Lexikon der Argumente


Philosophische Themen und wissenschaftliche Debatten
 
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Begriff/
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Literatur
Anerkennung Honneth Brocker I 789
Anerkennung/Honneth: Honneth These: eine bestimmte Form des Verhältnisses
Brocker I 790
zwischen Individuen hat eine für gesellschaftliche Wirklichkeit konstitutive Bedeutung. Die intersubjektive Praxis, in der Menschen sich wechselseitig als Bedürftige, gleichberechtigte und einzigartige Subjekte anerkennen (oder aber sich diese Anerkennung verweigern), bildet gleichsam den Grundbaustein sozialen Lebens. Sie ist Grundlage der Identität von Individuen, wesentlicher Gegenstand sozialer Interaktionen und Auseinandersetzungen und wichtigster Motor gesellschaftlicher Entwicklung. Die praktische Logik sozialer Prozesse folgt daher eine „moralischen Grammatik“ die sich aus den Ansprüchen von Individuen auf die gesellschaftliche Anerkennung ihrer Identität sowie aus den sozialen Kämpfen um diese Ansprüche ergibt. Siehe Identität/Honneth, Anerkennung/Hegel, Intersubjektivität/Hegel.
Brocker I 796
HonnethVsMead/HonnethVsHegel: als negative Äquivalente der positiven Aspekte Liebe, Recht und Solidarität müssen auch die Phänomene der Vergewaltigung, Entrechtung und Entwürdigung in einer empirischen Theorie der Anerkennung betrachtet werden. Es sind nämlich solche Erfahrungen der Missachtung, die für soziale Akteure überhaupt erst „die Tatsache vorenthaltener Anerkennung sozial erfahrbar machen“. (1) Drei Grundformen der Anerkennung/Honneth: 1. Stufe: elementare intersubjektives Grundmuster von Liebe und Freundschaft: dieses bildet sich bei Hegel exemplarisch in der Beziehung zwischen Eltern und Kindern. (2) Hier erkennen sich Individuen in ihrer konkreten Bedürfnis- und Affektnatur und der diesbezüglichen Abhängigkeit voneinander an.
Brocker I 797
Die elementare Form der Anerkennung bildet sich in der Beziehung der Liebe heraus (siehe Liebe/Honneth). Diese Form kann aber „nicht beliebig auf eine größere Zahl von Interaktionspartnern übertragen.“ (3)
Brocker I 798
2. Stufe Sozialisation, Siehe Recht/Honneth, Recht/Hegel, Sozialisation/Honneth. 3. Stufe: Solidarität: siehe Selbstachtung/Honneth.
Brocker I 800
Zu Problemen: hier geht es um die geforderte Integration des Anerkennungsproblems in einen gesamtgesellschaftlichen moralisch-sittlichen Orientierungshorizont. HonnethVsMead, HonnethVsMarx, HonnethVsSartre, HonnethVsSorel: siehe (4). Siehe Politik/Honneth.

1. Axel Honneth, Kampf um Anerkennung. Zur moralischen Grammatik sozialer Konflikte, mit einem neuen Nachwort, Frankfurt/M. 2014 (zuerst 1992) S. 150.
2. Ebenda S. 34.
3. Ebenda S. 174
4. Ebenda S. 237, 241, 247f, 253f.
Hans-Jörg Sigwart, „Axel Honneth, Kampf um Anerkennung“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Honn I
A. Honneth
Das Ich im Wir: Studien zur Anerkennungstheorie Frankfurt/M. 2010

Honn II
Axel Honneth
Kampf um Anerkennung. Zur moralischen Grammatik sozialer Konflikte Frankfurt 2014

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Arbeit Arendt Brocker I 359
Arbeit/Arendt: Frage: Wie konnte es dazu kommen, dass Arbeit als höherwertig eingestuft wurde denn öffentliches Sprechen, dass das Herstellen an die Stelle des Handelns trat? Während man im Altertum die Arbeit verachtet habe, sei sie in der Neuzeit zur Grundlage des Lebens aller erklärt worden und, mehr noch, zur Grundlage eines sinnvollen Lebens. ArendtVsMarx: Arbeit „schafft“ nichts. Arbeit habe keinen Bezug zur Welt außerhalb des Arbeitszyklus.


Antonia Grunenberg, „Hannah Arendt, Vita Activa oder Vom tätigen Leben“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018



Arendt I
H. Arendt
Crises of the Republic: Lying in Politics. Civil Disobedience. On Violence. Thoughts on Politics and Revolution Boston 1972

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Dialektik Hegel, G. W. F. Bubner I 75
Dialektik/Platon/Hegel/Bubner: wahre Dialektik ist nicht Streitsucht verschiedener wechselnder Gesichtspunkte, sondern eine notwendige Bewegung im Innern des Erfassens der Wirklichkeit. Ironie/Sokrates/Hegel/Bubner: die sokratische Methode bringe jeden selber zum Nachdenken und erzeuge so eine Distanz zur je gegebenen Unmittelbarkeit, die nicht auf willkürlichem Eingriff beruhe..
Mit ihr gelingt die Zurücknahme des subjektiven Stellungbeziehens. den Dingen selber wird Platz geschafft. Der Dogmatismus einseitiger Aspekte zerstört sich selbst. So lässt die Dialektik alles gelten, und die innere Zerstörung sich daran entwickeln.
I 76
Ironie/Friedrich Schlegel: ist so die höchste Weise des Verhaltens des Geistes. Bubner: Dialektik als" Ironie der Welt" ist dann das Gegenstück zur Selbstherrlichkeit des modernen Ich mit seiner alles zersetzenden Reflexion.
I 77
HegelVsPlaton: blieb auf halbem Wege stehen. Er bewegte sich unentschieden zwischen der subjektiven und der objektiven Dialektik, d.h. der geschmeidigen Reflexion, derer wir alle fähig sind, und der Zwangsläufigkeit im Darlegen eines Zusammenhangs der Unverträglichkeit. Das ist eine Übersetzungsaufgabe (der subjektiven in die objektive Dialektik) die durch die sokratische Ironie geleistet werden kann.
"Allgemeine Ironie der Welt".

Wright I 21
Dialektik/Hegel/Marx/Wright, G. H.: das dialektische Schema der Entwicklung durch These, Antithese und Synthese ist kein kausalistisches Denkmuster. Die Hegelschen und Marxschen Konzeptionen von Gesetz und Entwicklung kommen dem näher, was wir Muster begrifflicher oder logischer Verknüpfungen nennen würden.
Wright I 154
G. H. von WrightVsMarx: Marx zeigt eine deutliche Ambivalenz zwischen einerseits einer „kausalistischen“, „szientistischen“ und andererseits einer „hermeneutisch-dialektischen“, „teleologischen“ Orientierung. Diese Ambivalenz gibt Anlass zu radikal verschiedenen Interpretationen seiner philosophischen Aussagen.

Bu I
R. Bubner
Antike Themen und ihre moderne Verwandlung Frankfurt 1992

WrightCr I
Crispin Wright
Wahrheit und Objektivität Frankfurt 2001

WrightCr II
Crispin Wright
"Language-Mastery and Sorites Paradox"
In
Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976

WrightGH I
Georg Henrik von Wright
Erklären und Verstehen Hamburg 2008
Dialektik Marx Wright I 21
Dialektik/Hegel/Marx/Wright, G. H.: das dialektische Schema der Entwicklung durch These, Antithese und Synthese ist kein kausalistisches Denkmuster. Die Hegelschen und Marxschen Konzeptionen von Gesetz und Entwicklung kommen dem näher, was wir Muster begrifflicher oder logischer Verknüpfungen nennen würden.
I 154
G. H. von WrightVsMarx: Marx zeigt eine deutliche Ambivalenz zwischen einerseits einer „kausalistischen“, „szientistischen“ und andererseits einer „hermeneutisch-dialektischen“, „teleologischen“ Orientierung. Diese Ambivalenz gibt Anlass zu radikal verschiedenen Interpretationen seiner philosophischen Aussagen.

Marx I
Karl Marx
Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957

WrightCr I
Crispin Wright
Wahrheit und Objektivität Frankfurt 2001

WrightCr II
Crispin Wright
"Language-Mastery and Sorites Paradox"
In
Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976

WrightGH I
Georg Henrik von Wright
Erklären und Verstehen Hamburg 2008
Eigentum Arendt Brocker I 358
Eigentum/Besitz/ArendtVsMarx/Arendt: Marx setze fälschlich Eigentum mit Besitz gleich. Demgegenüber verwendet Arendt eine Eigentumsdefinition, die dieses weitgehend auf »Haus und Hof« bezieht. Mit John Locke und anderen liberalen Denkern besteht sie darauf, dass sich Besitz qualitativ von Eigentum unterscheide. Besitz sei aufgehäuftes aufgehäuftes Eigentum, das weit über die Befriedigung des persönlich Notwendigen hinausgehe.

Antonia Grunenberg, „Hannah Arendt, Vita Activa oder Vom tätigen Leben“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018


Arendt I
H. Arendt
Crises of the Republic: Lying in Politics. Civil Disobedience. On Violence. Thoughts on Politics and Revolution Boston 1972

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Geld Marx Mause I 299
Geld/Marx: Marx These: Geld bedeute Herrschaft über andere und könne zu Ausbeutung und Verelendung führen: „Da dem Geld nicht anzusehen, was in es verwandelt ist, verwandelt sich alles, Ware oder nicht, in Geld. Alles wird verkäuflich und kaufbar … Wie im Geld aller qualitativer Unterschied der Waren ausgelöscht ist, löscht es seinerseits als radikaler Leveller alle Unterschiede aus.“ (Marx [1867]/ 1957. (1) VsMarx: Allgemeine Kritik an Marx‘ Geldtheorie:
Tendenzieller Fall der Profitrate: gilt heute als weitgehend widerlegt.
Geld in der Praxis: anders als von Marx prognostiziert, konnten auch kommunistische Staaten nicht auf Geld verzichten. (2)
Macht/Marx: der Gedanke, dass Geldbesitz mit Macht verbunden ist, ist bei heute aktuell.


1. Marx, Karl. Das Kapital, Kritik der politischen Ökonomie. Berlin 1867/ 1957.
2. Dirk Wentzel, Geldordnung und Systemtransformation: Ein Beitrag zur ökonomischen Theorie der Geldverfassung. Schriften zum Vergleich von Wirtschaftsordnungen, Bd. 50. Stuttgart/ Jena/ New York 1995.

Marx I
Karl Marx
Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Geschichte Fukuyama Brocker I 805
Geschichte/Fukuyama: Fukuyamas These vom „Ende der Geschichte“ bezieht sich auf den Zusammenbruch der Sowjetunion und das Ende des Ost-West-Konfliktes bzw. des Kalten Krieges. Dieser Endpunkt ist durch den Sieg eines liberal-marktwirtschaftlichen
Brocker I 806
und demokratischen Systems westlicher Prägung über alternative Ordnungsmodelle gekennzeichnet. Der Titel speilt sowohl auf Hegels als auch auf Marx‘ gleichnamige These an. Geschichte/Hegel: Hegel sah in der Durchsetzung eines liberalen Staates das Ende der Geschichte
Geschichte/MarxVsHegel/Marx: das Ende der Geschichte ist erst mit der weltweiten Durchsetzung des Kommunismus erreicht.
FukuyamaVsMarx: Die Durchsetzung von Demokratie und Kapitalismus stehe am Ende der Geschichte.
Demokratie/Kapitalismus/Fukuyama: beide haben sich durchgesetzt, weil sie zwei Grundbedürfnisse des Menschen am besten befriedigen:
Kapitalismus/Fukuyama: ist das Wirtschaftssystem, das am besten eine effiziente Güterallokation unter den Bedingungen der Knappheit erreicht.
Demokratie/Fukuyama: ist das Ordnungsmodell, das das menschliche Bedürfnis nach sozialer Anerkennung relativ gesehen besser befriedigt als andere Systeme.
Fukuyama prophezeit keinen schnellen Sieg der Demokratie. Der Kampf um sie wird zwischen einer sogenannten post-historischen Welt (in den Industriestaaten des Globalen Nordens) und einer historischen Welt (in den sich industrialisierenden Staaten des Globalen Südens) weiterhin ausgetragen. Siehe Demokratie/Fukuyama.
Brocker I 811
VsFukuyama: Seine Thesen wurden als nicht besonders eigenständig rezipiert. Es wurde darauf hingewiesen, dass sie bereits bei Alexandre Kojève vorhanden sind.(1) Siehe auch Herrschaft/Knechtschaft/Kojève. Vielen Kritikern schien Fukuyamas Buch insgesamt zu pessimistisch.
VsFukuyama: 1. Die empirische Stichhaltigkeit seiner Geschichtsdarstellung wurde in Zweifel gezogen.
Brocker I 812
FukuyamaVsVs: Seine These sei nicht deskriptiv sondern normativ zu Verstehen. 2. Fukuyamas Interpretation des geschichtlichen Prozesses als Fortschritt wurde kritisiert.
3. Die gleiche Empirie kann auch anders interpretiert werden als es durch Fukuyama geleistet wurde.

1. Shadia B. Drury, „The End of History and the New World Order“, in: International Journal 48/1, 1992/93, S. 80-99.


Anja Jetschke, „Francis Fukuyama, Das Ende der Geschichte“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

PolFuku I
Francis Fukuyama
The End of History and the Last Man New York 1992

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Herrschaft Gramsci Brocker I 712
Herrschaft/GramsciVsMarx/Gramsci: Gramsci plädiert für ein vielschichtiges Verhältnis von Herrschaft und Unterordnung. ((s) Hier ist wahrscheinlich eine vielschichtige Sicht dieses Problems gemeint). Gramsci These: eine subalterne Gruppe wird nicht allein durch die ökonomischen Verhältnisse marginalisiert, sondern ist von heterogenen Ausschließungen betroffen. Gramsci nennt die unterdrückten Klassen abwechselnd „classi subalterne“, „classi subordinate“ und „classi strumentali“. Diese Differenzierung könne nur im Zusammenhang mit den dominanten Gesellschaftsgruppen verstanden werden. Die dominanten Gesellschaftsgruppen realisieren ihre historische Einheit im Staat, d.h. in der Kombination von politischer und ziviler Gesellschaft.
Im Kontrast dazu bilden die subalternen Klassen eine fragmentierte Gruppierung, die durch mangelnde Autonomie und strukturelle und ökonomische Ausgrenzung gekennzeichnet ist.
Lösung/Gramsci: das politische Ziel ist es, die Fragmentierung der subalternen Gruppen durch Organisation und durch eine Allianz zwischen Arbeitern und ländlichen Massen zu überwinden.(1)


1.Vgl. Antonio Gramsci, Gefängnishefte, Kritische Gesamtausgabe, Bd. 9. Hefte 22 bis 29, hg.v. Wolfgang Fritz Haug/Klaus Bochmann, Hamburg 1999 (ital. zuerst 1934).

Nikita Dhawan, Gayatri Chakravorty Spivak “Can the subaltern speak?” in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

PolGram I
Antonio Gramsci
Gefängnishefte
In
Kritische Gesamtausgabe Bd. 9, Wolfgang Fritz Haug/Klaus Bochmann Hamburg 1999

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Ideologie Marx Habermas IV 303
Ideologie/Marx/HabermasVsMarx/Habermas: kritische Instrumente wie z.B. der Ideologiebegriff werden stumpf, weil ein metatheoretischer Rahmen von hinreichender Komplexität innerhalb eines der auseinandergefallenen Paradigmen (der Handlungs- und der Systemtheorie) nicht entwickelt werden kann. Lösung/Parsons/Habermas: bei Talcott Parsons laufen diese beiden Linien der Theoriegeschichte (Ansatz über Handlung bzw. über System) wieder zusammen.

Marx I
Karl Marx
Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Kapitalismus Weber Habermas IV 463
Kapitalismus/Weber/Habermas: beim kapitalistischen Betrieb ist nicht die Institutionalisierung der Lohnarbeit, sondern die am Gewinn orientierte und auf rationale Buchführung gestützte Planmäßigkeit der ökonomischen Entscheidungen die auffällige Errungenschaft. „Geist des Kapitalismus“/Weber: ist jene Mentalität, die das zweckrationale Wirtschaftshandeln der frühkapitalistischen Unternehmer kennzeichnet.
WeberVsMarx: während Marx die Produktionsweise als das erklärungsbedürftige Phänomen auffasst, und die Akkumulation des Kapitals als den neuen Mechanismus der Systemintegration untersucht, lent Weber die Untersuchung auf die Umpolung von Ökonomie und Staatsverwaltung auf zweckrationale Handlungsorientierungen. Es geht ihm um soziale Integration.
Habermas: Marx geht von Problemen der System- Weber von Problemen der Sozialintegration aus.
Habermas IV 464
Die von Einzelnen oder Gruppen erworbenen Lernkapazitäten finden über exemplarische Lernvorgänge Eingang in das Deutungssystem der Gesellschaft.

Weber I
M. Weber
Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus München 2013

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Klassen Gramsci Brocker I 711
Klassen/Gramsci: in den Quaderni del Carcere (1929-1935) führt Gramsci den Begriff „Subalterne“ ein. Der Begriff wurde ursprünglich im militärischen Bereich für untergeordnete Offiziere verwendet. Gramsci überträgt ihn auf diejenigen, die keiner hegemonialen Klasse angehören. GramsciVsMarxismus: damit weicht Gramsci von de orthodox-marxistischen Herangehensweise ab, die ihr politisches Augenmerk vor allem auf die
Brocker I 712
städtische Arbeiterklasse richtet. DhawanVsMarx: Die ländliche Bevölkerung wird bei Marx bekanntlich vernachlässigt, weil sie ihm als unorganisiert und präpolitisch gilt und keinen systematischen Gegenpol zur Bourgeoisie bilden könne. Siehe Herrschaft/Gramsci.
Gramsci nennt die unterdrückten Klassen abwechselnd „classi subalterne“, „classi subordinate“ und „classi strumentali“. Diese Differenzierung könne nur im Zusammenhang mit den dominanten Gesellschaftsgruppen verstanden werden. Die dominanten Gesellschaftsgruppen realisieren ihre historische Einheit im Staat, d.h. in der Kombination von politischer und ziviler Gesellschaft.
Im Kontrast dazu bilden die subalternen Klassen eine fragmentierte Gruppierung, die durch mangelnde Autonomie und strukturelle und ökonomische Ausgrenzung gekennzeichnet ist.(1)
Subalternität/Dhawan: der Begriff wurde innerhalb der postkolonialen Theorie u. a. von Guha übernommen, der damit einen Raum definiert, der von alle Mobilitätsformen abgeschnitten ist.(2)(3) Subalternität ist damit keine Identitätsbezeichnung, sondern eine Position, die Differenz markiert.


1. Vgl. Antonio Gramsci, Gefängnishefte, Kritische Gesamtausgabe, Bd. 9. Hefte 22 bis 29, hg.v. Wolfgang Fritz Haug/Klaus Bochmann, Hamburg 1999 (ital. zuerst 1934).
2. Vgl. Spivak. Selected Works of Gayatri Spivak, hg. V. Donna Landry/Gerald Maclean, New York/London 1996, S. 288.
3. Vgl. Ranajit Guha, Elementary Aspects of Peasant Insurgery in Colonial India, Delhi 1983.


Nikita Dhawan, Gayatri Chakravorty Spivak “Can the subaltern speak?” in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

PolGram I
Antonio Gramsci
Gefängnishefte
In
Kritische Gesamtausgabe Bd. 9, Wolfgang Fritz Haug/Klaus Bochmann Hamburg 1999

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Klassenkampf Schumpeter Brocker I 252
Klassenkampf/SchumpeterVsMarx/Schumpeter: Schumpeter nennt die marxistische Theorie des Klassenkampfs die »Konstruktion einer unüberbrückbaren Kluft zwischen Werkzeugeigentümern und Werkzeugbenützern«. (1) Schumpeter sieht in der Klassentheorie »die verkrüppelte Schwester der ökonomischen Geschichtsauffassung« (2). »Die Übertreibung der Endgültigkeit und Bedeutung der Trennungslinie zwischen der Kapitalistenklasse […] und dem Proletariat wurde nur durch die Übertreibung des Antagonismus zwischen ihnen noch überboten.“ SchumpeterVsMarx: diese Beziehung sei zu normalen Zeit in erster Linie eine der Zusammenarbeit. (3)


1. Joseph A. Schumpeter, Capitalism, Socialism and Democracy, New York 1942. Dt.: Joseph A. Schumpeter, Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie, Tübingen/Basel 2005 (zuerst: Bern 1946). S. 40
2. Ebenda S. 31
3. Ebenda S. 40.
Ingo Pies, „Joseph A. Schumpeter, Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie (1942)“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018.

EconSchum I
Joseph A. Schumpeter
Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung Leipzig 1912

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Marx Schumpeter Brocker I 251
Marx/Schumpeter: Schumpeter konstatiert, die »praktische Urteilskraft« von Karl Marx, ja sogar seine »politische Methode« habe auf »Diagnosefehlern« und »Wunschdenken« beruht. (1) Es gibt aber auch freundlichere Kommentare Schumpeters über den Wissenschaftler Marx. Marx habe vor allem die richtigen Fragen gestellt und eine fächerübergreifende Vision entwickelt, die ihren Fokus auf einen »Prozeß unaufhörlicher Veränderung der Wirtschaftsstruktur« (2) richtet.
Brocker I 252
SchumpeterVsMarx: Schumpeter kritisiert an Marx, was er auch an Ricardo und Keynes kritisiert: dass ihre wissenschaftlichen Aussagen auf politische Wirkung berechnet sind (und gerade damit den wissenschaftlichen Gehalt verschleiern, so dass es schwierig wird, ihn konstruktiv zu kritisieren). Aber im Kleid des Analytikers zu predigen und mit einem Blick auf die Bedürfnisse des Herzens zu analysieren, dies schuf eine leidenschaftliche Anhängerschaft und gab dem Marxisten jenes größte Geschenk, das in der Überzeugung besteht, daß das, was man ist und wofür man einsteht, niemals unterliegen, sondern am Ende siegreich sein wird« (3).
Brocker I 253
Ökonomie/Marx/Schumpeter: Schumpeter pro Marx: dieser gab sich nicht mit den üblichen Schlagworten der Übervorteilung oder Betrügerei zufrieden, sondern analysierte Asubeutung als etwas, das sich aus der eigenen Logik des Kapitals ergab, unabhängig von den Absichten des Einzelnen. (4)

1. Joseph A. Schumpeter, Capitalism, Socialism and Democracy, New York 1942. Dt.: Joseph A. Schumpeter, Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie, Tübingen/Basel 2005 (zuerst: Bern 1946). Insbesondere der Schlussteil des Buches.
2. Ebenda S. 54
3. Ebenda S. 21.
4. Ebenda S. 51
Ingo Pies, „Joseph A. Schumpeter, Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie (1942)“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018.

EconSchum I
Joseph A. Schumpeter
Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung Leipzig 1912

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Marxismus Habermas III 216
Marxismus/Habermas: Hegel ist auf dem Wege einer unkritischen Aneignung des dialektischen Begriffsapparates wirksam geworden; in die Grundbegriffe der Kritik der Politischen Ökonomie ist die Einheit von theoretischer und praktischer Vernunft so eingebaut, dass die normativen Grundlagen der Marxschen Theorie
III 217
bis heute verdunkelt worden sind. Diese Unklarheit ist im Marxismus teils umgangen, teils verdeckt, aber nicht eigentlich ausgeräumt worden: umgangen durch die Aufspaltung der Marxschen Gesellschaftstheorie in Sozialforschung und ethischen Sozialismus (M. Adler); und verdeckt sowohl durch eine orthodoxe Bindung an Hegel (Lukács, Korsch) wie durch eine Assimilation an die stärker naturalistischen Entwicklungstheorien des 19. Jahrhunderts (Engels, Kautsky). Diese Theorien bilden die Brücke, über die zunächst die geschichtsphilosophisch behandelte Rationalisierungsthematik auf die Soziologie übergegangen ist. (1)
IV 222
Lebenswelt/Marxismus/Habermas: die marxistische Kritik der bürgerlichen Gesellschaft setzt an den Produktionsverhältnissen an, weil sie die Rationalisierung der Lebenswelt akzeptiert, aber die Verformungen der rationalisierten Lebenswelt aus Bedingungen der materiellen Reproduktion erklären will. Dieser Ansatz verlangt eine Theorie, die auf einer breiteren grundbegrifflichen Basis als der der „Lebenswelt“ operiert. Sie darf die Lebenswelt weder mit der Gesellschaft im Ganzen identifizieren, noch darf sie sie auf systemische Zusammenhänge reduzieren.
IV 399
Marxismus/VsKapitalismus/Habermas: Ausgangspunkt der gesamten Kapitalismuskritik war die Frage, ob die Umstellung vorbürgerlich normativ organisierter Arbeitsbeziehungen auf das Medium Geld (Siehe Geld/Habermas, Geld/Parsons), ob also die Monetarisierung der Arbeitskraft
IV 400
einen Eingriff in Lebensverhältnisse und Interaktionsbereiche bedeutet, die selber nicht medienförmig integriert sind und auch nicht schmerzlos, d. h. ohne sozialpathologische Auswirkungen, von Strukturen verständigungsorientierten Handelns abgehängt werden können.
IV 504
Marxismus/HabermasVsMarxismus/Habermas: der Marxsche Ansatz fordert eine ökonomistisch verkürzte Interpretation der entwickelten kapitalistischen Gesellschaften. Für diese hat Marx mit Recht einen evolutionären Primat der Wirtschaft behauptet. Dieser Primat darf aber nicht dazu verleiten, das komplementäre Verhältnis von Ökonomie und Staatsapparat auf eine triviale Überbau-Basis-Vorstellung zuzuschneiden. Lösung/Habermas: im Unterschied zum Monismus der Werttheorie müssen wir mit zwei Steuerungsmedien und vier Kanälen rechnen, über die zwei einander ergänzende Subsysteme die Lebenswelt ihren Imperativen unterwerfen. Verdinglichungseffekte können sich gleichermaßen aus der Bürokratisierung und der Monetarisierung von öffentlichen wie von privaten Lebensbereichen ergeben.
IV 505
Der ökonomistische Ansatz versagt angesichts der Pazifizierung des Klassenkonflikts und des langfristigen Erfolges, den der Reformismus in den europäischen Ländern seit dem zweiten Weltkrieg im Zeichen einer im weiteren Sinne sozialdemokratischen Programmatik errungen hat. Siehe Interventionismus/Habermas.

1.J. Habermas Zur Rekonstruktion des Historischen Materialismus, Frankfurt, 1976.

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Marxismus Jonas Brocker I 610
Marxismus/JonasVsMarxismus/Jonas: Jonas geht davon aus, dass der Sozialismus eher in der Lage ist, eine „Verzichtspolitik“ (1) durchzusetzen, als es die westlichen liberalen Demokratien seien. Dieser Verzicht sei notwendig, um die Biosphäre für zukünftige Generationen zu erhalten und menschliches Leben zu erhalten. Siehe Ethik/Jonas. – Allerdings:
Brocker I 611
JonasVsMarxismus: dieser habe den technologischen Größenwahn der Menschheit mit befeuert, indem er – wie der Kapitalismus – eine grundsätzlich technologische Konzeption der Gesellschaft“ (2) verfolge. JonasVsBloch: Jonas versteht sein Buch Das Prinzip Verantwortung explizit als Gegenentwurf und »Kritik des marxistischen Utopismus« (3), wie er paradigmatisch in Ernst Blochs Das Prinzip Hoffnung (3 Bde., 1954-1959) zum Ausdruck gekommen war.


1. Hans Jonas, »Warum wir heute eine Ethik der Selbstbeschränkung brauchen«, in: Elisabeth Ströker (Hg.), Ethik der Wissenschaften? Philosophische Fragen, München/Paderborn u. a. 1984, S. 86
2. Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation, Frankfurt/M. 1979, S. 276.
3. Ebenda S. 327

Manfred Brocker, „Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Jonas I
Hans Jonas
Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation Frankfurt 1979

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Marxismus Olson Brocker I 483
Marxismus/Kollektives Handeln/Olson: OlsonVsMarx/OlsonVsMarxismus: Problem: Die marxistische Klassentheorie und die pluralistische Auffassung von Interessenvertretungen übersehen das Problem kollektiven Handelns.
Brocker I 484
Zwar haben die Angehörigen der jeweiligen Klassen gemeinsame Interessen, aber das bedeutet nicht, dass jeder Einzelne auch motiviert wäre, seinen individuellen Beitrag zu leisten. Trittbrettfahrerproblem: wenn die Einzelnen, die eine Klasse bilden, rational handeln, wird es nicht zu klassenorientiertem Handeln kommen«. (1) Dies gilt für die Arbeiter, die sich in Gewerkschaften zusammenschließen, um für die Erhöhung ihrer Löhne zu kämpfen. Es gilt aber auch für die Klasse der Arbeiter insgesamt, die ein Interesse daran hat, die Spaltung der Gesellschaft in Klassen zu überwinden.


1. Mancur Olson, The Logic of Collective Action: Public Goods and the Theory of Groups, Cambridge, Mass. 1965. Dt.: Mancur Olson, Die Logik des kollektiven Handelns: Kollektivgüter und die Theorie der Gruppen, Tübingen 1998 (zuerst 1968)., S. 104.


Johannes Marx, „Mancur Olson, Die Logik des kollektiven Handelns“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

EconOlson I
Mancur Olson
The logic of collective action: Public goods and the theory of groups Cambridge 1965

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Natur Nietzsche Ries II 81
Natur/Nietzsche/Zur Genealogie der Moral/NietzscheVsMarx: die innere Natur verewigt den mörderischen Zusammenhang des Lebens in einer einzigen Leidensgeschichte. Pessimismus.

Nie I
Friedrich Nietzsche
Sämtliche Werke: Kritische Studienausgabe Berlin 2009

Nie V
F. Nietzsche
Beyond Good and Evil 2014

Ries II
Wiebrecht Ries
Nietzsche zur Einführung Hamburg 1990
Negation Adorno Grenz I 50
Negation/AdornoVsHegel/Grenz: Adorno trennt, gegen Hegel, die subjektive von der objektiven Positivität der negierten Negation. (Negative Dialektik, p. 159, FN).
I 50
Dialektik/doppelte Negation/PopperVsDialektik/Adorno/Grenz: Adorno gibt der Popperschen Dialektikkritik recht: die Gleichsetzung der Negation der Negation mit der Positivität ist die Quintessenz des Identifizierens und damit der Verdinglichung.
I 50
Negation/Adorno/Grenz: Das Bewusstsein des Fehlens von etwas oder der Falschheit, dies Moment der bestimmten Negation als seinerseits Subjektives, darf nicht der objektiven Logik und gar der Metaphysik gutgeschrieben werden. (Negative Dialektik, p. 159, FN).
Grenz I 51
Die bestimmte Negation ändert die Verhältnisse nicht. Sie ist nur deren Bewusstsein.
Grenz I 80
Bestimmte Negation/MarxVsHegel/Grenz: Bsp die bürgerliche Revolution gegen die Feudalgesellschaft: Pointe: hier ist bestimmte Negation als Methode verlorengegangen. Der Feudalismus wird im Doppelsinn aufgehoben: Liquidiert wird die Herrschaft Weniger über die Vielen, erhalten bleibt der Gesellschaftscharakter der Gesellschaft.
I Grenz 83
Bestimmte Negation/AdornoVsHegel/AdornoVsMarx/Grenz: Adorno löst die Antinomie der Zweisinnigkeit des Aufhebens und Einbeziehung des praktischen Elements der Geschichte in die bestimmte Negation auf.
I Grenz 91
Bestimmte Negation/Adorno/Grenz: Neukonzeption als immanente Kritik: a) Als Aufhebung innerweltlich konzipiert – so entgeht sie der Immanenzkritik an Hegel.
I 92
b) Kehrt den Begriff der Zweckrationalität als irrational hervor (Dialektik der Aufklärung, p 126). So ergibt sich die Notwendigkeit, den Etwas-Charakter des bestimmten Nichts geschichtsphilosophisch (Negative Dialektik, p. 8) zu tilgen. c) Diese Notwendigkeit wird unterstützt von der Durchstoßung des Natur-Geschichte-Antagonismus.
Demnach bestünde die bestimmte Negation darin, das dem Faktischen seine Potentialität entgegengehalten wird, „der es nicht genügen kann“: (Ästhetische Theorie, p. 205).
Grenz I 106
Bestimmte Negation/Kunst/Adorno/Grenz: Das Offenbaren des Bildgehalts eines Kulturphänomens ist nur möglich als bestimmte Negation seines gesellschaftlichen Gehaltes, oder, was dasselbe ist, als Gewinnung der Wahrheit seiner Unwahrheit.
Grenz I 113
Doppelte Negation/Adorno/Grenz: Adorno versteht die Negation der Negation als negativ: inhaltsvoll, aber ohne Etwas-Charakter. (Negative Dialektik, p. 159f)
Grenz I 116
Negation/Adorno/Grenz: bestimmte Negation und Etwas-Charakter des bestimmten Nichts treten auseinander durch die Verwandlung der bestimmten Negation in die physiognomische Analyse und des bestimmten Nichts in eine auf Seiendes und sei nur noch polemisch bezogene Kategorie der Erfahrung. Das ist die Leistung der negativen Dialektik Adornos, mit der sie den historischen und den dialektischen Materialismus zu sich selbst bringt.
Grenz I 180
Negation/Adorno/Grenz: Resultate physiognomischer Negationen sind Kunstwerke oder hermetische Texte. Sie misslingen also als Negationen, insofern sie die Negativität ihrer Neganda zwar praktisch, dafür aber begriffslos und also unbestimmt, diffus negieren. Theorie: demgegenüber ist die Theorie vollzogene Bestimmung von Seiendem als negativ bloß theoretisch, aber bestimmt.

A I
Th. W. Adorno
Max Horkheimer
Dialektik der Aufklärung Frankfurt 1978

A II
Theodor W. Adorno
Negative Dialektik Frankfurt/M. 2000

A III
Theodor W. Adorno
Ästhetische Theorie Frankfurt/M. 1973

A IV
Theodor W. Adorno
Minima Moralia Frankfurt/M. 2003

A V
Theodor W. Adorno
Philosophie der neuen Musik Frankfurt/M. 1995

A VI
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften, Band 5: Zur Metakritik der Erkenntnistheorie. Drei Studien zu Hegel Frankfurt/M. 1071

A VII
Theodor W. Adorno
Noten zur Literatur (I - IV) Frankfurt/M. 2002

A VIII
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 2: Kierkegaard. Konstruktion des Ästhetischen Frankfurt/M. 2003

A IX
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 8: Soziologische Schriften I Frankfurt/M. 2003

A XI
Theodor W. Adorno
Über Walter Benjamin Frankfurt/M. 1990

A XII
Theodor W. Adorno
Philosophische Terminologie Bd. 1 Frankfurt/M. 1973

A XIII
Theodor W. Adorno
Philosophische Terminologie Bd. 2 Frankfurt/M. 1974

A X
Friedemann Grenz
Adornos Philosophie in Grundbegriffen. Auflösung einiger Deutungsprobleme Frankfurt/M. 1984
Ökonomie Weber Habermas III 300/301
Ökonomie/Wirtschaft/Weber/Habermas: die beiden institutionellen Komplexe, in denen Max Weber die modernen Bewusstseinsstrukturen vor allem verkörpert sieht, sind die kapitalistische Wirtschaft und der moderne Staat. Was ist daran „rational“? Hier scheint Weber das im kapitalistischen Betrieb und in der modernen Staatsanstalt verwirkliche Organisationsmodell vorzuschweben, wenn er von gesellschaftlicher Rationalisierung spricht. Ihre Rationalität besteht darin, dass die darin Handelnden zu zweckrationalem Handeln verpflichtet sind. Die entscheidende ökonomische Grundlage ist die ‚Trennung‘ des Arbeiters von den sachlichen Betriebsmitteln: den Produktionsmittel der Wirtschaft, den Kriegsmitteln im Heer, den sachlichen Verwaltungsmitteln in der öffentlichen Verwaltung, den Forschungsmitteln im Universitätsinstitut und Laboratorium, den Geldmitteln bei ihnen allen. (1)
Habermas III 301/302
Die Konzentration der sachlichen Mittel ist die notwendige Bedingung für die Institutionalisierung zweckrationalen Handelns. Weber: „Der moderne kapitalistische Betrieb ruht vor allem auf der Kalkulation. Er braucht für seine Existenz eine Justiz und Verwaltung, deren Funktionieren wenigstens im Prinzip ebenso an festen generellen Normen rational kalkuliert werden kann, wie man die voraussichtliche Leistung einer Maschine kalkuliert.“ (2)
Habermas III 305
WeberVsMarx/Habermas: anders als Marx, der mit arbeitswerttheoretischen Überlegungen ansetzt, erklärt Weber die Institutionalisierung zweckrationalen Handelns zunächst mithilfe der protestantischen Berufskultur und nachfolgend mithilfe des modernen Rechtssystems.

1. M. Weber, Wirtschaft und Gesellschaft, hrsg. v. J. Winckelmann, Tübingen 1964, S. 1047.
2. Ebenda S. 1048.

Weber I
M. Weber
Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus München 2013

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Politik Jonas Brocker I 610
Politik/Jonas: zur Durchsetzung seiner ethischen Imperative (siehe Ethik/Jonas, Ökologischer Imperativ/Jonas) setzt Jonas ganz auf die Politik und ihre Zwangsmittel. Erziehung allein sei nicht in der Lage, die ethische Neubesinnung der Menschen zu erreichen. Erforderlich sei, so Jonas, »ein Höchstmaß politisch auferlegter gesellschaftlicher Disziplin« (1), im Sinne einer »Verzichtpolitik« (2), einer »Unterordnung des Gegenwartsvorteils unter das langfristige Gebot der Zukunft« (3). Lösung/Jonas: ihm erscheinen Formen der politischen „Autokratie“ (4) wie der Sozialismus geeigneter als die marktwirtschaftlich organisierten liberalen Demokratien des Westens. Zusammenhang: Siehe Ethik/Jonas. Allerdings hat Jonas kritische Vorbehalte VsMarxismus: Siehe Marxismus/Jonas.


1.Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation, Frankfurt/M. 1979, S. 255
2. Hans Jonas, »Warum wir heute eine Ethik der Selbstbeschränkung brauchen«, in: Elisabeth Ströker (Hg.), Ethik der Wissenschaften? Philosophische Fragen, München/Paderborn u. a. 1984, S. 86
3. Jonas 1979, S. 255
4. Ebenda S. 262

Manfred Brocker, „Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Jonas I
Hans Jonas
Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation Frankfurt 1979

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Rationalisierung Habermas III 22
Rationalisierung/Soziologie/Habermas: das Verständnis rationaler Handlungsorientierungen wird zum Bezugspunkt für das Verständnis aller Handlungsorientierungen. Für die Soziologie bedeutet dies den folgenden Zusammenhang zwischen metatheoretischer und methodologischer Ebene:
a) Auf metatheoretischer Ebene wählt sie Grundbegriffe, die auf den Rationalitätszuwachs der modernen Lebenswelt zugeschnitten sind.
b) Auf methodologischer Ebene wird das Verständnis rationaler Handlungsorientierungen zum Bezugspunkt für das Verständnis aller Handlungsorientierungen (>Theorie des Sinnverstehens). Dabei geht es um interne Beziehungen zwischen Bedeutung und Geltung.
III 209
Rationalisierung/HabermasVsMarx/VsAdorno/VsHorkheimer/VsWeber/Habermas: der Rationalitätsbegriff dieser Autoren ist zu eng, um die ihnen vorschwebende umfassende gesellschaftliche Rationalität zu erfassen. Der Begriff müsste auf derselben Ebene ausgewiesen werden wie die Produktivkräfte, die Subsysteme zweckrationalen Handelns, die totalitären Träger der instrumentellen Vernunft. Das geschieht nicht. Der Handlungsbegriff dieser Autoren ist dafür nicht komplex genug. Außerdem darf man handlungs- und systemtheoretische Grundbegriffe nicht vermengen: LuhmannVsMarx, LuhmannVsWeber, LuhmannVsAdorno: die Rationalisierung von Handlungsorientierungen und lebensweltlichen Strukturen ist nicht dasselbe wie der Komplexitätszuwachs von Handlungssystemen. (1)

III 457
Kommunikatives Handeln/Rationalisierung/HabermasVsWeber/Habermas: erst wenn wir im “Gesellschaftshandeln” zwischen verständigungs- und erfolgsorientiertem Handeln differenzieren, lassen sich die kommunikative Rationalisierung des Alltagshandelns und die Subsystembildung für zweckrationales Wirtschafts- und Verwaltungshandeln als komplementäre Entwicklung begreifen. Zwar spiegeln beide die institutionelle Verkörperung von Rationalitätskomplexen, aber in anderer Hinsicht handelt es sich um gegenläufige Tendenzen.
III 459
Rationalisierung/Habermas: die Paradoxie der Rationalisierung, von der Weber gesprochen hat lässt sich abstrakt so fassen, das die Rationalisierung der Lebenswelt eine Art der Systemintegration ((s) von Teilsystemen mit nichtsprachlichen Kommunikationsmedien wie Geld und Macht) ermöglicht, die mit den Integrationsprinzip der ((s) sprachlichen) Verständigung in Konkurrenz tritt und unter bestimmten Bedingungen ihrerseits auf die Lebenswelt desintegrierend zurückwirkt.
IV 451
Rationalisierung/Moderne/HabermasVsWeber/Habermas: Weber konnte die Legitimationsprobleme, die eine positivistisch ausgehöhlte legale Herrschaft hervorruft, nicht in das Rationalisierungsmuster moderner Gesellschaften einordnen, weil er selbst rechtspositivistischen Auffassungen verhaftet blieb. Lösung/Habermas: These: (p) Die Entstehung (…) moderner Gesellschaften erfordert die institutionelle Verkörperung von Moral- und Rechtsvorstellungen posttraditionaler Art, aber
(q) die kapitalistische Modernisierung folgt einem Muster, demzufolge die kognitiv-instrumentelle Rationalität über die Bereiche von Ökonomie und Staat hinaus in andere, kommunikativ strukturierte Lebensbereiche eindringt und dort auf Kosten moralisch-praktischer und ästhetisch-praktischer Rationalität Vorrang erhält.
(r) Dadurch werden in der symbolischen Reproduktion der Lebenswelt Störungen hervorgerufen.
IV 452
Problem: eine fortschreitend rationalisierte Lebenswelt wird von immer komplexer werdenden formal organisierten Handlungsbereichen wie Ökonomie und Staatsverwaltung zugleich entkoppelt und in Abhängigkeit gebracht. Dies nimmt sozialpathologische Formen einer inneren Kolonialisierung an. Und zwar in dem Maße, wie kritische Ungleichgewichte nur noch um den Preis von Störungen der symbolischen Reproduktion der Lebenswelt (d.h. von „subjektiv“ erfahrenen identitätsbedrohenden Krisen oder Pathologien) vermieden werden können.
IV 486
Die Rationalisierung setzt paradoxerweise beides zugleich frei – die systemisch induzierte Verdinglichung und die utopische Perspektive, aus der der kapitalistischen Modernisierung stets der Makel angehaftet hat, dass sie die traditionalen Lebensformen auflöst, ohne deren kommunikative Substanz zu retten.

1.N. Luhmann, Zweckbegriff und Systemrationalität, Tübingen 1968.

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Rationalisierung Marx Habermas III 208
Rationalisierung/Marx/Habermas: nach Marx setzt sich die gesellschaftliche Rationalisierung unmittelbar in der Entfaltung der Produktivkräfte durch, d.h. in der Erweiterung des empirischen Wissens, der Verbesserung der Produktionstechniken und der immer wirksameren Mobilisierung, Qualifizierung und Organisation von gesellschaftlich nutzbarer Arbeitskraft. Hingegen werden die Produktionsverhältnisse, also die Institutionen, die die Verteilung sozialer Macht zum Ausdruck bringen und den differentiellen Zugang zu den Produktionsmitteln regulieren, allein unter dem Rationalisierungsdruck der Produktivkräfte revolutioniert. Max WeberVsMarx: Siehe Rationalisierung/Weber.

Habermas III 459
Rationalisierung/Marx/Habermas: in der Fassung einer Dialektik von toter und lebendiger Arbeit findet sich eine Entsprechung zur Dialektik der gesellschaftlichen Rationalisierung schon bei Marx. Wie die historischen Passagen des „Kapitals“ zeigen, untersucht Marx, wie der Akkumulationsprozess die Lebenswelt jener Produzenten aushöhlt, die als einzige Wahre ihre eigene Arbeitskraft anbieten können. Er verfolgt den widersprüchlichen Prozess der gesellschaftlichen Rationalisierung an den selbstdestruktiven Bewegungen eines Wirtschaftssystems, das auf der Basis der Lohnarbeit die Güterproduktion als Erzeugung von Tauschwerten organisiert und dadurch desintegrierend in die Lebensverhältnisse der an diesen Transaktionen beteiligten Klassen eingreift. Sozialismus liegt für Marx in der Fluchtlinie einer mit der kapitalistischen Auflösung traditionaler Lebensformen verfehlten Rationalisierung der Lebenswelt.(1)

1.Siehe K. Löwith, M.Weber und K. Marx, in: Löwith (1960) 1ff; W. Schluchter (1972); N. Birnbaum, Konkurrierende Interpretationen der Genese des Kapitalismus: Marx und Weber, in: C. Seyfarth, W. Sprondel (1973), 38ff; A. Giddens, Marx, Weber und die Entwicklung des Kapitalismus, ebd. S. 65ff.

Marx I
Karl Marx
Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Rationalisierung Weber Habermas IIII 208
Rationalisierung/WeberVsMarx/Weber/Habermas: Weber beurteilt den institutionellen Rahmen der kapitalistischen Wirtschaft und des modernen Staates anders: nicht als Produktionsverhältnisse, die das Rationalisierungspotential fesseln, sondern als die Subsysteme zweckrationalen Handelns, in denen sich der okzidentale Rationalismus gesellschaftlich entfaltet. Freilich befürchtet er, als Folge der Bürokratisierung, eine Verdinglichung sozialer Verhältnisse, die die motivationalen Antriebe rationaler Lebensführung erstickt. Horkheimer und Adorno, später auch Marcuse, deuten Marx aus dieser Weberschen Perspektive. Im Zeichen einer verselbständigten instrumentellen Vernunft verschmilzt die Rationalität der Naturbeherrschung mit der Irrationalität der Klassenherrschaft, stabilisieren die entfesselten Produktivkräfte die entfremdenden Produktionsverhältnisse. Siehe Rationalisierung/Marx.
Habermas III 228
Def Rationalisierung/Max Weber/Habermas: Rationalisierung nennt Weber jede Erweiterung des empirischen Wissens, der Prognosefähigkeit, der instrumentellen und organisatorischen Beherrschung empirischer Vorgänge.
Habermas III 238
Rationalisierung/Max Weber/Habermas: Weber will die Institutionalisierung zweckrationalen Handelns in Begriffen eines Rationalisierungsprozesses erklären. Ausgangszustand: die berufsethisch ausgerichtete methodische Lebensführung von Unternehmern und Staatsbeamten sowie das Organisationsmittel des formalen Rechts. Die entsprechenden Bewusstseinsstrukturen werden verkörpert in Institutionen auf der einen und Persönlichkeitssystemen (Handlungsdispositionen und Wertorientierungen) auf der anderen Seite. Letztlich ist für Weber der ethische und juristische Rationalismus Resultat eines auf der Ebene von Weltbildern gespiegelten Entzauberungsprozesses.
III 239
Es gibt zwei große Rationalisierungsschübe: 1. Rationalisierung von Weltbildern, 2. Umsetzung der kulturellen in eine gesellschaftliche Rationalisierung.
Habermas III 306
Rationalisierung/Weber/HabermasVsWeber/Habermas: beim Übergang von der kulturellen zur gesellschaftlichen Rationalisierung macht sich eine folgenreiche Verengung des Rationalitätsbegriffs bemerkbar, die Weber in seiner Handlungstheorie vornimmt, die auf den Typus zweckrationalen Handelns zugeschnitten ist. Er setzt unmittelbar an den faktisch vorgefundenen Gestalten des westlichen Rationalismus an, ohne sie an den kontrafaktisch entworfenen Möglichkeiten einer rationalisierten Lebenswelt zu spiegeln. Wenn er allerdings für seine weiteren Untersuchungen Maßstäbe für die Messung einer geschrumpften Rationalität braucht, tauchen diese Probleme wieder auf.

Weber I
M. Weber
Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus München 2013

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Revolution Marx Habermas IV 499
Revolution/Marx/Habermas: Marx will nicht nur darstellen, wie der systemisch verselbständigte Prozess der Selbstverwertung des Kapitals aus der Lebensweltperspektive der Lohnarbeiter als kontinuierliche Ausbeutung erfahren wird, wie die Subsumtion der Arbeitskraft unter die Warenform die Arbeiter aus ihren traditionalen Lebensverhältnissen herausreißt, ständische Existenzweisen erst plebejisch entwurzelt und dann proletarisiert. Marx entwirft vielmehr eine praktisch-politische Handlungsperspektive, die sich, in ihren Voraussetzungen, zu der vom Systemfunktionalismus stillschweigend eingenommenen Perspektive genau konträr verhält. Die Systemtheorie setzt voraus, dass der Prozess einer Instrumentalisierung der Lebenswelt bereits zum Abschluss gekommen ist.
Habermas IV 500
Demgegenüber fasst Marx einen zukünftigen Zustand ins Auge, in dem der objektive Schein des Kapitals zerronnen und die unter dem Diktat des Wertgesetzes gefangengehaltene Lebenswelt ihrer Spontaneität zurückgegeben worden ist. Er sieht die Formierung einer Bewegung voraus, die die politische Macht nur ergreift, um die Gesellschaft zu revolutionieren; zusammen mit dem Privateigentum an Produktionsmitteln wird sie die institutionellen Grundlagen des Mediums, über das die kapitalistische Wirtschaft ausdifferenziert worden ist, zerstören und den systemisch verselbständigten Prozess wirtschaftlichen Wachstums wieder in den Horizont der Lebenswelt einholen. Terminologie/Marx: System und Lebenswelt erscheinen bei Marx unter den Metaphern des „Reichs der Notwendigkeit“ und des „Reichs der Freiheit“.
WeberVsMarx/Habermas: gegenüber den revolutionären Erwartungen von Marx, dass die theoretische Kritik den Zauber, der auf der abstrakt gewordenen Arbeit ruht, nur zu lösen brauche, hat Weber Recht behalten: „dass die Abschaffung des Privatkapitalismus…keineswegs ein Zerbrechen des stählernen Gehöuses der modernen gewerblichen Arbeit bedeuten würde..“ (1)
HabermasVsMarx: sein Irrtum geht auf die dialektische Verklammerung von System- und Lebensweltanalyse zurück, die eine (…) Trennung zwischen dem (…)
Habermas IV 501
Niveau der Systemdifferenzierung und den klassenspezifischen Formen seiner Institutionalisierung nicht zulässt.
Brocker I 203
Permanente Revolution/Marx: bereits Marx gebrauchte den Begriff der „permanenten Revolution“, und zwar erstmals in seiner Schrift „Zur Judenfrage“, 1844. Dort erklärt er die Jakobinerherrschaft in der Französischen Revolution als einen gewaltsamen Versuch, den politischen Überbau der bürgerlichen Gesellschaft zu errichten. Dies gelinge nur dadurch, dass die Revolution für permanent erklärt wird. Das politische Drama ende daher ebenso notwendig mit der Wiederherstellung der Religion, des Privateigentums, aller Elemente der bürgerlichen Gesellschaft, wie der Krieg mit dem Frieden ende. (2) Das hatte noch nichts mit dem Gedanken einer permanent verlaufenden Revolution zu tun, die das Proletariat an die Macht bringen solle.
Permanente Revolution/Marx/Engels: später geht es darum, die Revolution permanent zu machen und in alle Länder zu tragen, bis die Konkurrenz der Proletarier in diesen Ländern aufgehört hat. (3)


1.M. Weber, Wirtschaft und Gesellschaft, hrsg. v. J. Winckelmann, Köln 1964
2. Marx, Karl, »Zur Judenfrage« [1844], in: ders./Friedrich Engels, Werke, Berlin [DDR] 1956, Bd. 1, 347-377.
3. Karl Marx, Friedrich Engels, »Ansprache der Zentralbehörde an den Bund vom März 1850«, in: Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Berlin [DDR] 1960, Bd. 7, 244-254.


Marx I
Karl Marx
Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
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Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Verdinglichung Marx Habermas IV 502
Verdinglichung/Marx/HabermasVsMarx/Habermas: Marx kann den Aspekt der Verdinglichung im Zusammenhang mit der Proletarisierung von Handwerkern, Bauern und ländlichen Plebejern nicht von dem Aspekt der strukturellen Ausdifferenzierung der Lebenswelt unterscheiden. Dafür ist sein Konzept der Entfremdung nicht trennscharf genug. Die Werttheorie /Siehe Werttheorie/Marx, Werttheorie/Habermas) bietet keine Grundlage für ein Konzept der Verdinglichung, das gestatten würde, Syndrome der Entfremdung relativ zu jeweils erreichten Grad der Rationalisierung einer Lebenswelt zu identifizieren.
Habermas: auf der Stufe posttraditionaler Lebensformen zählt der Schmerz, den das Auseinandertreten von
Habermas IV 503
Kultur, Gesellschaft und Persönlichkeit denen, die in moderne Gesellschaften hineinwachsen auch zufügt, als Prozess der Individualisierung und nicht als Entfremdung. Verdinglichung darf sich in einer weitgehend rationalisierten Lebenswelt nur noch an Bedingungen kommunikativer Vergesellschaftung überhaupt, nicht an einer nostalgisch beschworenen, oft romantisierten Vergangenheit vormoderner Lebensformen bemessen.

Marx I
Karl Marx
Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Werttheorie Habermas IV 494
Werttheorie/Methode/Habermas: die Marxsche Werttheorie gibt Regeln an, nach denen systematische Aussagen (über anonyme Wertbeziehungen) in historische Aussagen (über Interaktionsbeziehungen
IV 495
zwischen sozialen Klassen) übersetzt werden können. So lassen sich Probleme der Systemintegration auf der Ebene der Sozialintegration abbilden und mit der Dynamik von Klassenauseinandersetzungen verknüpfen.
IV 498
Methode/HabermasVsMarx: es ist eine Schwäche der Werttheorie, dass Aussagen über das System bzw. über die Lebenswelt nur als Aussagen über eine Totalität, die beide Momente zusammenhält, möglich sind. Es wird vorausgesetzt, dass zwischen Systementwicklung und lebensweltlichem Strukturwandel ein logischer Zusammenhang besteht. Marx begreift die Einheit von System- und Lebenswelt (…) nach dem Modell der Einheit einer zerrissenen sittlichen Totalität.
IV 499
Das führt dazu, dass er den evolutionären Eigenwert den mediengesteuerten Subsysteme (Siehe Medien/Habermas) verkennt. Problem: das macht es Marx unmöglich, seine Handlungsperspektive im Rahmen seiner Revolutionstheorie darzustellen.
IV 501
HabermasVsMarx: Marx fehlen die Kriterien, anhand derer er die Zerstörungen traditionaler Lebenswelten unterscheiden könnte.
IV 503
HabermasVsMarx: eine weitere, entscheidende Schwäch der Werttheorie ist die Überverallgemeinerung eines speziellen Falles der Subsumtion der Lebenswelt unter Systemimperative. Die Prozesse der Verdinglichung müssen nicht notwendigerweise nur in der Sphäre auftreten, in der sie verursacht werden – in der Arbeitswelt. Sie können auch in der privaten Lebenswelt auftreten. Die Werttheorie rechnet (aber) nur mit einem Kanal, dem der Monetarisierung der Arbeitskraft.

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Werttheorie Marx Habermas IV 302
Werttheorie/Marx/Habermas: Frage: wie verhalten sich die beiden Formen der Integration von Handlungszusammenhängen zueinander, die eine, die sich gleichsam im Bewusstsein der Akteure vollzieht >(>Handlungstheorie) und die andere, die lautlos durch die Orientierungen der Akteure hindurchgreift (>Systemtheorie)? Lösung/Hegel: in der Rechtsphilosophie löst Hegel dieses Problem im Sinne eines idealistischen Übergangs vom subjektiven zum objektiven Geist.
Lösung/Marx: Marx führt die Werttheorie ein, um polit-ökonomische Aussagen über die anonymen Zusammenhänge eines Systems mit soziologisch-historischen Aussagen über die lebensweltlich strukturierten Handlungszusammenhänge von Aktoren, von Einzelnen oder
Habermas IV 303
Kollektiven, verknüpfen zu können. HabermasVsMarx/HabermasVsHegel: diese Lösungsstrategien haben inzwischen ihre Plausibilität verloren. Handlungs- und Systemtheorie lassen sich als übrig gebliebene Teile dieser Ansätze verstehen.

Mause I 69
Arbeitswertlehre/Marx: Karl Marx (1818– 1883) kann in gewisser Hinsicht als klassischer Ökonom bezeichnet werden: Wie die Vertreter der klassischen Schule konzentrierte er sich auf die Produktion bzw. die Angebotsbedingungen und das Wirtschaftswachstum und dessen Determinanten; die Marxsche Arbeitswertlehre etwa entspricht im Wesentlichen der von Ricardo.

Marx I
Karl Marx
Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Werttheorie Schumpeter Brocker I 253
Werttheorie/SchumpeterVsMarx/Schumpeter: Schumpeter kritisiert die marxsche Mehrwert-Theorie kapitalistischer Ausbeutung mitsamt der ihr zugrunde liegenden Arbeitswertlehre in Grund und Boden. Aus seiner Sicht »ist es leicht nachzuweisen, daß unter Marxens eigenen Voraussetzungen die Mehrwerttheorie unhaltbar ist«. (1)
1. Joseph A. Schumpeter, Capitalism, Socialism and Democracy, New York 1942. Dt.: Joseph A. Schumpeter, Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie, Tübingen/Basel 2005 (zuerst: Bern 1946). S. 53.

Ingo Pies, „Joseph A. Schumpeter, Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie (1942)“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018.

EconSchum I
Joseph A. Schumpeter
Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung Leipzig 1912

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018

Der gesuchte Begriff oder Autor findet sich in folgenden 2 Kontroversen:
Begriff/
Autor/Ismus
Autor Vs Autor
Eintrag
Literatur
VsMarxVsMarx Derrida Vs Verschiedene I 50
DerridaVsLogozentrismus: Zwiespalt zwischen dem »Sagen-wollen« und dem unbeabsichtigt durch die Art der Beschreibung Kundgegebenen. Derrida versucht einen Punkt zu finden außerhalb: das »Exorbitante«.
Derrida I 88
»Lichtung des Seins« usw.. RicoeurVsHeidegger: das ist eine Rückkehr der Metapher in einem sich nicht mehr als metaphysisch verstehenden Denken. DerridaVsRicoeur: dreht diese Kritik um. Indem die Metapher verschleißt, zieht sie sich zurück. Wiederkehr in veränderter Gestalt.
VsDerrida: er übersieht, daß »Verschleiß« wieder eine Metapher ist. - Das Denken in seinem Bezug zur Metapher ist nicht festzustellen oder zu identifizieren.
I 139
DerridaVsMarx: zu sehr von Aufklärung abhängig. Derrida dekonstruiert Marx und führt den Begriff "Messianik" im Unterschied zu Messianismus ein.
I 150
DerridaVsMauss: bemerkt nicht den Widerspruch zwischen Gabe und Tausch, weil zwischen Gabe und Gegengabe jeweils ein Aufschub liegt. Daher spricht Mauss nicht von der Gabe sondern in Wirklichkeit vom zirkulären Tausch.
Habermas I 194
Derrida: kritisiert die Herrschaft des Logos, der stets dem gesprochenen Wort innewohnt. DerridaVsPhonozentrismus: verkappte Gestalt des Logozentrismus des Abendlandes. Die Metapher vom Buch der Natur als schwer zu dechiffrierende Handschrift Gottes. Jaspers: »die Welt ist die Handschrift einer anderen, niemals völlig lesbaren Welt; allein die Existenz entziffert sie.«.
Habermas I 203
DerridaVsPlatonisierung der Bedeutung.
Habermas I 234
DerridaVsNew Criticism (Formalismus), VsStrukturalistische Ästhetik

Derrida I
J. Derrida
Grammatologie Frankfurt 1993

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
VsMarxVsMarx Luhmann Vs Verschiedene Habermas I 436
VsParsons: bildet das klassische Modell einfach durch Systeme nach. (Soziales System = Handlungssystem). - Luhmann stattdessen: Mensch als Teil der Umwelt der Gesellschaft. Das ändert die Prämissen aller Fragestellungen. - Methodischer Antihumanismus.
Habermas I 440
LuhmannVsHumanismus: "Kardinalfehler" Verquickung von Sozial und Sachdimension.
Reese-Schäfer II 28
LuhmannVsDualismus: von Beobachter und Gegenstand. Universalität/Vs: die Gesamtsicht, die Universalität musste aufgegeben werden und wurde durch »Kritik« ersetzt, mit der der Standpunkt des Subjekts sich zur Universalität wieder aufrundet«. - Fundament/Luhmann: es gibt keinen letzten Halt. (Wie Quine, Sellars, Rorty). II 42 - VsMarx: lehnt die Rede von »gesellschaftlichen Widersprüchen« ab: es geht einfach um einen Interessengegensatz. Auch Konkurrenz ist kein Widerspruch: zwei Personen können durchaus dasselbe Gut anstreben.
Widersprüche/Luhmann: entstehen nur aus der Selbstbezüglichkeit von Sinn. Nicht wie bei Marx. - Widersprüche/Rechtssystem: dient nicht zur Vermeidung, sondern zur Regelung von Konflikten. II 78 - Wertfreiheit: (Max Weber): der Verzicht auf Wertungen ist sozusagen der blinde Fleck einer Beobachtung zweiter Ordnung. II 89 - Vs Rechte Politik: hier gibt es überhaupt keine Theorie, die in der Lage wäre, andere Theorien zu lesen. Es gibt nur Apercus oder gewisse literarische Leitideen. II 90/91 - VsGehlen: wir haben uns nicht den Institutionen unterzuordnen. II 102 - VsHandlungstheorie: ganz unscharfer, nur durch Zeigen auf Menschen bestimmbarer Begriff von Individuen. So werden Sprachgewohnheiten als Sachkenntnisse ausgegeben: denn die Sprache verlangt von uns, Subjekte einzusetzen. >Sprache/Luhmann.
Reese-Schäfer II 103
Vernunft/VsAdorno: man sollte nicht resignieren (Dialektik der Aufklärung) sondern fragen, ob es nicht ohne Vernunft besser geht! II 112 - Reizüberflutung/LuhmannVsTradition: kann gar nicht stattfinden. Denn schon der neurophysiologische Apparat schirmt das Bewusstsein drastisch ab. Das operative Medium Sinn tut ein übriges. II 125 - Mensch/Gehlen: versuchte, den Menschen aus seinem Unterschied zum Tier zu bestimmen. (LuhmannVs). II 138 - VsParsons: Begrifflichkeit beschränkt durch Strukturfunktionalismus: man konnte nicht nach der Funktion von Strukturen fragen, oder Begriffe wie Bestand oder Bestandsvoraussetzung, Variable oder den ganzen methodologischen Bereich zu untersuchen. Beschränktheit dadurch, daß ein bestimmter Gegenstand als vorgegeben angenommen wurde. - keine Kriterien für den Bestand des Gegenstands - statt dessen muss die Theorie alle Devianz (Abweichung) und Disfunktion mitenthalten können. (bei Parsons nicht möglich). - Frage: in welchem Zeitraum und welchen Bandbreiten ist ein System identifizierbar? (Bsp Revolution: ist die Gesellschaft hinterher noch die selbe Gesellschaft?) Bestandskriterien Biologie: Definition durch Tod. Das Lebende reproduziert sich aus eigenen Mitteln. Selbstreferenz (wichtig in der modernen Systemtheorie) ist im Rahmen des Parsonschen Modells nicht möglich. Daher brauchen wir interdisziplinäre Lösungen. (Kass 3.) - VsHandlungstheorie: der Begriff der Handlung eignet sich nicht, weil ein Akteur vorausgesetzt wird! Es gibt sie aber auch ohne Zuschauer! Im Prinzip kann eine Handlung als solitäre, sozial resonanzlose Sache vorgestellt werden! - Paradoxie/Luhmann: das Verfahren der Auflösung der Paradoxie ist logisch anrüchig, wird aber von den Logikern selbst ständig angewendet: sie benutzen einen Ebenenwechsel. Einzig folgende Frage darf nicht gestellt werden: was denn die Einheit der Differenz der Ebenen sei. (Kass.4) - VsGleichgewichtstheorien: Heute fragwürdig; 1. von der Naturwissenschaft her: es sind gerade Ungleichgewichte stabil, GG eher Metapher (Kass.6). Tradition: "Übertragung von Patterns von Generation zu Generation" Gespeicherte Wertmuster, die immer wieder angeboten werden und vom Nachwuchs übernommen. Diese Muster sind dann dennoch dieselben.
VsTradition: Frage: woher kommt überhaupt die Identität. Wie könnte man von Selbigkeit reden, ohne externen Beobachter? Das wird auch nicht viel anders durch die Annahmen eines reziproken Verhältnisses mit Lernen. Luhmann: statt dessen: (Autopoiesis): Sozialisation ist immer Selbstsozialisation.

AU Kass 6
Information/Luhmann: der Begriff muss nun darauf abgestimmt werden! Man sprach in den 70ern von "genetischer Information", behandelte Strukturen als informativ, der genetische Code enthalte Information.
Luhmann: das ist falsch, weil Gene nur Strukturen enthalten und keine Ereignisse!
Die semantische Seite des Begriffs blieb lange ungeklärt, d.h. die Frage, aus was eine Information auswählen kann.

Reese-Schäfer II 76
LuhmannVsMarx/Reese-Schäfer: lehnt die Rede von »gesellschaftlichen Widersprüchen« ab: es geht einfach um einen Interessengegensatz. Auch Konkurrenz ist kein Widerspruch: zwei Personen können durchaus dasselbe Gut anstreben.
AU Kass 11
Emergenz/Reduktionismus/Systemtheorie/Luhmann: das stellt die eigentliche Frage noch gar nicht: wodurch zeichnet sich eigentlich ein emergentes System aus? Was ist das Charakteristikum für die Unterscheidung von dem basalen Zustand? Was ist das Kriterium, das Emergenz ermöglicht? Will Martens: (Heft 4, Kölner Zeitschrift f. Sozialforschung): Autopiesis sozialer Systeme.
Behandelt die Frage im Anschluss an das Konzept der Autopoiesis und der Kommunikation.
Kommunikation/Luhmann: Dreigliederung:
Information,
Mitteilung, Verstehen (nicht Handlungsfolgen). (Kommt aus der Linguistik, aber auch schon Antike!).
Martens: diese Dreiteilung ist die psychologische Fundierung der Kommunikation. Die Kommunikation muss zunächst im individuellen Kopf ausgehandelt werden, ich muss sehen, was ich als unbekannt unterstelle und was ich auswählen möchte, außerdem muss mein Körper in Schuss sein.
Martens These: die Sozialität kommt nur in der Synthese dieser drei Komponenten zustande.
Soziales entsteht, wenn Information, Mitteilung und Verstehen als Einheit erzeugt werden mit Rückwirkung auf die teilnehmenden psychischen Systeme, die sich entsprechend verhalten müssen.
Die Einheit ist nur die Synthese selbst, während die Elemente nach wie vor psychologisch bzw biologisch usw. beschrieben werden müssen. Ohne dieses Fundament geht es nicht.
LuhmannVsMartens: ich hoffe, Sie fallen darauf rein! Das klingt zunächst sehr einleuchtend. Aber jetzt kommt die Frage:
Was wird denn in dem Text von Martens kommuniziert? Sicher nicht der Blutkreislauf! In dem Text ist auch kein Blut! Das würde die Redaktion schon abwehren, auch kein Bewusstseinszustand ist im Text! Ich kann mir also gar nicht vorstellen, was der Verfasser sich gedacht hat! Ich kann mir wohl vorstellen, dass er durchblutet war und vor dem Computer gesessen hat. Und dass er gerne an der Diskussion teilnehmen wollte.
Luhmann: das sind alles Konstruktionen, die in der Kommunikation nahegelegt werden, die aber eigentlich in der Kommunikation nicht vorhanden sind. (>Interpenetration/Parsons).
Kommunikation/LuhmannVsMartens: Frage: was wird eigentlich in dem Text behauptet, und widerlegt er es nicht eigentlich selbst?
Paradoxie: der Text der von Blut und Gedanken erzählt, behauptet, er bringe Blut und Gedanken, aber er bringt nur Buchstaben und das, was man als geübter Leser aus dem Text machen kann. Das ist Kommunikation. Mehr sehe ich eigentlich nicht!
Kommunikation/Luhmann: wenn man realistisch und operativ denkt, ist nicht mehr in dem Text zu sehen. Die Worte müssen wir schon selbst aus den Buchstaben zusammensetzen.
Wenn psychische System auf Kommunikation eingehen, ändern sie ihre internen Zustände entsprechend.
Kommunikation/Luhmann: wenn man diese Botschaft (von Martens) bekommen hat, kann man sagen: alles ist eigentlich richtig, man könnte eine Kommunikation völlig auf der Basis körperlicher oder psychologischer Tatsachen beschreiben. Es würde nichts fehlen, mit Ausnahme der Autopoiesis selbst.
Frage: wir müssen erklären, wie Kommunikation sich selbst erhält, ohne psychische und körperliche Operationen einzubauen!
Luhmann: diese Reproduktion von Kommunikation durch Kommunikation geht nur durch völligen Ausschluss von körperlichen, psychischen usw. Operationen.

AU I
N. Luhmann
Einführung in die Systemtheorie Heidelberg 1992

Lu I
N. Luhmann
Die Kunst der Gesellschaft Frankfurt 1997

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981