Lexikon der Argumente


Philosophische Themen und wissenschaftliche Debatten
 
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Literatur
Absicht Maturana I 176/77
Absicht/Zweck/Ziel/Maturana: diese Begriffe haben mit der Verwirklichung eines lebenden Systems nichts zu tun! Die Geschichte der Interaktionen ist die Geschichte der Störeinwirkungen, d.h. die Geschichte der Interaktionen in seiner Nische - die Nische verändert sich ständig.

Maturana I
Umberto Maturana
Biologie der Realität Frankfurt 2000
Absolutismus Kekes Gaus I 133
Absolutismus/Kekes/Gaus: Absolutisten glauben, dass die Vielfalt der Werte offensichtlich und nicht real ist. Sie räumen ein, dass es viele Werte gibt, sind aber der Meinung, dass es einen universellen und objektiven Standard gibt, an den man bei der Bewertung ihrer jeweiligen Bedeutung appellieren kann. Dieser Standard kann ein höchster Wert sein, das summum bonum; andere Werte können auf der Grundlage ihres Beitrags zu seiner Verwirklichung eingestuft werden. Der höchste Wert kann Glück, Pflicht, Gottes Wille, ein Leben in Tugend und so weiter sein. Absolutismus hat oft eine rationalistische Grundlage. Denn der am häufigsten angebotene Grund für die Universalität und Objektivität des von Absolutisten als den höchsten angesehenen Standards ist, dass er die moralische Ordnung der Wirklichkeit widerspiegelt.
VsAbsolutismus: Es ist den Absolutisten sehr peinlich, dass auch die Kandidaten für universelle und objektive Maßstäbe unterschiedlich sind und damit vor den gleichen Problemen stehen wie die Werte, deren Vielfalt durch sie geschmälert werden soll.
AbsolutismusVsVs: Absolutisten erkennen dies an und erklären es mit menschlichen Unzulänglichkeiten, die Menschen daran hindern, den einen und wahren Maßstab zu erkennen. >Werte/Relativismus, >Werte/Konservatismus.


Kekes, John 2004. „Conservtive Theories“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Anerkennung Hegel Gadamer I 349
Anerkennung/Hegel/Gadamer: (...) der dialektische Gang der „Phänomenologie des Geistes“ [ist] vielleicht durch nichts so entscheidend bestimmt wie durch das Problem der Anerkennung des Du. Um nur einige Stationen dieser Geschichte zu nennen: Das eigene Selbstbewusstsein gelangt nach Hegel nur dadurch zur Wahrheit seines Selbstbewusstseins, dass es sich im anderen seine Anerkennung erkämpft. Das unmittelbare Verhältnis von Mann und Frau ist das natürliche Erkennen des gegenseitigen Anerkanntseins (S. 325)(1). Darüber hinaus stellt das Gewissen das geistige Element des Anerkanntwerdens dar, und erst über das Bekenntnis und die Verzeihung kann das gegenseitige Sichanerkennen, worin der Geist absolut ist, erreicht werden. Gadamer: Es lässt sich nicht bestreiten, dass die Einwürfe von Feuerbach und von Kierkegaard sich
in diesen von Hegel beschriebenen Gestalten des Geistes bereits vorgedacht finden.


1. Eine genaue Interpretation der Dialektik der Anerkennung (Phänomenologie des
Geistes IV, A. Selbständigkeit und Unselbständigkeit des Selbstbewusstseins. Herrschaft
und Knechtschaft) habe ich inzwischen in „Hegels Dialektik. Sechs hermeneutische Studien, Tübingen 1980 (Bd. 3 der Ges. Werke), Kap. Ill, vorgelegt.



Brocker I 793
Anerkennung/Hegel/HonnethVsVegel/Honneth: in Hegels Kritik an Hobbes (Siehe Hobbes/Hegel, Intersubjektivität/Hegel) fehle der letzte Schritt: Hegel kritisiert an Hobbes die individualistische Sicht eines Kampfes der Individuen um knappe Ressourcen, die den gleichzeitig stattfinden Kampf um intersubjektive Anerkennung vernachlässige. Dabei unterlässt Hegel aber den entscheidenden Schritt: der über die Sphäre des Rechts hinausweisende Anspruch auf Selbstverwirklichung verweise für Hegel auf das „sittliche Verhältnis des Staates“ (1) als den Ort seiner Verwirklichung. Dieser Schritt bleibe aber meist in einer äußerlichen Darstellung des „institutionellen Umbau[s] des Rechts von einem informellen zu einem staatlich organisierten Verhältnis (…)“ stecken.(2)
Brocker I 794
HonnethVsHegel: seiner Interpretation fehlt damit gerade hier die anerkennungstheoretische Komponente. Der Grund dafür ist laut Honneth Hegels Wende zu bewusstseinstheoretischen Fragen. Hegels Staatsbegriff folgt daher spätestens seit seiner Jenaer Realphilosophie jener bewusstseinsphilosophischen Logik, die in den späteren Schriften zunehmend in den Vordergrund rückt. Siehe Staat/Hegel.

1. Axel Honneth, Kampf um Anerkennung. Zur moralischen Grammatik sozialer Konflikte, mit einem neuen Nachwort, Frankfurt/M. 2014 (zuerst 1992) S. 94
2. Ebenda S. 92f.

Hans-Jörg Sigwart, „Axel Honneth, Kampf um Anerkennung“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018



Höffe I 329
Anerkennung/Phänomenologie/Hegel/Höffe: In der Konkurrenz mit seinesgleichen kommt es dem Menschen nicht erst auf Selbstbehauptung, sondern schon auf die Konstitution eines Selbst an. Hegel erweitert die oft bloß sozial-, rechts- oder staatstheoretisch geführte Debatte um drei weitere Themen: um die
a) Auseinandersetzung des Menschen mit sich selbst, um die
b) Auseinandersetzung mit der Natur und um den zu den drei Dimensionen gehörenden
c) Begriff der Arbeit.
Höffe I 330
Selbstbewusstsein: Das Selbstbewusstsein tritt dabei zunächst als schlichtes Streben nach Selbsterhaltung auf, stößt jedoch auf das konkurrierende Streben eines anderen (...) und führt, da die eine Selbsterhaltung der anderen widerstreitet, zu einem «Kampf auf Leben und Tod».(1) >Herrschaft/Knechtschaft/Hegel. Der Kern dieses Kampfes um Anerkennung besteht in einer «Selbsterkenntnis im Anderen».
a) personal: Man erkennt sich erst und nur in einer zweiten Person.
b) apersonal: Die Selbsterkenntnis kommt durch eine soziale Anerkennung allein noch nicht zustande. Sie bedarf auch der durch Arbeit, also ein ökonomisches Handeln vermittelten Auseinandersetzung mit der vor- und außerpersonalen Welt.
Soziale Dimension/Höffe: Die wechselseitige Anerkennung, die erst nach schmerzlichen Erfahrungen gelingt, hat, sobald sie Rechtscharakter annimmt, einen unschätzbaren Vorteil. (...) die rechtsförmige wechselseitige Anerkennung leidet nicht unter Knappheit. Der Status einer Rechtsperson und eines Staatsbürgers ist kein knappes Gut, er kann jedem gewährt werden.


1. Hegel, Phänomenologie des Geistes, 1807

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Aristokratie Rawls I 74
Aristokratie/Gesellschaft/Freiheit/Gerechtigkeit/Effizienz/Santayana/Rawls: aus der Sicht der Natürlichen Aristokratie wird kein Versuch gemacht, zufällige soziale Ungleichverteilungen zu korrigieren, abgesehen von dem was von einer Verwirklichung von Chancengleichheit gefordert wird. Dabei werden die Vorteile der Begabteren aber darauf beschränkt, was den weniger gut gestellten zugutekommt. Das aristokratische Ideal wird auf ein (zumindest in rechtlicher Hinsicht) offenes System angewendet. Die Situation der Bessergestellten wird dabei nur als gerecht angesehen, dass, wenn die Bessergestellten weniger hätte, die Ärmeren dadurch ebenfalls weniger erlangen würden(1). Rawls: das System der Natürlichen Aristokratie ist, wie das der Liberalen Gleichheit unstabil.
I 75
Lösung/Rawls: wir brauchen eine demokratisch verfasste Gleichheit (Democratic Equality), um Instabilitäten begegnen zu können.

(1) Siehe G. Santayana, Reason and Society, New York, 1905, S.109f.

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005
Aristokratie Santayana Rawls I 74
Aristokratie/Gesellschaft/Freiheit/Gerechtigkeit/Effizienz/Santayana/Rawls: aus der Sicht der Natürlichen Aristokratie wird kein Versuch gemacht, zufällige soziale Ungleichverteilungen zu korrigieren, abgesehen von dem was von einer Verwirklichung von Chancengleichheit gefordert wird. Dabei werden die Vorteile der Begabteren aber darauf beschränkt, was den weniger gut gestellten zugutekommt. Das aristokratische Ideal wird auf ein (zumindest in rechtlicher Hinsicht) offenes System angewendet. Die Situation der Bessergestellten wird dabei nur als gerecht angesehen, dass, wenn die Bessergestellten weniger hätte, die Ärmeren dadurch ebenfalls weniger erlangen würden. (Siehe G. Santayana, Reason in Society (New York, 1905) pp. 109f.) Rawls: das System der Natürlichen Aristokratie ist, wie das der Liberalen Gleichheit unstabil.
I 75
Lösung/Rawls: wir brauchen eine demokratisch verfasste Gleichheit (Democratic Equality), um Instabilitäten begegnen zu können.

Santay I
George Santayana
Reason in Society New York 1962

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005
Autonomie Dworkin Gaus I 103
Autonomie/Dworkin, Gerald/Gaus: (...) an Gerald Dworkin: "[w]as ein Individuum zu der besonderen Person macht, die es ist, ist sein Lebensplan, seine Projekte. Wenn man nach Autonomie strebt, formt man sein Leben, man konstruiert seinen Sinn. Der autonome Mensch gibt seinem Leben Sinn" (1988(1): 31). Gaus: Solche Visionen von Autonomie behalten viel von der Struktur des Selbstverwirklichungs-Perfektionismus des 19. Jahrhunderts bei, während die Idee einer reichen Entfaltung der eigenen Fähigkeiten weniger im Vordergrund steht. Der Gedanke eines kohärenten Lebensplans stand im Mittelpunkt der Selbstverwirklichungstheorie des 19. Jahrhunderts (Gaus, 1983a(2): 34-44); die Idee eines Projekts oder eines Plans weist auf eine kohärente und integrierte Gesamtheit von Zielen hin. In dem Maße, in dem eine Konzeption der persönlichen Autonomie eine bestimmte rationale Struktur von Zielen voraussetzt, oder
Gaus I 104
einen rational konstruierten Plan, lädt er die elitären und paternalistischen Einwände ein, die gegen den liberalen Perfektionismus des 19. Jahrhunderts erhoben wurden. VsDworkin, Gerald: Diese Probleme werden durch Autonomiekonzepte gemildert, nach denen "die Grundidee der Autonomie darin besteht, die eigene Welt zu gestalten, ohne dem Willen anderer unterworfen zu sein" (Young, 1986(3): 19). >Autonomie/Gaus, >Individuum/Mill,>Liberalismus/Gaus.


1. Dworkin, Gerald (1988) The Theory and Practice of Autonomy. Cambridge: Cambridge University Press.
2. Gaus, Gerald F. (1983a) The Modern Liberal Theory of Man. New York: St Martin’s.
3. Young, Robert (1986) Personal Autonomy: Beyond Negative and Positive Freedom. London: Croom-Helm.


Gaus, Gerald F. 2004. „The Diversity of Comprehensive Liberalisms.“ In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications.

Dworkin I
Ronald Dworkin
Taking Rights Seriously Cambridge, MA 1978

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Autonomie Gaus Gaus I 103
Autonomie/Gaus: Der Großteil der Gesellschaft, so Mill(1), ist eine "kollektive Mittelmäßigkeit": Sie neigt zur Anpassung und ist nicht an neuen Ideen interessiert. >Individuen/Mill, >Perfektionismus/Gaus. Paternalismus: (...) Daraus folgt, dass solche perfektionistischen Theorien das Schreckgespenst eines weit verbreiteten Paternalismus aufkommen lassen. Obwohl Mill für eine stark anti-paternalistische Moral plädierte, scheint das Ideal so spezifisch und anspruchsvoll zu sein, dass es die Tore für Eingriffe in die Freiheit öffnet und versucht, die mittelmäßige Masse zu einer reicheren Persönlichkeit zu treiben. Es wird auch weniger offensichtlich, warum ihnen eine Freiheit gewährt werden sollte, die der sich vervollkommnenden Elite gleichkommt.
VsVs: Viele haben argumentiert, dass eine auf persönlicher Autonomie beruhende Verteidigung der Freiheit nicht Gegenstand dieser Einwände ist (...).
Joseph Raz: Joseph Raz zufolge ist nach Mill's Ideal der "Selbstverwirklichung in der vollen Entfaltung aller oder aller wertvollen Fähigkeiten, die eine Person besitzt, ... [d]ie autonome Person, eine Person, die ihr Leben selbst gestaltet. Sie kann den Weg der Selbstverwirklichung wählen oder ihn ablehnen" (1986(2): 325). Der Grundgedanke ist, dass es nach dem Ideal der Autonomie nicht ausschlaggebend ist, dass eine Person entscheidet, ihre Fähigkeiten zu entwickeln, sondern dass sie entscheidet, ob sie ihre Fähigkeiten entwickelt und, allgemeiner, wie sie ihr Leben leben will.
Varianten der Autonomie: Das Ideal der persönlichen Autonomie zerfällt in eine Vielzahl von spezifischeren Doktrinen (Lindley, 1986(3)). Persönliche Autonomie wurde im Sinne von Projektverfolgung, Selbstbestimmung, Selbstschöpfung und kritischer Reflexion über die eigenen Projekte und Werte oder der Konsistenz zwischen Willensäußerungen erster und zweiter Ordnung verstanden (zu letzterer siehe Gill, 2001(4): 20ff ).
Steven Wall: Laut Steven Wall, zum Beispiel, "brauchen autonome Menschen
(a) die Fähigkeit, Projekte auszuwählen und Verpflichtungen einzuhalten,
(b) die Unabhängigkeit, die notwendig ist, um ihren eigenen Lebensweg zu bestimmen und ein eigenes Verständnis dessen zu entwickeln, was wertvoll und tunswert ist,
(c) das Selbstbewußtsein und die Kraft, ihre Angelegenheiten in die Hand zu nehmen" (1998(5): 132; siehe auch Raz, 1986(2)). >Autonomie/Gerald Dworkin, >Autonomie/Robert Young.
Gaus I 104
Young, Robert: Eine autonome Person setzt ihre kritischen Fähigkeiten ein, um ihre Ziele und Projekte so zu bewerten und auszuwählen, dass sie wirklich ihre eigenen sind und nicht einfach von anderen aufgezwungen oder unreflektiert von ihnen übernommen werden(6). Gaus: Diese Konzeption der Autonomie ist also ein viel offeneres und damit weniger umstrittenes Ideal als die Ideale der Selbstverwirklichung oder der Projektverfolgung. Die Autonomie sagt uns nicht, was wir wählen sollen; sie besteht nur auf dem Wert eines gewählten Lebens. Die Sorge ist allerdings, dass sich niemand wirklich selbst schafft. Unsere Persönlichkeiten und Entscheidungen werden zutiefst von unseren natürlichen Begabungen und Neigungen, unserer Kultur und unserer Erziehung beeinflusst. Welche Optionen wir für attraktiv halten, wird stark von unserer Erziehung und Kultur beeinflusst. >Autonomie/Mill, >Autonomie/Benn, >Autonomie/Robert Young.


1. Mill, John Stuart (1963a) On Liberty. In J. M. Robson (Hrsg.), The Collected Works of John Stuart Mill. Toronto: University of Toronto Press, vol. XVIII, 213–301.
2. Raz, Joseph (1986) The Morality of Freedom. Oxford: Clarendon.
3. Lindley, Richard (1986) Autonomy. London: Macmillan.
4. Gill, Emily R. (2001) Becoming Free: Autonomy and Diversity in the Liberal State. Lawrence, KS: University of Kansas Press.
5. Wall, Steven (1998) Liberalism, Perfectionism and Restraint. Cambridge: Cambridge University Press.
6. Young, Robert (1986) Personal Autonomy: Beyond Negative and Positive Freedom. London: Croom-Helm.


Gaus, Gerald F. 2004. „The Diversity of Comprehensive Liberalisms.“ In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications.

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Autonomie Mill Gaus I 104
Autonomie/Mill/Gaus: Robert Young(1): Eine autonome Person setzt ihre kritischen Fähigkeiten ein, um ihre Ziele und Projekte so zu bewerten und auszuwählen, dass sie wirklich ihre eigenen sind und nicht einfach von anderen aufgezwungen oder unreflektiert von ihnen übernommen werden. Gaus: Diese Auffassung von Autonomie ist also ein viel offeneres und damit weniger umstrittenes Ideal als die Ideale der Selbstverwirklichung oder der Projektverfolgung. Die Autonomie sagt uns nicht, was wir wählen sollen; sie besteht nur auf dem Wert eines gewählten Lebens.
Problem: Die Sorge ist allerdings, dass sich niemand wirklich selbst schafft. Unsere Persönlichkeiten und Entscheidungen werden zutiefst von unseren natürlichen Begabungen und Neigungen, unserer Kultur und unserer Erziehung beeinflusst. Welche Optionen wir für attraktiv halten, wird stark von unserer Erziehung und Kultur beeinflusst.
Mill: Wie John Stuart Mill hervorhob, ist es "bloßer Zufall", der über die Traditionen entscheidet, in die man eingeweiht wird: "Dieselben Gründe, die ihn in London zum Kirchenmann machen, hätten ihn in Peking zu einem Buddhisten oder Konfuzianer [oder, wie wir hinzufügen könnten, zu einem Maoisten] gemacht" (1963a(2): Kap. 2, Para. 4). >Autonomie/Benn.


1. Young, Robert (1986) Personal Autonomy: Beyond Negative and Positive Freedom. London: Croom-Helm.
2. Mill, John Stuart (1963a) On Liberty. In J. M. Robson, (Hrsg.), The Collected Works of John Stuart Mill. Toronto: University of Toronto Press, Bd. XVIII, 213–301.


Gaus, Gerald F. 2004. „The Diversity of Comprehensive Liberalisms.“ In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications.

Mill I
John St. Mill
Von Namen, aus: A System of Logic, London 1843
In
Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993

Mill II
J. St. Mill
Utilitarianism: 1st (First) Edition Oxford 1998

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Autonomie Raz Gaus I 103
Autonomie/Raz/Gaus: Joseph Raz zufolge ist nach Mill's Ideal der "Selbstverwirklichung in der vollen Entfaltung aller oder aller wertvollen Fähigkeiten, die eine Person besitzt, ... [d]ie autonome Person, eine Person, die ihr Leben selbst gestaltet. Sie kann den Weg der Selbstverwirklichung wählen oder ihn ablehnen" (1986(1): 325). Der Grundgedanke ist, dass es nach dem Ideal der Autonomie nicht entscheidend ist, dass eine Person entscheidet, ihre Fähigkeiten zu entwickeln, sondern dass sie entscheidet, ob sie ihre Fähigkeiten entwickelt und, allgemeiner, wie sie ihr Leben leben will. Varianten der Autonomie: Das Ideal der persönlichen Autonomie zerfällt in eine Vielzahl von spezifischeren Doktrinen (Lindley, 1986(2)). Persönliche Autonomie wurde im Sinne von Projektverfolgung, Selbstbestimmung, Selbstschöpfung und kritischer Reflexion über die eigenen Projekte und Werte oder der Konsistenz zwischen Willensäußerungen erster und zweiter Ordnung verstanden (zu letzterer siehe Gill, 2001(3): 20ff ).
Steven Wall: Steven Wall zufolge brauchen zum Beispiel "autonome Menschen
(a) die Fähigkeit, Projekte auszuwählen und Verpflichtungen einzuhalten,
(b) die Unabhängigkeit, die notwendig ist, um ihren eigenen Lebensweg zu bestimmen und ein eigenes Verständnis dessen zu entwickeln, was wertvoll und tunswert ist,
(c) das Selbstbewusstsein und die Kraft, ihre Angelegenheiten in die Hand zu nehmen" (1998(4): 132; siehe auch Raz, 1986(1)). >Autonomie/Gerald Dworkin, >Autonomie/Robert Young.
Gaus I 104
Autonomie/Liberalismus/Gaus: Die Theorie der persönlichen Autonomie, die so weit interpretiert wird, dass sie die Selbstentwicklung von Millionen Menschen einschließt, (>Individuum/Mill, >Autonomie/Mill, >Perfektionismus/Gaus) ist nicht einfach eine Sichtweise des guten Lebens, die von den Liberalen vertreten wurde, oder gar eine Sichtweise des guten Lebens, die liberale politische Institutionen rechtfertigt. Es ist eine ausgesprochen liberale Auffassung vom guten Leben: Das gute Leben ist ein frei gewähltes Leben, und so ist das gute Leben ein freies Leben. Raz: Es ist, wie Raz (1986)(1) sagt, eine Moral der Freiheit; sie stellt eine bestimmte Vorstellung von einem freien Leben in den Mittelpunkt der Moral.
Gaus: Das heißt nicht, dass das autonome Projekt erfolgreich ist; (...) Freiheit qua Autonomie scheint an der Grenze zur Rechtfertigung von Elitismus und Bevormundung zu wanken und lädt damit zu einer Kritik ein, wie sie Berlin in "Zwei Freiheitskonzepte" berühmt gemacht hat.>Autonomie/Gaus.


1. Raz, Joseph (1986) The Morality of Freedom. Oxford: Clarendon.
2. Lindley, Richard (1986) Autonomy. London: Macmillan.
3. Gill, Emily R. (2001) Becoming Free: Autonomy and Diversity in the Liberal State. Lawrence, KS: University of Kansas Press.
4. Young, Robert (1986) Personal Autonomy: Beyond Negative and Positive Freedom. London: Croom-Helm.

Gaus, Gerald F. 2004. „The Diversity of Comprehensive Liberalisms.“ In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications.

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Autonomie Young Gaus I 103
Autonomie/Young, Robert/Gaus: Der Gedanke eines kohärenten Lebensplans war zentral für die Selbstverwirklichungstheorie des 19. Jahrhunderts (Gaus, 1983a(1): 34-44); die Idee eines Projekts oder eines Plans weist auf eine kohärente und integrierte Gesamtheit von Zielen hin. In dem Maße, in dem eine Konzeption der persönlichen Autonomie eine bestimmte rationale Struktur von Zielen voraussetzt, oder
Gaus I 104
einen rational konstruierten Plan, lädt er die elitären und paternalistischen Einwände ein, die gegen den liberalen Perfektionismus des 19. Jahrhunderts erhoben wurden. VsDworkin, Gerald: Diese Probleme werden durch Autonomiekonzepte gemildert, nach denen "die Grundidee der Autonomie darin besteht, die eigene Welt zu gestalten, ohne dem Willen anderer unterworfen zu sein" (Young, 1986(2): 19).
Young: Eine autonome Person setzt ihre kritischen Fähigkeiten ein, um ihre Ziele und Projekte so zu bewerten und auszuwählen, dass sie wirklich ihre eigenen sind und nicht einfach von anderen aufgezwungen oder unreflektiert von ihnen übernommen werden. Autonomie wird so verstanden als "ein Ideal der Selbstschöpfung ... Autonomie steht im Gegensatz zu einem Leben erzwungener Entscheidungen. Sie steht im Gegensatz zu einem Leben ohne Wahlmöglichkeiten oder zu einem Leben, in dem man durchs Leben driftet, ohne jemals die Fähigkeit zur Wahl auszuüben" (Raz, 1986(3): 370, 371). Diese Vorstellung von Autonomie ist also ein viel offeneres und daher weniger umstrittenes Ideal als die Ideale der Selbstverwirklichung oder der Projektverfolgung. >Autonomie/Gaus.


1. Gaus, Gerald F. (1983a) The Modern Liberal Theory of Man. New York: St Martin’s.
2. Young, Robert (1986) Personal Autonomy: Beyond Negative and Positive Freedom. London: Croom-Helm.
3. Raz, Joseph (1986) The Morality of Freedom. Oxford: Clarendon.

Gaus, Gerald F. 2004. „The Diversity of Comprehensive Liberalisms.“ In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications.

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Bourgeois/Citoyen Marx Mause I 49
Bourgeois/citoyen/MarxVsHegel/Marx: Der „politische Staat“ (Marx 1956b, S.351), der der „bürgerlichen Gesellschaft“ (1) historisch zu ihrer Durchsetzung verhalf, ist der bloße Garant dieser atomistischen Gesellschaft des egoistisch seine Privatinteressen verfolgenden bourgeois, dessen Rechte er in Gestalt der liberalen Grund- und Menschenrechte schützt (2). Damit konserviert er jene bourgeoise Existenzweise des (…) von seinem „Gattungswesen“ (3) als Mensch entfremdeten, isolierten Individuums, das in Seinesgleichen nicht die kommunitäre Verwirklichungschance, sondern die Schranke seiner Freiheit sieht. Der citoyen ist nichts als die idealisierte Projektion dieser entfremdeten Gattungswesenheit, und der Staat, der sich dieser Idealisierung gemäß als republikanischer Verwirklichungsraum dieses citoyen präsentiert, erweist sich in Wahrheit als Instrument zur Stabilisierung der bürgerlichen Gesellschaft und der Konkurrenz ihrer Mitglieder. Unter den historischen Bedingungen der bürgerlichen Gesellschaft bleibt daher der citoyen immer dem bourgeois untergeordnet, und ebenso erscheint das Verhältnis von Politik und Wirtschaft in Gestalt einer Zweck-Mittel-Verkehrung.
Republikanismus/MarxVsRousseau, MarxVsHegel: Das von Rousseau wie von Hegel projektierte republikanische Ziel ist also für Marx innerhalb der Grenzen der bestehenden Wirtschaftsform nicht zu erreichen.


1. K. Marx, Zur Judenfrage. In Marx Engels Werke, Bd.  1 (MEW 1), Hrsg. Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED, Berlin 1956, S. 354-356,366-370.
2. Ebenda S. 361-367
3. Ebenda S 366,370.

Marx I
Karl Marx
Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Chancengleichheit Nussbaum Mause I 200f
Chancengerechtigkeit/Sen/Nussbaum: Das Konzept der Verwirklichungschancen, auch Befähigungsgerechtigkeit genannt („ capability-approach“), das maßgeblich mit den Namen Amartya Sen (1985)(1) und Martha Nussbaum (1999)(2) verbunden ist, rückt die Frage nach den sozialen Bedingungen, die notwendig sind, um ein gutes und erfülltes Leben zu führen, in den Mittelpunkt. Der Ansatz der Verwirklichungschancen zielt darauf ab, nicht nur Chancengerechtigkeit zu gewährleisten, sondern das Individuum aktiv dabei zu unterstützen, den individuellen Lebensentwurf Realität werden zu lassen. Leben/capability-Ansatz: ein erfülltes Leben hängt ab von der Relation zwischen dem, was ein Mensch tut oder ist und dem, was zu tun er in der Lage ist.
Funktionsweisen/functionings: sind Zustände, die von einer Person wertgeschätzt werden.
Capabilities: objektive Möglichkeiten, die gewählten Weisen der Lebensführung realisieren zu können.

1. Amartya Sen, Commodities and capabilities. New Delhi Oxford 1985.
2. Martha Nussbaum, Gerechtigkeit oder Das gute Leben. Frankfurt a. M. 1999

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Chancengleichheit Sen Mause I 200f
Chancengerechtigkeit/Sen/Nussbaum: Das Konzept der Verwirklichungschancen, auch Befähigungsgerechtigkeit genannt („ capability-approach“), das maßgeblich mit den Namen Amartya Sen (1985)(1) und Martha Nussbaum (1999)(2) verbunden ist, rückt die Frage nach den sozialen Bedingungen, die notwendig sind, um ein gutes und erfülltes Leben zu führen, in den Mittelpunkt. Der Ansatz der Verwirklichungschancen zielt darauf ab, nicht nur Chancengerechtigkeit zu gewährleisten, sondern das Individuum aktiv dabei zu unterstützen, den individuellen Lebensentwurf Realität werden zu lassen. Leben/capability-Ansatz: ein erfülltes Leben hängt ab von der Relation zwischen dem, was ein Mensch tut oder ist und dem, was zu tun er in der Lage ist.
Funktionsweisen/functionings: sind Zustände, die von einer Person wertgeschätzt werden.
Capabilities: objektive Möglichkeiten, die gewählten Weisen der Lebensführung realisieren zu können.


1. Amartya Sen, Commodities and capabilities. New Delhi Oxford 1985.
2. Martha Nussbaum, Gerechtigkeit oder Das gute Leben. Frankfurt a. M. 1999

EconSen I
Amartya Sen
Collective Choice and Social Welfare: Expanded Edition London 2017

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Egalitarismus Miller Gaus I 417
Egalitarismus/Miller/Weinstein: Miller würde sich dagegen wehren, als egalitärer Liberaler charakterisiert zu werden; er würde dieses Etikett als eine Verschmelzung der "einfachen" Verteilungsgleichheit mit der "komplexen" marktsozialistischen Gleichheit ansehen, die er favorisiert.* Ersterer schreibt vor, dass die Menschen in Bezug auf einige X gleichberechtigt sein sollten, und beschränkt damit Gleichheitsdebatten auf Streitigkeiten über Gleichheit wovon?
Walzer: In Anlehnung an Michael Walzer geht es bei der komplexen Gleichheit nicht um die Verteilung von X. Vielmehr handelt es sich um ein "soziales Ideal" darüber, wie wir einander als Gleiche behandeln sollen.
Miller: Aber Miller bleibt dennoch ein egalitärer Liberaler: "Eine egalitäre Gesellschaft muss eine Gesellschaft sein, die eine Reihe von verschiedenen Gütern anerkennt" und sicherstellt, dass jedes "nach seinem eigenen richtigen Kriterium [Verdienst, Not und Gleichheit] verteilt wird". Solange keine Verteilungssphäre andere dominiert, ist eine komplexe Gleichheit gesichert. Der wahre "Feind der Gleichheit ist die Dominanz", die politisch reguliert werden muss (1995(1): 203). Und Dominanz ist ruchlos, weil sie so schädlich für die individuelle Selbstentfaltung ist. Vgl. >Selbstverwirklichung/Hobhouse.
Tradition: Miller räumt bereitwillig ein, dass sich seine politische Theorie auf zwei politische Traditionen stützt: "Verteilungsgerechtigkeit aus der Tradition des Liberalismus, soziale Gleichheit aus der Sozialdemokratie und dem Sozialismus" (1999: 244). Folglich ist Miller ein wahrer Erbe der neuen Liberalen. Auch für sie ist kein Gerechtigkeitsprinzip souverän. Gleichheit und Bedürfnis-Temperament desertieren qua individueller Wahl und Verantwortung, so dass alle Bürger wirklich die gleiche Chance haben, ihre Talente nach eigenem Gutdünken zu entfalten.
MillerVsDworkin/MillerVsSen: (...) Die Versionen von Dworkin und Sen sind egalitär in dem Sinne, wie Miller den 'einfachen' Sinn pejorativ bezeichnet. Während Dworkin den Ausgleich von Ressourcen bevorzugt, bevorzugt Sen den Ausgleich von Fähigkeiten. >Leben/Dworkin.

* Für Miller gibt es "keinen tiefgreifenden Antagonismus zwischen Meritokratie" und einem angemessen regulierten Markt, denn je egalitärer eine Marktwirtschaft ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie Belohnungen je nach Verdienst zuteilt (1999(2): 179). Siehe auch Millers Verteidigung des Marktsozialismus in Markt, Staat und Gemeinschaft (1989)(3) und Cohen (1995(4): Kap. I l) für eine kritische Antwort.


1. Miller, David (1995) 'Complex equality'. In David Miller and Michael Walzer, Hrsg., Pluralism, Justice and Equality. Oxford: Oxford University Press, 197-225.
2. Miller, David (1999) Social Justice. Cambridge, MA: Harvard University Press.
3. Miller, David (1989) Market, State and Community. Oxford: Oxford University Press.
4. Cohen, G. A. (1995) Self-Ownership, Freedom and Equality. Cambridge: Cambridge University Press.

Weinstein, David 2004. „English Political Theory in the Nineteenth and Twentieth Century“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Fähigkeiten Sen Brocker I 890
Fähigkeiten/Sen: um eine qualitativ ausgerichtete Wirtschaftswissenschaft wiederzubeleben, muss man die Unterscheidung zwischen „Befähigungen“ (capabilities) und „Funktionen“ (functionings) einführen. Funktionen/Sen: Der Begriff ›Funktionen‹ […] gibt die verschiedenen Dinge wieder, die eine Person gern tun oder die sie gerne sein mag. Die erstrebenswerten Funktionen mögen von elementaren Gegebenheiten wie ausreichender Ernährung oder Freiheit von vermeidbaren Krankheiten bis zu sehr komplexen Tätigkeiten oder persönlichen Zuständen reichen, wie etwa am Gemeinschaftsleben teilnehmen zu können und Selbstachtung zu besitzen. Die ›Verwirklichungschancen‹ einer Person beziehen sich auf die möglichen Verbindungen der Funktionen, die sie auszuüben vermag.
I 891
Def Verwirklichungschancen/Sen: (=Befähigungen): sind also Ausdrucksformen der Freiheit: nämlich der […] [wesentlichen] Freiheit, alternative Kombinationen von Funktionen zu verwirklichen (oder, weniger formell ausgedrückt, der Freiheit, unterschiedliche Lebensstile zu realisieren).(1) Zur Idee der »wesentlichen Freiheit« gehört für Sen also insbesondere die »prozedurale Freiheit«, die konkreten Freiheiten und Lebenschancen zu definieren, die eine Gemeinschaft ihren Mitgliedern zu gewähren trachtet. (vgl (2)) >Freiheit/Sen.
I 892
Sen: Der politische Streit um die jeweils situationsgerechte Definition von wirtschaftlich zu befriedigenden Grundbedürfnissen darf nicht vermieden, sondern sollte geradezu gesucht werden, denn er stiftet erst die für ihre Realisierung notwendigen epistemischen und politischen Bedingungen.(3)


1. Amartya Sen, Ökonomie für den Menschen. Wege zu Gerechtigkeit und Solidarität in der Marktwirtschaft, München 2000, S. 95
2. B. Giovanola »Personhood and Human Richness. Good and Well-Being in the Capability Approach and Beyond«, in: Review of Social Economy 63/2, 2005, 249-267.
3. Sen 2000, S. 182

Claus Dierksmeier, „Amartya Sen, Ökonomie für den Menschen (1999)“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

EconSen I
Amartya Sen
Collective Choice and Social Welfare: Expanded Edition London 2017

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Freiheit Bosanquet Gaus I 415
Freiheit/Bosanquet/Weinstein: Bosanquets "The Philosophical Theory of the State" (1899)(1) knüpft politisch an Bradley's Ethical Studies (1876)(2) an, wo er moralisch aufhört. >Individuen/Bradley. Bosanquet stimmt mit Bradley darin überein, dass, insofern unsere Identitäten sozial konstituiert sind, andere nicht nur äußere Zwänge für unsere Selbstverwirklichung sind.
Gesellschaften: Gesellschaften sind frei, je nachdem, wie gut sie die sozialen Beziehungen manipulieren, damit alle aufblühen können.
Höhere Liberalität: Für Bosanquet und die neuen Liberalen besteht Freiheit darin, durch sinnvolle Gelegenheiten ermächtigt zu werden ("positive oder politische Freiheit"), aber auch in Ruhe gelassen zu werden ("negative oder juristische Freiheit"). Somit ist "höhere" Freiheit auch die "größere" Freiheit, die ... die umfassendere Wahl zur Selbstbestimmung darstellt" (Bosanquet, 2001(1): 147). Darüber hinaus bedeutet höhere Freiheit für Bosanquet auch, sich selbst zu beherrschen in dem Sinne, dass man "dem Selbst als Ganzem Wirkung verleiht oder seine Widersprüche beseitigt und es so am vollständigsten zu dem macht, was es sein kann" (2001(1): 149-50).*
Positive Freiheit: Darüber hinaus bringt die positive Freiheit rechtliche Sicherheit mit sich: Unsere "Freiheit kann mit einem solchen System von Rechten identifiziert werden, das als Bedingung und Garantie dafür angesehen wird, dass wir die Besten werden, die wir in uns haben" (2001(1): 139).
Rechte/Bosanquet: Die Selbstverwirklichung wird am wirksamsten indirekt durch ein System starker, wenn auch nicht unanfechtbarer Rechte gefördert. Wie im liberalen Utilitarismus funktionieren Rechte als vorgefertigte Entscheidungsverfahren. Wie gewohnheitsmäßige körperliche Aktivitäten wie z.B. das Gehen, erfordert gerechtes Handeln, indem man die Rechte anderer respektiert, in der Regel "keine Anstrengung der Aufmerksamkeit", so dass sich die Bürger "Problemen widmen können, die intensivere Anstrengungen erfordern" (2001(1): 201-2). Und immer dann, wenn die Bürger ihre Gerechtigkeitsgewohnheiten verlieren, werden sie von liberalen Staaten schnell durch Bestrafung umerzogen. Zwar können Staaten Bürger niemals zu Gerechten machen, aber sie können gerechtes Verhalten fördern, indem sie ein System von Rechten aufrechterhalten. Indem sie "Behinderungen des guten Lebens" verhindern, rechtfertigen sie unsere Loyalität (2001(1): 21).


* Bosanquets Freiheitstheorie nimmt MacCallums (1972)(3) gefeierte Analyse der übertrieben aufgeblasenen Unterscheidung zwischen negativer und positiver Freiheit vorweg. Siehe Bosanquet (2001(1): 148).


1. Bosanquet, Bernard (2001 [1899]) The Philosophical Theory of the State, Hrsg. Gerald F. Gaus and William Sweet. South Bend, IL: St Augustine's.
2. Bradley, F. H. (1988 [1927]) Ethical Studies (1876). Oxford: Oxford University Press.
3. MacCallum, Gerald C. (1972) 'Negative and positive freedom'. In Peter Laslett, W. G. Runciman and Quentin Skinner, eds, Philosophy, Politics and Society, fourth series. Oxford: Blackwell, 174-93.

Weinstein, David 2004. „English Political Theory in the Nineteenth and Twentieth Century“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Funktionen Sen Brocker I 890
Funktionen/Sen: Der Begriff ›Funktionen‹ […] gibt die verschiedenen Dinge wieder, die eine Person gern tun oder die sie gerne sein mag. Die erstrebenswerten Funktionen mögen von elementaren Gegebenheiten wie ausreichender Ernährung oder Freiheit von vermeidbaren Krankheiten bis zu sehr komplexen Tätigkeiten oder persönlichen Zuständen reichen, wie etwa am Gemeinschaftsleben teilnehmen zu können und Selbstachtung zu besitzen. Die ›Verwirklichungschancen‹ einer Person beziehen sich auf die möglichen Verbindungen der Funktionen, die sie auszuüben vermag. >Fähigkeiten/Sen.

Claus Dierksmeier, „Amartya Sen, Ökonomie für den Menschen (1999)“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

EconSen I
Amartya Sen
Collective Choice and Social Welfare: Expanded Edition London 2017

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Generationengerechtigkeit Rawls I 128
Generationengerechtigkeit/Rawls: es ist die Frage, ob die Personen in einem angenommenen Anfangszustand einer zu errichtenden Gesellschaft Pflichten und Verpflichtungen gegenüber Dritten, insbesondere ihrer direkten Nachkommen haben. Das Prinzip der Gerechtigkeit als Fairness möchte seine Prinzipien aber nicht aus solchen Erwägungen ableiten. Dennoch nehme ich an, dass die Personen zwar nicht ihre eigene Lebensspanne in Kontinuität berücksichtigen, aber dennoch wird sich ihr Goodwill über wenigstens zwei Generationen erstrecken.
I 208
Generationengerechtigkeit/Rawls: da die Mitglieder der Gesellschaft ein Interesse haben, ihren Abkömmlingen gleiche Freiheitsrechte zu sichern, gibt es keinen Konflikt über die Wahl des Prinzips gleicher Freiheiten. Ein Sohn könnte z.B. nicht argumentieren, dass der Vater seine Interessen vernachlässigte, würde er das Prinzip gleicher Freiheiten akzeptieren. Der Vater müsste bei einer Abweichung davon zuungunsten anderer argumentieren, dass diese anderen Vorteile entstünden, wenn sie erwachsen werden.
I 284
Generationengerechtigkeit/Rawls: diese Frage fordert jede ethische Theorie heraus. Sie hängt davon ab, wie die sozialen Mindeststandards definiert werden.
I 286
Soziale Mindeststandards/Rawls: hier gibt es zwei Probleme: a) es kann nicht genug angespart werden oder b) die Besteuerung greift bei einer Anhebung des Minimums zu stark. Dann beginnt die Situation der am schlechtesten Gestellten, sich zu verschlechtern. Die Frage der Sparrate ist oft diskutiert worden(1)(2)(3)(4)(5).
I 287
Generationengerechtigkeit/Rawls: Die Schlussfolgerung ist, dass die größeren Vorteile künftiger Generationen hinreichend groß sein werden, um die gegenwärtigen Opfer zu kompensieren. Das kann allein deshalb schon wahr sein, weil spätere Generationen bessere Technologie zur Verfügung haben. RawlsVsUtilitarismus: dieser zwingt uns dazu, den Ärmeren größere Opfer aufzuerlegen für die Späteren, denen es vielleicht schon aufgrund anderer Umstände besser gehen wird.
Das gegenseitige Aufrechnen macht aber zwischen Generationen nicht so viel Sinn wie zwischen Zeitgenossen.
Vertragstheorie/Vertragsdoktrin/Rawls: diese betrachtet das Problem aus Sicht der Anfangssituation einer zu errichtenden Gesellschaft. Hier wissen die Beteiligten nicht, zu welcher Generation sie gehören, wenn sie sich für die Gesellschaftsform und ihre Ausgestaltung entscheiden sollen. Nun sollen sie sich fragen, wieviel sie bereit sind, anzusparen, wenn alle anderen dasselbe tun. Dadurch sollen sie ein Prinzip des gerechten Sparens aufstellen, dass für alle gilt.
I 288
Einzig die Angehörigen der allerersten Generation profitieren nicht davon, aber niemand weiß, zu welcher Generation er gehört.
I 289
Das Prinzip des gerechten Sparens zwingt aber nicht dazu, auf ewig weiter zu sparen. Details sind zu späteren Zeitpunkten zu klären. Jede Generation hat ihre eigenen, angemessenen Ziele. Generationen sind einander ebenso wenig unterworfen wie Individuen es sind. Keine Generation hat besondere Ansprüche.
I 290
Sparen/Sparrate/Wohlstand/Rawls: das letzte Stadium muss keines des Überflusses sein. Das Prinzip der Gerechtigkeit fordert nicht frühere Generationen zu sparen, damit spätere mehr haben. Vielmehr geht es beim Sparen um die Ermöglichung einer besseren Ausprägung einer gerechten Gesellschaft und gleicher Freiheiten. Wenn mehr angespart wird, ist es für andere Zwecke. Es wäre ein Missverständnis zu denken, die Verwirklichung einer guten und gerechten Gesellschaft müsse warten bis ein hoher Lebensstandard erreicht ist.
I 291
Generationengerechtigkeit/Alexander Herzen/Rawls: Herzen These: die menschliche Entwicklung ist eine Art chronologischer Unfairness, denn die Späteren profitieren von der Arbeit der Früheren, ohne denselben Preis zu zahlen(6). Generationengerechtigkeit/Kant: dieser sah es als befremdlich an, dass frühere Generationen ihre Last lediglich zugunsten der späteren tragen und das diese als einzige das Glück haben werden, in einem vollendeten Gebäude wohnen zu dürfen(7).


(1) Siehe A. K. Sen „On Optimizing the Rate of Saving“, Economic Journal, Bd. 71, 1961.
(2) J. Tobin, National Economic Policiy, New Haven, 1966, Kap. IX.
(3) R.M. Solow, Growth Theory, New York, 1970, Kap. V.
(4) Frank P. Ramsey, „A Mathematical Theory of Saving“, Economic Journal, Bd. 38, 1928, Nachdruck in Arrow and Scitovsky, Readings in Welfare Economics.
(5) T.C. Koomans, „On the Concept of Optimal Economic Growth“ (1965), In: Scientific Papers of T. C. Kopmans, Berlin, 1970.
(6) Zitat aus Isaiah Berlin’s Einführung zu Franco Venturi, Roots of Revolution, New York, 1960 S. xx.
(7) Kant: „Idea for a Universal History with a Cosmopolitan Purpose“, Zitiert aus Hans Reiss (Hrsg.) Kant, Political Writings, Cambridge, 1970, S. 44.

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005
Geschlechterrollen Beauvoir Brocker I 294
Geschlechterrollen/Beauvoir: These: unerhört, die bürgerliche Gesellschaft strukturiert sich entlang der Scheidung von Privatheit und Öffentlichkeit und schreibt mit den Optionen von Familiarisierung und Individualisierung Frauen und Männern geschlechtsgetrennte Lebensentwürfe vor.
I 295
Frau: These: Die Frau fungiert als die und das Andere des Mannes. Als der von ihm gesetzte Gegensatz verkörpert sie Natur gegenüber seiner Vernunft, eine ursprüngliche Gattungshaftigkeit gegenüber seiner Individuiertheit, Immanenz gegenüber seiner Transzendenz, kurz: Sie ist Objekt für ihn als Subjekt.
I 296
These: Dem Frausein liegt keine Natur im Sinne einer Wesensnatur zugrunde, sondern das Frausein ist sozial konstruiert. Zitat: »Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es [on le devient]«. (1) Kuster: Dieses Zitat wird oft falsch wiedergegeben: »Man wird nicht als Frau geboren, man wird dazu gemacht«. Das ist deswegen irreführend, weil der Text fortfährt: fortfährt: »Keine biologische, psychische oder ökonomische Bestimmung legt die Gestalt fest, die der weibliche Mensch in der Gesellschaft annimmt«. (2)
Kuster: Es existieren also keine naturwüchsigen und gesellschaftlichen Determinanten, mithin keine inneren Zwänge oder äußeren Umstände, welche der Frau bestimmte Verhaltens- und Existenzmuster mit unausweichlicher Notwendigkeit auferlegen. auferlegen. Frau-Werden ist kein passiver, sondern ein aktiver Prozess.
Brocker I 297
Da menschlich zu existieren (…) grundsätzlich besagt, sich in ein Verhältnis zur eigenen Natur setzen zu können, ist zwar die Ausgangslage der Frau in verstärktem Maß durch ihre Biologie bestimmt, aber gleichwohl nicht schon determiniert.
Brocker I 301
Immanenz/Weiblichkeit/Beauvoir: die Immanenz (Siehe Immanenz/Beauvoir) ist die erzwungene Erfahrung von Frauen. Ihre Möglichkeiten einer freien Verwirklichung ihrer Existenz sind durch die gesellschaftlichen Erwartungen an ein weibliches Subjekt maßgeblich eingeschränkt. Widerspruch: Es ist ihnen nahezu unmöglich, »gleichzeitig ihr Sein als autonomes Individuum und ihr weibliches Schicksal auf sich zu nehmen« (3). Siehe auch Selbstbewusstsein/Beauvoir.
Brocker I 303
Verhältnis/Frau/Mann/Beauvoir: die Besonderheit dieses Verhältnisses ist, dass es zwischen ihnen gerade nicht zu einem Kampf um Anerkennung kommt. Die Frau bleibt »das Unwesentliche, das nie zum Wesentlichen wird, […] das absolute Andere ohne Wechselseitigkeit« (4). Mit der Frau erfüllt der Mann sich einen Traum, oder besser, einen tiefen Wunsch: Sie bietet ihm eine alternative Form von Anerkennung, eine, die nicht im Kampf errungen und deshalb auch nicht unablässig behauptet werden muss. Siehe Emanzipation/Beauvoir.

1. Simone de Beauvoir, Le deuxième sexe, Paris 1949. Dt.: Simone de Beauvoir, Das andere Geschlecht. Sitte und Sexus der Frau, Reinbek 2005 (zuerst 1951), S. 334.
2. Ebenda.
3. Ebenda S 329.
4. Ebenda S. 192

Friederike Kuster, „Simone de Beauvoir, Das andere Geschlecht (1949)“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Gut/Das Gute Jonas Brocker I 615
Gut/Das Gute/Jonas: Jonas These: Das Gute ist im Sein verankert, es ist nicht das Resultat einer menschlichen Setzung, einer Konvention oder eines Vertrages. Hierdurch erhält es nach Jonas seine höhere Weihe. Es ruft das Subjekt unmittelbar zu seiner Verwirklichung auf.(1) Siehe Sein/Jonas, Teleologie/Jonas, Ethik/Jonas. Zusammenhang: Die Pflicht der Menschheit, die totale Zerstörung ihrer selbst und allen Lebens zu vermeiden, lässt sich nach Jonas also direkt aus der Natur ablesen.


1.Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation, Frankfurt/M. 1979, S. 161

Manfred Brocker, „Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Jonas I
Hans Jonas
Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation Frankfurt 1979

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Ich Mead Habermas IV 66
Ich/Selbst/Mead/Habermas: der Übergang von der symbolisch vermittelten zur normativ geregelten Interaktion ermöglicht nicht nur die Umstellung auf eine modal differenzierte Verständigung. Sie bedeutet nicht nur den Aufbau einer sozialen Welt, sondern auch die symbolische Durchstrukturierung von Handlungsmotiven. Aus dem Blickwinkel der Sozialisation stellt sich diese Seite des Vergesellschaftungsprozesses dar als die Ausbildung einer Identität. Mead: behandelt die Identitätsbildung als Beziehung zwischen dem Me“ und dem „I“.
Me: die Perspektive, aus der das Kind, indem es selber die Erwartungen des generalisierten Anderen im gegenüber einnimmt, ein System innerer Verhaltenskontrollen aufbaut. So bildet sich auf dem Weg der Verinnerlichung sozialer Rollen ein Über-Ich-Struktur.
Ich/I/Mead: darauf reagieren wir als Ich. (1)
Habermas IV 67
Ich/Mead: Mead begreift das „Ich“ als die generalisierte Fähigkeit, kreative Lösungen für Situationen zu finden, wo so etwas wie die Selbstverwirklichung der Person auf dem Spiel steht. (2) Habermas: danach ist das “Ich” zugleich Motor und Statthalter einer Individuierung, die allein durch Sozialisation erreicht werden kann.

Habermas IV 94
Ich/Mead/Habermas: „Die Trennung von „I“ und „Me“ ist keine Fiktion, Sie sind nicht identisch, da das Ich niemals ganz berechenbar ist. Das „Me“ verlangt nach einem „I“, wenn wir Verpflichtungen erfüllen…doch ist das Ich immer ein wenig verschieden von dem, was die Situation selbst verlangt (…) Zusammen bilden sie eine Persönlichkeit, wie sie in der gesellschaftlichen Erfahrung erscheint (…) Das Selbst ist im Wesentlichen ein gesellschaftlicher Prozess, der aus diesen beiden unterschiedlichen Phasen besteht, Ohne diese beiden Phasen gäbe es keine bewusste Verantwortung und auch keine neuen Erfahrungen.“ (3)

1. G. H. Mead, Mind, Self, Society (Ed) Ch. W. Morris (German) Frankfurt 1969, S. 217
2. Ebenda S. 248
3. Ebenda S. 221.

Mead I
George Herbert Mead
Geist, Identität und Gesellschaft aus der Sicht des Sozialbehaviorismus Frankfurt 1973

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Identität Mead Habermas IV 66
Identität/Mead/Habermas: der Übergang von der symbolisch vermittelten zur normativ geregelten Interaktion ermöglicht nicht nur die Umstellung auf eine modal differenzierte Verständigung. Sie bedeutet nicht nur den Aufbau einer sozialen Welt, sondern auch die symbolische Durchstrukturierung von Handlungsmotiven. Aus dem Blickwinkel der Sozialisation stellt sich diese Seite des Vergesellschaftungsprozesses dar als die Ausbildung einer Identität. Mead: behandelt die Identitätsbildung als Beziehung zwischen dem Me“ und dem „I“.
Me: die Perspektive, aus der das Kind, indem es selber die Erwartungen des generalisierten Anderen im gegenüber einnimmt, ein System innerer Verhaltenskontrollen aufbaut. So bildet sich auf dem Weg der Verinnerlichung sozialer Rollen ein Über-Ich-Struktur.
Ich/I/Mead: darauf reagieren wir als Ich. (1)
Habermas IV 67
Ich/Mead: Mead begreift das „Ich“ als die generalisierte Fähigkeit, kreative Lösungen für Situationen zu finden, wo so etwas wie die Selbstverwirklichung der Person auf dem Spiel steht. (2) Habermas: danach ist das “Ich” zugleich Motor und Statthalter einer Individuierung, die allein durch Sozialisation erreicht werden kann.

1. G. H. Mead, Mind, Self, Society (Ed) Ch. W. Morris (German) Frankfurt 1969, S. 217
2. Ebenda S. 248

Mead I
George Herbert Mead
Geist, Identität und Gesellschaft aus der Sicht des Sozialbehaviorismus Frankfurt 1973

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Identitätstheorie Vollmer I 271
Identitätstheorie/Vollmer: kein Befund der Neurophysiologie kann jemals ausreichen, die Identitätstheorie zu beweisen - Grund: Erklärung: was sich durch die Annahme einer Wesenheit erklären lässt, lässt sich immer auch durch die Annahme zweier Wesenheiten erklären.
II 90
Identität/Identitätstheorie/Vollmer: ((s) hier: Identität von Geist mit physikalischer Verwirklichung.): nicht alle Eigenschaften müssen übereinstimmen - Bsp der optische und der haptische Eindruck eines Apfels sind auch nicht identisch.

Vollmer I
G. Vollmer
Was können wir wissen? Bd. I Die Natur der Erkenntnis. Beiträge zur Evolutionären Erkenntnistheorie Stuttgart 1988

Vollmer II
G. Vollmer
Was können wir wissen? Bd II Die Erkenntnis der Natur. Beiträge zur modernen Naturphilosophie Stuttgart 1988
Ideologie Freeden Gaus I 6
Ideologie/Freeden: [für Marx und Engels(1)] (...) war die abstrakte Philosophie nichts anderes als Ideologie, weil beide die umgekehrte mentale Reflexion einer verzerrten und entfremdeten Realität waren. Heute: ist es anders. Ideologien werden sinnvollerweise nicht als defekte Philosophien begriffen, sondern als allgegenwärtige und gemusterte Formen des Denkens über Politik. Sie sind Cluster von Ideen, Überzeugungen, Meinungen, Werten und Einstellungen, die in der Regel von identifizierbaren Gruppen vertreten werden und die Handlungsanweisungen, ja sogar Pläne für die öffentliche Politikgestaltung in dem Bemühen liefern, die sozialen und politischen Arrangements eines Staates oder einer anderen politischen Gemeinschaft aufrechtzuerhalten, zu rechtfertigen, zu verändern oder zu kritisieren. Dies sagt uns etwas über ihre Funktionen und über die notwendigen Dienste, die sie für eine solche Gemeinschaft leisten.
Zunächst einmal ist es unvorstellbar, sich eine Gesellschaft vorzustellen, die sich nicht auf solche Denkmuster einlässt, die keine unterscheidbaren und wiederkehrenden Denkweisen hat, z.B. darüber, wer in dieser Gesellschaft belohnt werden sollte und wofür oder über die Grenzen der Ausübung politischer Macht, über den Wert nationaler Symbole oder über ihre Erwartungen an die Regierung.
Freeden: Ideologien, lassen Sie es mich betonen, sind im gesamten Bereich des Denkens über politische Ziele und Prinzipien evident, und praktisch alle Mitglieder einer Gesellschaft haben politische Ansichten und Werte, die sie fördern und verteidigen.
Analytische Philosophie: Im Gegensatz dazu verortet sich die analytische politische Philosophie an einem bestimmten Ende jedes dieser Spektren.
Sprache: Ideologien (...) wetteifern (...) absichtlich oder unabsichtlich um die Kontrolle der politischen Sprache, mit deren Hilfe sie versuchen, die politische Macht auszuüben, die zur Verwirklichung ihrer Funktionen notwendig ist. Letztlich zielen sie darauf ab, die im Wesentlichen umstrittenen Bedeutungen der wichtigsten politischen Konzepte genau zu definieren. Während also ein politischer Philosoph wie Rawls behauptet, dass viele schwierige Entscheidungen keine klare Antwort zu haben scheinen (1993: 57)(2), legt die Morphologie
Gaus I 7
von Konzepten nahe, dass sie im Gegenteil viele klare Antworten haben könnten. Soziale Gruppen/ideologische Familien: (...) geben ihren Anhängern eine soziale und politische Identität und fungieren als einer der Hauptfaktoren bei der Verwirklichung politischer Ziele.
1) (...) Es gibt keine notwendige Konfiguration von Ideologien in diesen Formen; sie können durchaus das Produkt kontingenter historischer Kräfte sein, die im Laufe der Zeit auftauchen und verschwinden. Andererseits können einige der Ideologiefamilien grundlegende menschliche Auffassungen von der Gesellschaftsordnung und ihrer Beziehung zu menschlichen Trieben und Hoffnungen widerspiegeln.
2) (...) jede dieser Ideologien ist Schauplatz loser und fließender Positionen. Es gibt nichts Offensichtliches, das als Sozialismus bezeichnet werden könnte, aber es gibt sicherlich Sozialismen: Marxistische, evolutionäre oder Zunft-Sozialismen sind Beispiele dafür.
3) (...) Ideologien schließen sich nicht gegenseitig aus.
4) (...) eine Fragmentierung der Ideologien hat die großen Familien begleitet und sich in den letzten Jahrzehnten verstärkt. Neben den vollständigen Ideologien mit ihren totalen, wenn nicht gar totalitären Lösungen für soziale Fragen gibt es dünne Ideologien, die sich mit Bereichen ideologischer Auseinandersetzungen befassen, ansonsten aber auf andere Ideologien zurückgreifen, um die Lücken zu füllen, mit denen sie sich nicht in erster Linie befassen. Nationalismus ist ein solcher Fall, der keine substantielle Theorie der Verteilungsgerechtigkeit enthält (...).
Gaus I 8
Politische Theorie: Die sorgfältige und kritische Untersuchung von Ideologien ist der einzige Analysebereich, in dem politische Ideen als direkter Zweig des Politikstudiums und nicht als Philosophie oder Geschichte angemessen berücksichtigt werden können. Nur dann können Fragen wie die folgenden behandelt werden: Was sind die sozialen und politischen Funktionen politischer Ideen; (...). Methode: All diese Fragen können nur dann gestellt werden, wenn wir auch Unmoral, Inkonsequenz und schlechte Argumente als geeigneten Gegenstand für die Analyse im Bereich der politischen Praxis betrachten. >Macht/Freeden.
Gaus I 10
Sprache: Die vergleichende Untersuchung von Ideologien muss sich mit [den] Problemen der Übersetzung befassen, wenn Unterschiede oft durch scheinbare Ähnlichkeiten der Sprache verschleiert werden, während Ähnlichkeiten durch unterschiedliche Ausdrucksformen verschleiert werden.
Gaus I 11
(...) Ideologien richten sich nicht nur an Gruppen, sie sind immer Gruppenprodukte. Wie in Karl Mannheims berühmtem (1936)(3) Bericht sind Ideologien Weltanschauungen von Menschen, die ein gemeinsames Weltverständnis teilen, vielleicht aufgrund gemeinsamer sozioökonomischer Wurzeln oder weil sie sich eine bestimmte Reihe kultureller Werte angeeignet haben.

1. Marx, K. and F. Engels 1974. The German Ideology, ed. C. J. Arthur. London: Lawrence and Wishart. S.47
2. Rawls, J. 1993. Political Liberalism. New York: Columbia University Press. S. 57
3. Mannheim, K. 1936. Ideology and Utopia. London: Routledge and Kegan Paul.


Freeden, M. 2004. „Ideology, Political Theory and Political Philosophy“. In: Gaus, Gerald F. 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications.

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Imitation Girard Krastev I 11
Imitation/Girard/Krastev: (...) Girard argumentierte (...), dass die zentrale Bedeutung der Imitation für die conditio humana von Historikern und Sozialwissenschaftlern in irreführender und gefährlicher Weise vernachlässigt worden sei. Er widmete seine Karriere der Frage, wie Imitation psychologische Traumata und soziale Konflikte hervorrufen kann. Dies geschieht, behauptete er, wenn das imitierte Modell zu einem Hindernis für das Selbstwertgefühl und die Selbstverwirklichung des Nachahmers wird(1). Die Form der Imitation, die am ehesten Ressentiments und Konflikte erzeugen kann, ist nach Girard die Imitation von Wünschen. Wir imitieren nicht nur Mittel, sondern auch Ziele, nicht nur technische Instrumente, sondern auch Vorgaben, Ziele, Zielsetzungen und Lebensweisen. Dies ist seiner Meinung nach die inhärent belastende und umstrittene Form des Imitierens, die dazu beigetragen hat, den gegenwärtigen durchschlagenden antiliberalen Aufstand auszulösen. Girard zufolge wollen Menschen etwas nicht, weil es von Natur aus attraktiv oder wünschenswert ist, sondern nur, weil jemand anderes es will, eine Beobachtung, die das Ideal der menschlichen Autonomie illusorisch erscheinen lässt. Die Nachahmung der Ziele anderer sei auch mit Rivalität, Ressentiments und Bedrohungen der persönlichen Identität verbunden, argumentiert Girard.
Politik/postkommunistische Welt/Krastev: Girards Einsicht in die anhaltende Tendenz der Imitation, Ressentiments zu schüren, basiert zwar fast ausschließlich auf der Analyse literarischer Texte, ist aber dennoch von großer Relevanz, um zu verstehen, warum in der postkommunistischen Welt ein sich ausbreitender Aufstand gegen die liberale Demokratie begann.


1. René Girard, Deceit, Desire, and the Novel: Self and Other in Literary Structure (Johns Hopkins University Press, 1976); Battling to the End: Conversations with Benoît Chantre (Michigan State University Press, 2009).

Krastev I
Ivan Krastev
Stephen Holmes
The Light that Failed: A Reckoning London 2019
Individuation Honneth Brocker I 799
Individuation/Honneth: Erst unter den Bedingungen moderner Gesellschaften löst sich der Anspruch auf soziale Wertschätzung von traditionellen Vorstellungen von „Ehre“ in denen diese noch mit rechtlichen Privilegien verquickt und an den Status eines ganzen Standes, also kollektiv festgeschrieben war. (1) Erst damit kann sich Solidarität als eine eigenständige Anerkennungssphäre konstituieren und mit dem Anspruch auf individuelle Selbstverwirklichung verbinden. Problem: da es in dieser Form um die Anerkennung persönlicher Unterschiede geht, bedarf sie eines sozialen Mediums, das „Eigenschaftsdifferenzen zwischen menschlichen Subjekten auf allgemeine, nämlich intersubjektiv verbindliche Weise zum Ausdruck bringen können muss“. (2)
Solidarität/Honneth: setzt daher den Werthorizont des kulturellen Selbstverständnisses einer bestimmten Gesellschaft voraus, der die Funktion eines „symbolisch artikulierte[n], stets aber offene[n] und poröse[n] Orientierungsrahmen[s]“ (3) von Anerkennungsakten übernehmen kann, die in dieser Sphäre einen grundsätzlich „evaluativen“ und einen „ethischen“ Charakter haben, im Unterschied zum „moralischen“ Charakter von Rechtsbeziehungen.


1. Axel Honneth, Kampf um Anerkennung. Zur moralischen Grammatik sozialer Konflikte, mit einem neuen Nachwort, Frankfurt/M. 2014 (zuerst 1992) S. 199f
2. Ebenda S. 197
3. Ebenda S. S 139-141

Hans-Jörg Sigwart, „Axel Honneth, Kampf um Anerkennung“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Honn I
A. Honneth
Das Ich im Wir: Studien zur Anerkennungstheorie Frankfurt/M. 2010

Honn II
Axel Honneth
Kampf um Anerkennung. Zur moralischen Grammatik sozialer Konflikte Frankfurt 2014

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Individuen Bradley Rawls I 110
Individuum/Bradley: Bradley These: Das Individuum ist eine reine Abstraktion. (F. H. Bradley, Ethical Studies, 2nd. Edition, Oxford, 1927, pp. 163-189.) Rawls: hier kann Bradley ohne größere Verzerrungen so interpretiert werden, dass die Pflichten und Aufgaben eine moralische Konzeption von Institutionen voraussetzen, und dass daher der Inhalt gerechter Institutionen bestimmt werden muss, bevor Forderungen an Individuen gestellt werden können.



Gaus I 415
Individuen/Bradley/Weinstein: (...) Englische Idealisten wie F. H. Bradley und Bernard Bosanquet waren Hegel für ihre soziale Ontologie und ihre moralische und politische Theorie ebenso zu Dank verpflichtet wie für ihre Geschichtsauffassung (...). Bradley argumentiert, dass Individuen sozial konstituiert sind, wodurch Moral grundlegend sozial wird in dem Sinne, dass moralisches Handeln voraussetzt, für andere zu handeln, anstatt sie einfach in Ruhe zu lassen. Insofern als das Gute die Selbstverwirklichung ist, bedeutet moralisches Handeln also, die Selbstverwirklichung aller zu fördern, nicht nur die eigene. Da wir so voneinander abhängig sind, fördern wir unsere eigene Selbstverwirklichung am besten, indem wir gleichzeitig die unserer Mitbürger fördern, und sie fördern ihre am besten, indem sie unsere fördern (Bradley, 1988(1): 116). BradleyVsUtilitarismus/BradleyVsKantianismus: Weil unsere Identitäten sozial belastet sind, sind rationalistische Moraltheorien wie Utilitarismus und Kantianismus zudem falsch verstanden und selbstzerstörerisch.
Sozialisierung/Bradley: Beide Theorien teilen die irregeleitete vorhegelianische Wahnvorstellung, dass wir uns irgendwie von unserem sozialen Milieu lösen können, wenn wir bestimmen, wie wir handeln sollen. Moralisch zu handeln bedeutet in erster Linie, die eigene gesellschaftlich konstituierte Identität anzunehmen und "seinen Platz und seine Pflichten" zu erfüllen. Dennoch ist die Erfüllung der Standespflichten nicht die Gesamtheit der Moral, denn es kommt auch auf die Art der Gesellschaft an, in der man lebt. Die herkömmliche Moral darf nicht unkritisch betrachtet werden. >Freiheit/Bosanquet.

1. Bradley, F. H. (1988 [1927]) Ethical Studies (1876). Oxford: Oxford University Press.

Weinstein, David 2004. „English Political Theory in the Nineteenth and Twentieth Century“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Brad I
F. H. Bradley
Essays on Truth and Reality (1914) Ithaca 2009

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Individuen Mill Gaus I 102
Individuen/Mill/Gaus: (...) ein großer Teil der liberalen Philosophie ist auf einer besonderen Sichtweise der menschlichen Exzellenz aufgebaut. Was man eine perfektionistische Theorie des guten Lebens oder eine der Selbstverwirklichung als Ende gewidmete Theorie nennen könnte, findet sich bei Mill, T. H. Green, Bernard Bosanquet, L. T. Hobhouse, John Dewey und sogar, ich wage zu behaupten, im dritten Teil von John Rawls' "Theory of Justice"(1) - dem "umfassendsten" Element des Buches (Gaus, 1983a)(2). Die Krux dieser Theorie wird im dritten Kapitel von "On Liberty"(3), "Of Individuality, as One of the Elements of Well-Being", dargestellt, in dem die menschliche Natur mit "einem Baum verglichen wird, der es erfordert, zu wachsen und sich nach allen Seiten zu entwickeln, entsprechend der Tendenz der inneren Kräfte, die ihn zu einem Lebewesen machen" (Mill, 1963a(3): Kap. 3).
Mill verbindet die Individualität eng mit diesem Wachstum oder dieser Entwicklung der menschlichen Natur: "Individualität ist dasselbe wie Entwicklung" (1963a(3): Kap. 3). Mill glaubt, dass die Vernunft unsere Natur und ihre Bedürfnisse offenbart; die menschliche Natur besitzt Impulse oder Energien, die versuchen, sich zu manifestieren. Wir besitzen nicht nur von Natur aus verschiedene Fähigkeiten, sondern diese Fähigkeiten sind auch Energiequellen, die sich auszudrücken versuchen. Eine Person daran zu hindern, ihre Fähigkeiten zu entwickeln, bedeutet folglich, sie zu entkräften - sie passiv und lethargisch zu machen (1963a(3): Kap. 3; Gaus, 1983a(2): Kap. 4). >Liberalismus/Gaus, >Liberalismus/Waldron, >Liberalismus/Mill, >Liberalismus/Kymlicka, >Autonomie/Gaus; vgl. >Kommunitarismus.


1. Rawls, John (1971) A Theory of Justice. Cambridge, MA: Harvard University Press.
2. Gaus, Gerald F. (1983a) The Modern Liberal Theory of Man. New York: St Martin’s.
3. Mill, John Stuart (1963a) On Liberty. In J. M. Robson, ed., The Collected Works of John Stuart Mill. Toronto: University of Toronto Press, vol. XVIII, 213–301.

Gaus, Gerald F. 2004. „The Diversity of Comprehensive Liberalisms.“ In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications.

Mill I
John St. Mill
Von Namen, aus: A System of Logic, London 1843
In
Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993

Mill II
J. St. Mill
Utilitarianism: 1st (First) Edition Oxford 1998

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Jugendkultur Entwicklungspsychologie Upton I 121
Jugendkultur/Selbst/Entwicklungspsychologie/Upton: Es wird angenommen, dass das Selbstverständnis (...) durch die jugendliche Beteiligung an Cliquen und Ansammlungen beeinflusst wird. Laut Erikson (1950)(1) ist die Mitgliedschaft in der Gemeinschaft von zentraler Bedeutung für die Verwirklichung der Identität, da sie die Solidarität mit den Idealen einer Gruppe erfordert. So gehen Jugendliche mit den Schwierigkeiten um, die sie bei der Bindung an erwachsene Identitäten (Identitätskrise) haben, indem sie übertriebene Verpflichtungen gegenüber bestimmten Stilgruppen eingehen und sich von anderen Stilgruppen abgrenzen. Sie können bestimmte Arten von Kleidung und Musik verwenden, um ihren einzigartigen Stil zu zeigen und wie er sie von anderen Gruppen unterscheidet. Diese Cliquen und Massen, die durch ihren eigenen Stil, ihre eigenen Werte und Normen eindeutig identifiziert werden, sind das, was wir heute oft als "Jugendkultur" bezeichnen. Laut Miles et al. (1998)(2) gibt die Identifikation mit der Jugendkultur den Jugendlichen in einer sich schnell verändernden Welt eine gewisse Macht über ihre Identität. Paradoxerweise werden Jugendliche durch das Konformitätsspiel in die Lage versetzt, sich einzigartig und anders zu fühlen.
Kürzlich haben Studien zur Jugendkultur gezeigt, dass (...) der Konsum für die Erschaffung jugendlicher Identitäten zentral ist (Phoenix. 2005)(3). Viele dieser Studien haben sich auf die Zusammenhänge zwischen Konsum, Stil und Identität konzentriert und sind zu dem Schluss gekommen, dass Stil eine entscheidende Möglichkeit bietet, um Gruppengrenzen zu definieren und zu erhalten (Croghan et al., 2006)(4).
Milner (2004)(5) schlägt vor, dass Jugendliche ihre Verbrauchermacht nutzen, um ein Gefühl der Akzeptanz und Zugehörigkeit zu ihrer Altersgruppe zu gewinnen.
Die Kehrseite ist jedoch, dass die Nichtbeachtung einer solchen Identität zu Problemen wie Hänseleien, sozialer Ausgrenzung und Statusverlust führen kann (Blatchford, 1998(6); Croghan et al., 2006)(4). Da ein solcher Konsum oft mit bestimmten Marken verbunden ist, ist es wichtig, sich hier Gedanken darüber zu machen, wie wirtschaftliche Nachteile die Popularität von Jugendlichen beeinflussen können. Einige Beweise deuten darauf hin, dass mangelndes Geld, um sich die "richtigen" Marken zu leisten, zu sozialer Ausgrenzung führen kann, da Markenartikel als Kennzeichen der Gruppeninklusion dienen, die echt sein müssen und nicht gefälscht werden können (Croghan et al. 2006)(4).
Andere Studien (z.B. Milner. 2004)(5) deuten darauf hin, dass junge Menschen, anstatt sich in Stilkonflikten zu engagieren, ihre Solidarität mit diesen Cliquen zum Ausdruck bringen können, indem sie sich an den populären Gruppen orientieren, sich aber dem Konsum von Markenartikeln widersetzen
Upton I 122
und so eine neue, weniger hochrangige Gruppe gebildet.


1. Erikson. EH (1950) Childhood and Society, New York: WW Norton.
2. Miles, S, Cliff, D and Burr, V (1998) ‘Fitting in and sticking out’: consumption, consumer meanings and the construction of young people’s identities, Journal of Youth Studies, 1:81-91.
3. Phoenix. A (2005) Young people and consumption: communalities and differences in the construction of identities, in Tufte, B, Rasmussen, J and Christensen LB (eds) Frontrunners or Copycats? Copenhagen: Copenhagen Business School Press.
4. Croghan, R. Griffin, C, Hunter J and Phoenix, A (2006) Style failure: consumption, identity and social exclusion. Journal of Youth Studies, 9(4): 46 3-78.
5. Milner, M (2004) Freaks, Geeks, and Cool Kids: American teenagers, schools, and the culture of consumption. New York: Routledge.
6. Blatchford, P (1998) Social Life in School. London: Palmer.

Upton I
Penney Upton
Developmental Psychology 2011
Kognition Maturana I 67
Def Kognitiver Bereich/Maturana: gesamter Interaktionsbereich des Organismus - kann unbeschränkt erweitert werden, wenn neue Interaktionsformen erzeugt werden, Instrumente vergrößern ihn.
I 78
Beschriebenes liegt ausschließlich im kognitiven Bereich - d.h. es gehört nicht dem Bereich an, das es beschreiben soll. - (>Beschreibungsebenen).
I 81
Kognition/Maturana: Erzeugung eines geschlossenen Interaktionsbereichs, nicht Begreifen einer selbständigen Außenwelt - Schlussfolgerung: notwendige Funktion, ergibt sich aus der selbstreferentiellen zirkulären Organisation - geschichtsunabhängig, weil Zeit selbst nur Teil des kognitiven Bereichs des ((s) zweiten) Beobachters ist.
I 146
Kognition/Maturana: Eingrenzen eines Bereichs und Forderung nach angemessenem Verhalten - einziges Kriterium: dieses angemessene Verhalten. - Es muss erklärt werden, wenn Kognition erklärt werden muss.
I 200
Kognition/Maturana: Bedingung der Verwirklichung (der strukturellen Koppelung) - nicht etwa Enthüllung einer Realität, Repräsentation oder Kennzeichnung von "Etwas".
I 202
kognitiver Bereich/Maturana: beim Menschen: Sprache - Menschen existieren im Bereich der Objekte, die sie durch Sprachhandeln hervorbringen - Objekte: gibt es nicht außerhalb der Sprache.

Maturana I
Umberto Maturana
Biologie der Realität Frankfurt 2000
Korrespondenztheorie James Diaz-Bone I 83
Korrespondenztheorie: für sie ist Wahrheit unabhängig von der Verifikation. Außerdem zeitlos.
I 88
PragmatismusVsKorrespondenztheorie: Übereinstimmung bei James weicht die Dichotomie wahr/falsch auf. (>Verwirklichung, >Anpassung).
Horwich I 22
Korrespondenz/Übereinstimmung/Pragmatismus/James: erst hier beginnt er sich vom „Intellektualismus“ zu unterscheiden: Übereinstimmung/James: heißt zunächst soviel wie „kopieren“, aber Bsp unser Wort für Uhr ist keine Kopie, sondern ein Symbol, das ein Vorstellungsbild sehr gut ersetzen kann.
Symbol/James: für viele Dinge gibt es überhaupt keine „Kopien“ sondern nur Symbole: Bsp „Vergangenheit“, „Kraft“, „Spontaneität“ usw.
Übereinstimmung: kann hier nur richtige Führung bedeuten. Und zwar praktisch wie intellektuell.
Horwich I 23
Sie führt zu Konsistenz, Stabilität und flüssiger menschlicher Kommunikation. (1)

1. William James (1907) "Pragmatisms Conception of Truth“ (Journal of Philosophy, Psychology and Scientific Methods, 4 p. 141-55 and 396-406) in: Paul Horwich (Ed.) Theories of Truth, Aldershot 1994

James I
R. Diaz-Bone/K. Schubert
William James zur Einführung Hamburg 1996

Horwich I
P. Horwich (Ed.)
Theories of Truth Aldershot 1994
Leben Nussbaum Mause I 200f
Leben/Sen/Nussbaum: was ein erfülltes Leben ist, wird vom „capability-Ansatz“ (Befähigungsansatz) von Martha Nussbaum und Amartya Sen untersucht. Siehe Leben/Nussbaum, Leben/Sen. NussbaumVsVerteilungsgerechtigkeit/SenVsVerteilungsgerechtigkeit: Mit seinem Fokus auf die praktische Lebensführung übt der Befähigungsansatz Kritik an den klassischen Gerechtigkeitstheorien, die nach der Verteilung von Rechten, Pflichten, Freiheiten, von finanziellen und materiellen Gütern fragen, dabei aber nicht problematisieren, ob und inwieweit Personen von diesen Rechten und finanziellen und materiellen Güter überhaupt Gebrauch machen können. Die Frage ist, ob Personen durch Bildung oder soziale Kompetenzen in der Lage ist, Güter und rechte überhaupt zu nutzen.
Ein gutes Leben wird nicht maßgeblich über finanzielle oder materielle Aspekte definiert. Es geht um gute und bedeutungsvolle Arbeit, Gesundheit, belastbare soziale Beziehungen oder Bildung. (1)
VsSen/VsNussbaum: der Ansatz von Nussbaum und Sen muss sich mit dem Vorwurf des Essentialismus und des Paternalismus auseinandersetzen. Die Verschiebung des Fokus auf ein gutes und erfülltes Leben birgt die Gefahr, in normative Präskription umzukippen.
Problem: die Vorstellung eines guten Lebens ist geprägt von einem bestimmten kulturabhängigen Modell, soll aber gleichzeitig überkulturell verbindlich gemacht werden. (2)(3)
SenVsVs/NussbaumVsVs: Vertreter des capability-Ansatzes halten dem entgegen, dass nicht die Funktionsweisen als solche das zu fördernde Gut sind, sondern die instrumentellen und konstitutiven Freiheiten, die die Wahlfreiheit hinsichtlich der Lebensform vergrößern. (4)


1. Martha Nussbaum, Gerechtigkeit oder Das gute Leben. Frankfurt a. M. 1999, S 200ff.
2. Christiane Scherer, Das menschliche und das gute menschliche Leben. Martha Nussbaum über Essentialismus und menschliche Fähigkeiten. Deutsche Zeitschrift für Philosophie 41, (5) 1993, S. 905-920.
3. Wolfgang Kersting, Gerechtigkeitstheorien. In Studienbuch Politikwissenschaft, Hrsg. Manfred G. Schmidt, Frieder Wolf und Stefan Wurster, Wiesbaden 2013 S. 131-159.
4. Otto, Hans-Uwe, und Holger Ziegler, Der Capabilities-Ansatz als neue Orientierung in der Erziehungswissenschaft. In Capabilities – Handlungsbefähigung und Verwirklichungschancen in der Erziehungswissenschaft, Hrsg. Hans-Uwe Otto und Holger Ziegler, Wiesbaden 2010, S. 9-13.

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Leben Sen Mause I 200f
Leben/Sen/Nussbaum: was ein erfülltes Leben ist, wird vom „capability-Ansatz“ (Befähigungsansatz) von Martha Nussbaum und Amartya Sen untersucht. Siehe Leben/Nussbaum. NussbaumVsVerteilungsgerechtigkeit/SenVsVerteilungsgerechtigkeit: Mit seinem Fokus auf die praktische Lebensführung übt der Befähigungsansatz Kritik an den klassischen Gerechtigkeitstheorien, die nach der Verteilung von Rechten, Pflichten, Freiheiten, von finanziellen und materiellen Gütern fragen, dabei aber nicht problematisieren, ob und inwieweit Personen von diesen Rechten und finanziellen und materiellen Güter überhaupt Gebrauch machen können. Die Frage ist, ob Personen durch Bildung oder soziale Kompetenzen in der Lage ist, Güter und rechte überhaupt zu nutzen.
Ein gutes Leben wird nicht maßgeblich über finanzielle oder materielle Aspekte definiert. Es geht um gute und bedeutungsvolle Arbeit, Gesundheit, belastbare soziale Beziehungen oder Bildung. (1)
VsSen/VsNussbaum: der Ansatz von Nussbaum und Sen muss sich mit dem Vorwurf des Essentialismus und des Paternalismus auseinandersetzen. Die Verschiebung des Fokus auf ein gutes und erfülltes Leben birgt die Gefahr, in normative Präskription umzukippen.
Problem: die Vorstellung eines guten Lebens ist geprägt von einem bestimmten kulturabhängigen Modell, soll aber gleichzeitig überkulturell verbindlich gemacht werden. (2)(3)
SenVsVs/NussbaumVsVs: Vertreter des capability-Ansatzes halten dem entgegen, dass nicht die Funktionsweisen als solche das zu fördernde Gut sind, sondern die instrumentellen und konstitutiven Freiheiten, die die Wahlfreiheit hinsichtlich der Lebensform vergrößern. (4)


1. Martha Nussbaum, Gerechtigkeit oder Das gute Leben. Frankfurt a. M. 1999, S 200ff.
2. Christiane Scherer, Das menschliche und das gute menschliche Leben. Martha Nussbaum über Essentialismus und menschliche Fähigkeiten. Deutsche Zeitschrift für Philosophie 41, (5) 1993, S. 905-920.
3. Wolfgang Kersting, Gerechtigkeitstheorien. In Studienbuch Politikwissenschaft, Hrsg. Manfred G. Schmidt, Frieder Wolf und Stefan Wurster, Wiesbaden 2013 S. 131-159.
4. Otto, Hans-Uwe, und Holger Ziegler, Der Capabilities-Ansatz als neue Orientierung in der Erziehungswissenschaft. In Capabilities – Handlungsbefähigung und Verwirklichungschancen in der Erziehungswissenschaft, Hrsg. Hans-Uwe Otto und Holger Ziegler, Wiesbaden 2010, S. 9-13.

EconSen I
Amartya Sen
Collective Choice and Social Welfare: Expanded Edition London 2017

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Leib-Seele- Problem Maturana I 289
Bereich/Leib-Seele-Problem/Maturana: Körperlichkeit und Verhalten sind zwei sich nicht überschneidende Bereiche - sie sind in ihrer Verwirklichung jedoch gekoppelt, weil ein lebendes System als strukturdeterminiert operiert. Physiologie: in Teile zerlegbar - kontra Verhalten: als Interaktionen (Ganzheiten).
Getrennte Bereiche: Lösung für das Leib-Seele-Problem: Sprache ist von Körperlichkeit abhängig, agiert aber nicht in ihrem Bereich. - Das löst Problem des Bewusstseins, Selbst, Seele.
Geist-Körper: rekursive Koppelung der Bereiche des Verhaltens und der Physiologie.

Maturana I
Umberto Maturana
Biologie der Realität Frankfurt 2000
Lernen Maturana I 63
Lernen/Maturana: historische Transformation eines Organismus durch Erfahrung - dien der basalen Zirkularität - neues Verhalten entwickelt sich - für einen Beobachter erscheint das Verhalten durch die Einverleibung einer Repräsentation gerechtfertigt, die durch Erinnerung das Verhalten modifiziert. - Das System arbeitet aber in der Gegenwart - Vorteilhaftigkeit kann nur a posteriori festgestellt werden.
I 70
Lernen/Maturana: erlaubt rein konsensuelle (kulturelle) Evolution, ohne Evolution des Nervensystems.
I 73
Lernen/Maturana: Verhaltensänderung muss von anderen Veränderungen begleitet sein.
I 74
Lernen ist nicht Akkumulation von Repräsentationen, sondern kontinuierliche Transformation von Verhalten.
I 119
Lernen/Instinktverhalten/Maturana: zunächst ununterscheidbar, weil sie n der konkreten Verwirklichung durch die Strukturen des Nervensystems bestimmt sind. Lernen: ontogenetisch erworben - Instinkt: evolutionär erworben.
I 119
Lernen/Maturana: verändert nicht die Struktur - Erwerb von Repräsentationen: bloß metaphorisch - (würde instruktives System voraussetzen). - Ein lernendes System hat keine trivialen Erfahrungen (Interaktionen), weil alle Interaktionen zu Strukturveränderungen führen.
I 280
Lernen/Maturana: eingeklammert beschrieben: rein epigenetischer Prozess (Entwicklung des Individuums ) - kein gerichteter Prozess der Anpassung an eine Realität.

Maturana I
Umberto Maturana
Biologie der Realität Frankfurt 2000
Letztbegründung Leibniz Holz I 50
Def Evidenz/Gewissheit/a priori/Leibniz: die Gewissheit (der Notwendigkeit identischer Sätze A = B) stützt sich weder auf Empirie noch auf Deduktion, sondern auf eine apriorische Einsicht.
I 50
Rationalismus/HolzVsLeibniz: Problem für eine sich "wissenschaftlich" verstehende Philosophie: diese "unmittelbare Einsichtigkeit" sogenannter Letztbegründungen führt auf eine andere epistemologische Ebene. Gefahr des irrationalistischen Umschlags!
I 51
Damit ist die Gewissheit der Axiome nicht mehr abgesichert. Leibniz insistiert aber darauf, sie aus der "Evidenz der Identität" (mit sich selbst) bewiesen werden müssen.
Holz I 51
Letztbegründung/Beweis/Axiome/Evidenz/Leibniz/Holz: hier wird die Geltung des Identitätssatzes (A = B bzw. A = A ) als Erfahrungswert genommen! Es geht also nicht darum, dass die Prädikate im Subjekt inhärent sind. Diese Voraussetzung ist in sich selbst nicht mehr ableitbar. Evidenz ist keine logische Kategorie.
Die Geltung des Identitätssatzes darf also nicht nur rein logisch begründet werden. Sie hat eine vorprädikativen Ursprung.
Logik/Husserl: hat die Abstinenz der Logik von ihrem Erkenntnisgehalt nachdrücklich zurückgewiesen.
I 52
Letztbegründung/Beweis/Axiome/Evidenz/Leibniz/Holz: wir brauchen also einen anderen Typus von Sätzen als den offen oder virtuell identischen.
Holz I 75
Grund/Leibniz: kann nur durch das Durchlaufen der ganzen series rerum gefunden werden. Er ist nun aber deshalb nicht außerhalb der series rerum zu finden, sondern vollständig innerhalb, allerdings nicht am Anfang, sondern als die Reihe als Ganzes! Unterschied: während der unendliche Verstand außerhalb des Ganzen stehen müßte (als Abbildender) (vielleicht auch ein "unbewegter Beweger" usw.) muss der Grund (als Totalität der Reihe) innerhalb der Reihe sein.
Grund/Leibniz: der universelle letzte Grund (Gesamtheit der Reihe der Dinge, Welt, ultima ratio) ist auch für den endlichen Verstand notwendig, weil es sonst überhaupt nichts gäbe.
Holz I 83
Letztbegründung/LeibnizVsKant: macht den subjektphilosophischen Radikalismus nicht mit. Wie vor ihm Spinoza und nach ihm Hegel hat er von der seit Descartes unverzichtbaren Subjektreflexion aus einen nicht subjektiven Seinsgrund finden wollen, der sich in den Vernunftwahrheiten ausdrückt. Dafür reichen zwei Prinzipien aus:
1. Prinzip des Widerspruchs
2. Das Prinzip des zureichenden Grundes. (Kann auf das Widerspruchsprinzip zurückgeführt werden).
Da außerdem das Identitätsprinzip aus der Sinneswahrnehmung eingesehen wird, dürfen wir den Prinzipien der Sachen selbst (also ihrer ontischen Realität) die in unserem Denken vorausgesetzte Vernunft (ihre Logizität) zuschreiben.
Das ist ebenso panlogisch wie das System Hegels.
I 84
Im Universum und seinen Teilen ist so Logik niedergeschlagen und verkörpert.
Holz I 123
Letztbegründung/Existenz/Leibniz: zu begründen, warum es überhaupt etwas gibt bedeutet also, im Wesen der Möglichkeiten das Prinzip anzugeben, das der Minimalisierung der Verwirklichungstendenzen entgegenwirkt. Nun stellt sich heraus, dass die beiden Prinzipien:
1. Identitätsprinzip (Alles ist mit sich identisch")
2. Varietätsprinzip ("Verschiedenes wird von mir wahrgenommen") logisch, aber nicht ontologisch ausreichen, um die Existenz der Welt überhaupt zu begründen.
Man kann damit zwar vom Einzelnen auf Verschiedenes und auf einen gewissen Zusammenhang schließen und von daher begründen, warum etwas Bestimmtes (und nicht etwas anderes an seiner Stelle) ist,
I 124
Es bleibt aber unbegründet, warum überhaupt etwas ist. Das fehlende ontologische Zwischenglied findet Leibniz in einem dritten Axiom, das er zu den absolut ersten Wahrheiten zählt:
These: Alles Mögliche strebt nach Existenz und existiert daher, wenn nicht etwas anderes, das auch zur Existenz strebt es daran hindert und mit dem ersten unverträglich ist.
Das ist nach Leibniz beweisbar unter der Voraussetzung der Tatsachenwahrheit, dass wir überhaupt etwas wahrnehmen.
Außerdem machen wir ja die Erfahrung der Veränderung, dass etwas zu existieren beginnt, was vorher nicht da war. (Aber eben vorher möglich war).
Es kann nun aber a priori kein Grund ausgemacht werden, warum etwas stärker strebt als ein anderes, der Grund muss also im System der Ko Ordination (der gegenseitigen Hemmungen) gesucht werden.
Daraus folgt, dass immer diejenige Verbindung der Dinge existiert, in der am meisten existiert.


Lei II
G. W. Leibniz
Philosophical Texts (Oxford Philosophical Texts) Oxford 1998

Holz I
Hans Heinz Holz
Leibniz Frankfurt 1992

Holz II
Hans Heinz Holz
Descartes Frankfurt/M. 1994
Liberalismus Constant Mause I 43
Liberalismus/B. Constant: Constant spricht davon, dass die normative Asymmetrie, die das Freiheitsverständnis in der antiken Tradition prägte - der Vorrang öffentlicher Freiheit in der polis als dem Verwirklichungsraum des guten Lebens - umgekehrt wird zugunsten der privaten Freiheit der Individuen. (1)

1. B.Constant, Über die Freiheit der Alten im Vergleich zu der der Heutigen, 1819.

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Liberalismus Raz Gaus I 416
Liberalismus/Raz/Weinstein: Die historische Kurzsichtigkeit der zeitgenössischen politischen Theorie hat den perfektionistischen Liberalismus von Joseph Raz in der Folge anomaler erscheinen lassen, als er tatsächlich ist. Obwohl Stephen Mulhall und Adam Swift zu Recht zu dem Schluss kommen, dass Raz die Rivalität zwischen Liberalismus und Kommunitarismus "transzendiert", überbetonen sie seine Originalität (1996(1): 250). Perfektionistischer Liberalismus: Der perfektionistische Liberalismus von Raz ist ein überarbeiteter neuer Liberalismus, aber mit einigen Unterschieden. Zum Beispiel unterscheidet Raz zwischen Autonomie, einem bahnbrechenden Wert, der ernsthafte politische Aufmerksamkeit erfordert, und Selbstverwirklichung, die seiner Ansicht nach nur eine Spielart der Autonomie ist. >Selbstverwirklichung/Hobhouse.
Selbstverwirklichung/Raz: Während ein sich selbst verwirklichender Mensch alle seine Fähigkeiten zu seinem vollen Potential entwickelt, entwickelt ein autonomer Mensch lediglich "ein Selbstverständnis von sich selbst, und seine Handlungen sind sensibel für seine Vergangenheit". Indem sie "Ziele und Verpflichtungen annehmen, indem sie sich um die eine oder andere Sache kümmern", geben solche Personen ihrem Leben "Form", wenn auch nicht unbedingt nach einem einheitlichen Plan wie bei Hobhouse (Raz, 1986(2): 375, 387) (...).
Wertepluralismus: Darüber hinaus bedeutet Autonomie für Raz im Gegensatz zu den neuen Liberalen Wertepluralisten, weil Güter und Tugenden inkommensurabel sind, was uns oft zwingt, sie abzugeben, "ein Gut zugunsten eines anderen aufzugeben" (1986(2): Und, tragischerweise, müssen wir Kompromisse eingehen, weil (obwohl Raz nicht argumentiert, warum) die Auswahl der Güter und Tugenden, die uns zur Verfügung stehen, weitgehend sozial bestimmt ist (1986(2): 366, 398-9) (...).
Ziele/Raz: Ungeachtet dieser Unterschiede "identifizieren" sich für Raz autonome Handelnde dennoch mit ihren Entscheidungen und bleiben ihnen "treu", genau wie neue liberale Selbstverwirklichungshandelnde. Zweitens "erschaffen sich autonome Handelnde bei der Gestaltung ihres Lebens nicht willkürlich neu, wie die Handelnden der Selbstverwirklichung, trotz ihrer sozialen Umstände.
RazVsNietzsche: Brutale Nietzsche'sche Selbstschöpfung ist unmöglich, denn wir alle werden in Gemeinschaften geboren, die unsere Werte voraussetzen. Autonomes Handeln verändert diese bestenfalls geringfügig oder bestätigt diese Werte selektiv erneut.
(1986(2): 382, 387-8). >Perfektionismus/Raz.


1. Mulhall, Stephen and Adam Swift (1996) Liberals and Communitarians. Oxford: Blackwell.
2. Raz, Joseph (1986) The Morality of Freedom. Oxford: Oxford University Press.

Weinstein, David 2004. „English Political Theory in the Nineteenth and Twentieth Century“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Macht Parsons Habermas IV 400
Macht/Systemtheorie/Parsons/Habermas: innerhalb der Systemtheorie von Parsons wird Macht als ein Kommunikationsmedium aufgefasst (die anderen drei Kommunikationsmedien bei Parsons sind Geld, Einfluss und Wertbindung). (Siehe auch Geld/Parsons/ Kommunikationsmedien/Parsons) Als Steuerungsmedium stellt Macht die symbolische Verkörperung von Wertmenge dar, ohne dass ihr selbst ein intrinsischer Wert zukommt. Macht besteht weder in effektiven Leistungen noch in der Anwendung physischer Gewalt. Wie Geld spiegelt das Machtmedium die Struktur von Anspruch und Einlösung.
Habermas IV 401
Ansprüche: die durch den Code festgelegten nominellen Ansprüche auf Folgebereitschaft für bindende Entscheidungen können in Realwerten eingelöst werden und sich durch Reserven besonderer Art gedeckt. Dem „Tauschwert“ der Macht entspricht nach Parsons der „Gebrauchswert“ der Verwirklichung kollektiver Ziele. Als Deckung dinet die Disposition über Zwangsmittel. (1) Code: ist im Fall der Macht ähnlich strukturiert wie beim Medium Geld: Machthaber und Machtunterworfener gehören demselben Kollektiv an. Denn Machtinteressen sind dadurch definiert, dass Leistungspotentiale für die Erreichung von kollektiv erwünschten Zielen mobilisiert werden. Der generalisierte Wert ist hier Effizienz (beim Geld ist es Nutzen). Der Machtcode schematisiert mögliche Äußerungen als Zustimmung zu oder Ablehnung von Imperativen.
Habermas IV 402
Wert: die dem Anspruch auf Folgebereitschaft entsprechende Wertmenge ist nicht so manipulierbar wie der Tauschwert im Fall des Geldes. Das liegt daran, dass im Machtmedium kein Zeichensystem zur Verfügung steht wie im Fall des Geldmediums. Machtsymbole wie Uniformen, Embleme oder Amtssiegel sind unter syntaktischen Gesichtspunkten nicht dem System von Preisen vergleichbar. Das führt zum Problem der Messbarkeit. Macht kann veräußert werden, ist aber nicht zirkulierbar wie Geld. Allerdings kann Macht nur die Form eines Mediums überhaupt nur deshalb annehmen, weil sie nicht an bestimmten Machthabern oder Kontexten haftet. Allerdings bindet Macht sich stärker symbiotisch an Personen und Institutionen als Geld dies tut.
Habermas IV 403
Macht muss von Zeit zu Zeit demonstriert werden, da sie nicht wie ein Depot bei einer Bank, gedeckt ist. Insgesamt lässt sich Macht nicht so gut kalkulieren wie Geld. Macht/Geld/Luhmann: was die Systemeigenschaften betrifft, verhalten sich die beiden Medien Geld und Macht teilweise entgegengesetzt: während die Finanzierung von Geld, z.B. die Kreditgewährung in der Regel die Eigenkomplexität des Wirtschaftssystems erhöht, wird die Komplexität des Systems im Falle einer Verstärkung der Macht herabgesetzt. (2)
Habermas IV 404
Anders als Geld braucht Macht nicht nur eine Deckung (durch Zwangsmittel) und einer rechtlichen Normierung (in Form von Amtsinhaberschaft) sondern sie bracht zusätzlich noch eine Legitimation.

1.T Parsons, Some Reflections on the Place of Force in Social Process, in: T. Parsons, Social Theory and Modern Society, NY 1967, S. 264ff
2.N. Luhmann, Zur Theorie symbolische generalisierter Kommunikationsmedien, in. ZfS 1974, S 236ff.

ParCh I
Ch. Parsons
Philosophy of Mathematics in the Twentieth Century: Selected Essays Cambridge 2014

ParTa I
T. Parsons
The Structure of Social Action, Vol. 1 1967

ParTe I
Ter. Parsons
Indeterminate Identity: Metaphysics and Semantics 2000

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Märkte Smith Mause I 55f
Markt/Adam Smith/SmithVsNeoklassik/NeoklassikVsSmith: Smith, als Vertreter der Klassischen Wirtschaftstheorie und seine Nachfolger waren gerade die marktprozessualen Aspekte von großer Bedeutung, insbesondere die Eignung von Märkten, zur Verwirklichung der individuellen Freiheit beizutragen oder die Hervorbringung von Innovationen zu fördern. Undenkbar für die Klassiker wäre auch die neoklassische Auffassung vom Geld als bloßen „Schleier“ ohne reale Effekte, da sich diese sehr wohl im Klaren über die realwirtschaftlichen Konsequenzen monetärer Faktoren waren. NeoklassikVsSmith: der neoklassischen Theorie geht es um die ((s) zumindest theoretische) Erreichbarkeit eines Marktgleichgewichts.

EconSmith I
Adam Smith
The Theory of Moral Sentiments London 2010

EconSmithV I
Vernon L. Smith
Rationality in Economics: Constructivist and Ecological Forms Cambridge 2009

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Metaphysik Rorty III 14
Metaphysiker: Bsp Hegel: trotz historischer Verwirklichung der Wahrheit immer noch Annäherung an etwas Feststehendes.
III 129f
Metaphysik: Fragen nach dem Unveränderlichen, möglicherweise Verborgenen, das den Erscheinungen zugrunde liegt. Typisch: Sokrates Fragen. (»Immanente Natur«). (HeideggerVs). Insofern dem gesunden Menschenverstand verbunden! Ergibt keine Neubeschreibung, sondern analysiert alte Beschreibungen mit Hilfe anderer alter Beschreibungen. Der Metaphysiker nennt alles andere »relativistisch«. Er nimmt an, dass unsere Tradition keine Probleme stellen kann, die sie nicht zu lösen vermag. Metaphysik: meint, es gebe eine Verbindung zwischen Neubeschreibung und Macht, und die richtige Neubeschreibung könne uns befreien.

IV (c) 77ff
Metaphysik/Heidegger/Rorty: Heidegger meinte, er könnte der Metaphysik - (die Vorstellung einer einzigen Wahrheit) - entkommen, indem er Sein und Wahrheit geschichtlich fasst.
VI 154ff
Metaphysik: möchte unseren Wunsch, freundlich zu sein, durch ein Argument gestützt sehen, das eine Selbstbeschreibung enthält. Sie soll ein Glanzlicht auf ein allen Menschen gemeinsames Wesentliches werfen Transzendenz: die Annahme, es gäbe etwas, mit dem wir vielleicht nicht in Verbindung stehen. RortyVs: das gibt es nicht! Unsere Überzeugungen sind selbst weltliche Gegenstände in ständiger kausaler Wechselwirkung mit anderen.
Rorty: dass wir offen halten, ob wir die Welt später vielleicht einmal anders beschreiben werden, hat nichts mit Transzendenz zu tun.
VI 480
Transzendenz/DavidsonVsKant/Rorty: braucht man nicht.

Rorty I
Richard Rorty
Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997

Rorty II
Richard Rorty
Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000

Rorty II (b)
Richard Rorty
"Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (c)
Richard Rorty
Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (d)
Richard Rorty
Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (e)
Richard Rorty
Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (f)
Richard Rorty
"Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (g)
Richard Rorty
"Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty III
Richard Rorty
Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992

Rorty IV (a)
Richard Rorty
"is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty IV (b)
Richard Rorty
"Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty IV (c)
Richard Rorty
"Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty IV (d)
Richard Rorty
"Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty V (a)
R. Rorty
"Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983
In
Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998

Rorty V (b)
Richard Rorty
"Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984
In
Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988

Rorty V (c)
Richard Rorty
The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992)
In
Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988

Rorty VI
Richard Rorty
Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000
Methode Parsons Habermas IV 311
Methode/Erklärung/Soziologie/Handlungstheorie/Parsons/Habermas: Problem: wenn Zwecke und Werte in Ordnungen bereits auf bestehende Interessen bezogen sind, kann das institutionalisierte Handeln als ein Prozess der Verwirklichung von Werten unter faktischen Bedingungen begriffen werden. So könnte man Handeln und Ordnung aufeinander beziehen. Parsons isoliert jedoch diese beiden Ebenen der Analyse voneinander. Damit wird das Konstruktionsproblem verschärft. Siehe Handlungstheorie/Parsons.
Habermas IV 330
HabermasVsParsons: im Zusammenhang mit einer Theorie des kommunikativen Handelns vergrößert der Versuch, „gegenständliche“ von „ungegenständlichen“ Wertmustern abzugrenzen die Verwirrung. HabermasVsSubjektphilosophie/HabermasVsErkenntnistheorie: das auf Objekte gerichtete Subjekt der Erkenntnistheorie ist ein im Ansatz falsches Modell.
Lösung/Habermas: ein Modell verständigungsorientierten Handelns, an dem sich studieren lässt, wie Kultur, Gesellschaft und
Habermas IV 331
Persönlichkeit bei der Determinierung von Handlungsorientierungen zusammenwirken. Siehe Hintergrund/Habermas.
Habermas IV 337
Methode/HabermasVsParsons: wenn die pattern-variables (siehe Terminologie/Parsons) einen mehreren Komponenten (z.B. Gesellschaft, Kultur, Persönlichkeit) gemeinsamen strukturellen Kern beschreiben, können sie nicht gleichzeitig dazu dienen, die spezifischen Entwicklungen dieser Komponenten auf Handlungsorientierungen aufzuklären. Problem: es fehlt ein Pendant zum Verständigungsmechanismus.
Habermas IV 351
HabermasVsParsons: Parsons muss Handlungszusammenhänge unvermittelt als Systeme begreiflich machen, ohne sich des Einstellungswechsels bewusst zu werden, mit dem der Begriff des Handlungssystems auf dem Wege der Vergegenständlichung der Lebenswelt methodisch erst erzeugt wird. Daher verrichtet er auf die handlungstheoretisch Einführung des Systembegriffs. Lösung/Parsons: er räumt kurzerhand der Systemtheorie den grundbegrifflichen Vorrang ein.

ParCh I
Ch. Parsons
Philosophy of Mathematics in the Twentieth Century: Selected Essays Cambridge 2014

ParTa I
T. Parsons
The Structure of Social Action, Vol. 1 1967

ParTe I
Ter. Parsons
Indeterminate Identity: Metaphysics and Semantics 2000

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Moderne Luhmann Habermas IV 420
Moderne/LuhmannVsParsons/Luhmann/Habermas: Luhmann hebt an modernen Gesellschaften ausschließlich die Züge der Komplexität hervor. Diese verdanken ihre hohe Komplexität der starken Ausdifferenzierung von Teilsystemen, die relativ unabhängig voneinander sind, zugleich Umwelten füreinander bilden und über Medien in einem derart geregelten Austausch miteinander treten, dass Zonen gegenseitiger Durchdringung (Interpenetration) entstehen. Neukantianismus/Luhmann/Habermas: Luhmann räumt mit dem Neukantianismus auf d.h. er verabschiedet die Idee der Werteverwirklichung auf
Habermas IV 421
und fegt den Himmel von kulturellen Werten leer. Er gibt der Theorie der Moderne größere Beweglichkeit zurück, indem er das Korsett des Schemas aus vier Funktionen (siehe AGIL-Schema) aufschnürt. LuhmannVsParsons: Luhmann möchte historisch erklären, was Parsons noch theoretisch voraussagt, z.B. die, dass die Entwicklung moderner Gesellschaften durch genau drei Revolutionen gekennzeichnet ist.
ParsonsVsLuhmann/Habermas: anders als Luhmann kann Parsons den von außen, aus der Beobachtung erfassten Zuwachs an Systemkomplexität in das an die Innenperspektive der Lebenswelt gebundene Selbstverständnis der Systemmitglieder übersetzen.(1)


1.T.Parsons, The System of Modern Societies, Englewood Cliffs 1971, S. 114ff.

AU I
N. Luhmann
Einführung in die Systemtheorie Heidelberg 1992

Lu I
N. Luhmann
Die Kunst der Gesellschaft Frankfurt 1997

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Möglichkeit Leibniz Holz I 102
Def Wirklichkeit/Leibniz: entspricht dem aktiven Moment der Kraft. Ein Wirkendes. Def Möglichkeit /Leibniz: entspricht dem passiven Moment, einem nicht zur Äußerung Gekommenen.
Davon zu unterscheiden ist das
Def Vermögen/Leibniz: (potentia, puissance): das ist eine positive Ausstattung der Substanz mit dem speziellen Inhalt der zu Verwirklichung strebenden Tendenz.
I 103
Die Handlung selbst und das Vermögen dazu sind bloß verschiedene Zustände eines und desselben Daseinsmoments. Die aktive Kraft vermittelt den Übergang. Dazu bedarf es nur der Entfernung einer Hemmung. Das bloße Vermögen ist das Erleiden einer Hemmung. Das geht aber nur, wenn das Vermögen selbst als tätiges Streben existiert. Das Erleiden ist also ein Moment des Handelns selbst im Modus des Gehemmtseins.

Vollkommenheit/Leibniz: deshalb hat es auch Sinn zusagen, dass Vollkommenheit abgestuft (graduell) ist. Abhängig davon, wieviel sachhaltige Möglichkeiten verwirklicht sind.
Möglichkeit/Leibniz: ist eben nicht verwirklicht. Sie ist das Gegenteil der Wirklichkeit.
Möglichkeit/Megariker/Megara/Holz: lassen das Mögliche mit dem Unmöglichen zusammenfallen: weil es eben nicht verwirklicht ist!
I 104
Das was nicht wirklich ist, ist unmöglich! Holz: das ist solange richtig, wie man von der Zeit absieht.
So kann man Leibniz' Kraft als Vermittlung zwischen Möglichkeit und Wirklichkeit ansehen.
I 106
Möglichkeit/Leibniz: Mögliches ist immer mit der aktiven Kraft ausgestattet, zur Wirklichkeit zu streben. Sonst würde gar nichts existieren. Man kann nicht mit Grund sagen "gewisse Möglichkeiten" hätte die Tendenz, "andere" hätten sie nicht. Kraft/Leibniz: ist der Akt des mit Streben ausgestatteten Vermögens.
Wirklichkeit/Leibniz: es gibt (unendlich viele) Abstufungen zwischen Möglichkeit und Wirklichkeit.


Lei II
G. W. Leibniz
Philosophical Texts (Oxford Philosophical Texts) Oxford 1998

Holz I
Hans Heinz Holz
Leibniz Frankfurt 1992

Holz II
Hans Heinz Holz
Descartes Frankfurt/M. 1994
Neukantianismus Habermas III 221
Neukantianismus/Habermas: Max Weber steht in der Tradition des Neukantianismus. (1) In der Theorie der Geistes- und Kulturwissenschaften vertreten Windelband und Rickert ähnlich Positionen wie Dilthey und andere Philosophen der Historischen Schule. Für die Auseinandersetzung mit evolutionistischen Ansätzen in den Sozialwissenschaften hat aber der Neukantianismus über seine dualistische Wissenschaftsphilosophie hinaus eine spezielle Bedeutung gewonnen, und zwar wegen seiner Werttheorie. Erbringt auf methodologischer ebene die Unterscheidung zwischen Sein und Sollen, zwischen Tatsachenfeststellungen und Werturteilen zur Geltung und wendet sich in der praktischen Philosophie entschieden gegen alle Spielarten eines ethischen Naturalismus.
III 263
Neukantianismus: These: Prozesse der Wertverwirklichung können gleichzeitig von außen und von innen betrachtet, als empirische Vorgänge und als Objektivation von Wissen verstanden werden und damit Wirklichkeits- und Geltungsaspekte verbunden werden. ((s) Siehe Sein-Sollen-Fehlschluss, Naturalistischer Fehlschluss).

1. Th.Burger, Max Weber’s Theory of Concept Formation, Durham 1976; R.H, Howe, Max Weber’s Elective Affinities, AJS, 84, 1978, 366ff; M. Baker, Kant as a Problem for Weber, Brit. J. Soc. 31, 1980,224ff.

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Neukantianismus Luhmann Habermas IV 420
Neukantianismus/Luhmann/Habermas: Luhmann räumt mit dem Neukantianismus auf d.h. er verabschiedet die Idee der Werteverwirklichung auf
Habermas IV 421
und fegt den Himmel von kulturellen Werten leer.

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Einführung in die Systemtheorie Heidelberg 1992

Lu I
N. Luhmann
Die Kunst der Gesellschaft Frankfurt 1997

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J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

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Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Ordnung Parsons Habermas IV 306
Ordnung/Parsons/Talcott ParsonsVsHobbes/Habermas: die Frage, wie soziale Ordnung möglich ist, lässt sich unter empiristischen Voraussetzungen nicht lösen. (Das Hobbessche Problem). Problem: rationalistische und empiristische Handlungsbegriffe können die Autonomie des Handelns ebenso wenig erfassen wie materialistische und idealistische Ordnungsbegriffe die Legitimität eines Handlungszusammenhangs, der sich auf Interessen stützt.
Lösung/Parsons: Parsons entwickelt einen voluntaristische Handlungsbegriff und einen normativistischen Ordnungsbegriff.
Habermas IV 310
Ordnung/Parsons: kann nicht allein über Interessenlagen stabilisiert werden. These: Ordnungen, die ihrer normativen Kraft beraubt sind, führen zu anomischen Zuständen. (1)
Habermas IV 315
Das Hobbessche Problem: (Siehe Ordnung/Hobbes) Wenn man vom Konzept zweckrationalen Handelns ausgeht, sind die Handlungen anderer mögliche Mittel für die eigenen Zwecke. Dann folgt aus dem Postulat der Rationalität, dass alle versuchen sollten, übereinander zu herrschen. Dann wird Macht zum zentralen Begriff der Analyse von Ordnung. Eine rein utilitaristische Gesellschaft wäre dann chaotisch und instabil. (2)
Lösung/Hobbes: ein Herrschaftsvertrag mit unbedingter Unterwerfung aller unter die absolute Gewalt eines einzigen. Das setzt allerdings eine Situation voraus, in der die zweckrational handelnden Subjekte schon bereit sind, die für einen Vertragsabschluss notwendigen Bedingungen zu erfüllen. (3)
ParsonsVsHobbes: A. Das Modell zweckrationalen Handelns kann nicht erklären, wie Aktoren eine Vereinbarung treffen können, die vernünftig ist,
Habermas IV 316
d.h. die Interessen aller berücksichtigt. Lösung/Parsons: Der Begriff der Zweckrationalität muss erweitert werden. Das führt zu einer Unterscheidung zwischen technischem und praktischem Rationalitätsbegriff. (Siehe Ordnung/Locke). Fazit: Verpflichtungen müssen sich auf einen normativen Konsens stützen,
Habermas IV 317
Der aus zweckrationalen Erwägungen allein nicht resultieren kann. B. Parsons These: (wie Weber und Durkheim): Hobbes‘ künstlich Zwangsordnung kann nicht auf Dauer gestellt werden und eignet sich daher nicht als Modell für eine Erklärung, wie soziale Ordnung möglich ist.
Habermas IV 318
Problem: es fehlt eine Normierung und Wertorientierung. Parsons/Habermas: Parsons konstruiert eine symmetrische Beziehung zwischen zwei konträren, aber gleichermaßen falschen Positionen:
1. Der soziologische Materialismus reduziert Normen auf äußerlich auferlegte Regelungen und verkennt den Umstand, dass die Institutionalisierung von Verhaltenserwartungen an den Orientierung des Handelnden ansetzt und diese normativ und nicht bloß faktisch bindet.
Habermas IV 319
Der soziologische Idealismus unterschätzt den Zwang, der von den nichtnormativen Bestandteilen der Handlungssituation, überhaupt vom materiellen Substrat der Lebenswelt ausgeht. Lösung/Parsons/Habermas: Parsons entwickelt einen Begriff der Institution, der dem neukantianischen Modell der Werteverwirklichung, d.h. dem, Weberschen Konzept einer Werte und Interessenlagen integrierenden Ordnung folgt. (3)


1.Talcott Parsons, The Structure of Social Action, NY, 1949, S. 404.
2.Ebenda, S. 93f
3. Ebenda S 732.

ParCh I
Ch. Parsons
Philosophy of Mathematics in the Twentieth Century: Selected Essays Cambridge 2014

ParTa I
T. Parsons
The Structure of Social Action, Vol. 1 1967

ParTe I
Ter. Parsons
Indeterminate Identity: Metaphysics and Semantics 2000

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Perfektion Condorcet Habermas III 211
Perfektion/Condorcet/Habermas: Condorcet deutet den Begriff der Perfektion nach dem Muster wissenschaftlichen Fortschritts um. Perfektion bedeutet nicht länger, wie in der aristotelischen Tradition, die Verwirklichung eines in der Natur der Sache angelegten Telos, sondern einen zwar gerichteten, aber nicht im Voraus teleologisch begrenzten Vorgang der Vervollkommnung. Die Perfektion wird als Fortschritt interpretiert. (1)
1. Condorcet, Entwurf einer historischen Darstellung der Fortschritte des menschlichen Geistes, hrsg. von W. Alff, Frankfurt, 1963,S. 29

Condo I
N. de Condorcet
Tableau historique des progrès de l’ esprit humain Paris 2004

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Perfektionismus Gaus Gaus I 102
Perfektionismus/Gaus: Die perfektionistische Theorie des guten Lebens - das gute Leben schließt die Perfektion der Menschen in der Gesellschaft ein - ist in der zeitgenössischen Politik sehr attraktiv.
Gaus I 103
Theorie: Sie stand im Mittelpunkt von William Galstons früheren Arbeiten (1980(1); 1991(2)) und wurde von Douglas B. Rasmussen und Douglas J. Den Uyl (1991)(3) als Grundlage für die Verteidigung des klassischen Liberalismus verwendet. Obwohl die Leser von Ayn Rands Beschreibung ihrer Position zum "Egoismus" oft verwirrt werden, scheint eine gewisse Vorstellung von menschlicher Perfektion auch für den von Rand inspirierten Liberalismus grundlegend zu sein (Machan, 1989(4); Smith, 1995(5) 62ff). Solche perfektionistischen Darstellungen des guten Lebens sind in zweierlei Hinsicht ausgesprochen liberal. Erstens, und das ist am offensichtlichsten, liefern sie die Grundlage für ein Argument für Freiheit. Menschen brauchen Raum, um zu wachsen, Raum, um herauszufinden, welche Lebensformen zu ihrer einzigartigen Natur passen und welche nicht. >Individuen/Mill, >Liberalismus/Gaus, >Liberalismus/Waldron. Wie Mill es ausdrückt, brauchen die Menschen die Freiheit, sich auf "Experimente im Leben" einzulassen. Der Mangel an Freiheit wird das Wachstum hemmen, wodurch menschliche Impulse blockiert und passive Persönlichkeiten hervorgebracht werden. Zweitens tendieren solche Theorien dazu, das Individuum und seine Entscheidungen in den Mittelpunkt des ethischen Lebens zu stellen: Liberalismus wird als eine Theorie des ethischen Individualismus verstanden. Das heißt nicht, dass solche Theorien die Entwicklung als asozial betrachten; in der Tat betonen sie oft die Art und Weise, wie das soziale Leben für eine vollständige Entwicklung notwendig ist (Gaus, 1983a(6), Kap. 2 und 3; Kymlicka, 1991(7)). Dennoch ist es das Individuum und seine Selbstverwirklichung oder sein Aufblühen, das den letztendlichen Wert hat. Außerdem sind Individuen nicht so tief in die Gesellschaft eingebettet, dass ihre Entscheidungen ein Spiegelbild der Sozialgeschichte oder Kultur sind (Sher, 1997(8): Kap. 7). >Mill/Gaus.
Individuuen/Mill: Der Großteil der Gesellschaft ist laut Mill eine "kollektive Mittelmäßigkeit": Sie neigt dazu, sich anzupassen und ist nicht an neuen Ideen interessiert. Die wenigen, die denken und erfinden, sind "das Salz der Erde: ohne sie würde das menschliche Leben zu einem stagnierenden Teich werden" (1963a(9): Kap. 3, Abs. 10).
Bevormundung: (...) Daraus folgt, dass solche perfektionistischen Theorien das Schreckgespenst einer weit verbreiteten Bevormundung aufkommen lassen. Obwohl Mill für eine stark anti-paternalistische Moral plädierte, scheint das Ideal so spezifisch und anspruchsvoll zu sein, dass es die Tore für Eingriffe in die Freiheit öffnet und versucht, die mittelmäßige Masse zu einer reicheren Persönlichkeit zu treiben. Es wird auch weniger offensichtlich, warum ihnen eine Freiheit gewährt werden sollte, die der sich vervollkommnenden Elite gleichkommt. >Autonomie/Gaus.


1. Galston, William (1980) Justice and the Human Good. Chicago: Chicago University Press.
2. Galston, William (1991) Liberal Purposes: Goods, Virtues and Diversity in the Liberal State. Cambridge: Cambridge University Press.
3. Rasmussen, Douglas B. and Douglas J. Den Uyl (1992) Liberty and Nature: An Aristotelian Defense of Liberal Order. La Salle, IL: Open Court.
4. Machan, Tibor (1989) Individuals and Their Rights. La Salle, IL: Open Court.
5. Smith, Tara (1995) Moral Rights and Political Freedom. Lanham, MD: Rowman and Littlefield.
6. Gaus, Gerald F. (1983a) The Modern Liberal Theory of Man. New York: St Martin’s.
7. Kymlicka, Will (1991) Liberalism, Community and Culture. Oxford: Clarendon.
8. Sher, George (1997) Beyond Neutrality: Perfectionism and Politics. Cambridge: Cambridge University Press.
9. Mill, John Stuart (1963a) On Liberty. In J. M. Robson, ed., The Collected Works of John Stuart Mill. Toronto: University of Toronto Press, vol. XVIII, 213–301.


Gaus, Gerald F. 2004. „The Diversity of Comprehensive Liberalisms.“ In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications.

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Perfektionismus Raz Gaus I 416
Perfektionsm/Raz/Weinstein: Für Raz, der den neuen Liberalen folgte, gleichen Rechte die Chancen für autonomes Handeln aus. Rechte sind notwendig, wenn auch unzureichende Bedingungen für das Erreichen von Autonomie. Darüber hinaus müssen diese Bedingungen umverteilungsfähig sein, wenn die Bürger sinnvolle Möglichkeiten haben sollen, das Beste aus sich herauszuholen. Vgl. >Selbstverwirklichung/Hobhouse.
Wie bei den neuen Liberalen (und den liberalen Utilitaristen) fördern Rechte also indirekt das Gute. Regierungen können die Bürger nicht zu guten Menschen machen, aber Regierungen sollten sie indirekt dazu ermutigen, das Beste aus sich selbst zu machen, indem sie ihnen entsprechende Möglichkeiten bieten. Daher kann und sollte die Politik perfektionistisch sein:
Das Autonomieprinzip erlaubt und verlangt sogar von den Regierungen, moralisch wertvolle Gelegenheiten zu schaffen und abstoßende zu beseitigen. Zeigt das nicht, dass es mit (Mill's) Schadensprinzip unvereinbar ist? ...
Perfektionistische Ziele müssen nicht durch die Anwendung von Zwang verfolgt werden. Eine Regierung, die bestimmte Aktivitäten subventioniert, ihre Verfolgung belohnt und für ihre Verfügbarkeit wirbt, fördert diese Aktivitäten, ohne Zwang anzuwenden. (1986(1): 417)
Weinstein: Mit anderen Worten: Wir sind verpflichtet, unseren Mitbürgern die Bedingungen der Autonomie zu bieten, solange wir ihnen nicht schaden. Die Bürger zu einem wertvollen Leben zu zwingen, schadet ihnen, während die Bereitstellung wertvoller Optionen für alle niemandem schadet.


1. Raz, Joseph (1986) The Morality of Freedom. Oxford: Oxford University Press.

Weinstein, David 2004. „English Political Theory in the Nineteenth and Twentieth Century“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Politische Theorie Honneth Brocker I 789
Politische Theorie/Honneth/Sigwart: in politiktheoretischer Hinsicht weist Honneths Gesellschaftstheorie eine Nähe zu republikanischen Positionen bzw. zu den Anliegen eines „perfektionistischen Liberalismus“ auf. ((s) Siehe Perfektionismus). HonnethVsLiberalismus: der ausgeprägte Liberalismus („die offizielle Strömung des modernen Liberalismus“(Honneth (1)) versteht die Grundprinzipien von Freiheit und Selbstverwirklichung dezidiert als intersubjektiv vermittelte und in konkreten politischen Institutionen zu verwirklichende Prinzipien. Dagegen Honneth: …. Siehe auch Liberalismus. Siehe Anerkennung/Honneth.


1. Axel Honneth, Das Ich im Wir. Studien zur Anerkennungstheorie, Berlin 2010, S. 40

Hans-Jörg Sigwart, „Axel Honneth, Kampf um Anerkennung“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Honn I
A. Honneth
Das Ich im Wir: Studien zur Anerkennungstheorie Frankfurt/M. 2010

Honn II
Axel Honneth
Kampf um Anerkennung. Zur moralischen Grammatik sozialer Konflikte Frankfurt 2014

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Pragmatismus James Diaz-Bone I 68
Pragmatismus/James: der Begriff wird zum ersten Mal von James 1898 verwendet. Er beruft sich aber auf Peirce, 1878.
I 68f
Zeichen/Peirce/ VsKant: Vs Konstruktion vom transzendentalen Subjekt: Pragmatismus ist diejenige Methode, die erfolgreiche sprachliche und gedankliche Kommunikation und klare Ideen ermöglicht. Für Peirce ist jeder Gedanke Zeichen.
I 70
Pragmatismus/Peirce: voluntaristische Handlungstheorie. Def Voluntarismus: Wille als Grundprinzip des Seins.
I 76
Pragmatismus: wie ein Korridor in der Mitte vieler Zimmer, er gehört allen, die ihn benutzen. Begriff/Pragmatismus: Er hält alle Begriffe für Hypothesen. Verwendung ist immer persönlicher Entschluß.
I 78
Wir leben nicht um zu denken, sondern wir denken, um zu leben.
I 79
Wissenschaft/James: Wissenschaften, comon sense und einzelnes Bewusstsein haben eines gemeinsam: sie sollen die menschliche Anpassungsfähigkeit steigern.
I 88
PragmatismusVsKorrespondenztheorie: Übereinstimmung bei James weicht die Dichotomie wahr/falsch auf. (>Verwirklichung, >Anpassung).
I 102
VsPragmatismus: dass James Wahrheit mit Bewährung verwechsele: es kann niemals festgestellt werden, ob eine Beobachtung richtig übersetzt ist. (>Basissatzproblem).



James I
R. Diaz-Bone/K. Schubert
William James zur Einführung Hamburg 1996
Praxis Lukács Habermas III 486
Praxis/Philosophie/Lukács/HabermasVsLukács/Habermas: Marx hatte die Parole vom „Praktischwerden der Philosophie“ aufgestellt und sich die Perspektive der junghegelianischen „Philosophie der Tat“ zu eigen gemacht. Lukács begeht nun den entscheidenden, von Marx freilich suggerierten Fehler, jenes „Praktischwerden“ wiederum theoretisch einzuholen und als revolutionäre Verwirklichung der Philosophie vorzustellen. Darum muss er der Theorie noch mehr Leistungen zutrauen, als sogar die Metaphysik für sich reklamiert hatte. Der Philosophie wird damit zu viel zugemutet. Lukács muss dazu ein Wissen reklamieren, dass mit Max Webers Einsicht in den Zerfall objektiver Vernunft unvereinbar ist.
Habermas III 488
WellmerVsLukács: Lukács Versuch einer philosophischen Rekonstruktion des Marxismus kam in einigen zentralen Punkten einer Rückkehr zum objektiven Idealismus gleich. (1)
1.A.Wellmer, Die sprachanalytische Wende der Kritischen Theorie, 1977, in: Jaeggi, Honneth (Hg), Theorien des Historischen Materialismus, Frankfurt 1977.


Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Prinzipien Rawls I 4
Prinzipien/Gesellschaft/Rawls: 1. Jeder akzeptiert und weiß, dass die anderen Mitglieder der Gesellschaft dieselben Prinzipien der Gerechtigkeit akzeptieren.
2. Die grundlegenden sozialen Institutionen erfüllen diese Prinzipien uim allgemeinen und sind bekannt dafür, dass sie dies tun.
I 7
Prinzipien/Rawls: wir sind hier nur an allgemeinen Prinzipien der Gerechtigkeit der Gesellschaft als ganzer, nicht an solchen für spezielle oder private Gemeinschaften oder für nationenübergreifende Institutionen interessiert.
I 10/11
Prinzipien/Gerechtigkeit/Rawls: Prinzipien müssen am Anfang festgelegt werden. Unser Ausgangspunkt, die Situation der Gleichheit, der eine Wahl folgen soll, entspricht dem Naturzustand der traditionellen Theorien des Sozialvertrags, ist aber weder eine konkrete historische Situation noch eine primitive Kultur. Es ist eine rein hypothetische Situation, die zu einer bestimmten Verwirklichung von Gerechtigkeit führen soll.
I 41
Prinzipien/MillVsIntuitionismus/Mill/Rawls: Mill argumentierte, dass das Nützlichkeitsprinzip das einige oberste Prinzip sein könne, da es sonst keinen Schiedsrichter zwischen konkurrierenden Kriterien geben könne(1). Prinzipien/Sidgwick: das Nützlichkeitsprinzip sei das einzige, das diese Rolle einnehmen kann(2).
Rawls: das ist, es, was die klassische Doktrin so attraktiv machte: dass sie das Problem der Prioritäten zu lösen versucht und den Intuitionismus vermeidet.
RawlsVsMill/RawlsVsSidgwick/RawlsVsUtilitarismus: wir müssen erkennen, dass es möglicherweise keinen Weg gibt, um die Pluralität der verschiedenen Prinzipien aufzulösen.
I 43
Prinzipien/Rawls: ich schlage vor, selbst bei der „lexikalischen Ordnung (dem stückweise Abarbeiten von Prinzipien nach einer äußerlichen Ordnung) das Prinzip der gleichen Verteilung von Rechten vorrangig vor dem Regeln von wirtschaftlichen oder sozialen Ungleichheiten zu behandeln.
I 61
Prinzipien/Gerechtigkeit/Rawls: vorläufige Formulierung: 1. Jede Person muss das gleiche Recht auf weitest gehende grundlegende Freiheit haben, soweit sie mit gleicher Freiheit für andere kompatibel ist.
2. Soziale und ökonomische Ungleichheiten sind so zu arrangieren, dass sie
a) vernünftig erwartbar zu jedermanns Vorteil sind und
b) mit Positionen und Verwaltungsvorgängen verknüpft sind, die von jedermann inne gehabt werden können.
Zeitlich werden die beiden Prinzipien nacheinander angewendet. Das bedeutet, dass ein Aufgeben des ersten Prinzips nicht durch größere soziale oder wirtschaftliche Vorteile aufgewogen werden kann.
I 62
Abweichungen von einer Gleichverteilung von sozialen Rechten oder wirtschaftlichen Vorteilen kann nur dadurch gerechtfertigt werden, dass dies für jedermann von Vorteil ist. ((s) Das ist eine Anlehnung an den Utilitarismus).
I 63
Die zeitliche Reihenfolge der Befolgung schließt auch aus, dass grundlegende Freiheiten gegen wirtschaftliche Vorteile eingetauscht werden können.
I 64
Ebenso bedeutet die zeitliche Reihenfolge der Prinzipien, dass von Personen immer nur in Form von Inhabern sozialer Rollen die Rede sein kann.
I 83
Prinzipien/Rawls: Neuformulierung des Zweiten Prinzips: Soziale und ökonomische Ungleichheit sind so zu arrangieren, dass sie a) den größten Nutzen für die am schlechtesten Gestellten und b) mit Verwaltungseinrichtungen und Positionen darin verknüpft sind, die allen unter Bedingungen einer fairen Chancengleichheit offen sind.
I 89
Ich gehe davon aus, dass die beiden Teile des Prinzips lexikalisch geordnet sind.
I 116
Prinzipien/Rawls: es ist nichts Inkonsistentes daran, dass Gerechtigkeit als Fairness unbedingte Prinzipien ermöglicht. Es genügt zu zeigen, dass die Parteien in der Ausgangssituation (einer zu errichtenden Gesellschaft) Prinzipien zustimmen, die die natürlichen Pflichten definieren, die dann unbedingt gelten. ((s)VsRawls: Widerspruch: Rawls sagt selbst, dass die natürlichen Pflichten Bsp nicht grausam zu sein, nicht Gegenstand von Vereinbarungen sind. (Siehe Rawls I 114).
I 250
Prinzipien/Gerechtigkeit/Rawls: Neuformulierung im Lichte der Berücksichtigung kontingenter individueller und historischer Ungleichheiten: Erstes Prinzip: Jede Person muss ein gleiches Recht auf das umfassendste System gleicher Grundrechte haben, dass mit einem gleichen System von Freiheit für alle kompatibel ist.
Prioritätsregel: die Prinzipien der Gerechtigkeit sind in lexikalischer Ordnung aufgebaut und daher kann Freiheit nur zum Wohl der Freiheit eingeschränkt werden. Hier gibt es zwei Fälle: a) eine weniger umfassende Freiheit muss die Freiheit des Gesamtsystem der Freiheit, das von allen geteilt wird, vergrößern, b) eine eingeschränkte Freiheit, muss für diejenigen akzeptierbar sein, die davon betroffen sind.
I 253
Prinzipien/Kategorischer Imperativ/Kant/Rawls: diese Prinzipien sind im Sinn von Kant ebenfalls Kategorische Imperative. Sie setzen keine bestimmten gesellschaftlichen Verhältnisse und keine individuellen Ziele voraus. Es wird nur ein Interesse an primären öffentlichen Gütern (z.B. Freiheit) vorausgesetzt. Die Präferenz für diese wiederum ist von allgemeinsten Annahmen über Rationalität und den Bedingungen des menschlichen Lebens hergeleitet.
I 302
Prinzipien/Rawls: endgültige Fassung für Institutionen/Rawls: die beiden Prinzipien der Gerechtigkeit (s.o.) plus Prioritätsregeln: 1. Prioritätsregel: die Prinzipien der Gerechtigkeit müssen in lexikalischer Reihenfolge abgearbeitet werden, sodass Freiheit nur zugunsten größerer Freiheit eingeschränkt werden darf. Zwei Fälle sind möglich: a) Eine eingeschränkte Freiheit muss das Gesamtsystem der Freiheiten stärken, die allen zugutekommen. b) Eine nicht gleiche Freiheit muss von denen akzeptiert werden können, die weniger Freiheiten genießen.
2. Prioritätsregel: (Gerechtigkeit geht vor Effizienz und Wohlstand): Das zweite Gerechtigkeitsprinzip ist lexikalisch vorrangig vor dem Prinzip der Effizienz und dem der Maximierung von Vorteilen,
I 303
Faire Chancengleichheit ist vorrangig gegenüber dem Differenzprinzip. Zwei Fälle sind möglich: a) Chancenungleichheit muss die Chancen der Benachteiligten vergrößern. b) Eine extreme Sparrate muss die Lasten der Betroffenen mindern. Allgemeine Konzeption: alle primären sozialen Güter (Freiheiten, Rechte, Einkommen, Wohlstand, die Voraussetzungen für Selbstachtung usw.) sind gleich zu verteilen, außer wenn eine ungleiche Verteilung einiger oder aller dieser Güter zum Vorteil der am wenigsten Begünstigen ist.
I 446
Prinzipien/Rawls: während die Prinzipien der Gerechtigkeit die sind, die in der Ausgangsposition gewählt werden, werden die Prinzipien der Rationalen Entscheidung oder der Rationalität gar nicht gewählt. Das führt zu der Unterscheidung zwischen dem Richtigen und dem Guten.

(1) Mill, A System of Logic, Buch VI, Kap. XII, Abschn. 7 und Utilitarianism, Kap. V, paers. 26-31.
(2) Sidgwick, The Methods of Ethics, Buch IV Kap. II und III.

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005
Quantenmechanik Genz II 118
Quantenmechanik/Genz: verneint die gleichzeitige Möglichkeit dieser drei Prinzipien:
1. Lokalität
2. Möglichkeit unabhängiger Zufälle in getrennten Gebieten
3. Induktion.
II 235
Beobachtung/Prinzip/Formel/Gleichung/Genz: am Anfang der Quantenmechanik standen zwei rein mathematische Beobachtungen, die auf kein Prinzip zurückgeführt werden konnten: 1. Plancks Formel für die Wärmestrahlung
2. die Formel für das Wasserstoffspektrum.
Rechtfertigung: bestand allein darin, dass sie richtige Ergebnisse lieferten.
Quantenmechanik/Prinzipien/Genz: 1. Prinzip der Quantenmechanik. Verschränkung. These nahezu alles ist mit allem verschränkt. Noch tiefer gesehen: gibt es dann gar keine lokalisierbaren Quantenzustände.
II 236
„Fernwirkung“/QWM/Nachricht/Information/Genz: durch die „Fernwirkung“ (aus der Verschränkung) können keine Nachrichten übertragen werden. 2. Prinzip der Quantenmechanik. Keine Nachricht kann instantan übertragen werden.
Die beiden Prinzipien zusammen schrammen hart an einem Widerspruch vorbei. Daraus folgt, dass beide zusammen sehr mächtig sind (stärker/schwächer).
Ableitung/Prinzip/Genz: bisher ist es nicht gelungen, die Quantenmechanik als einzig mögliche Verwirklichung ihrer beiden Prinzipien abzuleiten.
II 238
John Bell/Quantenmechanik/Genz: hat gezeigt, dass die Quantenmechanik keine Wahl der Häufigkeiten zulässt, die ergeben, was beobachtet wird. Die relativen Häufigkeiten kommen falsch heraus. Die Vorhersagen der Quantenmechanik stehen im Widerspruch zu dem, was Bell aus Prinzipien abgeleitet hat. Die Quantenmechanik ist aber die am besten bestätigte Theorie die es gibt.
II 241
Wirkung/Übertragung/Wirkungsübertragung/Energie/Quantenmechanik/Genz: eine Besonderheit der Übertragung von Wirkungen in der Quantenmechanik, durch die keine Nachrichten (Information) übertragen werden kann ist, dass keine Energie übertragen wird.
II 245
Wirkung/Nichtlokalität/Genz: in der Quantenmechanik können Wirkungen (keine Nachrichten) instantan übertragen werden.
II 246
Prinzipien/Quantenmechanik/Genz: die Quantenmechanik kann vollständig aus Prinzipien – die der Alltagserfahrung widersprechen - abgeleitet werden. Bisher wissen wir nur, welche Prinzipien nicht zusammen bestehen können.
II 286
Quantenmechanik/klassische Physik/Genz: es sind vor allem die die Zustände beschreibenden Variablen, die verschieden sind: Quantenmechanik: Wellenfunktion
Klassische Physik: Orte und Geschwindigkeiten.
Dabei geht es nicht um deterministisch oder nichtdeterministisch.



Gz I
H. Genz
Gedankenexperimente Weinheim 1999

Gz II
Henning Genz
Wie die Naturgesetze Wirklichkeit schaffen. Über Physik und Realität München 2002
Rationale Entscheidung Rawls I 411
Rationale Entscheidung/Rawls: die relevanten Merkmale der Situation einer Person werden identifiziert durch die Prinzipien der rationalen Entscheidung, und zwar am stärksten durch die, die sich kurzfristig auswirken. Prinzipien der Rationalen Entscheidung: 1. Das Prinzip der effizienten Mittel.
I 412
Wir wählen diejenigen, die das Ziel in der besten Art und Weise erreichen, insbesondere mit dem geringsten Aufwand. 2. Prinzip: derjenige von mehreren möglichen Plänen ist vorzuziehen, der zusätzlich zu den erreichbaren Zielen weitere Ziele ermöglicht(1).
3. Prinzip der größeren Wahrscheinlichkeit (likelihood): von zwei ähnlichen Plänen sollten wir den mit den größeren Chance auf Verwirklichung wählen.
I 413
Diese Annahmen gelten für kurzfristige Pläne. Wie sieht es mit langfristigen Plänen aus? Es sieht so aus, als ob extrem langfristige Entscheidungen, wie z.B. die Berufswahl, kulturabhängig sind. Die Tatsache jedoch, dass wir alle solche Entscheidungen zu treffen haben, ist kulturunabhängig.

(1) Siehe R. B. Perry General Theory of Value (New York, 1926), S. 645-649.

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005
Realität Leibniz Holz I 61
Wirklichkeit/Realität/Leibniz: was zu denken möglich ist, ist vernünftig und könnte, rein logisch, auch möglich sein.
Holz I 125
Vollkommenheit/Existenz/Leibniz: Bsp Angenommen, A,B,C,D seien gleichrangig, aber D mit A und B unverträglich, die anderen aber alle untereinander verträglich außer mit D, dann folgt, dass A,B und C unter Ausschluss von D existieren. Das ist das Prinzip der Kompossibilität.
Realität/Leibniz: jeweils das höchste Maß an Sachgehalt (Verwirklichung): "perfectio".
Beste Welt/beste aller möglichen Welten/Leibniz: das ist der Sinn der These, dass wir in der besten der Welten leben: es ist einfach die Verwirklichung der meisten Möglichkeiten, was daraus folgt, dass alle Möglichkeiten verwirklicht werden, die sich nicht gerade gegenseitig hindern.
Insofern ist diese Welt auch nicht zufällig so beschaffen, wie sie ist.
In die Theologie übersetzt heißt das, Gott habe die Welt nach seiner eigenen Rationalität notwendig erschaffen, weil sie die Optimierung der durch diese Rationalität bedingten Prozesse ist.
VoltaireVsLeibniz: "Candide". Vs"Beste der Welten". Ironisierung der Leibnizschen Theorie.


Lei II
G. W. Leibniz
Philosophical Texts (Oxford Philosophical Texts) Oxford 1998

Holz I
Hans Heinz Holz
Leibniz Frankfurt 1992

Holz II
Hans Heinz Holz
Descartes Frankfurt/M. 1994
Revolution Trotzki Brocker I 206
Revolution/Trotzki: These: Wenn die Revolutionäre Dynamik nicht auf andere höher entwickelte Länger ((s) als Russland) übergreife, sei das Experiment der Übernahme der Kontrolle über die Produktion und die Verteilung von Reichtum durch die Arbeiterklasse zum Scheitern verurteilt. (1) (TrotzkiVsStalin). Trotzki entwickelte ein Zwei-Stufen-Schema der russischen Revolution: Zuerst sollte durch eine umfassende Bodenreform der grundbesitzende Adel als soziale Klasse überwunden werden, daran anschließend sollte durch die Überführung der Industrie und der Banken in Gemeineigentum sowie durch ein staatliches Außenhandelsmonopol die ökonomische Herrschaft der Kapitalistenklasse gebrochen werden. Als politisches Instrument zur Verwirklichung dieser Aufgaben dienten Arbeiterräte, die Sowjets, die von den Bauern unterstützt werden sollten. Seit der faktischen Parteispaltung der russischen Sozialdemokratie im Jahre 1903 hielten die Menschewiki daran fest, dass zunächst die Bourgeoisie das Zarenregime stürzen und die Aufgaben der bürgerlichen Revolution zu Ende führen müsse. Siehe Sozialismus/Trotzki.
Brocker I 210
Permanente Revolution/Trotzki: Innerhalb [der] Entwicklung ergebe sich eine Wandlungsetappe der Gesellschaft aus der anderen. »Ausbrüche von Bürgerkriegen und äußeren Kriegen wechseln ab mit Perioden ›friedlicher‹ Reformen. Revolutionen der Wirtschaft, der Technik, der Wissenschaft, der Familie, der Sitten und Gebräuche entwickeln sich in komplizierten Wechselwirkungen und lassen die Gesellschaft nicht ins Gleichgewicht kommen. Darin besteht der permanente Charakter der sozialistischen Revolution als solcher«.(2) Dieser revolutionäre Prozess sprenge den nationalen Rahmen auch des größten Landes. Wie der Kapitalismus könne der Sozialismus nur als Weltsystem existieren, und die Theorie der permanenten Revolution gehe notwendig mit dem sozialistischen Internationalismus einher.

1.Leo Trotzki, »Ergebnisse und Perspektiven. Die treibenden Kräfte der Revolution« [1906], in: ders., Die permanente Revolution. Ergebnisse und Perspektiven, Essen 2016, 15-107.
2.Ebenda S. 133.

Mario Keßler, „Leo Trotzki, Die permanente Revolution (1930)“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018.

PolTrotz I
Leo Trotzki
Unsere politischen Aufgaben
In
Schriften zur revolutionären Organisation, Hartmut Mehringer Reinbek 1970

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Selbst Entwicklungspsychologie Upton I 82
Selbst/Entwicklungspsychologie/Upton: A. Empirisches Selbst: Der erste Schritt auf dem Weg zum Selbstverständnis ist die Erkenntnis, dass "Ich" als Individuum existiert und über Selbstwirksamkeit (agency) und ausgeprägte und einzigartige Erfahrungen verfügt. Es wird angenommen, dass sich dieses Bewusstsein im Säuglingsalter zu entwickeln beginnt, wenn Babys beginnen zu zeigen, dass sie Verständnis dafür haben, dass sie Selbstwirksamkeit besitzen, d.h. dass sie Dinge bewirken können und die Fähigkeit haben, Objekte zu kontrollieren (Cooley, 1902)(1) Auf diese Weise entsteht ein Sinn für Selbstwirksamkeit im Alter von etwa vier Monaten und wird allmählich gefestigt.
Ein zweijähriges Kind ist durchsetzungsfähiger, anspruchsvoller und wählerischer als ein vier Monate altes Baby. Tatsächlich werden die Wutausbrüche, die so oft mit den "terrible twos" in Verbindung gebracht werden, als Ausdruck der Frustration der Kleinkinder empfunden, wenn Versuche, die Welt um sie herum zu kontrollieren, scheitern. Empirische Untersuchungen des existentiellen Selbst bei Säuglingen und Kleinkindern sind begrenzt und die Studien sind tendenziell eher spekulativ (Damon und Hart, 1988)(2).

B. Kategorisches Selbst: Empirische Unterstützung für die Entstehung des kategorischen Selbst im späten Säuglingsalter/der frühen Kindheit bietet eine Untersuchung von Lewis und Brooks-Gunn (1979)(3).
Rouge-Test: Bei diesem Test setzt ein Untersucher heimlich einen Rougepunkt auf die Nase des Kindes, welches dann
Upton I 83
vor einen Spiegel gesetzt wird und dessen Reaktionen dann überwacht werden. Selbsterkennung zeigt sich, wenn das Kind seine Nase berührt oder versucht, das Rouge abzuwischen. Lewis und Brooks-Gunn fanden heraus, dass Selbsterkennung mit etwa 18-24 Monaten auftritt; nach dem 18. Monat erkannten 50 Prozent der Gruppe die Reflexion im Spiegel als ihre eigene, und nach dem 20.-24. Monat stieg diese auf 65 Prozent. Es ist jedoch wichtig, sich daran zu erinnern, dass dies lediglich behaviorale Beweise für das Bewusstsein sind; es sagt uns nichts über die subjektive Erfahrung, die mit diesem Bewusstsein verbunden ist. Das Selbstverständnis der Kinder als aktiver Agens (...) zeigt sich in ihren Versuchen, mit anderen im Spiel zusammenzuarbeiten. Sie nutzen ihr Wissen über ihre eigene Macht, um auf ihre Welt einzuwirken, wenn sie anbieten, ein Spielzeug zu teilen oder sich an einem Scheinspiel mit einem Freund zu beteiligen. In diesen routinemäßigen Beziehungen und Interaktionen wächst das Verständnis des Kindes für sich selbst weiter (Dunn (1988))(4).
Sobald Kinder ein gewisses Bewusstsein für das existentielle Selbst erlangt haben, beginnen sie, ein zunehmendes Bewusstsein für ihr kategorisches Selbst zu entwickeln, indem sie beginnen, sich selbst in verschiedene Kategorien (z.B. Geschlecht, Nationalität) einzuordnen und auch von anderen eingeordnet werden. >Symbolischer Interaktionismus/Mead.



1. Cooley, C.H. (1902) Human Nature and the Social Order, New York: Charles Scribner’s Sons.
2. Damon, W. and Hart, D. (1988) Self-understanding in Childhood and Adolescence. New York: Cambridge University Press.
3. Lewis, K and Brooks-Gunn, J (1979) Social Cognition and the Acquisition of the Self. New York: Plenum.
4. Dunn, J (1988) The Beginnings of Social Understanding. Oxford: Blackwell.



Upton I 121
Selbst/Entwicklungspsychologie/Upton: Es wird angenommen, dass das Selbstverständnis (...) durch die jugendliche Beteiligung an Cliquen und Ansammlungen beeinflusst wird. Laut Erikson (1950)(1) ist die Mitgliedschaft in der Gemeinschaft von zentraler Bedeutung für die Verwirklichung der Identität, da sie die Solidarität mit den Idealen einer Gruppe erfordert. Die Identifikation mit Cliquen und Menschengruppen soll Jugendlichen helfen, sich gegen den Identitätsverlust zu wehren, der durch die Identitätskrise hervorgerufen werden kann. So gehen Jugendliche mit den Schwierigkeiten um, die sie bei der Bindung an erwachsene Identitäten (Identitätskrise) haben, indem sie übertriebene Verpflichtungen gegenüber bestimmten Stilgruppen eingehen und sich von anderen Stilgruppen abgrenzen. >Jugendkultur/Entwicklungspsychologie.

1. Erikson. EH (1950) Childhood and Society, New York: WW Norton.

Upton I
Penney Upton
Developmental Psychology 2011
Selbst Erikson Upton I 121
Selbst/Erikson/Upton: Es wird angenommen, dass das Selbstverständnis (...) durch die jugendliche Beteiligung an Cliquen und Ansammlungen beeinflusst wird. Laut Erikson (1950)(1) ist die Mitgliedschaft in der Gemeinschaft von zentraler Bedeutung für die Verwirklichung der Identität, da sie die Solidarität mit den Idealen einer Gruppe erfordert. Die Identifikation mit Cliquen und Menschengruppen soll Jugendlichen helfen, sich gegen den Identitätsverlust zu wehren, der durch die Identitätskrise hervorgerufen werden kann. >Selbst/Entwicklungspsychologie, >Jugendkultur/Entwicklungspsychologie.

1. Erikson. EH (1950) Childhood and Society, New York: WW Norton.

Upton I
Penney Upton
Developmental Psychology 2011
Selbstachtung Honneth Brocker I 797
Def Selbstachtung/Honneth: die Fähigkeit, sich selbst als eine Person zu verstehen, „di mit allen anderen Mitgliedern seines Gemeinwesens die Eigenschaften teilt, die zur Teilnahme an einer diskursiven Willensbildung befähigen“. (1) Siehe Anerkennung/Honneth, Sozialisation/Honneth.
Brocker I 798
Selbstachtung/Honneth: der Ansrpuch auf Selbstverwirklichung verweist auf die Sphäre der sozialen Wertschätzung bzw. Solidarität, in der es um die Entwicklung von „Selbstschätzung“, d.h. einer positiven Beziehung von Individuen zu ihren
Brocker I 799
„charakterlichen“ Eigenschaften und Fähigkeiten geht, insofern sie sich in diesen von anderen Individuen unterscheiden. (2) Wie die Sphäre des Rechts (siehe Recht/Honneth) ist auch die Sphäre der Anerkennung von historischen Voraussetzungen abhängig. Erst unter den Bedingungen moderner Gesellschaften löst sich der Anspruch auf soziale Wertschätzung von traditionellen Vorstellungen von „Ehre“ in denen diese noch mit rechtlichen Privilegien verquickt und an den Status eines ganzen Standes, also kollektiv festgeschrieben war. (3) Erst damit kann sich Solidarität als eine eigenständige Anerkennungssphäre konstituieren und mit dem Anspruch auf individuelle Selbstverwirklichung verbinden. Siehe Individuation/Honneth.


1. Axel Honneth, Kampf um Anerkennung. Zur moralischen Grammatik sozialer Konflikte, mit einem neuen Nachwort, Frankfurt/M. 2014 (zuerst 1992) S. 195
2. Ebenda S. 180-184
3. Ebenda S. 199f

Hans-Jörg Sigwart, „Axel Honneth, Kampf um Anerkennung“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Honn I
A. Honneth
Das Ich im Wir: Studien zur Anerkennungstheorie Frankfurt/M. 2010

Honn II
Axel Honneth
Kampf um Anerkennung. Zur moralischen Grammatik sozialer Konflikte Frankfurt 2014

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Selbstverwirklichung
Selbstverwirklichung Hobhouse Gaus I 415
Selbstverwirklichung/Hobhouse/Weinstein: Neue Liberale schlossen sich Bosanquet an, indem sie eine moralisierte Theorie von Freiheit und starken Rechten mit einer kommunitaristischen Sozialontologie verbanden. >Freiheit/Bosanquet. Für Green, Ritchie, Hobhouse und Hobson war die moralische Selbstverwirklichung bedingungslos gut. Sich selbst moralisch zu verwirklichen bedeutete, völlig frei zu sein, indem man sowohl 'außerhalb des Bezirks' als auch 'innerhalb des Bezirks' frei war (Green, 1986(1): 234-5). Es bedeutete, die befähigende "positive Kraft oder Fähigkeit zu haben, etwas zu tun ... etwas, das es wert ist, getan zu werden" und tatsächlich "etwas zu tun, ... das es wert ist, getan zu werden" (1986(1): 199).
Selbstverwirklichung/Hobhouse: Wie Hobhouse es formulierte, besteht Selbstverwirklichung sowohl in 'sozialer' als auch in 'moralischer' Freiheit. Während die erstere die äußere Harmonie zwischen den Bürgern oder die "Freiheit des Menschen in der Gesellschaft" betrifft, ist die letztere "proportional zur [Selbst-]Harmonie" (Hobhouse, 1949(2): 51, 57).*
Selbstverwirklichung/Liberalismus: Auch für die neuen Liberalen förderten die Rechte indirekt die Selbstverwirklichung aller, indem sie es jedem ermöglichten, sich zu entfalten. Und in dem Maße, wie jeder moralisch aufblühte, förderte jeder seinerseits das Gemeinwohl, indem er die Rechte der anderen respektierte. So war für Hobhouse das Gemeinwohl "die Grundlage aller persönlichen Rechte" (1968(3): 198).
In den Worten von Green realisieren Rechte unsere moralische Fähigkeit negativ, indem sie "die Behandlung eines Menschen durch einen anderen als ebenso frei mit sich selbst sichern, aber sie realisieren sie nicht positiv, weil ihr Besitz nicht impliziert, dass der Einzelne ein gemeinsames Gut zu seinem eigenen macht" (1986(1): 26).
Neuer Liberalismus: Die neuen Liberalen befürworteten jedoch eine robustere Schwelle der Chancengleichheit. Obwohl sie mit Bosanquet darin übereinstimmten, dass der Besitz von Eigentum ein mächtiges Mittel zur "Selbstdarstellung" und damit entscheidend für die erfolgreiche Externalisierung und Verwirklichung unserer selbst sei, legten sie auch fest, dass Privateigentum nur insoweit legitim sei, wenn es nicht
Gaus I 416
die Chancengleichheit untergräbt. Hobson: In Hobsons Worten: "Ein Mensch, der nicht ausreichend versorgt ist, ist nicht wirklich frei für Zwecke der Selbstentfaltung", mit gleichberechtigtem und einfachem Zugang zu Land, einem Heim, Kapital und Krediten. Hobson kommt zu dem Schluss, dass, obwohl der Liberalismus kein Staatssozialismus ist, er dennoch in erheblichem Maße "mehr öffentliches Eigentum und Kontrolle über die Industrie" impliziert (1974(4): xii). Neue Liberale haben also den englischen Liberalismus verändert, indem sie die soziale Wohlfahrt und die Rolle des Staates bei ihrer Förderung in den Mittelpunkt rückten. Sie machten aus dem Wohlfahrtsliberalismus eine ausgeklügelte theoretische Alternative.**

* Siehe auch Ritchie (1895(5): 430). In Ritchies neuem Liberalismus vermischen sich auf eklektische Weise Utilitarismus, Neo-Hegelianismus und Darwinismus. >Individualismus/Ritchie.

** Idealisten wie Jones und >Collingwood befürworteten in ähnlicher Weise eine energische Ausweitung der Chancengleichheit durch die Regierung.


1. Green, T. H. (1986 [1895]) Lectures on the Principles of Political Obligation and Other Essays, Hrsg. Paul Harris and John Morrow. Cambridge: Cambridge University Press, 194-212.
2. Hobhouse, L. T. (1949 [1922]) The Elements of Social Justice. London: Allen and Unwin.
3. Hobhouse, L. T. (1968 [1911]) Social Evolution and Political Thought. Port Washington: Kennikat.
4. Hobson, J. A. (1974 [1909]) The Crisis of Liberalism. Brighton: Barnes and Noble.
5. Ritchie, D. G. (1895) 'Free-will and responsibility'. International Journal of Ethics, 5: 409-31.

Weinstein, David 2004. „English Political Theory in the Nineteenth and Twentieth Century“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Sokrates Nietzsche Danto III 77
Sokrates/NietzscheVsSokrates/Nietzsche/Danto: Nicht nur hat Sokrates für Nietzsche den Niedergang der griechischen Tragödie verursacht, er markiert zudem einen Wendepunkt in der Geschichte der Menschheit. Beides ist nicht voneinander zu trennen. Die tragische Kunst Attikas war eine Reaktion auf die pessimistische Naturauffassung, die die Griechen ursprünglich vertraten und vermittels derer sie ihre Ängste umwandeln, als überhaupt erst leben konnten. Kurioserweise verfolgte Sokrates dasselbe Ziel oder trug zumindest zu seinem Erreichen bei. Auf ihn geht die Ansicht zurück, das Universum sei vollkommen verständlich. (F. Nietzsche. Die Geburt der Tragödie, 4, KGW III, S. 95). Rationalität/Nietzsche. Nietzsche spricht sich an keiner Stelle gegen Rationalität aus.
Danto III 78
Er richtet sich lediglich gegen Sokrates‘ beschränkte Auffassung von Vernunft (bzw. Wissenschaft und Logik): gegen die Auflassung, sie weise den einzig gangbaren Weg zur Verwirklichung menschlicher Leistungsfähigkeit.
Danto III 85
Kunst/Nietzsche/Danto: das Misstrauen dem Künstlergegenüber, das Nietzsche an Sokrates kritisiert hatte, vertritt er später allerdings selber. (F. Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches, KGW IV, 2 S. 144).

Nie I
Friedrich Nietzsche
Sämtliche Werke: Kritische Studienausgabe Berlin 2009

Nie V
F. Nietzsche
Beyond Good and Evil 2014

Danto I
A. C. Danto
Wege zur Welt München 1999

Danto III
Arthur C. Danto
Nietzsche als Philosoph München 1998

Danto VII
A. C. Danto
The Philosophical Disenfranchisement of Art (Columbia Classics in Philosophy) New York 2005
Soziale Bewegungen Habermas Gaus I 271
Soziale Bewegungen/Habermas/West(...): die Expansion staatlicher und kapitalistischer Systeme organisiert das menschliche Leben zunehmend nach der instrumentellen Logik von Geld und Macht, überwältigt jede Möglichkeit eines kommunikativ erreichten Konsenses und reduziert die Lebenswelt auf eine leblose Hülle. Neue soziale Bewegungen [NSMs] werden in diesen Begriffen als ein embryonaler Gegenangriff der Lebenswelt gegen die kolonisierende Kraft der instrumentell rationalisierten Systeme verstanden (Habermas, 1981(1); 1987(2): 391—6). Lebenswelt: Die neuen Konflikte verlagern sich von den Wirtschafts- und Staatssystemen in die Lebenswelt oder genauer gesagt in die "Nahtstelle" zwischen System und Lebenswelt: "Die neuen Konflikte entstehen in Bereichen der kulturellen Reproduktion, der sozialen Integration und der Sozialisation und die neuen Konflikte werden nicht durch Verteilungsprobleme ausgelöst, sondern betreffen die Grammatik der Lebensformen". Die NSM reagieren auf die Störung und "Kolonisierung" der Lebenswelt entweder "defensiv" oder "offensiv", je nachdem, ob es darum geht, "wie gefährdete Lebensformen verteidigt oder wiederhergestellt werden können oder wie reformierte Lebensformen in die Praxis umgesetzt werden können" (1981(1): 32).
Feminismus: Die Frauenbewegung ist jedoch "die einzige Bewegung, die in der Tradition der bürgerlich-sozialistischen Befreiungsbewegungen steht. Der Kampf gegen patriarchalische Unterdrückung und für die Verwirklichung eines Versprechens, das tief in den anerkannt universalistischen Grundlagen von Moral und Legalität verwurzelt ist, verleiht dem Feminismus den Impuls einer offensiven Bewegung, während alle anderen Bewegungen eher defensiven Charakter haben. (1981(1):34)
Umwelt/Frieden: Umwelt- und Friedensbewegungen - übliche Paradigmen neuer sozialer Bewegungen - stellen eine "defensivere" Reaktion dar, wenn auch eine, "die bereits auf der Basis einer rationalisierten Lebenswelt operiert und neue Formen der Kooperation und Gemeinschaft erprobt" (1981(1): 35). Vgl. >Postindustrielle Gesellschaft/Touraine.


1. Habermas, Jürgen (1981) 'New social movements'. Telos, 49: 33_7.
2. Habermas, Jürgen (1987) The Theory of Communicative Action. Vol. Il, Lifeworld and System: A Critique of Functionalist Reason, trans. T. McCarthy. Cambridge: Polity.


West, David 2004. „New Social Movements“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Sparen Rawls I 291
Sparen/Generationengerechtigkeit/Reziprozität/Rawls: die Generationen sollen sich fragen, wieviel sie bereit sind, anzusparen, wenn alle anderen dasselbe tun. Dadurch sollen sie ein Prinzip des gerechten Sparens aufstellen, dass für alle gilt.
I 288
Einzig die Angehörigen der allerersten Generation profitieren nicht davon, aber niemand weiß in der Anfangssituation einer zu errichtenden Gesellschaft, zu welcher Generation er gehört.
I 289
Das Prinzip des gerechten Sparens zwingt aber nicht dazu, auf ewig weiter zu sparen. Details sind zu späteren Zeitpunkten zu klären. Jede Generation hat ihre eigenen, angemessenen Ziele. Generationen sind einander ebenso wenig unterworfen wie Individuen es sind. Keine Generation hat besondere Ansprüche.
I 290
Sparen/Sparrate/Wohlstand/Rawls: das letzte Stadium einer Gesellschaft muss keines des Überflusses sein. Das Prinzip der Gerechtigkeit fordert nicht frühere Generationen zu sparen, damit spätere mehr haben. Vielmehr geht es beim Sparen um die Ermöglichung einer besseren Ausprägung einer gerechten Gesellschaft und gleicher Freiheiten. Wenn mehr angespart wird, ist es für andere Zwecke. Es wäre ein Missverständnis zu denken, die Verwirklichung einer guten und gerechten Gesellschaft müsse warten bis ein hoher Lebensstandard erreicht ist. Reziprozität/Rawls: Das Prinzip der Reziprozität wird meist angewendet, wenn es um einen Ausgleich von Vorteilen geht. Aber man kann der früheren Generation nichts zurückgeben. Das ist der Spezialfall für die Reziprozität beim Sparen.
I 291
Alexander Herzen und auch Kant beklagten die Ungerechtigkeit, dass die Späteren von den Leistungen der Früheren profitieren, ohne etwas zurückzugeben(1)(2). RawlsVsKant/RawlsVsHerzen: diese Gefühle sind fehl am Platze: die Relation ist asymmetrisch, aber das ist zu beheben. Zunächst stellt sich die Frage der Gerechtigkeit wegen der zeitlichen Erstreckung in nur einer Richtung gar nicht. Was gerecht oder ungerecht sein kann ist die Weise, wie Institutionen mit dieser Situation und mit historischen Möglichkeiten umgehen. Wenn nun alle Generationen mit Ausnahme der ersten profitieren, und jeder von seinen Vorfahren erbt, muss nur ein gerechtes Spar-Prinzip gewählt werden, das sicherstellt, dass Spätere auch von seinen Leistungen profitieren. Die einzige Reziprozität zwischen Generationen ist virtuell. Die Einzelheiten kann jede Generation jedoch für sich selbst regeln.
I 292
Spargerechtigkeit/Gerechtes Sparen/Rawls: wir nehmen die fiktive Anfangssituation einer zu errichtenden Gesellschaft als Gegenwart und uns selbst als Teilnehmer an. Diese Situation beinhaltet Angehörige aller möglichen Generationen. Niemand weiß, welcher Generation er selbst angehört. So gibt es für niemand einen Grund, zu sparen – entweder haben frühere Generationen gespart oder nicht. Daran kann man jetzt nichts ändern.
Lösung/Rawls: Individuen als Teil einer Familienlinie anzunehmen, die sich fortsetzt. Das weitere wird von den beiden Prinzipien der Gerechtigkeit geregelt. (Siehe Prinzipien/Rawls.) So wie das erste Gerechtigkeitsprinzip und das Prinzip der fairen Chancengleichheit die Anwendung des Differenzprinzips (siehe Differenzprinzip/Rawls) innerhalb einer Generation begrenzt, so begrenzt das Prinzip des gerechten Sparens seine Anwendung zwischen den Generationen.
I 293
Kein Benachteiligter aus irgendeiner Generation kann sich dann beklagen, dass andere nicht ihren Teil beitragen.

(1) Kant, „Idea for a Universal History with a Cosmopolitan Purpose“, Zitiert aus Hans Reiss (Hrsg.), Kant, Political Writings, Cambridge, 1970, S. 44.
(2) Zitat A. Herzen aus Isaiah Berlin’s Einführung zu Franco Venturi, Roots of Revolution, New York, 1960 S. xx.

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005
Staat Hegel Mause I 47
Staat/Gesellschaft/Hegel: Hegel rekonstruiert das Verhältnis der sozialen Ordnung des Marktes zur politischen Ordnung des konstitutionell-monarchischen Staates im Rahmen einer Theorie moderner „Sittlichkeit“ (1), die er anhand der drei institutionalisierten Sozialisations- und Handlungssphären der „Familie“, der „bürgerlichen Gesellschaft“ und des „Staates“ beschreibt. (2)
I 48
Bürgerliche Gesellschaft/Hegel: diese bezeichnet Hegel als „Not- und Verstandesstaat“ (3), den er vom „Staat“ als „Wirklichkeit der sittlichen Idee“ (4), also vom ‚Staat‘ des dritten Sittlichkeits-Abschnitts, unterscheidet. (5) HegelVsRousseau: Hegel rekonstruiert den monarchisch-konstitutionellen Staat als überindividuellen sittlichen Kommunikations- und Sinnzusammenhang zu rekonstruieren und damit das republikanische Primat der Politik über die Wirtschaft. MarxVsHegel, Staat/Marx.


Brocker I 794
Staat/Hegel/HonnethVsHegel/Honneth: anstatt die sittliche Sphäre des Staates als ein intersubjektives Verhältnis reziproker Anerkennungsakte zu begreifen (siehe Intersubjektivität/Hegel), behandelt Hegel in seinen späteren Schriften den Staat so, als sei dieser eine vor aller Interaktion immer schon bestehende Entität. Konsequenterweise seien es nur mehr die vertikal gedachten Beziehungen, die die Individuen „zur übergeordneten Instanz des Staates“ als „der Verkörperung des Geistes“ unterhalten, „die in seinem Ansatz unversehens die Rolle übernehmen, die in einem anerkennungstheoretischen Konzept der Sittlichkeit doch eigentlich bestimmte, höchst anspruchsvolle Formen der wechselseitigen Anerkennung hätten spielen müssen“. (6) Lösung/HonnethVsHegel: daraus ergibt sich die Aufgabe, Hegels spekulative Kategorien durch erfahrungswissenschaftliche Konzepte zu ersetzen und damit
Brocker I 795
„empirisch kontrollierbar“ zu machen. (7)

Hans-Jörg Sigwart, „Axel Honneth, Kampf um Anerkennung“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018


1.G. W. F. Hegel Grundlinien der Philosophie des Rechts oder Naturrecht und Staatswissenschaft im Grundrisse. Werke 7, Hrsg. Eva Moldenhauer und Karl Markus Michel, Frankfurt a. M. 1989, S. 292.
2.Ebenda S. 307.
3.Ebenda S. 340
4.Ebenda S. 389
5.Vgl. K. Löwith, Von Hegel zu Nietzsche. Der revolutionäre Bruch im Denken des neunzehnten Jahrhunderts, Hamburg 1986, S 261-264.
6. Axel Honneth, Kampf um Anerkennung. Zur moralischen Grammatik sozialer Konflikte, mit einem neuen Nachwort, Frankfurt/M. 2014 (zuerst 1992) S. 98
7. Ebenda S. 150


Höffe I 331
Staat/Hegel/Höffe: Hegel entwickelt sein System des politischen Denkens, die Rechts- und Staatsphilosophie, vor dem Hintergrund seines mittlerweile ausgebauten philosophischen Systems.(1) HegelVsKant: Gegen die - angeblich bei Kant drohende - Gefahr einer rein gedachten
Höffe I 332
Konstruktion normativer Ansprüche wird der Gegenstandsbereich der Rechts- und Staatsphilosophie erheblich erweitert. Statt sich mit einer normativen Theorie, einer apriorischen Rechts- und Gerechtigkeitstheorie zu begnügen, kommt es Hegel auch auf die motivationalen, gesellschaftlichen und vor allem institutionellen Faktoren an (...). Philosophische Rechtsphilosophie/Hegel: „(...) hat die Idee des Rechts, (...) den Begriff des Rechts und dessen Verwirklichung zum Gegenstande“.(2)
Staat: (...) [ist das] „sittliche Universum“, [das es] als etwas Vernünftiges zu begreifen gilt.
Freiheit: Das rechts- und staatstheoretische Leitprinzip bildet der freie Wille. Von ihm will Hegel zeigen, wie er unter der Bedingung der Moderne, einer Epoche der Entfremdung, nach und nach seine volle, die Entfremdung aufhebende Wirklichkeit erreicht. >Freiheit/Hegel, >Sittlichkeit/Hegel.
Höffe I 336
Den Höhepunkt der Sittlichkeit, ihre Synthese, zugleich den Gipfel von Hegels gesamter Rechtsphilosophie, bildet als «vermitteltes Bei-sich» der Staat, der jetzt weit mehr als lediglich ein Not- und Verstandesstaat ist. Als ein Gemeinwesen im wörtlichen Sinn ist er die für das Gemeinwohl zuständige öffentliche Institution, die «Wirklichkeit der sittlichen Idee». Weil in ihr die Freiheit ihre vollendete Gestalt erlangt, ist es für den Menschen nicht «etwas Beliebiges», sondern «höchste Pflicht», also erneut ein kategorischer Imperativ, Mitglied eines Staates zu sein. [Dies ist eine] moderne, nämlich nicht mehr eudaimonie-, sondern freiheitsbasierte Weise (...).
Erst im Zusammenleben von Freien und Gleichen kann [der Mensch] nämlich beide, sowohl seine Vernunftnatur als auch seine auf Recht und Gerechtigkeit hin angelegte Natur, vollenden. >Gesellschaft/Hegel.
Höffe I 337
Vom abstrakten Recht über die Moralität entwickelt sich die «ldee des an und für sich freien Willens» schließlich zur Einheit und Wahrheit beider Momente. In ihr, der Sittlichkeit, wiederum schreitet Hegel vom natürlichen Geist, der «Familie», über das Stadium der Entzweiung, die «bürgerliche Gesellschaft», zur objektiven Freiheit, dem „Staat“ voran. Innerhalb des Abschnitts «Der Staat» jedoch kommt es überraschenderweise statt zu einer weiteren Stufung jetzt zu einem Rückschritt. Denn der Gegensatz zum freien Willen, die vollen Rechtsverhältnisse und das sittliche Ganze, wird schon auf der ersten Stufe, dem «inneren Staatsrecht», erreicht. Auf der zweiten Stufe dagegen, dem «äußeren Staatsrecht», wird das sittliche Ganze der Zufälligkeit ausgesetzt. Und der letzte Abschnitt wird hinsichtlich des freien Willens ambivalent bestimmt.

1. Hegel, Grundlinien der Philosophie des Rechts oder Naturrecht und Staatswissenschaft im Grundriss, 1820
2. Ebenda § 1

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Staatsbürgerschaft Marshall Gaus I 218
Staatsbürgerschaft/Wohlfahrtsstaat/T.H. Marshall/Moon: T. H. Marshall (1977)(1) bietet eine klassische Darstellung des Wohlfahrtsstaates als notwendiges Ergebnis der universellen Ausdehnung der Staatsbürgerschaft. Er zeichnet die Entstehung der universalen Staatsbürgerschaft nach, indem er drei aufeinanderfolgende Phasen beobachtet, von denen die erste die allgemeine Ausweitung der Bürgerrechte, die zweite die Universalisierung des Wahlrechts und die dritte das Wachstum des Wohlfahrtsstaates und die Schaffung der "sozialen Bürgerrechte" beinhaltet. *
Gaus I 219
David Harris: In einigen solidarischen Darstellungen beruft sich die Betonung der Arbeit auf eine ältere Sprache der Pflichten. In Harris' Schilderung zum Beispiel sind die Pflichten, die mit unseren Wohlfahrtsrechten korrelieren, "strenge Pflichten" und können durch "Zwang" durchgesetzt werden (1987(2): 161). Marschall: Hierin knüpft [Harris] an Marshall an, der über die sozialen Rechte der Staatsbürgerschaft hinausblickte, um die Pflichten des von ihm vertretenen bereicherten und inklusiven Modells der Staatsbürgerschaft zu betrachten, einschließlich "der Pflicht zur Arbeit", die er für "überaus wichtig" hielt.


* Wie so vieles in der Sozialwissenschaft ist auch Marshalls Darstellung blind gegenüber geschlechtsspezifischen Fragen, da er diese Phasen als eine historische Abfolge darstellt, als die Vollendung oder virtuelle Vollendung der einen, die die Grundlage für die Verwirklichung der nächsten legt. Seine Phasen beschreiben die allmähliche Ausdehnung der mit der Staatsbürgerschaft verbundenen Rechte für Männer, aber sie ignorieren die Erfahrung von Frauen (und, wie ich hinzufügen möchte, andere, nicht klassenbedingte Ausschlüsse), die oft verschiedene Wohlfahrtsrechte (z.B. Witwenrenten) beanspruchen konnten, bevor sie Anspruch auf politische oder sogar volle Bürgerrechte hatten.



1. Marshall, T. H. (1977 119501) 'Citizenship and social class'. In his Class, Citizenship, and Social Development. Chicago: University of Chicago Press.
2. Harris, David (1987) Justifying State Welfare. Oxford: Blackwell.

Moon, J. Donald 2004. „The Political Theory of the Welfare State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Staatsbürgerschaft Wohlfahrtsökonomik Gaus I 216
Staatsbürgerschaft/Wohlfahrtsökonomik/Moon: Da die Konzepte der positiven Rechte und der Chancengleichheit außerhalb spezifischer sozialer Kontexte nicht gut definiert sind, werden sie oft mit Argumenten kombiniert, die an die Ideale der Staatsbürgerschaft und der sozialen Solidarität appellieren. Das Grundargument ist, dass der Wohlfahrtsstaat die Einbeziehung aller Bürgerinnen und Bürger als vollwertige Mitglieder einer demokratischen Gesellschaft garantieren sollte, was voraussetzt, dass ein umfassendes Spektrum an sozialen Rechten bereitgestellt wird. Die Argumentation ist recht einfach: So wie die Bürgerinnen und Bürger bürgerliche und politische Rechte haben müssen, so müssen ihnen auch bestimmte soziale Rechte garantiert werden, wenn sie vollwertige Mitglieder einer Gesellschaft sein wollen, insbesondere wenn sie sich an der demokratischen Politik beteiligen wollen. Die Schlüsselprämisse in diesem Argument ist, dass die Staatsbürgerschaft universell sein muss. Alle, die zu vorsätzlichem oder verantwortungsbewusstem Handeln fähig sind, müssen vollwertige Bürger sein. Die einzige legitime Grundlage für den Ausschluss ist die Unfähigkeit zu verantwortlichem Handeln.
T. H. Marshall: T. H. Marshall (1977)(1) bietet eine klassische Darstellung des Wohlfahrtsstaates als notwendiges Ergebnis der universellen Ausdehnung der Staatsbürgerschaft. Er zeichnet die Entstehung der universalen Staatsbürgerschaft nach, indem er drei aufeinanderfolgende Phasen beobachtet, von denen die erste die allgemeine Ausdehnung der Bürgerrechte, die zweite die Universalisierung des Wahlrechts und die dritte das Wachstum des Wohlfahrtsstaates und die Schaffung der "sozialen Rechte der Staatsbürgerschaft" beinhaltet.*
Individualismus: Es gibt eine Reihe von Varianten dieses Arguments, aber ein gemeinsames Thema ist ein tiefes Misstrauen gegenüber dem Markt und zumindest bestimmte Formen des Individualismus.
Effizienz/Solidarität: Während Argumente der Effizienz den Markt als Ausgangspunkt nehmen und Sozialpolitiken damit begründen, dass sie Marktversagen korrigieren können, gehen Argumente der Solidarität von etwas aus, das der entgegengesetzten Annahme nahe kommt - der Projektion eines Ideals, in dem alle Aktivitäten durch kollektive Vereinigungen organisiert sind, in denen Individuen hauptsächlich auf gemeinsame Bedürfnisse und Bestrebungen ausgerichtet sind.
Soziale Ordnung: Richard Titmuss (1972)(2) preist die "Geschenkbindung", und David Harris (1987)(3) spricht von der Familie als Modell für das gesellschaftliche Leben. Konkreter äußerten Claus Offe (1984)(4) und Gosta Esping-Andersen (1985)(5) einmal die Hoffnung, dass das Wachstum des kollektiven Konsums und andere Formen der Dekommodifizierung den Kapitalismus schließlich verdrängen und zu einer sozialistischen Gesellschaftsordnung führen werden. >Gesellschaft/David Harris.


* Wie so vieles in der Sozialwissenschaft ist auch Marshalls Darstellung blind gegenüber geschlechtsspezifischen Fragen, da er diese Phasen als eine historische Abfolge darstellt, als die Vollendung oder virtuelle Vollendung der einen, die die Grundlage für die Verwirklichung der nächsten legt. Seine Phasen beschreiben die allmähliche Ausdehnung der mit der Staatsbürgerschaft verbundenen Rechte für Männer, aber sie ignorieren die Erfahrung von Frauen (und, wie ich hinzufügen möchte, andere, nicht klassenbedingte Ausschlüsse), die oft verschiedene Wohlfahrtsrechte (z.B. Witwenrenten) beanspruchen konnten, bevor sie Anspruch auf politische oder sogar volle Bürgerrechte hatten.


1. Marshall, T. H. (1977 119501) 'Citizenship and social class'. In his Class, Citizenship, and Social Development. Chicago: University of Chicago Press.
2. Titmuss, Richard (1972) The Gift Relationship: From Human Blood to Social Policy. New York: Random House.
3. Harris, David (1987) Justifying State Welfare. Oxford: Blackwell.
4. Offe, Claus (1984) Contradictions of the Welfare State. Cambridge, MA: MIT Press.
5. Esping-Andersen, Gosta (1985) Politics against Markets. Princeton, NJ: Princeton University Press.

Moon, J. Donald 2004. „The Political Theory of the Welfare State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Umweltpolitik Wirtschaftstheorien Mause I 404/405
Umweltpolitik/Wirtschaftstheorie: aus Sicht der Wirtschaftstheorie ist eine zentrale Regelung nur im Fall von räumlich homogenen Umweltschutzpräferenzen, grenzüberschreitenden Schadenswirkungen (regionale Spillover-Effekte) oder umsetzungsbezogenen Kostendegressionseffekten wünschenswert. (1) Ansonsten ist eine mehr regionale Gestaltung begrüßenswert, da damit nicht nur die Möglichkeit zu einer besseren Verwirklichung des Subsidiaritätsprinzips in der innerstaatlichen Kompetenzverteilung (Döring und Voigt 2006, S. 206 (2)), sondern auch die Chance auf einen vermehrten föderalen Wettbewerb im Bereich des Umweltschutzes besteht (Mammen 2007, S. 125 (3); Koch und Krohn 2006 (4).
Vs: eine Zersplitterung der umweltpolitischen Gesetzgebung könnte zu einem „race to the bottom“ bei einer Vielzahl von Umweltstandards führen könnte (Benz et al. 2008 (5); Ingerowski 2006 (6)).
Marktkräfte können nur wenig zur Eindämmung von Umweltschäden beitragen. (Siehe Umweltgüter/Wirtschaftstheorien). Der Grund ist das Trittbrettfahrerproblem (free rider problem, Siehe Gefangenendilemma/Ostrom).
Trittbrettfahrer: Bsp wenn der Einbau eines Katalysators Euro 1.00,- kostet und der individuelle Nutzen aus sauberer Luft gleichzeitig mit 1.500,- Euro bewertet wird, dann ist es für das Individuum rational, auf den Einbau des Katalysators zu verzichten. Das gilt sogar, wenn auch alle anderen auf den Einbau verzichten.
Gesamtgesellschaftlich führt dies zum schlechtesten Ergebnis. Daher muss in den meisten Fällen der Staat zur Eindämmung von Umweltschäden eingreifen. (Nordhaus 1993, S. 18) (7), Hartwig 1992, S. 132) (8). Siehe Externalitäten.


1. Klaus W. Zimmermann & Walter Kahlenborn, Umweltföderalismus. Einheit und Einheitlichkeit in Deutschland und Europa. Berlin 1994.
2. Thomas Döring & Stefan Voigt. 2006. Reforming federalism German style. Intereconomics 41: 201– 208.
3. Lars Mammen. 2007. Der neue Typus der konkurrierenden Gesetzgebung mit Abweichungsrecht. Die öffentliche Verwaltung 9: 376– 379.
4. Hans-Joachim Koch, &Susan Krohn. 2006. Umwelt in schlechter Verfassung? Der Umweltschutz nach der Föderalismusreform. Natur und Recht 28: 673– 680.
https://link.springer.com/ article/10.1007%2Fs10357-006-1144-3
5. Arthur Benz, Arthur, Hans-Joachim Koch, André Suck & Anna Fizek, Verwaltungshandeln im Naturschutz: Herausforderungen und Folgen veränderter Rahmenbedingungen. Münster 2008..
6. Jan B. Ingerowski, J2006. Die Föderalismusreform: Chance auf ein stringentes, an den aktuellen Herausforderungen des Umweltschutzes orientiertes Umweltrecht vertan. KGV-Rundbrief 3   +   4/ 2006.
7. William D. Nordhaus. 1993. Reflections on the economics of climate change. The Journal of Economic Perspectives 7: 11– 25.
8. Karl-Hans Hartwig, Umweltökonomie. In Vahlens Kompendium der Wirtschaftstheorie und Wirtschaftspolitik, Hrsg. Dieter Bender, Hartmut Berg, Dieter Cassel, Günter Gabisch, Karl-Hans Hartwig, Lothar Hübl, Dietmar Kath, Rolf Peffekoven, Jürgen Siebke, H. Jörg Thieme und Manfred Willms, Bd.   2, 5.   Aufl., 122– 162. München 1992.

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Unendlichkeit Quine V 165
Unendlich/materiell/Quine: wenn man unendlich viele Zeichen braucht (Bsp für natürliche Zahlen) kann man nicht sagen, ein Zeichen sei ein physikalischer Gegenstand, denn dann hören sie bald auf. - Auch nicht Formen als Klassen von Inskriptionen - Diese sind wieder physikalische Verwirklichungen von Formen.
IX 64
Unendlich/Quine: wird erst bei Induktion notwendig - x = {y}, y = {z}, z = {w}....ad infinitum - das ist der Fall, wenn {,,,x} < i' ϑ und dennoch ~(x < x) - Komprehension: {,,,x} ∩ a ε ϑ ist zufriedenstellend.

XIII 96
Unendliche Zahlen/Quine: Bsp Angenommen, wir ordnen Gegenstände willkürlich irgendwelchen Klassen zu, die einzige Einschränkung ist, dass kein Objekt zu mehr als einer Klasse gehören darf. Problem: dann wir es nicht genug Gegenstände für alle Klassen geben! Eine Klasse, für die es kein Korrelat gibt wird Bsp die Klasse aller Objekte, die nicht zu ihren korrelierten Klassen gehören. Denn ihr Korrelat müsste zu ihr gehören, gdw. es nicht zu ihr gehört.
Cantor: bewies 1890, dass die Klassen von Gegenstände jeder Art die Zahl der Gegenstände übersteigen.
XIII 97
Der Grund dafür hat mit den Paradoxien zu tun, wenn die Relation, von der dort die Rede ist, richtig spezifiziert ist. Es zeigt sich, dass es unendlich viele verschiedene Unendlichkeiten gibt.
Bsp es gibt mehr Klassen ganzer Zahlen als es ganze Zahlen gibt.
Da es aber unendlich viele ganze Zahlen gibt, muss die Unendlichkeit der unendlich viele Klassen ganzer Zahlen von einer höheren Art sein.
Bsp es gibt auch mehr Klassen von Klassen von ganzen Zahlen als es Klassen von ganzen Zahlen gibt. Das ist eine noch höhere Unendlichkeit. Das kann unendlich fortgesetzt werden.
Das Argument hing hier von der Klasse der Nichtelemente mit sich selbst korrelierter Klassen (nonmembers of own correlated classes) ab.
Russellsche Antinomie/Quine: hing ab von der Klasse von Nichtelementen ihrer selbst (nonelements of selves).
Cantorsche Paradoxie/Quine: wenn man die Korrelation als Selbstkorrelation nimmt, läuft Cantors Paradox auf Russells Paradox hinaus. So kam Russell auch darauf.
Cantor/Theorem/Quine: sein Theorem ist selbst aber keine Paradoxie.
Russells Antinomie/Lösung/Quine: wird so verhindert, wie man einen Spezialfall von Cantors Theorem ausschließt, der zu ihr führt. (siehe Paradoxien.)
Cantor Theorem/Korollar/unspezifizierbare Klassen/Quine: die Existenz unspezifizierbarer Klassen folgt als Korollar aus Cantors Theorem. D.h. Klassen, für die wir die Enthaltenseinsbedingung nicht angeben können. Auch keinen anderen identifizierenden Zug.
Bsp Die unendliche Gesamtheit grammatisch konstruierbarer Ausdrücke in einer Sprache. Nach Cantors Theorem übersteigt schon die Klasse solcher Ausdrücke die Ausdrücke selbst.
Klassen/größer/kleiner/Kriterium/Quine: unser Kriterium für größere und kleinere Klassen war hier Korrelation.
Def größer/Klassen/Mengen/Quine: eine Klasse ist größer als eine andere, wenn nicht jedes ihrer Elemente mit einem Element der anderen Klasse gepaart werden kann.
XIII 98
Problem: nach diesem Kriterium kann keine Klasse größer sein, als eine ihrer echten Teilklassen (Teilmengen). Bsp danach ist die Klasse der positiven ganzen Zahlen nicht größer als die der geraden Zahlen. Denn wir können immer Paare zwischen ihren Elementen bilden. Das zeigt einfach, dass unendliche Mengen sich ungewöhnlich verhalten. Unendlich/größer/kleiner/Klassen/mengen/Quine: sollen wir unser Kriterium deswegen ändern? Wir haben die Wahl:
a) Wir können sagen, dass eine unendliche Klasse nicht größer sein muss als ihre echten Teilklassen, oder
b) das Kriterium ändern und sagen, dass eine Klasse immer größer als ihre echten Teile ist, nur dass sie manchmal ausgeschöpft werden können durch Korrelation mit Elementen einer kleineren Klasse.
pro a): ist einfacher und Standard. Das war auch Dedekinds Definition von unendlich.
unendlich/falsch: ein Student schrieb einmal, eine unendliche Klasse wäre „eine, die echter Teil von sich selbst“ sei. Das stimmt nicht, sondern sie ist eine Klasse, die nicht größer ist, als ein (some) echter Teil von ihr selbst. Bsp die positiven ganzen Zahlen sind nicht zahlreicher als die geraden Zahlen. Bsp auch nicht zahlreicher als die Vielfachen von 3 (nach derselben Überlegung). Und sie sind Bsp auch nicht weniger zahlreich als die rationalen Zahlen!
Lösung: jeder Bruch (ratio) kann ausgedrückt werden durch x/y, wobei x und y positive ganze Zahlen sind, und dieses Paar kann eindeutig repräsentiert werden durch eine positive ganze Zahl 2x mal 3y.
Umgekehrt: erhalten wir den Bruch, indem wir sehen wie oft diese ganze Zahl durch 2 bzw. durch 3 Teilbar ist.
Unendlich/Quine: bevor wir von Cantor lernten, dass es verschiedene Unendlichkeiten gibt, wären wir nicht überrascht gewesen, dass es nicht mehr Brüche als ganze Zahlen gibt.
XIII 99
Nun sind wir aber doch überrascht! Unspezifizierbar: da es mehr reelle Zahlen gibt, als es Ausdrücke (Namen) gibt, gibt es also unspezifizierbare reelle Zahlen.
Namen/Ausdrücke/Quine: es gibt nicht mehr Namen (Ausdrücke) als es positive ganze Zahlen gibt.
Lösung: einfach die Namen (Ausdrücke alphabetisch innerhalb jeder Länge anordnen. Dann kann man sie mit positiven ganzen Zahlen nummerieren.
Reelle Zahlen/Cantor/Quine: Cantor zeigte, dass es ebenso viele reelle Zahlen gibt wie Klassen von positiven ganzen Zahlen. Das haben wir oben gesehen (s.o. decimals and dimidials) dass die reellen Zahlen zwischen 0 und 1 in Korrelation mit der unendlichen Klasse der positiven ganzen Zahlen sind.

Quine I
W.V.O. Quine
Wort und Gegenstand Stuttgart 1980

Quine II
W.V.O. Quine
Theorien und Dinge Frankfurt 1985

Quine III
W.V.O. Quine
Grundzüge der Logik Frankfurt 1978

Quine V
W.V.O. Quine
Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989

Quine VI
W.V.O. Quine
Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995

Quine VII
W.V.O. Quine
From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953

Quine VII (a)
W. V. A. Quine
On what there is
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (b)
W. V. A. Quine
Two dogmas of empiricism
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (c)
W. V. A. Quine
The problem of meaning in linguistics
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (d)
W. V. A. Quine
Identity, ostension and hypostasis
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (e)
W. V. A. Quine
New foundations for mathematical logic
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (f)
W. V. A. Quine
Logic and the reification of universals
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (g)
W. V. A. Quine
Notes on the theory of reference
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (h)
W. V. A. Quine
Reference and modality
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (i)
W. V. A. Quine
Meaning and existential inference
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VIII
W.V.O. Quine
Bezeichnung und Referenz
In
Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982

Quine IX
W.V.O. Quine
Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967

Quine X
W.V.O. Quine
Philosophie der Logik Bamberg 2005

Quine XII
W.V.O. Quine
Ontologische Relativität Frankfurt 2003

Quine XIII
Willard Van Orman Quine
Quiddities Cambridge/London 1987
Universalgeschichte Fukuyama Brocker I 808
Universalgeschichte/Fukuyama: Fukuyama entwickelt in zweiten Teil seines Buchs(1), aufbauend auf Kant und Hegel, die Idee einer Universalgeschichte. Def Universalgeschichte/Fukuyama: These: Geschichte ist ein Kampf um Ideen, nicht eine Abfolge von Ereignissen. Dies ist ein dialektischer Prozess: er ist gekennzeichnet durch Widersprüche, die sich verstärken und in revolutionärem Wandel enden, der wiederum Fortschritt bedeutet, nämlich in Richtung der Verwirklichung von Demokratie. Der Sinn der Geschichte besteht in der teleologischen Bewegung in Richtung Freiheit. Sie verfolgt also eine Richtung und ein Ziel.
Fortschritt/Fukuyama: Fortschritt ist zwar auch technologisch beeinflusst, aber technologischer Fortschritt allein kann die Entstehung und Durchsetzung von demokratischen Systemen nicht erklären. Dafür muss es einen anderen Antriebsmotor geben: den Kampf des Individuums um Anerkennung. Siehe Mensch/Fukuyama, Anerkennung/Fukuyama.


1. Francis Fukuyama, The End of History and the Last Man, New York 1992. Dt. Francis Fukuyama, Das Ende der Geschichte. Wo stehen wir?, München 1992.


Anja Jetschke, „Francis Fukuyama, Das Ende der Geschichte“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

PolFuku I
Francis Fukuyama
The End of History and the Last Man New York 1992

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Utilitarismus Politische Theorien Gaus I 414
Utilitarismus/Politische Philosophie/Weinstein: Zeitgenössische englische Utilitaristen haben sich mit zunehmender Subtilität und Raffinesse für einen liberalen Utilitarismus eingesetzt. Herrschaftlicher Utilitarismus: Regel-Utilitaristen betonen die Kompatibilität des Utilitarismus mit anerkannten moralischen Regeln und Intuitionen (Hare, 1981(1); Harsanyi, 1985(2); Hooker, 2000(3)), während ...
Liberaler Utilitarismus: ... liberale Utilitaristen Utilitarismus mit starken liberalen Rechten verbinden (Gray, 1983(4); Riley, 1988(5)).
All diese Darstellungen stellen jedoch unterschiedliche Versionen dessen dar, was heute allgemein als indirekter Utilitarismus bekannt ist.
Indirekter Utilitarismus: Für indirekte Utilitaristen, so James Griffin, dient das Prinzip der Nützlichkeit als "Kriterium" zur Beurteilung von Handlungsklassen. Im Gegensatz dazu fungieren etablierte moralische Regeln und/oder grundlegende liberale Rechte als Quellen direkter Verpflichtungen (oder "Entscheidungsverfahren"), um individuelle Handlungen zu lenken (Griffin, 1994(6): 179). Handlungen sind moralisch falsch, wenn sie gegen diese Entscheidungsverfahren verstoßen. Indirekte Utilitaristen sind der Meinung, dass die Einhaltung solcher Entscheidungsverfahren den allgemeinen Nutzen insgesamt am besten maximiert, wenn auch nicht unbedingt in kurzfristigen Einzelfällen. Mit anderen Worten, manchmal ist richtiges Handeln gleichbedeutend mit falschem Handeln. Aber warum sollte ich richtig handeln, wenn richtiges Handeln in einer bestimmten Situation zufällig nicht das Beste für den Utilitaristen ist? Warum sollte ich ein geistloser, regelverliebter Trottel sein?*
Grundrechte/Gleichberechtigung/Liberaler Utilitarismus: (...) für den liberalen Utilitarismus fungieren die Grundrechte als kritische Entscheidungsverfahren und machen ihn juristischer als den herrschenden Utilitarismus. Rechte lenken unser Handeln indirekt entlang unantastbarer Kanäle akzeptablen Verhaltens, die angeblich einen allgemeinen Gesamtnutzen erzeugen. Aber der liberale Utilitarismus ist nicht einfach eine juristischere Version des indirekten Utilitarismus.
VsLiberaler Utilitarismus: Der zeitgenössische liberale Utilitarismus wird oft in der gleichen Weise kritisiert, wie Mill's zeitgenössische Gegner ihn wegen seines Versuchs, die Unversöhnlichen zu versöhnen, angriffen. So hat beispielsweise John Gray (1989(7): 218-24) seine frühere Begeisterung für den liberalen Utilitarismus widerrufen und stimmt mit den Kritikern des liberalen Utilitarismus darin überein, dass er vergeblich versucht, mehrere ultimative normative Kriterien miteinander zu verbinden, nämlich Nützlichkeit und unanfechtbare moralische Rechte.
Gray: Bei Gray übertrumpft entweder die Maximierung des Nutzens logischerweise die Rechte, oder Rechte (sofern sie ein authentisches moralisches Gewicht besitzen) übertrumpfen die Maximierung des Nutzens. Der liberale Utilitarismus scheitert logisch, weil er in entgegengesetzte normative Richtungen zieht und uns anweist, den Nutzen zu maximieren, wenn er Rechte verletzt, und Rechte zu respektieren, wenn er den Nutzen nicht maximiert. Manchmal müssen wir zwischen unserem Liberalismus und unserem Utilitarismus wählen.
Egalitärer Utilitarismus: Egalitäre Liberale haben im Gegensatz zu Utilitaristen die Gleichheit über den Nutzen als ihr vorrangiges normatives Anliegen. Dennoch sind Utilitaristen der Gleichheit und Verteilungsgerechtigkeit gegenüber nicht gleichgültig. Wie wir gerade gesehen haben, nehmen die indirekten Utilitaristen diese Werte ernst, wenn auch nicht so ernst, dass sie die Nutzenmaximierung als obersten normativen Standard übertrumpfen. Utilitaristen schätzen Gleichheit auch in dem Sinne, dass Unparteilichkeit konstitutiv für das Prinzip der Nützlichkeit ist. Das "Glück eines jeden Menschen genau so sehr wie das eines anderen" (Mill, 1969(8): 257).** Für egalitäre Liberale spielt die Gleichheit jedoch eine gewichtigere Rolle, weil viele von ihnen internalistische Argumente für die Gleichheit bevorzugen.*** Und weil ihnen die Gleichheit von vornherein wichtig ist, neigen sie auch dazu, sich mehr mit Fragen der Gleichheit des "Was" als des "Warum" zu beschäftigen. Vgl. >Individuum/Bradley, >Freiheit/Bosanquet, >Selbstverwirklichung/Hobhouse.
Gaus I 415
Neuer Liberalismus: (...) die neuen Liberalen befürworteten eine robustere Schwelle der Gleichberechtigung der Chancen. Obwohl sie mit >Bosanquet darin übereinstimmten, dass der Besitz von Eigentum ein mächtiges Mittel der 'Selbstdarstellung' und daher entscheidend für eine erfolgreiche Externalisierung und Verwirklichung unserer selbst sei, legten sie auch fest, dass Privateigentum nur insoweit legitim sei, als es
Gaus I 416
die Chancengleichheit nicht untergräbt. Hobson: In Hobsons Worten: "Ein Mensch, der nicht ausreichend versorgt ist, ist nicht wirklich frei für Zwecke der Selbstentfaltung", mit gleichberechtigtem und einfachem Zugang zu Land, einem Heim, Kapital und Krediten. Hobson kommt zu dem Schluss, dass, obwohl der Liberalismus kein Staatssozialismus ist, er dennoch in erheblichem Maße "mehr öffentliches Eigentum und Kontrolle über die Industrie" impliziert (1974(9): xii). Neue Liberale haben also den englischen Liberalismus verändert, indem sie die soziale Wohlfahrt und die Rolle des Staates bei ihrer Förderung in den Mittelpunkt rückten. Sie machten aus dem Wohlfahrtsliberalismus eine ausgeklügelte theoretische Alternative.****

* Für Kritiker des zeitgenössischen indirekten Utilitarismus sind regierungsverehrende Trottel irrational, weil der Regel-Utilitarismus nicht nur paradox, sondern unlogisch ist. Richtig zu handeln, kann niemals bedeuten, dass man manchmal etwas falsch macht, als ob Handeln und Tun verschiedene Dinge bedeuten. Regel-Utilitaristen haben darauf reagiert, indem sie zwischen idealistischem Regel-Utilitarismus, tatsächlichem staatlichem Regel-Utilitarismus und bedingtem Regel-Utilitarismus unterschieden haben. Der idealistische Regel-Utilitarismus besagt, dass Handlungen dann richtig sind, wenn sie mit Regeln übereinstimmen, deren allgemeine Akzeptanz den Nutzen fördern würde. Der tatsächliche staatliche Utilitarismus fügt die Bedingung hinzu, dass diese Regeln tatsächlich allgemein akzeptiert werden müssen. Der Utilitarismus der bedingten Herrschaft ist noch schwächer, da er weiter festlegt, dass Handlungen dann richtig sind, wenn sie mit Regeln übereinstimmen, die stets den Nutzen maximieren.

** Mill fährt fort: "Der gleiche Anspruch eines jeden auf Glück beinhaltet einen gleichen Anspruch auf alle Mittel zum Glück" (1969(8): 257). In einer aufschlussreichen Fußnote über Spencer fügt Mill hinzu, dass "vollkommene Unparteilichkeit zwischen Personen" voraussetzt, dass "gleiche Mengen an Glück gleich wünschenswert sind, unabhängig davon, ob sie von derselben oder von verschiedenen Personen empfunden werden". Diese egalitären Implikationen der Unparteilichkeit sind nicht identisch und führen zu sehr unterschiedlichen Umverteilungsstrategien.

*** Für Gerald Gaus (2000(10): 136-45) sind utilitaristische Argumente für Gleichheit äußerlich, weil sie die Gleichbehandlung um der Förderung eines äußeren Wertes willen befürworten, nämlich des Glücks willen. Argumente von grundlegender menschlicher Gleichheit rechtfertigen Gleichbehandlung auf der Grundlage irgendeines (internen) Attributs, wonach Menschen angeblich in Wirklichkeit gleich sind.

**** Idealisten wie Jones und Collingwood befürworteten in ähnlicher Weise eine energische Ausweitung der Chancengleichheit durch die Regierung.


1. Hare, R. M. (1981) Moral Thinking. Oxford: Oxford mversity Press.
2. Harsanyi, John (1985) 'Rule utilitarianism, equality and justice'. Social Philosophy and Policy, 2: 115-27.
3. Hooker, Brad (2000) Ideal code, Real World. Oxford: Oxford University Press.
4. Gray, John (1983) Mill on Liberty: A Defence. London: Routledge.
5. Riley, Jonathan (1988) Liberal Utilitarianism. Cambridge: Cambridge University Press.
6. Griffin, James (1994) 'The distinction between a criterion and a decision procedure', Utilitas, 6: 177-82.
7. Gray, John (1983) Mill on Liberty: A Defence. London: Routledge.
8. Mill, J. S. (1969) Utilitarianism. In J. M. Robson, Hrsg., The Collected Works of J. S. Mill, vol. 10. Toronto: University of Toronto Press.
9. Hobson, J. A. (1974 119091) The Crisis of Liberalism. Brighton: Barnes and Noble.
10. Gaus, Gerald (2000) Political Concepts and Political Theories. Boulder, CO: Westview.

Weinstein, David 2004. „English Political Theory in the Nineteenth and Twentieth Century“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Utilitarismus Sen Brocker I 885
Utilitarismus/SenVsUtilitarismus/Sen: Gegen utilitaristische Freiheitstheorien, die den Wert der Freiheit ganz und gar über ihren Nutzen bestimmen, stellt er heraus: Obschon Freiheit sich nicht selbst genügt, gefällt sie doch an und für sich. Freiheit ist zwar einerseits auf Ziele und den durch ihre Verwirklichung zu erlangenden Nutzen bezogen – geht aber andererseits nicht darin auf. Die Achtung von Freiheit als Selbstzweck ist zu unterscheiden von ihrem Wert als Mittel zu bestimmten, nur durch sie erreichbaren Gütern. Die intrinsische und die instrumentelle Wertschätzung von Freiheit sind zweierlei. >Freiheit/Sen.

Claus Dierksmeier, „Amartya Sen, Ökonomie für den Menschen (1999)“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

EconSen I
Amartya Sen
Collective Choice and Social Welfare: Expanded Edition London 2017

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Veränderung Aristoteles Bubner I 169
Veränderung/Aristoteles: Veränderung zu begreifen stellt das zentrale Problem dar, dem theoretische und praktische Philosophie sich widmen.
Gut/Aristoteles: Zunächst sieht es so aus, als käme es nur als Ziel im Sinne einer causa finalis in Betracht.
Aber darüber hinaus beansprucht es noch die Stellung im Begriff des obersten Seienden, auf das die Metaphysik blickt.
Die Argumentation, die zur rationalen Gotteslehre führt, geht ebenfalls von einer allgemeinen Bewegungslehre aus.
Gefragt wird nach dem Zusammenhang alles wirklichen, insofern es als bewegt anzusehen ist.
Vom naturalistischen Thema aus wird Gott so ein theoretischen Erfordernis.
I 170
Chorismos ("Trennung") /Platon: lässt eine Kluft zwischen den ewigen Ideen und der veränderlichen Sinnenwelt.
Kinesis/Aristoteles: vermittelt diese Kluft. (Rührt von Heraklit her).
Problem: wie ist Bestimmung des Wandelbaren überhaupt möglich?
Lösung: Aristoteles: durch die vier Ursachen
Form, Stoff, Woher der Bewegung, Wohin der Bewegung.
Das macht die Fiktion einer "Zweiten Welt" (der Ideen) überflüssig.

Bewegung/Aristoteles: Problem: Gesamtzusammenhang. Die Bewegung selbst kann nicht ihrerseits entstanden sein, sie muss ewig sein. (Um dem Regress zu entkommen).
Dem muss aber nun ein Prinzip entsprechen, dass mehr ist als ein bloßes Vermögen: eine Notwendigkeit.
Aus etwas, das auch anders sein könnte, gewinnen wir keine theoretische Sicherheit.

Gut/Aristoteles: es liegt nun in der besonderen Natur eines Weltprinzips verborgen, das seine Aufgabe gar nicht verfehlen kann, dem Gesamtzusammenhang der bewegten Wirklichkeit ein Fundament bereitzustellen.
I 172
Dieses alles tragende Prinzip kann nur in stetes, alternativloser Verwirklichung oder Aktualität (energeia) existieren. Energeia/Aristoteles: Wirklichkeit, stets vollendet, weist keinen Mangel auf. Sie nimmt den obersten Rang ein.
Dynamis/Aristoteles: Möglichkeit
Ousia/Aristoteles: das zugrunde liegende Etwas der Wechselbeziehung von Wirklichkeit und Möglichkeit.
Worumwillen/Aristoteles: steckt von Anfang an hinter dem Begriff "gut". Es kann für etwas oder von etwas gelten.
Für etwas: erstrebt oder in der Natur angelegte Entelechie.
I 173
von etwas: nicht Ziel eines Strebens, sondern Fluchtpunkt eines als sinnvoll betrachteten Systems der Realität: "Liebe".

Bu I
R. Bubner
Antike Themen und ihre moderne Verwandlung Frankfurt 1992
Verstehen Vico Pfotenhauer IV 61
Wahrheit//Vico: These: verum et factum convertuntur – das Wahre ist mit dem Gemachten konvertibel, also gleichbedeutend. Siehe hierzu K. Löwith Vicos Grundsatz: verum et factum convertuntur. In: Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-historische Klasse, Heidelberg 1968. Geschichte/Vico/Verstehen/Kant/Pfotenhauer: Kant nahm diesen Gedanken Vicos in modifizierter Form auf. Er ging davon aus, dass praktische Handeln als eine vernunftbegleitete Tätigkeit möglich sei. Dies könne gegenüber der Kontingenz des bloßen faktischen Geschehens sichtbar werden. Bedingung sei, dass dieses praktische Handeln eben der Vernunft als einer normativen, wertsetzenden Kraft unterstellt ist.
Geschichte/HegelVsKant/Hegel: Hegel wollte demgegenüber den Grundsatz praktischer Philosophie als verpflichtende Aussage über die tatsächliche Verlaufsrichtung der Historie verstanden wissen. Das Geschehen in der Geschichte wäre demnach als fortschreitende Selbstverwirklichung der Menschengattung im Zeichen geistiger Spontaneität zu deuten.
Pfotenhauer IV 62
Verstehen/Vico/Dilthey: Dilthey wollte an Vicos Grundsatz von der prinzipiellen Verständlichkeit der historischen Phänomene festhalten. Dies sollte gegen die positivistische Indifferenz geltend gemacht werden, die Geschichte und Natur in gleicher Weise zu betrachten entschlossen war. (DiltheyVsComte). Dilthey These: Dilthey schlug vor, das Geschehen unter dem Gesichtspunkt der Zwecksetzungen interessierter, wertorientierter Subjekt zu deuten. (M. Riedel Verstehen oder erklären? Stuttgart 1978, S. 19ff).

Vico I
Giambattista Vico
Prinzipien einer neuen Wissenschaft über die gemeinsame Natur der Völker Hamburg 2009

Pfot I
Helmut Pfotenhauer
Die Kunst als Physiologie. Nietzsches ästhetische Theorie und literarische Produktion. Stuttgart 1985
Wertewandel Habermas IV 576
Wertewandel/culture shift/culture change/cultural change/change in values/value change/Inglehart/Habermas: In den entwickelten Gesellschaften des Westens haben sich in den letzten Jahrzehnten Konflikte entwickelt, die in mehreren Hinsichten vom sozialstaatlichen Muster des institutionalisierten Verteilungskonflikts abweichen. Es geht neuerdings eher um die Durchsetzung reformierter Lebensweisen, um Fragen der Grammatik von Lebensformen. Ein Beispiel dafür ist: der Begriff Stille Revolution/silent revolution/Ronald Inglehart: (1).
IV 577
Neu sind die Probleme der Lebensqualität, der Gleichberechtigung, der individuellen Selbstverwirklichung, der Partizipation und der Menschenrechte. (2) Diese neue Politik findet stärkeren Anhang im neuen Mittelstand, in der jüngeren Generation und in den Gruppen mit qualifizierter Schulbildung. Habermas: diese Phänomene passen zur These der inneren Kolonialisierung Siehe Terminologie/Habermas.


1.R. Inglehart, Wertwandel und politisches Verhalten, in: J. Matthes, (Hrsg.) Sozialer Wandel in Europa, Frankfurt, NY 1979.
2.K.Hildebrandt, R.J. Dalton, Die neue Politik, in: PVS, Jg. 19,1977, S. 230ff. S.H. Barnes, M. Kaase et al., Political Action, Beverly Hills/London 1979.

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Westlicher Rationalismus Habermas III 278
Westlicher Rationalismus/Habermas: wir müssen die Herausbildung moderner Bewusstseinsstrukturen in den Dimensionen Recht und Moral von dem Vorgang der Wertverwirklichung trennen. Denn die Probleme der Dynamik lassen sich mit einer Eigenlogik der Weltbildentwicklung und der Ausdifferenzierung von Wertsphären nicht erklären. Wir brauchen eine Untersuchung der Interessenlagen der Trägerschichten, sozialen Bewegungen, Konflikten usw. um zu erklären warum - nur auf der jüdisch-christlichen Traditionslinie die in
III 279
allen Weltbildern intern angelegte Rationalisierung zu Ende geführt worden ist - nur im Westen die Bedingungen für eine Institutionalisierung von universalistischen Rechts- und Moralstrukturen erfüllt wurden
- nur hier typisch auftretenden Systemprobleme so gelöst wurden, dass die für kapitalistischen Gesellschaften charakteristische Form der sozialen Integration (mit methodischer Lebensführung und modernem Rechtsverkehr) entstanden ist.


Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Westlicher Rationalismus Weber Habermas III 262
Westlicher Rationalismus/Weber/Habermas: als Schlüssel zur Erklärung des okzidentalen Rationalismus betrachtet Weber die Ausdifferenzierung kultureller Wertsphären. Diese begreift er wiederum als Ergebnis einer internen Geschichte, und zwar der Rationalisierung von Weltbildern. Das ist nur vor dem Hintergrund der neukantianischen Wertphilosophie zu verstehen. Wir müssen das soziologische Konzept der Lebensordnung mithilfe des philosophischen Konzepts der Wertverwirklichung erklären. Für den Soziologen durchdringen sich die Sphären des Seins und des Sollens eigentümlich, da sich Aktoren in ihrem Handeln an Werten orientieren.
Habermas III 263
Neukantianismus: These: Prozesse der Wertverwirklichung können gleichzeitig von außen und von innen betrachtet, als empirische Vorgänge und als Objektivation von Wissen verstanden werden und damit Wirklichkeits- und Geltungsaspekte verbunden werden. ((s) Siehe Sein-Sollen-Fehlschluss, Naturalistischer Fehlschluss).

Weber I
M. Weber
Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus München 2013

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Zeichen Quine V 160
Zeichen/Deutung/Quine: dürfen nicht einfach neu gedeutet werden, sonst kann jede Zeichenfolge eine beliebige Bedeutung haben. - Pointe: wohl aber können Termini neu gedeutet werden.
VII (c) 53
Bedeutung/Zeichen/Quine: es ist unbefriedigend, zu sagen, dass eine sinnvolle Zeichenkette (significant sequence) einfach eine Reihe von Phonemen ist, die von einem Sprecher einer gewählten Population geäußert wird. Wir wollen nicht nur die geäußerten, sondern auch die möglicherweise noch zu äußernden Sequenzen.
IV 396
Zeichen/Locke: …aus zwei Gründen haben wir jedoch auch Zeichen nötig, welche nun wiederum für Ideen stehen: für den Austausch unserer Gedanken und für ihre Aufzeichnung. Das sind die Wörter. Hinter ihnen stehen, gleichsam als Bedeutungsgaranten die Ideen. Ohne sie wären Wörter bloß Geräusche. Wörter: Stellvertreter der Ideen.
IV 397
QuineVsLocke: Man sollte sich an das halten, was für jeden offen beobachtet wahr ist. Sprache ist auch nichts Privates, sondern etwas Soziales.
IV 398
Der Sprache: eine soziale Kunstfertigkeit, die durch die Beobachtung des sozialen Gebrauchs erworben wird. Die Externalisierung des Empirismus führt zu einem verhaltensorientierten Zugang zur Bedeutung. (Behaviorismus).

V 165
Unendlich/Benennen/Zeichen/Quine: Problem: welche Zeichen sollen wir nehmen, wenn wir unendlich viele als Einsetzungen für die Zahlenvariablen brauchen? Man kann nicht sagen, jedes Zeichen sei ein physikalischer Gegenstand, denn dann hören sie bald auf. Falsche Lösung: zu sagen, diese Zeichen seien Formen (als Klassen von Inskriptionen). Denn diese sind wieder physikalische Verwirklichungen der Formen und davon gibt es nicht genug.
Form/Quine: (zur Bezeichnung unendlich vieler natürlicher Zahlen) hier auch nicht im Sinne der analytischen Geometrie, so dass eine Form zu einer Klasse von Klassen von Paaren reeller Zahlen würde, denn es hilft nichts, die Zahlen anhand von Zahlzeichen zu erklären, die selbst anhand reeller Zahlen erklärt werden.

Quine I
W.V.O. Quine
Wort und Gegenstand Stuttgart 1980

Quine II
W.V.O. Quine
Theorien und Dinge Frankfurt 1985

Quine III
W.V.O. Quine
Grundzüge der Logik Frankfurt 1978

Quine V
W.V.O. Quine
Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989

Quine VI
W.V.O. Quine
Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995

Quine VII
W.V.O. Quine
From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953

Quine VII (a)
W. V. A. Quine
On what there is
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (b)
W. V. A. Quine
Two dogmas of empiricism
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (c)
W. V. A. Quine
The problem of meaning in linguistics
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (d)
W. V. A. Quine
Identity, ostension and hypostasis
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (e)
W. V. A. Quine
New foundations for mathematical logic
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (f)
W. V. A. Quine
Logic and the reification of universals
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (g)
W. V. A. Quine
Notes on the theory of reference
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (h)
W. V. A. Quine
Reference and modality
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (i)
W. V. A. Quine
Meaning and existential inference
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VIII
W.V.O. Quine
Bezeichnung und Referenz
In
Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982

Quine IX
W.V.O. Quine
Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967

Quine X
W.V.O. Quine
Philosophie der Logik Bamberg 2005

Quine XII
W.V.O. Quine
Ontologische Relativität Frankfurt 2003

Quine XIII
Willard Van Orman Quine
Quiddities Cambridge/London 1987
Zwecke Maturana I 177
Absicht/Zweck/Ziel/Maturana: diese Begriffe haben mit der Verwirklichung eines lebenden Systems nichts zu tun! Die Geschichte der Interaktionen ist die Geschichte der Störeinwirkungen, d.h. die Geschichte der Interaktionen in seiner Nische - die Nische verändert sich ständig.

Maturana I
Umberto Maturana
Biologie der Realität Frankfurt 2000