Lexikon der Argumente


Philosophische Themen und wissenschaftliche Debatten
 
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Angst Entwicklungspsychologie Corr I 181
Angst/Entwicklungspsychologie/Psychologische Theorien/Rothbart: Wenn Säuglinge vier Monate alt sind, prognostizieren ihre Belastung und die Bewegung des Körpers zur laborpräsentierten Stimulation eine spätere Angst und Verhaltenshemmung. Positiver Einfluss und Körperbewegung hingegen prognostizieren eine spätere Begeisterungsfähigkeit. Die bisherige Entwicklungsforschung zeigt, dass die reaktiven Systeme von Emotion und Orientierung bereits vor der Entwicklung einer aufwendigen und ausführenden Aufmerksamkeit vorhanden sind (Posner und Rothbart 2007(1); Rothbart und Bates 2006(2)).
Der Beginn von Angst oder Verhaltenshemmung im letzten Quartal des ersten Lebensjahres scheint gegen die Annäherungstendenzen des Säuglings zu wirken, da einige Säuglinge, die sich früher schnell neuen Objekten näherten, nun in ihrer Reaktion auf neue Reize verlangsamt werden und sich überhaupt nicht nähern mögen. Sie können auch Bedrängnis als Reaktion auf bedrohliche Gegenstände darstellen (Rothbart 1988)(3).
Wie bei Annäherungstendenzen zeigen individuelle Unterschiede in der ängstlichen Verhaltenshemmung eine erhebliche Stabilität in der Kindheit und sogar bis in die Adoleszenz (Kagan 1998)(4). Die Längsschnittforschung hat eine Stabilität der ängstlichen Hemmung von zwei bis acht Jahren und von der Vorschulzeit bis zum Alter von achtzehn Jahren berichtet. Es wurde auch mit der späteren Entwicklung von Internalisierungsstörungen wie Angst verbunden (Fox 2004(5); Kagan, Snidman, Zentner und Peterson 1999(6)).
Corr I 182
Angstbezogene Kontrolle des Verhaltens zeigt sich in der frühen Entwicklung des Gewissens(Kochanska 1997(7); Kochanska, Aksanska und Joy 2007(8)), wobei ängstliche Kinder eher eine frühe Entwicklung des Gewissens zeigen. Aber auch ängstliche Kinder, deren Mütter sanfte Disziplin anwenden und vermutlich die Tendenz des Kindes, ängstliche Zustände zu erleben, nutzen, werden besonders wahrscheinlich ein verinnerlichtes Gewissen entwickeln.
Corr I 185
Angst ist auch mit Erhöhungen des Cortisols verbunden, wenn sich das Kind in einer weniger optimalen Betreuung befindet. Jedoch wird kein solcher Zusammenhang gefunden, wenn die Betreuerin des Kindes empfindlich und reaktionsstark ist (Gunnar und Donzella 2002(9)).


1. Posner, M. I. and Rothbart, M. K. 2007. Educating the human brain. Washington, DC: American Psychological Association
2. Rothbart, M. K. and Bates, J. E. 1998. Temperament, in W. Damon (Series ed.) and N. Eisenberg (Vol. ed.), Handbook of child psychology, Vol. III, Social, emotional, and personality development, 5th edn, pp. 105–76. New York: Wiley
3. Rothbart, M. K. 1988. Temperament and the development of inhibited approach, Child Development 59: 1241–50
4. Kagan, J. 1998. Biology and the child, in W. Damon (Series ed.) and N. Eisenberg (Vol. ed.), Handbook of child psychology, vol. III, Social, emotional and personality development, 5th edn, pp. 177–235. New York: Wiley
5. Fox, N. A. 2004. Temperament and early experience form social behaviour, in S. G. Kaler and O. M. Rennert (eds.), Understanding and optimizing human development: from cells to patients to populations, 1st edn, pp. 171–8. New York: New York Academy of Sciences
6. Kagan, J., Snidman, N., Zentner, M. and Peterson, E. 1999. Infant temperament and anxious symptoms in school age children, Development and Psychopathology 11: 209–24
7. Kochanska, G. 1997. Multiple pathways to conscience for children with different temperaments: from toddlerhood to age 5, Developmental Psychology 33: 228–40
8. Kochanska, G., Aksan, N. and Joy M. E. 2007. Children’s fearfulness as a moderator of parenting in early socialization: two longitudinal studies, Developmental Psychology 43: 222–37
9. Gunnar, M. R. and Donzella, B. 2002. Social regulation of the cortisol levels in early human development, Psychoneuroendocrinology 27: 199–220


Mary K. Rothbart, Brad E. Sheese and Elisabeth D. Conradt, “Childhood temperament” in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Angst Eysenck Corr I 355
Angst/Emotion/Eysenck/CorrVsEysenck(1): Woher kommt die Angst? Technisch gesehen, wo wird Angst im Gehirn erzeugt, und wie hängt dieses Angstsystem mit der Konditionierung zusammen? Eysenck schien nur anzunehmen, dass Emotionen spontan entstanden sind; aber das reicht einfach nicht. Darüber hinaus, wenn es ein Angst erzeugendes System gibt, dann sollten wir vielleicht dort nach der Entstehung der klinischen Neurose suchen. >Konditionierung/Eysenck. Ein weiterer Hinweis auf die potenzielle Bedeutung eines angeborenen Angstsystems war die Debatte zwischen den Labors von Eysenck und Spence, in denen festgestellt wurde, dass die Konditionierung mit Angst und nicht mit (niedriger) Extraversion zusammenhängt. Diese Debatte wurde schließlich durch die Erkenntnis gelöst, dass es die Angst vor der Konditionierung in Labors ist, die bedrohlicher ist (wie im Falle von Spence's; Spence 1964)(2).
Ein größeres Problem: Emotion wurde in Eysencks Theorie nie zufriedenstellend erklärt: Sie wurde zu unterschiedlichen Zeiten als Ursache (z.B. in Spences Konditionierungsstudien), als Ergebnis (z.B. bei Neurosen) und als regulatorischer Sollwertmechanismus (z.B. bei Erregung und hedonischen Tonbeziehungen) gesehen. In Eysencks Theorie blieb es so etwas wie ein widerspenstiges, ja sogar kriminelles Konstrukt. >Konditionierung/Eysenck, >Konditionierung/Gray.

1. Corr, P. J. 2008a. Reinforcement sensitivity theory (RST): Introduction, in P. J. Corr (ed). The reinforcement sensitivity theory of personality, pp. 1–43. Cambridge University Press
2. Spence, K. W. 1964. Anxiety (drive) level and performance in eyelid conditioning, Psychological Bulletin 61: 129–39

Philip J. Corr, „ The Reinforcement Sensitivity Theory of Personality“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press



Corr II 119
Furcht/Angst/Studie/Belohnung/Strafe/Erregbarkeit/Arousal/Gray/Eysenck/GrayVsEysenck/McNaughton/Corr: Grays intellektueller Ausgangspunkt ist die biologische Komponente von Hans Eysencks Theorie der Introversion-Extraversion und Neurotizismus-Stabilität.
II 120
Eysenck sah Introvertierte und Extravertierte vor allem in der allgemeinen Konditionierbarkeit (ob mit Belohnung oder Bestrafung als Verstärker), die sich aus der Erregbarkeit (engl. Arousability) ergibt (...). Im Gegensatz dazu schlug Gray vor, dass sie sich stattdessen in spezifischer Konditionierbarkeit (...) unterscheiden, die mit der Empfindlichkeit gegenüber Bestrafung (manchmal sagte er Angst), nicht aber mit der Belohnung zusammenhängt. (...) Für beide Theorien ist die wichtigste Konsequenz der Introversion für die Psychiatrie eine hohe Konditionierung der Angst. Beide Theorien gingen davon aus, dass diese auf Introversion/Extraversion basierenden Unterschiede in der Sozialisation zu psychiatrischen Störungen führen würden, wenn sie mit einem hohen Maß an Neurotizismus kombiniert werden, der wie ein Verstärkungsfaktor wirkt. Die beiden Theorien unterscheiden sich [jedoch] in ihren Vorhersagen über die Konditionierung durch Belohnung. Grays Schlüsselmodifikation (...) besteht darin, Variationen der Angstkonditionierung auf unterschiedliche Empfindlichkeiten gegenüber Bestrafung zurückzuführen, während Eysenck sie auf Variationen der allgemeinen Erregbarkeit (im aufsteigenden retikulären Aktivierungssystem, ARAS) und damit, als Konsequenz, der Konditionierbarkeit im Allgemeinen zurückführt. Gray lokalisierte Strafsensitivität (im Sinne von Furchtempfindlichkeit; vgl. Gray, 1970a, S. 255(1)) im präfrontalen Kortex (PFC) und im septo-hippokampalen System (SHS) (...). Er verband PFC, SHS und ARAS in einer Rückkopplungsschleife, die durch den 'Theta'-Rhythmus gesteuert und durch extravertierende (Anti-Angst-)Medikamente wie Amylobarbiton beeinträchtigt wird. Hohe Erregung kann zu Bestrafung führen (mit ähnlichen Auswirkungen wie die von Eysenck vorgeschlagenen). Umgekehrt würde eine hohe Strafempfindlichkeit aufgrund der Interaktion von PFC + SHS mit ARAS hohe Erregung in Bestrafungssituationen erzeugen (...).
II 123
Die Furchtanfälligkeit (wenn auch nicht immer konditionierungsbedingt (...)) passte gut zu einer Reihe von Fakten (S. 255)(1). Wir können verinnerlichende Störungen ("Dysthymien", z.B. Phobie, Angst und Besessenheit) leicht als übermäßige Angst vor der einen oder anderen Form sehen. (...) Charakterlich ängstliche Menschen (neurotisch-introverte Menschen) konditionieren nur dann besser, wenn es eine Bedrohung gibt. Am anderen Ende der Skala können wir externalisierende Störungen (z.B. Psychopathie) als unzureichende Strafempfindlichkeit betrachten.
II 126
Belohnung/Bestrafung/Erregbarkeit/Empfindlichkeit/Gray/McNaughton/Corr: Laut Gray ist Erregbarkeit ein allgemeines Konzept, das sowohl für Belohnung als auch für Bestrafung gelten sollte. Um Aktivität in einem "System zu erklären, dessen Hauptfunktion die Hemmung maladaptiven Verhaltens zu sein scheint" (S. 260)(1), bedarf die allgemeine Erregbarkeit einer Erklärung. Wenn wir die kausale Ordnung umkehren, scheint es für Gray durchaus plausibel, dass eine höhere Anfälligkeit für die im Alltag im Überfluss vorhandenen Bedrohungen zu größeren Erregungseffekten führen würde. Für Gray dient Erregung, wie auch immer sie erzeugt wird, dazu, Verhalten zu beleben (...), es sei denn, sie ist so intensiv, dass sie bestrafend wird. Dies kann zu paradoxen Effekten führen: Beispielsweise kann eine milde Bestrafung Erregung auslösen und belohnungsvermittelte Reaktionen beleben - solange die bestrafungsauslösenden Effekte geringer sind als die belohnungsauslösenden Effekte.
II 127
Neurotizismus/Angst: Ausgehend von einem explizit zwei-prozessualen Lernansatz stellt Gray zunächst die Kombination von Neurotizismus und Introversion neu dar. Wenn Belohnungs- und Bestrafungssensitivität unterschiedlich sind und wir nur zwei Faktoren für unsere Erklärungen verwenden, dann muss eine hohe Neurotizismus/Emotionalität, wie sie normalerweise gemessen wird, eine Kombination aus hoher Belohnungs- und hoher Bestrafungssensitivität darstellen. Grays anfängliche Gleichung von Introversion mit Bestrafungsempfindlichkeit bedeutet, dass der neurotische Introvertierte besonders empfindlich auf Bestrafung reagiert.
II 129
VsGray: Die Komplexität der Studie mag als ein triviales Thema gelten, [aber] selbst ein halbes Jahrhundert später kämpfen die Leser (...) damit. Das größte Problem ist, dass sich die Theorie über mehrere Disziplinen erstreckt - wobei jede einzelne ein integraler Bestandteil des Ganzen ist. Grays detaillierte Darstellung hat auch einige spezifische Probleme, die wir hier diskutieren. Auf theoretischer Ebene war sein Gebrauch der Begriffe "Bestrafung" und "Angst" mehrdeutig: Er verwischte Schlüsselpunkte, wenn er begrifflich zwischen dem einen und dem anderen wechselte. Auf der Ebene der Messung schlug er zwar eine Drehung von Eysencks Achsen vor, sagte uns aber nicht, wie wir die von ihm vorgeschlagene Belohnungs- und Bestrafungsempfindlichkeit bewerten sollten (...). [Darüber hinaus] konzentrierte sich sein Beitrag auf "Belohnung" und "Bestrafung" im Zusammenhang mit Konditionierung. Den dritten Fall von Flucht/Entzug diskutierte er daher nicht im Detail. Er bezog jedoch über Kampf/Flucht (engl. fight/flight) die Zwangsstörung mit ihren zwanghaften Ritualen und zwanghaftem Grübeln in die dysthymischen Störungen ein.
>Terminologie/Gray.


1.Gray, J. A. (1970a). The psychophysiological basis of introversion–extraversion. Behaviour Research and Therapy, 8, 249–266.


McNaughton, Neil and Corr, John Philip: “Sensitivity to Punishment and Reward Revisiting Gray (1970)”, In: Philip J. Corr (Ed.) 2018. Personality and Individual Differences. Revisiting the classical studies. Singapore, Washington DC, Melbourne: Sage, pp. 115-136.

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Angst Zwillingsstudien Corr I 370
Furcht/Angst/Zwillingsstudien/Corr: In der Literatur der Psychopathologie (....) wurde die Unterscheidung zwischen Furcht und Angst identifiziert. Eine verhaltensgestützte genetische Untersuchung von zehn großen psychiatrischen Störungen in einer Stichprobe von 5.600 Zwillingen (Kendler, Prescott, Myers und Neale 2003)(1) ergab die folgenden Ergebnisse: (a) zwei wichtige Dimensionen tauchten auf, eine im Zusammenhang mit Internalisierungsstörungen (d.h. schwere Depressionen, generalisierte Angststörungen und Phobien), die andere im Zusammenhang mit Externalisierungsstörungen (d.h. Alkoholabhängigkeit, Drogenmissbrauch/Abhängigkeit, unsoziales Verhalten und Verhaltensstörungen bei Erwachsenen);
(b) keine Unterschiede bei genetischen und ökologischen Einflüssen bei Männern und Frauen, trotz der großen Unterschiede bei den Prävalenzraten;
(c) einzigartige (d.h. nicht geteilte Familie) Umgebungseffekte für Internalisierungsstörungen;
(d) und, von größter Relevanz für die RST, die Struktur des genetischen Risikos für Internalisierungsstörungen, die in einen "Angst-Elend"-Faktor (d.h. Depression, generalisierte Störung und Panik) und einen spezifischen "Angst"-Faktor (d.h. tierische und situative Phobie) unterteilt sind. Zuvor stellten Prescott und Kendler (1998)(2) fest, dass leichte Depressionen und generalisierte Angst keine unterschiedlichen genetischen Ursachen zu haben scheinen, sondern vielmehr eine gemeinsame genetische Grundlage, vielleicht eine Disposition zu dysphorer Stimmung, die durch individuelle Erfahrungen zu Symptomen von Depressionen, Angst oder beidem geformt wird. (Siehe auch, Kendler et al. (1992)(3).


1. Kendler, K. S., Prescott, C. A., Myers, J. and Neale, M. C. 2003. The structure of genetic and environmental risk factors for common psychiatric and substance use disorders in men and women, Archives of General Psychiatry 60: 929–37
2. Prescott. C. A. and Kendler, K. S. 1998. Do anxious and depressive states share common genetic factors?, European Neuropsychopharmacology 8 Suppl. 2: S76–S77
3. Kendler, K. S., Neale, M. C., Kessler, R. C., Heath, A. C. and Eaves, L. J. 1992. Major depression and generalized anxiety disorder: same genes, (partly) different environments?, Archives of General Psychiatry 49: 716–22



Philip J. Corr, „ The Reinforcement Sensitivity Theory of Personality“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Autismus Psychologische Theorien Slater I 148
Autismus/Psychologische Theorien: Autismus Spectrum Disorders (ASDs) zeichnen sich durch einen Dreiklang von Symptomen aus: beeinträchtigte soziale Entwicklung, beeinträchtigte Kommunikationsfähigkeiten und ein enges Repertoire an Interessen und Aktivitäten. In den letzten drei Jahrzehnten wurden eine Reihe von Theorien aufgestellt, um diese einzigartige Kombination von Beeinträchtigungen zu erklären. Kanner: Die Krankheit wurde erstmals 1943 vom Kinderpsychiater Leo Kanner beschrieben, der über den Fall von 11 Kindern berichtete, die eine Kombination von Symptomen aufwiesen, die einzigartig genug war, um es ein eigenständiges Syndrom zu nennen: Die Grundstörung, erklärte er, "ist die Unfähigkeit der Kinder, sich auf gewöhnliche Weise mit Menschen und Situationen vom Beginn des Lebens an zu identifizieren" (Kanner, 1943)(1).
Asperger: Hans Asperger berichtete von einem ähnlichen Zustand in einer Gruppe von vier Kindern, die er in seiner Wiener Praxis beobachtete, und kam zu einem ähnlichen Schluss wie Kanner: "die grundlegende Störung autistischer Individuen", argumentierte er, "ist die Einschränkung ihrer sozialen Beziehungen" (Asperger, 1944)(2).
Slater I 150
Autismus/Psychologische Theorien: die Hypothese, von einem Mangel an Theory of Mind (ToM; >Theorie des Geistes/Premack/Woodruff, >Theorie des Geistes/Dennett: "Wie zeigt man, dass ein Individuum die Fähigkeit hat, mentale Zustände zu begreifen?") im Autismus hatte einen signifikanten Einfluss darauf, wie Kognitionsforscher die Architektur des Geistes betrachten
Slater I 151
und es wurde als starke Unterstützung für die Idee angesehen, dass das menschliche Gehirn mit einem ToM (Theory of Mind) Modul ausgestattet ist. Tatsächlich wurde Autismus nach den Erkenntnissen von Baron-Cohen et al. (1985)(3) bald zu einem Testfall für viele Theorien der typischen Entwicklung, bei denen das ToM-Modul eine zentrale Rolle spielt (siehe z.B. Frith & Happé, 1995(4); Happé, 1993(5)). >False-Belief Test/Happé. Die Hypothese der "Gedankenblindheit" (mindblindness) führte zu einem enormen Forschungsaufwand, um den Umfang der Theorie zu beurteilen und daraus weitere Vorhersagen abzuleiten.
Happé/Frith: (Happé und Frith 1995)(4) Das von Baron-Cohen et al. (1985)(1) vorgeschlagene Modell ist für die Untersuchung der kindlichen Entwicklung (...) nützlich, da es einen systematischen Ansatz für das beeinträchtigte und ungestörte soziale und kommunikative Verhalten von Menschen mit Autismus ermöglicht. >VsBaron-Cohen.

Slater I 152
Zwei wichtige kognitive Darstellungen für nicht-soziale Defizite in ASDs wurden vorgelegt. Diese wurden als hauptsächlich mit dem ToM-Bericht kompatibel ausgelegt, bieten aber zusätzliche Erklärungskraft. Diese sind: 1) die Hypothese der exekutiven Dysfunktion, die sich auf eine Schwierigkeit bei der Planung, wie man ein Ziel erreicht, bezieht, und eine Tendenz, sich auf eine Aktivität oder ein Objekt zu fixieren. Dies erklärt insbesondere die Stereotypen (einschließlich wiederholter und stereotyper motorischer Aktivitäten), Planungsschwierigkeiten und Impulsivität (Ozonoff, Pennington, & Rogers, 1991(6)), die häufig in diesem Zustand vorkommen; und
2) Schwache zentrale Kohärenz, (eine Schwierigkeit, mehrere Informationen zu einem Gesamtverständnis eines Themas zu kombinieren), die einen interessanten Überblick über die Höhepunkte der Fähigkeiten bietet, die bei Aufgaben beobachtet werden, die eine detailliertere und nicht ganzheitliche Verarbeitung erfordern (Frith & Happé, 1995(4); Happé, 1999(7)).
Slater I 153
Es wurde argumentiert, dass Autismus durch einen Ansatz mit mehreren Defiziten bekämpft werden sollte und dass "es an der Zeit ist, auf eine einzige Erklärung für Autismus zu verzichten" (Happé, Ronald & Plomin, 2006(8); siehe auch Pennington, 2006(9)). In diesem mehrfachen Defizitrahmen konstruiert, fehlt die Tatsache, dass ToM-Defizite unter anderen Bedingungen gefunden werden können sowie die Tatsache, dass ToM-Defizite das dritte Element der Triade nicht erklären.
1) Der ToM-Bericht bietet keine vollständige Darstellung von Autismus.
2) ToM-Defizite sind nicht spezifisch für Autismus,
3) ToM-Defizite sind im Autismus nicht universell;

Viele andere Merkmale des Autismus wie motorische Ungeschicklichkeit, sensorische Empfindlichkeiten, und so weiter sind relevant, um die Gültigkeit der Darstellung zu beurteilen.



1. Kanner, L. (1943). Autistic disturbances of affective contact. Nervous Child, 2, 217—2 50.
2. Asperger, H. (1944). Die “Autistischen Psychopathen” im Kindesalter. European Archives of Psychiatry and Clinical Neuroscience, 117,76—136.
3. Baron-Cohen, S., Leslie, A., & Frith, U. (1985). Does the autistic child have a “theory of mind.” Cognition, 21, 13—125.
4. Frith, U., & Happé, F. (1995). Autism: Beyond ‘theory of mind.” In: J. Mehler& S. Franck (Eds), Cognition on cognition (pp. 13—30). Cambridge, Massachusetts: MIT Press.
5. Happé, F. (1993). Communicative competence and theory of mind in autism: A test of relevance theory. Cognition, 48, 101—119.
6. Ozonoff, S., Pennington, B. F., & Rogers, S. J. (1991). Executive function deficits in high-functioning autistic individuals: Relationship to theory of mind. Journal of Child Psychology and Psychiatry, 32, 1081—1105.
7. Happé, F. (1999). Autism: cognitive deficit or cognitive style? Trends in Cognitive Sciences, 3, 216— 222.
8. Happé, F., Ronald, A., & Plomin, R. (2006). Time to give up on a single explanation for autism. Nature Neuroscience, 9, 1218—1220.
9. Pennington, B. F. (2006). From single to multiple deficit models of developmental disorders. Cognition, 101,385—413.



Coralie Chevallier, “Theory of Mind and Autism. Beyond Baron-Cohen et al’s. Sally-Anne Study”, in: Alan M. Slater and Paul C. Quinn (eds.) 2012. Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications

Slater I
Alan M. Slater
Paul C. Quinn
Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2012
Autoritarismus Levitsky Levitsky I 31
Autoritarismus/Levitsky/Ziblatt: In The Breakdown of democratic Regimes, 1978 (...) untersuchte [Juan J.] Linz die Rolle von Politikern und zeigte, wie ihr Verhalten die Demokratie stärken oder gefährden kann. Außerdem schlug er einen »Lackmustest« zur Identifizierung antidemokratischer Politiker vor (...).(1) Auf Linz’ Erkenntnissen aufbauend, haben wir vier Verhaltensmerkmale herausgearbeitet, die als Warnzeichen dienen und helfen können, autoritäre Politiker zu erkennen.
Danach sollten wir uns Sorgen machen, wenn ein Politiker
(1) in Wort oder Tat demokratische Spielregeln ablehnt,
(2) politischen Gegnern die Legitimität abspricht,
(3) Gewalt toleriert oder befürwortet oder
(4) bereit ist, bürgerliche Freiheiten von Gegnern, einschließlich der Medien, zu beschneiden.
Levitsky I 72
Ad 1) [Donald] Trump erfüllte dieses Kriterium, als er die Legitimität des Wahlverfahrens in Frage stellte und vor der Wahl die beispiellose Ankündigung machte, er werde das Wahlergebnis möglicherweise nicht anerkennen. >Wahlbetrug/Levitsky.
Levitsky I 73
Ad 2) (Absprechen der Legitimität): Dem Historiker Douglas Brinkley zufolge hat seit 1860 kein wichtiger Präsidentschaftskandidat das demokratische System derart in Zweifel gezogen [wie Donald Trum]. Nur im Vorfeld des Bürgerkriegs hätten bedeutende Politiker der Bundesregierung auf ähnliche Weise die Legitimität abgesprochen. Dies sei ein »sezessionistisches, revolutionäres Motiv« gewesen, das für den Versuch gestanden habe, »gleich das gesamte System über den Haufen zu werfen«.(2)
Levitsky I 74
Ad 3) (Ermutigung zu Gewalt): Von Parteien ausgehende oder politisierte Gewalt ist häufig der Vorbote des Zusammenbruchs der Demokratie. Bekannte Beispiele sind die Schwarzhemden in Italien, die Nationalsozialisten in Deutschland, die linken Guerillas in Uruguay sowie die linken paramilitärischen Gruppen Anfang der 1960er Jahre in Brasilien. Im letzten Jahrhundert hat kein Präsidentschaftskandidat der großen Parteien jemals Gewalt gebilligt (George Wallace tat es 1968, aber er trat für eine dritte Partei an). Trump brach mit dieser Tradition. In seinem Wahlkampf tolerierte er die Gewaltausübung durch seine Anhänger (....).
Levitsky I 76
Ad 4) (Bereitschaft, brügerliche Freiheiten von (...) Kritikern zu beschneiden): Trump offenbarte diese Bereitschaft, als er 2016 ankündigte, nach der Wahl einen Sonderermittler einsetzen zu wollen, der gegen Hillary Clinton ermitteln solle, und erklärte, sie gehöre ins Gefängnis. 30 Außerdem drohte er mehrfach, kritische Medien zu bestrafen. Auf einer Kundgebung in Fort Worth in Texas beispielsweise verkündete er, gegen Jeff Bezos, den Besitzer der Washington Post, gerichtet: »Wenn ich Präsident werde, oh, dann haben sie ein Problem.(3)
Levitsky I 77
Außer Richard Nixon hat kein Präsidentschaftskandidat der beiden großen Parteien im vergangenen Jahrhundert auch nur eines der Kriterien unseres Lackmustests erfüllt.
Levitsky I 93
Zerstörung der Obersten Gerichte und Institutionen: Die Schiedsrichter auf seiner Seite zu haben, ist stets von Vorteil. Moderne Staaten besitzen verschiedene Institutionen, die das Recht haben, das Fehlverhalten sowohl von Beamten als auch von Privatpersonen zu untersuchen und zu bestrafen. Dazu gehören die Justiz, die Strafverfolgungsbehörden sowie Nachrichtendienste, Steuerämter und Aufsichtsbehörden aller Art. In Demokratien sind solche Behörden verpflichtet, als neutrale Schiedsstellen aufzutreten. Für angehende Autokraten stellen Justiz und Strafverfolgungsbehörden daher sowohl eine Herausforderung als auch eine Gelegenheit dar. In Ungarn zum Beispiel besetzte Ministerpräsident Viktor Orbán nominell unabhängige Behörden wie die Staatsanwaltschaft, den Rechnungshof, das Ombudsamt, das Zentrale Amt für Statistik und das Verfassungsgericht nach seiner Rückkehr an die Macht im Jahr 2010 mit seinen Parteigängern.(4) Weitere Beispiele aus Polen, Venezuela, Peru, Malaysia(5-10).


1. Juan J. Linz, The Breakdown of Democratic Regimes. Crisis, Breakdown, and Reequilibration, Baltimore 1978, 27-38.
2. »Donald Trump, Slipping in Polls, Warns of ›Stolen Election‹«, in: The New York Times, 14. Oktober 2016.
3. »Donald Trump Threatens to Rewrite Libel Laws to Make It Easier to Sue the Media«, Business Insider, 26. Februar 2016.
4. János Kornai, »Hungary’s UTurn. Retreating from Democracy«, in: Journal of Democracy 26, Nr. 43 (Juli 2015), S. 35.
5. Joanna Fomina/Jacek Kucharczyk, »Populism and Protest in Poland«, in: Journal of Democracy 27, Nr. 4 (Oktober 2016), S. 62 f. Das Verfassungsgericht erklärte das Reformgesetz Anfang 2016 für verfassungswidrig, was die PIS-Regierung jedoch ignorierte. Seine Partei, verkündete der PIS-Vorsitzende Jaroslaw Kaczyński, werde »in Polen keine Anarchie zulassen, selbst wenn sie von den Gerichten gefördert wird«; vgl. Bugaric/Ginsburg, »The Assault on Postcommunist Courts«, S. 74.
6. Allan-Randolph Brewer Carías, Dismantling Democracy in Venezuela. The Chávez Authoritarian Experiment, New York 2010, S. 58 f.; Jones, Hugo!, S. 241 f..
7. Brewer Carías, Dismantling Democracy in Venezuela, S. 59.
8. Javier Corrales/Michael Penfold, Dragon in the Tropics: Hugo Chávez and the Political Economy of Revolution in Venezuela, Washington, D. C., 2011, S. 27; Brewer Carías, Dismantling Democracy in Venezuela, S. 236–238.
9. »El chavismo nunca pierde en el Supremo Venezolano«, in: El País, 12. Dezember 2014, http://internacional.elpais.com/internacional/2014/12/12/ actualidad/1418373177_159073.html; Javier Corrales, »Autocratic Legalism in Venezuela«, in: Journal of Democracy 26, Nr. 2 (April 2015), S. 44.
10. Conaghan, Fujimori’s Peru, S. 154–162.
Bilder Millikan I 82
Graphik/Diagramm/Syntax/Millikan: Grafiken und Diagramme haben beschreibbare syntaktische Strukturen. Bsp Zeichnungen unmöglicher Räume: können beschrieben werden als syntaktische Regeln durchbrechend.
I 125
Fernsehbild/TV/Millikan: hier liegt der Fall ganz anders als bei maschinellen Zeichen wie Bsp Benzinuhr. Hier gibt es keine vorher festgelegten Charakteristika als Modell, und es wird auch nicht erwartet, dass der Interpret solche Standards lernt! Die Bilder werden eher nach dem Modell natürlicher Zeichen produziert. Interpretation: geschieht hier nicht nach einem Programm, das für das Lesen intentionaler Icons entwickelt wurde, sondern es geht um eine Fähigkeit, die entweder angeboren ist, oder entwickelt wurde für das Lesen natürlicher Zeichen. ((s) >Film).
I 126
Fernsehen/Lautsprecher/TV/Radio/Millikan: hier geht es nicht darum, dass eine Kooperation aufgebaut oder entwickelt wurde als Normale Bedingung für das ordentliche Funktionieren des Lautsprechers. Störung: wird nicht als „falsche Aussage“ interpretiert.
Bild/Fernsehbild/TV: das, wovon das Fernsehbild ein Bild ist, ist auch nicht etwas, was der Interpret - wenn er Normal funktioniert – annehmen würde, sondern das in der Welt, an das es angepasst werden soll. ((s) Realistische Wiedergabe, Realismus, nicht Kommunikation).

Millikan I
R. G. Millikan
Language, Thought, and Other Biological Categories: New Foundations for Realism Cambridge 1987

Millikan II
Ruth Millikan
"Varieties of Purposive Behavior", in: Anthropomorphism, Anecdotes, and Animals, R. W. Mitchell, N. S. Thomspon and H. L. Miles (Eds.) Albany 1997, pp. 189-1967
In
Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005
Buchdruck Acemoglu Acemoglu I 213
Buchdruck/Acemoglu/Robinson: Nicht jeder sah den Druck als eine wünschenswerte Innovation an. Bereits 1485 erließ der osmanische Sultan Bayezid II. ein Edikt, das den Muslimen den Druck in arabischer Sprache ausdrücklich verbot. Diese Regel wurde 1515 von Sultan Selim I. noch verstärkt. Erst 1727 wurde die erste Druckerpresse in den osmanischen Ländern zugelassen. Dann erließ Sultan Ahmed III. ein Dekret, das İbrahim Müteferrika die Erlaubnis erteilte, eine Presse zu errichten.
Aceemolgu I 214
Bis weit in die zweite Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts hinein wurde die Buchproduktion im Osmanischen Reich noch immer hauptsächlich von Schreibern betrieben, die vorhandene Bücher von Hand kopierten. Zu Beginn des achtzehnten Jahrhunderts sollen achtzigtausend solcher Schreiber in Istanbul tätig gewesen sein. Dieser Widerstand gegen den Buchdruck hatte die offensichtlichen Folgen für die Alphabetisierung, die Bildung und den wirtschaftlichen Erfolg. Im Jahr 1800 waren wahrscheinlich nur 2 bis 3 Prozent der Bürger des Osmanischen Reiches alphabetisiert, verglichen mit 60 Prozent der erwachsenen Männer und 40 Prozent der erwachsenen Frauen in England. In den Niederlanden und Deutschland waren die Alphabetisierungsraten sogar noch höher.
Acemoglu I 215
Die osmanischen Sultane und die religiösen Einrichtungen fürchteten die schöpferische Zerstörung, die sich daraus ergeben würde. Ihre Lösung war das Druckverbot. >Institutionen/Acemoglu, >Bildung/Acemoglu, >Technologie/Acemoglu.

Literature: Zur Opposition gegen die Druckerpresse im Osmanischen Reich siehe Savage-Smith (2003)(1) pp. 656–59. Geschichtliche Vergleiche stammen aus Easterly (1981)(2).

1.Savage-Smith, Emily (2003). “Islam.” In Roy Porter, ed. The Cambridge History of Science. Volume 4: Eighteenth-Century Science. New York: Cambridge University Press.
2.Easterly, William (2006). The White Man’s Burden: Why the West’s Efforts to Aid the Rest Have Done So Much Ill and So Little Good. New York: Oxford University Press.

Acemoglu II
James A. Acemoglu
James A. Robinson
Economic origins of dictatorship and democracy Cambridge 2006

Acemoglu I
James A. Acemoglu
James A. Robinson
Why nations fail. The origins of power, prosperity, and poverty New York 2012
Ceteris paribus Bigelow I 222
ceteris paribus/BigelowVsceteris paribus/Qualifikation/qualifiziertes Gesetz/Ausnahmen/Bigelow/Pargetter: Variante: “wenn keine anderen Störungen vorliegen”: 1. Problem: das droht, ein Gesetz zu einer Tautologie werden zu lassen, die letztlich so lautet: „Dinge bewegen sich so und so, außer wenn sie es nicht tun“.
2. Problem: die Reichweite eines „qualifizierten“ Gesetzes droht so eng zu werden, dass nichts mehr darunter fällt.
Andererseits wird man sagen, dass ein Gesetz überhaupt keine positiven Instanzen hat, wenn man es strikt auffasst. ((s) >N. Cartwright).
Lösung/Bigelow/Pargetter: man kann das Rätsel lösen, indem man versteht, wie Gesetze Modalitäten enthalten.


Big I
J. Bigelow, R. Pargetter
Science and Necessity Cambridge 1990
Ceteris paribus Quine V 26
Disposition/Quine: die Disposition ist ein physikalischer Zustand, also eine Mikrostruktur, oder ein Mechanismus. Bsp ist die Intelligenz.
V 28
Problem: die Angewiesenheit auf ceteris-paribus-Sätze: ist ein Ausschluss von Störungen.
V 30
Man kann die Nervenbahn selbst als Disposition auffassen. >Dispositionen/Quine.
V 40/41
Lösung für ceteris-paribus/Störung ist es, zu fragen, welche Paare von Reizen die Person ähnlicher findet. >Reize/Quine.

Quine I
W.V.O. Quine
Wort und Gegenstand Stuttgart 1980

Quine II
W.V.O. Quine
Theorien und Dinge Frankfurt 1985

Quine III
W.V.O. Quine
Grundzüge der Logik Frankfurt 1978

Quine V
W.V.O. Quine
Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989

Quine VI
W.V.O. Quine
Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995

Quine VII
W.V.O. Quine
From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953

Quine VII (a)
W. V. A. Quine
On what there is
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (b)
W. V. A. Quine
Two dogmas of empiricism
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (c)
W. V. A. Quine
The problem of meaning in linguistics
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (d)
W. V. A. Quine
Identity, ostension and hypostasis
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (e)
W. V. A. Quine
New foundations for mathematical logic
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (f)
W. V. A. Quine
Logic and the reification of universals
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (g)
W. V. A. Quine
Notes on the theory of reference
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (h)
W. V. A. Quine
Reference and modality
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (i)
W. V. A. Quine
Meaning and existential inference
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VIII
W.V.O. Quine
Bezeichnung und Referenz
In
Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982

Quine IX
W.V.O. Quine
Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967

Quine X
W.V.O. Quine
Philosophie der Logik Bamberg 2005

Quine XII
W.V.O. Quine
Ontologische Relativität Frankfurt 2003

Quine XIII
Willard Van Orman Quine
Quiddities Cambridge/London 1987
Charakterzüge Lexikalische Untersuchungen Corr I 388
Persönlichkeitsmerkmale/Lexikalische Untersuchungen/kulturelle Unterschiede/Saucier: Studien der meisten Sprachen europäischer Herkunft (sowie derjenigen auf Türkisch, Koreanisch und Chinesisch) haben Faktoren hervorgebracht, die Extraversion, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit entsprechen. Obwohl diese Struktur in philippinischen, französischen, griechischen oder Maasai-Studien nicht beobachtet wurde, erscheint sie leicht in einer Teilmenge von Sprachen, die größer ist als die Teilmenge, die die >Big Five ergibt. Unter den englischen Adjektiven war diese Struktur gegenüber Variablenauswahlen ebenso robust wie ein- und zweifaktorige Strukturen (Saucier 1997)(1). Aber Studien über englische Type-Nouns (Saucier 2003b(2)) und andere integrative Selektionen von Variablen (Saucier, Georgiades, Tsaousis und Goldberg 2005(3); Saucier, Ole-Kotikash und Payne 2006)(4) konnten sie nicht finden.
Lexikalische Studien in slawischen und germanischen Sprachen (einschließlich Englisch) haben die Big Five sehr unterstützt, ebenso wie eine Untersuchung zu Türkisch. Aber auch andere Studien (z.B. Di Blas und Forzi 1998(5); Saucier, Georgiades, Tsaousis und Goldberg 2005(3); Szirmák und De Raad 1994)(6) haben kein klares Gegenstück zum Intellektfaktor in Fünf-Faktor-Lösungen gefunden.
Keine dieser Analysen hat die Big Five in einer Fünf-Faktoren-Lösung gefunden. Das Auftreten der Big Five hängt eindeutig vom Verfahren der variablen Auswahl und damit von der operativen Definition der Persönlichkeit ab.
Corr I 389
Sechs Faktoren: Ashton, Lee, Perugini et al. (2004)(7) haben Beweise dafür vorgelegt, dass viele der bisher durchgeführten lexikalischen Studien ein einheitliches Muster in sechs Faktorenlösungen ergeben: sechs Faktoren, die als Extraversion, Emotionalität, Sympathie, Ehrlichkeit/Humility, Gewissenhaftigkeit und Offenheit bezeichnet werden können. Obwohl das Strukturmuster erstmals in Studien mit Koreanisch (Hahn, Lee und Ashton 1999)(8) und Französisch (Boies, Lee, Ashton et al. 2001)(9) entdeckt wurde, schien es auch in Niederländisch, Deutsch, Ungarisch, Italienisch und Polnisch erkennbar zu sein. Sieben Faktoren: Sieben-Faktoren-Lösung (Goldberg und Somer 2000(10); Saucier 1997(1); Tellegen und Waller 1987)(11). Von den beiden zusätzlichen Faktoren in diesen Studien wurde einer in allen drei gefunden: "Negative Valenz" (NV) ist ein Faktor, der Attribute mit extrem niedrigen Erwünschtheits- und Befürwortungsraten und mit beschreibenden Inhalten wie Moral/Depravität, Gefährlichkeit, Wertlosigkeit, Eigenart und Dummheit betont (vgl. Benet-Martínez und Waller 2002)(12). Ein Kernthema der Inhalte scheint die Noxious Violativeness ('schädliche Verletzlichkeit') zu sein - Attribute, die die Tendenz widerspiegeln, die Rechte anderer schädlich zu verletzen, was in vielerlei Hinsicht den zeitgenössischen Definitionen von asozialen Persönlichkeitsstörungen entspricht (Saucier 2007).
Cor I 390
Eine lexikalische Studie über die Sprache mit der größten Anzahl von Muttersprachlern (Chinesisch) erzeugte sieben emische Faktoren mit einer gewissen Ähnlichkeit zu dieser Struktur (Zhou, Saucier, Gao und Liu in der Presse). Zu den sieben Faktoren gehören negative Valenz (oder schädliche Gewalttätigkeit), Gewissenhaftigkeit, Intellekt, Geselligkeit, Selbstsicherheit, auch Temperament und Sorge um andere (versus Egotismus). Ein Vergleich von Sieben-Faktor-Lösungen aus zahlreichen Studien zeigt, dass die ersten sechs davon in allen Studien besonders häufig vorkommen.


1. Saucier, G. 1997. Effects of variable selection on the factor structure of person descriptors, Journal of Personality and Social Psychology 73: 1296–1312
2. Saucier, G. 2003b. Factor structure of English-language personality type-nouns, Journal of Personality and Social Psychology 85: 695–708
3. Saucier, G., Georgiades, S., Tsaousis, I. and Goldberg, L. R. 2005. The factor structure of Greek personality adjectives, Journal of Personality and Social Psychology 88: 856–75
4. Saucier, G., Ole-Kotikash, L. and Payne, D. L. 2006. The structure of personality and character attributes in the language of the Maasai. Unpublished report. University of Oregon
5, Di Blas, L. and Forzi, M. 1998. An alternative taxonomic study of personality descriptors in the Italian language, European Journal of Personality 12: 75–101
6. Szirmák, Z. and De Raad, B. 1994. Taxonomy and structure of Hungarian personality traits, European Journal of Personality 8: 95–118
7. Ashton, M. C., Lee, K., Perugini, M., Szarota, P. De Vries, R. E., Di Blas, L., Boies, K. and De Raad, B. 2004. A six-factor structure of personality-descriptive adjectives: solutions from psycholexical studies in seven languages, Journal of Personality and Social Psychology 86: 356–66
8. Hahn, D. W., Lee, K. and Ashton, M. C. 1999. A factor analysis of the most frequently used Korean personality trait adjectives, European Journal of Personality 13: 261–82
9. Boies, K., Lee, K., Ashton, M. C., Pascal, S. and Nicol, A. A. M. 2001. The structure of the French personality lexicon, European Journal of Personality 15: 277–95
10. Goldberg, L. R. and Somer, O. 2000. The hierarchical structure of common Turkish person-descriptive adjectives, European Journal of Personality 14: 497–531
11. Tellegen, A. and Waller, N. G. 1987. Re-examining basic dimensions of natural language trait descriptors. Paper presented at the 95th annual convention of the American Psychological Association, August 1987


Gerard Saucier, „Semantic and linguistic aspects of personality“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Charakterzüge Molekulargenetik Corr I 293
Charakterzüge/Menschen/Molekulargenetik/Munafò: Die Mehrheit der genetischen Assoziationsstudien über menschliche Charakterzüge hat sich auf angstbedingte Merkmale konzentriert, die zum Teil auf die Beziehung zwischen diesen Merkmalen und einer schweren depressiven Störung zurückzuführen sind, und auf den Nachweis, dass diese Beziehung auf gemeinsame genetische Faktoren zurückzuführen ist (Fanous und Kendler 2004)(1). Ein funktioneller Polymorphismus in der Promotorregion des Serotonin-Transportergens (5-HTTLPR) wurde identifiziert, der eine 44bp-Beseitigung (kurz) oder Einfügung (lang) umfasst und bekanntermaßen mit einer veränderten Serotoninaktivität assoziiert ist, wobei die kurze (S)-Form dieses Polymorphismus mit einer reduzierten Transkriptionseffizienz im Vergleich zur langen (L)-Form assoziiert ist, wodurch die Serotonin-Transporterexpression und die Serotoninaufnahme verringert werden (Heils, Teufel, Petri et al. 1996)(2).
Es wurde auch berichtet, dass das Kurzallel mit erhöhten angstbedingten Merkmalen assoziiert ist (Munafò, Clark und Flint 2005(3); Munafò, Clark, Moore et al. 2003(4); Schinka, Busch und Robichaux-Keene 2004(5); Sen, Burmeister und Ghosh 2004(6)).
Jüngste Erkenntnisse deuten darauf hin, dass ein einzelner Nukleotidpolymorphismus im 5-HTTLPR, der eine G>A-Substitution umfasst, die Wirkung der 44bp-Variante modulieren kann (Parsey, Hastings, Oquendo et al. 2006)(7). Das Einschließen dieser Variante zusätzlich zu der am häufigsten untersuchten 44bp-Variante kann einen größeren Anteil der genetischen Varianz erfassen und damit die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass ein Zusammenhang mit Verhaltensmerkmalen festgestellt wird. Siehe >Extraversion/Molekulargenetik.



1. Fanous, A. H. and Kendler, K. S. 2004. The genetic relationship of personality to major depression and schizophrenia, Neurotoxicology Results 6: 43–50
2. Heils, A., Teufel, A., Petri, S., Stober, G., Riederer, P., Bengel, D. and Lesch, K. P. 1996. Allelic variation of human serotonin transporter gene expression, Journal of Neurochemistry 66: 2621–4
3. Munafò, M. R., Clark, T. G. and Flint, J. 2005. Does measurement instrument moderate the association between the serotonin transporter gene and anxiety-related personality traits? A meta-analysis, Molecular Psychiatry 10: 415–19
4. Munafò, M. R., Clark, T. G., Moore, L. R., Payne, E., Walton, R. and Flint, J. 2003. Genetic polymorphisms and personality in healthy adults: a systematic review and meta-analysis, Molecular Psychiatry 8: 471–84
5. Schinka, J. A., Busch, R. M. and Robichaux-Keene, N. 2004. A meta-analysis of the association between the serotonin transporter gene polymorphism (5-HTTLPR) and trait anxiety, Molecular Psychiatry 9: 197–202
6. Sen, S., Burmeister, M. and Ghosh, D. 2004. Meta-analysis of the association between a serotonin transporter promoter polymorphism (5-HTTLPR) and anxiety-related personality traits, American Journal of Medical Genetics B Neuropsychiatric Genetics 127: 85–9
7. Parsey, R. V., Hastings, R. S., Oquendo, M. A., Hu, X., Goldman, D., Huang, Y. Y. et al. 2006. Effect of a triallelic functional polymorphism of the serotonin-transporter-linked promoter region on expression of serotonin transporter in the human brain, American Journal of Psychiatry 163: 48–51



Marcus R. Munafò,“Behavioural genetics: from variance to DNA“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.)2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
CO2-Preis Fankhauser Fankhauser I 1
CO2-Preis/Carattini/Carvalho/Fankhauser: (...), um den Anstieg der globalen Durchschnittstemperaturen deutlich unter 2°C über dem vorindustriellen Niveau zu halten (...), bedarf es einer Vielzahl politischer Maßnahmen, einschließlich Subventionen zur Unterstützung des Durchbruchs kohlenstoffarmer Technologien, regulatorischer Normen zur Senkung des Energieverbrauchs von Gebäuden, Autos und Geräten sowie Finanzierungsregelungen zur Überwindung von Kapitalengpässen (Bowen & Fankhauser, 2017)(1). Ein effektiver CO2-Preis ist jedoch unerlässlich, um schwerwiegendere Störungen des Klimasystems zu vermeiden (Stiglitz et al., 2018)(2). Nur wenn die Emittenten von Treibhausgasen mit den vollen Umweltkosten ihres Handelns konfrontiert werden, werden sie ihre CO2-Emissionen effektiv steuern. Die CO2-Preise verändern die relativen Preise, was zu einer automatischen Anpassung des Verhaltens von Unternehmen und Verbrauchern führt und einen kontinuierlichen Anreiz für Investitionen in kohlenstoffarme technologische Verbesserungen schafft. Sie funktioniert als dezentrale Richtlinie, da sie die Regulierungsbehörden nicht verpflichtet, Informationen über die marginalen Vermeidungskosten zu erhalten. Handelnde reagieren auf den CO2-Preis basierend auf ihren marginalen Minderungskosten. Durch die Nutzung der Heterogenität der marginalen Vermeidungskosten ermöglicht die CO2-Preisgestaltung eine Senkung der gesamten Vermeidungskosten (Weitzman, 1974)(3).
Emissionsrechtehandel: Bislang war der Emissionsrechtehandel in den meisten Zuständigkeitsbereichen das Instrument der Wahl für den CO2-Preis. In der Europäischen Union deckt das EU-Emissionshandelssystem (EU ETS) fast die Hälfte der gesamten Treibhausgasemissionen ab. Kohlenstoff wird auch in Kanada, China, Neuseeland, der Schweiz und den Vereinigten Staaten gehandelt, obwohl die meisten dieser Systeme in ihrem regionalen oder sektoralen Umfang begrenzt sind (Weltbank, 2016)(4). >CO2-Steuer/Fankhauser.




1. Bowen, A., & Fankhauser, S. (2017). Good practice in low-carbon policy. In A. Averchenkova, S. Fankhauser, & M. Nachmany (Eds.), Climate change legislation (pp. 123–140). London, England: Edward Elgar.
2. Stiglitz, J. E., Stern, N., Duan, M., Edenhofer, O., Giraud, G., Heal, G., La Rovere, E. L., Morris, A., Moyer, E., Pangestu, M., Shukla, P. R., Sokona, Y., & Winkler, H. (2018). Report of the High-Level Commission on Carbon Prices. Carbon Pricing Leadership Coalition.
3. Weitzman, M. L. (1974). Prices vs. quantities. The Review of Economic Studies, 41(4), 477–491.
4. World Bank. (2016). State and trends of carbon pricing 2016. Washington, DC: Author.


Stefano Carattini, Maria Carvalho & Sam Fankhauser, 2018: “Overcoming public resistance to carbon taxes”. In: Stéphane Hallegatte, Mike Hulme (Eds.), WIREs Climate Change, Vol. 9/5, pages 1-26.

Fankhauser I
Samuel Fankhauser
Stefano Carattini
Maria Carvalho,
Overcoming public resistance to carbon taxes
In
Wiley Interdisciplinary Reviews: Climate Change Vo, 2018
Continuants Simons I 117
Continuant/Broad: hat keine zeitlichen Teile, nur räumliche - Gegensatz: Ereignis: räumliche und zeitliche Teile - continuant: Bsp Mensch - Pointe: deshalb kann er sich verändern - ((s) Sonst ist die Frage, ob er derselbe bleibt). Gegensatz: occurrence/Broad: Ereignis. - Ein Ereignis kann sich nicht verändern. - ((s) Ein Mensch (continuant) wird älter - ein Ereignis kann nicht älter werden.)
I 127
Continuants/SimonsVsVierdimensionalismus: was Masse haben kann, ist ein continuant - und die werden gebraucht in dem Argument der Relativitätstheorie, dass nichts mit Masse über Lichtgeschwindigkeit beschleunigt werden kann.
I 173
Continuants/Locke: konstante Materiehaufen - können keine Teile verlieren oder gewinnen - SimonsVsLocke
I 175
zeitlicher Teil/continuants/Mereologie/SimonsVsalle: These: auch continuants können zeitliche Teile haben - d.h. sie sind nicht mereologisch konstant, sondern mereologisch variabel - Simons These: continuants können auch eine unterbrochene Existenz haben.
I 176
Continuants/Simons: nicht alle müssen materielle Dinge sein: Bsp Lächeln, Knoten, Wellen: sie sind eher Störungen materieller Dinge.
I 180
Def Koinzidenz/continuants/Simons: Koinzidenz-Prädikat:
CTD5 a ‹›t b ≡ a ‹t ∧ b ‹t a

Gemeinsamkeit der Teile, in Begriffen der wechselseitigen Inklusion - siehe Identität/Simons.
I 187
Continuant/ChisholmVsalle Autoren: These: ein continuant ist mereologisch konstant - mereologisch variable continuants sind in Wirklichkeit nicht primäre Substanzen sondern logische Konstruktionen aus mereologisch konstanten continuants. - Organismen sind nur Konstruktionen.
I 305
Ereignis/continuants/Simons: Ereignis : hier ist eine Formel wie "a ‹ b" vollständig - continuants: hier brauchen wir zusätzlich einen zeitlichen Index: ((s) Mit Quantifikation) "(Et)[a <t b]".
I 350
Continuant/Simons: Ereignisse widerfahren einer Person und werden ihr Leben (Lebensgeschichte) genannt Zusammenhang: nicht alle Ereignisse eines Lebens sind kausal verbunden - Lösung: Gen-Identität (gen-identisch): d.h. die Ereignisse involvieren alle einen einzigen continuant.
I 351
Continuant/zeitlicher Zusammenhang/Simons: es ist nicht der continuant, der zusammenhängt, sondern seine Lebensgeschichte - HumeVscontinmnuants, RussellVscontinuants: Reduktion auf Ereignisse, continuants bloße Wäscheleine - ob es ein continuant gibt hängt davon ab, ob es eine Lebensgeschichte dazu gibt.
I 353
Simons: nichts unterhält ihre kontinuierliche Existenz.

Simons I
P. Simons
Parts. A Study in Ontology Oxford New York 1987
Determinismus Cartwright I 201
Determinismus/Cartwright: deterministische Bewegungen sind kontinuierlich - indeterministische: diskontinuierlich - Cartwright: die vorhandenen Energien entscheiden, ob deterministisch oder indeterministisch. - Damit ist Determinismus eine echte, aber zufällige physikalische Charakteristik.
I 202
Cartwright/Leibowitz: nach Cartwrights Verständnis sind indeterministische Entwicklungen auch natürlich und brauchen daher keine Erklärung. Sie sind keine Störungen und brauchen daher keine Ursachen.

Car I
N. Cartwright
How the laws of physics lie Oxford New York 1983

CartwrightR I
R. Cartwright
A Neglected Theory of Truth. Philosophical Essays, Cambridge/MA pp. 71-93
In
Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994

CartwrightR II
R. Cartwright
Ontology and the theory of meaning Chicago 1954
Dialektik Hegel Bubner I 75
Dialektik/Platon/Hegel/Bubner: wahre Dialektik ist nicht Streitsucht verschiedener wechselnder Gesichtspunkte, sondern eine notwendige Bewegung im Innern des Erfassens der Wirklichkeit. Ironie/Sokrates/Hegel/Bubner: die sokratische Methode bringe jeden selber zum Nachdenken und erzeuge so eine Distanz zur je gegebenen Unmittelbarkeit, die nicht auf willkürlichem Eingriff beruhe..
Mit ihr gelingt die Zurücknahme des subjektiven Stellungbeziehens. den Dingen selber wird Platz geschafft. Der Dogmatismus einseitiger Aspekte zerstört sich selbst. So lässt die Dialektik alles gelten, und die innere Zerstörung sich daran entwickeln.
I 76
Ironie/Friedrich Schlegel: ist so die höchste Weise des Verhaltens des Geistes. Bubner: Dialektik als" Ironie der Welt" ist dann das Gegenstück zur Selbstherrlichkeit des modernen Ich mit seiner alles zersetzenden Reflexion.
I 77
HegelVsPlaton: blieb auf halbem Wege stehen. Er bewegte sich unentschieden zwischen der subjektiven und der objektiven Dialektik, d.h. der geschmeidigen Reflexion, derer wir alle fähig sind, und der Zwangsläufigkeit im Darlegen eines Zusammenhangs der Unverträglichkeit. Das ist eine Übersetzungsaufgabe (der subjektiven in die objektive Dialektik) die durch die sokratische Ironie geleistet werden kann. "Allgemeine Ironie der Welt".

Wright I 21
Dialektik/Hegel/Marx/Wright, G. H.: das dialektische Schema der Entwicklung durch These, Antithese und Synthese ist kein kausalistisches Denkmuster. Die Hegelschen und Marxschen Konzeptionen von Gesetz und Entwicklung kommen dem näher, was wir Muster begrifflicher oder logischer Verknüpfungen nennen würden.
Wright I 154
G. H. von WrightVsMarx: Marx zeigt eine deutliche Ambivalenz zwischen einerseits einer „kausalistischen“, „szientistischen“ und andererseits einer „hermeneutisch-dialektischen“, „teleologischen“ Orientierung. Diese Ambivalenz gibt Anlass zu radikal verschiedenen Interpretationen seiner philosophischen Aussagen.
Gadamer I 471
Dialektik/Hegel/Gadamer: Das spekulative Verhältnis muss (...) in dialektische Darstellung übergehen. Das ist nach Hegel die Forderung der Philosophie. >Spekulation/Hegel, >Prädikation/Hegel. Was hier Ausdruck und Darstellung heißt, ist freilich nicht eigentlich ein beweisendes Tun, sondern die Sache selbst be-
Gadamer I 472
weist sich, indem sie sich so ausdrückt und darstellt. So wird Dialektik auch wirklich erfahren, dass dem Denken der Umschlag in sein Gegenteil als eine unbegreifliche Umkehrung widerfährt. Ausdruck: Die Dialektik ist der Ausdruck des Spekulativen, die Darstellung dessen, was im Spekulativen eigentlich darin liegt, und insofern das “wirklich“ Spekulative .
Beweis: Sofern nun aber (...) die Darstellung kein hinzukommendes Tun, sondern das Herauskommen der Sache selbst ist, gehört der philosophische Beweis selbst mit zur Sache.
Darstellung: (...) nichtsdestotrotz ist solche Darstellung in Wahrheit gar nicht äußerlich.
Sie hält sich nur dafür, solange das Denken nicht weiß, daß es sich selbst am
Ende als >Reflexion der Sache in sich erweist. Dazu stimmt, dass Hegel den Unterschied von spekulativ und dialektisch nur in der Vorrede zur Phänomenologie betont. Weil sich dieser Unterschied der Sache nach selber aufhebt wird er von Hegel später, auf dem Standpunkt des absoluten >Wissens, nicht mehr festgehalten. >Spekulation/Hegel, >Denken/Hegel.

Bu I
R. Bubner
Antike Themen und ihre moderne Verwandlung Frankfurt 1992

WrightCr I
Crispin Wright
Wahrheit und Objektivität Frankfurt 2001

WrightCr II
Crispin Wright
"Language-Mastery and Sorites Paradox"
In
Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976

WrightGH I
Georg Henrik von Wright
Erklären und Verstehen Hamburg 2008

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Dispositionen Quine I 72
Disposition: der Reiz ist hier nicht ein Einzelereignis, sondern das Universale! Es sind nicht zwei gleiche Reize, sondern die Wiederholung desselben! >Reize/Quine.
I 386f
Dispositionsausdrücke: sind Annahmen aus der Feinstruktur. Bsp Farben: "rot" ist eigentlich auch Dispositionausdruck! Diese sind irreduzible allgemeine Termini.
I 387
Dispositionsausdrücke sind nur durch irreale Bedingungssätze paraphrasierbar.
V 20f
Disposition/Quine: das Problem ist dann, dass man die Bedingungen so eng definieren kann, dass jedes Ereignis ein noch nie Dagewesenes ist. Stephen Stich: dann ist jede Handlung eine angeborene Disposition. Das ist absurd. Quine: dann gibt es keinen Unterschied zwischen der Disposition, sich so zu verhalten und der Tatsache des Verhaltens.
V 23
Def Disposition: ist die Eigenschaft des Gegenstands, kraft derer die Umstände c verursachen, dass er a tut. Problem: das "kraft" ist unerklärbar. V 24 Man braucht eine starke Verbindung zwischen der Disposition (Bsp Wasserlöslichkeit) und ihrer Aktualisierung (Bsp dem Sich-Auflösen, wenn in Wasser).
V 25
Ryle: sieht die Disposition als Grundbegriff. Andere AutorenVs: sehen die Disposition als kontrafaktische Konditionale zur Erklärung. >Kontrafaktisches Konditional/Quine.
V 26
Disposition/Quine: die Disposition ist ein physikalischer Zustand, also eine Mikrostruktur, oder ein Mechanismus. Bsp ist die Intelligenz. >Ceteris paribus/Quine.
V 28
Problem: die Angewiesenheit auf ceteris-paribus-Sätze: ist ein Ausschluss von Störungen.
V 30
Die Nervenbahn selbst kann als Disposition angesehen werden.
V 40
Lösung für ceteris-paribus/Störung ist es, zu fragen, welche Paare von Reizen die Person ähnlicher findet.

Quine I
W.V.O. Quine
Wort und Gegenstand Stuttgart 1980

Quine II
W.V.O. Quine
Theorien und Dinge Frankfurt 1985

Quine III
W.V.O. Quine
Grundzüge der Logik Frankfurt 1978

Quine V
W.V.O. Quine
Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989

Quine VI
W.V.O. Quine
Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995

Quine VII
W.V.O. Quine
From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953

Quine VII (a)
W. V. A. Quine
On what there is
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (b)
W. V. A. Quine
Two dogmas of empiricism
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (c)
W. V. A. Quine
The problem of meaning in linguistics
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (d)
W. V. A. Quine
Identity, ostension and hypostasis
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (e)
W. V. A. Quine
New foundations for mathematical logic
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (f)
W. V. A. Quine
Logic and the reification of universals
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (g)
W. V. A. Quine
Notes on the theory of reference
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (h)
W. V. A. Quine
Reference and modality
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (i)
W. V. A. Quine
Meaning and existential inference
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VIII
W.V.O. Quine
Bezeichnung und Referenz
In
Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982

Quine IX
W.V.O. Quine
Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967

Quine X
W.V.O. Quine
Philosophie der Logik Bamberg 2005

Quine XII
W.V.O. Quine
Ontologische Relativität Frankfurt 2003

Quine XIII
Willard Van Orman Quine
Quiddities Cambridge/London 1987
Endophänotyp Molekulargenetik Corr I 298
Endophänotyp/Molekulargenetik/Munafò: Das Konzept des Endophänotyps wurde vor mehr als dreißig Jahren von Gottesman and Shields (1973)(1) in die Psychiatrie eingeführt. Seine Popularität ist jedoch jüngerer Natur. Es finden sich acht PubMed-Einträge vor dem Jahr 2000. Demgegenüber stehen 150 im aktuellen Jahrhundert. Gottesman and Shields (1973)(1) übernahmen den Begriff von einer Arbeit aus dem Jahr 1966, in der die geografische Verteilung der Heuschrecken dem "Endophänotyp" der Insekten zugeschrieben wurde (John und Lewis 1966)(2), einem Neologismus, der auf einen Phänotyp anspielt, der mikroskopisch und intern war und daher für die beiläufige Beobachtung unklar war. Def Endophänotyp/Gottesman: Gottesmans Definition eines Endophänotyps ist, dass er vererbbar sein sollte, mit einer psychiatrischen Krankheit ko-segmentiert, aber auch vorhanden sein sollte, selbst wenn die Krankheit nicht (d.h. staatlich unabhängig) zum Vorschein kommt. Außerdem sollte er in nicht betroffenen Familienmitgliedern mit einer höheren Rate als in der Bevölkerung gefunden werden (Gottesman und Gould 2003)(3).
Das Kriterium der Zustandsunabhängigkeit wurde modifiziert, um die Bedeutung epigenetischer und entwicklungsbedingter Faktoren zu berücksichtigen, so dass der Endophänotyp erst in einem bestimmten Alter und/oder nach einer Herausforderung manifestiert werden kann (in der gleichen Weise, wie eine Glukose-Herausforderung für einen Glukosetoleranztest verwendet wird) (Hasler, Drevets, Gould et al. 2006)(4).
Andere haben Kriterien hinzugefügt, die verlangen, dass Endophänotypen Teil des kausalen Prozesses sind, durch den die Krankheit entsteht (Lavori, Krause-Steinrauf, Brophy et al. 2002)(5), oder zumindest an einem biologisch plausiblen Mechanismus der Pathogenese beteiligt sind (Castellanos und Tannock 2002(6); Tsuang, Faraone und Lyons 1993)(7). Almasy und Blangero (2001)(8) verlangen außerdem, dass ein Endophänotyp "kontinuierlich quantifizierbar sein sollte, eine Störung probabilistisch vorhersagen sollte und näher an der Stelle des primären Erregers (ob genetisch oder ökologisch) liegen sollte als an diagnostischen Kategorien". Es wurde auch vorgeschlagen, dass "Endophänotypen, die auf neurowissenschaftlichen Grundlagen beruhen oder in den Neurowissenschaften verankert sind" (Doyle, Faraone, Seidman et al. 2005)(9), Priorität eingeräumt werden sollte.




1. Gottesman, I. I. and Shields, J. 1973. Genetic theorizing and schizophrenia, British Journal of Psychiatry 122: 15–30
2. John, B. and Lewis, K. R. 1966. Chromosome variability and geographic distribution in insects, Science 152: 711–21
3. Gottesman, I. I. and Gould, T. D. 2003. The endophenotype concept in psychiatry: etymology and strategic intentions, American Journal of Psychiatry 160: 636–45
4. Hasler, G., Drevets, W. C., Gould, T. D., Gottesman, I. I. and Manji, H. K. 2006. Toward constructing an endophenotype strategy for bipolar disorders, Biological Psychiatry 60: 93–105
5. Lavori, P. W., Krause-Steinrauf, H., Brophy, M., Buxbaum, J., Cockroft, J., Cox, D. R., et al. 2002. Principles, organization, and operation of a DNA bank for clinical trials: a Department of Veterans Affairs cooperative study, Controlled Clinical Trials 23: 222–39
6. Castellanos, F. X. and Tannock, R. 2002. Neuroscience of attention-deficit/hyperactivity disorder: the search for endophenotypes, Nature Neuroscience 3: 617–28
7. Tsuang, M. T., Faraone, S. V. and Lyons, M. J. 1993. Identification of the phenotype in psychiatric genetics, European Archichives of Psychiatry and Clinical Neuroscience 243: 131–42
8. Almasy, L. and Blangero, J. 2001. Endophenotypes as quantitative risk factors for psychiatric disease: rationale and study design, American Journal of Medical Genetics 105: 42–44
9. Doyle, A. E., Faraone, S. V., Seidman, L. J., Willcutt, E. G., Nigg, J. T., Waldman, I. D. et al. 2005: Are endophenotypes based on measures of executive functions useful for molecular genetic studies of ADHD?, Journal of Child Psychology and Psychiatry 46: 774-803



Marcus R. Munafò,“Behavioural genetics: from variance to DNA“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Erklärungen Lorenz Seitenzahlen hier aus der deutschen Ausgabe K. Lorenz, Das sogenannte Böse Wien, 1963
II 120
Def "Finalismus"/Erklärung/Lorenz: der Finalist verwechselt die Frage "Wozu?" mit der Frage "Warum?". daher glaubt er, mit dem Aufzeigen des arterhaltenden Sinnes auch schon das Problem des ursächlichen Zustandekommens gelöst zu haben. Bsp "Fortpflanzungstrieb" ist keine Erklärung für den betreffenden Vorgang.
Erklärung/Lorenz: wir wollen in diesem Buch Erklärungen für Fehlfunktionen von Instinkten geben. Daher dürfen wir uns nicht auf das "wozu" beschränken. Wir brauchen die Einsicht in die normalen Ursachen, um diejenigen ihrer Störungen zu verstehen.
I 121
Eine nach der Funktion benennbare Leistung eines Organismus (Bsp Nahrungsaufnahme, Fortpflanzung, Selbsterhaltung) ist niemals die Wirkung einer einzigen Ursache oder eines einzigen Triebes.
I 122
Lorenz: Bsp die Bausteine des Skeletts sind relativ unabhängig von der Ganzheit. Bsp einen Jagdhund kuriert man nicht von seiner Leidenschaft, indem man ihn sattfüttert.


Lo II
K. Lorenz
On Aggression
Expertensysteme Norvig Norvig I 633
Expertensysteme/KI-Forschung/Norvig/Russell: Die frühe Forschung zu Expertensystemen konzentrierte sich auf die Beantwortung von Fragen und nicht auf das Treffen von Entscheidungen. Das Aufkommen von >Bayesschen Netzwerken in den späten 1980er Jahren ermöglichte den Aufbau von groß angelegten Systemen, die solide probabilistische Schlussfolgerungen aus der Evidenz generierten. Die Hinzufügung von >Entscheidungsnetzwerken bedeutet, dass Expertensysteme entwickelt werden können, die optimale Entscheidungen empfehlen, die sowohl die Präferenzen des Agenten als auch die verfügbare Evidenz widerspiegeln. Ein System, das Hilfsmittel einbezieht, kann eine der häufigsten Fehlerquellen im Zusammenhang mit dem Konsultationsprozess vermeiden: die Verwechslung von Wahrscheinlichkeit und Bedeutung. Eine übliche Strategie in den frühen medizinischen Expertensystemen bestand beispielsweise darin, mögliche Diagnosen nach ihrer Wahrscheinlichkeit zu ordnen und die wahrscheinlichste zu melden. Leider kann dies katastrophal sein!
(...) ein Test- oder Behandlungsplan sollte sowohl von den Wahrscheinlichkeiten als auch vom Nutzen abhängen. Die derzeitigen medizinischen Expertensysteme können den Wert von Informationen zur Empfehlung von Tests berücksichtigen und dann eine Differentialdiagnose beschreiben.
Norvig I 634
Schritte für ein Expertensystem für eine medizinische Behandlung: Ein Kausalmodell erstellen: Bestimme die möglichen Symptome, Störungen, Behandlungen und Ergebnisse. Ziehen Sie dann Bögen (arcs) zwischen ihnen und geben Sie an, welche Störungen welche Symptome verursachen und welche Behandlungen welche Störungen lindern.
Zu einem qualitativen Entscheidungsmodell vereinfachen: Wir können oft vereinfachen, indem wir Variablen entfernen, die nicht an den Entscheidungen für oder gegen Behandlungen beteiligt sind. Manchmal müssen Variablen geteilt oder zusammengefügt werden, um den Eingebungen des Experten zu entsprechen.
Wahrscheinlichkeiten zuweisen: Wahrscheinlichkeiten können aus Patentdatenbanken, Literaturstudien oder den subjektiven Einschätzungen des Experten stammen.
Nutzen zuweisen: Wenn es eine kleine Anzahl möglicher Ergebnisse gibt, können diese aufgezählt und einzeln bewertet werden (...).
Das Modell verifizieren und verfeinern: Um das System zu bewerten, brauchen wir einen Satz von korrekten (Input-, Output-) Paaren; ein sogenannter Goldstandard, mit dem wir vergleichen können. Für medizinische Expertensysteme bedeutet dies in der Regel, die besten verfügbaren Ärzte zusammenzustellen, ihnen einige wenige Fälle zu präsentieren (...)
Norvig I 635
und sie nach ihrer Diagnose und dem empfohlenen Behandlungsplan zu fragen. Eine Sensitivitätsanalyse durchführen: (...) prüft, ob die beste Entscheidung auf kleine Änderungen der zugewiesenen Wahrscheinlichkeiten und Nutzen empfindlich reagiert, indem diese Parameter systematisch variiert und die Bewertung erneut durchgeführt wird. Wenn kleine Änderungen zu signifikant unterschiedlichen Entscheidungen führen, könnte es sich lohnen, mehr Ressourcen für die Erhebung besserer Daten einzusetzen. Die Sensitivitätsanalyse ist besonders wichtig, da eine der Hauptkritikpunkte
Norvig I 636
an probabilistischen Ansätzen für Expertensysteme darin besteht, dass es zu schwierig ist, die erforderlichen numerischen Wahrscheinlichkeiten abzuschätzen. Die Sensitivitätsanalyse zeigt oft, dass viele der Zahlen nur annähernd spezifiziert werden müssen.
Norvig I 639
Nach den frühen Anwendungen in der medizinischen Entscheidungsfindung verwendeten überraschend wenige frühe KI-Forscher entscheidungstheoretische Werkzeuge (...). Eine der wenigen Ausnahmen war Jerry Feldman, der die Entscheidungstheorie auf Probleme des Vorausschauens (Feldman und Yakimovsky, 1974)(1) und der Planung (Feldman und Sproull, 1977)(2) anwandte. Nach dem Wiederaufleben des Interesses an probabilistischen Methoden in der KI in den 1980er Jahren fanden entscheidungstheoretische Expertensysteme große Akzeptanz (Horvitz et al., 1988(3); Cowell et al., 2002)(4). >Entscheidungstheorie/KI-Forschung, >Entscheidungsnetzwerke/Norvig.

1. Feldman, J. and Yakimovsky, Y. (1974). Decision theory and artificial intelligence I: Semantics-based region analyzer. AIJ, 5(4), 349–371.
2. Feldman, J. and Sproull, R. F. (1977). Decision theory and artificial intelligence II: The hungry monkey.
Technical report, Computer Science Department, University of Rochester.
3. Horvitz, E. J., Breese, J. S., and Henrion, M. (1988). Decision theory in expert systems and artificial intelligence. IJAR, 2, 247–302.
4. Cowell, R., Dawid, A. P., Lauritzen, S., and Spiegelhalter, D. J. (2002). Probabilistic Networks and Expert Systems. Springer.

Norvig I
Peter Norvig
Stuart J. Russell
Artificial Intelligence: A Modern Approach Upper Saddle River, NJ 2010
Falsifikation Duhem I 245
Verifikation/Bestätigung/Prüfung/Duhem: Wenn die angekündigte Tatsache nicht entsteht, ist der Lehrsatz falsifiziert. Bei der Prüfung wendet man noch eine ganze Gruppe von Theorien an (nach denen die Instrumente gebaut sind, und ohne die man sie nicht ablesen kann). Das Auftreten oder Nichtauftreten der Erscheinung ergibt sich nicht aus dem strittigen Lehrsatz allein, sondern aus der Verbindung desselben mit der ganzen Gruppe. Das misslingende Experiment lehrt uns bloß, dass unter allen Lehrsätzen, die dazu gedient haben, die Erscheinung vorauszusagen oder zu konstatieren, mindestens einer falsch sein muss. Wenn der Experimentator erklärt, der Irrtum liege gerade in dem zu prüfenden Satz, setzt er voraus, dass alle andern wahr sind. Das Vertrauen in die anderen Sätze (z.B. nach denen die Instrumente gebaut sind und nach denen sie abgelesen werden) tritt nicht mit logischer Notwendigkeit auf.
I 249
Die Physik ist keine Maschine, die sich demontieren lässt. Sie ist ein System, wenn eine Störung auftritt, so ist sie in der Tat durch das gesamte System hervorgerufen worden. (>System). Der Physiker muss das Organ finden, ohne dass er es isolieren kann, denn dann funktionierte das System nicht mehr.

Duh I
P. Duhem
Ziel und Struktur der physikalischen Theorien Hamburg 1998
Fortschritt Schumpeter Mause I 71
Fortschritt/Schumpeter: Im Gegensatz zum neoklassischen Unternehmer, der Optimierer ist, aber keine Neuerungen hervorbringt, ist der Schumpetersche Unternehmer der Motor des Prozesses der „schöpferischen Zerstörung“, indem er Produkt- bzw. Verfahrensinnovationen bewirkt, die veraltete Produkte bzw. Verfahren verdrängen.

EconSchum I
Joseph A. Schumpeter
Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung Leipzig 1912

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Fünf-Faktoren-Modell McCrae Corr I 148
Fünf-Faktoren-Modell/McCrae: Die fünf Faktoren bilden eine Struktur, in der die meisten Charakterzüge klassifiziert werden können. Diese Struktur entsteht, weil sich die Charakterzüge gegenseitig verändern. Zum Beispiel neigen Menschen, die gesellig und durchsetzungsfähig sind, auch dazu, fröhlich und energisch zu sein; sie besitzen viel von dem Extraversion (E)-Faktor, der sich angeblich durch Geselligkeit, Durchsetzungsvermögen, Heiterkeit und Energie definiert. Allerdings können Menschen, die gesellig und durchsetzungsfähig sind, intellektuell neugierig und fantasievoll sein oder auch nicht. Diese Charakterzüge definieren einen separaten Faktor, die Offenheit für Erfahrung (O). Neurotizismus versus Emotionale Stabilität (N), Verträglichkeit versus Antagonismus (A) und Gewissenhaftigkeit (C) sind die restlichen Faktoren. Vgl. >Neurotizismus, >Verträglichkeit, >Offenheit für Erfahrung, >Gewissenhaftigkeit, >Introversion, >Extraversion.
Corr I 149
Lexikalische Hypothese: argumentiert, dass Charakterzüge in menschlichen Angelegenheiten so wichtig sind, dass gemeinsame Wörter erfunden wurden, um sie alle zu benennen. >Siehe >Lexikalische Hypothese/Psychologische Theorien.
Corr I 152
Pro FFM/Pro Fünf-Faktoren-Modell/McCrae: Es besteht nun Konsens darüber, dass die allgemeine Persönlichkeitsdimension von N mit den meisten Persönlichkeitsstörungen verbunden ist (Widiger und Costa 2002)(1), dass E Menschen dazu veranlasst, glücklich zu sein (DeNeve und Cooper 1998)(2), dass O sozialen und politischen Liberalismus voraussagt (McCrae 1996)(3), dass niedriges A ein Risikofaktor für Drogenmissbrauch ist (Ball 2002)(4), dass C mit guter Arbeitsleistung verbunden ist (Barrick und Mount 1991)(5). Der Nutzen des Fünf-Faktoren-Modells wurde sicher nachgewiesen.
Corr I 152/153
VsFFM/VsFive-Faktoren-Modell/McCrae: A. a) Befürworter eines personenzentrierten Ansatzes behaupten, dass Typen die Funktionsweise psychologischer Prozesse genauer abbilden als variabel zentrierte Charakterzüge(siehe Asendorpf, Caspi und Hofstee 2002(6), für eine ausgewogene Diskussion dieser Fragen).
b) Sozial-kognitive Theoretiker(Cervone 2004(7)) haben argumentiert, dass Charakterzüge lediglich Verhalten beschreiben, ohne es zu erklären (siehe McCrae und Costa 2008a(8) für eine Widerlegung (McCraeVsCervone, CostaVsCervone)).
c) Das Fünf-Faktoren-Modell selbst stellt keine vollständige Persönlichkeitstheorie dar, die die menschliche Entwicklung, das tägliche Funktionieren und soziale Interaktionen im kulturellen Kontext erklärt (McAdams und Pals 2006)(9). McCraeVsMcAdams, McCraeVsPals: siehe (McCrae und Costa 2003(10), 2008b(11).
B. Einige Autoren schlagen eine Variation oder Verfeinerung des Fünf-Faktoren-Modells vor: Forschung in verschiedenen Sprachen führte zu Vorschlägen von Modellen mit mehr oder weniger Faktoren. De Raad und Peabody (2005)(12) berichteten über Analysen von Charakterzugsadjektiven in niederländischen, italienischen, tschechischen, ungarischen und polnischen Proben und fanden eine solidere Unterstützung für ein Drei-Faktoren-Modell, bestehend aus E, A und C. Umgekehrt berichteten Ashton und Kollegen (Ashton und Lee 2005(13); Ashton, Lee, Perugini et al. 2004)(14) über lexikalische Studien in einer Reihe von Sprachen, in denen sechs replizierbare Faktoren auftraten.
Corr I 155
Es wurde eine Unterteilung in Facetten innerhalb der Charakterzüge des Fünf-Faktoren-Modells vorgenommen: NEO-PI-R: hat dreißig Facettenskalen, sechs für jeden Faktor. Sie wurden so gewählt, dass sie die wichtigsten Konstrukte der Persönlichkeitsliteratur repräsentieren und gleichzeitig maximal unterschiedlich sind (Costa und McCrae 1995a)(15).
VsNEO-PI-R/VsMcCrae/VsCosta: Das Facettensystem des NEO-PI-R wurde als willkürlich kritisiert, weil "der Schlüsselbestandteil für ein System zur Bereitstellung einer adäquaten Struktur niedrigerer Ordnung der Big Five eine empirische Grundlage für die Auswahl von Charakterzügen niedrigerer Ordnung ist" im Gegensatz zu den "theoretischen Erkenntnissen und Intuitionen" bei der Entwicklung des NEO-PI-R (Roberts, Walton und Viechtbauer 2006(16), S. 29).


1. Widiger, T. A. and Costa, P. T., Jr 2002. Five-Factor Model personality disorder research, in P. T. Costa, Jr and T. A. Widiger (eds.), Personality disorders and the Five-Factor Model of personality, 2nd edn, pp. 59–87. Washington, DC: American Psychological Association
2. DeNeve, K. M. and Cooper, H. 1998. The happy personality: a meta-analysis of 137 personality traits and subjective well-being, Psychological Bulletin 124: 197–229
3. McCrae, R. R. 1996. Social consequences of experiential Openness, Psychological Bulletin 120: 323–37
4. Ball, S. A. 2002. Big Five, Alternative Five, and seven personality dimensions: validity in substance-dependent patients, in P. T. Costa, Jr and T. A. Widiger (eds.), Personality disorders and the Five-Factor Model of personality, 2nd edn, pp. 177–201. Washington, DC: American Psychological Association
5. Barrick, M. R. and Mount, M. K. 1991. The Big Five personality dimensions and job performance: a meta-analysis, Personnel Psychology 44: 1–26
6. Asendorpf, J. B., Caspi, A. and Hofstee, W. K. B. 2002. The puzzle of personality types [Special Issue], European Journal of Personality 16(S1) Ashton, M. C. and Lee, K. 2005. Honesty-Humility, the Big Five, and the Five-Factor Model, Journal of Personality 73: 1321–53
7. Cervone, D. 2004. Personality assessment: tapping the social-cognitive architecture of personality, Behaviour Therapy 35: 113–29
8. McCrae, R. R., and Costa, P. T. 2008a. Empirical and theoretical status of the Five-Factor Model of personality traits, in G. Boyle, G. Matthews and D. H. Saklofske (eds.), Sage handbook of personality theory and assessment, vol. I, pp. 273–94. Los Angeles, CA: Sage
9. McAdams, D. P. and Pals, J. L. 2006. A new Big Five: fundamental principles for an integrative science of personality, American Psychologist 61: 204–17
10. McCrae, R. R., and Costa, P. T. 2003. Personality in adulthood: a Five-Factor Theory perspective, 2nd edn. New York: Guilford
11. McCrae, R. R., and Costa, P. T. 2008b. The Five-Factor Theory of personality, in O. P. John, R. W. Robins and L. A. Pervin (eds.), Handbook of personality: theory and research, 3rd edn, pp. 159–81. New York: Guilford Press
12. De Raad, B. and Peabody, D. 2005. Cross-culturally recurrent personality factors: analyses of three factors, European Journal of Personality 19: 451–74
13. Ashton, M. C. and Lee, K. 2005. Honesty-Humility, the Big Five, and the Five-Factor Model, Journal of Personality 73: 1321–53
14. Ashton, M. C., Lee, K., Perugini, M., Szarota, P., De Vries, R. E., Di Blass, L., Boies, K. and De Raad, B. 2004. A six-factor structure of personality descriptive adjectives: solutions from psycholexical studies in seven languages, Journal of Personality and Social Psychology 86: 356–66
15. Costa, P. T., Jr., and McCrae, R. R. 1995a. Domains and facets: hierarchical personality assessment using the Revised NEO Personality Inventory, Journal of Personality Assessment 64: 21–50
16. Roberts, B. W., Walton, K. E. and Viechtbauer, W. 2006. Personality traits change in adulthood: reply to Costa and McCrae (2006), Psychological Bulletin 132: 29–32


Robert R. McCrae, “The Five-Factor Model of personality traits: consensus and controversy”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Gerechtigkeit Barry Gaus I 294
Gerechtigkeit/internationale Beziehungen/Barry/Brown: Barrys(1) (...) Darstellung von 'Gerechtigkeit als Unparteilichkeit' hat erhebliche internationale Implikationen; >Gerechtigkeit/Internationale Politische Theorie. Unparteilichkeit/Barry: Unparteilichkeit erfordert, dass die vitalen Interessen eines jeden vor die nicht-vitalen Interessen eines jeden gestellt werden, was bedeutet, dass die bestehende Verteilung des Reichtums und die für den zeitgenössischen Kapitalismus charakteristische Umweltzerstörung als unvernünftig und ungerecht angesehen werden müssen. Die unausweichliche Schlussfolgerung ist, dass die fortgeschrittene industrielle Welt ihr Wachstum verlangsamen oder umkehren und Ressourcen über ein System "progressiver" globaler Besteuerung an die Armen transferieren sollte (Barry, 1994(2); 1998(3)). >Ungleichheit/Internationale Politische Theorie; vgl. >Besteuerung, >Steuerwettbewerb.
BarryVsRawls: >Gerechtigkeit/Internationale Politische Theorie, Vgl. >Gerechtigkeit/Rawls, >Verteilungsgerechtigkeit/Rawls, >Gerechtigkeit/Beitz.


1. Barry, B. (1989) 'Humanity and justice in global perspective'. In B. Barry, Democracy, Power and Justice. Oxford: Clarendon.
2. Barry, B. (1994) Justice as Impartiality. Oxford: Oxford University Press.
3. Barry, B. (1998) 'International society from a cosmopolitan perspective'. In D. Mapel and T. Nardin, eds, International Society. Princeton, NJ: Princeton University Press, 144-63.

Brown, Chris 2004. „Political Theory and International Relations“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

EconBarry I
Brian Barry
Sociologists,economists, and democracy Chicago 1970

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Geschichte Weizenbaum I 312
Geschichte/Computer/Weizenbaum: Bsp bei der Eingabe in Computerprogramme wurde die Hälfte der verfügbaren Daten von Erdbeben weggelassen, weil sie nicht in standardisierter Form vorlagen (P. Morrison, The Mind of the Machine, in: Technology Review (MIT), Januar 1973, S. 13).
I 313
Weizenbaum: Damit hat der Computer begonnen, ein Instrument zur Zerstörung von Geschichte zu werden. Bsp Die New York Times hat begonnen, eine „Datenbank“ der laufenden Ereignisse (Mitte der siebziger Jahre) aufzubauen. Natürlich sind nur solche Daten für das System zulässig, die sich leicht als Nebenprodukte aus den Setzmaschinen gewinnen lassen. ...Wie lange wird es dauern, bis das, was als Faktum gilt, von diesem System bestimmt wird, bis alles andere Wissen, jede Erinnerung einfach als illegitim erklärt wird?

Weizenbaum I
Joseph Weizenbaum
Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft Frankfurt/M. 1978
Gleichgewicht Pareto Brocker I 99
Gleichgewicht/Pareto: Der Gleichgewichtszustand ist als eine variable und fluide Zustandsgröße zu verstehen. Er ist zugleich prekär und bestandserhaltend: Störungen, die in der Realität als Krisen oder nichtintendierte Effekte auftreten, führen nicht zum Systemzerfall und Chaos, sondern sie bewirken stets ein neues Gleichgewicht, das seinerseits wieder Dysfunktionen hervorbringt. Paretos Theorie ist somit von vornherein multidimensional und multikausal angelegt.

Maurizio Bach, Vilfredo Pareto, Allgemeine Soziologie (1916) in: Manfred Brocker (Hg). Geschichte des Politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018.


Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Gleichgewicht Rawls I 456
Gleichgewicht/Rawls: ich verwende den Begriff intuitiv(1). Der Begriff der Stabilität, den ich dazu verwende, ist eigentlich einer der Quasi-Stabilität: wenn ein Gleichgewicht stabil ist, kehren alle Variablen nach einer Störung zu ihrem Gleichgewicht zurück. Bei der Quasistabilität sind es nur einige(2).
Quasi-stabile Gesellschaft: ist eine wohlgeordnete Gesellschaft, die quasistabil ist in Bezug auf ihre Institutionen und den Gerechtigkeitssinn ihre Bürger. Wenn Institutionen durch gewisse Umstände nicht länger als gerecht zu betrachten sind, sollten sie beispielsweise so reformiert werden können, wie die Situation es erfordert, und die Gerechtigkeit ist wieder hergestellt.
I 457
Drei Bedingungen müssen für eine Gesellschaft im Gleichgewicht erfüllt sein: 1. Das System ist zu identifizieren und innere und äußere Kräfte müssen unterschieden werden können.
2. Verschiedene Zustände des Systems und ihre charakteristischen Züge sind zu identifizieren.
3. Die Gesetze, die die verschiedenen Zustände verbinden, sind zu spezifizieren.
Je nach Beschaffenheit haben einige Systeme keinen Gleichgewichtszustand, andere haben viele.
I 458
Gerechtigkeitssinn: der Gerechtigkeitssinn der Bürger in einer Gesellschaft spielt eine entscheidende Rolle. Moralisches Lernen/Tradition: wir können zwei Hauptströmungen unterscheiden: 1. Die eine stammt von Hume bis Sidgwick und ist heue in sozialen Lerntheorien wiederzufinden. These: fehlende soziale Motive werden durch Lernen hinzugewonnen.
Variante dieser These geht davon aus, dass moralische Standards vor jeglichem Verstehen erworben werden.
I 459
2. Die zweite traditionelle These stammt von Rousseau und Kant, sie ist rationalistisch und wird manchmal von J. St. Mill und neuerdings von J. Piaget vertreten: Moralisches Lernen ist demnach nicht so sehr eine Frage des Füllens von Lücken als vielmehr eine freie Entwicklung unserer angeborenen und intellektuellen Fähigkeiten nach natürlicher Veranlagung.
I 460
Siehe Fußnoten 3-7.

(1) Siehe hierzu W.R. Ashby, Design for a Brain, 2. Ed. (London, 1960), Kap. 2-4, 19-29.
(2) Siehe hierzu Harvey Leibenstein, Economic Backwardness and Economic Growth, (New York, 1957), S. 18.
(3) Siehe J.-J. Rousseau, Emile (London, 1908) insb. S. 46-66 (in Buch II), 172-196 (in Buch. IV).
(4) Siehe auch Kant, The Critique of Practical Reason, Pt. II, The Methodology of Pure Practical Reason.
(5) Siehe auch J. Piaget, The Moral Judgment oft he Child (London, 1932).
(6) Siehe auch Lawrence Kohlberg, „The Development of Moral Thought“, Vita Humana, Bd. 6 (1963).
(7) Für VsPiaget siehe: M. L. Hoffman, „Moral Development“ (1970) S. 264-275, und für VsKohlberg: S. 276-281.

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005
Gut/Das Gute Jonas Brocker I 615
Gut/Das Gute/Jonas: Jonas These: Das Gute ist im Sein verankert, es ist nicht das Resultat einer menschlichen Setzung, einer Konvention oder eines Vertrages. Hierdurch erhält es nach Jonas seine höhere Weihe. Es ruft das Subjekt unmittelbar zu seiner Verwirklichung auf.(1) Siehe Sein/Jonas, Teleologie/Jonas, Ethik/Jonas. Zusammenhang: Die Pflicht der Menschheit, die totale Zerstörung ihrer selbst und allen Lebens zu vermeiden, lässt sich nach Jonas also direkt aus der Natur ablesen.


1.Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation, Frankfurt/M. 1979, S. 161

Manfred Brocker, „Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Jonas I
Hans Jonas
Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation Frankfurt 1979

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Hierarchien Evolutionäre Psychologie Corr I 362
Hierarchie/Evolutionäre Psychologie: Eine wesentliche Änderung in der überarbeiteten RST (>Reinforcement Sensitivity Theorie) ist die Einbeziehung einer hierarchischen Anordnung von verteilten Gehirnsystemen, die spezifisches Abwehrverhalten vermitteln, das mit dem Grad der erlebten Bedrohung verbunden ist, vom präfrontalen Kortex auf höchster Ebene bis zum periaqueduktalen Grau auf unterster Ebene. Jeder Struktur ist eine bestimmte Klasse von psychischen Störungen zugeordnet (McNaughton und Corr 2008a)(1). Gemäß dieser Perspektive können getrennte Emotionen (z.B. Angst, Panik, etc.) als Ausdruck der Entwicklung spezifischer neuronaler Module zur Bewältigung spezifischer Umweltanforderungen (z.B. Flucht vor einem Raubtier) angesehen werden. Als sich diese getrennten Systeme entwickelten und zusammenzuarbeiten begannen, entwickelte sich eine Form von Regulierungsprozess (z.B. wenn ein Modul aktiv ist, werden andere inaktiviert). Der daraus resultierende hierarchische Charakter dieses Verteidigungssystems spiegelt die Tatsache wider, dass sich einfachere Systeme vor komplexeren entwickelt haben müssen, was eine Lösung für das Problem widersprüchlicher Aktionssysteme bietet: Die späteren Systeme entwickelten sich zu einer hemmenden Kontrolle auf untergeordneten Systemen.
Das Ergebnis dieses Evolutionsprozesses ist die Existenz einer hierarchisch geordneten Reihe von Abwehrreaktionen, die jeweils für eine bestimmte Abwehrdistanz (d.h. den Grad der wahrgenommenen Bedrohung) geeignet sind. Diese hierarchische Anordnung (....) lässt sich bequem in Form eines zweidimensionalen Schemas zusammenfassen, das aus "defensiver Distanz" und "Verteidigungsrichtung" besteht. >Terminologie/Corr.



1. McNaughton, N. & Corr, P. J. 2008a. The neuropsychology of fear and anxiety: a foundation for reinforcement sensitivity theory, in P. J. Corr (ed). The reinforcement sensitivity theory of personality, pp. 44–94. Cambridge University Press


Philip J. Corr, „ The Reinforcement Sensitivity Theory of Personality“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Hypothesen Poundstone I 48
Hypothesen/Poundstone: die meisten Hypothesen sind Verallgemeinerungen. - Nicods Kriterium (Rabenparadox): Relevanz - schwarze und nichtschwarze Nichtraben sind irrelevant.
I 60
Poundstone: sogar die Beobachtung schwarzer Raben ist praktisch irrelevant.
I 88
Schlechte Hypothesen verderben gutes Belegmaterial.
I 55
Hilfshypothesen/Kohärenztheorie/Poundstone: Zusatzhypothesen meist Annahmen über das Funktionieren der Instrumente. Problem: oft ist die Anwendbarkeit des modus tollens nicht garantiert - Bsp Uranus wurde richtig aufgrund von Bahnstörungen vorhergesagt, Neptun falsch aufgrund der gleichen Hypothesen und Methoden.

Poundstone I
William Poundstone
Im Labyrinth des Denkens Hamburg 1995
Idiolekt Putnam I (a) 34
Bedeutung/Putnam: es ist dieselbe Bedeutung von "Quine" auch wenn die >Kausalketten ganz verschieden sind - (trotz Idiolekt).
I (a) 32ff
Idiolekt/Putnam: (Kripke): Gebrauch von >Namen ist auch bei völlig falschen Überzeugungen möglich. - Putnam pro: Wissen muss Referenz im Idiolekt nicht festlegen. - Gebrauch von Namen ist gemeinschaftlich - Theoretische Termini: könnte man dann als Eigennamen von Größen auffassen. - Dann sind auch falsche Kennzeichnungen möglich, ohne Zerstörung der Referenz- Kausalkette: es geht um ein Einführungsereignis; die physikalische Größe muss dabei keine signifikante Rolle gespielt haben.

Putnam I
Hilary Putnam
Von einem Realistischen Standpunkt
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Frankfurt 1993

Putnam I (a)
Hilary Putnam
Explanation and Reference, In: Glenn Pearce & Patrick Maynard (eds.), Conceptual Change. D. Reidel. pp. 196--214 (1973)
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (b)
Hilary Putnam
Language and Reality, in: Mind, Language and Reality: Philosophical Papers, Volume 2. Cambridge University Press. pp. 272-90 (1995
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (c)
Hilary Putnam
What is Realism? in: Proceedings of the Aristotelian Society 76 (1975):pp. 177 - 194.
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (d)
Hilary Putnam
Models and Reality, Journal of Symbolic Logic 45 (3), 1980:pp. 464-482.
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (e)
Hilary Putnam
Reference and Truth
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (f)
Hilary Putnam
How to Be an Internal Realist and a Transcendental Idealist (at the Same Time) in: R. Haller/W. Grassl (eds): Sprache, Logik und Philosophie, Akten des 4. Internationalen Wittgenstein-Symposiums, 1979
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (g)
Hilary Putnam
Why there isn’t a ready-made world, Synthese 51 (2):205--228 (1982)
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (h)
Hilary Putnam
Pourqui les Philosophes? in: A: Jacob (ed.) L’Encyclopédie PHilosophieque Universelle, Paris 1986
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (i)
Hilary Putnam
Realism with a Human Face, Cambridge/MA 1990
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam I (k)
Hilary Putnam
"Irrealism and Deconstruction", 6. Giford Lecture, St. Andrews 1990, in: H. Putnam, Renewing Philosophy (The Gifford Lectures), Cambridge/MA 1992, pp. 108-133
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam II
Hilary Putnam
Repräsentation und Realität Frankfurt 1999

Putnam III
Hilary Putnam
Für eine Erneuerung der Philosophie Stuttgart 1997

Putnam IV
Hilary Putnam
"Minds and Machines", in: Sidney Hook (ed.) Dimensions of Mind, New York 1960, pp. 138-164
In
Künstliche Intelligenz, Walther Ch. Zimmerli/Stefan Wolf Stuttgart 1994

Putnam V
Hilary Putnam
Vernunft, Wahrheit und Geschichte Frankfurt 1990

Putnam VI
Hilary Putnam
"Realism and Reason", Proceedings of the American Philosophical Association (1976) pp. 483-98
In
Truth and Meaning, Paul Horwich Aldershot 1994

Putnam VII
Hilary Putnam
"A Defense of Internal Realism" in: James Conant (ed.)Realism with a Human Face, Cambridge/MA 1990 pp. 30-43
In
Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994

SocPut I
Robert D. Putnam
Bowling Alone: The Collapse and Revival of American Community New York 2000
Industrialisierung Acemoglu Acemoglu I 298
Industrialisierung/Acemoglu/Robinson: Acemoglu-These: Ob ein Land tatsächlich in die Industrialisierung einstieg, hing weitgehend von seinen Institutionen ab. (>Terminologie/Acemoglu, >Institutionen/Acemoglu). Die Vereinigten Staaten, die eine ähnliche Transformation wie die englische Glorreiche Revolution durchmachten, hatten bereits Ende des 18. Jahrhunderts ihre eigene Marke von inklusiven politischen und wirtschaftlichen Institutionen entwickelt. Damit würden sie die erste Nation sein, die die von den Britischen Inseln kommenden neuen Technologien nutzte. Bald sollten sie Großbritannien übertreffen und zum Vorreiter der Industrialisierung und des technologischen Wandels werden. Australien verfolgte einen ähnlichen Weg zu integrativen Institutionen, wenn auch etwas später und etwas weniger beachtet. Wie in England und den Vereinigten Staaten mussten ihre Bürger für integrative Institutionen kämpfen. Sobald diese vorhanden waren, würde Australien seinen eigenen Prozess des Wirtschaftswachstums einleiten. Australien und die Vereinigten Staaten konnten sich industrialisieren und schnell wachsen, weil ihre relativ integrativen Institutionen neue Technologien, Innovationen oder kreative Zerstörung nicht blockierten. Nicht so in den meisten anderen europäischen Kolonien. Ihre Dynamik wäre das genaue Gegenteil von der in Australien und den Vereinigten Staaten. Das Fehlen einer einheimischen Bevölkerung oder von Ressourcen, die abgebaut werden müssten, machte den Kolonialismus in Australien und den Vereinigten Staaten zu einer ganz anderen Art von Angelegenheit, selbst wenn ihre Bürger hart für ihre politischen Rechte und für integrative Institutionen kämpfen mussten.
Kolonien: An vielen dieser Orte setzten sie eine Reihe von institutionellen Veränderungen in Gang, die das Entstehen von inklusiven Institutionen sehr unwahrscheinlich machten. An einigen dieser Orte wurden alle aufkeimenden Industriezweige oder integrativen Wirtschaftsinstitutionen deutlich ausgemerzt. Die meisten dieser Orte wären nicht in der Lage, von der Industrialisierung im neunzehnten oder gar im zwanzigsten Jahrhundert zu profitieren.
Europa: Die Dynamik im übrigen Europa unterschied sich ebenfalls deutlich von der in Australien und den Vereinigten Staaten. (...) Die meisten europäischen Länder wurden
Acemoglu I 299
von absolutistischen Regimen regiert (...). (...) die institutionellen Übergänge in Großbritannien und die industrielle Revolution schufen neue Chancen und Herausforderungen für die europäischen Staaten. (...) die Situation in Osteuropa, im Osmanischen Reich und in China war ganz anders. Diese Unterschiede waren für die Verbreitung der Industrialisierung von Bedeutung. Wie der Schwarze Tod oder der Aufschwung des atlantischen Handels verschärfte die durch die Industrialisierung geschaffene kritische Phase den allgegenwärtigen Konflikt um die Institutionen in vielen
Acemoglu I 301
Europäische Nationen. Ungleichheiten: Die institutionelle Dynamik (...) bestimmte, welche Länder die großen Chancen, die sich im 19. Jahrhundert boten, nutzten und welche nicht. Die Wurzeln der Ungleichheit in der Welt, die wir heute beobachten, sind in dieser Divergenz zu suchen. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, sind die reichen Länder von heute diejenigen, die den Prozess der Industrialisierung und des technologischen Wandels ab dem neunzehnten Jahrhundert eingeleitet haben, und die armen Länder diejenigen, die dies nicht getan haben.

Acemoglu II
James A. Acemoglu
James A. Robinson
Economic origins of dictatorship and democracy Cambridge 2006

Acemoglu I
James A. Acemoglu
James A. Robinson
Why nations fail. The origins of power, prosperity, and poverty New York 2012
Industrielle Revolution Acemoglu Acemoglu I 197
Industrielle Revolution/Institutionen/Acemoglu/Robinson: Die industrielle Revolution manifestierte sich in jedem Aspekt der englischen Wirtschaft. Es gab bedeutende Verbesserungen in den Bereichen Transport, Metallurgie und Dampfkraft. Der bedeutendste Bereich der Innovation war jedoch die Mechanisierung der Textilproduktion und die Entwicklung von Fabriken zur Herstellung dieser Textilien. Dieser dynamische Prozess wurde durch die institutionellen Veränderungen, die sich aus der Glorreichen Revolution ergaben, entfesselt. Dabei ging es nicht nur um die Abschaffung der inländischen Monopole, die bis 1640 erreicht worden war, oder um unterschiedliche Steuern oder den Zugang zu Finanzmitteln. Es ging um eine grundlegende Reorganisation der Wirtschaftsinstitutionen zugunsten von Innovatoren und Unternehmern, die auf dem Entstehen sichererer und effizienterer Eigentumsrechte basierte.
Acemolgu I 198
Eigentum: Der Revolution im Transportwesen und ganz allgemein der Neuordnung des Bodens im achtzehnten Jahrhundert lagen parlamentarische Akte zugrunde, die die Natur des Besitzens veränderten. Grundbesitz: Gemeindeland konnte oft traditionell genutzt werden. Es gab enorme Hindernisse, Land in einer Weise zu nutzen, die wirtschaftlich wünschenswert wäre. Das Parlament begann, dies zu ändern, indem es Gruppen von Menschen erlaubte, dem Parlament eine Petition zur Vereinfachung und Neuordnung der Eigentumsrechte vorzulegen. Es handelte sich dabei um Änderungen, die in der Folge in Hunderten von Parlamentsakten verankert wurden. Diese Reorganisation der wirtschaftlichen Institutionen manifestierte sich auch in der Entstehung einer Agenda zum Schutz der einheimischen Textilproduktion vor ausländischen Importen.
Acemolgu I 202
Innovationen/Technologie: Um 1760 begann die Kombination all dieser Faktoren (dies umfasste: verbesserte und neue Eigentumsrechte, eine verbesserte Infrastruktur, ein verändertes Steuersystem, ein besserer Zugang zu Finanzmitteln und ein aggressiver Schutz von Händlern und Herstellern) ihre Wirkung zu entfalten. Nach diesem Datum stieg die Zahl der patentierten Erfindungen sprunghaft an, und die große Blüte des technologischen Wandels, der im Mittelpunkt der industriellen Revolution stehen sollte, begann sich abzuzeichnen.
Acemoglu I 207
Institutionen: Es war der integrative Charakter (>Terminologie/Acemoglu) der englischen Institutionen, der diesen Prozess ermöglichte. Diejenigen, die unter der kreativen Zerstörung litten und sie fürchteten, konnten sie nicht mehr aufhalten. Geografische Faktoren: Warum [geschah die Revolution] in England? Die Industrielle Revolution begann und machte ihre größten Fortschritte in England wegen seiner einzigartig integrativen Wirtschaftsinstitutionen. Diese wiederum bauten auf den Fundamenten auf, die von den integrativen politischen Institutionen der Glorreichen Revolution gelegt wurden.
Acemoglu I 208
Es war die Glorreiche Revolution, die die Eigentumsrechte stärkte und rationalisierte, die Finanzmärkte verbesserte, die staatlich sanktionierten Monopole im Außenhandel untergrub und die Hindernisse für die Expansion der Industrie beseitigte. Dieses Ergebnis war eine Folge des Abdriftens der englischen Institutionen und der Art und Weise, wie sie mit kritischen Punkten interagierten. >Institutionelle Drift/Acemoglu, >Kritische Verzweigungspunkte/Acemoglu.

Unser Überblick zur Indutriellen Revolution beruht auf Mantoux (1961)(1).
Unsere Argumentation über die Ursachen der industriellen Revolution wird in hohem Maße von den Argumenten beeinflusst, die in North and Thomas (1973)(2), North and Weingast (1989)(3), Brenner (1993)(4), Pincus (2009)(5), and Pincus and Robinson (2010)(6) gemacht wurden. Diese Gelehrten wiederum ließen sich von früheren marxistischen Interpretationen des britischen institutionellen Wandels und der Entstehung des Kapitalismus inspirieren; see Dobb (1963)(7) und Hill (1961(8), 1980(9)).


1.Mantoux, Paul (1961). The Industrial Revolution in the Eighteenth Century. Rev. ed. New York: Harper and Row.
2.North, Douglass C. and Robert P. Thomas (1973). The Rise of the Western World: A New Economic History. New York: Cambridge University Press.
3.North, Douglass C., and Barry R. Weingast (1989). “Constitutions and Commitment: Evolution of Institutions Governing Public Choice in 17th Century England.” Journal of Economic History 49: 803–32.
4.Brenner, Robert (1993). Merchants and Revolution. Princeton, N.J.: Princeton University Press.
5.Pincus, Steven C. A. (2009). 1688: The First Modern Revolution. New Haven, Conn.: Yale University Press.
6. Pincus, Steven C. A., and James A. Robinson (2010). “What Really Happened During the Glorious Revolution?” Unpublished. http://​scholar.​harvard.​edu/​jrobinson.
7.Dobb, Maurice (1963). Studies in the Development of Capitalism. Rev. ed. New York: International Publishers.
8.Hill, Christopher (1961). The Century of Revolution, 1603–1714. New York: W. W. Norton and Co.
9. - (1980). “A Bourgeois Revolution?” In Lawrence Stone, ed. The British Revolutions: 1641, 1688, 1776. Princeton, N.J.: Princeton University Press.

Acemoglu II
James A. Acemoglu
James A. Robinson
Economic origins of dictatorship and democracy Cambridge 2006

Acemoglu I
James A. Acemoglu
James A. Robinson
Why nations fail. The origins of power, prosperity, and poverty New York 2012
Information Shannon Brockman I 155
Information/Shannon/Kaiser: In Shannons inzwischen berühmter Formulierung(1) ergab sich der Informationsgehalt einer Zeichenkette durch den Logarithmus der Anzahl der möglichen Symbole, aus denen eine bestimmte Zeichenkette ausgewählt wurde. Shannons wichtigste Erkenntnis war, dass die Information einer Nachricht genau wie die Entropie eines Gases war: ein Maß für die Störung des Systems.
Brockman I 154
(....) Der Mathematiker Warren Weaver erklärte, dass in Shannons Formulierung "das Wort Information.... in einem besonderen Sinne verwendet wird, der nicht mit seinem normalen Gebrauch verwechselt werden darf. Insbesondere dürfen Informationen nicht mit Bedeutung verwechselt werden(2). Sprachwissenschaftler und Dichter seien vielleicht besorgt über die "semantischen" Aspekte der Kommunikation, fuhr Weaver fort, aber nicht Ingenieure wie Shannon.
Vielmehr bezieht sich "dieses Wort "Information" in der Kommunikationstheorie nicht so sehr auf das, was man sagt, sondern auf das, was man sagen könnte." (2).


1. Claude Shannon, A Mathematical Theory of Communication, Bell System Technical Journal (1948), Vol. 27/3
2. Warren Weaver, ’Recent Contributions to the Mathematical Theory of Communication,” in Claude Shannon and Warren Weaver, The Mathematical Theory of Communication (Urbana: University of Illinois Press, 1949), 8.


Kaiser, David “”information” for Wiener, for Shannon, and for Us” in: Brockman, John (ed.) 2019. Twenty-Five Ways of Looking at AI. New York: Penguin Press.

Brockman I
John Brockman
Possible Minds: Twenty-Five Ways of Looking at AI New York 2019
Institutionen Acemoglu Acemoglu I 74
Institutionen/Acemoglu/Robinson: A. Def integrative Institutionen: (...) wie z.B. in Südkorea oder in den Vereinigten Staaten, sind diese diejenigen, die der Mehrheit der Menschen die Teilnahme an wirtschaftlichen Aktivitäten ermöglichen und fördern, die ihre Talente und Fähigkeiten am besten nutzen und die den Einzelnen in die Lage versetzen, die von ihm gewünschten Entscheidungen zu treffen. Um integrativ zu sein, müssen die Wirtschaftsinstitutionen über sicheres Privateigentum, ein unparteiisches Rechtssystem und ein Angebot an öffentlichen Dienstleistungen verfügen, das gleiche Wettbewerbsbedingungen für Austausch und Vertragsabschlüsse bietet; es muss auch den Eintritt neuer Unternehmen ermöglichen und den Menschen die Wahl ihrer Laufbahn ermöglichen.
Eigentum: Sichere private Eigentumsrechte sind von zentraler Bedeutung, da nur diejenigen mit solchen Rechten bereit sein werden, zu investieren und die Produktivität zu steigern.
Acemoglu I 75
Die Sicherung der Eigentumsrechte, des Rechts, der öffentlichen Dienstleistungen und der Vertrags- und Tauschfreiheit hängt vom Staat ab. Dieser ist eine Institution mit der Zwangsbefugnis, Ordnung zu schaffen, Diebstahl und Betrug zu verhindern und Verträge zwischen privaten Parteien durchzusetzen. Die Infrastruktur: Um gut zu funktionieren, braucht die Gesellschaft auch andere öffentliche Dienste: Straßen und ein Verkehrsnetz, damit Güter transportiert werden können; eine öffentliche Infrastruktur, damit die Wirtschaftstätigkeit florieren kann; und eine Art Basisregelung, um Betrug und Fehlverhalten zu verhindern.
Staat: Der Staat ist somit als Vollstrecker von Recht und Ordnung, Privateigentum und Verträgen und oft auch als wichtiger Anbieter öffentlicher Dienstleistungen untrennbar mit den wirtschaftlichen Institutionen verflochten. Integrative Wirtschaftsinstitutionen brauchen und nutzen den Staat.
B. Def extraktive Institutionen/Acemoglu/Robinson: (...) Solche Institutionen sind dazu bestimmt, Einkommen und Reichtum aus einer Teilmenge der Gesellschaft zu extrahieren, um einer anderen Teilmenge zugute zu kommen. Vgl. >Pluralismus/Acemoglu.
Acemoglu I 80
Es besteht eine starke Synergie zwischen wirtschaftlichen und politischen Institutionen. Extraktive politische Institutionen konzentrieren die Macht in den Händen einer schmalen Elite und setzen der Ausübung dieser Macht wenig Grenzen. Wirtschaftliche Institutionen werden dann oft von dieser Elite strukturiert, um dem Rest der Gesellschaft Ressourcen zu entziehen.
Acemoglu I 81
[Die] synergistische Beziehung zwischen extraktiven wirtschaftlichen und politischen Institutionen führt eine starke Rückkopplungsschleife ein: Politische Institutionen ermöglichen es den Eliten, die die politische Macht kontrollieren, wirtschaftliche Institutionen mit wenigen Einschränkungen oder Gegenkräften zu wählen. Wenn die bestehenden Eliten unter extraktiven politischen Institutionen herausgefordert werden und die Neuankömmlinge Erfolge erzielen, sind auch die Neuankömmlinge nur wenigen Zwängen unterworfen.
Institutionen der Integration: integrative Wirtschaftsinstitutionen wiederum werden auf dem Fundament integrativer politischer Institutionen geschmiedet, die die Macht in der Gesellschaft breit streuen und ihre willkürliche Ausübung einschränken. Solche politischen Institutionen erschweren es auch anderen, die Macht an sich zu reißen, und untergraben die Grundlagen integrativer Institutionen. Diejenigen, die die politische Macht kontrollieren, können sie nicht ohne weiteres dazu nutzen, extraktive wirtschaftliche Institutionen zu ihrem eigenen Vorteil zu errichten. Integrative Wirtschaftsinstitutionen wiederum schaffen eine gerechtere Verteilung der Ressourcen und erleichtern das Fortbestehen integrativer politischer Institutionen.
Acemoglu I 82
(...) integrative Wirtschaftsinstitutionen werden weder extraktive politische Institutionen unterstützen noch von ihnen unterstützt werden. Entweder werden sie zum Nutzen der engen Interessen, die an der Macht sind, in extraktive Wirtschaftsinstitutionen umgewandelt, oder die wirtschaftliche Dynamik, die sie schaffen, wird die extraktiven politischen Institutionen destabilisieren und den Weg für die Entstehung integrativer politischer Institutionen öffnen.
Acemoglu I 92
Extraktive Institutionen: Es gibt zwei verschiedene, aber komplementäre Wege, auf denen Wachstum ((e) sogar) unter extraktiven politischen Institutionen entstehen kann: vgl. >Wirtschaftswachstum/Acemoglu.
Acemoglu I 328
Integrative Institutionen/Acemoglu/Robinson: Integrative politische Institutionen kontrollieren nicht nur größere Abweichungen von integrativen wirtschaftlichen Institutionen, sondern wehren sich auch gegen Versuche, ihren eigenen Fortbestand zu untergraben. So lag es z.B. im unmittelbaren Interesse des Demokratischen Kongresses und des Senats, das Gericht zu "packen" und sicherzustellen, dass alle Gesetze des New Deal überlebten. Auf die gleiche Weise verstanden britische Eliten im frühen 18. Jahrhundert, dass die Aussetzung der Rechtsstaatlichkeit ihre Errungenschaften, die sie der Monarchie abgerungen hatten, gefährden würde. Die Kongressabgeordneten und Senatoren verstanden auch, dass, wenn der Präsident die Unabhängigkeit der Justiz untergraben könnte, dies das Kräftegleichgewicht im System untergraben würde, das sie vor dem Präsidenten schützte und die Kontinuität pluralistischer politischer Institutionen sicherte.
Acemoglu I 365
Extraktive Institutionen/Teufelskreis: Politische extraktive Institutionen schaffen wenig Einschränkungen bei der Machtausübung, so dass es im Wesentlichen keine Institutionen gibt, die den Gebrauch und Missbrauch von Macht durch diejenigen einschränken, die frühere Diktatoren stürzen und die Kontrolle über den Staat übernehmen. Extraktive Institutionen implizieren, dass allein durch die Kontrolle der Macht, die Enteignung des Vermögens anderer und die Errichtung von Monopolen große Gewinne und Reichtümer erzielt werden können.
Acemoglu I 366
Reproduktion von extraktiven Institutionen: Wenn mineralgewinnende Institutionen enorme Ungleichheiten in der Gesellschaft und großen Reichtum und unkontrollierte Macht für die Herrschenden schaffen, wird es viele geben, die um die Kontrolle des Staates und der Institutionen kämpfen. Extraktive Institutionen ebnen dann nicht nur den Weg für das nächste Regime, das noch extraktiver sein wird, sondern sie führen auch zu ständigen Machtkämpfen und Bürgerkriegen.
Acemogu I 372
Nationen scheitern heute, weil ihre extraktiven Wirtschaftsinstitutionen nicht die Anreize schaffen, die die Menschen brauchen, um zu sparen, zu investieren und innovativ zu sein. Die politischen extraktiven Institutionen unterstützen diese wirtschaftlichen Institutionen, indem sie die Macht derer zementieren, die von der Förderung profitieren.
Acemoglu I 463
Literatur: Der Begriff der extraktiven Institutionen geht auf Acemoglu, Johnson und Robinson (2001)(1) zurück. Die Terminologie der inklusiven Institutionen wurde uns von Tim Besley vorgeschlagen. Die Terminologie der wirtschaftlichen Verlierer und die Unterscheidung zwischen ihnen und politischen Verlierern stammt von Acemoglu und Robinson (2000b)(2). In der sozialwissenschaftlichen Literatur gibt es eine Vielzahl von Untersuchungen zu unserer Theorie und unserer Argumentation. Siehe Acemoglu, Johnson, and Robinson (2005b)(3) für einen Überblick über diese Literatur und unseren Beitrag zu ihr. Die institutionelle Sicht der vergleichenden Entwicklung baut auf einer Reihe wichtiger Werke auf. Besonders hervorzuheben ist die Arbeit von North; siehe North und Thomas (1973)(4), North (1982)(5), North und Weingast (1989)(6) und North, Wallis und Weingast (2009)(7).
1. Acemoglu, Daron, Simon Johnson, and James A. Robinson (2001). “The Colonial Origins of Comparative Develo
2.Acemoglu, Daron and Robinson, James A. (2000b). “Political Losers as Barriers to Economic Development.” American Economic Review 90: 126–30.
3.Acemoglu, Daron, Simon Johnson, and James A. Robinson (2005b). “Institutions as the Fundamental Cause of Long-Run Growth.” In Philippe Aghion and Steven Durlauf, eds. Handbook of Economic Growth. Amsterdam: North-Holland.
4. North, Douglass C. and Robert P. Thomas (1973). The Rise of the Western World: A New Economic History. New York: Cambridge University Press.
5.North, Douglass C. (1982). Structure and Change in Economic History. New York: W. W. Norton and Co.
6.North, Douglass C., and Barry R. Weingast (1989). “Constitutions and Commitment: Evolution of Institutions Governing Public Choice in 17th Century England.” Journal of Economic History 49: 803–32.
7.North, Douglass C., John J. Wallis, and Barry R. Weingast (1989). Violence and Social Orders: A Conceptual Framework for Interpreting Recorded Human History. Princeton, N.J.: Princeton University Press.



Mause I 107f
Institutionen/Robinson/Acemoglu: ab der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre hat sich eine ökonomische Denkrichtung etabliert, die sich aus einer Makroperspektive mit Institutionen als Determinanten von Wachstum und Entwicklung beschäftigt. Robinson und Acemoglu unterscheiden zwischen „extraktiven“ und „integrativen“ Ordnungen. Der entscheidende Punkt lautet dabei: Dort, wo politische Herrschaft monopolisiert ist, liegt es regelmäßig im Interesse der Herrscher, Innovationen gezielt zu unterdrücken, weil die damit verbundene „kreative Zerstörung“ (Schumpeter) nicht nur wirtschaftliche Pfründe, sondern auch die Herrschaft der politischen Elite destabilisieren könnte. (1)


1. Acemoglu, James A. und James A. Robinson, Why nations fail. The origins of power, prosperity, and poverty. New York 2012.

Acemoglu II
James A. Acemoglu
James A. Robinson
Economic origins of dictatorship and democracy Cambridge 2006

Acemoglu I
James A. Acemoglu
James A. Robinson
Why nations fail. The origins of power, prosperity, and poverty New York 2012

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Ironie Sokrates Bubner I 75
Ironie/Sokrates/Hegel/Bubner: die sokratische Methode bringe jeden selber zum Nachdenken und erzeuge so eine Distanz zur je gegebenen Unmittelbarkeit, die nicht auf willkürlichem Eingriff beruhe.. Mit ihr gelingt die Zurücknahme des subjektiven Stellungbeziehens. den Dingen selber wird Platz geschafft. Der Dogmatismus einseitiger Aspekte zerstört sich selbst. So lässt die Dialektik alles gelten, und die innere Zerstörung sich daran entwickeln.


Bu I
R. Bubner
Antike Themen und ihre moderne Verwandlung Frankfurt 1992
Jigsaw-Methode Aronson Haslam I 219
Jigsaw-Methode/Aronson: Das Jigsaw-Klassenzimmer war kein abstrakter sozialpsychologischer Rahmen, der zur Erklärung der Beziehungen zwischen den Gruppen entwickelt wurde, sondern eine Strategie, die als Reaktion auf die unmittelbare Notwendigkeit einer sozialen Intervention entwickelt wurde. Die Forschung an Jigsaw-Gruppen wird von Aronson et al. (1978)(1) zusammengefasst.
Vorarbeiten:
A. Kontakthypothese: Die Kontakthypothese zeigte, wie die Interaktion zwischen den Gruppen Vorurteile abbauen und die Beziehungen zwischen den Gruppen verbessern kann (Allport, 1954(2); Pettigrew und Tropp, 2011)(3). Kritisch betrachtete Gordon Allport jedoch vier Bedingungen, die für einen erfolgreichen Kontakt erfüllt sein mussten: Gleichstellung der Gruppen innerhalb der Kontaktsituation, gruppenübergreifende Zusammenarbeit, gemeinsame Ziele und die Unterstützung von Behörden, Gesetz oder Zoll. Diese Bedingungen wurden im Schulbezirk Austin, wo Aronson das Jigsaw-Projekt startete, nicht erfüllt. B. Eine zweite Serie wissenschaftlicher Arbeit, die für die Entwicklung von Aronson et al.'s (1978)(1) Studien an Jigsaw-Gruppen im Klassenzimmer kritisch war, waren die Boys' Camp-Studien von Muzafer Sherif und Kollegen (1961)(4), insbesondere die Robbers Cave Forschung >Robbers Cave Experiment.
Probleme, mit denen Sherif konfrontiert war: Gruppenmitglieder tauschten regelmäßig verbale Beleidigungen aus (....), die zur Zerstörung und zum Diebstahl von Eigentum führten.
Lösung/Sherif: Nachdem die Ermittler die funktionalen Beziehungen zwischen den Gruppen durch die Einführung einer Reihe übergeordneter Ziele verändert hatten - Ziele, die ohne die volle Zusammenarbeit beider Gruppen nicht erreicht werden konnten und welche erfolgreich erreicht wurden - (....) wurden die Beziehungen zwischen den beiden Gruppen harmonischer und der Intergruppen-Bias wurden stark reduziert.
Haslam I 220
C. Kognitive Dissonanz als konzeptionelle Grundlage für Aronsons Forschung. Die Theorie der kognitiven Dissonanz geht davon aus, dass Individuen danach streben, in ihren Einstellungen, Überzeugungen und Verhaltensweisen konsistent zu sein. Ein wichtiges Ergebnis der Forschung zur Theorie der kognitiven Dissonanz (...) war, dass die Veränderung der Verhaltensweisen von Menschen ihre Einstellungen ändern könnte. >Kognitive Dissonanz. Aronson: Im Falle des desegregierten Klassenzimmers war die relevante Schlussfolgerung, dass die Veränderung der Atmosphäre von wettbewerbsfähig (eine negative Ausrichtung) zu kooperativ (eine positive Ausrichtung) das Klima zwischen den Gruppen verbessern und schließlich die akademische Leistung und Wertschätzung erhöhen würde.
Jigsaw/Aronson: Die Informationen, die jeder Schüler einzigartig besitzt, sind unerlässlich, um eine akademische Aufgabe zu erfüllen und ein vollständiges Verständnis des Endprodukts zu erlangen. >Experiment/Aronson, >Soziale Identität/Aronson.



1. Aronson, E., Stephan, C., Sikes, J., Blaney, N. and Snapp, M. (1978) The Jigsaw Classroom. Beverly Hills, CA: Sage.
2. Allport, G.W. (1954) The Nature of Prejudice. New York: Addison-Wesley.
3. Pettigrew, T.F. and Tropp, L.R. (2011) When Groups Meet: The Dynamics of Intergroup Contact. New York: Psychology Press.
4. Sherif, M., Harvey, O.J., White, B.J., Hood, W.R. and Sherif, C.W. (1961) Intergroup Conflict and Cooperation: The Robbers Cave Experiment. Norman, OK: University of Oklahoma Book Exchange.


John F. Dovidio, „ Promoting Positive Intergroup Relations. Revisiting Aronson et al.’s jigsaw classroom“, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic studies. London: Sage Publications

Haslam I
S. Alexander Haslam
Joanne R. Smith
Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017
Kapitalismus Schumpeter Brocker I 250
Kapitalismus/Schumpeter: These: a) Der Kapitalismus lässt sich am besten nicht als System von Marktgleichgewichten, sondern stattdessen als ein wettbewerbsgetriebener, von innovativen Unternehmen ausgehender dynamischer Prozess zur Störung von Gleichgewichten verstehen; dieser Prozess erfasst und verwandelt nicht nur die Strukturen der Wirtschaft, sondern alle Strukturen der modernen Gesellschaft. b) Um des wissenschaftlichen Fortschritts willen muss man strikt zwischen positiver und normativer Analyse trennen:
Brocker I 251
SchumpeterVsKlassische Ökonomie/SchumpeterVsRicardo/SchumpeterVsKeynes: diese Autoren haben die Trernnung zwischen positiver und normativer Analyse nicht vorgenommen. ((s) Unterscheidung deskriptiv/normativ.).
Brocker I 254
Schumpeter These: Der Kapitalismus wird nicht an seinen Misserfolgen, sondern an seinen Erfolgen zugrunde gehen. Dies wird aber - anders als bei Marx – nicht als unbedingte, sondern als bedingte Prognose aufgestellt. Die Bedingung ist, dass in der zukünftigen Entwicklung keine störenden Einflüsse auftreten. (1) Schumpeter pro Kapitalismus: siehe Zivilisation/Schumpeter.
Brocker I 255
Innovation/Schumpeter: die Entwicklung des Kapitalismus kann nur unter Berücksichtigung des für den Prozess schöpferischer Zerstörung wesentlichen Innovationswettbewerbs um immer neue Produkte, Verfahren und Organisationsformen beschrieben werden. (2)
Brocker I 262
Schumpeters Hauptbotschaft lautet, dass die (vermeintlichen) Stärken des Sozialismus als Totalitarismus zu fürchten und dass die (vermeintlichen) Schwächen des Kapitalismus als Zivilisiertheit der modernen Gesellschaft und mithin als bewahrenswert zu würdigen sind. (Siehe auch Sozialismus/Schumpeter).

1. Joseph A. Schumpeter, Capitalism, Socialism and Democracy, New York 1942. Dt.: Joseph A. Schumpeter, Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie, Tübingen/Basel 2005 (zuerst: Bern 1946). S. 105, 263.
2. Ebenda S. 142.
Ingo Pies, „Joseph A. Schumpeter, Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie (1942)“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018.

EconSchum I
Joseph A. Schumpeter
Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung Leipzig 1912

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Kausalität Bradley Slater I 133
Kausalität/Lese-Rechtschreibstörung/Bradley/Bryant: Bradley und Bryant (1983)(1): Um zu entscheiden, ob der Zusammenhang zwischen Reim- und Alliterationsfähigkeiten und Lesefortschritt kausal ist, müssen zwei Forschungsmethoden kombiniert werden. Ein longitudinaler Ansatz, bei dem eine große Stichprobe von Kindern im Laufe der Zeit verfolgt wurde, um zu sehen, ob frühe Reim- und Alliterationsfähigkeiten Fortschritte beim Lesen und Rechtschreiben bestimmen können, musste mit einer Trainingsstudie kombiniert werden. Wenn die Klangkategorisierung tatsächlich wichtig für das Erlernen von Lesen und Rechtschreiben war, dann sollten Kinder, die eine intensive Ausbildung in der Klangkategorisierung erhalten haben, im Vergleich zu Kindern, die keine solche Ausbildung erhalten haben, einen Gewinn an Lesen und Rechtschreibung aufweisen. >Schriftspracherwerb/Bradley/Bryant. Diese Kombination wurde in Studien zur Leseentwicklung bisher nicht verwendet.
Slater I 135
Bradley und Bryant (1983) kamen zu dem Schluss, dass sie einen kausalen Zusammenhang zwischen der Kategorisierung von Klängen und dem Lesenlernen gezeigt hatten. Sie vermuteten, dass Erfahrungen zu Hause im Vorschulalter, individuelle Unterschiede in Reim- und Alliterationsfähigkeiten beim Beginn der Schulzeit zugrunde liegen könnten.
Slater I 139/140
Kausalität/VsBradley/VsBryant: Es ist die Frage, ob Bradley und Bryants (1983)(1) Studie wirklich einen kausalen Zusammenhang zwischen der Kategorisierung von Klängen und dem Lesenlernen herstellen. Obwohl die Studie nur Kinder ohne Lesefähigkeit heranzog (gemessen am Schonell-Standard-Test), haben einige Kritiker argumentiert, dass die meisten Kinder, die in gebildeten westlichen Gesellschaften aufwachsen, vor dem Eintritt in die Schule über Buchstabenkenntnisse verfügen, z.B. in der Lage sind, ihren eigenen Namen zu schreiben und sich der populären Logos und gedruckten Zeichen bewusst sind (z.B. Castles & Coltheart, 2004)(2).

1. Bradley, L., & Bryant, P. E. (1983). Categorising sounds and learning to read: A causal connection. Nature, 310, 419–421.
2. Castles, A., & Coltheart, M. (2004). Is there a causal link from phonological awareness to success in learning to read? Cognition, 91, 77–111.



Usha Goswami, „Reading and Spelling.Revisiting Bradley and Bryant’s Study“ in: Alan M. Slater & Paul C. Quinn (eds.) 2012. Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications

Brad I
F. H. Bradley
Essays on Truth and Reality (1914) Ithaca 2009

Slater I
Alan M. Slater
Paul C. Quinn
Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2012
Kausalrelation Lewis V 187
Kausalkette/Störung/Wissen/Ethik/Lewis: eine Kausalkette sollte unempfindlich sein gegen Störung. Wissen/Bennett: jemand, der die Kausalkette (die durch eine "Zufallsmaschine" gestört wird) besser überblickt, tötet - jemand, der sie nicht überblickt, tötet nicht - Lewis dito.
Schwarz I 151
Kausalbeziehungen/Schwarz: bestehen nicht zwischen Eigenschaften oder Zustandstypen.

Lewis I
David K. Lewis
Die Identität von Körper und Geist Frankfurt 1989

Lewis I (a)
David K. Lewis
An Argument for the Identity Theory, in: Journal of Philosophy 63 (1966)
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis I (b)
David K. Lewis
Psychophysical and Theoretical Identifications, in: Australasian Journal of Philosophy 50 (1972)
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis I (c)
David K. Lewis
Mad Pain and Martian Pain, Readings in Philosophy of Psychology, Vol. 1, Ned Block (ed.) Harvard University Press, 1980
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis II
David K. Lewis
"Languages and Language", in: K. Gunderson (Ed.), Minnesota Studies in the Philosophy of Science, Vol. VII, Language, Mind, and Knowledge, Minneapolis 1975, pp. 3-35
In
Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979

Lewis IV
David K. Lewis
Philosophical Papers Bd I New York Oxford 1983

Lewis V
David K. Lewis
Philosophical Papers Bd II New York Oxford 1986

Lewis VI
David K. Lewis
Konventionen Berlin 1975

LewisCl
Clarence Irving Lewis
Collected Papers of Clarence Irving Lewis Stanford 1970

LewisCl I
Clarence Irving Lewis
Mind and the World Order: Outline of a Theory of Knowledge (Dover Books on Western Philosophy) 1991

Schw I
W. Schwarz
David Lewis Bielefeld 2005
Kognitive Dissonanz Festinger Haslam I 43
Kognitive Dissonanz/Festinger: Festinger (1954)(1) hatte seine Theorie der sozialen Vergleichsprozesse vorgestellt. Die Theorie des sozialen Vergleichs identifizierte die starke Notwendigkeit, dass Menschen ihre eigenen Meinungen und Fähigkeiten bewerten müssen, indem sie sie mit den Meinungen und Fähigkeiten anderer vergleichen. Festinger (1957)(2) führte eine neue Theorie ein, die über den sozialen Vergleich hinausgeht: Sie fokussierte die Sichtweise der sozialen Welt ungeniert aus der Perspektive des Einzelnen.
Individuen/Festinger: Individuen repräsentieren die soziale Welt als eine Reihe von mentalen Kognitionen. Jedes Verhalten, jede Einstellung oder Emotion wurde als Kognition betrachtet - das heißt, eine mentale Darstellung im Kopf einer Person. So auch die Wahrnehmungen der Welt um uns herum. Unsere Wahrnehmungen anderer Menschen, sozialer Gruppen und der physischen Welt wurden alle als kognitive Repräsentationen betrachtet.
Problem: Diese Darstellungen existierten in Beziehung zueinander - mal konsequent zusammenpassend, mal uneinheitlich in den Köpfen der Menschen.
Menschen verabscheuen Inkonsistenzen zwischen ihren Wahrnehmungen, und so erzeugen mentale Repräsentationen, die miteinander unvereinbar sind, psychologische Unannehmlichkeiten, die einem unangenehmen Antrieb ähneln. Wie andere Antriebszustände, beispielsweise Hunger, müssen sie reduziert werden.
Haslam I 44
Kognitive Dissonanz/Festinger: z.B. nach einer unerfüllten Weltuntergangsprophezeiung müssen diejenigen, die daran glaubten, die Dissonanz zwischen Glaube und Realität reduzieren, weil sie diese Diskrepanz als unangenehmen Spannungszustand erleben werden. Lösung: Normalerweise können Menschen eine Kognition ändern, um die Diskrepanz zu reduzieren.
Problem: Wenn wir uns zu unserem Glauben bekennen - zum Beispiel, wenn wir eine öffentliche Haltung eingenommen hätten, die sich für den Glauben einsetzt - dann versuchen wir, ihn zu bewahren, auch angesichts einer widersprüchlichen Erkenntnis, die die genaue Distanz angibt.
Haslam I 45
Lösung: (Festinger, Riecken und Schachter 1956)(3) machten eine mutige und umstrittene Vorhersage: Die Suchenden [diejenigen, die an die Prophezeiung des Jüngsten Gerichts glaubten] würden nicht nur in ihrem Glauben bestehen bleiben, sondern tatsächlich glühender werden als zuvor. Sie würden hartnäckig an ihrer Überzeugung festhalten, dass ihre Prophezeiung von Anfang an richtig war. Natürlich könnten sie nicht behaupten, dass die Welt untergegangen sei, aber sie könnten ihr allgemeines Glaubensmuster bekräftigen. Vielleicht war das Datum falsch oder es gab einen anderen Grund für die mangelnde Zerstörung. Aber sie würden an ihrem Glaubenssystem mit größerer Hartnäckigkeit als je zuvor festhalten. "Wenn immer mehr Menschen davon überzeugt werden können, dass das Glaubenssystem richtig ist, dann muss es doch richtig sein" (Festinger et al., 1956(3): S. 28).
Das Ende der Welt-Studie: Festinger et al. (1956) testeten diese Annahme in einem realen Fall der Weltuntergangsprophezeiung von 1955.
Haslam I 46
Wie von den Ermittlern vorhergesagt, wurde die Bekehrung zum Hauptweg, um die durch das Scheitern der Prophezeiung verursachte Dissonanz zu reduzieren. Die diskreten Erkenntnisse, die durch die Dissonanz der Prophezeiung von der Realität verursacht wurden, wurden in eine übergreifendere Botschaft umgewandelt, wie die kleine Gruppe wahrer Gläubiger die Welt vor der Zerstörung bewahrt hatte. (...) wenn alle glaubten, dass es so war, dann muss es so gewesen sein. >Methode/Festinger.
Haslam I 48
Festinger und Carlsmith (1959)(4): Der Kern von Festingers zweitem bahnbrechenden Experiment war es, eine Person eine Aussage machen zu lassen, die im Widerspruch zu seiner Haltung stand, und dann die Auswirkungen auf die Haltung der Person zu messen. Die Inkonsistenz sollte zu einer Verhaltensänderung führen, die mit der Aussage der Person übereinstimmt. Obwohl es keine Studie in der psychologischen Literatur gab, die diese Vorhersage getestet hatte, war sie im Einklang mit dem, was von mehreren anderen Gleichgewichtstheorien vorhergesagt worden wäre, die der Dissonanztheorie vorausgingen. Aber was die Dissonanz unter den Gleichgewichtstheorien einzigartig machte, war das Konzept der Dissonanz als Energiemodell. Und als eine Form der Energie hatte sie eine Größe. Energie/Messungen/Festinger: Einstellung? Angenommen, ein Mann wird dafür bezahlt, eine Aussage zu machen, die seiner Einstellung widerspricht. Würde das die Dissonanz verringern?
Haslam I 49
FestingerVsLerntheorie: Diese Vorhersage war eine direkte Herausforderung an den bestehenden Zeitgeist in der Psychologie. Belohnungen/Lerntheorie: Der dominante Ansatz der Psychologie, einschließlich der Sozialpsychologie, in den späten 1950er Jahren basierte auf der Lerntheorie. Dies deutete darauf hin, dass die Menschen als direkte Funktion der Belohnung lernten. Menschen haben ihr Verhalten geändert, weil sie bestärkt (reinforce) oder belohnt werden. >Lerntheorie.
FestingerVs: These (Festinger und Carlsmith (1959)(4): Je kleiner der Anreiz, desto mehr Menschen würden von ihren eigenen diskrepanten Aussagen beeinflusst werden und dass große Anreize die Auswirkungen des Verhaltens auf die Einstellungen beseitigen würden.
Dies war eine einfache Ableitung aus der Dissonanztheorie, aber eine Herausforderung an die Reinforcement Theory als Leitprinzip der Sozialpsychologie. >Experiment/Festinger, >Methode/Festinger.



1. Festinger, L. (1954) ‘A theory of social comparison processes’, Human Relations, 1: 117–40.
2. Festinger, L. (1957) A Theory of Cognitive Dissonance. Stanford: Stanford University Press.
3. Festinger, L., Riecken, H.W. and Schachter, S. (1956) When Prophecy Fails. Minneapolis: University of Minnesota Press.
4. Festinger, L. and Carlsmith, J.M. (1959) ‘Cognitive consequences of forced compliance’, Journal of Abnormal and Social Psychology, 58: 203–10.


Joel Cooper, “Cognitive Dissonance. Revisiting Festinger’s End of the World study”, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications

Haslam I
S. Alexander Haslam
Joanne R. Smith
Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017
Konditionierung Gray Corr I 356
Konditionierung/Gray/GrayVsEysenck: Kurz gesagt, Gray (1970(1), 1972b(2), 1981(3)) schlug eine Modifikation von Eysencks 1957(4) Theorie vor: (a) zur Position von Extraversion (E) und Neurotizismus (N) im multivariaten statistischen Faktorraum; und
(b) zu ihren neuropsychologischen Grundlagen. Laut Gray sollten Extraversion und Neurotizismus um etwa 30° gedreht werden, um die kausal effizienteren Achsen der "Strafempfindlichkeit" zu bilden, die Angst (Anx) widerspiegeln, und der "Belohnungsempfindlichkeit", die Impulsivität (Imp) widerspiegelt.
Grays Modifikation besagt, dass hochimpulsive Individuen (Imp+) am empfindlichsten auf Belohnungssignale reagieren, im Vergleich zu ihren niedrig impulsiven (Imp-) Gegenpart. Hoch ängstliche Individuen (Anx+) reagieren am empfindlichsten auf Strafsignale, im Vergleich zu ihren niedrig ängstlichen (Anx-) Gegenübern. >Faktoranalyse, >Faktorenrotation.
Corr I 357
GrayVsEysenck: Nach dieser neuen Sichtweise sind die Extraversion- und Neurotizismus-Dimensionen von Eysenck (Eysenck 1957)(4) sekundäre (zusammengeführte) Faktoren dieser grundlegenderen Merkmale und Prozesse. Dies wird nun als "teilbare Hypothese der Subsysteme" bezeichnet (Corr 2001(5), 2002a(6); siehe Corr und McNaughton 2008(7)). Solution/Gray: Grays (1970)(1) Theorie ist den Problemen, die mit Eysencks Theorie kamen, geschickt ausgewichen, und sie hat auch erklärt, warum Introvertierte im Allgemeinen kortikaler erregt wurden: Sie sind strafempfindlicher (Strafe ist erregender als Belohnung); und da Extravertierte empfindlicher auf Belohnung, nicht auf Strafe reagieren, sind sie entsprechend weniger erregt. Vgl. >Konditionierung/Eysenck, >Konditionierung/Psychologische Theorien.



1. Gray, J. A. 1970. The psychophysiological basis of Introversion–Extraversion, Behaivour Research and Therapy 8: 249–66
2. Gray, J. A., 1972b. The psychophysiological nature of Introversion-Extraversion: a modification of Eysenck’s theory, in V. D. Nebylitsyn and J. A. Gray (eds.), The biological bases of individual behaviour, pp. 182–205. New York: Academic Press
3. Gray, J. A. 1981. A critique of Eysenck’s theory of personality, in H. J. Eysenck (ed.), A model for personality, pp. 246–76. Berlin: Springer
4. Eysenck, H. J. 1957. The dynamics of anxiety and hysteria. New York: Preger
5. Corr, P. J. 2001. Testing problems in J. A. Gray’s personality theory: a commentary on Matthews and Gilliland (1999), Personal Individual Differences 30: 333–52
6. Corr, P. J. 2002a. J. A. Gray’s reinforcement sensitivity theory: tests of the joint subsystem hypothesis of anxiety and impulsivity, Personality and Individual Differences 33: 511–32
7.Corr, P. J. and McNaughton, N. 2008. Reinforcement sensitivity theory and personality, in P. J. Corr (ed). The reinforcement sensitivity theory of personality, pp. 155–87. Cambridge University Press


Philip J. Corr, „ The Reinforcement Sensitivity Theory of Personality“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press



Corr II 121
Konditionierung/Eyeblink-Conditionality/Gray/MacNaughton/Corr: Ein großer Teil der Debatte über Persönlichkeit in der Literatur über menschliche Konditionierung drehte sich um eine bestimmte
II 122
Art der Konditionierung, nämlich die des Lidschlags (engl. eyeblink). Grays erster datenorientierter Abschnitt konzentriert sich auf die "eyeblink conditionality" sowohl bei introvertierten als auch bei Personen mit einer hohen 'manifestierten Angststörung' (Taylor, 1956) (1), die seiner Meinung nach (...) neurotisch Introvertierte sind. Die Daten der "eyeblink"-Konditionierung und die Argumente sind kompliziert (insbesondere, wenn partielle Verstärkungsschemata verwendet werden), passen aber am besten zu der Vorstellung, dass Introvertierte nur unter Bedingungen, unter denen sie stärker erregt sind, besser lernen als Extravertierte; wobei diejenigen mit einem hohen Anteil an Angstzuständen (d.h. neurotische Introvertierte) eine bessere Konditionierung zeigen, wenn sie einer Bedrohung ausgesetzt sind. Neurotisch-Introverte konditionieren "eyeblink" in der Regel schneller und vergessen es langsamer als andere Menschen. Wenn wir davon auf alle Lernenden (insbesondere die sozialen) verallgemeinern können, dann können wir ihre introvertierten Symptome auf die gleiche Weise wie Eysenck erklären. > Konditionierung/Eysenck.


1. Taylor, J. (1956). Drive theory and manifest anxiety. Psychological Bulletin, 53, 303–320.


McNaughton, Neil and Corr, John Philip: “Sensitivity to Punishment and Reward Revisiting Gray (1970)”, In: Philip J. Corr (Ed.) 2018. Personality and Individual Differences. Revisiting the classical studies. Singapore, Washington DC, Melbourne: Sage, pp. 115-136.

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Konflikte Minsky Minsky I 33
Konflikt/Kompromiss/Künstliche Intelligenz/Minsky: Das Prinzip der Kompromisslosigkeit [für Software-Agenten]: Je länger ein interner Konflikt unter den Untergebenen eines Agenten andauert, desto schwächer wird der Status dieses Agenten unter seinen eigenen Konkurrenten. Wenn solche internen Probleme nicht bald gelöst werden, übernehmen andere Agenten die Kontrolle, und die ehemals beteiligten Agenten werden "entlassen". (...) Wir sollten nicht versuchen, eine enge Analogie zwischen den niederen Agenten eines einzelnen Verstandes und den Mitgliedern einer menschlichen Gemeinschaft zu finden. Diese winzigen mentalen Agenten können einfach nicht genug wissen, um miteinander verhandeln zu können oder wirksame Wege zu finden, um sich an die Einmischung des jeweils anderen anzupassen. Nur grössere Instanzen (agencies) könnten einfallsreich genug sein, um solche Dinge zu tun. >Hierarchien/Minsky.
Minsky I 46
Planung/Ziele/Künstliche Intelligenz/Minsky: Wir haben es immer mit Zielen unterschiedlicher Spannweite und Größenordnung zu tun. Was passiert, wenn eine vorübergehende Neigung mit einem langfristigen Selbstziel kollidiert? Was passiert übrigens, wenn unsere Ideale untereinander nicht übereinstimmen, wenn es eine Inkonsistenz zwischen den Dingen, die wir tun wollen, und denen, die wir meinen, tun zu müssen, gibt? Diese Diskrepanzen führen zu Gefühlen des Unbehagens, der Schuld und der Scham. Um solche Störungen zu verringern, müssen wir entweder die Dinge, die wir tun, ändern - oder die Art und Weise, wie wir uns fühlen. Was sollten wir versuchen zu ändern - unsere unmittelbaren Wünsche oder unsere Ideale? Solche Konflikte müssen von den vielschichtigen Organisationen beigelegt werden, die sich in den ersten Jahren des Wachstums unserer Persönlichkeiten bilden. >Hierarchien/Minsky, >Planung/AI/Minsky, >Zirkuläre Ursachen/Minsky.

Minsky I
Marvin Minsky
The Society of Mind New York 1985

Minsky II
Marvin Minsky
Semantic Information Processing Cambridge, MA 2003
Konformität Psychologische Theorien Haslam I 77
Konformität/Psychologische Theorien: Solomon Asch (1951(1), 1955(2)) fragte, warum wir manchmal unsere fest verankerten Überzeugungen aufgeben und unsere Einstellungen und Urteile mit denen anderer Menschen in Einklang bringen, auch wenn wir wissen, dass sie falsch sind und wir Recht haben. >Konformität/Asch.
Haslam I 80
Als weiteres Beispiel für die Macht des normativen Einflusses schufen Morton Deutsch und Harold Gerard (1955)(3) eine Situation, in der die Teilnehmer die (falschen) Antworten der Mehrheit miterleben konnten, aber ihre eigenen Antworten privat aufzeichnen durften (wodurch die Angst vor Spott und damit die Macht des normativen Einflusses beseitigt wurde). In dieser Variante ist der Konformitätsgrad gesunken (siehe auch Abrams et al., 1990(4); Insko et al., 1983(5)). Interessanterweise wurde die Konformität jedoch nicht auf Null reduziert. Für einige Teilnehmer reichte die Kraft der Situation aus, um sie davon zu überzeugen, dass die Mehrheit der Antworten doch die richtige Antwort war. Mit anderen Worten, die Studie liefert nicht nur Beweise für normativen Einfluss (d.h. "mit anderen mitzugehen"), sondern auch für informationellen Einfluss (d.h. von anderen überzeugt zu sein).
Haslam I 81
Alter/Konformität: In einer Studie, die ein etwas anderes Paradigma als Asch anwandte, stellten Michael Walker und Maria Andrade (Walker und Andrade 1996)(6) fest, dass die jüngeren Teilnehmer umso mehr konform waren: Die Konformitätsniveaus lagen bei 42% bei den 6- bis 8-Jährigen, 38% bei den 9- bis 11-Jährigen und 9% bei den 12- bis 14-Jährigen, jedoch gab es bei den 15- bis 17-Jährigen überhaupt keine Konformität. Konformität/kulturelle Unterschiede: Mit Blick auf die nationalen Unterschiede in der Konformität im Asch-Paradigma führten Rod Bond und Peter Smith (1996)(7) eine statistische Analyse durch, in der sie die Konformitätsniveaus zwischen Ländern, die den Individualismus fördern (z.B. die USA) und Ländern mit einer stärker kollektivistischen Ausrichtung (z.B. Hongkong) verglichen.
Ihre Analyse von 133 Asch-Linienurteilstudien ergab, dass die Konformität in kollektivistischen Ländern höher war als in individualistischen Ländern, vermutlich weil die Konformität in den ersten Ländern höher bewertet wird als in den zweiten. Ihre Studie zeigte auch einen robusten Effekt, bei dem Frauen eher konform waren als Männer. Interessanterweise stellten die Forscher auch fest, dass die Konformitätswerte im Laufe der Jahrzehnte deutlich gesunken waren, wobei die Konformitätswerte in neueren Studien relativ niedrig waren.
Haslam I 82
(...) Die Form der Konformität, welche in Aschs Studien beobachtetet wurde, soll so unterschiedlichen Verhaltensweisen zugrunde liegen wie der Nazi-Propaganda, Essstörungen wie Bulimie (wo die Menschen nicht in der Lage sind, dem Mehrheitszwang nach Dünnheit zu widerstehen; Crandall, 1988)(8) und Fußball-Hooliganismus und anderen Formen von Massengewalt (Le Bon, 1895)(9). >Konformität/Le Bon.
Haslam I 83
(...) Ist es wirklich so, dass Konformität ein Spiegelbild von Schwäche und Feigheit ist? (...) es ist besonders aufschlussreich zu lesen, was die Teilnehmer sagten, wenn sie nach der Studie gefragt wurden, was es war, das ihre Antworten diktierte. (...) Viele von denen, die sich spontan anpassten, erwähnten, dass sie sich der Gruppe anschlossen, weil sie - obwohl sie nicht dachten, dass die Mehrheit Recht hatte - nicht dumm erscheinen oder der Seltsame sein wollten. Es gab aber auch andere Gründe, warum sich die Menschen anpassten. Einige erwähnten, dass sie die Studienergebnisse nicht "verderben wollten" (Asch 1955(2): S. 33). Wieder andere glaubten, dass die erste Person, die die falsche Antwort gibt, eine Sehbehinderung haben muss. Als die Verbündeten 2 und 3 auch die falsche Antwort riefen, kamen sie einfach zu dem Schluss, dass diese Teilnehmer konform waren, möglicherweise weil sie die erste Person nicht wie einen Narren aussehen lassen wollten.



1. Asch, S.E. (1951) ‘Effects of group pressure upon the modification and distortion of judgment’, in H. Guetzkow (ed.), Groups, Leadership and Men. Pittsburgh, PA: Carnegie Press. pp. 177–90.
2. Asch, S.E. (1955) ‘Opinions and social pressure’, Scientific American, 193: 31–5.
3. Deutsch, M. and Gerard, H. (1955) ‘A study of normative and informational social influences upon individual judgment’, Journal of Abnormal and Social Psychology, 51: 629–36.
4. Abrams, D., Wetherell, M.S., Cochrane, S., Hogg, M.A. and Turner, J.C. (1990) ‘Knowing what to think by knowing who you are: Self-categorization and the nature of norm formation, conformity, and group polarization’, British Journal of Social Psychology, 29: 97–119.
5. Insko, C.A., Drenan, S., Solomon, M.R., Smith, R. and Wade, T.J. (1983) ‘Conformity as a function of the consistency of positive self-evaluation with being liked and being right’, Journal of Experimental Social Psychology, 19: 341–58.
6. Walker, M.B. and Andrade, M.G. (1996) ‘Conformity in the Asch task as a function of age’, Journal of Social Psychology, 136: 367–72.
7. Bond, R. and Smith, P. (1996) ‘Culture and conformity: A meta-analysis of studies using Asch’s (1952b, 1956) line judgment task’, Psychological Bulletin, 119: 111–37.
8. Crandall, C.S. (1988) ‘Social contagion of binge eating’, Journal of Personality and Social Psychology, 55: 588–98.
9. Le Bon, G. (1895) La Psychologie des foules (The Crowd: A Study of the Popular Mind, 1982, Atlanta: Cherokee Publishing Company).


Matthew J. Hornsey and Jolanda Jetten, “Conformity. Revisiting Asch’s line-judgment studies”, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications

Haslam I
S. Alexander Haslam
Joanne R. Smith
Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017
Konzeptuelles Nervensystem Gray Corr I 349
Konzeptuelles Nervensystem/Gray: Ein (....) wichtiger Aspekt der RST (>Reinforcement Sensitivity Theory) ist die Unterscheidung zwischen den Teilen, die zum konzeptuellen Nervensystem (cns) gehören, und den Teilen, die zum zentralen Nervensystem (CNS) gehören (eine Unterscheidung, die durch Hebb 1955 fortgeführt wurde)(1). Def cns/Hebb: Die cns-Komponente von RST liefert das Verhaltensgerüst, formalisiert in einem theoretischen Rahmen (z.B. Lerntheorie; siehe Gray 1975(2); oder, ethoexperimentelle Analyse; siehe Gray und McNaughton 2000)(3);
Def CNS/Hebb: Die CNS-Komponente spezifiziert die beteiligten Gehirnsysteme, die sich auf die neuesten Erkenntnisse des neuroendokrinen Systems stützen (siehe McNaughton und Corr 2008)(4). Wie von Gray (1972a)(5) festgestellt, müssen diese beiden Erklärungsebenen kompatibel sein.


1. Hebb, D. O. 1955. Drives and the C. N. S. (Conceptual Nervous System), Psychological Review 62: 243–54
2. Gray, J. A. 1975. Elements of a two-process theory of learning. London: Academic Press
3. Gray, J. A. and McNaughton, N. 2000. The neuropsychology of anxiety: an enquiry into the functions of the septo-hippocampal system. Oxford University Press
4. Corr, P. J. and McNaughton, N. 2008. Reinforcement sensitivity theory and personality, in P. J. Corr (ed). The reinforcement sensitivity theory of personality, pp. 155–87. Cambridge University Press
5. Gray, J. A., 1972a. Learning theory, the conceptual nervous system and personality, in V. D. Nebylitsyn and J. A. Gray (eds.), The biological bases of individual behaviour, pp. 372–99. New York: Academic Press


Philip J. Corr, „ The Reinforcement Sensitivity Theory of Personality“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press



Corr II 115
Konzeptionelles Nervensystem/Zentralnervensystem/Gehirn/Drogen/Gray/McNaughton/Corr: Man kann, und Gray hat dies insbesondere getan, in [zwei] Richtungen gehen: zu einem 'konzeptionellen Nervensystem' (zns), wie es von Hebb (1955)(1) aus der sorgfältigen Beobachtung von experimentell erzwungenem Verhalten abgeleitet wurde und zu dem realen 'zentralen Nervensystem' (ZNS), das von Neuroanatomie und Neurophysiologie untersucht wurde. Grays einzigartige Leistung war es, die Verwendung von Drogen als konzeptuelles Dissektionsinstrument unter der Annahme zu verwenden, dass ein Medikament die synaptische Aktivität (ZNS) und damit parallel dazu das Verhalten (zns) verändert. Angenommen, eine Droge beeinflusst Verhalten A, aber nicht Verhalten B. Dann können wir sicher sein, dass A von einem Prozess abhängt, der nicht von B geteilt wird. Kritisch betrachtet bedeutet dies, dass wir alle kognitiven und neuronalen Prozesse, die nicht drogensensitiv sind, von der Betrachtung ausschließen. Drogen sezieren also sowohl das ZNS als auch das zns in einer in hohem Maße reproduzierbaren, theorieunabhängigen Weise. Gray setzte die Sezierung durch Drogen auf besonders wirkungsvolle Weise ein: (...) um bestimmte Verhaltensweisen, neuronale Systeme, Persönlichkeitssysteme und klinische Störungen miteinander zu verbinden.
II 125
Introversion/Gray: (...) Gray kommt zu dem Schluss, "dass es die Aktivität in dem Frontalkortex-Medialseptalbereich-Hippokampus ist, die den Grad der Introversion bestimmt: je empfindlicher oder aktiver dieses System ist, desto introvertierter wird das Individuum sein" (1970a, S. 260)(2).

1. Hebb, D. O. (1955). Drives and the C.N.S. (conceptual nervous system). Psychological Review, 62, 243–254.
2. Gray, J. A. (1970a). The psychophysiological basis of introversion–extraversion. Behaviour Research and Therapy, 8, 249–266.


McNaughton, Neil and Corr, John Philip: “Sensitivity to Punishment and Reward Revisiting Gray (1970)”, In: Philip J. Corr (Ed.) 2018. Personality and Individual Differences. Revisiting the classical studies. Singapore, Washington DC, Melbourne: Sage, pp. 115-136.

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Krisen Habermas IV 434
Krisen/Gesellschaft/HabermasVsPasons/Habermas: Talcott Parsons These: Sozialpathologische Erscheinungen gehen auf systemische Ungleichgewichte zurück. HabermasVsParsons: bei dieser Reduzierung geht das Spezifische gesellschaftlicher Krisen verloren. Für selbstgesteuerte Systeme, die ihren riskanten Bestand permanent durch Anpassung an Bedingungen einer kontingenten und überkomplexen Umwelt sicher müssen,
Habermas IV 434
sind interne Ungleichgewichte der normale Zustand. Ob diese Ungleichgewichte ein „kritisches Ausmaß“ annehmen, kann der Systemanalytiker aus der Außenperspektive nur dann beurteilen, wenn er sich, wie bei Organismen, auf eindeutig identifizierbare Grenzen des Überlegens beziehen kann. Ein vergleichbar klar geschnittenes Problem des Todes stellt sich für gesellschaftliche Systeme nicht. (1) Krisen/Habermas: erst wenn relevante gesellschaftliche Gruppen Strukturwandlungen, die systemisch reduziert sind, als bestandskritisch erfahren und ihre Identität bedroht fühlen, darf der Sozialwissenschaftler von Krisen sprechen. (2)
Lösung/Weber/Habermas: indem Weber Modernisierung als gesellschaftliche Rationalisierung begreift stellt er einen Zusammenhang mit identitätsverbürgenden Weltbildern und mit Strukturen der Lebenswelt her, welche die Konsistenzbedingungen sozialer Erfahrungen festlegen.

IV 565
Krisen/Habermas: als Krisen wirken sich Systemungleichgewichte erst dann aus, wenn die Leistungen von Ökonomie und Staat manifest unterhalb eines etablierten Anspruchsniveaus bleiben und die symbolische Reproduktion der Lebenswelt beeinträchtigen, indem sie dort Konflikte und Widerstandsreaktionen hervorrufen.
IV 566
Bevor solche Konflikte Kernbereiche der sozialen Integration gefährden, werden sie in die Peripherie verschoben: bevor anomische Zustände eintreten, kommt es zu Erscheinungen des Legitimations- bzw. des Motivationsentzugs. Wenn es aber gelingt, Steuerungskrisen d. h. wahrgenommene Störungen der materiellen Reproduktion durch Rückgriffe auf Ressourcen der Lebenswelt abzufangen, entstehen Pathologien der Lebenswelt. Das kann man sich als einen Raubbau an den übrigen Ressourcen vorstellen: Kultur und Persönlichkeit werden zugunsten einer krisenbewältigenden Stabilisierung der Gesellschaft angegriffen. Es entstehen Phänomene der Entfremdung und der Verunsicherung kollektiver Identitäten. Siehe Kolonialisierung der Lebenswelt (Terminologie/Habermas) und Verdinglichung/Habermas.

1.R. Döbert, Systemtheorie und die Entwicklung religiöser Deutungssysteme, Frankfurt, 1973
2.J. Habermas, Legitimationsprobleme im Spätkapitalismus, Frankfurt 1973, S. 9ff.

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Kulturelle Unterschiede Lexikalische Untersuchungen Corr I 388
Persönlichkeitsmerkmale/Lexikalische Untersuchungen/kulturelle Unterschiede/Saucier: Studien der meisten Sprachen europäischer Herkunft (sowie derjenigen auf Türkisch, Koreanisch und Chinesisch) haben Faktoren hervorgebracht, die Extraversion, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit entsprechen. Obwohl diese Struktur in philippinischen, französischen, griechischen oder Maasai-Studien nicht beobachtet wurde, erscheint sie leicht in einer Teilmenge von Sprachen, die größer ist als die Teilmenge, die die >Big Five ergibt. Unter den englischen Adjektiven war diese Struktur gegenüber Variablenauswahlen ebenso robust wie ein- und zweifaktorige Strukturen (Saucier 1997)(1). Aber Studien über englische Type-Nouns (Saucier 2003b(2)) und andere integrative Selektionen von Variablen (Saucier, Georgiades, Tsaousis und Goldberg 2005(3); Saucier, Ole-Kotikash und Payne 2006)(4) konnten sie nicht finden.
Lexikalische Studien in slawischen und germanischen Sprachen (einschließlich Englisch) haben die Big Five sehr unterstützt, ebenso wie eine Untersuchung zu Türkisch. Aber auch andere Studien (z.B. Di Blas und Forzi 1998(5); Saucier, Georgiades, Tsaousis und Goldberg 2005(3); Szirmák und De Raad 1994)(6) haben kein klares Gegenstück zum Intellektfaktor in Fünf-Faktor-Lösungen gefunden.
Keine dieser Analysen hat die Big Five in einer Fünf-Faktoren-Lösung gefunden. Das Auftreten der Big Five hängt eindeutig vom Verfahren der variablen Auswahl und damit von der operativen Definition der Persönlichkeit ab.
Corr I 389
Sechs Faktoren: Ashton, Lee, Perugini et al. (2004)(7) haben Beweise dafür vorgelegt, dass viele der bisher durchgeführten lexikalischen Studien ein einheitliches Muster in sechs Faktorenlösungen ergeben: sechs Faktoren, die als Extraversion, Emotionalität, Sympathie, Ehrlichkeit/Humility, Gewissenhaftigkeit und Offenheit bezeichnet werden können. Obwohl das Strukturmuster erstmals in Studien mit Koreanisch (Hahn, Lee und Ashton 1999)(8) und Französisch (Boies, Lee, Ashton et al. 2001)(9) entdeckt wurde, schien es auch in Niederländisch, Deutsch, Ungarisch, Italienisch und Polnisch erkennbar zu sein. Sieben Faktoren: Sieben-Faktoren-Lösung (Goldberg und Somer 2000(10); Saucier 1997(1); Tellegen und Waller 1987)(11). Von den beiden zusätzlichen Faktoren in diesen Studien wurde einer in allen drei gefunden: "Negative Valenz" (NV) ist ein Faktor, der Attribute mit extrem niedrigen Erwünschtheits- und Befürwortungsraten und mit beschreibenden Inhalten wie Moral/Depravität, Gefährlichkeit, Wertlosigkeit, Eigenart und Dummheit betont (vgl. Benet-Martínez und Waller 2002)(12). Ein Kernthema der Inhalte scheint die Noxious Violativeness ('schädliche Verletzlichkeit') zu sein - Attribute, die die Tendenz widerspiegeln, die Rechte anderer schädlich zu verletzen, was in vielerlei Hinsicht den zeitgenössischen Definitionen von asozialen Persönlichkeitsstörungen entspricht (Saucier 2007).
Cor I 390
Eine lexikalische Studie über die Sprache mit der größten Anzahl von Muttersprachlern (Chinesisch) erzeugte sieben emische Faktoren mit einer gewissen Ähnlichkeit zu dieser Struktur (Zhou, Saucier, Gao und Liu in der Presse). Zu den sieben Faktoren gehören negative Valenz (oder schädliche Gewalttätigkeit), Gewissenhaftigkeit, Intellekt, Geselligkeit, Selbstsicherheit, auch Temperament und Sorge um andere (versus Egotismus). Ein Vergleich von Sieben-Faktor-Lösungen aus zahlreichen Studien zeigt, dass die ersten sechs davon in allen Studien besonders häufig vorkommen.


1. Saucier, G. 1997. Effects of variable selection on the factor structure of person descriptors, Journal of Personality and Social Psychology 73: 1296–1312
2. Saucier, G. 2003b. Factor structure of English-language personality type-nouns, Journal of Personality and Social Psychology 85: 695–708
3. Saucier, G., Georgiades, S., Tsaousis, I. and Goldberg, L. R. 2005. The factor structure of Greek personality adjectives, Journal of Personality and Social Psychology 88: 856–75
4. Saucier, G., Ole-Kotikash, L. and Payne, D. L. 2006. The structure of personality and character attributes in the language of the Maasai. Unpublished report. University of Oregon
5, Di Blas, L. and Forzi, M. 1998. An alternative taxonomic study of personality descriptors in the Italian language, European Journal of Personality 12: 75–101
6. Szirmák, Z. and De Raad, B. 1994. Taxonomy and structure of Hungarian personality traits, European Journal of Personality 8: 95–118
7. Ashton, M. C., Lee, K., Perugini, M., Szarota, P. De Vries, R. E., Di Blas, L., Boies, K. and De Raad, B. 2004. A six-factor structure of personality-descriptive adjectives: solutions from psycholexical studies in seven languages, Journal of Personality and Social Psychology 86: 356–66
8. Hahn, D. W., Lee, K. and Ashton, M. C. 1999. A factor analysis of the most frequently used Korean personality trait adjectives, European Journal of Personality 13: 261–82
9. Boies, K., Lee, K., Ashton, M. C., Pascal, S. and Nicol, A. A. M. 2001. The structure of the French personality lexicon, European Journal of Personality 15: 277–95
10. Goldberg, L. R. and Somer, O. 2000. The hierarchical structure of common Turkish person-descriptive adjectives, European Journal of Personality 14: 497–531
11. Tellegen, A. and Waller, N. G. 1987. Re-examining basic dimensions of natural language trait descriptors. Paper presented at the 95th annual convention of the American Psychological Association, August 1987


Gerard Saucier, „Semantic and linguistic aspects of personality“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Leben Kauffman I 60
Ursuppe/Kauffman: Erdatmosphäre hauptsächlich Wasserstoff, Methan und Kohlendioxid. Vs: sie müsste extrem stark verdünnt gewesen sein.
Lösung: neue Theorie von Alexander Oparin, Biophysiker, Sowjetunion: Wenn man Glyzerin mit anderen Molekülen mischt, entstehen gelartige Gebilde, die man Koazervate nennt. Im Innern dieser Gebilde sind die molekularen Abläufe gegen das verdünnte wässrige Milieu abgeschottet.
Leben/Entstehung. /Stanley Miller, 1952: erhielt im Labor Aminosäuren aus der mit Blitzen traktierten Ursuppe.
DNS: reine DNS repliziert sich nicht von selbst. Dazu sind komplexe Gemenge von Proteinenzymen notwendig.
I 68
Leben/Entstehung/RNS/Kauffman: ein nacktes, replizierendes RNS-Molekül wäre denkbar. Es wäre ein aussichtsreicherer Kandidat für das erste lebende Molekül. Gelingt aber praktisch nie im Experiment. Es gibt nur Knäuel statt gestreckter Strukturen. DNS/RNS/Kauffman: noch von 10 Jahren (bis 1985) glaubte man, dass die beiden weitgehend träge chemische Informationsspeicher darstellen. Dann entdeckte man, dass die RNS selbst als Enzyme wirken können! Ribozyme. Sie schneiden ihre Introns selbst heraus.
I 71
Leben/Entstehung/Kauffman: Angenommen, ein solches Molekül wäre entstanden. Hätte es einer mutationsbedingten Zerstörung trotzen können? Hätte es eine Entwicklung durch laufen können? Beide Male: wahrscheinlich nein!
Problem: "Fehlerkatastrophe".
2. KauffmannVs: es ist unwahrscheinlich, weil jene nackten RNS-Moleküle zu wenig komplex sind.
Alle Lebewesen weisen eine gewisse Mindestkomplexität auf, die nicht unterschritten werden kann!
Die einfachsten Lebewesen, die Bakterien "Pleuromona" besitzen bereits Zellmembran, Gene, RNS, Partikel zur Proteinsynthese, Proteine.
Frage: weshalb ist ein System, das einfacher ist als Pleuromona, nicht lebensfähig?
I 77
Leben/Kauffman: These: das Leben ist nicht an die magische Kraft der Matrizenreplikation gefesselt, sondern basiert auf einer tieferen Logik. Leben ist eine inhärente Eigenschaft komplexer chemischer Systeme. Sobald die Anzahl verschiedener Molekülarten in einer chemischen Suppe eine gewisse Schwelle überschreitet, tritt plötzlich ein sich selbst erhaltendes Netzwerk von Reaktionen ein autokatalytischer Metabolismus auf.
Das Leben war bereits bei seiner Entstehung komplex und blieb es bis heute.
Die Wurzeln reichen tiefer hinab als bis zur Ebene der Doppelhelix, sie fußen auf den Gesetzen der Chemie selbst.
I 79
Leben/Entstehung/Kauffman: Angenommen, die Gesetze der Chemie wären etwas anders, Bsp Stickstoff vier statt fünf Valenzelektronen und daher nur vier statt fünf möglicher Bindungspartner. Schlüssel: Katalyse. Leben: Bedingung der Entstehung: katalytische Abgeschlossenheit. Das ist notwendig, aber noch nicht hinreichend. Chemie/Reaktion/Kauffman: im Allgemeinen sind chemische Reaktionen umkehrbar.
I 97
Leben/Kauffman: These: die Emergenz autokatalytischer Verbände ist nahezu unvermeidlich. Bei komplexeren Systemen wächst die Zahl von Kanten gegenüber den Knoten.
Moleküle mit der Länge L können auf L-1 Weisen aus kleineren Polymeren zusammengesetzt sein.
I 107
Alles, was wir brauchen, ist eine hinreichende Diversität der Moleküle.
I 108
Leben/Kauffman: These: einfache Systeme erreichen keine katalytische Abgeschlossenheit. Das Leben entstand in einem Stück und nicht in sukzessiven Schritten, und es hat diesen ganzheitlichen Charakter bis heute bewahrt.

Kau II
Stuart Kauffman
At Home in the Universe: The Search for the Laws of Self-Organization and Complexity New York 1995

Kauffman I
St. Kauffman
Der Öltropfen im Wasser. Chaos, Komplexität, Selbstorganisation in Natur und Gesellschaft München 1998
Lese-Rechtschreibstörung
Lese-Rechtschreibstörung Bryant Slater I 133
Lese-Rechtschreibstörung/Bradley/Bryant: Bradley und Bryant (1983)(1): Um zu entscheiden, ob der Zusammenhang zwischen Reim- und Alliterationsfähigkeiten und Lesefortschritt kausal ist, müssen zwei Forschungsmethoden kombiniert werden. Ein longitudinaler Ansatz, bei dem eine große Stichprobe von Kindern im Laufe der Zeit verfolgt wurde, um zu sehen, ob frühe Reim- und Alliterationsfähigkeiten Fortschritte beim Lesen und Rechtschreiben bestimmen können, musste mit einer Trainingsstudie kombiniert werden. Wenn die Klangkategorisierung tatsächlich wichtig für das Erlernen von Lesen und Rechtschreiben war, dann sollten Kinder, die eine intensive Ausbildung in der Klangkategorisierung erhalten haben, im Vergleich zu Kindern, die keine solche Ausbildung erhalten hatten, eine bessere Lesen und Rechtschreibfähigkeit aufweisen. >Schriftspracherwerb/Bradley/Bryant. Diese Kombination wurde in Studien zur Leseentwicklung bisher nicht verwendet.
Slater I 135
Bradley und Bryant (1983) kamen zu dem Schluss, dass sie einen kausalen Zusammenhang zwischen der Kategorisierung von Klängen und dem Lesenlernen gezeigt hatten. Sie vermuteten, dass Erfahrungen zu Hause im Vorschulalter, individuelle Unterschiede in Reim- und Alliterationsfähigkeiten beim Eintritt in die Schule zugrunde liegen könnten.
Slater I 139/140
Kausalität/VsBradley/VsBryant: Nun steht die Frage, ob Bradley und Bryants (1983)(1) Studie wirklich einen kausalen Zusammenhang zwischen der Kategorisierung von Klängen und dem Lesenlernen herstellt. Obwohl die Studie nur Kinder ohne Lesefähigkeit heranzog (gemessen am Schonell-Standard-Test), haben einige Kritiker argumentiert, dass die meisten Kinder, die in gebildeten westlichen Gesellschaften aufwachsen, vor dem Eintritt in die Schule über Buchstabenkenntnisse verfügen, z.B. in der Lage sind, ihren eigenen Namen zu schreiben und sich der populären Logos und gedruckten Zeichen bewusst sind (z.B. Castles & Coltheart, 2004)(2).

1. Bradley, L., & Bryant, P. E. (1983). Categorising sounds and learning to read: A causal connection. Nature, 310, 419–421.
2. Castles, A., & Coltheart, M. (2004). Is there a causal link from phonological awareness to success in learning to read? Cognition, 91, 77–111.



Usha Goswami, „Reading and Spelling.Revisiting Bradley and Bryant’s Study“ in: Alan M. Slater & Paul C. Quinn (eds.) 2012. Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications

Slater I
Alan M. Slater
Paul C. Quinn
Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2012
Lese-Rechtschreibstörung Goswami Slater I 143
Lese-Rechtsschreibstörung/Goswami: Kinder mit Entwicklungsdyslexie erweisen sich sprachübergreifend als eher unempfindlich gegenüber der Wahrnehmung von Anstiegszeiten der Amplitudenhüllkurve, was verhaltensbedingt zu Beeinträchtigungen bei der Wahrnehmung von Sprachrhythmus und Silbenbetonung sowie zu Beeinträchtigungen im phonologischen Bewusstsein führt (Goswami, 2011, zur jüngsten Überprüfung)(1). Tatsächlich sind Anstiegszeitspitzen bei der Erzeugung des Vokals, so dass die Anstiegszeit einen nicht sprachspezifischen Hinweis auf die beginnende Segmentierung der Silbe liefert (Scott, 1998)(2).

1. Goswami, U. (2011). A temporal sampling framework for developmental dyslexia. Trends in Cognitive Sciences, 15, 3–10.
2. Scott, S. K. (1998). The point of P-centres. Psychological Research/Psychologische Forschung, 61, 4–11.



Usha Goswami, „Reading and Spelling.Revisiting Bradley and Bryant’s Study“ in: Alan M. Slater & Paul C. Quinn (eds.) 2012. Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications

Slater I
Alan M. Slater
Paul C. Quinn
Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2012
Metaphern Ricoeur II 46
Metapher/Ricoeur: (...) die Beziehung zwischen der wörtlichen Bedeutung und der bildlichen Bedeutung in einer Metapher ist wie eine gekürzte Version innerhalb eines einzigen Satzes des komplexen Wechselspiels der Bedeutungen, die das literarische Werk als Ganzes charakterisieren. >Konnotation/Ricoeur.
II 47
Die Metapherntheorie stammt von den alten Rhetorikern, aber diese Theorie wird ohne eine wichtige Revision nicht die Rolle erfüllen, die wir von ihr erwarten. Diese Revision (...) verschiebt das Problem der Metapher von der Semantik des Wortes zur Semantik des Satzes. >Rhetorik/Ricoeur.
II 49
Metapher/Tradition:
(1) Die Metapher ist ein Trope, eine Diskursfigur, die die Benennung betrifft.
(2) Sie stellt die Erweiterung der Bedeutung eines Namens durch Abweichung von der wörtlichen Bedeutung von Wörtern dar.
(3) Der Grund für diese Abweichung ist Ähnlichkeit.
(4) Die Funktion der Ähnlichkeit besteht darin, die Ersetzung der bildlichen Bedeutung eines Wortes an Stelle der wörtlichen Bedeutung zu begründen, die an der gleichen Stelle hätte verwendet werden können.
(5) Daher stellt die substituierte Bedeutung keine semantische Veränderung dar. Wir können eine Metapher übersetzen, d.h. die wörtliche Bedeutung ersetzen, für die das Bildwort ein Ersatz ist. Tatsächlich ist Substitution plus Restitution gleich Null.
(6) Da sie keine semantische Neuschöpfung darstellt, liefert eine Metapher keine neuen Informationen über die Wirklichkeit. Deshalb kann sie zu den emotionalen Funktionen des Diskurses gezählt werden.

I.A. RichardsVsTradition/Ricoeur: Die erste zu verwerfende Voraussetzung [dass es sich nicht um neue Informationen handelt] ist, dass eine Metapher einfach ein Zufall der Benennung ist, eine Verschiebung in der Bedeutung der Wörter. Mit dieser Voraussetzung beschränkte sich die klassische Rhetorik auf die Beschreibung eines Bedeutungseffekts, der in Wirklichkeit das Ergebnis der Wirkung einer Bedeutungsproduktion auf das Wort ist, die auf der Ebene einer vollständigen Äußerung oder eines Satzes stattfindet.
II 50
Ricoeur: Die Metapher ist das Ergebnis der Spannung zwischen zwei Begriffen in einer metaphorischen Äußerung. (...) [diese] Spannung in einer metaphorischen Äußerung ist (..) nicht etwas, das zwischen zwei Begriffen in der Äußerung auftritt, sondern vielmehr zwischen zwei entgegengesetzten Interpretationen der Äußerung. Die metaphorische Deutung setzt eine wörtliche Interpretation voraus, die sich in einem signifikanten Widerspruch selbst auslöscht. Es ist dieser Prozess der Selbstzerstörung oder Transformation, der den Wörtern eine Art Wendung auferlegt, eine Bedeutungserweiterung, dank derer wir dort Sinn machen können, wo eine wörtliche Interpretation buchstäblich unsinnig wäre.
II 51
Ähnlichkeit/Tradition: Es ist nun möglich, zur dritten Voraussetzung der klassischen rhetorischen Metaphernkonzeption, der Rolle der Ähnlichkeit, zurückzukehren. Dies ist oft missverstanden worden. Oft wurde sie auf die Rolle der Bilder im poetischen Diskurs reduziert, so dass für viele Kritiker, insbesondere für die älteren, das Studium der Metaphern eines Autors eine Diskussion über die Nomenklatur der Bilder bedeutete, die zur Illustration seiner Ideen verwendet wurden. RicoeurVsTradition: Aber wenn die Metapher nicht darin besteht, eine Idee in ein Bild zu kleiden, wenn sie stattdessen darin besteht, den Schock zu verringern, der durch zwei unvereinbare Ideen hervorgerufen wird, dann spielt die Ähnlichkeit eine Rolle bei der Verringerung dieser Kluft oder Differenz. Bei einer metaphorischen Äußerung geht es mit anderen Worten um den Anschein einer Verwandtschaft, bei der das gewöhnliche Sehen keine Verwandtschaft wahrnimmt.
Trope/Tradition: Für die klassische Rhetorik (...) war ein Trope die einfache Ersetzung eines Wortes durch ein anderes. Aber Substitution ist eine sterile Operation, während in einer lebendigen Metapher die Spannung zwischen den Wörtern (...) besteht.
II 52
RicoeurVsTradition: Innerhalb einer Spannungstheorie der Metapher, wie wir sie hier einer Substitutionstheorie entgegensetzen, entsteht jedoch eine neue Bedeutung, die den ganzen Satz umfasst. In diesem Sinne ist eine Metapher eine augenblickliche Schöpfung, eine semantische Innovation, die in der bereits etablierten Sprache keinen Status hat und die nur aufgrund der Zuschreibung eines ungewöhnlichen oder unerwarteten Prädikats existiert. Die Metapher gleicht daher eher der Auflösung eines Rätsels als einer einfachen Assoziation, die auf Ähnlichkeit beruht; sie wird durch die Auflösung einer semantischen Dissonanz gebildet.
Zwei Schlussfolgerungen: 1. Echte Metaphern sind nicht übersetzbar. 2. Eine Metapher ist kein Ornament des Diskurses. Sie hat mehr als einen emotionalen Wert, denn
II 53
sie bietet neue Informationen. >Symbol/Ricoeur.
II 66
Metapher/Modell/Max Black/Ricoeur: Die Metapherntheorie kann (...) auf eine dritte Art und Weise in Richtung der spezifischsten Merkmale von Symbolen erweitert werden. Zahlreiche Autoren haben auf die Verwandtschaft zwischen Metaphern und Modellen hingewiesen. Diese Verwandtschaft spielt z.B. im Werk von Max Black, das sogar den Titel Modelle und Metaphern trägt, eine entscheidende Rolle.(1) Und von seiner Seite aus hat der englische Theologe Ian Ramsey versucht, die Funktion der religiösen Sprache zu erhellen, indem er Max Blacks Theorie in geeigneter Weise revidiert hat.(2)
Referenz/Metapher/Ricoeur: Eine solche Annäherung zwischen Modellen und Metaphern erlaubt es uns, die Metapherntheorie in eine Richtung (...) der referentiellen Dimension zu entwickeln.
II 67
Ricoeur: Wenden wir diesen Begriff des Modells auf die Metapher an. Die Leitlinie ist hier die Beziehung zwischen den beiden Begriffen einer heuristischen Fiktion und der Neubeschreibung, die durch die Übertragung dieser Fiktion auf die Realität erfolgt. Es ist diese doppelte Bewegung, die wir auch in der Metapher finden, denn eine einprägsame Metapher hat die Macht, zwei getrennte Bereiche in kognitive und emotionale Beziehung zu bringen, indem sie die für den einen direkt geeignete Sprache als Linse benutzt, um den anderen zu sehen. Dank dieses Umweges durch die heuristische Fiktion nehmen wir unter anderem neue Zusammenhänge wahr. Grundlage dieses Übergangs ist die vermutete Isomorphie zwischen dem Modell und seinem Anwendungsgebiet. Es ist diese Isomorphie, die den "analogen Transfer eines Vokabulars" legitimiert und erlaubt, dass eine Metapher wie ein Modell funktioniert und "neue Beziehungen offenbart".(3)
II 68
Im Falle der Metapher wird [die] Neubeschreibung von dem Wechselspiel zwischen Unterschieden und Ähnlichkeiten geleitet, das die Spannung auf der Ebene der Äußerung hervorruft. Gerade aus dieser intensiven Situation entspringt eine neue Vision der Wirklichkeit, der sich die gewöhnliche Vision widersetzt, weil sie an der gewöhnlichen Verwendung von Worten festhält. Die Ausblendung der objektiven, manipulierbaren Welt weicht damit der Offenbarung einer neuen Dimension von Realität und Wahrheit. Kopula/Metapher/Ricoeur: [in der Metapher] "ist" bedeutet "ist" beides, ist und ist nicht. Das buchstäbliche "Ist" wird durch die Absurdität umgestürzt und von einem metaphorischen "Ist"-Äquivalent überwunden. Die poetische Sprache sagt also nicht, wie die Dinge buchstäblich sind, sondern wem sie ähnlich sind. ((s) DavidsonVsRicoeur: vgl. Metapher/Davidson).
Symbol/Metapher/Ricoeur: (...) wir müssen zwei gegensätzliche Aussagen über die Beziehung zwischen Metaphern und Symbolen annehmen. Auf der einen Seite steckt mehr in der Metapher als
in dem Symbol; auf der anderen Seite steckt mehr in dem Symbol als in der Metapher. >Symbol/Ricoeur.



1. Max Black, Models and Metaphors: Studies in Language and Philosophy, 1962. Cornell University Press.
2. lan Ramsey, Models and Mystery (New York: Oxford University Press, 1964); Models for Divine Activity (London: S.C.M. Press, 1973); Religious Language (London: S.C.M. Press, 1957).
3. Max Black op. cit. P. 238.

Ricoeur I
Paul Ricoeur
Die Interpretation. Ein Versuch über Freud Frankfurt/M. 1999

Ricoeur II
Paul Ricoeur
Interpretation theory: discourse and the surplus of meaning Fort Worth 1976
Methode Feyerabend I 187
Feyerabend These: Die Theorie von Galilei (wie auch weitere mangelhafte Theorien) entspricht nicht nur den Tatsachen, sondern ist auch völlig vernünftig. Jeder Versuch, einige der bekannteren Methodologien des 20. Jahrhunderts durchzusetzen - etwa die Methode Trial and Error - hätte katastrophale Folgen gehabt! Vgl. >Trial and Error.
I 270
Methodologie/Methode/Feyerabend: Beobachtungen, die nicht zu ihnen passen, werden mit Recht als Anzeichen für Fehler in den Theorien und nicht in der Methodologie angesehen. das ändert sich, wenn die Störungen überhand nehmen und jede Beobachtung umgeben. (Feyerabend: »kosmologische Kritik«, ist hier vorzuziehen). (VsLakatos).
I 271/272
FeyerabendVsMethodologie: (VsLakatos): Mit ihr lässt sich der Streit zwischen dem Altem und dem Neuem nicht rational rekonstruieren. Jedenfalls nicht zur Zeit des Streites. Der Methodologie entgehen auch die Tricks, mit denen Galilei propagandistisch arbeitete. (...)
I 281
Bsp Forschungsprogramme/Feyerabend: von Einstein und Lorentz im Vergleich. Einsteins ist Programm beginnt zu degenerieren, während das von Lorentz voranschreitet. (+...)
I 283
Forschungsprogramme/Feyerabend: Bsp Die Konstanz der Lichtgeschwindigkeit ergibt sich aus dem Programm von Lorentz als zufällige Tatsache, und ist damit der allgemeinen Relativitätstheorie näher als Einsteins Programm, wo die Konstanz ein Grundgesetz ist. Und seine Heuristik ist mindestens so überzeugend wie die von Einstein, denn jedes Gesetz, das aus einem Forschungsprogramm folgt, kann natürlich in dessen Heuristik verwendet werden. Die Wahl von Forschungsprogrammen und Konkurrenten ist recht willkürlich, und damit auch die Urteile, die sich auf sie gründen.
I 283
Lichtgeschwindigkeit/Feyerabend: "E=mc²" ist schon 1900 von Poincaré ohne relativistische Gesichtspunkte hergeleitet worden.
I 376
Wissenschaften/Feyerabend: Die Wissenschaften haben keine gemeinsame Struktur. (Höchstens eine Familienähnlichkeit, >Wittgenstein). Erfolgreiches Forschen gehorcht nicht allgemeinen Regeln.
II 54
Tradition/Feyerabend: These 1: Traditionen sind weder gut noch schlecht
These 2: Eine Tradition erhält erwünschte oder unerwünschte Zuge nur, wenn man sie auf eine andere Tradition bezieht. (Wenn man sie als Teilnehmer einer Tradition betrachtet).
II 55
Relativismus/Feyerabend: Die Thesen 1 und 2 führen zu einem Relativismus von genau der Art wie ihn Protagoras verteidigt zu haben scheint. (Der Mensch ist das Maß).
II 73
Maßstab/Feyerabend: Die Gültigkeit und Nützlichkeit populärer Maßstäbe kann nur durch ein Forschungsverfahren ermittelt werden, das sie verletzt.

Feyerabend I
Paul Feyerabend
Wider den Methodenzwang Frankfurt 1997

Feyerabend II
P. Feyerabend
Erkenntnis für freie Menschen Frankfurt 1979
Methode Gray Corr I 349
Methode/Verhalten/Motivation/Emotion/Gray: z.B. wenn wir wissen wollen, was die Verhaltensnatur des Gehirns von "Angst" ist:
Corr I 350
a) Medikamente einnehmen, die gegen menschliche Angst wirksam sind (d.h. solche psychologischen Störungen, die unter die Rubrik "Angst" fallen); dann b) ihr Verhaltensprofil bei nichtmenschlichen Tieren analysieren, um ihre grundlegendere Natur zu verstehen; und dann
c) diese Verhaltensprofile mit anderen Drogen (z.B. Psychostimulatoren) vergleichen.
So kann durch eine sorgfältige Analyse der Verhaltenseffekte verschiedener Wirkstoffklassen (z.B. Angst vs. Psychostimulatoren) eine detaillierte Beschreibung der zugrunde liegenden Systeme gebildet werden - die Annahme, dass diese unterschiedlichen Verhaltenseffekte unterschiedliche zugrunde liegende Systeme widerspiegeln, folgt dem üblichen neurowissenschaftlichen Denken (siehe Corr 2006)(1).
Die Argumentation geht davon aus, dass es viel einfacher ist, tatsächliche neuropsychologische Systeme zu identifizieren, auf die diese Medikamente wirken, sobald eine verhaltensbedingte Dissektion erreicht wurde, die auf Verhaltensreaktionen auf Drogenklassen basiert. >Tierversuche/Gray, >Angst/Gray, >Methode/Eysenck.



1. Corr, P. J. 2006. Understanding biological psychology. Oxford: Blackwell


Philip J. Corr, „ The Reinforcement Sensitivity Theory of Personality“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Multiattribute Nutzentheorie KI-Forschung Norvig I 622
Multiattributive Nutzentheorie/KI-Forschung/Norvig/Russell: Die Entscheidungsfindung im Bereich der öffentlichen Ordnung (public policy) ist mit hohen Einsätzen verbunden, sowohl in Bezug auf Geld als auch auf Leben. Zum Beispiel (...) müssen bei der Standortauswahl eines neuen Flughafens die durch den Bau verursachten Störungen, die Kosten für Bauland, die Entfernung zu den Bevölkerungszentren, der Lärm des Flugbetriebs, Sicherheitsaspekte, die sich aus der lokalen Topographie und den Wetterbedingungen ergeben, usw. berücksichtigt werden. Probleme wie diese, bei denen die Ergebnisse durch zwei oder mehr Attribute gekennzeichnet sind, werden mit der multiattributen Nutzentheorie (multi-attribute utility theory)(MAUT) bearbeitet.
Norvig I 624
Präferenzen: Angenommen, wir haben n Attribute, von denen jedes d verschiedene mögliche Werte hat. Um die vollständige Nutzenfunktion U(x1,..., xn) zu spezifizieren, benötigen wir im Extremfall dn Werte. Nun entspricht der Extremfall einer Situation, in der die Präferenzen des Agenten keinerlei Regelmäßigkeit aufweisen. Die multiattributive Nutzentheorie basiert auf der Annahme, dass die Präferenzen typischer Agenten viel mehr Struktur haben. Die grundlegende Regelmäßigkeit, die in deterministischen Präferenzstrukturen auftritt, wird als Präferenzunabhängigkeit (preference independence) bezeichnet. Zwei Attribute X1 und X2 sind vorzugsweise unabhängig von einem dritten Attribut X3, wenn die Präferenz zwischen den Ergebnissen (x1,x2,x3) und (x'1, x'2, x3) nicht von dem jeweiligen Wert x3 für das Attribut X3 abhängt. Man könnte (in unserem Flughafenbeispiel) z.B. vorschlagen, dass Lärm und Kosten vorzugsweise unabhängig von
Norvig I 625
Todesfällen sind. Wir sagen, dass der Satz von Attributen {Lärm, Kosten, Todesfälle} eine mutual preferential independence (MPI) aufweist. MPI besagt, dass jedes Attribut zwar wichtig sein kann, aber nicht die Art und Weise beeinflusst, in der man die anderen Attribute gegeneinander austauscht. Unsicherheit: (siehe Keeney und Raiffa (1976)(1). Wenn Unsicherheit im Bereich vorhanden ist, müssen wir auch die Struktur der Präferenzen zwischen den Lotterien berücksichtigen und die sich daraus ergebenden Eigenschaften der Nutzenfunktionen verstehen, und nicht nur die Wertfunktionen.
Norvig I 626
Der Grundgedanke der Nutzenunabhängigkeit (utility independence) dehnt die Präferenzunabhängigkeit auf Lotterien aus: Ein Satz von Attributen X ist nutzenunabhängig von einem Satz von Attributen Y, wenn die Präferenzen zwischen den Lotterien für die Attribute in X unabhängig von den speziellen Werten der Attribute in Y sind. Ein Satz von Attributen ist mutually utility independent (MUI), wenn jede seiner Teilmengen nutzenunabhängig von den übrigen Attributen ist. Auch hier scheint es vernünftig, vorzuschlagen, dass die Flughafenattribute MUI sind. MUI impliziert, dass das Verhalten des Agenten durch eine multiplikative Nutzenfunktion beschrieben werden kann (Keeney, 1974)(2). >Entscheidungsnetzwerke/Norvig, >Informationswert/Norvig.
Norvig I 638
Keeney und Raiffa (1976)(1) geben eine gründliche Einführung in die multiattributive Nutzentheorie. Sie beschreiben frühe Computerimplementierungen von Methoden zur Ermittlung der notwendigen Parameter für eine Multiattributive Nutzfunktion und bieten umfangreiche Darstellungen realer Anwendungen der Theorie. In der KI ist die wichtigste Referenz für MAUT das Papier von Wellman (1985)(3), das ein System namens URP (Utility Reasoning Package) enthält, das eine Sammlung von Aussagen über Präferenzunabhängigkeit und bedingte Unabhängigkeit zur Analyse der Struktur von Entscheidungsproblemen verwenden kann.

1. Keeney, R. L. and Raiffa, H. (1976). Decisions with Multiple Objectives: Preferences and Value radeoffs. Wiley.
2. Keeney, R. L. (1974). Multiplicative utility functions. Operations Research, 22, 22–34.
3. Wellman, M. P. (1985). Reasoning about preference models. Technical report MIT/LCS/TR-340, Laboratory for Computer Science, MIT.

Norvig I
Peter Norvig
Stuart J. Russell
Artificial Intelligence: A Modern Approach Upper Saddle River, NJ 2010
Neo-Fisher-Effekt Uribe Uribe I 4
Def Fisher-Effekt/Uribe: Eine Vielzahl empirischer und theoretischer Studien argumentieren, dass eine vorübergehende positive Störung des Nominalzinses einen vorübergehenden Anstieg des Realzinses verursacht, was wiederum die Gesamtnachfrage und die Inflation (...) herunter drückt (siehe zum Beispiel
I 5
Christiano, Eichenbaum und Evans, 2005)(1). Ebenso ist eine Eigenschaft praktisch aller modernen geldwirtschaftlich untersuchten Modelle, dass ein vorübergehender Anstieg des Nominalzinses langfristig keinen Einfluss auf die Inflation hat. Im Gegensatz dazu, wenn der Anstieg des Nominalzinses dauerhaft ist, muss die Inflation früher oder später um etwa das gleiche Ausmaß steigen, wenn der Realzins, gegeben durch die Differenz zwischen dem Nominalzins und der erwarteten Inflation, nicht langfristig durch nominale Faktoren bestimmt wird (...). Diese eins-zu-eins langfristige Beziehung zwischen Nominalzinsen und Inflation wird als Fisher-Effekt bezeichnet. Def Neo-Fisher Effekt/Uribe: Der Neo-Fisher-Effekt besagt, dass ein permanenter Anstieg des Nominalzinses nicht nur langfristig, sondern auch kurzfristig zu einem Anstieg der Inflation führt.
I 6
Der Fisher-Effekt liefert jedoch keine Prognose, wann die Inflation wahrscheinlich
I 8
den dauerhaften Anstieg des Nominalzinses einholen wird. Sie besagt nur, dass sie dies schließlich tun muss.
Uribe I 8
Neo-Fisher-Effekt/Empirisches Modell/Neu-Keynesianisches Modell/Inflation/Zinsen/Uribe: Empirisches Modell: Das empirische Modell zielt darauf ab, die Dynamik von drei makroökonomischen Indikatoren (...) zu erfassen: der Logarithmus der realen Pro-Kopf-Leistung (...), die Inflationsrate (...), ausgedrückt in Prozent pro Jahr, und der Nominalzins (....), ausgedrückt in Prozent pro Jahr.
[Uribe] geht davon aus, dass [die drei obigen Indikatoren] von vier exogenen Schocks getrieben werden: einem nicht stationären (oder permanenten) monetären Schock (...), einem stationären (oder vorübergehenden) monetären Schock (...), einem nicht stationären nicht monetären Schock (...) und einem stationären nicht monetären Schock (...).
I 16
[Uribe] schätz[t] das empirische Modell auf vierteljährlichen US-Daten über den Zeitraum 1954:Q3 bis 2018:Q2.
I 18
Das Hauptergebnis [aus dem empirischen Modell] ist, dass die Anpassung der Inflation an ihr höheres langfristiges Niveau kurzfristig erfolgt. Tatsächlich steigt die Inflation um 1 Prozent und bleibt danach in etwa auf diesem Niveau. Auf der realen Seite der Wirtschaft führt der permanente Anstieg des Nominalzinses nicht zu einem Rückgang der Gesamtaktivität. Tatsächlich weist die Produktion eine vorübergehende Expansion auf. Dieser Effekt könnte die Folge niedriger Realzinsen sein, die sich aus der schnellen Konjunkturbelebung nach dem permanenten Zinsschock ergeben. Aufgrund der schnelleren Reaktion der Inflation im Verhältnis zu dem des Nominalzinses fällt der Realzins bei Belastung um fast 1 Prozent und nähert sich von unten auf sein stationäres Niveau an, was bedeutet, dass die gesamte Anpassung an einen permanenten Zinsschock im Zusammenhang mit niedrigen Realzinsen erfolgt.
I 22
Wie wichtig sind nicht-stationäre monetäre Schocks? Die Relevanz des Neo-Fisher-Effekts hängt nicht nur davon ab, ob er in den Ist-Daten identifizierbar ist (...), sondern auch davon, ob permanente monetäre Schocks eine wichtige Rolle bei der Erklärung kurzfristiger Bewegungen der Inflationsrate spielen.
I 23
Das empirische Modell weist dieser Art von monetärer Störung [dem nicht-stationären monetären Schock] eine bedeutende Rolle zu, insbesondere bei der Erklärung von Bewegungen bei nominalen Variablen. Im Vergleich dazu erklärt der stationäre monetäre Schock einen relativ kleinen Anteil der Bewegungen in den drei im Modell enthaltenen makroökonomischen Indikatoren.
I 25
Zusammenfassend prognostiziert das geschätzte empirische Modell, dass ein permanenter Anstieg des Nominalzinses zu einem sofortigen Anstieg der Inflation und einer Übergangsdynamik führt, die durch niedrige Realzinsen und keinen Output-Verlust gekennzeichnet ist. >Terminologie/Uribe
Neu-Keynesianisches Modell: In diesem Abschnitt wird das Vorhandensein eines Neo-Fisher-Effekts im Rahmen eines geschätzten Standardoptimierungsmodells in der neokeynesianischen Tradition untersucht. [Das Modell] wird von sechs Schocks angetrieben: permanenten und vorübergehenden Zinsschocks, permanenten und vorübergehenden Produktivitätsschocks, einem Präferenzschock und einem Arbeitskräfteversorgungsschock.
I 37
Die Antworten, die das neukeynesianische Modell impliziert, stimmen mit denen des empirischen Modells überein (...). Eine Erhöhung des Nominalzinssatzes, die von privaten Agenten als dauerhaft angesehen wird (...), führt kurzfristig zu einem Anstieg der Inflation, ohne dass die Gesamtaktivität verloren geht. Im Gegensatz dazu verursacht eine Erhöhung des nominalen Zinssatzes, der als
I 39
vorübergehend interpretiert wird (...), einen Rückgang der Inflation und einen Rückgang der Gesamtaktivität. Die Reaktion auf einen permanenten Anstieg der Nominalzinseninflation, heißt nicht nur, dass die Inflation zu steigen beginnt, sondern dies auch schneller tut als der Nominalzins. Infolgedessen sinkt der Realzins. Im Gegensatz dazu führt ein vorübergehender Anstieg des Nominalzinses zu einem Rückgang der Inflation und einem Anstieg des Realzinses. Eine natürliche Frage ist, warum sich die Inflation kurzfristig schneller bewegt als der Zinssatz, wenn der Währungsschock voraussichtlich dauerhaft sein wird. Die Antwort hat mit dem Vorhandensein von nominalen Rigiditäten und mit der Art und Weise zu tun, wie die Zentralbank die Geldpolitik betreibt. Als Reaktion auf einen permanenten
I 40
Geldschock, der den Nominalzins langfristig um ein Prozent erhöht, erhöht die Zentralbank den kurzfristigen Leitzins schnell, aber schrittweise. Gleichzeitig wissen die Unternehmen, dass durch den Fisher-Effekt das Preisniveau langfristig um ein Prozent steigen wird und dass auch sie langfristig ihren eigenen Preis im gleichen Verhältnis erhöhen müssen, um Verluste zu vermeiden. Da Unternehmen mit quadratischen Kosten für die Preisanpassung konfrontiert sind, finden sie es optimal, sofort mit der Erhöhung des Preises zu beginnen. Da alle Unternehmen das Gleiche tun, beginnt die Inflation selbst zu steigen, sobald der Schock angekündigt wird.

1. Christiano, Lawrence J., Martin Eichenbaum, and Charles L. Evans, “Nominal Rigidities and the Dynamic Effects of a Shock to Monetary Policy,” Journal of Political Economy 113, 2005, 1-45.


Martín Uribe (2019): The Neo-Fisher Effect: Econometric Evidence from Empirical and Optimizing Models. In: NBER Working Paper No. 25089.

Uribe I
Martin Uribe
The Neo-Fisher Effect: Econometric Evidence from Empirical and Optimizing Models. NBER Working Paper No. 25089 2019
Neuronale Netze Deacon I 130
Neuronale Netze/Lernen/Deacon: der grundlegende Aufbau besteht aus drei Schichten: Inputeinheiten, Outputeinheiten und verborgene Einheiten (hidden units, mittlere Schicht) sowie deren Verbindungen. Die Zustände der Knoten der mittleren Schicht (0 oder 1) werden zunächst durch die Input-Knoten beeinflusst. Dabei ist entscheidend, dass die Stärke der Verbindungen sich erst durch den häufigeren Gebrauch herausbildet. Trainiert werden die Verbindungen nun dadurch, dass der Erfolg des Outputsignals (richtige oder falsche Assoziation) mit dem Input verglichen wird.
I 131
Dieses Training entspricht dann einem Anpassen an einen Vorrat an externen Verhaltensformen und ist ein Analogon zum Lernen. Solche Systeme sind viel stärker in der Lage, Muster zu erkennen als herkömmlich programmierte Computer. Wenn neuronale Netze trainiert werden, Stimuli zu kategorisieren, können sie das leicht fortsetzen, wenn neue Stimuli auftreten. Beim Auftreten von zufälligen Störungen sind sie konventionellen Computern darin überlegen,
I 132
zu reagieren und problematische Verbindungen nicht weiter zu verstärken. D.h. sie reagieren nicht in einer Alles-oder-Nichts-Weise. Das ähnelt der Reaktion von Nervensystemen auf Beschädigungen. Informationsverarbeitung innerhalb neuronale Netze hat man mit Hologrammen verglichen, die Information aus mehreren Perspektiven zugleich zur Verfügung haben.
Kurzzeitgedächtnis: kann man mit rekurrenten Netzen nachbilden (vgl. J. Elman)(1). Hierbei werden frühere Zustände der verborgenen Schicht als neuer Input eingegeben und verarbeitet.
Spracherwerb/Elman: damit konnte Sprachlernen simuliert werden: das Problem des Syntax-Lernens wurde in das Problem übersetzt, frühere Sequenzen auf zukünftige Inputsequenzen abzubilden. Unvollständige Sequenzen wurden von dem System durch die wahrscheinlichsten Ergänzungen vervollständigt. Hierbei ging es zunächst um das Auftreten von 0 und 1, d.h. Bedeutungen wurden vernachlässigt.
Problem: Neuronale Netze konvergieren manchmal in suboptimalen Lösungen, da sie nur lokale Muster berücksichtigen.
Lösung: Damit die Netze nicht in solchen „learning potholes“ (Schlaglöchern) gefangen bleiben, kann man „Geräusche“ (zufällige Störungen) einbauen, die das System dazu zwingen, mögliche Lösungen in einem weiteren Gebiet zu suchen.
I 133
Spracherwerb/Elman/Deacon: indem Elman verschiedene Stadien des Lernens komplexerer Strukturen auseinander hielt, konnten diese sich nicht gegenseitig stören.
I 134
Deacon: es wurde die Produktion grammatisch korrekter Formen induktiv gelernt, ohne irgendeine Grammatik, geschweige denn, eine Universalgrammatik vorauszusetzen.
I 135
Pointe: es wurde gezeigt, dass die Struktur des Lernprozesses damit zu tun hat, was gelernt werden kann und was nicht. Wichtiger noch: es legt nahe, dass die Struktur der Sprache und die Weisem, wie sie gelernt werden muss, zusammenhängen.

(1) Elman, J. (1991): Incremental learning, or the importance of starting small. In: 13th Annual Conference oft he Cognitive Science Society, NJ, L. Erlbaum, 443-448.

Dea I
T. W. Deacon
The Symbolic Species: The Co-evolution of language and the Brain New York 1998

Dea II
Terrence W. Deacon
Incomplete Nature: How Mind Emerged from Matter New York 2013
Nominalismus Nietzsche Ries II 35
Nominalismus/Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne/Nietzsche: Nietzsches Erkenntnistheorie ist nominalistisch. Sie ist auf die Zerstörung des Erkenntnissubjekts gerichtet.

Nie I
Friedrich Nietzsche
Sämtliche Werke: Kritische Studienausgabe Berlin 2009

Nie V
F. Nietzsche
Beyond Good and Evil 2014

Ries II
Wiebrecht Ries
Nietzsche zur Einführung Hamburg 1990
Objektivität Black III 69
Def "objektive Orientierung"/Objektivität/Black: damit meine ich nicht "Alltagsontologie" sondern etwas, das ihr zugrunde liegt: wir haben eine objektive Orientierung der Wahrnehmung - ihre Verletzung führt zum Wahnsinn und Selbstzerstörung.
III 76
Objektivität sollten wir anstreben, auch wenn wir wissen, dass wir sie nicht erreichen.
III 83
Objektivität/Monod: definiert die Alternativen, aber sie wählt sie nicht aus.

Black I
Max Black
"Meaning and Intention: An Examination of Grice’s Views", New Literary History 4, (1972-1973), pp. 257-279
In
Handlung, Kommunikation, Bedeutung, G. Meggle (Hg) Frankfurt/M 1979

Black II
M. Black
Sprache. Eine Einführung in die Linguistik München 1973

Black III
M. Black
The Prevalence of Humbug Ithaca/London 1983

Black IV
Max Black
"The Semantic Definition of Truth", Analysis 8 (1948) pp. 49-63
In
Truth and Meaning, Paul Horwich Aldershot 1994
Öffentliches Gut Rawls I 92
Öffentliches Gut/ Soziales Gut/social goods/Rawls: primäre soziale Güter sind Rechte und Freiheiten, Chancen und Befugnisse, Einkommen und Wohlstand. Diese Güter sind sozial wegen ihrer Verbindung mit der Grundstruktur der Gesellschaft; Freiheiten und Befugnisse werden durch die Regeln der größeren Institutionen definiert, Einkommensverteilung und Wohlstand werden von diesen reguliert. Rawls: die Theorie der Gemeingüter geht auf Aristoteles zurück und wird von so unterschiedlichen Autoren wie Kant und Sidgwick geteilt. Sie ist auch nicht strittig zwischen Utilitarismus und Vertragstheorie.
I 93
Güter/Rawls: ein Gut ist die Erfüllung eines rationalen Interesses. Wir können davon ausgehen, dass ein rationales Individuum einen Plan hat, der verschiedene Verlangen ohne gegenseitige Störung erfüllt werden können. Def rationaler Plan/Rawls: sei ein Plan, der nicht verbessert werden kann. D.h. es gibt keinen anderen Plan, der ihm vorgezogen wird.
Def primäre Güter/Rawls: sind solche, die alle benötigen, auch wenn ihre Pläne differieren. Bsp Intelligenz, Wohlstand, Chancen sind Mittel, um Ziele zu erreichen, die eine Person nicht auf anderem Wege erreichen könnte. Im Anfangszustand (einer zu errichtenden Gesellschaft), wo die Menschen noch nicht wissen, welche Rolle sie einnehmen werden, sind diese Güter das, wovon sie wissen, dass sie sie anstreben.
Problem: ein Verzeichnis der verfügbaren primären sozialen und natürlichen Güter anzufertigen. Unsere Prinzipien, wenn sie in lexikalischer Reihenfolge abgearbeitet werden (Siehe Prinzipien/Rawls), helfen dabei.
I 266
Öffentliche Güter/Rawls: sind vor allem unteilbar und öffentlich zugänglich(1). Wenn Bürger davon profitieren wollen, muss es so eingerichtet sein, dass alle im gleichen Maß davon profitieren. Bsp Landesverteidigung.
I 267
Das bringt es mit sich, dass öffentliche Güter durch den politischen Prozess und nicht durch den Markt gesteuert werden müssen. Probleme: für öffentliche Güter erwachsen besondere Probleme:
1. Das Trittbrettfahrer-Problem(2): Es gibt die Versuchung, selbst nicht seinen Anteil an Pflichten beizutragen, dieser Betrag beeinflusst das Gesamtergebnis nämlich nicht merklich. Für das Individuum erscheint der Beitrag der anderen in jedem Fall schon geleistet. Daher muss der Staat die Regelung der entsprechenden öffentlichen Güter übernehmen(3).
I 268
2. Merkmal öffentlicher Güter: Externalität. Die Produktion dieser Güter geht auch auf Kosten derer, die niemals von ihnen profitieren. Es werden auch nicht alle Wünsche berücksichtigt. Bsp Jemand, der sich impfen lässt, hilft anderen ebenso wie sich selbst, auch wenn er niemals dieser Infektion ausgesetzt sein wird. Bsp Auch Umweltschäden werden normalerweise nicht vom Markt reguliert. So werden unter Umständen Rohstoffe zu weit geringeren Kosten produziert, als ihre sozialen Grenzkosten ausmachen. Hier gibt es eine Differenz zwischen privater und sozialer Bilanzierung, die der Markt nicht registriert. Die Unteilbarkeit öffentlicher Güter (z.B. Infrastruktur, Freiheiten usw.) erfordert es in diesem Fall, dass der Staat die Regelung übernimmt. Problem: sogar in einer Gesellschaft gerechter Personen führt die Isoliertheit individueller Entscheidungen nicht zu der Erfüllung des Allgemeininteresses.
I 270
Wirtschaftsform: wie groß der Anteil der öffentlichen Güter an der Gesamtwirtschaft ist, ist von der Wirtschaftsform - sei sie sozialistisch oder privatwirtschaftlich – unabhängig, da der Anteil der sozialen Ressourcen, der für ihre Produktion aufgewendet wird, unabhängig von der Frage des Besitzes der Produktionsmittel.

(1) Siehe J. M. Buchanan, The Demand and Supply of Public Goods, Chicago, 1968, Kap. IX.
(2) Buchanan, Kap. V; Mancur Olson, The Logic of Collective Action, Cambridge, MA, 1965, Kap. I, II.
(3) Siehe W.J. Baumol, Welfare Economics and the Theory of the State, London, 1952, Kap. I, VII-IX, XII.

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005
Parameterisierung Meteorologie Edwards I 393
Parametrisierung/Meteorologie/Klimatologie/Edwards: Weit davon entfernt, reine Theorie auszudrücken, sind Analysemodelle datenbeladen(1). Dasselbe kann auch von allen Vorhersagemodellen und allgemeinen Zirkulationsmodellen gesagt werden. Stephen Schneider schreibt: ... selbst unsere ausgefeiltesten 'first principles' Modelle enthalten 'empirisch-statistische' Elemente innerhalb der Modellstruktur. ... Wir können die bekannten physikalischen Gesetze mathematisch beschreiben, zumindest im Prinzip. In der Praxis ist es jedoch unmöglich, diese Gleichungen vollständig und detailliert zu lösen. Erstens reichen die möglichen Bewegungsskalen der atmosphärischen und ozeanischen Komponenten vom submolekularen bis zum globalen Bereich. Zweitens sind die Wechselwirkungen der Energieübertragungen zwischen den verschiedenen Bewegungsskalen zu beachten. Schließlich sind viele Störungsskalen von Natur aus instabil; kleine Störungen wachsen beispielsweise schnell in die Höhe, wenn die Bedingungen günstig sind(2).
Edwards: Daraus ergibt sich die Notwendigkeit der Parametrisierung, die zu einem großen Teil als Integration von aus Beobachtungen abgeleiteten Näherungen in die "Modellphysik" beschrieben werden kann. Schneider und andere bezeichnen die Parameter manchmal als "semi-empirisch", eine treffende Beschreibung, die ihre unscharfe Beziehung zu den Beobachtungsdaten hervorhebt. Auf absehbare Zeit werden alle Analyse-, Vorhersage- und Klimamodelle viele "halb-empirische" Elemente enthalten. >Wettervorhersage/Edwards, >Modelle/Meteorologie, vgl. >Homogenisierung/Klimatologie, >Reanalyse/Klimatologie, >Reanalyse/Edwards.
Edwards I 465
Parameter: (...) der Begriff wird häufig verwendet, um von abhängigen Variablen Größen zu unterscheiden, denen für die Zwecke des vorliegenden Problems mehr oder weniger willkürlich Werte zugewiesen werden können" (Hervorhebung hinzugefügt). Ein Parameter ist also eine Art Proxy - ein Stellvertreter für etwas, das nicht direkt modelliert werden kann, aber dennoch geschätzt oder zumindest erraten werden kann. Die Parametrisierung veranschaulicht das Zusammenspiel von rechnerischer Reibung und den Grenzen des menschlichen Wissens. In einem idealen Klimamodell wären die einzigen festen Bedingungen die Verteilung und die Höhe der Kontinentalflächen. Praktisch alle anderen Variablen - Meeresoberflächentemperatur, Albedo (Reflexion) der Landoberfläche, Wolkenbildung usw. - würden intern vom Modell selbst aus den niedrigeren physikalischen Eigenschaften von Luft, Wasser und anderen Grundelementen des Klimasystems generiert werden. Stattdessen erfordern die meisten physikalischen Prozesse, die in der Atmosphäre ablaufen, ein gewisses Maß an Parametrisierung; diese parametrisierten Prozesse werden als "Modellphysik" bezeichnet. >Modelle/Klimatologie.
Parameter: (...) Parameter repräsentieren einen variablen physikalischen Prozess und nicht eine feste Größe.
Edwards I 466
Parametrisierung/Beispiel: Eine wichtige Parametrisierung in allen Klimamodellen ist der Strahlungstransport. Die Atmosphäre enthält sowohl Gase (CO2, Methan, Stickstoff, Ozon, Sauerstoff, Wasserdampf, etc.) als auch Feststoffe (partikuläre Aerosole, Eiswolken, etc.). Jeder dieser Stoffe absorbiert die Sonnenenergie bei bestimmten Frequenzen. Jedes emittiert auch Strahlung in anderen Frequenzen. Diese Emissionen werden dann von anderen Gasen und Festkörpern absorbiert und wieder abgestrahlt. Diese Strahlungsübertragungen spielen eine große Rolle bei der Steuerung der Temperatur der Atmosphäre. Daher müssen die Modelle irgendwie abschätzen, wie viel Strahlung die Atmosphäre in einem bestimmten Gitterfeld absorbiert, reflektiert und durchlässt, und zwar auf jeder Ebene und an jeder horizontalen Stelle. "Line-by-Line-Modelle", die Datenbanken mit spektrographischen Messungen für die verschiedenen Gase mit physikalischen Modellen kombinieren, können diese Summierung durchführen(3).
Edwards I 469
Ad-hoc-Parameter/Beispiel: Ein Beispiel für einen Ad-hoc-Parameter ist die "Flussanpassung" in gekoppelten Atmosphäre-Ozean-Zirkulationsmodellen (AOGCMs). Die Schnittstelle zwischen dem Atmosphärenmodell und dem Ozeanmodell muss den Austausch von Wärme, Impuls (Wind und Oberflächenwiderstand) und Wasser (Niederschlag, Verdunstung) zwischen der Atmosphäre und dem Ozean darstellen. Diese Flüsse - Energie- und Materieströme zwischen Atmosphäre und Ozean - sind empirisch sehr schwer zu messen. Dennoch beeinflussen sie das Modellverhalten in hohem Maße. Modellierer sprachen von Flussanpassungen als "nicht-physikalische" Parametrisierungen - d. h. solche, die nicht auf einer physikalischen Theorie basieren - bezeichneten sie aber manchmal auch als "empirisch bestimmt"(4). Die Modellphysik eines beliebigen GCMs (Global Climate Model, dt. Globales Klimamodell) enthält Hunderte oder sogar Tausende von Parametrisierungen.
Edwards I 470
Eine ganze Teilfeld, die Klimamodell-Diagnose, arbeitet Wege aus, um den Ursprung bestimmter Probleme auf bestimmte Parametrisierungen und deren Wechselwirkungen zu isolieren. Tuning: "Tuning" bedeutet die Anpassung der Werte von Koeffizienten und manchmal sogar die Rekonstruktion von Gleichungen, um ein besseres Gesamtergebnis des Modells zu erzielen. "Besser" kann bedeuten, dass das Ergebnis besser mit den Beobachtungen übereinstimmt oder dass es besser mit dem Expertenurteil des Modellierers über das übereinstimmt, was ein von mir befragter Modellierer die "physikalische Plausibilität" der Veränderung nannte. >Modelle/Klimatologie.


1. P. N. Edwards, “Global Climate Science, Uncertainty and Politics: Data-Laden Models, Model-Filtered Data,” Science as Culture 8, no. 4 (1999): 437–.
2. S. H. Schneider, “Introduction to Climate Modeling,” in Climate System Modeling, ed. K. E. Trenberth (Cambridge University Press, 1992).
3. J. T. Kiehl, “Atmospheric General Circulation Modeling,” in Climate System Modeling, ed. K. E. Trenberth (Cambridge University Press, 1992), 338.
4. 8. J. T. Houghton et al., Climate Change 1995: The Science of Climate Change (Cambridge University Press, 1996).

Edwards I
Paul N. Edwards
A Vast Machine: Computer Models, Climate Data, and the Politics of Global Warming Cambridge 2013
Persönlichkeit Ressourcentheorie Corr I 406
Persönlichkeit/Ressourcentheorie/Kognitionspsychologie/Matthews: Die Ressourcentheorie wurde zunächst auf die Persönlichkeitsforschung angewendet, um den schädlichen Effekt der Eigenschaftsangst zu erklären. Frühe Forschungen (z.B. Spielberger 1966)(1) ergaben, dass die Zustandsangst die Informationsverarbeitung bei anspruchsvollen Aufgaben störte, aber die Theorie war über die Art der Störung vage. Die größere Sensibilität der Leistung für Sorgen und nicht für ängstliche Emotionen und autonomen Arousal (Zeidner 1998)(2) förderte eine kognitive und nicht eine arousaltheoretische Perspektive. Irwin Sarasons (z.B. Sarason, Sarason und Pierce 1995)(3) einflussreiche Theorie der Prüfungsangst suggerierte, dass die Auswirkungen von Sorge durch eine Umleitung der Ressourcen auf die "Off-Task"-Verarbeitung persönlicher Anliegen vermittelt werden. >Aufmerksamkeit, >Ressourcen, >Leistung.

1. Spielberger, C. D. 1966. The effects of anxiety on complex learning and academic achievement, in C. D. Spielberger (ed.), Anxiety and behaviour, pp. 3–20. London: Academic Press
2. Zeidner, M. 1998. Test anxiety: the state of the art. New York: Plenum
3. Sarason, I. G., Sarason, B. R. and Pierce, G. R. 1995. Cognitive interference: at the intelligence-personality crossroads, in D. H. Saklofske and M. Zeidner (eds.), International handbook of personality and intelligence, pp. 285–319. New York: Plenum


Gerald Matthews, „ Personality and performance: cognitive processes and models“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Planung KI-Forschung Norvig I 156
Planung/Künstliche Intelligenz/Norvig/Russell: Die Unvorhersehbarkeit und Teilbeobachtbarkeit realer Umgebungen wurde frühzeitig in Robotikprojekten, die Planungstechniken benutzten, wie Shakey (Fikes et al., 1972)(1) und FREDDY (Michie, 1974)(2), erkannt. Die Probleme erhielten mehr Aufmerksamkeit nach der Veröffentlichung von McDermotts (1978a) einflussreichem Artikel, Planning and Acting(3). >Belief States/Norvig.
Norvig I 366
Probleme: Ein einfacher problemlösender Agent (...) kann Handlungsabläufe finden, die zu einem Zielzustand führen. Aber er setzt sich mit atomaren Repräsentationen von Zuständen auseinander und benötigt daher eine gute domänenspezifische Heuristik, um gut funktionieren zu können. [Ein] hybrid propositional-logischer Agent (...) kann Pläne ohne domänenspezifische Heuristiken finden, da er domänenunabhängige Heuristiken verwendet, die auf der logischen Struktur des Problems basieren. Aber er basiert auf der variablenfreien (...) Inferenz von Propositionen, was bedeutet, dass er überfordert werden kann, wenn es viele Handlungen und Zustände gibt.
Norvig I 367
Planungsforscher haben sich auf eine gewichtete Darstellung festgelegt - eine, in der ein Zustand der Welt durch eine Sammlung von Variablen repräsentiert wird. Wir verwenden eine Sprache namens PDDL, die Planning Domain Definition Language, die es uns ermöglicht, alle 4Tn2-Handlungen mit einem Handlungsschema auszudrücken. Jeder Zustand wird als eine Verbindung von Fluenten dargestellt, die variablenfreie, funktionslose Atome sind. Es wird die Datenbanksemantik verwendet: Die closed-world assumption (Annahme zur Weltabgeschlossenheit) bedeutet, dass alle nicht erwähnten Fluenten falsch sind, und die unique names assumption bedeutet, dass [x]1 und [x]2 unterschiedlich sind. Handlungen werden durch eine Reihe von Handlungsschemata beschrieben, die implizit die Funktionen ACTIONS(s) und RESULT(s,a) definieren, die für eine Problemlösungssuche erforderlich sind. >Rahmenproblem. Die klassische Planung konzentriert sich auf Probleme, bei denen die meisten Maßnahmen die meisten Dinge unverändert lassen.
Handlungen: Ein Set von (...) variablenfreien Handlungen kann durch ein einziges Handlungsschema dargestellt werden.
Das Schema ist eine angehobene Repräsentation - sie hebt die Ebene der Schlussfolgerung von der Aussagenlogik auf eine begrenzte Teilmenge der Logik erster Stufe an.
Handlungsschema: Das Schema besteht aus dem Handlungsnamen, einer Liste aller im Schema verwendeten Variablen, einer Vorbedingung und einem Effekt.
Norvig I 367
Vorwärts-/Rückwärtssuche (Progression/Regression) im Zustandsraum: Vgl. >Rückwärtsverkettung.
Norvig I 376
Heuristiken für die Planung: Eine heuristische Funktion h(s) schätzt die Entfernung von einem Zustand s zum Ziel und dass, wenn wir für diese Entfernung eine zulässige Heuristik ableiten können - eine, die nicht überschätzt - dann können wir die A*-Suche zum Finden optimaler Lösungen nutzen. Repräsentation: Die Planung verwendet eine gewichtete Repräsentation für Zustände und Handlungsschemata. Dies ermöglicht es, gute domänenunabhängige Heuristiken zu definieren und Programmen, automatisch eine gute domänenunabhängige Heuristik für ein bestimmtes Problem anzuwenden. Stellen Sie sich ein Suchproblem als einen Graphen vor, bei dem die Knoten Zustände und die Kanten Handlungen sind. Das Problem besteht darin, einen Pfad zu finden, der den Ausgangszustand mit einem Zielzustand verbindet. Es gibt zwei Möglichkeiten, dieses Problem zu lockern, um es einfacher zu machen: durch Hinzufügen von mehr Kanten zum Graphen, um es einfacher zu machen, einen Pfad zu finden, oder durch Gruppieren mehrerer Knoten, die eine Abstraktion des Zustandsraums bilden, der weniger Zustände hat und somit einfacher zu suchen ist.
Norvig I 377
Zustandsabstraktion: Viele Planungsprobleme haben 10100 oder mehr Zustände, und die Lockerung der Handlungen trägt nicht dazu bei, die Anzahl der Zustände zu reduzieren. Daher betrachten wir nun Lockerungen, die die Anzahl der Zustände verringern, indem sie eine Zustandsabstraktion bilden - ein many-to-one mapping von Zuständen in der variablenfreien Repräsentation des Problems auf die abstrakte Darstellung. Die einfachste Form der Zustandsabstraktion ist es, einige Fluente zu ignorieren.
Norvig I 378
Heuristiken: Eine Schlüsselidee bei der Definition von Heuristiken ist die Zerlegung: ein Problem in Teile zerlegen, jedes Teil unabhängig lösen und dann die Teile kombinieren. Die subgoal independence assumption ist, dass die Kosten für die Lösung einer Verbindung von Teilzielen durch die Summe der Kosten für die jeweils unabhängige Lösung jedes Teilziels approximiert werden.
Norvig I 390
Planung als constraint satisfaction: Siehe >Constraint-Satisfaction-Probleme.
Norvig I 393
Geschichte der KI-Planung: Die KI-Planung entstand aus Untersuchungen zur Suche von Zustandsraum, zum Nachweis von Theoremen und zur Kontrolltheorie sowie aus den praktischen Anforderungen der Robotik, Terminplanung und anderer Bereiche. STRIPS (Fikes and Nilsson, 1971)(4), das erste große Planungssystem, veranschaulicht das Zusammenspiel dieser Einflüsse.
General Problem Solver/GPS: der General Problem Solver (Newell and Simon, 1961)(5),[war] ein System zur Suche von Zustandsraum, das die Means–End-Analyse verwendete. Die Kontrollstruktur von STRIPS wurde der von GPS nachempfunden.
Norvig I 394
Sprache: Die Problem Domain Description Language, kurz PDDL (Ghallab et al., 1998)(6), wurde als von Computern lesbare, standardisierte Syntax zur Darstellung von Planungsproblemen eingeführt und wird seit 1998 als Standardsprache für die International Planning Competition verwendet. Es gab mehrere Erweiterungen; die neueste Version, PDDL 3.0, enthält plan constraints und Präferenzen (Gerevini und Long, 2005)(7). Teilprobleme: Die Problemzerlegung wurde erreicht, indem für jedes Teilziel ein Teilplan berechnet und die Teilpläne dann in einer bestimmten Reihenfolge aneinandergereiht wurden. Dieser Ansatz, von Sacerdoti (1975)(8) als lineare Planung bezeichnet, wurde bald als unvollständig erkannt. Es kann einige sehr einfache Probleme nicht lösen (....) Ein vollständiger Planer muss die Verschachtelung von Handlungen aus verschiedenen Teilplänen innerhalb einer einzigen Sequenz ermöglichen. Der Begriff der serializable subgoals (Korf, 1987)(9) entspricht genau dem Set von Problemen, für welche die nicht-verschachtelten Planer vollständig sind. Eine Lösung für das Verschachtelungsproblem war das goal-regression planning, eine Technik, bei der Schritte in einem vollständig geordneten Plan neu geordnet werden, um Konflikte zwischen Teilzielen zu vermeiden. Dies wurde von Waldinger (1975)(10) eingeführt und auch von Warrens (1974)(11) WARPLAN verwendet.
Partial Ordering: Die Ideen, welche dem Partial-Order Planning zugrundeliegen, umfassen die Erkennung von Konflikten (Tate, 1975a)(12) und den Schutz der erreichten Bedingungen vor Störungen (Sussman, 1975)(13). Die Konstruktion von teilweise geordneten Plänen (damals noch Task-Netzwerke genannt) wurde vom NOAH-Planer (Sacerdoti, 1975(8), 1977(14)) und von Tates (1975b(15), 1977(16)) NONLIN-System vorangetrieben. Partial-order planning dominierte die nächsten 20 Jahre der Forschung (...).
State-space planning: Das wieder auflebende Interesse an State-space planning wurde durch Drew McDermotts UNPOP-Programm (1996)(17) vorangetrieben, das als erstes die ignore-delete-list heuristic vorschlug (...). Bonet und Geffners Heuristic Search Planner (HSP) und seine späteren Derivative (Bonet und Geffner, 1999(18); Haslum et al., 2005(19); Haslum, 2006(20)) waren die ersten,
Norvig I 395
welche state-space search praktisch für große Planungsprobleme machten. Der bisher erfolgreichste state-space searcher ist FF (Hoffmann, 2001(21); Hoffmann und Nebel, 2001(22); Hoffmann, 2005(23)), Gewinner des AIPS 2000 Planungswettbewerbs. LAMA (Richter und Westphal, 2008)(24), ein Planer auf Basis von FASTDOWNWARD mit verbesserter Heuristik, gewann den Wettbewerb 2008. >Umwelt/Welt/Planung/Norvig. Siehe auch McDermot (1985)(25).


1. Fikes, R. E., Hart, P. E., and Nilsson, N. J. (1972). Learning and executing generalized robot plans. AIJ,3(4), 251-288
2. Michie, D. (1974). Machine intelligence at Edinburgh. In On Intelligence, pp. 143–155. Edinburgh
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3. McDermott, D. (1978a). Planning and acting. Cognitive Science, 2(2), 71-109.
4. Fikes, R. E. and Nilsson, N. J. (1993). STRIPS, a retrospective. AIJ, 59(1–2), 227-232.
5. Newell, A. and Simon, H. A. (1961). GPS, a program that simulates human thought. In Billing, H.
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6. Ghallab, M., Howe, A., Knoblock, C. A., and Mc-Dermott, D. (1998). PDDL—The planning domain definition language. Tech. rep. DCS TR-1165, Yale Center for Computational Vision and Control
7. Gerevini, A. and Long, D. (2005). Plan constraints and preferences in PDDL3. Tech. rep., Dept. of Electronics for Automation, University of Brescia, Italy
8. Sacerdoti, E. D. (1975). The nonlinear nature of plans. In IJCAI-75, pp. 206-214.
9. Korf, R. E. (1987). Planning as search: A quantitative approach. AIJ, 33(1), 65-88
10. Waldinger, R. (1975). Achieving several goals simultaneously. In Elcock, E. W. and Michie, D.
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11. Warren, D. H. D. (1974). WARPLAN: A System for Generating Plans. Department of Computational
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12. Tate, A. (1975a). Interacting goals and their use. In IJCAI-75, pp. 215-218.
13. Sussman, G. J. (1975). A Computer Model of Skill Acquisition. Elsevier/North-Holland.
14. Sacerdoti, E. D. (1977). A Structure for Plans and Behavior. Elsevier/North-Holland.
15. Tate, A. (1975b). Using Goal Structure to Direct Search in a Problem Solver. Ph.D. thesis, University of Edinburgh.
16. Tate, A. (1977). Generating project networks. In IJCAI-77, pp. 888-893.
17. McDermott, D. (1996). A heuristic estimator for means-ends analysis in planning. In ICAPS-96, pp.
142-149.
18. Bonet, B. and Geffner, H. (1999). Planning as heuristic search: New results. In ECP-99, pp. 360-372. 19. Haslum, P., Bonet, B., and Geffner, H. (2005). New admissible heuristics for domain-independent planning. In AAAI-05.
20. Haslum, P. (2006). Improving heuristics through relaxed search – An analysis of TP4 and HSP*a in the
2004 planning competition. JAIR, 25, 233-267.
21. Hoffmann, J. (2001). FF: The fast-forward planning system. AIMag, 22(3), 57-62.
22. Hoffmann, J. and Nebel, B. (2001). The FF planning system: Fast plan generation through heuristic search. JAIR, 14, 253-302.
23. Hoffmann, J. (2005). Where “ignoring delete lists” works: Local search topology in planning benchmarks. JAIR, 24, 685-758
24. Richter, S. and Westphal, M. (2008). The LAMA planner. In Proc. International Planning Competition at ICAPS.
25. McDermott, D. (1985). Reasoning about plans. In Hobbs, J. and Moore, R. (Eds.), Formal theories of the commonsense world. Intellect Books.

Norvig I
Peter Norvig
Stuart J. Russell
Artificial Intelligence: A Modern Approach Upper Saddle River, NJ 2010
Planung Norvig Norvig I 156
Planung / Künstliche Intelligenz/Norvig/Russell: Die Unvorhersehbarkeit und Teilbeobachtbarkeit realer Umgebungen wurde frühzeitig in Robotikprojekten, die Planungstechniken benutzten, wie Shakey (Fikes et al., 1972)(1) und FREDDY (Michie, 1974)(2), erkannt. Die Probleme erhielten mehr Aufmerksamkeit nach der Veröffentlichung von McDermotts (1978a) einflussreichem Artikel, Planning and Acting(3). >Belief States/Norvig.
Norvig I 366
Probleme: Ein einfacher problemlösender Agent (...) kann Handlungsabläufe finden, die zu einem Zielzustand führen. Aber er setzt sich mit atomaren Repräsentationen von Zuständen auseinander und benötigt daher eine gute domänenspezifische Heuristik, um gut funktionieren zu können. [Ein] hybrid propositional-logischer Agent (...) kann Pläne ohne domänenspezifische Heuristiken finden, da er domänenunabhängige Heuristiken verwendet, die auf der logischen Struktur des Problems basieren. Aber er basiert auf der variablenfreien (...) Inferenz von Propositionen, was bedeutet, dass er überfordert werden kann, wenn es viele Handlungen und Zustände gibt.
Norvig I 367
Planungsforscher haben sich auf eine gewichtete Darstellung festgelegt - eine, in der ein Zustand der Welt durch eine Sammlung von Variablen repräsentiert wird. Wir verwenden eine Sprache namens PDDL, die Planning Domain Definition Language, die es uns ermöglicht, alle 4Tn2-Handlungen mit einem Handlungsschema auszudrücken. Jeder Zustand wird als eine Verbindung von Fluenten dargestellt, die variablenfreie, funktionslose Atome sind. Es wird die Datenbanksemantik verwendet: Die closed-world assumption (Annahme zur Weltabgeschlossenheit) bedeutet, dass alle nicht erwähnten Fluenten falsch sind, und die unique names assumption bedeutet, dass [x]1 und [x]2 unterschiedlich sind. Handlungen werden durch eine Reihe von Handlungsschemata beschrieben, die implizit die Funktionen ACTIONS(s) und RESULT(s,a) definieren, die für eine Problemlösungssuche erforderlich sind. >Rahmenproblem. Die klassische Planung konzentriert sich auf Probleme, bei denen die meisten Maßnahmen die meisten Dinge unverändert lassen.
Handlungen: Ein Set von (...) variablenfreien Handlungen kann durch ein einziges Handlungsschema dargestellt werden.
Das Schema ist eine angehobene Repräsentation - sie hebt die Ebene der Argumentation von der Aussagenlogik auf eine begrenzte Teilmenge der Logik erster Stufe an.
Handlungsschema: Das Schema besteht aus dem Handlungsnamen, einer Liste aller im Schema verwendeten Variablen, einer Vorbedingung und einem Effekt.
Norvig I 367
Vorwärts-/Rückwärtssuche (Progression/Regression) im Zustandsraum: Vgl. >Rückwärtsverkettung.
Norvig I 376
Heuristiken für die Planung: Eine heuristische Funktion h(s) schätzt die Entfernung von einem Zustand s zum Ziel und dass, wenn wir für diese Entfernung eine zulässige Heuristik ableiten können - eine, die nicht überschätzt - dann können wir die A*-Suche zum Finden optimaler Lösungen nutzen. Repräsentation: Die Planung verwendet eine gewichtete Repräsentation für Zustände und Handlungsschemata. Dies ermöglicht es, gute domänenunabhängige Heuristiken zu definieren und Programmen, automatisch eine gute domänenunabhängige Heuristik für ein bestimmtes Problem anzuwenden. Stellen Sie sich ein Suchproblem als einen Graphen vor, bei dem die Knoten Zustände und die Kanten Handlungen sind. Das Problem besteht darin, einen Pfad zu finden, der den Ausgangszustand mit einem Zielzustand verbindet. Es gibt zwei Möglichkeiten, dieses Problem zu lockern, um es einfacher zu machen: durch Hinzufügen von mehr Kanten zum Graphen, um es einfacher zu machen, einen Pfad zu finden, oder durch Gruppieren mehrerer Knoten, die eine Abstraktion des Zustandsraums bilden, der weniger Zustände hat und somit einfacher zu suchen ist.
Norvig I 377
Zustandsabstraktion: Viele Planungsprobleme haben 10100 oder mehr Zustände, und die Lockerung der Handlungen trägt nicht dazu bei, die Anzahl der Zustände zu reduzieren. Daher betrachten wir nun Lockerungen, die die Anzahl der Zustände verringern, indem sie eine Zustandsabstraktion bilden - ein many-to-one mapping von Zuständen in der variablenfreien Repräsentation des Problems auf die abstrakte Darstellung. Die einfachste Form der Zustandsabstraktion ist es, einige Fluente zu ignorieren.
Norvig I 378
Heuristiken: Eine Schlüsselidee bei der Definition von Heuristiken ist die Zerlegung: ein Problem in Teile zerlegen, jedes Teil unabhängig lösen und dann die Teile kombinieren. Die subgoal independence assumption ist, dass die Kosten für die Lösung einer Verbindung von Teilzielen durch die Summe der Kosten für die jeweils unabhängige Lösung jedes Teilziels approximiert werden.
Norvig I 390
Planung als constraint satisfaction: Siehe >Constraint-Satisfaction-Probleme.
Norvig I 393
Geschichte der KI-Planung: Die KI-Planung entstand aus Untersuchungen zur Suche von Zustandsraum, zum Nachweis von Theoremen und zur Kontrolltheorie sowie aus den praktischen Anforderungen der Robotik, Terminplanung und anderer Bereiche. STRIPS (Fikes and Nilsson, 1971)(4), das erste große Planungssystem, veranschaulicht das Zusammenspiel dieser Einflüsse.
General Problem Solver/GPS: der General Problem Solver (Newell and Simon, 1961)(5),[war] ein System zur Suche von Zustandsraum, das die Means–End-Analyse verwendete. Die Kontrollstruktur von STRIPS wurde der von GPS nachempfunden.
Norvig I 394
Sprache: Die Problem Domain Description Language, kurz PDDL (Ghallab et al., 1998)(6), wurde als von Computern lesbare, standardisierte Syntax zur Darstellung von Planungsproblemen eingeführt und wird seit 1998 als Standardsprache für die International Planning Competition verwendet. Es gab mehrere Erweiterungen; die neueste Version, PDDL 3.0, enthält plan constraints und Präferenzen (Gerevini und Long, 2005)(7). Teilprobleme: Die Problemzerlegung wurde erreicht, indem für jedes Teilziel ein Teilplan berechnet und die Teilpläne dann in einer bestimmten Reihenfolge aneinandergereiht wurden. Dieser Ansatz, von Sacerdoti (1975)(8) als lineare Planung bezeichnet, wurde bald als unvollständig erkannt. Es kann einige sehr einfache Probleme nicht lösen (....) Ein vollständiger Planer muss die Verschachtelung von Handlungen aus verschiedenen Teilplänen innerhalb einer einzigen Sequenz ermöglichen. Der Begriff der serializable subgoals (Korf, 1987)(9) entspricht genau dem Set von Problemen, für welche die nicht-verschachtelten Planer vollständig sind. Eine Lösung für das Verschachtelungsproblem war das goal-regression planning, eine Technik, bei der Schritte in einem vollständig geordneten Plan neu geordnet werden, um Konflikte zwischen Teilzielen zu vermeiden. Dies wurde von Waldinger (1975)(10) eingeführt und auch von Warrens (1974)(11) WARPLAN verwendet.
Partial Ordering: Die Ideen, welche dem Partial-Order Planning zugrundeliegen, umfassen die Erkennung von Konflikten (Tate, 1975a)(12) und den Schutz der erreichten Bedingungen vor Störungen (Sussman, 1975)(13). Die Konstruktion von teilweise geordneten Plänen (damals noch Task-Netzwerke genannt) wurde vom NOAH-Planer (Sacerdoti, 1975(8), 1977(14)) und von Tates (1975b(15), 1977(16)) NONLIN-System vorangetrieben. Partial-order planning dominierte die nächsten 20 Jahre der Forschung (...).
State-space planning: Das wieder auflebende Interesse an State-space planning wurde durch Drew McDermotts UNPOP-Programm (1996)(17) vorangetrieben, das als erstes die ignore-delete-list heuristic vorschlug (...). Bonet und Geffners Heuristic Search Planner (HSP) und seine späteren Derivative (Bonet und Geffner, 1999(18); Haslum et al., 2005(19); Haslum, 2006(20)) waren die ersten,
Norvig I 395
welche state-space search praktisch für große Planungsprobleme machten. Der bisher erfolgreichste state-space searcher ist FF (Hoffmann, 2001(21); Hoffmann und Nebel, 2001(22); Hoffmann, 2005(23)), Gewinner des AIPS 2000 Planungswettbewerbs. LAMA (Richter und Westphal, 2008)(24), ein Planer auf Basis von FASTDOWNWARD mit verbesserter Heuristik, gewann den Wettbewerb 2008. >Umwelt/Welt/Planung/Norvig. Siehe auch McDermot (1985)(25).


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10. Waldinger, R. (1975). Achieving several goals simultaneously. In Elcock, E. W. and Michie, D.
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13. Sussman, G. J. (1975). A Computer Model of Skill Acquisition. Elsevier/North-Holland.
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16. Tate, A. (1977). Generating project networks. In IJCAI-77, pp. 888-893.
17. McDermott, D. (1996). A heuristic estimator for means-ends analysis in planning. In ICAPS-96, pp.
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24. Richter, S. and Westphal, M. (2008). The LAMA planner. In Proc. International Planning Competition at ICAPS.
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Norvig I
Peter Norvig
Stuart J. Russell
Artificial Intelligence: A Modern Approach Upper Saddle River, NJ 2010
Politische Polarisierung Levitsky Levitsky I 18
Politische Polarisierung/Levitsky: Die Schwächung unserer demokratischen Normen wurzelt in einer extremen Polarisierung, die sich über politische Meinungsverschiedenheiten hinaus zu einem existentiellen Konflikt über Rasse und Kultur ausgeweitet hat. Die Bemühungen um gleiche Rechte und Chancen in einer immer mannigfaltiger werdenden Gesellschaft haben diese Polarisierung verschärft und heimtückische Reaktionen hervorgerufen.(1) Wenn die Zusammenbrüche von Demokratien in der Geschichte uns eines lehren, dann, dass extreme Polarisierung für Demokratien tödlich sein kann.
Levitsky I 136
Polarisierung kann demokratische Normen zerstören. Wenn sozioökonomische, ethnische oder religiöse Differenzen extrem parteilich werden, sodass sich die Gesellschaft in politische Lager spaltet, deren Weltanschauungen nicht nur unterschiedlich sind, sondern sich gegenseitig ausschließen, sind Toleranz und Achtung kaum noch aufrechtzuerhalten. Manche Polarisierungen sind für die Demokratie gesund und sogar notwendig. Tatsächlich lehrt uns die Geschichte der westeuropäischen Demokratien, dass Normen selbst dann Bestand haben können, wenn Parteien durch erhebliche ideologische Differenzen getrennt sind.
Levitsky I 147
In dem Maß, in dem Demokraten und Republikaner einander als legitime Rivalen zu betrachten lernten, verflog auch die Polarisierung der Parteien und wurde durch jene Art von Politik ersetzt, die in den folgenden Jahrzehnten für die amerikanische Demokratie typisch sein sollte.(2)
Levitsky I 239
Erst nach 1965 haben sich die Vereinigten Staaten vollends demokratisiert.(3) Doch diese Entwicklung bewirkte paradoxerweise eine grundlegende Neuaufstellung der amerikanischen Wählerschaft, die erneut zu einer tiefen Polarisierung unserer Parteien führte.(4) Diese Polarisierung, die tiefer reicht als jemals zuvor seit dem Ende der Reconstruction-Ära, hat die sich auftürmende Welle der Normbrüche ausgelöst, die derzeit unsere Demokratie gefährdet.
Levitsky I 259
Politik/Levitsky/Ziblatt: Politische Führer haben angesichts einer extremen Polarisierung zwei Optionen. A. Zum einen können sie die Spaltung der Gesellschaft hinnehmen, ihr aber durch Kooperation und Kompromisse auf oberster Ebene entgegenwirken. Dies haben Politiker in Chile getan. Wie wir gesehen haben, führte der scharfe Konflikt zwischen Sozialisten und Christdemokraten 1973 zur Zerstörung der chilenischen Demokratie. In den Jahren danach war das Verhältnis zwischen den beiden Parteien von einem tiefen Misstrauen geprägt, das ihr verbindendes Ziel, die Ablehnung des Pinochet-Regimes, überlagerte.(5)
Levitsky I 261
B. Die Alternative zur Zusammenarbeit trotz Polarisierung ist die Überwindung der Polarisierung. In den Vereinigten Staaten haben Politologen eine Reihe von Wahlrechtsreformen vorgeschlagen, die die Feindschaft zwischen den politischen Lagern abmildern können: die Beendigung von Wahlbezirksmanipulationen, offene Vorwahlen, die Wahlpflicht, alternative Regeln für die Kongresswahlen, um nur einige zu nennen.(6) >Politische Polarisierung/USA, vgl. >Normen/Levitksy/Ziblatt.

1. Robert Mickey/Steven Levitsky/Lucan Ahmad Way, »Is America Still Safe for Democracy?«, in: Foreign Affairs, Mai/Juni 2017, S. 20–29.
2. Nolan McCarty/Keith Poole/Howard Rosenthal, Polarized America. The Dance of Ideology and Unequal Riches, Cambridge, Massachusetts, 2008, S. 10.
3. Mickey, Paths out of Dixie.
4. Mickey/Levitsky/Way, »Is America Still Safe for Democracy?«, S. 20–29.
5. »Interview with President Ricardo Lagos«, in: Sergio Bitar/Abraham F. Lowenthal (Hg.), Democratic Transitions. Conversations with World Leaders, Baltimore 2015, S. 85.
6. Siehe beispielsweise Nathaniel Persily (Hg.), Solutions to Political Polarization in: America, New York 2015.
Politisches System Easton Brocker I 491
Politisches System/Easton: Das politische System ist ein soziales System neben anderen, und soziale Systeme bestehen aus Interaktionen zwischen Personen. Das politische System unterscheidet sich von den anderen sozialen Systemen durch solche Interaktionen, die sich auf eine autoritative Allokation von Werten für die Gesellschaft beziehen. (1)
Brocker I 492
VsEaston: später hat sich statt des Begriffs der autoritativen Allokation von Werten die Formulierung der Herstellung und Durchsetzung kollektiv verbindlicher Entscheidungen durchgesetzt. Die individuellen Mitglieder sind nicht als Personen Teil des politischen Systems, sondern indem sie politische Rollen übernehmen, darin handeln und mit anderen interagieren.
Das Politische System ist offen und adaptiv, um seine Funktionen für die Gesellschaft erfüllen zu können. (2)
Durch die Offenheit gegenüber Einflüssen (Siehe Umwelt/Easton) kann es zu Störungen kommen, die das System verändern.
Brocker I 493
Def Stress/Easton: liegt vor, wenn Störungen des Systems eine kritische Grenze überschreiten und seinen Bestand bedrohen. Systemvariablen/Easton: die Allokation von Werten für die Gesellschaft und die Akzeptanz dieser Allokation durch die Gesellschaft. (3)
Persistenz/Fortbestehen/System: aus der Möglichkeit von bestandsgefährdenden Störungen folgt, dass Bestandserhaltung das grundlegende Problem für politische Systeme ist. Persistenz unterscheidet sich von Stabilität durch eine gewisse Dynamik: Persistenz kann gerade durch den Wandel peripherer Strukturelemente gewährleistet werden. Durch den Begriff der Persistenz können alle anderen Fragen der Politik integriert werden: Bsp Wahlverhalten, Verhalten von Interessengruppen, Koalitionsverhalten, Herstellung verschiedener Politiken. Die einzelnen Theorien zu diesen Begriffen haben gemeinsam, dass sie direkt auf die allokativen Konsequenzen der politischen Interaktion beziehbar sind. (4)
Brocker I 494
Umwelt/Systemumwelt/Easton: (Siehe href="https://www.philosophie-wissenschaft-kontroversen.de/details.php?id=1794396&a=$a&autor=Easton&vorname=David&thema=Umwelt">Umwelt/Easton): die Umwelt wirkt durch Inputs wie Ansprüche bzw. Unterstützung von außen auf das Politische System. Das System wiederum wirkt durch Outputs auf die Umwelt: in Form von kollektiv verbindlichen Entscheidungen und Handlungen. (5)
Brocker I 495
Ansprüche: sind eine Selektion aus der Menge der ((s) individuellen) Wünsche. Sie sind definiert als eine explizit formulierte Erwartung an die Entscheidungsträger des politischen Systems. (6) Interessengruppen/Easton: sind für die Konversion von Wünschen in Ansprüche wesentlich, dazu gehören auch politische Parteien und Massenmedien.
Entscheidungen: die Ansprüche an das politische System haben das Potenzial, die Systemvariablen über eine kritische Grenze hinaus zu treiben, d.h. kollektiv verbindliche Entscheidungen zu unterminieren. (7)
Brocker I 496
Objekte des Politischen Systems/Easton: „Autoritäten“ – „Regime“ – „Politische Gemeinschaft. Siehe Autorität/Easton, Gemeinschaft/Easton. Def Regime/Easton: die Menge von Restriktionen für die politischen Interaktionen. Diese Menge enthält wiederum drei Komponenten: 1. Werte (»values«), die Ziele (»goals«) und Prinzipien (»principles«), 2. Normen (»norms«)
Brocker I 497
3. Die Autoritätsstruktur (»structure of authority«) (8).

1. David Easton, A Systems Analysis of Political Life, New York 1965, S. 21-23.
2. Ebenda S. 17
3. Ebenda S. 24 4. Ebenda S. 474
5. Ebenda S. 74
6. Ebenda S. 38f
7. Ebenda S. 57
8. Ebenda S. 193

Dieter Fuchs, “David Easton, A Systems Analysis of Political Life” in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

PolEast I
David Easton
A Systems Analysis of Political Life New York 1965

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Pubertät Entwicklungspsychologie Upton I 112
Pubertät/Entwicklungspsychologie/Upton: Aktuelle Erkenntnisse deuten darauf hin, dass "Sturm und Drang" nicht die typische Erfahrung eines Jugendlichen beschreibt. Die Pubertät ist eine Zeit der schnellen körperlichen Veränderung, die hormonelle und körperliche Veränderungen mit sich bringt. Es handelt sich jedoch nicht um ein einziges plötzliches Ereignis, sondern um eine erweiterte Reihe von Veränderungen, die sich im Laufe der Zeit vollziehen (Dorn et al., 2006)(1). Zu diesen Veränderungen gehören die Zunahme von Körpergröße und -gewicht sowie das Erreichen der Geschlechtsreife. Die spezifischen Änderungen sind für Jungen und Mädchen unterschiedlich, ebenso wie die Zeitpunkte, zu denen solche Änderungen auftreten. Im Allgemeinen treten Mädchen etwa zwei Jahre vor dem Jungen in die Pubertät ein. Erste Änderungen sind mit einer Zunahme von Größe und Gewicht verbunden. Im Durchschnitt beginnt dieser Wachstumsschub bei Mädchen im Alter von neun Jahren, während er bei Jungen eher bei elf Jahren liegt. Der Höhepunkt dieses Wachstumsschubs liegt etwa drei Jahre später, sodass Mädchen zwischen 12 und 13 Jahren am schnellsten wachsen, während Jungen zwischen 14 und 15 Jahren am schnellsten wachsen. Während der Wachstumsspitze wachsen Mädchen um etwa 9 cm pro Jahr und Jungen um 10 cm.
Upton I 113
Der jugendliche Wachstumsschub beginnt an der Außenseite des Körpers und wirkt nach innen, sodass sich die Hände und Füße zuerst vergrößern, gefolgt von Armen und Beinen, die dann länger werden. Danach streckt sich die Wirbelsäule. Die letzte Entwicklung ist eine Verbreiterung der Brust und der Schultern bei Jungen und der Hüften und des Beckens bei Mädchen.
Hormonelle Veränderungen: Ausgelöst wird dieser Wachstumsschub durch eine Flut von hormonellen Veränderungen, die durch den Hypothalamus und die Hypophyse ausgelöst wird. Die Haupthormone, die mit pubertären Veränderungen in Verbindung gebracht werden, sind Testosteron und Östrodiol.
Beide Stoffe sind in der hormonellen Zusammensetzung von Jungen und Mädchen vorhanden, aber Testosteron dominiert bei männlichen pubertären Veränderungen und Östrodiol bei weiblichen pubertären Veränderungen. Bei Jungen sind Steigerungen des Testosterons mit einer Erhöhung der Körpergröße, einer Vertiefung der Stimme und einer genitalen Entwicklung verbunden. Bei Mädchen sind steigende Östrodiolwerte mit der Entwicklung von Brust, Gebärmutter und Skelett verbunden (z.B. Verbreiterung der Hüften).
Es wurde angenommen, dass dieselben Hormone zur psychologischen Entwicklung beitragen können in der Adoleszenz (Rapkin et al... 2006)(2). So haben Studien beispielsweise Zusammenhänge zwischen Testosteronspiegel und wahrgenommener Sozialkompetenz bei Jungen (Nottelmann et al., 1987)(3) sowie zwischen Östrodiolspiegel und den emotionalen Reaktionen von Mädchen gezeigt (Inoff-Germain et al., 1988)(4).
(...) es gibt Hinweise darauf, dass der Zusammenhang zwischen Verhalten und Hormonen auch in die entgegengesetzte Richtung wirken kann, da Verhalten und Stimmung den Hormonspiegel beeinflussen (Susman. 2006)(5). Tatsächlich scheint es unwahrscheinlich, dass Hormone allein die psychologischen Veränderungen in der Adoleszenz erklären können (Rowe et al... 2004)(6).
Im Allgemeinen (...) scheint es, dass alle Jugendlichen während der Pubertät eine gewisse Körperunzufriedenheit zeigen (Graber and Brooks Gunn, 2001)(7). Die Evidenz deutet darauf hin, dass Mädchen tendenziell immer unzufriedener werden, wenn sie sich durch die Pubertät bewegen, während Jungen immer zufriedener werden. (McCabe et al. 2002)(8).
Im Alter von 11 bis 12 Jahren haben frühreifende Mädchen tendenziell eine größere Zufriedenheit mit ihrer Körperform als spätreifende Mädchen. Dies ändert sich jedoch, wenn Mädchen 15 bis 16 Jahre alt werden, wenn spät reifende Mädchen beginnen,
Upton I 114
von einer größeren Zufriedenheit mit ihrer Körperform zu berichten (Simmons and Blyth, 1987)(9). Frühreifende Mädchen sind auch anfälliger für emotionale und Verhaltensprobleme, einschließlich Depressionen, Essstörungen und risikoreichem Gesundheitsverhalten wie Rauchen, Trinken und Drogenkonsum sowie frühem sexuellen Verhalten (Wiesner und Ittel. 2002)(10).
Diese Mädchen haben auch eher einen geringeren Bildungs- und Berufsabschluss (Stattin and Magnusson, 1990)(11). Es scheint, dass Mädchen, die in jungen Jahren körperlich reif sind, mehr Zeit mit ihren älteren Peers verbringen und leicht in Problemverhalten hineingezogen werden, weil sie nicht die emotionale Reife haben, die langfristigen Auswirkungen eines solchen Verhaltens auf ihre Entwicklung zu erkennen (Sarigiani und Petersen. 2000)(12).
Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass die negativen psychosozialen Folgen der frühen Pubertät nicht bis in die spätere Pubertät oder das Erwachsenenalter andauern können (Blumstein Posner. 2006)(13). >Selbstbeschreibung/Entwicklungspsychologie.
Upton I 122
Kognitive Fähigkeiten/Jugendliche: Es gibt auch Hinweise darauf, dass sich verändernde kognitive Fähigkeiten die laufende strukturelle und funktionelle Gehirnentwicklung widerspiegeln. Strukturelle MRT-Studien (Magnetresonanztomographie) haben beispielsweise gezeigt, dass das Gehirn in der Adoleszenz eine erhebliche Entwicklung durchläuft, insbesondere im präfrontalen Kortex (z.B. Huttenlocher et al., 1983)(14). Es wird angenommen, dass die Produktion von Synapsen im präfrontalen Kortex bis in die Pubertät andauert, gefolgt von Synapseneliminierung in der Pubertät. Dies geht einher mit einer Zunahme der Myelinisierung in diesem Bereich des Kortex. Es wird angenommen, dass diese strukturellen Veränderungen die Feinabstimmung dieser Hirnschaltungen repräsentieren und so die Effizienz der von ihnen bedienten kognitiven Systeme erhöhen (Blakernore und Choudhury, 2006)(15). Es gibt auch einige Hinweise darauf, dass die Funktionsfähigkeit im frontalen Kortex mit zunehmendem Alter steigt (z.B. Rubia et al. 2000)(16), obwohl dies von einigen Forschern infrage gestellt wurde (z.B. Durston et al., 2006)(17).
Upton I 123
(...) die Fähigkeit, sich mit abstraktem Denken zu beschäftigen, steigt (...); das jugendliche Denken ist nicht mehr wie in der späten Kindheit an konkrete Beispiele gebunden, so dass sie sich mit hypothetisch deduktivem Denken beschäftigen können. >Egozentrismus/Psychologische Theorien, >Egozentrismus/Elkind, >Selbstbewusstsein/Entwicklungspsychologie, >Risikowahrnehmung/Entwicklungspsychologie, >Moralität/Entwicklungspsychologie, >Egozentrismus/Elkind, >Jugendkultur/Entwicklungspsychologie, >Selbst/Entwicklungspsychologie, >Freundschaft/Entwicklungspsychologie,>Partner-Beziehungen/Entwicklungspsychologie, >Selbstachtung/Entwicklungspsychologie, >Identität/Marcia.



1. Dorn. LD. Dahi, RE. Woodward, HR and Biro. F (2006) Defining the boundaries of early adolescence: a user’s guide to assessing pubertal status and pubertal timing in research with adolescents. Applied Developmental Science, 10: 30-56.
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13. Blumstein Posner, R (2006) Early menarche: a review of research on trends in timing, racial differences, etiology and psychosocial consequences. Sex Roles, 5 4(5-6): 315-22.
14. Huttenlocher. PR and Kubicek. L (1983) The source of relatedness effects on naming latency.
Journal of Experimental Psychology: Learning, Memory and Cognition, 9(3): 486-96.
15. Blakemore, ST and Choudhury. S (2006) Development of the adolescent brain: implications for executive function and social cognition. Journal of Child Psychology and Psychiatry, 47: 296-312.
16. Rubia, K, Overrnever, S, Taylor, E, Brammer, M, Williams, SC R, Simmons, A, Andrew, C and Bullmore, ET (2000) Functional frontalisation with age: mapping neurodevelopmental trajectories with fMRI. Neuroscience and Biobehavioral Reviews, 24 (1): 13-19.
17. Durston, S, Davidson. MC, Tottenham, N, Galvan, A, Spicer, J, Fossella, JA and Casey, BJ (2006)
A shift from diffuse to focal cortical activity with development. Developmental Science, 9(1): 1-8.

Upton I
Penney Upton
Developmental Psychology 2011
Rationalisierung Habermas III 22
Rationalisierung/Soziologie/Habermas: das Verständnis rationaler Handlungsorientierungen wird zum Bezugspunkt für das Verständnis aller Handlungsorientierungen. Für die Soziologie bedeutet dies den folgenden Zusammenhang zwischen metatheoretischer und methodologischer Ebene:
a) Auf metatheoretischer Ebene wählt sie Grundbegriffe, die auf den Rationalitätszuwachs der modernen Lebenswelt zugeschnitten sind.
b) Auf methodologischer Ebene wird das Verständnis rationaler Handlungsorientierungen zum Bezugspunkt für das Verständnis aller Handlungsorientierungen (>Theorie des Sinnverstehens). Dabei geht es um interne Beziehungen zwischen Bedeutung und Geltung.
III 209
Rationalisierung/HabermasVsMarx/VsAdorno/VsHorkheimer/VsWeber/Habermas: der Rationalitätsbegriff dieser Autoren ist zu eng, um die ihnen vorschwebende umfassende gesellschaftliche Rationalität zu erfassen. Der Begriff müsste auf derselben Ebene ausgewiesen werden wie die Produktivkräfte, die Subsysteme zweckrationalen Handelns, die totalitären Träger der instrumentellen Vernunft. Das geschieht nicht. Der Handlungsbegriff dieser Autoren ist dafür nicht komplex genug. Außerdem darf man handlungs- und systemtheoretische Grundbegriffe nicht vermengen: LuhmannVsMarx, LuhmannVsWeber, LuhmannVsAdorno: die Rationalisierung von Handlungsorientierungen und lebensweltlichen Strukturen ist nicht dasselbe wie der Komplexitätszuwachs von Handlungssystemen. (1)

III 457
Kommunikatives Handeln/Rationalisierung/HabermasVsWeber/Habermas: erst wenn wir im “Gesellschaftshandeln” zwischen verständigungs- und erfolgsorientiertem Handeln differenzieren, lassen sich die kommunikative Rationalisierung des Alltagshandelns und die Subsystembildung für zweckrationales Wirtschafts- und Verwaltungshandeln als komplementäre Entwicklung begreifen. Zwar spiegeln beide die institutionelle Verkörperung von Rationalitätskomplexen, aber in anderer Hinsicht handelt es sich um gegenläufige Tendenzen.
III 459
Rationalisierung/Habermas: die Paradoxie der Rationalisierung, von der Weber gesprochen hat lässt sich abstrakt so fassen, das die Rationalisierung der Lebenswelt eine Art der Systemintegration ((s) von Teilsystemen mit nichtsprachlichen Kommunikationsmedien wie Geld und Macht) ermöglicht, die mit den Integrationsprinzip der ((s) sprachlichen) Verständigung in Konkurrenz tritt und unter bestimmten Bedingungen ihrerseits auf die Lebenswelt desintegrierend zurückwirkt.
IV 451
Rationalisierung/Moderne/HabermasVsWeber/Habermas: Weber konnte die Legitimationsprobleme, die eine positivistisch ausgehöhlte legale Herrschaft hervorruft, nicht in das Rationalisierungsmuster moderner Gesellschaften einordnen, weil er selbst rechtspositivistischen Auffassungen verhaftet blieb. Lösung/Habermas: These: (p) Die Entstehung (…) moderner Gesellschaften erfordert die institutionelle Verkörperung von Moral- und Rechtsvorstellungen posttraditionaler Art, aber
(q) die kapitalistische Modernisierung folgt einem Muster, demzufolge die kognitiv-instrumentelle Rationalität über die Bereiche von Ökonomie und Staat hinaus in andere, kommunikativ strukturierte Lebensbereiche eindringt und dort auf Kosten moralisch-praktischer und ästhetisch-praktischer Rationalität Vorrang erhält.
(r) Dadurch werden in der symbolischen Reproduktion der Lebenswelt Störungen hervorgerufen.
IV 452
Problem: eine fortschreitend rationalisierte Lebenswelt wird von immer komplexer werdenden formal organisierten Handlungsbereichen wie Ökonomie und Staatsverwaltung zugleich entkoppelt und in Abhängigkeit gebracht. Dies nimmt sozialpathologische Formen einer inneren Kolonialisierung an. Und zwar in dem Maße, wie kritische Ungleichgewichte nur noch um den Preis von Störungen der symbolischen Reproduktion der Lebenswelt (d.h. von „subjektiv“ erfahrenen identitätsbedrohenden Krisen oder Pathologien) vermieden werden können.
IV 486
Die Rationalisierung setzt paradoxerweise beides zugleich frei – die systemisch induzierte Verdinglichung und die utopische Perspektive, aus der der kapitalistischen Modernisierung stets der Makel angehaftet hat, dass sie die traditionalen Lebensformen auflöst, ohne deren kommunikative Substanz zu retten.

1.N. Luhmann, Zweckbegriff und Systemrationalität, Tübingen 1968.

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Rationalität Geach Black III 22
Rationalität/Geach/Black: These: Obwohl es vernünftig ist, nach Gründen zu fragen, ist es nicht immer vernünftig. - Bsp Es ist nicht vernünftig zu fragen, aus welchem Grund man jemals nach Gründen fragen sollte. - Konsequenz (Konsequentheit) führt zum Zirkel, dieser zur Selbstzerstörung der Rationalität.

Gea I
P.T. Geach
Logic Matters Oxford 1972

Black I
Max Black
"Meaning and Intention: An Examination of Grice’s Views", New Literary History 4, (1972-1973), pp. 257-279
In
Handlung, Kommunikation, Bedeutung, G. Meggle (Hg) Frankfurt/M 1979

Black II
M. Black
Sprache. Eine Einführung in die Linguistik München 1973

Black III
M. Black
The Prevalence of Humbug Ithaca/London 1983

Black IV
Max Black
"The Semantic Definition of Truth", Analysis 8 (1948) pp. 49-63
In
Truth and Meaning, Paul Horwich Aldershot 1994
Regeln Kripke Wright I 264 ff
Regelfolgen/Kripke/Wright: Wittgenstein: Das "skeptische Paradox": macht jede Möglichkeit zunichte, dass Regeln und Bedeutungen reale Einschränkungen umfassen. Am Ende bleibt der Versuch, sich mit der Charybdis über Wasser zu halten.
McDowellVsKripke: Es ist ein Irrtum, die Zerstörung der Skylla (Platonismus, göttlicher Standpunkt) als Kern der logischen Auseinandersetzung über Regeln zu verstehen. In Wirklichkeit handelt es sich bei der Zerstörung bloß um einen logischen Satz.
McDowell: Wittgensteins Anliegen war, zu zeigen, dass beide Hörner auf einer überhöhten Konzeption von Tatsache und Objektivität beruht.
Kripkes Wittgenstein/Wright: "Skeptisches Paradox": 1. Schritt: Debatte über irgendeine Scheinbehauptung. Bsp dass ich in der Vergangenheit mit "+" formal Addition gemeint habe. Dann muss ich das gegen einen Skeptiker verteidigen. Nun sollte man folgern, dass auch dann, wenn ich diesen Streit verlöre, keinerlei Schlussfolgerung über die Realität von Bedeutungen, Regeln usw. absehbar wäre. Also wäre die Epistemologie von Behauptungen über Bedeutung unter dem Druck der Skepsis um nichts verständlicher als die Epistemologie der Vergangenheit oder der materiellen Welt oder des Fremdpsychischen es immer noch ist.
Das wäre jedoch ein Irrtum! Bsp Bei dem Versuch zu rechtfertigen, dass ich in der Vergangenheit mit "+" Addition meinte, wird mir die vollkommene Wiedergabe aller Aspekte meines mentalen Lebens zugestanden. Alle relevanten Tatsachen müssten sich ja in meinem Verhalten und mentalen Leben zeigen, und daher für mich greifbar sein.
Wenn ich nun trotzdem verliere, zeigt sich damit, dass es keine solchen Tatsachen gibt.
Wright: In der Argumentation tritt keinerlei Überobjektivierung des Wesens der Regeln als Prämisse auf! Einzige Annahme: dass Tatsachen über meine früheren Bedeutungen in meinem Verhalten aufgetreten sein müssen.
Wright I 264 ff
WrightVsKripke: Das ist allerdings angreifbar. Es ist jedoch kein Irrtum der Sublimierung (auf eine höhere Ebene heben) der Regeln. Wenn irgendetwas ungeschützt ist gegen das skeptische Paradox, dann ist es ein humanisierter Platonismus nicht weniger als die überobjektivierte Version. Quietismus/Kripkes Wittgenstein/Wright: Kripkes Wittgenstein ist auf jeden Fall dem Quietismus verpflichtet, denn der Irrealismus (dass es keine Tatsachen bezüglich irgendwelcher Regeln gibt) muss sich zu einem umfassenden Irrealismus aufblasen.
Ein Irrealismus der Bedeutung muss also einen Irrealismus der Wahrheit nach sich ziehen.
Globaler Minimalismus/WrightVs: Das ist trügerische Vereinfachung! Richtig betrachtet, läuft der durch Kripkes skeptisches Paradox begründete Irrealismus darauf hinaus, dass der Diskurs über Regeln höchstens minimal wahrheitsfähig ist.
Wright I 264 ff
Kripkes Wittgenstein: Kein Verhalten lässt auf innere Regeln (in der Vergangenheit) über Addition schließen, daher gibt es auch keine Regeln über Bedeutung, auch nicht in der Gegenwart und daher auch nicht über Wahrheit!

Kripke I
S.A. Kripke
Name und Notwendigkeit Frankfurt 1981

Kripke II
Saul A. Kripke
"Speaker’s Reference and Semantic Reference", in: Midwest Studies in Philosophy 2 (1977) 255-276
In
Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993

Kripke III
Saul A. Kripke
Is there a problem with substitutional quantification?
In
Truth and Meaning, G. Evans/J McDowell Oxford 1976

Kripke IV
S. A. Kripke
Outline of a Theory of Truth (1975)
In
Recent Essays on Truth and the Liar Paradox, R. L. Martin (Hg) Oxford/NY 1984

WrightCr I
Crispin Wright
Wahrheit und Objektivität Frankfurt 2001

WrightCr II
Crispin Wright
"Language-Mastery and Sorites Paradox"
In
Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976

WrightGH I
Georg Henrik von Wright
Erklären und Verstehen Hamburg 2008
Reproduktion Habermas IV 209
Reproduktion/Habermas: die materielle Reproduktion vollzieht sich durch das Medium der Zwecktätigkeit, mit der die vergesellschafteten Individuen in die Welt intervenieren, um ihre Ziele zu verwirklichen. Weber: die Probleme, die der Handelnde in der jeweiligen Situation zu bewältigen hat, zerfallen in Probleme der „inneren“ und der „äußeren Not“.
Habermas: diesen Kategorien aus der Sicht des Handelnden entsprechen aus der Perspektive der Erhaltung der Lebenswelt die Vorgänge
IV 210
Der symbolischen und der materiellen Reproduktion.
IV 212
Kulturelle Reproduktion der Lebenswelt: stellt sicher, dass in der semantischen Dimension neu auftretende Situationen an die bestehenden Weltzustände angeschlossen werden: sie sichert die Kontinuität der Überlieferung und eine für die Alltagspraxis jeweils hinreichende Kohärenz des Wissens, Kontinuität und Kohärenz bemessen sich an der Rationalität des als gültig akzeptierten Wissens.
IV 213
Störungen der kulturellen Reproduktion manifestieren sich in einem Sinnverlust und führen zu Legitimations- und Orientierungskrisen. In solchen Fällen können die Handelnden ihren Verständigungsbedarf nicht mehr aus ihrem kulturellen Wissensvorrat decken.

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Ressourcentheorie Kognitionspsychologie Corr I 406
Ressourcentheorie/Kognitionspsychologie/Persönlichkeit/Matthews: Die Ressourcentheorie wurde zunächst auf die Persönlichkeitsforschung angewendet, um die schädlichen Auswirkungen der Angst vor Eigenschaften zu erklären. Frühe Forschungen (z.B. Spielberger 1966)(1) ergaben, dass die Zustandsangst die Informationsverarbeitung bei anspruchsvollen Aufgaben störte. Jedoch war die Theorie über die Art der Störung vage. Die größere Sensibilität der Leistung für Sorgen und nicht für ängstliche Emotionen und autonomes Arousal (Zeidner 1998)(2) förderte eine kognitive und nicht eine arousal-theoretische Perspektive. Irwin Sarasons (z.B. Sarason, Sarason und Pierce 1995)(3) einflussreiche Theorie der Prüfungsangst schlug vor, dass die Auswirkungen der Sorge durch Ablenkung von Ressourcen auf die "Off-Task"-Verarbeitung persönlicher Anliegen vermittelt werden. >Aufmerksamkeit, >Ressourcen, >Leistungsfähigkeit.
Corr I 407
VsRessourcentheorie/VsRevelle/VsHumphreys: Die Humphreys-Revelle (1984)(4) -Theorie sagt erfolgreich den Trend zur Extraversion voraus, die das Kurzzeitgedächtnis verbessert, aber die Aufmerksamkeit beeinträchtigt (abhängig von Erregung und Tageszeitfaktoren). Die Theorie besagt auch, dass die wichtigsten Vermittlungsfaktoren Ressourcenverfügbarkeit und Erregung sind, aber die Begründung dieser Vermittlungsmechanismen hat sich als schwieriger erwiesen. 1) Ein Problem ist, dass das Arousal wahrscheinlich mehrdimensional ist, wobei verschiedene Arousal-Dimensionen die Leistung auf unterschiedliche Weise beeinflussen. Obwohl Extraversion negativ mit einigen psychophysiologischen Erregungsindizes korrelieren kann (De Pascalis 2004)(5), neigt das Merkmal auch dazu, positiv mit subjektiver energetischer Erregung zu korrelieren.
2) a) Die Humphreys-Revelle (1984)(4) -Theorie ist kompatibel mit der überlegenen Leistung von Introvertierten bei Wachsamkeitsaufgaben ("Vigilenz-Aufgaben") (Koelega 1992)(6), aber es sollten zwei Schwierigkeiten hervorgehoben werden. Erstens erwarten wir, dass die introvertierte Überlegenheit besonders bei den anspruchsvollsten Wachsamkeitsaufgaben, die vermutlich eine maximale Ressourcenallokation erfordern (vgl. Warm, Matthews und Finomore 2008)(7), deutlich wird.
b) Tests zur Mediation haben nicht bestätigt, dass Extraversionsunterschiede eine Folge von Variationen in der Erregung sind, unabhängig davon, ob sie subjektiv gemessen werden (Matthews, Davies and Lees 1990)(8) oder ob sie das EEG verwenden (Matthews and Amelang 1993)(9). Extraversion und Erregung scheinen in diesen Studien oft separierbare Effekte zu haben. >Vs Revelle.
Corr I 408
3) Eine weitere Herausforderung für die Ressourcentheorie stellt das Studium der Dual-Task-Performance dar. Unter der Annahme, dass Dual-Task-Interferenzen eine Unzulänglichkeit der Aufmerksamkeitsressourcen widerspiegeln, sollten Extravertierte anfälliger für Störungen sein (vorbehaltlich der üblichen Einschränkungen bezüglich Tageszeit und Arousal). Tatsächlich neigen Extravertierte im Allgemeinen dazu, Introvertierte in Dual-Task-Leistungsstudien zu übertreffen (Matthews, Deary and Whiteman 2003)(10), aber Studien zeigen auch, dass die Wirkung von einer sorgfältigen Kontrolle der Aufgabenreize abhängt (z.B. Szymura und Necka 1998)(11).


1. Spielberger, C. D. 1966. The effects of anxiety on complex learning and academic achievement, in C. D. Spielberger (ed.), Anxiety and behaviour, pp. 3–20. London: Academic Press
2. Zeidner, M. 1998. Test anxiety: the state of the art. New York: Plenum
3. Sarason, I. G., Sarason, B. R. and Pierce, G. R. 1995. Cognitive interference: at the intelligence-personality crossroads, in D. H. Saklofske and M. Zeidner (eds.), International handbook of personality and intelligence, pp. 285–319. New York: Plenum
4. Humphreys, M. S. and Revelle, W. 1984. Personality, motivation and performance: a theory of the relationship between individual differences and information processing, Psychological Review 91: 153–84
5. De Pascalis, V. 2004. On the psychophysiology of Extraversion, in R. Stelmack (ed.), On the psychobiology of personality: essays in honor of Marvin Zuckerman, pp. 295–327. Amsterdam: Elsevier Science
6. Koelega, H. S. 1992. Extraversion and vigilance performance: 30 years of inconsistencies, Psychological Bulletin 112: 239–58
7. Warm, J. S., Matthews, G. and Finomore, V. S. 2008. Workload and stress in sustained attention, in P. A. Hancock and J. L. Szalma (eds.), Performance under stress, pp. 115–41. Aldershot: Ashgate Publishing
8. Matthews, G., Davies, D. R. and Lees, J. L. 1990. Arousal, Extraversion, and individual differences in resource availability, Journal of Personality and Social Psychology 59: 150–68
9. Matthews, G. and Amelang, M. 1993. Extraversion, arousal theory and performance: a study of individual differences in the EEG, Personality and Individual Differences 14: 347–64
10. Matthews, G., Deary, I. J. and Whiteman, M. C. 2003. Personality traits, 2nd edn. Cambridge University Press
11. Szymura, B. and Necka, E. 1998. Visual selective attention and personality: an experimental verification of three models of Extraversion, Personality and Individual Differences 24: 713–29



Gerald Matthews, „ Personality and performance: cognitive processes and models“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Ressourcentheorie Matthews Corr I 406
Ressourcentheorie/Persönlichkeit/Kognitionspsychologie/Matthews: Die Ressourcentheorie wurde zunächst auf die Persönlichkeitsforschung angewendet, um die schädlichen Auswirkungen der Eigenschaften-Angst zu erklären. Frühe Forschungen (z.B. Spielberger 1966)(1) ergaben, dass die staatliche Angst die Informationsverarbeitung bei anspruchsvollen Aufgaben störte, aber die Theorie über die Art der Störung war vage. Die größere Sensibilität der Leistung für Sorgen und nicht für ängstliche Emotionen und autonome Erregung (Zeidner 1998)(2) förderte eine kognitive und nicht eine arousal-theoretische Perspektive. Irwin Sarasons (z.B. Sarason, Sarason und Pierce 1995)(3) einflussreiche Theorie der Prüfungsangst schlug vor, dass die Auswirkungen der Sorge durch Ablenkung von Ressourcen auf die "Off-Task"-Verarbeitung persönlicher Anliegen vermittelt werden. >Aufmerksamkeit, >Ressourcen, >Leistungsfähgkeit.

1. Spielberger, C. D. 1966. The effects of anxiety on complex learning and academic achievement, in C. D. Spielberger (ed.), Anxiety and behaviour, pp. 3–20. London: Academic Press
2. Zeidner, M. 1998. Test anxiety: the state of the art. New York: Plenum
3. Sarason, I. G., Sarason, B. R. and Pierce, G. R. 1995. Cognitive interference: at the intelligence-personality crossroads, in D. H. Saklofske and M. Zeidner (eds.), International handbook of personality and intelligence, pp. 285–319. New York: Plenum


Gerald Matthews, „ Personality and performance: cognitive processes and models“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Schrift Ricoeur II 25
Sprechen/Schrift/Ricoeur: (...) der Übergang vom Sprechen zum Schreiben hat seine Bedingungen in der Theorie des >Diskurses (...), insbesondere in der Dialektik von Ereignis und Bedeutung (...) >Diskurs/Ricoeur, >Dialog/Ricoeur. Schrift/Platon/Ricoeur: [Platon kritisierte] das Schreiben als eine Art von Entfremdung (...).
Schreiben/Plato/Ricoeur: Was in der Schrift geschieht, ist die vollständige Manifestation von etwas, das sich in einem virtuellen Zustand befindet, etwas im Entstehen begriffenen und unausgesprochenen, in der lebendigen Sprache, nämlich die Loslösung von der Bedeutung
von dem Ereignis. Aber diese Loslösung ist nicht geeignet, die grundlegende Struktur des Diskurses aufzuheben (...).
Die semantische Autonomie des nun erscheinenden Textes wird nach wie vor von der Dialektik von Ereignis und Bedeutung bestimmt. Außerdem kann man sagen, dass diese Dialektik durch das Schreiben offensichtlich und explizit gemacht wird.
II 26
Schrift/Derrida: Zu behaupten - wie Jacques Derrida(1) - dass das Schreiben eine andere Wurzel hat als die Sprache und dass diese Grundlage missverstanden wurde, weil wir übermäßig viel Aufmerksamkeit auf die Rede, ihre Stimme und ihr Logos legen. [Deshalb hat man], in der dialektischen Konstitution des Diskurses die Grundlage beider Modi der Aktualisierung des Diskurses übersehen.
RicoeurVsDerrida: Ich schlage stattdessen vor, dass wir von dem Schema der Kommunikation ausgehen, das Roman Jakobson in seinem berühmten Werk "Linguistik und Poetik"(2) beschrieben hat.
Jakobson: Zu den sechs wichtigsten "Faktoren" des kommunikativen Diskurses - Sprecher, Zuhörer, Medium oder
Kanal, Code, Situation und Botschaft - bezieht er sich auf sechs korrelative "Funktionen": die emotionalen, konativen, phatischen, metasprachlichen, referentiellen und poetischen Funktionen.
Ricoeur: Wenn wir von diesem Schema ausgehen, können wir untersuchen, welche Veränderungen, Transformationen oder Deformationen das Zusammenspiel von Fakten und Funktionen beeinflussen, wenn der Diskurs schriftlich festgehalten wird. >Medien/Ricoeur.
II 28
(...) erschöpft die Problematik der Fixierung und Beschriftung das Problem des Schreibens? Mit anderen Worten, ist Schreiben nur eine Frage des Medienwechsels, bei dem die menschliche Stimme, das Gesicht und die Geste durch andere materielle Zeichen als den eigenen Körper des Sprechers ersetzt werden? Wenn wir die Bandbreite der sozialen und politischen Veränderungen betrachten, die mit der Erfindung des Schreibens verbunden sein können, können wir vermuten, dass das Schreiben viel mehr ist als bloße materielle Fixierung. [Die] politische Implikation des Schreibens ist nur eine seiner Folgen. Auf die Festlegung von Regeln für die Abrechnung kann man die Geburt der Marktbeziehungen, also die Geburt der Ökonomie, zurückführen. Auf die Konstituierung von Archiven, Geschichte. Auf die Fixierung des Rechts als Maßstab für Entscheidungen, unabhängig von der Meinung des konkreten Richters, die Geburt der Rechts- und Gerichtsgesetze usw. Ein solch immenses Wirkungsspektrum legt den Schluss nahe, dass der menschliche Diskurs nicht nur durch seine schriftliche Fixierung vor der Zerstörung bewahrt wird, sondern dass er in seiner kommunikativen Funktion zutiefst betroffen ist.
Literatur/Ricoeur: Wenn das menschliche Denken ohne das Zwischenstadium der gesprochenen Sprache direkt zum Schreiben gebracht wird, nimmt die Schrift den Platz des Sprechens ein. Es entsteht eine Art Abkürzung zwischen der Bedeutung des Diskurses und dem materiellen Medium.
II 29
Das Ausmaß dieser Substitution lässt sich am besten messen, wenn man die Bandbreite der Veränderungen betrachtet, die bei den anderen Komponenten des Kommunikationsprozesses auftreten. Die Beziehung Schreiben-Lesen ist nicht mehr ein Sonderfall der Beziehung Sprechen-Hören. Beim schriftlichen Diskurs (...). fallen die Absicht des Autors und der Sinn des Textes nicht mehr zusammen. Diese Distanzierung von der verbalen Bedeutung des Textes und der mentalen Intention des Autors verleiht dem Begriff der Inschrift seine entscheidende Bedeutung, die über die bloße Fixierung des bisherigen mündlichen Diskurses hinausgeht.
II 30
Meinen/Intention: Was der Text bedeutet, ist jetzt wichtiger als das, was der Autor gemeint hat, als er ihn geschrieben hat. >Intentionaler Fehlschluss/Wimsatt, >Literatur/Ricoeur.

1. Jacques Derrida, La voix et le phénoméne (Paris: Presses Universitaires de France, 1967); L'écriture et la différence (Paris: Seuil, 1967); De la grammatologie (Paris: Les Editions de
Minuit, 1967); „La Mythologie blanche," Rhétorique et philosophie, Poétique, 5 (1955); reprinted in Marges de la philosophie (Paris: Les Editions de Minuit, 1972), pp. 247-324.
2. R. Jakobson, „Linguistics and Poetics“. In: T. A. Sebeok (ed.), Style in Language (Cambridge: Massachusetts Institute of Technology Press, 1960), pp. 350-377.

Ricoeur I
Paul Ricoeur
Die Interpretation. Ein Versuch über Freud Frankfurt/M. 1999

Ricoeur II
Paul Ricoeur
Interpretation theory: discourse and the surplus of meaning Fort Worth 1976
Schriftspracherwerb Pädagogische Psychologie Slater I 136
Schriftspracherwerb/Lese-Rechtschreibstörung/Pädagogische Psychologie: Im Bereich der Bildung wird derzeit darüber diskutiert, inwieweit Reime und Alliterationen in den Lehrplan für frühes Lesen aufgenommen werden sollten (z.B. Johnston & Watson, 2004)(1). Dies geht auf Bradley und Bryants (1983)(2) Studie zurück. >Schriftspracherwerb/Bradley/Bryant. Es geht darum, wie man mündliche Sprachkenntnisse am besten mit Lese- und Rechtschreibunterricht verknüpfen kann (z.B. Wyse & Goswami, 2008)(3), sowie über mögliche Unterschiede in den Fähigkeiten beim Schuleintritt in Reim und Alliteration (z.B. Raz & Bryant, 2000)(4) und darüber, wie man optimale häusliche Alphabetisierungsumgebungen fördert, bevor ein Kind überhaupt die Schule betritt (z.B. Whitehurst et al., 1994)(5).
Slater I 139
VsBryant/VsBradley: Selbst für sehr konsistente Orthographien wie die deutsche bringt die Konzentration auf das Training von Buchstaben-Klang-Beziehungen nicht den gleichen Nutzen wie ein mündliches Sprachtraining, das mit Buchstaben kombiniert wird (z.B. Schneider et al., 1997)(6).


1. Johnston, R., & Watson, J. (2004). Accelerating the development of reading, spelling and phonemic awareness skills in initial readers. Reading and Writing: An Interdisciplinary Journal, 17, 327–357.
2. Bradley, L., & Bryant, P. E. (1983). Categorising sounds and learning to read: A causal connection. Nature, 310, 419–421.
3. Wyse, D., & Goswami, U. (2008). Synthetic phonics and the teaching of reading. British Journal of Educational Research, 34, 691–710.
4. Raz, I. S., & Bryant, P. (1990). Social background, phonological awareness and children’s reading. British Journal of Developmental Psychology, 8, 209–225.
5. Whitehurst, G. J., Arnold, D. S., Epstein, J. N., Angell, A. L., Smith, M., & Fischel, J. E. (1994). A picture book reading intervention in day care and home for children from low-income families. Developmental Psychology, 30, 679–689.
6. Schneider, W., Kuespert, P., Roth, E., Vise, M., & Marx, H. (1997). Short- and long-term effects of training phonological awareness in kindergarten: Evidence from two German studies. Journal of Experimental Child Psychology, 66, 311–340.


Usha Goswami, „Reading and Spelling.Revisiting Bradley and Bryant’s Study“ in: Alan M. Slater & Paul C. Quinn (eds.) 2012. Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications

Slater I
Alan M. Slater
Paul C. Quinn
Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2012
Schwachstellenbewertung Ökologische Theorien Norgaard I 208
Schwachstellenbewertung/Kriterien/Ökologische Theorien: Die vorangegangene Übersicht schlägt fünf spezifische Kriterien vor, die Assessments erfüllen sollten, um die verschiedenen Kritiken der bisherigen Wissenschaft zu beantworten (Schröter et al. 2005b)(1). Erstens, sollte die Wissensbasis
Norgaard I 209
die für die Analyse herangezogen wird, vielfältig und flexibel sein. Dieses Kriterium geht über die Standardforderung nach interdisziplinärer wissenschaftlicher Forschung hinaus. Schwachstellenforscher sollten auch mit Interessenvertretern zusammenarbeiten, um deren Perspektiven und Anliegen zu erfahren. Dieses Gebot kann eine ernsthafte Auseinandersetzung mit indigenem oder lokalem Wissen erfordern - trotz der Schwierigkeiten, solche Informationen in einem klassischen wissenschaftlichen Rahmen zu prüfen. Dieser Ansatz argumentiert außerdem, dass es wertvoll sein kann, sich bei der Entwicklung des Forschungsdesigns mit den Interessenvertretern als gleichberechtigte Partner auseinanderzusetzen (Cash et al. 2003)(2). Zweitens ist die Skala, auf der das gekoppelte Mensch-Umwelt-System untersucht wird, in der Regel "ortsbezogen", was bedeutet, dass Schwachstellen auf lokaler Ebene im Kontext von Prozessen und Ergebnissen auf anderen Skalen untersucht werden. Die meisten GCVAs [Global Change Vulnerability Assessments] untersuchen die Folgen von großskaligen Prozessen (z.B. Klimawandel) auf kleineren Skalen und sind daher per Definition multiskalig angelegt. Dennoch haben nur wenige GCVAs explizit die Rolle von Prozessen auf mehreren Skalen gleichzeitig untersucht und sich stattdessen typischerweise auf Prozesse und Ergebnisse auf der lokalen Skala konzentriert.
Drittens wird davon ausgegangen, dass die potenziellen Treiber der Schwachstellen möglicherweise vielfältig sind und sich gegenseitig beeinflussen. Es wäre ein Fehler anzunehmen, dass die Folgen der Klimavariabilität und des Klimawandels notwendigerweise die einzigen Probleme sind, die für eine bestimmte Bevölkerung oder ein Mensch-Umwelt-System von Bedeutung sind. In der Tat können Interessenvertreter alltägliche Angelegenheiten, die mit Armut, Krieg oder Gesundheit zusammenhängen, gleichrangig mit oder vor den Klimafragen sehen. O'Brien et al. (2004a)(3) formalisieren diese Idee mit dem Konzept der "Doppelbelastung" (siehe Leichenko und O'Brien (2008)(4) für eine erweiterte Diskussion) und wenden es auf den Fall des Klimawandels und der Handelsliberalisierungspolitik in der indischen Landwirtschaft an. Viertens ist das Verständnis der Anpassungsfähigkeit ein grundlegender Bestandteil des Verständnisses von Schwachstellen. Die Anpassungsfähigkeit wird als Dimension der Schwachstellen einbezogen, um eine Trennung von Mensch-Umwelt-Systemen zu ermöglichen, die einem externen Stress oder einer Störung ausgesetzt und empfindlich sind, sich aber nicht von solchen Systemen erfolgreich umstrukturieren oder erholen können, die
Norgaard I 210
auf die Auswirkungen in einer Weise reagieren, die plausible Hoffnung gibt, eine Wiederholung einer zukünftigen Katastrophe zu vermeiden. Dies geschieht indem Expositionen begrenzt, Empfindlichkeiten reduziert und/oder Reaktionsmöglichkeiten und Anpassungsfähigkeiten gestärkt werden. Die Schwachstellenbewertung hat jedoch gezeigt, dass die Anpassungsfähigkeit innerhalb eines Mensch-Umwelt-Systems variieren kann, abhängig von demografischen, sozialen, wirtschaftlichen oder anderen Faktoren. Die Dimension wird als Anpassungskapazität und nicht als "Anpassungen" bezeichnet, weil die Anpassungsoptionen einiger Personen oder Gruppen durch unzureichende Ressourcen (einschließlich Informationen) oder politisch-institutionelle Barrieren eingeschränkt sein können. Darüber hinaus ist es für Forscher in einigen Fällen schwierig zu wissen, ob eine bestimmte Anpassung gut oder schlecht ist; die Fokussierung auf Kapazität und Kapazitätsaufbau umrahmt das Thema in Bezug auf Entscheidungsprozesse und nicht auf Ergebnisse. Fünftens sollte ein Verständnis historischer Schwachstellen mit Szenarien zukünftiger sozialer und ökologischer Bedingungen verknüpft werden. Das Hauptziel von GCVAs ist es, "die Entscheidungsfindung bestimmter Interessengruppen über Optionen zur Anpassung an die Auswirkungen des globalen Wandels zu informieren" (Schröter et al. 2005b: 575)(1). Daher ist ein Versuch der Extrapolation vergangener Schwachstellen oder der Projektion neuer Schwachstellen in Verbindung mit neuen Trends, die in der Vergangenheit nicht beobachtet wurden, notwendig.



1. Schröter, D., Polsky, C. and Patt, A. 2005b. Assessing vulnerabilities to the effects of global change: An eight step approach. Mitigation and Adaptation Strategies for Global Change 10(4): 573–95.
2. Cash, D. W., Clark, W. C., Alcock, F., Dickson, N. M., Eckley, N., Guston, D. H., Jäger, J., and Mitchell, R. B. 2003. Knowledge systems for sustainable development. Proceedings, National Academy of Sciences 100(14): 8086–91.
3. O’Brian, K., Sygna, L., and Haugen, J. E. 2004b. Vulnerable or resilient? A multi‐scale assessment of climate impacts and vulnerability in Norway. Climatic Change 64: 193–225.
4. Leichenko, R., and O'Brien, K. 2008. Environmental Change and Globalization: Double Exposures. Oxford: Oxford University Press.



Polsky, Collin and Hallie Eakin: “Global Change Vulnerability Assessments: Definitions, Challenges, and Opportunities”, In: John S. Dryzek, Richard B. Norgaard, David Schlosberg (Hrsg.) (2011): The Oxford Handbook of Climate Change and Society. Oxford: Oxford University Press.

Norgaard I
Richard Norgaard
John S. Dryzek
The Oxford Handbook of Climate Change and Society Oxford 2011
Sehen Hacking I 309 ff
Sehen/Mikroskop/Hacking: Wir sehen Beugung statt Brechung, daher ist dies kein "echtes Sehen". Die Auflösung in zwei getrennte Bilder, macht aus ihnen keine echten dioptrischen Bilder!
I 314
Dagegen: Das Benutzen des Teleskops ist echtes Sehen.
I 317
Mikroskop: Beim Mikroskop gibt es eine stärkere Wechselwirkung (Einfärben usw.).
I 318
Dennoch braucht man keine Theorie, um ein Mikroskop zu benutzen, nur um es zu bauen.
I 334
Dennoch brauchen wir Biochemie, um unseren Mikroskopgebrauch zu nutzen.
I 346
Wir sprechen nicht von "Sehen" im Fall des Mikroskops: Dennoch ist das keine petitio principii: Wir sind überzeugt, dass die Strukturen vorhanden sind.
I 437
Die Beseitigung von Störungen ist keine Verbesserung der Theorie.
I 324
Sehen/Theorie/Erklärung/Hacking: Was man sieht, wird am besten durch die Fourier-Analyse erklärt. Aber man braucht die Erklärung nicht, um zu sehen.

Hacking I
I. Hacking
Einführung in die Philosophie der Naturwissenschaften Stuttgart 1996
Sein Jonas Brocker I 614
Sein/Jonas: »Daß es dem Sein um etwas geht, also mindestens sich selbst, ist das erste, was wir aus der Anwesenheit von Zwecken in ihm über es lernen können« (1). Dass »die Natur Werte hegt, da sie Zwecke hegt« (2), zeige, so Jonas, dass es keine Wertneutralität der Natur gebe. »Zweckhaftigkeit« sei ein »Gut-an-sich« (3), Leben an sich wertvoll. (JonasVsEvolutionstheorie). Evolutionsbiologie/Brocker: würde erwidern, dass das Leben nur eine Möglichkeit der Natur sei, die der Zufall verwirklicht hat.
Pointe: Die Pflicht der Menschheit, die totale Zerstörung ihrer selbst
Brocker I 615
und allen Lebens zu vermeiden, lässt sich nach Jonas also direkt aus der Natur ablesen. Siehe Ökologischer Imperativ/Jonas, Ethik/Jonas, Teleologie/Jonas, Werte/Jonas.

1. Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation, Frankfurt/M. 1979, S. 156
2. Ebenda S. 150
3. Ebenda S. 1554
Manfred Brocker, „Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Jonas I
Hans Jonas
Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation Frankfurt 1979

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Selektive Aufmerksamkeit Kognitionspsychologie Corr I 409
Selektive Aufmerksamkeit/Kognitionspsychologie/Matthews: Selektive Aufmerksamkeit bezieht sich auf die Konzentration der Aufmerksamkeit auf eine von mehreren Reizquellen. Persönlichkeit kann die Effizienz der selektiven Aufmerksamkeit beeinflussen. Furnham und Strbac (2002)(1) fanden heraus, dass Extravierte bei einer Reihe von Aufgaben widerstandsfähiger gegen Hintergrundgeräusche waren als Introvertierte. Extravertierte können es in der Tat vorziehen, mit Musik oder anderen Geräuschen im Hintergrund zu lernen. Angst und Neurotizismus sind auch häufig mit selektiven Aufmerksamkeitsdefiziten verbunden, ein Ergebnis, das eine allgemeinere Aufmerksamkeitsstörung im Zusammenhang mit diesen Eigenschaften widerspiegeln kann. Newton, Slade, Butler und Murphy (1992)(2) fanden heraus, dass sowohl Extraversion als auch niedriger Neurotizismus mit einer schnelleren visuellen Suche verbunden waren, wenn die Probanden ein einziges Buchstabenmuster in einer zufälligen Darstellung von Buchstaben finden mussten. Schizophrenie: Schwierigkeiten bei der Hemmung anomaler Gedanken und Bilder können zu den "positiven Symptomen" der Schizophrenie einschließlich Halluzinationen und Wahnvorstellungen beitragen (Lubow und Gewirtz 1995)(3). Schizotypische Individuen können in der Hemmung irrelevanter Reize unzureichend sein. Studien mit Aufmerksamkeitsaufgaben, die Messungen der latenten Hemmung ermöglichen, haben diese Hypothese bestätigt (z.B. Tsakanikos 2004)(4).
Angst: Eine Vielzahl von Paradigmen wurden verwendet, um zu zeigen, dass Angst mit der bevorzugten Auswahl von Bedrohungsreizen zusammenhängt (siehe Bar-Haim, Lamy, Pergamin et al. 2007(5); Williams, Watts, MacLeod und Mathews 1997(6) für Rezensionen).
Corr I 410
Unbewusste Ausrichtung: Ist die Ausrichtung unbewusst oder spiegelt sie eine freiwillige Strategie der aktiven Suche nach potenziellen Bedrohungen wider? (Siehe Matthews and Wells 2000(7)). Es ist plausibel, dass beide Arten von Prozessen beteiligt sein können. Mathews und Mackintosh (1998)(8) schlugen einen dualen Prozessansatz vor, bei dem die Verzerrung zunächst durch ein automatisches Bedrohungsbewertungssystem erzeugt wird, aber durch freiwillige Anstrengungen kompensiert werden kann.


1. Furnham, A. and Strbac, L. 2002. Music is as distracting as noise: the differential distraction of background music and noise on the cognitive test performance of introverts and extraverts, Ergonomics 45: 203–17
2. Newton, T., Slade, P., Butler, N. M. and Murphy, P. 1992. Personality and performance on a simple visual search task, Personality and Individual Differences 13: 381–2
3. Lubow, R. E. and Gewirtz, C. 1995. Latent inhibition in humans: data, theory, and implications for schizophrenia, Psychological Bulletin 117: 87–103
4. Tsakanikos, E. 2004. Latent inhibition, visual pop-out and schizotypy: is disruption of latent inhibition due to enhanced stimulus salience?, Personality and Individual Differences 37: 1347–58
5. Bar-Haim, Y., Lamy, D., Pergamin, L., Bakermans-Kranenburg, M. J. and van IJzendoorn, M. H. 2007. Threat-related attentional bias in anxious and nonanxious individuals: a meta-analytic study, Psychological Bulletin 133: 1–24
6. Williams, J. M. G., Watts, F. N., MacLeod, C. and Mathews, A. 1997. Cognitive psychology and emotional disorders, 2nd edn. Chichester: Wiley
7. Matthews, G. and Wells, A. 2000. Attention, automaticity and affective disorder, Behaviour Modification 24: 69–93
8. Mathews, A. and Mackintosh, B. 1998. A cognitive model of selective processing in anxiety, Cognitive Therapy and Research 22: 539–60


Gerald Matthews, „ Personality and performance: cognitive processes and models“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Simulation Genz II 273
Simulation/Computer/Fehler/Rundung/Annäherung/Störung/Genz: Rundungsfehler bei einer Simulation wirken sich genauso aus wie Störungen auf reale Abläufe. Rundungsfehler simulieren Störungen.
II 328
Simulation/Naturgesetze/Genz: Es ist durchaus möglich eine Simulation zu erstellen, die als Simulation den Naturgesetzen gehorcht, aber eine Welt zeigt, die ihrerseits ganz anderen Gesetzen gehorcht.

Gz I
H. Genz
Gedankenexperimente Weinheim 1999

Gz II
Henning Genz
Wie die Naturgesetze Wirklichkeit schaffen. Über Physik und Realität München 2002
Skeptizismus Clarke Stroud I 101
Traum/Skeptizismus/Thompson Clarke/Stroud: Bsp ein Physiologie doziert, dass Menschen mit bestimmten Störungen nicht wissen, ob sie wach sind - Pointe: damit hat er kein philosophisches Problem beantwortet. - Dann mißbraucht er auch nicht das Wort "Wissen". - Und genau so gebrauchen wir das Wort.
Stroud I 264
Skeptizismus/Stroud: Lösung/Thompson Clarke: zwei Gebrauchsweisen der Wörter (> "Repräsentativität") - These skeptische Zweifel sind mehrdeutig - a) "alltäglich" - b) "philosophisch". - Bsp Schlafforscher: gebraucht "Traum" alltäglich. - Echte Möglichkeiten: müssen alltäglich verstanden werden - philosophisch: hier müsste das Wissen, das als beim Aufwachen erworben vorgestellt wird, unverletzlich sein. - D.h. das philosophische Problem ist, dass ich nie sagen kann, ob ich aufgewacht bin.
I 267
Pointe/Clarke: These: Wenn ich aber niemals "philosophisch" erfahren kann, ob ich träume, dann besteht die Traum-Möglichkeit gar nicht: ich müsste mir etwas vorstellen, das ich mir gar nicht vorstellen kann. - ((s) Hier wird immer die Möglichkeit aufzuwachen vorausgesetzt).
Stroud I 267
Traum/ClarkeVsSkeptizismus: dieser negiert das Wissen, das er voraussetzt - echte Möglichkeit: besteht nur, wenn das Wissen nicht in Frage gestellt wird - Verallgemeinerung/Clarke/Stroud: daraus folgt, dass ich nicht all mein Wissen in Frage stellen kann. Hier kann ein möglicher Erfolg im Einzelfall nicht verallgemeinert werden. - Das wäre nur möglich, wenn es möglich wäre, das Wissen zu haben, das in dieser Möglichkeit vorkommt. - Daher kann ich nicht all mein Wissen in Frage stellen. - ((s) Hier werden keine Gegenstände angezweifelt, sondern Tatsachen oder Aussagen.)
Stroud I 269
Skeptizismus/Lösung/Clarke: würde falsifiziert: a) wenn jemand aufwacht - b) wenn jemand von außerhalb auf die Erde käme. - Fazit: kein S folgt aus der Traum-Möglichkeit, selbst wenn sie in der alltäglichen Wissbarkeit der Außenwelt involviert ist - Stroud: Frage: setzt die Traum-Möglichkeit Wissen voraus? - Ich habe gezeigt, wie kompliziert das ist - Clarke: das berührt die Frage der Objektivität: Es muss jemand anders feststellen, dass ich träume. - ((s) Wenn niemals jemand wach war, hat das Wort eine andere Bedeutung - Wenn alle träumen, können sie aber nicht "im selben Boot" sein! - Sie können nicht als Träumende im selben Traum sein - ((s) Die Bedeutung von Traum ist, dass ich nicht den Inhalt deines Traums festlegen kann) - es ist sinnlos zu fragen, ob der Dämon oder Gott nicht selbst träumt.)

Stroud I
B. Stroud
The Significance of philosophical scepticism Oxford 1984
Soziale Bewegungen Habermas Gaus I 271
Soziale Bewegungen/Habermas/West(...): die Expansion staatlicher und kapitalistischer Systeme organisiert das menschliche Leben zunehmend nach der instrumentellen Logik von Geld und Macht, überwältigt jede Möglichkeit eines kommunikativ erreichten Konsenses und reduziert die Lebenswelt auf eine leblose Hülle. Neue soziale Bewegungen [NSMs] werden in diesen Begriffen als ein embryonaler Gegenangriff der Lebenswelt gegen die kolonisierende Kraft der instrumentell rationalisierten Systeme verstanden (Habermas, 1981(1); 1987(2): 391—6). Lebenswelt: Die neuen Konflikte verlagern sich von den Wirtschafts- und Staatssystemen in die Lebenswelt oder genauer gesagt in die "Nahtstelle" zwischen System und Lebenswelt: "Die neuen Konflikte entstehen in Bereichen der kulturellen Reproduktion, der sozialen Integration und der Sozialisation und die neuen Konflikte werden nicht durch Verteilungsprobleme ausgelöst, sondern betreffen die Grammatik der Lebensformen". Die NSM reagieren auf die Störung und "Kolonisierung" der Lebenswelt entweder "defensiv" oder "offensiv", je nachdem, ob es darum geht, "wie gefährdete Lebensformen verteidigt oder wiederhergestellt werden können oder wie reformierte Lebensformen in die Praxis umgesetzt werden können" (1981(1): 32).
Feminismus: Die Frauenbewegung ist jedoch "die einzige Bewegung, die in der Tradition der bürgerlich-sozialistischen Befreiungsbewegungen steht. Der Kampf gegen patriarchalische Unterdrückung und für die Verwirklichung eines Versprechens, das tief in den anerkannt universalistischen Grundlagen von Moral und Legalität verwurzelt ist, verleiht dem Feminismus den Impuls einer offensiven Bewegung, während alle anderen Bewegungen eher defensiven Charakter haben. (1981(1):34)
Umwelt/Frieden: Umwelt- und Friedensbewegungen - übliche Paradigmen neuer sozialer Bewegungen - stellen eine "defensivere" Reaktion dar, wenn auch eine, "die bereits auf der Basis einer rationalisierten Lebenswelt operiert und neue Formen der Kooperation und Gemeinschaft erprobt" (1981(1): 35). Vgl. >Postindustrielle Gesellschaft/Touraine.


1. Habermas, Jürgen (1981) 'New social movements'. Telos, 49: 33_7.
2. Habermas, Jürgen (1987) The Theory of Communicative Action. Vol. Il, Lifeworld and System: A Critique of Functionalist Reason, trans. T. McCarthy. Cambridge: Polity.


West, David 2004. „New Social Movements“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Soziale Kompetenz Entwicklungspsychologie Corr I 181
Soziale Kompetenzen/Sozialkompetenz/Entwicklungspsychologie/Rothbart: Frühe Formen dessen, was später Extraversion oder Begeisterungsfähigkeit genannt wird, sind im Lächeln und Lachen und in der schnellen Annäherung von Säuglingen um die sechs Monate an ein neuartiges Objekt vorhanden. Messungen von Annäherungstendenzen und Lächeln und Lachen in diesem frühen Alter prognostizieren die extravertierten Tendenzen von Kindern im Alter von sieben Jahren (Rothbart, Derryberry und Hershey 2000)(1). Während der frühen Entwicklung scheinen Kinder, die mehr extravertiert sind, auch mehr Wut und Frustration auszudrücken und anfälliger für Externalisierungsstörungen zu sein (Rothbart and Bates 2006(2); Rothbart and Posner 2006)(3). Lengua, Wolchik, Sandler und West (2000)(4) fanden heraus, dass niedrige Positivität und hohe Impulsivität bei Kindern sowie hohe Ablehnung und Inkonsistenz bei der Erziehung Verhaltensprobleme voraussagten. Kinder, die geselliger sind, können Wärme und Reaktionsfähigkeit von Erwachsenen anziehen und sie so vor den Auswirkungen schlechter Erziehung schützen (Werner 1985). Bessere soziale Fähigkeiten wurden auch bei Kindern entdeckt, deren Temperament den Erwartungen und Wünschen der Eltern entsprach, die hartnäckiger waren und deren Eltern mehr Wärme zeigten (Paterson und Sanson 1999)(5). Wenn Säuglinge vier Monate alt sind, prognostizieren ihre Belastungen und die Bewegung des Körpers in einer laborpräsentierten Stimulation eine spätere Angst und Verhaltenshemmung. Siehe >Angst/Entwicklungspsychologie.

1. Rothbart, M. K., Derryberry, D. and Hershey, K. 2000. Stability of temperament in childhood: laboratory infant assessment to parent report at seven years, in V. J. Molfese and D. L. Molfese (eds.), Temperament and personality development across the life span, pp. 85–119. Hillsdale, NJ: Erlbaum
2. Rothbart, M. K., and Bates, J. E. 2006. Temperament in children’s development, in W. Damon and R. Lerner (Series eds.) and N. Eisenberg (Vol. ed.), Handbook of child psychology, vol. III, Social, emotional, and personality development, 6th edn, pp. 99–166. Hoboken, NJ: Wiley
3. Rothbart, M. K. and Posner, M. I. 2006. Temperament, attention, and developmental psychopathology, in D. Cicchetti and D. Cohen eds., Developmental psychopathology, vol. II, Developmental neuroscience, 2nd edn, pp. 465–501. Hoboken, NJ: Wiley
4. Lengua, L. J., Wolchik, S. A., Sandler, I. N. and West, S. G. 2000. The additive and interactive effects of parenting and temperament in predicting adjustment problems of children of divorce, Journal of Clinical Child Psychology 29: 232–44
5. Paterson, G. and Sanson, A. 1999. The association of behavioural adjustment to temperament, parenting and family characteristics among 5-year-old children, Social Development 8: 293–309


Mary K. Rothbart, Brad E. Sheese and Elisabeth D. Conradt, “Childhood temperament” in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Spekulative Philosophie Hegel Gadamer I 470
Spekulation/Hegel/Gadamer: Hegel hat das spekulative Verhältnis des Denkens in seiner meisterhaften Analyse der Logik des philosophischen Satzes beschrieben.(1) Er zeigt, dass der philosophische Satz nur seiner äußeren Form nach ein Urteil ist, d. h. einem Subjektbegriff ein Prädikat beilegt. (>Spekulation/Gadamer: Spekulation statt Prädikation.)
In Wahrheit geht der philosophische Satz nicht von dem Subjektbegriff zu einem anderen Begriff über, der zu ihm in Beziehung gesetzt wird, sondern er spricht in der Form des Prädikats die Wahrheit des Subjekts aus.
Bsp „Gott ist Einer“ meint nicht, dass es eine Eigenschaft Gottes ist, Einer zu sein, sondern dass es das Wesen Gottes ist, die Einheit zu sein. ((s) Vgl. >Zahlen/Frege).
Hegel/Gadamer: Die Bewegung des Bestimmens ist hier nicht an die feste Basis des Subjekts geknüpft, »an der sie hin und wider läuft«. Das Subjekt wird nicht bestimmt als dies und auch als das, in einer Hinsicht so und in anderer Hinsicht anders. Das wäre die Weise des vorstellenden
Denkens, nicht die des Begriffes.
Begreifendes Denken/Hegel: im begreifenden Denken wird vielmehr das natürliche Ausgreifen des Bestimmens über das Subjekt des Satzes hinaus gehemmt und »erleidet, es so vorzustellen, einen Gegenstoß. Vom Subjekte anfangend, als ob dieses zum Grunde liegen bliebe, findet es, indem
das Prädikat vielmehr die Substanz ist, das Subjekt zum Prädikat übergegangen und hiermit aufgehoben. Und indem so das, was Prädikat zu sein scheint, zur ganzen und selbständigen Masse geworden, kann das Denken
Gadamer I 471
nicht frei herumirren, sondern ist durch diese Schwere aufgehalten«.(2) Gadamer: Die Form des Satzes zerstört sich also selbst, indem der spekulative Satz nicht etwas von etwas aussagt, sondern die Einheit des Begriffs zur Darstellung bringt. >Prädikation/Hegel.
Die schwebende Zweigipfligkeit des philosophischen Satzes, die durch den Gegenstoß zustande kommt, beschreibt Hegel durch den geistreichen Vergleich mit dem Rhythmus, der sich ähnlich aus den beiden Momenten des Metrums und des Akzentes als ihre schwebende Harmonie ergebe. Vgl. >Hören/Gadamer.
Begriff/Beweis/Hegel/Gadamer: Es kommt aber nun nach Hegel darauf an, die innerliche Hemmung, die das Denken erfährt, wenn seine Gewohnheit, an Vorstellungen fortzulaufen, durch den Begriff unterbrochen wird, zur ausdrücklichen Darstellung zu bringen. Das kann das nichtspekulative Denken gleichsam verlangen. Es hat sein »Recht, das gültig, aber in der Weise des spekulativen Satzes nicht beachtet ist«. Was es verlangen kann, ist, dass die dialektische Selbstzerstörung des Satzes ausgesprochen wird. (...) jedenfalls will er den Sinn des philosophischen Beweisens wiederherstellen. Das geschieht in der Darstellung der dialektischen Bewegung des Satzes. Sie ist das wirkliche Spekulative, und nur das Aussprechen derselben ist spekulative Darstellung.
Philosophie/Hegel: Das spekulative Verhältnis muss also in dialektische Darstellung übergehen. Das ist nach Hegel die Forderung der Philosophie.
Beweis/Hegel/Gadamer: Was hier Ausdruck und Darstellung heißt, ist freilich nicht eigentlich ein beweisendes Tun, sondern die Sache selbst be-
Gadamer I 472
weist sich, indem sie sich so ausdrückt und darstellt. So wird Dialektik auch wirklich erfahren, dass dem Denken der Umschlag in sein Gegenteil als eine unbegreifliche Umkehrung widerfährt. Gerade das Festhalten der Konsequenz des Gedankens führt zu der überraschenden Bewegung des Umschlags. So etwa erfährt der Rechtsuchende, wie das strikte Festhalten am Gedanken des Rechts »abstrakt“ wird und sich als das höchste Unrecht erweist (summum ius summa iniuria).

1. Vgl. Dazu Gadamer, „Hegels Dialektik. Sechs hermeneutische Studien“ Tübingen 1980,
Bd. 3 der Ges. Werke.)
2. Hegel, Vorrede zur Pänomenologie, S. 50 (Hoffmeister).

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Sprache Gerontopsychologie Upton I 141
Sprache/Gedächtnis/Gerontopsychologie/Upton: Die Annahme ist, dass im Erwachsenenalter die Sprachkenntnisse erhalten bleiben (Thornton und Licht, 2006)(1). Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass die Sprachentwicklung auch im späten Erwachsenenalter andauert: Der Wortschatz nimmt zu (Willis und Schaie, 2006)(2) und ältere Erwachsene erhalten oder verbessern oft ihre Kenntnisse über Wörter und ihre Bedeutung (Burke und Shafto, 2004)(3). Allerdings kann es im späten Erwachsenenalter zu einem gewissen Rückgang der Sprachkenntnisse kommen. Dies könnte mit physiologischen Veränderungen im Alter zusammenhängen, wie z.B. Hörstörungen, die zu Problemen bei der Unterscheidung von Sprachlauten führen können (Gordon-Salant et al., 2006)(4). >Gedächtnis/Gerontopsychologie.


1. Thornton, R and Light, LL (2006) Language comprehension and production in normal aging, in Birren, JE and Schaie, KW (eds) Handbook of the Psychology of Aging(6th edn). San Diego, CA: Elsevier.
2. Willis, SL and Schaie, KW (2006) Cognitive functioning among the baby boomers: longitudinal and cohort effects, in Whitbourne, SK and Willis, SL (eds) The Baby Boomers. New York: Lawrence Erlbaum.
3. Burke, DM and Shafto, MA (2004) Aging and language production. Current Directions in Psychological Science, 13: 21-4.

Further reading:
Salthouse, TA (2009). When does age-related cognitive decline begin? Neurobiology of Aging,
30(4): 507—14. Available online at http :! /faculty.virginia .edulcogage/hnks/publications/.

Upton I
Penney Upton
Developmental Psychology 2011
Sprachentstehung Deacon I 25
Sprachentstehung/Evolution/Deacon: Sprache ist eine der auffälligsten verhaltensmäßigen Adaptionen unseres Planeten. Sprachen haben sich nur ein einer Spezies entwickelt, nur auf eine Weise, ohne Vorläufer - außer in einem sehr verallgemeinerten Sinn. Die Unterschiede zwischen Sprache und allen anderen Kommunikationsformen sind erheblich. Das schlägt sich auch in der Anatomie des Menschen nieder, insbesondere des Gehirns und des Stimmapparats. Diese Unterschiede können wir in lebenden Spezies feststellen.
I 34
Sprachentstehung/Mensch/Tier/Deacon: die Unvergleichbarkeit menschlicher und nichtmenschlicher Kommunikation hat zu übertriebenen und untragbaren Interpretationen der Sprachentstehung geführt.
I 35
Bsp Die Behauptung, das Sprache aus einer bestimmten Verschaltung im Gehirn entsteht, die einmalig ist, ist nicht bloß die Behauptung, dass es ein einmaliges neurologisches Merkmal ist, das mit diesem einmaligen Verhalten korreliert ist, sondern auch, dass damit eine wesentliche biologische Diskontinuität vorliegt. DeaconVs: das eine moderne Mythologie, nach der wir einem Affen einen Sprachcomputer in die Hand gegeben hätten. Das erinnert mich an den Film „Short Circuit“.
I 44
Sprachentstehung/Deacon: These: Sprache und Gehirn sind in gemeinsamer Evolution komplexer geworden und so gestaltet worden, wie sie heute sind. Wenn wir heute auch keine einfachen Sprachen finden, waren die Anfänge dennoch sicher einfacher als die heute so vorzufindenden Sprachen. Irgendwo in dieser Entwicklung wurde die Schwelle zur äußerst schwierigen symbolischen Referenz überschritten.
I 105 – 110
Sprachentstehung/DeaconVsChomsky/Deacon: Warum treffen Kinder so oft die richtige Wahl, wenn sie grammatische Regeln ausprobieren? Es ist die Sprache, die sich „benutzerfreundlich“ entwickelt. Sprache entwickelt sich schneller als Gehirne während der Evolution. So wie man Delphinen nur Kunststücke beibringen kann, die sie von sich aus schon ansatzweise vollführen, wenn sie guter Laune sind. Dabei ist die Sprache in ihrer Entwicklung aber nicht so eingeschränkt wie die Benutzeroberfläche eines Computers, die letztlich durch die Gestaltung der Ingenieure vorgegeben ist. Sprache hat sich im Hinblick auf Reproduzierbarkeit entwickelt, in Relation zum Selektionsdruck durch menschliche Benutzer. Sprache, die leichter lernbar ist, setzt sich stärker durch.
Pointe: dabei muss man nicht annehmen, wie Chomsky es tut, dass Kinder besonders schlau wären.
I 111
Es ist hilfreich sich vorzustellen, Sprache sei eine parasitäre Lebensform, die in Gehirnen nistet, um sich zu reproduzieren.
I 112
Deacon/Morton Christansen: These: Es gibt eine ko-evolutionäre Dynamik zwischen Sprache und ihrem Wirt, dem Gehirn. Man kann Sprache in gewisser Weise mit Viren vergleichen, die selbst keine völlig selbstständigen Lebewesen sind, aber voller Information zu ihrer eigenen Reproduktion.
I 113
Das Verhältnis von Menschen und Sprache kann man als symbiotisch bezeichnen, beide brauchen einander, um sich zu reproduzieren. Die Sprache als ganze ist natürlich nicht in dieser Weise zu definieren.
I 114
Zweisprachigkeit: bei Zweisprachigen findet man, dass die Gehirnregionen für die Verarbeitung der zwei Sprachen tendenziell getrennt sind. Eine Erklärung dafür ist, dass die beiden Sprachen andernfalls im Gehirn des Benutzers um die neuronalen Ressourcen konkurrieren würden. Früher oder später käme es dann zu einer gegenseitigen Störung.
I 122
Gehirne haben sich zusammen mit der Sprache entwickelt, doch der größte Teil der Anpassung lag aufseiten der Sprache.
I 354
Sprachentstehung/Lieberman/Deacon: Philip Lieberman hat in einer Reihe einflussreicher Artikel gezeigt, dass der Wegfall von physiologischen Begrenzungen der Stimmbildung zu einer rasanten Beschleunigung der Entwicklung von Sprache beigetragen hat(1)(2). DeaconVsLieberman: es hieße aber, die vorliegenden Fossilfunde überzuinterpretieren, wollte man die Sprachentstehung ausschließlich auf diese anatomischen Entwicklungen zurückführen, indem man ein plötzliches Ausbrechen einer Reihe von Fähigkeiten allein diesem Merkmal zuschreiben wollte.
I 355
Die Entwicklung des Gehirns und des Stimmapparats waren sicher beides, Wirkung und Ursache in einem sich gegenseitig verstärkenden Prozess der Sprachentwicklung.

(1) Lieberman, Ph. (1984). The Biology and Evolution of Language, Cambridge, MA.
(2) Lieberman, Ph. (1991). Uniquely Human: The Evolution of Speech, Thought and Selfless Behavior, Cambridge, MA.

Dea I
T. W. Deacon
The Symbolic Species: The Co-evolution of language and the Brain New York 1998

Dea II
Terrence W. Deacon
Incomplete Nature: How Mind Emerged from Matter New York 2013
Superintelligenz Tallinn Brockman I 97
Superintelligenz/Tallinn: These: Der zentrale Punkt des KI-Risikos ist, dass superintelligente KI ein Umweltrisiko ist. (...) das Universum wurde nicht für uns geschaffen, sondern wir werden durch die Evolution auf einen sehr engen Bereich von Umweltparametern abgestimmt. Irgendeine, selbst vorübergehende, Störung dieses prekären Gleichgewichts und wir sterben innerhalb weniger Minuten. Die auf Silizium basierende Intelligenz teilt solche Bedenken in Bezug auf die Umwelt nicht. Deshalb ist es viel billiger, den Weltraum mit Maschinensonden zu erkunden, als mit "Fleischdosen". Darüber hinaus ist die aktuelle Umgebung der Erde mit ziemlicher Sicherheit suboptimal für das, worum sich eine superintelligente KI am meisten kümmern wird: effiziente Berechnung. Daher könnten wir feststellen, dass unser Planet plötzlich von der anthropogenen globalen Erwärmung zur maschinogenen globalen Abkühlung übergeht.
Eine große Herausforderung, mit der sich die KI-Sicherheitsforschung auseinandersetzen muss, ist, wie man eine potenziell superintelligente KI - eine KI mit einem viel größeren Fußabdruck als unser eigener - davon abhält, unsere Umwelt für biologische Lebensformen unbewohnbar zu machen. Es ist schwer überzubetonen, wie winzig und klein die Zukunft unseres Planeten ist, verglichen mit dem vollen Potenzial der Menschheit. Auf astronomischen Zeitskalen wird unser Planet bald verschwunden sein (es sei denn, wir zähmen die Sonne, auch eine deutliche Möglichkeit) und fast alle Ressourcen - Atome und freie Energie - die gebraucht werden, um die Zivilisation langfristig zu erhalten, befinden sich im Weltraum.
"Paretotopie"/Eric Drexler: die Idee, dass KI, wenn sie richtig gemacht wird, eine Zukunft schaffen kann, in der das Leben aller Menschen enorm verbessert wird - eine Zukunft, in der es keine Verlierer gibt. Eine wichtige Erkenntnis dabei ist, dass das, was die Menschheit hauptsächlich daran hindert, ihr volles Potenzial zu entfalten, unser instinktives Gefühl sein könnte, dass wir uns in einem Nullsummenspiel befinden - einem Spiel, in dem Spieler kleine Gewinne auf Kosten anderer erzielen sollen. ((s) Keine Quelle für "Paretotopie" angegeben; vgl. (1)).



1. https://www.effectivealtruism.org/articles/ea-global-2018-paretotopian-goal-alignment/


Tallinn, J. “Dissident Messages” in: Brockman, John (ed.) 2019. Twenty-Five Ways of Looking at AI. New York: Penguin Press.

Brockman I
John Brockman
Possible Minds: Twenty-Five Ways of Looking at AI New York 2019
Temperament Entwicklungspsychologie Corr 181
Temperament/Entwicklungspsychologie/Rothbart: Die bisherige Entwicklungsforschung zeigt, dass die reaktiven Systeme von Emotion und Orientierungbe bereits vor der Entwicklung einer ausführenden aufwendigen Aufmerksamkeit vorhanden sind (Posner und Rothbart 2007(1); Rothbart und Bates 2006)(2). Frühe Formen dessen, was später Extraversion oder Begeisterungsfähigkeit genannt wird, sind im Lächeln und Lachen und in der schnellen Annäherung von Säuglingen um die sechs Monate an ein neuartiges Objekt vorhanden. Messungen von Annäherungstendenzen und Lächeln und Lachen in diesem frühen Alter sagen die extravertierten Tendenzen von Kindern im Alter von sieben Jahren voraus (Rothbart, Derryberry und Hershey 2000)(3).
Während der frühen Entwicklung scheinen Kinder, die mehr extravertiert sind, auch mehr Wut und Frustration auszudrücken und anfälliger für Externalisierungsstörungen zu sein (Rothbart and Bates 2006(2); Rothbart and Posner 2006)(4).
Lengua, Wolchik, Sandler und West (2000)(5) fanden heraus, dass niedrige Positivität und hohe Impulsivität bei Kindern sowie hohe Ablehnung und Inkonsistenz bei der Erziehung Verhaltensprobleme voraussagten. Hohe negative Emotionalität und niedrige positive Emotionalität bei Kindern und Ablehnung und Inkonsistenz bei der Erziehung prognostizierten eine Kinderdepression. Inkonsistente Disziplin hatte einen stärkeren Zusammenhang mit Verhaltensproblemen und Depressionen bei Kindern, die stark impulsiv waren, als bei Kindern, die weniger impulsiv waren.


1. Posner, M. I. and Rothbart, M. K. 2007. Educating the human brain. Washington, DC: American Psychological Association
2. Rothbart, M. K., and Bates, J. E. 2006. Temperament in children’s development, in W. Damon and R. Lerner (Series eds.) and N. Eisenberg (Vol. ed.), Handbook of child psychology, vol. III, Social, emotional, and personality development, 6th edn, pp. 99–166. Hoboken, NJ: Wiley
3. Rothbart, M. K., Derryberry, D. and Hershey, K. 2000. Stability of temperament in childhood: laboratory infant assessment to parent report at seven years, in V. J. Molfese and D. L. Molfese (eds.), Temperament and personality development across the life span, pp. 85–119. Hillsdale, NJ: Erlbaum
4. Rothbart, M. K. and Posner, M. I. 2006. Temperament, attention, and developmental psychopathology, in D. Cicchetti and D. Cohen eds., Developmental psychopathology, vol. II, Developmental neuroscience, 2nd edn, pp. 465–501. Hoboken, NJ: Wiley
5.Lengua, L. J., Wolchik, S. A., Sandler, I. N. and West, S. G. 2000. The additive and interactive effects of parenting and temperament in predicting adjustment problems of children of divorce, Journal of Clinical Child Psychology 29: 232–44


Mary K. Rothbart, Brad E. Sheese and Elisabeth D. Conradt, “Childhood temperament” in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press
Terminologien Benjamin Norbert Bolz, Willem van Reijen, Walter Benjamin Frankfurt 1991
I 12
Pariser Passagen/Benjamin: Dokumente einer Gesellschaft, in der die ökonomische Ordnung die Funktion der alten Mythen übernommen hat. Flaneur: schaut sich die Waren an und wird dabei selbst zur Ware. Reinkarnation des Odysseus. Betrachtung der alltäglichen Gegenstände wie Traumschlaf.
I 13
Glaspaläste: Fortsetzung der seit Urzeiten prekären Gestaltung des Verhältnisses von Innen und Außen, mythische Verfassung unseres naturverfallenen Denkens.
I 15
Urerlebnisse/Benjamin: Höhle, Unterwelt, Labyrinth, Chaos, Ruine. In ihnen artikuliert sich das Verständnis der Gegenwart. Allegorie/Benjamin: ihr mythischer Bann zerbricht durch die Kraft des Chocks und der Diskontinuität. Benjamin hofft, die Eigendynamik der historischen Dialektik zum Stillstand zu bringen.
Benjamin: "Anthropologischer Materialismus": die verfehlte Rezeption der Technik im 19. Jahrhundert und im ersten Weltkrieg zwingt uns dazu, das Verhältnis Mensch/Natur nicht als Beherrschung der Natur durch den Menschen, sondern als Beherrschung des gesamten Verhältnisses zu denken.
I 36
Lehre ist aufgehobene Kritik, Kritik ist inverse Theologie und Religion ist die "konkrete Totalität der Erfahrung".
I 38
Der Ursprung des deutschen Trauerspiels: das Bild der barocken Welt ist aus dem absolut bösen geboren. Schlägt um in eine Allegorie der Auferstehung.
I 42
Magie/Benjamin: Die Mitteilbarkeit des geistigen Wesens wird vom sprachlichen Wesen begrenzt. Unmittelbare Erkenntnis durch Nennen des Namens.
I 52
Trauerspiel: "Idee", ein "Sprachliches". Wesen: die Form, in der Sprache, nicht durch die Sprache. Sprache ist das Wesen des deutschen Trauerspiels.
I 55
Die bürgerliche Welt entwickelt sich zum Totalitarismus. Barock: der Topos der Vergänglichkeit ist zentral.
Angst: Beim Jüngsten Gericht übergangen zu werden.
Im Barock fehlt Heilsgewissheit.
Barock: wird im 19. Jahrhundert zitiert (Ruine, Labyrinth).
I 56
Trauerspiel/Benjamin: das Deutsche Trauerspiel kennt, anders als die griechische Tragödie, keine kosmische Ordnung, die den Menschen mit seinem Schicksal versöhnt.
I 56
Allegorie/Benjamin: Trauer, Vergänglichkeit, Anschauliche Darstellungen eines abstrakten Konzepts." Eins der stärksten Motive im Allegorischen ist die Einsicht ins Vergängliche und jene Sorge, die Dinge ins Ewige zu retten." Die Kraft zu dieser Rettung hat das Barock entdeckt. Nur möglich, wenn zuvor das Organische und Lebendige zerstört wird. Der Gegenstand wird im Blick der Melancholie allegorisch.
I 60
Allegorie: (wörtlich: "etwas anderes sagen "stellt unvereinbare Gegensätze, z.B. das Abstrakte und das sinnlich Wahrnehmbare antithetisch vor. Tendenz vom Allgemeinen auf das Besondere(abwertend). Die Allegorie konstituiert eine Totalität, in der die Extreme erhalten bleiben. Die barocke Allegorie reagiert auf eine Krisenerfahrung. Unversöhnte Einheit von Gegensätzen (Bsp Stadt).
I 60f
Barock: Die Antike bleibt als Gegensatz zum Christentum anwesend.
I 62
Allegorie: analytische Bedeutung, Verhältnis Traum/Wachen: > Paris (mit Babylon verglichen) Hauptstadt, in der alle Sprachen der Welt gesprochen werden. Zugleich die Hölle. Nichts entwertet die Dinge so sehr wie die Welt der Dinge selbst. (>Passagen). Unterwelt/Marx: verborgene Stätte der kapitalistischen Produktion: "Unbefugten ist der Zutritt verboten".
I 67
Labyrinth/Benjamin: (Großstadt): " der richtige Weg für den, der immer früh genug am Ziel ankommt."
I 69
"Dialektik im Stillstand": nicht Erreichen des Ziels. Die Bewegung geht weiter, aber auf der Stelle. Ewige Passage. "Nu": "Das Gewesene tritt mit dem Jetzt blitzhaft zu einer Konstellation zusammen."
I 70
Mode: Ewige Wiederkehr des Gleichen.
I 71
Ruinen/Barock/Benjamin: Faszination, nicht durch Nostalgie, sondern in dem das Bruchstück als notwendiges Gegenstück zum Ganzen gesehen wird!
I 72
Baudelaire/Benjamin: für Benjamin stellt er die ruinöse Entwicklung am deutlichsten dar. Er ist kein pessimistischer, sondern ein allegorischer Künstler. Er ist im ursprünglichen Sinn Melancholiker, reißt die Gegenstände aus dem Zusammenhang und gibt ihnen Bedeutung.
I 73
"Profane Erleuchtung"/Benjamin: sich durch die Phänomene selbst inspirieren lassen. Selbstzerstörung des modernen Mythos.
Terminologien Uribe Uribe I 4
Terminologien/Uribe: Def Fisher-Effekt/Uribe: Eine Vielzahl empirischer und theoretischer Studien argumentieren, dass eine vorübergehende positive Störung des Nominalzinses einen vorübergehenden Anstieg des Realzinses verursacht, was wiederum die Gesamtnachfrage und die Inflation (...) herunter drückt (siehe zum Beispiel
I 5
Christiano, Eichenbaum und Evans, 2005)(1). Ebenso ist eine Eigenschaft praktisch aller modernen geldwirtschaftlich untersuchten Modelle, dass ein vorübergehender Anstieg des Nominalzinses langfristig keinen Einfluss auf die Inflation hat. Im Gegensatz dazu, wenn der Anstieg des Nominalzinses dauerhaft ist, muss die Inflation früher oder später um etwa das gleiche Ausmaß steigen, wenn der Realzins, gegeben durch die Differenz zwischen dem Nominalzins und der erwarteten Inflation, nicht langfristig durch nominale Faktoren bestimmt wird (...). Diese eins-zu-eins langfristige Beziehung zwischen Nominalzinsen und Inflation wird als Fisher-Effekt bezeichnet. Def Neo-Fisher Effekt/Uribe: Der Neo-Fisher-Effekt besagt, dass ein permanenter Anstieg des Nominalzinses nicht nur langfristig, sondern auch kurzfristig zu einem Anstieg der Inflation führt.
I 6
Der Fisher-Effekt liefert jedoch keine Prognose, wann die Inflation wahrscheinlich
I 8
den dauerhaften Anstieg des Nominalzinses einholen wird. Sie besagt nur, dass sie dies schließlich tun muss. Empirisches Modell: Das empirische Modell zielt darauf ab, die Dynamik von drei makroökonomischen Indikatoren zu erfassen (...).
1. Der Logarithmus der realen pro Kopf-Leistung: yt
2. Die Inflationsrate: πt, ausgedrückt in Prozent pro Jahr.
3. Der Nominalzins: it, ausgedrückt in Prozent pro Jahr.
[Uribe] geht davon aus, dass yt, πt, und it von vier exogenen Schocks angetrieben werden: einem nicht stationären (oder permanenten) monetären Schock (X m/t), einem stationären (oder vorübergehenden) monetären Schock (z m/t), einem nicht stationären nicht monetären Schock (X n/t) und einem stationären nicht monetären Schock (z n/t).
I 16
[Uribe] schätz[t] das empirische Modell auf Grundlage von vierteljährlichen US-Daten aus dem Zeitraum 1954: Q3 bis 2018: Q2. Der Proxy für yt ist der Logarithmus des realen BIP, saisonbereinigt in Chained Dollars von 2012 abzüglich des Logarithmus der zivilen nicht-institutionellen Bevölkerung ab 16 Jahren. Der Proxy für πt ist die Wachstumsrate des impliziten BIP-Deflators, ausgedrückt in Prozent pro Jahr. Der implizite BIP-Deflator wiederum wird als das Verhältnis von BIP in laufenden Dollar und realem BIP, beide saisonbereinigt, berechnet. Der Proxy dafür ist der monatliche Effektivzinssatz der Federal Funds, der durch Mittelung in Quartalsfrequenz umgerechnet und in Prozent pro Jahr ausgedrückt wird. >Neo-Fischer-Effekt/Uribe.


1. Christiano, Lawrence J., Martin Eichenbaum, and Charles L. Evans, “Nominal Rigidities and the Dynamic Effects of a Shock to Monetary Policy,” Journal of Political Economy 113, 2005, 1-45.


Martín Uribe (2019): The Neo-Fisher Effect: Econometric Evidence from Empirical and Optimizing Models. In: NBER Working Paper No. 25089.

Uribe I
Martin Uribe
The Neo-Fisher Effect: Econometric Evidence from Empirical and Optimizing Models. NBER Working Paper No. 25089 2019
Theory of Mind Psychologische Theorien Slater I 150
Theory of Mind/ToM/Psychologische Theorien: die Hypothese, eines Mangels an Theory of Mind (>Theory of Mind/Premack/Woodruff, >Theory of Mind/Dennett: "Wie zeigt man, dass ein Individuum die Fähigkeit hat, mentale Zustände zu begreifen?") >Autismus hat einen signifikanten Einfluss darauf gehabt, wie kognitive Forscher die Architektur des Verstandes betrachten
Slater I 151
und es wurde als starke Unterstützung für die Idee angesehen, dass das menschliche Gehirn mit einem ToM-Modul ausgestattet ist. Tatsächlich wurde Autismus nach den Erkenntnissen von Baron-Cohen et al. (1985)(1) bald zu einem Testfall für viele Theorien der typischen Entwicklung, bei denen das ToM-Modul eine zentrale Rolle spielt (siehe z.B. Frith & Happé, 1995(2); Happé, 1993(3)). >False-Belief-Test/Happé.
Slater I 152
ToM/Autismus/VsBaron-Cohen: (siehe auch >Autismus/Baron-Cohen) ToM Beeinträchtigungen sind nicht spezifisch für ASD und finden sich auch in einer Reihe anderer Erkrankungen, vor allem in der Schizophrenie (für eine Meta-Analyse siehe Sprong, Schothorst, Vos, Hox, & Van Engeland, 2007(4)), aber auch in unipolaren und bipolaren Depressionen (z.B.: Inoue, Tonooka, Yamada, & Kanba, 2004(5); Kerr, Dunbar, & Bentall, 2003(6)), Verhaltensstörungen (z.B. Happé & Frith, 1996)(7), Schäden an der rechten Hemisphäre (Surian & Siegal, 2001(8)) und andere Erkrankungen. Ebenso wurde der Bericht der ausführenden Dysfunktion wegen mangelnder Spezifität kritisiert, wobei die ausführenden Funktionsdefizite bei Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörungen (ADHS), Schizophrenie, Zwangsstörungen (OCD) usw. festgestellt wurden. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass diese ersten beiden Kritikpunkte nur dann problematisch sind, wenn man bedenkt, dass es eine einzige Erklärung für alle Symptome von ASD geben sollte.
Slater I 153
Relevant ist (...), ob das Kriterium der Universalität ((1) erkannt.


1. Baron-Cohen, S., Leslie, A., & Frith, U. (1985). Does the autistic child have a “theory of mind.” Cognition,21, 13—125.
2. Frith, U., & Happé, F. (1995). Autism: Beyond ‘theory of mind.” In: J. Mehler& S. Franck (Eds), Cognition on cognition (pp. 13—30). Cambridge, Massachusetts: MIT Press.
3. Happé, F. (1993). Communicative competence and theory of mind in autism: A test of relevance theory. Cognition, 48, 101—119.
4. Sprong, M., Schothorst, P., Vos, E., Hox, J., & Van Engeland, H. (2007). Theory of mind in schizophrenia: meta-analysis. The British Journal of Psychiatry, 191, 5—13.
5. Inoue, Y., Tonooka, Y., Yamada, K., & Kanba, S. (2004). Deficiency of theory of mind in patients with remitted mood disorder. Journal of Affective Disorders, 82,403—409.
6. Kerr, N., Dunbar, R I. M., & Bentall, R. P. (2003). Theory of mind deficits in bipolar affective disorder. Journal of Affective Disorders, 73, 253—259.
7. Happé, F., & Frith, U. (1996). Theory of mind and social impairment in children with conduct disorder. British Journal of Developmental Psychology, 14, 385-398.
8. Surian, L., & Siegal, M. (2001). Sources of performance on theory of mind tasks in right hemisphere damaged patients. Brain and Language, 78, 224—232.


Coralie Chevallier, “Theory of Mind and Autism. Beyond Baron-Cohen et al’s. Sally-Anne Study”, in: Alan M. Slater and Paul C. Quinn (eds.) 2012. Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications

Slater I
Alan M. Slater
Paul C. Quinn
Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2012
Toleranz Rousseau Rawls I 215
Toleranz/Rousseau/Rawls: wenn Gründe für eine Begrenzung von Toleranz angegeben werden, verstoßen sie oft gegen das Prinzip der Freiheit. Bsp Rousseau dachte, dass die Menschen es für nicht möglich halten würden, mit anderen in Frieden zusammen zu leben, die sie selbst als verdammt betrachteten. Denn diese zu lieben wäre gleichbedeutend damit, Gott zu hassen, der sie bestraft. Wer andere als verdammt ansieht, müsste sie nach Rousseau bekämpfen oder bekehren. RawlsVsRousseau: Rousseau würde also selber nicht diejenigen Religionen tolerieren, die sagen, dass es außerhalb der Kirche keine Erlösung gibt. (Siehe Rousseau, The Social Contract, bk. IV, ch. VIII.)
Rawls: aber die Konsequenzen stützen sich nicht auf Erfahrung. Ein a priori psychologisches Argument, wie plausibel auch immer, ist nicht hinreichend dafür, Toleranz aufzugeben. Gerechtigkeit geht dagegen davon aus, dass Störungen der öffentlichen Ordnung oder Freiheit in der gemeinschaftlichen Erfahrung festgestellt werden.


Rousseau I
J. J. Rousseau
The Confessions 1953

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005
Übersetzung Kuhn I 214
Übersetzung/Sprache/Kuhn: was die von einer Kommunikationsstörung betroffenen tun können, ist, einander als Mitglieder verschiedener Sprachgemeinschaften erkennen und Übersetzer werden. >Inkommensurabilität, >Theorien/Kuhn, >Theoriewandel.

Kuhn I
Th. Kuhn
Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen Frankfurt 1973
Umwelt Entwicklungspsychologie Slater I 19
Umwelt/Entwicklungspsychologie: Neue Aufmerksamkeit wurde auf die erhebliche Variabilität bei der Reaktion der Kinder auf ihre Umgebung gelenkt. (>Eltern-Kind-Beziehung/Psychologische Theorien, >Situation/Harlow, >Experiment/Harlow, >Situation/Ainsworth). Viele Kinder, die unter widrigen Bedingungen aufgewachsen sind, von Institutionen bis hin zu vernachlässigenden oder missbräuchlichen Elternteilen, haben eine bemerkenswerte Erholung bei späteren emotionalen und kognitiven Funktionen gezeigt. Merkmale von Kindern, die zur "Resilienz" beitragen, wurden in einer Vielzahl von Studien an Mensch und Tier untersucht (Sameroff, 2010)(1). Diese "Kindereffekte" wurden auf der genetischen, physiologischen und verhaltensbezogenen Ebene der Analyse konzipiert und gemessen (Obradovic & Boyce, 2009)(2).
Molekulare Analysen konzentrierten sich in erster Linie auf die Identifizierung genetischer Polymorphismen, die die Anfälligkeit des Kindes für ungünstige Umweltbedingungen erhöhen oder verringern. Physiologische Messungen haben sich auf autonome oder neuroendokrine Messungen der Reaktionsfähigkeit auf Stressereignisse konzentriert, während Verhaltensmessungen sich auf individuelle Unterschiede im Temperament konzentriert haben, die in Form von schüchternen/gehemmten oder impulsiven/aggressiven Dimensionen konzipiert wurden (Suomi, 2006)(3). ((s) vgl. >Umwelt/Molekulargenetik.)
Die Fähigkeit, Schwankungen sowohl in der Pflegeumgebung als auch in der Empfindlichkeit von Kindern gegenüber Umweltbelastungen zu messen, hat neue Forschungen über die Mechanismen gefördert, durch die frühe Erfahrungen die spätere Anpassung beeinflussen (Meaney, 2010)(4). Diese dynamische Transaktion zwischen dem Kind und der betreuenden Umgebung zeigt sich in Studien über Gen-Umwelt-Interaktionen im Zusammenhang mit psychiatrischen Störungen (Caspi & Moffitt, 2006)(5). Die Arbeit bei Nagetieren hat gezeigt, wie frühzeitige Erfahrungen die Genexpression beeinflussen und stabile epigenetische Modifikationen hervorbringen können, die einzelne Phänotypen über die gesamte Lebensdauer verändern (Roth & Sweatt, 2011(6).


1. Sameroff, A. (2010). A unified theory of development: A dialectic integration of nature and nurture. Child Development, 81, 6–22
2. Obradovic, J., & Boyce, W. T. (2009). Individual differences in behavioral, physiological, and genetic sensitivities to contexts: implications for development and adaptation. Developmental Neuroscience, 31, 300–308.
3. Suomi, S. J. (2006). Risk, resilience, and gene x environment interactions in rhesus monkeys. Annals of the New York Academy of Sciences, 1094, 52–62
4. Meaney, M. (2010). Epigenetics and the biological definition of gene × environment interactions. Child Development, 81, 41–79.
5. Caspi, A., & Moffitt, T. (2006). Gene-environment interactions in psychiatry: joining forces with neuroscience. Nature Reviews Neuroscience, 7, 583–590
6. Roth, T. L., & Sweatt, J. D. (2011). Annual Research Review: Epigenetic mechanisms and environmental shaping of the brain during sensitive periods of development. Journal of Child Psychology and Psychiatry, 52, 398–408


Roger Kobak, “Attachment and Early Social deprivation. Revisiting Harlow’s Monkey Studies”, in: Alan M. Slater and Paul C. Quinn (eds.) 2012. Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications



Upton I 50
Umwelt/Entwicklungspsychologie/Upton: Aktuelle Erkenntnisse (...) befürworten eine größere Rolle der Umwelt bei der Entwicklung von Fähigkeiten (wie Aufsetzen, Krabbeln und Gehen). Moderne Theorien der motorischen Kompetenzentwicklung betonen die Interaktion zwischen Anlage und Umwelt (nature and nurture). (>Nature and Nurture). Ein wichtiger Ansatz ist hier die Theorie der dynamischen Systeme (Thelen, 1995)(1). >Dynamische Systeme/Psychologische Theorien.
1. Thelen, E. (1995) Motor development: a new synthesis. American Psychologist, 50: 79–95.

Slater I
Alan M. Slater
Paul C. Quinn
Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2012

Upton I
Penney Upton
Developmental Psychology 2011
Umwelt Molekulargenetik Corr I 296
Umwelt/Molekulargenetik/Munafò: Die wichtigsten Auswirkungen des Genotyps auf die Persönlichkeitsphänotypen scheinen bescheiden zu sein (Munafò, Clark, Moore et al. 2003)(1), wie vorstehend erläutert (>Charakterzüge/Molekulargenetik, >Extraversion/Molekulargenetik). Ein wahrscheinlicher Grund, der dies teilweise erklären kann, ist, dass Gene mit Umwelteinflüssen interagieren, um das Risiko eines bestimmten Ergebnisses, einschließlich der Persönlichkeit, zu bestimmen. Eine Gen-×-Umwelt-Interaktion tritt auf, wenn die Wirkung der Exposition gegenüber einem Umweltrisikofaktor vom Genotyp einer Person abhängig ist oder umgekehrt (Caspi, Sugden, Moffitt et al. 2003)(2). Mehrere Studien zu emotionalen Störungen wurden auf mögliche Wechselwirkungen zwischen Genen und Umwelt getestet, die ihrerseits über Charakterzüge funktionieren können, da die bekannten Zusammenhänge zwischen Persönlichkeit und Risiko für psychiatrische Erkrankungen (z.B. Neurotizismus und schwere Depressionen) bekannt sind.
Die meisten Studien über Gen-×-Umwelt-Interaktionen haben sich bisher auf das Serotonin-Transporter-Gen und stressige Lebensereignisse konzentriert, mit kontrastierenden Ergebnissen. In der ursprünglichen Studie (Caspi, Sugden, Moffitt et al. 2003)(2) mäßigte die 5-HTTLPR-Variante die Wirkung von stressigen Lebensereignissen am Beginn einer Depression bei Jugendlichen.
Corr I 297
Probleme: Eine besondere Schwierigkeit bei solchen Studien liegt in der genauen Spezifikation der Umweltauswirkungen. Während der Genotyp mit hoher Genauigkeit ermittelt werden kann (vorbehaltlich geeigneter Qualitätskontrollmaßnahmen), werden Umweltauswirkungen typischerweise durch Selbst- oder Elternbericht ermittelt. Darüber hinaus können die zugrunde liegenden Konstrukte, die so gemessen werden (z.B. "stressige Lebensereignisse"), etwas vage sein und tatsächlich eine Konstellation von zugrunde liegenden Konstrukten darstellen. Siehe >Situationen/Mischel, >Situationen/Psychologische Theorien. Für eine aktuelle kritische Überprüfung der Wechselwirkungen zwischen Genen und Umwelt siehe Munafò, Durrant, Lewis und Flint (2009)(3).



1. Munafò, M. R., Clark, T. G., Moore, L. R., Payne, E., Walton, R. and Flint, J. 2003. Genetic polymorphisms and personality in healthy adults: a systematic review and meta-analysis, Molecular Psychiatry 8: 471–84
2. Caspi, A., Sugden, K., Moffitt, T. E., Taylor, A., Craig, I. W., Harrington, H., et al. 2003. Influence of life stress on depression: moderation by a polymorphism in the 5-HTT gene, Science 301: 386–9
3. Munafò, M. R., Durrant, C., Lewis, G. and Flint, J. 2009. Gene × environment interactions at the serotonin transporter locus, Biological Psychiatry 65: 211–19



Marcus R. Munafò,“Behavioural genetics: from variance to DNA“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.)2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Umwelt Singer I 238ff
Umwelt/Ökologie/Ethik/Singer, P.: welche Arte von ethischen Werten sind relevant, wenn es darum geht Maßnahmen zu bewerten, die Eingriffe in die Umwelt mit sich bringen? Bsp Der Bau eines Staudamms in einem schwer zugänglichen Tal, das nur wenigen Menschen zu Erholungszwecken dient,
I 239
Bsp Der Bau einer Papiermühle, deren Abwässer ins Meer geleitet werden, Bsp Die Inbetriebnahme einer neuen Mine am Rande eines Nationalparks. Die westliche Tradition ist stark vom Biblischen Schöpfungsmythos geprägt. Hier geht es darum, dass der Mensch sich die Erde untertan macht.
I 240
Heute wird dies von vielen als ein Verwalteramt ausgelegt. Nimmt man dann sie Sintflut als Maßstab, kann der Mensch sich an Gottes Handlungen orientieren und dennoch allergrößte Eingriffe rechtfertigen. Natur/Umwelt/Aristoteles/Singer, P. : nach Aristoteles dienen Pflanzen den Tieren, Tiere den Menschen.
I 241
Da in der Natur nichts zwecklos oder vergebens geschieht, dient alles letztlich dem Menschen. (Aristotle, Politics (London 1916)). Natur/Umwelt/Augustinus/Singer, P.: Augustinus folgt Aristoteles und fügt noch hinzu, dass es keine Sünde gegen nichtmenschliche Tiere oder gegen die Welt der Natur gebe. (Summa Theologica, II, ii, qu. 64, art.1, I, ii, qu. 72, art 4.)
Umweltschutz/Christliche Tradition/Singer, P.: nach der christlichen Tradition ist alles auf den Menschen ausgerichtet. Ein Bewahren der Umwelt kann aber wichtig werden, wenn es dabei um die Wahrung der Interessen des Menschen geht.
I 242
Umweltzerstörung/Singer, P.: der ökonomische Wert, der durch die Zerstörung eines unwiederbringlichen Naturguts wie z.B. eines Urwalds heute erworben werden kann, wird wegen der Inflation in einhundert Jahren nur noch einen Bruchteil davon ausmachen.
I 243
Zukünftige Generationen könnten das verlorene Gut also nicht einmal zurückkaufen, wenn es verfügbar wäre.

SingerP I
Peter Singer
Practical Ethics (Third Edition) Cambridge 2011

SingerP II
P. Singer
The Most Good You Can Do: How Effective Altruism is Changing Ideas About Living Ethically. New Haven 2015
Verhalten Benkler Benkler I 386
Verhalten/Institutionelle Ökologie/Recht/Gesellschaft/Gleichgewicht/Pfadabhängigkeit/Benkler: Erstens wirkt sich das Gesetz auf das menschliche Verhalten auf der Ebene der Mikromotivation und auf der Ebene der makrosozialen Organisation aus. Dies steht im Widerspruch zu der klassischen marxistischen Behauptung, dass Recht epiphänomenal ist, und zu den immer selteneren einfachen Wirtschaftsmodellen, die Transaktionskosten und institutionelle Barrieren ignorieren und einfach davon ausgehen, dass die Menschen handeln werden, um ihr Wohlergehen zu maximieren, unabhängig von institutionellen Arrangements. Zweitens ist der kausale Zusammenhang zwischen Recht und menschlichem Verhalten komplex. Einfache deterministische Modelle der Form "wenn Gesetz X, dann Verhalten Y" wurden als Annahmen verwendet, diese werden jedoch allgemein als Übervereinfachungen für methodische Zwecke verstanden und kritisiert. Sie prägen aber auch soziale Normen in Bezug auf Verhaltensweisen, psychologische Einstellungen zu verschiedenen Verhaltensweisen, das kulturelle Verständnis von Handlungen und die Politik von Ansprüchen an Verhaltensweisen und Praktiken. Einige wirken entgegengesetzt und heben das Gesetz auf, andere verstärken seine
I 387
Auswirkungen; es ist nicht immer vorhersehbar, welche dieser Rechtsänderungen eintreten werden. Drittens, und als Teil der Komplexität des kausalen Zusammenhangs, unterscheiden sich die Auswirkungen des Rechts in verschiedenen materiellen, sozialen und kulturellen Kontexten. Das gleiche Gesetz, das in verschiedenen Gesellschaften oder zu unterschiedlichen Zeiten eingeführt wird, hat unterschiedliche Auswirkungen. Es kann einen anderen Satz von Praktiken aktivieren und deaktivieren und eine andere Kaskade von Rückkopplungen und Gegeneffekten auslösen.
Viertens, der Prozess der Gesetzgebung ist nicht exogen für die Auswirkungen des Gesetzes auf die sozialen Beziehungen und das menschliche Verhalten. Man kann sich die positive politische Theorie oder die Geschichte der sozialen Bewegungen ansehen, um zu sehen, dass die Rechtsform selbst in der Gesellschaft umstritten ist, weil sie (durch ihre komplexen Kausalmechanismen) einige Verhaltensweisen weniger attraktiv, wertvoll oder zulässig und andere attraktiver, wertvoller oder zulässiger macht.
Verschiedene Gesellschaften werden sich in ihren Ausgangsbedingungen und ihren historisch bedingten ersten Schritten als Reaktion auf ähnliche Störungen unterscheiden. Zudem werden Abweichungen in ihren eigentlichen Praktiken auftreten (...).
Der Begriff "Institutionale Ökologie" bezieht sich auf diesen kontextabhängigen, kausal komplexen, rückgekoppelten, wegabhängigen Prozess.
I 388
Die Möglichkeit, mehrere stabile Gleichgewichte nebeneinander zu bilden, die durch die Geschichten von Radio und Printmedien hervorgerufen werden, ist ein gemeinsames Merkmal sowohl ökologischer Modelle als auch analytisch tragfähiger Modelle der Pfadabhängigkeit. Beide methodischen Ansätze hängen von Rückkopplungseffekten ab und deuten daher darauf hin, dass es einen Zeitpunkt gibt, an dem frühe Maßnahmen, die Rückkopplungen auslösen, im Laufe der Zeit große und nachhaltige Unterschiede verursachen können.

Benkler I
Yochai Benkler
The Wealth of Networks: How Social Production Transforms Markets and Freedom New Haven 2007
Verhalten Evolutionäre Psychologie Corr I 268
Verhalten/Evolutionäre Psychologie/Figueredo: Ein scheinbar paradoxer Vorschlag, der sich aus der evolutionären Psychologie ableiten lässt, ist, dass Persönlichkeitsunterschiede zwar wahrscheinlich anpassungsfähig sind, aber auch die Verhaltensflexibilität von Individuen einschränken. MacDonald (1998)(1) schlug vor, dass verschiedene Charakterzüge am besten für den Beruf in verschiedenen sozialen und ökologischen Nischen geeignet sind. Anders betrachtet bedeutet dies, dass Individuen in ihrem Verhaltensrepertoire aufgrund der besonderen Geeignetheit von Persönlichkeitsmerkmalen, die sie besitzen, aufgrund von Vererbung und Umweltfaktoren eingeschränkt sein können. Tatsächlich ist nach Ansicht einiger Psychologen, die die Situationsseite der Debatte über die Person-Situation bevorzugen (z.B. Mischel, Shoda und Smith 2004(2)), die Definition einer Persönlichkeitsstörung selbst eine unveränderliche Persönlichkeit angesichts der sich verändernden Umweltbedingungen, denen eine Person begegnet. >Situationen/Mischel. Vgl. >Ökologie/Evolutionäre Psychologie, >Nischen/Evolutionäre Psychologie, >Adaption/Evolutionäre Psychologie.
FigueredoVsMischel: Begegnungen. Im Gegensatz dazu schlagen wir vor, dass die biologische Bereitschaft und die Entwicklungsplastizität bestimmter Verhaltensweisen unabhängig voneinander variieren können und müssen (Figueredo, Hammond und McKiernan 2006)(3).


1. MacDonald, K. B. 1998. Evolution, culture, and the five-factor model, Journal of Cross-Cultural Psychology 29: 119–49
2. Mischel, W., Shoda, Y. and Smith, R. E. 2004. Introduction to personality: toward an integration, 7th edn. Hoboken, NJ: John Wiley & Sons
3. Figueredo, A. J., Hammond, K. R. and McKiernan, E. C. 2006. A Brunswikian evolutionary developmental theory of preparedness and plasticity, Intelligence 34: 211–27


Aurelio José Figueredo, Paul Gladden, Geneva Vásquez, Pedro Sofio, Abril Wolf and Daniel Nelson Jones, “Evolutionary theories of personality”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Verhalten Gray Corr I 349
Verhalten/Gray: Gray verwendete die Sprache der Kybernetik (vgl. Wiener 1948)(1) - die Wissenschaft der Kommunikation und Kontrolle, die Endziele und Rückkopplungsprozesse umfasst, die die Kontrolle von Werten innerhalb des Systems beinhalten, die den Organismus zu seinem Endziel führen - in Form einer cns-CNS (Konzeptuelles Nervensystem/Zentrales Nervensystem >Terminologien/Gray) Brücke, um zu zeigen, wie der Informationsfluss und die Kontrolle der Ergebnisse erreicht wird (siehe auch Gray 2004)(2). >Reinforcement Sensitivity Theory/Gray, >Konzeptuelles Nervensystem/Gray. Gray stand vor zwei großen Problemen: erstens, wie man Gehirnsysteme identifiziert, die für das Verhalten verantwortlich sind, und zweitens, wie man diese Systeme charakterisiert, sobald sie identifiziert wurden. Die Perspektive der individuellen Unterschiede ist ein wichtiger Weg, um die Hauptquellen für Variationen im Verhalten zu identifizieren. Folglich muss es kausale Systeme (d.h. Quellen) geben, die zu beobachteten Variationen im Verhalten führen. Hans Eysencks (1947(3), 1957(4), 1967(5)) Ansatz bestand darin, mittels multivariater statistischer Analysen diese Hauptquellen der Variation in Form von Persönlichkeitsdimensionen zu identifizieren.
GrayVsEysenck: Gray akzeptierte, dass dieser "Top-Down"-Ansatz die minimale Anzahl von Variationsquellen identifizieren kann (d.h. das "Extraktionsproblem" in der Faktorenanalyse), aber er argumentierte, dass solche statistischen Ansätze niemals die korrekte Ausrichtung dieser beobachteten Dimensionen (d.h. das "Rotationsproblem" in der Faktorenanalyse) lösen können.
Lösung/Gray: "bottom-up"-Ansatz: ruht auf anderen Formen von Evidenz, einschließlich der Auswirkungen von Hirnläsionen, experimenteller Hirnforschung (z.B. intrakranielle Selbststimulationsstudien) und, von größter Bedeutung, den Auswirkungen auf das Verhalten von Medikamentenklassen, von denen bekannt ist, dass sie bei der Behandlung psychiatrischer Störungen wirksam sind.
Umwandlung der pharmakologischen Basisbefunde in eine wertvolle neuropsychologische Theorie. Dies war eine subtile und clevere Art, die Natur der fundamentalen Emotions- und Motivationssysteme aufzudecken, insbesondere derjenigen, die in den wichtigsten Formen der Psychopathologie involviert sind. >Methode/Gray, >Furcht/Gray.



1. Wiener, N. 1948. Cybernetics, or control and communication in the animal and machine. Cambridge: MIT Press
2. Gray, J. A. 2004. Consciousness: creeping up on the Hard Problem. Oxford University Press
3. Eysenck, H. J. 1947. Dimensions of personality. London: K. Paul/Trench Trubner
4. Eysenck, H. J. 1957. The dynamics of anxiety and hysteria. New York: Preger
5. Eysenck, H. J. 1967. The biological basis of personality. Springfield, IL: Thomas


Philip J. Corr, „ The Reinforcement Sensitivity Theory of Personality“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Wahrnehmung Corr Corr I 364
Wahrnehmung/Angst/Verteidigungsdistanz/Corr: Obwohl wir die Verteidigungsdistanz mit der realen Distanz gleichsetzen können, wird sie genauer als Wahrnehmung angesehen, d.h. als eine interne Größe, die Abwehrreaktionen auf eine feste Bedrohungseinheit (d.h. Größe x Entfernung) definiert. Diese eher bescheidene Aussage liefert eine unmittelbare Erklärung für die "Neurose", d.h. individuelle Unterschiede in der Anfälligkeit für neurotische Störungen. Eine defensivere Person (hier zur Vereinfachung, die so definiert ist, dass sie sowohl Furcht als auch Angst überwindet) wird eine Bedrohung durch einen festen objektiven Wert als bedrohlicher (d.h. näher) wahrnehmen als eine weniger defensive Person. >Angst/Corr, >Drogen/Corr.


Philip J. Corr, „ The Reinforcement Sensitivity Theory of Personality“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
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Währungspolitik Friedman Brocker I 398
Währungspolitik/Friedman: Zur Regelung der internationalen Währungsbeziehungen ist Friedman zufolge keine Geldpolitik erforderlich. Wenn die Wechselkurse frei schwanken dürfen, müssen die Zentralbanken nicht länger an den Devisenmärkten intervenieren, um die relativen Preise der nationalen Währungen konstant zu halten. Flexible Wechselkurse passen sich dann im freien Spiel der Marktkräfte so an, dass der freie Welthandel befördert wird, etwaige Inflationsunterschiede zwischen den Nationalstaaten kompensiert werden und somit kein Land unter großen Störungen seiner internationalen Wettbewerbsfähigkeit zu leiden hat. In den 1960er Jahren waren Geldmengensteuerung und flexible Währungskurse durchaus anerkannte wirtschaftspolitische Konzepte.


Peter Spahn, „Milton Friedman, Kapitalismus und Freiheit“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Econ Fried I
Milton Friedman
The role of monetary policy 1968

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Welt/Denken Millikan I 88
Satz/Welt/Bedeutung/MillikanVsRorty/Millikan: 1. Wir nehmen an, dass ein Satz zur Welt gehört, (mindestens, wenn er wahr ist). (MillikanVsRorty). Mathematische Gleichung: hier ist es vielleicht anders.
Wahrheit/Millikan: nehmen wir an, sie hat mit irgendeiner Abbildungsrelation bzw. Abbildungsregel zu tun.
Pointe: dies kann kein natürlicher Status (Status innerhalb der natürlichen Welt) sein.
Bsp falscher Satz: bildet nichts ab, hat aber dennoch Bedeutung. Aber wenn er eine Bedeutung hat, muss er etwas bedeuten. Aber nicht etwas aktuales. Also nicht etwas, in der natürlichen Welt.
Pointe: dann kann auch das, was ein wahrer Satz bedeutet, nichts sein, was in der aktualen Welt ist.
Lösung: die Relation eines wahren Satzes zu etwas zweifellos Aktualem in der Welt ist vermittelt durch eine Relation, die selbst nicht in der Welt ist. Diese Relation ist die Bedeutung.
Bedeutung/Millikan: ist nicht selbst in der Welt, sondern die Relation zwischen einem wahren Satz und dem, was in der Welt ist. Daher ist diese Relation auch nicht kausal.
Wahrmacher/Millikan: findet man aber nicht in falschen Sätzen. Und wir verstehen falsche Sätze nicht dadurch, dass wir bloß sagen, dass er nicht wahr ist.
Bedeutung/Millikan: muss etwas sein, das wahren und falschen Sätzen gemeinsam ist.
Abbildung/Bedeutung/Millikan: Bedeutung scheint auch irrelevant für aktuale Abbildungsrelation zu sein.
Lösung/Millikan: unsere Begriffe „Eigen...“ und „Normal“. Wahre und falsche Sätze „sollen“ Tatsachen in der Welt korrespondieren im Einklang mit bestimmten Abbildungsregeln. Das kann mit den Begriffen der Normalität und der Eigenfunktion erklärt werden.
I 89
Falschheit/falscher Satz/Millikan: ist dann genauso unproblematisch wie Bsp ein Chamäleon, das nicht die Farbe seiner Umgebung annimmt. ((s) Fehler, >Störung, >Irrtum). Bedeutung/Millikan: 2. Klänge werden zu Sätzen mit Bedeutung, wenn sie interpretiert werden.
Intentionalität/Sprache/Tradition/Millikan: ist daher eine (von Interpretation) abhängige Intentionalität. ((s) > abgeleitete Intentionalität).
Satz/Gegenstand/Welt/Millikan: ohne die Intentionalität wäre ein Satz ein gewöhnlicher Gegenstand.
Gedanke/Denken/Intentionalität/Millikan: Pointe: dann kann die Intentionalität von Gedanken nicht so interpretiert werden wie die von Sätzen. Sonst hätten wir einen Regress.
Repräsentation/Millikan: diejenigen, die Sätze für innere Repräsentationen halten vergessen, dass Sätze und Bilder nur abgeleitet intentional sind.

Millikan I
R. G. Millikan
Language, Thought, and Other Biological Categories: New Foundations for Realism Cambridge 1987

Millikan II
Ruth Millikan
"Varieties of Purposive Behavior", in: Anthropomorphism, Anecdotes, and Animals, R. W. Mitchell, N. S. Thomspon and H. L. Miles (Eds.) Albany 1997, pp. 189-1967
In
Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005
Werte Singer I 87
Werte/Tod/Töten/Utilitarismus/P. Singer: Angenommen, wir könnten Schmerz und Vergnügen als objektive Werte festlegen, dann haben wir ein anderes Problem: es gibt zwei Möglichkeiten, z.B. das Vergnügen in der Welt zu vermindern: a) Das Vergnügen aus dem Leben eines Wesens zu eliminieren
b) Das Leben dieses Wesens zu beenden.
Damit können wir nicht automatisch von der höheren Bewertung eines angenehmen Lebens gegenüber einem weniger angenehmen Leben übergehen zu einer Höherwertung eines angenehmen Leben gegenüber der Alternative, das da kein Leben ist. Begründung: wenn wir tot sind, vermissen wir das Angenehme nicht.
I 88
Utilitarismus: wenn es um die Vermehrung des Angenehmen in der Welt geht, warum sollten wir nicht immer mehr Kinder bekommen und immer mehr Tiere züchten, die ein angenehmes Leben haben? Das nenne ich die „Gesamtsicht“ („total“ view). Vs: dagegen könnte man einwenden, dass das Leben der jetzt existierenden Wesen dafür eingeschränkt würde. Und die noch nicht geborenen Wesen existieren eben nicht und können daher nicht leiden oder etwas entbehren.
VsVs: dagegen könnte man von den zukünftigen Wesen eine „Vorexistenz“ („prior existence“) annehmen. Damit ist gemeint, dass unsere jetzigen Entscheidungen sich auf Wesen beziehen, die jetzt noch nicht existieren.
I 89
Problem: in diesem Fall muss man mit einer Asymmetrie umgehen, wenn es z.B. darum geht zu entscheiden, ob ein Kind, das voraussichtlich extrem leiden und bald sterben wird, zur Welt gebracht werden sollte. Problem: beide Sichtweisen, die „Gesamtsicht“ wie die „Vorexistenz“-Sicht führen zu kontraintuitiven Konsequenzen.
I 245
Werte/Bewusstsein/Wissen/Tiere/Singer, P.: gibt es Werte jenseits des Bereichs, der für wissende Lebewesen erreichbar ist?
I 246
Intrinsischer Wert: ist ein Wert, der in sich selbst erstrebenswert ist im Gegensatz zu einem Wert, den etwas als Mittel zu etwas anderem erhält. Bsp Glück ist ein intrinsischer Wert, Geld ist es nicht. Umweltzerstörung/Singer, P.: wenn nun ein Tal durch einen Dammbau zerstört wird, muss man nicht nur das Schicksal der wissenden Lebewesen, sondern auch die Schicksale der anderen Arten beachten, von denen die meisten sterben werden.
I 247
Utilitarismus: wird in diesem Fall einbeziehen, dass die Tiere, die dort gelebt hätten, dies für weitere hunderte von Jahren getan hätten. Ethik/Singer, P.: wie weit kann sie ausgedehnt werden über den Bereich der wissenden Lebewesen hinaus? Die ethische Position, die ich in diesem Buch (P. Singer, Practical Ethics, Cambridge, 2011) entwickelt habe, beschränkt sich auf wissende Lebewesen.
I 248
Die Ausdehnung der Ethik über diesen Bereich hinaus ist schwierig. Problem: der Begriff des Interesses fehlt, wenn es darum geht, eine Abwägung zu machen.
Weiteres Problem: ohne den Begriff des Wissens ist die Grenze zwischen belebter und unbelebter Natur schwieriger zu verteidigen.
I 249
Lösung/Albert Schweitzer/Singer, P.: Leben/Recht/Bewusstsein/Schweitzer: die unmittelbarste Tatsache des Bewusstseins ist: Ich bin Leben, das leben will und ich existieren inmitten des Lebens das leben will…und das erstreckt sich auf alles Leben in meiner Umwelt, auch wenn es sich nicht selbst ausdrücken kann. (A. Schweitzer, Civilization and Ethics (Part II, The Philosophy of Civilization, London, 1929, pp. 246-7.).
I 250
P. SingerVsSchweitzer: seine Sprache ist irreführend, wenn er von ausnahmslos allen Lebensformen spricht und ihnen Sehnsucht, Verlangen, Begeisterung, Vergnügen und Terror zuspricht. Pflanzen können nichts davon empfinden. Holmes RolstonVsSinger, P.: Wenn die natürliche Selektion einem Organismus die Züge verliehen hat, die dieser braucht, um sein Überleben anzustreben, dann ist dieser Organismus in der Lage, etwas auf Basis dieser Züge zu bewerten. (H. Rolston, Respect for Life: Counting waht Singer Finds of no Account“, in: Dale Jamieson (ed.), Singer and Critics, (Oxford, 1999) pp. 247-268.)
P. SingerVsRolston: er erklärt dann aber nicht, warum natürliche Selektion die Bewertung von Organismen ermöglicht, nicht aber menschliches Design und Kreation. Sollten wir etwa sagen, dass Solarzellen, die sich automatisch nach der Sonne richten, der Sonne Wert verleihen?
Leben ohne Bewusstsein/Singer, P.: es gibt keinen Grund, den physikalischen Prozessen, die belebte Dinge beherrschen größeren Respekt zu zollen als den physikalischen Prozessen, die unbelebte Dinge beherrschen. Wenn das so ist, ist es zumindest nicht offensichtlich, warum wir mehr Respekt vor einem Baum als vor einem Stalaktiten haben sollten.


SingerP I
Peter Singer
Practical Ethics (Third Edition) Cambridge 2011

SingerP II
P. Singer
The Most Good You Can Do: How Effective Altruism is Changing Ideas About Living Ethically. New Haven 2015
Werttheorie Habermas IV 494
Werttheorie/Methode/Habermas: die Marxsche Werttheorie gibt Regeln an, nach denen systematische Aussagen (über anonyme Wertbeziehungen) in historische Aussagen (über Interaktionsbeziehungen
IV 495
zwischen sozialen Klassen) übersetzt werden können. So lassen sich Probleme der Systemintegration auf der Ebene der Sozialintegration abbilden und mit der Dynamik von Klassenauseinandersetzungen verknüpfen.
IV 498
Methode/HabermasVsMarx: es ist eine Schwäche der Werttheorie, dass Aussagen über das System bzw. über die Lebenswelt nur als Aussagen über eine Totalität, die beide Momente zusammenhält, möglich sind. Es wird vorausgesetzt, dass zwischen Systementwicklung und lebensweltlichem Strukturwandel ein logischer Zusammenhang besteht. Marx begreift die Einheit von System- und Lebenswelt (…) nach dem Modell der Einheit einer zerrissenen sittlichen Totalität.
IV 499
Das führt dazu, dass er den evolutionären Eigenwert den mediengesteuerten Subsysteme (Siehe Medien/Habermas) verkennt. Problem: das macht es Marx unmöglich, seine Handlungsperspektive im Rahmen seiner Revolutionstheorie darzustellen.
IV 501
HabermasVsMarx: Marx fehlen die Kriterien, anhand derer er die Zerstörungen traditionaler Lebenswelten unterscheiden könnte.
IV 503
HabermasVsMarx: eine weitere, entscheidende Schwäch der Werttheorie ist die Überverallgemeinerung eines speziellen Falles der Subsumtion der Lebenswelt unter Systemimperative. Die Prozesse der Verdinglichung müssen nicht notwendigerweise nur in der Sphäre auftreten, in der sie verursacht werden – in der Arbeitswelt. Sie können auch in der privaten Lebenswelt auftreten. Die Werttheorie rechnet (aber) nur mit einem Kanal, dem der Monetarisierung der Arbeitskraft.

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Wettbewerb Schumpeter Brocker I 255
Wettbewerb/Schumpeter: Schumpeter These: Im wirtschaftlichen Prozess schöpferischer Zerstörung kommt es nicht nur auf den sichtbaren, sondern vor allem auch auf den unsichtbaren Wettbewerb potenzieller Konkurrenz an (1) und dass für die Innovationsleistung des Kapitalismus nicht die statische Dimension des Preiswettbewerbs, sondern die dynamische Dimension des Qualitätswettbewerbs von alles überragender Bedeutung ist. (2)
1. Joseph A. Schumpeter, Capitalism, Socialism and Democracy, New York 1942. Dt.: Joseph A. Schumpeter, Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie, Tübingen/Basel 2005 (zuerst: Bern 1946).S. 60, 140.
2. Ebenda S. 139.

Ingo Pies, „Joseph A. Schumpeter, Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie (1942)“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

EconSchum I
Joseph A. Schumpeter
Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung Leipzig 1912

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Willkür Wittgenstein II 230
Willkürlich/Willkür/Konvention: Zahlensysteme sind willkürlich. - Sonst würde eine andere Schreibweise anderen Tatsachen entsprechen. - II 231 natürlich kann man neuen Sätzen und Symbolen Sinn verleihen. - Eben deshalb heißen die Konventionen willkürlich.
II 236
Willkür/willkürlich/Gesetz/Physik/Naturgesetze/NG/Wittgenstein: Bsp Bahnstörungen: es ist willkürlich, ob wir unsere Gesetze für richtig erklären, und sagen, wir sehen lediglich den Planeten nicht, oder ob wir die Gesetze falsch nennen. - Wenn wir sagen, dass ein Planet in der Nähe sein muss, legen wir eine grammatische Regel fest.
II 238
Die Gesetze der Logik, wie der Satz vom ausgeschlossenen Dritten sind willkürlich! - In Wirklichkeit verwenden wir oft Widersprüche. - Bsp ich mag es und ich mag es nicht.
VI 115
Willkür/willkürlich/Grammatik/Regeln/Zweck/Wittgenstein/Schulte: Bsp die Regeln des Kochens sind nicht willkürlich, weil sie durch den Zweck des Kochens definiert sind. - Dagegen: Grammatik: ist nicht durch den Zweck der Sprache definiert - die grammatischen Regeln konstituieren erst die Bedeutung. - Daher sind sie keine Bedeutung verpflichtet. - ((s) Grammatik/Wittgenstein: = Logik).
IV 31
nicht willkürlich/Tractatus: das Zeichen des Komplexes löst sich nicht willkürlich auf. - Bsp aRb.

W II
L. Wittgenstein
Vorlesungen 1930-35 Frankfurt 1989

W III
L. Wittgenstein
Das Blaue Buch - Eine Philosophische Betrachtung Frankfurt 1984

W IV
L. Wittgenstein
Tractatus logico-philosophicus Frankfurt/M 1960
Wirtschaftswachstum Acemoglu Acemoglu I 83
Wirtschaftswachstum/Acemoglu/Robinson: Politische und wirtschaftliche Institutionen, die letztlich die Wahl der Gesellschaft sind, können integrativ sein und wirtschaftliches Wachstum fördern. Sie können aber auch extraktiv sein und zu Hindernissen für das Wirtschaftswachstum werden. Nationen scheitern, wenn sie über extraktive Wirtschaftsinstitutionen verfügen, die von extraktiven politischen Institutionen unterstützt werden, die das Wirtschaftswachstum behindern und sogar blockieren. Aber das bedeutet, dass die Wahl der Institutionen - d.h. die Politik der Institutionen - von zentraler Bedeutung für unser Bemühen ist, die Gründe für den Erfolg und das Scheitern von Nationen zu verstehen. >Institutionen/Acemoglu, >Politische Institutionen/Acemoglu. Frage: Würde nicht jeder Bürger, jeder Politiker und sogar ein räuberischer Diktator sein Land so wohlhabend wie möglich machen wollen?
Acemoglu I 84
Leider ist die Antwort für die Bürger vieler Länder der Welt "nein". Wirtschaftsinstitutionen, die Anreize für wirtschaftlichen Fortschritt schaffen, können gleichzeitig Einkommen und Macht so umverteilen, dass ein räuberischer Diktator und andere mit politischer Macht schlechter gestellt werden können. Institutionen: Das Grundproblem ist, dass es zwangsläufig zu Streitigkeiten und Konflikten über wirtschaftliche Institutionen kommen wird. Verschiedene Institutionen haben unterschiedliche Folgen für den Wohlstand einer Nation, wie dieser Wohlstand verteilt wird und wer die Macht hat. Das wirtschaftliche Wachstum, das durch Institutionen induziert werden kann, schafft sowohl Gewinner als auch Verlierer. Auch wenn die Mechanisierung zu enormen Steigerungen der Gesamteinkommen führte und letztlich zur Grundlage der modernen Industriegesellschaft wurde, wurde sie von vielen erbittert bekämpft. Nicht aus Unwissenheit oder Kurzsichtigkeit, ganz im Gegenteil. Vielmehr hat ein solcher Widerstand gegen wirtschaftliches Wachstum seine eigene, leider kohärente Logik.
>Institutionen/Acemoglu.
Schumpeter: Wirtschaftswachstum und technologischer Wandel gehen einher mit dem, was der große Wirtschaftswissenschaftler Joseph Schumpeter kreative Zerstörung nannte: Neue Firmen nehmen den etablierten Unternehmen das Geschäft weg. Neue Technologien machen vorhandene Fähigkeiten und Maschinen überflüssig.
Konservatismus: Der Prozess des Wirtschaftswachstums und die integrativen Institutionen, auf denen es beruht, schaffen sowohl Verlierer als auch Gewinner in der politischen Arena und auf dem wirtschaftlichen Markt. Die Furcht vor kreativer Zerstörung ist oft die Wurzel der Opposition gegen integrative wirtschaftliche und politische Institutionen.
Acemoglu I 86
Die Logik, warum die Mächtigen nicht notwendigerweise die wirtschaftlichen Institutionen schaffen wollen, die den wirtschaftlichen Erfolg fördern, erstreckt sich leicht auf die Wahl der politischen Institutionen.
Acemoglu I 92
Extraktive Institutionen: Es gibt zwei unterschiedliche, aber sich ergänzende Möglichkeiten, wie Wachstum unter extraktiven politischen Institutionen entstehen kann. 1) (...) selbst wenn die Wirtschaftsinstitutionen extraktiv sind, ist Wachstum möglich, wenn die Eliten Ressourcen direkt für hochproduktive Aktivitäten einsetzen können, die sie selbst kontrollieren. Ein Beispiel dafür ist das Wirtschaftswachstum und die Industrialisierung der Sowjetunion vom ersten Fünfjahresplan 1928 bis in die 1970er Jahre. Die politischen und wirtschaftlichen Institutionen waren in hohem Maße extraktiv, und die Märkte waren stark eingeschränkt. Dennoch war die Sowjetunion in der Lage, ein rasches Wirtschaftswachstum zu erzielen, weil sie die Macht des Staates nutzen konnte, um Ressourcen aus der Landwirtschaft, wo sie sehr ineffizient genutzt wurden, in die Industrie zu verlagern.
2) Die zweite Art von Wachstum unter extraktiven politischen Institutionen entsteht, wenn die Institutionen die Entwicklung von etwas, wenn auch nicht vollständig integrativen wirtschaftlichen Institutionen zulassen. >Institutionen/Acemoglu.
Acemoglu I 124
Wachstum mit extraktiven Institutionen: (...) wenn die meisten Gesellschaften in der Geschichte auf extraktiven politischen und wirtschaftlichen Institutionen basieren, bedeutet dies dann, dass Wachstum nie stattfindet? Offensichtlich nicht. Extraktive Institutionen müssen nach ihrer eigentlichen Logik Wohlstand schaffen, damit er extrahiert werden kann. Ein Herrscher, der die politische Macht monopolisiert und die Kontrolle über einen zentralisierten Staat hat, kann ein gewisses Maß an Recht und Ordnung und ein Regelsystem einführen und die Wirtschaftstätigkeit ankurbeln.
Acemoglu I 149
Das Wachstum, das durch extraktive Institutionen (>Terminologie/Acemoglu) erzeugt wird, unterscheidet sich in seiner Art stark von dem Wachstum, das durch integrativen Institutionen erzeugt wird (...). Am wichtigsten ist, dass es nicht nachhaltig ist. Es liegt in ihrer Natur, dass extraktive Institutionen keine schöpferische Zerstörung fördern und bestenfalls einen begrenzten Umfang an technologischem Fortschritt erzeugen. Das Wachstum, das sie hervorbringen, hält daher nur so lange an. >Sowjetunion/Acemoglu.

Acemoglu II
James A. Acemoglu
James A. Robinson
Economic origins of dictatorship and democracy Cambridge 2006

Acemoglu I
James A. Acemoglu
James A. Robinson
Why nations fail. The origins of power, prosperity, and poverty New York 2012

Der gesuchte Begriff oder Autor findet sich in folgenden 2 Thesen von Autoren des zentralen Fachgebiets.
Begriff/
Autor/Ismus
Autor
Eintrag
Literatur
Vernunft Hume, D. I 25
Traktat These "Es liegt nicht Gegensätzliches für die Vernunft darin, wenn ich lieber die Zerstörung der ganzen Welt will, als einen Ritz an meinem Finger ï·" (I 172): es widerspricht nicht der Vernunft, wenn ich meinen vollständigen Ruin auf mich nehme, um das kleinste Unbehagen eines Indianers oder einer mir gänzlich unbekannten Person zu verhindern".
Rorty V 49
Vernunft/Hume: »die Vernunft ist die Sklavin der Leidenschaften und sollte ihre Sklavin sein!«.
V 74
Rorty: diese These wird von jeder assoziationspsychologischen Theorie aufgestellt: Vernunft kein Vermögen der Wesensschau, sondern lediglich ein Vermögen der Folgerung von geglaubten Sätzen aus anderen geglaubten Sätzen. Es braucht dann ein anderes Vermögen als die Vernunft, um Prämissen bereitzustellen. Sobald der Geist keine quasi Person mehr ist, sondern zur Maschine wird, hat er keine Vermögen mehr!

Rorty I
Richard Rorty
Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997

Rorty II
Richard Rorty
Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000

Rorty II (b)
Richard Rorty
"Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (c)
Richard Rorty
Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (d)
Richard Rorty
Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (e)
Richard Rorty
Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (f)
Richard Rorty
"Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (g)
Richard Rorty
"Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty III
Richard Rorty
Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992

Rorty IV (a)
Richard Rorty
"is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty IV (b)
Richard Rorty
"Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty IV (c)
Richard Rorty
"Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty IV (d)
Richard Rorty
"Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty V (a)
R. Rorty
"Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983
In
Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998

Rorty V (b)
Richard Rorty
"Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984
In
Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988

Rorty V (c)
Richard Rorty
The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992)
In
Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988

Rorty VI
Richard Rorty
Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000
Ursache Lewis, D. V 179
Effekt/Lewis: These: Ursachen machen Effekte wahrscheinlicher. Aber das ist in der Analyse der kausalen Abhängigkeit geschrieben, nicht der der Verursachung selbst. Verursachung: besteht, wenn es eine Kausalkette gibt, Direktheit ist nicht notwendig. Es ist auch nicht notwendig, daß das erste Glied die Wahrscheinlichkeit des Effekts am Ende erhöht.
V 186
Verursachung/Unempfindlichkeit/Individuation/Lewis: These die richtige Weise der Verursachung sollte durch Unempfindlichkeit gegen Störung (Umstände) herausgefunden werden.
Schw I 129
Kausalität/kontrafaktisches Konditional/KoKo/Lewis/Schwarz: (Causation, 1973, damals revolutionär, hält seitdem "eine mittlere philosophische Industrie in Gang"): These: das zweite (verursachte) Ereignis hängt kontrafaktisch vom ersten Ereignis ab.