. Neu: Aufgabe der Gleichgewichtshypothese.
Marktunvollkommenheiten bzw. Marktungleichgewichte werden ausdrücklich berücksichtigt und mikroökonomisch zu erklären versucht. Drei Ansätze:
1. Theorien, die von realen Preisrigiditäten ausgehen;
2.Theorien, die nominale Preisrigiditäten untersuchen
3. Theorien, die sich mit einem möglichen Versagen dezentraler Koordination befassen.

Mause I 70
Makroökonomie/Keynesianismus/Postkeynesianismus: Die Neue Keynesianische Makroökonomie greift zwar bestimmte Elemente des Postkeynesianismus auf (z. B. die Annahme der Unvollkommenheit der Märkte), hält aber in anderer Hinsicht am neoklassischen Paradigma fest, sodass man mitnichten von einer Ablösung des Postkeynesianismus durch die Neue Klassische Makroökonomie sprechen kann.

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Marxismus Jonas Brocker I 610
Marxismus/JonasVsMarxismus/Jonas: Jonas geht davon aus, dass der Sozialismus eher in der Lage ist, eine „Verzichtspolitik“ (1) durchzusetzen, als es die westlichen liberalen Demokratien seien. Dieser Verzicht sei notwendig, um die Biosphäre für zukünftige Generationen zu erhalten und menschliches Leben zu erhalten. Siehe Ethik/Jonas. – Allerdings:
Brocker I 611
JonasVsMarxismus: dieser habe den technologischen Größenwahn der Menschheit mit befeuert, indem er – wie der Kapitalismus – eine grundsätzlich technologische Konzeption der Gesellschaft“ (2) verfolge. JonasVsBloch: Jonas versteht sein Buch Das Prinzip Verantwortung explizit als Gegenentwurf und »Kritik des marxistischen Utopismus« (3), wie er paradigmatisch in Ernst Blochs Das Prinzip Hoffnung (3 Bde., 1954-1959) zum Ausdruck gekommen war.


1. Hans Jonas, »Warum wir heute eine Ethik der Selbstbeschränkung brauchen«, in: Elisabeth Ströker (Hg.), Ethik der Wissenschaften? Philosophische Fragen, München/Paderborn u. a. 1984, S. 86
2. Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation, Frankfurt/M. 1979, S. 276.
3. Ebenda S. 327

Manfred Brocker, „Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Jonas I
Hans Jonas
Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation Frankfurt 1979

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Marxismus Levine Gaus I 75
Marxismus/Levine, Andrew: [ein] Geschöpf der Universitätskultur des späten zwanzigsten Jahrhunderts [war] der analytische Marxismus. Analytische Marxisten waren wirklich Marxisten. Und im Gegensatz zu ihren postmodernen Kollegen zeigten sie im Allgemeinen eine intellektuelle Ernsthaftigkeit und Strenge, die der besten Philosophie und Sozialwissenschaft ihrer Zeit ebenbürtig waren.
Gauß I 76
Die Geschichte des analytischen Marxismus ist eine kurze Geschichte - sie beginnt in dem Jahrzehnt, das die Jahre 1968 bis 1978 umfasste, und setzt sich dann etwa die nächsten anderthalb Jahrzehnte fort. (...) was auch immer die meisten Praktiker dieses Genres jetzt glauben, der analytische Marxismus hat aufgedeckt, was der lebendige Kern der marxistischen theoretischen Tradition ist. Daher wäre es nur leicht scherzhaft zu sagen, dass dieser neue Aufbruch in der marxistischen Theorie den Marxismus rettete, indem er ihn zerstörte. (...) allem Anschein nach führte die analytische Wende in der marxistischen Theorie zu einem ganz anderen Ergebnis - sie führte zum Zusammenbruch des Marxismus, der daraufhin zum Liberalismus wurde. Dieses Kunststück wurde mit Bedauern vollbracht. Der analytische Marxismus war weitgehend ein Geschöpf der anglo-amerikanischen Universität der 1970er und 1980er Jahre. Er entstand im Gefolge der Studentenbewegungen, die sich im Frühjahr 1968 kurzzeitig zuspitzten. In einem Ausmaß, das anderswo im Westen beispiellos ist, gab es in der englischsprachigen Welt und insbesondere in den Vereinigten Staaten nie bedeutende politische oder intellektuelle Bewegungen, die sich mit dem Marxismus identifizierten.
Gaus I 77
Ende der 1960er Jahre wurde die Notwendigkeit einer Ideologie, die mit den vorherrschenden politischen Einstellungen übereinstimmt, immer stärker von vielen Linken gefordert. Alle gingen davon aus, dass irgendeine Version des Marxismus auf diese Beschreibung passen müsse. Gerechtigkeit: Orthodoxe Marxisten hatten immer bestritten, dass Gerechtigkeit ein transhistorisches "kritisches" Konzept sei, ein Standard, an dem sozioökonomische Strukturen gemessen werden könnten. Sie vertraten die Ansicht, dass Gerechtigkeitsvorstellungen "überstrukturell" seien, dass das, was gerecht oder ungerecht ist, relativ zur bestehenden Produktionsweise ist. Ungerechtigkeiten können also innerhalb des Kapitalismus entstehen, aber der Kapitalismus selbst kann nicht ungerecht sein.
Analytischer Marxismus: Zu den ersten analytischen marxistischen Unternehmungen gehörten Versuche, die orthodoxe Sichtweise als richtig zu beweisen oder, falls dies nicht gelang, zu zeigen, wie ein geeignetes transhistorisches Konzept von Gerechtigkeit in die größere theoretische Struktur integriert werden konnte, die Marx erdachte (siehe Buchanan, 1982(1); Lukes, 1985(2)).
Liberalismus/Rawls/Levine: Der Rawls'sche Liberalismus hauchte der egalitären Theorie und damit einer Kernkomponente, wohl der Kernkomponente, der sozialistischen Ideologie neues Leben ein.
Gauß I 79
Methode/Dialektik: Die analytischen Marxisten kamen zu der Erkenntnis, dass dialektische Erklärungen entweder das wiedergeben, was sich auf unaussprechliche Weise ausdrücken lässt, oder aber unverständlich und daher überhaupt nicht erklärbar sind.
Gauß I 80
Für einen analytischen Marxisten bedeutet die Verteidigung einer Position, sie in Begriffe zu übersetzen, die einer Überprüfung nach den anspruchsvollsten disziplinären Standards in der Philosophie oder in einer angemessenen Sozialwissenschaft standhalten. Die Positionen von Marx haben sich als bemerkenswert zugänglich für diese Art der Behandlung erwiesen (siehe z.B. Roemer, 1982(3)). Levine: Vor dem analytischen Marxismus glaubte man, die Ansichten von Marx unterschieden sich qualitativ von den Mainstream-Positionen und folgten aus einem anderen und vielleicht inkommensurablen "Paradigma". Marxistische theoretische Arbeiten sollten auch Schlussfolgerungen implizieren, die die Mainstream-Theoretiker in vielen Fällen ablehnen würden - nicht nur wegen ideologischer Widerstände, sondern aus Gründen, die von ihren eigenen theoretischen Verpflichtungen abhängen. Diese Annahmen können nicht länger aufrechterhalten werden. Indem er die Ansichten von Marx in der Weise akzeptabel machte, wie es die analytischen Marxisten taten, wurde der Marxismus eine Stimme unter anderen in den laufenden Debatten.


1. Buchanan, Allen E. (1982) Marx and Justice: The Radical Critique of Liberalism. Totawa, NJ: Rowman and Littlefield.
2. Lukes, Steven (1985) Marxism and Morality. Oxford: Oxford University Press.
1. Buchanan, Allen E. (1982) Marx and Justice: The Radical Critique of Liberalism. Totawa, NJ: Rowman and Littlefield.
3. Roemer, John (1982) Analytical Foundations of Marxian Economic Theory. Cambridge: Cambridge University Press.


Levine, Andrew 2004. A future for Marxism?“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications.

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Mengenlehre Quine IX 24
Mengenlehre/Quine: wenn man sie außerhalb der reinen Mathematik anwenden will, sollte man alle möglichen Dinge als Elemente zulassen.
IX 237ff
Mengenlehre/Quine: einziges primitives nicht logisches Zeichen: "ε" (Epsilon, Elementbeziehung).
II 115
Hintergrund zu den Überlegungen zur Mengenlehre hier: Umfangsgleich: Bsp wenn es zwei Wahrheitsprädikate gibt: "Wahr1" und "Wahr2" die beide dem Paradigma gerecht werden, dann sie diese beiden Prädikate umfangsgleich.
Tarski hat aber auch gezeigt, daß selbst ein Wahrheitsprädikat kann dem Paradigma nicht ganz gerecht werden, ohne Widersprüchlichkeit zu riskieren. Dennoch lässt sich ein Prädikat konstruieren, das einer beliebigen vorherbestimmten Sprache entspricht und dem Paradigma gerecht wird, sofern diese Sprache in ihrem Vokabular festgelegt und in ihrer logischen Struktur formal ist und vorausgesetzt, dass bestimmte Merkmale der Mengenlehre berücksichtigt sind, die außerhalb der vorherbestimmten Sprache liegen.
II 115/116
Das führt zur Forderung nach der Offenheit der Mengenlehre. Zu jeder konsistenten Mengenlehre gibt es eine mächtigere andere. (Auch Gödel). Das Wahrheitsproblem hat sich als Schlüssel zur Relativität der Mengenlehren herausgestellt.


Quine I
W.V.O. Quine
Wort und Gegenstand Stuttgart 1980

Quine II
W.V.O. Quine
Theorien und Dinge Frankfurt 1985

Quine III
W.V.O. Quine
Grundzüge der Logik Frankfurt 1978

Quine V
W.V.O. Quine
Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989

Quine VI
W.V.O. Quine
Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995

Quine VII
W.V.O. Quine
From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953

Quine VII (a)
W. V. A. Quine
On what there is
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (b)
W. V. A. Quine
Two dogmas of empiricism
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (c)
W. V. A. Quine
The problem of meaning in linguistics
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (d)
W. V. A. Quine
Identity, ostension and hypostasis
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (e)
W. V. A. Quine
New foundations for mathematical logic
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (f)
W. V. A. Quine
Logic and the reification of universals
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (g)
W. V. A. Quine
Notes on the theory of reference
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (h)
W. V. A. Quine
Reference and modality
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (i)
W. V. A. Quine
Meaning and existential inference
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VIII
W.V.O. Quine
Bezeichnung und Referenz
In
Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982

Quine IX
W.V.O. Quine
Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967

Quine X
W.V.O. Quine
Philosophie der Logik Bamberg 2005

Quine XII
W.V.O. Quine
Ontologische Relativität Frankfurt 2003

Quine XIII
Willard Van Orman Quine
Quiddities Cambridge/London 1987
Merkmale Lyons I 81
Def markiert/merkmalhaft/Linguistik/Lyons: („positiv“): Bsp die Pluralform ist oft durch ein s markiert, d.h. das s ist ein positives Zeichen für den Plural, während der Singular nicht durch ein Zeichen markiert ist, sondern „unmarkiert, „neutral“) ist. Def unmarkiert/merkmallos/Linguistik/Lyons: Bsp Fehlen einer Markierung, „neutral“) Singular-Form durch Fehlen des s, während der Plural („positiv“) durch ein s markiert ist. Ordnung/Unterscheidung.
Lyons: markiert/unmarkiert: man könnte auch sagen, Anwesenheit kontrastiert mit Abwesenheit.
Allgemeinheit/Allgemeines/Pointe: oft ist die unmarkierte Form von allgemeinerer Bedeutung als die markierte.
Noch allgemeiner: die Glieder des Paares ,müssen gar nicht durch Vorhandensein oder Nichtvorhandensein eines Merkmals charakterisiert sein:
Bsp „Hund“/“Hündin“: „Hund“ beinhaltet männliche und weibliche Form.
Das führt zu einer charakteristischen Form von Fehler: beim Pleonasmus resultiert entweder eine Tautologie „weibliche Hündin“ oder ein Widerspruch: „männliche Hündin“.
I 82
Markiert/unmarkiert: der Unterschied spielt sich auf der paradigmatischen Ebene ab.
I 167
Grammatische Merkmale/Subklassen/Lyons: die bisherigen Subklassen können dann feiner unterteilt werden, und zwar hierarchisch:
Na > {Na1, Na2} usw.
Problem/Lyons/(s): durch die hierarchische Ordnung gibt es nicht immer einen eindeutigen ((s) „Rückweg“) innerhalb der Struktur.
I 167
Problem/Lyons: 1. Das führt zu einer großen Zahl unzusammenhängender Wortlisten und zu vielen Mehrfachvorkommnissen eines Worts in mehreren Listen.
2. Es macht eine Formulierung der grammatischen Regeln komplizierter.
I 168
Chomsky: in Wirklichkeit ist diese Subkategorisierung des Wortschatzes nicht streng hierarchisch, sondern führt eben zu Überschneidungen Bsp Eigennamen {John, Ägypten}, unbelebt {Buch, Ägypten} usw. Problem/Chomsky: wenn die Subkategorisierung durch Ersetzungsregeln ausgedrückt ist, muss die eine der beiden Distinktionen übergeordnet sein, die andere ist dann nicht mehr natürlich darstellbar. Bsp wenn zuerst die Einteilung in Eigennamen und Appellativa (Bsp Buch, Mensch) vorgenommen wird und anschließen eine Einteilung in „menschlich“/“nicht-menschlich“, dann ist die einzige Möglichkeit, eine Regel aufzustellen, darin, dass man diese Regel auf beide völlig unzusammenhängenden Klassen, nämlich „Eigenname-menschlich“ und „Appellativum-nichtmenschlich“ bezieht. Da ja das Lexikon keine Liste der „Menschlich-Nomina“ enthält.
Chomsky: das wird bei zunehmender Verfeinerung immer schlimmer.
Lösung/Chomsky: eine Grammatik darf nicht ausschließlich aus Ersetzungsregeln bestehen.
Chomsky/Lyons: seine Lösung werden wir hier nicht behandeln, da wir von einem sehr einfachen System ausgehen.

Def Grammatisches Merkmal/Lyons: für Nomina. Bsp „konkret“, “belebt“, „menschlich“, wobei „konkret“ von „belebt“/“unbelebt“ unabhängig sein muss.
Das Merkmal dient der Klassifikation oder „Indexierung“.
I 169
Bsp Junge: [Appellativum,], [Menschlich], [Maskulinum].
Schreibweise: eckige Klammern.
lexikalische Substitutionsregeln/Ersetzung: sind dann so formuliert, dass man ein Wort nach Merkmalen auswählen kann.

Lexikon/Lyons: neu: die Menge der Regeln der Form
Na > {Junge,...}
müssen wir fallenlassen, die allgemeinere Form behält aber ihre Gültigkeit:

X > x I x e X
Neu: X ist jetzt jene Wortklasse, die einer Charakterisierung nach Merkmalen genügt.
Liste/Pointe: von Klassenzusammensetzungen Bsp [Appellativum], [Menschlich], [Maskulin] gibt es keine Liste. (Ordnung).
Grammatik/Semantik/Kongruenz/Lyons: die Ausdrücke, die für die Merkmale gebraucht wurden Bsp „Eigenname“, „Appellativum“ nannten wir grammatisch.
I 170
Wir sind bisher nicht von dem Grundsatz abgegangen, dass solche Ausdrücke, wenn sie für Wortklassen stehen, Bezeichnungen für distributionelle Kategorien sind. Pointe: das führt uns zur Semantik!
Klassifikation: aufgrund von Merkmalen wie „belebt“ usw. diese steht nämlich oft im Widerspruch zur Bedeutung der Wörter.
Vs Inhaltliche Grammatik/Lyons: das ist der Grund, warum sich die meisten Autoren von der „inhaltsbezogenen Grammatik“ zurückgezogen haben.
In einer Sprachbeschreibung muss das Lexikon für jedes Wort sowohl eine grammatische als auch eine semantische Information enthalten.
Lyons These: Zwischen semantischer und grammatischer Klassifikation herrscht oft Kongruenz. Dort kann man die grammatische Information teilweise aus der Wortbedeutung entnehmen.
I 171
Neutrum/Grammatik/Lyons: muss manchmal von „nicht-belebt“ unterschieden werden: Bsp „The child ate its dinner“.



Ly II
John Lyons
Semantics Cambridge, MA 1977

Lyons I
John Lyons
Einführung in die moderne Linguistik München 1995
Messen Wittgenstein Hintikka I 77
Messen/Wittgenstein/Hintikka: Angenommen, man bedient sich einer Stange, um herauszufinden, ob der Boden eines Flusses sandig oder morastig ist. Diese Stange lässt sich nicht in der gleichen Weise verwenden um herauszufinden, wie die Stange ihrerseits beschaffen ist. Andererseits ist es ohne weiteres möglich, die Stange einzusetzen, um herauszufinden, ob sich mit ihrer Hilfe der Boden überhaupt erreichen lässt.
I 176
"...wenn ich einen Maßstab an einen räumlichen Gegenstand anlege, so lege ich alle Teilstriche zu gleicher Zeit an."
I 216 ff
Vergleichbarkeit/Welt/Bild/Messen//Verifikation/Wittgenstein/Hintikka: Man kann ein Bild nicht mit der Wirklichkeit vergleichen, wenn man es nicht als Maßstab an sie anlegen kann. Man muss den Satz auf die Wirklichkeit auflegen können.
I 218
Messen/Wittgenstein: Der Maßstab muss immer in demselben Raum sein wie das gemessene Ding. Nur die Sätze einer physikalistischen Sprache können mit Tatsachen verglichen werden und diese darum auch darstellen.

II 29
Messen/Wittgenstein: Satz: Bsp "lege den Maßstab dreimal an G an, und du wirst die Höhe von G erhalten". Dann gehört die Existenz von G und auch die des Maßstabes zum Satz. Die Höhe von G ist dagegen nicht Teil des Satzes.
II 184
Def Zeit/Wittgenstein: ist das, was mit einer Uhr gemessen wird. Wenn wir mehrere Messverfahren kennen, die einander nicht widersprechen, setzen wir bei der Erklärung dieser Wörter kein bestimmtes Verfahren voraus. Aber Prüfverfahren verleihen dem Ausdruck "dieselbe Farbe haben" verschiedene Bedeutungen.
II 236
Messen/Wittgenstein: "Der Maßstab von Greenwich ist tatsächlich einen Fuß lang" es hat keinen Sinn das zu sagen. Es ist eine Definition. > Bsp Urmeter.
II 238
Messen/Maßstab/flexibel/Wittgenstein: Bsp wir könnten aber auch alle die bei verschiedenen Temperaturen abgelesenen Werte als die wirkliche Länge bezeichnen. Dem Einwand, dass "ich mag es und ich mag es nicht" kein Fall ist, auf den "Widerspruch" zutrifft, entspricht der Einwand, dass ein Maßstab nutzlos ist, sofern er nicht starr ist. Es könnte jedoch sein, dass man in manchen Fällen Elastizität wünscht.
II 354
...überdies kann man Russells Gleichheitszeichen eliminieren, und in diesem Fall kann man die Gleichungen gar nicht hinschreiben. Unterschied:
Messen: Bsp numerische Gleichheit von Klassen oder
Rechnen: Bsp gleiche Anzahl von Wurzeln einer Gleichung 4. Grades: das eine ist eine Messung,
das andere eine Berechnung.
Gibt es ein Experiment, um festzustellen ob zwei Klassen dieselbe Anzahl zukommt? Bei Klassen, die sich nicht überblicken lassen könnte es der Fall sein oder auch nicht.
II 355
Es ist ein schädliches Vorurteil, zu glauben, dass es sich um ein Experiment handelt, wenn man Striche benützt.
II 333
Muster/Meter/Maß/Maßstab/Messen/Wittgenstein: das Muster gehört nicht zur Anwendung, sondern zur Sprache - die Existenz des Metermaßes garantiert nicht, dass es etwas gibt, das einen Meter lang ist - den Maßstab festzulegen ist eine Entscheidung, keine Entdeckung.
II 367
Messen/Wittgenstein: ebenso ist es, wenn ich gefragt werde, ob zwei Holzstücke gleich lang sind, worauf ich sie übereinander lege und mit ja antworte. Man könnte fragen, ob ich wisse, dass ihnen beim Messen nichts geschehen sei. Die Antwort ist, dass das Reden von der Gleichheit keine Bedeutung mehr hat, wenn jede Methode der Feststellung der Gleichheit abgelehnt wird!
II 368
Wenn man die Gleichheit der Längen behauptet, so heißt das, dass man etwas über die Ermittlungsmethode aussagt.
II 437
Wurzel/Konstruktion/Wittgenstein: Bsp die Diagonale wird auf die Zahlengerade gedreht. Ohne die Konstruktion ist √2 nicht die Länge. Diese Länge ist keine Approximation. Mit dem Messen mit Hilfe eines Metermaßes hat sie nichts zu tun.
III 231
Urmeter/Wittgenstein/Flor: eben weil er ein Paradigma ist - ein Mittel zur Herstellung des Sprachspiels, ist er nichts, was in dem Sprachspiel hergestellt wird.
VI 148
Messen/Wittgenstein/Schulte: eines ist, die Messmethode zu beschreiben, ein anderes, die Ergebnisse zu finden. Aber was wir "Messen" nennen, ist durch eine gewisse Konstanz der Messergebnisse bestimmt.
VI 165
Maßstab/Messen/Tractatus/Schulte: das Bild ist so mit der Wirklichkeit verknüpft: es reicht bis zu ihr. Es ist wie ein Maßstab an die Wirklichkeit angelegt. Nur die äußersten Punkte der Teilstriche berühren den Gegenstand. These: Ein Satzsystem ist wie ein Maßstab an die Wirklichkeit angelegt. Wobei ich aber alle Teilstriche zu gleicher Zeit anlege.

W II
L. Wittgenstein
Vorlesungen 1930-35 Frankfurt 1989

W III
L. Wittgenstein
Das Blaue Buch - Eine Philosophische Betrachtung Frankfurt 1984

W IV
L. Wittgenstein
Tractatus logico-philosophicus Frankfurt/M 1960

Hintikka I
Jaakko Hintikka
Merrill B. Hintikka
Untersuchungen zu Wittgenstein Frankfurt 1996

Hintikka II
Jaakko Hintikka
Merrill B. Hintikka
The Logic of Epistemology and the Epistemology of Logic Dordrecht 1989
Methode Moscovici Haslam I 95
Methode/Moscovici: In ihren Nachbildstudien hatten Moscovici und Personnaz (1980)(1) die neuartige Idee, zu zeigen, dass eine numerische Minderheit im Gegensatz zu einer Mehrheit die Sichtweise der Menschen auf die Welt (in diesem Fall die Farben) verändern könnte, obwohl sie diese Veränderung nicht wahrnehmen würden.
Haslam I 94
(Moscovici et al. 1969(2)): In diesen "blaugrünen" Experimenten saßen Gruppen von bis zu sechs naiven Teilnehmern vor einem Bildschirm und sahen sich eine Reihe von blauen Folien an, die in ihrer Lichtintensität variierten. Nach jeder Folie wurde jeder Teilnehmer wiederum gebeten, die Farbe dieser Folie laut zu nennen. Als alle Teilnehmer die Farbe der Folie benannt hatten, wurde die nächste Folie präsentiert. Unter diesen Bedingungen nannte praktisch jeder die Folien "blau" und zeigte, dass sie als eindeutig blau wahrgenommen wurden.
Unter einigen experimentellen Bedingungen war jedoch eine numerische Minderheit innerhalb der Gruppe (zwei der sechs Gruppenmitglieder) verbündet mit dem Experimentator und gab im Voraus vereinbarte Antworten. In diesem Fall antworteten sie "grün" auf die Folien - eine Antwort, die sich deutlich von der der naiven Teilnehmer unterschied.
Durch den Einsatz einer ausgeklügelten Methodik konnten die Nachbildstudien die Farbwahrnehmung der Menschen über das hinaus untersuchen, was sie öffentlich sagten, aber auf einer latenteren und unbewussten Ebene.
Haslam I 96
Problem: Diese Studien waren nicht in der Lage, die Auswirkungen der Minderheit auf ein latenteres/privateres Einflussniveau zu untersuchen. Denn es wurde nur eine Art von Reaktion gemessen, nämlich die Folien-Farbe (manifester Einfluss), und es wurde kein Maß für den latenten Einfluss genommen. Solche Studien können uns also nicht sagen, ob die privaten Urteile der Teilnehmer auch von der Minderheit beeinflusst wurden.
Haslam I 97
Nachbild/Experiment/Moscovici: (Moscovici und Personnaz (1980)(1)) Das Nachbildurteil wurde von den Teilnehmern erhalten, die einen weißen Bildschirm betrachteten, nachdem sie sich die blaue Folie angesehen hatten, auf der sich kurzzeitig ein Nachbild entwickelte. Die Nachbildreaktionen wurden auf einer Neun-Punkte-Skala aufgezeichnet (1 = gelb, 2 = gelb/orange, 3 = orange, 4 = orange/rot, 5 = rot, 6 = rot/rosa, 7 = rosa, 8 = rosa/violett, 9 = lila). Tatsächlich wurde während des gesamten Experiments dieselbe Folie verwendet, die eindeutig blau war. Das Experiment bestand aus vier Phasen, wobei jede Phase aus einer Reihe von Versuchen oder Präsentationen einer Folie bestand. Geschlecht/Moscovici: Moscovici argumentierte, dass er es vorzog, Frauen als Helfer und Teilnehmer an seinen blau-grünen Studien zu benutzen, "wegen ihrer größeren Beteiligung an der Bewertung der Farbe eines Objekts" (Moscovici et al., 1969(2): 368).
Haslam I 102
VsMoscovici: Es wurden keine Beweise für einen Einfluss auf der manifesten oder öffentlichen Ebene gefunden.
Haslam I 103
Die meisten Studien (>Moscovici/Psychologische Theorien) berichten, dass die Teilnehmer nur sehr selten mit dem Experiment-Helfer übereinstimmen, dass die Folie grün ist. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass das Paradigma in erster Linie darauf abzielte, den latenten/privaten Einfluss zu untersuchen, und es gibt eine kräftige Unterstützung von anderen Forschungen, dass Mehrheiten einen größeren Einfluss auf die manifeste/öffentliche Ebene haben (Martin und Hewstone, 2008)(3).


1. Moscovici, S. and Personnaz, B. (1980) ‘Studies in social influence: V. Minority influence and conversion behavior in a perceptual task’, Journal of Experimental Social Psychology, 16: 270–82.
2. Moscovici, S., Lage, E. and Naffrechoux, M. (1969) ‘Influence of a consistent minority on the response of a majority in a color perception task’, Sociometry, 32: 365–80.
3. Martin, R. and Hewstone, M. (2008) ‘Majority versus minority influence, message processing and attitude change: The Source-Context-Elaboration Model’, in M. Zanna (ed.), Advances in Experimental Social Psychology, 40: 237–326.


Robin Martin and Miles Hewstone, “Minority Influence. Revisiting Moscovici’s blue-green afterimage studies”, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications

Haslam I
S. Alexander Haslam
Joanne R. Smith
Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017
Milgram-Experiment Milgram Haslam I 109
Milgram-Experiment/Milgram: Die Grundsituation für diese Studien (Milgram 1974)(1) beinhaltete ein Lernexperiment, bei dem sich der Teilnehmer in der Rolle eines "Lehrers" befand, der einem "Lernenden" jedes Mal, wenn der Lernende eine falsche Antwort gab, immer höhere Mengen an Stromschlägen verabreichen musste. Tatsächlich war der Lernende ein Verbündeter, der sorgfältig ausgebildet worden war, die Rolle zu spielen, und die beeindruckende Schockmaschine, die Schocks von zunehmender Größe zu liefern schien, war ebenfalls nicht echt - der Lehrer (der einzige wahre Teilnehmer an der Studie) wusste dies jedoch nicht. Für ihn (alle Teilnehmer der Frühstudie waren männlich) war die Situation sehr real. Vor dem Experiment hatte Milgram verschiedene Gruppen (Psychiater, Studenten und bürgerliche Erwachsene) gefragt, wie weit sie in einer imaginären Situation gehen würden. Niemand hätte sich vorstellen können, bis zum "gefährlichen Schock" zu gehen.
Doch als Milgram Pilotstudien mit Studenten der Yale University durchführte, war dies nicht der Fall. Die meisten Teilnehmer der so genannten Baseline Kondition waren bereit, dem Experimentator bis zum bitteren Ende zu gehorchen.
Haslam I 110
Interpretation/Milgram: Milgram kam zu dem Schluss, dass dies dadurch zustande kommt, dass die Menschen mehr auf die Aufgabe achten, Anweisungen auszuführen, als auf die tatsächlichen Folgen dieser Aufgabe.
Haslam I 109
Einflüsse: Milgram war beeinflusst von Hannah Arendts Berichten über den Prozess gegen Adolf Eichman[n] in The New Yorker, der später als Eichman[n] in Jerusalem veröffentlicht wurde (Arendt, 1963/1994)(2). Arendt: Eichmann und seine Art, so schlug sie vor, seien weniger von großem Hass bewegt als von dem kleinlichen Wunsch, eine Aufgabe gut zu erledigen und den Vorgesetzten zu gefallen. Tatsächlich haben sie sich so sehr auf diese Aufgaben konzentriert, dass sie die Folgen vergessen haben. Für dieses Phänomen prägte Arendt die Formulierung der "Banalität des Bösen". (Arendt 1963/1994(2): S.287).
Haslam I 113
Experiment: Die Teilnehmer, die durch eine Anzeige in der Lokalzeitung rekrutiert wurden, waren 40% Arbeiter, 40% Angestellte und 20% Fachleute. Der Experimentator erklärte, dass es in der Studie um die Auswirkungen von Strafen - Elektroschocks - auf das Lernen gehe. Dementsprechend würde einer der Teilnehmer als "Lehrer" und der andere als "Lernender" dienen. Dann wurde entschieden, wer welche Rolle übernehmen würde - dies wurde manipuliert, um sicherzustellen, dass der Freiwillige immer der Lehrer und der Helfer immer der Lernende war. Als nächstes wurden der Lehrer und der Lernende in einen anderen Raum gebracht und der Lernende in einen Stuhl geschnallt und Elektroden an seinem Körper befestigt. Der Experimentator erklärte, dass "die Schocks zwar extrem schmerzhaft sein können, aber keine dauerhaften Gewebeschäden verursachen" (Milgram, 1974(1): 19). Die Lernaufgabe bestand aus Wortpaaren. Zuerst las der Kursleiter eine Reihe solcher Paare vor (z.B. Blue-Box). Dann las er in der "Testphase" ein Zielwort aus einem der Paare (in diesem Beispiel blau) und vier weitere Wörter (z.B. Himmel, Tinte, Box, Lampe). Der Lernende musste dann sagen, welches dieser vier Wörter ursprünglich mit dem Ziel (in diesem Fall Box) gepaart war. Wenn der Lernende eine falsche Antwort gab, musste der Lehrer einen Stromschlag auslösen, indem er einen der Schalter am Stoßgenerator drückte und mit jedem Fehler eine Stufe höher ging. Es gab 30 Schalter, die jeweils 15 Volt auf bis zu 450 Volt erhöhten. Wenn die Teilnehmer bis zur Maximalstufe voranschritten, wurden sie angewiesen, diese Stufe des Schocks für Folgefehler fortzusetzen.
Im Ausgangszustand, als der Lernende in den elektrischen Stuhl geschnallt wurde, erwähnte er, dass er eine leichte Herzerkrankung hatte. Dann, während der Aufgabe selbst, reagierte er gezielt auf verschiedene Schockstufen. (...) der Experimentator reagierte mit einem vorbestimmten Satz von Bemerkungen ("prods"). Diese waren wie folgt: Prod 1: Bitte fahren Sie fort [oder fahren Sie fort]. Prod 2: Das Experiment erfordert, dass Sie fortfahren. Prod 3: Es ist absolut notwendig, dass Sie fortfahren. Prod 4: Sie haben keine andere Wahl, sie müssen weitermachen.
In diesem Ausgangszustand gingen 26 von 40 Teilnehmern (65 %) den ganzen Weg bis zur Maximalstufe und widersetzten sich nie dem Experimentator - und dies trotz der Schreie, der Forderung freigelassen zu werden, der Nennung von Herzerkrankungen und schließlich der ominösen Stille des Lernenden. Von den 14, die sich weigerten, weiterzumachen, tat dies die größte Zahl (sechs) auf dem Niveau von 150 Volt. Nicht mehr als zwei Personen haben auf einer anderen Ebene das Experiment gestoppt.
Haslam I 115
Varianten: (...) Die bekannteste Reihe von Varianten befasst sich mit der physischen Nähe des Lernenden zum Experimentator. 1) Das "entfernte" Experiment: Der Lernende befindet sich in einem separaten Raum und seine Stimme ist für den Lehrer nicht hörbar. Die einzige Rückmeldung erfolgt bei 300 Volt, wenn an die Wand geklopft wird.
2) Sprachfeedback-Studie: (...) fast identisch mit der "Baseline Variante", außer dass zu keinem Zeitpunkt von einer Herzerkrankung die Rede ist.
3) (Nähe): ist wie die zweite, mit der Ausnahme, dass sich der Lehrer und der Lernende im selben Raum befinden, so dass es sowohl visuelles als auch akustisches Feedback gibt.
4) (Berührungsnähe): Der Lehrer muss die Hand des Lernenden auf eine metallische Stoßplatte drücken.
Andere Varianten: In einer Studie ist es der Lernende, der verlangt, dass die Schocks geliefert werden. Bei 150 Volt ruft der Experimentator einen Stopp der Studie, aber der Lernende zeigt eine Bereitschaft zum Weitermachen an.
In einer anderen Studie ist die Person, die verlangt, dass Schocks geliefert werden, kein Wissenschaftler in einem Laborkittel, sondern nur ein gewöhnlicher Mann, angeblich ein Freiwilliger für die Studie, genau wie der Teilnehmer. In dieser Situation gehorchen nur 4 von 20 Menschen (20%) bis zum Ende.
Haslam I 116
In noch einer weiteren Studie gibt es zwei Wissenschaftler, die sich darüber streiten, ob Schocks geliefert werden sollen. Auch hier ist keiner der 20 Teilnehmer (0%) voll gehorsam und 18 von ihnen stoppen an der 150-Volt-Marke. Geschlecht: Varianten mit Frauen als Teilnehmerinnen: Wenn Frauen anstelle von Männern eingesetzt werden, gibt es keinen Unterschied in der Gehorsamkeit. Von 40 Teilnehmern sind 26 voll gehorsam (65%).
Schema: Das Milgram-Paradigma ist also ein Paradigma, bei dem der Teilnehmer von allen Seiten von verschiedenen Stimmen angegriffen wird, die unterschiedliche Dinge verlangen. Die Teilnehmer scheinen auf all diese Stimmen aufmerksam zu sein, und ihr Dilemma ist, welche sie über die anderen stellen sollen. >Erklärungen/Milgram.
Haslam I 118
VsMilgram: Selbst Milgrams leidenschaftlichste Bewunderer sind sehr skeptisch gegenüber der Erklärung des "agentischen Zustands" (z.B. Blass, 2004(3)). Wenn auch nur deshalb, weil es keine Beweise dafür gibt, dass die unterschiedlichen Gehorsamkeiten, die in den verschiedenen Studienvarianten beobachtet wurden, auf Unterschiede in der Art und Weise zurückzuführen sind, wie die Teilnehmer in diesen Zustand eintreten (Mantell und Panzarella, 1976)(4). 1.VsMilgram: Der agentische Zustand wird mechanisch als Alles-oder-Nichts-Affäre konzipiert: Man ist entweder ganz drin oder ganz raus.
2. VsMilgram: [der Fokus auf] eine der mehreren Beziehungen in der Studie - die zwischen Teilnehmer und Experimentator [verliert] die Tatsache [aus den Augen], dass ein wesentliches Merkmal der Studien die Art und Weise betrifft, wie die Teilnehmer zwischen verschiedenen Beziehungen und unterschiedlichen Verpflichtungen hin- und hergerissen werden. Sie befasst sich daher nicht mit der Frage, wie das Gleichgewicht der Beziehungen zwischen den verschiedenen Studien variiert.


1. Milgram, S. (1974) Obedience to Authority: An Experimental View. New York, NY: Harper & Row.
2. Arendt, H. (1963/1994) Eichmann in Jerusalem: A Report on the Banality of Evil. New York: Penguin.
3. Blass, T. (2004) The Man who Shocked the World: The Life and Legacy of Stanley Milgram. New York: Basic Books.
4. Mantell, D.M. and Panzarella, R. (1976) ‘Obedience and responsibility’, British Journal of Social and Clinical Psychology, 15: 239–45.


Stephen Reicher and S. Alexander Haslam, „Obedience. Revisiting Milgram’s shock experiments”, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications

Haslam I
S. Alexander Haslam
Joanne R. Smith
Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017
Minimale Gruppe Evolutionäre Psychologie Haslam I 172
Minimale Gruppen/Evolutionspsychologie: Das Minimalgruppenparadigma und seine Ergebnisse wurden verwendet, um für die evolutionäre Tendenz des Menschen zu argumentieren, InGroups zu begünstigen und Misstrauen gegenüber OutGroups zu zeigen(Dunbar et al., 2005)(1). >Minimale Gruppe/Tajfel, >Soziale Identitätstheorie/Tajfel, >Gruppenverhalten/Tajfel. Dies führt uns weit über Tajfels ursprüngliche Grundlage der minimalen gruppeninternen Studien (und Beweise für Verzerrungen) in der Wertschätzung von Normen, sozialer Bedeutung und der Suche nach positiver Gruppen-Unverwechselbarkeit hinaus.


1. Dunbar, R., Barrett, K. and Lycett, J. (2005) Evolutionary Psychology. Oxford. One World.


Russell Spears and Sabine Otten,“Discrimination. Revisiting Tajfel’s minimal group studies“, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic studies. London: Sage Publications

Haslam I
S. Alexander Haslam
Joanne R. Smith
Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017
Minimale Gruppe Psychologische Theorien Haslam I 175
Minimale Gruppe/Psychologische Theorien: Probleme: VsTajfel: Per Definition sind Minimalgruppen weder auf früheren Erfahrungen noch auf bereits existierenden und leicht zugänglichen Stereotypen begründet. Wie können also Minimalgruppen ihren neuen Mitgliedern Bedeutung geben? >Minimale Gruppe/Tajfel, >Soziale Identitätstheorie/Tajfel. Cadinu/Rothbart: "Insgesamt ist die gruppeninterne Begünstigung im Minimalgruppenparadigma ein etabliertes Phänomen, aber die genauen Gründe für diese Begünstigung bleiben unklar" (Cadinu und Myron Rothbart: 1996(1): 661).
Erklärung/Rothbart/Cadinu: zwei Prozesse: a) Da die soziale Kategorisierung impliziert, dass das Selbst und die eigene Gruppe (InGroup) bestimmte Eigenschaften teilen, werden Menschen anfällig dafür sein, (Aspekte von) typisch positiven Repräsentationen des individuellen Selbst auf die InGroup zu projizieren (Self-Anchoring), wodurch eine positive InGroup-Repräsentation entsteht.
b) Die Menschen werden auch eine "Reziprozitätsheuristik" anwenden, vorausgesetzt, dass Ingrop und Outgroup tatsächlich unterschiedlich sind.
Evidenz: (Cadinu/Rothbart 1996(1)): Manipulation der Zugänglichkeit des individuellen Selbst vor der Beurteilung von minimalen Gruppen beeinflusste InGroup Bewertungen, aber nicht OutGroup-Bewertungen - wodurch die Beurteilung der InGroup denjenigen des Selbst ähnlicher wird.
Otten/Wentura: (2001)(2): Der Grad der Überschneidung zwischen Selbst- und InGroup-Bewertungen prognostizierte den Grad, in dem Mitglieder von Minimalgruppen bewertende intergruppenspezifische Verzerrungen aufwiesen. Es gab jedoch keine Beweise dafür, dass Ähnlichkeit oder Ungleichheit in den mentalen Repräsentationen vom Selbst und der Outgroup ein relevanter Prädiktor für intergruppenspezifische Verzerrung in einer minimalen Gruppensituation war (siehe auch Robbins und Krueger, 2005(3), für eine ähnliche Schlussfolgerung).
Haslam I 176
Self-Anchoring: Ergebnisse zum Self-Anchoring in Minimalgruppen (vgl. Cadinu/Rothbart 1969(1)) deuten darauf hin, dass positive Darstellungen der InGroup aus der Projektion positiver Eigenmerkmale auf diese Gruppe resultieren und dass die positive Differenzierung von der OutGroup ein Nebenprodukt dieser Differenzierung ist. Auf diese Weise lässt sich ein gruppenübergreifendes Phänomen, nämlich die positive Differenzierung von minimalen InGroups von OutGroups, auf ein gruppeninternes Phänomen zurückführen, nämlich die Verbindung zwischen Selbst und InGroup. Gleichzeitig steht der Self-Anchoring-Ansatz im Einklang mit der Vorstellung, dass die Unterscheidung zwischen Minimalgruppen zumindest teilweise durch das Streben nach Sinn motiviert ist. Vs: Problem: Der Ansatz kann nicht überzeugend erklären, warum Gruppenmitglieder den maximalen Gruppengewinn zugunsten der maximalen Unterscheidung zwischen InGroup und OutGroup opfern.



1. Cadinu, M. and Rothbart, M. (1996) ‘Self-anchoring and differentiation processes in the minimal group setting’, Journal of Personality and Social Psychology, 70(4): 661–77.
2. Otten, S. and Wentura, D. (2001) ‘Self-anchoring and in-group favoritism: An individual profiles analysis’, Journal of Experimental Social Psychology, 37: 525–32.
3. Robbins, J.M. and Krueger, J.I. (2005) ‘Social projection to ingroups and outgroups: A review and meta-analysis’, Personality and Social Psychology Review, 9: 32–47.



Russell Spears and Sabine Otten,“Discrimination. Revisiting Tajfel’s minimal group studies“, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic studies. London: Sage Publications

Haslam I
S. Alexander Haslam
Joanne R. Smith
Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017
Minimale Gruppe Verhaltensökonomik Haslam I 172
Minimale Gruppe/Verhaltensökonomie: Das Minimalgruppen-Paradigma und seine Ergebnisse wurden verwendet, um für die evolutionäre Tendenz des Menschen zu argumentieren, InGroups zu bevorzugen und Misstrauen gegenüber OutGroups zu zeigen (Dunbar et al., 2005)(1). >Minimale Gruppe/Tajfel, >Soziale Identitätstheorie/Tajfel, >Gruppenverhalten/Tajfel. Dies führt uns weit über Tajfels ursprüngliche Grundlage der minimalen gruppeninternen Studien (und Beweise für Verzerrungen) in der Wertschätzung von Normen, sozialer Bedeutung und der Suche nach positiver Gruppenunterscheidbarkeit hinaus.

1. Dunbar, R., Barrett, K. and Lycett, J. (2005) Evolutionary Psychology. Oxford. One World.


Russell Spears and Sabine Otten,“Discrimination. Revisiting Tajfel’s minimal group studies“, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic studies. London: Sage Publications

Haslam I
S. Alexander Haslam
Joanne R. Smith
Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017
Moral Cavell II 195
Moral/Ethik/Cavell: Überredungsversuche (Du solltest") stellen nicht das Paradigma, sondern den Zusammenbruch der Moral dar.

Cavell I
St. Cavell
Die Unheimlichkeit des Gewöhnlichen Frankfurt 2002

Cavell I (a)
Stanley Cavell
"Knowing and Acknowledging" in: St. Cavell, Must We Mean What We Say?, Cambridge 1976, pp. 238-266
In
Die Unheimlichkeit des Gewöhnlichen, Stanley Cavell Frankfurt/M. 2002

Cavell I (b)
Stanley Cavell
"Excursus on Wittgenstein’s Vision of Language", in: St. Cavell, The Claim of Reason, Wittgenstein, Skepticism, Morality, and Tragedy, New York 1979, pp. 168-190
In
Die Unheimlichkeit des Gewöhnlichen, Stanley Cavell Frankfurt/M. 2002

Cavell I (c)
Stanley Cavell
"The Argument of the Ordinary, Scenes of Instruction in Wittgenstein and in Kripke", in: St. Cavell, Conditions Handsome and Unhandsome: The Constitution of Emersonian Perfectionism, Chicago 1990, pp. 64-100
In
Die Unheimlichkeit des Gewöhnlichen, Davide Sparti/Espen Hammer (eds.) Frankfurt/M. 2002

Cavell II
Stanley Cavell
"Must we mean what we say?" in: Inquiry 1 (1958)
In
Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995
Motivation Deci Corr I 442
Motivation/Deci/Ryan: Def Intrinsische Motivation/Deci/Ryan: bezieht sich auf das Ausführen einer Aktivität, weil die Aktivität selbst interessant und spontan befriedigend ist (Ryan und Deci 2000)(1). Intrinsische Motivation soll immer autonom oder selbstbestimmt sein, weil sie ein Spiegelbild der inneren Interessen der Menschen ist. Mit anderen Worten, wenn die Menschen an sich motiviert sind, erleben sie Willenskraft und ein Gefühl der Wahl, da sie die Aktivitäten, an denen sie beteiligt sind, uneingeschränkt unterstützen. Terminologie: Csikszentmihalyi (1990)(2) bezeichnete intrinsisch motivierte Aktivitäten als autotelisch.
Definition Extrinsische Motivation/Deci/Ryan: Im Gegensatz dazu bezieht sich extrinsische Motivation auf das Ausführen einer Aktivität, weil sie für eine operativ abgrenzbare Konsequenz von Bedeutung ist. Der klassische Fall von extrinsischer Motivation ist die Durchführung einer Aktivität, weil erwartet wird, dass sie zu einer Belohnung oder zur Vermeidung einer Bestrafung führt.
Selbstbestimmungstheorie/SDT: legt nahe, dass extrinsische Motivation verinnerlicht werden kann und so zur Grundlage für autonomes Handeln werden kann. >Selbstbestimmung/Deci/Ryan, >Internationalisierung/Deci/Ryan.
Vier Arten von extrinsischer Motivation:
Außenregulation
introjizierte Regulation
identifizierte Regulation
integrierte Regulation
>Regulation/Deci/Ryan, >Umwelt/Deci/Ryan.


1. Deci, E. L. and Ryan, R. M. 2000. The ‘what’ and the ‘why’ of goal pursuits: human needs and the self-determination of behaviour, Psychological Inquiry 11: 227–68
2. Csikszentmihalyi, M. 1990. Flow. New York: Harper and Row


Edward L. Deci and Richard M. Ryan, „Self-determination theory: a consideration of human motivational universals“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press



Corr II 140
Deci schlug vor, dass die Frage, ob Belohnungen, Rückmeldungen und andere Ereignisse die intrinsische Motivation erhöhen oder vermindern, davon abhängt, wie sie sich auf das Gefühl der Selbstbestimmung (als Ursprung) und die Kompetenz (Wirkungserfahrungen) auswirken.
II 141
Deci begann mit dieser Frage: Wenn eine monetäre Belohnung für die Ausübung einer Tätigkeit angeboten wird, die man bereits interessant findet, wie wirkt sich diese Belohnung auf die spätere intrinsische Motivation aus? Die operante Psychologie behauptete (wenn auch in einer anderen Sprache), dass intrinsische und extrinsische Motivation additiv seien. Demgegenüber nahm Deci (1971)(1) vorweg, dass die motivierende Wirkung von Belohnungen davon abhängen könnte, wie sie erlebt werden. Aufbauend auf de Charms (1968)(2) argumentierte Deci, dass die Anwendung von kontingenten extrinsischen Belohnungen auf eine intrinsisch motivierte Aktivität einen Wechsel des "wahrgenommenen Kausalitätsorts" (engl. perceived locus of causality) von intern (IPLOC) zu extern (EPLOC) bewirken könnte. Mit anderen Worten, das Anbieten von Belohnungen würde den "perceived locus of causality" der Teilnehmer von einem internen zu einem externen Kausalitätsort verschieben, was ihre Erfahrung, ein Ursprung zu sein, und damit ihre intrinsische Motivation untergraben würde. Alternativ argumentierte Deci, dass Belohnungen, die die Erfahrungen von "Selbstbestimmung und Kompetenz" der Teilnehmer nicht beeinträchtigen, diesen untergrabenden Effekt auf die spätere intrinsische Motivation nicht hervorrufen sollten.
Decis primäres Maß für die intrinsische Motivation war das, was er das Paradigma des "Free-Choice-Verhaltens" nannte, eine Strategie, auf der die meisten nachfolgenden experimentellen Arbeiten zur intrinsischen Motivation beruhten. Bei diesem Ansatz wird die intrinsische Motivation als die Zeit operationalisiert, die die Teilnehmer mit
II 142
einer Zielaktivität verbringen, wenn sie allein sind, nicht beobachtet werden, frei wählen können, was sie tun wollen, alternative Aktivitäten zur Verfügung haben und keine ausdrücklichen Anreize haben, die Zielaufgabe fortzusetzen. Experimente/Deci: [In einem Experiment mit drei verschiedenen Gruppen, die ein Puzzel lösten] (1971)(1) [fand] Deci einen potentiell negativen Effekt von Belohnungen auf die Persistenz nach der Belohnung, ein Ergebnis, das zuvor in Experimenten mit Menschen nicht beobachtet wurde. Insbesondere verbrachten die Teilnehmer, die extrinsische Belohnungen für das Lösen dieser interessanten Puzzle erhalten hatten, während der letzten "freien-Wahl-Periode" viel weniger Zeit mit der Arbeit an den Puzzeln als in der ersten Periode (...).
II 142
[In einem anderen Experiment, das in einem College-Zeitungsbüro durchgeführt wurde, zeigte Deci], dass schnelleres Arbeiten (bessere Leistung) ein Hinweis auf eine höhere intrinsische Motivation ist. [Deci führte ein drittes Experiment durch, das fast identisch mit dem ersten "Puzzel-Experiment" war.] Dieses Mal jedoch verwendete Deci als experimentelle Manipulation eher "verbale Belohnungen" (Lob und positives Feedback) als finanzielle Belohnungen. Deci stellte die Hypothese auf, dass verbale Belohnungen wie diese in der Regel nicht als Kontrolle, sondern eher als "Ermutigung" erlebt würden. Daher wäre es im Gegensatz zu bedingten finanziellen Belohnungen unwahrscheinlich, dass diese Art verbaler Belohnungen einen EPLOC erzeugen oder die intrinsische Motivation untergraben würde.
II 144
Wie erwartet, zeigten die Ergebnisse keine untergrabende Wirkung auf die intrinsische Motivation.
II 145
Auf der Grundlage dieser frühen Experimente (Deci 1971(1), 1972a(3), 1972b(4)) führte Deci eine vorläufige Theorie der kognitiven Evaluation (CET) ein, um seinen unterschiedlichen Ergebnissen Rechnung zu tragen. Er argumentierte, dass jede externe Belohnung mindestens zwei Aspekte aufweist: einen "kontrollierenden" Aspekt und einen "informativen" Aspekt. Der kontrollierende Aspekt führt zu einer Abnahme der intrinsischen Motivation, indem er den wahrgenommenen Kausalitätsort von intern zu extern verändert. Der Informationsaspekt führt zu einer Zunahme der intrinsischen Motivation, indem er das Gefühl der "Kompetenz und Selbstbestimmung" der Person erhöht.
II 146
VsDeci: Herausstechend ist, dass alle drei Studien aus dem Jahr 1971 statistisch nicht signifikant sind - oder mit sehr kleinen Stichproben durchgeführt wurden. (...) viele Befunde erreichen nicht ein akzeptables Niveau an schlussfolgernder statistischer Signifikanz; mehrere Befunde sind Trends oder signifikant, aber mit schwachen Effekten. [Darüber hinaus] basierte die Forschung ausschließlich auf einer relativ homogenen Gruppe von nordöstlichen US-Universitätsstudenten.

1. Deci, E. L. (1971). Effects of externally mediated rewards on intrinsic motivation. Journal of Personality and Social Psychology, 18, 105–115.
2. de Charms, R. (1968). Personal causation: The internal affective determinants of behavior. New York: Academic Press.
3. Deci, E. L. (1972a). The effects of contingent and non-contingent rewards and controls on intrinsic motivation. Organizational Behavior and Human Performance, 8, 217–229.
4. Deci, E. L. (1972b). Intrinsic motivation, extrinsic reinforcement, and inequity. Journal of Personality and Social Psychology, 22, 113–120.


Ryan, Richard M; Ryan, William S and Di Domenico, Stefano I.: “Effects of Rewards on Self-Determination and Intrinsic Motivation Revisiting Deci (1971)”, In: Philip J. Corr (Ed.) 2018. Personality and Individual Differences. Revisiting the classical studies. Singapore, Washington DC, Melbourne: Sage, pp. 137-154.

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Natürliche Arten Schiffer I 37
Kennzeichnungstheorie/natürliche Art/nA/Zwillingserde/ZE/Schiffer: keine Lösung: "die Wesen, die kospezifisch mit den so und so aussehenden Wesen sind, denen ich begegnet bin" - dann referiert "Katze" auf beides! - Das geht nicht (s.u.). - Glauben darf dabei nicht einstellig sein, dann wäre er nicht auf die Person indiziert - (dann hätten beide sowieso denselben Glauben).
I 41
Natürliche Art/Glauben/Überzeugung/Schiffer. Problem: die Theorien von Kripke/Putnam für natürliche Arten sind für Glaubensprädikate ungeeignet - Kripke: Bsp ursprünglicher Begriff "Hund": "diese Art Ding" - (paradigmatische Instanzen). (>Theorie der Kennzeichnungen, >Kennzeichnungstheorie/Russell).
I 54
Natürliche Art/Proposition/Glauben/Schiffer: Bsp Tanya glaubt, dass Gustav ein Hund ist - Problem: die Proposition kann nicht der Glaubensinhalt sein, denn es gibt keine Darstellung der Rolle, die der Natürliche-Art-Begriff "Hund" hier spielt 1. Möglichkeit: Dass-Satz mit Prädikat, das auf Eigenschaft (Hundheit) referiert - (Klassisch: diese werden direkt in die Proposition eingeführt).
2. Frege: Proposition enthält nicht Hundheit, sondern eine Weise des Gegebenseins, die das ist, wie Tanya sich Hundheit vorstellt (Glauben de re!)
Problem: dann referiert der Dass-Satz nicht auf den vollständigen Inhalt des Glaubens, sondern z.B.
(Em)(m ist eine Weise des Gegebenseins von Hundheit & B (Tanya, ))
((s) Man weiß nicht, wie Tanya sich einen Hund vorstellt) - dann kann (3) nicht der Inhalt des Glaubens sein:

(3) ‹Gustav, die Eigenschaft, ein Hund zu sein›

Natürliche Art: es kann sein, dass es gar keine nicht-pleonastische sprachunabhängige Eigenschaft gibt, ein Hund zu sein.
I 55
Natürliche Art/Wittgenstein/Putnam/Kripke: nicht durch Beobachtungstermini (bzw. beobachtbare Eigenschaften) definieren - denn uns fehlen geeignete Ausdrücke für hundemäßige Erscheinungen und Verhalten. - richtig: Eigenschaften der Bekanntschaft/Russell.

Schi I
St. Schiffer
Remnants of Meaning Cambridge 1987
Neoliberalismus Brown Mause I 74f
Neoliberalismus/Brown: Brown gebaucht den Begriff „Neoliberalismus“ nicht im Sinne der Wirtschaftstheorie. Brown These: die neoliberale Rationalität ist expansiv und „extending and disseminating market values to all institutions and social action“. (1) Das Eindringen ökonomischer Logik in alle Lebens- und Politikbereiche ist aus demokratietheoretischer Perspektive nicht unproblematisch.
Demokratie/Brown: das steht im Widerspruch zu demokratischen Grundwerten. (Siehe Demokratie/Brown).

Der Neoliberalismus stellt (…) ein Paradigma dar, das unser Denken und Argumentieren nachhaltig beeinflusst, indem es – sozusagen hinter dem Rücken der Sprecher – Begriffe und Konzepte implizit evaluiert und so spezifische Handlungen und Begründungen normativ auszeichnet und anschlussfähig macht und andere entwertet.


1. W.Brown, Neoliberalism and the end of liberal democracy. Edgework. Critical Essays on Knowledge and Politics, Princeton 2005, S. 39-40.

PolBrown I
Wendy Brown
American Nightmare:Neoliberalism, neoconservativism, and de-democratization 2006

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Neurobildgebung Canli Corr I 310
Neurobildgebung/Canli: Ein Ansatz besteht darin, die Ergebnisse von Ganzhirnanalysen zusätzlich zu den Analysen aus a priori interessierenden Regionen zu berichten((1)-(6)). Ein weiterer Ansatz besteht darin, funktionale Konnektivitätsanalysen durchzuführen, um zu untersuchen, wie die Aktivierung über räumlich getrennte Regionen hinweg korreliert ist. Zum Beispiel in unserer Studie über Zustandsassoziationen von Extraversion und Neurotizismus mit ACC-Aktivierung (Canli, Amin, Haas et al. 2004)(7).
Corr I 311
Wir haben einen dritten Ansatz entwickelt (Omura, Aron und Canli 2005)(8), der eine Alternative zum traditionellen Ansatz der Regionen von Interesse (Region of Interest - ROI) darstellt, die wir die "Regionen der Varianz" (Regions of Variance - ROV) genannt haben. Der ROI-Ansatz konzentriert sich auf Regionen, die sich in früheren Studien mit einem ähnlichen Aufgabenparadigma als konsequent aktiviert erwiesen haben. VsROI: Hirnregionen, die von Studienteilnehmer zu Studienteilnehmer eine große Varianz aufweisen, zeigen möglicherweise nie eine ausreichende Aktivierung auf Gruppenebene, um statistische Schwellenwerte in traditionellen Bildgebungsstudien zu überschreiten, und werden daher nie gemeldet. Wir haben daher eine alternative Methodik entwickelt, die Regionen der Varianz (ROVs) identifiziert, d.h. Bereiche, die die größte Variabilität zwischen den Probanden für einen gegebenen Kontrast innerhalb eines Subjekts aufweisen.
Wir behandeln diese ROVs dann als Regionen von Interesse, um zu beurteilen, ob bestimmte Variablen von Interesse die Varianz in diesen Regionen erklären können. Der konzeptionelle Unterschied zwischen dem ROV- und dem ROI-Ansatz ist beträchtlich: ROVs werden empirisch abgeleitet und sind daher frei von theoretischen Annahmen oder Vorurteilen über das neuronale Substrat und dessen Zusammenhang mit dem untersuchten kognitiven Prozess. Im Gegensatz dazu stellen ROIs typischerweise erhebliche Annahmen über die kognitiven Funktionen dar, bei denen sie eine Rolle spielen sollen.
Probleme/VsROV: Wir haben auch entdeckt, dass der ROV-Ansatz gelegentlich interessante Zusammenhänge zwischen Gehirnverhalten übersieht.
Corr I 312
Zum Beispiel übersah der ROV-Ansatz den Zusammenhang zwischen Extraversion und ACC-Reaktion auf positive Reize in der linken Hemisphäre. Es stellte sich heraus, dass, obwohl die Korrelation zwischen Extraversion und ACC-Aktivierung sehr signifikant war, der tatsächliche Wertebereich, der zu dieser Korrelation beigetragen hat, relativ eng war und ein geringes Maß an Varianz zwischen den Probanden ergab.


1. Phan, K. L., Wager, T., Taylor, S. F. et al. 2002. Functional neuroanatomy of emotion: a meta-analysis of emotion activation studies in PET and fMRI, Neuroimage 16: 331–48
2. Phillips, M. L., Drevets, W. C., Rauch, S. L. et al. 2003a. Neurobiology of emotion perception I: The neural basis of normal emotion perception, Biological Psychiatry 54: 504–14
3. Phillips, M. L., W. C. Drevets, et al. 2003b. Neurobiology of emotion perception II: Implications for major psychiatric disorders. Biological Psychiatry 54: 515–28
4. Wager, T. D., Phan, K. L., Liberzon, I. et al. 2003. Valence, gender, and lateralization of functional brain anatomy in emotion: a meta-analysis of findings from neuroimaging, Neuroimage 19: 513–31
5. Baas, D., Aleman, A. and Kahn, R. S. 2004. Lateralization of amygdala activation: a systematic review of functional neuroimaging studies, Brain Research Reviews 45: 96–103
6. Phan, K. L., T. D. Wager, et al. 2004. Functional neuroimaging studies of human emotions, CNS Spectrums 9: 258–66
7. Canli, T., Amin, Z., Haas, W. et al. 2004. A double dissociation between mood states and personality traits in the anterior cingulate. Behavioral Neuroscience 118: 897–904
8. Omura, K., Aron, A. and Canli, T. 2005. Variance maps as a novel tool for localizing regions of interest in imaging studies of individual differences, Cognitive Affect and Behavioural Neuroscience 5: 252–61


Turhan Canlı,“Neuroimaging of personality“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Objektpermanenz Baillargeon Slater I 86
Objektpermanenz/Baillargeon: These: Piaget (1954)(1) Objektpermanenz - ein Bewusstsein, dass ein Objekt weiter existiert, wenn es nicht für die Sinne verfügbar ist (wörtlich "aus den Augen, aus dem Sinn") - wurde erst vollständig erworben, als das zweite Lebensjahr das Denken über die frühe kindliche Wahrnehmung dominiert hatte. BaillargeonVsPiaget: Baillargeon, Spelke und Wasserman (1985)(2) zeigten, dass Säuglinge im Alter von 5 Monaten und später im Alter von 3,5 Monaten (Baillargeon 1987(3)), sich an den Fortbestand von versteckten Objekten zu erinnern schienen und sich bewusst waren, dass sie einige ihrer physikalischen Eigenschaften beibehalten haben.
Der Schlüssel war, sich von Piagets Kriterien des aktiven Abrufs (z.B. Greifen) nach einem versteckten Objekt als Maß für Wissen zu entfernen.
Lösung/Baillargeon: Sie benutzte das so genannte Paradigma der Verletzung der Erwartung (VoE): Es basiert auf der Idee, dass sich Säuglinge mehr an neuen oder überraschenden Ereignissen orientieren als an bekannten oder erwarteten (siehe Charlesworth, 1969)(4).
Slater I 87
Insbesondere stellte [Baillargeon] fest, dass Säuglinge im Alter zwischen 3,5 und 12 Monaten empfindlich auf die Höhe reagierten (Baillargeon, 1987(3); Baillargeon & Graber 1987(5)), und auf den Standort (Baillargeon & Graber, 1988)(6) und die Solidität von versteckten Objekten (Baillargeon, Graber, DeVos, & Black, 1990)(7). Baillargeon und Kollegen haben auch das Verständnis der physikalischen Unterstützungsbeziehungen, die zwischen nebeneinander oder übereinander platzierten Objekten bestehen können, allmählich zusammengeführt (Baillargeon, 2004(8); Needham & Baillargeon, 1993(9), 2000(10)). Experiment/Zugbrücken-Studie/HaithVsBaillargeon: (Haith 1998)(11) Die Schlussfolgerung der Zugbrückenstudie ist ein Produkt der "reichen Interpretation" (Haith 1998) seitens der Forscher und nicht der reichen konzeptionellen Fähigkeiten junger Säuglinge.
Slater I 88
Haith: Es gab immer eine sparsamere Wahrnehmungserklärung für die Reaktionen der Säuglinge. >Objektpermanenz/Haith. Zugbrückenstudie/VsBaillargeon: Rivera, Wakeley und Langer (1999)(12) These: Junge Säuglinge haben einfach eine allgemeine Präferenz, die 180-Grad-Rotation aus kognitiv uninteressanten Gründen (z.B. länger anhaltende Bewegung) zu betrachten. Wie Haith: Die Ergebnisse von Baillargeon lassen sich ohne jede Zuschreibung auf die Fähigkeit, über ein unsichtbares Objekt nachzudenken, erklären.
VsBaillargeon: Bogartz, Shinskey und Schilling (2000)(13): Die relativ hohen Blickzeiten auf das 180-Grad unmögliche Ereignis in den ursprünglichen Zugbrückenstudien spiegelten eher eine einfache Vertrautheitsvorliebe als eine mentale Darstellung eines versteckten Objekts wider.
Slater I 89
Nach fast zwei Jahrzehnten des Streites in der Literatur und zwei mit Spannung erwarteten Debatten zu diesem Thema auf großen Konferenzen (Haith vs. Spelke in der Society for Research in Child Development (SRCD), 1997; Baillargeon vs. Smith auf der International Conference for Infant Studies (ICIS), 1998) wurde deutlich, dass Verhaltensmethoden allein keinen wissenschaftlichen Konsens erzeugen würden. Zwei Schlüsselfragen, die sich aus diesen Debatten ergeben haben, sind (1) Was ist eigentlich der Nachweis der Objektpermanenz (d.h. genügt eine passive Überraschung oder ist ein aktives Engagement erforderlich?) und
(2) Wo und wie entsteht diese Kompetenz? >Objektpermanenz/Neurowissenschaften, >Objektpermanenz/Konnektionismus.



1. Piaget, J. (1954). The construction of reality in the child. New York: Basic Books.
2. Baillargeon, R., Spelke, E. S., & Wasserman, S. (1985). Object permanence in five-month-old infants. Cognition, 20, 191–208.
3. Baillargeon, R. (1987). Object permanence in 3 1/2-and 4 1/2-month-old infants. Developmental Psychology, 23, 655–664.
4. Charlesworth, W. R. (1969). The role of surprise in cognitive development. In D. Elkind & J. Flavell (Eds), Studies in cognitive development. Essays in honor of Jean Piaget (pp. 257–314). Oxford: Oxford University Press.
5. Baillargeon, R., & Graber, M. (1987). Where’s the rabbit? 5.5-month-old infants’ representation of the height of a hidden object. Cognitive Development, 2, 375–392.

6. Baillargeon, R., & Graber, M. (1988). Evidence of location memory in 8-month-old infants in a nonsearch AB task. Developmental Psychology, 24, 502–511.
7. Baillargeon, R., Graber, M., DeVos, J., & Black, J. (1990). Why do young infants fail to search for hidden objects? Cognition, 36, 255–284.
8. Baillargeon, R., (2004). Infants’ reasoning about hidden objects. Evidence for event-general and event-specific expectations. Developmental Science, 7, 391-414.
9. Needham, A., & Baillargeon, R. (1993). Intuitions about support in 4.5-month-old infants. Cognition, 47, 121–48.
10. Needham, A., & Baillargeon, R. (2000). Infants’ use of featural and experiential information in segregating and individuating objects: A reply to Xu, Carey and Welch (2000). Cognition, 74, 255–284.
11. Haith, M. M. (1998). Who put the cog in infant cognition? Is rich interpretation too costly? Infant Behavior and Development, 21, 167–179.
12. Rivera, S. M., Wakeley, A., & Langer, J. (1999). The drawbridge phenomenon: Representational reasoning or perceptual preference? Developmental Psychology, 35, 427–435.
13. Bogartz, R. S., Shinskey, J. L., & Schilling, T. H. (2000). Object permanence in five-and-a-half-month-old infants? Infancy, 1, 403–428.


Denis Mareschal and Jordy Kaufman, „Object permanence in Infancy. Revisiting Baillargeon’s Drawbridge Experiment“ in: Alan M. Slater & Paul C. Quinn (eds.) 2012. Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications

Slater I
Alan M. Slater
Paul C. Quinn
Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2012
Oikos Aristoteles Mause I 30
Polis/oikos/Aristoteles: Das paradigmatisch von Aristoteles formulierte ethisch imprägnierte Konzept politischer Praxis als selbstzweckhafter Lebensform Freier und Gleicher, die in der kommunikativen Ausübung kollektiver Autonomie auf die Realisierung des gemeinsamen Guten zielen, beruht auf der strikten Trennung der politischen von der ökonomischen Sphäre: Die wirtschaftlichen Differenzen der Haushalte haben keine Auswirkungen auf die politischen Partizipationsrechte der Bürger. Die dem oikos zugehörigen Frauen und die Sklaven, über die der Hausherr als Despot mit der Gewalt über Leben und Tod verfügt, sind aus der polis ausgeschlossen.

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Politische Parteien Downs Mause I 65
Politische Parteien/Downs: Downs modelliert mathematisch das Handeln von rationalen Wählern und rationalen Parteien und kommt auf diesem Wege zu zwei zentralen Einsichten: Rationale Parteien verfolgen primär das Interesse, an die Macht zu kommen. Hierzu richten sie ihr Parteiprogramm so aus, dass es möglichst viele Bürger anspricht. Empirisch führt dies bei einer unimodalen (eingipfligen) Verteilung politischer Präferenzen im eindimensionalen politischen Raum dazu, dass die Parteien sich programmatisch zur Mitte (d. h. zum Gipfel der unimodalen Verteilung) hinbewegen und damit programmatische Unterschiede sukzessive verschwinden. Für Wähler ist es rational, nicht zu wählen, da die Kosten der Informationsbeschaffung bzw. die allgemeinen Opportunitätskosten des Wählens bei einem hinreichend großen Elektorat höher sind als die Wahrscheinlichkeit, mit der eigenen Stimme die Wahl entscheidend zu beeinflussen. (1) Dieses Phänomen wird seit Downs als paradox of voting bezeichnet, und ein Teil der akademischen Literatur des Rational-Choice-Paradigmas adressiert dieses Problem noch heute (Aldrich 1993 (2) Dowding 2005 (3); Geys 2006 (4)).


1. A. Downs, An economic theory of democracy. New York 1957; [dt. Ökonomische Theorie der Demokratie. Tübingen 1968.
2. Aldrich, John H., Rational-choice and turnout. American Journal of Political Science 37, 1993, S. 246– 278.
3. Dowding, Keith. Is it rational to vote? Five types of explanations and a suggestion. British Journal of Politics & International Relations 7 2005., S. 442– 459.
4. Geys, Benny, Rational theories of voter turnout: A review. Political Studies Review 4, 2006. , S.16– 35.

EconDowns I
Anthony Downs
An economic theory of democracy New York 1957

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Qualia Putnam V 137
Qualia/Russell: Russell war Realist sowohl in Bezug auf Qualia als auch auf Universalien. Überdies fasste er Qualia als paradigmatische Universalien auf: die Art und Weise, in der Dinge ähnlich sein können.
V 138
Universalien/Vagheit: gelten dem traditionellen Realisten als völlig wohldefiniert. Wörter mögen vag sein, Universalien selbst können nicht vag sein! Für Russell waren Qualia Universalien par excellence. Qualia/Putnam: sofern sie also als Universalien wohldefiniert sind, muss es auch wohldefiniert sein, ob irgendein gegebenes Ding oder Ereignis ein bestimmtes Quale aufweist oder nicht.
V 138
Qualia/Begriff/Putnam: Qualia sind nicht wohldefiniert, aber das schließt die Existenz dieser Entitäten nicht aus; Häuser sind auch nicht wohl definiert und existieren trotzdem - >Bedeutung ungleich >Bezug.
I (d) 118
Qualia/Tradition: Objekte der Wahrnehmung - neu: Zustände des Subjekts (schon bei Reichenbach). Empfindungen/Qualia/Putnam: Qualia mögen nicht die Objekte der Wahrnehmung sein, wie man früher dachte (es kommt immer mehr in Mode, sie als Zustände oder Befindlichkeiten des Subjekts anzusehen, wie Reichenbach schon vor langer Zeit gefordert hatte).
Sie mögen eher schlecht definierte Entitäten sein, als die vollkommen scharfen Individuen, für die sie einst gehalten wurden.
Wir haben wahrscheinlich kein unkorrigierbares Wissen über sie.

Putnam I
Hilary Putnam
Von einem Realistischen Standpunkt
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Frankfurt 1993

Putnam I (a)
Hilary Putnam
Explanation and Reference, In: Glenn Pearce & Patrick Maynard (eds.), Conceptual Change. D. Reidel. pp. 196--214 (1973)
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (b)
Hilary Putnam
Language and Reality, in: Mind, Language and Reality: Philosophical Papers, Volume 2. Cambridge University Press. pp. 272-90 (1995
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (c)
Hilary Putnam
What is Realism? in: Proceedings of the Aristotelian Society 76 (1975):pp. 177 - 194.
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (d)
Hilary Putnam
Models and Reality, Journal of Symbolic Logic 45 (3), 1980:pp. 464-482.
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (e)
Hilary Putnam
Reference and Truth
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (f)
Hilary Putnam
How to Be an Internal Realist and a Transcendental Idealist (at the Same Time) in: R. Haller/W. Grassl (eds): Sprache, Logik und Philosophie, Akten des 4. Internationalen Wittgenstein-Symposiums, 1979
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (g)
Hilary Putnam
Why there isn’t a ready-made world, Synthese 51 (2):205--228 (1982)
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (h)
Hilary Putnam
Pourqui les Philosophes? in: A: Jacob (ed.) L’Encyclopédie PHilosophieque Universelle, Paris 1986
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (i)
Hilary Putnam
Realism with a Human Face, Cambridge/MA 1990
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (k)
Hilary Putnam
"Irrealism and Deconstruction", 6. Giford Lecture, St. Andrews 1990, in: H. Putnam, Renewing Philosophy (The Gifford Lectures), Cambridge/MA 1992, pp. 108-133
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam II
Hilary Putnam
Repräsentation und Realität Frankfurt 1999

Putnam III
Hilary Putnam
Für eine Erneuerung der Philosophie Stuttgart 1997

Putnam IV
Hilary Putnam
"Minds and Machines", in: Sidney Hook (ed.) Dimensions of Mind, New York 1960, pp. 138-164
In
Künstliche Intelligenz, Walther Ch. Zimmerli/Stefan Wolf Stuttgart 1994

Putnam V
Hilary Putnam
Vernunft, Wahrheit und Geschichte Frankfurt 1990

Putnam VI
Hilary Putnam
"Realism and Reason", Proceedings of the American Philosophical Association (1976) pp. 483-98
In
Truth and Meaning, Paul Horwich Aldershot 1994

Putnam VII
Hilary Putnam
"A Defense of Internal Realism" in: James Conant (ed.)Realism with a Human Face, Cambridge/MA 1990 pp. 30-43
In
Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994

SocPut I
Robert D. Putnam
Bowling Alone: The Collapse and Revival of American Community New York 2000
Qualia Russell Putnam V 137
Qualia/Russell: Russell war Realist sowohl in Bezug auf Qualia als auch auf Universalien. Überdies fasste er Qualia als paradigmatische Universalien auf: die Art und Weise, in der Dinge ähnlich sein können.
Putnam V 138
Universalien/Vagheit: gelten dem traditionellen Realisten als völlig wohldefiniert. Wörter mögen vag sein, Universalien selbst können nicht vag sein! Für Russell waren Qualia Universalien par excellence.

Russell I
B. Russell/A.N. Whitehead
Principia Mathematica Frankfurt 1986

Russell II
B. Russell
Das ABC der Relativitätstheorie Frankfurt 1989

Russell IV
B. Russell
Probleme der Philosophie Frankfurt 1967

Russell VI
B. Russell
Die Philosophie des logischen Atomismus
In
Eigennamen, U. Wolf (Hg) Frankfurt 1993

Russell VII
B. Russell
On the Nature of Truth and Falsehood, in: B. Russell, The Problems of Philosophy, Oxford 1912 - Dt. "Wahrheit und Falschheit"
In
Wahrheitstheorien, G. Skirbekk (Hg) Frankfurt 1996

Putnam I
Hilary Putnam
Von einem Realistischen Standpunkt
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Frankfurt 1993

Putnam I (a)
Hilary Putnam
Explanation and Reference, In: Glenn Pearce & Patrick Maynard (eds.), Conceptual Change. D. Reidel. pp. 196--214 (1973)
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (b)
Hilary Putnam
Language and Reality, in: Mind, Language and Reality: Philosophical Papers, Volume 2. Cambridge University Press. pp. 272-90 (1995
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (c)
Hilary Putnam
What is Realism? in: Proceedings of the Aristotelian Society 76 (1975):pp. 177 - 194.
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (d)
Hilary Putnam
Models and Reality, Journal of Symbolic Logic 45 (3), 1980:pp. 464-482.
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (e)
Hilary Putnam
Reference and Truth
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (f)
Hilary Putnam
How to Be an Internal Realist and a Transcendental Idealist (at the Same Time) in: R. Haller/W. Grassl (eds): Sprache, Logik und Philosophie, Akten des 4. Internationalen Wittgenstein-Symposiums, 1979
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (g)
Hilary Putnam
Why there isn’t a ready-made world, Synthese 51 (2):205--228 (1982)
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (h)
Hilary Putnam
Pourqui les Philosophes? in: A: Jacob (ed.) L’Encyclopédie PHilosophieque Universelle, Paris 1986
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (i)
Hilary Putnam
Realism with a Human Face, Cambridge/MA 1990
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (k)
Hilary Putnam
"Irrealism and Deconstruction", 6. Giford Lecture, St. Andrews 1990, in: H. Putnam, Renewing Philosophy (The Gifford Lectures), Cambridge/MA 1992, pp. 108-133
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam II
Hilary Putnam
Repräsentation und Realität Frankfurt 1999

Putnam III
Hilary Putnam
Für eine Erneuerung der Philosophie Stuttgart 1997

Putnam IV
Hilary Putnam
"Minds and Machines", in: Sidney Hook (ed.) Dimensions of Mind, New York 1960, pp. 138-164
In
Künstliche Intelligenz, Walther Ch. Zimmerli/Stefan Wolf Stuttgart 1994

Putnam V
Hilary Putnam
Vernunft, Wahrheit und Geschichte Frankfurt 1990

Putnam VI
Hilary Putnam
"Realism and Reason", Proceedings of the American Philosophical Association (1976) pp. 483-98
In
Truth and Meaning, Paul Horwich Aldershot 1994

Putnam VII
Hilary Putnam
"A Defense of Internal Realism" in: James Conant (ed.)Realism with a Human Face, Cambridge/MA 1990 pp. 30-43
In
Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994

SocPut I
Robert D. Putnam
Bowling Alone: The Collapse and Revival of American Community New York 2000
Quantitäten Bigelow I 49
Quantitäten/Quantität/Bigelow/Pargetter: bei ihnen werden wir auf den Kernbereich der Metaphysik verwiesen. Universalien/Bigelow/Pargetter: entstehen aus der Konfrontation, dass gewisse Dinge zur selben Zeit etwas und noch etwas anderes sein können. Das ist nur oberflächlich ein Widerspruch.
Quantität/Bigelow/Pargetter: Bsp a) zwei Dinge sind gleich, indem sie beide Masse haben – b) sie unterscheiden sich gleichzeitig weil sie verschiedene Masse haben.
Quantitäten/Platon/Bigelow/Pargetter: Problem. wenn Eigenschaften etwas sind, das ein Ding entweder haben kann oder nicht haben kann, gibt es ein Problem der Quantitäten.
Lösung/Platon: Teilhabe an Formen. Erlaubt graduelle Behandlung.
Wir weichen etwas von Platon ab:
Quantität/Platon/Bigelow/Pargetter: Lösungen dieser Art haben gemeinsam, dass sie eine Entität postulieren und die Relation zwischen dieser Entität und den Individuen, die sie besitzen, variieren.
I 50
Die Entität erklärt das, was die Individuen gemeinsam haben. Die Relation erklärt die verschiedenen Grade. Nominalismus/Berkeley/Bigelow/Pargetter: das ist Berkeleyscher Nominalismus: eine Platonische, abstrakte Form wird durch ein besonderes Individuum ersetzt, ein „Paradigma“. (Terminologie).
Gemeinsamkeit: haben Individuen, wenn sie demselben Paradigma ähneln.
Ähnlichkeit: ist natürlich auch dann graduell, wie graduelle Teilhabe an Formen bei Platon.
Berkeley/Platon/Bigelow/Pargetter: die Theorien sind ziemlich ähnlich: sie erklären, wie Eigenschaften graduell sein können.
Quantitäten/Bigelow/Pargetter: damit ist das generelle Problem der Quantitäten (dass sie graduell sind) nicht gelöst.
Problem: Grade einer Relation.
Lösung: Ähnlichkeit und Teilhabe sind ein Versuch.
Formen/Platon/Bigelow/Pargetter: wir behaupten nicht, dass seine Theorie der Formen falsch ist.
BigelowVsPlaton: sie löst aber nicht das Problem der Quantitäten. (Die Natur der Quantität).


Big I
J. Bigelow, R. Pargetter
Science and Necessity Cambridge 1990
Rationale Entscheidung Thaler Mause I 67
Rational Choice/Thaler/Sunstein: Cass R. Sunstein und Richard H. Thaler verfolgen mit ihrem Buch Nudge (1) zwei Ziele: Erstens plädieren sie dafür, den handlungstheoretischen Kern des Rational-Choice-Paradigmas realistischer zu gestalten. Sie kritisieren die Vorstellung, dass Menschen in der Lage sind, rationale Entscheidungen auf Basis von Kosten-Nutzen-Rechnungen zu treffen, unbeeinflusst von inneren Zuständen (wie Angst, Wut oder Empörung) und von intervenierenden äußeren Faktoren (d. h., die Präferenzen sind exogen). Sunstein und Thaler argumentieren, dass Menschen nicht so rational sind, wie das Modell es unterstellt. Vielmehr machen Menschen systematisch Fehler, sie entscheiden und handeln irrational und sind daher nicht immer in der Lage, Entscheidungen zu treffen, die zu ihrem eigenen Besten sind. Damit wird die Grundannahme des Libertarismus aber auch des Liberalismus, wonach Menschen „the best judges of their own interest“ seien (Mill 2004, S. 292; vgl. Mill 1988, S. 16– 17,   132), mit gravierenden Konsequenzen in Frage gestellt.


1. Richard H. Thaler and Cass R. Sunstein, Nudge: Improving Decisions about Health, Wealth, and Happiness, updated ed. (New York: Penguin Books, 2009).
2. Mill, John Stuart, Principles of political economy with some of their applications to social philosophy, Hrsg. Stephen Nathanson. Indianapolis 2004.

EconThaler I
Richard Thaler
Misbehaving: The Making of Behavioral Economics New York 2016

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Rechtfertigung Cavell II 195
Moral/Ethik/Cavell: Überredungsversuche (Du solltest") stellen nicht das Paradigma, sondern den Zusammenbruch der Moral dar.
II 195/196
Rechtfertigung/Cavell: genauso kann man Rechtfertigungen als Zusammenbruch unserer Konventionen ansehen. Die Annahme, dass die Berufung auf eine Regel nur dann gerechtfertigt ist, wenn diese Regel selbst gerechtfertigt wird, kann eine solche Berufung nur scheinheilig erscheinen lassen.
Regel/Feststellung/Cavell: zwischen beiden gibt es eine Komplementarität. Wie konnten wir sie übersehen?
Wegen der falschen Annahme, dass ein Regel in Imperativ sein muss ("Du solltest") statt einfach eine Beschreibung, wie etwas getan wird.
II 199
Entschuldigung/Cavell: wenn es für alle Entschuldigungen entsprechende Pflichten gäbe, dann gäbe es keine Entschuldigungen und Handeln würde unerträglich. Wir sind nicht bei jeder Handlung dazu verpflichtet, darauf zu achten, dass keine der Unmengen von Möglichkeiten eintritt, bei denen etwas schiefgeht.

Cavell I
St. Cavell
Die Unheimlichkeit des Gewöhnlichen Frankfurt 2002

Cavell I (a)
Stanley Cavell
"Knowing and Acknowledging" in: St. Cavell, Must We Mean What We Say?, Cambridge 1976, pp. 238-266
In
Die Unheimlichkeit des Gewöhnlichen, Stanley Cavell Frankfurt/M. 2002

Cavell I (b)
Stanley Cavell
"Excursus on Wittgenstein’s Vision of Language", in: St. Cavell, The Claim of Reason, Wittgenstein, Skepticism, Morality, and Tragedy, New York 1979, pp. 168-190
In
Die Unheimlichkeit des Gewöhnlichen, Stanley Cavell Frankfurt/M. 2002

Cavell I (c)
Stanley Cavell
"The Argument of the Ordinary, Scenes of Instruction in Wittgenstein and in Kripke", in: St. Cavell, Conditions Handsome and Unhandsome: The Constitution of Emersonian Perfectionism, Chicago 1990, pp. 64-100
In
Die Unheimlichkeit des Gewöhnlichen, Davide Sparti/Espen Hammer (eds.) Frankfurt/M. 2002

Cavell II
Stanley Cavell
"Must we mean what we say?" in: Inquiry 1 (1958)
In
Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995
Reduktion Chalmers I 43
Reduktion/Erklärung/Chalmers: eine reduktive Erklärung eines Phänomens impliziert nicht die Reduktion dieses Phänomens auf etwas anders. Erklärung: bedeutet nicht Identifikation mit etwas anderem, insbesondere nicht mit etwas auf einer niedrigeren Ebene. (Chalmers I 264 Reduzierbarkeit: die Tatsache, dass multiple Realisierbarkeit möglich ist, wird von manchen Autoren als Gegenargument zu einer Reduzierbarkeit angesehen. Aber: BrooksVs: (Brooks 1994)(1): erklärt das für irrelevant. Ebenso Wilson (1985)(2) und Churchland (1986)(3) so paradigmatisch reduzierbare Fälle wie Bsp Temperatur sind tatsächlich multipel realisierbar.)
Reduktion: sollte auch nicht mit Reduktion in Richtung auf eine höherstufige Theorie gleichgesetzt werden. Manchmal gibt es eine solche Theorie gar nicht.
I 46
Bewusstsein/Erklärung/Reduktion/Chalmers: wir brauchen so etwas wie ein Kognitives Modell, d.h. ein Modell der abstrakten kausalen Organisation, ohne dass wir die physikochemischen Substrate spezifizieren müssten. Das geht sehr gut für psychologische Aspekte, nicht aber für die phänomenale Seite.
I 47
Erklärungslücke: gibt es also zwischen der psychologischen und der phänomenalen Seite des Bewusstseins (Levine 1983).
I 48
Reduktive Erklärung: ist immer möglich, wenn das zu Erklärende (z.B. das natürliche Phänomen) global logisch superveniert auf dem Erklärenden (z.B. dem Physikalischen). Wenn die Supervenienz nicht global ist, bleibt immer die Frage: warum ist dieser Prozess begleitet von diesem Phänomen?
I 49
Reduktion: beseitigt nicht immer ein „Mysterium“ auf der resultierenden Ebene, eliminiert aber vielleicht die Annahme, es müsse noch etwas Zusätzliches geben, das vorgeht.
I 50
Bewusstsein/Chalmers: hier schlägt logische Supervenienz bei der Erklärung fehl.
I 104
Reduktion/Bewusstsein/Chalmers: aus den Argumenten der Vertauschten Spektren, des Fledermaus-Beispiels, der Farbenforscherin Mary folgt noch nicht zwingend, dass es keine reduktive Erklärung des Bewusstseins gibt. (Das wäre gleichbedeutend damit, dass Bewusstsein nicht logisch auf physikalischen Tatsachen superveniert). Analyse/Analysierbarkeit/Bewusstsein/Chalmers: ein letztes Argument für die Irreduzibilität ist, dass keine Analyse des Bewusstseins aus physikalischen Tatsachen heraus verfügbar ist.
I 105
Problem: Argumente, die sich auf bessere Unterscheidungen oder bessere Information in der Zukunft berufen, müssen scheitern. Sie haben wiederum nicht das, worauf es ankommt, das bewusste erleben! Auch wenn bewusste Zustände gewisse kausale Rollen spielen können, sind sie nicht definiert durch ihre kausalen Rollen. Man könnte z.B. Unterscheidungsfähigkeit auch ohne Bewusstsein erklären.



1. D. H. M. Brooks, How to perform a reduction. Philosophy and Phenomenological Research 54, 1994: pp. 803-14.
2. M . Wilson, What is the ting called "pain"? The philosophical science behind the contemporary debate. Pacific Philosophical Quarterly 66, 1985: pp.227-67.
3. P. S. Churchland, Neurophilosophy: Toward a Unified Scinece of the Mind-Brain. Cambridge 1986.

Cha I
D. Chalmers
The Conscious Mind Oxford New York 1996

Cha II
D. Chalmers
Constructing the World Oxford 2014
Risikowahrnehmung Gibson Slater I 41
Risikowahrnehmung/visuelle Klippe/E. J. Gibson/Entwicklungspsychologie: In den 1980er Jahren konzeptionierte Gibson ihre Studien mit der visuellen Klippe (>visuelle Klippe/Entwicklungspsychologie) als Untersuchungen zur Entwicklung der Wahrnehmung von "Affordanzen" - der Übereinstimmung zwischen den physischen Fähigkeiten eines Tieres und den Merkmalen der Umgebung, die eine bestimmte Aktion ermöglichen (Gibson, 1988(1); Gibson & Schmuckler, 1989)(2). Diese Rekonzeptualisierung führte zu einer Reihe von Studien über die Wahrnehmung von Affordanzen für Traversabilität durch Säuglinge (Gibson et al., 1987)(3). Jetzt lag Gibsons Fokus auf dem Vergleich von kriechenden und laufenden Säuglingen, da Unterschiede in der Stabilität ihrer Körperhaltung die Kosten für die Fortbewegung beeinflussen. Von besonderem Interesse waren die explorativen Verhaltensweisen, mit denen Informationen für die Affordanzen generiert wurden. (...) in diesem Fall variierte die Festigkeit der Bodenoberfläche anstelle der Höhe des Absetzens. Kriechende Säuglinge überquerten häufiger ein matschiges Wasserbett als laufende Säuglinge, aber beide Gruppen gingen sofort über starres Sperrholz. Laufende unterschieden die beiden Oberflächen mit erhöhter visueller und taktiler Erkundung auf dem Wasserbett, während kriechende Säuglinge dies nicht taten.
Gibsons neue Sichtweise auf das alte visuelle Klippenparadigma führte zu Dutzenden von Studien über die Wahrnehmung von Bewegungsmöglichkeiten durch Säuglinge: über reale Klippen (Kretch & Adolph, im Druck), Lücken (Adolph, 2000(4); Adolph, Berger, & Leo, 2011(5); Zwart, Ledebt, Fong, de Vries, & Savelsbergh, 2005)(6), Pisten (z.B, Adolph, 1997)(7), Treppen (Ulrich, Thelen, & Niles, 1990)(8), Brücken (Berger & Adolph, 2003(9); Berger, Adolph, & Kavookjian, 2010(10); Berger, Adolph, & Lobo, 2005(11); Kretch, Kung, Quon, & Adolph, 2011)(12), Schaumgruben (Joh, 2011(13); Joh & Adolph, 2006(14)), rutschigen Boden (Adolph, Joh, & Eppler, 2010)(15), unter, über und um Barrieren (Kingsnorth & Schmuckler, 2000(16); Lockman, 1984(17); Mulvey, Kubo, Chang, & Ulrich, 2011(18); Schmuckler, 1996(19).




1. Gibson, E. J. (1988). Exploratory behavior in the development of perceiving, acting, and the acquiring of knowledge. Annual Review of Psychology, 39, 1–41.
2. Gibson, E. J., & Schmuckler, M. A. (1989). Going somewhere: An ecological and experimental approach to development of mobility. Ecological Psychology, 1, 3–25.
3. Gibson, E. J., Riccio, G., Schmuckler, M. A., Stoffregen, T. A., Rosenberg, D., & Taormina, J. (1987). Detection of the traversability of surfaces by crawling and walking infants. Journal of Experimental Psychology: Human Perception and Performance, 13, 533–544.
4. Adolph, K. E. (2000). Specificity of learning: Why infants fall over a veritable cliff. Psychological Science, 11, 290–295.
5. Adolph, K. E., Berger, S. E., & Leo, A. J. (2011). Developmental continuity? Crawling, cruising, and walking. Developmental Science, 14, 306–318.
6. Zwart, R., Ledebt, A., Fong, B. F., de Vries, H., & Savelsbergh, G. J. P. (2005). The affordance of gap crossing in toddlers. Infant Behavior & Development, 28, 145–154.
7. Adolph, K. E. (1997). Learning in the development of infant locomotion. Monographs of the Society for Research in Child Development, 62, 3 (Serial No. 251).
8. Ulrich, B. D., Thelen, E., & Niles, D. (1990). Perceptual determinants of action: Stair-climbing choices of infants and toddlers. In J. E. Clark & J. H. Humphrey (Eds), Advances in Motor Development Research (Vol. 3, pp. 1–15). New York: AMS Publishers.
9. Berger, S. E., & Adolph, K. E. (2003). Infants use handrails as tools in a locomotor task. Developmental Psychology, 39, 594–605.
10. Berger, S. E., Adolph, K. E., & Kavookjian, A. E. (2010). Bridging the gap: Solving spatial means-ends relations in a locomotor task. Child Development, 81, 1367–1375.
11. Berger, S. E., Adolph, K. E., & Lobo, S. A. (2005). Out of the toolbox: Toddlers differentiate wobbly and wooden handrails. Child Development, 76, 1294–1307.
12. Kretch, K. S., Kung, J., Quon, J. L., & Adolph, K. E. (2011, October). Bridging the gap: Infants’ sensitivity to bridge width and drop-off height. Poster presented at the meeting of the Cognitive Development Society, Philadelphia, PA.
13. Joh, A. S. (2011). Development of learning from falling in young infants: A longitudinal study on the effects of practice, locomotor skill, and learning context. Manuscript in revision.
14. Joh, A. S., & Adolph, K. E. (2006). Learning from falling. Child Development, 77, 89–102.
15. Adolph, K. E., Joh, A. S., & Eppler, M. A. (2010). Infants’ perception of affordances of slopes under high and low friction conditions. Journal of Experimental Psychology: Human Perception and Performance, 36, 797–811.
16. Kingsnorth, S., & Schmuckler, M. A. (2000). Walking skill versus walking experience as a predictor of barrier crossing in toddlers. Infant Behavior and Development, 23, 331–350.
17. Lockman, J. J. (1984). The development of detour ability during infancy. Child Development, 55, 482–491.
18. Mulvey, G. M., Kubo, M., Chang, C.-L., & Ulrich, B. D. (2011). New walkers with Down Syndrome use cautious but effective strategies for crossing obstacles. Research Quarterly for Exercise and Sport, 82, 210–219.
19. Schmuckler, M. A. (1996). Development of visually guided locomotion: Barrier crossing by toddlers. Ecological Psychology, 8, 209–236.


Karen E. Adolph and Kari S. Kretch, “Infants on the Edge. Beyond the Visual Cliff” in: Alan M. Slater and Paul C. Quinn (eds.) 2012. Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications

Slater I
Alan M. Slater
Paul C. Quinn
Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2012
Sehen Kuhn I 131
Paradigma/Sehen/Wissenschaft/Kuhn: Bsp Pendel/Aristoteles sah darin ein Fallen. - Galilei: sah darin eine Wiederholung von Bewegung. Argumente für die Unabhängigkeit von Gewicht und Fallgeschwindigkeit. - Aber diese Argumente wurden nicht durch bessere Beobachtung gewonnen. >Interpretation/Kuhn, >Theorien/Kuhn, >Theoriewandel, >Inkommensurabilität.

Kuhn I
Th. Kuhn
Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen Frankfurt 1973
Sklaverei Aristoteles Höffe I 70
Sklaverei/Aristoteles/Höffe: Die in Bergwerken und Handwerksbetrieben, in Privathaushalten und auf landwirtschaftlichen Gütern tätigen Sklaven stehen rechtlich noch schlechter da als die für die Wirtschaft Spartas wichtigen Heloten («Hörigen»). Heloten: Diese sind zwar von Grundsitz und politischen Rechten ausgeschlossen und zu Abgaben an ihre Herren verpflichtet, leben jedoch an einem festen Ort. Sklaven hingegen, gekauft oder im Krieg erbeutet, können weiterverkauft werden. Zur rechtlich noch geringeren Stellung kommt also die fehlende Sesshaftigkeit, die Heimatlosigkeit, hinzu.
AristotelesVsAlkidamas: Aristoteles[behauptet], es gebe Menschen, die den Sklavenstatus verdienen(1).
Herr/Knecht/Herrschaft/Knechtschaft: ab. Die Beziehung vom Herrn zum Sklaven soll nämlich auf wechselseitigen Vorteil, mithin auf Gerechtigkeit angelegt sein: Von Natur aus (physei), also mit gutem Grund sei Herr, wer zu vorausschauendem Denken fähig ist, von Natur aus Sklave, wem diese Fähigkeit fehlt, weshalb er jemanden braucht, der für ihn mitdenkt und als Gegenleistung einen Körper hat, der für die «Beschaffung des Notwendigen» geeignet ist.(2)
Höffe I 71
Charakterschwäche als Argument für die Sklaverei: fehlender Mut.(3) Höffe: [das] erinnert an einen berühmten Gedanken von Hegel:
Herrschaft/Knechtschaft/Hegel: Nach dem Kapitel «Herrschaft und Knechtschaft» aus der Phänomenologie des Geistes entscheidet sich die Frage, ob man ein Herr oder ein Knecht wird, nicht an der Fähigkeit zum vorausschauenden Denken, sondern an der Bereitschaft zu einem Kampf auf Leben und Tod.


1. Politika I 4–7
2. I 5, 1254b22 ff
3. VII 7, 1327b27 f.


Gaus I 314
Sklaverei/Aristoteles/Keyt/Miller: Aristoteles' Behandlung der Sklaverei und ihrer Antithese wurzelt auch in seinem Naturalismus. Aristoteles' Verteidigung der natürlichen Sklaverei in Politik I.3-7 ist die berüchtigtste Passage in der antiken Philosophie. Aristoteles argumentiert, dass jede Person, deren beratende Fähigkeit zu geschwächt ist, um für ihre eigene Erhaltung zu sorgen, von Natur aus ein Sklave ist und daher zu Recht versklavt werden kann. Aber wer sind diese Menschen? Ist einer von ihnen Grieche? Wie stark ist Aristoteles' Argument und stimmen seine Prämissen mit Aristoteles' eigenen Prinzipien überein (siehe Newman, 1887-1902(1): Bd. Il, 146)? Polis/Aristoteles: In Aristoteles' idealer Polis sind die Bauern Sklaven (Pol. VII.9.1329a26, 10.1330a25-8). Sind sie von Natur aus Sklaven oder nur nach dem Gesetz Sklaven? Aristoteles' Idee, dass ihnen die Freiheit als Belohnung zuteil werden sollte (Pol. VII.lO.1330a32-3), scheint unvereinbar damit zu sein, dass sie von Natur aus Sklaven sind (und daher eines Herrn bedürfen); aber wenn sie nur durch das Gesetz Sklaven sind, beruht seine ideale Polis, angeblich ein Paradigma der Gerechtigkeit, auf einer schweren Ungerechtigkeit. (Zur Erörterung einiger dieser Fragen siehe Charles, 1990(2) 191, 196; Smith, 1991(3)).
Die Idee der Sklaverei erschöpft sich nicht in Aristoteles' viel an den Pranger gestellter Verteidigung der natürlichen Sklaverei; sie geht in seine Analyse der Verfassungen ein und zieht sich als Unterströmung durch die gesamte Politik. >Tyrannei/Aristoteles.

Pol: Aristoteles Politik


1. Newman, W. L. (1887-1902) The Politics of Aristotle, 4 Bd. Oxford: Clarendon.
2. Charles, David (1990) 'Comments on M. Nussbaum'. In Günther Patzig, ed., Aristoteles ' 'Politik': Akten des XI Symposium Aristotelicum. Göttingen: Vandenhoeck and Ruprecht.
3. Smith, Nicholas D. (1991) 'Aristotle's theory of natural slavery'. In David Keyt and Fred D. Miller, Hrsg., A Companion to Aristotle 's Politics. Oxford: Blackwell.

Keyt, David and Miller, Fred D. jr. 2004. „Ancient Greek Political Thought“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Soziale Bewegungen Offe Gaus I 269
Soziale Bewegungen/Claus Offe/West: Am nächsten am marxistischen Paradigma - in der Tat fast durchgängig mit den Schulen des westlichen und des Neomarxismus, die die sich wandelnde Natur des Kapitalismus und den entsprechenden Niedergang des Aktivismus der Arbeiterklasse anerkennen - stehen Theorien neuer sozialer Bewegungen als Antwort auf die Krisen des "Wohlfahrtsstaat"-Kapitalismus (WSC) (Offe, 1984(1); 1985(2)). Wohlfahrtsstaatlicher Kapitalismus: Ein Ausgangspunkt für solche Theorien ist die neokorporatistische Einbeziehung der Arbeiterklasse in die institutionellen Strukturen der kapitalistischen Gesellschaft durch gewerkschaftliche und parteipolitische Vertretung. Die für den WSC charakteristische sozialdemokratische Rechtsordnung ergänzt die bürgerlichen und politischen Rechte (die von
Gaus I 270
der liberalen Demokratie geschätzt werden) mit "sozialen Wohlfahrtsrechten", die durch die Bereitstellung von sozialer Wohlfahrt (Gesundheit, Bildung, Wohnung), sozialer Sicherheit (Arbeitslosen-, Kranken- und Rentenleistungen), Maßnahmen der wirtschaftlichen Umverteilung (progressive Besteuerung) und keynesianischer Wirtschaftspolitik (Vollbeschäftigung, Nachfragesteuerung) verwirklicht werden (Marshall, 1963(3): 74-126; Offe, 1985(2): 821-5). Staatskapitalismus: Diese Entwicklungen bringen im Vergleich zum liberalen Kapitalismus eine erhebliche Ausweitung der staatlichen Aktivitäten mit sich.
Produktion: Der damit einhergehende Niedergang des Aktivismus der Arbeiterklasse wird durch den sich wandelnden Charakter der Produktion im Übergang vom "Fordismus" oder "Taylorismus" zum "Post-Fordismus" und "Post-Taylorismus" verstärkt (Lash und Urry, 1987)(4). Dabei geht es in erster Linie um den Niedergang des traditionellen verarbeitenden Gewerbes und den Aufstieg des Dienstleistungssektors, der geographisch weiter verstreut und industrial weniger organisiert ist. Jedoch wird das fordistische Modell - der Fließbandproduktion einer relativ kleinen Palette von Produkten für den Massenkonsum - allmählich durch diversifiziertere und dezentralisierte Produktions- und Konsumformen ersetzt.
Klassen/Identität: Beide Entwicklungen untergraben traditionelle Solidaritäts- und Organisationsformen der Arbeiterklasse und neigen dazu, eine Vervielfältigung und Diversifizierung von klassenfremden Identitätsformen zu unterstützen.
Bürger/Sozialstaat: Verweigert der Wohlfahrtsstaat die eskalierenden Forderungen der Bürger, dann riskiert er einen Autoritäts- oder Legitimitätsverlust (Offe, 1985(2): 818-20; Habermas, 1976(5)). Aber die Ansprüche der Bürgerinnen und Bürger müssen unweigerlich wachsen, denn die Ausweitung der staatlichen Verantwortung untergräbt so "unbestrittene und unbedingte Prämissen der Politik" wie Familie, Religion und Arbeit (Offe, 1985(2): 819).
Neoliberalismus/Huntington: Es ist natürlich genau diese "Krise der Regierbarkeit" (Huntington, 1975(6); O'Connor, 1973(7)), die die neoliberalen Versuche motiviert hat, den weniger expansiven Zustand des liberalen Kapitalismus wiederzubeleben.
Soziale Bewegungen: Die sich wandelnde Natur des Kapitalismus steht (...) nicht nur in Zusammenhang mit dem abnehmenden Aktivismus der traditionellen Arbeiterklasse, sondern auch mit dem Aufstieg der Frauen-, Friedens- und Umweltbewegung (Offe, 1985: 825-32). Für Offe bieten die [Neuen Sozialen Bewegungen] (NSMs) eine potenziell vielversprechendere Antwort auf die Krise des Wohlfahrtsstaates in Form einer wiederhergestellten, vom Staat unabhängigen Zivilgesellschaft.


1. Offe, Claus (1984) Contradictions of the Welfare State, Hrsg. John Keane. Cambridge, MA: MIT Press.
2. Offe, Claus (1985) 'New social movements: challenging the boundaries of institutional politics'. Social Research, 52 (4): 817-68.
3. Marshall, T. H. (1963) Sociologv at the Crossmads and Other Essays. London: Hememann.
4. Lash, Scott and John Urry (1987) The End of Organized Capitalism. Cambridge: Polity.
5. Habermas, Jürgen (1976) Legitimation Crisis, trans. T. McCarthy. London: Heinemann.
6. Huntington, S. P. (1975) 'The United States'. In M. Crozier et al., eds, The Crisis of Democracy.
New York: New York Umversity Press.
7.O’Connor 1973

West, David 2004. „New Social Movements“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Offe I
Claus Offe
Strukturprobleme des kapitalistischen Staates Frankfurt/M. 1972

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Soziale Bewegungen Sozialwahltheorie Gaus I 268
Soziale Bewegungen/Sozialwahltheorie/Rationalwahltheorie/West: Die Anerkennung der potentiellen Rationalität kollektiven Handelns spiegelt sich (...) in theoretischen Versuchen zur Erklärung der Aktivität sozialer Bewegungen wider. Theorie der Ressourcenmobilisierung: Insbesondere in den USA hat das einflussreiche Paradigma der 'Rationalwahltheorie' die Methoden der neoklassischen Ökonomie auf die Erklärung von Sozialverhalten angewandt und die 'Theorie der Ressourcenmobilisierung' (RMT) (...) hervorgebracht (...). Die RMT behandelt soziale Bewegungen als mehr oder weniger erfolgreiche Versuche von Individuen, menschliche und andere Ressourcen zum Wohle kollektiver Ziele zu mobilisieren. Die Verfügbarkeit von Ressourcen, die Fähigkeit von "politischen Unternehmern", diese Ressourcen zu mobilisieren, und die "politische Opportunitätsstruktur" des umgebenden politischen Systems tragen alle zu der charakteristischen Flugbahn von Erfolg und Misserfolg, Wachstum und Niedergang - oder dem "Lebenszyklus" - von Bewegungen bei (Oberschall, 1973(1); Tilly, 1978(2); Zald und McCarthy, 1987(3)).
Die Probleme: (...) Die RMT befasst sich mit den formalen Eigenschaften von sozialen Bewegungen im Allgemeinen und nicht mit den inhaltlichen Merkmalen neuer sozialer Bewegungen im Besonderen. Sie betrachtet allgemeine Voraussetzungen, Probleme und Determinanten kollektiven Handelns. Aber wie andere Rationalwahltheorien hat sie nichts über die besonderen Ziele, Werte oder Ideologie der Akteure neuer sozialer Bewegungen zu sagen (Piven und Cloward, 1992(4)).
1) VsRationale Wahlmöglichkeit/West: Theorien der rationalen Wahl können zwar Theoreme ableiten, die die "rationalen" Entscheidungen vorhersagen, die Handelnde auf der Grundlage bestimmter "Präferenzen" treffen, aber sie sind notorisch nicht in der Lage, Licht auf die Bildung dieser Präferenzen oder ihre mögliche Ersetzung durch andere zu werfen (Hindess, 1988)(5).
2) VsRationale Wahl: Rationale Wahlansätze haben zum Beispiel viel mit dem "Problem der Wahl" zu tun - der scheinbaren Irrationalität, auch nur minimale Anstrengungen zu unternehmen, wenn die Chancen, den Ausgang von Wahlen zu beeinflussen, verschwindend gering sind (Brennan und Lomasky, 1993)(6). Sie müssen also sicherlich Schwierigkeiten haben zu verstehen, warum Menschen erhebliche langfristige Anstrengungen unternehmen und sogar ernsthafte (manchmal tödliche) Risiken um der politischen Ziele willen eingehen.
Gaus I 269
In jüngster Zeit hat es in der Tat Überlegungen zu solchen Konzepten gegeben (Johnston und Klandermans, 1995)(7).

1. Oberschall, Anthony (1973) Social Conflict and Social Movements. Englewood Cliffs, NJ: Prentice Hall.
2. Tilly, Charles (1978) From Mobilization to Revolution. Reading, MA: Addison-Wesley.
3. Zald, Mayer N. and John McCarthy (1987) Social Movements in an Organizational Society. New
Brunswick, NJ: Transaction.
4. Piven, F. F. and R. A. Cloward (1992) 'Normalizing collective protest'. In A. Morris and C. M. Mueller, Hrsg., Frontiers in Social Movement Theory. New Haven, CT: Yale University Press.
5. Hindess, Barry (1988) Choice, Rationality and Social Theory. London: Unwin Hyman.
6. Brennan, Geoffrey and Loren Lomasky (1993) Democracy and Decision: The Pum Theory of Electoral Preference. Cambridge: Cambridge University Press.
7. Johnston, Hank and Bert Klandermans, eds (1995) Social Movements and Culture. Minneapolis: University of Minnesota Press.

West, David 2004. „New Social Movements“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Sozialer Einfluss Moscovici Haslam I 94
Sozialer Einfluss/Moscovici: um seine Vorstellungen über den Einfluss von Minderheiten zu testen, entwickelten Moscovici und seine Kollegen ein Paradigma, bei dem die Teilnehmer über die Farbe einer Folie urteilten (Moscovici et al., 1969)(1). >Experiment/Moscovici.
Haslam I 93
MoscoviciVsAsch: Moscovici (1976)(2) argumentierte, dass die Konformitätsverzerrung, indem sie sich so sehr auf den Mehrheitseinfluss konzentrierte, die Forscher dazu veranlasst habe, den sozialen Einfluss als eine Einbahnstraße zu betrachten, in der die Minderheit immer mit der Mehrheit übereinstimmt. Wie die wenigen oben genannten Beispiele jedoch deutlich zeigen, [ist dies nicht der Fall]. >Konformität/Asch, >Mehrheit/Asch, >Mehrheit/Jetten/Hornsey, >Konformität/Psychologische Theorien. In Moscovicis Experiment (>Experiment/Moscovici) stellte sich heraus, dass im Gegensatz zur Vorstellung, dass Menschen immer einer Mehrheit entsprechen (wie es auf der Grundlage der früheren Asch-Studien (Asch 1951(3), 1952(4), 1955(5)) zu erwarten war, die Studien (...) zeigen, dass eine numerische Minderheit in der Lage ist, die Urteile einer Mehrheit zu ändern. >Konversionstheorie/Moscovici.



1. Moscovici, S., Lage, E. and Naffrechoux, M. (1969) ‘Influence of a consistent minority on the response of a majority in a color perception task’, Sociometry, 32: 365–80.
2. Moscovici, S. (1976) Social Influence and Social Change. London: Academic Press.
3. Asch, S.E. (1951) ‘Effects of group pressure upon the modification and distortion of judgment’, in H. Guetzkow (ed.), Groups, Leadership and Men. Pittsburgh, PA: Carnegie Press. pp. 177–90.
4. Asch, S.E. (1952) Social Psychology. Englewood Cliffs, NJ: Prentice-Hall.
5. Asch, S.E. (1955) ‘Opinions and social pressure’, Scientific American, 193: 31–5.


Robin Martin and Miles Hewstone, “Minority Influence. Revisiting Moscovici’s blue-green afterimage studies”, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications

Haslam I
S. Alexander Haslam
Joanne R. Smith
Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017
Sprache Stoa Gadamer I 436
Sprache/Stoa/Gadamer: Der Kampf der Philosophie und der Rhetorik um die griechische Jugendbildung, der mit dem Sieg der attischen Philosophie entschieden wurde, hat auch diese Seite, dass das Denken über Sprache zur Sache einer Grammatik und Rhetorik wird, die das Ideal der wissenschaftlichen Begriffsbildung immer schon anerkannt haben. Damit beginnt sich die Sphäre der sprachlichen Bedeutung von den in der sprachlichen Gestaltung begegnenden Sachen zu lösen. Die
Gadamer I 437
stoische Logik spricht zuerst von jenen unkörperlichen Bedeutungen, mittels derer das Reden von den Dingen sich vollzieht (to lekton). Topos: Höchst bezeichnend, dass diese Bedeutungen mit dem topos, d. h. dem Raum, auf eine Stufe gestellt werden.(1) Wie der leere Raum jetzt erst, im Wegdenken der sich in ihm zueinander ordnenden Dinge, zur Gegebenheit für das Denken kommt(2), so werden auch die „Bedeutungen“ als solche jetzt erst für sich gedacht und ein Begriff für sie geprägt, indem man die mittels der Bedeutung der Worte genannten Dinge wegdenkt.
Auch die Bedeutungen sind wie ein Raum, worin sich die Dinge zueinander ordnen. Solche Gedanken werden offenbar erst möglich, wenn das natürliche Verhältnis, d. h. die innige Einheit von Sprechen und Denken, gestört ist. Vgl. >Sprache und Denken/Antike Philosophie, >Sprache und Denken/Gadamer.
Man darf hier, wie Lohmann(3) gezeigt hat, die Entsprechung des stoischen Denkens und der grammatisch-syntaktischen Durchbildung der lateinischen Sprache erwähnen. Dass die beginnende Zweisprachigkeit der hellenistischen Oikumene für das Denken über Sprache eine fördernde Rolle
gespielt hat, ist wohl unbestreitbare Vielleicht aber liegen die Ursprünge dieser Entwicklung weit früher, und es ist die Entstehung der Wissenschaft überhaupt, die diesen Prozess auslöst. Dann werden die Anfänge desselben in die Frühzeit der griechischen Wissenschaft zurückreichen.
Gadamer: Dass das so ist, dafür spricht die wissenschaftliche Begriffsbildung im Bereich von Musik, Metaphysik und Physik, weil dort ein Feld rationaler Gegenständlichkeiten vermessen wird, deren konstruktive Erzeugung entsprechende Beziehungen ins Leben ruft, die man nicht mehr eigentlich Worte nennen kann.
Zeichen/Wort/Antike/Gadamer: Überall, wo das Wort eine bloße Zeichenfunktion übernimmt, wird der ursprüngliche Zusammenhang von Sprechen und Denken, auf den unser Interesse gerichtet ist, in ein instrumentales Verhältnis umgewandelt, Dieses verwandelte Verhältnis von Wort und Zeichen liegt der Begriffsbildung der Wissenschaft insgesamt zugrunde und ist für uns so selbstverständlich geworden, dass es einer eigenen kunstvollen Erinnerung bedarf, dass neben dem wissenschaftlichen Ideal eindeutiger Bezeichnung das Leben der Sprache selber unverändert weitertreibt.


1. Stoic. vet. fragm. Arnim Il, S. 87.
2. Vgl. die von Aristoteles noch verworfene Theorie des diaphragma (Phys. A 4, 211 b 14ff.)
3. J. Lohmann hat neuerdings interessante Beobachtungen mitgeteilt, denen zufolge die Entdeckung der Welt der Töne, Figuren und Zahlen eine eigene Art der Wortbildung und damit ein erstes Anheben von Sprachbewußtheit herbeigeführt hat. Vgl. J. Lohmanns Arbeiten: Arch. f. Musikwiss. XIV, 1957, S. 147-155, XVI, 1959, S. 148- 173, 261—291, Lexis IV, 2 und zuletzt: Über den paradigmatischen Charakter der griechischen Kultur (Festschrift für Gadamer 1960). (Inzwischen ist auf den Band „Musike und Logos“ Stuttgart 1970 zu verweisen (...).

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Sprachregeln Putnam V 142
Bedeutung/Putnam: Bedeutung wird nicht durch semantische Regeln oder Normen bestimmt - Normen können aber bestimmen, dass gewisse Gegenstände paradigmatische Beispiele für Gold sind. (> Natürliche Art/Putnam).

Putnam I
Hilary Putnam
Von einem Realistischen Standpunkt
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Frankfurt 1993

Putnam I (a)
Hilary Putnam
Explanation and Reference, In: Glenn Pearce & Patrick Maynard (eds.), Conceptual Change. D. Reidel. pp. 196--214 (1973)
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (b)
Hilary Putnam
Language and Reality, in: Mind, Language and Reality: Philosophical Papers, Volume 2. Cambridge University Press. pp. 272-90 (1995
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (c)
Hilary Putnam
What is Realism? in: Proceedings of the Aristotelian Society 76 (1975):pp. 177 - 194.
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (d)
Hilary Putnam
Models and Reality, Journal of Symbolic Logic 45 (3), 1980:pp. 464-482.
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (e)
Hilary Putnam
Reference and Truth
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (f)
Hilary Putnam
How to Be an Internal Realist and a Transcendental Idealist (at the Same Time) in: R. Haller/W. Grassl (eds): Sprache, Logik und Philosophie, Akten des 4. Internationalen Wittgenstein-Symposiums, 1979
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (g)
Hilary Putnam
Why there isn’t a ready-made world, Synthese 51 (2):205--228 (1982)
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (h)
Hilary Putnam
Pourqui les Philosophes? in: A: Jacob (ed.) L’Encyclopédie PHilosophieque Universelle, Paris 1986
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (i)
Hilary Putnam
Realism with a Human Face, Cambridge/MA 1990
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (k)
Hilary Putnam
"Irrealism and Deconstruction", 6. Giford Lecture, St. Andrews 1990, in: H. Putnam, Renewing Philosophy (The Gifford Lectures), Cambridge/MA 1992, pp. 108-133
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam II
Hilary Putnam
Repräsentation und Realität Frankfurt 1999

Putnam III
Hilary Putnam
Für eine Erneuerung der Philosophie Stuttgart 1997

Putnam IV
Hilary Putnam
"Minds and Machines", in: Sidney Hook (ed.) Dimensions of Mind, New York 1960, pp. 138-164
In
Künstliche Intelligenz, Walther Ch. Zimmerli/Stefan Wolf Stuttgart 1994

Putnam V
Hilary Putnam
Vernunft, Wahrheit und Geschichte Frankfurt 1990

Putnam VI
Hilary Putnam
"Realism and Reason", Proceedings of the American Philosophical Association (1976) pp. 483-98
In
Truth and Meaning, Paul Horwich Aldershot 1994

Putnam VII
Hilary Putnam
"A Defense of Internal Realism" in: James Conant (ed.)Realism with a Human Face, Cambridge/MA 1990 pp. 30-43
In
Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994

SocPut I
Robert D. Putnam
Bowling Alone: The Collapse and Revival of American Community New York 2000
Stanford-Prison-Experiment Psychologische Theorien Haslam I 136
Stanford-Prison-Experiment/SPE/Psychologische Theorien: das SPE (...) löste eine hitzige ethische Debatte (z.B. Savin, 1973(1); Zimbardo, 1973(2)). Dies veranlasste die American Psychological Association schließlich, die Richtlinien für die Teilnahme an der psychologischen Forschung zu verschärfen, um sicherzustellen, dass sich die in Stanford beobachteten Missbräuche nie wiederholen.
Haslam I 137
Browning: Der Historiker Christopher Browning (1992)(3) zieht so Parallelen zwischen dem Verhalten von Wachen in dem SPE und den Aktivitäten des Reserve Police Battalion (RPB) 101, eines mobilen nationalsozialistischen Tötungskommandos, die zwischen Juli 1942 und November 1943 durch das von Deutschen besetzte Polen streifte und mindestens 38.000 Juden ermordete. Browning zeigt, dass die Mitglieder dieser Einheit keine Fanatiker oder gar pro-Nazis waren und zudem nicht gezwungen waren, das zu tun, was sie taten. Wie der Titel seines Buches ausdrückt, waren sie für Browning nur "gewöhnliche Männer", die, wie Zimbardos Wachen, einem System erlagen, das "allein eine ausreichende Bedingung war, um anormales, unsoziales Verhalten zu erzeugen" (1992(3) S. 168). Abu Ghraib Gefängnis: Erste Reaktionen von militärischen und politischen Führern versuchten, diese Missbräuche als isolierte Vorfälle und als die pervertierten Aktionen einiger weniger "schurkischer Soldaten" abzutun. Zimbardo stellte diese Darstellung jedoch in Frage und ging sogar so weit, sich als Sachverständiger für die Verteidigung beim Prozess gegen Ivan 'Chip' Frederick zu präsentieren, einen Stabssergeant, der beschuldigt wurde, Häftlinge in Abu Ghraib gefoltert zu haben.
Zimbardo: Wie die Wachen der SPE beschreibt Zimbardo ihn als "aus gutem Holz geschnitzt" ("chip off the best block"), der unwissentlich von der "schlechten Umgebung" ("bad barrel"), in dem er sich befand, pervertiert wurde (Zimbardo 2004(4): 344.
Haslam I 138
Es können verschiedene Ansätze für die SPE gefunden werden. a) "Dispositionalismus" (die These, dass Verhalten auf Charakterzügen beruht),
b) "Situationalismus" (die These, dass individuelles Verhalten in individuellen Situationen entsteht) und
c) "Interaktionismus" (die These, dass die Interaktion von situativen Faktoren mit denen von Persönlichkeit, Einstellungen und Erwartungen in einer Situation entscheidend ist). (Zimbardo 2007(5): 9)
Abu Ghraib: Zimbardos Beweise in Fredericks Prozess wurden von dem Staatsanwalt der Armee, Christopher Graveline, mit ähnlicher Skepsis aufgenommen: Unmöglich, den situativen Kräften zu widerstehen?... Natürlich spielt die Situation, in der sich eine Person befindet, eine bedeutende Rolle in ihrem Handeln, aber zu sagen, dass schlechtes Handeln unvermeidlich wird, negiert die Verantwortung, den freien Willen, das Gewissen und den Charakter der Person. (Schotter und Clemens, 2010(6): 179).
1. VsZimbardo: (Banuazzi und Movahedi 1975(6)) Die Behauptung, dass die Aggression der Wache einfach als "natürliche" Folge des "In-der-Uniform-Steckens" einer "Wache" und der Behauptung der dieser Rolle innewohnenden Macht ausgestrahlt wurde" (Haney et al., 1973(7): 12), scheint mit dem Inhalt von Zimbardos Briefing an seine Wachen vor Beginn der SPE unvereinbar zu sein.
Haslam I 139
2. VsZimbardo: Während Zimbardo behauptet, dass es die Wachen waren, die sich die verschiedenen Missbräuche ausdachten, die an Häftlinge in der SPE verübt wurden, scheint es, dass sie dabei nur Requisiten und Verfahren verwendeten, die von den Experimentatoren zur Verfügung gestellt wurden (z.B. Ketten, Taschen über dem Kopf, erzwungene Nacktheit). In einigen Fällen wurden die Wachen auch deutlich angewiesen, diese Werkzeuge zu verwenden. (Banuazzi und Movahedi 1975(6)) 3. VsZimbardo: Ein dritter Einwand konzentrierte sich auf Zimbardos Behauptung, dass die Teilnehmer der Studie einfach normale Studenten seien. Dieser Punkt ergibt sich aus Forschungen von Thomas Carnahan und Sam MacFarland (2007)(7) an der Western Kentucky University, die untersuchen wollten, ob es etwas Ungewöhnliches an dem Typ von Person gibt, die sich freiwillig an einer solchen Studie beteiligt. Um diese Frage zu beantworten, platzierten die Forscher zwei Anzeigen in einer Lokalzeitung. Einer enthielt genau den gleichen Wortlaut wie die ursprüngliche Anzeige für die SPE (...), ließ aber einfach die
Haslam I 140
Formulierung "des Gefängnislebens" weg. Als Carnahan und MacFarland anschließend das Persönlichkeitsprofil der beiden Freiwilligengruppen verglichen, stellten sie fest, dass sie sehr unterschiedlich waren. Konkret waren diejenigen, die auf die Einladung zur Teilnahme an einer "Studie über das Gefängnisleben" (und nicht nur einer "Studie") reagierten, eher autoritär, machiavellistischer, narzisstischer und sozial dominanter. Sie waren auch weniger empathisch und weniger selbstlos.
ReicherVsZimbardo/HaslamVsZimbardo: Die BBC Gefängnisstudie (BPS) (Reicher and Haslam, 2006(8); siehe auch Haslam and Reicher, 2005(9), 2009(10)) (...) griff die von der SPE aufgeworfenen Fragen unter Verwendung desselben grundlegenden Paradigmas wie der Studie von Zimbardo erneut auf - mit dem Ziel, das Verhalten von 15 Männern zu untersuchen, die in einer speziell konstruierten, gefängnisähnlichen Umgebung über einen Zeitraum von bis zu zwei Wochen zufällig Rollen als Wachen oder Gefangene zugewiesen wurden.
BPS: unterscheidet sich von der SPE in zwei wesentlichen Punkten:
1. Es wurde keine Regel innerhalb des Gefängnisses angenommen, so dass
Haslam I 141
[man] die Gruppendynamik studieren konnte, ohne sie direkt zu steuern. 2. Die Studie umfasste eine Reihe von Manipulationen, die auf der Grundlage der Social Identity Theory (SIT) entwickelt worden waren. Es wird vorgeschlagen, dass Menschen nicht automatisch Rollen übernehmen, die mit der Gruppenzugehörigkeit verbunden sind, sondern erst, wenn sie sich mit der betreffenden Gruppe identifiziert haben (Tajfel und Turner, 1979)(11).
BPS/Reicher/Haslam: Sein Ergebnis deutet auf eine ganz andere Analyse der Tyrannei hin als die von Zimbardo.
1) Dies liegt daran, dass die Teilnehmer des BPS, als sie sich der Tyrannei verschrieben, nicht in Bezug auf die von den Experimentatoren zugewiesenen Rollen handelten, sondern diese abgelehnt und neue Rollen angenommen hatten.
Haslam I 142
2) Es gab Unterschiede in der Begeisterung der Teilnehmer für diese tyrannische Lösung. Diejenigen, die die größte Begeisterung zeigten, waren die Teilnehmer, die von Anfang an am autoritärsten waren. (...) Dies bedeutete, dass autoritäre Teilnehmer erst dann in der Lage waren, ihre autoritären Ambitionen auszudrücken und voranzutreiben, wenn sie durch ein Gefühl der gemeinsamen Identität, das sie sowohl gestählt als auch moderatere Individuen für ihre Sache gewinnen ließ, motiviert worden waren.


1. Savin, H.B. (1973) ‘Professors and psychological researchers: Conflicting values in conflicting roles’, Cognition, 2: 147–9.
2. Zimbardo, P.G. (1973) ‘On the ethics of intervention in human psychological research: With special reference to the Stanford Prison Experiment’, Cognition, 2: 243–56.
3. Browning, C. (1992) Ordinary Men: Reserve Police Battalion 101 and the Final Solution in Poland. London: Penguin Books.
4 .Zimbardo, P.G. (2004) ‘A situationist perspective on the psychology of evil: Understanding how good people are transformed into perpetrators’, in A. Miller (ed.), The Social Psychology of Good and Evil. New York: Guilford. pp. 21–50.
5. Zimbardo, P. (2007) The Lucifer Effect: How Good People Turn Evil. London: Random House.
6. Banuazizi, A. and Movahedi, S. (1975) ‘Interpersonal dynamics in a simulated prison: A methodological analysis’, American Psychologist, 30: 152–60.
7. Carnahan, T. and McFarland, S. (2007) ‘Revisiting the Stanford Prison Experiment: Could participant self-selection have led to the cruelty?’, Personality and Social Psychology Bulletin, 33: 603–14.
8. Reicher, S.D. and Haslam, S.A. (2006) ‘Rethinking the psychology of tyranny: The BBC Prison Study’, British Journal of Social Psychology, 45: 1–40.
9. Haslam, S.A. and Reicher, S.D. (2005) ‘The psychology of tyranny’, Scientific American Mind, 16(3): 44–51.
10. Haslam, S.A. and Reicher, S.D. (2009) The BBC Prison Study website. Available at: www.bbcprisonstudy.org.
11. Tajfel, H. and Turner, J.C. (1979) ‘An integrative theory of intergroup conflict’, in W.G. Austin and S. Worchel (eds), The Social Psychology of Intergroup Relations. Monterey, CA: Brooks/Cole. pp. 33–48.



S. Alexander Haslam and Stephen Reicher, „Tyranny. Revisiting Zimbardo’s Stanford Prison Experiment“, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic studies. London: Sage Publications

Haslam I
S. Alexander Haslam
Joanne R. Smith
Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017
Strukturalismus Lyons I 52
Strukturalismus/Linguistik/Strukturalistisch/Lyons: These: Jede Sprache ist ein System von Beziehungen (genauer: eine Gruppe untereinander in Beziehung stehender Systeme, deren Elemente – Laute, Wörter usw. – unabhängig von den zwischen ihnen herrschenden Beziehungen der Äquivalenz und des Kontrastes keine Gültigkeit haben.
I 76
Syntagmatisch/paradigmatisch: können verschiedene Relationen sein, je nachdem ob „mögliches Vorkommen“ auf sinnvolle Kontexte beschränkt ist, oder auf bestimmte Äußerungssituationen beschränkt ist. >Akzeptierbarkeit/Lyons, >Zulässigkeit. Inhalt/Bedeutung/Grammatik/Semantik/Lyons: die Unterscheidung syntagmatisch/paradigmatisch erlaubt uns, zwischen grammatischen und sinnvollen Sätzen zu unterscheiden, ohne von „semantischen“ Einheiten (Bedeutung) zu sprechen.
I 76
Syntagmatisch/paradigmatisch/Lyons: es ist sinnlos, linguistische Einheiten losgelöst von den syntagmatischen und paradigmatischen Beziehungen zu betrachten.
I 77
Strukturalismus: dies ist eine Formulierung des strukturalistischen Prinzips, dass jede linguistische Einheit innerhalb eines Systems von Beziehungen einen bestimmten Platz einnimmt. Man kann nicht zuerst die Elemente und dann die möglichen Kombinationen festlegen. Die Elemente werden bestimmt, indem man gleichzeitig ihre syntagmatischen und paradigmatischen Beziehungen berücksichtigt.

Ly II
John Lyons
Semantics Cambridge, MA 1977

Lyons I
John Lyons
Einführung in die moderne Linguistik München 1995
Strukturelle Linguistik Ricoeur II 4
Diskurs/strukturelles Modell/strukturelle Lingustik/Ricoeur: Die Verdunkelung des Diskurses wurde (...) gefördert durch die vorsichtige Erweiterung des Strukturmodells über seinen Entstehungsort in der Linguistik hinaus, und durch das systematische Bewusstsein für die theoretischen Anforderungen, die das linguistische Modell als Strukturmodell impliziert. Die Erweiterung des Strukturmodells betrifft uns insofern direkt, als das Strukturmodell auf dieselben Kategorien von Texten angewandt wurde, die Gegenstand unserer Auslegungstheorie sind. Ursprünglich betraf das Modell Einheiten, die kleiner waren als der Satz, die Zeichen der lexikalischen Systeme und die diskreten Einheiten der phonologischen Systeme, aus denen sich die signifikanten Einheiten der lexikalischen Systeme zusammensetzen. Eine entscheidende Erweiterung erfolgte jedoch mit der Anwendung des Strukturmodells auf sprachliche Entitäten, die größer als der Satz sind, und auch auf nicht-sprachliche Entitäten, die den Texten der sprachlichen Kommunikation ähnlich sind.
Was die erste Art der Anwendung betrifft, so markiert die Behandlung von Volksmärchen durch die russischen Formalisten wie V. Propp(1) eine entscheidende Wende in der Literaturtheorie, insbesondere was die Erzählstruktur literarischer Werke betrifft. Die Anwendung des Strukturmodells auf Mythen durch Claude Lévi-Strauss ist ein zweites Beispiel für eine strukturelle Herangehensweise an lange Diskursstränge; eine Herangehensweise, die der von den russischen Formalisten vorgeschlagenen formalen Behandlung der Folklore ähnlich, aber unabhängig von ihr ist.
II 5
Postulate: Erstens muss ein synchroner Ansatz jedem diachronen Ansatz vorausgehen, weil Systeme verständlicher sind als Veränderungen.
Zweitens: Der paradigmatische Fall für einen strukturellen Ansatz ist der einer endlichen Menge diskreter Entitäten.
Die paradigmatische Position von Systemen, die aus endlichen Mengen diskreter Entitäten bestehen, liegt in der kombinatorischen Kapazität und den quasi-algebraischen Möglichkeiten, die mit solchen Mengen verbunden sind. Diese Fähigkeiten und Möglichkeiten tragen zu der Art von Verständlichkeit bei, die durch das erste Postulat, die Synchronizität, eingeführt wurde.
Drittens hat in einem solchen System keine Einheit, die zur Struktur des Systems gehört, eine eigene Bedeutung; die Bedeutung eines Wortes ergibt sich zum Beispiel aus seiner Opposition zu den anderen lexikalischen Einheiten desselben Systems.
Viertens sind in solchen endlichen Systemen alle Beziehungen systemimmanent. In diesem Sinne sind semiotische Systeme "geschlossen", d.h. ... ohne Beziehungen zur äußeren, nichtsemiotischen Wirklichkeit.
II 6
Das letzte Postulat allein reicht aus, um den Strukturalismus als eine globale Denkweise jenseits aller technischen Einzelheiten seiner Methodik zu charakterisieren. Die Sprache erscheint nicht mehr als Vermittler zwischen den Menschen und den Dingen. Es stellt eine eigene Welt dar, in der jeder Gegenstand nur auf andere Gegenstände desselben Systems verweist, dank des Zusammenspiels von Gegensätzen und Unterschieden, die für das System konstitutiv sind. Diskurs/Ricoeur: An diesem extremen Punkt ist die Sprache als Diskurs verschwunden.

II 81
Strukturelle Linguistik/Interpretation/Verständnis/Ricoeur: [der Ansatz der strukturellen Schulen der Literaturkritik] geht von der Anerkennung dessen aus, was ich die Aussetzung oder Unterdrückung des scheinbaren Bezugs genannt habe. (>Referenz/Ricoeur). Der Text fängt die "weltliche" Dimension des Diskurses - den Bezug zu einer Welt, die gezeigt werden könnte - ebenso ab, wie er die Verbindung des Diskurses mit der subjektiven Absicht des Autors unterbricht. Nach dieser Vorgabe hat der Text nicht mehr ein Äußeres, sondern nur noch ein Inneres. (...) gerade die Konstitution des Textes als Text und des Systems von Texten als Literatur rechtfertigt diese Umwandlung des literarischen Objekts in ein geschlossenes System von Zeichen, analog zu der Art von geschlossenem System, das die Phonologie als allen Diskursen zugrunde liegendes System entdeckt hat und das Saussure als langue bezeichnete. Nach dieser Arbeitshypothese wird die Literatur zu einem Analogon der Sprache. >Langue/Ricoeur.

1. V. Propp, Morphology of the Folktale (Bloomington, Indiana: Indiana University Press, 1958).

Ricoeur I
Paul Ricoeur
Die Interpretation. Ein Versuch über Freud Frankfurt/M. 1999

Ricoeur II
Paul Ricoeur
Interpretation theory: discourse and the surplus of meaning Fort Worth 1976
Subjekte Strawson I 272
Subjekt/Prädikat/Strawson: grundzug-lokalisierende Feststellung: enthält ein Universale aber kein Einzelding, das Universale erscheint immer noch als etwas unvollständiges. An dieser Grenze löst sich die Antithese Subjekt/Prädikat auf. - Paradigma der Einführung eines Prädikats: Gebrauch eines U-einführenden Ausdrucks. - Ein Universale ist auf dieselbe Weise unvollständig wie das Einzelding, während ihm dessen Vollständigkeit fehlt.
VII 126
Subjekt/Prädikat/Grammatik/Strawson: mittelalterliche Annahmen wie die Aufteilung in Kategorien A, E, I, O (entweder es gibt einige oder gar keine, oder alle sind) sind Scheindilemmata. Lösung: es ist die Frage, ob die Sätze gebraucht werden, um eine wahre oder eine falsche Behauptung aufzustellen.

Strawson I
Peter F. Strawson
Einzelding und logisches Subjekt Stuttgart 1972

Strawson II
Peter F. Strawson
"Truth", Proceedings of the Aristotelian Society, Suppl. Vol XXIV, 1950 - dt. P. F. Strawson, "Wahrheit",
In
Wahrheitstheorien, Gunnar Skirbekk Frankfurt/M. 1977

Strawson III
Peter F. Strawson
"On Understanding the Structure of One’s Language"
In
Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976

Strawson IV
Peter F. Strawson
Analyse und Metaphysik München 1994

Strawson V
P.F. Strawson
Die Grenzen des Sinns Frankfurt 1981

Strawson VI
Peter F Strawson
Grammar and Philosophy in: Proceedings of the Aristotelian Society, Vol 70, 1969/70 pp. 1-20
In
Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995

Strawson VII
Peter F Strawson
"On Referring", in: Mind 59 (1950)
In
Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993
Subjektivismus Psychologische Theorien Upton I 10
Subjektivismus/Psychologische Theorien/Upton: Psychologen lehnen die Idee ab, dass menschliches Denken und Verhalten jemals objektiv untersucht werden kann. Sie argumentieren, dass es keine einzige objektive Realität gibt. Vielmehr konstruiert jeder von uns sein eigenes Verständnis und seine eigene Interpretation von "Realität", die in den Kontext unserer Interaktionen mit anderen eingebettet ist. Die "Realität" ist daher sehr individuell und subjektiv. Lokale Theorien: These: Diese Psychologen argumentieren, dass es die Wechselwirkungen zwischen Menschen sind, die im Mittelpunkt der psychologischen Forschung stehen sollten. Ziel ist es, die subjektive Erfahrung der Teilnehmer zu beschreiben und Individualität zu verstehen, um "lokale Theorien" aufzubauen, die auf den spezifischen sozialen Kontext einer Veranstaltung zutreffen.
Im Gegensatz zu den "wissenschaftlichen" Theorien geht es ihnen nicht darum, Vorhersagen zu treffen, sondern Phänomene zu verstehen. Dies sind einige der Hauptmerkmale eines sogenannten qualitativen Ansatzes, der manchmal als "neues Paradigma" bezeichnet wird. Der Unterschied zu diesem traditionellen Ansatz wird durch Grieg und Taylor (1999)(1) veranschaulicht, die vorschlagen, dass Kinder im positivistischen Ansatz bestimmt, kenntlich, objektiv und messbar sind, während sie im qualitativen Ansatz subjektiv, kontextuell, selbstbestimmend und dynamisch sind.


1. Grieg, A and Taylor, J (1999) Doing Research with Children. London: Sage.

Upton I
Penney Upton
Developmental Psychology 2011
Syntagma Deacon I 304ff
Syntagmatisch/paradigmatisch/Jakobson/Deacon: Roman Jakobson vermutete 1956, dass die beiden von ihm unterschiedenen Aspekte des Syntagmas und das Paradigmas zwei Arten von Hirnschädigungen korrespondieren, und zwar die syntagmatische Komponente Schädigungen des Frontallappens und die paradigmatische Schädigungen des hinteren Hirnlappens (Parietallappen)(1). Viele Studien über Gehirnschädigungen haben seither zumindest allgemein gezeigt, dass die Vermutung richtig ist. Paradigmatisch/Deacon: sind z.B. Ersetzungsrelationen zwischen Wörtern. Dazu gehören Metaphern, Anaphora und Pronomina. Wörter, die in einem paradigmatischen Verhältnis zueinander stehen, kommen nicht zusammen in der Rede vor, es sei denn in Aufzählungen.
I 306
Syntagmatisch: ist die Relation zwischen Wörtern, die sich in der Rede gegenseitig beeinflusse, wie Nomina, Verben, Adjektive oder Artikel.

(1) Jakobson, R. (1956): Two aspects of language and two types of aphasic disturbances. In R. Jakobson and M. Halle (Hrsg.), Fundamentals of Language, NY: Academic Press.

Dea I
T. W. Deacon
The Symbolic Species: The Co-evolution of language and the Brain New York 1998

Dea II
Terrence W. Deacon
Incomplete Nature: How Mind Emerged from Matter New York 2013
Syntagma Jakobson Deacon I 304ff
Syntagmatisch/paradigmatisch/Jakobson/Deacon: Roman Jakobson vermutete 1956, dass die beiden von ihm unterschiedenen Aspekte des Syntagmas und das Paradigmas zwei Arten von Hirnschädigungen korrespondieren, und zwar die syntagmatische Komponente Schädigungen des Frontallappens und die paradigmatische Schädigungen des hinteren Hirnlappens (Parietallappen). (R. Jakobson, Two aspects of language and two types of aphasic disturbances. In R. Jakobson and M. Halle; eds. Fundamentals of Language, NY: Academic Press 1956). Viele Studien über Gehirnschädigungen haben seither zumindest allgemein gezeigt, dass die Vermutung richtig ist. Paradigmatisch/Deacon: sind z.B. Ersetzungsrelationen zwischen Wörtern. Dazu gehören Metaphern, Anaphora und Pronomina. Wörter, die in einem paradigmatischen Verhältnis zueinander stehen, kommen nicht zusammen in der Rede vor, es sei denn in Aufzählungen.
I 306
Syntagmatisch: ist die Relation zwischen Wörtern, die sich in der Rede gegenseitig beeinflusse, wie Nomina, Verben, Adjektive oder Artikel.

Jakobson I
Roman Jakobson
Fundamentals of Language 2011

Dea I
T. W. Deacon
The Symbolic Species: The Co-evolution of language and the Brain New York 1998

Dea II
Terrence W. Deacon
Incomplete Nature: How Mind Emerged from Matter New York 2013
Syntagma Lyons I 75
Def Paradigmatisch/Linguistik/Lyons: in paradigmatischer Relation stehen zwei linguistische Einheiten zu denen, die in demselben Kontext vorkommen können. Def Syntagmatisch/Linguistik/Lyons: in syntagmatischer Relation stehen zwei linguistische Einheiten zu denen, die gleichzeitig mit ihnen in demselben Kontext vorkommen. ((s) Wörter anderer grammatischer Funktion Bsp Adjektiv, Nomen, Verb stehen in syntagmatischer Relation zueinander).
Syntagma: Einheit aus mehreren Wörtern Bsp Prädikat = Verb + Nomen, Bsp Subjekt = Artikel + Nomen.
I 76
Syntagmatisch/paradigmatisch: können verschiedene Relationen sein, je nachdem ob „mögliches Vorkommen“ auf sinnvolle Kontexte beschränkt ist, oder auf bestimmte Äußerungssituationen beschränkt ist. >Akzeptierbarkeit/Lyons, >Zulässigkeit. Inhalt/Bedeutung/Grammatik/Semantik/Lyons: die Unterscheidung syntagmatisch/paradigmatisch erlaubt uns, zwischen grammatischen und sinnvollen Sätzen zu unterscheiden, ohne von „semantischen“ Einheiten (Bedeutung) zu sprechen.
I 76
Syntagmatisch/paradigmatisch/Lyons: es ist sinnlos, linguistische Einheiten losgelöst von den syntagmatischen und paradigmatischen Beziehungen zu betrachten.
I 77
Strukturalismus: dies ist eine Formulierung des strukturalistischen Prinzips, dass jede linguistische Einheit innerhalb eines Systems von Beziehungen einen bestimmten Platz einnimmt. Man kann nicht zuerst die Elemente und dann die möglichen Kombinationen festlegen. Die Elemente werden bestimmt, indem man gleichzeitig ihre syntagmatischen und paradigmatischen Beziehungen berücksichtigt.
I 82
Syntagmatisch/Länge/Linguistik/Lyons: wenn eine Menge von Einheiten danach, wie sie sich aus Elementen „niedrigerer“ Ebenen zusammensetzt, charakterisiert werden soll, gilt folgende Regel: Länge: auf der höheren Ebene gemessen durch die Anzahl von Elementen in syntagmatischer Relation innerhalb des Komplexes in dem sie stehen, ist umgekehrt proportional zur Anzahl von Elementen innerhalb des Komplexes, die in einem paradigmatischen Kontrastverhältnis stehen.
Bsp 1. System zwei Elemente: 0,1
2. System. Acht Elemente: 0,1,2,3,4,5,6,7
alle Kombinationen seien erlaubt.
Wenn nun innerhalb des ersten (binären) Systems acht „phonologische“ Wörter zu unterscheiden sind, wird jedes mindestens drei Elemente lang sein: 000,001,010,011,100,110,111
((s) Das System hat nur zwei Ausdruckselemente, d.h. Laute oder (hier) Schriftzeichen, es gibt aber verschiedene Möglichkeiten der Zusammensetzung. 1. Ebene: Zeichen, 2. Ebene: resultierende Formen).
Zweites System: hier wird jedes der acht möglichen Vorkommnisse mit einem einzigen Zeichen widergegeben.
Bsp 65 Wörter sollen widergegeben werden: dann sind im binären System mindestens sechs Elemente nötig, im Achtersystem Komplexe von mindestens zwei Elementen.
Allgemein: logische Form: N = p1 x p2 x ...x pm. m: Anzahl der paradigmatischen Kontrastpositionen für die Elemente der niedrigeren Ebene, p1: Anzahl der Elemente mit paradigmatischem Kontrastverhältnis in der ersten Position...
Das setzt weder voraus, dass dieselben Elemente in allen Positionen vorkommen können,
I 83
noch dass die Anzahl in allen Positionen dieselbe ist. Allgemeiner:

2 x 2 x 2 = 8, 2 x 2 x 2 x 2 = 16 usw. Und

8 = 8, 8 x 8 = 64, 8 x 8 x 8 = 512 usw.

Das zeigt den Zusammenhang zwischen paradigmatischem Kontrast und syntagmatischer Länge auf.
Die Mindestlänge unserer binären Wörter ist dreimal so groß wie die unserer oktalen Wörter.
Semantik: wir werden später auf das allgemeine Prinzip, dass Unterscheidungen entweder syntagmatisch oder paradigmatisch getroffen werden können, zurückkommen.
Definition: „Länge“ ist hier durch die Anzahl der paradigmatischen Kontrastpositionen in einem syntagmatischen Komplex definiert.
I 174
Def Syntagma/Linguistik/Lyons: eine Wortfolge, die einem einzelnen Wort grammatisch gleichwertig ist und kein eigenes Subjekt oder Prädikat hat. Dagegen:
Teilsatz: hat Subjekt und Prädikat.
Moderne Grammatik/Lyons: hat über Syntagmen und Teilsätze nicht viel zu sagen.

Ly II
John Lyons
Semantics Cambridge, MA 1977

Lyons I
John Lyons
Einführung in die moderne Linguistik München 1995
Tatsachen Kuhn I 66
Tatsache/Wissenschaft/Kuhn: solange die Wissenschaftler noch nicht gelernt haben, die Natur anders zu sehen, ist eine neue Tatsache noch gar kein wissenschaftliches Faktum. >Wissenschaft/Kuhn, >Paradigma.

Kuhn I
Th. Kuhn
Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen Frankfurt 1973
Terminologien Agamben Brocker I 823
Ausnahme/Terminologie/Agamben: die Ausnahme ist einerseits als Einzelfall aus der Norm ausgeschlossen, andererseits aber ist das Besondere der Ausschlussrelation, »dass das, was ausgeschlossen wird, deswegen nicht völlig ohne Beziehung zur Norm ist; sie bleibt im Gegenteil mit ihr in der Form der Aufhebung verbunden«. (1) homo sacer/Agamben: der „Heilige Mensch“: ist nicht etwa von vornherein geschützt, sondern im Gegenteil ein mögliches Opfer; siehe Heiliges/Agamben.
Brocker I 827
Die Ausnahmebedingungen infizieren die Politik als Ganze und diese mutiert somit zu einer Verwaltung von Ausnahmezuständen; darin liegt die zentrale Einsicht Agambens. Siehe Politik/Agamben.
Brocker I 830
Der Bann: ist die originäre politische Beziehung – und nicht der Vertrag, wie die liberalen Demokratien es glauben machen. Souveräne Macht: ist ursprünglich auf die Produktion von nacktem Leben ausgerichtet, das die Schwelle der Verbindung zwischen »zōḗ« und »bíos« repräsentiert – die Figur des Bürgers und seiner politischen Freiheiten erscheint daher als eine machtpolitische Illusion.
Das Lager löst den Staat als biopolitisches Paradigma des Abendlandes ab – und wirft damit auch ein radikal anderes Licht auf das gegenwärtige Verständnis von öffentlichem Raum.


1.Giorgio Agamben, Homo sacer. Il potere sovrano e la nuda vita, Torino 1995. Dt.: Giorgio Agamben, Homo sacer – Die souveräne Macht und das nackte Leben, Frankfurt/M. 2002, S. 27.


Maria Muhle, „Giorgio Agamben, Homo sacer – Die souveräne Macht und das nackte Leben“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Agamben I
Giorgio Agamben
Homo sacer – Die souveräne Macht und das nackte Leben Frankfurt 2002

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Terminologien Kuhn I 26
Def Paradigma/Kuhn: Leistungen mit den beiden Merkmalen: a) beständige Attraktivität für etablierte Forscher -
b) Offenheit für ungelöste Probleme für junge Forscher - logisch nicht in Bestandteile zu zerlegen - Kennzeichen einer reifen Wissenschaft - ohne Paradigma haben Wissenschaften bestenfalls Familienähnlichkeit.
I 96
Krise/Wissenschaft/Kuhn: das Gebiet scheint nicht mehr ganz das zu sein, das es früher war. Sogar frühere Standardlösungen werden in Frage gestellt. - Krisen enden auf drei Arten: 1. Die normale Wissenschaftler mit dem Problem fertig
2. Das Problem sperrt sich auch gegen anscheinend radikal neue Ansätze
3. Auftreten eines neuen Anwärters für ein Paradigma und Streit über seine Anerkennung.
I 106
Paradigma/Gemeinschaft/Kuhn: bei der Wahl eines Paradigmas gibt es keine höhere Norm als die Billigung durch die jeweilige Gemeinschaft.
I 133
Paradigmenwechsel/Kuhn: These mit seinem Wechsel änderte sich nicht die Welt, aber der Wissenschaftler lebt danach doch in einer neuen Welt - die jetzt von dem Wissenschaftler gesammelten Daten sind an sich schon verschieden.
Flor IV 507
Paradigmen/Kuhn: vor und nach einer wissenschaftlichen Revolution nicht vergleichbar. Der Wissenschaftler lebt geradezu "in einer anderen Welt". - Bsp Newton/Kuhn: Newton verdrängte die Frage, warum es überhaupt eine Schwerkraft gibt, aus dem Problemhorizont. - Eine Frage, die im Rahmen der Theorien von Aristoteles und Descartes zentral erschienen war - > Inkommensurabilität/Kuhn.

Kuhn I
Th. Kuhn
Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen Frankfurt 1973

Flor I
Jan Riis Flor
"Gilbert Ryle: Bewusstseinsphilosophie"
In
Philosophie im 20. Jahrhundert, A. Hügli/P. Lübcke Reinbek 1993

Flor II
Jan Riis Flor
"Karl Raimund Popper: Kritischer Rationalismus"
In
Philosophie im 20. Jahrhundert, A.Hügli/P.Lübcke Reinbek 1993

Flor III
J.R. Flor
"Bertrand Russell: Politisches Engagement und logische Analyse"
In
Philosophie im 20. Jahrhundert, A. Hügli/P.Lübcke (Hg) Reinbek 1993

Flor IV
Jan Riis Flor
"Thomas S. Kuhn. Entwicklung durch Revolution"
In
Philosophie im 20. Jahrhundert, A. Hügli/P. Lübcke Reinbek 1993
Theorien Mayr I 359
Theorie/Biologie/Mayr: es gibt Phänomene, für die es einfach noch keine Theorien gibt. Bsp Die Orientierung der Brieftauben.
I 81
Hempel/Oppenheim: (1948) deduktiv nomologisches Modell (D N Modell). Modifikation (1981,John Beatty): "Semantische Konzeption der Theoriestruktur”: eine
I 81
Def Theorie ist die Definition eines Systems. Theorien haben weder dauerhaften, noch allgemeinen Charakter. Sie sind mit vielfältigen Lösungen und evolutionärem Charakter vereinbar.
I 84
Externe Faktoren: Bsp Dass Wallace und Darwin auf so unterschiedlichen Wege zu praktisch den gleichen Ergebnisse kamen, macht die Irrelevanz externer Faktoren für die Theoriebildung deutlich.
I 93
Theorie/Hypothese/Mayr: Philosophen legen Wert auf diese Unterscheidung. Tatsache/Theorie/Gesetz/Mayr: nach der Entdeckung des Pluto wurde aus einer Theorie eine Tatsache. Die Gesetze der Thermodynamik ließen sich ebenso gut als Tatsachen bezeichnen.
Bsp Dass Vögel Federn haben, ist aber eine Tatsache und kein Gesetz.
I 96
Biologie/Mayr: hier spielen Konzepte eine größere Rolle als Gesetze.
I 107
Theorie/Mayr: oft wird eine vollkommen neue Ursache postuliert, obwohl vieles der alten Theorie erhalten bleibt.
I 138
Theorie: ein und dieselbe Theorie kann in manchen Wissenschaften weitaus revolutionärer sein als in anderen. Bsp Plattentektonik.
I 140
Änderungen von Konzepten können sich viel stärker auswirken als Entdeckungen: Mendels Vererbung, Darwins Evolution, (Dieses Argument stammt von Popper).
I 141
Paradigma (Kuhn)/Mayr: Vergleich mit platonischem eidos: nur zu ersetzen, nicht zu streichen. Variationen sind hier lediglich Zufälle.
I 146
Theorie: manche Theorien werden erst sehr lange nach ihrer Aufstellung akzeptiert. Gründe: 1. Verschiedene Indizienreihen führen zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen
2. Unterschiedliche Ideologien:
Bsp Viele Franzosen waren einfach für Lamarck…
3. Zu einem Zeitpunkt können mehrere Erklärungen ein Phänomen gleich gut deuten. Bsp Langstreckenorientierung der Vögel: Sonne, Magnetfeld der Erde, Geruchssinn, andere Faktoren.
Manchmal gibt es mehrere mögliche Antworten.
I 149
Wissenschaft: die meisten Fragen nach dem "Was " oder "wie" sind der Wissenschaft zugänglich. Nicht so Fragen nach dem Warum. Vannevar Bush: "Wissenschaft ist ein endloses Grenzland".


Mayr I
Ernst Mayr
Das ist Biologie Heidelberg 1998
Theory of Mind Entwicklungspsychologie Slater I 155
Theory of Mind/ToM/False-Belief-Test/FBT/Entwicklungspsychologie: Neuere Forschungen in der Entwicklungspragmatik zeigen, dass präverbale Säuglinge spontan die Perspektive ihres Publikums einnehmen. Das Zeigeverhalten von 12 Monate alten Kindern lässt sich am besten verstehen, wenn man davon ausgeht, dass sie in gewisser Weise versuchen, die mentalen Zustände des Publikums zu beeinflussen (siehe Liszkowski, Carpenter, Henning, Striano, & Tomasello, 2004(1); Liszkowski, Carpenter, & Tomasello, 2007(2); Tomasello, Carpenter, & Liszkowski, 2007(3)). Umgekehrt sind Säuglinge in der Lage, die Punkte und Blickrichtungen der Erwachsenen als Hinweise auf ihre kommunikativen Absichten zu interpretieren. Insbesondere verwenden Säuglinge dieses Verhalten in Wortlernsituationen als entscheidenden Hinweis auf die referentielle Absicht des Sprechers (Bloom, 2000(4); Nurmsoo & Bloom, 2008(5)). Noch auffälliger ist, dass die Manipulation, ob ein Kommunikator einen falschen Glauben hat oder nicht, 17 Monate alte Kinder zu unterschiedlichen Interpretationen desselben kommunikativen Aktes führt und damit eine frühe Zuschreibung des Geisteszustands in pragmatischen Kontexten demonstriert (Southgate, Chevallier, & Csibra, 2010(6); für ähnliche Ergebnisse in einem aktiven Hilfsparadigma siehe Buttelmann, Carpenter, & Tomasello, 2009(7)). Diese jüngsten Ergebnisse mit Verhaltensmaßstäben antworten auch auf eine der Standardkritiken, die gegen die Verletzung von Erwartungsparadigmen formuliert wurden (wie in Onishi & Baillargeon, 2005(8), und Surian, Caldi, & Sperber, 2007(9)), nämlich dass indirekte Messungen - wie z.B. Blickzeiten - nicht einfach zur Ableitung komplexer zugrunde liegender kognitiver Prozesse verwendet werden können.
VsBaron-Cohen: Diese Ergebnisse zeigen, dass bei der Interpretation von Fehlern beim Sally-Anne-Test Vorsicht geboten ist. (>Autismus/Baron-Cohen, >False-Belief-Test/Psychologische Theorien).


1 Liszkowski, U., Carpenter, M., Henning, A., Striano, T., & Tomasello, M. (2004). Twelve-month-olds point to share attention and interest. Developmental Science 7, 29 7—307.
2. Liszkowski, U., Carpenter, M., & Tomasello, M. (2007). Reference and attitude in infant pointing. Journal of Child Language, 34, 1—20.
3. Tomasello, M., Carpenter, M., & Liszkowski, U. (2007). A new look at infant pointing. Child Development, 78, 705—722.
4. Bloom, P. (2000). How children learn the meanings of words. Cambridge, MA: The MIT Press.
5. Nurmsoo, E., & Bloom, P. (2008). Preschoolers’ perspective taking in word learning: Do they blindly follow eye gaze? Psychological Science, 19, 211—215.
6. Southgate, V., Chevallier, C., & Csibra, G. (2010). 1 7-month-olds appeal to false beliefs to interpret others’ communication. Developmental Science, 13, 907—912.
7. Buttelmann, D., Carpenter, M., & Tomasello, M. (2009). Eighteen-month-old infants show false belief understanding in an active helping paradigm. Cognition, 1 12, 337—342.
8. Onishi, K. H., & Baillargeon, R. (2005). Do 15-month-old infants understand false beliefs? Science, 308,5719,255—258.
9. Surian, L., Caldi, S., & Sperber, D. (2007). Attribution of beliefs by 13-month-old infants. Psychological Science, 18, 580—586.


Coralie Chevallier, “Theory of Mind and Autism. Beyond Baron-Cohen et al’s. Sally-Anne Study”, in: Alan M. Slater and Paul C. Quinn (eds.) 2012. Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications

Slater I
Alan M. Slater
Paul C. Quinn
Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2012
Unverwechselbarkeit Gruppenpsychologie Haslam I 176
Unverwechselbarkeit/Gruppenpsychologie/VsTajfel: Tests zur Erklärung der sozialen Identität von minimalen Verzerrungen in der eigenen Gruppe (>Minimale Gruppe/Psychologische Theorien; >Minimale Gruppe/Tajfel, >Soziale Identitätstheorie/Tajfel) wurden von der Selbstwert-Hypothese etwas abgelenkt. Eine Folge davon war, dass die Forscher die Rolle der Gruppendarstellung vernachlässigten, die für Tajfels ursprüngliche Erklärung zentral war. Kurz gesagt, die Gewinnung von Positivität wurde auf Kosten der Unverwechselbarkeit betont. Außerdem wurde die Frage, was an der InGroup (im Gegensatz zur OutGroup) charakteristisch ist, nicht diskutiert. Um dies anzugehen, haben wir in einigen unserer eigenen Untersuchungen daher die "reaktive Unverwechselbarkeit", die von einer etablierten Outgroup motiviert ist, die der Ingroup explizit ähnlich ist, von einem "kreativen Unverwechselbarkeitsprozess" unterschieden, der für unbekannte oder minimale Gruppen relevant ist (Spears et al., 2002(1), 2009(2)).
Haslam I 177
Es gibt nun Hinweise darauf, dass ein Faktor, der zu den Antworten im Minimalgruppenparadigma beiträgt, die Möglichkeit ist, Kohärenz und Bedeutung durch die positive Unverwechselbarkeit zu schaffen (Spears et al., 2009)(2). Die Teilnehmer zeigten mehr Verzerrungen in der eigenen Gruppe (auf Matrizen und bewertenden Ratings), wenn die Gruppen eher minimal als sinnvoll waren. Dies unterstützt die Idee, dass Diskriminierung im Minimalgruppenparadigma eine Möglichkeit ist, Unverwechselbarkeit zu erreichen, die der zugewiesenen Gruppenidentität der Teilnehmer einen Sinn gibt. Darüber hinaus lieferten die Studien auch den Nachweis, dass die soziale Identifikation unter den Minimalbedingungen zunahm.


1. Spears, R., Jetten, J. and Scheepers, D. (2002) ‘Distinctiveness and the definition of collective self: A tripartite model’, in A. Tesser, J.V. Wood and D.A. Stapel (eds), Self and Motivation: Emerging Psychological Perspectives. Lexington, KY: APA. pp. 147–71.
2. Spears, R., Jetten, J., Scheepers, D. and Cihangir, S. (2009) ‘Creative distinctiveness: Explaining in-group bias in minimal groups’, in S. Otten, T. Kessler and K. Sassenberg (eds), Intergroup Relations: The Role of Motivation and Emotion; A Festschrift in Honor of Amélie Mummendey. New York: Psychology Press. pp. 23–40.


Russell Spears and Sabine Otten,“Discrimination. Revisiting Tajfel’s minimal group studies“, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic studies. London: Sage Publications

Haslam I
S. Alexander Haslam
Joanne R. Smith
Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017
Vagheit Field II 227
Vagheit/Revision der Logik/Field: Einige Autoren wollen die doppelte Negation zulassen und die explizite Kontradiktionen verbieten, d.h. auch keine Negationen des Satzes vom ausgeschlossenen Dritten (SaD) zulassen. Dann haben wir die alte Version: Wenn Jones ein Grenzfall ist, wir also weder "kahl" noch "nicht-kahl" behaupten können, so können wir jetzt - neu: weder behaupten: Bsp "Jones ist kahl oder nicht kahl" noch "Es ist nicht der Fall, dass Jones entweder kahl oder nicht kahl ist". Dagegen: Field: mit Definitiv-Operator: "Es ist nicht der Fall, dass Jones entweder definitiv kahl oder definitiv nicht kahl ist". Ohne Satz vom ausgeschlossenen Dritten: "weder kahl noch nicht kahl".
II 228
Grenzfall/Vagheit/Definitiv-Operator/Field: Wir brauchen den Definitiv-Operator ("bestimmt") um einen Grenzfall von Grenzfall zu vermeiden.
II 228
Def schwach wahr/Vagheit/Wahrheit/W-Prädikat/Field: um allgemeines über Grenzfälle sagen zu können. Nicht bloß, dass jemand bestimmtes einen Grenzfall darstellt. - (>Verallgemeinerung.) - Def paradigmatischer Grenzfall: ist definitiv ein Grenzfall. Nicht schwach wahr/Deflationismus: Bsp "Entweder kahl oder nicht-kahl ist wahr". Dann erbt das W-Prädikat selbst die Vagheit. Es ist nicht definitiv wahr, ob oder nicht. Def stark wahr/Field: Angenommen, Jones ist ein Grenzfall, dann ist weder "kahl" noch seine Negation (stark) wahr. Plus klassische Logik: Dann soll die Disjunktion "kahl oder nicht kahl" wahr sein, selbst bei starker Lesart. Satz vom ausgeschlossenen Dritten: Wenn wir ihn aufgeben: a) schwach wahr: dann ist die Disjunktion nicht wahr - b) stark wahr: dann ist die Disjunktion ohne Wahrheitswert. Stark wahr: ist weniger vage und erbt nicht die Vagheit. Korrektheit: welche Lesart die korrekte ist, ist nur von Nützlichkeit abhängig. Pro schwache Wahrheit: ermöglicht unendliche Konjunktion und Disjunktion. Das entspricht eher der Theorie der Gültigkeit. Nur der schwache W-Begriff wird vom Zitattilgungsschema geliefert. Deflationismus: braucht zusätzlich den Definitiv-Operator, um das Prädikat stark wahr zu erklären.
II 230
Inflationismus/Vagheit/FieldVsInflationismus: Problem: Der Inflationismus braucht ein Ding, das "weder kahl noch nichtkahl" ist. Inflationismus: erklärt Bsp "schwach wahr" kompositional. Supervaluation/Sorites/Inflationismus: Die Supervaluation ist ein "Kandidat einer Extension". Def stark wahr: ist ein Satz mit einem vagen Prädikat dann gdw. er wahr ist relativ zu jedem der Kandidaten einer Extension - dann Grenzfall ohne Dft-Operator: "Jones ist in einigen, aber nicht allen Extensionen kahl".
II 233
Vagheit/Ontologie/Field: These: Vagheit ist ein Mangel der Sprache, nicht der Welt.
II 234
Vagheit/radikal nicht-klassische Logik/Field: Hier brauchen wir keinen Definitiv-Operator oder die Unterscheidung zwischen starker/schwacher Wahrheit: Bsp Jones ist ein Grenzfall gdw. es nicht der Fall ist, dass er entweder kahl oder nicht kahl ist. Deflationismus/Field: Der Deflationismus scheint hier viel Ärger zu ersparen, weil es keinen Definitv-Operator gibt, den man verstehen müsste. Vs: Das trügt: Der Ärger ist nur verschoben. Hier sind die logischen Regeln für "nicht" usw. viel komplizierter.

Field I
H. Field
Realism, Mathematics and Modality Oxford New York 1989

Field II
H. Field
Truth and the Absence of Fact Oxford New York 2001

Field III
H. Field
Science without numbers Princeton New Jersey 1980

Field IV
Hartry Field
"Realism and Relativism", The Journal of Philosophy, 76 (1982), pp. 553-67
In
Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994
Verhaltenssystem Ainsworth Slater I 15
Verhaltenssystem/Ainsworth: Die Theorie der Kontrollsysteme wiederum steuerte systematische Beobachtungen menschlicher Säuglinge im Dorf und zu Hause (Ainsworth, 1967)(1). Es führte auch zur Entwicklung eines Laborparadigmas, das die Fähigkeiten der Säuglinge testete, ihre Betreuerin als Quelle der Sicherheit und Grundlage für die Erforschung zu nutzen (Ainsworth, Blehar, Wall, & Waters, 1978)(2). Die Entwicklung von Ainsworths Paradigma der fremden Situation (>Situation/Ainsworth) - in dem die Reaktionen der Säuglinge auf die Trennung von ihrer Mutter und die anschließende Wiedervereinigung mit ihr sowie ihre Reaktionen auf eine unbekannte Frau aufgezeichnet wurden - wurde wiederum zu einem Paradigma für die Beurteilung individueller Unterschiede in der Sicherheit der Beziehungen der Säuglinge zu ihrer primären Pflegeperson.

1. Ainsworth, M. S. (1967). Infancy in Uganda. Baltimore: Johns Hopkins University Press.
2. Ainsworth, M. D. S., Blehar, M. C., Waters, E., & Wall, S. (1978). Patterns of attachment: A psychological study of the strange situation. Hillsdale, NJ: Erlbaum.



Roger Kobak, “Attachment and Early Social deprivation. Revisiting Harlow’s Monkey Studies”, in: Alan M. Slater and Paul C. Quinn (eds.) 2012. Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications

Slater I
Alan M. Slater
Paul C. Quinn
Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2012
Verhaltenssystem Bowlby Corr I 232
Verhaltenssystem/Bindungstheorie/Bowlby/Shaver/Mikulincer: Nach Bowlby (1973)(1) hängt die Fähigkeit eines Verhaltenssystems, sein gesetztes Ziel zu erreichen, von den Transaktionen einer Person mit der Außenwelt ab. Obwohl Verhaltenssysteme angeborene intrapsychische Mechanismen sind, die vermutlich hauptsächlich auf subkortikaler Ebene und in automatischer, reflexiver Weise funktionieren, manifestieren sie sich im tatsächlichen Verhalten, leiten die Transaktionen der Menschen mit der sozialen Welt und können durch die Reaktionen anderer beeinflusst oder geprägt werden. Im Laufe der Zeit prägen soziale Begegnungen die Parameter der Verhaltenssysteme einer Person. Dies geschieht auf eine Weise, die relativ stabile individuelle Unterschiede in Strategien und Verhaltensweisen hervorruft, d.h. die neuronalen und verhaltensbezogenen Fähigkeiten einer Person werden so "programmiert", dass sie zu den wichtigsten engen Beziehungspartnern oder Bindungspersonen passen. Repräsentation/Bowlby: Bowlby (1973)(1) ging davon aus, dass die Reste solcher sozialer Begegnungen als mentale Repräsentationen von Transaktionen zwischen Mensch und Umwelt gespeichert sind, die er Arbeitsmodelle von sich selbst und anderen nannte, und dass diese Repräsentationen das Funktionieren des Verhaltenssystems einer Person und das Verhalten in bestimmten sozialen Situationen beeinflussen.


1. Bowlby, J. 1973. Attachment and loss, vol. II, Separation: anxiety and anger. New York: Basic Books

Phillip R. Shaver and Mario Mikulincer, “Attachment theory: I. Motivational, individual-differences and structural aspects”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press



Slater I 15
Verhaltenssystem/Bowlby: Bowlby (1969(1)) formalisierte Harlows Arbeit in eine Theorie von Steuerungssystemen, die durch Umgebungsbedingungen aktiviert und beendet wurden. Bowlbys Theorie betonte kontextuelle Faktoren, die sowohl Verhaltenssysteme aktivierten als auch beendeten. Im Säuglingsalter betrachtete er das Bindungs-, Angst- und Erkundungssystem als ein System, das sich Ziele gesetzt hatte, die auf der Grundlage einer kontinuierlichen Überwachung und Rückmeldung aus der Umwelt aufrechterhalten werden mussten.
Die Theorie der Kontrollsysteme wiederum steuerte systematische Beobachtungen menschlicher Säuglinge im Dorf und zu Hause (Ainsworth, 1967)(2). Es führte auch zur Entwicklung eines Laborparadigmas, das die Fähigkeiten der Säuglinge testete, ihre Betreuerin als Quelle der Sicherheit und Grundlage für die Erforschung zu nutzen (Ainsworth, Blehar, Wall, & Waters, 1978)(3). Die Entwicklung von Ainsworths Paradigma der fremden Situation (>Situation/Ainsworth) - in dem die Reaktionen der Säuglinge auf die Trennung von ihrer Mutter und die anschließende Wiedervereinigung mit ihr sowie ihre Reaktionen auf eine unbekannte Frau aufgezeichnet wurden - wurde wiederum zu einem Paradigma für die Beurteilung individueller Unterschiede in der Sicherheit der Beziehungen der Säuglinge zu ihrer primären Pflegeperson.


1. Bowlby, J. (1969). Attachment and loss: Vol. 1. Attachment. New York, NY: Basic Books.
2. Ainsworth, M. S. (1967). Infancy in Uganda. Baltimore: Johns Hopkins University Press.
3. Ainsworth, M. D. S., Blehar, M. C., Waters, E., & Wall, S. (1978). Patterns of attachment: A psychological study of the strange situation. Hillsdale, NJ: Erlbaum.


Roger Kobak, “Attachment and Early Social deprivation. Revisiting Harlow’s Monkey Studies”, in: Alan M. Slater and Paul C. Quinn (eds.) 2012. Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018

Slater I
Alan M. Slater
Paul C. Quinn
Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2012
Vernunft Horkheimer Habermas III 462
Vernunft/Horkheimer/Habermas: Horkheimer führt die instrumentelle Vernunft als ‚subjektive Vernunft‘ ein und stellt sie der ‚objektiven Vernunft‘ gegenüber.
Habermas III 463
Objektive Vernunft/Horkheimer: steht für das ontologische Denken, das die Rationalisierung der Weltbilder vorangetrieben, die Menschenwelt als Teil einer kosmologischen Ordnung begriffen hatte. (1) Den Hintergrund für die moderne Bewusstseinsgeschichte bilden jene metaphysisch-religiösen Weltbilder, an denen Max Weber zunächst den Prozess der Entzauberung abgelesen hatte. Wie Weber sieht Horkheimer das Resultat dieser Weltbildentwicklung darin, dass sich kulturelle Wertsphären ausbilden, die spezifischen Eigengesetzlichkeiten gehorchen: Horkheimer: „diese Aufteilung der Kultursphären ergibt sich daraus, dass die allgemeine objektive Wahrheit durch die formalisierte, zuinnerst relativistische Vernunft ersetzt wird.“ (2)
Horkheimer/Habermas: der Subjektivierung der Vernunft entspricht das Irrationalwerden von Moral und Kunst.
De Sade/Moral/Aufklärung/Adorno/Horkheimer: These in Horkheimer/Adorno, Dialektik der Aufklärung: sogar im paradigmatischen Jahrhundert der Aufklärung ist die Dissoziierung von Vernunft und Moral bis in die letzten Konsequenzen zu Bewusstsein gekommen: man „hat nicht vorgegeben, dass die formalistische Vernunft in einem engeren Zusammenhang mit der Moral als mit der Unmoral stünde.“ (3)
Kunst/Horkheimer/Habermas: Horkheimer behauptet nur das gleiche von der modernen Kunstentwicklung: Die Dissoziierung der Kunst
Habermas III 464
von der Vernunft „überführt Kunstwerke in kulturelle Waren und ihren Konsum in eine Reihe von zufälligen Gefühlen, die von unseren wirklichen Intentionen und Bestrebungen getrennt sind. (4)
1.M. Horkheimer, Zur Kritik der instrumentellen Vernunft, Frankfurt 1967, S.22.
2. Ebenda S 28.
3.M. Horkheimer, Th. W. Adorno, Dialektik der Aufklärung, Amsterdam 1947, S. 141.
4. Horkheimer (1967) S. 47.

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Verpflichtungen Jonas Brocker I 608
Pflichten/Generationengerechtigkeit/Verantwortung/Jonas: Frage: warum sollten die heute Lebenden für die Zukunft der Menschheit verantwortlich seien. Nach seiner Auffassung gibt es zwar keine Pflicht gegenüber einzelnen Zukünftigen, ihr Dasein zu gewährleisten: Die gesuchte und »notwendige« neue Zukunftsethik liege, so Jonas, außerhalb des individuellen Recht-Pflicht-Feldes, weil es keine Reziprozität mit einzelnen Zukünftigen geben könne, da sie ja noch nicht existierten (1) Lösung/Jonas: es gibt eine Verpflichtung gegenüber der Menschheit als Ganzer, eine Pflicht, die Menschheit zu erhalten. Dies sei in der Form eines kategorischen Imperativs zu denken, als »eine unbedingte Pflicht der Menschheit zum Dasein« (2). Siehe Ethik/Jonas.
Brocker I 615
Intuitionismus/Jonas/Brocker: Jonas argumentiert intuitionistisch: Der Säugling dient ihm als Beispiel für die »Selbstbejahung des Seins« (3). Der Anblick eines hilflosen Babys reiche aus, um unmittelbar die Erkenntnis einer Pflicht zur Sorge und Hege ihm gegenüber zu vermitteln. Dies ist für Jonas ein „ontisches Paradigma“: die Koinzidenz von Sein und Wert. (4) Siehe Sein/Jonas, Ethik/Jonas, Existenz/Jonas.
Brocker I 616
WernerVsJonas: das Beispiel des Säuglings ist nicht kulturinvariant. (5) Bsp In Sparta löste ein Säugling kein allgemeines Verantwortungsgefühl aus. Problem/BrockerVsJonas: zukünftige Generationen, also noch nicht Geborene, können gerade nicht auf dieselbe Weise an unsere Verpflichtung appellieren, wie der Säugling in Jonas‘ Beispiel.
VsJonas: letztlich verstößt dann auch ein kinderlos bleibender Mensch nach Jonas gegen universelle Pflichten, da er den Erhalt der Menschheit nicht gewährleistet.
VsJonas: wo wäre die Grenze zu ziehen, wenn man den Wert eines zu erhaltenden Guts bestimmen wollte? Bei Insekten? Bei Bakterien? Bei Krebszellen?


1. Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation, Frankfurt/M. 1979, S. 84
2. Ebenda S. 80
3. Ebenda S. 234-242.
4. Ebenda S. 235.
5. Micha H. Werner, „Dimensionen der Verantwortung. Ein Werkstattbericht zur Zukunftsethik von Hans Jonas“. In: Dietrich Böhler (Hg.) ethik für die Zukunft. Im Diskurs mit Hans Jonas, München, 1994, S. 303-338.


Manfred Brocker, „Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Jonas I
Hans Jonas
Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation Frankfurt 1979

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Wahrheit Kuhn Flor IV 508
Wahrheit/Kuhn: besteht nur relativ zu einem Paradigma, da die Paradigmen untereinander nicht vergleichbar sind. >Inkommensurabilität, >Theorien/Kuhn, >Paradigma, >Theorienwechsel.

Kuhn I
Th. Kuhn
Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen Frankfurt 1973

Flor I
Jan Riis Flor
"Gilbert Ryle: Bewusstseinsphilosophie"
In
Philosophie im 20. Jahrhundert, A. Hügli/P. Lübcke Reinbek 1993

Flor II
Jan Riis Flor
"Karl Raimund Popper: Kritischer Rationalismus"
In
Philosophie im 20. Jahrhundert, A.Hügli/P.Lübcke Reinbek 1993

Flor III
J.R. Flor
"Bertrand Russell: Politisches Engagement und logische Analyse"
In
Philosophie im 20. Jahrhundert, A. Hügli/P.Lübcke (Hg) Reinbek 1993

Flor IV
Jan Riis Flor
"Thomas S. Kuhn. Entwicklung durch Revolution"
In
Philosophie im 20. Jahrhundert, A. Hügli/P. Lübcke Reinbek 1993
Wertorientierung Dragan Brockman I 140
Wertorientierung/Dragan: Der ursprüngliche Gedanke war, dass wir für jede Aufgabe, die wir vom Roboter erledigt haben wollten, eine Belohnungsfunktion aufschreiben könnten, die das richtige Verhalten fördert. Leider passiert es oft, dass wir
Brockman I 141
eine Belohnungsfunktion spezifizieren und das Verhalten, das sich aus der Optimierung ergibt, nicht das ist, was wir wollen. Stuart Russell und Peter Norvig geben in ihrem Buch 'Artificial Intelligence: A Modern Approach'(1) ein schönes Beispiel: z.B. führt die Belohnung eines Staubsaugroboters für die Menge an Staub, die er ansaugt, dazu, dass der Roboter beschließt, Staub auszuschütten, damit er ihn wieder ansaugen und mehr Belohnung erhalten kann.
Lösung: Ein scheinbar besseres Paradigma könnte sein, dass sich Roboter für das, was wir intern wollen, optimieren, auch wenn wir Schwierigkeiten haben, es zu erklären. Sie würden das, was wir sagen und tun, als Beweis dafür verwenden, was wir wollen, anstatt es wörtlich zu interpretieren und als gegeben zu betrachten.
Brockman I 142
Problem: [Es gibt eine Frage, die] die KI allein nicht beantworten kann: Wir können Roboter dazu bringen, zu versuchen, sich an den inneren Werten einer Person zu orientieren, aber es gibt mehr als eine Person, die hier involviert ist. Wie man die Werte dieser Menschen kombiniert, falls sie in einen Konflikt geraten, ist ein wichtiges Problem, das wir lösen müssen. Die KI-Forschung kann uns die Werkzeuge an die Hand geben, um Werte in jeder von uns ausgewählten Art und Weise zu kombinieren, sie kann aber nicht die notwendige Entscheidung für uns treffen.

1. Russell, S and Norvig P. 1994. Artificial Intelligence: A Modern Approach. Upper Saddle River NJ: Prentice Hall.


Dragan, Anca, “Putting the Human into the AI Equation” in: Brockman, John (ed.) 2019. Twenty-Five Ways of Looking at AI. New York: Penguin Press.

Brockman I
John Brockman
Possible Minds: Twenty-Five Ways of Looking at AI New York 2019
Wirtschaft Neoklassiker Mause I 51f
Wirtschaft/Neoklassik: Die Politische Ökonomie wird von der „reinen“ Ökonomie in Gestalt der Neoklassik abgelöst. Dies nennt man die „marginalistische“ Revolution. 1. Alle ökonomischen Fragestellungen werden unter dem Blickwinkel der Optimierung unter Nebenbedingungen betrachtet. Es geht immer darum, eine Zielfunktion (z. B. die Nutzenfunktion eines Haushalts) unter Beachtung bestimmter Nebenbedingungen (z. B. der Höhe des Haushaltsbudgets) zu optimieren (im Beispielsfall zu maximieren). Zu diesem Zweck wird eine Grenzwertbetrachtung durchgeführt, d. h. eine marginale Analyse. (> Rational Choice).
2. Im Mittelpunkt der neoklassischen Analyse steht das Gleichgewicht – eine Situation, in der es keinen Anlass zu Verhaltensänderungen gibt. Von zentraler Bedeutung ist dabei die Frage nach der Existenz von Marktgleichgewichten und deren Eigenschaften.
3. Es gilt das Prinzip des methodologischen Individualismus, wonach alle ökonomischen Phänomene durch individuelle Handlungen erklärt werden müssen. Dies impliziert insbesondere, dass die Gesellschaft lediglich eine Summe von Individuen ist und dass die Präferenzen derselben unabhängig voneinander sind.
I 52
Hauptvertreter: Antoine Augustin Cournot (1801– 1877), der das Fundament der Preistheorie errichtete (Cournot 1838 (1); Hermann Heinrich Gossen (1810– 1858), der die Konsumtheorie begründete (Gossen 1854) (2); und Johann Heinrich von Thünen (1783– 1850), der die Grundlagen der Produktions- und Verteilungstheorie legte (Thünen 1826) (3). Diese Ansätze wurden in der Folgezeit vor allem von William Stanley Jevons (1835– 1882) und Léon Walras (1834– 1910) weiterentwickelt und durchgesetzt (Jevons 1871) (4); Walras 1874/ 1877) (5). NeoklassikVsKLassik: alle drei Grundbestandteile des neoklassischen Paradigmas sind der Klassik fremd: Das ist am deutlichsten im Fall von Optimierungs- und Gleichgewichtsprinzip; aber die Klassiker vertraten auch keinen strikten methodologischen Individualismus, sondern erkannten die soziale Natur des Menschen an und hielten deswegen die analytische Verwendung von überindividuellen Konzepten für gerechtfertigt (ohne deshalb diesen eine reale, von den Individuen unabhängige Existenz zuzugestehen). Die Neoklassiker waren stets um eine „Verwissenschaftlichung“ der Ökonomie bemüht, um eine Etablierung ihrer Disziplin als einer den Naturwissenschaften, und hier vor allem der Physik. (Optimierung, Gleichgewicht).
Klassik: betrachtet das ökonomische Handeln, also die Entstehung und Verteilung des materiellen Wohlstandes.
Neoklassik: mit dem neuen, formalen Verständnis ist diese Analyse nicht vereinbar.
Die neoklassische Ökonomie ist mikroökonomisch geprägt, d.h. im Mittelpunkt der Analyse steht das Verhalten einzelner Wirtschaftssubjekte, also einzelner Haushalte (Konsumtheorie) und Unternehmen (Produktions- und Preistheorie).


1. A. Cournot, Recherches sur les Principes Mathématiques de la Théorie des Richesses. Paris, 1838.
2. H.H.Gossen, Entwickelung der Gesetze des menschlichen Verkehrs, und der daraus fließenden Regeln für menschliches Handeln. Braunschweig 1854
3. J.H. von Thünen, Der isolirte Staat in Beziehung auf Landwirthschaft und Nationalökonomie. Hamburg 1826
4. W.St.Jevons, 1871. The theory of political economy. London 1871
5. L. Walras, Eléments d’Economie Politique Pure. Teile I– III (1874), Teile IV– VI (1877). Lausanne 1874/ 1877.

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Wohlfahrtsökonomik Neoklassiker Mause I 269ff
Wohlfahrtsökonomik/Neoklassiker: Wohlfahrtsökonomik ein wesentlicher Teil des neoklassischen Paradigmas. Sie bedient sich des methodologischen Individualismus und verfolgt den Grenznutzenansatz. Sie ist utilitaristisch ausgerichtet, d.h. dass die jeweilige Nutzenschätzung der Individuen berücksichtigt wird. (Benthamsche Wohlfahrtsfunktion (1)).
W = W(y1, y2, …, yn)
Methodisches Problem: die individuellen Nutzenschätzungen werden wiederum zu einem gesellschaftlichen Wohlfahrtswert aggregiert. Dieser kann nicht individualistisch fundiert werden.
Mause I 270
Problem: diese Form von Umverteilung kann zu Ungerechtigkeiten führen, wenn die individuelle pekuniäre Situation der Individuen nicht berücksichtigt wird. Lösung: man muss einen Schritt zurückgehen und die allgemeine funktionale Form einer Bergson-Samuelson-Wohlfahrtsfunktion verwenden. (2)(3)
Wohlfahrtsmaximum: eine Bedingung für sein Erreichen ist Pareto-Effizienz.
Def Pareto-Effizienz: besteht, wenn kein Mitgleid der Gesellschaft besser gestellt werden kann, ohne ein anderes Mitglied schlechter zu stellen. Wenn diese Bedingung nicht erfüllt ist, sind noch Effizienzreserven zu nutzen.
Weitere Bedingung für eine optimale Finanzpolitik: es darf keine ungenutzten Potentiale für Tauschgewinne geben, d.h. dass die einzelnen Güter zu den Konsumenten alloziiert werden.
Problem: es gibt theoretisch unendlich viele Allokationen, die Pareto-effizient sind, aber nur eine maximiert die gesellschaftliche Wohlfahrt.
Def Erster Hauptsatz der Wohlfahrtsökonomik: jedes Marktgleichgewicht stellt bei vollständigem Wettbewerb und Abwesenheit von externen Effekten Pareto-Effizienz her.
Def Zweiter Hauptsatz der Wohlfahrtsökonomik: jedes dieser Marktgleichgewichte kann durch eine entsprechende Verteilung von Ressourcen in der Ausgangssituation ohne Effizienzverluste erreicht werden. (4)


1. Jean Hindriks & Gareth D. Myles, Intermediate public economics, Cambridge, MA, 2013.
2. Bergson, Abram. 1938. A reformulation of certain aspects of welfare economics. Quarterly Journal of Economics 52 (7), 1938, S. 314– 344.
3. Paul A. Samuelson, The foundations of economic analysis. Cambridge, MA 1947.
4. Nicola Acocella, The foundations of economic policy: Values and techniques. Cambridge 1998 S. 72-77.

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Wörter Platon Gadamer I 410
Wort/Platon/Gadamer: Zwei in Platos „Kratylos“ diskutierte Theorien versuchen, auf verschiedenen Wegen das Verhältnis von Wort und Sache zu bestimmen. A. Konventionalismus: Die konventionalistische Theorie sieht in der Eindeutigkeit des Sprachgebrauches, wie sie durch Übereinkunft und Übung erreicht wird, die einzige Quelle der Wortbedeutungen,
B. Ähnlichkeitstheorie: Die ihr entgegenstehende Theorie vertritt eine natürliche Übereinstimmung von Wort und Sache, die eben mit dem Begriff der Richtigkeit (orthotés) bezeichnet ist.
Konventionalismus/Gadamer: Die Grenze des Konventionalismus ist: man kann nicht willkürlich umändern, was die Worte bedeuten, wenn Sprache sein soll, Das Problem der „Sondersprachen“ zeigt die Bedingungen, unter denen solche Umtaufungen stehen.
Namen/Kratylos: Hermogenes im „Kratylos“ gibt selbst ein Beispiel: die Umtaufung eines Bediensteten.(1) Die innere Unselbständigkeit der Lebenswelt des Dieners, der Zusammenfall seiner Person mit seiner Funktion macht das möglich, was sonst an dem Anspruch der Person
auf ihr Fürsichsein, an der Wahrung ihrer Ehre, scheitert. Ebenso haben Kinder und Liebende Sprache, durch die sie Sich in der nur ihnen eigenen Welt verständigen, aber selbst dies nicht so sehr durch willkürliche Festsetzung als durch Herausbildung einer Sprachgewohnheit. Immer ist die
Gemeinsamkeit einer Welt - auch wenn es nur eine gespielte ist - die Voraussetzung für „Sprache“.
Ähnlichkeitstheorie: [ihre] Grenze ist ebenfalls deutlich: Man kann nicht im Blick auf die gemeinten Sachen in dem Sinne an der Sprache Kritik üben, dass die Worte die Sachen nicht richtig wiedergeben. Die Sprache ist überhaupt nicht da wie ein bloßes Werkzeug, zu dem wir greifen, das wir uns errichten, um mit ihm mitzuteilen und zu unterscheiden.(2)
Gadamer: Beide Interpretationen der Worte gehen von ihrem Dasein und Zuhandensein aus und
lassen die Sachen als vorhergewusste für sich sein. Sie setzen eben deshalb von vornherein zu spät an.
Platon/Gadamer: So muss man sich fragen, ob Plato, der die innere Unhaltbarkeit der beiden extremen Positionen aufweist, damit eine ihnen
Gadamer I 411
gemeinsame Voraussetzung in Frage stellen will. Platon These: Plato will mit dieser Diskussion der zeitgenössischen Sprachtheorien zeigen, dass in der Sprache, in dem Anspruch auf Sprachrichtigkeit (orthotes tön onomaton) keine sachliche Wahrheit (aletheia tön onton) erreichbar ist und dass man ohne die Worte (aneu ton onomaton) das Seiende erkennen müsse rein aus Sich selbst (auta ex heauton)(3).
Gadamer: Das ist eine radikale Verschiebung des Problems auf eine neue Ebene. Die Dialektik, auf
die dies zielt, beansprucht offenbar, das Denken so auf sich selbst zu stellen und seinen wahren Gegenständen, den „Ideen“ zu öffnen, dass damit die Macht der Worte (dynamis ton onomaton) und ihre dämonische Technisierung in der sophistischen Argumentierkunst überwunden wird.
Erkenntnis/Wahrheit: Die Übersteigerung des Bereichs der Worte (onomata) durch die Dialektik soll natürlich nicht heißen, dass es wirklich ein wortfreies Erkennen gäbe, sondern nur, dass nicht das Wort den Zugang zur Wahrheit öffnet, sondern umgekehrt: dass die „Angemessenheit“ des Wortes erst von der Erkenntnis der Sachen aus zu beurteilen wäre. >Sprache/Platon.
Gadamer I 412
Das Element der wahren Reden bleibt das Wort (onoma und rhema) - das gleiche Wort, in dem sich Wahrheit bis zur Unkenntlichkeit und vollkommenen Nichtigkeit verbirgt.(4)
Gadamer I 415
Wahrheit/Richtigkeit/Wort/Kratylos/Platon/Gadamer: [Es hat Sinn] von einer absoluten Perfektion des Wortes zu sprechen, sofern zwischen seiner sinnenfälligen Erscheinung und seiner Bedeutung überhaupt kein sinnliches Verhältnis, mithin kein Abstand besteht. Kratylos hätte daher auch keine Ursache, sich unter das Joch des Abbildschemas zurückbeugen zu lassen. Für das Abbild zwar gilt, dass es, ohne eine bloße Verdoppelung des Urbildes zu sein, dem Urbild gleicht, also als etwas, das ein anderes ist und auf das andere, das es darstellt, durch seine unvollkommene Ähnlichkeit verweist. Aber das gilt für das Verhältnis des Wortes zu seiner Bedeutung offenkundig nicht. Insofern ist es wie das Aufblitzen einer ganz verdunkelten Wahrheit, wenn Sokrates den Wörtern - im Unterschied zu den Gemälden (zöa) - nicht nur richtig, sondern auch wahr zu sein (aléthe) zuerkennt.(5) Die „Wahrheit(„des Wortes liegt freilich nicht in seiner Richtigkeit, seiner richtigen Anmessung an die Sache. Sie liegt vielmehr in seiner vollendeten Geistigkeit, d. h. dem Offenliegen des Wortsinnes im Laut. In diesem Sinne sind alle Wörter „wahr“ d. h. ihr Sein geht in ihrer Bedeutung auf, während Abbildungen nur mehr oder minder ähnlich und insofern - am Aussehen er Sache gemessen - mehr oder minder richtig sind. >Richtigkeit/Platon, >Sophisten/Platon.
Gadamer I 416
Wort/Zahl/Zeichen/Platon/Gadamer: man begreift, dass nicht das Wort, sondern die Zahl das eigentliche Paradigma des Noetischen ist, die Zahl, deren Benennung ersichtlich reine Konvention ist und deren „Genauigkeit“ eben darin besteht, daß jede Zahl durch ihre Stellung in der Reihe definiert ist, also ein reines Gebilde der Intelligibilität, ein ens rationis ist, nicht im abschwächenden Sinne seiner Seinsgeltung, sondern im Sinne seiner perfekten Vernünftigkeit. Dies ist das eigentliche Resultat, auf das der „Kratylos“ bezogen ist, und dieses Resultat
hat eine höchst folgenreiche Konsequenz, die in Wahrheit alles weitere Denken über Sprache beeinflusst. >Logos/Platon.
Gadamer I 418
Die berechtigte Frage, ob das Wort nichts anderes als ein „reines Zeichen“ ist oder doch etwas vom „Bild“ an sich hat, wird durch den grundsätzlich diskreditiert. >Abbild/Platon.

1. Krat. 384 d.
2. Krat. 388 c. 3. Krat. 438 d-439 b.
4. Doch vgl. zu >Mimesis sowie den bedeutungsvollen Wechsel von „Mimesis“ zu „Methexis“ den Aristoteles in seiner Metaphysik A 6, 987 b 10—13 bezeugt.
5. Krat. 430 d 5

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Zahlen Platon Gadamer I 416
Zahl/Wort/Zeichen/Platon/Gadamer: Man begreift, dass nicht das Wort, sondern die Zahl das eigentliche Paradigma des Noetischen ist, die Zahl, deren Benennung ersichtlich reine Konvention ist und deren „Genauigkeit“ eben darin besteht, dass jede Zahl durch ihre Stellung in der Reihe definiert ist, also ein reines Gebilde der Intelligibilität, ein ens rationis ist, nicht im abschwächenden Sinne seiner Seinsgeltung, sondern im Sinne seiner perfekten Vernünftigkeit. Dies ist das eigentliche Resultat, auf das der „Kratylos“ bezogen ist, und dieses Resultat hat eine höchst folgenreiche Konsequenz, die in Wahrheit alles weitere Denken über Sprache beeinflusst. >Logos/Platon, >Wort/Platon.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977

Der gesuchte Begriff oder Autor findet sich in folgenden 4 Thesen von Autoren des zentralen Fachgebiets.
Begriff/
Autor/Ismus
Autor
Eintrag
Literatur
Analogie Cartwright, N. I 157
Erklärung/Realismus/Physik/Mary Hesse: Paradigma: Billardkugel-Modell für die Kinetische Gastheorie. These die Moleküle im Gas teilen gewisse Eigenschaften mit den Billardkugeln. Modell/Hesse: es gibt positive, negative und neutrale Analogien zwischen den Objekten im Modell und den modellierten Objekten (den Objekten in der Realität).
SellarsVsHesse: die Analogie spielt sich auf einer höheren Ebene ab: die Relationen zwischen den Eigenschaften sind analog, nicht die Eigenschaften selbst! (DF Ebene).
Bsp der Helium-Neon-Laser und ein realer Trioden-Oszillator haben keine Eigenschaften gemeinsam. Richtig: ihre Eigenschaften verhalten sich in ähnlicher Weise, so daß sie mit derselbe van-der-Pol-Gleichung beschrieben werden können.
CartwrightVsSellars: die Allgemeinheit und Ausnahmslosigkeit ist nur Schein.
Grice Hungerland, P. Grice I 266 ff
Hungerland These Vs "induktive Auffassung" des Paradigmas der Kontextï·"Implikation: p behaupten, impliziere, zu glauben, daß p.
Hungerland: statt dessen: These Erklärungsï·"Modell, wenn eine Behauptung normal ist, ist alles impliziert, was man daraus folgern darf.
Hängt von drei unterschiedlichen Dingen ab:
1. Kontext des Behauptens
2. Vorannahmen über das, was als normal gilt
3. Regeln für den richtigen Gebrauch von Ausdrücken
I 402
These alltagsprachliche Bedeutung reicher als wahrheitsfunktionale

Grice I
H. Paul Grice
"Meaning", in: The Philosophical Review 66, 1957, pp. 377-388
In
Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Megle Frankfurt/M. 1993

Grice II
H. Paul Grice
"Utterer’s Meaning and Intentions", in: The Philosophical Review, 78, 1969 pp. 147-177
In
Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle

Grice III
H. Paul Grice
"Utterer’s Meaning, Sentence-Meaning, and Word-Meaning", in: Foundations of Language, 4, 1968, pp. 1-18
In
Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979

Grice IV
H. Paul Grice
"Logic and Conversation", in: P. Cple/J. Morgan (eds) Syntax and Semantics, Vol 3, New York/San Francisco/London 1975 pp.41-58
In
Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979
Zweidimens. Sem. Kaplan, D. Staln I 206
zwei-dimensionale Semantik/Kaplan/Stalnaker: Kaplans These ("Paradigma"): Trennung von Charakter und Inhalt. (character and content). Wir fangen mit der offenkundigen Tatsache an, daß natürliche Sprache stark kontext-abhängig sind.
Satzbedeutung/Kaplan: legt nicht selbst den Inhalt fest.
Inhalt/Kaplan: ist noch nicht durch die Satzbedeutung festgelegt.
Kontext/Kaplan: erst der Kontext legt - zusammen mit der Satzbedeutung - den Inhalt fest. Bsp "Du wirst Dich morgens besser fühlen".
Def Charakter/character/Kaplan: (= Satzbedeutung): eine Funktion von Kontext auf Inhalt.
Kontext/Stalnaker: kann als zentrierte Welt (zentrierte möglichen Welten) repräsentiert werden.
I 207
Gedanken/Interpretation/Stalnaker: ist eine Frage der grundlegenden Semantik, d.h. nach den Tatsachen. Charakter/Inhalt/Kaplan/Stalnaker: die ursprüngliche Motivation für die Trennung war, daß Satzbedeutungen nicht die ausgedrückten Gedanken repräsentieren.
Inhalt/Stalnaker: = sekundäre Intension.
Wahrnehmung Kuhn, Th. I 124
Kuhn: These für die Wahrnehmung selbst muß etwas ähnliches wie ein Paradigma vorausgesetzt werden.