Lexikon der Argumente


Philosophische Themen und wissenschaftliche Debatten
 


 

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Der gesuchte Begriff oder Autor findet sich in folgenden 5 Einträgen:
strittiger Begriff/
Autor/Ismus
Autor
Eintrag
Literatur
Psychologie Pinker
 
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I 87
PinkerVsFreud: das Gehirn funktioniert nicht aufgrund irgendeines Drucks, sondern es erzeugt ihn als Taktik zur Problembewältigung.

Pi I
St. Pinker
Wie das Denken im Kopf entsteht München 1998
Psychologie Wittgenstein
 
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II 194
Kunst/Schönheit/Wittgenstein: in welchem Sinne ist die ästhetische Untersuchung einer Sache der Psychologie? Schmerz und Freude gehören nicht auf ein und dieselbe Skala! Die Skala von "kochend heiß" bis "eiskalt" ist auch keine Gradskala. Dies sind Unterschiede der Art.
II 195
Psychologie/Ästhetik/Wittgenstein: während wir uns in der Psychologie für kausale Zusammenhänge interessieren, sind sie bei der ästhetische Untersuchung gerade dasjenige, was uns nicht interessiert! Dies ist der Hauptunterschied. Kausalität/Terminologie/Wittgenstein/(s): Wittgenstein nennt hier Gründe, nicht Ursache kausal.
II 196
Grund/Psychologie/Wittgenstein: die Gründe der Befriedigung, die man gibt, haben mit Psychologie nichts zu tun. Es ist ein Nebeneinanderlegen der Dinge wie vor Gericht. Psychologische Gründe wären keine ästhetischen Gründe. Es wäre keine Gründe, sondern Ursachen. Eine Ursache zu behaupten, das wäre die Aufstellung einer Hypothese.
Insoweit das Mittel, eine Tür, die oben zur wuchtig ist angenehmer zu gestalten, einem Mittel gegen Kopfschmerzen gleicht, ist es keine Frage der Ästhetik.
II 197
Psychologie/Freud/Wittgenstein: Bsp Zusammenhang zwischen der Lage des Fötus und unseren Schlaf. - Dieser Zusammenhang sieht zwar aus wie ein kausaler, ist aber keiner, da sich hier kein psychologisches Experiment durchführen lässt. - Freuds Erklärung leistet das Gleiche wie eine Ästhetische: sie bringt zwei Faktoren zusammen.
II 197
Psychologie/Witz/WittgensteinVsFreud: Verwechslung von Grund und Ursache. - Lachen hat einen Grund, keine - sonst wäre die Zustimmung zur Analyse kein Mittel, um die Ursache herauszufinden. - Ursache/Physik: hier geht es nicht um Zustimmung - auch Ursachen des Lachens können erkannt werden, aber nicht durch Zustimmung, sondern experimentell. - Auch zur ästhetischen Untersuchung gehört Zustimmung.
II 200
Psychologie/Wittgenstein: meine Untersuchung ist nicht psychologisch, obwohl ein Satz in gewissem Sinne tot ist, solange er nicht verstanden wird. Gäbe es kein Verstehen der Zeichen, würden wir die Zeichen nicht Sprache nennen.
II 30
Farben/Wittgenstein: der Farbenoktaeder wird in der Psychologie angewendet. In Wirklichkeit gehört er jedoch nicht zur Psychologie, sondern zur Grammatik. Wir können zwar von einem grünlichen Blau sprechen, aber nicht von einem grünlichen Rot usw.
VI 203
Psychologie/Wittgenstein/Schulte: (1945 49): versucht Klassifikation psychologischer Begriffe: Erlebnisse, Erfahrungen, Gemütsbewegungen, Überzeugungen.
VI 205
Sie seien Begriffe des Alltags
IV 41
Def Erkenntnistheorie/Tractatus: 4.1121 ist die Philosophie der Psychologie.



W II
L. Wittgenstein
Vorlesungen 1930-35 Frankfurt 1989

W III
L. Wittgenstein
Das Blaue Buch - Eine Philosophische Betrachtung Frankfurt 1984

W IV
L. Wittgenstein
Tractatus Logico Philosophicus Frankfurt/M 1960
Terminologien Adorno
 
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Grenz I 14
Adorno/Terminologie/Grenz: Physiognomisch: ausdrückend
Negierend: bestimmt.
Grenz I 31
Soziologie/Freud/Grenz: angewandte Psychologie AdornoVsFreud: „die Gesellschaft ist keine von Menschen unmittelbar, sondern die Beziehungen zwischen diesen haben sich verselbständigt, treten allen Einzelnen übermächtig entgegen. (Gesammelte Schriften Bd. 8 p. 89).
Grenz I 39
Verdinglichung/Terminologie/Lukàcs/Grenz: Lukàcs macht Marx‘ Begriff der Abstraktion im Tauschwert unter dem Namen der Verdinglichung einer breiten Öffentlichkeit vertraut.
Grenz I 65
Innervieren/Terminologie/Adorno/Grenz: subjektiv, aber physisch vermittelt auf Geschichte reagieren, den historischen Stand von Rationalität und Subjektivität wahrnehmen. >Ästhetische Urteile.
I 65
Konstellation/Terminologie/Adorno/Grenz: das Geschichtliche, das innerviert wird, heißt bei Adorno gesellschaftliche oder ästhetische Konstellation.
Grenz I 69
Tradition/Adorno/Grenz: Tradition ist das, was als scheinbar natürliches Implikat des Möglichen in die Gegenwart hineinragt: das „gegenwärtige Vergessene“ (Philosophie der Neuen Musik p. 117f).
I Grenz 129
Positivität/Terminologie/Adorno: wird als Widerspruch von Anspruch und Sein aufgefasst.
Grenz I 195
Aura/Terminologie/AdornoVsBenjamin/Grenz: Benjamins Kriterium für Aura wird von Adorno modifiziert. Nicht die unmittelbare Gewissheit der Echtheit eines einmalig Gegebenen, sondern sein Gehalt soll die Aura eines Werks ausmachen. Das ist eine Erweiterung des Begriffs. Sie wird nötig, weil dem Begriff der Echtheit der Begriff des das Echte hervorbringenden Subjekts eingeschrieben ist. - - -
XII 118
Weltanschauung/Adorno: Vorstellungen vom Wesen und vom Zusammenhang der Dinge, die sich messen an dem subjektiven Bedürfnis nach Einheit, nach Erklärung. Mit anderen Worten, die zum System erhobene Meinung.
XII 119
Während Kant niemals von „meiner Philosophie“ spricht, tun dies Fichte, Schopenhauer und selbstverständlich Nietzsche.

A I
Th. W. Adorno/M.Horkheimer
Dialektik der Aufklärung Frankfurt 1978

A II
Theodor W. Adorno
Negative Dialektik Frankfurt/M. 2000

A III
Theodor W. Adorno
Ästhetische Theorie Frankfurt/M. 1973

A IV
Theodor W. Adorno
Minima Moralia Frankfurt/M. 2003

A IX
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 8: Soziologische Schriften I Frankfurt/M. 2003

A V
Theodor W. Adorno
Philosophie der neuen Musik Frankfurt/M. 1995

A VI
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften, Band 5: Zur Metakritik der Erkenntnistheorie. Drei Studien zu Hegel Frankfurt/M. 1071

A VII
Theodor W. Adorno
Noten zur Literatur (I–IV) Frankfurt/M. 2002

A VIII
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 2: Kierkegaard. Konstruktion des Ästhetischen Frankfurt/M. 2003

A XI
Theodor W. Adorno
Über Walter Benjamin Frankfurt/M. 1990

A XII
Theodor W. Adorno
Philosophische Terminologie Bd. 1 Frankfurt/M. 1973

A XIII
Theodor W. Adorno
Philosophische Terminologie Bd. 2 Frankfurt/M. 1974
Unbewusstes Searle
 
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John R. Searle
I 160f
Unbewusstes/Searle: nach dem Modell des Bewusstseins (pro) - VsHeidegger: Hämmern nicht unbewusst sondern nicht aufmerksam - Zwei Unterschiede: bewusst/unbewusst - Peripherie/Zentrum.
I 192f
SearleVsFreud: Unbewusstes bei ihm wie Fische tief unten im Meer(falsche Idee von geistiger Konstanz) - beim Auftauchen haben sie dieselbe Form - problematisch - falsche Analogie: Bewusstsein/Wahrnehmung (Regress) - verlangt noch eine weitere Beschreibungsebene, die es nicht gibt. Unbewusstes nach dem Modell von Bewusstsein. - Was soll die Ontologie des Unbewussten sein, solange es unbewusst ist (Revolte = Vaterhass?). - Wenn ich den Gegenstand (Fahrrad) aus der Wahrnehmung wegnehme, ist es eine Halluzination, doch genau das kann ich bei bewussten Gedanken nicht machen, um so etwa das Unbewusste zu erhalten.

S I
J. R. Searle
Die Wiederentdeckung des Geistes Frankfurt 1996

S II
J.R. Searle
Intentionalität Frankfurt 1991

S III
J. R. Searle
Die Konstruktion der gesellschaftlichen Wirklichkeit Hamburg 1997

S IV
J.R. Searle
Ausdruck und Bedeutung Frankfurt 1982

S V
J. R. Searle
Sprechakte Frankfurt 1983
Welt Freud
 
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Rorty V 39
Freud/Rorty: gehörte wie Kopernikus und Darwin zu jenen, die unser Weltbild dezentriert haben. Freud: »Das Ich ist nicht Herr im eigenen Hause«. > Mechanisierung des Weltbildes.
V 41
Freud/RortyVsHume: im Gegensatz zu Hume hat Freud unser Selbstbild tatsächlich umgestaltet! Wenn das Ich nicht Herr im eigenen Hause ist, so deshalb, weil es tatsächlich eine andere Person gibt! Das Unbewusste Freuds ist tatsächlich wirksam.
V 43
Es wirkt aber nicht wie ein Ding, das wir in Anspruch nehmen können, sondern wie eine Person, die uns in Anspruch nimmt. Das Ich ist von Gegenstücken von Personen bevölkert, die wir kennen müssen, um das Verhalten eines Menschen zu verstehen. DavidsonVsFreud/Rorty: Aufspaltung wird von Philosophen immer als beunruhigend empfunden. Aber: (pro Freud) es gibt keinen Grund »du glaubst unbewusst, dass p« anstelle von »es gibt etwas in dir, das bewirkt, dass du so handelst, als glaubtest du, dass p« anzunehmen.

Freud I
S. Freud
Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse Hamburg 2011

Ro I
R. Rorty
Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997

Ro II
R. Rorty
Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000

Ro III
R. Rorty
Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992

Ro IV
R. Rorty
Eine Kultur ohne Zentrum Stuttgart 1993

Ro V
R. Rorty
Solidarität oder Objektivität? Stuttgart 1998

Ro VI
R. Rorty
Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000

Der gesuchte Begriff oder Autor findet sich in folgenden 5 Kontroversen:
strittiger Begriff/
Autor/Ismus
Autor Vs Autor
Eintrag
Literatur
VsFreud Luhmann Vs Freud, S.
 
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II 62
Sexualität: etwa ab 1760 wichtige Veränderungen: Naturbegriff und Vernunftsbegriff, die es ermöglichen, leidenschaftliche Liebe aus den Fesseln der Gesellschaft zu lösen. Liebe zu dritt usw. ist erlaubt. Und die Vernunft kann nur noch verbieten, was anderen schadet. LuhmannVsFreud: Pseudowissenschaftlich.

AU I
N. Luhmann
Einführung in die Systemtheorie Heidelberg 1992

Lu I
N. Luhmann
Die Kunst der Gesellschaft Frankfurt 1997
VsFreud Pinker Vs Freud, S.
 
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I 88
VsFreud: "hydraulisches Modell" mit Überdruck, Ventil usw. PinkerVsFreud: aber selbst die stärksten Gefühle erzeugen nicht mehr Entladungen im Gehirn. Das Gehirn funktioniert auch nicht aufgrund irgendeines Drucks, sondern es erzeugt ihn als Taktik zur Problembewältigung.
- - -
I 552/553
PinkerVsFreud: Ödipus Komplex: es gibt tatsächlich ein zu erklärendes Phänomen: Freud macht den Fehler, zwei Formen des Eltern Kind Konflikts zu vermischen. Kleine Kinder wetteifern um den Zugang zur Mutter, aber nicht sexuell: andererseits kann es bei älteren Kindern durchaus zur sexuellen Rivalität kommen, aber dabei kämpfen nicht beide um die Mutter! Es gibt in den vielen Kulturen einen Kampf um dieselben Frauen. Ein Vater steht der Karriere des Sohnes immer im Wege. Männer wollen keine Frauen heiraten, die möglicherweise von einem anderen Mann schwanger sind. Daher rührt das Interesse des Vaters an der Sexualität der Töchter. Kein Begehren!
- - -
I 566
Inzest/Pinker: es scheint, dass der Mensch (und viele Tiere) im Lauf der Evolution einen Ekel entwickelt hat.
I 569
Bsp Nicht verwandte Kinder, die in Kibbuzim in engstem Kontakt aufwuchsen, hatten Abneigung dagegen sich zu heiraten. Menschen die tatsächlich Inzest begehen, sind häufig nicht gemeinsam aufgewachsen.
PinkerVsFreud: dieser berichtet, sexuell von seiner Mutter angezogen gewesen zu sein, Beim Ankleiden. Freud hatte jedoch eine Amme, was die Mutter als entrückter erklären könnte.

Pi I
St. Pinker
Wie das Denken im Kopf entsteht München 1998
VsFreud Searle Vs Freud, S.
 
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John R. Searle
I 175
SearleVsFreud: es ist klar, dass wir uns das Unbewusste nach dem Vorbild des Bewussten vorstellen. Das Unbewusste bei Freud beruht auf einem ziemlich simplen Modell bewusster Zustände. Wie Fische tief unten im Meer. Die Fische, die wir unter der Oberfläche nicht sehen können, haben genau dieselbe Gestalt, wenn sie an die Oberfläche kommen. Sie sind wie Gegenstände, die in der dunklen Dachkammer des Geistes gelagert sind. Könnte es Unbewusste Schmerzen geben?
I 188
Bsp Angenommen, wir hätten einen Fall indem wir würden Begriffe "unbewusster Schmerz" eine Verwendung hätten. Sollen wir eventuell sagen, dass während des Schlafes eigentlich kein Schmerz vorhanden war, dass er vielmehr erst beim Aufmachen einsetzte?
I 189
Oder dass er andauerte jedoch während des Schlafes unbewusst war? Searle: hier handelt es sich nicht um eine Streitfrage mit einem Sachgehalt. Es gibt einfach ein unterschiedliches Vokabular zur Beschreibung derselben Tatsache.
Freudianer bestehen darauf dass es unbewusste Geisteszustände wirklich gibt. Die Gegenseite sagt, dass Zustände, bei denen es sich wirklich um Geisteszustände handelt, dann doch wohl bewusst sein müssen.
I 190
Doch was für Tatsachen in der Welt sollen diesen beiden verschiedenen Behauptungen entsprechen? Bsp jemand kriecht unter Hypnose auf dem Boden herum. Nachdem Aufwachen wendet er eine scheinbar rationale Erklärung: etwa, dass er wohl seine Uhr irgendwo verloren haben.
Frage: was soll denn dann die Ontologie des Unbewussten genau in diesem Moment sein? Was für eine Tatsachen entspricht der Zuschreibung?
Bsp Das Motiv des pubertierenden Jungen, der gegen die Autorität der Schule revoltiert, ist so sagt man sein Vaterhass.
Dennoch müssen wir auch hier fragen: was soll denn die Ontologie des Unbewussten sein, solange es unbewusst ist?
I 190/191
Wie bei der Hypnose, muss auch hier impliziert sein, dass in der Neurophysiologie die Fähigkeit vorhanden ist, einen bewussten Gedanken mit exakt dieser Aspektgestalt hervorzubringen. (SearleVsFreud). Dann kann allem Anschein nach die ontologische Frage: "existieren unbewusste Geisteszustände wirklich?" gar keinen faktischen Sachgehalt haben.
Die Frage kann doch nur bedeuten: gibt es nichtbewusste neurophysiologischen Zustände des Gehirns, die es vermögen, bewusste Gedanken und das entsprechende Verhalten entstehen zu lassen.
Das war in Wirklichkeit gar kein ontologischer Streitpunkt.
Def Bewusstsein: Weise der Wahrnehmung von Zuständen, die in ihrer Existenzweise unbewusst sind.
Freud denkt, dass unser unbewussten Geisteszustände zugleich sowohl unbewusst als auch intrinsisch intentional sind, sogar dann, wenn sie unbewusst sind, sind sie wirklich vorhanden. Sie sind wie Möbel in der Dachkammer des Geistes, die wir mit den Taschenlampen unserer Wahrnehmung anstrahlen.
I 193
SearleVsFreud:
1. Ist das nicht in Einklang damit zu bringen, was wir über das Gehirn wissen. 2. Kann ich den Vergleich zwischen Wahrnehmung und Bewusstsein nicht so ausformulieren, dass er kohärent wird.
Zu 1.: Angenommen, ich durchlaufe einer Abfolge unbewusster Geisteszustände wenn mir jedes Bewusstsein abgeht, dann spielen sich nur neurophysiologische Vorgänge ab. Was für eine Tatsache soll es nun ausmachen, dass sie unbewusste Geisteszustände sind? Bedenken wir, welche Merkmale unbewusste Geisteszustände als Geisteszustände haben müssen: 1. eine Aspektgestalt, 2. Sie müssen in irgendeinen Sinn "subjektiv" sein.
Doch wie kann die unbewusste Neurophysiologie zu den Zeitpunkten, während denen sie unbewusst ist, Aspektgestalt und Subjektivität haben?
Freud meint offenbar, dass es außerdem noch irgend eine Beschreibungsebene gibt, auf der sie trotz ihrer vollständigen Unbewusstheit ausnahmslos alle Merkmale bewusster Geisteszustände (auch Intentionalität und Subjektivität) haben.
I 194
Das Unbewusste hat alles, was das Bewusste hat, nur minus Bewusstsein. Er hat aber nicht begreiflich gemacht, was für Ereignisse sich im Hirn über die neurophysiologischen Ereignisse hinaus abspielen könnten, um unbewusste Subjektivität und Intentionalität zu bilden. Freuds Indizien für die Existenz des Unbewussten sind immer das Verhalten des Patienten, dass so ist, als ob er sich in einem gewissen Geisteszustand befände. Und weil wir unabhängig davon wissen, dass der Patient keinen bewussten Geisteszustand dieser Art hat, postuliert Freud einen unbewussten Geisteszustand.
Ein Verifikationist würde sagen, dass dieses Postulat nur eine einzige Bedeutung hat: der Patient benimmt sich in der und der Weise, und derartiges Verhalten würde üblicherweise von einem Bewusstseinszustand verursacht. Doch Freud ist kein Verifikationist.
Es ist schwer, dafür eine Deutung zu finden, die keinen Dualismus impliziert, denn Freud postuliert ja nicht neurophysiologische Geistesphänomene.
Es sieht so aus, als habe diese Auffassung die Konsequenz, dass das Bewusstsein etwas vollständig externalistisches ist. Also nichts, was irgendeinem Bewusstseinszustand wesentlich zugehört. Die Analogie zwischen Bewusstsein und Wahrnehmung ist ein Versuch, das Bewusstsein doch noch ins Bild passen zu lassen.
I 195
Wir sind gezwungen zu postulieren, dass das Bewusstsein eine Art Wahrnehmung von Zuständen und Ereignisse ist, die ihrer intrinsischen Natur nach unbewusst sind. Doch diese Lösung führt uns vom Regen in die Traufe. Bei der Untersuchung der Introspektion hatten wir gesehen, dass das Modell der Wahrnehmung darauf beruht, dass es einen Unterschied zwischen wahrgenommenen Gegenstand und Wahrnehmungsakt gibt.
Wenn ich das Fahrrad wegnehme, bleibt mir eine Wahrnehmung, die keinen Gegenstand hat (eine Halluzination zum Beispiel). Doch genau diese Unterscheidung können wir im Fall des bewussten Gedankens nicht machen.
Es scheint sich ein unendlicher Regress zu ergeben: wie steht es mit dem Wahrnehmungsakt: ist er ein geistiges Phänomen? Wenn ja, muss er "an sich" unbewusst sein, und dann müsste ich ja wohl, um mir dieses Akts bewusst zu werden, irgendeine höhere Stufe des Akts der Wahrnehmung meines Wahrnehmungsakts brauchen.
I 195/196
Letzte Schwierigkeiten mit dieser Analogie: Wahrnehmung funktioniert, weil der wahrgenommene Gegenstand kausalen Einfluss auf mein Nervensystem ausübt. Doch wie sollte dies in dem Fall funktionieren können, in dem der wahrgenommene Gegenstand selbst ein unbewusstes Erlebnis ist?

S I
J. R. Searle
Die Wiederentdeckung des Geistes Frankfurt 1996

S II
J.R. Searle
Intentionalität Frankfurt 1991

S III
J. R. Searle
Die Konstruktion der gesellschaftlichen Wirklichkeit Hamburg 1997

S IV
J.R. Searle
Ausdruck und Bedeutung Frankfurt 1982

S V
J. R. Searle
Sprechakte Frankfurt 1983
VsFreud Wittgenstein Vs Freud, S.
 
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II 197
Witz/Freud/Wittgenstein: Theorie des Witzes: das Unbewusste ist das Unbefriedigende daran, das Hypothetische. Wenn wir lachen, ohne zu wissen warum, können wir durch Psychoanalyse herausfinden, woran es liegt. WittgensteinVsFreud: ich sehe hier eine Verwechslung von Ursache und Grund. Wenn einem klar ist, weshalb er lacht, ist er sich nicht über eine Ursache im Klaren. Andernfalls wäre die Zustimmung zu einer Analyse des Witzes, die erklären soll, weshalb man lacht, kein Mittel, um es herauszufinden. Der Erfolg der Analyse soll sich ja gerade darin zeigen, dass der Betreffende zustimmt. In der Physik gibt es nicht entsprechendes.

W II
L. Wittgenstein
Vorlesungen 1930-35 Frankfurt 1989

W III
L. Wittgenstein
Das Blaue Buch - Eine Philosophische Betrachtung Frankfurt 1984

W IV
L. Wittgenstein
Tractatus Logico Philosophicus Frankfurt/M 1960
VsFreud Verschiedene Vs Freud, S. Derrida I 101
Analogie/Artaud: sie kann uns nicht lehren, was ihr Pendant ist. (ArtaudVsFreud).
Derrida I 101
ArtaudVsFreud: die Deutung würde dem Theater seine Heiligkeit nehmen, die ihm zukommt, weil es Äußerung des Lebens in seinen elementaren Kräften ist. - - -
Lacan I 41
LacanVsFreud: gegen Herrschaft des (falschen) Ich. - nicht wo »Es« war, soll »Ich« werden, sondern das »Es« soll enthüllt und erschlossen werden, damit sich das Subjekt von dieser Exzentrizität her als ein Seiendes und Sagendes verstehen und erleben kann.
I 122
LacanVsFreud: nicht "Ich" statt "Es", sondern den Horizont des "Es spricht" neu öffnen und die Wahrheit hinter dem falschen Objektivismus hervortreten lassen. (BarthesVsLacan: es gibt kein "Dahinter". - - -
Rorty V 42
Freud/RortyVsHume: im Gegensatz zu Hume hat Freud unser Selbstbild tatsächlich umgestaltet! Wenn das Ich nicht Herr im eigenen Hause ist, so deshalb, weil es tatsächlich eine andere Person gibt! Das Unbewusste Freuds ist tatsächlich wirksam.
V 43
Es wirkt aber nicht wie ein Ding, das wir in Anspruch nehmen können, sondern wie eine Person, die uns in Anspruch nimmt. Das Ich ist von Gegenstücken von Personen bevölkert, die wir kennen müssen, um das Verhalten eines Menschen zu verstehen. DavidsonVsFreud/Rorty: Aufspaltung wird von Philosophen immer als beunruhigend empfunden. Aber: (pro Freud) es gibt keinen Grund »du glaubst unbewusst, dass p« anstelle von »es gibt etwas in dir, das bewirkt, dass du so handelst, als glaubtest du, dass p« anzunehmen.
(Unbewusstes/unbewusst/(s): „etwas in Dir...“ dann gibt es mehrere Gehirnbenutzer.)
V 62
Rorty: die größte Errungenschaft durch Freud ist der erfreuliche Charakter des ironischen, spielerischen Intellektuellen.
V 63
MacIntyreVsFreud/Rorty: die Preisgabe des aristotelischen »funktionalen Begriffs des Menschen« führt zum »Emotivismus«: zur Auslöschung jeder echten Unterscheidung zwischen manipulativen und nichtmanipulativen gesellschaftlichen Beziehungen. Rorty: er hatte recht, insofern moralische Begriffe wie »Vernunft«, »menschliche Natur« usw. nur aus aristotelischer Sicht Sinn haben.
Def Emotivismus/MacIntyre/Rorty: Werturteile nichts weiter als der Ausdruck von Vorlieben, Einstellungen oder Gefühlen.
V 64
»Vermögen«/Freud/Rorty: (laut Davidson): Freud lässt die Idee der »Vermögen« überhaupt fallen und ersetzt sie durch eine Vielzahl von Glaubens und Wunschmengen.
V 65
RortyVsMacIntyre: diese Kritik hat nur Sinn, wenn solche Urteile auch etwas anderes hätten sein können (z. B. Ausdruck einer rationalen Erkenntnis der Natur). Freud/Rorty: wenn wir uns ihn zu Herzen nehmen, brauchen wir nicht mehr zu entscheiden zwischen einem »funktionalen« aristotelischen Menschenbegriff, der in Sachen Moral maßgebend ist, und der »schrecklichen Freiheit« Sartres.
V 66
Wir können psychologische Erzählungen ohne Heldinnen oder Helden ausfindig machen. Wir erzählen die Geschichte der ganzen Maschine als Maschine, ohne zentrale, privilegierte Teile.
V 67
Würde/Maschine/Menschenwürde/Rorty: nur wenn wir glauben, Gründe haben zu müssen, um andere anständig zu behandeln, verlieren wir unsere Menschenwürde durch den Vorschlag, unsere Geschichten handelten von Mechanismen ohne Zentrum.
V 67/68
Rationalität/traditionelle Philosophie/Tradition/Rorty: glaubt tatsächlich, im tiefsten Innern (auch des Peinigers) gebe es einen Kern der Rationalität, an den ich immer appellieren könne. Freud: nennt das »die fromme Weltanschauung«.
V 69
Ethik/Moral/Psychologie/Rorty: aus einem solchen Streben ergibt sich nichts weiter als das fortgesetzte hin und her schwingende Pendel zwischen moralischem Dogmatismus und moralischem Skeptizismus.
V 70
Was die Metaphysik nicht zu leisten vermocht hat, das bringt die Psychologie (und sei sie noch so »tief«) ebenfalls nicht fertig. Man findet auch bei Freud keine Erklärung »moralischer Motive«.





De I
J. Derrida
Grammatologie Frankfurt 1993

Ro I
R. Rorty
Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997

Ro II
R. Rorty
Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000

Ro III
R. Rorty
Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992

Ro IV
R. Rorty
Eine Kultur ohne Zentrum Stuttgart 1993

Ro V
R. Rorty
Solidarität oder Objektivität? Stuttgart 1998

Ro VI
R. Rorty
Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000