| Begriff/ Autor/Ismus |
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| Abschreckung | Sozialpsychologie | Parisi I 141 Abschreckung/Vergeltung/Recht/Sozialpsychologie/Nadler/Mueller: Zwei vorherrschende normative Theorien der Bestrafung in der juristischen Literatur sind Vergeltung (oder "gerechte Strafe") und Utilitarismus (spezifische oder allgemeine Abschreckung, sowie Entmündigung und Rehabilitation) (Hart, 2008(1); Ten, 1987(2)). >Utilitarismus, >Vergeltung. (...) erst in jüngster Zeit haben Forscher systematisch den psychologischen Einfluss von Abschreckungs- und Vergeltungsmotiven auf das Strafurteil von Menschen untersucht. Psychologie: Die Ergebnisse weisen auf eine interessante Spaltung hin: Abstrakt betrachtet befürworten Menschen explizit utilitaristische Ziele (z.B. erfolgreiche Abschreckung, die zu einer Reduzierung von Verbrechen führt), aber wenn sie mit einem konkreten Szenario konfrontiert werden, entscheiden sie sich durchweg für vergeltende Strafen (Carlsmith, 2008)(3). Vergeltung: Diese Beweise deuten darauf hin, dass Menschen intuitive Retributivisten sind, die Urteile auf der Grundlage von Intuitionen über gerechte Strafen fällen, obwohl diese intuitiven Urteile manchmal durch vernünftigere Überlegungen außer Kraft gesetzt werden können (siehe Carlsmith und Darley, 2008(4) für eine Übersicht). Moral: Gleichzeitig kann der Argumentationsprozess selbst auf Vergeltung ausgerichtet sein: Wenn eine Reihe verschiedener Informationen zur Verfügung gestellt wird, entscheiden sich die Teilnehmer eher für Informationen über moralische Schwere und andere vergeltende Faktoren als für Informationen, die für utilitaristische Ziele relevant sind (Carlsmith, 2006(5); Carlsmith, Darley, und Robinson, 2002(6)). >Moral. Konsequentialismus: In der Tat führen bestimmte konsequentialistische moralische Entscheidungen, obwohl sie gesellschaftlich gebilligt werden, zu der Schlussfolgerung, dass der Akteur, der die Entscheidung trifft oder ausführt, einen minderwertigen moralischen Charakter hat (Uhlmann, Zhu und Tannenbaum, 2013)(7). >Konsequentialismus. Beispiel: die Entscheidung, ein Leben zu opfern, um mehrere Leben zu retten, kann zu negativen Charakterschlüssen über den Handelnden führen, auch wenn die Entscheidung als moralisch korrekt angesehen wird (Uhlmann et al., 2013)(7). Wiederherstellung: Ziele der wiederherstellenden Gerechtigkeit sind in manchen Fällen ebenfalls intuitiv ansprechend. Im Gegensatz zur Vergeltung zielt die wiederherstellende Gerechtigkeit darauf ab, den Schaden, der verursacht wurde, durch Prozesse zu reparieren, in denen der Täter, das Opfer und vielleicht Mitglieder der Gemeinschaft eine angemessene wiederherstellende Sanktion bestimmen (Bazemore, 1998;(8) Braithwaite, 2002(9)). Dieses Gerechtigkeitsziel ist mit Vergeltung vereinbar; wenn man die Wahl hat, entscheiden sich die meisten Teilnehmer selbst bei schweren Verbrechen für eine Konsequenz mit sowohl vergeltenden als auch wiederherstellenden Komponenten gegenüber Konsequenzen, die nur eines der beiden Ziele erfüllen (Gromet und Darley, 2006)(10). >Gerechtigkeit, >Gleichheit. 1. Hart, H. L. A. (2008). Punishment and Responsibility: Essays in the Philosophy of Law. Oxford: Oxford University Press. 2. Ten, C. L. (1987). Crime, Guilt, and Punishment: A Philosophical Introduction. Oxford: Clarendon Press. 3. Carlsmith, K. M. (2008). "On Justifying Punishment: The Discrepancy Between Words and Actions." Social Justice Research 21 (2): 119-137. doi:10.1007 /sl 1211-008-OOO-X. 4. Carlsmith, K. M. and J. M. Darley (2008). "Psychological Aspects of Retributive Justice," in Mark P. Zanna, Hrsg., Advances in Experimental Social Psychology, Vol. 40, 193-236. San Diego: Academic Press. 5. Carlsmith, K. M. (2006). "The Roles of Retribution and Utility in Determining Pun- ishment." Journal of Experimental Social Psychology 42(4): 43 7—451. doi: 10.1016/j.jesp.2005.06.007. 6. Carlsmith, K. M., J. M. Darley, and P. H. Robinson (2002). "Why Do We Punish?: Deterrence and Just Desserts as Motives for Punishment." Journal of Personality and social Psychology doi:10.103 7/0022-3514.83.2.284. 7. Uhlmann, E. L., L. (Lei) Zhu, and D. Tannenbaum (2013). "When It Takes a Bad Person to Do the Right Thing." Cognition doi:10.1016/j.cognition.2012.10.005. 8. Bazemore, G. (1998). "Restorative Justice and Earned Redemption Communities, Victims, and Offender Reintegration." American Behavioral Scientist 41(6): 768-813. doi:10.1177/0002764298041006003. 9. Braithwaite, J. (2002). Restorative Justice and Responsive Regulation. New York: Oxford Uni- versity Press. 10. Gromet, D. M. and J. M. Darley (2009). "Punishment and Beyond: Achieving Justice Through the Satisfaction of Multiple Goals." Law and society Review 43(1): 1-38. Nadler, Janice and Pam A. Mueller. „Social Psychology and the Law“. In: Parisi, Francesco (Hrsg.) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Bd. 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University Press |
Parisi I Francesco Parisi (Ed) The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017 |
| Ähnlichkeit | Hintikka | II 189 Ähnlichkeit/Semantik möglicher Welten/Ähnlichkeitsmetrik/Hintikka: Die Distanz interpretieren wir als Unähnlichkeit von Welten. >Semantik möglicher Welten. Dimension: Hier gibt es natürlich verschiedene Dimensionen, d.h. Richtungen, in denen Welten sich unterscheiden können. Intentionalität/Hintikka: Die Intentionalität hat daher auch verschiedene Dimensionen. >Intentionalität/Hintikka. Ähnlichkeit/Semantik möglicher Welten/Ähnlichkeitsmetrik/Hintikka: In folgenden Hinsichten können sich mögliche Welten unterscheiden oder ähneln: a) Faktizität: Man kann nur wissen, was der Fall ist. Formal: Jede mögliche Welt ist stets Element einer Menge von alternativen Welten. Es gibt dann immer eine Welt, die der betrachteten mögliche Welt maximal ähnlich ist. b) Bewahrung der Individuen/konstanter, fixierter Bereich: Eine Welt kann einer anderen ähnlich sein, weil dieselben Individuen in ihr sind. Das kann auf zwei Weisen fehlschlagen: (i) Die Existenz von Individuen bleibt nicht gewahrt beim Übergang zu einer anderen möglichen Welt. (ii) Individuen können in Welten existieren, ohne in der aktualen Welt zu existieren. (iii) Bewahrung der Identität von Individuen kann zweifach verletzt werden: (a) durch die Fusion von Individuen in einer anderen Welt, die in der aktualen Welt zwei sind, (b) durch Spaltung eines Individuums aus der aktualen Welt in einer anderen Welten Die Ausdehnbarkeit von Weltlinien: kann zweifach fehlschlagen: (i) eine Weltlinie kann nicht zu einer alternativen Welt gezogen werden, (ii) sie kann nicht von einer Alternative zurück zur betrachteten möglichen Welt gezogen werden. II 190 e) Logische Invarianz: Die logische Invarianz von Welten ist die möglicherweise radikalste Abweichung: in einer Welt könnten logische Gesetzt außer Kraft sein. f) Methoden, um Weltlinien zu ziehen: Hier könnten verschiedene Prinzipien für verschiedene intentionale Begriffe gelten. Manchmal könnten sie objektiver sein, manchmal mehr von den Handlungen der Person abhängen. Hier geht es weniger um Distanz zwischen Welten als um die Stärke der Verbindungen zwischen ihnen. Erinnerung/Glauben/Hintikka: Kriterium (f) erklärt, warum Bsp das Gedächtnis weniger intentional ist als z.B. Glauben. Weltlinien/Hintikka: Weltlinien entsprechen Lewis’ Gegenstückrelation (GR). Sie werden nur durch die Referenz auf die Welten bestimmt, die sie verbinden. Daher sind sie auf den ersten Blick unabhängig vom Subjekt. Das heißt aber nicht, dass sie unabhängig von Konventionen sind. >Weltlinien. Intentionalität/Hintikka: Uns geht es hier um die Weisen allgemein menschlicher Operationen, die zum Vorherrschen eines bestimmten Gewebes von Weltlinien für einen bestimmten intentionalen Begriff führen. |
Hintikka I Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka Untersuchungen zu Wittgenstein Frankfurt 1996 Hintikka II Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka The Logic of Epistemology and the Epistemology of Logic Dordrecht 1989 |
| Ähnlichkeitsmetrik | Hintikka | II 192 Ähnlichkeit/Semantik möglicher Welten/Ähnlichkeitsmetrik/Hintikka: Eine Ähnlichkeit kann auf zweifache Weise festgestellt werden: 1. Fragen, was die maximale Distanz zwischen möglichen Welten ist 2. Fragen, was die minimale Distanz ist. Ad 1.: Die Faktizitätsbedingung führt dazu, dass die Distanz gleich null sein muss (minimale Distanz), d.h. dass eine gegebene Welt innerhalb ihrer eigenen Alternativen ist. II 193 Intentionalität/Hintikka: Ihr Fehlschlagen ist ein interessantes Kriterium für Intentionalität. >Intentionalität/Hintikka. Bsp Wissen: Wissen ist aus diesem Grund weniger intentional als Glauben. Faktizität/Hintikka: Der Ausdruck Faktizität ist insofern irreführend, als dass wir eine Menge von möglichen Welten betrachten können, wobei wir die aktuale Welt ausschließen! Bsp Deontologie: Deontologie/Semantik möglicher Welten/Hintikka: Hier könnte es sein, dass wir die aktuale Welt aus der Menge der möglichen Welten ausschließen. ((s) Dass wir nur Wünschenswertes betrachten, das von der Realität abweicht). >Deontologie. Hintikka: Die Idee ist, dass was immer in einer gegebenen Welt obligatorisch ist, wahr ist in jeder ihrer deontischen Alternativen. Denn diese Alternativen wären deontisch perfekte Welten. Deontologie/Hintikka: Deontologie ist nach dieser Erklärung nicht intentional! Phänomenologie/Hintikka: Das Fehlschlagen der Faktizitätsbedingung ist eng verwandt mit Ideen der Phänomenologie. Ihr geht es nämlich entscheidend um die mögliche Nichtexistenz eines Gegenstands, auf den ein geistiger Akt gerichtet ist. Akt/Brentano/Hintikka: These: Das Objekt kann in ihm „inexistent“ sein. Husserl/Hintikka: These: Objekte von Akten sind urteilsmäßig oder andernfalls propositional. Nichtexistenz/Intentionalität/Brentano/Husserl/Hintikka: Nichtexistenz führt zu einem Fehlschlagen der Faktizität. Daher ist das Fehlschlagen der Faktizität ein wichtiges Kriterium für das Verstehen der Phänomenologie. Ähnlichkeitsmetrik/Ähnlichkeit/Mögliche Welten/Hintikka: Bsp Wissen Wissen/Glauben/Semantik möglicher Welten/Hintikka: Die maximale Distanz zwischen Welten, die von Wissen zugelassen wird, ist größer als die maximale Distanz im Fall von Glauben. Weil Wissen Glauben impliziert (entails) sind die Glaubenswelten innerhalb der Menge der Wissenswelten. Nach dem unrevidierten Kriterium wäre dann Glauben intentionaler als Wissen. Vs: Das Gegenteil ist aber der Fall. Logisch möglich/Hintikka: Einige logisch mögliche Welten sind wilder und weiter entfernt von der aktualen Welt als Welten, die man glaubt. Dennoch sind logische Modalitäten weniger intentional als propositionale Einstellungen. Problem: Das Maß der maximalen Distanz liefert falsche Ergebnisse, wenn wir es mit verschiedenen intensionalen Begriffen zu tun haben. II 196 Intentionalität/Hintikka: Dass das Fehlschlagen von (c) (Bewahrung der Identität, VsSpaltung) ein Kriterium für sie ist, sieht man an ihrem Verhalten bei wechselnden Begriffen: Notwendigkeit (logische, physikalische und analytische) erfüllen Bedingung c). Bedingung c: „Was ist, ist notwendig was es ist und kein ander Ding“) Umgekehrt sind gewisse andere Begriffe offensichtlich intentionaler als Notwendigkeit und diese verletzen c). >Logische Notwendigkeit. II 197 Bsp „Nicht alles was ist, ist so, dass gewusst wird, was es ist, noch, dass es kein ander Ding ist“. |
Hintikka I Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka Untersuchungen zu Wittgenstein Frankfurt 1996 Hintikka II Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka The Logic of Epistemology and the Epistemology of Logic Dordrecht 1989 |
| Aktualismus | Stalnaker | I 12/1 Aktualismus/Stalnaker: Der Aktualismus nimmt mögliche Welten nicht buchstäblich als Welten an - sondern als Weisen, wie die Welt hätte sein können. Pointe: Kontingente Identität ist nicht erlaubt, wohl aber kontingente Verschiedenheit. ((s) Nach Kripke ist Identität immer notwendige Identität, sofern nicht Kennzeichnungen im Spiel sind, sondern Namen.) >Identität/Kripke, >Starrheit, >Kennzeichnungen. I 120 Aktualismus/Stalnaker: Der Aktualismus ist keine restriktive metaphysische Theorie wie der Materialismus oder der Nominalismus; er ist einfach eine triviale Konsequenz der Bedeutung von "aktual". >Materialismus, >Nominalismus. I 128 Präsentismus/Stalnaker: (s.o.) Präsentismus ist analog zum Aktualismus in Bezug auf mögliche Welten. >Präsentismus. These: Wir sind in der Zeit erstreckt so wie wir über mögliche Welten erstreckt sind. Dann können wir echte zeitliche Identität haben (Stalnaker pro). Fusion/Spaltung/personale Identität: Fälle der Fusion oder Spaltung sind dann Fälle, wo getrennte Personen früher identisch waren bzw. eine Person in zwei geteilt wird. >Personale Identität, >Fusion, >Spaltung. |
Stalnaker I R. Stalnaker Ways a World may be Oxford New York 2003 |
| Arten | Dennett | Arten/Dennett: Dennett diskutiert verschiedene Autoren: I 48 Natürliche Art/Philosophie/Quine/Dennett: Quine unterscheidet damit gute und schlechte wissenschaftliche Kategorien. >Kategorien. Art/Darwin/Dennett: Darwin erwähnt die Artbildung überhaupt nicht! Aber: I 55: "Abstammung mit Abwandlung"! Anpassung/Darwin/Dennett: Natürliche Selektion führt zwangsläufig zur Anpassung. Art/Darwin/Dennett: Aufspaltung durch unterschiedliche Fähigkeiten und Eigenschaften. Genetik/Dennett: Genetik war zu Darwins Zeit noch nicht bekannt. Mendel forschte 50 Jahre später. Art/Darwin/Dennett: Art ist eigentlich willkürlich! Der Begriff wird aus Bequemlichkeit auf eine Reihe von Individuen angewendet! >Konventionen. I 56 Art/Dawkins: Es gibt nichts, was die Artbildung wünscht! Vor der Trennung muss es eine Phase der "vorläufigen Trennung" geben. Art/Dennett: Frage: Gehören Lebewesen zu verschiedenen Arten, wenn sie sich nicht kreuzen können oder wenn sie es einfach nicht tun? >Evolution, >Selektion, >Darwinismus. |
Dennett I D. Dennett Darwins gefährliches Erbe Hamburg 1997 Dennett II D. Dennett Spielarten des Geistes Gütersloh 1999 Dennett III Daniel Dennett "COG: Steps towards consciousness in robots" In Bewusstein, Thomas Metzinger Paderborn/München/Wien/Zürich 1996 Dennett IV Daniel Dennett "Animal Consciousness. What Matters and Why?", in: D. C. Dennett, Brainchildren. Essays on Designing Minds, Cambridge/MA 1998, pp. 337-350 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 |
| Bereiche | Hintikka | II 98 Individuenbereich/Mögliche Welten/Montague/Hintikka: These: Montague nimmt einen konstanten Individuenbereich an. >Mögliche Welten. HintikkaVsMontague: Gerade das führt zu Problemen, insbesondere in Glaubenskontexten. Individuum/Montague: Individuen sind der Bereich der Funktionen, die als Sinn eines singulären Terms funktionieren. >Singuläre Termini. Glaubenskontext/opaker Kontext/Glauben/propositionale Einstellungen/HintikkaVsMontague: Problem: Montague widmet Kontexten mit propositionalen Einstellungen (Einstellungskontexten) keine gesonderte Behandlung, Bsp „wissen wer“, Bsp „sich erinnern wo“, Bsp „sehen was“. Das ist ein Mangel, weil Montague sein Interesse an propositionalen Einstellungen zugestanden hatte. >Propositionale Einstellungen. II 176 Bereich/Variable/Individuenvariablen/Quantifikation/Hintikka: Mein eigener Ansatz (Semantik möglicher Welten) ist „Interpretation des beschränkten Bereichs“ genannt worden. HintikkaVs: Das missversteht die logische Situation: Es geht darum, dass die Individuen für die Menge von Welten wohldefiniert sein müssen, mit der wir es zu tun haben. Pointe: Die Menge von Welten wechselt mit den propositionalen Einstellungen. Sie muss die aktuale Welt z.B. gar nicht enthalten! Vgl. >Hyperintensionalität. Propositionale Einstellungen/Hintikka/(s): Verschiedene Einstellungen (Glauben, Zweifeln, Sehen usw.) verlangen verschiedene Mengen von Welten. Variablen/Werte/Hintikka: Es kann sein, dass der Bereich unserer Variablen eine Obermenge der Menge der aktualen Individuen ist (wenn die Menge der möglichen Welten nicht die aktuale Welt enthält). Bsp Es kann sein, dass jemand korrekte Überzeugungen über alle aktualen Individuen hat, aber zusätzlich fälschlicherweise glaubt, dass noch weitere Individuen existieren, die er sich aber nur vorstellt. Hintikka: Daher kann mein Ansatz mit gleichem Recht einer des „erweiterten Bereichs“ genannt werden. II 176 Individuenbereich/Bereich/Variablen/Werte/Russell/Hintikka: Russell scheint dagegen wirklich einen Satzes des beschränkten Bereichs vertreten zu haben, indem er ihn auf Objekte der Bekanntschaft beschränkte. II 196 Mögliche Welt/Individuenbereich/HintikkaVsKripke: Man sollte nicht fordern, dass die Individuen beim Wechsel von Welt zu Welt dieselben bleiben müssen. Die Rede von Welten ist leer, wenn es keine möglichen Erfahrungen gibt, die sie unterscheiden könnten. Vgl. >Zentrierte Welten. Mögliche Welten/Hintikka: Mögliche Welten sollten am besten als durch die verbundenen möglichen Gesamtheiten der Erfahrung bestimmt werden. Und dann kann Spaltung nicht ausgeschlossen werden. II 196 Spaltung/Hintikka: Spaltung ist bei einigen wenigen Modellen der Querwelteinidentifikation und Re-Identifikation in der Zeit sinnvoll. Bsp Ein Computer könnte auseinandergenommen werden und zwei Computer daraus gebaut werden. Das könnte später wieder revidiert werden. Re-Identifikation/Reidentifikation/Hintikka: Re-Identifikation ist der Schlüssel zu Fällen von Spaltung und Fusion. Spaltung/Hintikka: Es gibt einen strukturellen Grund, warum sie so selten ist: Wenn Weltlinien aus infinitesimalen Elementen zusammengesetzt sind wie die Lösungen von Differentialgleichungen (s.o.), entspricht die Spaltung einer Singularität, und dies ist ein seltenes Phänomen. Spaltung/Hintikka: Die Argumente gegen sie sind zirkulär in einem tiefen Sinn. Sie basieren auf der Idee, dass für Quantifikation der Individuenbereich fixiert bleiben sollte. (HintikkaVsKripke). |
Hintikka I Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka Untersuchungen zu Wittgenstein Frankfurt 1996 Hintikka II Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka The Logic of Epistemology and the Epistemology of Logic Dordrecht 1989 |
| CO2-Steuer-Strategien | Fankhauser | Fankhauser I 6 CO2-Steuer-Strategien/Carattini/Carvalho/Fankhauser: Ein weiteres entscheidendes Merkmal einer CO2-Steuer ist, wie ihre Einnahmen ausgegeben werden sollen. In der Literatur wurden insbesondere drei Strategien für das Verwenden der Einnahmen untersucht: die Zweckbindung von Einnahmen zur Unterstützung von Projekten zur Emissionsminderung, die Umverteilung von Einnahmen zur Erzielung eines gerechteren (weniger steuerlich regressiven) Ergebnisses und die Senkung anderer Steuern zur Erzielung eines einnahmenneutralen Ergebnisses. Die Verwendung von Steuereinnahmen für zusätzliche Emissionsminderungen gibt den Wählern die Sicherheit, dass die Steuer wirksam ist und das Umweltziel erreicht wird (Baranzini & Carattini, 2017(1); Kallbekken et al., 2011(2); Sælen & Kallbekken, 2011(3)). >Emissionsrechte, >Emissionsminderung, >Emissionsziele, >Emissionen, >Emissionsrechtehandel, >Klimawandel, >Klimaschäden, >Energiepolitik, >Klimadaten, >Klimageschichte, >Klimagerechtigkeit, >Klimaperioden, >Klimaschutz, >Klimaziele, >Klimafolgenforschung, >CO2-Preis, >CO2-Preis-Koordinierung, >CO2-Preis-Strategien, >CO2-Steuer, >CO2-Steuer-Strategien. 1. Zweckbindung von Einnahmen: Die Attraktivität der Zweckbindung von CO2-Steuergeldern wurde in einer Reihe von Kontexten nachgewiesen (vgl. Baranzini & Carattini, 2017(1); Beuermann & Santarius, 2006(4); Bristow, Wardman, Zannia, & Chintakayalab, 2010(5); Carattini et al..., 2017(6); Clinch & Dunne, 2006(7); Deroubaix & Lévèque, 2006(8); Dresner, Jackson, & Gilbert, 2006(9); Gevrek & Uyduranoglu, 2015(10); Kallbekken & Aasen, 2010(11); Kallbekken & Sælen, 2011(3); Klok et al., 2006(12); Thalmann, 2004(13)). Das Interesse an der Zweckbindung spiegelt zwei Bedenken der Wähler wider. Das erste ist ein Mangel an Vertrauen in die Regierung[.] Die zweite Sorge sind Zweifel an der Wirksamkeit von CO2-Steuern (...). Die Zweckbindung signalisiert der Öffentlichkeit, dass Anstrengungen unternommen werden, um kohlenstoffarme Optionen sowohl technologisch als auch kommerziell rentabler zu machen, und so die persönlichen Kosten für Verhaltensänderungen zu senken (Kallbekken & Aasen, 2010)(11). Die Zweckbindung wird auch als mögliche Lösung für eine vermeintliche Teilinvestition in kohlenstoffarme Forschung und Entwicklung angesehen. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass die Zweckbindung von Einnahmen für Umweltzwecke möglicherweise keine universelle Lösung darstellt. Eine von Jagers und Hammar (2009) durchgeführte schwedische Umfrage(14) ergab, dass die Befragten nicht bereit waren, die CO2-Steuersätze zu erhöhen, da sie der Meinung waren, dass die von ihnen auf Kraftstoffe gezahlten CO2-Steuern bereits hoch genug waren. Die Befragten bevorzugten eine Alternative Fankhauser I 7 wie die Senkung der Steuern auf saubere Energiequellen, der Ausbau des öffentlichen Verkehrs und die Intensivierung von Informationskampagnen über den Beitrag von Fahrzeugen zum Klimawandel. Zusätzliche Hinweise deuten darauf hin, dass die Präferenzen für das Wiederverwenden der Einnahmen kontextabhängig sein können. Carattini et al. (2017)(6) fanden heraus, dass die Bereitstellung von Informationen über die Umwelteffektivität verschiedener CO2-Steuern die Präferenz für Umwelt-Zweckbindung verringert. 2. Umverteilung - Ausgleich für Haushalte mit niedrigem Einkommen: In der Literatur wurden mehrere Strategien vorgeschlagen, um potenzielle nachteilige Verteilungseffekte einer CO2-Steuer anzugehen, einschließlich der einflussreichen Perspektiven von Speck (1999)(15), Baranzini, Goldemberg und Speck (2000)(16) und Metcalf (2009)(17). [Es gibt zwei Hauptoptionen für die Entschädigung:] Entschädigung durch Pauschalübertragungen und soziale Abfederung. Fankhauser I 8 (...) wenn es einen klaren Kompromiss bei der Verwendung der Einnahmen zwischen umweltbezogener Zweckbindung und sozial fortschrittlichen Umverteilungsformen gibt, neigen die Menschen dazu, die Einnahmen lieber für umweltbezogene Zweckbindung zu verwenden (Baranzini & Carattini, 2017(1); Sælen & Kallbekken, 2011(3)). In der Studie von Carattini et al. (2017)(6) waren die bevorzugten Optionen für die Verwendung von Einnahmen die Umverteilung durch Pauschaltransfers und die soziale Abfederung. 3. Kürzung der sonstigen Steuern und Sicherung der vollen oder teilweisen Steuerneutralität: Empirische Studien zeigen, dass die Senkung anderer Steuern die am wenigsten populäre Umverteilungsstrategie ist (Beuermann & Santarius, 2006(4); Dresner, Jackson, & Gilbert, 2006(9); Klok et al., 2006(12); Thalmann, 2004(13)). Dies steht im Gegensatz zur Meinung vieler Ökonomen, für die die Verwendung von Steuereinnahmen zur Reduzierung verzerrter Steuern die ideale Lösung ist. Indem man die CO2-Steuer-Einnahmen, die auf "Schlechtigkeiten" wie Treibhausgasemissionen erhoben werden, nutzt, um verzerrende Steuern auf Arbeit, Gewinn oder Konsum zu reduzieren (welche unerwünschte Aktivitäten verhindern) kann man hoffen, neben der Emissionsreduzierung eine höhere Wirtschaftsleistung zu erzielen und so eine "doppelte Dividende" zu erhalten (vgl. Goulder, 1995)(18). Ein Grund für den Widerstand der Öffentlichkeit ist, dass die Wähler nicht unbedingt an die Logik der doppelten Dividende glauben. Sie nehmen diese als getrennte Probleme wahr, die getrennte Lösungen erfordern. Ein weiterer Grund für die öffentliche Opposition ist das mangelnde Vertrauen in Politiker und Finanzbehörden (Hammar & Jagers, 2006)(19). Sobald die Strategie umgesetzt ist, können die Regierungen Informationsmittel nutzen, um die Sichtbarkeit der Steuerverlagerung zu erhöhen. Die Kompensation kann sichtbar gemacht werden, indem der Betrag des Einkommens, der auf Lohnzettel, Steuerbelege oder Beiträge zur Sozialversicherung erstattet wird, angezeigt wird (Clinch, Dunne, & Dresner, 2006(20); Dresner, Dunne, et al., 2006(21); Hsu et al. 2008(22)). Nachfolgend bieten wir [Carattini, Carvalho, Fankhauser] einige konkrete Gestaltungsmöglichkeiten, die besonders vielversprechend erscheinen, um die öffentliche Unterstützung zu erhöhen. Fankhauser I 9 1. Schrittweise Einführung der CO2-Steuer im Laufe der Zeit: Durch die schrittweise Einführung von CO2-Steuern können die politischen Entscheidungsträger die Tatsache nutzen, dass die Abneigung tendenziell nachlässt, sobald Menschen eine Methode in der Praxis gesehen haben. Ein langsame Steigerung oder sogar eine Probezeit gibt Einzelpersonen die Möglichkeit, die Kosten und den Nutzen der Steuer abzuschätzen. Die Steuern können dann schrittweise angehoben werden, bis sie das zur Erreichung des Umweltziels erforderliche Niveau erreichen. Beachten Sie, dass dies bedeuten kann, dass der CO2-Steuersatz je nach Konjunkturzyklus nicht schwanken darf, obwohl diese Art der Flexibilität eine Verbesserung der Sozialhilfe darstellen könnte (vgl. Doda, 2016)(23). Das Risiko bei dieser Strategie besteht darin, dass die CO2-Steuern auf einem Niveau stagnieren könnten, das nicht ausreicht, um die angestrebten Ziele zu erreichen. Es gibt zwei potenzielle und ergänzende Lösungen, um dieses Risiko zu überwinden. Die erste Lösung basiert auf dem gesellschaftlichen Lernen. Die zweite Lösung verwendet Mittel zur Verpflichtung (engl. "Commitment Devices"). 2. Zweckbindung von Steuereinnahmen für zusätzlichen Klimaschutz: Wähler bevorzugen es, Steuereinnahmen an einen Zweck zu binden und die Einnahmen für zusätzliche Reduzierungen der Treibhausgasemissionen zu verwenden. Sie sind besonders daran interessiert, Forschung und Entwicklung mit geringem CO2-Ausstoß sowie Subventionen zur Förderung des Einsatzes zu unterstützen. Die Nachfrage nach Umwelt-Zweckbindung kann im Laufe der Zeit sinken, wenn Menschen die Auswirkungen der Steuer beobachten und ihre Überzeugungen aktualisieren. Die Regierungen können diesen Prozess erneut unterstützen, indem sie wirksame Informationen über die Emissionsentwicklung, die Verteilungseffekte der Steuer und etwaige zusätzliche Vorteile bereitstellen. Die Einnahmen können dann schrittweise freigesetzt werden, um andere Quellen der Wähleraversion zu beseitigen oder wirtschaftliche Gewinne zu erzielen. Die Einschränkung der Zweckbindung kann auch die Bedenken einer Regierung hinsichtlich der Haushaltsführung zerstreuen. 3. Umverteilung von Steuern zur Verbesserung der Fairness: CO2-Steuern können akzeptabler gestaltet werden, wenn Steuereinnahmen verwendet werden, um wichtige gesellschaftliche Belange anzugehen. Fankhauser I 10 Während das Ziel einer CO2-Steuer darin besteht, die Klimaexternalität und nicht das Problem der Zunahme von Ungleichheiten anzugehen, besteht möglicherweise weiterhin die Erwartung, dass die CO2-Steuern so gestaltet werden, dass sie zumindest nicht zu einer ungleicheren Verteilung führen. Durch Kapitaltransfers und Maßnahmen zur sozialen Abfederung können CO2-Steuern so gestaltet werden, dass sie sowohl einnahmenneutral als auch progressiv sind, um die Kosten für Haushalte mit niedrigem Einkommen zu senken. Einige Wähler sind jedoch möglicherweise misstrauisch gegenüber dem langfristigen Engagement einer Regierung für die Umverteilung. Um diese Befürchtungen zu zerstreuen, können Regierungen Verpflichtungsinstrumente einsetzen, beispielsweise explizite Pläne zur Umverteilung der Einnahmen. 4. Informationsaustausch und Kommunikation: Ein letzter Vorschlag bezieht sich auf alle Bemühungen zur Einführung einer CO2-Steuer, unabhängig von der Verwendung der Einnahmen oder dem Grad der Stringenz. Sobald die politischen Entscheidungsträger über die Einführung einer CO2-Steuer nachdenken, sollten sie detaillierte Informationen (die durch Analysen und möglicherweise Modellsimulationen gewonnen werden) bereitstellen, um den Prozess der öffentlichen Konsultationen zu steuern und die Anliegen der Wähler vorbeugend anzugehen. Diese Offenlegung würde idealerweise erfolgen, bevor die Wähler zu einer Abstimmung aufgerufen werden oder bevor der Gesetzgeber eine CO2-Steuergesetzgebung im Parlament erwägt. Fankhauser I 11 Die Kommunikationsbemühungen müssen fortgesetzt werden, sobald die Strategie umgesetzt ist. Da die Auswirkungen der CO2-Steuern häufig nicht sichtbar sind, werden die Regierungen aufgefordert, die Auswirkungen der Steuer regelmäßig zu messen und ihre Bürger transparent darüber zu informieren. Kommunikationsstrategien müssen möglicherweise an die Überzeugungen und Weltanschauungen der Zielgruppe angepasst werden (Cherry et al., 2017)(24) und berücksichtigen auch die potenziellen Auswirkungen politischer Polarisierung und parteiübergreifender Spaltungen (Hart & Nisbet, 2012(25)); Kahan et al., 2011 (26)). 1. Baranzini, A., & Carattini, S. (2017). Effectiveness, earmarking and labeling: Testing the acceptability of carbon taxes with survey data. Environmental Economics and Policy Studies, 19(1), 197–227. 2. Kallbekken, S., Kroll, S., & Cherry, T. L. (2011). Do you not like Pigou, or do you not understand him? Tax aversion and revenue recycling in the lab. Journal of Environmental Economics and Management, 62(1), 53–64. 3. Sælen, H., & Kallbekken, S. (2011). A choice experiment on fuel taxation and earmarking in Norway. Ecological Economics, 70(11), 2181–2190. 4. Beuermann, C., & Santarius, T. (2006). Ecological tax reform in Germany: Handling two hot potatoes at the same time. Energy Policy, 34(8), 917–929. 5. Bristow, A. L., Wardman, M., Zannia, A. M., & Chintakayalab, P. K. (2010). Public acceptability of personal carbon trading and carbon tax. Ecological Economics, 69(9), 1824–1837. 6. Carattini, S., Baranzini, A., Thalmann, P., Varone, P., & Vöhringer, F. (2017). Green taxes in a post-Paris world: Are millions of nays inevitable? Environmental and Resource Economics, 68(1), 97–128. 7. Clinch, J. P., & Dunne, L. (2006). Environmental tax reform: An assessment of social responses in Ireland. Energy Policy, 34(8), 950–959. 8. Deroubaix, J.-F., & Lévèque, F. (2006). The rise and fall of French ecological tax reform: Social acceptability versus political feasibility in the energy tax implementation process. Energy Policy, 34, 940–949. 9. Dresner, S., Jackson, T., & Gilbert, N. (2006). History and social responses to environmental tax reform in the United Kingdom. Energy Policy, 34(8), 930–939. 10. Gevrek, Z. E., & Uyduranoglu, A. (2015). Public preferences for carbon tax attributes. Ecological Economics, 118, 186–197. 11. Kallbekken, S., & Aasen, M. (2010). The demand for earmarking: Results from a focus group study. Ecological Economics, 69(11), 2183–2190. 12. Klok, J., Larsen, A., Dahl, A., & Hansen, K. (2006). Ecological tax reform in Denmark: History and social acceptability. Energy Policy, 34(8), 905–916. 13. Thalmann, P. (2004). The public acceptance of green taxes: 2 million voters express their opinion. Public Choice, 119, 179–217. 14. Jagers, S. C., & Hammar, H. (2009). Environmental taxation for good and for bad: The efficiency and legitimacy of Sweden's carbon tax. Environmental Politics, 18(2), 218–237. 15. Speck, S. (1999). Energy and carbon taxes and their distributional implications. Energy Policy, 27(11), 659–667. 16. Baranzini, A., Goldemberg, J., & Speck, S. (2000). A future for carbon taxes. Ecological Economics, 32(3), 395–412. 17. Metcalf, G. E. (2009). Designing a carbon tax to reduce U.S. greenhouse gas emissions. Review of Environmental Economics and Policy, 3(1), 63–83. 18. Goulder, L. H. (1995). Environmental taxation and the double dividend: A reader's guide. International Tax and Public Finance, 2(2), 157–183. 19. Hammar, H., & Jagers, S. C. (2006). Can trust in politicians explain individuals' support for climate policy? The case of CO2 tax. Climate Policy, 5(6), 613–625. 20. Clinch, J. P., Dunne, L., & Dresner, S. (2006). Environmental and wider implications of political impediments to environmental tax reform. Energy Policy, 34(8), 960–970. 21. Dresner, S., Dunne, L., Clinch, P., & Beuermann, C. (2006). Social and political responses to ecological tax reform in Europe: An introduction to the special issue. Energy Policy, 34(8), 895–904. 22. Hsu, S. L., Walters, J., & Purgas, A. (2008). Pollution tax heuristics: An empirical study of willingness to pay higher gasoline taxes. Energy Policy, 36(9), 3612–3619. 23. Doda, B. (2016). How to price carbon in good times ... and bad! WIREs Climate Change, 7(1), 135–144. 24. Cherry, T. L., Kallbekken, S., & Kroll, S. (2017). Accepting market failure: Cultural worldviews and the opposition to corrective environmental policies. Journal of Environmental Economics and Management, 85, 193–204. 25. Hart, P. S., & Nisbet, E. C. (2012). Boomerang effects in science communication: How motivated reasoning and identity cues amplify opinion polarization about climate mitigation policies. Communication Research, 39(6), 701–723. 26. Kahan, D., Wittlin, M., Peters, E., Slovic, P., Ouellette, L., Braman, D., & Mandel, G. (2011). The tragedy of the risk-perception commons: Culture conflict, rationality conflict, and climate change (SSRN Scholarly Paper). Rochester, NY: Social Science Research Network. Stefano Carattini, Maria Carvalho & Sam Fankhauser, 2018: “Overcoming public resistance to carbon taxes”. In: Stéphane Hallegatte, Mike Hulme (Eds.), WIREs Climate Change, Vol. 9/5, pages 1-26. |
Fankhauser I Samuel Fankhauser Stefano Carattini Maria Carvalho, Overcoming public resistance to carbon taxes In Wiley Interdisciplinary Reviews: Climate Change Vo, 2018 |
| Dualismus | Morozov | I 153 Dualismus/Digitaler Dualismus/Online/Offline/Nathan Jurgenson/Morozov: Die Tendenz, eine Spaltung zwischen Online und Offline anzunehmen, nennt der Soziologe Nathan Jurgenson „Digitalen Dualismus“. Er selbst vertritt die These, dass diese Spaltung nicht aufrechtzuerhalten sei. (JurgensonVsDigitaler Dualismus). Digitaler Dualismus/Jurgenson/Morozov: Der Digitale Dualismus nimmt an, dass "das Virtuelle" auf das "Reale" einwirkt oder dass Online-Verbindungen den Offline-Verbindungen in irgendeiner Weise unterlegen sind. (1) Dualismus/Wissenschaft/Technologie/Natur/Gesellschaft/Morozov: Diese Art von Dualismus war und ist verbreitet in anderen Wissenschaften, der Soziologie und der Geschichtsschreibung (2). >Blogs/Morozov, >Geschichtsschreibung, >Soziologie, >Wissenschaft. 1. Nathan Jurgenson, “The IRL Fetish,” The New Inquiry, June 28, 2012, http:// thenewinquiry.com/ essays/ the-irl-fetish. 2. see Bruno Latour, We Have Never Been Modern (Cambridge, MA: Harvard University Press, 1993), and Donna Haraway, The Haraway Reader (New York: Routledge, 2003). |
Morozov I Evgeny Morozov To Save Everything, Click Here: The Folly of Technological Solutionism New York 2014 |
| Erklärungen | Mayr | I 99 Biologie: Fragen: Bsp Einzigartige Ereignisse: "Warum gibt es keine Kolibris in der alten Welt"? Bsp "Wo nahm der Homo sapiens seinen Ausgang?" Das führt zur historischen Darstellung als einzig möglicher Form. Diese Herangehensweise ist grundsätzlich anders als die Erklärung mittels kausaler Gesetze. Man kann niemals kategorisch beweisen, dass eine historische Darstellung "wahr" ist. >Einzelfallverursachung, >Kausalität, >Kausalerklärung, >Geschichte, >Geschichtsschreibung. I 100 Reproduzierbarkeit/Wissenschaft: Die Einzigartigkeit ist nicht der belebten Natur vorbehalten! Bsp Jeder der neun Planeten ist einzigartig. Auf der Erde hat jeder Gebirgszug und jeder Flusslauf einzigartige Kennzeichen. Hume/Wissenschaft: Wissenschaft kann nichts Befriedigendes über die Ursache irgendeines einzigartigen Phänomens aussagen. >Ursachen, >Wirkung, >Kausalität/Hume. MayrVsHume: Die historische Darstellung kann einzigartige Ereignisse oftmals zufriedenstellend erklären und manchmal sogar überprüfbare Vorhersagen treffen. >Geschichte/Mayr. I 101 Geschichte/Kausalität/Mayr: Frühere Ereignisse tragen gewöhnlich durchaus kausal zu späteren bei. "Partikularistische Kausalität". I 103 Biologie/Erklärung/Mayr: In der Biologie finden wir oft mehr als eine kausale Erklärung. Vielleicht muss man die meisten Phänomene der Biologie sogar mit mehreren Theorien erklären! Eine Wissenschaftstheorie, die mit Pluralismus nicht zurechtkommt, ist für die Biologie ungeeignet. >Theorien. I 166 Erklärung/Biologie: Erklärung durch unmittelbare Ursachen: Molekularbiologie, funktionelle Morphologie, Entwicklungsbiologie, physiologische Genetik. Erklärung durch mittelbare Ursachen: Evolutionsbiologie, klassische Genetik, Ethologie, Systematik, vergleichende Morphologie, Ökologie. Problem: Spaltung der Morphologie und der Genetik: Überschneidungen. |
Mayr I Ernst Mayr Das ist Biologie Heidelberg 1998 |
| Ethik | Putnam | III 113f Ethik/Begriffe/Bernard Williams/Murdoch: Ethische Begriffe sind 1. porös: Bsp "gut und richtig". Einige sind stärker deskriptiv und weniger abstrakt: Bsp "grausam", "keusch," usw. Murdoch: Auch deskriptive Komponenten sind interessenrelativ. VsNon-Kognitivismus: Seine Aufspaltung in deskriptiv/präskriptiv gelingt nicht, weil man die Komponenten nicht benennen kann, ohne selbst ein Wort wie "grausam" zu gebrauchen (zirkulär). >Nonkognitivismus, >Präskriptivismus. Murdoch: Die Welt ist nicht in Fakten und Werte zerlegbar. Williams: Ich bin auch dafür. Wir können aber unsere Begriffe auf jede Gesellschaft übertragen. III 116 "Dicht"/Williams: Bsp "keusch" kann sowohl als Wertung als auch als Beschreibung fungieren. III 117 PutnamVsWilliams: Es ist absurd und immer noch zu relativistisch, wenn "Gras ist grün" nicht die absolute Wahrheit sein soll (weil ich Farben wie Werte projiziere). Werte/Putnam: Werte sind dann noch schlechter dran als Farben, denn nachdem wir herausgekriegt haben, dass wir sie projizieren, verlieren wir unsere Fähigkeit, sie zu gebrauchen. >Werte. III 128 PutnamVsWilliams: Dies ist zu kompliziert metaphysisch. Def Wertungen/Dewey: Wertungen ergeben sich aus einer Kritik verschiedener Problemlösungsverfahren. >Dewey. --- V 190 Ethik/Sprache/Bedeutung/Werte/Putnam: Bsp Superbenthamianer: Der Superbenthamianer billigt die gräulichsten Taten zum "Wohl der Mehrheit". Nach einer Weile trennt sich der Sprachgebrauch in Bezug auf "aufrichtig" zwischen ihm und uns. Das heißt nicht, dass wir und der Superbenthamianer hinsichtlich der Fakten einig sind und in Bezug auf die Werte uneinig - wir leben in verschiedenen Welten. >Utilitarismus. V 208 PutnamVsBentham: Wir haben einen Grund, die Poesie dem Floh-Hüpfen vorzuziehen: Das Erlebnis großer Dichtung und ihre Nachwirkungen. V 282 Ethik/PutnamVsBentham: (Bsp Floh-Hüpfen): Es ist kein Vorurteil, die Poesie vorzuziehen. Der Gedanke, dass Werte nicht zu den Bausteinen der Welt gehören, und der Gedanke dass "Werturteile" "Vorurteile" ausdrücken, sind zwei Seiten derselben Medaille. PutnamVsSolipsismus: Solipsismus ist unmoralisch. Nicht jeder ist in einer solipsistischen Hölle gefangen. Wir sollten uns am Diskurs beteiligen. >Solipsismus. |
Putnam I Hilary Putnam Von einem Realistischen Standpunkt In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Frankfurt 1993 Putnam I (a) Hilary Putnam Explanation and Reference, In: Glenn Pearce & Patrick Maynard (eds.), Conceptual Change. D. Reidel. pp. 196--214 (1973) In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (b) Hilary Putnam Language and Reality, in: Mind, Language and Reality: Philosophical Papers, Volume 2. Cambridge University Press. pp. 272-90 (1995 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (c) Hilary Putnam What is Realism? in: Proceedings of the Aristotelian Society 76 (1975):pp. 177 - 194. In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (d) Hilary Putnam Models and Reality, Journal of Symbolic Logic 45 (3), 1980:pp. 464-482. In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (e) Hilary Putnam Reference and Truth In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (f) Hilary Putnam How to Be an Internal Realist and a Transcendental Idealist (at the Same Time) in: R. Haller/W. Grassl (eds): Sprache, Logik und Philosophie, Akten des 4. Internationalen Wittgenstein-Symposiums, 1979 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (g) Hilary Putnam Why there isn’t a ready-made world, Synthese 51 (2):205--228 (1982) In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (h) Hilary Putnam Pourqui les Philosophes? in: A: Jacob (ed.) L’Encyclopédie PHilosophieque Universelle, Paris 1986 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (i) Hilary Putnam Realism with a Human Face, Cambridge/MA 1990 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (k) Hilary Putnam "Irrealism and Deconstruction", 6. Giford Lecture, St. Andrews 1990, in: H. Putnam, Renewing Philosophy (The Gifford Lectures), Cambridge/MA 1992, pp. 108-133 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam II Hilary Putnam Repräsentation und Realität Frankfurt 1999 Putnam III Hilary Putnam Für eine Erneuerung der Philosophie Stuttgart 1997 Putnam IV Hilary Putnam "Minds and Machines", in: Sidney Hook (ed.) Dimensions of Mind, New York 1960, pp. 138-164 In Künstliche Intelligenz, Walther Ch. Zimmerli/Stefan Wolf Stuttgart 1994 Putnam V Hilary Putnam Vernunft, Wahrheit und Geschichte Frankfurt 1990 Putnam VI Hilary Putnam "Realism and Reason", Proceedings of the American Philosophical Association (1976) pp. 483-98 In Truth and Meaning, Paul Horwich Aldershot 1994 Putnam VII Hilary Putnam "A Defense of Internal Realism" in: James Conant (ed.)Realism with a Human Face, Cambridge/MA 1990 pp. 30-43 In Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994 SocPut I Robert D. Putnam Bowling Alone: The Collapse and Revival of American Community New York 2000 |
| Evolution | Gould | Dennett I 412 Evolution/Gould: These: Der entscheidende Unterschied in der Evolution ist nicht die schlichte Anpassung sondern die Artbildung (DennettVs). Gould: These: Arten sind zerbrechliche, aber unveränderliche Gebilde. Es gibt keine Verbesserungen bei Arten sondern geschlossenes Verwerfen. Richtige Ebene: Die richtige Ebene sind nicht die Gene sondern ganze Arten oder Klades. Arten/Gould/(s): Arten werden nicht verbessert, sondern verworfen. Ebene/Erklärung/Dennett: Die Erklärung erfolgt wie bei Software/Hardware. Einiges wird besser auf der einen, anderes auf der anderen Ebene erklärt. >Erklärung, >Darwinismus. Gould I 88ff Evolution/Darwinismus/Individuum/Gould: Individuen entwickeln sich nicht evolutionär, sie können nur wachsen, sich fortpflanzen und sterben. Evolutionäre Veränderungen treten auf bei Gruppen von miteinander interagierenden Organismen. Arten sind die Einheiten der Evolution. Orthodoxer Darwinismus/Gould: These: Gene mutieren, Individuen unterliegen der Selektion, Arten entwickeln sich evolutionär. I 131 Evolution/Gould: These: Ich stelle mir die Evolution nicht als Leiter sondern eher in Form eines Strauchs mit vielen Verzweigungen vor. Daher: Je mehr Arten desto besser. I 133 Die Wichtigkeit dieses Punkts kann man an der Entwicklung der Moleküle sehen. Die Zahl der Unterschiede zwischen den Aminosäuren korreliert deutlich mit der Zeit seit der Abzweigung von Entwicklungslinien. Je länger die Trennung, desto größer die Unterschiede. So hat man eine molekulare Uhr entwickelt. Die Darwinisten waren generell überrascht von der Regelmäßigkeit dieser Uhr. Denn die Selektion sollte eigentlich mit erkennbar unterschiedlicher Geschwindigkeit bei den verschiedenen Entwicklungslinien zu verschiedenen Zeiten vorgehen. I 134 VsDarwinismus: Die Darwinisten sind tatsächlich gezwungen, zu erwägen, dass die regelmäßige molekulare Uhr eine Evolution wiedergibt, die nicht der Selektion unterliegt, sondern der zufälligen Fixierung neutraler Mutationen. Wir haben uns nie von der Auffassung der Evolution des Menschen trennen können, die das Gehirn in den Mittelpunkt stellt. Der Australopithecus afarensis widerlegte das, wie es übrigens von scharfsinnigen Evolutionstheoretikern wie Ernst Haeckel und Friedrich Engels vorausgesagt worden war. Tradition: Allgemeine Auffassung: Dass der aufrechte Gang eine leicht erreichbare allmähliche Entwicklung, und der Zuwachs des Gehirnvolumens einen überraschend schnellen Sprung darstellte. I 136 GouldVs: Ich möchte die gegenteilige Auffassung vertreten. Nach meiner Auffassung ist der Aufrechtgang eine Überraschung, ein schwer zu erreichendes Ereignis, eine rasche und fundamentale Umgestaltung unserer Anatomie. Die darauf folgende Vergrößerung unseres Gehirns ist in anatomischen Begriffen ein sekundäres Epiphänomen, ein einfacher Übergang, eingebettet in das allgemeine Muster der menschlichen Evolution. Zweifüßigkeit ist keine einfache Errungenschaft, sie setzt eine fundamentale Umgestaltung unserer Anatomie, insbesondere der Füße und des Beckens, voraus. I 191 Evolution/Gould: Evolution geht im Wesentlichen auf zweierlei Weise vor sich: a) Def phyletische Transformation: Eine Gesamtpopulation verändert sich von einem Zustand zu einem anderen hin. Würden sich alle evolutionären Veränderungen auf diese Weise ereignen, könnte sich das Leben nicht lange halten. Denn bei einer phyletischen Transformation kommt es nicht zu einer Zunahme an Mannigfaltigkeit und Vielgestaltigkeit, nur zur Transformation von einem Zustand zu einem anderen. Da nun Aussterben (durch Ausrottung) so verbreitet ist, würde bald alles vernichtet, das nicht die Fähigkeit zur Anpassung hat. b) Def Speziation: neue Arten zweigen sich von bisherigen ab. Alle Theorien der Speziation gehen davon aus, dass Aufspaltungen bei sehr kleinen Populationen rasch eintreten. Bei der "sympatrischen" Speziation treten neue Formen innerhalb des Verbreitungsgebiets der bisherigen Form auf. Große stabile Zentralpopulationen üben einen starken homogenisierenden Einfluss aus. Neue Mutationen werden durch die starken bisherigen Formen beeinträchtigt: Sie mögen langsam an Häufigkeit zunehmen, aber eine veränderte Umwelt setzt gewöhnlich ihrer selektiven Wert herab, lange bevor sie sich durchsetzen können. Mithin sollte eine phyletische Transformation der großen Populationen sehr selten sein, wie dies auch die Fossilfunde beweisen. Anders sieht es an der Peripherie aus: Hier sind isolierte kleine Populationen sehr viel stärker dem Selektionsdruck ausgesetzt, weil die Peripherie die Grenze der ökologischen Toleranz der bisherigen Lebewesen markiert. I 266 Evolution/Biologie/Gould: Die Evolution geht durch Ersetzung der Nukleotide vor sich. II 243 Evolution/Gould: These: Die Evolution hat keine Tendenz. II 331 Evolution/Gould: Die offizielle Definition der Evolution/Gould: Def Evolution: Evolution ist die "Veränderung der Genfrequenzen in Populationen". (Der Prozess der zufälligen Zu- oder Abnahme der Genfrequenz wird Def "Gendrift" genannt.) Die neue Theorie des Neutralismus deutet an, dass viele wenn nicht gar die meisten Gene in individuellen Populationen ihre Häufigkeit primär dem Zufall verdanken. IV 199 Evolution/Artenreichtum: Der Wandel von wenigen Arten und vielen Gruppen zu wenigen Gruppen und vielen Arten würde selbst bei rein zufälligem Aussterben auftreten, wenn jeder Speziationsvorgang zu Beginn der Geschichte des Lebens von durchschnittlich größeren Veränderungen begleitet gewesen wäre. IV 221 Evolution/Gould. Vorevolutionäre Theorie: Die Kette des Seins ist die alte Idee, dass jeder Organismus ein Bindeglied darstellt. Sie verwechselt Evolution mit Höherentwicklung. Sie ist auch als primitive Form der Evolution missinterpretiert worden, hat aber damit nichts zu tun! Die These ist nachdrücklich antievolutionär. Problem: Es gibt keine Bindeglieder zwischen Wirbeltieren und Wirbellosen. IV 223 Zwischenform: Die Theorie nahm Asbest als Zwischenform zwischen Mineralien und Pflanzen an, aufgrund der faserartigen Struktur. Hydra und Korallen wurden als Zwischenform zwischen Pflanzen und Tieren angesehen. (Heute: Beides sind natürlich Tiere.) Absurd: Es ist absurd eine Ähnlichkeit zwischen Pflanzen und Pavianen herzustellen, durch die Analogie, dass Pflanzen ihre Blätter verlieren und Paviansäuglinge ihre Haare. IV 346 Evolution/Gould: Evolution entwickelt sich keineswegs in Richtung Komplexität, warum auch? |
Gould I Stephen Jay Gould Der Daumen des Panda Frankfurt 2009 Gould II Stephen Jay Gould Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991 Gould III Stephen Jay Gould Illusion Fortschritt Frankfurt 2004 Gould IV Stephen Jay Gould Das Lächeln des Flamingos Basel 1989 Dennett I D. Dennett Darwins gefährliches Erbe Hamburg 1997 Dennett II D. Dennett Spielarten des Geistes Gütersloh 1999 Dennett III Daniel Dennett "COG: Steps towards consciousness in robots" In Bewusstein, Thomas Metzinger Paderborn/München/Wien/Zürich 1996 Dennett IV Daniel Dennett "Animal Consciousness. What Matters and Why?", in: D. C. Dennett, Brainchildren. Essays on Designing Minds, Cambridge/MA 1998, pp. 337-350 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 |
| Föderalismus | Buchanan | Boudreaux I 44 Föderalismus/Buchanan/Boudreaux/Holcombe: Buchanan bezeichnet den Föderalismus als „eine ideale politische Ordnung“ mit mehreren Vorteilen. 1) Erstens drängt der Föderalismus die staatliche Produktion zu mehr marktorientierten Eigenschaften. Betrachten Sie eine Supermarkt-Analogie. Die Kunden können den Supermarkt betreten und aus einer Vielzahl von Artikeln wählen, die sie in ihre Warenkörbe legen wollen. Jeder Käufer kann individuell entscheiden, welche Artikel er kaufen möchte und welche nicht. Keiner von zwei Käufern muss die gleiche Auswahl treffen. Im Gegensatz dazu wird der Marktkorb, den eine Regierung bereitstellt, allen Bürgern im Zuständigkeitsbereich dieser Regierung zur Verfügung gestellt. Natürlich bewerben sich Politiker um ein Amt, indem sie den Wählern verschiedene politische Plattformen anbieten - verschiedene Warenkörbe -, aber alle Wähler erhalten am Ende den bestimmten Warenkorb, den der Wahlsieger anbietet. Der Föderalismus bietet den Bürgern mehr Wahlmöglichkeiten, weil sie zwischen verschiedenen Rechtssystemen wählen können. Natürlich ist diese Wahl nicht gerade so, als würde man seinen eigenen, individuellen Supermarktkorb füllen. Aber wenn eine Person die Wahl zwischen vielen Gerichtsbarkeiten hat, kann sie diejenige Gerichtsbarkeit bzw. denjenigen Korb wählen, der ihren Wünschen am nächsten kommt. Wie Buchanan sagt: „Der Grundsatz des Föderalismus ergibt sich direkt aus der Marktanalogie“ (Buchanan, 2001(1): 69). 2) Buchanan betrachtete den Föderalismus auch als einen Mechanismus, der das Handeln der Regierungen einschränkt. Am offensichtlichsten ist, dass im Föderalismus Menschen von einer lokalen oder provinziellen Gerichtsbarkeit in eine andere wechseln können. Da die Regierungen auf derselben Ebene in einem föderalen System bestrebt sind, Bürger zu halten und anzuziehen, haben sie daher stärkere Anreize, eine Mischung und Preisgestaltung von öffentlichen Gütern anzubieten, die für eine große Anzahl von Menschen attraktiv ist. Darüber hinaus kann der Föderalismus Regierungen auf verschiedenen Ebenen dazu ermutigen, sich gegenseitig zu kontrollieren. Dieses Ergebnis ist in der heutigen Gesellschaft am deutlichsten zu erkennen, wenn Regierungen auf höherer Ebene die Aktivitäten von Regierungen unterhalb dieser Ebene einschränken. Buchanan sieht aber auch eine potenzielle Rolle für Regierungen auf niedrigeren Ebenen bei der Überwachung und Kontrolle von Regierungen auf höheren Ebenen. Boudreaux I 45 Zu diesem Zweck empfiehlt er die Möglichkeit der Sezession. Wenn Regierungen auf unterer Ebene das Recht haben, sich aus dem Zuständigkeitsbereich einer Regierung auf höherer Ebene zurückzuziehen, hat die Regierung auf höherer Ebene stärkere Anreize, klug und effektiv zu regieren, als wenn eine Abspaltung unmöglich wäre. Es besteht auch ein Zusammenhang zwischen Föderalismus und individueller Freiheit, da der Föderalismus dem Einzelnen die Möglichkeit gibt, zwischen verschiedenen staatlichen Zuständigkeiten zu wählen. Die Wahlmöglichkeit an sich ist von Vorteil, aber die Tatsache, dass es diese Wahlmöglichkeit gibt, trägt auch dazu bei, dass Regierungen ihre Macht nicht missbrauchen, da missbrauchte Bürger leichter abwandern können. >Verfassung/Buchanan, >Externalitäten/Buchanan. 1. Buchanan, James M. (2001). Federalism, Liberty, and the Law. Liberty Fund. Buchanan, James M. (2006). Why I, Too, Am Not a Conservative: The Normative Vision of Classical Liberalism. Edward Elgar. |
EconBuchan I James M. Buchanan Politics as Public Choice Carmel, IN 2000 Boudreaux I Donald J. Boudreaux Randall G. Holcombe The Essential James Buchanan Vancouver: The Fraser Institute 2021 Boudreaux II Donald J. Boudreaux The Essential Hayek Vancouver: Fraser Institute 2014 |
| Föderalismus | Public Choice-Theorie | Parisi I 190 Föderalismus/Public-Choice-Theorie/Farber: Eine Theorie des Föderalismus, die mindestens auf Tiebout zurückgeht, sieht einen Wettbewerbsmarkt vor, mit der Bevölkerung als Konsumenten und den lokalen Jurisdiktionen als Verkäufern von Politiken. Unter den richtigen Umständen könnte dieser Prozess zu einer optimalen Ausrichtung zwischen individuellen Präferenzen und lokaler Politik führen, aber die Bedingungen für dieses Optimum erweisen sich als sehr restriktiv (Hills, 2010(1), S. 208-213). Optimum: Um ein Optimum zu erreichen, muss es genügend Gerichtsbarkeiten geben, die alle von der Öffentlichkeit gewünschten Kombinationen der öffentlichen Politiken anbieten, aber die Gerichtsbarkeiten müssen groß genug sein, um Überlauf-Effekte zu vermeiden und Beschäftigungsmöglichkeiten für diejenigen zu bieten, die dort leben wollen. Darüber hinaus benötigt die Öffentlichkeit vollständige Informationen über die lokale Politik in allen Regimen, um eine informierte Wahl treffen zu können. (...) zum Beispiel ist es schwer, Staaten mit niedrigen Steuern, freizügigen Regeln zur Abtreibung, strengen Umweltvorschriften und drakonischen Strafen zu finden.* Dezentralisierung: Ein grundsätzlicheres Problem ist, dass die Argumente "exit" (dt. "Ausgang") und "voice" (dt. "Meinungsäußerung") die Dezentralisierung unterstützen, aber nicht erklären, warum die Dezentralisierung verfassungsmäßig verankert werden muss. Zum Beispiel können die Regierungen der Bundesstaaten viele dieser Vorteile durch die Übertragung von Befugnissen an die lokalen Regierungen erreichen. Selbst auf nationaler Ebene setzt die Bundesregierung nicht alle Gesetze der Bundesstaaten außer Kraft, selbst wenn sie die Macht dazu hat, und zieht es offenbar vor, lokale Vielfalt zuzulassen. >Verfassungsrechtliche Strukturen/Public-Choice-Theorie. Diskriminierung: Unter bestimmten Umständen können geografische Regionen mit anhaltenden wirtschaftlichen oder kulturellen Spaltungen korrespondieren, so dass der konstitutionelle Föderalismus verhindern könnte, dass eine anhaltende nationale Mehrheit eine lokale Minderheit unterdrückt. In dieser Situation löst der Föderalismus ein Diskriminierungsproblem. Gleichgewicht/Mehrheit/Minderheiten: Sofern die Minderheitengruppe nicht irgendwie politisch von der Mehrheitsgruppe isoliert ist, ist es jedoch schwer zu erkennen, wie die Ausbeutung geografischer Regionen ein stabiles Gleichgewicht darstellen könnte. Die Verlierer könnten die Mehrheitskoalition stören, indem sie einer Untergruppe bessere Bedingungen anbieten, um sie aus der Koalition herauszulösen. Zentralisierung: Eine alternative Theorie ist, dass nationale Politiker einen Anreiz haben, die Macht der Zentralregierung übermäßig auszuweiten. Aber diese Theorie erfordert eine Erklärung, warum Politiker ihre Macht ausweiten wollen, insbesondere bei kontroversen Themen oder unpopulären Maßnahmen wie Steuererhöhungen, anstatt diese Themen den lokalen Beamten zu überlassen. So steht diese Föderalismustheorie in einem Spannungsverhältnis zu der Ansicht, dass die Gesetzgeber zu viel Macht an die Verwaltung delegieren, da die gleichen Argumente häufig die Delegation von nationalen Gesetzgebern an die Regierungen der Bundesstaaten unterstützen würden (Levinson, 2005)(3). Public-Choice-Theorie: Die Public-Choice-Theorie bietet einige schlagende Argumente für die Dezentralisierung, liefert aber keine zufriedenstellende Erklärung für die Verankerung der Dezentralisierung durch den konstitutionellen Föderalismus, außer unter bestimmten Umständen. * Für eine gründliche Übersicht über diese Modelle und ihre Grenzen siehe S. 186-202 in Mueller (2003)(2). 1. Hills, R. M. (2010) "Federalism and Public Choice," in D. A. Farber and A. J. O'Connell, Hrsg. Research Handbook on Public Choice and Public Law, 207-233. Northampton, MA: Edward Elgar. 2. Mueller, D. C. (2003). Public Choice 111. Cambridge: Cambridge University Press. 3. Levinson, D. J. (2005). "Empire-Building Government in Constitutional Law." Harvard Law Review 118:916-972. Farber, Daniel A. “Public Choice Theory and Legal Institutions”. In: Parisi, Francesco (Hrsg.) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Bd. 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University Press |
Parisi I Francesco Parisi (Ed) The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017 |
| Fortschritt | Pareto | Brocker I 109 Fortschritt/Geschichte/Pareto: Nach Pareto reproduziert sich in der Geschichte (…) immer dasselbe Schema der Spaltung der Gesellschaft in eine kleine Klasse der Machtinhaber und eine viel größere Klasse der Machtunterworfenen. Die Geschichte folgt also keinem teleologischen Gesetz, das auf eine Aufhebung der Klassen- und Machtstruktur hin abzielte. Auf dem Brocker I 110 politischen Gebiet ist nach Pareto grundsätzlich kein Fortschritt zu erwarten, weder in ethischer noch in sozialer Hinsicht. >Geschichte, >Geschichtsschreibung, >Macht, >Gesellschaft. Maurizio Bach, Vilfredo Pareto, Allgemeine Soziologie (1916) in: Manfred Brocker (Hg). Geschichte des Politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018. |
Brocker I Manfred Brocker Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018 |
| Geldmenge | Wheatley | Rothbard II 187 Geldmenge/Preis/Wheatley/Rothbard: Für Wheatley wurde jeder Export oder Import von Gold ausschließlich durch seine Nachfrage und seinen Preis, d. h. durch monetäre Faktoren, bestimmt, und Goldbarrenpreise und Wechselkurse wurden ausschließlich durch monetäre Überlegungen bestimmt. Reale Faktoren spielen dabei keine Rolle, nicht einmal vorübergehend oder auf kurze Sicht. Die Auswirkung des Geldangebots auf das Preisniveau oder die Wechselkurse ist daher streng und genau proportional. Die Gesamtpreise bewegen sich nicht nur pro- Die Gesamtpreise bewegen sich nicht nur prozentual, sondern auch gleichmäßig in „Niveaus“, wobei sich die relativen Preise nicht ändern. So Wheatley: „Die Vermehrung der Währung durch Papier muss die gleiche Verringerung des Geldwertes im Verhältnis zur Aktivität seiner Zirkulation verursachen wie eine Vermehrung der Währung durch Spezies. Aber ... wenn das Papier das Geld entwertet, muss es in ähnlichem Verhältnis den Preis von Unterhalts- und Luxusartikeln erhöhen“.(1) Rothbard II 188 Rothbard: Aus diesen Grundsätzen konnte Wheatley leicht ableiten, dass es unmöglich ist, dass eine Ausweitung der Geldmenge jemals die Wirtschaft anregt, da per Definition „die Löhne der Arbeit nur im Verhältnis zur Zunahme [der Währung] erhöht werden“. Und da die Löhne proportional zur Geldmenge und zu allen anderen Preisen steigen, können sie „nach der Erhöhung keine größere Menge an Produkten kaufen als vorher“, und daher „kann es in Wirklichkeit keinen größeren Anreiz geben, und daher ist es unwahrscheinlich, dass durch die Täuschung eine größere Wirkung erzielt wird...“. RothbardVsWheatley: Eine heroische Schlussfolgerung, zweifellos, und langfristig sicherlich zutreffend; aber solche fröhlich-dogmatischen Aussagen lassen den ganzen Sinn der monetären Inflation und ihres kurzfristigen Stimulus außer Acht: z.B. dass die Preise schneller steigen als die Löhne. Da Wheatley außerdem eine ausschließlich langfristige und damit monetäre Theorie der Wechselkurse bei Unkonvertierbarkeit vertrat, nahm er wiederum leichtfertig an, dass der Wert eines jeden Geldes immer und überall gleich sei, d. h. sich im langfristigen Gleichgewicht befinde, und dass die Wechselkurse des Fiat-Geldes immer zu genau ihren Kaufkraftparitäten zu ihren jeweiligen monetären Kaufkräften gehandelt würden. Daher war für Wheatley ein abgewerteter Wechselkurs und eine Prämie auf Goldbarren nicht nur ein „unmissverständliches System“ der Währungsabwertung, sondern auch ein genaues „Maß“ für diese Abwertung. Im Gegensatz dazu sahen King und Boyd, ganz zu schweigen von Thornton, eine Geldentwertung nur dann, wenn solche Phänomene für eine „beträchtliche Zeit“ (Boyd) bestanden oder „lange andauerten“ (King). >Henry Thornton, >Walter Boyd, >Bullionismus. Und keiner der beiden behauptete, dass solche Prämien oder diskontierte Wechselkurse ein genaues Maß für die Abwertung darstellen. Rothbard II 189 Monetarismus: John Wheatleys ausschließliche Betonung der Geldmenge und des einheitlichen Preisniveaus war ein Vorbote der modernen strengen monetaristischen und makroökonomischen Spaltung zwischen dem monetären und dem realen Bereich. Noch deutlicher: Seine mechanistische Betonung des Preisniveaus warf auch einen Schatten auf die unglückselige Beschäftigung der Fisherianer, Chicagoer und späteren Monetaristen mit der Stabilisierung des „Preisniveaus“ und mit der fanatischen Ablehnung jeglicher Veränderung dieses „Niveaus“. 1. John Wheatley. 1803. Remarks on Currency and Commerce. London: Cadell and Davies. |
Wheatley I John Wheatley Remarks on Currency and Commerce London 1803 Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Gewerkschaften | Olson | Brocker I 482 Gewerkschaften/Olson: Frage: warum wachsen einige Gewerkschaften, während andere dies nicht tun? Einige Gewerkschaften für den Status einer Zwangsgewerkschaft, um ihr Mitgliederproblem in den Griff zu bekommen. Dieser Status ist für Nicht-Mitglieder mit der Konsequenz verbunden, dass diese in gewerkschaftlich erfassten Gebieten Berufsverbot haben. Jedoch gelingt dies nicht allen Gewerkschaften. Alternativ setzen andere Gewerkschaften auch positive selektive Anreize, Bsp verschiedene Arten von Versicherungen für Mitglieder. (1) I 483 Olson: Es besteht damit ein Widerspruch zwischen der äußerst geringen Beteiligung in den Gewerkschaften und der überwältigenden Zustimmung der Arbeiter zu Maßnahmen, die sie zwingen, eine Gewerkschaft zu unterstützen« (2). Jedes Gruppenmitglied wünscht sich, dass alle anderen Gruppenmitglieder gewerkschaftlich organisiert sind, und gleichzeitig ist es für den Einzelnen rational, selbst kein Mitglied zu sein oder gewerkschaftlichen Veranstaltungen fernzubleiben. Wegen der Nicht-Ausschließbarkeit (Siehe Soziale Güter/Olson) stellen die Erfolge der Gewerkschaften für den Einzelnen keinen Eintrittsgrund oder Anlass für Engagement dar. Brocker I 484 Klassen/Gewerkschaften/Olson: Zwar haben die Angehörigen der jeweiligen Klassen gemeinsame Interessen, aber das bedeutet nicht, dass jeder Einzelne auch motiviert wäre, seinen individuellen Beitrag zu leisten. Trittbrettfahrerproblem: wenn die Einzelnen, die eine Klasse bilden, rational handeln, wird es nicht zu klassenorientiertem Handeln kommen«. (3) Dies gilt für die Arbeiter, die sich in Gewerkschaften zusammenschließen, um für die Erhöhung ihrer Löhne zu kämpfen. Es gilt aber auch für die Klasse der Arbeiter insgesamt, die ein Interesse daran hat, die Spaltung der Gesellschaft in Klassen zu überwinden. Siehe Marxismus/Olson. 1. Mancur Olson, The Logic of Collective Action: Public Goods and the Theory of Groups, Cambridge, Mass. 1965. Dt.: Mancur Olson, Die Logik des kollektiven Handelns: Kollektivgüter und die Theorie der Gruppen, Tübingen 1998 (zuerst 1968)., S. 71. 2. Ebenda S. 85 3. Ebenda S. 104 Johannes Marx, „Mancur Olson, Die Logik des kollektiven Handelns“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018 |
EconOlson I Mancur Olson The logic of collective action: Public goods and the theory of groups Cambridge 1965 Brocker I Manfred Brocker Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018 |
| Gründe | McDowell | I 14ff Raum der Gründe/Raum der Natur/McDowell: Neben dem Raum der Gründe (normativ, Begriffe) gibt es den Raum der Naturgesetze: Das sind keine normativen Beziehungen. Raum der Gründe: Rechtfertigung, Wissen, funktionale Begriffe, sogar Erfahrung. >Erfahrung/McDowell, >Begriffe/McDowell, >Wissen. Raum der Natur: Gegenstände, Sinneseindrücke - Das entspricht nicht einer Aufspaltung in "natürlich und normativ". >Realität, >Natur/McDowell, >Sinneseindruck. I 29 Raum der Gründe: = Raum der Freiheit, aber nicht schrankenlos, daher braucht er empirische Rechtfertigung. >Freiheit, >Rechtfertigung/McDowell, >Empirie/McDowell. |
McDowell I John McDowell Geist und Welt Frankfurt 2001 McDowell II John McDowell "Truth Conditions, Bivalence and Verificationism" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell |
| Handlungen | Benn | Gaus I 110 Handlungen/Benn/Gaus: Was Feinberg die "Vermutung zugunsten der Freiheit" nannte, wurde von Benn im Sinne eines Prinzips der Nichteinmischung auf der Grundlage des Respekts vor Personen verteidigt. A) Benn (1988)(1) erzählt die Geschichte von Alan, dem Kieselspalter, der fröhlich an einem öffentlichen Strand Kieselsteine spaltet, als Betty daherkommt und von ihm verlangt, sich vor ihr zu rechtfertigen. Benn stimmt Feinberg zu; er hat keine Last, sich ihr gegenüber zu rechtfertigen. >Mill/Feinberg. B) Nehmen wir nun an, sie versucht, ihn aufzuhalten, und er verlangt von ihr eine Rechtfertigung. Benn besteht auf ein "tu quoque-Argument von ihr, dass er ihr seinerseits keine Rechtfertigung für das Spalten von Kieselsteinen angeboten habe, nicht dem Fall entspräche, da Alans Kieselspaltung nichts getan habe, um Bettys Handlungen zu behindern" (1988(1): 87). Es gibt, argumentiert Benn, eine grundlegende Asymmetrie zwischen dem, was man tut, und dem, was man tut, wenn man die Handlungen eines anderen stört. Alan muss sein Kieselsteinspalten gegenüber Betty nicht rechtfertigen: Er ist nicht verpflichtet, Betty zu zeigen, dass er gute Gründe für sein Handeln hat. Andererseits wird von Betty verlangt, dass sie sich gegenüber Alan rechtfertigt, sich in seine Handlungen einzumischen oder ihn für das, was er tut, aufzuhalten. Benn argumentiert, dass Bettys Anerkennung von Alans Recht zu handeln erforderlich ist, wenn sie seine Person respektieren soll: "Man mag das Projekt des anderen für an sich ziemlich wertlos halten. Sein Anspruch auf Respekt beruht nicht darauf, dass es wertvoll und der eigenen Sorge würdig ist ... sondern einfach darin, dass es das Projekt einer Person ist" (1988(1): 107). Weil man für sich selbst ein Recht auf Nichteinmischung beansprucht, erfordert der Respekt vor anderen, dass man ihn anderen gewährt. Rechte/Benn: Damit vertritt Benn eine liberale Theorie des Rechts, die keine liberale Auffassung vom guten oder wertvollen Leben voraussetzt: Selbst Kieselsteinspalter haben einen Anspruch auf Nichteinmischung. Eine ähnliche Argumentation wurde von Alan Gewirth in seinem wichtigen und kürzlich vernachlässigten Buch "Reason and Morality" (1981)(2) vorgebracht. >Rechte/Gewirth. 1. Benn, Stanley I. (1988) A Theory of Freedom. Cambridge: Cambridge University Press. 2. Gewirth, Alan (1981) Reason and Morality. Chicago: University of Chicago Press. Gaus, Gerald F. 2004. „The Diversity of Comprehensive Liberalisms.“ In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications. |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Ich | Lacan | Pagel I 26 Spiegel/Ich/Lacan: (Narziss) der andere ist nicht da, wo ich bin. In der Verhaftung mit dem Spiegel übernimmt das Ideal Ich die Rolle des Herrschers. I 31 Partialtriebe: Partialobjekt: Aufspaltung in guten und bösen Teil. >Psychologische Theorien über Triebe. I 31 Spiegel/Lacan: Das Sich-selbst-Hervorbringen des Ich trägt den Charakter des Imaginären und ist insofern narzißtischer Art. Ego/Freud: Lacan: »moi«. I 33 Def »Je«/Lacan: das wahre Subjekt des Menschen. Im Spiegel nicht zu erkennen. Def »Moi«/Lacan: der Ort imaginären Erkennens. Illusion der Autonomie. I 35 Subjekt/Lacan: lässt sich keinesfalls auf eine lineare Genese von Identität und Bewusstsein reduzieren, hat es doch seinen »wahren« Ort im Unbewussten. >Experimentalpsychologie über das Subjekt, >Psychologische Theorien über das Unbewusste. I 36 Autonomie/Lacan: ist eine Illusion. >Psychologische Theorien über Autonomie. I 37 Subjekt/Lacan: das Subjekt muss seine reale Zerrissenheit kassieren. Mangel an Sein. |
Lacan I Gerda Pagel Jacques Lacan zur Einführung Hamburg 1989 |
| Identität | Parfit | Lewis IV 57 Identität/Kontinuität/Überleben/Person/Parfit: Wenn es um das Überleben geht, können nicht beide Antworten (Kontinuität und Identität) richtig sein, daher müssen wir wählen. a) Identität: ist eine Relation mit einem bestimmten formalen Charakter: sie ist eins zu eins und kann nicht graduell sein. b) Kontinuität: (und Verbundenheit) (z.B. in Bezug auf Mentales) kann eins zu vielen oder vieles zu eins sowie graduell sein. >Kontinuität. Parfit: Deswegen ist es die Kontinuität und Verbundenheit, die bei der personalen (temporalen) Identität (Überleben) relevant ist. >Temporale Identität, >Personale Identität, >Person. c) was beim Überleben wichtig ist, ist also nicht Identität! Höchstens eine Relation die soweit mit Identität zusammenfällt, dass Problemfälle nicht auftreten. >Relationen, >Identität/Lewis, >Gegenstückrelation/Lewis, >Individuation/Lewis. LewisVsParfit: Jemand anderes könnte das Argument genauso gut in der anderen Richtung vertreten, und Identität als relevant hinstellen. Und natürlich ist die Identität das, worauf es letztlich ankommt! Daher muss man die Divergenz zwischen a) und b) beseitigt werden! Ich stimme mit Parfit überein, dass Kontinuität und Verbundenheit ausschlaggebend ist, aber sie ist eben nicht als Alternative zur Identität zu sehen. Grenzfall/Parfit: Problem: Grenzfälle müssen irgendwie willkürlich entschieden werden. Identität/Kontinuität/Überleben/Person/LewisVsParfit: Die Opposition zwischen Identität und Kontinuität ist falsch. Intuitiv geht es auf jeden Fall um Identität. Und zwar um buchstäbliche! IV 58 Def R-Relation/Identität/Kontinuität/Person/Lewis: eine bestimmte Relation und Verbundenheit unter Person Zuständen. Def I-Relation/Lewis: Frage: welche der dauerhaften Personen sind identisch mit den früheren? IV 59 I-Relation/R-Relation/Lewis: These: Die beiden sind identisch, weil sie koextensiv sind! >Koextension. IV. 61 Identität/Fusion/Spaltung/Person/Zustand/Lewis: ist eins zu eins, in dem Sinn, dass ein Ding niemals identisch mit mehreren Dingen ist. Das aber gilt nicht für die I Relation und die R Relation. Viele Ihrer anderen Zustände sind Zustände der selben Person und auf diese und auch aufeinander bezogen. Aber das meint Parfit nicht, wenn er sagt, dass R Relationen eins viele sind. Parfit: meint, dass es mehrere Zustände geben kann auf die ein Zustand bezogen ist, die aber untereinander nicht bezogen sind. (Fusion und Spaltung der Person). D.h. die R Relation wäre dann nicht transitiv. Spaltung: die vorwärtsbezogene R-Relation ist eins viele, rückwärts: viele eins, simpliciter: transitiv. IV 65 Methusalem Bsp/Person/Identität/Lewis: (Originalstelle): Verbundenheit/mentale Zustände/Parfit: These: Die Verbindung mentaler Zustände schwindet mit der Zeit. IV 67 Person/Fusion/Parfit: Bsp wenn Sie mit jemand sehr verschiedenem fusionieren ist die Frage, wer überlebt. Aber da gibt es keine bestimmte, verborgene Antwort. Vielmehr ist das, worauf es ankommt, die R-Relation nur zu einem sehr geringen Grad vorhanden. IV 73 ParfitVsLewis: man sollte unsere gemeinsamen Ansichten nicht mit dem common sense kreuzen. D.h. es geht um einen anderen Sinn von Überleben. IV 74 Lewis: Ich hatte geschrieben, worauf es ankommt, ist die Identität beim Überleben. Dann ist für den kurz lebenden C1 das Stadium S zu t0 tatsächlich Ir zu Zuständen in der fernen Zukunft wie z.B. S2, nämlich über den lang lebenden C2! ParfitVsLewis: "Aber ist das nicht die falsche Person?" Lewis: tatsächlich, wenn C1 wirklich den Wunsch hat, dass er selbst (C1) überlebt, dann ist dieser Wunsch nicht erfüllt. LewisVsParfit: aber ich glaube, er kann diesen Wunsch gar nicht haben! es gibt eine Grenze für alltagspsychologische Wünsche unter Bedingungen geteilter Zustände. Der geteilte Zustand S denkt für beide. Jeder Gedanke, den er hat, muss geteilt werden. Er kann nicht eine Sache im Namen von C1 und eine Sache im Namen von C2 denken. Wenn andererseits C1 und C2 alltagsverständlich etwas teilen sollen, dann muss es ein "pluraler" Wunsch sein, "Lass uns überleben". IV 75 Person/Überleben/Identität/LewisVsParfit: Bsp bis jetzt hatten wir angenommen, dass beide vor der Spaltung wissen, dass es zur Spaltung kommen wird. Jetzt Variante: beide wissen nicht von der kommenden Spaltung. Frage: können wie dann nicht doch perfekt den Wunsch teilen: "Lass mich überleben!"?. Problem: dass C1 und C2 den Wunsch teilen beruht auf der falschen Präsupposition, dass sie eine Person sind. D.h. das "mich" ist eine falsche Kennzeichnung. Es kann sich nicht auf C1 in C1' Gedanken und nicht auf C2 in dessen Gedanken beziehen. Denn diese Gedanken sind ein und derselbe. Vs: aber ihr Wunsch zu überleben ist erfüllt! Zumindest der von C2 und der von C1 ist ja nicht unterschieden. Dann kann ihr Wunsch nicht nur in dem unerfüllbaren singulären Wunsch bestehen. Sie müssen beide auch den schwachen pluralen Wunsch haben, auch wenn sie die Spaltung nicht vorher wissen. |
Parf I D. Parfit Reasons and Persons Oxford 1986 Parf II Derekt Parfit On what matters Oxford 2011 Lewis I David K. Lewis Die Identität von Körper und Geist Frankfurt 1989 Lewis I (a) David K. Lewis An Argument for the Identity Theory, in: Journal of Philosophy 63 (1966) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (b) David K. Lewis Psychophysical and Theoretical Identifications, in: Australasian Journal of Philosophy 50 (1972) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (c) David K. Lewis Mad Pain and Martian Pain, Readings in Philosophy of Psychology, Vol. 1, Ned Block (ed.) Harvard University Press, 1980 In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis II David K. Lewis "Languages and Language", in: K. Gunderson (Ed.), Minnesota Studies in the Philosophy of Science, Vol. VII, Language, Mind, and Knowledge, Minneapolis 1975, pp. 3-35 In Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979 Lewis IV David K. Lewis Philosophical Papers Bd I New York Oxford 1983 Lewis V David K. Lewis Philosophical Papers Bd II New York Oxford 1986 Lewis VI David K. Lewis Konventionen Berlin 1975 LewisCl Clarence Irving Lewis Collected Papers of Clarence Irving Lewis Stanford 1970 LewisCl I Clarence Irving Lewis Mind and the World Order: Outline of a Theory of Knowledge (Dover Books on Western Philosophy) 1991 |
| Individualismus | Parsons | Habermas IV 427 Individualismus/Parsons/Habermas: Def Institutionalisierter Individualismus/Parsons: zwei komplementär ineinander greifende Muster der sozialen Integration und der Sozialisation. Die Ausbildung Habermas IV 428 postkonventioneller Ich-Identitäten (Siehe Moral/Kohlberg) entspricht der Universalisierung von Recht und Moral, der Aufspaltung von Sittlichkeit in Legalität und Moralität sowie der Entbindung kommunikativen Handelns aus immer abstrakter werdenden normativen Kontexten. Dieses Muster ist daher gleichzeitig durch erweiterte Spielräume für Alternativen und durch Bindungen generalisierter Mitgliedschaften charakterisiert.(1) >Sittlichkeit, >Moral, >Ich, >Individuen, >Recht, >Kommunikatives Handeln. 1.T. Parsons, Action Theory and the Human Condition, NY 1978, S., 321. |
ParCh I Ch. Parsons Philosophy of Mathematics in the Twentieth Century: Selected Essays Cambridge 2014 ParTa I T. Parsons The Structure of Social Action, Vol. 1 1967 ParTe I Ter. Parsons Indeterminate Identity: Metaphysics and Semantics 2000 Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |
| Individuation | Quine | II 23/24 Theseus’ Schiff/Quine: hier geht es nicht um den Ausdruck dasselbe sondern um den Ausdruck Schiff. - Jeder allgemeine Term hat sein eigenes Individuationsprinzip. II 158 Individuation: in unserer Welt Moment-zu-Moment-Individuation durch Prädikate - für Gegenstände wahllos (alles kann Gegenstand sein), für Prädikate entscheidend. >Wahrheitswert. V 84 Individuation/Gegenstand/Sprachlernen/Quine: um "Hund" zu lernen, muss man mehr lernen als das Vorhandensein - man muss auch die individuierende Kraft des Terminus lernen, die Aufspaltung der Referenz - ((s) > geteilter Bezug). - Man muss lernen, was als ein Hund gelten soll und was als ein anderer - "Hund" ist eher wie Wasser als wie "Mama": man kann zugleich mehrere Hunde sehen - "Ding": aus Ähnlichkeit 2. Ordnung (von Ähnlichkeiten) - Zeigen/Problem: "Das ist ein Hund" darf keine Hunde auslassen. >Allgemeine Termini/Quine. V 88 Individuation/Überlappen/Zeigen/Quine: kein Problem: Hunde überschneiden sich nie: jeder besteht genau den Punkten, die zu demselben Hund gehören wie ein bestimmter Punkt - Hund haben keine gemeinsamen Punkte - anders: sich überschneidende Kreisscheiben: hier muss beim Zeigen die Form nachgezogen werden - Quine: nur am Anfang des Lernens - Lösung: man kann ohne weiteres sagen a sei identisch mit b. Ob a derselbe Hund oder dasselbe Ohr ist, hängt davon ab, ob a ein Hund oder ein Ohr ist. QuineVsGeach: Damit wird sein Relativismus unhaltbar. - Dennoch Identität in tieferem Sinn relativ: Identitäts-Maßstäbe sind verschieden. V 102 Zeigen: Bsp "Dieser Körper ist ein Tier": hier muss der Umriss sorgfältig nachgezeichnet werden, sonst könnte es sein, dass bloß der Rumpf als Tier aufgefasst wird. V 125 Individuation/allgemeiner Term/Quine: "Quadrat" ist ein individuierendes Wort. - ((s) "Fido" nicht: Bsp "Das ist ein Fido".) V 161 Individuation/Quine: ihre Feinheit hängt von der Anzahl der allgemeinen Termini in der Sprache ab - "lexikalische Brille". - Individuation spielt sich im Auge des Betrachters ab. VII (h) 157 Eigenschaften/Individuation/Quine: Eigenschaften werden so individuiert: zwei offene Sätze, die dieselbe Klasse determinieren, determinieren nicht dieselbe Eigenschaft, wenn sie nicht analytisch äquivalent sind. XII 64f Individuation/Apparat/Übersetzungsunbestimmtheit/ontologische Relativität/Quine: Wörter für die Gegenstände, Identitätsprädikat, "derselbe wie", "ein anderer", Pluralform, logische Partikel, Pronomen - das ist der Bezugsrahmen (Koordinatensystem). - Pointe: dieser ist bei Übersetzung nicht konstant! Unbestimmtheit: man kann kontern: "in welchem Sinn von "Hase""? ((s) Ob Teil oder Ganzer). |
Quine I W.V.O. Quine Wort und Gegenstand Stuttgart 1980 Quine II W.V.O. Quine Theorien und Dinge Frankfurt 1985 Quine III W.V.O. Quine Grundzüge der Logik Frankfurt 1978 Quine V W.V.O. Quine Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989 Quine VI W.V.O. Quine Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995 Quine VII W.V.O. Quine From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953 Quine VII (a) W. V. A. Quine On what there is In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (b) W. V. A. Quine Two dogmas of empiricism In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (c) W. V. A. Quine The problem of meaning in linguistics In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (d) W. V. A. Quine Identity, ostension and hypostasis In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (e) W. V. A. Quine New foundations for mathematical logic In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (f) W. V. A. Quine Logic and the reification of universals In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (g) W. V. A. Quine Notes on the theory of reference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (h) W. V. A. Quine Reference and modality In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (i) W. V. A. Quine Meaning and existential inference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VIII W.V.O. Quine Bezeichnung und Referenz In Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982 Quine IX W.V.O. Quine Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967 Quine X W.V.O. Quine Philosophie der Logik Bamberg 2005 Quine XII W.V.O. Quine Ontologische Relativität Frankfurt 2003 Quine XIII Willard Van Orman Quine Quiddities Cambridge/London 1987 |
| Individuen | Adorno | Grenz I 32 Individuum/Adorno/Grenz: „In der antagonistischen Gesellschaft sind die Menschen, jeder einzelne, unidentisch mit sich, Sozialcharakter und psychologischer Grenz I 33 in einem, und kraft solcher Spaltung a priori beschädigt.“(1) >Geschichte/Adorno, >Gesellschaft. Grenz I 43 Individuum/Lukàcs: These: Das bürgerliche Individuum kann und muss in der Verdinglichung seines Bewusstseins verharren – das proletarische dagegen nicht.(2) AdornoVsLukàcs. > href="https://www.philosophie-wissenschaft-kontroversen.de/gesamtliste.php?autor=Luk%C3%A1cs&vorname=Georg">G. Lukàcs, >Bewusstsein, >Verdinglichung. 1. Th. W. Adorno. Gesammelte Schriften Bd. 8 p. 69. 2. G. Lukàcs: Geschichte und Klassenbewusstsein, p. 187. |
A I Th. W. Adorno Max Horkheimer Dialektik der Aufklärung Frankfurt 1978 A II Theodor W. Adorno Negative Dialektik Frankfurt/M. 2000 A III Theodor W. Adorno Ästhetische Theorie Frankfurt/M. 1973 A IV Theodor W. Adorno Minima Moralia Frankfurt/M. 2003 A V Theodor W. Adorno Philosophie der neuen Musik Frankfurt/M. 1995 A VI Theodor W. Adorno Gesammelte Schriften, Band 5: Zur Metakritik der Erkenntnistheorie. Drei Studien zu Hegel Frankfurt/M. 1071 A VII Theodor W. Adorno Noten zur Literatur (I - IV) Frankfurt/M. 2002 A VIII Theodor W. Adorno Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 2: Kierkegaard. Konstruktion des Ästhetischen Frankfurt/M. 2003 A IX Theodor W. Adorno Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 8: Soziologische Schriften I Frankfurt/M. 2003 A XI Theodor W. Adorno Über Walter Benjamin Frankfurt/M. 1990 A XII Theodor W. Adorno Philosophische Terminologie Bd. 1 Frankfurt/M. 1973 A XIII Theodor W. Adorno Philosophische Terminologie Bd. 2 Frankfurt/M. 1974 A X Friedemann Grenz Adornos Philosophie in Grundbegriffen. Auflösung einiger Deutungsprobleme Frankfurt/M. 1984 |
| Individuen | Durkheim | Habermas IV 91 Individuum/Durkheim/Habermas: Durkheim These: Das Individuum zerfällt in zwei Teile: a) einen nicht-sozialisierten, Eigeninteressen und Selbsterhaltungsimperativen unterworfenen und b) einen von der Gruppenidentität geprägten moralischen Teil andererseits.(1) Die Spaltung des gesellschaftlichen Universums in Bereiche des Profanen und des Sakralen wiederholt sich psychologisch im Gegensatz von Leib und Seele bzw. Körper und Geist, im Antagonismus von Neigung und Pflicht, Sinnlichkeit und Verstand. HabermasVsDurkheim: hier zeigt sich deutlicher als an anderen Stellen, wie stark Durkheim der traditionellen Bewusstseinsphilosophie verhaftet bleibt. Er unterscheidet Zustände des individuellen und des kollektiven Bewusstseins, aber beide gelten als Bewusstseinszustände des Individuums. (2) Individuum/Durkheim: verdankt seine Identität als Person ausschließlich Habermas VI 92 der Identifizierung mit bzw. der Verinnerlichung von Merkmalen der kollektiven Identität; die persönliche Identität ist eine Spiegelung der kollektiven. Durkheim: „Es stimmt also nicht, wenn wir glauben, um so persönlicher zu sein, je individualistischer wir sind.“ (3) Habermas IV 93 MeadVsDurkheim: anders als Durkheim geht Mead davon aus, dass sich die Identitätsbildung über das Medium sprachlicher Kommunikation vollzieht. Und da sich die Subjektivität der eigenen Absichten, Wünsche und Gefühle keineswegs entzieht, müssen die Instanzen von Ich und Über-Ich (bei Mead „I“ und „Me“) aus demselben Prozess der Vergesellschaftung hervorgehen. >Identität/Mead, Ich/Selbst/Mead, Individuation/Mead). 1.E. Durkheim, Les formes élementaires de la vie religieuse, Paris, 1968, German: Frankfurt 1981, S. S. 37. 2. E. Durkheim, Le dualisme de la nature humaine et ses conditions sociales, in: ders.La science sociale et l’action, (Ed) J. C. Filloux, Paris 1970, S. 330. 3. Durkheim (1981). S. 369. |
Durkheim I E. Durkheim Die Regeln der soziologischen Methode Frankfurt/M. 1984 Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |
| Integration | Hirschman | Brocker I 527 Integration/Gesellschaft/Hirschman: Hirschman These: Die USA sind auf Abwanderung (siehe Terminologie/Hirschman) gebaut: Sie sind ein Land der Emigranten, die oft viel hinter sich gelassen haben, um dorthin zu gelangen, was sie zu besonders loyalen Bürgern macht, die in besonderem Maße und besonders ausdauernd an Abwanderung aus dem eigenen Milieu als Mittel sozialen Aufstiegs glauben. Den Bruch mit genau diesem Glauben sieht Hirschman als das eigentlich Revolutionäre der Black-Power-Bewegung, einer radikalen Abspaltung der Bürgerrechtsbewegung seiner Zeit (1). 1. Albert O. Hirschman, Exit, Voice, and Loyalty. Responses to Decline in Firms, Organizations, and States, Cambridge, Mass. 1970. Dt.: Albert O. Hirschman, Abwanderung und Widerspruch. Reaktionen auf Leistungsabfall bei Unternehmungen, Organisationen und Staaten, Tübingen 1974, S. 93 Stephan Panther, „Albert O. Hirschman, Abwanderung und Widerspruch“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018 |
PolHirschm I Albert O. Hirschman The Strategy of Economic Development New Haven 1958 Brocker I Manfred Brocker Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018 |
| Intentionalität | Hintikka | II XVII Intentionalität/Hintikka: These: Intentionalität hat einen Multi-Welten-Charakter. Def Intentional/Hintikka: Ein Begriff ist intentional gdw. seine semantische Erklärung mehrere mögliche Szenarien und ihre Relation zueinander involviert. Das rückt Intentionalität in die Nähe von Intensionalität. >Intensionalität. These: Intentionalität ist eine graduelle Angelegenheit. Es gibt Arten und Dimensionen der Intentionalität, die nicht alle gleichermaßen interessant sind. So wie mögliche Welten sich unterscheiden können. Chisholm: Chisholm hat Intentionalität im logischen Verhalten gewisser Begriffe nachgewiesen. II 183 Def Intentional/Intentionalität/Hintikka: These: Es ist ein Zeichen von Intentionalität, wenn mögliche Welten gebraucht werden, um die Semantik des Begriffs zu erklären. >Mögliche Welten. Intentionalität/Hintikka: Intentionalität kann auch Intensionalität genannt werden: Man muss einen Hintergrund von Alternativen (unrealisierten Möglichkeiten) betrachten, wenn man das Bewusstsein eines Subjekts betrachtet. Intentionalität/Brentano/Husserl/Hintikka: Für die beiden war die „Gerichtetheit auf ein Objekt“ wesentlich für Intentionalität. Ein intentionaler Begriff "zeigt hinter sich" (HintikkaVsHusserl/HintikkaVsBrentano). William Kneale: dito (KnealeVsHusserl/KnealeVsBrentano). II 188 Intentionalität/Hintikka: Intentionalität ist eine graduelle Angelegenheit. Das liegt nahe, wenn es stimmt, dass wir bei Intentionalität immer unrealisierte Möglichkeiten betrachten müssen. „Ontologische Kraft“/Hintikka: Je größer die ontologische Kraft eines Geistes ist, desto weiter kann man über die aktuale Welt hinausgehen. Grad von Intentionalität/Hintikka: Der Grad von Intentionalität bemisst sich an der Distanz zur aktualen Welt. II 196 Intentionalität/Hintikka: Dass das Fehlschlagen von (c) (Bewahrung der Identität, VsSpaltung) ein Kriterium für sie ist, sieht man an ihrem Verhalten bei wechselnden Begriffen: Notwendigkeit (logische, physikalische und analytische) erfüllen Bedingung c). Bedingung c: „Was ist, ist notwendig was es ist und kein ander Ding“) Umgekehrt sind gewisse andere Begriffe offensichtlich intentionaler als Notwendigkeit und diese verletzen c). >Logische Notwendigkeit. II 197 Bsp „Nicht alles was ist, ist so, dass gewusst wird, was es ist, noch, dass es kein ander Ding ist“. |
Hintikka I Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka Untersuchungen zu Wittgenstein Frankfurt 1996 Hintikka II Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka The Logic of Epistemology and the Epistemology of Logic Dordrecht 1989 |
| Kunst | Flusser | Rötzer I 58 Kunst/Flusser: Beim Kunst-machen geht es darum etwas herzustellen, was noch nie da war und daher von keinem gegebenen Programm vorausgesehen werden konnte. Rötzer I 59 Rom ist der Samen, der vom auctor Romulus in ein weites Feld, Latium eingesetzt wurde. Der Mann (vir) grub mit seinem Stock (aratrum) ein Loch ins Feldlager. seine männliche Tat (actio), also die Vergewaltigung des Feldes führt zur Möglichkeit (virtualitas) des Samens (semen), sich zur Wirklichkeit Rom zu entfalten (augere).....usw. Die Übertragung dieses Mythos auf die Kunst brachte eine Menge Dinge wie Genies, Inspiration, Einzigartigkeit. Künstler als lauter Romulusse. >Künstler, >Genie, >Kreativität. Rötzer I 64 Kunst/Flusser: Ghettos: Museen, Akademien. Je untheoretischer, empirischer und mehr auf gut Glück diese Leute vorgehen, desto besser sind sie. Gegenwärtig ist die Handwerkerrevolution an ihr Ende gekommen. Die Spaltung in Kapitalisten und Arbeiter tritt zurück. Der Sinn des Lebens nicht mehr Arbeit sondern Konsum. Muße dient, anders als im Mittelalter, nicht mehr dem Erwerb von Weisheit, sie ist sinnlos, und daher ist das ganze Leben absurd. Wir erwarten von Kunst (die wir als Herstellerin von Erlebnismodellen verstehen) dass sie unserer Muße Sinn gibt, aber diese Aufgabe kann von theorielosen Autoren nicht geleistet werden. Rötzer I 65 Solange die Kunst nicht ernst zu nehmen war, konnte man die Autoren nicht nur dulden, ihr Unsinn kam auch gelegen. Aber jetzt, wo die Kunst wie beim Fernsehen ernst genommen werden muss, und weil die Muße immer mehr als Ziel und Hauptbestandteil des Lebens erkannt wird, werden die Autoren gemeingefährlich. Flusser I 11 Kunst/Flusser: Für einen Christen ist alles Kunst (nämlich Gottes Werk). >Christentum, >Artefakte. Für einen aufgeklärten Philosophen des 18. Jahrhundert ist alles Natur (nämlich im Prinzip erklärlich). >Aufklärung, >Erklärung. I 11ff Kunst/Flusser: Trennung von Kunst und Technik ist Folge des Buchdrucks. Bilder werden Kunstwerke, sobald sie aufhören, der dominante Code zu sein. Sie werden nur "schön" weil sie nicht mehr "gut", "wahr" sein können. >Schönheit, >Wahrheit, >Bilder. Dadurch werden sie opak. Selbst wenn sie an Wänden hängen, sind sie aber auch mehr als nur "schön". Sie sind Modelle der verschiedenen Arten, die Welt zu erleben. Man muss nicht die romantische Ideologie von Kunst als "Enthüllung der Wirklichkeit" annehmen, um zu sehen, dass wir beim Anblick eines Goya einen anderen Blick auf die Welt gewinnen als bei Matisse. Es handelt sich um verschiedene Lebensweisen. |
Fl I V. Flusser Kommunikologie Mannheim 1996 |
| Marxismus | Habermas | III 216 Marxismus/Habermas: Hegel ist auf dem Wege einer unkritischen Aneignung des dialektischen Begriffsapparates wirksam geworden; in die Grundbegriffe der Kritik der Politischen Ökonomie ist die Einheit von theoretischer und praktischer Vernunft so eingebaut, dass die normativen Grundlagen der Marxschen Theorie III 217 bis heute verdunkelt worden sind. >Reine Vernunft, >Praktische Vernunft, >Ethik, >Erkenntnistheorie, >G.W.F. Hegel. Diese Unklarheit ist im Marxismus teils umgangen, teils verdeckt, aber nicht eigentlich ausgeräumt worden: umgangen durch die Aufspaltung der Marxschen Gesellschaftstheorie in Sozialforschung und ethischen Sozialismus (M. Adler); und verdeckt sowohl durch eine orthodoxe Bindung an Hegel (Lukács, Korsch) wie durch eine Assimilation an die stärker naturalistischen Entwicklungstheorien des 19. Jahrhunderts (Engels, Kautsky). Diese Theorien bilden die Brücke, über die zunächst die geschichtsphilosophisch behandelte Rationalisierungsthematik auf die Soziologie übergegangen ist. (1) >Soziologie. IV 222 Lebenswelt/Marxismus/Habermas: Die marxistische Kritik der bürgerlichen Gesellschaft setzt an den Produktionsverhältnissen an, weil sie die Rationalisierung der Lebenswelt akzeptiert, aber die Verformungen der rationalisierten Lebenswelt aus Bedingungen der materiellen Reproduktion erklären will. >Lebenswelt/Habermas. Dieser Ansatz verlangt eine Theorie, die auf einer breiteren grundbegrifflichen Basis als der der „Lebenswelt“ operiert. Sie darf die Lebenswelt weder mit der Gesellschaft im Ganzen identifizieren, noch darf sie sie auf systemische Zusammenhänge reduzieren. >Gesellschaft, >Systeme, >Systemtheorie. IV 399 Marxismus/VsKapitalismus/Habermas: Ausgangspunkt der gesamten Kapitalismuskritik war die Frage, ob die Umstellung vorbürgerlich normativ organisierter Arbeitsbeziehungen auf das Medium Geld, ob also die Monetarisierung der Arbeitskraft IV 400 einen Eingriff in Lebensverhältnisse und Interaktionsbereiche bedeutet, die selber nicht medienförmig integriert sind und auch nicht schmerzlos, d. h. ohne sozialpathologische Auswirkungen, von Strukturen verständigungsorientierten Handelns abgehängt werden können. >Geld/Habermas, Geld/Parsons. IV 504 Marxismus/HabermasVsMarxismus/Habermas: Der Marxsche Ansatz fordert eine ökonomistisch verkürzte Interpretation der entwickelten kapitalistischen Gesellschaften. Für diese hat Marx mit Recht einen evolutionären Primat der Wirtschaft behauptet. Dieser Primat darf aber nicht dazu verleiten, das komplementäre Verhältnis von Ökonomie und Staatsapparat auf eine triviale Überbau-Basis-Vorstellung zuzuschneiden. Lösung/Habermas: Im Unterschied zum Monismus der Werttheorie müssen wir mit zwei Steuerungsmedien und vier Kanälen rechnen, über die zwei einander ergänzende Subsysteme die Lebenswelt ihren Imperativen unterwerfen. Verdinglichungseffekte können sich gleichermaßen aus der Bürokratisierung und der Monetarisierung von öffentlichen wie von privaten Lebensbereichen ergeben. IV 505 Der ökonomistische Ansatz versagt angesichts der Pazifizierung des Klassenkonflikts und des langfristigen Erfolges, den der Reformismus in den europäischen Ländern seit dem zweiten Weltkrieg im Zeichen einer im weiteren Sinne sozialdemokratischen Programmatik errungen hat. >Interventionismus/Habermas. 1. J. Habermas Zur Rekonstruktion des Historischen Materialismus, Frankfurt, 1976. |
Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |
| Marxismus | Olson | Brocker I 483 Marxismus/Kollektives Handeln/Olson: OlsonVsMarx/OlsonVsMarxismus: Problem: Die marxistische Klassentheorie und die pluralistische Auffassung von Interessenvertretungen übersehen das Problem kollektiven Handelns. >Kollektives Handeln. Brocker I 484 Zwar haben die Angehörigen der jeweiligen Klassen gemeinsame Interessen, aber das bedeutet nicht, dass jeder Einzelne auch motiviert wäre, seinen individuellen Beitrag zu leisten. Trittbrettfahrerproblem: wenn die Einzelnen, die eine Klasse bilden, rational handeln, wird es nicht zu klassenorientiertem Handeln kommen«.(1) Dies gilt für die Arbeiter, die sich in Gewerkschaften zusammenschließen, um für die Erhöhung ihrer Löhne zu kämpfen. Es gilt aber auch für die Klasse der Arbeiter insgesamt, die ein Interesse daran hat, die Spaltung der Gesellschaft in Klassen zu überwinden. >Trittbrettfahrer, >Moral Hazard. 1. Mancur Olson, The Logic of Collective Action: Public Goods and the Theory of Groups, Cambridge, Mass. 1965. Dt.: Mancur Olson, Die Logik des kollektiven Handelns: Kollektivgüter und die Theorie der Gruppen, Tübingen 1998 (zuerst 1968)., S. 104. Johannes Marx, „Mancur Olson, Die Logik des kollektiven Handelns“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018 |
EconOlson I Mancur Olson The logic of collective action: Public goods and the theory of groups Cambridge 1965 Brocker I Manfred Brocker Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018 |
| Methode | Mayr | I 154 "Verwandtschaft"/Biologie: Verwandtschaft lässt sich nur durch Vergleiche feststellen! (VsPhysiker, die der Biologie die Wissenschaftlichkeit streitig machen). >Vergleiche, >Vergleichbarkeit, >Systeme, >Theorien, >Wissenschaft, >Naturgesetze, >Physik. I 153 Biologie: Der Ausdruck wurde geprägt um 1800 von Lamarck. I 154 1870: Spaltung: a) Biologie der evolutionären Ursachen (Erforschung durch Vergleiche und Schlussfolgerungen) b) Biologie der unmittelbaren Ursachen, (Experimente und Physiologie). Mit der Entdeckung, dass die Zellmechanismen bei Pflanze und Tier die gleichen sind, schien die alte Trennung zwischen Botanik und Zoologie nicht mehr sinnvoll. Praktisch alle molekularen Vorgänge sind gleich. I 156 Irreführende Einteilung: deskriptive - funktionale - experimentelle Biologie. I 189 Bsp Homologie/Mayr: Verwandtschaft zwischen Arten und höheren Taxa zeigt sich am Vorkommen homologer Merkmale. D.h. ein Merkmal, das sich von demselben Merkmal ihres nächsten gemeinsamen Vorfahren ableitet. >Merkmale/Mayr, >Homologie. I 373 Auf Homologie muss man immer schließen! Für Homologie gibt es vielerlei Belege, z.B. Position einer Struktur in Beziehung zu anderen Strukturen, auch Übergangsformen bei fossilen Vorfahren. |
Mayr I Ernst Mayr Das ist Biologie Heidelberg 1998 |
| Mikroökonomie | Rothbard | Rothbard IV 13 Mikroökonomie/Rothbard: Die „Mikroökonomie“ basiert zumindest grob auf den Handlungen einzelner Konsumenten und Produzenten; aber wenn die Ökonomen zum Geld kommen, werden wir plötzlich in ein Niemandsland irrealer Aggregate gestürzt: von Geld, „Preisniveau“, „Sozialprodukt“ und Ausgaben. Abgeschnitten von einer soliden Basis im individuellen Handeln, ist die „Makroökonomie“ von einem Gewebe von Irrtümern zum nächsten gesprungen. >Individuen/Österreichische Schule. Irving Fisher: Zu Mises' Zeiten, in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, entwickelte sich diese fehlgeleitete Trennung bereits in den Arbeiten des Amerikaners Irving Fisher, der ausgefeilte Theorien über „Preisniveaus“ und „Geschwindigkeiten“ aufstellte, ohne sich auf individuelles Handeln zu stützen und ohne zu versuchen, diese Theorien in den soliden Bestand der neoklassischen „Mikro“-Analyse zu integrieren. >Irving Fisher. Lösung/Mises/Rothbard: Ludwig von Mises machte sich daran, diese Spaltung zu beheben und die Ökonomie des Geldes und seiner Kaufkraft (fälschlicherweise „Preisniveau“ genannt) auf die österreichische Analyse des Individuums und der Marktwirtschaft zu gründen: um zu einer großen integrierten Ökonomie zu gelangen, die alle Teile des Wirtschaftssystems erklären würde.(1) >Geld/Mises, >Konjunkturzyklen/Mises. 1. Ludwig von Mises. 1912. The Theory of Money and Credit (Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel, Translated by H.E. Batson in 1934; reprinted with “Monetary Reconstruction» (New Haven, Conn.: Yale University Press, 1953). Reprinted by the Foundation for Economic Education, 1971; reprinted with an Introduction by Murray N. Rothbard, Liberty Press Liberty Classics, 1989. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Mögliche Welten | Hintikka | II 74 Mögliche Welten/VsSemantik möglicher Welten/Hintikka: Problem: Sie scheint Welten und vollständige Mengen von Possibilia zu verabsolutieren ((s) als selbstverständlich anzunehmen). Mögliche Welten/Leibniz: These: Es gibt eine festgelegte Menge von Welten, unter denen Gott eine Auswahl trifft. >Mögliche Welten/Leibniz. HintikkaVsLeibniz: Das ist extrem zweifelhaft. Mögliche Welten/Hintikka: Mögliche Welten sollten wir lieber Weltgeschichten oder Szenarien nennen. II 75 Wir können die Menge der Welten auf solche beschränken, die vorstellbar sind. Semantik möglicher Welten/Hintikka: Auf der Semantik möglicher Welten kann man eine Theorie von Fragen und Antworten aufbauen. >Fragen/Hintikka, >Antworten/Hintikka. II 76 Hier geht es darum, was möglich in mehr als einer Welt ist. Dafür müssen wir viel mehr annehmen, als in einer extensionalen Sprache angenommen wird. Referenz/Semantik möglicher Welten: Bei der Referenz reicht es nicht, nur die Referenten anzunehmen, die unsere Ausdrücke in der aktualen Welt haben. >Referenz. II 196 Mögliche Welt/Individuenbereich/HintikkaVsKripke: Man sollte nicht fordern, dass die Individuen beim Wechsel von Welt zu Welt dieselben bleiben müssen. Die Rede von Welten ist leer, wenn es keine möglichen Erfahrungen gibt, die sie unterscheiden könnten. Mögliche Welten/Hintikka: Mögliche Welten sollten am besten als durch die verbundenen möglichen Gesamtheiten der Erfahrung bestimmt werden. Und dann kann Spaltung nicht ausgeschlossen werden. >Identität zwischen Welten, >Zentrierte Welten. |
Hintikka I Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka Untersuchungen zu Wittgenstein Frankfurt 1996 Hintikka II Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka The Logic of Epistemology and the Epistemology of Logic Dordrecht 1989 |
| Multikulturalismus | Liberalismus | Gaus I 256 Multikulturalismus/Liberalismus/Kukathas: (...) Spaltungen bestehen nicht nur zwischen liberalen Verteidigern des Multikulturalismus und ihren Kritikern, sondern auch unter den liberalen Theoretikern selbst. Zwei große, miteinander verbundene Fragen haben die Debatte unter ihnen geprägt: das Ausmaß, in dem Vielfalt von den Liberalen toleriert werden sollte, wenn sich Minderheiten als illiberal erweisen, und die prinzipielle Grundlage der liberalen Akzeptanz kultureller Vielfalt. Toleranz: Für einige sind die Grenzen der liberalen Toleranz klar: Die Duldung wird nicht auf illiberale Minderheiten ausgedehnt. Für Kymlicka zum Beispiel befürwortet der Liberalismus gruppendifferenzierte Rechte, die einen äußeren Schutz für Gruppen vorsehen, lässt aber keine "internen Einschränkungen" zu: Gruppen dürfen die grundlegenden Bürgerrechte ihrer Mitglieder nicht einschränken. >Minderheitenrechte/Kymlicka, >Gruppenrechte/Politische Theorien, >Menschenrechte/Kymlicka. In der Tat ist für Kymlicka (1989(1); 1995a(2)) das, was der Liberalismus schützt, vor allem die Fähigkeit des Individuums zur autonomen Wahl; Kultur ist wichtig, weil sie der Kontext ist, in dem der Einzelne lernt, wie man wählt, aber ihr Wert nimmt ab, wenn sie den Einzelnen nicht mehr in die Lage versetzt, sein Leben selbst zu wählen. Autonomie: Eine Reihe anderer liberaler Theoretiker stimmen in dieser Frage mit Kymlicka überein und argumentieren, dass der Liberalismus die Autonomie schützt und dass Kulturen, die die Autonomie nicht schätzen oder fördern, weniger Toleranz verdienen oder bestenfalls aus pragmatischen statt aus prinzipiellen Gründen toleriert werden sollten (Fitzmaurice, 1993(3); Levy, 1997(4); Gill 2001(5)) (...). VsAutonomie: Andere Liberale sind jedoch weniger in die Autonomie verliebt. Einige, wie Jeff Spinner-Halev, halten Autonomie für wertvoll, stehen aber denen kritisch gegenüber, die ihre Bedeutung überbetonen oder Autonomie so streng definieren, dass viele Lebensweisen nicht in Frage kommen (Spinner-Halev, 2000(6): 62-7; Spinner, 1994(7)). Toleranz: Andere haben sich jedoch noch kritischer zur Autonomie geäußert, was darauf hindeutet, dass Toleranz oder Achtung der Vielfalt für Liberale viel wichtigere Erwägungen sind (Galston, 1995(8); Kukathas, 1992a(9); 1999(10); 2003a;(11) für eine Analyse dieser liberalen Spaltung siehe Levy, 2003)(15) Toleranz/Kukathas: Insbesondere Kukathas (1997(12); 2001(13); 2003b(14)) hat energisch argumentiert, dass Toleranz eine so wichtige liberale Tugend ist, dass eine liberale Ordnung eine Vielfalt von Kulturen tolerieren wird, auch wenn einige von ihnen höchst illiberal sind. 1. Kymlicka, Will (1989) Liberalism, Community and Cultuæ. Oxford: Oxford University Press. 2. Kymlicka, Will (1995a) Multicultural Citizenship: A Liberal Theory of Minority Rights. Oxford: Oxford University Press. 3. Fitzmaurice, Deborah (1993) 'Autonomy as a good: liberalism, autonomy and toleration'. Journal of Political Philosophy, 1 1-16. 4. Levy, Jacob (1997) 'Classifying cultural rights'. In Will Kymlicka and Ian Shapiro, eds, Ethnicity and Gmup Rights: NOMOS XXXIX New York: New York University Press, 22—66. 5. Gill, Emily R. (2001) Becoming Free: Autonomy and Diversity in the Liberal Polity. Lawrence, KS: University of Kansas Press. 6. Spinner-Halev, Jeff (2000) Surviving Diversity: Religion and Democratic Citizenship. Baltimore: Johns Hopkins University Press. 7. Spinner, Jeff (1994) The Boundaries of Citizenship: Race, Ethnicity and Nationality in the Liberal State. Baltimore: Johns Hopkins University Press. 8. Galston, William (1995) 'Two concepts of Liberalism', Ethics, 105(3): 516-34. 9. Kukathas, Chandran (1992a) 'Are there any cultural rights?' Political Theory, 20 105-39. 10. Kukathas, Chandran (1999) 'Tolerating the intolerable'. Papers on Parliament, 33: 67-81. 11. Kukathas, Chandran (2003a) 'Responsibility for past injustice: how to shift the burden'. Politics, Philosophy and Economics, 2 (2): 165-88. 12. Kukathas, Chandran (1997) 'Cultural toleration'. In Will Kymlicka and Ian Shapiro, eds, Ethnicity and Group Rights: NOMOS XXXIX New York: New York University Press, 69—104. 13. Kukathas, Chandran (2001) 'Is Feminism Bad for Multiculturalism?' Public Affairs Quarterly, 15 (2): 83-98. 14. Kukathas, Chandran (2003b) The Liberal Archipelago: A Theory of Diversity and Freedom. Oxford: Oxford University Press. 15.Levy, Jacob (2003) 'Liberalism's divide, after socialism and before'. Social Philosophy and Policy, 20 (l): 278-97. Kukathas, Chandran 2004. „Nationalism and Multiculturalism“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Organisation | Habermas | IV 455 Organisation/Habermas: Autonomie gewinnen Organisationen durch eine neutralisierende Abgrenzung gegen die symbolischen Strukturen der Lebenswelt. Damit werden sie gegen Kultur, Gesellschaft und Persönlichkeit eigentümlich indifferent. Diese Effekte beschreibt Luhmann als „Dehumanisierung der Gesellschaft“. Die soziale Realität scheint insgesamt auf eine versachlichte, von normativen Bindungen freigesetzt Organisationsrealität zusammenzuschrumpfen. >Organisation/Luhmann, >Institutionen, >Objektivität, >Kultur, >Gesellschaft, >Persönlichkeit, >N. Luhmann. IV 455/456 Dehumanisierung/HabermasVsLuhmann: Dehumanisierung bedeutet aber nur eine Abspaltung von Handlungsbereichen von der Lebenswelt, keine Depersonalisierung im Sinne der Trennung organisierter Handlungssysteme von Persönlichkeitsstrukturen. >Systeme/Luhmann, >Systemtheorie. Indifferenz/Habermas: Im Gegensatz zum traditionellen Familienbetrieb zeigt der kapitalistische Betrieb eine Indifferenz gegenüber den privaten Lebensverhältnissen aller Beschäftigten. Diese sind für ihn zur Umwelt geworden. >Kapitalismus/Habermas. IV 457 Ebenso verhalten sich andere Organisationen unabhängig von legitimierenden Weltbildern, überhaupt von kulturellen Überlieferungen. Mitglieder werden als Personen ihrer Persönlichkeitsstruktur entkleidet und zu Leistungsträgern neutralisiert. >Legitimität/Habermas. Kulturelle Überlieferungen werden als Ideologien ihrer verpflichteten Kraft beraubt und in Rohstoffe für (…) eine administrative Bearbeitung von Sinnzusammenhängen verwandelt. >Kulturelle Überlieferung/Habermas. Organisationen/Habermas: Organisationen müssen ihren Legitimationsbedarf selber decken können. Lebenswelt: Organisationen machen sich auch von lebensweltlichen Kontexten unabhängig, indem sie den normativen Hintergrund informell eingewöhnter, sittlich regulierter Handlungszusammenhänge neutralisieren. >Lebenswelt/Habermas. IV 460 Kommunikation/Organisation/Habermas: Zwar sind nicht alle Verständigungsprozesse aus dem Inneren von Organisationen verbannt, weil der Interaktionsbereich von rechtsförmigen Organisationen jedoch sittlich neutralisiert ist, verliert kommunikatives Handeln im Binnenraum von Organisationen seine Geltungsgrundlage. Mitglieder handeln kommunikativ unter Vorbehalt. Sie sind nicht genötigt, mit kommunikativen Mitteln Konsens zu erzielen. >Kommunikatives Handeln/Habermas, >Kommunikationstheorie/Habermas, >Kommunikation/Habermas, >Kommunikative Praxis/Habermas, >Kommunikative Rationalität/Habermas, >Geltungsansprüche. |
Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |
| Österreichische Schule | Mises | Rothbard IV 13 Österreichische Schule/MisesVsBöhm-Bawerk/Mises/Rothbard: (...) Mises erkannte, dass Böhm-Bawerk und die älteren Österreicher nicht weit genug gegangen waren: dass sie ihre Analyse nicht so weit vorangetrieben hatten, wie sie gehen konnte, und dass folglich wichtige Lücken in der Ökonomie der Österreichischen Schule verblieben. Geld: Die größte Lücke, die Mises erkannte, war die Analyse des Geldes. Es stimmt, dass die Österreicher die Analyse der relativen Preise sowohl für Konsumgüter als auch für alle Produktionsfaktoren gelöst hatten. Aber seit der Zeit der klassischen Ökonomen befand sich das Geld immer in einer separaten Box, die nicht der Analyse des übrigen Wirtschaftssystems unterworfen war. Sowohl für die älteren Österreicher als auch für die anderen Neoklassiker in Europa und Amerika setzte sich diese Trennung fort, und Geld und das „Preisniveau“ wurden zunehmend völlig losgelöst vom Rest der Marktwirtschaft analysiert. Heute ernten wir die unglücklichen Früchte dieser schmerzlichen Spaltung in der aktuellen Trennung zwischen „Mikro-“ und „Makroökonomie“.(1) Mikroökonomie: Die „Mikroökonomie“ basiert zumindest grob auf den Handlungen der einzelnen Verbraucher und Produzenten; wenn die Ökonomen jedoch zum Geld kommen, tauchen wir plötzlich in ein Niemandsland irrealer Aggregate ein: Geld, „Preisniveau“, „Sozialprodukt“ und Ausgaben. Die „Makroökonomie“ ist von einer soliden Grundlage im individuellen Handeln abgeschnitten und springt von einem Gewebe von Irrtümern zum nächsten. Irving Fisher: Zu Mises' Zeiten, in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, entwickelte sich diese fehlgeleitete Trennung bereits rasant in den Arbeiten des Amerikaners Irving Fisher, der ausgefeilte Theorien über „Preisniveaus“ und „Geschwindigkeiten“ aufstellte, ohne eine Grundlage im individuellen Handeln zu haben und ohne zu versuchen, diese Theorien in den soliden Bestand der neoklassischen „Mikro“-Analyse zu integrieren. >Mikroökonomie, >Makroökonomie, >Neoklassiker. 1. Ludwig von Mises. 1912. The Theory of Money and Credit (Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel, Translated by H.E. Batson in 1934; reprinted with “Monetary Reconstruction» (New Haven, Conn.: Yale University Press, 1953). Nachdruck: the Foundation for Economic Education, 1971; reprinted with an Introduction by Murray N. Rothbard, Liberty Press Liberty Classics, 1989. |
EconMises I Ludwig von Mises Die Gemeinwirtschaft Jena 1922 Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Person | Benn | Gaus I 110 Person/Handlungen/Benn/Gaus: Was Feinberg die "Vermutung zugunsten der Freiheit" nannte, wurde von Benn im Sinne eines Prinzips der Nichteinmischung auf der Grundlage des Respekts vor Personen verteidigt. A) Benn (1988)(1) erzählt die Geschichte von Alan, dem Kieselspalter, der fröhlich an einem öffentlichen Strand Kieselsteine spaltet, als Betty daherkommt und von ihm verlangt, sich vor ihr zu rechtfertigen. Benn stimmt Feinberg zu; er hat keine Last, sich ihr gegenüber zu rechtfertigen. >Mill/Feinberg. B) Nehmen wir nun an, sie versucht, ihn aufzuhalten, und er verlangt von ihr eine Rechtfertigung. Benn besteht auf ein "tu quoque-Argument von ihr, dass er ihr seinerseits keine Rechtfertigung für das Spalten von Kieselsteinen angeboten habe, nicht dem Fall entspräche, da Alans Kieselspaltung nichts getan habe, um Bettys Handlungen zu behindern" (1988(1): 87). Es gibt, argumentiert Benn, eine grundlegende Asymmetrie zwischen dem, was man tut, und dem, was man tut, wenn man die Handlungen eines anderen stört. Alan muss sein Kieselsteinspalten gegenüber Betty nicht rechtfertigen: Er ist nicht verpflichtet, Betty zu zeigen, dass er gute Gründe für sein Handeln hat. Andererseits wird von Betty verlangt, dass sie sich gegenüber Alan rechtfertigt, sich in seine Handlungen einzumischen oder ihn für das, was er tut, aufzuhalten. Benn argumentiert, dass Bettys Anerkennung von Alans Recht zu handeln erforderlich ist, wenn sie seine Person respektieren soll: "Man mag das Projekt des anderen für an sich ziemlich wertlos halten. Sein Anspruch auf Respekt beruht nicht darauf, dass es wertvoll und der eigenen Sorge würdig ist ... sondern einfach darin, dass es das Projekt einer Person ist" (1988(1): 107). Weil man für sich selbst ein Recht auf Nichteinmischung beansprucht, erfordert der Respekt vor anderen, dass man ihn anderen gewährt. Rechte/Benn: Damit vertritt Benn eine liberale Theorie des Rechts, die keine liberale Auffassung vom guten oder wertvollen Leben voraussetzt: Selbst Kieselsteinspalter haben einen Anspruch auf Nichteinmischung. Eine ähnliche Argumentation wurde von Alan Gewirth in seinem wichtigen und kürzlich vernachlässigten Buch "Reason and Morality" (1981)(2) vorgebracht. >Rechte/Gewirth. 1. Benn, Stanley I. (1988) A Theory of Freedom. Cambridge: Cambridge University Press. 2. Gewirth, Alan (1981) Reason and Morality. Chicago: University of Chicago Press. Gaus, Gerald F. 2004. „The Diversity of Comprehensive Liberalisms.“ In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications. |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Politik Zentraleuropas | Holmes | Krastev I 72 Politik Zentraleuropas/Krastev/Holmes: Wenn wir das Zeugnis der Führer der Bewegung akzeptieren, dann war der Aufstieg des zentraleuropäischen Illiberalismus zu einem guten Teil auf den aufgestauten Groll zurückzuführen, der durch die zentrale Stellung der Mimesis in den Reformprozessen, die nach 1989 im Osten eingeleitet wurden, entstanden war. Als die Spaltung des Kalten Krieges zwischen Kommunisten und Demokraten durch die Spaltung zwischen Imitatoren und Imitiertem nach 1989 abgelöst wurde, entstand eine moralische Hierarchie, die sich als zutiefst destabilisierend erweisen sollte. >Imitation/Krastev. Zur Berichterstattung der westlichen Medien über Orbáns Ungarn bemerkte Maria Schmidt, dass sie "von oben herab zu den Unteren sprechen, wie es früher bei den Kolonien der Fall war"(1). Krastev: Es wäre falsch, die Geschichte der kolonialen Herrschaft und Ausbeutung in der nicht-westlichen Welt mit der ursprünglich freiwilligen Entscheidung Zentraleuropas gleichzusetzen, die Lasten der Harmonisierung in eine postnationale EU zu übernehmen. Um die Hierarchie, die im Verhältnis der Nachahmer zu den Nachahmern impliziert ist, umzukehren, sagen die zentraleuropäischen Staatsoberhäupte jetzt, dass sich der Hauptunterschied zwischen Ost und West erneut verändert hat. Es sind weder die Kommunisten gegen die Demokraten noch die Imitatoren gegen die Imitierten. Es ist vielmehr der Unterschied zwischen Krastev I 73 ethnisch homogenen und ethnisch pluralistischen Gesellschaften geworden - zwischen Ländern, in denen traditionelle Mehrheiten herrschen, und Ländern, in denen ein "Mischmasch" von Minderheiten die Mehrheit vereiteln wird. Dieser imaginäre Gegensatz zwischen dem Reinen und der Mischung ist offensichtlich dazu gedacht, den Spieß umzudrehen und Mitteleuropa als das wahre Europa zu etablieren, das einen letzten Kampf um die Erhaltung einer kämpfenden weißen christlichen Identität führt. >Identitätspolitik. 1. Maria Schmidt, cited in Oltermann, ‘Can Europe’s New Xenophobes Reshape the Continent?’. Guardian (3 February 2018). |
LawHolm I Oliver Wendell Holmes Jr. The Common Law Mineola, NY 1991 Krastev I Ivan Krastev Stephen Holmes The Light that Failed: A Reckoning London 2019 |
| Politik Zentraleuropas | Krastev | Krastev I 72 Politik Zentraleuropas/Krastev: Wenn wir das Zeugnis der Führer der Bewegung akzeptieren, dann war der Aufstieg des zentraleuropäischen Illiberalismus zu einem guten Teil auf den aufgestauten Groll zurückzuführen, der durch die zentrale Stellung der Mimesis in den Reformprozessen, die nach 1989 im Osten eingeleitet wurden, entstanden war. Als die Spaltung des Kalten Krieges zwischen Kommunisten und Demokraten durch die Spaltung zwischen Imitatoren und Imitiertem nach 1989 abgelöst wurde, entstand eine moralische Hierarchie, die sich als zutiefst destabilisierend erweisen sollte. >Imitation/Krastev. Zur Berichterstattung der westlichen Medien über Orbáns Ungarn bemerkte Maria Schmidt, dass sie "von oben herab zu den Unteren sprechen, wie es früher bei den Kolonien der Fall war"(1). Krastev: Es wäre falsch, die Geschichte der kolonialen Herrschaft und Ausbeutung in der nicht-westlichen Welt mit der ursprünglich freiwilligen Entscheidung Zentraleuropas gleichzusetzen, die Lasten der Harmonisierung in eine postnationale EU zu übernehmen. Um die Hierarchie, die im Verhältnis der Nachahmer zu den Nachahmern impliziert ist, umzukehren, sagen die zentraleuropäischen Staatsoberhäupte jetzt, dass sich der Hauptunterschied zwischen Ost und West erneut verändert hat. Es sind weder die Kommunisten gegen die Demokraten noch die Imitatoren gegen die Imitierten. Es ist vielmehr der Unterschied zwischen Krastev I 73 ethnisch homogenen und ethnisch pluralistischen Gesellschaften geworden - zwischen Ländern, in denen traditionelle Mehrheiten herrschen, und Ländern, in denen ein "Mischmasch" von Minderheiten die Mehrheit vereiteln wird. Dieser imaginäre Gegensatz zwischen dem Reinen und der Mischung ist offensichtlich dazu gedacht, den Spieß umzudrehen und Mitteleuropa als das wahre Europa zu etablieren, das einen letzten Kampf um die Erhaltung einer kämpfenden weißen christlichen Identität führt. >Identitätspolitik. 1. Maria Schmidt, cited in Oltermann, ‘Can Europe’s New Xenophobes Reshape the Continent?’. Guardian (3 February 2018). |
Krastev I Ivan Krastev Stephen Holmes The Light that Failed: A Reckoning London 2019 |
| Politische Abspaltung | Coase | ||
| Politische Abspaltung | Politische Theorien | Gaus I 260 Politische Sezession/Politische Philosophie/Kukathas: Die Sezession hat große Aufmerksamkeit von politischen Theoretikern erregt, seit Beran (1,2) das Thema wiederbelebt hat, nicht zuletzt wegen seiner Relevanz, wenn es um die Frage der Nationalität geht. Das einflussreichste Werk ist Allen Buchanans Sezession: "The Morality of Political Divorce" (1991)(3), der die Zustimmung als hinreichende Bedingung für die Rechtfertigung einer Sezession ausdrücklich ablehnte und vorschlug, dass Gruppen zwar das Recht zur Sezession haben könnten, dieses Recht jedoch sehr eingeschränkt sei. In der Literatur, die sich in den Debatten entwickelt hat, die auf Buchanans ursprünglichen Beitrag folgten, haben sich drei Hauptkategorien von Sezessionstheorien herauskristallisiert: 1) Theorien der gerechten Sache (Buchanan, 1991(3); 1997(4); Norman, 1998(5)), 2) Auswahl-Theorien (Philpott, 1995(6); 1998(7)), und 3) nationalistische Theorien (Raz und Margalit, 1990(8); Nielsen, 1998(9)). Von den drei Theorien sind nur die Just-Cause-Theorien nahe an die Entwicklung von Rechtfertigungen herangekommen, mit der Aussicht, in einer Weise kodifiziert zu werden, die die Sezessionspolitik beeinflussen oder prägen könnte (Norman, 1998)(5). Die Realität der politischen Macht und ihrer Funktionsweise in der Welt lässt jedoch vermuten, dass keine Sezessionstheorie die Grundlage für ein funktionsfähiges, verfassungsmäßig garantiertes Sezessionsrecht bieten kann (Norman, 2003(10): 609). Nationalismus/Kukathas: (...) Das Nationalgefühl führt manchmal dazu, dass der Ruf nach einer Berücksichtigung der Sezessionsfrage laut wird. Bei anderen Gelegenheiten drängt es jedoch in die andere Richtung. Während das Nationalitätsprinzip den Interessen oder Ansprüchen von Gruppen und insbesondere ihren Ansprüchen auf den Schutz ihrer Identität wohlwollend gegenübersteht, muss es sich per definitionem auch vor Gruppenansprüchen hüten, die eine nationale Identität untergraben könnten. >Nationalismus/Multikulturalismus, >Nationalismus. 1. Beran, Harry (1984) 'A liberal theory of secession'. Political Studies, 32:21-31. 2. Beran, Harry (1987) The Consent Theory of Political Obligation. London: Croom Helm. 3. Buchanan, Allen (1991) Secession: The Morality of Political Divorce from Fort Sumter to Lithuania and Quebec. Boulder, CO: Westview. 4.Buchanan, Allen (1997) 'Theories of secession'. Philosophy and Public Affairs, 26 (1): 30-61. 5. Norman, Wayne (1998) 'The ethics of secession as the regulation of secessionist politics'. In Margaret Moore, Hrsg., National Self-determination and Secession. Oxford Universitv Press. 3 6. Philpott, Daniel (1995) 'In defence of self-determination'. Ethics, 105 (2): 352-85. 7. Philpott, Daniel (1998) 'Self-determination in practice'. In Margaret Moore, ed., National Self-Determination and Secession. Oxford: Oxford University Press, 79—102. 8. Raz and Margalit 9. Nielsen, Kai (1998) 'Liberal nationalism and secession'. In Margaret Moore, Hrsg., National Self-Determination and Secession. Oxford: Oxford University Press, 103-33. 10. Norman, Wayne (2003) 'National autonomy'. In Hugh LaFollette, Hrsg., The Oxford Handbook of Practical Ethics. Oxford: Oxford University Press, 591—619. Kukathas, Chandran 2004. „Nationalism and Multiculturalism“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Politische Parteien | Levitsky | Levitsky I 61 Politische Parteien/Wahlen/USA/Levitsky/Ziblatt: Es gibt Unterschiede zwischen den Parteien; so führten die Demokraten in vielen Bundesstaaten Quoten und Fördermechanismen ein, um die Vertretung von Frauen und Minderheiten zu gewährleisten. 56 Aber durch die Entscheidung für die bindende Wirkung von Vorwahlen haben beide Parteien die Kontrolle ihrer Führer über die Kandidatenauswahl erheblich gelockert und diese für die Wähler selbst geöffnet. >Wahlsystem/Vereinigte Staaten, >Politische Wahlen/Alexander Hamilton. Demokraten: Die Demokraten, deren erste Vorwahlen nach dem neuen System unvorhersehbar waren und die Spaltung der Partei vertieften(1), ruderten Anfang der 1980er Jahre ein Stück weit zurück, indem sie beschlossen, dass ein Teil der Parteitagsdelegierten Funktionsträger sein sollten - Gouverneure, Senatoren, Abgeordnete des Repräsentantenhauses und Bürgermeister großer Städte -, die nicht in Vorwahlen gewählt, sondern von den Parteiorganisationen der jeweiligen Bundesstaaten bestimmt werden sollten. Superdelis: Diese »Superdelegierten«, die 15 bis 20 Prozent aller Delegierten ausmachen, sollten als Gegengewicht zu den Vorwahlwählern dienen - und als Instanz, die es der Parteiführung erlaubte, ihr nicht genehme Kandidaten abzuwehren. Republikaner: Die Republikaner dagegen erlebten Anfang der 1980er Jahre unter Ronald Reagan einen Höhenflug. Sie sahen keinen Anlass, Superdelegierte einzuführen, und entschieden sich fatalerweise dafür, ein demokratischeres Nominierungssystem beizubehalten. Levitsky I 62 Problem: Verbindliche Vorwahlen bedeuteten, die Kandidatenkür in die Hände der Wähler zu legen und die Wächterfunktion der Parteien zu schwächen. Es würde möglicherweise den Peer-Review-Prozess aus den Angeln heben und Außenseitern die Tore öffnen. Levitsky/Ziblatt: Das Parteiestablishment zu umgehen war, wie sich herausstellte, in der Theorie einfacher als in der Praxis. Levitsky I 63 Hadley: 1976 bezeichnete Arthur Hadley diesen mühseligen Prozess der Bündnissuche als »unsichtbare Vorwahl« und behauptete, dass der siegreiche Kandidat in Wirklichkeit in dieser den eigentlichen Vorwahlen vorangehenden Phase ausgewählt werde. Daher sei das Parteiestablishment – gewählte Beamte, Aktivisten, verbündete Interessengruppen – nicht notwendigerweise aus dem Spiel. Ohne seine Vertreter sei es, so Hadleys Schlussfolgerung, in beiden Parteien nahezu unmöglich, als Präsidentschaftskandidat nominiert zu werden.(2) Levitsky/Ziblatt: Ein Vierteljahrhundert lang behielt er recht. Levitsky I 64 Vorwahlen: Besonders für eine bestimmte Art von Außenseitern ist das 1972 eingeführte Vorwahlsystem anfällig: für Personen, die über genügend Bekanntheit oder Levitsky I 65 Geld verfügen, um die »unsichtbare Vorwahl« überspringen zu können.(3) Levitsky I 67 Soziale Medien: Der zweite Hauptgrund, der die Macht traditioneller Parteiwächter verringerte, war die explosive Entwicklung alternativer Medien, insbesondere der Nachrichtensender und der sozialen Medien.(4) >Soziale Medien/Levitsky/Ziblatt, >Konservativismus/Frum. 1. 1972, als George Wallace beinah die Kandidatur erobert hätte, erlitt der schließlich nominierte Kandidat, George McGovern, durch Richard Nixon eine vernichtende Niederlage. 1976 wurde der relative Außenseiter Jimmy Carter nominiert, und 1980 bekam es Präsident Carter in Gestalt von Edward Kennedy mit einem starken Vorwahlgegner zu tun. 2. Arthur Hadley, The Invisible Primary, Englewood Cliffs, New Jersey, 1976, S. XIII. 3. Ausführlicher dazu siehe Cohen/Karol/Noel/Zaller, The Party Decides. 4. Cohen/Karol/Noel/Zaller, »Party Versus Faction in the Reformed Presidential Nominating System«, S. 703–705. |
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| Politische Parteien | Ziblatt | Levitsky I 61 Politische Parteien/Wahlen/USA/Levitsky/Ziblatt: Es gibt Unterschiede zwischen den Parteien; so führten die Demokraten in vielen Bundesstaaten Quoten und Fördermechanismen ein, um die Vertretung von Frauen und Minderheiten zu gewährleisten. 56 Aber durch die Entscheidung für die bindende Wirkung von Vorwahlen haben beide Parteien die Kontrolle ihrer Führer über die Kandidatenauswahl erheblich gelockert und diese für die Wähler selbst geöffnet. >Wahlsystem/Vereinigte Staaten, >Politische Wahlen/Alexander Hamilton. Demokraten: Die Demokraten, deren erste Vorwahlen nach dem neuen System unvorhersehbar waren und die Spaltung der Partei vertieften(1), ruderten Anfang der 1980er Jahre ein Stück weit zurück, indem sie beschlossen, dass ein Teil der Parteitagsdelegierten Funktionsträger sein sollten - Gouverneure, Senatoren, Abgeordnete des Repräsentantenhauses und Bürgermeister großer Städte -, die nicht in Vorwahlen gewählt, sondern von den Parteiorganisationen der jeweiligen Bundesstaaten bestimmt werden sollten. Superdelis: Diese »Superdelegierten«, die 15 bis 20 Prozent aller Delegierten ausmachen, sollten als Gegengewicht zu den Vorwahlwählern dienen - und als Instanz, die es der Parteiführung erlaubte, ihr nicht genehme Kandidaten abzuwehren. Republikaner: Die Republikaner dagegen erlebten Anfang der 1980er Jahre unter Ronald Reagan einen Höhenflug. Sie sahen keinen Anlass, Superdelegierte einzuführen, und entschieden sich fatalerweise dafür, ein demokratischeres Nominierungssystem beizubehalten. Levitsky I 62 Problem: Verbindliche Vorwahlen bedeuteten, die Kandidatenkür in die Hände der Wähler zu legen und die Wächterfunktion der Parteien zu schwächen. Es würde möglicherweise den Peer-Review-Prozess aus den Angeln heben und Außenseitern die Tore öffnen. Levitsky/Ziblatt: Das Parteiestablishment zu umgehen war, wie sich herausstellte, in der Theorie einfacher als in der Praxis. Levitsky I 63 Hadley: 1976 bezeichnete Arthur Hadley diesen mühseligen Prozess der Bündnissuche als »unsichtbare Vorwahl« und behauptete, dass der siegreiche Kandidat in Wirklichkeit in dieser den eigentlichen Vorwahlen vorangehenden Phase ausgewählt werde. Daher sei das Parteiestablishment – gewählte Beamte, Aktivisten, verbündete Interessengruppen – nicht notwendigerweise aus dem Spiel. Ohne seine Vertreter sei es, so Hadleys Schlussfolgerung, in beiden Parteien nahezu unmöglich, als Präsidentschaftskandidat nominiert zu werden.(2) Levitsky/Ziblatt: Ein Vierteljahrhundert lang behielt er recht. Levitsky I 64 Vorwahlen: Besonders für eine bestimmte Art von Außenseitern ist das 1972 eingeführte Vorwahlsystem anfällig: für Personen, die über genügend Bekanntheit oder Levitsky I 65 Geld verfügen, um die »unsichtbare Vorwahl« überspringen zu können.(3) Levitsky I 67 Soziale Medien: Der zweite Hauptgrund, der die Macht traditioneller Parteiwächter verringerte, war die explosive Entwicklung alternativer Medien, insbesondere der Nachrichtensender und der sozialen Medien.(4) >Soziale Medien/Levitsky/Ziblatt, >Konservativismus/Frum. 1. 1972, als George Wallace beinah die Kandidatur erobert hätte, erlitt der schließlich nominierte Kandidat, George McGovern, durch Richard Nixon eine vernichtende Niederlage. 1976 wurde der relative Außenseiter Jimmy Carter nominiert, und 1980 bekam es Präsident Carter in Gestalt von Edward Kennedy mit einem starken Vorwahlgegner zu tun. 2. Arthur Hadley, The Invisible Primary, Englewood Cliffs, New Jersey, 1976, S. XIII. 3. Ausführlicher dazu siehe Cohen/Karol/Noel/Zaller, The Party Decides. 4. Cohen/Karol/Noel/Zaller, »Party Versus Faction in the Reformed Presidential Nominating System«, S. 703–705. |
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| Politische Polarisierung | Levitsky | Levitsky I 18 Politische Polarisierung/Levitsky: Die Schwächung unserer demokratischen Normen wurzelt in einer extremen Polarisierung, die sich über politische Meinungsverschiedenheiten hinaus zu einem existentiellen Konflikt über Rasse und Kultur ausgeweitet hat. Die Bemühungen um gleiche Rechte und Chancen in einer immer mannigfaltiger werdenden Gesellschaft haben diese Polarisierung verschärft und heimtückische Reaktionen hervorgerufen.(1) Wenn die Zusammenbrüche von Demokratien in der Geschichte uns eines lehren, dann, dass extreme Polarisierung für Demokratien tödlich sein kann. Levitsky I 136 Polarisierung kann demokratische Normen zerstören. Wenn sozioökonomische, ethnische oder religiöse Differenzen extrem parteilich werden, sodass sich die Gesellschaft in politische Lager spaltet, deren Weltanschauungen nicht nur unterschiedlich sind, sondern sich gegenseitig ausschließen, sind Toleranz und Achtung kaum noch aufrechtzuerhalten. Manche Polarisierungen sind für die Demokratie gesund und sogar notwendig. Tatsächlich lehrt uns die Geschichte der westeuropäischen Demokratien, dass Normen selbst dann Bestand haben können, wenn Parteien durch erhebliche ideologische Differenzen getrennt sind. Levitsky I 147 In dem Maß, in dem Demokraten und Republikaner einander als legitime Rivalen zu betrachten lernten, verflog auch die Polarisierung der Parteien und wurde durch jene Art von Politik ersetzt, die in den folgenden Jahrzehnten für die amerikanische Demokratie typisch sein sollte.(2) Levitsky I 239 Erst nach 1965 haben sich die Vereinigten Staaten vollends demokratisiert.(3) Doch diese Entwicklung bewirkte paradoxerweise eine grundlegende Neuaufstellung der amerikanischen Wählerschaft, die erneut zu einer tiefen Polarisierung unserer Parteien führte.(4) Diese Polarisierung, die tiefer reicht als jemals zuvor seit dem Ende der Reconstruction-Ära, hat die sich auftürmende Welle der Normbrüche ausgelöst, die derzeit unsere Demokratie gefährdet. Levitsky I 259 Politik/Levitsky/Ziblatt: Politische Führer haben angesichts einer extremen Polarisierung zwei Optionen. A. Zum einen können sie die Spaltung der Gesellschaft hinnehmen, ihr aber durch Kooperation und Kompromisse auf oberster Ebene entgegenwirken. Dies haben Politiker in Chile getan. Wie wir gesehen haben, führte der scharfe Konflikt zwischen Sozialisten und Christdemokraten 1973 zur Zerstörung der chilenischen Demokratie. In den Jahren danach war das Verhältnis zwischen den beiden Parteien von einem tiefen Misstrauen geprägt, das ihr verbindendes Ziel, die Ablehnung des Pinochet-Regimes, überlagerte.(5) Levitsky I 261 B. Die Alternative zur Zusammenarbeit trotz Polarisierung ist die Überwindung der Polarisierung. In den Vereinigten Staaten haben Politologen eine Reihe von Wahlrechtsreformen vorgeschlagen, die die Feindschaft zwischen den politischen Lagern abmildern können: die Beendigung von Wahlbezirksmanipulationen, offene Vorwahlen, die Wahlpflicht, alternative Regeln für die Kongresswahlen, um nur einige zu nennen.(6) >Politische Polarisierung/USA, vgl. >Normen/Levitksy/Ziblatt. 1. Robert Mickey/Steven Levitsky/Lucan Ahmad Way, »Is America Still Safe for Democracy?«, in: Foreign Affairs, Mai/Juni 2017, S. 20–29. 2. Nolan McCarty/Keith Poole/Howard Rosenthal, Polarized America. The Dance of Ideology and Unequal Riches, Cambridge, Massachusetts, 2008, S. 10. 3. Mickey, Paths out of Dixie. 4. Mickey/Levitsky/Way, »Is America Still Safe for Democracy?«, S. 20–29. 5. »Interview with President Ricardo Lagos«, in: Sergio Bitar/Abraham F. Lowenthal (Hg.), Democratic Transitions. Conversations with World Leaders, Baltimore 2015, S. 85. 6. Siehe beispielsweise Nathaniel Persily (Hg.), Solutions to Political Polarization in: America, New York 2015. |
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| Politische Polarisierung | Ziblatt | Levitsky I 18 Politische Polarisierung/Levitsky: Die Schwächung unserer demokratischen Normen wurzelt in einer extremen Polarisierung, die sich über politische Meinungsverschiedenheiten hinaus zu einem existentiellen Konflikt über Rasse und Kultur ausgeweitet hat. Die Bemühungen um gleiche Rechte und Chancen in einer immer mannigfaltiger werdenden Gesellschaft haben diese Polarisierung verschärft und heimtückische Reaktionen hervorgerufen.(1) Wenn die Zusammenbrüche von Demokratien in der Geschichte uns eines lehren, dann, dass extreme Polarisierung für Demokratien tödlich sein kann. Levitsky I 136 Polarisierung kann demokratische Normen zerstören. Wenn sozioökonomische, ethnische oder religiöse Differenzen extrem parteilich werden, sodass sich die Gesellschaft in politische Lager spaltet, deren Weltanschauungen nicht nur unterschiedlich sind, sondern sich gegenseitig ausschließen, sind Toleranz und Achtung kaum noch aufrechtzuerhalten. Manche Polarisierungen sind für die Demokratie gesund und sogar notwendig. Tatsächlich lehrt uns die Geschichte der westeuropäischen Demokratien, dass Normen selbst dann Bestand haben können, wenn Parteien durch erhebliche ideologische Differenzen getrennt sind. Levitsky I 147 In dem Maß, in dem Demokraten und Republikaner einander als legitime Rivalen zu betrachten lernten, verflog auch die Polarisierung der Parteien und wurde durch jene Art von Politik ersetzt, die in den folgenden Jahrzehnten für die amerikanische Demokratie typisch sein sollte.(2) Levitsky I 239 Erst nach 1965 haben sich die Vereinigten Staaten vollends demokratisiert.(3) Doch diese Entwicklung bewirkte paradoxerweise eine grundlegende Neuaufstellung der amerikanischen Wählerschaft, die erneut zu einer tiefen Polarisierung unserer Parteien führte.(4) Diese Polarisierung, die tiefer reicht als jemals zuvor seit dem Ende der Reconstruction-Ära, hat die sich auftürmende Welle der Normbrüche ausgelöst, die derzeit unsere Demokratie gefährdet. Levitsky I 259 Politik/Levitsky/Ziblatt: Politische Führer haben angesichts einer extremen Polarisierung zwei Optionen. A. Zum einen können sie die Spaltung der Gesellschaft hinnehmen, ihr aber durch Kooperation und Kompromisse auf oberster Ebene entgegenwirken. Dies haben Politiker in Chile getan. Wie wir gesehen haben, führte der scharfe Konflikt zwischen Sozialisten und Christdemokraten 1973 zur Zerstörung der chilenischen Demokratie. In den Jahren danach war das Verhältnis zwischen den beiden Parteien von einem tiefen Misstrauen geprägt, das ihr verbindendes Ziel, die Ablehnung des Pinochet-Regimes, überlagerte.(5) Levitsky I 261 B. Die Alternative zur Zusammenarbeit trotz Polarisierung ist die Überwindung der Polarisierung. In den Vereinigten Staaten haben Politologen eine Reihe von Wahlrechtsreformen vorgeschlagen, die die Feindschaft zwischen den politischen Lagern abmildern können: die Beendigung von Wahlbezirksmanipulationen, offene Vorwahlen, die Wahlpflicht, alternative Regeln für die Kongresswahlen, um nur einige zu nennen.(6) >Politische Polarisierung/USA, vgl. >Normen/Levitksy/Ziblatt. 1. Robert Mickey/Steven Levitsky/Lucan Ahmad Way, »Is America Still Safe for Democracy?«, in: Foreign Affairs, Mai/Juni 2017, S. 20–29. 2. Nolan McCarty/Keith Poole/Howard Rosenthal, Polarized America. The Dance of Ideology and Unequal Riches, Cambridge, Massachusetts, 2008, S. 10. 3. Mickey, Paths out of Dixie. 4. Mickey/Levitsky/Way, »Is America Still Safe for Democracy?«, S. 20–29. 5. »Interview with President Ricardo Lagos«, in: Sergio Bitar/Abraham F. Lowenthal (Hg.), Democratic Transitions. Conversations with World Leaders, Baltimore 2015, S. 85. 6. Siehe beispielsweise Nathaniel Persily (Hg.), Solutions to Political Polarization in: America, New York 2015. |
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| Rechtfertigung | McDowell | I 18 Logischer Raum der Gründe/Logischer Raum der Natur/McDowell: These: Neben dem Raum der Gründe (Begriffe) gibt es einen logischen Raum der Natur: der Naturgesetze, diese sind nicht-normative Beziehungen. a) logischer Raum der Gründe: Rechtfertigung, Wissen, Überzeugung, funktionale Begriffe. b) logischer Raum der Natur: Gegenstände, Sinneseindrücke. Das ist nicht eine Aufspaltung von "natürlich" und "normativ". I 31 Rechtfertigung/Urteil/McDowell: Die Beziehungen, kraft derer Urteile gerechtfertigt werden, lassen sich nur als Beziehungen im Raum der Begriffe (Gründe) verstehen. Es ist eine Sache, frei von Schuld zu sein, und eine andere, eine Rechtfertigung zu haben. Frei von Schuld: die rohe Einwirkung der Kausalität (Wirkung der Welt auf unsere Sinne) entzieht sich der Kontrolle der Spontaneität. Es ist eine Entschuldigung, wenn jemand von einem Tornado in eine Gegend verschlagen wurde, in der er nichts zu suchen hatte. Was wir aber wollen ist: dass die Ausübung der Spontaneität einer Kontrolle ausgesetzt ist, die die Welt selbst ausübt, jedoch so, dass die Anwendbarkeit der Spontaneität nicht untergraben wird (indem wir qua Entschuldigung nicht mehr verantwortlich wären). >Spontaneität. Rechtfertigung/McDowell: Jeder Begriff, der nun dadurch gebildet wird, dass er in einer Rechtfertigungsbeziehung zu einem bloß Gegenwärtigen besteht, müsste ein rein privater Begriff sein. I 161 Rechtfertigung/Quine: kann nicht durch Erfahrung geleistet werden. Nur durch Ereignisse, die den Naturgesetzen unterworfen sind. McDowellVsQuine: Das ist ein Widerspruch: Wenn Erfahrung nicht innerhalb der Ordnung der Rechtfertigung steht, kann sie von Weltsichten nicht überschritten werden. Das verlangt aber die "begriffliche Souveränität". >Begriffliche Souveränität. |
McDowell I John McDowell Geist und Welt Frankfurt 2001 McDowell II John McDowell "Truth Conditions, Bivalence and Verificationism" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell |
| Regierungspolitik | Rothbard | Rothbard III 945 Regierungspolitik/Regierungsausgaben/Rothbard: Bezahlung/Besteuerung: Die Zahlung erfolgt (…) nicht durch die Nutzer auf der Grundlage ihrer freiwilligen Käufe, sondern durch eine Zwangsabgabe der Steuerzahler. Es findet also eine grundsätzliche Trennung zwischen Zahlung und Leistungsempfang statt. Diese Trennung ist allen staatlichen Tätigkeiten inhärent. Polizei/Schulsystem: Diese Aufspaltung hat viele schwerwiegende Folgen, auch für die „kostenlose“ Dienstleistung. Wie in allen Fällen, in denen der Preis unter dem marktüblichen Preis liegt, wird eine enorme und übermäßige Nachfrage nach dem Gut geweckt, die weit über das verfügbare Angebot hinausgeht. Infolgedessen wird es immer wieder zu „Engpässen“ bei dem kostenlosen Gut kommen, zu ständigen Klagen über Unzulänglichkeiten, Überbelegung usw. Ein Beispiel dafür sind die ständigen Klagen über die Unzulänglichkeiten der Polizei, insbesondere in den von Kriminalität geplagten Stadtvierteln, über den Mangel an Lehrern und Schülern im öffentlichen Schulsystem (...). Freier Markt/Rothbard: In keinem Bereich der freien Marktwirtschaft gibt es so viele chronische Beschwerden über Knappheit, Unzulänglichkeiten und schlechte Qualität der Dienstleistungen. In allen Bereichen der Privatwirtschaft versuchen die Unternehmen, die Verbraucher zu überreden, mehr von ihrem Produkt zu kaufen. Effizienz/öffentlicher Sektor/Rothbard: Dort, wo der Staat Eigentümer und Betreiber ist, werden die Verbraucher stets zu Geduld und Opfern aufgefordert, und es gibt immer wieder Probleme mit Knappheit und Mängeln.(1) Rothbard III 946 Preis/Markt: Das Gleiche gilt, in geringerem Maße, überall dort, wo der Preis unter dem Preis des freien Marktes liegt. >Freier Markt/Rothbard. Entscheidungen der Regierung: Die Regierung steht vor unüberwindbaren Zuordnungsproblemen, die sie nicht einmal zu ihrer eigenen Zufriedenheit lösen kann. So wird die Regierung mit dem Problem konfrontiert: Sollen wir eine Straße an Ort A oder an Ort B bauen? Es gibt keinen rationalen Weg, auf dem er diese Entscheidung treffen kann. Sie kann den privaten Verbrauchern der Straße nicht auf die beste Weise helfen. Sie kann nur nach der Laune des herrschenden Regierungsbeamten entscheiden, d.h. nur dann, wenn die Regierungsbeamten „konsumieren“ und nicht die Öffentlichkeit.(2) Wenn die Regierung das tun will, was für die Öffentlichkeit am besten ist, steht sie vor einer unmöglichen Aufgabe. >Staatliche Dienstleistungen/Rothbard. Lösung/„Betrieb auf Geschäftsbasis“: Der Staat kann (...) wirklich versuchen, den wahren Marktpreis zu finden, d.h. „auf betriebswirtschaftlicher Basis zu arbeiten.“ [Dies] ist oft der Ruf der Konservativen - dass staatliche Unternehmen auf eine geschäftliche Basis gestellt werden sollen, dass Defizite beendet werden sollen, usw. RothbardVs: Fast immer bedeutet dies eine Erhöhung des Preises. Aber ist das eine rationale Lösung? Effizienz: Es wird oft behauptet, dass ein einzelnes staatliches Unternehmen, das in der Sphäre eines privaten Marktes operiert und Ressourcen von diesem kauft, seine Dienstleistungen preislich bewerten und seine Ressourcen effizient zuweisen kann. Dies ist jedoch falsch. Es gibt einen fatalen Fehler, der jedes denkbare System staatlicher Unternehmen durchdringt und eine rationale Preisbildung und effiziente Ressourcenallokation unweigerlich verhindert. Aufgrund dieses Fehlers kann ein staatliches Unternehmen niemals auf einer „betriebswirtschaftlichen“ Grundlage betrieben werden, ganz gleich, wie eifrig die Absichten einer Regierung sind. Worin besteht dieser fatale Makel? Besteuerung: Es handelt sich um die Tatsache, dass der Staat durch die Zwangssteuer praktisch unbegrenzte Ressourcen erhalten kann (d. h. nur durch die Gesamtressourcen der Gesellschaft begrenzt). Privater Sektor: Private Unternehmen müssen sich ihre Mittel von privaten Investoren beschaffen. Diese auf Zeitpräferenz und Voraussicht beruhende Zuteilung der Mittel durch die Investoren „verteilt“ die Mittel und Ressourcen auf die profitabelsten und damit nützlichsten Verwendungen. >Zeitpräferenz/Rothbard. Rothbard III 947 Regierung/Kontrollmechanismen: Die Regierung (...) hat keine Kontrolle über sich selbst, d.h. keine Anforderung, einen Test von Gewinn und Verlust oder eine geschätzte Dienstleistung für die Verbraucher zu erfüllen, um ihr zu erlauben, Mittel zu erhalten. Privater Sektor: Private Unternehmen können nur von zufriedenen, wertschätzenden Kunden und von Investoren, die sich an den gegenwärtigen und erwarteten künftigen Gewinnen und Verlusten orientieren, Mittel erhalten. Staat/Rationalität: Der Staat erhält mehr Mittel nach eigenem Gutdünken. Mit dem Wegfall der Kontrollinstanz entfällt auch jede Möglichkeit für den Staat, die Mittel rationell zu verteilen. Gewinn und Verlust: Der Gewinn- und Verlusttest dient als entscheidende Richtschnur für die Lenkung des Flusses von produktiven Ressourcen. Für den Staat gibt es keine solche Richtschnur, so dass er nicht rational entscheiden kann, wie viel Geld er insgesamt oder in jedem einzelnen Bereich ausgeben soll. Je mehr Geld er ausgibt, desto mehr Dienstleistungen kann er natürlich erbringen - aber wo soll er aufhören?(3) Lösung/als ob: Befürworter staatlicher Unternehmen könnten entgegnen, dass die Regierung ihrer Behörde einfach sagen sollte, sie solle so handeln, als sei sie ein gewinnorientiertes Unternehmen und sich wie ein Privatunternehmen aufstellen. Rothbard III 948 RothbardVs: Es gibt zwei grundlegende Fehler in dieser Theorie: (1) Es ist unmöglich, Unternehmen zu spielen. Unternehmertum bedeutet, sein eigenes Geld für Investitionen zu riskieren. Bürokratische Manager und Politiker haben keinen wirklichen Anreiz, unternehmerische Fähigkeiten zu entwickeln, sich wirklich an die Bedürfnisse der Verbraucher anzupassen. Sie riskieren nicht den Verlust ihres Geldes im Unternehmen. (2) Abgesehen von der Frage der Anreize könnten selbst die eifrigsten Manager nicht als Unternehmen funktionieren. Denn unabhängig von der Behandlung, die dem Unternehmen nach seiner Gründung zuteil wird, erfolgt der Start des Unternehmens mit staatlichen Geldern und somit durch Zwangsabgaben. Willkür: Ein fatales willkürliches Element wurde in die Grundzüge des Unternehmens „eingebaut“. Rationalität: Außerdem werden künftige Ausgabenentscheidungen aus Steuermitteln getroffen und unterliegen daher demselben Makel. Rothbard III 950 Wettbewerb: Darüber hinaus schafft die Gründung eines staatlichen Unternehmens einen „unfairen“ Wettbewerbsvorteil gegenüber privaten Firmen, da zumindest ein Teil des Kapitals durch Zwang und nicht durch Leistung erworben wurde. >Staatliche Dienstleistungen/Rothbard. 1. Siehe Murray N. Rothbard, „Government in Business“ in Essays on Liberty (Irvington-on-Hudson, N.Y.: Foundation for Economic Education, 1958), IV, 186 ff. Es ist daher charakteristisch für staatliches Eigentum und „Unternehmen“, dass der Verbraucher nicht zu einem „König“ wird, der umworben werden muss, sondern zu einem lästigen Gesellen, der das „soziale“ Produkt aufbrauchen will. 2. So kann der Regierungsbeamte einen Weg wählen, der ihm oder seinen Verbündeten mehr Stimmen einbringt. 3. Vgl. Ludwig von Mises, Bureaucracy (New Haven: Yale University Press, 1946), S. 50, 53. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Revolution | Trotzki | Brocker I 206 Revolution/Trotzki: These: Wenn die Revolutionäre Dynamik nicht auf andere höher entwickelte Länger ((s) als Russland) übergreife, sei das Experiment der Übernahme der Kontrolle über die Produktion und die Verteilung von Reichtum durch die Arbeiterklasse zum Scheitern verurteilt. (1) (TrotzkiVsStalin). Trotzki entwickelte ein Zwei-Stufen-Schema der russischen Revolution: Zuerst sollte durch eine umfassende Bodenreform der grundbesitzende Adel als soziale Klasse überwunden werden, daran anschließend sollte durch die Überführung der Industrie und der Banken in Gemeineigentum sowie durch ein staatliches Außenhandelsmonopol die ökonomische Herrschaft der Kapitalistenklasse gebrochen werden. Als politisches Instrument zur Verwirklichung dieser Aufgaben dienten Arbeiterräte, die Sowjets, die von den Bauern unterstützt werden sollten. Seit der faktischen Parteispaltung der russischen Sozialdemokratie im Jahre 1903 hielten die Menschewiki daran fest, dass zunächst die Bourgeoisie das Zarenregime stürzen und die Aufgaben der bürgerlichen Revolution zu Ende führen müsse. >Sozialismus/Trotzki. Brocker I 210 Permanente Revolution/Trotzki: Innerhalb [der] Entwicklung ergebe sich eine Wandlungsetappe der Gesellschaft aus der anderen. »Ausbrüche von Bürgerkriegen und äußeren Kriegen wechseln ab mit Perioden ›friedlicher‹ Reformen. Revolutionen der Wirtschaft, der Technik, der Wissenschaft, der Familie, der Sitten und Gebräuche entwickeln sich in komplizierten Wechselwirkungen und lassen die Gesellschaft nicht ins Gleichgewicht kommen. Darin besteht der permanente Charakter der sozialistischen Revolution als solcher«.(2) Dieser revolutionäre Prozess sprenge den nationalen Rahmen auch des größten Landes. Wie der Kapitalismus könne der Sozialismus nur als Weltsystem existieren, und die Theorie der permanenten Revolution gehe notwendig mit dem sozialistischen Internationalismus einher. 1.Leo Trotzki, »Ergebnisse und Perspektiven. Die treibenden Kräfte der Revolution« [1906], in: ders., Die permanente Revolution. Ergebnisse und Perspektiven, Essen 2016, 15-107. 2. Ebenda S. 133. Mario Keßler, „Leo Trotzki, Die permanente Revolution (1930)“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018. |
PolTrotz I Leo Trotzki Unsere politischen Aufgaben In Schriften zur revolutionären Organisation, Hartmut Mehringer Reinbek 1970 Brocker I Manfred Brocker Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018 |
| Schiff des Theseus | Millikan | I 287 Theseus’ Schiff/Terminologie/Millikan: S0: das Original Sn: das aus neuen Teilen vollständig neu gebaute Schiff Sr: das renovierte Schiff ((s) Zwischenstadium). Alle drei sind Schiff-Stadien. I 287 Frage: war das ganze dauernde Ganze, von dem Sn ein Teil war, dasselbe dauerhafte Ganze wie das, von dem S0 ein Teil war? Oder entsprechend mit Sr und S0? Lösung/Millikan: kann nur gegeben werden, wenn vorher das Prinzip festgelegt wird, nach dem die Einheit (Einheitlichkeit) festgestellt werden soll. Problem: es scheint klar zu sein, dass nicht beide, Sn und Sr Teile desselben dauernden Ganzen sein können. Denn sie existieren gleichzeitig an verschiedenen Orten. Problem: Bsp drei Wasserflächen S1, S2, S3, wenn sie so gestaltet sind, dass es unklar ist, ob S1 und S2 Teil desselben Sees sind und entsprechend auch für S1 und S3, dann wäre es unvorstellbar, dass es gleichzeitig völlig klar wäre, dass S2 und S3 nicht Teil desselben Sees wären. Pointe. gibt es dann vielleicht doch am Ende eine Asymmetrie zwischen zeitlichen und räumlichen Teilen? Theseus’ Schiff: Sn und Sr können nicht Stadien desselben Schiffs sein, weil sie zwar gleichzeitig existieren, aber verschiedene Eigenschaften haben und verschiedene räumliche Teile belegen, aus verschiedenen Materieansammlungen zusammengesetzt sind usw. Identität/Leibniz/Millikan: sein unbestrittenes Prinzip schließt aus, dass Sn und Sr dasselbe Schiff sind. Einheit/Einheitlichkeit/Millikan: Welches Prinzip auch immer wir hier wählen, es scheint, dass es ausschließen sollte, dass verschiedene zeitliche Teile zur selben Zeit existieren könnten. Spaltung/Millikan: d.h. eine Spaltung sollte nicht beide Teile gleichwertig erhalten, wie bei einer Amöbe. Einheit/Millikan: Ein entsprechendes Prinzip muss Leibniz’ Prinzip der Identität des Ununterscheidbaren aufrechterhalten. Problem: das Prinzip sagt bloß, dass ein Ding dieselben Eigenschaften haben muss, wie es selbst. Es sagt nicht, dass ein Teil dieselben Eigenschaften haben muss wie ein anderer Teil. Theseus’ Schiff: dann könnten Sn und Sr gleichzeitige, aber räumlich entfernte Teile sein. räumlich/zeitlich/Millikan: es ist eher das Prinzip der Einheitlichkeit, (nicht das der Identität) das verlangt, dass Gegenstände nur eine Position zu einer Zeit haben. Mereologie/Einheitlichkeit/Einheit/Millikan: wir selbst brechen oft dieses Prinzip, wenn wir sagen, dass ein und dasselbe Ding weiter existiert, wenn es zerbrochen ist oder in seine Teile zerlegt wird. Definition/Gegenstand/Objekt/Ding/Millikan: dennoch brauchen wir das Prinzip der Einheitlichkeit, um Gegenstände überhaupt zu definieren. Spaltung/Millikan: ein Verbot von Spaltung hätte mit dem Prinzip der Identität nichts zu tun. I 289 Theseus’ Schiff/Millikan: ob wir sagen, dass neu gebaute oder das Schiff aus den Originalteilen wäre das richtige Schiff, ist am Ende nur eine verbale Frage der Prinzipien der Einheitlichkeit, die wir anwenden wollen. Dagegen: Identität/Millikan: Fragen der Identität sind objektive Fragen, die nicht durch den Sprachgebrauch entschieden werden. >Sprachverhalten. Einheit/Einheitlichkeit/Millikan: ist eine Frage der gebrauchten Kennzeichnungen. >Kennzeichnung. Spaltung/Fusion/Identität in der Zeit/zeitliche/Millikan: sind eigentlich Fragen der gewählten (konventionellen) Prinzipien der Einheit. (Einheitlichkeit) Identität/Objektivität/Millikan: Fragen der Identität sind objektive Fragen, bei denen man darüber verwirrt sein kann, was man denken soll, nicht bloß, was man sagen soll. Zeitliche Identität/Millikan: ist nicht problematischer als räumliche Identität. >Identität/Millikan, >Zeitliche Identität. |
Millikan I R. G. Millikan Language, Thought, and Other Biological Categories: New Foundations for Realism Cambridge 1987 Millikan II Ruth Millikan "Varieties of Purposive Behavior", in: Anthropomorphism, Anecdotes, and Animals, R. W. Mitchell, N. S. Thomspon and H. L. Miles (Eds.) Albany 1997, pp. 189-1967 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 |
| Selbstbestimmung | Politische Theorien | Gaus I 259 Selbstbestimmung/Politische Philosophie/Kukathas: Im neunzehnten Jahrhundert war der Nationalismus mit Gaus I 260 dem Liberalismus verbündet als das Prinzip der Nationalität zum Freiheitsprinzip berufen wurde - und dies auch gegen die Fremdherrschaft. >Nationalismus, >Liberalismus. Mazzini: Der Liberalismus von Mazzini befürwortete zum Beispiel die Vereinigung Italiens als nationale Republik, aus der die französische, österreichische und päpstliche Macht vertrieben wurde. Mill: und John Stuart Mill sah eine gemeinsame Nationalität als Voraussetzung für eine (liberale) repräsentative Regierung. >J. St. Mill. Kukathas: Dies hat dazu geführt, dass die Ansprüche auf die Staatsangehörigkeit in zweierlei Hinsicht neu überdacht wurden. Liberalismus/Nicht-Liberalismus: In diesem Licht mag nationale Selbstbestimmung unproblematisch erscheinen, als Ideal könnten dies Liberale und Nichtliberale gleichermaßen bereitwillig akzeptieren: Liberale, weil sie die Selbstbestimmung bevorzugen, und Nichtliberale, weil sie die nationale Gemeinschaft bevorzugen. Doch die Dinge sind nicht so einfach. Zunächst einmal ist die Frage, wer das "Selbst" ist, das ein Recht auf Selbstbestimmung hat, immer und unausweichlich umstritten. Selbst wenn Menschen innerhalb einer Grenze das Recht haben, sich selbst zu regieren, wie soll die Grenze gezogen werden: Wer soll einbezogen und wer ausgeschlossen werden (Barry, 1991(1); 2001(2): 137)? Kultur/Gruppenzugehörigkeit: Theoretiker wie Raz und Margalit (1990)(3) versuchen, das Problem zu lösen, indem sie die Gruppenzugehörigkeit an die Kultur knüpfen und vorschlagen, dass "umschließende Gruppen" eine Reihe von Merkmalen aufweisen, die ihnen eine Einheit verleihen, die es ihnen ermöglicht, Ansprüche auf Selbständigkeit und damit Selbstbestimmung zu erheben. Zentral für solche Gruppen ist eine gemeinsame Kultur, aber nicht weniger wichtig ist die Tatsache, dass die Menschen in ihnen sich gegenseitig als Mitglieder anerkennen und ihre Mitgliedschaft als wichtig für ihre eigene Selbstidentifikation betrachten. Es ist jedoch auch wichtig, anzuerkennen, dass das Selbstbestimmungsrecht nur von einer Gruppe genossen werden kann, die in einem Gebiet die Mehrheit hat (1990(3): 441). VsIndividualismus: Was Raz und Margalit als unerwünschte Illusion ablehnen, ist das individualistische Prinzip der Zustimmung: "Es ist nicht wünschenswert, da die wichtigeren menschlichen Gruppierungen auf einer gemeinsamen Geschichte und auf den Kriterien einer nicht-freiwilligen (oder zumindest nicht völlig vertraglichen) Mitgliedschaft beruhen müssen, um den Wert zu haben, den sie haben" (1990(3): 456). >J. Raz. Konsens/KukathasVsRaz/KukathasVsMargalit: Es ist jedoch schwer vorstellbar, dass die Zustimmung in irgendeiner Form der Selbstbestimmung keine bedeutende Rolle spielen kann, wenn Selbstbestimmung etwas mehr bedeuten soll als die Bestimmung des Lebens der einen durch den Willen der anderen. Und viele andere Theorien der Selbstbestimmung geben der Zustimmung eine wesentliche Rolle als zentral für jede Darstellung der politischen Legitimität. >Konsens. Beran: Zu den nachhaltigsten Einwänden gegen die Bedeutung der Zustimmung gehört die in den Schriften von Harry Beran, insbesondere in seiner Verteidigung des Sezessionsrechts, das für die Legitimität des liberalen Staates von zentraler Bedeutung ist (Beran, 1984(4); 1987(5); siehe aber auch Green, 1988(6); und Simmons, 2001(7)) (...). >Politische Sezession. 1. Barry, Brian (1991) 'Self-government revisited'. Democracy and Power. Oxford: Clarendon, 156-86. 2. Barry, Brian (2001) Cultuæ and Equality: An Egalitarian Critique of Multiculturalism. Oxford: Polity. 3.Raz and Margalit 1990 4. Beran, Harry (1984) 'A liberal theory of secession'. Political Studies, 32:21-31. 5. Beran, Harry (1987) The Consent Theory of Political Obligation. London: Croom Helm. 6. Green, Leslie (1988) The Authority of the State. Oxford: Oxford University Press. 7. Simmons, A. John (2001) Justification and Legitimacy: Essays on Rights and Obligations. Cambridge: Cambridge University Press. Kukathas, Chandran 2004. „Nationalism and Multiculturalism“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Substitution | Hintikka | II 194 Substitutivität der Identität/Intensionalität/Hintikka: Ein sicherer Indikator für Intensionalität ist das Fehlschlagen der Bewahrung der Identität des Individuenbereichs. >Intentionalität. Wenn es passiert, dass die Identität von einer möglichen Welt zur anderen fehlschlägt, haben wir ein Gegenbeispiel zu dem bekannten Gesetz ((s) Leibniz’ Gesetz): (SI) (x)(y) (X = y > F[x] > F[y])). ((s) Identische Gegenstände haben alle Eigenschaften gemeinsam.) Das wird manchmal auch die „Gebundene-Variable-Form der Identität“ genannt. Äquivalent damit: (x)(y) ( x = y > notwendig (x = y)) ((s) Was identisch ist, ist notwendig identisch). Hintikka: Dieses Fehlschlagen der Substitutivität der Identität ist zu unterscheiden von dem Fehlschlagen für beliebige singuläre Termini. Hier kann es einfach daran liegen, dass ein singulärer Term in einer anderen möglichen Welt auf ein anderes Ding referiert. II 195 Identität/Individuen/Hintikka: Es ist viel weniger klar, wie die Identität für bestimmte Individuen beim Übergang zu einer anderen möglichen Welt fehlschlagen kann. D.h. dass Weltlinien sich verzweigen können (>Spaltung). Spaltung/KripkeVsSpaltung/SI/Hintikka: Kripke schließt Spaltung aus, weil für ihn die (SI) gültig ist. Eine Spaltung würde nach ihm die Transitivität der Identität verletzen. Nach einer Spaltung wären die Individuen keinesfalls identisch, selbst wenn sie es nach der Transitivität sein sollte. Daher ist für Kripke die (SI) unverletzlich. HintikkaVsKripke: Das ist zirkulär: Transitivität der Identität/Hintikka: Die Transitivität der Identität kann zweierlei bedeuten: a) Transitivität innerhalb einer Welt oder b) zwischen den Welten. Die Plausibilität der Transitivität gehört zur ersteren, nicht zur letzteren. Transitivität der Identität zwischen möglichen Welten zu fordern, hieße einfach, Spaltung auszuschließen. Das ist das Zirkuläre an Kripkes Argument. Substitutivität der Identität/Hintikka: Viele Autoren haben angemerkt, dass Identität und Quantifikation in intensionale Kontexte sinnlos bleiben, wenn wir nicht die Substitutivität der Identität haben. HintikkaVs: Das ist einfach falsch: Nachdem die Weltlinien definiert sind, können wir die Wahrheitsbedingungen für Sätze mit beliebigen intensionalen Ausdrücken formulieren. Und zwar dann unabhängig vom Verhalten der Weltlinien. Modallogik/(SI)/Hintikka: Es ist doppelt ironisch, dass die Verteidiger der konventionellen Modallogik die (SI) retten wollen, indem sie sagen, dass ohne sie Möglichkeit und intensionale Logik keinen Sinn mache. Denn (SI) schließt Spaltung aus, Fusion/Hintikka: Um Fusion auszuschließen, brauchen wir die umgekehrte Form statt (SI) brauchen wir (IS): (IS) (x)(y) (möglich (x = y) > x = y) ((s) Mögliche Identität ist Identität, d.h. letztlich ist sie notwendig.) Problem/Hintikka: (IS) ist in manchen konventionellen Systemen der quantifizierten Modallogik nicht gültig, einschließlich der von Ruth Barcan Marcus. Für diese Systeme müssen wir Spaltung erlauben, wenn wir von möglichen Welten in Richtung der aktualen Welt gehen (nach Hause reisen). Richtung/Interpretation/Hintikka: Aber bei der Interpretation gibt es gar nichts zu unterscheiden zwischen den Richtungen. II 196 Es ist nämlich nur ein Zufall, dass diese Systeme keine Rückblickenden Operatoren“ (Saarinen, s.o.) enthalten. D.h. jeder Verteidiger dieser konventionellen Systeme verteidigt insgeheim doch die Möglichkeit von Spaltungen, d.h. die Zurückweisung von (SI). Spaltung/Hintikka: Spaltung ist bei einigen wenigen Modellen der Querwelteinidentifikation, Re-Identifikation in der Zeit sinnvoll. Bsp Ein Computer könnte auseinandergenommen werden und zwei Computer daraus gebaut werden. Das könnte später wieder revidiert werden. >Identität zwischen Welten. Re-Identifikation/Reidentifikation/Hintikka: Reidentifikation ist der Schlüssel zu Fällen von Spaltung und Fusion. Spaltung/Hintikka: Es gibt einen strukturellen Grund, warum sie so selten ist: Wenn Weltlinien aus infinitesimalen Elementen zusammengesetzt sind wie die Lösungen von Differentialgleichungen, entspricht die Spaltung einer Singularität, und dies ist ein seltenes Phänomen. Spaltung/Hintikka: Die Argumente gegen sie sind zirkulär in einem tiefen Sinn. Sie basieren auf der Idee, dass für Quantifikation der Individuenbereich fixiert bleiben sollte. (HintikkaVsKripke). Mögliche Welt/Individuenbereich/HintikkaVsKripke: Man sollte nicht fordern, dass die Individuen beim Wechsel von Welt zu Welt dieselben bleiben müssen. Die Rede von Welten ist leer, wenn es keine möglichen Erfahrungen gibt, die sie unterscheiden könnten. |
Hintikka I Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka Untersuchungen zu Wittgenstein Frankfurt 1996 Hintikka II Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka The Logic of Epistemology and the Epistemology of Logic Dordrecht 1989 |
| Täuschungen | Frith | I 30 Wasserfalltäuschung/Täuschung/Illusion: Bsp Hier bleiben Objekte stehen, doch wir sehen sie noch immer in Bewegung. Es gibt auch die umgekehrte Täuschung. I 37 Täuschung/Illusion/Frith: Bsp Jemand, der taub ist, kann von der Illusion geweckt werden, laute Musik zu hören. I 39 Falsches Wissen/Frith: Bsp Epilepsie: kann zu falschem Wissen führen. >Illusion. I 40 Aura: lässt den Betroffenen Stimmen und Laute hören. Auch Bsp Erlebnisse aus der Vergangenheit. I 41 Dies kann zu falschem Wissen führen. I 47 Schizophrenie/Frith: typisches Merkmal: Bsp Die Leute glauben fest, sie hätten Erlebnisse gehabt, die sie aber nicht hatten. I 49 Illusion/Schizophrenie/Frith: Die Leute hören Stimmen, die ihnen Befehle erteilen und Handlungen kommentieren. Das Gehirn kann also eine falsche mentale Welt erschaffen. Es geht nicht um die physische Welt. >Schizophrenie. These: Auch das völlig normal funktionierende Gehirn kann uns etwas Falsches erzählen. I 51 Gehirn/Welt/Realität/Wahrnehmung/Frith: These: Selbst wenn unser Gehirn normal funktioniert, haben wir keinen direkten Zugang zur Welt. >Welt/Denken. I 83 Bewegung/Wahrnehmung/Täuschung/Illusion/Frith: Bsp Die Hand soll eine gerade Linie zeichnen, die auf dem Computerbildschirm erscheint. Die Hand selbst ist aber nicht sichtbar. Der Computer kann selbst Verzerrungen herbeiführen. Pointe: Man weiß nicht, was die Hand gerade tut. Die Grenze ist außerhalb des Körpers und endet am Zeiger, den ich über den Bildschirm bewege. Bsp Personen sehen eine Hand im Spiegel ohne zu wissen, dass es die Hand eines Helfers ist. I 85 Bewusste Handlung: Das Sich-Bewusst-Werden: Hier liegt die Grenze innerhalb des Körpers und endet an dem Punkt, wo ich die Absicht habe, eine senkrechte Linie zu zeichnen. >Handlungen. I 89 Täuschung/optische/Illusion: Bsp Ein Ziel in einem Rahmen wird kurz gezeigt, dann nochmals, wobei das Ziel geblieben ist, der Rahmen aber etwas gewandert ist. Die Person glaubt, dass das Ziel, aber nicht der Rahmen gewandert ist. Pointe: Nur die Sehrinde kommt zu dem Schluss, dass der Rahmen geblieben ist, wenn die Person zeigen soll, wo sie das Ziel vermutet, zeigt sie die korrekte Stelle. Die Zeigebewegung wird von der Bewegung des Rahmens nicht beeinflusst. Wissen: Die Hand „weiß“, dass sich das Ziel nicht bewegt hat. I 90/91 Gehirn/Frith: Das Gehirn sagt uns nicht, wenn sich unser Körper anders bewegt, als wir beabsichtig haben (bei normalen Menschen). I 209 Def Schizophrenie/Frith: Schizophrenie ist keine Persönlichkeitsspaltung, sondern die Spaltung verläuft zwischen den Teilen einer Persönlichkeit. Zwischen Emotion und Wissen. >Emotion, >Wissen. I 210 Diagnose: Es gibt keine körperlichen Anzeichen für Schizophrenie. Die Diagnose beruht auf dem, was der Patient dem Arzt erzählt. Der Kranke glaubt, seine Handlung würden von fremden Mächten gesteuert. Er halluziniert über fremde Mächte. I 211 Irrtumsimmunität/Immunität/Irrtum Fehlidentifikation/Frith: Irrtumsimmunität scheint im Fall der Schizophrenie nicht zu bestehen. Gedanken/Denken/Frith: Das führt zu der Frage, woher wir wissen, woher unsere Gedanken kommen und dass sie unsere eigenen Gedanken sind. >Gedanken, >Denken. I 235 Täuschung/Frith: Autisten sind meist nicht in der Lage, jemanden zu täuschen. Freundschaft/Gesellschaft/Gemeinschaft: Das ist der Grund dafür, dass Autisten oft allein sind. I 236 Die Fähigkeit zur Täuschung ist eine wichtige Voraussetzung Freundschaften aufrechtzuerhalten. >Freundschaft, >Lüge. |
Frith I Chris Frith Wie unser Gehirn die Welt erschafft Heidelberg 2013 |
| Terminologien | Gould | I 190 1. Stasis: Die meisten Arten zeigen während ihrer Anwesenheit auf der Erde kaum Veränderung in der einen oder anderen Richtung. 2. Plötzliches Auftreten: In allen Lebensbereichen treten Arten nicht aufgrund unablässiger Veränderungen ihrer Vorläufer auf, sondern plötzlich und "voll ausgebildet". I 191 Evolution/Gould: Evolution geht im Wesentlichen auf zweierlei Weise vor sich: a) Def phyletische Transformation: Eine Gesamtpopulation verändert sich von einem Zustand zu einem anderen hin. Würden sich alle evolutionären Veränderungen auf diese Weise ereignen, könnte sich das Leben nicht lange halten. (Siehe Evolution/Gould). b) Def Speziation: Neue Arten zweigen sich von bisherigen ab. Alle Theorien der Speziation gehen davon aus, dass Aufspaltungen bei sehr kleinen Populationen rasch eintreten. Bevorzugt wird die "allopatrische" (an einem anderen Ort geschehende) Speziation von den meisten Theoretikern. (Das ist die orthodoxe Auffassung). Bei der "sympatrischen" Speziation treten neue Formen innerhalb des Verbreitungsgebiets der bisherigen Form auf. I 198 Def Präadaption: Präadaption ist aus der These hergeleitet, dass in den Anfangsstadien andere Funktionen erfüllt worden sind. Bsp Ein halber Kiefer konnte die Kiemen stützen. Ein halber Flügel mag zum Fang von Beutetieren gedient haben, oder zur Kontrolle der Körpertemperatur. I 240 Def Eozoon: Ein Eozoon ist die Frühform eines Tieres. I 256 Def Protisten: Protisten sind einzelligen Vorläufer. Def Metazoen: Metazoen sind vielzelligen Nachkommen. I 258 Def homologe Ähnlichkeit gemeinsame Vorläufer: Zwei Organismen können dasselbe Merkmal besitzen, weil sie es von einem gemeinsamen Vorfahren bekommen haben. Def analoge Ähnlichkeit: keine gemeinsamen Vorläufer: Wenn zwei Organismen ein gemeinsames Merkmal aufweisen, das das Ergebnis einer getrennten, aber ähnlichen evolutionären Veränderung in voneinander unabhängigen Entwicklungslinien darstellt. I 281 Def Parallelismus, Def Konvergenz: Parallelismus ist eine getrennte Entwicklung ähnlicher Merkmale im Verlauf der Evolution. Diese tritt sehr häufig auf. II 56 Def Diploid: Tiere, die in beiden Geschlechtern gepaarte Chromosomen aufweisen, sind diploid. Manche Tiere verwenden zur Geschlechtsbestimmung ein anderes Merkmal: Die Weibchen sind diploid, aber die Männchen haben anstelle jedes weiblichen Paars nur ein Chromosom und werden als Def Haploid bezeichnet. Haploid bedeutet nur ein Chromosom zu haben (die Hälfte der diploiden Anzahl). Mit anderen Worten: Die Männchen entwickeln sich ironischerweise aus unbefruchteten Eiern und haben keinen Vater. Befruchtete Eier dagegen erzeugen diploide Weibchen. Tiere, die dieses System verwenden, werden Def Haplodiploid genannt: Die Männchen entwickeln sich aus unbefruchteten Eiern und haben keinen Vater. Befruchtete Eier dagegen erzeugen diploide Weibchen. Damit kann die Anzahl der Weibchen gesteuert werden. II 57 Dieses faszinierende System kann dazu beitragen, den Ursprung der sozialen Systeme bei Ameisen zu erklären. Oder auch, Bsp dass eine männliche Milbe vor ihrer eigenen Geburt stirbt, nachdem sie im Mutterleib ihre Schwestern befruchtet hat. Mindestens 10% aller bekannten Tierarten sind haplodiploid. II 186 Def homöotische Mutation: Beine oder Teile von Beinen ersetzen eine Vielzahl von Strukturen am Kopf vor allem Fühler und Teile des Mundes. Nicht alle falsch platzierten Teile stellen Homöosen dar. William Bateson (nicht Gregory), der später das Wort Genetik erfand, nannte homöotisch nur Fälle, in denen Organe ersetzt werden, die den gleichen Entwicklungs- oder Evolutionsursprung haben. II 192 Lebensfähige Homöoten, die die Urformen nachbilden, sind nicht wirklich wiedergeborene Vorfahren. Es werden doppelte Elemente ausgebildet, keine alten Muster wiedergefunden. II 193 Es wird durch diese Dinge deutlich, wie wenige Gene für die Regulierung der Grundordnung im Körper einer Fruchtfliege verantwortlich sind. II 240 Def Zoozentrisch: Zoozentrismus ist die Sichtweise, die aus dem Verhalten anderer Tiere allgemeine Prinzipien ableitet und dann den Menschen vollständig in diese Rubrik hinein subsumiert, weil wir unbestreitbar auch Tiere sind. Def Anthropozentrisch: Anthropozentrismus ist die Sichtweise, die versucht, die Natur in uns zu subsumieren, indem sie unsere Besonderheiten als das Ziel des Lebens von Anfang an betrachtet. Die zoozentrische Auffassung kann bis zur Karikatur ausgedehnt werden, die häufig dann als der "nichts als Irrtum" bezeichnet wird: Der Mensch sei "nichts anderes als" ein Tier (Reduktionismus). Die Populärwissenschaft überschwemmt uns mit der übermäßig ausgedehnten Version des Zoozentrismus. II 331 Def "Gendrift"/Gould: Gendrift ist der Prozess der zufälligen Zu- oder Abnahme der Genfrequenz. II 352 Def Klade: Die Klade ist ein Zweig an einem Evolutionsbaum. Der Kladismus versucht, für eine Reihe verwandter Arten das Muster der Verzweigung zu etablieren. II 353 Def Schwestergruppe: Die Schwestergruppe bildet ein auf dem Kopf stehendes Ypsilon. Dies sind zwei Stämme, die einen gemeinsamen Vorfahren teilen, von dem kein anderer Stamm abzweigt. Bsp Gorillas und Schimpansen bilden eine Schwestergruppe. Wir können dann die Schimpansen-Gorilla-Gruppe als Einheit betrachten und fragen, welcher Primat mit ihr die Schwestergruppe bildet. II 354 Def abgeleitete Merkmale: Abgeleitete Merkmale sind Eigenschaften, die nur bei Mitgliedern einer direkten Abstammungslinie vorkommen. Bsp Alle Säugetiere haben Haare, das ist bei keinem anderen Wirbeltier der Fall. II 355 Haare sind für die Klasse der Säugetiere ein abgeleitetes Merkmal, weil sie sich nur einmal beim gemeinsamen Vorfahren der Säugetiere entwickelt haben und daher einen echten Zweig im Stammbaum der Wirbeltiere identifizieren. Gemeinsame abgeleitete Merkmale sind zwei oder mehreren Stämmen gemeinsam und können benutzt werden, um Schwestergruppen zu identifizieren. II 356 GouldVsKladismus: Die meisten abgeleiteten Merkmale sind zweideutig: Sie neigen entweder dazu, zu einfach abgrenzbar zu sein, oder sie sind adaptiv so vorteilhaft, dass mehrere Stämme sie durch natürliche Auslese unabhängig voneinander entwickelt haben. II 360 Def Klassifikation (Kladismus): Klassifikation wurde entworfen, relative Ausmaße von Ähnlichkeit widerzuspiegeln. Def Phenetismus: Phenetismus ist eine andere Theorie der Klassifikation, sie konzentriert sich lediglich auf die Gesamtähnlichkeit und versucht, dem Vorwurf der Subjektivität zu entgehen, indem sie sich auf eine große Anzahl von Merkmalen beruft, die alle numerisch ausgedrückt und vom Computer bearbeitet werden. II 374 Def "Telegonie": Merkmale längst ausgestorbener Vorfahren tauchen wieder auf. Sie sind "Nachkommen aus der Entfernung". Telegonie bezeichnet die Vorstellung, dass ein Erzeuger Nachkommen beeinflussen könnte, die nicht von ihm gezeugt wurden. Def "Pangenesis" 1868, provisorisch von Darwin entwickelt: These: Alle Zellen des Körpers erzeugen kleine Partikel, "Gemmulae", die im ganzen Körper kreisen, sich in den Geschlechtszellen sammeln und schließlich die Merkmale an die Nachkommen übertragen. GouldVs"Pangenesis: Da die "Gemmulae" sich verändern können, können angeeignete Merkmale vererbt werden. Das wäre Lamarckismus. II 377 Def Orthogenese: Orthogenese ist die Annahme, nach der ein vorgezeichneter Pfad befolgt wird. IV 103 Doktrin der Uniformität (vertreten von Charles Lyell und James Hutton): Die obersten Erdschichten seien seit Millionen Jahren unverändert. IV 153 Def Monogenie (19. Jahrhundert): These: Monogenie ist die These, dass eine gemeinsame Abstammung aller Menschen von den Stammeltern Adam und Eva vorliegt. (Niedere Rassen seien später von ursprünglicher Perfektion degeneriert.) Def Polygenie (19. Jahrhundert): These: Adam und Eva seien nur die Vorfahren der weißen Völker. IV 159 Def Unterart: Eine Unterart ist eine Population, die ein bestimmtes geographischen Gebiet bewohnt. IV 357 Def sympatrisch: Sympatrisch heißt "am selben Ort". Def allopatrisch: Allopatrisch heißt "an getrennten Orten". (Man nimmt an, dass Arten sich nur getrennt entwickeln können.) III 19 Das "Volle Haus": ist ein zentrales Argument Goulds: Die natürliche Realität ist eine Ansammlung von Individuen in Populationen. Variation ist nicht reduzierbar sondern "real" in dem Sinn, dass daraus "die Welt besteht". Fehler: Populationen (nach Platon) immer als "Durchschnitt" zu beschreiben, der dann als "typisch" gilt. III 67 Das "Volle Haus": Das "Volle Haus" spiegelt die Notwendigkeit wider, sich nicht immer nur auf ein abstraktes Maß eines Durchschnitts oder einer zentralen Tendenz zu konzentrieren, sondern auf die Variation innerhalb ganzer Systeme. Fehler: Es ist ein Fehler, ein wahrscheinliches Ergebnis für ein einzelnes Individuum als Maß für eine zentrale Tendenz zu betrachten. |
Gould I Stephen Jay Gould Der Daumen des Panda Frankfurt 2009 Gould II Stephen Jay Gould Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991 Gould III Stephen Jay Gould Illusion Fortschritt Frankfurt 2004 Gould IV Stephen Jay Gould Das Lächeln des Flamingos Basel 1989 |
| Terminologien | McDowell | I 18 Logischer Raum der Gründe/Logischer Raum der Natur/McDowell: These: Neben dem Raum der Gründe (Begriffe) gibt es einen logischen Raum der Natur: der Naturgesetze, diese sind nicht-normative Beziehungen. a) logischer Raum der Gründe: Rechtfertigung, Wissen, Überzeugung, funktionale Begriffe. b) logischer Raum der Natur: Gegenstände, Sinneseindrücke. Das ist nicht eine Aufspaltung von "natürlich" und "normativ". |
McDowell I John McDowell Geist und Welt Frankfurt 2001 McDowell II John McDowell "Truth Conditions, Bivalence and Verificationism" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell |
| Viele-Welten-Theorie | Kanitscheider | II 122 Viele-Welten-Deutung/Zufall/Existenz/Leben/Kanitscheider: Brandon Carter 1974(1) Vorschlag: Ein Ensemble von Welten anzunehmen, in dem eine echte Untermenge eine lebensgünstige Abstimmung der Konstanten besitzt. Die Tatsache, dass gerade unsere Welt zur erkennbaren Teilmenge gehört, ist dann logisch notwendig, denn sonst könnten wir eine solche Überlegung nicht anstellen. ((s) Umkehrung: viele Welten statt einmaligem Zufall. Das Anthropisches Prinzip verfährt umgekehrt). Kanitscheider: Damit wird das Erstaunen reduziert, dass es uns gibt. Vgl. >Anthropisches Prinzip. Viele Welten/Epikur(2): Es gibt unzählige Welten, teils ähnlich der unseren, teils unähnlich. Sind doch die Atome weder für eine Welt auf gebaut, noch für eine begrenzte Zahl von Welten. Nichts steht der Annahme einer unendlichen Weltenzahl im Wege. II 123 Viele Welten/Giordano Bruno(3): Es ist ein allgemeiner leerer, unermesslicher Raum, in dem unzählige Weltkugeln schweben wie diese. Unendlich ist der Raum, weil es keinen Grund und keine Möglichkeit gibt, ihn zu begrenzen. Viele Welten/Huygens(4): (1629 - 1695): "Prinzip der Plenitudo" zur Begründung. Die Natur birgt eine unbeschränkte Potentialität in sich, man würde ihre Gestaltungskraft zu sehr einengen, wenn man nur eine Welt annähme. Viele Welten/Tradition/Kanitscheider: In traditionellen Thesen wird von ganz unterschiedlichen Vorstellungen ausgegangen, einige dieser Welten werden als fremde Planeten vorgestellt, aber immer mit kausaler Verbindung unter diesen "Welten". Viele Welten/Moderne Kosmologie/Kanitscheider: Hier wird kausale Entkoppelung angenommen. Unter anderem wegen unendlicher Entfernungen. >Kausalität. Viele Welten/Naturgesetze/George Gamov(5): Man könnte annehmen, dass die fundamentalen Gesetze der Relativitätstheorie, Quantenmechanik und Thermodynamik für alle Welten gelten, aber die Naturkonstanten andere Werte haben. >Naturkonstanten. II 124 Einige dieser Welten wären durchaus vorstellbar, andere hingegen, die allein deshalb logisch möglich sind, weil sie keine inneren Widersprüche enthalten, entziehen sich unserer Vorstellung. Viele Welten/Kanitscheider: Welche Prozesse in Welten mit beliebiger, aber konstanter Gesetzesstruktur ablaufen, ist kaum eruierbar. Man kann aber im Gedankenexperiment einzelne Gesetze außer Kraft setzen. Bsp Zweiter Hauptsatz suspendiert: anti-entropische Welten haben bereits so bizarre Eigenschaften, dass sie vermutlich von uns gar nicht richtig verstanden werden können. Empirie/Beobachtung/Kanitscheider: Auch in ganz nahen Gebieten gibt es Zonen, die aus physikalischen Gründen für Messgeräte unzugänglich sind. Bsp Das Innere der Sonne. Wir werden es nie direkt beobachten. >Quantenmechanik, >Messen. II 125 Viele Welten/Kanitscheider: Wenn es einen Beweis aus den Prinzipien der Physik gäbe, dass Quantenmechanik und Relativitätstheorie nur unsere Welt als einzige ermöglichen, hätte sich die Sache erübrigt. Einen solchen Beweis gibt es aber nicht im Entferntesten. Einfachheit/Theorie/Kanitscheider: Ob die Ein-Welten-Hypothese die einfachste ist, hängt von der jeweiligen theoretischen Situation ab. Bsp Bei chaotischer Inflation, wo Quantenschwankungen in einem hochdimensionalen Superraum den natürlichen Zustand der Realität darstellen, wäre eine einzige Welt eine schwierige Annahme. Viele Welten Deutung/EWG/Everett(6)(9)/Wheeler/Graham: hier enthält die Wellenfunktion alle Möglichkeiten von Zuständen in Superposition. Quantenkosmologie/Kanitscheider: Hier lässt sich die traditionelle Trennung von Messgerät, Beobachter und Objekt nicht aufrechterhalten, da es kein Außerhalb gibt. >Quantenmechanik. Everett/Wheeler/Graham/EWG: Diese These schlägt nun vor, dass der Zustandsvektor (das geometrische Gegenstück der Wellenfunktion im Hilbertraum) niemals kollabiert. Statt dessen Aufspaltung in Parallel-Welten. >Wellenfunktion. II 126 Einfachheit/Theorie/Kanitscheider: Angesichts der Viele-Welten-Deutung kann man fragen, welche Quantenmechanik der Messung als einfacher zu gelten hat: 1. Diejenige, die mit einem akausalen, diskontinuierlichen, unzeitlichen, indeterministischen Kollapsprozess arbeitet, oder 2. Diejenige, die eine umfassendere Realität, aber auch einen deterministischen, kausalen, stetigen, dynamisch beschreibbaren Messvorgang zugrunde legt. >Einfachheit. Elementarteilchenphysik/heute/Kanitscheider: Alles, was nicht verboten ist, kommt tatsächlich vor. Also Zerfälle, die nicht die Erhaltungssätze verletzen. >Erhaltungssätze. Viele Welten/Sciama(7): Die Theorie bedeutet keine Verletzung von Ockhams Rasiermesser, wenn man dieses als geringste Zahl der Einschränkungen deutet, die mit dem Beobachtungsmaterial vereinbar sind. Vgl. >Konservativität. II 127 Einzigkeit/Leibniz(8): Metaphysische Begründung: es muss einen zureichenden Grund für die Wahl Gottes geben. >Gottfried Wilhelm Leibniz. Vgl. >Mögliche Welten. 1. Brandon Carter (1974). Large Number Coincidence amd the Anthropic Principle in Cosmology. In: M.S. Longair (Ed): Cosmological Theories in Confrontation with Cosmological Data. In: International Astronomical Union Symposium Nr. 63. Dordrecht. pp.291-298. 2. Diogenes Laertius: Leben und Meinungen berühmter Philosophen. Buch X, 45, 2. Aufl. Hamburg: Meiner. 1967. S. 243f. 3. Giordano Bruno: De L'infinito universo et mondi. Zitiert nach: A. Koyré: Von der geschlossenen Welt zum unendlichen Universum. Frankfurt/M.: Suhrkamp. 1969. 4. Ch. Huyghens: The Celestial Worlds discovered: or, Conjectures concerning the inhabitants, planets and productions of the worlds in the planets. London 1698. 5. George Gamov: Mr. Tompkins seltsame Reisen durch Kosmos und Mikrokosmos. Braunschweig: Vieweg 1980. 6. B. S. DeWitt: The Everett-Wheeler-Interpretation of Quantum Mechanics. In: C. DeWitt/J.A. Wheeler (eds.): Bettelle Rencontres, 1967, Lectures in Mathematics and Physics. New York: W.A. Benjamin 1968, S. 318-332 7. D.W. Sciama: The Anthropic Principle and the non-uniqueness of the Universe. In: F. Bertola/U. CUri (eds.): The Anthropic Principle. Cambridge: UP 1993, pp. 107-110. 8. G.W. Leibniz: Monadologie. Hamburg: Meiner 1976 § 53. 9. Hugh Everett (1957). “Relative State” Formulation of Quantum Mechanics. In: Reviews of modern physics. Vol. 29, 1957, S. 454–462 |
Kanitsch I B. Kanitscheider Kosmologie Stuttgart 1991 Kanitsch II B. Kanitscheider Im Innern der Natur Darmstadt 1996 |
| Welt | Freud | Rorty V 39 Freud/Rorty: gehörte wie Kopernikus und Darwin zu jenen, die unser Weltbild dezentriert haben. Freud: »Das Ich ist nicht Herr im eigenen Hause«. > Mechanisierung des Weltbildes. V 41 Freud/RortyVsHume: Im Gegensatz zu Hume hat Freud unser Selbstbild tatsächlich umgestaltet! Wenn das Ich nicht Herr im eigenen Hause ist, so deshalb, weil es tatsächlich eine andere Person gibt! Das Unbewusste Freuds ist tatsächlich wirksam. V 43 Es wirkt aber nicht wie ein Ding, das wir in Anspruch nehmen können, sondern wie eine Person, die uns in Anspruch nimmt. Das Ich ist von Gegenstücken von Personen bevölkert, die wir kennen müssen, um das Verhalten eines Menschen zu verstehen. >Verhalten, >Verstehen, >Erklärung. DavidsonVsFreud/Rorty: Aufspaltung wird von Philosophen immer als beunruhigend empfunden. Aber: (pro Freud) es gibt keinen Grund »du glaubst unbewusst, dass p« anstelle von »es gibt etwas in dir, das bewirkt, dass du so handelst, als glaubtest du, dass p« anzunehmen. >Unbewusstes, >Ethik, >Moral. |
Freud I S. Freud Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse Hamburg 2011 Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 |
| Wertparadoxon | Klassische Ökonomie | Rothbard IV 4 Wertparadoxon/Klassische Ökonomie/VsKlassische Ökonomie/Rothbard: [Ein] entscheidender Fehler war, dass die klassische Ökonomie versucht hatte, die Wirtschaft in Begriffen von „Klassen“ zu analysieren, anstatt die Handlungen von Individuen. Infolgedessen konnten die klassischen Ökonomen keine korrekte Erklärung für die zugrunde liegenden Kräfte finden, die die Werte und relativen Preise von Waren und Dienstleistungen bestimmen; sie konnten auch nicht die Handlungen der Verbraucher analysieren, die die Aktivitäten der Produzenten in der Wirtschaft entscheidend bestimmen. Bei der Betrachtung von „Klassen“ von Gütern konnten die klassischen Ökonomen beispielsweise nie das „Wertparadoxon“ lösen: die Tatsache, dass Brot, obwohl es äußerst nützlich und der „Stab des Lebens“ ist, auf dem Markt einen niedrigen Wert hat, während Diamanten, ein Luxusgut und somit ein bloßer Firlefanz im Hinblick auf das menschliche Überleben, auf dem Markt einen sehr hohen Wert haben. Wenn Brot eindeutig nützlicher ist als Diamanten, warum wird Brot dann auf dem Markt so viel billiger bewertet? In ihrer Verzweiflung, dieses Paradoxon zu erklären, kamen die klassischen Ökonomen leider zu dem Schluss, dass die Werte grundsätzlich gespalten sind: Brot hat zwar einen höheren „Gebrauchswert“ als Diamanten, aber aus irgendeinem Grund einen niedrigeren „Tauschwert“. Aus dieser Spaltung heraus prangerten spätere Generationen von Schriftstellern die Marktwirtschaft als tragische Fehlleitung von Ressourcen in die „Produktion für den Profit“ im Gegensatz zur weitaus nützlicheren „Produktion für den Nutzen“ an. >Österreichische Schule, >Preis, >Wert, >Werttheorie, >Waren. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Wirtschaft | Ricardo | Rothbard II 82 Wirtschaft/Ricardo/Rothbard: Im Gegensatz zu Adam Smith, für den die Produktion oder der Reichtum der Nationen von höchster Bedeutung war, vernachlässigte Ricardo die Gesamtproduktion, um den Schwerpunkt auf die angebliche Verteilung eines bestimmten Produkts in Makroklassen zu legen. Genauer gesagt in die drei Makro-Klassen der Grundbesitzer, Arbeiter und Kapitalisten. In einem Brief an Malthus, der zumindest in dieser Frage ein orthodoxer Smithianer war, machte Ricardo die Unterscheidung deutlich: „Politische Ökonomie, so meinen Sie, ist eine Untersuchung der Natur und der Ursachen des Reichtums; ich denke, man sollte sie eher eine Untersuchung der Gesetze nennen, die die Aufteilung des Industrieprodukts auf die Klassen bestimmen, die an seiner Entstehung beteiligt sind. Da das Unternehmertum in Ricardos Welt des langfristigen Gleichgewichts nicht existieren konnte, blieb ihm die klassische Triade der Faktoren. Seine Analyse war streng ganzheitlich, im Sinne von angeblich homogenen, aber tatsächlich vielfältigen und unterschiedlichen Klassen. Ricardo vermied jegliche Betonung des Individuums, sei es als Konsument, Arbeiter, Produzent oder Geschäftsmann. SchumpeterVsRicardo: In Ricardos Welt der Verbalmathematik gab es, wie Schumpeter scharfsinnig dargelegt hat, vier Variablen: die Gesamtproduktion oder das Gesamteinkommen und die Einkommensanteile von Vermietern, Kapitalisten und Arbeitern, d. h. Miete, Gewinn (langfristiger Zins) und Lohn. Problem: [Ricardo] hatte vier Variablen, aber nur eine Gleichung, mit der er sie lösen konnte: Gesamtproduktion (oder Einkommen) = Rente + Gewinne + Löhne. Um diese Gleichung zu lösen, oder vielmehr so zu tun, als ob er sie lösen würde, musste Ricardo eine oder mehrere dieser Größen von außerhalb seiner Gleichung „bestimmen“, und zwar so, dass andere als Residuen übrig blieben. >Lohn/Ricardo, >Land/Ricardo, >Grenzkosten/Ricardo, >Ricardianische Theorie. Rothbard II 195 Geld/Preise/Rocardo/Rothbard: Damit Geld gegenüber allem außer einem allgemeinen Preisniveau strikt neutral ist, musste Ricardo eine strikte, radikale Dichotomisierung zwischen der monetären und der realen Welt durchsetzen, wobei Werte, relative Preise, Produktion und Einkommen nur in der „realen“ Sphäre bestimmt wurden, während die Gesamtpreise ausschließlich in der monetären Sphäre festgelegt wurden. >Bullionismus. RothbardVsRicardo: Und niemals könnten sich die beiden Sphären treffen. Und hier begann der verhängnisvolle und allgegenwärtige moderne Irrtum einer strengen Trennung zwischen zwei hermetisch abgeschlossenen Welten: der „Mikro“- und der „Makro“-Welt, jede mit ihren eigenen Determinanten und Gesetzen. Wie Salerno(1) schreibt, war es Ricardo, der in seinen bullionistischen Schriften die Doktrin des neutralen Geldes nachdrücklich bekräftigte, die als Quelle für die klassische Auffassung des Geldes als bloßer „Schleier“ diente, der die „wirklichen“ Phänomene und Prozesse der Wirtschaft verdeckt.(2) Wenn das Geld neutral ist, dann müssen der Wert oder die relativen Preise nur „wirkliche“ Determinanten haben, die Ricardo in den verkörperten Arbeitsmengen entdeckte. 1. Joseph Salerno, 'The Doctrinal Antecedents of the Monetary Approach to the Balance of Payments' (doctoral dissertation, Rutgers University, 1980), p. 447. Salerno führt weiter aus, dass Ricardos strenge, mechanistische Trennung zwischen Geld und Realem, die zu der Doktrin führt, dass Geld ein „Schleier“ ist, auch zu dem scheinbaren Paradoxon führt, dass Ricardo in seinen Principles zu einer höchst irreführenden, rein realen, nicht monetären „Tausch“-Analyse der Zahlungsbilanz wechselt. Das Paradoxon ist nur scheinbar, denn eine starke Spaltung ermöglicht es, zwischen der rein monetären und der rein realen Analyse hin- und herzuspringen. Es war die Tauschhandelsanalyse der Ricardo-Prinzipien, so Salerno, „die als Grundlage für die klassische Theorie der Zahlungsbilanz diente“. 2. Ibid., p. 449. |
EconRic I David Ricardo On the principles of political economy and taxation Indianapolis 2004 Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Wissenschaft | Wilson | I 72 Wissenschaft/Wilson, E. O.: Erst die Klassifikation von Daten und deren Interpretation durch die Theorie ermöglichen die rationale Verarbeitung der Sinneswahrnehmungen, zu denen uns die Instrumente verholfen haben. In der Wissenschaft- und letztlich auch im übrigen Leben – ergibt nichts einen Sinn ohne Theorie. Es liegt in unserer Natur, alles Wissen in einem Kontext zu stellen, um eine Geschichte zu erzählen und die Welt entsprechend neu zu erschaffen. I 74 Reduktionismus/Wilson: ist der Dreh und Angelpunkt von Wissenschaft, die Aufspaltung der Natur in ihre natürlichen Bestandteile. I 75 Kunst/Wilson, E. O. : die Vorliebe für nicht reduzierte Komplexität ergibt Kunst, die Vorliebe für reduzierte Komplexität ergibt Wissenschaft. I 92 Wissenschaft/Wilson: ist mit einem Labyrinth zu vergleichen. Es ist allerdings viel leichter, es zu verlassen, als es zu betreten. Wenn Teilerklärungen erst einmal wie ein Faden von einem Abschnitt zum anderen Gespannt worden sind, von einer Organisationsebene zur nächsten, (…) können wir an jedem beliebigen Faden entlang zurückgehe und zuversichtlich darauf vertrauen, dass er uns an de Kausalverzweigungen vorbei zu den Gesetzen der Physik zurückführen wird. Die Reise in umgekehrter Reihenfolge, also von der Physik zu den diversen Endpunkten, ist hingegen extrem schwierig. Je weiter man sich von der Physik entfernt, umso mehr Optionen eröffnen die Disziplinen, die man passiert – und zwar in exponentiellem Maße. >Erklärung/Wilson, >Wissenschaft/Wilson. |
WilsonEO I E. O. Wilson Consilience: The Unity of Knowledge New York 1998 |
| Zivilisation | Habermas | III 216 Marxismus/Habermas: Hegel ist auf dem Wege einer unkritischen Aneignung des dialektischen Begriffsapparates wirksam geworden; in die Grundbegriffe der Kritik der Politischen Ökonomie ist die Einheit von theoretischer und praktischer Vernunft so eingebaut, dass die normativen Grundlagen der Marxschen Theorie III 217 bis heute verdunkelt worden sind. >Reine Vernunft, >Praktische Vernunft, >Marxismus, >G.W.F. Hegel. Diese Unklarheit ist im Marxismus teils umgangen, teils verdeckt, aber nicht eigentlich ausgeräumt worden: umgangen durch die Aufspaltung der Marxschen Gesellschaftstheorie in Sozialforschung und ethischen Sozialismus (M. Adler); und verdeckt sowohl durch eine orthodoxe Bindung an Hegel (Lukács, Korsch) wie durch eine Assimilation an die stärker naturalistischen Entwicklungstheorien des 19. Jahrhunderts (Engels, Kautsky). Diese Theorien bilden die Brücke, über die zunächst die geschichtsphilosophisch behandelte Rationalisierungsthematik auf die Soziologie übergegangen ist.(1) >Soziologie, >G. Lukács. 1.J. Habermas Zur Rekonstruktion des Historischen Materialismus, Frankfurt, 1976. |
Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |
| Begriff/ Autor/Ismus |
Autor |
Eintrag |
Literatur |
|---|---|---|---|
| Selbstorganisation | Kauffman, St. | Dennett I 303 Selbstorganisation/Kauffman/Dennett: These Evolution macht selbst eine Evolution durch ï·" sie entwickelt sich, weil das ein erzwungener Zug im Gestaltungsspiel ist ï·" den richtigen Weg zu finden ist überraschend einfach ï·" Gesetze der Gestaltung, nicht der Form ï·" Zwangsläufigkeiten der Metatechnik ï·" Epistase: Wechselwirkung zwischen Genen: ï·" Eignungslandschaft bestimmt Entwicklung stark: ï·"gelungene Resultate werden geopfert ï·" Kauffman I 30 Kauffman These wenn das Band des Lebens noch einmal abgespielt würde, dann sähen die einzelnen Verzweigungen am Stammbaum des Lebens zwar möglicherweise anders aus, doch die Muster der Verzweigungen, die zunächst stark divergieren und dann immer mehr zu einem Ausfeilen von Details werden, folgen wahrscheinlich einer tieferen Gesetzmäßigkeit . Selbstorganisation/Kauffman: These diese Strukturen treten auf allen Ebenen auf: angefangen bei Ökosystemen bis zu Wirtschaftssystemen, die eine technologische Evolution durchlaufen. These sämtliche komplexen adaptiven Systeme in der Biosphäre ï·" von Einzellern bis zu Volkswirtschaften ï·" streben einen natürlichen Zustand zwischen Ordnung und Chaos an. Großartiger Kompromiß zwischen Struktur und Zufall. I 49 These Die besten Kompromisse werden offenbar im Phasenübergang zwischen Ordnung und Chaos erzielt. I 51 Chaosrand/Kauffman: große Ã"hnlichkeit mit der Theorie der "selbstorganisierten Kritizität": These Per Bak, Chao Tang, Kurt Wiesenfeld. I 349 Selbstorganisation/Kauffman: Bak, Chao, Wiesenfeld, 1988: neue Theorie: These selbstorganisierte Kritizität. Bsp Sandhaufen auf einem Tisch, der ständig größer wird. I 350 Potenzgesetz/Kauffman: viele kleine und wenig große Lawinen. Für Lawinen gibt es überhaupt keine typische Größe! Sie ist auch unabhängig von der Größe des auslösenden Sandkorns. Katastrophe/Chaos/Kauffman: Gleichgewichtssysteme brauchen keine massiven Auslöser, um massiv in Bewegung zu geraten. I 366 Wirtschaft/Organisation/Selbstorganisation/Kauffman: neue Forschungen (Emily Dickinson): These flachere Organisationen sind erfolgreicher, Aufspaltung in Felder, die jeweils ihren eigenen Nutzen zu verbessern trachten. Der Trick besteht darin, wie man die Felder auswählt. (NKï·"Modell). Felder können Gipfel aufspüren. "Simuliertes Tempern": simulated annealing. Finden eines guten Näherungsverfahrens. ("Temperatur" s.u.) I 415 These wir können Waren und Dienstleistungen als Zeichenketten betrachten, die auf andere Zeichenketten einwirken. |
Dennett I D. Dennett Darwins gefährliches Erbe Hamburg 1997 Dennett II D. Dennett Spielarten des Geistes Gütersloh 1999 Dennett III Daniel Dennett "COG: Steps towards consciousness in robots" In Bewusstein, Thomas Metzinger Paderborn/München/Wien/Zürich 1996 Dennett IV Daniel Dennett "Animal Consciousness. What Matters and Why?", in: D. C. Dennett, Brainchildren. Essays on Designing Minds, Cambridge/MA 1998, pp. 337-350 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 Kau II Stuart Kauffman At Home in the Universe: The Search for the Laws of Self-Organization and Complexity New York 1995 Kauffman I St. Kauffman Der Öltropfen im Wasser. Chaos, Komplexität, Selbstorganisation in Natur und Gesellschaft München 1998 |
| Evolution | Luhmann, N. | AU Kass 14 Evolutionstheorie: Parallele: These irgendwie kommt es zu einer Spaltung zwischen Variation und Selektion und dadurch werden Strukturänderungen angeregt. Die Evolution regt sich selber zum Aufbau von Ordnung an. Und das kann man nicht aus der Ursuppe oder aus "ursprünglichen Bedingungen" (auch von Sprache oder Gesellschaftsordnung) erklären. (Nicht "Anfangsbedingungen"). Damit ist doppelte Kontingenz die Erfindung eines Bezugsproblems für rationale Analysen. Bsp Man kann fragen, was die Gründe für die unterschiedliche Entwicklung Chinas in Bezug auf Europa sind oder umgekehrt, aber das ist eine Frage, die immer schon eine Vorgeschichte voraussetzt. |
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| Gründe | McDowell, J. | I 17 Logischer Raum der Gründe/Logischer Raum der Natur/McDowell: These neben dem Raum der Gründe (Begriffe) gibt es einen logischen Raum der Natur: der Naturgesetze, nicht normative Beziehungen. a) logischer Raum der Gründe: Rechtfertigung, Wissen, Überzeugung, funktionale Begriffe. b) logischer Raum der Natur: Gegenstände, Sinneseindrücke. Das ist nicht eine Aufspaltung von "natürlich und normativ". Esfeld I 146~ McDowell/Esfeld: These Raum d. Gründe (Rechtfertigungen) weiter als der des Begrifflichen |
Es I M. Esfeld Holismus Frankfurt/M 2002 |
| pers. Identität | Perry, J. | Lewis IV 71 PerryVsLewis: These: die R-Relation (IV 58: Verbundenheit v. Person-Zuständen) ist nicht dasselbe wie die I-R (I-Relation: Welche Personen sind ident. m.d.früheren) (in diesem Fall des Splits). Denn C ist eine Lebenszeit und dann sind nach Perry S1 und S2 I-r, aber wegen der Spaltung nicht R-r. Perry These: jedes Person-Stadium zu einer Zeit muß zu genau einer dP bestimmbar zu der Zeit gehören. Personen können wohlgemerkt Stadien teilen: Bsp Spaltung: S gehört zu drei Lebenszeiten: C, C1, C2 aber nur zu zwei Zweigen: C1 und C2. S1 gehört zu zwei LZ C und C1 aber nur zu einem Zweig: C1. Stadien/Perry: werden aber nur dann geteilt, wenn alle bis auf einen Träger nicht bestimmbar sind. LewisVsPerry: ich gebe zu, daß Zählung durch Identität-zu-t etwas kontraintuitiv ist, aber ist es nicht genauso kontraintuitiv, unbestimmbare Personen auszulassen? |
Lewis I David K. Lewis Die Identität von Körper und Geist Frankfurt 1989 Lewis I (a) David K. Lewis An Argument for the Identity Theory, in: Journal of Philosophy 63 (1966) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (b) David K. Lewis Psychophysical and Theoretical Identifications, in: Australasian Journal of Philosophy 50 (1972) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (c) David K. Lewis Mad Pain and Martian Pain, Readings in Philosophy of Psychology, Vol. 1, Ned Block (ed.) Harvard University Press, 1980 In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis II David K. Lewis "Languages and Language", in: K. Gunderson (Ed.), Minnesota Studies in the Philosophy of Science, Vol. VII, Language, Mind, and Knowledge, Minneapolis 1975, pp. 3-35 In Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979 Lewis IV David K. Lewis Philosophical Papers Bd I New York Oxford 1983 Lewis V David K. Lewis Philosophical Papers Bd II New York Oxford 1986 Lewis VI David K. Lewis Konventionen Berlin 1975 LewisCl Clarence Irving Lewis Collected Papers of Clarence Irving Lewis Stanford 1970 LewisCl I Clarence Irving Lewis Mind and the World Order: Outline of a Theory of Knowledge (Dover Books on Western Philosophy) 1991 |
| Geist | Rorty, R. | I 28 Wittgenstein/Strawson/Rorty: These es gibt hier nichts als den menschlichen Körper, VsDescartes: Vs Aufspaltung in res cogitans und res extensa. Aspekt/VsSpinoza "Zwei Aspekte". Das ist solange in Ordnung, wie man nicht fragt: "Sind Organismen etwas physisches?" |
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| Präsentismus | Stalnaker, R. | I 128 Präsentismus/Stalnaker: (s.o.) analog zum Aktualismus in Bezug auf mögliche Welten: wir sind in der Zeit erstreckt so wie wir über MöWe erstreckt sind. Dann können wir echte zeitliche Identität haben. (Stalnaker pro). Fusion/Spaltung/personale Identität/Stalnaker: sind dann Fälle, wo getrennte Personen früher identisch waren bzw. eine Person in zwei geteilt wird. |
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