Lexikon der Argumente


Philosophische Themen und wissenschaftliche Debatten
 
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Akkumulation Marx Rothbard II 419
Akkumulation/Marx/Rothbard: Welchen Weg die Marxisten auch immer einschlagen, es ist für sie von entscheidender Bedeutung, die fortgesetzte Kapitalakkumulation zu retten, da es durch diese Akkumulation zu Produktivitätssteigerungen und insbesondere zu technologischen Innovationen kommt und diese in der Wirtschaft eingeführt werden. Und wir dürfen nicht vergessen, dass sich die Kapitalisten durch technologische Innovationen ihr eigenes Grab schaufeln, denn das kapitalistische System und die kapitalistischen Verhältnisse werden zu den Fesseln, die die technologische Entwicklung blockieren. Eine technologische Methode, die der Kapitalismus nicht erfassen kann und die Marx in seinem späten Leben für die Elektrizität hielt, würde den Funken, die notwendige und ausreichende Grundlage für den unvermeidlichen Umsturz des Kapitalismus und die Machtergreifung durch die „letzte“ historische Klasse, das Proletariat, liefern. Für Marx ergeben sich aus der angeblichen Tendenz zur Kapitalakkumulation und dem technischen Fortschritt zwangsläufig zwei Konsequenzen. Die erste ist die „Konzentration des Kapitals“, womit Marx die unaufhaltsame Tendenz jedes Unternehmens meinte, immer größer zu werden, die Produktionsskala zu erweitern.(1) Sicherlich gibt es in der modernen Welt eine große Ausweitung der Skala von Anlagen und Unternehmen.
RothbardVsMarx: Auf der anderen Seite ist das Gesetz kaum apodiktisch. Warum kann sich die Kapitalakkumulation nicht in einem Wachstum der Zahl der Unternehmen widerspiegeln und nicht nur in einer Vergrößerung der einzelnen Unternehmen?
>Kapitalismus/Marx.

1. So schrieb Marx in Band I des Kapitals: „Es ist ein Gesetz, das sich aus dem technischen Charakter der Produktion ergibt, dass das Minimum des Kapitals, das der Kapitalist besitzen muss, immer mehr zunehmen muss“, und „die Entwicklung der kapitalistischen Produktion macht es notwendig, die Menge des in einem bestimmten industriellen Unternehmen angelegten Kapitals ständig zu erhöhen“. ((s) Rückübersetzt aus der Englischen Ausgabe von Rothbard). Vgl.. C David Conway, A Farewell to Marx: An Outline and Appraisal of His Theories (Harmondsworth, Mddx: Penguin Books, 1987), pp. 126-7.

Marx I
Karl Marx
Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957

Rothbard II
Murray N. Rothbard
Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995

Rothbard III
Murray N. Rothbard
Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009

Rothbard IV
Murray N. Rothbard
The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988

Rothbard V
Murray N. Rothbard
Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977
Anerkennung Honneth Brocker I 789
Anerkennung/Honneth: Honneth These: Eine bestimmte Form des Verhältnisses
Brocker I 790
zwischen Individuen hat eine für gesellschaftliche Wirklichkeit konstitutive Bedeutung. Die intersubjektive Praxis, in der Menschen sich wechselseitig als Bedürftige, gleichberechtigte und einzigartige Subjekte anerkennen (oder aber sich diese Anerkennung verweigern), bildet gleichsam den Grundbaustein sozialen Lebens. Sie ist Grundlage der Identität von Individuen, wesentlicher Gegenstand sozialer Interaktionen und Auseinandersetzungen und wichtigster Motor gesellschaftlicher Entwicklung. Die praktische Logik sozialer Prozesse folgt daher eine „moralischen Grammatik“ die sich aus den Ansprüchen von Individuen auf die gesellschaftliche Anerkennung ihrer Identität sowie aus den sozialen Kämpfen um diese Ansprüche ergibt.
>Identität/Honneth, Anerkennung/Hegel, Intersubjektivität/Hegel.
Brocker I 796
HonnethVsMead/HonnethVsHegel: Als negative Äquivalente der positiven Aspekte Liebe, Recht und Solidarität müssen auch die Phänomene der Vergewaltigung, Entrechtung und Entwürdigung in einer empirischen Theorie der Anerkennung betrachtet werden. Es sind nämlich solche Erfahrungen der Missachtung, die für soziale Akteure überhaupt erst „die Tatsache vorenthaltener Anerkennung sozial erfahrbar machen“. (1) Drei Grundformen der Anerkennung/Honneth: 1. Stufe: elementare intersubjektives Grundmuster von Liebe und Freundschaft: dieses bildet sich bei Hegel exemplarisch in der Beziehung zwischen Eltern und Kindern.(2) Hier erkennen sich Individuen in ihrer konkreten Bedürfnis- und Affektnatur und der diesbezüglichen Abhängigkeit voneinander an.
Brocker I 797
Die elementare Form der Anerkennung bildet sich in der Beziehung der Liebe heraus (siehe Liebe/Honneth). Diese Form kann aber „nicht beliebig auf eine größere Zahl von Interaktionspartnern übertragen.“(3)
Brocker I 798
2. Stufe Sozialisation, Siehe Recht/Honneth, Recht/Hegel, Sozialisation/Honneth. 3. Stufe: Solidarität: siehe Selbstachtung/Honneth.
Brocker I 800
Zu Problemen: Hier geht es um die geforderte Integration des Anerkennungsproblems in einen gesamtgesellschaftlichen moralisch-sittlichen Orientierungshorizont. HonnethVsMead, HonnethVsMarx, HonnethVsSartre, HonnethVsSorel: siehe (4). >Politik/Honneth.

1. Axel Honneth, Kampf um Anerkennung. Zur moralischen Grammatik sozialer Konflikte, mit einem neuen Nachwort, Frankfurt/M. 2014 (zuerst 1992) S. 150.
2. Ebenda S. 34.
3. Ebenda S. 174
4. Ebenda S. 237, 241, 247f, 253f.
Hans-Jörg Sigwart, „Axel Honneth, Kampf um Anerkennung“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Honn I
A. Honneth
Das Ich im Wir: Studien zur Anerkennungstheorie Frankfurt/M. 2010

Honn II
Axel Honneth
Kampf um Anerkennung. Zur moralischen Grammatik sozialer Konflikte Frankfurt 2014

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Arbeit Arendt Brocker I 359
Arbeit/Arendt: Frage: Wie konnte es dazu kommen, dass Arbeit als höherwertig eingestuft wurde denn öffentliches Sprechen, dass das Herstellen an die Stelle des Handelns trat? Während man im Altertum die Arbeit verachtet habe, sei sie in der Neuzeit zur Grundlage des Lebens aller erklärt worden und, mehr noch, zur Grundlage eines sinnvollen Lebens. >Sinn, >Leben, >Handlungen.
ArendtVsMarx: Arbeit „schafft“ nichts. Arbeit habe keinen Bezug zur Welt außerhalb des Arbeitszyklus.
>Kreativität.

Antonia Grunenberg, „Hannah Arendt, Vita Activa oder Vom tätigen Leben“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018


Arendt I
H. Arendt
Crises of the Republic: Lying in Politics. Civil Disobedience. On Violence. Thoughts on Politics and Revolution Boston 1972

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Arbeit Sraffa Kurz I 151
Arbeit/Sraffa/Kurz: (...) Sraffa war zu Beginn seiner konstruktiven Arbeit überzeugt, dass diese [die Begriffe der Arbeit und der Arbeitswerttheorie] für das Versagen der früheren Autoren standen, eine kohärente Wert- und Verteilungstheorie zu entwickeln. Der richtige Ausgangspunkt, so betonte er, sei der von Petty, der die Existenzmittel der Arbeiter, ihre „Nahrung“, und nicht die Arbeit, als das „letzte Maß des Wertes“ herausgestellt habe. SraffaVsRicardo/SraffaVsMarx: Sraffa warf Ricardo und Marx vor, den Begriff der physischen Realkosten „korrumpiert“ zu haben (siehe z. B. D3/12/4: 2)(1). Noch 1929 betrachtete er die Arbeit als „überhaupt keine Größe“ und bezeichnete den Begriff als „metaphysisch“ (siehe z. B. D3/12/l I : 64)(1). Er stellte die Sonderbehandlung der Arbeit eines Lohnarbeiters im Vergleich zu der eines Sklaven, eines Pferdes oder einer Maschine in Frage, wie sie von einigen klassischen Autoren und auch von Marshall vertreten wurde, und behauptete, dass „es eine rein mystische Vorstellung ist, die der menschlichen Arbeit eine besondere Gabe der Wert zu bestimmen“ (D3/12/9: 89)(1).

1. Entnommen aus den Arbeiten, die Sraffa in den Jahren 1927-1931 durchführte (unveröffentlichte Dokumente).


Kurz, Heinz D. „Keynes, Sraffa, and the latter’s “secret skepticism“. In: Kurz, Heinz; Salvadori, Neri 2015. Revisiting Classical Economics: Studies in Long-Period Analysis (Routledge Studies in the History of Economics). London, UK: Routledge

Sraffa I
Piero Sraffa
Production of Commodities by Means of Commodities. Prelude to a Critique of Economic Theory (Cambridge: Cambridge University Press). Cambridge 1960

Kurz I
Heinz D. Kurz
Neri Salvadori
Revisiting Classical Economics: Studies in Long-Period Analysis (Routledge Studies in the History of Economics). Routledge. London 2015
Darwinismus Marx Rothbard II 362
Darwinismus/Engels/Marx/Rothbard: Das Konzept [des „dialektischen Materialismus“] wurde von Engels, der von den beiden Gründern besonders an den Naturwissenschaften interessiert war, auf die Biologie angewandt. Auf die Biologie angewandt, wie Engels es im Anti-Dühring tat, hat der dialektische Materialismus einen unverkennbar verrückten Anstrich. In ultrahegelianischer Manier werden die Logik und die logischen Widersprüche oder „Negationen“ hoffnungslos mit den Prozessen der Wirklichkeit verwechselt. So entstehen Schmetterlinge „aus dem Ei durch Negation [oder Transzendenz] des Eies... sie werden wieder negiert, wenn sie sterben“. Und „das Gerstenkorn... wird negiert und von der Gerstenpflanze, der Negation des Korns, verdrängt... Die Pflanze wächst... wird fruchtbar und bringt wieder Gerstenkörner hervor, und sobald diese reif sind, verwelkt die Ähre, wird negiert. Als Ergebnis dieser Negation der Negation haben wir das ursprüngliche Gerstenkorn... in einer zehn-, zwanzig- oder dreißigfachen Menge gewonnen“.(1) Marx/Rothbard: Darüber hinaus war auch Marx selbst, und nicht nur Engels, sehr an Darwin und der biologischen Wissenschaft interessiert. Marx schrieb an Engels, dass Darwins Werk „mir als naturwissenschaftliche Grundlage für den Klassenkampf in der Geschichte dient“ und dass „dies das Buch ist, das die naturgeschichtliche Grundlage für unsere Auffassung enthält“.(2)
Dialektik/RothbardVsMarx: Indem er die Dialektik in materialistischen und atheistischen Begriffen neu formulierte, gab Marx jedoch den mächtigen Motor der Dialektik auf, wie sie im Laufe der Geschichte wirkte: entweder den christlichen Messianismus oder die Vorsehung oder das wachsende Selbstbewusstsein des Weltgeistes.

1. Engels, Anti-Dühring, zitiert in Ludwig von Mises, Theory and History (3rd ed., Auburn, Ala.: Ludwig von Mises Institute, 1985), p. 105. Siehe auch den sardonischen Kommentar zu diesem Abschnitt von Alexander Gray, The Socialist Tradition (London: Longmans, Green, 1946), p. 300n.
2. Marx to Engels, 16 Jan. 1861 and 19 Dec. 1860. Siehe Gary North, Marx's Religion of Revolution: Regeneration Through Chaos (2nd ed., Tyler, Texas: Institute for Christian Economics, 1989), pp. 89n-90n.

Marx I
Karl Marx
Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957

Rothbard II
Murray N. Rothbard
Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995

Rothbard III
Murray N. Rothbard
Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009

Rothbard IV
Murray N. Rothbard
The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988

Rothbard V
Murray N. Rothbard
Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977
Dialektik Hegel Bubner I 75
Dialektik/Platon/Hegel/Bubner: Wahre Dialektik ist nicht Streitsucht verschiedener wechselnder Gesichtspunkte, sondern eine notwendige Bewegung im Innern des Erfassens der Wirklichkeit. Ironie/Sokrates/Hegel/Bubner: Die sokratische Methode bringe (laut Hegel) jeden selber zum Nachdenken und erzeuge so eine Distanz zur je gegebenen Unmittelbarkeit, die nicht auf willkürlichem Eingriff beruhe.
Mit ihr gelingt die Zurücknahme des subjektiven Stellungbeziehens. Den Dingen selber wird Platz geschafft. Der Dogmatismus einseitiger Aspekte zerstört sich selbst. So lässt die Dialektik alles gelten, und die innere Zerstörung sich daran entwickeln.
I 76
Ironie/Friedrich Schlegel: Nach Schlegel ist die Ironie so die höchste Weise des Verhaltens des Geistes. >Ironie.
Bubner: Dialektik als" Ironie der Welt" ist dann das Gegenstück zur Selbstherrlichkeit des modernen Ich mit seiner alles zersetzenden Reflexion.
>Reflexion.
I 77
HegelVsPlaton: Plaon blieb auf halbem Wege stehen. Er bewegte sich unentschieden zwischen der subjektiven und der objektiven Dialektik, d.h. der geschmeidigen Reflexion, derer wir alle fähig sind, und der Zwangsläufigkeit im Darlegen eines Zusammenhangs der Unverträglichkeit. Das ist eine Übersetzungsaufgabe (der subjektiven in die objektive Dialektik) die durch die sokratische Ironie geleistet werden kann. "Allgemeine Ironie der Welt".

Wright I 21
Dialektik/Hegel/Marx/Wright, G. H.: Das dialektische Schema der Entwicklung durch These, Antithese und Synthese ist kein kausalistisches Denkmuster. Die Hegelschen und Marxschen Begriffe von Gesetz und Entwicklung kommen dem näher, was wir Muster begrifflicher oder logischer Verknüpfungen nennen würden.
Wright I 154
G. H. von WrightVsMarx: Marx zeigt eine deutliche Ambivalenz zwischen einerseits einer „kausalistischen“, „szientistischen“ und andererseits einer „hermeneutisch-dialektischen“, „teleologischen“ Orientierung. Diese Ambivalenz gibt Anlass zu radikal verschiedenen Interpretationen seiner philosophischen Aussagen. >Kausalität, >Hermeneutik, >Teleologie.

Gadamer I 471
Dialektik/Hegel/Gadamer: Das spekulative Verhältnis muss (...) in dialektische Darstellung übergehen. Das ist nach Hegel die Forderung der Philosophie. >Spekulation/Hegel, >Prädikation/Hegel.
Was hier Ausdruck und Darstellung heißt, ist freilich nicht eigentlich ein beweisendes Tun, sondern die Sache selbst be-
Gadamer I 472
weist sich, indem sie sich so ausdrückt und darstellt. So wird Dialektik auch wirklich erfahren, dass dem Denken der Umschlag in sein Gegenteil als eine unbegreifliche Umkehrung widerfährt. Ausdruck: Die Dialektik ist der Ausdruck des Spekulativen, die Darstellung dessen, was im Spekulativen eigentlich darin liegt, und insofern das “wirklich“ Spekulative.
Beweis: Sofern nun aber (...) die Darstellung kein hinzukommendes Tun, sondern das Herauskommen der Sache selbst ist, gehört der philosophische Beweis selbst mit zur Sache.
Darstellung: (...) nichtsdestotrotz ist solche Darstellung in Wahrheit gar nicht äußerlich.
Sie hält sich nur dafür, solange das Denken nicht weiß, dass es sich selbst am
Ende als >Reflexion der Sache in sich erweist. Dazu stimmt, dass Hegel den Unterschied von spekulativ und dialektisch nur in der Vorrede zur Phänomenologie betont. Weil sich dieser Unterschied der Sache nach selber aufhebt wird er von Hegel später, auf dem Standpunkt des absoluten >Wissens, nicht mehr festgehalten. >Spekulation/Hegel, >Denken/Hegel.

Bu I
R. Bubner
Antike Themen und ihre moderne Verwandlung Frankfurt 1992

WrightCr I
Crispin Wright
Wahrheit und Objektivität Frankfurt 2001

WrightCr II
Crispin Wright
"Language-Mastery and Sorites Paradox"
In
Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976

WrightGH I
Georg Henrik von Wright
Erklären und Verstehen Hamburg 2008

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Dialektik Marx Wright I 21
Dialektik/Hegel/Marx/Wright, G. H.: das dialektische Schema der Entwicklung durch These, Antithese und Synthese ist kein kausalistisches Denkmuster. Die Hegelschen und Marxschen Begriffe von Gesetz und Entwicklung kommen dem näher, was wir Muster begrifflicher oder logischer Verknüpfungen nennen würden.
I 154
G. H. von WrightVsMarx: Marx zeigt eine deutliche Ambivalenz zwischen einerseits einer „kausalistischen“, „szientistischen“ und andererseits einer „hermeneutisch-dialektischen“, „teleologischen“ Orientierung. Diese Ambivalenz gibt Anlass zu radikal verschiedenen Interpretationen seiner philosophischen Aussagen. Vgl. >Hermeneutik, >Teleologie.

Marx I
Karl Marx
Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957

WrightCr I
Crispin Wright
Wahrheit und Objektivität Frankfurt 2001

WrightCr II
Crispin Wright
"Language-Mastery and Sorites Paradox"
In
Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976

WrightGH I
Georg Henrik von Wright
Erklären und Verstehen Hamburg 2008
Eigentum Arendt Brocker I 358
Eigentum/Besitz/ArendtVsMarx/Arendt: Marx setze fälschlich Eigentum mit Besitz gleich. Demgegenüber verwendet Arendt eine Eigentumsdefinition, die dieses weitgehend auf »Haus und Hof« bezieht. Mit John Locke und anderen liberalen Denkern besteht sie darauf, dass sich Besitz qualitativ von Eigentum unterscheide. Besitz sei aufgehäuftes aufgehäuftes Eigentum, das weit über die Befriedigung des persönlich Notwendigen hinausgehe. >K. Marx, >J. Locke, >Liberalismus.

Antonia Grunenberg, „Hannah Arendt, Vita Activa oder Vom tätigen Leben“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Arendt I
H. Arendt
Crises of the Republic: Lying in Politics. Civil Disobedience. On Violence. Thoughts on Politics and Revolution Boston 1972

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Ende der Geschichte Fukuyama Brocker I 805
Geschichte/Fukuyama: Fukuyamas These vom „Ende der Geschichte“ bezieht sich auf den Zusammenbruch der Sowjetunion und das Ende des Ost-West-Konfliktes bzw. des Kalten Krieges. Dieser Endpunkt ist durch den Sieg eines liberal-marktwirtschaftlichen
Brocker I 806
und demokratischen Systems westlicher Prägung über alternative Ordnungsmodelle gekennzeichnet. Der Titel speilt sowohl auf Hegels als auch auf Marx‘ gleichnamige These an. Geschichte/Hegel: Hegel sah in der Durchsetzung eines liberalen Staates das Ende der Geschichte
Geschichte/MarxVsHegel/Marx: das Ende der Geschichte ist erst mit der weltweiten Durchsetzung des Kommunismus erreicht.
FukuyamaVsMarx: Die Durchsetzung von Demokratie und Kapitalismus stehe am Ende der Geschichte.
Demokratie/Kapitalismus/Fukuyama: beide haben sich durchgesetzt, weil sie zwei Grundbedürfnisse des Menschen am besten befriedigen:
Kapitalismus/Fukuyama: ist das Wirtschaftssystem, das am besten eine effiziente Güterallokation unter den Bedingungen der Knappheit erreicht.
Demokratie/Fukuyama: ist das Ordnungsmodell, das das menschliche Bedürfnis nach sozialer Anerkennung relativ gesehen besser befriedigt als andere Systeme.
Fukuyama prophezeit keinen schnellen Sieg der Demokratie. Der Kampf um sie wird zwischen einer sogenannten post-historischen Welt (in den Industriestaaten des Globalen Nordens) und einer historischen Welt (in den sich industrialisierenden Staaten des Globalen Südens) weiterhin ausgetragen. Siehe Demokratie/Fukuyama.
Brocker I 811
VsFukuyama: Seine Thesen wurden als nicht besonders eigenständig rezipiert. Es wurde darauf hingewiesen, dass sie bereits bei Alexandre Kojève vorhanden sind.(1) Siehe auch Herrschaft/Knechtschaft/Kojève. Vielen Kritikern schien Fukuyamas Buch insgesamt zu pessimistisch.
VsFukuyama: 1. Die empirische Stichhaltigkeit seiner Geschichtsdarstellung wurde in Zweifel gezogen.
Brocker I 812
FukuyamaVsVs: Seine These sei nicht deskriptiv sondern normativ zu Verstehen. 2. Fukuyamas Interpretation des geschichtlichen Prozesses als Fortschritt wurde kritisiert.
3. Die gleiche Empirie kann auch anders interpretiert werden als es durch Fukuyama geleistet wurde.

1. Shadia B. Drury, „The End of History and the New World Order“, in: International Journal 48/1, 1992/93, S. 80-99.

Anja Jetschke, „Francis Fukuyama, Das Ende der Geschichte“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

PolFuku I
Francis Fukuyama
The End of History and the Last Man New York 1992

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Freiheit Marx Höffe I 365
Freiheit/Notwendigkeit/Marx/Höffe: Marx übernimmt eine traditionelle (...) Zweiteilung: die Trennung eines der Arbeit unterworfenen Reiches der Notwendigkeit von einem der Arbeit enthobenen Reich der Freiheit.(1) Vom Elend der damaligen Fabrikarbeiter überwältigt, sucht er nicht nach den in der Arbeit innewohnenden Freiheitschancen, die in der Ausbildung und Fortbildung sowie der in die Arbeit eingesenkten Möglichkeiten der Kommunikation und wechselseitigen Anerkennung liegen.
Vielmehr konstatiert er, nicht zu Unrecht, das zur Arbeit gehörende Moment des Zwanges.
HöffeVsMarx: Wenn er jedoch moniert, dass die Arbeit nicht die eigenen Bedürfnisse befriedigt, sondern über die Waren nur die Bedürfnisse anderer, berücksichtigt er nicht, dass auch der Arbeiter Waren benötigt, die er sich über das Tauschmedium des Geldes, wenn er denn genug davon hat, beschaffen kann.
>Mensch/Marx.

1. K. Marx, Ökonomisch-philosophische Manuskripte (1844) (Pariser Manuskripte)

Marx I
Karl Marx
Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957
Geld Marx Mause I 299
Geld/Marx: Marx These: Geld bedeute Herrschaft über andere und könne zu Ausbeutung und Verelendung führen: „Da dem Geld nicht anzusehen, was in es verwandelt ist, verwandelt sich alles, Ware oder nicht, in Geld. Alles wird verkäuflich und kaufbar … Wie im Geld aller qualitativer Unterschied der Waren ausgelöscht ist, löscht es seinerseits als radikaler Leveller alle Unterschiede aus.“ (Marx [1867]/1957.(1) VsMarx: Allgemeine Kritik an Marx‘ Geldtheorie:
Tendenzieller Fall der Profitrate: gilt heute als weitgehend widerlegt.
Geld in der Praxis: anders als von Marx prognostiziert, konnten auch kommunistische Staaten nicht auf Geld verzichten.(2)
Macht/Marx: Der Gedanke, dass Geldbesitz mit Macht verbunden ist, ist bis heute aktuell.
>Kommunismus, >Sozialismus, >Marxismus, >Tausch, >Ware.

1. Marx, Karl. Das Kapital, Kritik der politischen Ökonomie. Berlin 1867/ 1957.
2. Dirk Wentzel, Geldordnung und Systemtransformation: Ein Beitrag zur ökonomischen Theorie der Geldverfassung. Schriften zum Vergleich von Wirtschaftsordnungen, Bd. 50. Stuttgart/ Jena/ New York 1995.

Marx I
Karl Marx
Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Geschichte Fukuyama Brocker I 805
Geschichte/Fukuyama: Fukuyamas These vom „Ende der Geschichte“ bezieht sich auf den Zusammenbruch der Sowjetunion und das Ende des Ost-West-Konfliktes bzw. des Kalten Krieges. Dieser Endpunkt ist durch den Sieg eines liberal-marktwirtschaftlichen
Brocker I 806
und demokratischen Systems westlicher Prägung über alternative Ordnungsmodelle gekennzeichnet. Der Titel speilt sowohl auf Hegels als auch auf Marx‘ gleichnamige These an. Geschichte/Hegel: Hegel sah in der Durchsetzung eines liberalen Staat4es das Ende der Geschichte
Geschichte/MarxVsHegel/Marx: das Ende der Geschichte ist erst mit der weltweiten Durchsetzung des Kommunismus erreicht.
FukuyamaVsMarx: Die Durchsetzung von Demokratie und Kapitalismus stehe am Ende der Geschichte.
Demokratie/Kapitalismus/Fukuyama: beide haben sich durchgesetzt, weil sie zwei Grundbedürfnisse des Menschen am besten befriedigen:
Kapitalismus/Fukuyama: ist das Wirtschaftssystem, das am besten eine effiziente Güterallokation unter den Bedingungen der Knappheit erreicht.
Demokratie/Fukuyama: ist das Ordnungsmodell, das das menschliche Bedürfnis nach sozialer Anerkennung relativ gesehen besser befriedigt als andere Systeme.
Fukuyama prophezeit keinen schnellen Sieg der Demokratie. Der Kampf um sie wird zwischen einer sogenannten post-historischen Welt (in den Industriestaaten des Globalen Nordens) und einer historischen Welt (in den sich industrialisierenden Staaten des Globalen Südens) weiterhin ausgetragen. Siehe >Demokratie/Fukuyama.
Brocker I 811
VsFukuyama: Seine Thesen wurden als nicht besonders eigenständig rezipiert. Es wurde darauf hingewiesen, dass sie bereits bei Alexandre Kojève vorhanden sind. (1) Siehe auch >Herrschaft/Knechtschaft/Kojève. Vielen Kritikern schien Fukuyamas Buch insgesamt zu pessimistisch.
VsFukuyama: 1. Die empirische Stichhaltigkeit seiner Geschichtsdarstellung wurde in Zweifel gezogen.
Brocker I 812
FukuyamaVsVs: Seine These sei nicht deskriptiv sondern normativ zu Verstehen. 2. Fukuyamas Interpretation des geschichtlichen Prozesses als Fortschritt wurde kritisiert.
3. Die gleiche Empirie kann auch anders interpretiert werden als es durch Fukuyama geleistet wurde.

1. Shadia B. Drury, „The End of History and the New World Order“, in: International Journal 48/1, 1992/93, S. 80-99.

Anja Jetschke, „Francis Fukuyama, Das Ende der Geschichte“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

PolFuku I
Francis Fukuyama
The End of History and the Last Man New York 1992

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Geschichte Marx Rothbard II 417
Geschichte/Ökonomie/Marx/Rothbard: (...) Marx war nicht besonders an erklärenden Gesetzen für die Funktionsweise des kapitalistischen Systems interessiert. Er war daran interessiert, zu dem vorzudringen, was er die 'Bewegungsgesetze' (ein entlarvender mechanistischer Begriff!) des kapitalistischen Systems nannte, d.h. an seinem Das heißt, an seinem unvermeidlichen Marsch zum Sieg des revolutionären Kommunismus, einem Marsch, der „mit der Unerbittlichkeit der Naturgesetze“ verlaufen würde. Wie und wohin sollte sich der Kapitalismus also bewegen? Ein entscheidender Aspekt des unausweichlichen Untergangs des Kapitalismus ist das unausweichliche Gesetz der sinkenden Profitrate.
>Profitrate/Marx.
Rothbard II 419
Akkumulation/Marx: Welchen Weg die Marxisten auch immer einschlagen, es ist für sie von entscheidender Bedeutung, die fortgesetzte Kapitalakkumulation zu retten, da es durch diese Akkumulation zu Produktivitätssteigerungen und insbesondere zu technologischen Innovationen kommt und diese in der Wirtschaft eingeführt werden. Und wir dürfen nicht vergessen, dass sich die Kapitalisten durch technologische Innovationen ihr eigenes Grab schaufeln, denn das kapitalistische System und die kapitalistischen Verhältnisse werden zu den Fesseln, die die technologische Entwicklung blockieren. Eine technologische Methode, die der Kapitalismus nicht erfassen kann und die Marx in seinem späten Leben für die Elektrizität hielt, würde den Funken, die notwendige und ausreichende Grundlage für den unvermeidlichen Umsturz des Kapitalismus und die Machtergreifung durch die „letzte“ historische Klasse, das Proletariat, liefern. Für Marx ergeben sich aus der angeblichen Tendenz zur Kapitalakkumulation und dem technischen Fortschritt zwangsläufig zwei Konsequenzen. Die erste ist die „Konzentration des Kapitals“, womit Marx die unaufhaltsame Tendenz jedes Unternehmens meinte, immer größer zu werden, die Produktionsskala zu erweitern.(1) Sicherlich gibt es in der modernen Welt eine große Ausweitung der Skala von Anlagen und Unternehmen.
RothbardVsMarx: Auf der anderen Seite ist das Gesetz kaum apodiktisch. Warum kann sich die Kapitalakkumulation nicht in einem Wachstum der Zahl der Unternehmen widerspiegeln und nicht nur in einer Vergrößerung der einzelnen Unternehmen?

1. So schrieb Marx in Band I des Kapitals: „Es ist ein Gesetz, das sich aus dem technischen Charakter der Produktion ergibt, dass das Minimum des Kapitals, das der Kapitalist besitzen muss, immer mehr zunehmen muss“, und „die Entwicklung der kapitalistischen Produktion macht es notwendig, die Menge des in einem bestimmten industriellen Unternehmen angelegten Kapitals ständig zu erhöhen“. ((s) Rückübersetzt aus der Englischen Ausgabe von Rothbard). Vgl.. C David Conway, A Farewell to Marx: An Outline and Appraisal of His Theories (Harmondsworth, Mddx: Penguin Books, 198 7), pp. 126-7.


Höffe I 368
Geschichte/Marx/Höffe: [Marx](1) beginnt mit der Analyse von Ware und Geld als den sachlichen Voraussetzungen und formalen Elementen. Er gesteht dem Kapital die welthistorische Aufgabe zu, alle Produktivkräfte der Arbeit zu entwickeln. Andererseits verhindere es aber, was für eine wahrhaft humane Wirtschaft unverzichtbar sei: dass die Arbeit bzw. der Arbeiter zum Subjekt der gesellschaftlichen Prozesse werde. Determinismus: In freier Anleihe bei Hegels Geschichtsphilosophie denkt Marx deterministisch. Denn seines Erachtens erfolgt die angeblich schwerlich zu leugnende «Verelendung der Massen» nach einem Mechanismus, der zwangsläufig in einer Selbstaufhebung des Kapitals mündet. Es komme nämlich zu einer wachsenden Konzentration des Kapitals, in dessen Verlauf mehr und mehr Kapitaleigner enteignet werden, was eine offensichtliche Folge haben soll: Mit zunehmendem Elend wächst die Empörung einer immer größeren organisierten Arbeiterschaft.
>Geschichte/Hegel, >Weltgeschichte/Hegel, >Weltgeist/Hegel.

1. K. Marx Das Kapital Bd I 1867, Bd II u. II 1885 (= MEW 23-25)


Gaus I 80
Geschichte/Marx/Levine, Andrew: Hegels Geschichtsphilosophie war natürlich die unmittelbare Inspiration für Marx' Versuch, die Geschichte als solche zu verstehen. Aber Marx brach mit Hegel und der gesamten Tradition, in der sein Werk gipfelte, indem er die Teleologie und damit das Projekt, herauszufinden, was historische Ereignisse bedeuten, ablehnte. Marx behielt Hegels Sinn für die Verständlichkeit der Geschichte bei; er versuchte, eine Darstellung der realen historischen Strukturen und der Richtung des historischen Wandels zu liefern. MarxVsHegel: Aber für Marx ist Geschichte so bedeutungslos wie die Natur. Wie auch die Natur hat sie Eigenschaften, die unabhängig von den Interessen der Forscher sind und die prinzipiell bekannt sein können. Die Geschichtsphilosophen, insbesondere Hegel, hatten Aspekte der realen Geschichte erfasst, aber durch die verzerrende Linse ihrer eigenen teleologischen Überzeugungen. Marx gab ihnen Recht, ohne dem Atheoretizismus der zeitgenössischen Historiker zu erliegen.
>Geschichte/Hegel.
Geschichte/MarxismusVsMarx: Bei allen Unterschieden waren sich die westlichen Marxisten einig, dass sie sich von der Marx'schen Geschichtstheorie distanzierten. Die historisch-materialistische Orthodoxie der Zweiten und Dritten Internationale war in den Augen der westlichen Marxisten zu fatalistisch, um die Musterung zu bestehen. Sie versäumte es, der menschlichen Handlungsweise die ihr gebührende Bedeutung beizumessen. Ihr Bekenntnis zur historischen Unvermeidbarkeit schien sogar die Idee der Politik selbst zu überflüssig zu machen. Wenn das Ende bereits gegeben ist, kann man vielleicht sein Kommen beschleunigen, aber nichts kann das Endergebnis grundlegend ändern. Dies, so schien es ihnen, war eine Formel für die Stille, für das passive Abwarten der Revolution. Aber der historische Materialismus, den die westlichen Marxisten bemängelten, war nicht gerade der historische Materialismus, den Cohen verteidigte. >Geschichte/Cohen.

Levine, Andrew 2004. A future for Marxism?“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications.

Marx I
Karl Marx
Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957

Rothbard II
Murray N. Rothbard
Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995

Rothbard III
Murray N. Rothbard
Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009

Rothbard IV
Murray N. Rothbard
The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988

Rothbard V
Murray N. Rothbard
Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Herrschaft Gramsci Brocker I 712
Herrschaft/GramsciVsMarx/Gramsci: Gramsci plädiert für ein vielschichtiges Verhältnis von Herrschaft und Unterordnung. Gramsci These: Eine subalterne Gruppe wird nicht allein durch die ökonomischen Verhältnisse marginalisiert, sondern ist von heterogenen Ausschließungen betroffen. Gramsci nennt die unterdrückten Klassen abwechselnd „classi subalterne“, „classi subordinate“ und „classi strumentali“. Diese Differenzierung könne nur im Zusammenhang mit den dominanten Gesellschaftsgruppen verstanden werden. Die dominanten Gesellschaftsgruppen realisieren ihre historische Einheit im Staat, d.h. in der Kombination von politischer und ziviler Gesellschaft.
Im Kontrast dazu bilden die subalternen Klassen eine fragmentierte Gruppierung, die durch mangelnde Autonomie und strukturelle und ökonomische Ausgrenzung gekennzeichnet ist.
Lösung/Gramsci: Das politische Ziel ist es, die Fragmentierung der subalternen Gruppen durch Organisation und durch eine Allianz zwischen Arbeitern und ländlichen Massen zu überwinden.(1)
>Ch. Spivak.

1.Vgl. Antonio Gramsci, Gefängnishefte, Kritische Gesamtausgabe, Bd. 9. Hefte 22 bis 29, hg.v. Wolfgang Fritz Haug/Klaus Bochmann, Hamburg 1999 (ital. zuerst 1934).

Nikita Dhawan, Gayatri Chakravorty Spivak “Can the subaltern speak?” in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

PolGram I
Antonio Gramsci
Gefängnishefte
In
Kritische Gesamtausgabe Bd. 9, Wolfgang Fritz Haug/Klaus Bochmann Hamburg 1999

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Herrschaft/Knechtschaft Marx Rothbard II 393
Herrschaft-Knechtschaft-Dialektik/Marx/RothbardVsMarx/Rothbard: Seltsamerweise haben weder Marx noch seine Kritiker je begriffen, dass es einen Ort in der Wirtschaft gibt, an dem die Marxsche Theorie der Ausbeutung und des Mehrwerts Anwendung findet: nicht auf die Beziehung zwischen Kapitalist und Arbeiter auf dem Markt, sondern auf die Beziehung zwischen Herr und Sklave in der Sklaverei. Da die Herren die Sklaven besitzen, zahlen sie ihnen in der Tat nur ihren Existenzlohn: genug, um zu leben und sich zu vermehren, während die Herren den Überschuss des Grenzprodukts der Sklaven über ihre Lebenshaltungskosten einstecken. Dieser dem Sklaven entzogene Mehrwert macht den Gewinn der Herren aus dem Sklaveneigentum. In der freien Gesellschaft hingegen stecken die Arbeiter, die ihren eigenen Körper und ihre eigene Arbeitskraft besitzen, ihr volles Grenzprodukt ein (abzüglich, wie ein Österreicher hinzufügen würde, der Zinserträge, die die Arbeiter freiwillig und bereitwillig an die Kapitalisten zahlen, weil sie ihnen den Wert ihrer Produktion jetzt vorstrecken und nicht warten, bis das Produkt produziert und verkauft ist). Vgl. >Werttheorie der Arbeit/Marx.
RothbardVsMarx: Dennoch ist der Prozess der Kapitalisierung auf dem Markt so, dass in einem System der Sklaverei inmitten einer allgemeinen Marktwirtschaft (wie im amerikanischen Süden) der Mehrwert kapitalisiert wird (indem der Wert und damit der Verkaufs- oder Ankaufspreis der Sklaven in die Höhe getrieben wird). Langfristig wird das Geschäft mit der Sklaverei eine Rendite abwerfen, die der jeder anderen Industrie entspricht. Die überschüssigen Gewinne werden in die allgemeine Kapitalrendite einfließen.

Marx I
Karl Marx
Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957

Rothbard II
Murray N. Rothbard
Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995

Rothbard III
Murray N. Rothbard
Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009

Rothbard IV
Murray N. Rothbard
The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988

Rothbard V
Murray N. Rothbard
Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977
Historischer Materialismus Marx Rothbard II 372
Historischer Materialismus/Marx/Rothbard: Die Grundlage des historischen Materialismus und der Marxschen Geschichtsauffassung ist das Konzept der „materiellen Produktivkräfte“. Diese „Kräfte“ sind die treibende Kraft, die alle historischen Ereignisse und Veränderungen hervorbringt. Was sind nun diese „materiellen Produktivkräfte“? Das wird nie klargestellt. Das Beste, was man sagen kann, ist, dass „materielle Produktivkräfte“ „technologische Methoden“ bedeuten. Andererseits haben wir es auch mit dem Begriff „Produktionsweise“ zu tun, der dasselbe zu sein scheint wie die materiellen Produktivkräfte oder die Summe bzw. das System der technischen Methoden. Jedenfalls schaffen diese materiellen Produktivkräfte, diese Technologien und „Produktionsweisen“, eindeutig und monokausal alle „Produktionsverhältnisse“ oder „gesellschaftlichen Produktionsverhältnisse“ unabhängig vom Willen der Menschen. Diese „Produktionsverhältnisse“, die ebenfalls äußerst vage definiert sind, scheinen im Wesentlichen Rechts- und Eigentumsverhältnisse zu sein. Die Summe dieser Produktionsverhältnisse bildet gewissermaßen die „Wirtschaftsstruktur der Gesellschaft“. Diese Wirtschaftsstruktur ist die „Basis“, die kausal den „Überbau“ bestimmt, der
Rothbard II 373
Naturwissenschaften, Rechtslehren, Religion, Philosophien und alle anderen Formen des „Bewusstseins“ umfasst. Kurz gesagt, an der Basis steht die Technologie, die ihrerseits die Produktionsweise konstituiert oder bestimmt, die wiederum die Produktionsverhältnisse oder die Institutionen des Rechts oder des Eigentums bestimmt, und die schließlich die Ideen, die religiösen Werte, die Kunst usw. bestimmt. Wie also vollziehen sich historische Veränderungen im Marxschen Schema? Sie können sich nur in den technischen Methoden vollziehen, da alles andere in der Gesellschaft durch den jeweiligen Stand der Technik bestimmt wird.
Wie Marx es in seiner Armut der Philosophie in der klarsten und deutlichsten Aussage seiner technikdeterministischen Sicht der Geschichte formulierte:
Indem sich die Menschen neue Produktivkräfte aneignen, ändern sie ihre Produktionsweise, und indem sie ihre Produktionsweise, ihre Mittel zum Lebensunterhalt ändern, ändern sie ihre gesamten sozialen Beziehungen. Die Handmühle gibt Ihnen die Gesellschaft mit dem Feudalherrn, die Dampfmühle die Gesellschaft mit dem Industriekapitalisten.
RothbardVsMarx: Der erste schwerwiegende Irrtum in diesem Farrago steht gleich am Anfang: Woher kommt diese Technologie? Und wie verändern oder verbessern sich die Technologien? Wer setzt sie in die Tat um? Ein Schlüssel zu dem Geflecht von Irrtümern, die das Marxsche System ausmachen, ist, dass Marx nie versucht, eine Antwort zu geben. In der Tat kann er das nicht, denn wenn er den Stand der Technik oder den technologischen Wandel auf die Handlungen des Menschen, des einzelnen Menschen, zurückführt, fällt sein ganzes System auseinander. Denn dann würde das menschliche Bewusstsein, und zwar das individuelle Bewusstsein, die die materiellen Produktivkräfte und nicht umgekehrt.(1)
>Historischer Materialismus/Mises, >Technologie/Marx,
>Produktionsverhältnisse/Marx.

1. Rückübersetzt aus der Englischen Ausgabe von Rothbard.

Marx I
Karl Marx
Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957

Rothbard II
Murray N. Rothbard
Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995

Rothbard III
Murray N. Rothbard
Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009

Rothbard IV
Murray N. Rothbard
The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988

Rothbard V
Murray N. Rothbard
Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977
Ideologie Marx Rothbard II 378
Ideologie/Marx/Rothbard: Selbst Marx muss dumpf erkennen, dass in der realen Welt nicht 'materielle Produktivkräfte', nicht einmal 'Klassen', sondern nur individuelles Bewusstsein und individuelle Wahl handeln. Selbst in der Marx'schen Analyse muss sich jede Klasse, oder die Individuen in ihr, ihrer „wahren“ Klasseninteressen bewusst werden, um sie zu verfolgen oder zu verwirklichen. Für Marx werden das Denken jedes Einzelnen, seine Werte und Theorien nicht durch sein persönliches Eigeninteresse bestimmt, sondern durch das Interesse der Klasse, der er angeblich angehört. Dies ist der erste fatale Fehler in der Argumentation: Warum in aller Welt sollte der Einzelne seine Klasse jemals höher einschätzen als sich selbst?
Zweitens, so Marx, bestimmt dieses Klasseninteresse sein Denken und seine Ansichten und muss dies auch tun, weil jeder Mensch nur im Interesse seiner Klasse zu „Ideologie“ oder falschem Bewusstsein fähig ist. Er ist weder zu einer uneigennützigen, objektiven Wahrheitssuche fähig, noch zu einer Verfolgung seines eigenen Interesses oder des Interesses der gesamten Menschheit.
MisesVsMarx/Rothbard: Aber, wie von Mises hervorgehoben hat, gibt Marx' Lehre vor, reine, nicht-ideologische Wissenschaft zu sein, und ist doch ausdrücklich geschrieben worden, um das Klasseninteresse des Proletariats zu fördern.
Aber während die gesamte „bürgerliche“ Ökonomie und alle anderen Disziplinen des Denkens von Marx interpretiert wurden per definitionem als falsch, als „ideologische“ Rationalisierungen des bürgerlichen Klasseninteresses interpretiert wurden, waren die Marxisten waren nicht konsequent genug, um ihren eigenen Lehren lediglich ideologischen Charakter zuzuschreiben. Die Marx'schen Lehren seien keine Ideologien, so implizierten sie. Sie sind ein Vorgeschmack
Rothbard II 379
des Wissens der zukünftigen klassenlosen Gesellschaft, die, befreit von den Fesseln der Klassenkonflikte, in der Lage sein wird, reines, von ideologischen Makeln unbeflecktes Wissen zu konzipieren.(1) >Klassenkampf/Marx, >Historischer Materialismus/Marx.
David GordonVsMarx/Rothbard: Wenn alles Denken über soziale und ökonomische Fragen von der Klassenlage bestimmt wird, was ist dann mit dem marxistischen System selbst? Wenn Marx, wie er stolz verkündete, das Ziel hatte, eine Wissenschaft für die Arbeiterklasse zu schaffen, warum sollte dann irgendeine seiner Ansichten als wahr akzeptiert werden? Mises stellt zu Recht fest, dass die Marxsche Sichtweise sich selbst widerlegt: Wenn alles soziale Denken ideologisch ist, dann ist dieser Satz selbst ideologisch und die Gründe für seinen Glauben sind untergraben worden. In seinen Theorien des Mehrwerts kann Marx seinen Spott über die „Apologetik“ der verschiedenen bürgerlichen Ökonomen nicht unterdrücken. Er war sich nicht bewusst, dass er mit seinen ständigen Sticheleien gegen die Klassenvorurteile seiner Ökonomenkollegen nur das Grab für sein eigenes gigantisches Propagandawerk für das Proletariat schaufelte.(2)
>Mehrwert.
MisesVsMarx/Rothbard: Von Mises weist auch darauf hin, dass es absurd ist zu glauben, dass die Interessen irgendeiner Klasse, einschließlich der Kapitalisten, jemals besser durch eine falsche als durch eine richtige Doktrin bedient werden könnten.(3)
Kapitalistische Ideologie/MisesVsMarx/Rothbard: Wenn die Marxsche Antwort, wie sie es getan hat, besagt, dass eine falsche Theorie notwendig ist, um die Existenz der kapitalistischen Herrschaft zu rechtfertigen, dann ist, wie von Mises hervorhebt, von der Marxschen Sichtweise selbst die Theorie nicht notwendig. Da jede Klasse rücksichtslos ihre eigenen Interessen verfolgt, brauchen die Kapitalisten ihre Herrschaft und ihre angebliche Ausbeutung vor sich selbst nicht zu rechtfertigen. Es besteht auch keine Notwendigkeit, diese falschen Lehren zu benutzen, um das Proletariat unterwürfig zu halten, da für die Marxisten die Herrschaft oder der Umsturz eines gegebenen Gesellschaftssystems von den materiellen Produktivkräften abhängt und es keinen Weg gibt, durch den das Bewusstsein diese Entwicklung verzögern oder beschleunigen kann. Oder, wenn es solche Wege gibt, und die Marxisten räumen diese Tatsache oft implizit ein, dann gibt es einen schwerwiegenden und selbstzerstörerischen Fehler im Herzen der Marxschen Theorie selbst.
Rothbard II 380
Höhere Klassen/Intellektuelle/Mannheim/Rothbard: auf diese Weise selbstwidersprüchlich und selbstwiderlegend. Jahrhundert haben Marxisten wie der deutsche Soziologe Karl Mannheim versucht, diese Fluchtluke zur Hochtheorie zu erheben: dass die „Intellektuellen“ irgendwie „frei schweben“ können, über den Gesetzen schweben, die alle anderen Klassen bestimmen. >Klassen/Marx, >Klassenkampf/Marx.


1. Ludwig von Mises, Theory and History (1957, Auburn, Ala.: Mises Institute, 1985), p. 126.
2. David Gordon, 'Mises Contra Marx', The Free Market, 5 (July 198 7), pp. 2-3.
3. Zur Widerlegung eines anderen, mit der Marx'schen Ideologiedoktrin verwandten Punktes, dass jede ökonomische Klasse eine andere logische Struktur des Geistes hat ['Polylogismus'], siehe Ludwig von Mises, Human Action (New Haven, Conn.: Yale University Press, 1949), pp. 72-91.



Habermas IV 303
Ideologie/Marx/HabermasVsMarx/Habermas: kritische Instrumente wie z.B. der Ideologiebegriff werden stumpf, weil ein metatheoretischer Rahmen von hinreichender Komplexität innerhalb eines der auseinandergefallenen Paradigmen (der Handlungs- und der Systemtheorie) nicht entwickelt werden kann. Lösung/Parsons/Habermas: bei Talcott Parsons laufen diese beiden Linien der Theoriegeschichte (Ansatz über Handlung bzw. über System) wieder zusammen.
>Talcott Parsons, >System-Theorie, >Handlungs-Theorie.

Marx I
Karl Marx
Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957

Rothbard II
Murray N. Rothbard
Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995

Rothbard III
Murray N. Rothbard
Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009

Rothbard IV
Murray N. Rothbard
The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988

Rothbard V
Murray N. Rothbard
Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Kapitalismus Marx Rothbard II 422
Kapitalismus/Marx/Rothbard: Die lebenswichtige Konsequenz für das Marxsche System aus den immer dünner werdenden Reihen der zentralisierten Kapitalisten sind die immer größer werdenden Reihen des Proletariats und seine zunehmende Verarmung und Verelendung. >Geschichte/Marx.
Rothbard II 423
RothbardVsMarx: Hier ist nun ein kritischer und entscheidender Punkt in der Marxschen Argumentation. Die zunehmende Verarmung der Arbeiterklasse ist ein Schlüssel zum Marxschen System, denn darauf beruht der angeblich unvermeidliche Untergang des Kapitalismus und seine Ersetzung durch das Proletariat. Wenn es keine zunehmende Verarmung gibt, gibt es für die Arbeiterklasse keinen Grund, gegen ihre zunehmende Ausbeutung zu reagieren und ihre „kapitalistische Hülle“, die Fesseln der technischen Produktionsweise, aufzubrechen. Wie also zeigt Marx die zunehmende Armut des Proletariats? An diesem Punkt scheint Marx zu verzweifeln und bringt eine Reihe unterschiedlicher und gegensätzlicher Argumente vor, von denen sich einige gegenseitig widersprechen. Denn wenn die Löhne der Arbeiter schon immer auf dem Niveau des Existenzminimums liegen und durch das eiserne Gesetz dort gehalten werden, wie kann es ihnen dann noch schlechter gehen! >Löhne/Marx, >Profitrate/Marx.
RothbardVsMarx: Wenn wir für den Moment diesen gravierenden inneren Widerspruch mit dem eisernen Gesetz der Löhne beiseite lassen, wie will Marx dann sein angebliches Gesetz der steigenden
Rothbard II 424
Verarmung des Proletariats zu begründen? Eine Antwort lautet, dass die ewig sinkende Profitrate die Kapitalisten unter starken Druck setzt, mehr Profit zu machen, indem sie das Proletariat noch intensiver ausbeuten und es härter und länger arbeiten lassen. Aber abgesehen von dem Problem des eisernen Gesetzes steht Marx vor dem Problem: Warum haben die Kapitalisten ihre Ausbeutungsrate so lange schleifen lassen, bis sie schließlich durch eine sinkende Profitrate angespornt wurden? Versuchen Kapitalisten nicht immer und zu jeder Zeit, ihre Profitrate zu maximieren? Lösung/Marx/Rothbard: Hier greift Marx auf einen vorgeschlagenen Mechanismus für die zunehmende Ausbeutung der Arbeit und die sinkende Lohnrate zurück: das beschleunigte Anwachsen einer permanenten „industriellen Reservearmee“, einer wachsenden Schar von Arbeitslosen. Es ist die zunehmende Konkurrenz durch die Arbeitslosen, die die Lohnsätze nach unten drückt, und zwar zunehmend, je weiter der Kapitalismus fortschreitet.
RothbardVsMarx: Aber wie kann es eine ständige Armee von Arbeitslosen geben, wenn die Löhne für Arbeitslose gleich Null sind?
Reservearmee: Und woher kommt die industrielle Reservearmee? Marktwirtschaftler wissen, dass sich die Arbeitslosigkeit durch eine Senkung der Lohnsätze schnell beseitigt. Nur wenn die Lohnsätze über das Marktgleichgewichtsniveau angehoben werden, wird die Arbeitslosigkeit dauerhaft; und wenn, wie Marx behauptet, die Arbeitslosenarmee durch ihre Konkurrenz die Lohnsätze senkt, dann sollte sie schnell verschwinden und keine weiteren Probleme aufwerfen.
>Arbeitslosigkeit/Marx.
Rothbard II 426
Verarmung des Proletariats/Marx/Rothbard: Es bleibt die Lehre von der zunehmenden Verarmung des Proletariats, eine Lehre, die bei Marx so entscheidend ist, dass sie kaum als eine „Vorhersage“ trivialisiert werden kann, die irgendwie in die Irre ging. Diese „Vorhersage“ ist absolut entscheidend für die angeblich unvermeidliche Tendenz der Arbeiter, sich zu erheben und den Kapitalismus zu stürzen, eine Tendenz, die sich mit dem Fortschreiten des Kapitalismus vertiefen und beschleunigen soll. Und doch ist es für jedermann offenkundig, dass eine der wichtigsten Tatsachen in den anderthalb Jahrhunderten seit der Geburt des Marxismus der kontinuierliche, spektakuläre Anstieg der Reallöhne und des Lebensstandards der Arbeiterklasse und der Masse der Bevölkerung war. Was wir in dieser Zeit erlebt haben, ist in der Tat das spektakulärste Wachstum der Industrialisierung und des Lebensstandards in der Geschichte der Welt. MarxismusVsVs: (...) im Allgemeinen haben die Marxisten versucht, das Phänomen zu retten, die Theorie zu retten, indem sie verschiedene Ausweichpositionen oder Formen des Ausweichens einnahmen. Eine beliebte Taktik ist die Behauptung, dass die zugrundeliegende Tendenz zur Verarmung immer noch besteht, aber „vorübergehend“ (ein oder zwei Jahrhunderte?) durch gegenläufige Faktoren ausgeglichen wurde. Eine beliebte, aber bizarre leninistische Variante ist, dass die Arbeiter im Westen von der imperialistischen westlichen Ausbeutung der Dritten Welt bzw. von den Investitionen in diese Welt profitiert haben, so dass die westlichen Arbeiter in gewissem Sinne zu „Kapitalisten“ auf internationaler Ebene geworden sind. Erstens: Was ist bei dieser Verwandlung des unterdrückten Proletariats des Westens in ausbeutende „Kapitalisten“ der Dritten Welt eigentlich mit dem unvermeidlichen Schwund der Kapitalistenklasse passiert? Zweitens lässt sich die Groteske dieser Doktrin an der Tatsache ablesen, dass der Großteil der Dritten Welt, so arm sie auch sein mag, in den letzten Jahrzehnten eine rasante Entwicklung durchgemacht hat und der Lebensstandard der Menschen in der Dritten Welt gestiegen ist, wie P.T. Bauer in zahlreichen Werken nachgewiesen hat.
Jahrzehnten rasant entwickelt hat und der Lebensstandard der arbeitenden Massen stetig gestiegen ist. Und nicht nur das; diese Entwicklung und der Anstieg des Lebensstandards haben gerade in den Gebieten und Regionen der Dritten Welt (z.B. Hafenstädte) stattgefunden, die in engem Handels- und Investitionskontakt mit den entwickelten westlichen Ländern stehen.

Marx I
Karl Marx
Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957

Rothbard II
Murray N. Rothbard
Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995

Rothbard III
Murray N. Rothbard
Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009

Rothbard IV
Murray N. Rothbard
The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988

Rothbard V
Murray N. Rothbard
Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977
Kapitalismus Weber Habermas IV 463
Kapitalismus/Weber/Habermas: Beim kapitalistischen Betrieb ist nicht die Institutionalisierung der Lohnarbeit, sondern die am Gewinn orientierte und auf rationale Buchführung gestützte Planmäßigkeit der ökonomischen Entscheidungen die auffällige Errungenschaft. Vgl. >Arbeit, >K. Marx, >Marxismus.
„Geist des Kapitalismus“/Weber: Der Geist des Kapitalismus ist jene Mentalität, die das zweckrationale Wirtschaftshandeln der frühkapitalistischen Unternehmer kennzeichnet.
>Zweckrationalität, >Wirtschaft.
WeberVsMarx: Während Marx die Produktionsweise als das erklärungsbedürftige Phänomen auffasst, und die Akkumulation des Kapitals als den neuen Mechanismus der Systemintegration untersucht, lenkt Weber die Untersuchung auf die Umpolung von Ökonomie und Staatsverwaltung auf zweckrationale Handlungsorientierungen. Es geht ihm um soziale Integration.
Habermas: Marx geht von Problemen der System-, Weber von Problemen der Sozialintegration aus.
Habermas IV 464
Die von Einzelnen oder Gruppen erworbenen Lernkapazitäten finden über exemplarische Lernvorgänge Eingang in das Deutungssystem der Gesellschaft. >Lernen, >Gesellschaft, >Fortschritt, >Wirtschaftssysteme.

Weber I
M. Weber
Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus München 2013

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Kassenbestand Rothbard Rothbard III 204
Kassenbestand/Rothbard: Jahrhundertelang hat der falsche Volksmund behauptet, dass jemand, dessen Einkommen größer ist als die Ausgaben (Exporte größer als Importe), eine „günstige Handelsbilanz“ hat, während jemand, dessen Ausgaben eine Zeit lang größer waren als die Einnahmen (Importe größer als Exporte), eine „ungünstige Handelsbilanz“ erlitten hat. Eine solche Sichtweise impliziert, dass der aktive, wichtige Teil der Zahlungsbilanz der „Handelsteil“ ist, die Exporte und Importe, und dass die Veränderungen im Kassenbestand des Einzelnen lediglich passive „Ausgleichsfaktoren“ sind, die dazu dienen, die Gesamtzahlungen stets im Gleichgewicht zu halten. Mit anderen Worten, es wird davon ausgegangen, dass der Einzelne so viel für Waren und Dienstleistungen ausgibt, wie er möchte, und dass die Hinzufügung oder der Abzug von seinem Kassenbestand nur eine nachträgliche Überlegung darstellt. Im Gegenteil, die Veränderung des Kassenbestandes wird von jedem Einzelnen im Rahmen seines Marktgeschehens aktiv mitbestimmt. >Einkommen, >Konsum, >Sparen, >Darlehen, >Kredit, >Geld.
Rothbard III 264
Kassenbestand/Rothbard: Welchen Nutzen hat das Führen oder Aufstocken eines Kassenbestandes? (...) wir können feststellen, dass der Wunsch, ein Barguthaben zu halten, aus einer grundsätzlichen Unsicherheit über den richtigen Zeitpunkt für Käufe resultiert, sei es von Kapital oder von Konsumgütern. Wichtig sind auch eine grundlegende Unsicherheit über die eigene künftige Werteskala und der Wunsch, Bargeld bereitzuhalten, um eventuelle Veränderungen auszugleichen. Ungewissheit ist in der Tat ein grundlegendes Merkmal allen menschlichen Handelns, und die Ungewissheit über sich ändernde Preise und sich ändernde Wertmaßstäbe sind Aspekte dieser grundlegenden Ungewissheit. Geld/RothbardVsTradition/RothbardVsMarx: Die Tatsache, dass Geld in der Kasse eine Dienstleistung erbringt, zeigt, dass die Unterscheidung, die einige Autoren zwischen „zirkulierendem“ Geld und Geld in „ungenutzten Horten“ treffen, falsch ist. Erstens befindet sich alles Geld immer in den Kassen von irgendjemandem. Es „bewegt“ sich niemals in irgendeinem mysteriösen „Umlauf“. Es befindet sich im Kassenbestand von A, und wenn A Eier von B kauft, wird es in den Kassenbestand von B verschoben. Zweitens: Unabhängig davon, wie lange sich eine bestimmte Geldeinheit im Bargeldbestand einer Person befindet, erbringt sie eine Dienstleistung für diese Person und befindet sich daher niemals in einem „ungenutzten Vorrat“.
>Grenznutzen des Geldes/Rothbard, >Opportunitätskosten/Rothbard.
Rothbard III 759
Kassenbestand/Rothbard: Geldnachfragekurve: (...) je höher die PPM (Kaufkraft des Geldes; der Tauschwert des Geldes), desto geringer die nachgefragte Geldmenge in der Kassenbilanz. >Geldnachfrage/Rothbard, >Geld/Rothbard, >Kaufkraft/Rothbard.
Infolgedessen sinkt die Kurve der Reservierungsnachfrage nach Geld in der Kassenbilanz, wenn der Tauschwert des Geldes steigt. Diese fallende Nachfragekurve ergibt zusammen mit der fallenden Tauschnachfragekurve für Geld die Gesamtnachfragekurve des Marktes für Geld, die ebenfalls in der für jedes Gut bekannten Weise fällt.
>Geldumlauf/Rothbard.
Rothbard III 766
Kassenbestand/Gleichmäßig rotierende Wirtschaft/Rothbard: Nehmen wir an, die ERE (Evenly Rotating Economy) ist eingeführt. In einer solchen Welt der Gewissheit gäbe es kein Verlustrisiko bei Investitionen und keine Notwendigkeit, Bargeldguthaben zu halten, falls ein Notfall für Konsumausgaben eintreten sollte. Jeder würde daher seinen Geldbestand vollständig für den Kauf von Gütern der Gegenwart oder der Zukunft verwenden, je nach seinen zeitlichen Präferenzen. Niemand würde sein Geld in einem Bargeldguthaben ungenutzt lassen.
Rothbard III 767
Geld, kurz gesagt, wäre in der Welt der Gewissheit entweder nutzlos oder fast nutzlos. >Evenly Rotating Economy/Rothbard.
In der realen Welt der Ungewissheit, im Gegensatz zur ERE, erfüllt sogar „ungenutztes“ Geld, das in einem Bargeldkonto aufbewahrt wird, einen Nutzen für seinen Besitzer. Wenn es keinen solchen Nutzen hätte, würde es nicht in der Kasse aufbewahrt werden. Sein Nutzen beruht genau auf der Tatsache, dass der Einzelne nicht sicher ist, wofür er sein Geld ausgeben wird oder wann genau er es in der Zukunft ausgeben wird.
Spekulative Nachfrage: Es ist wahr, wie wir gesagt haben, dass der einzige Verwendungszweck des Geldes der Tausch ist. Daraus darf jedoch nicht gefolgert werden, wie es einige Autoren getan haben, dass dieser Austausch sofort erfolgen muss. Der Grund dafür, dass es eine Reservierungsnachfrage nach Geld gibt und Bargeldguthaben gehalten werden, ist nämlich, dass der Einzelne sein Geld für künftige Tauschvorgänge in Reserve hält. Das ist die Funktion eines Bargeldguthabens - auf einen günstigen Zeitpunkt zu warten, um einen Tausch vorzunehmen.
>Spekulative Nachfrage/Rothbard.

Rothbard II
Murray N. Rothbard
Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995

Rothbard III
Murray N. Rothbard
Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009

Rothbard IV
Murray N. Rothbard
The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988

Rothbard V
Murray N. Rothbard
Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977
Klassen Gramsci Brocker I 711
Klassen/Gramsci: in den Quaderni del Carcere (1929-1935) führt Gramsci den Begriff „Subalterne“ ein. Der Begriff wurde ursprünglich im militärischen Bereich für untergeordnete Offiziere verwendet. Gramsci überträgt ihn auf diejenigen, die keiner hegemonialen Klasse angehören. GramsciVsMarxismus: damit weicht Gramsci von de orthodox-marxistischen Herangehensweise ab, die ihr politisches Augenmerk vor allem auf die
Brocker I 712
städtische Arbeiterklasse richtet. DhawanVsMarx: Die ländliche Bevölkerung wird bei Marx bekanntlich vernachlässigt, weil sie ihm als unorganisiert und präpolitisch gilt und keinen systematischen Gegenpol zur Bourgeoisie bilden könne.
>Herrschaft/Gramsci.
Gramsci nennt die unterdrückten Klassen abwechselnd „classi subalterne“, „classi subordinate“ und „classi strumentali“. Diese Differenzierung könne nur im Zusammenhang mit den dominanten Gesellschaftsgruppen verstanden werden. Die dominanten Gesellschaftsgruppen realisieren ihre historische Einheit im Staat, d.h. in der Kombination von politischer und ziviler Gesellschaft.
Im Kontrast dazu bilden die subalternen Klassen eine fragmentierte Gruppierung, die durch mangelnde Autonomie und strukturelle und ökonomische Ausgrenzung gekennzeichnet ist.(1)
Subalternität/Dhawan: der Begriff wurde innerhalb der postkolonialen Theorie u. a. von Guha übernommen, der damit einen Raum definiert, der von alle Mobilitätsformen abgeschnitten ist.(2)(3) Subalternität ist damit keine Identitätsbezeichnung, sondern eine Position, die Differenz markiert.

1. Vgl. Antonio Gramsci, Gefängnishefte, Kritische Gesamtausgabe, Bd. 9. Hefte 22 bis 29, hg.v. Wolfgang Fritz Haug/Klaus Bochmann, Hamburg 1999 (ital. zuerst 1934).
2. Vgl. Spivak. Selected Works of Gayatri Spivak, hg. V. Donna Landry/Gerald Maclean, New York/London 1996, S. 288.
3. Vgl. Ranajit Guha, Elementary Aspects of Peasant Insurgery in Colonial India, Delhi 1983.

Nikita Dhawan, Gayatri Chakravorty Spivak “Can the subaltern speak?” in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

PolGram I
Antonio Gramsci
Gefängnishefte
In
Kritische Gesamtausgabe Bd. 9, Wolfgang Fritz Haug/Klaus Bochmann Hamburg 1999

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Klassen Marx Rothbard II 381
Klassen/Gesellschaft/Marx/Rothbard: Es gibt einen gravierenden inneren Widerspruch im Herzen des Marxschen Systems, in Marx' entscheidendem Begriff der Klasse. In der Marxschen Dialektik stehen sich zwei mächtige gesellschaftliche Klassen in einem inhärenten Konflikt gegenüber, die Herrschenden und die Beherrschten. In den ersten beiden großen Konflikten der Geschichte, dem „orientalischen Despotismus“ und dem „Feudalismus“, werden die sozialen Klassen von Marx (...) als vom Staat privilegierte oder belastete Klassen definiert. So leiten im „orientalischen Despotismus“ oder der „asiatischen Produktionsweise“ der Kaiser und seine technokratische Bürokratie den Staat und bilden dessen „herrschende Klasse“. Problem/RothbardVsMarx: Aber dann, als Marx zum Kapitalismus kommt, ändern sich plötzlich die Klassenkategorien, ohne dass dies anerkannt wird. Jetzt ist die herrschende Klasse
Rothbard II 382
nicht einfach als die Klasse definiert, die den Staatsapparat führt. Plötzlich ist der ursprüngliche Akt der Herrschaft oder „Ausbeutung“ der freiwillige Lohnvertrag auf dem Markt, der eigentliche Akt, bei dem ein Kapitalist einen Arbeiter einstellt und der Arbeiter zustimmt, eingestellt zu werden. Für Marx begründet dies an sich schon ein gemeinsames „Klasseninteresse“ der Kapitalisten, die eine „gemeinsame Klasse“ von Arbeitern ausbeuten. Marx war zwar auch der Meinung, dass diese „Kapitalistenklasse“ den Staat leitet, aber nur als „Exekutivkomitee der herrschenden Klasse“, d.h. einer herrschenden Klasse, die zuvor auf dem freien Markt, aufgrund des Lohnsystems, existierte. Das, was Marx als Analytiker der orientalischen Despotie oder des Feudalismus als Ausbeutung der herrschenden Klasse bezeichnen würde, existiert also auch im Kapitalismus, aber nur als Zusatz zur bereits bestehenden kapitalistischen Ausbeutung der Arbeiter durch das Lohnsystem. Die Ausbeutung durch die herrschende Klasse im Kapitalismus ist einzigartig, da sie eine doppelte Ausbeutung ausübt: erstens auf dem Markt als Teil des Lohnvertrags und zweitens die angebliche Ausbeutung durch den Staat als Exekutivkomitee der herrschenden Klasse. RothbardVsMarx: Es sollte offensichtlich sein, dass Marx' Analyse der Klasse an diesem Punkt ein Mischmasch ist, in völliger Unordnung; zwei widersprüchliche Definitionen von Klasse sind ineinander verkeilt, unverbunden und uneingestanden. Warum sollte ausgerechnet der Kapitalismus eine „doppelte“ Ausbeutung erheben können, die keine andere herrschende Klasse im Marx'schen Geschichtsschema je genießen kann?
Probleme: Wie können „Kapitalisten“, selbst in derselben Branche, geschweige denn im gesamten Gesellschaftssystem, irgendetwas Entscheidendes gemeinsam haben?
Genauso wenig kann es eine „Arbeiterklasse“ mit gemeinsamen Klasseninteressen auf dem freien Markt geben. Arbeiter konkurrieren miteinander, genauso wie Kapitalisten oder Unternehmer miteinander konkurrieren. Noch einmal: Wenn Gruppen von Arbeitnehmern
Rothbard II 383
den Staat nutzen können, um andere Gruppen auszuschließen, können sie eine herrschende Klasse gegenüber den ausgeschlossenen Gruppen werden. Wenn also staatliche Einwanderungsbeschränkungen neue Arbeitskräfte fernhalten, können die einheimischen Arbeiter (zumindest kurzfristig) auf Kosten der Einkommen der Einwanderer profitieren; oder wenn weiße Arbeiter schwarze Arbeiter durch staatlichen Zwang von qualifizierten Arbeitsplätzen fernhalten können (wie es in Südafrika geschah), wird die erstere zu einer privilegierten oder herrschenden Klasse auf Kosten der letzteren.
Rothbard: (...) jede Gruppe, die es schafft, den Staat zu kontrollieren oder von ihm Privilegien zu erlangen, kann ihren Platz unter den Ausbeutern einnehmen: das können bestimmte Gruppen von Arbeitern sein, oder Geschäftsleute, oder Mitglieder der Kommunistischen Partei, oder was auch immer. Es gibt keinen Grund für die Annahme, dass nur „Kapitalisten“ solche Privilegien erwerben können.
>Klassenkampf/Marx.
Rothbard II 384
Definition von Klassen/Klassendefinition/Marx/Rothbard: (...) in Marx' theoretischem Hauptwerk, dem Kapital, gibt es keinen Versuch einer Definition von Klasse. Zu Marx' Lebzeiten (1867) wurde nur ein unvollständiger Band I veröffentlicht, zu dem Zeitpunkt hatte er die Arbeit an dem Buch im Wesentlichen abgeschlossen. Nach Marx' Tod im Jahr 1883 überarbeitete Engels das verbleibende Manuskript, redigierte es und veröffentlichte es in zwei weiteren Bänden (1885, 1894).(1) Erst im berühmten allerletzten Kapitel des dritten Bandes unternimmt Marx schließlich den Versuch, das zu definieren, worüber er und Engels vier Jahrzehnte lang gesprochen und geschrieben hatten. Es ist ein unvollendetes Kapitel von verblüffender Kürze - fünf kurze Absätze. In diesem Kapitel, „Klassen“, beginnt Marx mit der klassischen Ricard'schen Trias: dass die Quellen des Einkommens in der Marktwirtschaft Löhne, Gewinne und Mieten sind und dass die Empfänger dieses Einkommens die „drei großen Klassen der modernen Gesellschaft“ bilden - Arbeiter, Kapitalisten und Grundbesitzer.
Rothbard II 385
Marx: (...) [es gibt] eine unendliche Zersplitterung des Interesses und des Ranges, in die die gesellschaftliche Arbeitsteilung sowohl die Arbeiter als auch die Kapitalisten und Grundbesitzer spaltet - letztere z.B. in Besitzer von Weinbergen, Ackerbauern, Waldbesitzer, Bergwerksbesitzer und Fischereibesitzer.(1) Rothbard: Eben. Marx hat es sehr gut gesagt; sein geliebter Zwei-Klassen-Monolith (...) liegt völlig in Trümmern.
>Klassen/Mises.
Rothbard II 392
Ricardo/Marx: Als Karl Marx sich in die Ökonomie des Kapitalismus stürzte (...), fand er eine wunderbare Waffe griffbereit: die Ricardianische Ökonomie. Im Gegensatz zu J.B. Say und der französischen Tradition konzentrierte sich Ricardo nicht auf den Markttausch und seine unvermeidliche Konzentration auf einzelne Akteure und Wechsler, die vom Tausch profitieren, sondern auf die „Produktion“, gefolgt von der „Verteilung“ des Einkommens als einem eigenen und separaten Prozess. Ricardos Hauptaugenmerk lag auf der Frage, wie dieses gesellschaftliche Einkommen aus der Produktion „verteilt“ wird. Während Say oder Turgot die einzelnen Produktionsfaktoren und die Art und Weise betrachteten, wie ihr Einkommen aus der Produktion und dem Austausch entsteht, konzentrierte sich Ricardo nur auf ganze, vermeintlich homogene „Klassen“ von Produzenten: Arbeiter, die Löhne verdienen, Kapitalisten, die „Gewinne“ erzielen und Vermieter, die Mieteinnahmen erzielen. Für Gegenargumente gegen Marx siehe >Klassen/Mises.

1. Während der 1870er Jahre ließ Marx Engels glauben, dass er hart und kontinuierlich an den Bänden II und III des Kapitals arbeitete. Nach Marx' Tod stellte Engels mit Erstaunen fest, dass Marx seit 1867 praktisch nicht mehr an dem Manuskript gearbeitet hatte, kurzum, dass Marx seinen Freund und Gönner schamlos belogen hatte. Siehe W.O. Henderson, The Life of Friedrich Engels (London: Frank Cass, 1976), 1 1, p. 563.

Marx I
Karl Marx
Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957

Rothbard II
Murray N. Rothbard
Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995

Rothbard III
Murray N. Rothbard
Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009

Rothbard IV
Murray N. Rothbard
The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988

Rothbard V
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Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977
Klassenkampf Marx Rothbard II 376
Klassenkampf/Marx/Rothbard: Selbst wenn man annimmt, dass die unerklärte Unvereinbarkeit zwischen den Produktivkräften und den Produktionsverhältnissen besteht, warum sollte diese Unvereinbarkeit nicht für immer bestehen bleiben? Warum verfällt die Wirtschaft nicht einfach in eine permanente Stagnation der technischen Kräfte? Dieser „Widerspruch“ reichte kaum aus, um das Marx'sche Ziel der unvermeidlichen proletarisch-kommunistischen Revolution zu erreichen. Materielle Dialektik: (...) die materielle Dialektik nimmt ein sozioökonomisches System, sagen wir den Feudalismus, und behauptet, dass es sein Gegenteil oder seine „Negation“ und seine unvermeidliche Ablösung durch den „Kapitalismus“ „hervorbringt“, der somit den Feudalismus „negiert“ und transzendiert. Und genauso wird die Elektrizität (oder was auch immer) unweigerlich eine proletarische Revolution hervorbringen, die es der Elektrizität ermöglichen wird, über die Fesseln zu triumphieren, die die Kapitalisten ihr anlegen.
RothbardVsMarx: Es ist schwierig, diese Position zu vertreten, ohne sie sofort als Unsinn zurückzuweisen. Zusätzlich zu all den Fehlern im historischen Materialismus, die wir oben gesehen haben, gibt es keine Kausalkette, die eine Technologie mit einer Klasse verbindet, oder die es ökonomischen Klassen erlaubt, entweder die Technologie oder ihre Fesseln der „Produktionsverhältnisse“ zu verkörpern. Es gibt keinen Grund, warum diese Klassen als Marionetten für oder gegen neue Technologien agieren müssen oder auch nur plausibel wären. Warum müssen Feudalherren versuchen, die Dampfmühle zu unterdrücken? Warum können Feudalherren nicht in Dampfmühlen investieren?
Ende der Dialektik/Ende der Geschichte: Wenn der Klassenkampf und die materielle Dialektik schließlich zu einer unvermeidlichen proletarischen Revolution führen, warum endet dann die Dialektik, wie Marx (…) behauptet, an diesem Punkt? Entscheidend für den Marxismus wie auch für andere jahrtausendealte und apokalyptische Glaubensbekenntnisse ist, dass die Dialektik keineswegs ewig weitergehen kann. Im Gegenteil, der Chiliast, ob vor oder nach der Jahrtausendwende, sieht das Ende der Dialektik oder das Ende der Geschichte stets als unmittelbar bevorstehend an. Auch die atheistische Dialektik von Marx sah die bevorstehende proletarische Revolution vor, die nach dem Stadium des „rohen Kommunismus“ ein Stadium des „Hochkommunismus“ oder vielleicht ein Stadium „jenseits des Kommunismus“
Rothbard II 378
herbeiführen würde, das eine klassenlose Gesellschaft, eine Gesellschaft der völligen Gleichheit, ohne Arbeitsteilung, eine Gesellschaft ohne Herrscher sein würde. Da aber die Geschichte für Marx eine „Geschichte der Klassenkämpfe“ ist, wäre die letzte kommunistische Etappe die endgültige, so dass die Geschichte dann faktisch zu einem Ende käme. BakuninVsMarx: Die Kritiker von Marx, von Bakunin über Machajski bis Milovan Djilas, haben natürlich sowohl prophetisch als auch rückblickend darauf hingewiesen, dass die proletarische Revolution, in welchem Stadium auch immer, die Klassen nicht beseitigen, sondern im Gegenteil eine neue herrschende Klasse und eine neue Herrschaft errichten würde. Es gäbe keine Gleichheit, sondern eine weitere Ungleichheit der Macht und zwangsläufig des Reichtums: die oligarchische Elite, die Avantgarde, als Herrscher und der Rest der Gesellschaft als Beherrschte.
>Marx/Rothbard, >Ideologie/Marx.


Höffe I 366
Klassenkampf/Marx/Höffe: (...) [Marx] behauptet einen ununterbrochenen Kampf, «der jedesmal mit einer revolutionären Umgestaltung der ganzen Gesellschaft endete». Für die eigene Zeit ist es der Kampf zweier Klassen, der «Bourgeois» genannten tragenden Wirtschaftsbürger, der Kapitalisten und der als Proletarier bezeichneten Lohnarbeiter. Dieser zeitgenössische Kampf soll der weltgeschichtlich letzte sein, da der bestehende Gegensatz nicht von einem neuen Gegensatz abgelöst werde. Mit dem Sieg der Lohnarbeiter über die Kapitalisten sollen nämlich alle (...) Klassenschranken überwunden werden, womit Einheit, Harmonie und Frieden in die Welt einkehre. >Geschichte/Marx.

1. K. Marx und F. Engels, Manifest der Kommunistischen Partei, 1848

Marx I
Karl Marx
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Klassenkampf Schumpeter Brocker I 252
Klassenkampf/SchumpeterVsMarx/Schumpeter: Schumpeter nennt die marxistische Theorie des Klassenkampfs die »Konstruktion einer unüberbrückbaren Kluft zwischen Werkzeugeigentümern und Werkzeugbenützern«. (1) Schumpeter sieht in der Klassentheorie »die verkrüppelte Schwester der ökonomischen Geschichtsauffassung« (2). »Die Übertreibung der Endgültigkeit und Bedeutung der Trennungslinie zwischen der Kapitalistenklasse […] und dem Proletariat wurde nur durch die Übertreibung des Antagonismus zwischen ihnen noch überboten.“ SchumpeterVsMarx: diese Beziehung sei zu normalen Zeit in erster Linie eine der Zusammenarbeit. (3)
>Marxismus, >K. Marx.

1. Joseph A. Schumpeter, Capitalism, Socialism and Democracy, New York 1942. Dt.: Joseph A. Schumpeter, Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie, Tübingen/Basel 2005 (zuerst: Bern 1946). S. 40
2. Ebenda S. 31
3. Ebenda S. 40.
Ingo Pies, „Joseph A. Schumpeter, Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie (1942)“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018.

EconSchum I
Joseph A. Schumpeter
Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung Leipzig 1912

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Klassische Ökonomie Say Rothbard II 22
Klassische Ökonomie/Say/Rothbard: Say begnügte sich nicht mit einer allgemeinen, wenn auch bahnbrechenden Analyse der Preisbildung von Produktionsfaktoren. Er schuf praktisch die berühmte „Triade“ der klassischen Ökonomie: Land (oder „natürliche Agenten“), Arbeit (oder „Industrie“ für Say) und Kapital. Die Arbeit bearbeitet die „natürlichen Mittel“ oder setzt sie ein, um Kapital zu schaffen, das dann in Zusammenarbeit mit dem Boden und der Arbeit zur Steigerung der Produktivität eingesetzt wird. Obwohl das Kapital die vorherige Schöpfung der Arbeit ist, wird es, sobald es vorhanden ist, von der Arbeit zur Steigerung der Produktion eingesetzt. Wenn es Klassen von Produktionsfaktoren gibt, wie könnte man dann leichter in die Falle tappen, als zu behaupten, dass jede Klasse die Art von Einkommen erhält, die ihr im allgemeinen Sprachgebrauch zugeschrieben wird, d.h. Arbeit erhält Lohn, Boden erhält Pacht und Kapital erhält Zinsen? Sicherlich ein Ansatz des gesunden Menschenverstands! Und so hat Say ihn übernommen. RothbrdVsSay: Obwohl er als erster Versuch (mit Ausnahme des vergessenen Turgot), die Produktionstheorie aus Adam Smiths Wirrwarr herauszuholen, nützlich ist, geht diese oberflächliche Klarheit auf Kosten eines tiefen Irrtums, der erst von den Österreichern aufgedeckt werden sollte.
>Österreichische Schule.
Erstens beginnen diese drei starr getrennten Kategorien bereits in der interessanten Einsicht von Say aufzubrechen, dass die Arbeiter ihre Dienste an die Kapital- und Bodenbesitzer „verleihen“ und dafür Lohn erhalten; dass die Bodenbesitzer ihr Land an Kapital und Arbeit „verleihen“ und dafür Pacht erhalten; und dass die Kapitalisten ihr Kapital „verleihen“ und dafür Zinsen erhalten. Wie genau unterscheiden sich diese Zahlungen? Wie unterscheidet sich die Pacht als „Leih“-Preis vom Zins als Kredit? Und wie unterscheidet sich der Lohn vom Zins oder der Miete? Tatsächlich ist das Durcheinander noch schlimmer, denn Arbeiter und Grundbesitzer „verleihen“ ihre Dienstleistungen nicht; sie sind keine Gläubiger. Im Gegenteil, im tiefsten Sinne leihen die Kapitalisten ihnen Geld, indem sie ihnen Geld geben, bevor sie das Produkt an die Verbraucher verkaufen; und so sind die Arbeiter und Grundbesitzer „Schuldner“ der Kapitalisten und zahlen ihnen einen natürlichen Zinssatz.
Böhm-Bawerk: Und schließlich beruht dieser klassische Dreiklang auf einer grundsätzlichen Äquivokation zwischen „Kapital“ und „Kapitalgütern“, wie Böhm-Bawerk schließlich aufzeigen wird. Kapital als Spar- oder Kreditmittel kann Zinsen einbringen, aber Kapitalgüter - die die realen physischen Produktionsfaktoren und nicht Geldmittel sind - bringen keine Zinsen ein.
Wie alle
Rothbard II 23
anderen Faktoren, verdienen Kapitalgüter einen Preis, einen Preis pro Zeiteinheit für ihre Dienste. Wenn man so will, erzielen Kapitalgüter, Boden und Arbeitskräfte alle solche Preise, im Sinne von „Mieten“, wobei ein Mietpreis als Preis eines beliebigen Gutes pro Zeiteinheit definiert wird. Dieser Preis wird durch die Produktivität des jeweiligen Faktors bestimmt. Aber woher kommen dann die Zinsen auf das Kapital?
Zins/SayVsSmith/SayVsRicardo/SayVsMarx/Rothbard: Bei der Auseinandersetzung mit dem Problem des Zinses kritisiert Say also Smith und die Smithianer dafür, dass sie sich auf die Arbeit als einzigen Produktionsfaktor konzentrieren und die kooperierende Rolle des Kapitals vernachlässigen. Auf die Smith-Ricardsche (und später Marxsche) Entgegnung, dass das Kapital lediglich akkumulierte Arbeit sei, antwortet Say: Ja, aber die einmal erbrachten Leistungen des Kapitals sind da und setzen sich fort und müssen bezahlt werden.
>Arbeitsteilung/Say.

EconSay I
Jean-Baptiste Say
Traité d’ Economie Politique Paris 1803

Rothbard II
Murray N. Rothbard
Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995

Rothbard III
Murray N. Rothbard
Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009

Rothbard IV
Murray N. Rothbard
The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988

Rothbard V
Murray N. Rothbard
Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977
Konjunktur Marx Rothbard II 428
Konjunkturzyklus/Wirtschaftskreislauf/Marx/Rothbard: Eine letzte Variante von Marx' Versuch, die Unvermeidlichkeit der proletarischen Revolution zu beweisen, war eng mit der Lehre von der absoluten Verarmung verbunden. >Kapitalismus/Marx.
Diese Variante betonte jedoch nicht einen stetigen säkularen Trend zu wachsender Verarmung oder eine industrielle Reservearmee, sondern zunehmend zerstörerische Konjunkturkrisen und Depressionen, die durch Verarmung und konjunkturelle Arbeitslosigkeit gekennzeichnet sind.
>Arbeitslosigkeit/Marx.
Unterkonsumtionstheorie: Die Erklärung der Depression durch Unterkonsumtion war Marx' vorherrschende Variante der Zyklustheorie, was sich beispielsweise in seinen und Engels' wiederholten Angriffen auf das Saysche Gesetz und auf Ricardos Festhalten an diesem Gesetz zeigt. Wie insbesondere in Marx' Theorien des Mehrwertes (1861- 63) dargelegt, geht es darum, dass mit dem Fortschreiten der kapitalistischen Akkumulation und Produktion die Fähigkeit der ausgebeuteten Arbeiter, die weit weniger als den Wert ihres Produkts verdienen, zu konsumieren, überstiegen wird.
Rothbard II 429
RothbardVsMarx: Das offensichtlichste und eklatanteste Problem mit einer unterkonsumtiven Theorie der Wirtschaftskrisen ist, dass sie zu viel erklärt. Denn wenn der Konsum der Massen niemals ausreicht, um das Produkt zurückzukaufen und die Unternehmen rentabel zu halten, warum gibt es dann keine dauerhafte Depression? Warum gibt es sowohl Aufschwünge als auch Zusammenbrüche? Sowohl Marx als auch Engels waren sich dieses Problems offenbar bewusst und sahen daher die Notwendigkeit, zumindest eine ergänzende Theorie aufzustellen. So räumte Marx in Band III des Kapitals (...) ein, dass es zumindest vorübergehende Aufschwungphasen vor Krisen gibt, wenn die Löhne steigen und die Arbeiter einen größeren Anteil am Produkt erhalten. Engels/Rothbard: Auch Engels stellt in Anti-Dühring zunächst fest, dass „die Großindustrie, die in der ganzen Welt nach neuen Konsumenten jagt, den Konsum der Massen zu Hause auf ein Hunger-Minimum beschränkt und damit ihren eigenen Binnenmarkt untergräbt“. Aber dann, etwas später in demselben Werk, räumt Engels, nachdem er behauptet hat, dass „die Unterkonsumtion der Massen daher auch eine notwendige Bedingung der Krisen ist“, ein, dass dieser Begriff nicht erklären kann, „warum es heute Krisen gibt“, während „es sie in früheren Perioden nicht gab“.
Rothbard II 430
Problem/RothbardVsMarx: Kurz gesagt, warum haben die Unternehmer [eine] Reihe von schweren Prognosefehlern gemacht, die die Zeit der Wirtschaftskrise kennzeichnen? Nichts von alledem konnte natürlich von Marx und den Unterkonsumtionisten berücksichtigt werden, die sich nicht die Mühe machen, das Preissystem zu berücksichtigen. Außerdem hat Marx, wie schon Smith und Ricardo vor ihm, keine Vorstellung vom Unternehmer oder von der Funktion des Unternehmertums. >Unternehmertum.
Krisen/Rothbard: Schließlich ist bekannt, dass Krisen immer beginnen, und zwar nicht in den Konsumgüterindustrien, wie es der Unterkonsumismus erwarten ließe, sondern gerade in den Investitionsgüterindustrien, und zwar in jenen Industrien, die am weitesten und am weitesten vom Verbraucher entfernt sind. Das Problem scheint also - richtigerweise - eher ein Zuviel als ein Zuwenig an Konsum zu sein.(1)
>Markt/Marx.
Rothbard II 433
Konjunkturzyklus/James Mill/Rothbard: (...) Die Mill'sche Theorie des nicht-monetären Konjunkturzyklus durchdrang die Reihen der Ökonomen und ermutigte Ökonomen einschließlich Marx, die kapitalistische Marktwirtschaft für das Wiederauftreten von Konjunkturzyklen verantwortlich zu machen. Die Erkenntnisse der verschwundenen Währungsschule, die Erkenntnis, dass Geld und Kredit als notwendige Bedingung nahe dran waren, eine Ursache zu nennen, und die ursprüngliche Einsicht, dass es einer Ausweitung des Bankkredits bedarf, um die Signale des Marktes an die Unternehmer zu verzerren und einen Boom-Bust-Zyklus zu erzeugen, blieben verschüttet und wurden erst 1912 von Ludwig von Mises entdeckt oder wiederentdeckt.
1. Für eine weitere Kritik der Unterkonsumtionstheorie, siehe Murray N. Rothbard, America's Great Depression (4th ed., New York: Richardson & Snyder, 1983), pp. 55-8.

Marx I
Karl Marx
Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957

Rothbard II
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Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995

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Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977
Löhne Marx Rothbard II 412
Löhne/Marx/Rothbard: Was bestimmt die Löhne, den Betrag, der den Arbeitern von der Kapitalistenklasse zähneknirschend zugestanden wird? Hier treten Malthus und das eiserne Gesetz der Löhne in Erscheinung, das die Löhne stets auf das Existenzminimum festlegt. Marx beeilt sich natürlich, sein zukünftiges kommunistisches Utopia von jeglichen Malthus'schen Problemen freizusprechen, indem er behauptet, dass Malthus und das eiserne Gesetz nur im Kapitalismus gelten und im Kommunismus sicherlich nicht anwendbar wären. Rothbard: Es muss betont werden, dass das eiserne Gesetz für das gesamte Marx'sche System entscheidend ist. Für Marx werden der Wert und der Preis jeder Ware durch ihre Kosten bestimmt, d.h. durch die Menge an Arbeitsstunden, die in ihre Produktion fließen. Marx war der Ansicht, dass die Kapitalisten den Arbeitern auf dem Markt den „Wert ihrer Arbeitskraft“ zahlen, womit er natürlich nicht ihre Produktivität oder Grenzproduktivität meinte, sondern die Kosten für die Produktion und den Unterhalt der Arbeit, d. h. die Kosten oder die Menge der Arbeitsstunden, die für die Produktion der Subsistenzmittel der Arbeiter erforderlich sind.(1)
>Werttheorie/Marx.
David ConwayVsMarx: (...) Conway behauptet in seiner im Allgemeinen ausgezeichneten Übersicht und Kritik des Marxismus, dass Marx' Theorie des Mehrwerts nicht das eiserne Gesetz des Lohns erfordert, da die Kapitalisten immer noch einen gewissen Mehrwert extrahieren könnten, selbst wenn die Löhne höher als der Subsistenzlohn wären.
Rothbard: Sehr richtig, aber dann wären die Löhne im Marxschen System unbestimmt, und es gäbe in der Tat keinen Grund anzunehmen, dass Mehrwert überhaupt existiert oder dass er groß genug ist, um in der Wirtschaft eine Bedeutung zu haben. Außerdem, wenn die Löhne nicht an die
Wenn die Löhne nicht auf das Existenzminimum beschränkt sind, ist die Lage der Arbeiter im Kapitalismus vielleicht doch nicht so bedauernswert.
>Profitrate/Marx.

1. [David] Conway fasst den Punkt von Marx treffend zusammen: Der Arbeiter erhält als Tageslohn eine Wertsumme, die dem Wert seiner Arbeitskraft für einen Tag entspricht. Da der Wert der Arbeitskraft eines Tages gleich der Menge an Arbeit ist, die erforderlich ist, um die Arbeitskraft dieses Tages zu produzieren, folgt daraus, dass der Wert der Arbeitskraft eines Tages gleich der Menge an Arbeit ist, die erforderlich ist, um die pro Tag verbrauchten Subsistenzmittel des Arbeiters zu produzieren“. in David Conway, A Farewell to Marx: An Outline and Appraisal of His Theories (Harmondsworth, Mddx: Penguin Books, 198 7), pp. 96-7.

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Karl Marx
Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957

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Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977
Märkte Marx Rothbard II 431
Markt/Marx/Rothbard: (...) in der 'Disproportionalitäts'-Theorie von Marx kehren wir in einem tiefen Sinn dorthin zurück, wo wir, oder vielmehr Marx selbst, begonnen haben: zum Kommunismus und dem Wunsch, den Markt und die Arbeitsteilung zu beseitigen. In seinen Erörterungen im Kapital und in den Theorien des Mehrwerts (1861-63) vertritt er die Ansicht, dass Zyklen und Krisen unweigerlich aus dem Marktprozess resultieren. Für Marx war das Problem in der Marktwirtschaft und insbesondere in der Geld- oder indirekten Tauschwirtschaft endemisch. Da der Markt angeblich über keinen Koordinationsmechanismus verfügt, ist die gesamte Produktion und der Austausch nach Marx chaotisch und unkoordiniert, ein Regime, das er die „Anarchie der Produktion“ nannte.
Rothbard II 432
Gleichgewicht/MarxVsRicardo/Rothbard: Marx hatte einen aufschlussreichen Punkt gegen die Ricardianer, die britischen Klassizisten seiner Zeit. Die Welt sonnt sich in der Tat nicht glücklich im Nimmerland des langfristigen Gleichgewichts. RothbardVsMarx: Aber was Marx übersehen hat, ist genau das, was die Ricardianer übersehen haben: Wenn sie ihren Blick aus dem Wolkenland des langfristigen Gleichgewichts heraus und zurück in die reale Welt der Marktwirtschaft gelenkt hätten, hätten sie eine ganz andere Welt entdeckt. Sie hätten gesehen, was Turgot und die Franzosen, Italiener und Scholastiker gesehen hatten: Die reale Welt der Märkte ist nicht
Die reale Welt der Märkte ist nicht perfekt, aber doch harmonisch und dynamisch koordiniert durch zwei entscheidende Elemente: ein Preissystem, das frei schwanken kann, um die wechselnden Kräfte von Angebot und Nachfrage auszugleichen; und Unternehmer, die in ihrem ständigen Streben nach Gewinnsteigerung und Vermeidung von Verlusten diese koordinierende Aufgabe übernehmen.
>Preis, >Märkte, >Unternehmertum, >Gleichgewicht.

Marx I
Karl Marx
Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957

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Marx Höffe Höffe I 369
Marx/Höffe: Entfremdung:HöffeVsMarx: Es ist (...) nicht falsch, zwei Begriffe von Entfremdung miteinander zu verschränken: die sozialpsychologische Entfremdung, dass «jemand oder etwas einem fremd wird», und die wirtschaftsrechtliche Entfremdung, dass «jemand Eigentum veräußert». Marx vertritt aber die weitergehende These, beide Entfremdungen seien zwei Seiten ein und desselben Vorgangs. Weil diese These weder begründet wird noch einleuchtet, kann auch das gesellschaftspolitische Ziel nicht überzeugen, dass eine Veränderung der Wirtschaftsform, die Aufhebung des Privateigentums, die sozialpsychologische Veränderung, den nicht mehr entfremdeten Menschen, zustande bringt.
>Entfremdung.
Veränderung/HöffeVsMarx: (...) eine Veränderung der Wirtschaftsform [kommt] nur über eine Veränderung der Menschen zustande. In Begriffen von Hegel ist die «objektive Sittlichkeit», die Welt der Institutionen, zur «subjektiven Sittlichkeit», der menschlichen Verantwortung, nur ein Gegenstück, nicht ihr Ersatz.
>Sittlichkeit/Hegel.
Höffe I 370
Generell überschätzt [Marx] in Hegelschen Begriffen im Rahmen der objektiven Sittlichkeit das Gewicht der Wirtschaft gegenüber dem von Recht und Staat. Theorie/HöffeVsMarx: Selbst eine in argumentativer Hinsicht zwingende Theorie kann die entsprechende Praxis nicht selbst hervorbringen. Denn dafür braucht es ein seinem Wesen nach praktisches Moment: die Zustimmung zu der vorgeblich zwingenden Theorie, deren Anerkennung also.
>Praxis.

Höffe I
Otfried Höffe
Geschichte des politischen Denkens München 2016
Marx Rothbard Rothbard II 317
Marx/Rothbard: Marx lehnte mit Nachdruck jene Utopisten ab, die den Kommunismus durch einen allmählichen und evolutionären Prozess, durch einen stetigen Fortschritt des Guten erreichen wollten. Nein, Marx berief sich auf die Apokalyptiker, die deutschen und holländischen Wiedertäufer des 16. Jahrhunderts, die tausendjährigen Sekten während des englischen Bürgerkriegs und die verschiedenen Gruppen vormillennialer Christen, die ein blutiges Armageddon in der Endzeit voraussahen, bevor das Millennium eingeführt werden konnte.
Rothbard II 320
Vorgeschichte/Rothbard: In der typischen kommunalen tausendjährigen Zukunft, einer Epoche der Glückseligkeit und der Harmonie, wird die Arbeit, die Notwendigkeit zu arbeiten, heruntergespielt oder verschwindet gänzlich. Arbeit, zumindest Arbeit zur Aufrechterhaltung und Verbesserung des Lebensstandards, wird von vielen Menschen nicht als Merkmal einer Utopie empfunden. In der Vision von Joachim von Fiore, dem vielleicht ersten mittelalterlichen Millennialisten, wäre keine Arbeit erforderlich, um den endlosen Reigen der Feiern und Gebete zu stören, weil die Menschen den Status immaterieller Objekte erreicht hätten. Wenn der Mensch reiner Geist wäre, würde das wirtschaftliche Problem - das Problem der Produktion und des Lebensstandards - zwangsläufig verschwinden. Doch leider konnte Marx als Atheist und Materialist nicht auf einen Kommunismus des reinen Geistes à la Fiore zurückgreifen. Wie könnten die materiellen Menschen das Problem der Produktion und der Aufrechterhaltung und Erweiterung ihres Lebensstandards lösen? Lösung/Rothbard: Einerseits hat Marx angenommen und behauptet, dass die Güter in der zukünftigen kommunistischen Gesellschaft im Überfluss vorhanden sein würden. Wenn dem so wäre, gäbe es natürlich keine Notwendigkeit, auf das universelle ökonomische Problem der Knappheit von Mitteln und Ressourcen in Bezug auf die Zwecke hinzuweisen. Indem er das Problem jedoch wegnahm, hinterließ Marx das Rätsel künftigen Generationen, (...).
Rothbard II 321
Andererseits haben marxistische Eliten, die bereits an der Macht sind, das ultimative Ziel des Kommunismus vorsichtshalber immer weiter in eine ferne Zukunft verschoben. Und so waren die Sowjets schnell dabei, harte Arbeit und Allmählichkeit zu betonen, um auf das Endziel hinzuarbeiten.(1)
Rothbard II 335
Kommunismus/Marx/RothbardVsMarx/MisesVsMarx/Rothbard: {Marx] schlug nicht vor, die Verwirklichung des Kommunismus dem unvollkommenen freien Willen der Menschen zu überlassen. Er verlangte einen bestimmten, „unvermeidlichen“ Weg, ein „Gesetz der Geschichte“, das die absolute Unvermeidbarkeit des Erreichens der letzten Herrlichkeit der Geschichte in einer kommunistischen Gesellschaft beweisen würde.
Rothbard II 336
(...) Marx' geburtshilfliche Analogien sind nur ein schwacher Versuch, den Selbstwiderspruch zwischen der Idee der Unvermeidlichkeit und dem Handeln, um das Unvermeidliche zu erreichen, zu umgehen. Denn nach Marx wird sowohl der Zeitpunkt als auch das Wesen der Ereignisse durch die materielle Dialektik der Geschichte bestimmt. Der Sozialismus wird, schrieb Marx im Kapital, durch das „Wirken der immanenten Gesetze der kapitalistischen Produktion selbst“ herbeigeführt. MisesVsMarx: Wie von Mises hervorhebt, sind für Marx Ideen, politische Parteien und revolutionäre Aktionen lediglich ein Überbau; sie können den Lauf der Geschichte weder aufhalten noch beschleunigen. Der Sozialismus wird kommen, wenn die materiellen Bedingungen für sein Erscheinen im Schoß der kapitalistischen Gesellschaft gereift sind, weder früher noch später. Wenn Marx konsequent gewesen wäre, hätte er sich nicht politisch betätigt. Er hätte in aller Ruhe den Tag abgewartet, an dem „die Glocke des kapitalistischen Privateigentums ertönt“.(2)

1. Die KPdSU [Kommunistische Partei der Sowjetunion], die eine Partei des wissenschaftlichen Kommunismus ist, schreitet voran und löst die Probleme des kommunistischen Aufbaus in dem Maße, wie die materiellen und geistigen Voraussetzungen dafür bereit und reif sind, wobei sie sich davon leiten lässt, dass notwendige Entwicklungsstufen nicht übersprungen werden dürfen...“. Fundamentals of Marxism-Leninism (2nd rev. ed., Moscow: Foreign Languages Publishing House, 1963), p. 662. Also see ibid., pp. 645-6, 666-7, 674-5.
2. Ludwig von Mises, Theory and History, (1957, Auburn, Ala.: Ludwig von Mises Institute, 1985), p. 81.

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Rothbard III
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Rothbard IV
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The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988

Rothbard V
Murray N. Rothbard
Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977
Marx Schumpeter Brocker I 251
Marx/Schumpeter: Schumpeter konstatiert, die »praktische Urteilskraft« von Karl Marx, ja sogar seine »politische Methode« habe auf »Diagnosefehlern« und »Wunschdenken« beruht.(1) Es gibt aber auch freundlichere Kommentare Schumpeters über den Wissenschaftler Marx. Marx habe vor allem die richtigen Fragen gestellt und eine fächerübergreifende Vision entwickelt, die ihren Fokus auf einen »Prozeß unaufhörlicher Veränderung der Wirtschaftsstruktur«(2) richtet.
Brocker I 252
SchumpeterVsMarx: Schumpeter kritisiert an Marx, was er auch an Ricardo und Keynes kritisiert: dass ihre wissenschaftlichen Aussagen auf politische Wirkung berechnet sind (und gerade damit den wissenschaftlichen Gehalt verschleiern, so dass es schwierig wird, ihn konstruktiv zu kritisieren). >D. Ricardo, >J.M. Keynes.
Aber im Kleid des Analytikers zu predigen und mit einem Blick auf die Bedürfnisse des Herzens zu analysieren, dies schuf eine leidenschaftliche Anhängerschaft und gab dem Marxisten jenes größte Geschenk, das in der Überzeugung besteht, dass das, was man ist und wofür man einsteht, niemals unterliegen, sondern am Ende siegreich sein wird«(3).
Brocker I 253
Ökonomie/Marx/Schumpeter: Schumpeter pro Marx: dieser gab sich nicht mit den üblichen Schlagworten der Übervorteilung oder Betrügerei zufrieden, sondern analysierte Ausbeutung als etwas, das sich aus der eigenen Logik des Kapitals ergab, unabhängig von den Absichten des Einzelnen.(4)
1. Joseph A. Schumpeter, Capitalism, Socialism and Democracy, New York 1942. Dt.: Joseph A. Schumpeter, Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie, Tübingen/Basel 2005 (zuerst: Bern 1946). Insbesondere der Schlussteil des Buches.
2. Ebenda S. 54
3. Ebenda S. 21.
4. Ebenda S. 51
Ingo Pies, „Joseph A. Schumpeter, Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie (1942)“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018.

EconSchum I
Joseph A. Schumpeter
Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung Leipzig 1912

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Marx Smith Otteson I 44
Karl Marx/Adam Smith/Otteson: Marx glaubte, noch nicht einmal zwanzig Seiten nach dem Reichtum der Nationen(1), den entscheidenden Hinweis gefunden zu haben: Adam Smith, der Vater der Ökonomie, gibt zu - ja, er feiert sogar die Tatsache, dass die Smithsche politische Ökonomie auf Egoismus beruht. >Egoismus/Adam Smith.
SmithVsMarx/Otteson: Wie würde Smith also auf die Kritik von Marx reagieren? Er würde zunächst einmal sagen, dass die Gleichheit, auf die es ankommt, nicht die materielle Gleichheit ist, sondern die Gleichheit der moralischen Handlungsfähigkeit. Eine Gesellschaft, in der jeder Mensch die Freiheit hat, für sich selbst ein Leben mit Sinn und Zweck zu gestalten und zu bestimmen, wie ein solches Leben aussehen soll; in der jeder Mensch auch die Verantwortung für sein eigenes Leben trägt, die seine freie moralische Handlungsfähigkeit mit sich bringt; und in der jeder Mensch diese Freiheit und Verantwortung in gleichem Maße wie jeder andere Mensch hat: das ist die Gesellschaft der Gleichheit, für die es sich moralisch zu kämpfen lohnt.
Und Smith würde den Spieß umdrehen: Nicht die Gesellschaft der individuellen Freiheit, der Verantwortung und des gegenseitigen Respekts entmenschlicht die Menschen, sondern die Gesellschaft, in der die einen von den anderen nehmen dürfen, in der die einen für die anderen entscheiden und in der deshalb die einen die Macht über die anderen haben, verletzt die ihnen innewohnende Würde und eine angemessene Vorstellung von moralischer Gleichheit. Diese Art von Gesellschaft ist es nicht wert, verteidigt zu werden, egal wie großartig sie beschrieben wird.
>Gemeinschaft/Adam Smith, >Gerechtigkeit/Adam Smith,
>Kapitalismus/Marx.

1. Smith, Adam. (1776) The Wealth of Nations. London: W. Strahan and T. Cadell.

EconSmith I
Adam Smith
The Theory of Moral Sentiments London 2010

EconSmithV I
Vernon L. Smith
Rationality in Economics: Constructivist and Ecological Forms Cambridge 2009

Otteson I
James R. Otteson
The Essential Adam Smith Vancouver: Fraser Institute. 2018
Marxismus Ball Gaus I 20
Marxismus/Interpretation/Ball: Ein marxistischer Ansatz zur Textinterpretation stößt auf eine Reihe von Schwierigkeiten, darunter die folgenden. Wir haben bereits gesehen, dass Marxisten davon ausgehen, dass die herrschenden Ideen einer Epoche diejenigen sind, die den Interessen der herrschenden Klasse dienen; und da die meisten politischen Denker einer gebildeten Elite angehört haben, dienen ihre Ideen der herrschenden Klasse. >Interpretation/Ball.
1) BallVsMarxismus: Aber dann haben Marx und Engels (und Lenin, Trotzki, Bucharin, Lukács und viele andere prominente Marxisten) nicht der Klasse der unterdrückten Werktätigen angehört, sondern einer gebildeten und belesenen
Gaus I 21
Elite. >K. Marx, >F. Engels, >L. Trotzki, >G. Lukács.
Nach Marxianischem Licht sollten ihre Ideen den Interessen der herrschenden Kapitalistenklasse dienen, nicht denen des werktätigen Proletariats. Wie können die Ideen dieser Marxisten den Interessen einer Klasse dienen, zu der sie nicht gehören?
MarxismusVsVs: Alle Versuche (von Marx und anderen), diese Frage zu beantworten - dass es einige gibt, die durch Wille oder Intellekt ihre 'objektive' Klassenbasis überschreiten, dass die Arbeiter nicht für sich selbst theoretisieren können, weil sie mit 'falschem Bewusstsein' behaftet sind, während die Intellektuellen der Mittelklasse es nicht sind, usw. - lediglich Ad-hoc-Rationalisierungen sind und eindeutig unbefriedigend sind.
2) VsMarxismus: Darüber hinaus wird nicht zufriedenstellend erklärt (oder auch nur erklärbar), wie Marxisten alle politischen Theorien, vergangene und gegenwärtige, als ideologische Masken interpretieren können, die die Herrschaft einer Klasse durch eine andere verbergen und rechtfertigen - und dennoch ihre eigene Theoriebildung als Ausnahme von dieser Regel ausnehmen.
3) VsMarxismus: (...) Nicht zuletzt haben die marxistischen Interpretationen eine formelhafte Qualität: Die Dolmetscherin hat voreingestellte Vorstellungen davon, was sie vorfindet - nämlich ideologische Tricks oder Verwirrung im Dienste der herrschenden Klasse - und diese findet sie gleichsam in den unschuldigsten Passagen lauernd.
>Ideologie.

Ball, Terence. 2004. „History and the Interpretation of Texts“. In: Gaus, Gerald F. 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications.

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Marxismus Feminismus Gaus I 281
Marxismus/Feminismus/FeminismusVsMarxismus/Mottier: Für feministische Marxistinnen ist der Begriff der individuellen Rechte eine Illusion, die dazu dient, die kapitalistischen
Gaus I 282
und patriarchalischen Grundlagen des liberalen Staates sowie seine Herrschaft durch eine männliche Elite zu verschleiern. Sie bestehen insbesondere auf der Notwendigkeit, den Wert der von Frauen geleisteten "reproduktiven Arbeit" anzuerkennen. >Kapitalismus.
VsMarxismus: Wie Mary Dietz (1992)(1) jedoch feststellt, ist das Thema der Staatsbürgerschaft in der marxistischen Kritik des Kapitalismus und der repräsentativen Demokratie stark unterentwickelt. Marxistische Theoretiker neigen dazu, feministische Politik auf den revolutionären Kampf gegen den Staat zu reduzieren - der als Hauptursache für die Unterdrückung von Frauen angesehen wird - und Frauen auf ihre reproduktiven Funktionen zu reduzieren.
>M. Dietz.

1. Dietz, Mary (1992) 'Context is all: feminism and theories of citizenship'. In Chantal Mouffe, Hrsg., Dimensions of Radical Democracy. London: Verso, 63—85.

Véronique Mottier 2004. „Feminism and Gender Theory: The Return of the State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Marxismus Habermas III 216
Marxismus/Habermas: Hegel ist auf dem Wege einer unkritischen Aneignung des dialektischen Begriffsapparates wirksam geworden; in die Grundbegriffe der Kritik der Politischen Ökonomie ist die Einheit von theoretischer und praktischer Vernunft so eingebaut, dass die normativen Grundlagen der Marxschen Theorie
III 217
bis heute verdunkelt worden sind. >Reine Vernunft, >Praktische Vernunft, >Ethik, >Erkenntnistheorie, >G.W.F. Hegel.
Diese Unklarheit ist im Marxismus teils umgangen, teils verdeckt, aber nicht eigentlich ausgeräumt worden: umgangen durch die Aufspaltung der Marxschen Gesellschaftstheorie in Sozialforschung und ethischen Sozialismus (M. Adler); und verdeckt sowohl durch eine orthodoxe Bindung an Hegel (Lukács, Korsch) wie durch eine Assimilation an die stärker naturalistischen Entwicklungstheorien des 19. Jahrhunderts (Engels, Kautsky). Diese Theorien bilden die Brücke, über die zunächst die geschichtsphilosophisch behandelte Rationalisierungsthematik auf die Soziologie übergegangen ist. (1)
>Soziologie.

IV 222
Lebenswelt/Marxismus/Habermas: Die marxistische Kritik der bürgerlichen Gesellschaft setzt an den Produktionsverhältnissen an, weil sie die Rationalisierung der Lebenswelt akzeptiert, aber die Verformungen der rationalisierten Lebenswelt aus Bedingungen der materiellen Reproduktion erklären will. >Lebenswelt/Habermas.
Dieser Ansatz verlangt eine Theorie, die auf einer breiteren grundbegrifflichen Basis als der der „Lebenswelt“ operiert. Sie darf die Lebenswelt weder mit der Gesellschaft im Ganzen identifizieren, noch darf sie sie auf systemische Zusammenhänge reduzieren.
>Gesellschaft, >Systeme, >Systemtheorie.
IV 399
Marxismus/VsKapitalismus/Habermas: Ausgangspunkt der gesamten Kapitalismuskritik war die Frage, ob die Umstellung vorbürgerlich normativ organisierter Arbeitsbeziehungen auf das Medium Geld, ob also die Monetarisierung der Arbeitskraft
IV 400
einen Eingriff in Lebensverhältnisse und Interaktionsbereiche bedeutet, die selber nicht medienförmig integriert sind und auch nicht schmerzlos, d. h. ohne sozialpathologische Auswirkungen, von Strukturen verständigungsorientierten Handelns abgehängt werden können. >Geld/Habermas, Geld/Parsons.
IV 504
Marxismus/HabermasVsMarxismus/Habermas: Der Marxsche Ansatz fordert eine ökonomistisch verkürzte Interpretation der entwickelten kapitalistischen Gesellschaften. Für diese hat Marx mit Recht einen evolutionären Primat der Wirtschaft behauptet. Dieser Primat darf aber nicht dazu verleiten, das komplementäre Verhältnis von Ökonomie und Staatsapparat auf eine triviale Überbau-Basis-Vorstellung zuzuschneiden. Lösung/Habermas: Im Unterschied zum Monismus der Werttheorie müssen wir mit zwei Steuerungsmedien und vier Kanälen rechnen, über die zwei einander ergänzende Subsysteme die Lebenswelt ihren Imperativen unterwerfen. Verdinglichungseffekte können sich gleichermaßen aus der Bürokratisierung und der Monetarisierung von öffentlichen wie von privaten Lebensbereichen ergeben.
IV 505
Der ökonomistische Ansatz versagt angesichts der Pazifizierung des Klassenkonflikts und des langfristigen Erfolges, den der Reformismus in den europäischen Ländern seit dem zweiten Weltkrieg im Zeichen einer im weiteren Sinne sozialdemokratischen Programmatik errungen hat. >Interventionismus/Habermas.

1. J. Habermas Zur Rekonstruktion des Historischen Materialismus, Frankfurt, 1976.

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Marxismus Jonas Brocker I 610
Marxismus/JonasVsMarxismus/Jonas: Jonas geht davon aus, dass der Sozialismus eher in der Lage ist, eine „Verzichtspolitik“ (1) durchzusetzen, als es die westlichen liberalen Demokratien seien. Dieser Verzicht sei notwendig, um die Biosphäre für zukünftige Generationen zu erhalten und menschliches Leben zu erhalten. >Ethik/Jonas. – Allerdings:
Brocker I 611
JonasVsMarxismus: dieser habe den technologischen Größenwahn der Menschheit mit befeuert, indem er – wie der Kapitalismus – eine grundsätzlich technologische Konzeption der Gesellschaft“ (2) verfolge. JonasVsBloch: Jonas versteht sein Buch Das Prinzip Verantwortung explizit als Gegenentwurf und »Kritik des marxistischen Utopismus« (3), wie er paradigmatisch in Ernst Blochs Das Prinzip Hoffnung (3 Bde., 1954-1959) zum Ausdruck gekommen war.

1. Hans Jonas, »Warum wir heute eine Ethik der Selbstbeschränkung brauchen«, in: Elisabeth Ströker (Hg.), Ethik der Wissenschaften? Philosophische Fragen, München/Paderborn u. a. 1984, S. 86
2. Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation, Frankfurt/M. 1979, S. 276.
3. Ebenda S. 327

Manfred Brocker, „Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Jonas I
Hans Jonas
Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation Frankfurt 1979

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Marxismus Olson Brocker I 483
Marxismus/Kollektives Handeln/Olson: OlsonVsMarx/OlsonVsMarxismus: Problem: Die marxistische Klassentheorie und die pluralistische Auffassung von Interessenvertretungen übersehen das Problem kollektiven Handelns. >Kollektives Handeln.
Brocker I 484
Zwar haben die Angehörigen der jeweiligen Klassen gemeinsame Interessen, aber das bedeutet nicht, dass jeder Einzelne auch motiviert wäre, seinen individuellen Beitrag zu leisten. Trittbrettfahrerproblem: wenn die Einzelnen, die eine Klasse bilden, rational handeln, wird es nicht zu klassenorientiertem Handeln kommen«.(1) Dies gilt für die Arbeiter, die sich in Gewerkschaften zusammenschließen, um für die Erhöhung ihrer Löhne zu kämpfen. Es gilt aber auch für die Klasse der Arbeiter insgesamt, die ein Interesse daran hat, die Spaltung der Gesellschaft in Klassen zu überwinden.
>Trittbrettfahrer, >Moral Hazard.

1. Mancur Olson, The Logic of Collective Action: Public Goods and the Theory of Groups, Cambridge, Mass. 1965. Dt.: Mancur Olson, Die Logik des kollektiven Handelns: Kollektivgüter und die Theorie der Gruppen, Tübingen 1998 (zuerst 1968)., S. 104.

Johannes Marx, „Mancur Olson, Die Logik des kollektiven Handelns“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

EconOlson I
Mancur Olson
The logic of collective action: Public goods and the theory of groups Cambridge 1965

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Materialismus Marx Rothbard II 374
Technologie/Materialismus/Marx/RothbardVsMarx/Rothbard: Eine technische Erfindung ist nicht etwas Materielles. Sie ist das Produkt eines geistigen Prozesses, des Denkens und des Erdenkens neuer Ideen. Die Werkzeuge und Maschinen können als materiell bezeichnet werden, aber die Tätigkeit des Geistes, der sie geschaffen hat, ist sicherlich geistig. Der Marxsche Materialismus führt „überstrukturelle“ und „ideologische“ Phänomene nicht auf „materielle“ Wurzeln zurück. Er erklärt diese Phänomene als durch einen im Wesentlichen geistigen Prozess, nämlich die Erfindung, verursacht.(1) Rothbard: Maschinen sind verkörperte Ideen. Darüber hinaus erfordern technische Prozesse nicht nur Erfindungen. Sie müssen aus dem Erfindungsstadium herausgebracht und in konkreten Maschinen und Verfahren verkörpert werden. Das erfordert aber neben der Erfindung auch Ersparnisse und Kapitalinvestitionen. Wenn man diese Tatsache anerkennt, dann bestimmen die „Produktionsverhältnisse“, das Rechts- und Eigentumsrechtssystem in einer Gesellschaft, ob Sparen und Investitionen gefördert oder behindert werden. Noch einmal: Der richtige Kausalverlauf führt von Ideen, Prinzipien und dem rechtlichen und eigentumsrechtlichen „Überbau“ zur angeblichen „Basis“.
Rothbard: In ähnlicher Weise wird nicht in Maschinen investiert, wenn es in einer Gesellschaft keine ausreichende Arbeitsteilung gibt. Noch einmal: Die gesellschaftlichen Verhältnisse, die kooperative Arbeitsteilung und der Austausch in der Gesellschaft, bestimmen das Ausmaß und die Entwicklung der Technik und nicht umgekehrt.(2)
>Produktionsverhältnisse/Marx, >Historischer Materialismus/Marx.
Rothbard: Abgesehen von diesen logischen Fehlern ist die materialistische Lehre auch faktisch absurd. Offensichtlich hat die Handmühle, die im alten Sumer herrschte, dort keine feudale Gesellschaft „hervorgebracht“: Außerdem gab es kapitalistische Verhältnisse lange vor der Dampfmühle. Sein technologischer Determinismus führte Marx dazu, jede wichtige neue Erfindung als magische „materielle Produktivkraft“ zu bejubeln, die unweigerlich die sozialistische Revolution herbeiführen würde.
Engels/Rothbard: Engels trieb den technologischen Determinismus so weit, dass er erklärte, es sei die Erfindung des Feuers gewesen, die den Menschen von den Tieren getrennt habe. Vermutlich war die Gruppe der Tiere, zu der das Feuer irgendwie gelangte, daraufhin dazu bestimmt, sich aufwärts zu entwickeln; das Auftauchen des Menschen selbst war einfach ein Teil des Überbaus.
Überbau: (...) warum kann die Technik, die sich irgendwie als automatische Gegebenheit entwickelt, nicht einfach und die 'Produktionsverhältnisse' und den 'Überbau' darüber nicht einfach und reibungslos verändern? Wenn nämlich die Basis zu jedem Zeitpunkt den Rest des Aufbaus bestimmt, wie kann dann eine Veränderung der Basis nicht auch eine
Rothbard II 375
entsprechende Veränderung des restlichen Aufbaus nach sich ziehen? Aber auch hier gibt es ein geheimnisvolles Element im Marxschen System. Marx/Rothbard: In dem Maße, in dem sich die Technologie und die Produktionsweisen weiterentwickeln, geraten sie periodisch in Konflikt, oder, in dem eigentümlichen hegelianisch-marxschen Jargon, in „Widerspruch“ zu den Produktionsverhältnissen, die unter den Bedingungen fortbestehen, die der vergangenen Zeit und der vergangenen Technologie entsprechen. Diese Verhältnisse werden somit zu „Fesseln“, die die technologische Entwicklung blockieren. Da sie zu Fesseln für das Wachstum werden, führt die neue Technologie zu einer unvermeidlichen sozialen Revolution, die die alten Produktionsverhältnisse und den Überbau umstürzt und neue schafft, die blockiert oder gefesselt wurden. Auf diese Weise entsteht aus dem Feudalismus der Kapitalismus, der seinerseits dem Sozialismus weichen wird.
Rothbard: Wenn aber die Technik die gesellschaftlichen Produktionsverhältnisse bestimmt, was ist dann die geheimnisvolle Kraft, die die Veränderung dieser Verhältnisse verzögert? Es kann nicht die menschliche Hartnäckigkeit, Gewohnheit oder Kultur sein, da wir bereits von Marx darüber informiert wurden, dass die Produktionsweisen die Menschen dazu zwingen, unabhängig von ihrem bloßen Willen soziale Beziehungen einzugehen.
Wie [John] Plamenatz(3) hervorhebt, wird uns lediglich gesagt, dass die Produktionsverhältnisse zu Fesseln für die Produktivkräfte werden. Marx behauptet dies nur und versucht nicht einmal, eine materielle oder andere Ursache zu nennen.
>Produktionsverhältnisse/Marx, >Historischer Materialismus/Marx.

1. Ludwig von Mises, Theory and History (1957, Auburn, Ala.: Mises Institute, 1985), pp. 109-110.
2. In the Poverty of Philosophy, Marx angrily denounced Proudhon for making this very point, that division of labour precedes machines.
3. John Plamenatz, German Marxism and Russian Communism (New York: Longmans, Green & Co., 19 54), p. 29.

Marx I
Karl Marx
Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957

Rothbard II
Murray N. Rothbard
Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995

Rothbard III
Murray N. Rothbard
Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009

Rothbard IV
Murray N. Rothbard
The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988

Rothbard V
Murray N. Rothbard
Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977
Mehrwert Marx Rothbard II 411
Profitrate/Mehrwert/Marx/Rothbard: Im Gegensatz zu Ricardo (...) werden Boden und Pacht [bei Marx] einfach dem 'Kapital' gleichgesetzt, da die Arbeit des Menschen angeblich ohnehin allen Boden geschaffen hat und da die Bedeutung von Boden und Feudalismus angeblich mit dem Fortschreiten des Kapitalismus verschwindet. Werte und Preise von Land müssen daher nicht behandelt oder erklärt werden. Profit/Marx/Rothbard: Für Marx entsteht der Profit nur aus der Ausbeutung der Arbeit; er ist der Mehrwert, der über den für den Lebensunterhalt der Arbeit notwendigen Lohn hinausgeht. Der Profit hingegen hat nichts mit der Menge des investierten Kapitals zu tun; denn Kapital ist nur tote Materie, gespeicherte oder eingefrorene Arbeit, und kann daher nicht mehr „ausgebeutet“ werden, um aktuelle Profite zu erzielen.(1) Nur „lebendige“ Arbeit kann also verwendet werden, um Profit für den Kapitalisten zu erzielen. Wenn aber der Profit ausschließlich aus der Arbeit gezogen wird, bedeutet dies, dass jede Kapitalakkumulation notwendigerweise die Profitrate des Kapitalisten reduziert. Nehmen wir also an, es wird kein Kapital oder, in den Marx'schen Begriffen, „konstantes“ Kapital eingesetzt(2), und die Investitionen erfolgen ausschließlich in Form von „variablem Kapital“, das zur Bezahlung der Löhne verwendet wird.
>Löhne/Marx.
Rothbard II 413
Profitrate/Marx/Rothbard: Die [Marx'sche] Theorie besagt, dass, da die Profite nur aus der Ausbeutung der Arbeit stammen, sind die Profitraten in stark kapitalisierten Industrien notwendigerweise niedriger als in arbeitsintensiven Industrien. Aber jeder, auch Marx, muss zugeben, dass dies auf dem Markt offensichtlich nicht zutrifft. Wie Smith und Ricardo sehr wohl wussten, tendieren die Profitraten auf dem Markt dazu, sich in allen Branchen anzugleichen. Aber wie kann das sein, wenn die Profitraten in den arbeitsintensiven Industrien notwendigerweise und systematisch höher sind? Hier liegt sicherlich die größte Lücke im Marxschen Modell. Marx erkannte an, dass die Profitraten in der realen Welt eindeutig zur Gleichheit tendieren (oder, wie Marx es nannte, zu einer „durchschnittlichen Profitrate“), und dass die realen Preise oder Tauschwerte auf den kapitalistischen Märkten daher nicht zu ihren Marx'schen Werten der Arbeitsmenge ausgetauscht werden. >Werttheorie/Marx.
Rothbard: Marx gab dieses entscheidende Problem zu und versprach, dass er es in einem späteren Band des Kapitals erfolgreich lösen könne. Er kämpfte mit diesem Problem für den Rest seines Lebens und löste es nie - vielleicht einer der Hauptgründe dafür, dass er die Arbeit am Kapital frühzeitig einstellte und die späteren Bände nie veröffentlichte.
Rothbard II 414
Rothbard: Band III wurde zwei Jahre später von Böhm-Bawerk in seinem ausführlichen Rezensionsaufsatz Karl Marx und das Ende seines Systems einer detaillierten, vernichtenden und gründlichen Demontage unterzogen.(3) Rothbard: Leider war Böhm-Bawerks Standpunkt zu technisch, um außerhalb der Reihen der Ökonomen viel Einfluss zu haben, und seitdem hat der Marxismus seine größte Anziehungskraft in den Reihen der Soziologen, Historiker, Literaten und anderer, die dazu neigen, ökonomisch unwissend zu sein.
Böhm-BawerkVsMarx: Marx behauptete, dass die Waren auf dem Markt im Verhältnis zu den in ihnen verkörperten Arbeitsmengen getauscht werden (d.h. dass ihr Wert durch die Menge der zu ihrer Herstellung benötigten Arbeitsstunden bestimmt wird), und räumte gleichzeitig ein, dass die Profitraten aller Waren tendenziell gleich sind. Doch wenn der erste Satz wahr ist, wären die Profitraten systematisch niedriger im Verhältnis zur Intensität der Kapitalinvestitionen und höher im Verhältnis zur Arbeitsintensität der Produktion. Marx versprach, diesen unlösbaren Widerspruch in Band III aufzulösen und diese beiden grundlegend widersprüchlichen Sätze miteinander zu versöhnen.
Lösung/Marx/Böhm-Bawerk: In Karl Marx and the Close of His System(3) zeigte Böhm-Bawerk, dass die von Marx angebotene „Lösung“ eine Täuschung war und dass Marx in Wirklichkeit das Handtuch warf und zugab, dass auf dem kapitalistischen Markt die Profitraten gleich waren und daher die Preise nicht proportional zur Menge der Arbeitsstunden bei der Produktion von Waren waren oder durch diese bestimmt wurden. Stattdessen machte sich Marx die Ricardianische Standardtheorie zu eigen und gab zu, dass die Preise tatsächlich durch die Kosten (oder, in seiner Terminologie, „Preise“) der Produktion plus die durchschnittliche Profitrate bestimmt werden. Auf diese Weise gab Marx zwar vor, seine Theorie gerettet zu haben, indem er großspurig davon sprach, dass die Konkurrenz „Werte in Produktionspreise“ umwandelt, doch in Wirklichkeit hatte er die Werttheorie der Arbeit völlig aufgegeben und damit sein gesamtes System zum Scheitern gebracht.
>Profitrate/Smith, >Profitrate/Ricardo, >Ware/Marx, >Lohn/Marx.
Rothbard II 428
RothbardVsMarx: Schließlich gibt es einen eklatanten inneren Widerspruch im Herzen der Marxschen Ökonomie, der nie aufgelöst wird. Wenn die Kapitalisten im Laufe der Zeit unter einer sinkenden Profitrate und die Arbeiter unter einer zunehmenden Verarmung leiden, wer profitiert dann bei der Verteilung des wirtschaftlichen Kuchens? Zumindest im ricardianischen System leiden die Kapitalisten unter einer sinkenden Profitrate, und die Arbeiter werden am Existenzminimum gehalten, aber eine Gruppe schnappt sich weiterhin alle sozialen Vorteile - die parasitären Grundbesitzer und ihre zunehmende Absorption des Sozialprodukts durch die Bodenrente. Im Marx'schen System sind die Grundbesitzer jedoch verschwunden, da sie zunehmend und schnell in der Kapitalistenklasse aufgegangen sind. Wie können also beide mächtigen Klassen im sich entwickelnden Kapitalismus untergehen?(4) >Kapitalismus/Marx, >Geschichte/Marx.

1. Wie Böhm-Bawerk später betonte, müssen wir, selbst wenn wir uns für diesen Produktionskostenansatz entscheiden, anerkennen, dass das Kapital nicht nur Arbeit und Boden, sondern auch Zeit verkörpert. Land wurde, wie wir noch sehen werden, von Marx verworfen, indem er es mit dem Kapital verschmolz; hätte man aber die Zeit als wichtigen Faktor anerkannt, dann hätte man auch die Zeitpräferenz anerkennen müssen, und das gesamte Marxsche System wäre zusammengebrochen.
2. Konstant“ deshalb, weil Kapitalgüter nach Marx als Mitnahmeeffekte keinen Profit oder Wertzuwachs erzeugen können.
3. Erstmals veröffentlicht unter dem Titel Zum Abschluss des Marxschen Systems in einer Festschrift für Karl Knies im Jahr 1896 und als eigenständige Broschüre im selben Jahr. Es war ein schneller Erfolg, wurde im folgenden Jahr ins Russische übersetzt und die englische Übersetzung erschien 1898. Leider ist „Abschluss“ ein eigenartiger und irreführender Begriff; ein weitaus zutreffenderer Titel wäre Karl Marx and the Completion of His System gewesen.
4. Siehe Gottfried Haberler, 'Marxist Economics in Retrospect and Prospect', in M. Drachkovitch (ed.), Marxist Ideology in the Contemporary World - Its Appeals and Paradoxes (Hoover Institution, New York: Praeger, 19 66), pp. 118, 183.


Kurz I 156
Mehrwert/Marx/Ricardo/MarxVsRicardo/Sraffa/Kurz: Als Sraffa Anfang der 1940er Jahre das Kapital von Marx (und erneut die Theorien des Mehrwerts) sorgfältig studierte, stellte er fest, dass Marx einen wichtigen Fehler in Ricardos Argumentation entdeckt hatte. Marx hatte Ricardos neue Konzeption des Reallohns als proportionalen Lohn gebilligt (siehe Marx [1861-63](1) 1989, 226-227, 419) und hatte sie in das Verhältnis zwischen dem Wert des gesellschaftlichen Mehrprodukts (S) und dem des gesellschaftlichen variablen Kapitals ( V) oder der Mehrwertrate (S/ V) übersetzt. Dementsprechend ist Ricardos Aussage, dass die Höhe der allgemeinen Profitrate in umgekehrtem Verhältnis zu den proportionalen Löhnen steht, äquivalent zu der Aussage, dass ihr Rückgang (Anstieg) von einem Rückgang (Anstieg) der Mehrwertrate abhängt. Marx (1861-63] 1989(1), 10) hatte dagegen eingewandt, dass Ricardo die Profitrate fälschlicherweise mit der Mehrwertrate identifiziert habe: Er sei zu dieser Identifizierung verleitet worden, weil „Ricardo in seinen Betrachtungen über Profit und Lohn ... die Sache so behandelt, als ob das ganze Kapital unmittelbar in Lohn angelegt wäre.“ Wenn wir das Nicht-Lohn-Kapital berücksichtigen - oder, genauer gesagt, wenn wir berücksichtigen, dass das Kapital nicht in einer endlichen Anzahl von Schritten vollständig in direkte und indirekte Löhne aufgelöst werden kann, wie Ricardo anzunehmen geneigt war -, dann gilt seine These nicht mehr unbedingt: Die Profitrate kann fallen (oder steigen), auch wenn die proportionalen Löhne konstant bleiben.
SraffaVsMarx: Wie Sraffa jedoch feststellte, war Marx in seiner eigenen Behandlung des Lohns nicht immer konsequent gewesen. Ungeachtet seiner Zustimmung und Übernahme von Ricardos Konzept des proportionalen Lohns habe Marx - insbesondere in seinen eigenen Arbeitsnotizen zum Gesetz der fallenden Tendenz der Profitrate - frei zwischen diesem Konzept und dem traditionellen Konzept des Reallohns, der als Wareninventar verstanden wird, gewechselt.
>Mehrwert/Sraffa.

1. K. Marx. 1867. The Capital.The Process of Production of Capital.
https://www.marxists.org/archive/marx/works/1867-c1/ (21.11.2024)


Kurz, Heinz D. „Keynes, Sraffa, and the latter’s “secret skepticism“. In: Kurz, Heinz; Salvadori, Neri 2015. Revisiting Classical Economics: Studies in Long-Period Analysis (Routledge Studies in the History of Economics). London, UK: Routledge.

Marx I
Karl Marx
Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957

Rothbard II
Murray N. Rothbard
Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995

Rothbard III
Murray N. Rothbard
Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009

Rothbard IV
Murray N. Rothbard
The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988

Rothbard V
Murray N. Rothbard
Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977

Kurz I
Heinz D. Kurz
Neri Salvadori
Revisiting Classical Economics: Studies in Long-Period Analysis (Routledge Studies in the History of Economics). Routledge. London 2015
Mehrwert Ricardo Kurz I 156
Mehrwert/Marx/Ricardo/MarxVsRicardo/Sraffa/Kurz: Als Sraffa Anfang der 1940er Jahre das Kapital von Marx (und erneut die Theorien des Mehrwerts) sorgfältig studierte, stellte er fest, dass Marx einen wichtigen Fehler in Ricardos Argumentation entdeckt hatte. Marx hatte Ricardos neue Konzeption des Reallohns als proportionalen Lohn gebilligt (siehe Marx [1861-63](1) 1989, 226-227, 419) und hatte sie in das Verhältnis zwischen dem Wert des gesellschaftlichen Mehrprodukts (S) und dem des gesellschaftlichen variablen Kapitals ( V) oder der Mehrwertrate (S/ V) übersetzt. Dementsprechend ist Ricardos Aussage, dass die Höhe der allgemeinen Profitrate in umgekehrtem Verhältnis zu den proportionalen Löhnen steht, äquivalent zu der Aussage, dass ihr Rückgang (Anstieg) von einem Rückgang (Anstieg) der Mehrwertrate abhängt. Marx (1861-63] 1989(1), 10) hatte dagegen eingewandt, dass Ricardo die Profitrate fälschlicherweise mit der Mehrwertrate identifiziert habe: Er sei zu dieser Identifizierung verleitet worden, weil „Ricardo in seinen Betrachtungen über Profit und Lohn ... die Sache so behandelt, als ob das ganze Kapital unmittelbar in Lohn angelegt wäre.“ Wenn wir das Nicht-Lohn-Kapital berücksichtigen - oder, genauer gesagt, wenn wir berücksichtigen, dass das Kapital nicht in einer endlichen Anzahl von Schritten vollständig in direkte und indirekte Löhne aufgelöst werden kann, wie Ricardo anzunehmen geneigt war -, dann gilt seine These nicht mehr unbedingt: Die Profitrate kann fallen (oder steigen), auch wenn die proportionalen Löhne konstant bleiben.
SraffaVsMarx: Wie Sraffa jedoch feststellte, war Marx in seiner eigenen Behandlung des Lohns nicht immer konsequent gewesen. Ungeachtet seiner Zustimmung und Übernahme von Ricardos Konzept des proportionalen Lohns habe Marx - insbesondere in seinen eigenen Arbeitsnotizen zum Gesetz der fallenden Tendenz der Profitrate - frei zwischen diesem Konzept und dem traditionellen Konzept des Reallohns, der als Wareninventar verstanden wird, gewechselt.
>Mehrwert/Sraffa.

1. K. Marx. 1867. The Capital.The Process of Production of Capital.
https://www.marxists.org/archive/marx/works/1867-c1/ (21.11.2024)


Kurz, Heinz D. „Keynes, Sraffa, and the latter’s “secret skepticism“. In: Kurz, Heinz; Salvadori, Neri 2015. Revisiting Classical Economics: Studies in Long-Period Analysis (Routledge Studies in the History of Economics). London, UK: Routledge.

EconRic I
David Ricardo
On the principles of political economy and taxation Indianapolis 2004

Kurz I
Heinz D. Kurz
Neri Salvadori
Revisiting Classical Economics: Studies in Long-Period Analysis (Routledge Studies in the History of Economics). Routledge. London 2015
Natur Nietzsche Ries II 81
Natur/Nietzsche/Zur Genealogie der Moral(1)/NietzscheVsMarx: Die innere Natur verewigt den mörderischen Zusammenhang des Lebens in einer einzigen Leidensgeschichte. Pessimismus. >Leiden/Nietzsche, >Leben/Nietzsche, >Welt/Nietzsche, >Moral/Nietzsche, >Mensch/Nietzsche.

1. F. Nietzsche Genealogie der Moral, VI. 2.

Nie I
Friedrich Nietzsche
Sämtliche Werke: Kritische Studienausgabe Berlin 2009

Nie V
F. Nietzsche
Beyond Good and Evil 2014

Ries II
Wiebrecht Ries
Nietzsche zur Einführung Hamburg 1990
Negation Adorno Grenz I 50
Negation/AdornoVsHegel/Grenz: Adorno trennt, gegen Hegel, die subjektive von der objektiven Positivität der negierten Negation.(1) >Subjektivität/Adorno, >G.W.F. Hegel.
I 50
Dialektik/doppelte Negation/PopperVsDialektik/Adorno/Grenz: Adorno gibt der Popperschen Dialektikkritik recht: Die Gleichsetzung der Negation der Negation mit der Positivität ist die Quintessenz des Identifizierens und damit der Verdinglichung.
I 50
Negation/Adorno/Grenz: Das Bewusstsein des Fehlens von etwas oder der Falschheit, dies Moment der bestimmten Negation als seinerseits Subjektives, darf nicht der objektiven Logik und gar der Metaphysik gutgeschrieben werden.(2) >Objektivität/Adorno.
Grenz I 51
Die bestimmte Negation ändert die Verhältnisse nicht. Sie ist nur deren Bewusstsein.
Grenz I 80
Bestimmte Negation/MarxVsHegel/Grenz: Bsp Die bürgerliche Revolution gegen die Feudalgesellschaft: Pointe: Hier ist bestimmte Negation als Methode verlorengegangen. Der Feudalismus wird im Doppelsinn aufgehoben: Liquidiert wird die Herrschaft Weniger über die Vielen, erhalten bleibt der Gesellschaftscharakter der Gesellschaft.
I Grenz 83
Bestimmte Negation/AdornoVsHegel/AdornoVsMarx/Grenz: Adorno löst die Antinomie der Zweisinnigkeit des Aufhebens und Einbeziehung des praktischen Elements der Geschichte in die bestimmte Negation auf. >Geschichte/Adorno.
I Grenz 91
Bestimmte Negation/Adorno/Grenz: Neukonzeption als immanente Kritik: a) Als Aufhebung innerweltlich konzipiert – so entgeht sie der Immanenzkritik an Hegel.
I 92
b) Kehrt den Begriff der Zweckrationalität als irrational hervor(3). So ergibt sich die Notwendigkeit, den Etwas-Charakter des bestimmten Nichts geschichtsphilosophisch(4) zu tilgen. c) Diese Notwendigkeit wird unterstützt von der Durchstoßung des Natur-Geschichte-Antagonismus.
Demnach bestünde die bestimmte Negation darin, das dem Faktischen seine Potentialität entgegengehalten wird, „der es nicht genügen kann“.(5)
Grenz I 106
Bestimmte Negation/Kunst/Adorno/Grenz: Das Offenbaren des Bildgehalts eines Kulturphänomens ist nur möglich als bestimmte Negation seines gesellschaftlichen Gehaltes, oder, was dasselbe ist, als Gewinnung der Wahrheit seiner Unwahrheit. >Kunst/Adorno, >Kunstwerke/Adorno, >Wahrheit/Adorno, >Wahrheitsgehalt/Adorno.
Grenz I 113
Doppelte Negation/Adorno/Grenz: Adorno versteht die Negation der Negation als negativ: inhaltsvoll, aber ohne Etwas-Charakter.(6)
Grenz I 116
Negation/Adorno/Grenz: bestimmte Negation und Etwas-Charakter des bestimmten Nichts treten auseinander durch die Verwandlung der bestimmten Negation in die physiognomische Analyse und des bestimmten Nichts in eine auf Seiendes und sei nur noch polemisch bezogene Kategorie der Erfahrung. Das ist die Leistung der negativen Dialektik Adornos, mit der sie den historischen und den dialektischen Materialismus zu sich selbst bringt. >Materialismus/Adorno.
Grenz I 180
Negation/Adorno/Grenz: Resultate physiognomischer Negationen sind Kunstwerke oder hermetische Texte. Sie misslingen also als Negationen, insofern sie die Negativität ihrer Neganda zwar praktisch, dafür aber begriffslos und also unbestimmt, diffus negieren. Theorie: Demgegenüber ist die Theorie vollzogene Bestimmung von Seiendem als negativ bloß theoretisch, aber bestimmt.


1. Th. W. Adorno. Negative Dialektik, In: Gesammelte Schriften, Band 6: Negative Dialektik. Jargon der Eigentlichkeit. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1970.p. 159, FN
2. Ebenda.
3. Negative Dialektik, p. 8
4. Th. W. Adorno. Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente. Amsterdam 1947. p 126.
5. Th. W. Adorno. Ästhetische Theorie, In: Gesammelte Schriften 7, Rolf Tiedemann (Hg.), Frankfurt/M: Suhrkamp. 1970. p. 205.
6. Negative Dialektik, p. 159f

A I
Th. W. Adorno
Max Horkheimer
Dialektik der Aufklärung Frankfurt 1978

A II
Theodor W. Adorno
Negative Dialektik Frankfurt/M. 2000

A III
Theodor W. Adorno
Ästhetische Theorie Frankfurt/M. 1973

A IV
Theodor W. Adorno
Minima Moralia Frankfurt/M. 2003

A V
Theodor W. Adorno
Philosophie der neuen Musik Frankfurt/M. 1995

A VI
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften, Band 5: Zur Metakritik der Erkenntnistheorie. Drei Studien zu Hegel Frankfurt/M. 1071

A VII
Theodor W. Adorno
Noten zur Literatur (I - IV) Frankfurt/M. 2002

A VIII
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 2: Kierkegaard. Konstruktion des Ästhetischen Frankfurt/M. 2003

A IX
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 8: Soziologische Schriften I Frankfurt/M. 2003

A XI
Theodor W. Adorno
Über Walter Benjamin Frankfurt/M. 1990

A XII
Theodor W. Adorno
Philosophische Terminologie Bd. 1 Frankfurt/M. 1973

A XIII
Theodor W. Adorno
Philosophische Terminologie Bd. 2 Frankfurt/M. 1974

A X
Friedemann Grenz
Adornos Philosophie in Grundbegriffen. Auflösung einiger Deutungsprobleme Frankfurt/M. 1984
Ökonomie Weber Habermas III 300/301
Ökonomie/Wirtschaft/Weber/Habermas: Die beiden institutionellen Komplexe, in denen Max Weber die modernen Bewusstseinsstrukturen vor allem verkörpert sieht, sind die kapitalistische Wirtschaft und der moderne Staat. >Kapitalismus, >Staat.
Was ist daran „rational“?
>Rationalität.
Hier scheint Weber das im kapitalistischen Betrieb und in der modernen Staatsanstalt verwirkliche Organisationsmodell vorzuschweben, wenn er von gesellschaftlicher Rationalisierung spricht. Ihre Rationalität besteht darin, dass die darin Handelnden zu zweckrationalem Handeln verpflichtet sind. Die entscheidende ökonomische Grundlage ist die ‚Trennung‘ des Arbeiters von den sachlichen Betriebsmitteln: den Produktionsmittel der Wirtschaft, den Kriegsmitteln im Heer, den sachlichen Verwaltungsmitteln in der öffentlichen Verwaltung, den Forschungsmitteln im Universitätsinstitut und Laboratorium, den Geldmitteln bei ihnen allen.(1)
Habermas III 301/302
Die Konzentration der sachlichen Mittel ist die notwendige Bedingung für die Institutionalisierung zweckrationalen Handelns. >Institutionen, >Institutionalisierung.
Weber: „Der moderne kapitalistische Betrieb ruht vor allem auf der Kalkulation. Er braucht für seine Existenz eine Justiz und Verwaltung, deren Funktionieren wenigstens im Prinzip ebenso an festen generellen Normen rational kalkuliert werden kann, wie man die voraussichtliche Leistung einer Maschine kalkuliert.“(2)
Habermas III 305
WeberVsMarx/Habermas: Anders als Marx, der mit arbeitswerttheoretischen Überlegungen ansetzt, erklärt Weber die Institutionalisierung zweckrationalen Handelns zunächst mithilfe der protestantischen Berufskultur und nachfolgend mithilfe des modernen Rechtssystems. >Zweckrationalität, >K. Marx.


1. M. Weber, Wirtschaft und Gesellschaft, hrsg. v. J. Winckelmann, Tübingen 1964, S. 1047.
2. Ebenda S. 1048.

Weber I
M. Weber
Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus München 2013

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Politik Jonas Brocker I 610
Politik/Jonas: zur Durchsetzung seiner ethischen Imperative (siehe Ethik/Jonas, Ökologischer Imperativ/Jonas) setzt Jonas ganz auf die Politik und ihre Zwangsmittel. Erziehung allein sei nicht in der Lage, die ethische Neubesinnung der Menschen zu erreichen. Erforderlich sei, so Jonas, »ein Höchstmaß politisch auferlegter gesellschaftlicher Disziplin« (1), im Sinne einer »Verzichtpolitik« (2), einer »Unterordnung des Gegenwartsvorteils unter das langfristige Gebot der Zukunft« (3). Lösung/Jonas: ihm erscheinen Formen der politischen „Autokratie“ (4) wie der Sozialismus geeigneter als die marktwirtschaftlich organisierten liberalen Demokratien des Westens. Zusammenhang: Siehe Ethik/Jonas. Allerdings hat Jonas kritische Vorbehalte VsMarxismus: Siehe Marxismus/Jonas.

1. Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation, Frankfurt/M. 1979, S. 255
2. Hans Jonas, »Warum wir heute eine Ethik der Selbstbeschränkung brauchen«, in: Elisabeth Ströker (Hg.), Ethik der Wissenschaften? Philosophische Fragen, München/Paderborn u. a. 1984, S. 86
3. Jonas 1979, S. 255
4. Ebenda S. 262
Manfred Brocker, „Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Jonas I
Hans Jonas
Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation Frankfurt 1979

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Produktionsverhältnisse Marx Rothbard II 375
Produktionsverhältnisse/Marx/RothbardVsMarx/Rothbard: (...) wenn die Technik die gesellschaftlichen Produktionsverhältnisse bestimmt, was ist dann die geheimnisvolle Kraft, die die Veränderung dieser Verhältnisse verzögert? Es kann nicht der menschliche Starrsinn, die Gewohnheit oder die Kultur sein, denn wir sind bereits von Marx darüber informiert worden, dass die Produktionsweisen die Menschen dazu zwingen, unabhängig von ihrem bloßen Willen soziale Beziehungen einzugehen. Wie [John] Plamenatz(1) hervorhebt, wird uns lediglich gesagt, dass die Produktionsverhältnisse zu Fesseln für die Produktivkräfte werden. Marx behauptet dies lediglich und versucht nicht einmal, eine materielle oder andere Ursache zu nennen.
Produktionsverhältnisse/Plamenatz: (...) ein Teil der tiefen Verwirrung wird durch das Versäumnis von Marx, die „Produktionsverhältnisse“ adäquat zu definieren, sowohl erzeugt als auch verschleiert. Dieser Begriff schließt offenbar die rechtlichen Eigentumsverhältnisse ein. Wenn aber die legalen Eigentumsverhältnisse an dieser dialektischen Verzögerung der Anpassung schuld wären und damit die „Fesseln“ aufstellten, dann würde Marx zugeben, dass das Problem in Wirklichkeit rechtlich oder politisch und nicht ökonomisch ist. Aber er wollte, dass die bestimmende Basis rein ökonomisch ist; das Politische und Ideologische sollte nur Teil des bestimmten Überbaus sein. Die „gesellschaftlichen Produktionsverhältnisse“, angeblich ökonomisch, waren also die Fesseln; das kann aber nur Sinn machen, wenn damit das Eigentumsrecht oder die Rechtsordnung gemeint ist. Und so kam Marx aus seinem Dilemma heraus, indem er die „Produktionsverhältnisse“ so unscharf und ambivalent formulierte, dass diese Verhältnisse entweder als die Eigentumsstruktur einschließend, als identisch mit dieser Struktur aufgefasst werden konnten, oder aber die beiden als völlig getrennte Einheiten.
Rothbard II 376
Insbesondere erreichte Marx seinen obskurantistischen Zweck, indem er behauptete, dass das System der Eigentumsrechte Teil des „rechtlichen Ausdrucks der Produktionsverhältnisse“ sei - und somit irgendwie Teil des Überbaus und doch gleichzeitig Teil der ökonomischen „Produktionsverhältnisse“ sein könne. Der „rechtliche Ausdruck“ wurde natürlich auch nicht definiert.(2) Rothbard: Bei alledem gibt es keine Möglichkeit, dass der Begriff der „Produktionsverhältnisse“ den ökonomischen Determinismus verständlich machen, und es gibt keine Möglichkeit, wie diese Verhältnisse entweder durch die Produktionsweisen bestimmt werden oder selbst das System der Eigentumsrechte bestimmen können.
Lösung/Rothbard: Die einzig mögliche kohärente Kausalkette ist dagegen die umgekehrte: von den Ideen über die Eigentumsordnung bis hin zur Förderung oder Lähmung des Wachstums von Sparen und Investitionen sowie der technologischen Entwicklung.(3)
>Historischer Materialismus, >Klassenkampf/Marx.

1. John Plamenatz, German Marxism and Russian Communism (New York: Longmans, Green & Co., 1954), p. 29.
2. Ibid. p. 27.
3. Für eine Verteidigung der technologischen Monokausalität als Schlüssel zum Marxismus durch den Begründer des russischen Marxismus, George V. Plekhanov (1857-1918), see Plekhanov, The Development of the Monist View of History (New York: International Publishers, 1973). Cf. David Gordon, Critics of Marxism (New Brunswick, MJ: Transaction Books, 1986), p. 22. Eine Kritik des Marxismus-Plechanowismus findet sich in Leszek Kolakowski, Main Currents of Marxism (Oxford: Oxford, University Press, 1981), pp. 340-2.

Marx I
Karl Marx
Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957

Rothbard II
Murray N. Rothbard
Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995

Rothbard III
Murray N. Rothbard
Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009

Rothbard IV
Murray N. Rothbard
The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988

Rothbard V
Murray N. Rothbard
Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977
Profitrate Marx Rothbard II 411
Profitrate/Mehrwert/Marx/Rothbard: Im Gegensatz zu Ricardo (...) werden Boden und Pacht [bei Marx] einfach dem 'Kapital' gleichgesetzt, da die Arbeit des Menschen angeblich ohnehin allen Boden geschaffen hat und da die Bedeutung von Boden und Feudalismus angeblich mit dem Fortschreiten des Kapitalismus verschwindet. Werte und Preise von Land müssen daher nicht behandelt oder erklärt werden. Profit/Marx/Rothbard: Für Marx entsteht der Profit nur aus der Ausbeutung der Arbeit; er ist der Mehrwert, der über den für den Lebensunterhalt der Arbeit notwendigen Lohn hinausgeht. Der Profit hingegen hat nichts mit der Menge des investierten Kapitals zu tun; denn Kapital ist nur tote Materie, gespeicherte oder eingefrorene Arbeit, und kann daher nicht mehr „ausgebeutet“ werden, um aktuelle Profite zu erzielen.(1) Nur „lebendige“ Arbeit kann also verwendet werden, um Profit für den Kapitalisten zu erzielen. Wenn aber der Profit ausschließlich aus der Arbeit gezogen wird, bedeutet dies, dass jede Kapitalakkumulation notwendigerweise die Profitrate des Kapitalisten reduziert. Nehmen wir also an, es wird kein Kapital oder, in den Marx'schen Begriffen, „konstantes“ Kapital eingesetzt(2), und die Investitionen erfolgen ausschließlich in Form von „variablem Kapital“, das zur Bezahlung der Löhne verwendet wird.
>Löhne/Marx.
Rothbard II 413
Profitrate/Marx/Rothbard: Die [Marx'sche] Theorie besagt, dass, da die Profite nur aus der Ausbeutung der Arbeit stammen, sind die Profitraten in stark kapitalisierten Industrien notwendigerweise niedriger als in arbeitsintensiven Industrien. Aber jeder, auch Marx, muss zugeben, dass dies auf dem Markt offensichtlich nicht zutrifft. Wie Smith und Ricardo sehr wohl wussten, tendieren die Profitraten auf dem Markt dazu, sich in allen Branchen anzugleichen. Aber wie kann das sein, wenn die Profitraten in den arbeitsintensiven Industrien notwendigerweise und systematisch höher sind? Hier liegt sicherlich die größte Lücke im Marxschen Modell. Marx erkannte an, dass die Profitraten in der realen Welt eindeutig zur Gleichheit tendieren (oder, wie Marx es nannte, zu einer „durchschnittlichen Profitrate“), und dass die realen Preise oder Tauschwerte auf den kapitalistischen Märkten daher nicht zu ihren Marx'schen Werten der Arbeitsmenge ausgetauscht werden. >Werttheorie/Marx.
Rothbard: Marx gab dieses entscheidende Problem zu und versprach, dass er es in einem späteren Band des Kapitals erfolgreich lösen könne. Er kämpfte mit diesem Problem für den Rest seines Lebens und löste es nie - vielleicht einer der Hauptgründe dafür, dass er die Arbeit am Kapital frühzeitig einstellte und die späteren Bände nie veröffentlichte.
Rothbard II 414
Rothbard: Band III wurde zwei Jahre später von Böhm-Bawerk in seinem ausführlichen Rezensionsaufsatz Karl Marx und das Ende seines Systems einer detaillierten, vernichtenden und gründlichen Demontage unterzogen.(3) Rothbard: Leider war Böhm-Bawerks Standpunkt zu technisch, um außerhalb der Reihen der Ökonomen viel Einfluss zu haben, und seitdem hat der Marxismus seine größte Anziehungskraft in den Reihen der Soziologen, Historiker, Literaten und anderer, die dazu neigen, ökonomisch unwissend zu sein.
Böhm-BawerkVsMarx: Marx behauptete, dass die Waren auf dem Markt im Verhältnis zu den in ihnen verkörperten Arbeitsmengen getauscht werden (d.h. dass ihr Wert durch die Menge der zu ihrer Herstellung benötigten Arbeitsstunden bestimmt wird), und räumte gleichzeitig ein, dass die Profitraten aller Waren tendenziell gleich sind. Doch wenn der erste Satz wahr ist, wären die Profitraten systematisch niedriger im Verhältnis zur Intensität der Kapitalinvestitionen und höher im Verhältnis zur Arbeitsintensität der Produktion. Marx versprach, diesen unlösbaren Widerspruch in Band III aufzulösen und diese beiden grundlegend widersprüchlichen Sätze miteinander zu versöhnen.
Lösung/Marx/Böhm-Bawerk: In Karl Marx and the Close of His System(3) zeigte Böhm-Bawerk, dass die von Marx angebotene „Lösung“ eine Täuschung war und dass Marx in Wirklichkeit das Handtuch warf und zugab, dass auf dem kapitalistischen Markt die Profitraten gleich waren und daher die Preise nicht proportional zur Menge der Arbeitsstunden bei der Produktion von Waren waren oder durch diese bestimmt wurden. Stattdessen machte sich Marx die Ricardianische Standardtheorie zu eigen und gab zu, dass die Preise tatsächlich durch die Kosten (oder, in seiner Terminologie, „Preise“) der Produktion plus die durchschnittliche Profitrate bestimmt werden. Auf diese Weise gab Marx zwar vor, seine Theorie gerettet zu haben, indem er großspurig davon sprach, dass die Konkurrenz „Werte in Produktionspreise“ umwandelt, doch in Wirklichkeit hatte er die Werttheorie der Arbeit völlig aufgegeben und damit sein gesamtes System zum Scheitern gebracht.
>Profitrate/Adam Smith, >Profitrate/Ricardo, >Ware/Marx, >Lohn/Marx.
Rothbard II 428
RothbardVsMarx: Schließlich gibt es einen eklatanten inneren Widerspruch im Herzen der Marxschen Ökonomie, der nie aufgelöst wird. Wenn die Kapitalisten im Laufe der Zeit unter einer sinkenden Profitrate und die Arbeiter unter einer zunehmenden Verarmung leiden, wer profitiert dann bei der Verteilung des wirtschaftlichen Kuchens? Zumindest im ricardianischen System leiden die Kapitalisten unter einer sinkenden Profitrate, und die Arbeiter werden am Existenzminimum gehalten, aber eine Gruppe schnappt sich weiterhin alle sozialen Vorteile - die parasitären Grundbesitzer und ihre zunehmende Absorption des Sozialprodukts durch die Bodenrente. Im Marx'schen System sind die Grundbesitzer jedoch verschwunden, da sie zunehmend und schnell in der Kapitalistenklasse aufgegangen sind. Wie können also beide mächtigen Klassen im sich entwickelnden Kapitalismus untergehen?(4) >Kapitalismus/Marx, >Geschichte/Marx.

1. Wie Böhm-Bawerk später betonte, müssen wir, selbst wenn wir uns für diesen Produktionskostenansatz entscheiden, anerkennen, dass das Kapital nicht nur Arbeit und Boden, sondern auch Zeit verkörpert. Land wurde, wie wir noch sehen werden, von Marx verworfen, indem er es mit dem Kapital verschmolz; hätte man aber die Zeit als wichtigen Faktor anerkannt, dann hätte man auch die Zeitpräferenz anerkennen müssen, und das gesamte Marxsche System wäre zusammengebrochen.
2. "Konstant“ deshalb, weil Kapitalgüter nach Marx als Mitnahmeeffekte keinen Profit oder Wertzuwachs erzeugen können.
3. Erstmals veröffentlicht unter dem Titel Zum Abschluss des Marxschen Systems in einer Festschrift für Karl Knies im Jahr 1896 und als eigenständige Broschüre im selben Jahr. Es war ein schneller Erfolg, wurde im folgenden Jahr ins Russische übersetzt und die englische Übersetzung erschien 1898. Leider ist „Abschluss“ ein eigenartiger und irreführender Begriff; ein weitaus zutreffenderer Titel wäre Karl Marx and the Completion of His System gewesen.
4. Siehe Gottfried Haberler, 'Marxist Economics in Retrospect and Prospect', in M. Drachkovitch (ed.), Marxist Ideology in the Contemporary World - Its Appeals and Paradoxes (Hoover Institution, New York: Praeger, 19 66), pp. 118, 183.


Kurz I 164
Profitrate/Marx/MarxVsRicardo/Sraffa/Kurz: In der Lesart von Sraffa hatte Marx einen wichtigen Fehler in Ricardos Argumentation aufgedeckt, der von seiner Vernachlässigung des Nicht-Lohn-Kapitals bei der Analyse des Lohn-Gewinn-Verhältnisses ausging.26 Wie Marx ([1861-63] 1989, 73)(1) immer wieder betonte, hatte diese Vernachlässigung schwerwiegende Folgen und hatte insbesondere Ricardo dazu verleitet, bei der Erklärung einer fallenden Tendenz der Profitrate die Aufmerksamkeit auf die falschen Ursachen zu richten: Da aber für Ricardo die Profitrate und die Mehrwertrate identische Begriffe sind, kann ein ständiges Sinken des Profits oder die Tendenz zum Sinken des Profits nur als Ergebnis derselben Ursachen erklärt werden, die ein ständiges Sinken oder eine Tendenz zum Sinken der Mehrwertrate bewirken, d. h. in dem Teil des Tages, in dem der Arbeiter nicht für sich selbst, sondern für den Kapitalisten arbeitet. Was sind diese Ursachen? Wenn man davon ausgeht, dass die Länge des Arbeitstages konstant bleibt, dann kann der Teil des Arbeitstages, in dem der Arbeiter umsonst für den Kapitalisten arbeitet, nur dann sinken, abnehmen, wenn der Teil, in dem er für sich selbst arbeitet, wächst. Und das ist nur möglich (unter der Annahme, dass die Arbeit nach ihrem Wert bezahlt wird), wenn der Wert der Notwendigkeiten - der Mittel zum Lebensunterhalt, für die der Arbeiter seinen Lohn ausgibt - steigt. Infolge der Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit sinkt der Wert der Industriegüter jedoch ständig. Die sinkende Profitrate kann also nur dadurch erklärt werden, dass der Wert der Nahrungsmittel, des Hauptbestandteils der Existenzmittel, ständig steigt.
Für Ricardo sinkt die allgemeine Profitrate, wenn, und nur wenn, die proportionalen Löhne steigen.
MarxVsRicardo: Diese Behauptung war nicht richtig: Wie Marx hervorgehoben hatte, gilt sie nur, wenn man das lohnunabhängige Kapital außer Acht lässt und so argumentiert, als bestünden die Kapitalvorschüsse nur aus der Lohnsumme. Sobald man jedoch diese sehr restriktive Annahme aufgibt, kann die Profitrate fallen (oder steigen), selbst wenn die Lohnquote konstant bleibt.
>Marx/Sraffa.
Kurz I 165
Marx/Ricardo/Sraffa: In der Lesart von Sraffa hatte Marx sein Gesetz als Kritik an Ricardos Erklärung der fallenden Profitrate entwickelt und dabei wesentliche Elemente Ricardos in seine eigene Analyse übernommen. So hatte Marx argumentiert, dass ein Akkumulationsprozess ohne technischen Wandel mit tendenziell steigenden Geldlöhnen und einer sinkenden Ausbeutungsrate (d.h. steigenden Proportionslöhnen) verbunden ist - ganz unabhängig von steigenden Kosten der Nahrungsmittelproduktion oder dem so genannten Gesetz der Bevölkerung (vgl. Marx [1867] 1954, 581-582).(1)
Ricardo: Laut Sraffa hatte Marx auch ein anderes Element der Ricardo-Lehre in seine eigene Analyse aufgenommen: Ricardos „Maschinerie-Substitutions-Argument“ findet sich in Marx' Gesetz der fallenden Profitrate in Form einer „zunehmenden organischen Zusammensetzung des Kapitals“ wieder. Darüber hinaus hatte Marx in Sraffas Verständnis seine Argumentation auf das gleiche „natürliche Verlaufsszenario“ gestützt wie Ricardo: Beide waren von
Kurz I 166
einer Analyse des Falles der Akkumulation bei gegebenen technischen Kenntnissen, wobei bekannte, aber bisher unbenutzte Methoden infolge von Veränderungen der Distributionsvariablen und der relativen Preise eingeführt werden können, der technische Fortschritt selbst aber beiseite gelassen wird. >Profitrate/Sraffa.

1. K. Marx. 1867. The Capital.The Process of Production of Capital.
https://www.marxists.org/archive/marx/works/1867-c1/ (21.11.2024)


Kurz, Heinz; Salvadori, Neri 2015. Revisiting Classical Economics: Studies in Long-Period Analysis (Routledge Studies in the History of Economics). London, UK: Routledge.

Marx I
Karl Marx
Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957

Rothbard II
Murray N. Rothbard
Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995

Rothbard III
Murray N. Rothbard
Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009

Rothbard IV
Murray N. Rothbard
The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988

Rothbard V
Murray N. Rothbard
Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977

Kurz I
Heinz D. Kurz
Neri Salvadori
Revisiting Classical Economics: Studies in Long-Period Analysis (Routledge Studies in the History of Economics). Routledge. London 2015
Rationalisierung Habermas III 22
Rationalisierung/Soziologie/Habermas: Das Verständnis rationaler Handlungsorientierungen wird zum Bezugspunkt für das Verständnis aller Handlungsorientierungen. Für die Soziologie bedeutet dies den folgenden Zusammenhang zwischen metatheoretischer und methodologischer Ebene:
a) Auf metatheoretischer Ebene wählt sie Grundbegriffe, die auf den Rationalitätszuwachs der modernen Lebenswelt zugeschnitten sind.
b) Auf methodologischer Ebene wird das Verständnis rationaler Handlungsorientierungen zum Bezugspunkt für das Verständnis aller Handlungsorientierungen (Theorie des Sinnverstehens). Dabei geht es um interne Beziehungen zwischen Bedeutung und Geltung.
>Soziologie, >Stufen/Ebenen, >Beschreibungsebenen, >Theorie, >Methode, >Handlungen/Habermas.
III 209
Rationalisierung/HabermasVsMarx/VsAdorno/VsHorkheimer/VsWeber/Habermas: Der Rationalitätsbegriff dieser Autoren ist zu eng, um die ihnen vorschwebende umfassende gesellschaftliche Rationalität zu erfassen. >Rationalität/Habermas, >Rationalität/Adorno, >Rationalität/Weber, >HabermasVsAdorno, >HabermasVsMarx, >HabermasVsWeber.
Der Begriff müsste auf derselben Ebene ausgewiesen werden wie die Produktivkräfte, die Subsysteme zweckrationalen Handelns, die totalitären Träger der instrumentellen Vernunft.
>Produktivkräfte/Habermas.
Das geschieht nicht. Der Handlungsbegriff dieser Autoren ist dafür nicht komplex genug.
>Handlungssysteme/Habermas.
Außerdem darf man handlungs- und systemtheoretische Grundbegriffe nicht vermengen: LuhmannVsMarx, LuhmannVsWeber, LuhmannVsAdorno: die Rationalisierung von Handlungsorientierungen und lebensweltlichen Strukturen ist nicht dasselbe wie der Komplexitätszuwachs von Handlungssystemen.(1)
>LuhmannVsWeber, >LuhmannVsAdorno.
III 457
Kommunikatives Handeln/Rationalisierung/HabermasVsWeber/Habermas: erst wenn wir im “Gesellschaftshandeln” zwischen verständigungs- und erfolgsorientiertem Handeln differenzieren, lassen sich die kommunikative Rationalisierung des Alltagshandelns und die Subsystembildung für zweckrationales Wirtschafts- und Verwaltungshandeln als komplementäre Entwicklung begreifen. Zwar spiegeln beide die institutionelle Verkörperung von Rationalitätskomplexen, aber in anderer Hinsicht handelt es sich um gegenläufige Tendenzen. >Kommunikatives Handeln/Habermas, >Kommunikationstheorie/Habermas, >Kommunikation/Habermas, >Kommunikative Praxis/Habermas, >Kommunikative Rationalität/Habermas.
III 459
Rationalisierung/Habermas: Die Paradoxie der Rationalisierung, von der Weber gesprochen hat lässt sich abstrakt so fassen, das die Rationalisierung der Lebenswelt eine Art der Systemintegration ((s) von Teilsystemen mit nichtsprachlichen Kommunikationsmedien wie Geld und Macht) ermöglicht, die mit den Integrationsprinzip der ((s) sprachlichen) Verständigung in Konkurrenz tritt und unter bestimmten Bedingungen ihrerseits auf die Lebenswelt desintegrierend zurückwirkt. >Lebenswelt.

IV 451
Rationalisierung/Moderne/HabermasVsWeber/Habermas: Weber konnte die Legitimationsprobleme, die eine positivistisch ausgehöhlte legale Herrschaft hervorruft, nicht in das Rationalisierungsmuster moderner Gesellschaften einordnen, weil er selbst rechtspositivistischen Auffassungen verhaftet blieb. >Legitimität/Habermas.
Lösung/Habermas: These:

(p) Die Entstehung (…) moderner Gesellschaften erfordert die institutionelle Verkörperung von Moral- und Rechtsvorstellungen posttraditionaler Art, aber

(q) die kapitalistische Modernisierung folgt einem Muster, demzufolge die kognitiv-instrumentelle Rationalität über die Bereiche von Ökonomie und Staat hinaus in andere, kommunikativ strukturierte Lebensbereiche eindringt und dort auf Kosten moralisch-praktischer und ästhetisch-praktischer Rationalität Vorrang erhält.

(r) Dadurch werden in der symbolischen Reproduktion der Lebenswelt Störungen hervorgerufen.

IV 452
Problem: Eine fortschreitend rationalisierte Lebenswelt wird von immer komplexer werdenden formal organisierten Handlungsbereichen wie Ökonomie und Staatsverwaltung zugleich entkoppelt und in Abhängigkeit gebracht. Dies nimmt sozialpathologische Formen einer inneren Kolonialisierung an. Und zwar in dem Maße, wie kritische Ungleichgewichte nur noch um den Preis von Störungen der symbolischen Reproduktion der Lebenswelt (d.h. von „subjektiv“ erfahrenen identitätsbedrohenden Krisen oder Pathologien) vermieden werden können.
IV 486
Die Rationalisierung setzt paradoxerweise beides zugleich frei – die systemisch induzierte Verdinglichung und die utopische Perspektive, aus der der kapitalistischen Modernisierung stets der Makel angehaftet hat, dass sie die traditionalen Lebensformen auflöst, ohne deren kommunikative Substanz zu retten. >Verdinglichung.

1.N. Luhmann, Zweckbegriff und Systemrationalität, Tübingen 1968.

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Rationalisierung Marx Habermas III 208
Rationalisierung/Marx/Habermas: nach Marx setzt sich die gesellschaftliche Rationalisierung unmittelbar in der Entfaltung der Produktivkräfte durch, d.h. in der Erweiterung des empirischen Wissens, der Verbesserung der Produktionstechniken und der immer wirksameren Mobilisierung, Qualifizierung und Organisation von gesellschaftlich nutzbarer Arbeitskraft. Hingegen werden die Produktionsverhältnisse, also die Institutionen, die die Verteilung sozialer Macht zum Ausdruck bringen und den differentiellen Zugang zu den Produktionsmitteln regulieren, allein unter dem Rationalisierungsdruck der Produktivkräfte revolutioniert. Max WeberVsMarx: Siehe Rationalisierung/Weber.
Habermas III 459
Rationalisierung/Marx/Habermas: in der Fassung einer Dialektik von toter und lebendiger Arbeit findet sich eine Entsprechung zur Dialektik der gesellschaftlichen Rationalisierung schon bei Marx. Wie die historischen Passagen des „Kapitals“ zeigen, untersucht Marx, wie der Akkumulationsprozess die Lebenswelt jener Produzenten aushöhlt, die als einzige Wahre ihre eigene Arbeitskraft anbieten können. Er verfolgt den widersprüchlichen Prozess der gesellschaftlichen Rationalisierung an den selbstdestruktiven Bewegungen eines Wirtschaftssystems, das auf der Basis der Lohnarbeit die Güterproduktion als Erzeugung von Tauschwerten organisiert und dadurch desintegrierend in die Lebensverhältnisse der an diesen Transaktionen beteiligten Klassen eingreift. Sozialismus liegt für Marx in der Fluchtlinie einer mit der kapitalistischen Auflösung traditionaler Lebensformen verfehlten Rationalisierung der Lebenswelt.(1) >Lebenswelt.

1.Siehe K. Löwith, M.Weber und K. Marx, in: Löwith (1960) 1ff; W. Schluchter (1972); N. Birnbaum, Konkurrierende Interpretationen der Genese des Kapitalismus: Marx und Weber, in: C. Seyfarth, W. Sprondel (1973), 38ff; A. Giddens, Marx, Weber und die Entwicklung des Kapitalismus, ebd. S. 65ff.

Marx I
Karl Marx
Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Rationalisierung Weber Habermas IIII 208
Rationalisierung/WeberVsMarx/Weber/Habermas: Weber beurteilt den institutionellen Rahmen der kapitalistischen Wirtschaft und des modernen Staates anders als Marx: nicht als Produktionsverhältnisse, die das Rationalisierungspotential fesseln, sondern als die Subsysteme zweckrationalen Handelns, in denen sich der okzidentale Rationalismus gesellschaftlich entfaltet. >Kapitalismus, >K. Marx.
Freilich befürchtet er, als Folge der Bürokratisierung, eine Verdinglichung sozialer Verhältnisse, die die motivationalen Antriebe rationaler Lebensführung erstickt.
>Verdinglichung, >Bürokratie, >Rationalität, >Zweckrationalität.
Horkheimer und Adorno, später auch Marcuse, deuten Marx aus dieser Weberschen Perspektive. Im Zeichen einer verselbständigten instrumentellen Vernunft verschmilzt die Rationalität der Naturbeherrschung mit der Irrationalität der Klassenherrschaft, stabilisieren die entfesselten Produktivkräfte die entfremdenden Produktionsverhältnisse.
>Rationalisierung/Marx, >Instrumentelle Vernunft.
Habermas III 228
Def Rationalisierung/Max Weber/Habermas: Rationalisierung nennt Weber jede Erweiterung des empirischen Wissens, der Prognosefähigkeit, der instrumentellen und organisatorischen Beherrschung empirischer Vorgänge.
Habermas III 238
Rationalisierung/Max Weber/Habermas: Weber will die Institutionalisierung zweckrationalen Handelns in Begriffen eines Rationalisierungsprozesses erklären. >Institutionalisierung, >Institutionen, >Organisation.
Ausgangszustand: die berufsethisch ausgerichtete methodische Lebensführung von Unternehmern und Staatsbeamten sowie das Organisationsmittel des formalen Rechts. Die entsprechenden Bewusstseinsstrukturen werden verkörpert in Institutionen auf der einen und Persönlichkeitssystemen (Handlungsdispositionen und Wertorientierungen) auf der anderen Seite. Letztlich ist für Weber der ethische und juristische Rationalismus Resultat eines auf der Ebene von Weltbildern gespiegelten Entzauberungsprozesses.
III 239
Es gibt zwei große Rationalisierungsschübe: 1. Rationalisierung von Weltbildern, 2. Umsetzung der kulturellen in eine gesellschaftliche Rationalisierung. >Weltbilder.
Habermas III 306
Rationalisierung/Weber/HabermasVsWeber/Habermas: Beim Übergang von der kulturellen zur gesellschaftlichen Rationalisierung macht sich eine folgenreiche Verengung des Rationalitätsbegriffs bemerkbar, die Weber in seiner Handlungstheorie vornimmt, die auf den Typus zweckrationalen Handelns zugeschnitten ist. Er setzt unmittelbar an den faktisch vorgefundenen Gestalten des westlichen Rationalismus an, ohne sie an den kontrafaktisch entworfenen Möglichkeiten einer rationalisierten Lebenswelt zu spiegeln. >Lebenswelt.
Wenn er allerdings für seine weiteren Untersuchungen Maßstäbe für die Messung einer geschrumpften Rationalität braucht, tauchen diese Probleme wieder auf.

Weber I
M. Weber
Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus München 2013

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Revolution Marx Habermas IV 499
Revolution/Marx/Habermas: Marx will nicht nur darstellen, wie der systemisch verselbständigte Prozess der Selbstverwertung des Kapitals aus der Lebensweltperspektive der Lohnarbeiter als kontinuierliche Ausbeutung erfahren wird, wie die Subsumtion der Arbeitskraft unter die Warenform die Arbeiter aus ihren traditionalen Lebensverhältnissen herausreißt, ständische Existenzweisen erst plebejisch entwurzelt und dann proletarisiert. >Arbeit/Marx, >Arbeitskraft/Marx, >Entfremdung/Marx, >Ware.
Marx entwirft vielmehr eine praktisch-politische Handlungsperspektive, die sich, in ihren Voraussetzungen, zu der vom Systemfunktionalismus stillschweigend eingenommenen Perspektive genau konträr verhält. Die Systemtheorie setzt voraus, dass der Prozess einer Instrumentalisierung der Lebenswelt bereits zum Abschluss gekommen ist.
Habermas IV 500
Demgegenüber fasst Marx einen zukünftigen Zustand ins Auge, in dem der objektive Schein des Kapitals zerronnen und die unter dem Diktat des Wertgesetzes gefangengehaltene Lebenswelt ihrer Spontaneität zurückgegeben worden ist. Er sieht die Formierung einer Bewegung voraus, die die politische Macht nur ergreift, um die Gesellschaft zu revolutionieren; zusammen mit dem Privateigentum an Produktionsmitteln wird sie die institutionellen Grundlagen des Mediums, über das die kapitalistische Wirtschaft ausdifferenziert worden ist, zerstören und den systemisch verselbständigten Prozess wirtschaftlichen Wachstums wieder in den Horizont der Lebenswelt einholen. Terminologie/Marx: System und Lebenswelt erscheinen bei Marx unter den Metaphern des „Reichs der Notwendigkeit“ und des „Reichs der Freiheit“.
>Lebenswelt.
WeberVsMarx/Habermas: Gegenüber den revolutionären Erwartungen von Marx, dass die theoretische Kritik den Zauber, der auf der abstrakt gewordenen Arbeit ruht, nur zu lösen brauche, hat Weber Recht behalten: „dass die Abschaffung des Privatkapitalismus…keineswegs ein Zerbrechen des stählernen Gehäuses der modernen gewerblichen Arbeit bedeuten würde..“(1)
>M. Weber.
HabermasVsMarx: Marx' Irrtum geht auf die dialektische Verklammerung von System- und Lebensweltanalyse zurück, die eine (…) Trennung zwischen dem (…)
Habermas IV 501
Niveau der Systemdifferenzierung und den klassenspezifischen Formen seiner Institutionalisierung nicht zulässt. >Lebenswelt, >Systemtheorie.

Brocker I 203
Permanente Revolution/Marx: Bereits Marx gebrauchte den Begriff der „permanenten Revolution“, und zwar erstmals in seiner Schrift „Zur Judenfrage“, 1844(4). Dort erklärt er die Jakobinerherrschaft in der Französischen Revolution als einen gewaltsamen Versuch, den politischen Überbau der bürgerlichen Gesellschaft zu errichten. Dies gelinge nur dadurch, dass die Revolution für permanent erklärt wird. Das politische Drama ende daher ebenso notwendig mit der Wiederherstellung der Religion, des Privateigentums, aller Elemente der bürgerlichen Gesellschaft, wie der Krieg mit dem Frieden ende.(2) >Judentum, >Französische Revolution, >Bürgertum.
Das hatte noch nichts mit dem Gedanken einer permanent verlaufenden Revolution zu tun, die das Proletariat an die Macht bringen solle.
Permanente Revolution/Marx/Engels: Später geht es darum, die Revolution permanent zu machen und in alle Länder zu tragen, bis die Konkurrenz der Proletarier in diesen Ländern aufgehört hat.(3)

1.M. Weber, Wirtschaft und Gesellschaft, hrsg. v. J. Winckelmann, Köln 1964
2. Marx, Karl, »Zur Judenfrage« [1844], in: ders./Friedrich Engels, Werke, Berlin [DDR] 1956, Bd. 1, 347-377.
3. Karl Marx, Friedrich Engels, »Ansprache der Zentralbehörde an den Bund vom März 1850«, in: Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Berlin [DDR] 1960, Bd. 7, 244-254.
4. Karl Marx: Zur Judenfrage. In: Deutsch-Französische Jahrbücher, Paris 1844, S. 182 ff.

Marx I
Karl Marx
Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Technologie Marx Rothbard II 425
Technologie/Fortschritt/Marx/Rothbard: Ein weiteres Marxsches Argument für die Unvermeidbarkeit der Verarmung der Arbeiterklasse findet sich insbesondere im Kommunistischen Manifest. Mit der Entwicklung der Maschinen und der Anhäufung von Kapital durch die Kapitalisten, so beklagen Marx und Engels, verliert die Arbeit ihre Vielfalt an Fertigkeiten, und das Proletariat wird zu immer einfacheren, monotoneren und ungelernteren Aufgaben gedrängt, und diese Dequalifizierung lässt den Durchschnittslohn sinken. >Geschichte/Marx, >Arbeitslosigkeit/Marx, >Kapitalismus/Marx.
RothbardVsMarx: Dieses schwache Argument klingt heutzutage besonders hohl, wenn linksliberale Freunde der Arbeiterklasse genau das Gegenteil beklagen: dass in einem Zeitalter, in dem immer mehr Arbeitskräfte in hochqualifizierte Computer- und Elektronikarbeit gehen, was mit den armen, alternden ungelernten Arbeitern geschehen soll, die beim Marsch des Fortschritts zurückbleiben?
Entfremdung/Marx/Rothbard: Ein verwandtes Marx'sches Argument betont nicht so sehr die zunehmende Verarmung der Arbeiterklasse, sondern ihre Verelendung durch verschärfte 'Entfremdung', zunehmende Monotonie oder Abstoßung der Arbeit durch die zunehmende Mechanisierung. Zwar verweist Marx selbst auf ein solches angeblich wachsendes Elend in der Arbeit der werktätigen Klasse, (...) aber die „Entfremdung“ hatte für Marx nichts mit subjektiver Psychologie oder Monotonie der Arbeit zu tun, sondern war kosmisch in dem grundlegenden modernen System des Tausches und der Arbeitsteilung verwurzelt und darüber hinaus in der Trennung des einzelnen Menschen vom Menschen und von der Natur definiert, die nur durch den Kommunismus geheilt werden sollte und konnte. Abgesehen von dem empirischen Problem, wie eintönig die Arbeit tatsächlich wurde, und dem Gegensatz zum befreienden Charakter der zunehmenden Vielfalt der Wünsche, Produkte und Berufe, ist es schwer zu erkennen, wie oder warum irgendeine „Entfremdung“ im Laufe der Zeit signifikant zunehmen sollte, (...).
>Entfremdung/Marx.

Marx I
Karl Marx
Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957

Rothbard II
Murray N. Rothbard
Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995

Rothbard III
Murray N. Rothbard
Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009

Rothbard IV
Murray N. Rothbard
The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988

Rothbard V
Murray N. Rothbard
Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977
Verdinglichung Marx Habermas IV 502
Verdinglichung/Marx/HabermasVsMarx/Habermas: Marx kann den Aspekt der Verdinglichung im Zusammenhang mit der Proletarisierung von Handwerkern, Bauern und ländlichen Plebejern nicht von dem Aspekt der strukturellen Ausdifferenzierung der Lebenswelt unterscheiden. Dafür ist sein Konzept der Entfremdung nicht trennscharf genug. Die Werttheorie /Siehe Werttheorie/Marx, Werttheorie/Habermas) bietet keine Grundlage für ein Konzept der Verdinglichung, das gestatten würde, Syndrome der Entfremdung relativ zu jeweils erreichten Grad der Rationalisierung einer Lebenswelt zu identifizieren.
Habermas: Auf der Stufe posttraditionaler Lebensformen zählt der Schmerz, den das Auseinandertreten von
Habermas IV 503
Kultur, Gesellschaft und Persönlichkeit denen, die in moderne Gesellschaften hineinwachsen auch zufügt, als Prozess der Individualisierung und nicht als Entfremdung. Verdinglichung darf sich in einer weitgehend rationalisierten Lebenswelt nur noch an Bedingungen kommunikativer Vergesellschaftung überhaupt, nicht an einer nostalgisch beschworenen, oft romantisierten Vergangenheit vormoderner Lebensformen bemessen.

Marx I
Karl Marx
Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Verteilung Neoklassiker Harcourt I 170
Verteilungstheorie/Werttheorie/NeoklassikerVsMarx/Harcourt: Die Neoklassiker haben eine Reihe von Gegenargumenten gegen Joan Robinsons Ausführungen zur Werttheorie vorgebracht. >Verteilungstheorie/Werttheorie/Robinson.
Profitrate/Nachfrage: Erstens wird argumentiert, dass heute niemand mehr versucht oder versucht hat, die Profitrate oder andere Preise allein innerhalb des Produktionssystems zu bestimmen. Schließlich ging es bei der neoklassischen marginalistischen „Revolution“ zunächst um die vorrangige und dann um die gleichrangige Bedeutung der als „Nachfrage“ bezeichneten Schere.
Messung des Kapitals: Zweitens könnten sie sich auf die Argumente von Bliss (...) und auf die Aussagen von Hahn und Matthews [1964](1) am Ende ihres Überblicks über die Theorie des Wirtschaftswachstums beziehen. Dort heißt es: „Was die reine Theorie betrifft, so ist die 'Messung des Kapitals' überhaupt kein Problem, weil wir uns ihr nie stellen müssen, wenn wir es nicht wollen. Mit unserer Lehnstuhl-Allwissenheit können wir jede Maschine für sich betrachten.
Darüber hinaus hat das Messwesen rein gar nichts mit der Frage zu tun, ob die Imputationstheorie gültig ist oder nicht. In einem Gleichgewicht des gesamten Systems unter der Voraussetzung, dass es perfekten Wettbewerb, kein Learning by Doing und keine Unsicherheit gibt, gelten die neoklassischen Imputationsergebnisse.
Harcourt I 171
Dies sollte nun unbestritten sein. Es ist auch ein schwacher Trost für die empirisch orientierten Menschen.“ (S. 888.) „Um noch einmal auf die Frage nach der Gültigkeit oder Nichtgültigkeit der Imputationstheorie zurückzukommen, ist ein weiterer, rein theoretischer Punkt von einiger Bedeutung. Wenn man eine Wirtschaft mit vielen Gütern betrachtet, dann muss man auch die relativen Gleichgewichtspreise dieser Güter finden. Ob diese nun à la Leontief-Samuelson-Sraffa oder à la Walras bestimmt werden, die Anrechnung ist immer mit im Spiel. Wenn wir die Imputation ganz aufgeben, muss die gesamte Frage der relativen Preise neu überdacht werden. Vielleicht sollte man das tun, aber die Erkenntnis, dass dieses Problem existiert, scheint wünschenswert zu sein“.(S. 889.) >Relativer Preis.
Harcourt: (...) [die Neoklassiker] könnten sich auf Samuelsons einleitende Bemerkungen in Samuelson [1962](2), (...) und Solows abschließende Bemerkungen, Solow [1970](3), beziehen. Das heißt, sie würden einen aggregativen Ansatz für eine strenge Theorie der Verteilung - und des Kapitals - ablehnen (wenn auch nicht unbedingt für die Ökonometrie). Als nächstes könnten sie sich auf Swans Anhang, Swan [1956](4), und Champernownes Originalarbeit [1953-4](5) berufen. In der letztgenannten Arbeit ist die Produktionsfunktion mehrwertig, d. h. dasselbe q ist mit zwei oder mehr Werten von k verbunden, wenn Double-Switching möglich ist.
Produktionsfaktoren/ Faktorpreis: Dennoch werden die Faktoren für ihre Grenzprodukte bezahlt. Arbeit/Kapital/Champernowne: „Die Frage, welche (r, w) und damit welche Einkommensverteilung zwischen Arbeit und Kapital gezahlt wird, bleibt in diesem Modell jedoch den politischen Kräften überlassen“ (S. 130) - sicher eine der treffendsten Bemerkungen der ganzen Debatte? (An den (doppelten) Schaltstellen kommt sozusagen eine Technik an einem Punkt herein, am anderen wieder heraus; welche ist dann die relevante, um die Verteilung zu bestimmen?)
Champernowne fügt hinzu: „Es ist interessant, darüber zu spekulieren, ob es in der realen Welt jemals komplexere Situationen gibt, in denen dieses Merkmal erhalten bleibt.
Harcourt I 172
Auf die neo-neoklassische Antwort, dass das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein einer aggregierten Produktionsfunktion oder einer wohlgeformten Nachfragekurve für Kapital auf der Ebene der Volkswirtschaft (oder der Industrie) nichts mit den Grenzproduktivitätsbeziehungen zu tun hat, könnten einige Kritiker (Kaldor [1966](6), Nell [1967b](7), Sraffa) antworten: Ihre Logik mag tadellos sein, aber Ihre Ergebnisse sind dennoch irrelevant für die Welt, wie wir sie kennen, und insbesondere für eine Erklärung der Verteilung, d.h. sie würden maximierendes Verhalten als ein grundlegendes Postulat der ökonomischen Analyse ablehnen (siehe auch Solow [1968](8)). Dies wirft ein Rätsel bei der Analyse der Wahl der Technik auf, da die meisten Autoren, einschließlich Sraffa, ausdrücklich von einem maximierenden Verhalten ausgehen. Kaldor: Kaldor tut das natürlich nicht; seine Analyse basiert auf den Auswirkungen von Unternehmern, die Faustregeln wie das Kriterium der Auszahlungsdauer befolgen.
Brown: Brown [1966](9) hingegen hat, gerade weil er das Maximierungsverhalten beibehalten möchte, die neoklassische Ausbeutung als Kompromiss vorgeschlagen. In seinen späteren Arbeiten [1968(10),1969(11)] akzeptiert er zwar die Logik der neokeynesianischen Kritiker, doch als Ökonometriker versucht er, möglicherweise zu Recht und sicherlich verständlich, eine gemeinsame Basis zwischen linearen Modellen und neoklassischen Modellen zu finden. Er arbeitet die Bedingungen aus, die die Einzigartigkeit der Kapitalintensität (CIU) auf aggregierter Ebene in zwei Zwei-Sektoren-Modellen gewährleisten, einem linearen und einem neoklassischen Modell, d.h. einem Modell, in dem jeder Sektor eine gut funktionierende Produktionsfunktion hat.
>Kapital/Murray Brown.

1. Hahn, F. H. and Matthews, R. C. O. [1964] 'The Theory of Economic Growth: A Survey', Economic Journal, LXXIV, S. 779-902.
2. Samuelson, P.A. [1962] 'Parable and Realism in Capital Theory: The Surrogate Production Function', Review of Economic Studies, xxix, S. 193-206.
3. Solow, R M. [1970] 'On the Rate of Return: Reply to Pasinetti. Economic Journal, LXXX, S.423-8.
4. Swan, T. W. [1956] 'Economic Growth and Capital Accumulation', Economic
Record, xxxn, S. 334-61.
5.Champernowne, D. G. [1953-4] 'The Production Function and the Theory of Capital: A Comment', Review of Economic Studies, xxi, S. 112-35
6. Kaldor, N. [1966] 'Marginal Productivity and the Macro-Economic Theories of Distribution', Review of Economic Studies, xxxm, S. 309-19.
7. Nell, E. J. [1967b] 'Theories of Growth and Theories of Value', Economic Development and Cultural Change, xvi, S. 15-26.
8. Solow, R. M. [1968] 'Distribution in the Long and Short Run', The Distribution of National Income, ed. by Jean Marchal and Bernard Ducros (London: Macmillan), S. 449-75.
9. Brown, Murray [1966] 'A Measure of the Change in Relative Exploitation of Capital and Labor', Review of Economics and Statistics, XLvm, S. 182-92.
10. Brown, Murray [1968] 'A Respecification of the Neoclassical Production Model in
the Heterogeneous Capital Case', Discussion Paper No. 29, State University of New York at Buffalo.
11. Brown, Murray [1969] 'Substitution-Composition Effects, Capital Intensity Uniqueness and Growth', Economic Journal, LXXIX, S. 334-47.

Harcourt I
Geoffrey C. Harcourt
Some Cambridge controversies in the theory of capital Cambridge 1972
Ware Marx Rothbard II 409
Ware/Marx/Rothbard: Marx fand einen entscheidenden Schlüssel zu diesem Mechanismus in Ricardos Arbeitswerttheorie und in der ricardianischen sozialistischen These, dass die Arbeit die einzige Determinante des Wertes ist, wobei der Anteil des Kapitals oder der Profit der „Mehrwert“ ist, den der Kapitalist aus dem von der Arbeit geschaffenen Produkt extrahiert. >Kapitalismus/Marx.
Um jedoch zur Theorie der Arbeit oder der Arbeitsmenge des Werts zu gelangen, musste Marx in seinem systematischen Werk Das Kapital andere, subjektive Ansprüche auf die Bestimmung des Werts ausräumen. Er musste auch nachweisen, dass der Wert irgendwie objektiv im Produkt verkörpert war (natürlich in einem materiellen Gut, da Marx mit Smith immaterielle Dienstleistungen als „unproduktiv“ abgetan hatte).
Marx beginnt das Kapital, indem er sich auf die „Ware“ konzentriert, ein Objekt - (...), eine materielle Substanz -, die einen Nutzen für die Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse hat. Damit lässt er, wie Ricardo, die immateriellen Dienstleistungen außen vor und unterlässt auch die Untersuchung des Wertes von nicht reproduzierbaren Produkten, die keine laufenden Produktionskosten haben. Wie Ricardo geht auch Marx von der Notwendigkeit des Nutzens aus, aber wie sein Meister verwirft er diese grundlegende Tatsache schnell als wenig oder gar nicht hilfreich für die Erklärung des „Tauschwerts“, also des Verhältnisses, in dem die Waren auf dem Markt gegeneinander getauscht werden. Wie bei Smith und Ricardo werden also Gebrauchswert und Tauschwert bzw. Preis der Waren voneinander getrennt. Wie lässt sich also der Tauschwert erklären?
Problem: Wie lassen sich, kurz gesagt, die Verhältnisse erklären, in denen die Waren auf dem Markt gegeneinander getauscht werden?
Rothbard II 410
Lösung/Marx: (...) „zwei Dinge müssen (...) gleich einem dritten sein, das an sich weder das eine noch das andere ist. Jedes von ihnen, soweit es Tauschwert ist, muss daher reduzierbar sein auf dieses Dritte..., von dem sie eine größere oder kleinere Menge darstellen.(1) RothbardVsMarx: So fügt Marx seinen entscheidenden Fehler gleich am Anfang seines Systems ein. Die Tatsache, dass zwei Waren in einem bestimmten Verhältnis gegeneinander getauscht werden, bedeutet nicht, dass sie deshalb „gleich“ im Wert sind und „durch eine Gleichung dargestellt werden können“. Wie wir seit Buridan und den Scholastikern gelernt haben, tauschen zwei Dinge nur deshalb gegeneinander, weil sie für die beiden Tauschpartner ungleichwertig sind. A gibt x an B im Tausch gegen y ab, weil A y gegenüber x bevorzugt, B hingegen x gegenüber y. Ein Gleichheitszeichen verfälscht das wesentliche Bild. Und wenn die beiden Waren x und y in den Augen der beiden Tauschenden wirklich gleich viel wert wären, warum in aller Welt hat sich dann einer von ihnen die Zeit und Mühe gemacht, den Tausch vorzunehmen?
>Tauschwirtschaft.
Wert/Messung/RothbardVsMarx: Wenn es keine Wertgleichheit gibt, dann gibt es offensichtlich kein drittes „Etwas“, dem diese Werte gleich sein müssen. Marx fügt seinem ursprünglichen Irrtum einen weiteren hinzu, indem er annimmt, dass, wenn es eine Gleichheit der Werte gäbe, es deshalb notwendigerweise ein drittes greifbares Ding gäbe, dem sie gleich sein müssten und an dem sie gemessen werden könnten. Es gibt keine Rechtfertigung für diesen Sprung von der Wertgleichheit zur Messung eines objektiven Dritten; die implizite und falsche Annahme ist, dass „Wert“ eine objektive Größe wie Gewicht oder Länge ist, die wissenschaftlich an einem dritten, externen Standard gemessen werden kann.
Gebrauchswert/Wert/Nutzwert/RothbardVsMarx: Er unterstreicht durch die bloße Behauptung, dass der Gebrauchswert nichts mit dem Tauschwert zu tun haben kann, einen Punkt, der für seine Argumentation entscheidend ist, und behauptet, dass der Gebrauchswert nichts mit dem Tauschwert oder dem Preis zu tun hat. Das bedeutet, dass alle realen Eigenschaften der Güter, ihre Beschaffenheit, ihre unterschiedlichen Qualitäten usw., von ihren Werten abstrahiert werden und nichts mit ihnen zu tun haben können. Indem er alle realen Eigenschaften aus der Diskussion ausklammert, bleibt Marx zwangsläufig bei den Waren als Verkörperung reiner, abstrakter, undifferenzierter Arbeitsstunden, der Menge an vermeintlich homogenen Arbeitsstunden, die im Produkt verkörpert sind.
>Werttheorie der Arbeit/Marx, >Werttheorie/Ricardo, >Nutzen.
Lösung/Marx: Marx sieht natürlich, dass es große Probleme mit diesem Ansatz gibt. Wie sieht es mit dem scholastischen Ansatz aus: Soll der Markt die Kosten, die enorme Anzahl von Arbeitsstunden, die nötig sind, um ein Produkt auf veraltete Weise herzustellen, decken? Wenn ein Buch gedruckt oder von Hand geschrieben wird, wird der Markt dann die Kosten für die enorme Anzahl von Arbeitsstunden decken, die für das Kopieren
Rothbard II 411
von Hand erforderlich sind? Soll der Markt die Arbeitskosten für den Transport von Waren über Land im Vergleich zum Seetransport übernehmen? Marx' Weg, diese heiklen Fragen zu klären, bestand darin, den Begriff der „gesellschaftlich notwendigen“ Arbeitszeit zu schaffen. Der Wert einer Ware wird nicht durch die für ihre Produktion aufgewendete oder in ihr verkörperte Arbeitszeit bestimmt, sondern nur durch die „gesellschaftlich notwendige“ Arbeitszeit die „gesellschaftlich notwendig“ ist.
RothbardVsMarx: Aber das ist eine Ausrede, die dem Problem ausweicht, indem sie die ganze Frage umgeht. Der Marktwert wird nur durch die Menge der „gesellschaftlich notwendigen“ Arbeitszeit bestimmt. Aber was ist „gesellschaftlich notwendig“?
Gesellschaftlich notwendig/Marx/Rothbard: Marx definiert die „gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit“ als „diejenige, die erforderlich ist, um einen Artikel unter den normalen Produktionsbedingungen und mit dem durchschnittlichen Grad an Geschicklichkeit und Intensität zu produzieren, der zu dieser Zeit vorherrscht“.(2) Daraus ergibt sich ein Folgeproblem: Wie kann man eine Myriade verschiedener Qualitäten und Fähigkeiten der Arbeit zu einer homogenen, abstrakten „Arbeitsstunde“ zusammenfassen? In Anlehnung an Ricardo führt Marx hier die Begriffe „durchschnittlich“ und „normal“ ein. Alles gleicht sich aus. Aber wie wird dieser Durchschnitt ermittelt? Durch Gewichtung, wobei höherwertige, ungewöhnlich produktive Arbeit in quantitativen Arbeitszeiteinheiten stärker gewichtet wird als die Arbeit eines ungelernten Arbeiters. Aber wer legt die Gewichte fest? Wieder einmal kommt Marx' entscheidende, fragende Methodik ins Spiel. Denn Marx erkennt an, dass es der Markt mit seinen relativen Preisen und Löhnen ist, der die Gewichte bestimmt, d.h. welche Arbeit produktiver oder qualitativ hochwertiger ist und in welchem Maße als andere Formen der Arbeit. Es werden also Marktwerte, Preise und Produktivitäten herangezogen, um zu versuchen, die Determinanten eben dieser Werte und Preise zu erklären.(3)
>Profitrate/Marx, >Mehrwert/Marx.

1. Karl Marx, Capital, Vol. I (New York: International Publishers, 1967), p. 37.
2. Ibid. p. 39
3. 3. Vgl. die Diskussion in David Conway, A Farewell to Marx: An Outline and Appraisal of His Theories (Harmondsworth, Mddx: Penguin Books, 198 7), pp. 83-9.

Habermas IV 492
Ware/commodity/Marx/Habermas: Der Ansatz von Marx verdankt seine theoriestrategische Überlegenheit über die seither auf gleichem Abstraktionsniveau entwickelten Entwürfe einem genialen Handstreich: der Analyse der Warenform. Mit der Analyse des Doppelcharakters der Ware ((s) mit Gebrauchswert und Tauschwert) gewinnt Marx werttheoretische Grundannahmen, die es erlauben, den Prozess der Entfaltung kapitalistischer Gesellschaften gleichzeitig aus der ökonomischen Perspektive des Beobachters als krisenhaften Prozess der Selbstverwertung des Kapitals zu beschreiben als auch aus der historischen Perspektive des Betroffenen (…) als konfliktreiche Interaktion zwischen sozialen Klassen darzustellen. In werttheoretischen Begriffen lässt sich das für die Produktionsweise fundamentale und im Arbeitsvertrag institutionalisierte Verhältnis des Tausches von Arbeitskraft gegen variables Kapital gleichzeitig als Steuerungsmechanismus eines selbstgeregelten Reproduktionsprozesses als auch als ein Reflexionsverhältnis erklären, das den gesamten Akkumulationsprozess als einen versachlichten, anonym gewordenen Prozess der Ausbeutung verständlich macht. Tauschwert/Marx: Tauschwert ist das Medium, dass die Klassendynamik zugleich objektivistisch verhüllt und objektiviert, d. h. versachlicht. Der privatrechtlich institutionalisierte Mechanismus des Arbeitsmarktes übernimmt Funktionen des bis dahin in politischer Form institutionalisierten Verhältnisses sozialer Gewalt und ökonomischer Ausbeutung. Zur Basis des Klassenverhältnisses wird die
Habermas IV 493
Monetarisierung der Arbeitskraft. Die Analyse des Klassenverhältnisses muss deshalb beim Doppelcharakter der Ware Arbeitskraft ansetzen. >Arbeit/Marx, >Arbeitskraft/Marx, >Werttheorie.

Marx I
Karl Marx
Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957

Rothbard II
Murray N. Rothbard
Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995

Rothbard III
Murray N. Rothbard
Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009

Rothbard IV
Murray N. Rothbard
The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988

Rothbard V
Murray N. Rothbard
Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Wert Rothbard Rothbard III 88
Wert/Tausch/Wirtschaft/Rothbard: (...) Güter können (...) gegen andere Güter von größerem Nutzen für den Akteur getauscht werden. Ein Mensch wird eine Einheit einer Ware so lange tauschen, wie die Güter, die er im Tausch erhalten kann, für ihn einen größeren Wert haben als der Wert, den sie im direkten Gebrauch hatte, d.h. so lange ihr Tauschwert größer ist als ihr direkter Gebrauchswert. Andererseits hatten ihre jeweiligen Güter für ihre Besitzer fortan einen größeren Gebrauchswert als einen Tauschwert.(1) >Gebrauchswert.
Rothbard III 116
Wert/Tausch/Wirtschaft/Rothbard: Die fähigeren oder „dringenderen“ Käufer (und Verkäufer) - die Supramarginalen (die die Marginalen einschließen) - erzielen bei diesem Tausch einen psychischen Überschuss, denn sie sind besser dran, als sie es gewesen wären, wenn der Preis höher (oder niedriger) gewesen wäre. Da die Güter jedoch nur auf der Werteskala eines jeden Individuums eingestuft werden können und der psychische Gewinn weder für ein Individuum noch zwischen verschiedenen Individuen gemessen werden kann, lässt sich über diesen psychischen Gewinn nur wenig sagen, außer dass er existiert. ((s) Für Rothbard wie für die Asutrianische Schule ist Wert immer eine subjektive Einschätzung. (VsMarx). Im Gegensatz dazu ist der Preis objektiv. Die Unterscheidung „subjektiv“/„objektiv“ hat nichts mit der Frage zu tun, ob ein Phänomen konstant oder veränderlich ist.)
>Preis/Rothbard, >Nutzen/Rothbard, >Grenznutzen/Rothbard, >Gleichgewichtspreis/Rothbard.
Rothbard III 259
Messungen/Wert/Rothbard: Diejenigen Autoren, die vergeblich versucht haben, psychische Gewinne aus dem Tausch zu messen, haben sich auf „Konsumüberschüsse“ konzentriert. Die meisten neueren Versuche versuchen, ihre Messungen auf den Preis zu stützen, den ein Mensch für das Gut gezahlt hätte, wenn er mit der Möglichkeit konfrontiert worden wäre, es nicht zu bekommen. RothbardVs: Diese Methoden sind völlig unzutreffend. Die Tatsache, dass A einen Anzug sowohl für 80 Goldkörner als auch für den Marktpreis von 50 Goldkörnern gekauft hätte, während B den Anzug nicht gekauft hätte, wenn der Preis so hoch wie 52 Goldkörner gewesen wäre, erlaubt (...) keine Messung der psychischen Überschüsse, noch erlaubt sie uns zu sagen, dass der Gewinn von A in irgendeiner Weise „größer“ war als der von B.
Nachfrage/Austausch: Die Tatsache, dass wir, selbst wenn wir die marginalen und supramarginalen Käufer identifizieren könnten, niemals behaupten könnten, dass der Gewinn des einen größer ist als der des anderen, ist ein schlüssiger Grund für die Ablehnung aller Versuche, die psychischen Überschüsse der Verbraucher oder anderer zu messen. Ein solches Vorgehen birgt noch einige andere grundlegende methodische Fehler.
1) Zunächst einmal werden hier individuelle Wertmaßstäbe vom konkreten Handeln getrennt. Die Ökonomie befasst sich aber mit den universellen Aspekten des realen Handelns, nicht mit den inneren psychologischen Vorgängen der Akteure. Wir leiten die Existenz einer bestimmten Werteskala aus dem realen Handeln ab; wir haben keine Kenntnis von dem Teil einer Werteskala, der sich im realen Handeln nicht zeigt. Die Frage, wie viel man zahlen würde, wenn einem der Entzug des gesamten Bestandes eines Gutes droht, ist eine rein akademische Frage ohne Bezug zum menschlichen Handeln. Wie alle anderen derartigen Konstruktionen hat sie in der Ökonomie nichts zu suchen.
2) Darüber hinaus ist dieses spezielle Konzept ein Rückfall in den klassischen ökonomischen Irrtum, das gesamte Angebot eines Gutes so zu behandeln, als sei es für das individuelle Handeln relevant. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass nur marginale Einheiten handlungsrelevant sind und dass es überhaupt keine bestimmte Beziehung zwischen dem Grenznutzen einer Einheit und dem Nutzen des gesamten Angebots gibt.
Rothbard III 267
Objektivität/Nutzen/Wert/Geld/Ökonomie/Rothbard: Man könnte meinen, und viele Autoren sind davon ausgegangen, dass das Geld hier die Funktion erfüllt hat, die Nutzen der verschiedenen Individuen zu messen und vergleichbar zu machen. Es hat jedoch nichts dergleichen getan. Der Grenznutzen des Geldes ist von Person zu Person unterschiedlich, genauso wie der Grenznutzen jedes anderen Gutes. Die Tatsache, dass man mit einer Unze Geld verschiedene Güter auf dem Markt kaufen kann und dass diese Möglichkeiten allen offen stehen, gibt uns keine Auskunft darüber, wie die verschiedenen Menschen diese verschiedenen Güterkombinationen einstufen werden. Es gibt keine Messung oder Vergleichbarkeit auf dem Gebiet der Werte oder Rangordnungen. Geld ermöglicht nur die Vergleichbarkeit von Preisen, indem es für jedes Gut Geldpreise festlegt. >Geld/Rothbard.
Rothbard III 315
Wert/subjektiv/objektiv/Rothbard: (...) es gibt zweifellos Verwirrung, weil der Begriff auf unterschiedliche Weise verwendet wird. Es ist wichtiger, die subjektive Verwendung des Begriffs im Sinne von Wertschätzung und Präferenz von der „objektiven“ Verwendung im Sinne von Kaufkraft oder Preis auf dem Markt zu unterscheiden. >Nutzen/Rothbard, >Kaufkraft/Rothbard.
Kapitalwert: (...) [hier] bedeutet der Begriff „Wert des Kapitals“ die Kaufkraft eines dauerhaften Gutes in Geld auf dem Markt.
>Kapitalwert/Rothbard.

1. Über Gebrauchs- und Tauschwert siehe Menger, Principles of Economics, pp. 226–35.

Rothbard II
Murray N. Rothbard
Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995

Rothbard III
Murray N. Rothbard
Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009

Rothbard IV
Murray N. Rothbard
The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988

Rothbard V
Murray N. Rothbard
Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977
Werttheorie Habermas IV 494
Werttheorie/Methode/Habermas: Die Marxsche Werttheorie gibt Regeln an, nach denen systematische Aussagen (über anonyme Wertbeziehungen) in historische Aussagen (über Interaktionsbeziehungen
IV 495
zwischen sozialen Klassen) übersetzt werden können. So lassen sich Probleme der Systemintegration auf der Ebene der Sozialintegration abbilden und mit der Dynamik von Klassenauseinandersetzungen verknüpfen.
IV 498
Methode/HabermasVsMarx: Es ist eine Schwäche der Werttheorie, dass Aussagen über das System bzw. über die Lebenswelt nur als Aussagen über eine Totalität, die beide Momente zusammenhält, möglich sind. >System, >Lebenswelt.
Es wird vorausgesetzt, dass zwischen Systementwicklung und lebensweltlichem Strukturwandel ein logischer Zusammenhang besteht.
Marx begreift die Einheit von System- und Lebenswelt (…) nach dem Modell der Einheit einer zerrissenen sittlichen Totalität.
>Totalität.
IV 499
Das führt dazu, dass er den evolutionären Eigenwert den mediengesteuerten Subsysteme (Siehe Medien/Habermas) verkennt. Problem: das macht es Marx unmöglich, seine Handlungsperspektive im Rahmen seiner Revolutionstheorie darzustellen.
IV 501
HabermasVsMarx: Marx fehlen die Kriterien, anhand derer er die Zerstörungen traditionaler Lebenswelten unterscheiden könnte.
IV 503
HabermasVsMarx: Eine weitere, entscheidende Schwäche der Werttheorie ist die Überverallgemeinerung eines speziellen Falles der Subsumtion der Lebenswelt unter Systemimperative. Die Prozesse der Verdinglichung müssen nicht notwendigerweise nur in der Sphäre auftreten, in der sie verursacht werden – in der Arbeitswelt. Sie können auch in der privaten Lebenswelt auftreten. Die Werttheorie rechnet (aber) nur mit einem Kanal, dem der Monetarisierung der Arbeitskraft. >Wert/Wirtschaft, >Arbeit.

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Werttheorie Marx Rothbard II 392
Werttheorie/Arbeitswertlehre/Marx/Rothbard: (...) der entzückte Marx stellte fest, dass die ricardianische Doktrin in Wirklichkeit eine Quantität der Arbeitstheorie des Wertes war. Die Nützlichkeit fiel weg, und da nur reproduzierbare Güter und nicht nicht reproduzierbare Güter wie Rembrandt-Gemälde als erklärbar galten, wurden nur die Produktionskosten als Bestimmungsfaktor für den verkörperten Wert der Güter angesehen. Und da Ricardo die „Miete“ als angeblich nicht zu den Kosten gehörend bezeichnete, waren die einzig möglichen Kosten neben den Arbeitsstunden der Gewinn (Zins) oder die Kapitalkosten, und diese waren so gering, dass sie leicht vernachlässigt werden konnten. Außerdem sind die Gewinne angeblich nur ein abnehmender Rest nach der Zahlung der Löhne, die zwar in Geld, nicht aber in realen Werten steigen müssen, da die Bevölkerung weiterhin auf die Nahrungsmittelversorgung drängt. In der düsteren ricardianischen Perspektive gibt es zwei logische Wege zur Forderung nach einer Änderung des Status quo. Für Marx bedeutete die Werttheorie der Arbeit, die Ansicht, dass die Arbeit der einzige Produzent von Wert ist, dass der Ertrag des Kapitalisten, der Profit, die ausbeuterische Entnahme von „Mehrwert“ aus den Arbeitern darstellt. Die Arbeiter produzieren den gesamten Wert, aber die Kapitalisten sind in der Lage, die Arbeiter irgendwie zu zwingen, Löhne zu akzeptieren, die unter dem vollen Produkt liegen.
Nach der Malthusianisch-Ricardianischen Sichtweise der Bevölkerung wird den Arbeitern ein Subsistenzlohn gezahlt, während die Kapitalisten den
Rothbard II 393
Rest des Arbeitsprodukts als Mehrwert bzw. Gewinn abschöpfen. Malthusianismus: Auf das alte malthusianische Problem: Würde das gleiche Problem der Überbevölkerung nicht auch eine sozialistische Wirtschaft durchkreuzen? lautete die Marxsche Antwort, dass ein solches eisernes Gesetz der Löhne (um den Begriff von Lassalle zu übernehmen) im Sozialismus nicht gelten würde.
>Werttheorie/Engels, >Klassen/Marx.
RothbardVsMarx: Seltsamerweise haben weder Marx noch seine Kritiker je begriffen, dass es einen Ort in der Wirtschaft gibt, an dem die Marxsche Theorie der Ausbeutung und des Mehrwerts Anwendung findet: nicht auf die Beziehung zwischen Kapitalist und Arbeiter auf dem Markt, sondern auf die Beziehung zwischen Herr und Sklave in der Sklaverei. Da die Herren die Sklaven besitzen, zahlen sie ihnen in der Tat nur ihren Existenzlohn: genug, um zu leben und sich zu vermehren, während die Herren den Überschuss des Grenzprodukts der Sklaven über ihre Lebenshaltungskosten einstecken. Dieser dem Sklaven entzogene Mehrwert macht den Gewinn der
Herren aus dem Sklaveneigentum. In der freien Gesellschaft hingegen stecken die Arbeiter, die ihren eigenen Körper und ihre eigene Arbeitskraft besitzen, ihr volles Grenzprodukt ein (abzüglich, wie ein Österreicher hinzufügen würde, der Zinserträge, die die Arbeiter freiwillig und bereitwillig an die Kapitalisten zahlen, weil sie ihnen den Wert ihrer Produktion jetzt vorstrecken und nicht warten, bis das Produkt produziert und verkauft ist).
Rothbard: (....) [Marx] fand auch das Smithsche Konzept sehr praktisch (...), dass nur materielle Waren und nicht immaterielle Dienstleistungen die Produktion oder den Wert ausmachen. Materielle Waren sind gefrorene Arbeit, während immaterielle Arbeitsleistungen in Marxscher Sprache „unproduktiv“ sind. In diesem Bereich machte Marx einen großen Schritt zurück von Ricardo zu Adam Smith. All dies fügte sich jedoch nahtlos in den philosophischen Materialismus von Marx ein.
>Historischer Materialismus/Marx, Wert/Ricardo.
Marx stellte auch fest, dass Ricardo bereits alle Arbeit als homogen behandelt hatte, wobei alle Qualitätsunterschiede einfach mit einer Art Index gewichtet wurden, um sie auf die Quantität der Arbeitsstunden zu reduzieren.
>Arbeit Ricardo.
Gefrorene Arbeit/Wert/RothbardVsMarx: Immerhin konnten die Ricardianer sagen und haben es auch getan, dass das Kapital an der Versorgung der Arbeiter mit Kapitalgütern mit „gefrorener Arbeit“ Profit verdient. Eine solche Leistung ist klar, sonst wären die Arbeiter nicht auf das Geld der Kapitalisten angewiesen gewesen, während sie an der Ware arbeiten. Die Antwort von Marx, dass die Kapitalgüter, die gefrorene Arbeit sind, den Arbeitern gehören sollten
Rothbard II 394
verfehlt den Punkt, dass etwas, eine Dienstleistung von den Kapitalisten hinzugefügt worden sein muss - was (...) im Wesentlichen Ersparnisse waren und, wenn wir es so ausdrücken dürfen, die den Arbeitern die 'eingefrorene Zeit'.
>Ware/Marx.


Habermas IV 302
Werttheorie/Marx/Habermas: Frage: wie verhalten sich die beiden Formen der Integration von Handlungszusammenhängen zueinander, die eine, die sich gleichsam im Bewusstsein der Akteure vollzieht (>Handlungstheorie) und die andere, die lautlos durch die Orientierungen der Akteure hindurchgreift (>Systemtheorie)? Lösung/Hegel: in der Rechtsphilosophie löst Hegel dieses Problem im Sinne eines idealistischen Übergangs vom subjektiven zum objektiven Geist.
Lösung/Marx: Marx führt die Werttheorie ein, um polit-ökonomische Aussagen über die anonymen Zusammenhänge eines Systems mit soziologisch-historischen Aussagen über die lebensweltlich strukturierten Handlungszusammenhänge von Aktoren, von Einzelnen oder
Habermas IV 303
Kollektiven, verknüpfen zu können. HabermasVsMarx/HabermasVsHegel: diese Lösungsstrategien haben inzwischen ihre Plausibilität verloren. Handlungs- und Systemtheorie lassen sich als übrig gebliebene Teile dieser Ansätze verstehen.

Mause I 69
Arbeitswertlehre/Marx: Karl Marx (1818– 1883) kann in gewisser Hinsicht als klassischer Ökonom bezeichnet werden: Wie die Vertreter der klassischen Schule konzentrierte er sich auf die Produktion bzw. die Angebotsbedingungen und das Wirtschaftswachstum und dessen Determinanten; die Marxsche Arbeitswertlehre etwa entspricht im Wesentlichen der von Ricardo. >D. Ricardo.

Marx I
Karl Marx
Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957

Rothbard II
Murray N. Rothbard
Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995

Rothbard III
Murray N. Rothbard
Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009

Rothbard IV
Murray N. Rothbard
The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988

Rothbard V
Murray N. Rothbard
Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Werttheorie Neoklassiker Harcourt I 170
Verteilungstheorie/Werttheorie/NeoklassikerVsMarx/Harcourt: Die Neoklassiker haben eine Reihe von Gegenargumenten gegen Joan Robinsons Ausführungen zur Werttheorie vorgebracht. >Verteilungstheorie/Werttheorie/Robinson.
Profitrate/Nachfrage: Erstens wird argumentiert, dass heute niemand mehr versucht oder versucht hat, die Profitrate oder andere Preise allein innerhalb des Produktionssystems zu bestimmen. Schließlich ging es bei der neoklassischen marginalistischen „Revolution“ zunächst um die vorrangige und dann um die gleichrangige Bedeutung der als „Nachfrage“ bezeichneten Schere.
Messung des Kapitals: Zweitens könnten sie sich auf die Argumente von Bliss (...) und auf die Aussagen von Hahn und Matthews [1964](1) am Ende ihres Überblicks über die Theorie des Wirtschaftswachstums beziehen. Dort heißt es: „Was die reine Theorie betrifft, so ist die 'Messung des Kapitals' überhaupt kein Problem, weil wir uns ihr nie stellen müssen, wenn wir es nicht wollen. Mit unserer Lehnstuhl-Allwissenheit können wir jede Maschine für sich betrachten.
Darüber hinaus hat das Messwesen rein gar nichts mit der Frage zu tun, ob die Imputationstheorie gültig ist oder nicht. In einem Gleichgewicht des gesamten Systems unter der Voraussetzung, dass es perfekten Wettbewerb, kein Learning by Doing und keine Unsicherheit gibt, gelten die neoklassischen Imputationsergebnisse.
Harcourt I 171
Dies sollte nun unbestritten sein. Es ist auch ein schwacher Trost für die empirisch orientierten Menschen.“ (S. 888.) „Um noch einmal auf die Frage nach der Gültigkeit oder Nichtgültigkeit der Imputationstheorie zurückzukommen, ist ein weiterer, rein theoretischer Punkt von einiger Bedeutung. Wenn man eine Wirtschaft mit vielen Gütern betrachtet, dann muss man auch die relativen Gleichgewichtspreise dieser Güter finden. Ob diese nun à la Leontief-Samuelson-Sraffa oder à la Walras bestimmt werden, die Anrechnung ist immer mit im Spiel. Wenn wir die Imputation ganz aufgeben, muss die gesamte Frage der relativen Preise neu überdacht werden. Vielleicht sollte man das tun, aber die Erkenntnis, dass dieses Problem existiert, scheint wünschenswert zu sein“.(S. 889.) >Relativer Preis.
Harcourt: (...) [die Neoklassiker] könnten sich auf Samuelsons einleitende Bemerkungen in Samuelson [1962](2), (...) und Solows abschließende Bemerkungen, Solow [1970](3), beziehen. Das heißt, sie würden einen aggregativen Ansatz für eine strenge Theorie der Verteilung - und des Kapitals - ablehnen (wenn auch nicht unbedingt für die Ökonometrie). Als nächstes könnten sie sich auf Swans Anhang, Swan [1956](4), und Champernownes Originalarbeit [1953-4](5) berufen. In der letztgenannten Arbeit ist die Produktionsfunktion mehrwertig, d. h. dasselbe q ist mit zwei oder mehr Werten von k verbunden, wenn Double-Switching möglich ist.
Produktionsfaktoren/ Faktorpreis: Dennoch werden die Faktoren für ihre Grenzprodukte bezahlt. Arbeit/Kapital/Champernowne: „Die Frage, welche (r, w) und damit welche Einkommensverteilung zwischen Arbeit und Kapital gezahlt wird, bleibt in diesem Modell jedoch den politischen Kräften überlassen“ (S. 130) - sicher eine der treffendsten Bemerkungen der ganzen Debatte? (An den (doppelten) Schaltstellen kommt sozusagen eine Technik an einem Punkt herein, am anderen wieder heraus; welche ist dann die relevante, um die Verteilung zu bestimmen?)
Champernowne fügt hinzu: „Es ist interessant, darüber zu spekulieren, ob es in der realen Welt jemals komplexere Situationen gibt, in denen dieses Merkmal erhalten bleibt.
Harcourt I 172
Auf die neo-neoklassische Antwort, dass das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein einer aggregierten Produktionsfunktion oder einer wohlgeformten Nachfragekurve für Kapital auf der Ebene der Volkswirtschaft (oder der Industrie) nichts mit den Grenzproduktivitätsbeziehungen zu tun hat, könnten einige Kritiker (Kaldor [1966](6), Nell [1967b](7), Sraffa) antworten: Ihre Logik mag tadellos sein, aber Ihre Ergebnisse sind dennoch irrelevant für die Welt, wie wir sie kennen, und insbesondere für eine Erklärung der Verteilung, d.h. sie würden maximierendes Verhalten als ein grundlegendes Postulat der ökonomischen Analyse ablehnen (siehe auch Solow [1968](8)). Dies wirft ein Rätsel bei der Analyse der Wahl der Technik auf, da die meisten Autoren, einschließlich Sraffa, ausdrücklich von einem maximierenden Verhalten ausgehen. Kaldor: Kaldor tut das natürlich nicht; seine Analyse basiert auf den Auswirkungen von Unternehmern, die Faustregeln wie das Kriterium der Auszahlungsdauer befolgen.
Brown: Brown [1966](9) hingegen hat, gerade weil er das Maximierungsverhalten beibehalten möchte, die neoklassische Ausbeutung als Kompromiss vorgeschlagen. In seinen späteren Arbeiten [1968(10),1969(11)] akzeptiert er zwar die Logik der neokeynesianischen Kritiker, doch als Ökonometriker versucht er, möglicherweise zu Recht und sicherlich verständlich, eine gemeinsame Basis zwischen linearen Modellen und neoklassischen Modellen zu finden. Er arbeitet die Bedingungen aus, die die Einzigartigkeit der Kapitalintensität (CIU) auf aggregierter Ebene in zwei Zwei-Sektoren-Modellen gewährleisten, einem linearen und einem neoklassischen Modell, d.h. einem Modell, in dem jeder Sektor eine gut funktionierende Produktionsfunktion hat.
>Kapital/Murray Brown.


1. Hahn, F. H. and Matthews, R. C. O. [1964] 'The Theory of Economic Growth: A Survey', Economic Journal, LXXIV, S. 779-902.
2. Samuelson, P.A. [1962] 'Parable and Realism in Capital Theory: The Surrogate Production Function', Review of Economic Studies, xxix, S. 193-206.
3. Solow, R M. [1970] 'On the Rate of Return: Reply to Pasinetti. Economic Journal, LXXX, S.423-8.
4. Swan, T. W. [1956] 'Economic Growth and Capital Accumulation', Economic
Record, xxxn, S. 334-61.
5.Champernowne, D. G. [1953-4] 'The Production Function and the Theory of Capital: A Comment', Review of Economic Studies, xxi, S. 112-35
6. Kaldor, N. [1966] 'Marginal Productivity and the Macro-Economic Theories of Distribution', Review of Economic Studies, xxxm, S. 309-19.
7. Nell, E. J. [1967b] 'Theories of Growth and Theories of Value', Economic Development and Cultural Change, xvi, S. 15-26.
8. Solow, R. M. [1968] 'Distribution in the Long and Short Run', The Distribution of National Income, ed. by Jean Marchal and Bernard Ducros (London: Macmillan), S. 449-75.
9. Brown, Murray [1966] 'A Measure of the Change in Relative Exploitation of Capital and Labor', Review of Economics and Statistics, XLvm, S. 182-92.
10. Brown, Murray [1968] 'A Respecification of the Neoclassical Production Model in the Heterogeneous Capital Case', Discussion Paper No. 29, State University of New York at Buffalo.
11. Brown, Murray [1969] 'Substitution-Composition Effects, Capital Intensity Uniqueness and Growth', Economic Journal, LXXIX, S. 334-47.



Mause I 53f
Werttheorie/Neoklassik: die Neoklassik, insbesondere die Konsumtheorie basiert auf der subjektiven Wertlehre, d.   h. der Annahme, dass der Wert eines Gutes ausschließlich von dessen subjektiv empfundenem Nutzen abhängt. These vom abnehmenden Grenznutzen: siehe Grenznutzen/Neoklassik. Das Grenznutzenausgleichsgesetz impliziert, dass der Tauschwert, also der Preis eines Gutes, vom Grenznutzen, also dem marginalen Nutzwert, determiniert wird. Auf diese Weise konnte das berühmte Wertparadoxon gelöst werden, das darin besteht, dass wichtige und nützliche Güter (wie Wasser) viel billiger als unwichtige und wenig nützliche Güter (wie Diamanten) sein können. Da der Grenznutzen den Preis bestimmt und jener mit der Zunahme der zur Verfügung stehenden Menge sinkt, können auch sehr nützliche Güter billig sein, wenn sie reichlich vorhanden sind, bzw. wenig nützliche Güter teuer sein, wenn sie selten sind.

Harcourt I
Geoffrey C. Harcourt
Some Cambridge controversies in the theory of capital Cambridge 1972

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Werttheorie Schumpeter Brocker I 253
Werttheorie/SchumpeterVsMarx/Schumpeter: Schumpeter kritisiert die marxsche Mehrwert-Theorie kapitalistischer Ausbeutung mitsamt der ihr zugrunde liegenden Arbeitswertlehre in Grund und Boden. Aus seiner Sicht »ist es leicht nachzuweisen, dass unter Marxens eigenen Voraussetzungen die Mehrwerttheorie unhaltbar ist«.(1) >Werttheorie/Marx, >Kapitalismus/Schumpeter, >Sozialismus/Schumpeter.

1. Joseph A. Schumpeter, Capitalism, Socialism and Democracy, New York 1942. Dt.: Joseph A. Schumpeter, Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie, Tübingen/Basel 2005 (zuerst: Bern 1946). S. 53.

Ingo Pies, „Joseph A. Schumpeter, Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie (1942)“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018.

EconSchum I
Joseph A. Schumpeter
Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung Leipzig 1912

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018