Lexikon der Argumente


Philosophische Themen und wissenschaftliche Debatten
 
[englisch]

Screenshot Tabelle Begriffes

 

Finden Sie Gegenargumente, in dem Sie NameVs…. oder….VsName eingeben.

Erweiterte Suche:
Suchbegriff 1: Autor oder Begriff Suchbegriff 2:Autor oder Begriff

zusammen mit




Der gesuchte Begriff oder Autor findet sich in folgenden 7 Einträgen:
Begriff/
Autor/Ismus
Autor
Autor
Eintrag
Eintrag
Literatur
Literatur
Klassen Gramsci Brocker I 711
Klassen/Gramsci: in den Quaderni del Carcere (1929-1935) führt Gramsci den Begriff „Subalterne“ ein. Der Begriff wurde ursprünglich im militärischen Bereich für untergeordnete Offiziere verwendet. Gramsci überträgt ihn auf diejenigen, die keiner hegemonialen Klasse angehören. GramsciVsMarxismus: damit weicht Gramsci von de orthodox-marxistischen Herangehensweise ab, die ihr politisches Augenmerk vor allem auf die
Brocker I 712
städtische Arbeiterklasse richtet. DhawanVsMarx: Die ländliche Bevölkerung wird bei Marx bekanntlich vernachlässigt, weil sie ihm als unorganisiert und präpolitisch gilt und keinen systematischen Gegenpol zur Bourgeoisie bilden könne. Siehe Herrschaft/Gramsci.
Gramsci nennt die unterdrückten Klassen abwechselnd „classi subalterne“, „classi subordinate“ und „classi strumentali“. Diese Differenzierung könne nur im Zusammenhang mit den dominanten Gesellschaftsgruppen verstanden werden. Die dominanten Gesellschaftsgruppen realisieren ihre historische Einheit im Staat, d.h. in der Kombination von politischer und ziviler Gesellschaft.
Im Kontrast dazu bilden die subalternen Klassen eine fragmentierte Gruppierung, die durch mangelnde Autonomie und strukturelle und ökonomische Ausgrenzung gekennzeichnet ist.(1)
Subalternität/Dhawan: der Begriff wurde innerhalb der postkolonialen Theorie u. a. von Guha übernommen, der damit einen Raum definiert, der von alle Mobilitätsformen abgeschnitten ist.(2)(3) Subalternität ist damit keine Identitätsbezeichnung, sondern eine Position, die Differenz markiert.


1. Vgl. Antonio Gramsci, Gefängnishefte, Kritische Gesamtausgabe, Bd. 9. Hefte 22 bis 29, hg.v. Wolfgang Fritz Haug/Klaus Bochmann, Hamburg 1999 (ital. zuerst 1934).
2. Vgl. Spivak. Selected Works of Gayatri Spivak, hg. V. Donna Landry/Gerald Maclean, New York/London 1996, S. 288.
3. Vgl. Ranajit Guha, Elementary Aspects of Peasant Insurgery in Colonial India, Delhi 1983.


Nikita Dhawan, Gayatri Chakravorty Spivak “Can the subaltern speak?” in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

PolGram I
Antonio Gramsci
Gefängnishefte
In
Kritische Gesamtausgabe Bd. 9, Wolfgang Fritz Haug/Klaus Bochmann Hamburg 1999

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Marxismus Ball Gaus I 20
Marxismus/Interpretation/Ball: Ein marxistischer Ansatz zur Textinterpretation stößt auf eine Reihe von Schwierigkeiten, darunter die folgenden. Wir haben bereits gesehen, dass Marxisten davon ausgehen, dass die herrschenden Ideen einer Epoche diejenigen sind, die den Interessen der herrschenden Klasse dienen; und da die meisten politischen Denker einer gebildeten Elite angehört haben, dienen ihre Ideen der herrschenden Klasse. 1) BallVsMarxismus: Aber dann haben Marx und Engels (und Lenin, Trotzki, Bucharin, Lukács und viele andere prominente Marxisten) nicht der Klasse der unterdrückten Werktätigen angehört, sondern einer gebildeten und belesenen
Gaus I 21
Elite. Nach Marxianischem Licht sollten ihre Ideen den Interessen der herrschenden Kapitalistenklasse dienen, nicht denen des werktätigen Proletariats. Wie können die Ideen dieser Marxisten den Interessen einer Klasse dienen, zu der sie nicht gehören? MarxismusVsVs: Alle Versuche (von Marx und anderen), diese Frage zu beantworten - dass es einige gibt, die durch Wille oder Intellekt ihre 'objektive' Klassenbasis überschreiten, dass die Arbeiter nicht für sich selbst theoretisieren können, weil sie mit 'falschem Bewusstsein' behaftet sind, während die Intellektuellen der Mittelklasse es nicht sind, usw. - lediglich Ad-hoc-Rationalisierungen sind und eindeutig unbefriedigend sind.
2) VsMarxismus: Darüber hinaus wird nicht zufriedenstellend erklärt (oder auch nur erklärbar), wie Marxisten alle politischen Theorien, vergangene und gegenwärtige, als ideologische Masken interpretieren können, die die Herrschaft einer Klasse durch eine andere verbergen und rechtfertigen - und dennoch ihre eigene Theoriebildung als Ausnahme von dieser Regel ausnehmen.
3) VsMarxismus: (...) Nicht zuletzt haben die marxistischen Interpretationen eine formelhafte Qualität: Die Dolmetscherin hat voreingestellte Vorstellungen davon, was sie vorfindet - nämlich ideologische Tricks oder Verwirrung im Dienste der herrschenden Klasse - und diese findet sie gleichsam in den unschuldigsten Passagen lauernd.


Ball, Terence. 2004. „History and the Interpretation of Texts“. In: Gaus, Gerald F. 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications.

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Marxismus Feminismus Gaus I 281
Marxismus/Feminismus/FeminismusVsMarxismus/Mottier: Für feministische Marxistinnen ist der Begriff der individuellen Rechte eine Illusion, die dazu dient, die kapitalistischen
Gaus I 282
und patriarchalischen Grundlagen des liberalen Staates sowie seine Herrschaft durch eine männliche Elite zu verschleiern. Sie bestehen insbesondere auf der Notwendigkeit, den Wert der von Frauen geleisteten "reproduktiven Arbeit" anzuerkennen. VsMarxismus: Wie Mary Dietz (1992)(1) jedoch feststellt, ist das Thema der Staatsbürgerschaft in der marxistischen Kritik des Kapitalismus und der repräsentativen Demokratie stark unterentwickelt. Marxistische Theoretiker neigen dazu, feministische Politik auf den revolutionären Kampf gegen den Staat zu reduzieren - der als Hauptursache für die Unterdrückung von Frauen angesehen wird - und Frauen auf ihre reproduktiven Funktionen zu reduzieren.


1. Dietz, Mary (1992) 'Context is all: feminism and theories of citizenship'. In Chantal Mouffe, Hrsg., Dimensions of Radical Democracy. London: Verso, 63—85.


Véronique Mottier 2004. „Feminism and Gender Theory: The Return of the State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Marxismus Habermas III 216
Marxismus/Habermas: Hegel ist auf dem Wege einer unkritischen Aneignung des dialektischen Begriffsapparates wirksam geworden; in die Grundbegriffe der Kritik der Politischen Ökonomie ist die Einheit von theoretischer und praktischer Vernunft so eingebaut, dass die normativen Grundlagen der Marxschen Theorie
III 217
bis heute verdunkelt worden sind. Diese Unklarheit ist im Marxismus teils umgangen, teils verdeckt, aber nicht eigentlich ausgeräumt worden: umgangen durch die Aufspaltung der Marxschen Gesellschaftstheorie in Sozialforschung und ethischen Sozialismus (M. Adler); und verdeckt sowohl durch eine orthodoxe Bindung an Hegel (Lukács, Korsch) wie durch eine Assimilation an die stärker naturalistischen Entwicklungstheorien des 19. Jahrhunderts (Engels, Kautsky). Diese Theorien bilden die Brücke, über die zunächst die geschichtsphilosophisch behandelte Rationalisierungsthematik auf die Soziologie übergegangen ist. (1)
IV 222
Lebenswelt/Marxismus/Habermas: die marxistische Kritik der bürgerlichen Gesellschaft setzt an den Produktionsverhältnissen an, weil sie die Rationalisierung der Lebenswelt akzeptiert, aber die Verformungen der rationalisierten Lebenswelt aus Bedingungen der materiellen Reproduktion erklären will. Dieser Ansatz verlangt eine Theorie, die auf einer breiteren grundbegrifflichen Basis als der der „Lebenswelt“ operiert. Sie darf die Lebenswelt weder mit der Gesellschaft im Ganzen identifizieren, noch darf sie sie auf systemische Zusammenhänge reduzieren.
IV 399
Marxismus/VsKapitalismus/Habermas: Ausgangspunkt der gesamten Kapitalismuskritik war die Frage, ob die Umstellung vorbürgerlich normativ organisierter Arbeitsbeziehungen auf das Medium Geld (Siehe Geld/Habermas, Geld/Parsons), ob also die Monetarisierung der Arbeitskraft
IV 400
einen Eingriff in Lebensverhältnisse und Interaktionsbereiche bedeutet, die selber nicht medienförmig integriert sind und auch nicht schmerzlos, d. h. ohne sozialpathologische Auswirkungen, von Strukturen verständigungsorientierten Handelns abgehängt werden können.
IV 504
Marxismus/HabermasVsMarxismus/Habermas: der Marxsche Ansatz fordert eine ökonomistisch verkürzte Interpretation der entwickelten kapitalistischen Gesellschaften. Für diese hat Marx mit Recht einen evolutionären Primat der Wirtschaft behauptet. Dieser Primat darf aber nicht dazu verleiten, das komplementäre Verhältnis von Ökonomie und Staatsapparat auf eine triviale Überbau-Basis-Vorstellung zuzuschneiden. Lösung/Habermas: im Unterschied zum Monismus der Werttheorie müssen wir mit zwei Steuerungsmedien und vier Kanälen rechnen, über die zwei einander ergänzende Subsysteme die Lebenswelt ihren Imperativen unterwerfen. Verdinglichungseffekte können sich gleichermaßen aus der Bürokratisierung und der Monetarisierung von öffentlichen wie von privaten Lebensbereichen ergeben.
IV 505
Der ökonomistische Ansatz versagt angesichts der Pazifizierung des Klassenkonflikts und des langfristigen Erfolges, den der Reformismus in den europäischen Ländern seit dem zweiten Weltkrieg im Zeichen einer im weiteren Sinne sozialdemokratischen Programmatik errungen hat. Siehe Interventionismus/Habermas.

1.J. Habermas Zur Rekonstruktion des Historischen Materialismus, Frankfurt, 1976.

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Marxismus Jonas Brocker I 610
Marxismus/JonasVsMarxismus/Jonas: Jonas geht davon aus, dass der Sozialismus eher in der Lage ist, eine „Verzichtspolitik“ (1) durchzusetzen, als es die westlichen liberalen Demokratien seien. Dieser Verzicht sei notwendig, um die Biosphäre für zukünftige Generationen zu erhalten und menschliches Leben zu erhalten. Siehe Ethik/Jonas. – Allerdings:
Brocker I 611
JonasVsMarxismus: dieser habe den technologischen Größenwahn der Menschheit mit befeuert, indem er – wie der Kapitalismus – eine grundsätzlich technologische Konzeption der Gesellschaft“ (2) verfolge. JonasVsBloch: Jonas versteht sein Buch Das Prinzip Verantwortung explizit als Gegenentwurf und »Kritik des marxistischen Utopismus« (3), wie er paradigmatisch in Ernst Blochs Das Prinzip Hoffnung (3 Bde., 1954-1959) zum Ausdruck gekommen war.


1. Hans Jonas, »Warum wir heute eine Ethik der Selbstbeschränkung brauchen«, in: Elisabeth Ströker (Hg.), Ethik der Wissenschaften? Philosophische Fragen, München/Paderborn u. a. 1984, S. 86
2. Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation, Frankfurt/M. 1979, S. 276.
3. Ebenda S. 327

Manfred Brocker, „Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Jonas I
Hans Jonas
Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation Frankfurt 1979

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Marxismus Olson Brocker I 483
Marxismus/Kollektives Handeln/Olson: OlsonVsMarx/OlsonVsMarxismus: Problem: Die marxistische Klassentheorie und die pluralistische Auffassung von Interessenvertretungen übersehen das Problem kollektiven Handelns.
Brocker I 484
Zwar haben die Angehörigen der jeweiligen Klassen gemeinsame Interessen, aber das bedeutet nicht, dass jeder Einzelne auch motiviert wäre, seinen individuellen Beitrag zu leisten. Trittbrettfahrerproblem: wenn die Einzelnen, die eine Klasse bilden, rational handeln, wird es nicht zu klassenorientiertem Handeln kommen«. (1) Dies gilt für die Arbeiter, die sich in Gewerkschaften zusammenschließen, um für die Erhöhung ihrer Löhne zu kämpfen. Es gilt aber auch für die Klasse der Arbeiter insgesamt, die ein Interesse daran hat, die Spaltung der Gesellschaft in Klassen zu überwinden.


1. Mancur Olson, The Logic of Collective Action: Public Goods and the Theory of Groups, Cambridge, Mass. 1965. Dt.: Mancur Olson, Die Logik des kollektiven Handelns: Kollektivgüter und die Theorie der Gruppen, Tübingen 1998 (zuerst 1968)., S. 104.


Johannes Marx, „Mancur Olson, Die Logik des kollektiven Handelns“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

EconOlson I
Mancur Olson
The logic of collective action: Public goods and the theory of groups Cambridge 1965

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Politik Jonas Brocker I 610
Politik/Jonas: zur Durchsetzung seiner ethischen Imperative (siehe Ethik/Jonas, Ökologischer Imperativ/Jonas) setzt Jonas ganz auf die Politik und ihre Zwangsmittel. Erziehung allein sei nicht in der Lage, die ethische Neubesinnung der Menschen zu erreichen. Erforderlich sei, so Jonas, »ein Höchstmaß politisch auferlegter gesellschaftlicher Disziplin« (1), im Sinne einer »Verzichtpolitik« (2), einer »Unterordnung des Gegenwartsvorteils unter das langfristige Gebot der Zukunft« (3). Lösung/Jonas: ihm erscheinen Formen der politischen „Autokratie“ (4) wie der Sozialismus geeigneter als die marktwirtschaftlich organisierten liberalen Demokratien des Westens. Zusammenhang: Siehe Ethik/Jonas. Allerdings hat Jonas kritische Vorbehalte VsMarxismus: Siehe Marxismus/Jonas.


1.Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation, Frankfurt/M. 1979, S. 255
2. Hans Jonas, »Warum wir heute eine Ethik der Selbstbeschränkung brauchen«, in: Elisabeth Ströker (Hg.), Ethik der Wissenschaften? Philosophische Fragen, München/Paderborn u. a. 1984, S. 86
3. Jonas 1979, S. 255
4. Ebenda S. 262

Manfred Brocker, „Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Jonas I
Hans Jonas
Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation Frankfurt 1979

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018