| Begriff/ Autor/Ismus |
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| Abstinenz-Theorie | Rothbard | Rothbard II 137 Abstinenztheorie/Zins/Rothbard: Wenn der Gewinn vielleicht mit dem Risiko zusammenhängt, wie erklärt sich dann die langfristige „Zins“-Komponente der Unternehmensgewinne? Die vorherrschende Erklärung für den langfristigen Zins in der britischen Wirtschaftswissenschaft wurde bald die Abstinenztheorie des Zinses. Die erste Darstellung der Zeit als Determinante des Zinses stammte aus einer Theorie, die mit der Abstinenztheorie verwandt, ihr aber überlegen war: Samuel Baileys bahnbrechende Zeitpräferenztheorie. Baileys Erörterung erfolgte im Zuge seiner brillanten Zerschlagung von Ricardos Arbeitswerttheorie und seines Eintretens für eine alternative Nutzentheorie. Bailey beginnt seine Erörterung von Zeit und Wert mit der Feststellung, dass der Wert einer Ware größer ist, wenn für ihre Produktion mehr Zeit benötigt wird als für die einer anderen, selbst wenn die gleiche Menge an Kapital und Arbeit eingesetzt wird. Ricardo: Während Ricardo hier ein Problem einräumt, behauptet James Mill in seinen Elementen der politischen Ökonomie unermüdlich, dass die Zeit als „ein bloßes abstraktes Wort“ den Wert einer Ware nicht erhöhen könne. VsAbstinenz-Theorie: VsMill, James: Im Gegensatz zu Mill weist Bailey darauf hin, dass „jede Schaffung von Wert“ eine „mentale Operation“ impliziert - kurz gesagt, eine subjektive Wertanalyse. Angesichts eines bestimmten Vergnügens, so Bailey weiter, „ziehen wir im Allgemeinen ein gegenwärtiges Vergnügen oder einen gegenwärtigen Genuss einem entfernten vor“ - kurz gesagt, die allgegenwärtige Tatsache der Zeitpräferenz im menschlichen Leben. >Zeitpräferenz. Rothbard II 138 Nassau William Senior: Aber der locus classicus der Abstinenztheorie waren die Vorlesungen von Nassau W. Senior. Sie wurden zwar erst 1836 als Outline of the Science of Political Economy (und auch als Artikel über „Politische Ökonomie“ für die Encyclopedia Metropolitana) veröffentlicht, aber sie wurden schon früher als Vorlesungen in Oxford in den Jahren 1827-28 gehalten. Senior wies darauf hin, dass Sparen und die Schaffung von Kapital notwendigerweise ein schmerzhaftes gegenwärtiges Opfer, einen Verzicht auf sofortigen Konsum, mit sich bringen, der nur in Erwartung einer ausgleichenden Belohnung erfolgt. Leider fehlte Senior das Konzept der Zeitpräferenz, so dass er nicht genau wusste, welche Motivation die Menschen dazu veranlasst, den gegenwärtigen Konsum dem zukünftigen vorzuziehen. Er kam jedoch zu sehr ähnlichen Schlussfolgerungen, indem er den Grad des Abstinenz-Schmerzes (oder, wie es die Österreicher später ausdrückten, die Zeitpräferenz für die Gegenwart gegenüber der Zukunft) mit den „am wenigsten zivilisierten“ Völkern und den „am schlechtesten gebildeten“ Klassen in Verbindung brachte, die im Allgemeinen „am unvorsichtigsten und folglich am wenigsten abstinent“ seien. >Kapital/Senior. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Common Sense | Mill | Rawls I 304 Common Sense/Mill/Rawls: Die Maximen der Gerechtigkeit können nicht allein auf den Common Sense gegründet werden: Bsp Löhne sollen jedem I 305 nach seinem Einsatz und seinem Beitrag gezahlt werden. Das sind für sich genommen widersprüchliche Verfügungen! Man kann sie auch nicht gegeneinander gewichten.(1) >Gerechtigkeit. RawlsVsMill: Daraus folgt aber nicht, dass man den Utilitarismus als Lösung braucht, wie Mill anscheinend glaubte. >Utilitarismus. Bsp Eine Firma, die Mitarbeiter braucht, muss auch in die Ausbildung der Minderqualifizierten investieren, um ihren eigenen Interessen zu nützen. Dabei entstehen ihr später noch höhere Kosten, weil sie den Mitarbeitern dann höhere Löhne zahlen müssen. >Einkommen, >Bildung, >Bildungspolitik. I 307 Common Sense/RawlsVsMill: Keine der Maximen des Common sense kann in den Rang eines Prinzips der Gerechtigkeit erhoben werden. Jede würde zu einer Verzerrung führen. I 308 Das hat mit den Ineffizienzen des Markts zu tun.(2) >Prinzipien, >Märkte. 1. J. St. Mill, Utilitarianism, ch. V, par. 30. 2. Mark Blaug, Economic Theory in Retrospect, (Cambridge, 1962) pp. 434f. |
Mill I John St. Mill Von Namen, aus: A System of Logic, London 1843 In Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993 Mill II J. St. Mill Utilitarianism: 1st (First) Edition Oxford 1998 Mill Ja I James Mill Commerce Defended: An Answer to the Arguments by which Mr. Spence, Mr. Cobbett, and Others, Have Attempted to Prove that Commerce is Not a Source of National Wealth 1808 Rawl I J. Rawls A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005 |
| Demokratie | Mill | Höffe I 356 Demokratie/Mill/Höffe: Mill befürchtet von der nicht näher qualifizierten, bloßen Demokratie einen Gesinnungsterror, den er mit allem Nachdruck verwirft.(1) Im Gegensatz zu einem schlichten, nur auf faktische Mehrheiten verkürzten Verständnis von Volksherrschaft deutet sich darin der Gedanke einer rechts- und verfassungsstaatlichen, konstitutionellen Demokratie an. Denn in jeder bloßen Demokratie drohe eine Zwangsherrschaft der Gesellschaft über das Individuum. Dann werde nämlich nicht, was allein erstrebenswert sei, jeder von sich selbst, sondern jeder von allen anderen regiert, sodass, was den hochgebildeten Mill erschreckt, jeder von einer ungebildeten Masse beherrscht werde. >Mehrheit, >Minderheiten. Individualismus/Mill: Mills Ablehnung jeder Zwangsherrschaft über das Individuum erlaubt dem Staat lediglich, Rahmenbedingungen festzulegen, innerhalb derer es jedem freisteht, seine Entscheidungen wohlinformiert selbst zu treffen. >Herrschaft. HöffeVsMill: Die Kompromisslosigkeit dieser Parteinahme für Freiheit und Unparteilichkeit widerspricht allerdings Mills Wissenschafts- und Erkenntnistheorie. Denn sie akzeptiert contre cæur nicht nur im Utilitarismus(2), sondern auch in der Freiheitsschrift(1), was es nach dem System der Logik gar nicht gibt: ein apriorisches Element. Vgl. >a priori/Mill, >Freiheit. In der Schrift Über die Unterdrückung der Frauen(3) wird Mill diesen Widerspruch selbst einräumen. >Staat/Mill. 1. J.St. Mill. On Liberty, 1859, (dt. Über die Freiheit) 2. J.St. Mill, Utilitarianism 1861 3. J.St. Mill The Subjection of Women, 1869 (dt. Die Hörigkeit der Frau) Brocker I 508 Demokratie/Lernen/Fähigkeiten/Persönlichkeit/Mill: Der Prozess der Vervollkommnung der menschlichen Fähigkeiten (in kognitiver, moralischer und emotionaler Perspektive) erfordert individuellen Mut und wird – wie Mill sehr kritisch in On Liberty konstatiert – durch die Demokratie und Mehrheitsentscheidungen unterminiert. Demokratie besitzt eine inhärente Tendenz zu Mittelmäßigkeit, die freiheitsbeschneidend ist. SchaalVsPateman: Carole Pateman(1) verkürzt Mill unzulässig, in dem sie sich maßgeblich auf Mills On Representative Government bezieht und den Zusammenhang zwischen Freiheit und der ganzheitlichen Ausbildung menschlicher Fähigkeiten weitgehend ignoriert, den Mill in On Liberty ausführt (in Rekurs auf Wilhelm von Humboldt). >Fähigkeiten, vgl. >W. v. Humboldt. 1. Carole Pateman, Participation and Democratic Theory, Cambridge 1970, S. 34f Gary S. Schaal, “Carole Pateman, Participation and Democratic Theory” in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018 |
Mill I John St. Mill Von Namen, aus: A System of Logic, London 1843 In Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993 Mill II J. St. Mill Utilitarianism: 1st (First) Edition Oxford 1998 Mill Ja I James Mill Commerce Defended: An Answer to the Arguments by which Mr. Spence, Mr. Cobbett, and Others, Have Attempted to Prove that Commerce is Not a Source of National Wealth 1808 Brocker I Manfred Brocker Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018 |
| Erfahrung | James | Suhr I 93 Erfahrung/James: Erfahrung ist laut James ein "doppelläufiges Wort": wie "Leben" und "Geschichte". Diaz-Bone I 55 Erfahrung/Empfindung/JamesVsHume, JamesVsMill: diese vertreten einen "Assoziationismus": der Assoziationismus sieht in gedanklichen Vorstellungen und Erfahrungen nur Widerspiegelungen wahrnehmbarer Eindrücke, die durch Einwirkung auf den Organismus Vorstellungen erzeugen. James: Dieser "Determinismus" erklärt wohl die Empfindungen von Einzelheiten, aber nicht die Erfahrungen von Willensäußerungen, Gefühlslagen, Rationalität, Erinnerungen. >Assoziation. I 59 Reine Erfahrung/James: Erfahrung ist die Wirklichkeit! (>Berkeley: esse est percipi; Sein ist Wahrgenommenwerden, Sein der Dinge ist ihr Erkanntsein.) JamesVsBerkeley: esse est percipere. ((s) = Sein ist Wahrnehmen.) |
Suhr I Martin Suhr John Dewey zur Einführung Hamburg 1994 James I R. Diaz-Bone/K. Schubert William James zur Einführung Hamburg 1996 |
| Ethik | Mackie | Stegmüller IV 169 Ethik/Moral/Mackie:(ähnlich wie Field): unser alltägliches Verständnis fordert ein Reich moralischer Eigenschaften, die so autonom wie materielle Gegenstände sein müssten, die es aber nicht gibt. Irrtumstheorie: (Field, Mackie): unsere Suche nach einem wahr-machenden Reich von Sachverhalten ist von einem semantischen Irrtum verursacht. >Wahr-Macher. Die korrekte Erklärung der Wahrheitsbedingungen moralischer Urteile entzieht diese Urteile der Bewertung durch alltägliches Argumentieren. (Aufgrund der metaphysisch haarsträubenden Eigenschaften). >Wahrheits-Bedingungen,>Metaphysik. Ethik/Mackie: These: Es gibt keine objektiven Werte (Das ist eine ontologische These). >Ontologie. Stegmüller IV 173 Objektivistische Ethik/MackieVsObjektivismus/Stegmüller: führt zu absonderlichen Entitäten wie "Getanwerdensollen". MackieVsIntuitionismus/VsEmotivismus: Rätsel des Zukommens: welche Verbindung besteht zwischen der natürlichen Tatsache, dass Mord grausam ist und der moralischen Tatsache, dass er falsch ist? Stegmüller IV 179 Metaethischer Fehlschluss: - Schluss von Überzeugungen auf deren Richtigkeit. >Überzeugung, >Richtigkeit, vgl. >Naturalistischer Fehlschluss. Stegm IV 280 Moral/Ethik/Klugheit/Verallgemeinerungsfähigkeit/Verallgemeinerung/Universalisierung/ Mackie/Stegmüller: Jeder Mensch möchte nach seinem Gewissen leben - das hebt die Spannung zwischen Moral und Eigeninteresse tendenziell auf. - Unter diesen Umständen fällt aber das, was klug ist, nicht mit dem zusammen, was klug wäre, wenn wir über keinen moralischen Sinn verfügten. >Verallgemeinerung. Stegmüller IV 263 Moral/Ethik/Mill: Mill glaubte an allmähliche Veränderung der menschlichen Natur in Richtung auf eine "allgemeine Menschenliebe". StephenVsMill: "Unparteiische Nächstenliebe" könnte auch zum Stalinismus führen - Mackie dito - MackieVsMill. Stegmüller IV 269 Freiheit/Mill/Stegmüller: These: Die einzige Berechtigung für einen Eingriff in die Freiheit anderer besteht in der Verhinderung der Beschädigung anderer. MackieVsMIll: Das ist zu schwach - Gedankenfreiheit kann damit nicht begründet werden -. Statt dessen: "Prinzip des legitimen Eingreifens". >Freiheit. |
Macki I J. L. Mackie Ethics: Inventing Right and Wrong 1977 Carnap V W. Stegmüller Rudolf Carnap und der Wiener Kreis In Hauptströmungen der Gegenwartsphilosophie Bd I, München 1987 St I W. Stegmüller Hauptströmungen der Gegenwartsphilosophie Bd I Stuttgart 1989 St II W. Stegmüller Hauptströmungen der Gegenwartsphilosophie Bd 2 Stuttgart 1987 St III W. Stegmüller Hauptströmungen der Gegenwartsphilosophie Bd 3 Stuttgart 1987 St IV W. Stegmüller Hauptströmungen der Gegenwartsphilosophie Bd 4 Stuttgart 1989 |
| Ethik | Mill | Höffe I 348 Ethik/Utilitarismus/Mill/HöffeVsMill/Höffe: Da Mill jede Art von apriorischen Aussagen ablehnt, kann er sie auch für die Ethik nicht zulassen. Eine erfahrungsfreie Begründung moralischer Verbindlichkeiten bleibt für ihn ausgeschlossen. Die Alternative, ein konsequenter Empirismus, schließt sich - im Gegensatz zu jeder «apriorischen» Oder «intuitionistischen Schule» - einer «induktiven Schule» der Ethik an. Da aber das utilitaristische Leitprinzip alles Handeln leiten soll, bildet es dessen Vorgabe, die Mill nicht aus der Erfahrung begründet, sodass sie den verfemten vorempirischen Charakter annehmen dürfte. >Mill/Höffe. |
Mill I John St. Mill Von Namen, aus: A System of Logic, London 1843 In Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993 Mill II J. St. Mill Utilitarianism: 1st (First) Edition Oxford 1998 Mill Ja I James Mill Commerce Defended: An Answer to the Arguments by which Mr. Spence, Mr. Cobbett, and Others, Have Attempted to Prove that Commerce is Not a Source of National Wealth 1808 |
| Funktionalismus | Searle | Dennett I 557 Funktion/Searle: (laut Dennett): Nur Produkte, die von einem echten menschlichen Bewusstsein hergestellt wurden, haben eine Funktion ((s) > objet ambigu, Paul Valery). DennettVsSearle: Also dienen die Tragflächen des Flugzeugs, aber nicht die Flügel des Adlers zum Fliegen? Vgl. >Funktionen. --- I 19 SearleVsFunktionalismus (SearleVsPutnam): Beziehungen zwischen Geistzuständen sind nicht ausschließlich kausal! Sonst hätten Steine mit den richtigen Kausalbeziehungen die gleichen Geistzustände wie wir. I 59 ff VsFunktionalismus: Funktionalismus eliminiert Qualia - Imitation einer funktionalen Organisation führt nicht zu Schmerzempfindung. >Qualia, >Simulation. I 233f Eine Maschine wird durch Effekte definiert und kann nicht aus Käse nachgebaut werden. Computer: ist syntaktisch definiert und kann aus Beliebigem nachgebaut werden (Katzen, Mäusen, Käse). Die Syntax ist immer beobachterrelativ, nicht intrinsisch. Aber das Herz ist intrinsisch eine Pumpe. Auch Wasser ist als intelligent beschreibbar (es sucht den geringsten Widerstand). I 266f Intentionale Phänomene: Regelfolgen: sind echt kausale Phänomene. Funktionale Erklärungen: sind nur nackte physische Fakten. Kausalität existiert hier nur durch interessengeleitete Beschreibung. >Beschreibungsabhängigkeit. Regeln: sind keine Ursachen für Handlungen. >Regeln. I 266 Funktion/Searle: Die Funktion hat keine separate Ebene. >Beschreibungsebene, >Stufen(Ebenen). I 269 Muster: spielt in funktionaler Hinsicht eine kausale Rolle, verbürgt aber keine unbewusste Repräsentation (Intentionalität). >Kausalität/Searle. --- III 24 SearleVsMillikan: Eine Funktion ist immer beobachterrelativ (nur der "Ablauf" ist immanent). Millikan: Die Funktion ist evolutionär entstanden. >Ruth Millikan. |
Searle I John R. Searle Die Wiederentdeckung des Geistes Frankfurt 1996 Searle II John R. Searle Intentionalität Frankfurt 1991 Searle III John R. Searle Die Konstruktion der gesellschaftlichen Wirklichkeit Hamburg 1997 Searle IV John R. Searle Ausdruck und Bedeutung Frankfurt 1982 Searle V John R. Searle Sprechakte Frankfurt 1983 Searle VII John R. Searle Behauptungen und Abweichungen In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Searle VIII John R. Searle Chomskys Revolution in der Linguistik In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Searle IX John R. Searle "Animal Minds", in: Midwest Studies in Philosophy 19 (1994) pp. 206-219 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 Dennett I D. Dennett Darwins gefährliches Erbe Hamburg 1997 Dennett II D. Dennett Spielarten des Geistes Gütersloh 1999 Dennett III Daniel Dennett "COG: Steps towards consciousness in robots" In Bewusstein, Thomas Metzinger Paderborn/München/Wien/Zürich 1996 Dennett IV Daniel Dennett "Animal Consciousness. What Matters and Why?", in: D. C. Dennett, Brainchildren. Essays on Designing Minds, Cambridge/MA 1998, pp. 337-350 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 |
| Funktionen | Searle | I 266 Funktion/Searle: Funktionen haben keine separate Ebene! Bsp Das Herz hat keine Funktion, die zu seinen Kausalbeziehungen hinzukäme. Gehirn: Durch die Beseitigung der Ebene des tief Unbewussten, löst sich die "physische Verursachung" in nichts auf. >Funktionalismus, >Funktionale Erklärung. I 267 Die normative Komponente liegt im Auge des Betrachters - die Verbindung von geistigen Gehalten braucht selbst keinen geistigen Gehalt zu haben (Bsp Täuschungen). >Gehalt, >Empirischer Gehalt, >Beobachtung, >Täuschung. III 24 Funktion/Searle: Die Funktion steht immer vor dem Objekt. Wir erfahren einen Tisch nicht einfach als Objekt. ((s) Valéry: objet ambigu; Kafka: Odradek, das "vertrackte Ding" (Die Sorge des Hausvaters).) Searle: Aber die Natur weiß nichts von Funktionen. III 25 Es ist wohl der Natur immanent, dass das Herz Blut pumpt, aber immanent ist der Ablauf, die Funktion ist bloß zugeschrieben. Die Funktion besteht nur in einem System früherer Wertzuweisungen. Dabei werden keine anderen als kausale Tatsachen entdeckt. III 26 Larry Wright: Wenn Z die Funktion von X ist, dann 1. gibt es X, weil es Z tut, 2. ist Z eine Folge davon, dass es X gibt. SearleVs: Das würde die Beobachterrelativität der Funktion beseitigen. III 27 Funktion/SearleVsMillikan: Eine Funktion ist immer beobachterrelativ (nur der "Ablauf" ist immanent). Millikan: Die Funktion ist evolutionär entstanden. >Evolution/Millikan. SearleVs: So kann man alles einführen und als relevant bezeichnen - das erklärt nicht die normative Komponente von Funktionen. Altes Dilemma: entweder nur rohe kausale Relationen oder wirkliche "funktionale" Funktionen. III 50 Tiere können Gegenständen Funktionen zuweisen. >Tier. |
Searle I John R. Searle Die Wiederentdeckung des Geistes Frankfurt 1996 Searle II John R. Searle Intentionalität Frankfurt 1991 Searle III John R. Searle Die Konstruktion der gesellschaftlichen Wirklichkeit Hamburg 1997 Searle IV John R. Searle Ausdruck und Bedeutung Frankfurt 1982 Searle V John R. Searle Sprechakte Frankfurt 1983 Searle VII John R. Searle Behauptungen und Abweichungen In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Searle VIII John R. Searle Chomskys Revolution in der Linguistik In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Searle IX John R. Searle "Animal Minds", in: Midwest Studies in Philosophy 19 (1994) pp. 206-219 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 |
| Geisteswissenschaften | Dilthey | Gadamer I 12 Geisteswissenschaften/Geschichtsschreibung/Dilthey/Gadamer: Auch Dilthey, in dem sich der Einfluss der naturwissenschaftlichen Methode und des Empirismus der Millschen Logik sehr viel stärker geltend macht, hält dennoch das romantisch-idealistische Erbe im Begriff des Geistes fest. Vgl. >Geschichtsschreibung/Droysen. DiltheyVsEmpirismus: Dem englischen Empirismus hat er sich stets überlegen gefühlt, weil er in der lebendigen Anschauung dessen lebte, was die historische Schule gegenüber allem naturwissenschaftlichen und naturrechtlichen Denken auszeichnete. »Nur aus Deutschland kann das wirkliche empirische Verfahren an Stelle des vorurteilsvollen dogmatischen Empirismus kommen. DiltheyVsMill: Mill ist dogmatisch aus Mangel historischer Bildung« — das ist eine Notiz, die Dilthey in sein Exemplar der Millschen Logik geschrieben hat(2). In der Tat ist die ganze, jahrzehntelange, mühevolle Arbeit, die Dilthey der Grundlegung der Geisteswissenschaften gewidmet hat, eine beständige Auseinandersetzung mit der logischen Forderung, die Mills berühmtes Schlusskapitel(2) für die Geisteswissenschaften aufgestellt hatte. Methode/Dilthey/Gadamer: Gleichwohl hat sich Dilthey von dem Vorbild der Naturwissenschaften zutiefst bestimmen lassen, auch wenn er gerade die methodische Selbständigkeit der Geisteswissenschaften rechtfertigen wollte. Für Dilthey gehört zur wissenschaftlichen Erkenntnis die Auflösung der Lebensbindung, die Gewinnung einer Distanz zur eigenen Gadamer I 13 Geschichte, die allein ermöglicht, sie zum Objekte zu machen. >Methode/Dilthey. 1. W. Dilthey, Gesammelte Schriften Bd. V, S. LXXIV. 2. J. St. Mill, System der deduktiven und induktiven Logik, übertragen von Schiel, 1863, 6. Buch »Von der Logik der Geisteswissenschaften oder moralischen Wissenschaften«. Wright I 19 Geisteswissenschaften/Humanities/W. Dilthey/Wright, G. H.: Dilthey verwendete für den gesamten Bereich der Methode des Verstehens die Bezeichnung Geisteswissenschaften. Der deutsche Begriff „Geisteswissenschaften“ stammt aus der Übersetzung des englischen „moral science“. |
Dilth I W. Dilthey Gesammelte Schriften, Bd.1, Einleitung in die Geisteswissenschaften Göttingen 1990 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 WrightCr I Crispin Wright Wahrheit und Objektivität Frankfurt 2001 WrightCr II Crispin Wright "Language-Mastery and Sorites Paradox" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 WrightGH I Georg Henrik von Wright Erklären und Verstehen Hamburg 2008 |
| Geisteswissenschaften | Gadamer | I 9 Geisteswissenschaften/Tradition/Gadamer: Das Wort „Geisteswissenschaften« hat sich vor allem durch den Übersetzer von John Stuart Mills Logik eingebürgert. Mill sucht in seinem Werk anhangsweise die Möglichkeiten zu skizzieren, die die Anwendung der Induktionslogik auf die moral sciences besitze. Der Übersetzer sagt dafür Geisteswissenschaften(1). >Geisteswissenschaften/Mill. I 10 GadamerVsTradition/GadamerVsMill/GadamerVsHume/GadamerVsInduktion: Nun macht es aber das eigentliche Problem aus, das die Geisteswissenschaften dem Denken stellen, dass man das Wesen der Geisteswissenschaften nicht richtig erfasst hat, wenn man sie an dem Maßstab fortschreitender Erkenntnis von Gesetzmäßigkeit misst. Die Erfahrung der gesellschaftlich- geschichtlichen Welt lässt sich nicht mit dem induktiven Verfahren der Naturwissenschaften zur Wissenschaft erheben. Vgl. >Hermeneutik, >Verstehen, >Deutung, >Kulturelle Überlieferung. 1. J. St. Mill, System der deduktiven und induktiven Logik, übertragen von Schiel, 18632, 6. Buch »Von der Logik der Geisteswissenschaften Oder moralischen Wissen- schaften«. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Geisteswissenschaften | Mill | Gadamer I 9 Geisteswissenschaften/Mill/Gadamer: Das Wort „Geisteswissenschaften« hat sich vor allem durch den Übersetzer von John Stuart Mills Logik(1) eingebürgert. Mill sucht in seinem Werk anhangsweise die Möglichkeiten zu skizzieren, die die Anwendung der Induktionslogik auf die moral sciences besitze. Gadamer: Schon aus dem Zusammenhang der Millschen Logik geht hervor, dass es sich gar nicht darum handelt, eine eigene Logik der Geisteswissenschaften anzuerkennen, sondern im Gegenteil zu zeigen, dass es die aller Erfahrungswissenschaft zugrunde liegende induktive Methode sei, die auch auf diesem Gebiete allein gelte. Mill steht damit in einer englischen Tradition, deren wirksamste Formulierung Hume in seiner Einleitung zum "Treatise" gegeben hat(2). Auch in der Moralwissenschaft komme es darauf an, Gleichförmigkeiten, Regelhaftigkeiten, Gesetzmäßigkeiten zu erkennen, die die einzelnen Erscheinungen und Abläufe voraussagbar machten. VsMill, VsHume siehe Geisteswissenschaften/Gadamer. 1. J. St. Mill, System der deduktiven und induktiven Logik, übertragen von Schiel, 1863, 6. Buch »Von der Logik der Geisteswissenschaften oder moralischen Wissenschaften«. 2. David Hume, Treatise on Human Nature, Introduction. |
Mill I John St. Mill Von Namen, aus: A System of Logic, London 1843 In Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993 Mill II J. St. Mill Utilitarianism: 1st (First) Edition Oxford 1998 Mill Ja I James Mill Commerce Defended: An Answer to the Arguments by which Mr. Spence, Mr. Cobbett, and Others, Have Attempted to Prove that Commerce is Not a Source of National Wealth 1808 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Grice | Millikan | I 52 Sprache/Millikan: in diesem Kapitel: welche Relationen gibt es zwischen 1. der stabilisierenden Funktion eines Sprachmusters 2. ihren buchstäblichen Gebrauch 3. den Sprecherintentionen. Stabilisierungsfunktion/Millikan: nächstes Kapitel These: ein Aspekt der Wortbedeutung, der syntaktischen Form ist die fokussierte Stabilisierungsfunktion. >Terminologie/Millikan. buchstäblicher Gebrauch/Millikan: korrespondiert keiner Stabilisierungsfunktion (s.u.). Gricesche Intention/MillikanVsGrice/Millikan: These: die Griceschen Intentionen sind überhaupt nicht das, was Sprachgebrauch und Verstehen antreibt. >Grice. Stabilisierungsfunktion/Sprache/Millikan: wenn Sprachmuster wie Wörter oder syntaktische Formen Stabilisierungsfunktion haben, so sind diese direkte Eigenfunktionen von reproduktiv festgelegten Familien (rfF) 1. Stufe, von denen diese Muster auch Elemente sind. Funktionen: von Wörtern usw. sind historisch erworben indem sie sowohl Äußerungen als auch Reaktionen beim Hörer hervorriefen. Intention/Sprecherintention/Pointe: diese Funktionen hängen aber nicht von den Sprecherintentionen ab! Direkte Eigenfunktion: hat ein Wort-Token nämlich sogar dann, wenn es von einem Papagei hervorgebracht wird. Denn das Token ist Element einer rfF dadurch, dass es eine direkte Eigenfunktion hat. >Sprecher-Intention. Intention/Zweck: liefert eine abgeleitete Eigenfunktion. Abgeleitete Eigenfunktion: liegt aber über und jenseits der direkten oder stabilisierenden Funktion. Dabei kann sie dieselbe Funktion sein, wie die direkte, muss es aber nicht. Jedenfalls ist sie nicht die eigene Funktion des Sprachmusters, nicht seine Eigenfunktion. Stabilisierungsfunktion/Sprache/Millikan: obwohl aber die Stabilisierungsfunktion unabhängig von Zweck und Sprecherintention ist, ist sie nicht unabhängig von Zwecken, die Sprecher überhaupt ganz allgemein haben können. I 53 Hier wird es wieder eine „kritische Masse“ von Fällen des Gebrauchs geben. I 63 Imperativ/Millikan: nun ist es sicher so, dass ein Hörer, wenn er gefragt wird, ob der Sprecher intendiert habe, dass er dem Befehl gehorcht, sicher sofort „ja“ antworten wird. I 64 Aber das heißt nicht, dass er diese Überzeugung beim Gehorchen gebraucht hat. Gricesche Intentionen/MillikanVsGrice/Millikan: sind also überflüssig. Und sie helfen auch nicht, nichtnatürliche Bedeutung von weniger interessanten Dingen zu unterscheiden. Wir brauchen jedenfalls keine Griceschen Intentionen zu beachten, die nur potentiellen und nicht aktualen Modifikationen des Nervensystems unterliegen. >Intention/Grice. I 65 VsMillikan: man könnte einwenden, dass man Gründe für eine Handlung haben könnte, ohne dass diese Gründe in der Anatomie aktiviert sind. Millikan: wenn ich aufhöre, etwas zu glauben, werde ich entsprechende Handlungen unterlassen. Gricesche Intentionen/Millikan: die einzige interessante Frage ist, ob sie aktual innen verwirklicht sind, während man spricht. Bsp Millikan: der Sergeant sagt: „Wenn ich das nächste Mal „Halt“ sage, halte nicht an!“ Ein ähnliches Bsp gibt es von Bennett. Problem: das Training war so effektiv, dass der Soldat es nicht schafft, nicht anzuhalten. |
Millikan I R. G. Millikan Language, Thought, and Other Biological Categories: New Foundations for Realism Cambridge 1987 Millikan II Ruth Millikan "Varieties of Purposive Behavior", in: Anthropomorphism, Anecdotes, and Animals, R. W. Mitchell, N. S. Thomspon and H. L. Miles (Eds.) Albany 1997, pp. 189-1967 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 |
| Individualismus | Mill | Höffe I 353 Individualismus/Mill/Höffe: Mill erweitert [in seinem sozial- und rechtsphilosophischen Hauptwerk, der Abhandlung Über die Freiheit(1)], seinen sozialen Wirtschaftsliberalismus um einen politischen Liberalismus. Dessen Grundgedanke besteht im kompromisslosen Einspruch gegen eine «Tyrannei der herrschenden Meinung und Gesinnung», gegen eine «Tyrannei der Mehrheit», die selbst die Seele versklavt. Höffe I 356 Mill befürchtet von der nicht näher qualifizierten, bloßen Demokratie einen Gesinnungsterror, den er mit allem Nachdruck verwirft. Im Gegensatz zu einem schlichten, nur auf faktische Mehrheiten verkürzten Verständnis von Volksherrschaft deutet sich darin der Gedanke einer rechts- und verfassungsstaatlichen, konstitutionellen Demokratie an. Denn in jeder bloßen Demokratie drohe eine Zwangsherrschaft der Gesellschaft über das Individuum. Dann werde nämlich nicht, was allein erstrebenswert sei, jeder von sich selbst, sondern jeder von allen anderen regiert, sodass, was den hochgebildeten Mill erschreckt, jeder von einer ungebildeten Masse beherrscht werde. Höffe I 357 VsMill/Höffe: Problem: Zwischen dem politischen Liberalismus der Freiheitsschrift(1) und seinem bald darauf veröffentlichten, dem Kollektivwohl verpflichteten Utilitarismus(2) besteht eine Spannung, die Mill erstaunlicherweise nicht bemerkt. Als Alternative - entweder Liberalismus oder aber Utilitarismus - spielt sie in späteren Debatten eine bedeutende Rolle.. Ein in sich stimmiges Plädoyer für die soziale und politische Freiheit des Einzelnen müsste jedenfalls beide Gedankenstränge voneinander trennen und sich dann entscheiden, welche Seite es bevorzugt: den der Individualität verpflichteten >Liberalismus oder den am kollektiven Wohl orientierten >Utilitarismus. 1. J.St. Mill. On Liberty, 1859, (dt. Über die Freiheit) 2. J.St. Mill, Utilitarianism 1861 |
Mill I John St. Mill Von Namen, aus: A System of Logic, London 1843 In Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993 Mill II J. St. Mill Utilitarianism: 1st (First) Edition Oxford 1998 Mill Ja I James Mill Commerce Defended: An Answer to the Arguments by which Mr. Spence, Mr. Cobbett, and Others, Have Attempted to Prove that Commerce is Not a Source of National Wealth 1808 |
| Kennzeichnungen | Tugendhat | I 348 Kennzeichnungen/Frege (auch Husserl): Kennzeichnungen sind fundamentaler als Namen. - Sie dienen zum Herausfinden der Referenz von Namen. MillVsFrege: Namen sind fundamentaler. >Namen/Mill. VsMill: mysteriös: Namen seien "dem Gegenstand selbst beigelegt". Lösung/Mill: nicht dem Gegenstand, sondern der Vorstellung vom Gegenstand. >Vorstellung. I 378 Frege: Namen sind Abkürzungen für Kennzeichnungen. >verkürzte Kennzeichnung. I 396 Kennzeichnung/Eigenschaften/Identifikation/Tugendhat: Es ist zweifelhaft, ob Kennzeichnungen einen Gegenstand wirklich herausgreifen können. "Originale" Eigenschaften: Bsp "der höchste Berg", "der zweithöchste Berg" usw. Problem: Es kann auch zwei genau gleich hohe Berge geben, an einer Stelle können sich mehrere oder gar kein so-und-so befinden. Tugendhat: Es muss noch etwas hinzukommen, Ostension, Name oder Ortsangabe. Bsp Jemand der vor den höchsten Berg geführt wird, braucht nicht zu wissen, dass es der höchste ist. - ((s) "Dieser Berg" ist keine Eigenschaft.) >Wissen, >Identifikation, >Haecceitismus, vgl. >Zwei verirrte Wanderer. |
Tu I E. Tugendhat Vorlesungen zur Einführung in die Sprachanalytische Philosophie Frankfurt 1976 Tu II E. Tugendhat Philosophische Aufsätze Frankfurt 1992 |
| Kräfte | Cartwright | I 59 Komposition/Ursachen/Kräfte/Physik/Cartwright: Bsp Mix aus Elektromagnetik und Gravitation. - Vektoraddition: ist eine Rechnung! - Es ist nicht die Natur, die die Kräfte "addiert". - Denn die "Komponenten-Kräfte" sind gar nicht da! MillVs: Die Teilkräfte existieren. CartwrightVsMill: Teilkräfte existieren nicht - auch keine "Teilbewegung Richtung Norden und eine Richtung Osten" wobei der Körper sich nach Nordosten bewegt. I 61 Lösung/Cartwright: Aufgabe der "Tatsachen-Sicht". Dann werden in der Vektoraddition Kausalkräfte addiert, keine physikalischen Kräfte. - Dann nicht "Verhalten" der Körper, sondern die "Fähigkeit" zum Verhalten - Problem: So leicht lassen sich die "Tatsachen" nicht aufgeben. >Tatsachen, >Komplex/Komplexität. |
Car I N. Cartwright How the laws of physics lie Oxford New York 1983 CartwrightR I R. Cartwright A Neglected Theory of Truth. Philosophical Essays, Cambridge/MA pp. 71-93 In Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994 CartwrightR II R. Cartwright Ontology and the theory of meaning Chicago 1954 |
| Leben | Mill | Singer I 92 Leben/Intelligenz/Wert/Mill: kein intelligentes menschliches Wesen würde mit einem Tier tauschen wollen, nicht einmal, wenn es dafür Zufriedenheit eintauschen könnte: kein kluger und fühlender Mensch würde mit einem nichtfühlenden und stupiden Menschen tauschen. Es ist besser, ein unzufriedener Sokrates als ein zufriedenes Schwein zu sein. Der Grund ist, dass weiter entwickelte Menschen imstande sind, beide Seiten zu sehen. VsMill/Peter Singer: das haben viele Kritiker infrage gestellt: weiß Sokrates wirklich, wie es ist, ein Idiot zu sein? ((s) Siehe Fledermaus-Beispiel: Literatur: Th. Nagel (1974), What is it like to be a bat, in: Philosophical Review 83 (October) 435-50. Kann ein kluger Mensch die einfachen Freuden eines Ungebildeten erleben? UtilitarismusVsMill/P. Singer: Mills Standpunkt ist schwer mit dem hedonistischen Utilitarismus zu versöhnen: der Idiot ist zufrieden, Sokrates ist es nicht. >Utilitarismus, >Hedonismus. I 93 Präferenzutilitarismus: ob er mit Mills Ansicht in Einklang gebracht werden kann hängt davon ab, wie verschiedene Präferenzen gegeneinander abgewogen werden. >Präferenz-Utilitarismus. |
Mill I John St. Mill Von Namen, aus: A System of Logic, London 1843 In Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993 Mill II J. St. Mill Utilitarianism: 1st (First) Edition Oxford 1998 Mill Ja I James Mill Commerce Defended: An Answer to the Arguments by which Mr. Spence, Mr. Cobbett, and Others, Have Attempted to Prove that Commerce is Not a Source of National Wealth 1808 SingerP I Peter Singer Practical Ethics (Third Edition) Cambridge 2011 SingerP II P. Singer The Most Good You Can Do: How Effective Altruism is Changing Ideas About Living Ethically. New Haven 2015 |
| Liberalismus | Waldron | Gaus I 89 Liberalismus/Waldron: Die moderne Unterscheidung zwischen "politischen" und "umfassenden" Versionen des Liberalismus entsteht im Zusammenhang mit einem ernsthaften Problem der Rechtfertigungsgrundlage liberaler Prinzipien in einer pluralistischen Gesellschaft. Das Problem stellt sich wie folgt. Die Liberalen stellen sich eine tolerante, integrative Gesellschaft vor, die von Menschen bevölkert ist, die einer Vielzahl von Glaubenssystemen angehören. Viele moderne Gesellschaften, in denen der Liberalismus als politisches Ideal gedeiht, haben bereits diesen Charakter: Es sind religiös pluralistische und multikulturelle Gesellschaften (...). Aber eine pluralistische Gesellschaft steht auch vor einer zusätzlichen Agenda. Wo verschiedene Glaubensrichtungen und Kulturen aufeinander treffen, kommt es wahrscheinlich zu Reibungen und Beleidigungen: Der Gottesdienst oder die Feierlichkeiten einer Gruppe können wie ein Vorwurf oder ein Angriff auf eine andere Gruppe erscheinen, und da Werte und Philosophien auf dem Marktplatz der Ideen miteinander konkurrieren, wird der Wettbewerb oft respektlos erscheinen, da jede Glaubensrichtung versucht, ihre Gegner zu diskreditieren und Anhänger für sich zu gewinnen. Es ist nicht leicht, unter diesen Umständen die Pflicht zur gegenseitigen Duldung zu definieren oder die Unterscheidung zwischen Schaden und Vergehen aufrechtzuerhalten, die ein pluralistisches Regime erfordert. >Pluralismus/Waldron. Gaus I 90 Duldung/Pluralismus/Liberalismus/Problem: (...) Indem wir auf einer solchen Grundlage liberale Prinzipien und liberale Lösungen für die Probleme des gesellschaftlichen Lebens erarbeiten und verteidigen, scheinen wir inmitten der kulturellen und ethischen Pluralität Partei zu ergreifen. Wir scheinen aus der Vielfalt der ethischen, philosophischen und religiösen Traditionen in der Welt auszuwählen, wobei wir einige als grundlegend privilegieren und andere an den Rand drängen. >Toleranz/Waldron. Gaus I 91 Def Politischer Liberalismus/Waldron: Zwei politische Liberale lassen sich also durch ihre unterschiedlichen Positionen und ihre unterschiedlichen Vorstellungen voneinander unterscheiden. Aber was sie - als politische Liberale - gemeinsam haben werden, ist ihr Bestehen auf einer Unterscheidung zwischen den Prinzipien und Idealen, die (in ihren jeweiligen Ansichten) eine liberale Gesellschaftsordnung definieren, und den tieferen Werten und Verpflichtungen, die mit bestimmten philosophischen Auffassungen verbunden sind. Def Umfassender Liberalismus/Waldron: Der oder die politische Liberale besteht darauf, dass die Artikulierung und Verteidigung einer bestimmten Reihe liberaler Verpflichtungen für eine Gesellschaft nicht von einer bestimmten Theorie darüber abhängen sollte, was einem menschlichen Leben Wert oder Sinn verleiht. Ein umfassender Liberaler verneint dies. Er oder sie behauptet, dass es unmöglich ist, liberale Verpflichtungen angemessen zu verteidigen oder auszuarbeiten, es sei denn, man beruft sich auf die tieferen Werte und Verpflichtungen, die mit einer allgemeinen oder "umfassenden" Philosophie verbunden sind. Politischer Liberalismus: Es kann auch eine zweite Ebene der Unterschiede zwischen politischen Liberalen geben. Unabhängig davon, ob der Inhalt ihres liberalen Engagements derselbe ist oder nicht, können sich zwei politische Liberale in den Rechtfertigungsstrategien unterscheiden, die sie als politische Liberale anwenden. >Konsens/Waldron. ((s) Vgl. >Verständigung/Habermas). Umfassender Liberalismus: Offensichtlich gibt es auch unter den umfassenden Liberalen wichtige Unterschiede. Zwei umfassende Liberale können unterschiedliche liberale Verpflichtungen haben: der eine kann ein Linksliberaler und der andere ein libertärer Liberaler sein. Eine zweite Ebene der Differenz hat mit dem Inhalt der umfassenden Perspektiven zu tun, auf denen ihre liberalen Verpflichtungen beruhen. John Lockes christliche Grundlagen sind nicht dasselbe wie die Autonomietheorie von Immanuel Kant (1991)(1), und keine davon ist dasselbe wie die hedonistische Grundlage des Utilitarismus von Jeremy Bentham (1982)(2). >Autonomie/Kant, >Utilitarismus. Gaus I 92 Probleme: (VsMill, VsKant, VsHumboldt): Es scheint Locke, Kant und Mill nicht in den Sinn gekommen zu sein, dass [die] Grundpositionen ein Problem für die Politik des Liberalismus in einer Gesellschaft darstellen würden, deren Mitglieder über die Existenz Gottes, die Natur der Vernunft und das Schicksal des menschlichen Individuums uneins waren. Sie gingen einfach davon aus, dass der Liberalismus einer solchen philosophischen Grundlage bedürfe und dass ihre Aufgabe als politische Philosophen darin bestünde, diese Grundlage zu artikulieren, (wie Mill es ausdrückte) "den intelligenten Teil der Öffentlichkeit ... davon zu überzeugen, ihren Wert zu erkennen" (1956(1): 90), und wenn nötig zu argumentieren, wie Locke in seiner Diskussion über den Atheismus (1983(2): 51) argumentierte, dass diejenigen, die sich diesen Grundpositionen nicht anschließen konnten, von der Regierung einer liberalen Gesellschaft als gefährlich angesehen werden müssten. >Liberalismus/Mill, >Gemeinschaft/Humboldt, >Staat/Humboldt, >Kategorischer Imperativ, >Neutralität/Waldron. Gaus I 97 Die in einer Theorie der Gerechtigkeit angewandte Doktrin der Menschenwürde und Gleichheit muss - mehr oder weniger in der Art eines moralischen Absoluten - verschiedenen pragmatischen Erwägungen widerstehen können, die uns dazu verleiten könnten, die Interessen einiger weniger Schwacher und Verletzlicher um der Bequemlichkeit oder des Wohlstands der Reichen oder Mächtigen willen zu opfern oder zu vernachlässigen. Die Gerechtigkeit muss dem standhalten können, und ihre konstitutiven Doktrinen müssen das Zeug dazu haben, diese schwere moralische Arbeit zu leisten. Viele der umfassenden Begriffe, die politische Liberale aus dem öffentlichen Raum ausschließen wollen, richten sich genau an diese Frage: Sie erklären in ethischen oder transzendenten Begriffen, warum gerade die wenigen Schwachen und Verletzlichen nicht auf diese Weise geopfert werden dürfen. Die politischen Liberalen schlagen vor, diese Arbeit ohne Hilfe eines solchen Begriffs zu leisten, aber in einer Art und Weise, die dennoch ihre Loyalität im übergreifenden Konsens bewahrt. >Überlappender Konsens/Rawls, >Überlappender Konsens/Waldron, >Abtreibung/Rawls. Gaus I 99 Umfassender Liberalismus/Waldron: Einige umfassende Begriffe werden die moralische Bedeutung der tatsächlichen Erfahrung der Menschen hier und jetzt bejahen, während andere sie vielleicht beiseite schieben oder verunglimpfen. Diejenigen, die sie bejahen, werden die moralischen und politischen Verpflichtungen, die traditionell mit dem Liberalismus verbunden sind, auf natürlichere Weise unterstützen und in gewisser Weise erzeugen und inspirieren. Und genau daran will uns der umfassende Liberale erinnern. Der Liberalismus beruht auf bestimmten ethischen Verpflichtungen, auf bestimmten Aussagen über das, was zählt, und auf der Bedeutung bestimmter Formen des Respekts für das Leben, die Erfahrungen und die Freiheit gewöhnlicher Männer und Frauen. Er ist kein neutrales oder nonchalantes Glaubensbekenntnis, und seine Verpflichtungen können wohl kaum auf rein politischer Ebene artikuliert werden. 1. Mill, John Stuart (1956 [1859]) On Liberty, ed. Currin V. Shields. Indianapolis: Hackett. 2. Locke, John (1983 [1689]) A Letter Concerning Toleration, ed. James H. Tully. Indianapolis: Hackett. Waldron, Jeremy 2004. „Liberalism, Political and Comprehensive“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications. |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Löhne | Mill | Rothbard II 283 Löhne/Profit/John Stuart Mill/Rothbard: Unter Beibehaltung und Wiederherstellung der Dominanz der Ricardo'schen Profit-Theorie bestand Mill auf der Rückkehr zum Ricard'schen Diktum, dass Gewinne von den Löhnen abhängen und umgekehrt proportional zu ihnen sind. Indem er geschickt dem Konzept der „Enthaltsamkeit“ seines Freundes Nassau Senior Gehorsam leistete und mit Senior darin übereinstimmte, dass Gewinne (Zinsen) „die Vergütung der Enthaltsamkeit“ seien, gelang es Mill, das Konzept abzuschwächen und irgendwie zum Beharren auf der Arbeit als einziger Ursache für Gewinne zurückzukehren.(1) >Nassau Senior. Auch in der Frage der Löhne kehrte Mill direkt zu Malthus zurück, mit dem einzigen Unterschied, dass er die Hoffnung hegte, das angebliche Problem des Bevölkerungswachstums durch einen enthusiastischen und entschlossenen Einsatz der Geburtenkontrolle zu verbessern. Der Unterschied zwischen dem strengen Prediger und der „progressiven“ Feministin war die Veränderung im Laufe des halben Jahrhunderts. Alexander Grays Kommentar(2) zu Mills Leidenschaft gegen das, was er als übermäßige Geburten betrachtete, ist sowohl geistreich als auch treffend: Wenn er über die Bevölkerungsfrage schreibt, bebt seine [Mills] Stimme mit einer rechtschaffenen Empörung, die ihn zu einer Gewalt der Sprache führt, die bei Malthus nicht zu finden ist. Übermäßige Fortpflanzung steht für Mill auf der gleichen Stufe wie Trunkenheit oder andere körperliche Exzesse, und diejenigen, die sich schuldig gemacht haben, sollten entsprechend abgelehnt und verachtet werden.(2) Lohnfonds: Einer der berühmtesten Schachzüge John Stuart Mills in der Wirtschaftstheorie war sein typisch dramatischer, emotionaler und dennoch sorgfältig abgesicherter „Widerruf“ der Lohnfonds-Lehre. Nachdem er mit anderen klassischen Ökonomen das Angebot an Arbeitskräften durch die Bevölkerungszahl erklärt hatte, ging Mill dazu über, die Nachfrage nach Arbeitskräften auf recht vernünftige Weise als die Summe der Bruttoersparnisse oder des zirkulierenden Kapitals zu erklären, die für die Bezahlung der Arbeitskräfte zur Verfügung steht, bis das Produkt hergestellt und verkauft ist: Diesen verfügbaren Betrag nannte er den „Lohnfonds“. Mit Hilfe dieses Konzepts konnte er - ebenfalls auf recht intelligente Weise - zeigen, dass die Gewerkschaften die Löhne für einen Teil der Arbeitskräfte nur auf Kosten einer Lohnsenkung an anderer Stelle anheben konnten. Die Lohnfonds-Analyse der Arbeitsnachfrage war in einem wichtigen Sinne eine Abkehr von Say und anderen, die betonten, dass die Nachfrage nach und die Preise von Produktionsfaktoren durch ihre Produktivität in der Produktion bestimmt werden, Rothbard II 284 bei der Produktion von Konsumgütern, die von der Öffentlichkeit gewünscht und nachgefragt werden. Für Mill war dieser Rückzug Teil seiner orchestrierten Rückbesinnung auf Ricardo. Andererseits war die Lohnfonds-Doktrin soweit korrekt: Zu jedem Zeitpunkt gibt es einen bestimmten Betrag an Bruttoersparnissen, der in die Bezahlung der Produktionsfaktoren investiert werden muss. Wenn also an einem Ort mehr bezahlt wird, weil die Anbieter von Arbeitskräften Druck ausüben, sinkt zwangsläufig die Nachfrage und die Bezahlung an anderer Stelle. Andererseits ist der Lohnfonds natürlich nur eine erste Annäherung, denn der Fonds des zirkulierenden Kapitals wird zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht nur für die Zahlung der Löhne, sondern auch für die Zahlung der Mieten an die Vermieter und der Zinsen (Gewinne) an die Kapitalisten verwendet. VsMill, John Stuart: 1869 schrieb Mills Freund und Kollege William Thomas Thornton (1813-80), ein Buch mit dem Titel On Labour (Über die Arbeit), in dem er Mills Lohnfonds-Doktrin kritisch gegenüberstand. Teilweise war dies ein notwendiger Versuch, die Verbrauchernachfrage, insbesondere die erwartete Verbrauchernachfrage, wieder in die Analyse einzubeziehen. Thorntons Hauptargument war jedoch, dass der Kapitalfonds nicht nur ein Fonds für Löhne sei, sondern auch ein Fonds, aus dem Gewinne an Kapitalisten gezahlt würden (und, so hätte er hinzufügen können, auch Pachten für Land). SchumpeterVsMill, John Stuart: Der Kern der falsch benannten „Lohnfondstheorie“ war einfach ein grundlegender Teil der solide fundierten und etablierten Turgot-Smith-Theorie des Kapitals.(3) VsMill, John Stuart/Rothbard: Wie Professor Hutt(4) in seinem klassischen Werk dargelegt hat, war die weit verbreitete Vorstellung, dass die Modifizierung der Lohnfondstheorie direkt dazu führte, dass die Ökonomen Gewerkschaften und Tarifverhandlungen rechtfertigten, eine Ente und ein Ablenkungsmanöver, das Mill zu diesem Zweck geschaffen hatte. Adam Smith und McCulloch hatten Tarifverhandlungen mit der vagen Vorstellung eines angeblichen „Nachteils“ der Arbeitnehmer bei Verhandlungen auf dem Arbeitsmarkt gerechtfertigt. 1. Marx, der anscheinend Mill durchschaut hat, stellt fest, dass Mill bei dem Versuch, Ricardos Profittheorie und Seniors Abstinenztheorie zu kombinieren, offensichtlich „in absurden Widersprüchen zu Hause ist“. Bela Balassa, der versucht, Mill den Tag zu retten, entgegnet streng, dass Mills Theorie eine „Synthese“ der beiden Theorien sei. Bela Balassa, 'Karl Marx and John Stuart Mill', Weltwirschaftliches Archiv, 82 (1959, no. 2), pp. 149ff. 2. Alexander Gray, The Development ofEconomic Doctrine (London: Longmans, Green, 1931), p. 283. Zur Bestätigung sei auf Mill verwiesen: „Wer stößt auf die geringste Verurteilung, oder besser gesagt, wer stößt nicht auf Sympathie und Wohlwollen für das Unglück, das er durch diese Art von Inkontinenz über sich selbst und die von ihm Abhängigen gebracht hat? Während ein Mann, der maßlos trinkt, von allen, die sich als moralische Menschen bekennen, missbilligt und verachtet wird, ist es einer der Hauptgründe, der in Appellen an die Wohlwollenden angeführt wird, dass der Antragsteller eine große Familie hat... Es ist kaum eine Verbesserung der Moral zu erwarten, solange das Hervorbringen großer Familien nicht mit denselben Gefühlen betrachtet wird wie Trunkenheit oder andere körperliche Exzesse. Solange aber der Adel und der Klerus das Beispiel dieser Art von Inkontinenz vorgeben, was kann man da von den Armen erwarten??' John Stuart Mill, Principles ofPolitical Economy (5th ed., New York: D. Appleton & Co., 1901), I, 459, 459n. 3. Schumpeter, The History ofEconomic Analysis (New York: Oxford University Press, 19 54), pp. 667-72. 4. See W.H. Hutt, The Theory ofCollective Bargaining, 1930—1975 (San Francisco: Cato Institute, 1980), pp. 1-6. |
Mill I John St. Mill Von Namen, aus: A System of Logic, London 1843 In Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993 Mill II J. St. Mill Utilitarianism: 1st (First) Edition Oxford 1998 Mill Ja I James Mill Commerce Defended: An Answer to the Arguments by which Mr. Spence, Mr. Cobbett, and Others, Have Attempted to Prove that Commerce is Not a Source of National Wealth 1808 Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Mill | Höffe | Höffe I 346 Mill/Höffe: MillVsKant: Nach Mills Empirismus gibt es im Gegensatz zu Kant und dem Deutschen Idealismus keinerlei vorempirische, sondern lediglich eine empirische, also aposteriorische Erkenntnis. >Empirismus, >Idealismus, >a posteriori, >Erkenntnis, >Erkenntnistheorie. Erklärung: Wissenschaftliche Erklärungen, die auch in den Humanwissenschaften (moral sciences) möglich seien, bestehen in der Unterordnung von Einzelereignissen unter geeignete Gesetze. Mathematik: Sogar die Mathematik und die Logik sollen auf Erfahrungen und deren induktiven Verallgemeinerungen beruhen. Dass die Mathematiker mit Höffe I 347 einer anderen Methode zu argumentieren meinen, erkennt der Philosoph durchaus an. Die entsprechende Ansicht hält er aber für eine Illusion, die Notwendigkeit mathematischer Aussagen sei bloß psychologischer Natur. Wegen der außergewöhnlich vielen Belege für mathematische Aussagen entstehe aber der Anschein der Notwendigkeit. >Theorie/Mill. Höffe I 348 Utilitarismus/Ethik/HöffeVsMill: Problem: Da Mill jede Art von apriorischen Aussagen ablehnt, kann er sie auch für die Ethik nicht zulassen. Eine erfahrungsfreie Begründung moralischer Verbindlichkeiten bleibt für ihn ausgeschlossen. Die Alternative, ein konsequenter Empirismus, schließt sich - im Gegensatz zu jeder «apriorischen» Oder «intuitionistischen Schule» - einer «induktiven Schule» der Ethik an. Da aber das utilitaristische Leitprinzip alles Handeln leiten soll, bildet es dessen Vorgabe, die Mill nicht aus der Erfahrung begründet, sodass sie den verfemten vorempirischen Charakter annehmen dürfte. >Utilitarismus, >Ethik, >Induktion. |
Höffe I Otfried Höffe Geschichte des politischen Denkens München 2016 |
| Mill | Rothbard | Rothbard II 278 John Stuart Mill/Rothbard: (...) John Stuart Mill (...) schlug sich, wenn auch natürlich 'gemäßigt', auf die Seite der beiden Vorbilder seines Vaters [James Mill], Bentham und Ricardo. In der Philosophie gab er den Hardcore-Kader-Benthamismus zugunsten eines 'gemäßigten' Benthamschen Utilitarismus auf. Und in der Ökonomie war er nicht nur grundsätzlich und erklärtermaßen ein Ricardianer; er beglückte auch den Geist seines Vaters, indem er den Ricardianismus wieder auf den Thron der britischen Ökonomie setzte, eine Leistung, die er durch die enorme Popularität und Dominanz seiner Principles of Political Economy (1848)(1) vollbrachte. Auch wenn John Stuart Mill den Laissez-faire seines Vaters durch eine gemäßigte Demokratie und, was noch beunruhigender ist, durch einen gemäßigten Etatismus und Sozialismus ersetzte, dürfte James Mill über die Fähigkeit seines Sohnes, den Ricardianismus in der Welt der Wirtschaft wieder einzuführen, erfreut gewesen sein. In der Tat waren die großen Fortschritte der Anti-Ricardianer der 1820er, 1830er und 1840er Jahre wahrhaftig vergessen, als Mill die Kosten- und Arbeitstheorie, die Ricardianische Rententheorie, die Malthusianische Lohn- und Bevölkerungstheorie und den Rest des Ricardianischen Apparats wiederherstellte. Nicht zum ersten oder letzten Mal in der Geschichte des wirtschaftlichen und sozialen Denkens verdrängte der Irrtum die Wahrheit von der Vorherrschaft in der intellektuellen Welt. Indem er Ricardo wieder auf den Thron der Wirtschaftswissenschaften setzte, erfüllte John Stuart Mill das vielleicht am meisten gehegte, wenn auch eines der trügerischsten Ziele und Prinzipien seines Vaters. >James Mill, >David Ricardo, >Ökonomie/Ricardo, >Jeremy Bentham. Rothbard II 279 Ökonomie/Ricardo/John Stuart Mill/Rothbard: (...) Mill verfolgte eine Strategie der Doppelzüngigkeit, um den Feind zu verwirren und seine Unterstützung zumindest für das Wesentliche der wahren ricardianischen Doktrin zu gewinnen. Wenn de Marchi(2) recht hat, steckt in Mills zaudernder 'Offenheit' für alle Standpunkte weit mehr Machiavelli, als bisher angenommen wurde. De Marchi stellt fest, dass Mill seit 1829 bewusst die Strategie des „praktischen Eklektizismus“ verfolgte, die darauf hinausläuft, die Opposition einzulullen und zu entwaffnen und sie durch scheinbare Versöhnung zu manipulieren, damit sie glaubt, sie sei „spontan“ zu dem gelangt, was Mill für die Wahrheit hielt - kurz gesagt, eine Strategie der Täuschung und Doppelzüngigkeit.(2) MarxVsMill, John Stuart: (...) Marx, (...) als hervorragender Kadertyp, schüttete eine gehörige Portion Verachtung über Mills 'seichten Synkretismus' und 'Versuch, das Unversöhnliche zu versöhnen' aus) Rothbard: Einer nach dem anderen erwärmten sich Tories, Romantiker, Sozialisten und „Praktiker“ für Mill selbst und seine angeblichen Errungenschaften. >Karl Marx. Rothbard II 281 Mills auffälligste Abkehr von der klassischen politischen Ökonomie im Allgemeinen und vom Ricardianismus im Besonderen waren seine zahlreichen Zugeständnisse an den Sozialismus und seine Abkehr vom Laissez-faire. 1. John Stuart Mill. 1848. Principles of Political Economy. London. John W. Parker. 2. 2. Cf. Neil B. de Marchi, 'The Success of Mill's Principles', History of Political Economy, 6 (Summer 19 74), pp. 1 19 |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Namen | Kripke | I 36 Namen haben keinen Sinn, Kennzeichnungen haben Sinn. >Sinn, >Bedeutung/Kripke. I 39 Namen: Namen haben verschiedenen Sinn, aber dieselbe Bedeutung. Bsp Alexander war Lehrer und Schüler... . Tatsachen sind nicht Bestandteil des Sinnes des Namens. I 59 Namen sind starre Bezeichnungsausdrücke (Kennzeichnungen nicht). ((s) Starr: Starr heißt, in jeder möglichen Welt diselebe Bedeutung zu haben.) >Starrheit. I 81 KripkeVsMill: Gewöhnliche Eigennamen von Leuten sind nicht Zeichen, die keinen Sinn haben. Wir könnten sonst keinen Satz, in dem Sokrates vorkommt, verstehen, wenn wir nicht wissen, dass Sokrates bedeutet das Individuum, dass Sokrates genannt wird. >Zeichen, >Verstehen. Die Beschreibung kürzt den Namen nicht ab. Bsp Selbst wenn Gödels Leistung in Wirklichkeit vom ermordeten Schmidt vollbracht wurde, referieren wir mit Gödel auf Gödel, nicht auf Schmidt. >Beschreibung/Kripke. I 103 Russell: logische Eigennamen: dies: ist Identität ohne empirische Untersuchung, daher sind logische Eigennamen die einzigen richtigen Namen. I 135 Namen für natürliche Arten: Bsp Gold: könnte sich als blau herausstellen, wäre aber immer noch Gold (es behielte die Existenz). I 146 Begriffe für natürliche Arten: sind viel näher mit Eigennamen verwandt, als gewöhnlich angenommen wird. >Natürliche Art/Kripke. I 146 Kripke allgemeine Namen wie "Katze" drücken keine Eigenschaft aus. >Eigenschaft/Kripke. --- III 362 Namen/Bezeichnen/KripkeVsWallace: Nicht alles muss einen Namen haben und nicht jeder Term denotiert. (>Frege: Jeder Satz ist bezeichnend: ((s) alle Sätze mit Einhorn sind falsch oder ohne Wahrheitswert). >Einhornbeispiel, >Nicht-Existenz, >Wahrheitswert, >Wahrheitswertlücke. --- Prior I 170 Namen/Kripke: Namen sind strukturlos. Einfache Sätze sind falsch, wenn x nicht existiert. --- Stalnaker I 172f Namen/Kripke: Referent ist der bezeichnete Gegenstand, direkt, ohne Vermittlung von Sinn. >Referenz/Kripke. Frege/Dummett/Searle: Sinn ist Vermittler zwischen Namen und bezeichnetem Gegenstand - sonst ist das Herausgreifen bzw. Sprachenlernen nicht erklärbar. >Spracherwerb. |
Kripke I S.A. Kripke Name und Notwendigkeit Frankfurt 1981 Kripke II Saul A. Kripke "Speaker’s Reference and Semantic Reference", in: Midwest Studies in Philosophy 2 (1977) 255-276 In Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993 Kripke III Saul A. Kripke Is there a problem with substitutional quantification? In Truth and Meaning, G. Evans/J McDowell Oxford 1976 Kripke IV S. A. Kripke Outline of a Theory of Truth (1975) In Recent Essays on Truth and the Liar Paradox, R. L. Martin (Hg) Oxford/NY 1984 Pri I A. Prior Objects of thought Oxford 1971 Pri II Arthur N. Prior Papers on Time and Tense 2nd Edition Oxford 2003 Stalnaker I R. Stalnaker Ways a World may be Oxford New York 2003 |
| Namen | Logik-Texte | Re III 133 f Wenn der Kennzeichnung eine Def enge Reichweite gegeben wird, fassen wir Sie so auf, als bezeichnete sie verschiedene Objekte in verschiedenen Welten. Fast man sie dagegen als von Def großer Reichweite auf, dann heißt das, dass sie dasselbe Objekt in allen Welten bezeichnet, ungeachtet dessen, wie viele Planeten es in jener Welt gibt. Das verleiht dem >Planeten-Beispiel einen anderen Farbton. Echte Namen haben immer eine große Reichweite (starre Designatoren, alle Welten). >Starrheit, >Kennzeichnungen, >Singuläre Termini. Kennzeichnungen je nach Theorie manchmal eine enge.(nichtstarr, nur in der wirklichen Welt). Re III 138 Namen: Mill: kein Sinn, rein denotativ (auch Kripke: kein Sinn, weil nicht-modale Aussagen verschiedene Wahrheitswerte hätten haben können) - FregeVsMill/FregeVsKripke: Namen haben Sinn! |
Texte zur Logik Me I Albert Menne Folgerichtig Denken Darmstadt 1988 HH II Hoyningen-Huene Formale Logik, Stuttgart 1998 Re III Stephen Read Philosophie der Logik Hamburg 1997 Sal IV Wesley C. Salmon Logik Stuttgart 1983 Sai V R.M.Sainsbury Paradoxien Stuttgart 2001 |
| Namen | Searle | II 288 Namen/Searle: Namen setzen irgendeine andere Repräsentation voraus. Sie haben keinen expliziten intentionalen Gehalt. >Intentionale Gehalte. II 291 ff Namen: SearleVsKripke: VsKausaltheorie: Die Kausaltheorie übertreibt Analogie zwischen Bezugnahme und Wahrnehmung, übergewichtet die parasitären Fälle und setzt einen allwissenden Beobachter voraus. Meteorologie tauft zukünftige Ereignisse. >Kausaltheorie der Eigennamen. II 291 ff Namen/Mill: Namen haben keine Konnotation, nur Denotation. Frege: Die Bedeutung eines Namens wird durch Kennzeichnung erfasst. >Kennzeichnungen, >Konnotation. II 292 Namen/SearleVsKripke: Eine Kausalkette kann nur intentional erfasst werden: durch Sprecherabsicht. Eine Kausalkette ist nicht rein, sie ist selbst deskriptivistisch. Die Taufe selbst kann nicht kausal sein, sonst wird erfolgreiche Referenz durch erfolgreiche Referenz erklärt (zirkulär). II 311 Namen/Bedeutung/Referenz/Searle: Bsp Gödel/Schmidt: Intentionaler Gehalt legt Referenz fest: "Der Entdecker, egal wie der heißt".. Wir sprechen von der Person, die von ihren Zeitgenossen anerkannt wurde, Bsp vertauschte Flecken: Identifikation: "der Fleck, der das Erlebnis verursacht". Variante: Vergessen: "der, den ich früher als A zu identifizieren in der Lage war". Erklärung/(s): Bsp Gödel/Schmidt/Kripke: (>Beschreibung/Kripke) Angenommen, Gödel war gar nicht der Urheber des Unvollständigkeitssatzes, sondern Schmidt, dessen Leiche in Wien aufgefunden wurde. Gödel gelangte damals in den Besitz der Papiere. Frage: Referieren wir mit "Der Entdecker des Unvollständigkeitssatzes" dann auf Gödel oder auf Schmidt? Wolf II 168 Namen/Searle: Die Bedeutung bei Namen bleibt offen, die Hälfte der Beschreibungen könnte zutreffen. Wir können nicht im Voraus bestimmen, welche Merkmale auf Aristoteles zutreffen (Strawson dito). Vgl. >Bündeltheorie. Zink: Dann würden wir aber sagen, dass wir den Namen gar nicht kennen. Lösung/Zink: Lokalisierung. >Zink. Searle V 145 Namen/SearleVsMill: Es ist falsch, dass Eigennamen »bedeutungslose Zeichen« seien, dass sie »denotativ« aber nicht »konnotativ« seien. >Eigenname/Mill. V 145 Es kann keine Tatsachen über einen unabhängig von Sachverhalten identifizierten Gegenstand geben, sonst näherte man sich der traditionellen Substanz. Identifikation/SearleVsTractatus: Gegenstände können nicht unabhängig von Tatsachen identifiziert werden. V 245 Namen/SearleVsRussell: Wenn sie keine Beschreibung (Kennzeichnung) enthalten sollen, müssen wir leider Substanzen annehmen! Aus der vermeintlichen Unterscheidung zwischen Namen und Kennzeichnungen wird die metaphysische Unterscheidung zwischen Gegenständen und Eigenschaften abgeleitet. Tractatus: Der Name bedeutet den Gegenstand, der Gegenstand ist seine Bedeutung. - SearleVsWittgenstein. V 247 Namen/Mill: Namen haben keinen Sinn. FregeVsMill: Bsp Dann wäre Mt. Everest = Gaurisankar nicht informativer als Everest = Everest. FregeVs, SearleVs. Searle: Namen beschreiben nicht Eigenschaften von Gegenständen. Identität Everest = Tschomolungma lieferte sonst keine Information. V 256 Namen/SearleVsFrege: Namen sind nicht völlig eindeutig. Bsp Morgenstern/Abendstern sind eigentlich auf der Grenze zur Kennzeichnung. SearleVsKripke: Namen sind nicht starr, sonst wären sie wie logische Äquivalente. Searle: Namen gibt es, weil es notwendig ist, die hinweisende von der prädikativen Funktion zu trennen. >Prädikation, >Ostension. |
Searle I John R. Searle Die Wiederentdeckung des Geistes Frankfurt 1996 Searle II John R. Searle Intentionalität Frankfurt 1991 Searle III John R. Searle Die Konstruktion der gesellschaftlichen Wirklichkeit Hamburg 1997 Searle IV John R. Searle Ausdruck und Bedeutung Frankfurt 1982 Searle V John R. Searle Sprechakte Frankfurt 1983 Searle VII John R. Searle Behauptungen und Abweichungen In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Searle VIII John R. Searle Chomskys Revolution in der Linguistik In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Searle IX John R. Searle "Animal Minds", in: Midwest Studies in Philosophy 19 (1994) pp. 206-219 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 K II siehe Wol I U. Wolf (Hg) Eigennamen Frankfurt 1993 |
| Nutzen | Mackie | Stegmüller IV 211 Nützlichkeitsprinzip/Mill: Übergang vom individualistischen zum universalistischen Hedonismus. Wenn Glück für jeden Einzelnen ein Gut ist, dann ist das allgemeine Glück ein Gut für die Gesamtheit aller Menschen. Vgl. >Utilitarismus. Nützlichkeitsprinzip/MackieVsMill: der angebliche Beweis schmuggelt unzulässige Prämissen ein. Die Gesamtheit der Menschen wird fälschlich als psychisches Subjekt behandelt. Die Menschheit steht niemals vor einer Wahl. (IV 225) IV 212 Fehlschluss: von "jeder" auf "alle". Außerdem wird hier beim Übergang vom Individuum zur Gesellschaft anstelle des Subjektivismus ein "Wertobjektivismus" eingeschmuggelt. >Jeder/alle. >Objektivismus, >Kognitivismus, >Emotivismus. |
Macki I J. L. Mackie Ethics: Inventing Right and Wrong 1977 |
| Öffentliches Gut | Coase | Kiesling I 42 Öffentliches Gut/Coase/Kiesling: (...) Coase (...) weist auf relevante Aspekte der Frage hin, die von anderen Wissenschaftlern übersehen werden, und er betont die wesentliche Rolle institutioneller Details und die Kenntnis dieser Details, um eine solide ökonomische Theorie erstellen zu können. Coase verwendet Mill und Samuelson als analytische Folien. Ein Beispiel: Lihgthouses: [Coase] stellt fest, dass a) Mills Argumentation eine staatliche Besteuerung zur Bezahlung von (privaten oder öffentlichen) Leuchtturmbesitzern für ihre Dienste unterstützt, während b) Samuelson ein anderes Argument vorbringt, nämlich dass die Grenzkosten für ein zusätzliches Schiff gleich Null sind, was bedeutet, dass die Leuchttürme allen zur Verfügung gestellt werden sollten, also durch staatliches Eigentum. Sowohl Mill als auch Samuelson beobachten beiläufig die Realität, indem sie darauf hinweisen, dass zu ihrer Zeit die Bereitstellung von Leuchttürmen eine staatliche Aufgabe war, und daraus ableiten, dass private Leuchttürme aufgrund des Trittbrettfahrerproblems nicht tragfähig waren. CoasVsMill, John Stuart/CoaseVsSamuelson: Coase stellt diese Behauptung und damit auch die von ihm entwickelte Theorie mit seiner empirischen Untersuchung der Geschichte des britischen Leuchtturmsystems in Frage. Leuchttürme entstanden zunächst als privatwirtschaftliche Einrichtungen, wurden aber 1836 verstaatlicht und von der Regierung betrieben (Candela und Geloso, 2019)(1). Kiesling I 43 (...) verstaatlichte die britische Regierung zunächst die Leuchttürme und überwachte dann die Erhebung von Leuchtturmgebühren, um einen allgemeinen Leuchtturmfonds zu schaffen. Die verschiedenen Schiffstypen zahlten unterschiedliche Gebühren, einige pro Fahrt, andere als Jahresgebühr, so dass sich die Preisdiskriminierung in den Monopolzuschüssen niederschlug (ausländische Schiffe zahlten immer mehr als inländische). Zwischen dem 16. und dem frühen 19. Jahrhundert gab es in Großbritannien jedoch auch private Leuchttürme, deren Eigentümer die Trittbrettfahrerei überwanden, indem sie Hafengebühren erhoben und die Beleuchtungsdienste mit anderen Sicherheitsdiensten für die Schifffahrt wie Lotsendienst und Ballastierung bündelten. Es gab auch andere Ersatzmethoden, um Licht und Orientierung entlang der Küste zu gewährleisten, insbesondere im 16. und 17. Jahrhundert. Wie Rosolino Candela und Vincent Geloso analysiert haben, stellten beispielsweise Unternehmer schwimmende Leuchttürme oder Feuerschiffe entlang der englischen Küste bereit, deren Bau durch freiwillige Beiträge, Abonnements und Nutzungsgebühren finanziert wurde, die für verschiedene Schiffstypen unterschiedlich hoch waren (Preisdiskriminierung) (Candela und Geloso, 2018)(2). Institutionen: Coases Untersuchung dieser reichen Geschichte war detailliert und zeigte die Vielfalt der institutionellen Arrangements, die im Bereich der maritimen Sicherheit existierten. In einem flachen Hafen mit schwankendem Sand hatte beispielsweise ein lokaler Lotse, der das Schiff in den Hafen brachte, einen erheblichen Wert als privates Gut für den Schiffskapitän, und der Leuchtturmdienst war eine Ergänzung zu diesem Lotsendienst. Ein Leuchtturmeigentümer konnte eine Gebühr für den Lotsendienst erheben, die den Lichtdienst mit einschloss (Candela und Geloso, 2019)(1). Solche Vereinbarungen waren in Großbritannien und anderswo üblich. Markt: Die wichtigere Betrachtungsweise besteht darin, die Situation als einen Markt für Dienstleistungen im Bereich der Seeverkehrssicherheit zu charakterisieren, der eine Vielzahl von Dienstleistungen umfasst, die auf unterschiedliche Weise von verschiedenen privaten Parteien erbracht werden können. Leuchttürme waren nur ein Teil dieses breiteren Marktes. Die Theorie des öffentlichen Gutes, die sich nur auf eine Dienstleistung konzentrierte, übersah oft alternative institutionelle Arrangements und verpasste aus Coases Sicht die wichtige Wirtschaftstheorie, die uns helfen würde zu verstehen, warum und wie solche institutionellen Arrangements entstanden und sowohl für den Produzenten als auch für den Verbraucher von Vorteil waren (siehe dagegen Bertrand (2006)(3) für eine Kritik an Coases Argument). Coase: Wenn wir Theorien aufstellen, ohne die tatsächlichen Märkte und institutionellen Rahmenbedingungen zu verstehen, über die wir theoretisieren, haben unsere Theorien wenig Bedeutung und sind nicht mehr als „Tafelökonomie“, die als irrelevant verspottet werden kann, obwohl die Ökonomie wertvolle Erkenntnisse liefern kann und dies auch tut. 1. Candela, Rosolino A., and Vincent Geloso (2019). Why Consider the Lighthouse a Public Good? International Review of Law and Economics 60: 105852. 2. Candela, Rosolino A., and Vincent J. Geloso (2018). The Lightship in Economics. Public Choice 176, 3-4: 479-506. 3. Bertrand, Elodie (2006). The Coasean Analysis of Lighthouse Financing: Myths and Realities. Cambridge Journal of Economics 30, 3: 389-402. |
Kiesling I L. Lynne Kiesling The Essential Ronald Coase Vancouver: Fraser Institute. 2021 |
| Politische Repräsentation | Mill | Rawls I 232 Politische Repräsentation/Gerechtigkeit/Mill/Rawls: Mill vertrat die Ansicht, intelligente und gebildetere Personen mehr Stimmrecht (extra votes) erhalten sollten, damit ihre Meinung einen größeren Einfluss bekämen.(1) Rawls: Mill glaubte, dass dies mit der natürlichen Ordnung des menschlichen Lebens übereinstimmte. Dies sei im Interesse aller und entspräche dem menschlichen Sinn für Gerechtigkeit. Das sollte allerdings nicht bis zu einer Klassengesetzgebung zu ihren Gunsten gehen. Idealerweise sollten die Klügeren auf der Seite des Rechts stehen und in kritischen Fragen den Ausschlag geben. Mill war überzeugt, dass jedermann davon profitieren würde, einschließlich derjenigen, die dadurch weniger stark vertreten wären. RawlsVsMill: Ich will ihn hier nicht kritisieren. Seine Einstellung ist aber ein Beispiel dafür, warum, politische Gleichheit manchmal als geringerwertig gegenüber den anderen Freiheiten angesehen wird. >Gleichberechtigung, >Emanzipation, >Bildung, >Bildungspolitik, >Ungleichheit, >Demokratie, >Gesellschaft, >Wahlsysteme. 1. J. St. Mill, Considerations on Representative Government, in Representative Government, ed. R. B: McCallum, Oxford, 1946, pp. 216-222. |
Mill I John St. Mill Von Namen, aus: A System of Logic, London 1843 In Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993 Mill II J. St. Mill Utilitarianism: 1st (First) Edition Oxford 1998 Mill Ja I James Mill Commerce Defended: An Answer to the Arguments by which Mr. Spence, Mr. Cobbett, and Others, Have Attempted to Prove that Commerce is Not a Source of National Wealth 1808 Rawl I J. Rawls A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005 |
| Prädikate | Millikan | I 109 Subjekt/Prädikat/Abbildung/Millikan: These es gibt keinen Unterschied zwischen der Weise, in der logische Subjekte von Sätzen I 110 die Welt abbilden und der Weise, wie dies logische Prädikate tun. 1. Weil man Prädikate ersetzen kann durch andere Prädikate Bsp „...schwimmt“ durch „...fliegt“ sind sie noch lange nicht als Gegenstände anzusehen. (BrandomVsMillikan/(s): Unterscheidung von Rahmen und Einsetzungs-“Lücke“). 2. Frage: müssen Prädikate Universalien entsprechen, wenn wir sie behandeln wie Substanzen? Jedenfalls müssen wir sie nicht als Einzeldinge ansehen, sondern wie die Tradition als Gedankenobjekte oder als Möglichkeiten. Universale/Millikan: Universalien als Gedankenobjekte; sind sie in der Natur? Prädikate/Millikan: jedes einfache Prädikat muss eine historisch in der Natur verwurzelte Variabilität widerspiegeln ((s) >disjunkt, disjunktiv). Komplexe Prädikate/Millikan: auch sie sollen Variablen der Natur widerspiegeln, aber das müssen keine Etwasse (Dinge) sein. Eigenschaft/Art/Millikan: haben nur einen Siedlungsraum: das ist die Natur selbst. >Natürliche Art. I 111 3. Relation/Eigenschaft/Millikan: als Varianten innerhalb von Tatsachen erhalten sie aus kausalen und erklärungsmäßigen Verbindungen Intentionalität! Dann müssen sie in der gleichen Weise in der Natur sein, wie es ihre Identität oder Selbigkeit auch ist. >Identität/Millikan, >Terminologie/Millikan. I 227 Negation/Prädikat/Logisches Subjekt/Millikan: der gemeinsamen Grundlage beim Gegenteil entspricht das logische Subjekt. Bsp Bill kann nicht gleichzeitig groß und klein sein. Negation: operiert auf dem logischen Prädikat. Sie verändert nicht den Sinn (die Abbildungsregeln). Und zwar operiert sie auf dem Teil des logischen Prädikats, der das grammatische Prädikat des Satzes ist. >Negation/Millikan. Bsp „schmerzlich enttäuscht, kam Johnny niemals zurück“. Eingebetteter Satz: „Johnny war schmerzlich enttäuscht“: ist im grammatischen Subjekt eingebettet, Wahrmacher: Problem: Bsp einige tagaktive Fledermäuse sind keine Pflanzenfresser“ wird nicht dadurch wahr gemacht, dass alle Fledermäuse nachtaktiv sind. >Wahr-Macher. Negativer Satz: seine Funktion ist es, positive Information zu geben. Ein nützlicher negativer Satz wird den Bereich der Möglichkeiten beschränken. I 228 Externe Negation: „es ist nicht der Fall, dass…“ mag auch mehr als das grammatische Prädikat beeinflussen. >Äußere Negation. I 272 Subjekt/Prädikat/Strawson/Millikan: (S. u. P in Logic and Grammar“) Millikan: ich habe hier „Allgemeinbegriff“ (general concept“) ersetzt durch „“Eigenschaften“): grundsätzliche Asymmetrie: Einzelding: Raum-zeitlich, exemplifizieren Eigenschaften, die aus einem bestimmten Bereich kommen. Dann wissen wir für jede Eigenschaft, dass sie in Konkurrenz zu anderen steht. Asymmetrie: für Einzeldinge gilt keine solche Konkurrenz. Kein Individuum konkurriert mit anderen um Eigenschaften innerhalb eines Bereichs. Keine Dinge sind so aufeinander bezogen, dass für jede Eigenschaft, die das eine exemplifiziert, daraus folgen würde, dass das andere sie nicht exemplifiziert (auch nicht gleichzeitig). MillikanVsStrawson: was ist aber „logische Konkurrenz“ unter Eigenschaften? Unter begriffen ist sie traditionell anerkannt, aber das können wir nicht auf Eigenschaften und Relationen übertragen. >Einzelding/Strawson. |
Millikan I R. G. Millikan Language, Thought, and Other Biological Categories: New Foundations for Realism Cambridge 1987 Millikan II Ruth Millikan "Varieties of Purposive Behavior", in: Anthropomorphism, Anecdotes, and Animals, R. W. Mitchell, N. S. Thomspon and H. L. Miles (Eds.) Albany 1997, pp. 189-1967 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 |
| Präferenzutilitarismus | Singer | I 13 Def Präferenzutilitarismus/P. Singer/SingerVsBentham/ SingerVsMill/SingerVsSidgwick: bei meinem Utilitarismus geht es nicht um die Vermehrung von Glück und Verminderung von Leiden, sondern darum, die Präferenzen der Beteiligten zu fördern. Allgemeinheit/Ethik/P. Singer: Der Präferenzutilitarismus kann nicht aus den universellen Aspekten der Ethik geschlossen werden. Präferenz: Die Präferenzen des Individuums müssen gegen die Präferenzen der anderen und der Gemeinschaft abgewogen werden. I 14 Woher bekommen wir eine Theorie, die das regelt? Wir nähern uns einfachen, vor-ethischen Entscheidungen. Auf Intuitionen können wir uns aber nicht verlassen, denn die können evolutionär ererbt und daher unzuverlässig sein in Bezug darauf, was richtig ist. >Präferenzen. Präferenzen: Präferenzen können für verschiedene Individuen auf ganz verschiedenen Ebenen liegen. Jemand, der gerne ein Dichter wäre, verzichtet dafür vielleicht auf andere Formen von Glück. Das kann hier nicht weiter verfolgt werden. >Vergleiche, >Vergleichbarkeit. I 80 Töten/Präferenzutilitarismus/Tiere/P. Singer: Für den Präferenzutilitarismus ist das Töten einer Person schlimmer als das Töten eines anderen Wesens (das dennoch ein Angehöriger der Spezies Homo Sapiens sein könnte!). Der Grund dafür ist, dass Personen stärker zukunftsorientiert sind. Wesen ohne Sinn für die Zukunft haben keine Präferenzen in Bezug auf sie. Natürlich können solche Wesen dennoch gegen ihren Tod kämpfen wie ein Fisch am Haken. Der Präferenzutilitarismus hat aber keinen Grund, eine schmerzlosere Tötungsart für Fische abzulehnen, wenn sie verfügbar ist. Der Kampf gegen Schmerzen in einem Augenblick beweist nicht, dass der Fisch in der Lage wäre, verschiedene Zukunftsperspektiven miteinander zu vergleichen. >Tiere. I 81 Dieses Argument hält aber nur im Zusammenhang mit Überlegungen, was daran falsch ist, eine Person (mit Zukunftsperspektiven) zu töten. I 81 Leben/Präferenzutilitarismus/P. Singer: Hat eine Person nach dem Präferenzutilitarismus das Recht auf Leben? Nach dem Präferenzutilitarismus kann ein Recht nicht gegen Präferenzen anderer aufgerechnet werden. >Vgl >Leben/John Stuart/Mill. Autoren zum Utilitarismus: Dworkin - Habermas - Hooker - Kant - David Lewis - Thomas Nagel - Talcott Parsons - Rawls - Smart Vgl. auch >Utilitaristischer Liberalismus. Gegenposition zum Utilitarismus: >Deontologie. |
SingerP I Peter Singer Practical Ethics (Third Edition) Cambridge 2011 SingerP II P. Singer The Most Good You Can Do: How Effective Altruism is Changing Ideas About Living Ethically. New Haven 2015 |
| Prinzipien | Rawls | I 4 Prinzipien/Gesellschaft/Rawls: 1. Jeder akzeptiert und weiß, dass die anderen Mitglieder der Gesellschaft dieselben Prinzipien der Gerechtigkeit akzeptieren. 2. Die grundlegenden sozialen Institutionen erfüllen diese Prinzipien um allgemeinen und sind bekannt dafür, dass sie dies tun. I 7 Prinzipien/Rawls: Wir sind hier nur an allgemeinen Prinzipien der Gerechtigkeit der Gesellschaft als ganzer, nicht an solchen für spezielle oder private Gemeinschaften oder für nationenübergreifende Institutionen interessiert. I 10/11 Prinzipien/Gerechtigkeit/Rawls: Prinzipien müssen am Anfang festgelegt werden. Unser Ausgangspunkt, die Situation der Gleichheit, der eine Wahl folgen soll, entspricht dem Naturzustand der traditionellen Theorien des Sozialvertrags, ist aber weder eine konkrete historische Situation noch eine primitive Kultur. >Gesellschaftsvertrag, >Naturzustand, >Gleichheit. Es ist eine rein hypothetische Situation, die zu einer bestimmten Verwirklichung von Gerechtigkeit führen soll. >Gerechtigkeit/Rawls. I 41 Prinzipien/MillVsIntuitionismus/Mill/Rawls: Mill argumentierte, dass das Nützlichkeitsprinzip das einzige oberste Prinzip sein könne, da es sonst keinen Schiedsrichter zwischen konkurrierenden Kriterien geben könne(1). >J.St. Mill, >Wettbewerb, >Interessen, >Nützlichkeitsprinzip, >Utilitarismus. Prinzipien/Sidgwick: Das Nützlichkeitsprinzip sei das einzige, das diese Rolle einnehmen kann(2). >H. Sidgwick. Rawls: Das ist, es, was die klassische Doktrin so attraktiv machte: dass sie das Problem der Prioritäten zu lösen versucht und den Intuitionismus vermeidet. >Intuitionismus/Wirtschaft, >Prioritäten, >Präferenzen. RawlsVsMill/RawlsVsSidgwick/RawlsVsUtilitarismus: Wir müssen erkennen, dass es möglicherweise keinen Weg gibt, um die Pluralität der verschiedenen Prinzipien aufzulösen. >VsUtilitarismus. I 43 Prinzipien/Rawls: Ich schlage vor, selbst bei der „lexikalischen Ordnung (dem stückweise Abarbeiten von Prinzipien nach einer äußerlichen Ordnung) das Prinzip der gleichen Verteilung von Rechten vorrangig vor dem Regeln von wirtschaftlichen oder sozialen Ungleichheiten zu behandeln. I 61 Prinzipien/Gerechtigkeit/Rawls: vorläufige Formulierung: 1. Jede Person muss das gleiche Recht auf weitest gehende grundlegende Freiheit haben, soweit sie mit gleicher Freiheit für andere kompatibel ist. 2. Soziale und ökonomische Ungleichheiten sind so zu arrangieren, dass sie a) vernünftig erwartbar zu jedermanns Vorteil sind und b) mit Positionen und Verwaltungsvorgängen verknüpft sind, die von jedermann inne gehabt werden können. Zeitlich werden die beiden Prinzipien nacheinander angewendet. Das bedeutet, dass ein Aufgeben des ersten Prinzips nicht durch größere soziale oder wirtschaftliche Vorteile aufgewogen werden kann. I 62 Abweichungen von einer Gleichverteilung von sozialen Rechten oder wirtschaftlichen Vorteilen kann nur dadurch gerechtfertigt werden, dass dies für jedermann von Vorteil ist. ((s) Das ist eine Anlehnung an den Utilitarismus). I 63 Die zeitliche Reihenfolge der Befolgung schließt auch aus, dass grundlegende Freiheiten gegen wirtschaftliche Vorteile eingetauscht werden können. I 64 Ebenso bedeutet die zeitliche Reihenfolge der Prinzipien, dass von Personen immer nur in Form von Inhabern sozialer Rollen die Rede sein kann. I 83 Prinzipien/Rawls: Neuformulierung des Zweiten Prinzips: Soziale und ökonomische Ungleichheit sind so zu arrangieren, dass sie a) den größten Nutzen für die am schlechtesten Gestellten und b) mit Verwaltungseinrichtungen und Positionen darin verknüpft sind, die allen unter Bedingungen einer fairen Chancengleichheit offen sind. I 89 Ich gehe davon aus, dass die beiden Teile des Prinzips lexikalisch geordnet sind. I 116 Prinzipien/Rawls: es ist nichts Inkonsistentes daran, dass Gerechtigkeit als Fairness unbedingte Prinzipien ermöglicht. Es genügt zu zeigen, dass die Parteien in der Ausgangssituation (einer zu errichtenden Gesellschaft) Prinzipien zustimmen, die die natürlichen Pflichten definieren, die dann unbedingt gelten. ((s)VsRawls: Widerspruch: Rawls sagt selbst, dass die natürlichen Pflichten Bsp nicht grausam zu sein, nicht Gegenstand von Vereinbarungen sind. (Siehe Rawls I 114). I 250 Prinzipien/Gerechtigkeit/Rawls: Neuformulierung im Lichte der Berücksichtigung kontingenter individueller und historischer Ungleichheiten: Erstes Prinzip: Jede Person muss ein gleiches Recht auf das umfassendste System gleicher Grundrechte haben, dass mit einem gleichen System von Freiheit für alle kompatibel ist. Prioritätsregel: die Prinzipien der Gerechtigkeit sind in lexikalischer Ordnung aufgebaut und daher kann Freiheit nur zum Wohl der Freiheit eingeschränkt werden. Hier gibt es zwei Fälle: a) eine weniger umfassende Freiheit muss die Freiheit des Gesamtsystem der Freiheit, das von allen geteilt wird, vergrößern, b) eine eingeschränkte Freiheit, muss für diejenigen akzeptierbar sein, die davon betroffen sind. I 253 Prinzipien/Kategorischer Imperativ/Kant/Rawls: diese Prinzipien sind im Sinn von Kant ebenfalls Kategorische Imperative. Sie setzen keine bestimmten gesellschaftlichen Verhältnisse und keine individuellen Ziele voraus. Es wird nur ein Interesse an primären öffentlichen Gütern (z.B. Freiheit) vorausgesetzt. Die Präferenz für diese wiederum ist von allgemeinsten Annahmen über Rationalität und den Bedingungen des menschlichen Lebens hergeleitet. I 302 Prinzipien/Rawls: endgültige Fassung für Institutionen/Rawls: die beiden Prinzipien der Gerechtigkeit (s.o.) plus Prioritätsregeln: 1. Prioritätsregel: die Prinzipien der Gerechtigkeit müssen in lexikalischer Reihenfolge abgearbeitet werden, sodass Freiheit nur zugunsten größerer Freiheit eingeschränkt werden darf. Zwei Fälle sind möglich: a) Eine eingeschränkte Freiheit muss das Gesamtsystem der Freiheiten stärken, die allen zugutekommen. b) Eine nicht gleiche Freiheit muss von denen akzeptiert werden können, die weniger Freiheiten genießen. 2. Prioritätsregel: (Gerechtigkeit geht vor Effizienz und Wohlstand): Das zweite Gerechtigkeitsprinzip ist lexikalisch vorrangig vor dem Prinzip der Effizienz und dem der Maximierung von Vorteilen, I 303 Faire Chancengleichheit ist vorrangig gegenüber dem Differenzprinzip. Zwei Fälle sind möglich: a) Chancenungleichheit muss die Chancen der Benachteiligten vergrößern. b) Eine extreme Sparrate muss die Lasten der Betroffenen mindern. >Chancengleichheit. Allgemeine Konzeption: alle primären sozialen Güter (Freiheiten, Rechte, Einkommen, Wohlstand, die Voraussetzungen für Selbstachtung usw.) sind gleich zu verteilen, außer wenn eine ungleiche Verteilung einiger oder aller dieser Güter zum Vorteil der am wenigsten Begünstigen ist. I 446 Prinzipien/Rawls: Während die Prinzipien der Gerechtigkeit die sind, die in der Ausgangsposition einer zu errichtenden Gesellschaft gewählt werden, werden die Prinzipien der Rationalen Entscheidung oder der Rationalität gar nicht gewählt. Das führt zu der Unterscheidung zwischen dem Richtigen und dem Guten. >Gesellschaft/Rawls. 1. Mill, A System of Logic, Buch VI, Kap. XII, Abschn. 7 und Utilitarianism, Kap. V, paers. 26-31. 2. Sidgwick, The Methods of Ethics, Buch IV Kap. II und III. |
Rawl I J. Rawls A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005 |
| Referenz | Stalnaker | I 177 Proposition/Satz/Wahrheit/Wissen/Identifikation/Evans (1982)(1): Bsp "Julius" sei der (starre) Name des Erfinders des Reißverschlusses (wer auch immer es war) - dann drückt "Julius wurde in Minsk geboren" eine bestimmte Proposition über ein bestimmtes Individuum aus, aber wir wissen nicht, wer das Individuum ist, d.h. wir wissen nicht, welche Proposition durch den Satz ausgedrückt ist. I 180f Referenz/Stalnaker: Wir haben zwei Bilder über Sprache bzw. Denken über einen Gegenstand: a) direkt kraft einer Kausalrelation. >Kripke b) indirekt durch unser Erfassen und Ausdrücken rein qualitativer Begriffe, die von bestimmten Dingen (Einzeldingen, ED) instanziiert werden. >Frege. Führt das für Kripke zum Essentialismus? >Essentialismus. SearleVsMill: "Direkte Referenz" (ohne zwischengeschalteten Sinn) führt in eine metaphysische Falle: nämlich die Trennung von Objekt und Eigenschaften. Vgl. >Eigenschaften/Quine. Lösung/Stalnaker: Richtig verstanden geht es um die modalen Eigenschaften eines Dings ((s) "...hätte anders sein können"). >Modale Eigenschaften. 1. Evans, G. (1982): 'The Varieties of Evidence' (Oxford and New York: Oxford University Press), S. 31. |
Stalnaker I R. Stalnaker Ways a World may be Oxford New York 2003 |
| Sehen | Millikan | I 244 Sehen-als/Sehen/Millikan: scheint ein vorläufiger Akt von Identifikation zu sein. Pointe/Millikan/(s): einen dreidimensionalen Gegenstand zu sehen, heißt einen Gegenstand mit einer Rückseite zu sehen. Bild/Wittgenstein/Millikan: einen gemalten Gegenstand sehen ist nur vorgebliches Sehen-als. I 301 Sehen/Wissen/Auge/Millikan: die Linse des Auges stellt sich automatisch auf Schärfe ein. Dabei geht es darum, dass das Objekt, das Strahlen verstreut, im Auge wieder zu einem Objekt gebündelt (zusammengesetzt) wird. Dazu muss der Organismus aber zunächst wissen, wann die Augen auf ein Objekt fokussiert sind, d.h. er muss wissen, welchem Objekt die Welt ähnlich sehen soll, (s)VsMillikan: dann könnten nur Erwachsene sehen. Allgemein/Millikan: es muss dann Merkmale geben, die typische klare Bilder von Objekten auszeichnen. Lernen/Psychologie/Lernpsychologie/Millikan: hat in letzter Zeit ergeben, dass die feste Verdrahtung solchen Wissens zu den Bedingungen des Lernens gehört. >Psychologische Theorien über Lernen. |
Millikan I R. G. Millikan Language, Thought, and Other Biological Categories: New Foundations for Realism Cambridge 1987 Millikan II Ruth Millikan "Varieties of Purposive Behavior", in: Anthropomorphism, Anecdotes, and Animals, R. W. Mitchell, N. S. Thomspon and H. L. Miles (Eds.) Albany 1997, pp. 189-1967 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 |
| Semantik | Brandom | I 297 Brandom These: wir müssen die Semantik anhand der Pragmatik verstehen. II 145 Semantische Theorie/BrandomVsDretske/VsMillikan/VsFodor: Problem: kann nicht erklären, wie sich echte Repräsentationen (Überzeugungen) von einfachen Indikatorzuständen (>VURDs) unterscheiden. (VURDs = Verlässlich unterscheidende Reaktionsdispositionen, z.B. bei Thermometern). > Terminologie/Brandom. II 146 Verlässlichkeitstheorie/Brandom: kann nicht auf die Semantik angewendet werden ((s) sonst zirkulär). - Die Erkenntnistheorie ist das geeignete Arbeitsgebiet der Verlässlichkeitstheorie. >Verlässlichkeitstheorie. Newen I 161 Brandom/Newen/Schrenk: Brandom kehrt die herkömmliche Semantik um. - Die Korrektheit von Bsp "Wenn A östlich von B liegt, liegt B westlich von A" durch die Bedeutung von "westlich" und "östlich" zu begründen. I 162 "Westlich" und "östlich" erhalten ihre Bedeutung gerade dadurch, dass sie in solchen Inferenzen vorkommen. Grundbegriffe/Brandom: nicht Wahrheit und Referenz (Tarskis Wahrheits-Begriff ist zu schwach). Korrektheit/Brandom: aus sozialer Praxis - Bedeutung: erwächst aus den inferentiellen Rollen. >Inferentielle Rolle. |
Bra I R. Brandom Expressive Vernunft Frankfurt 2000 Bra II R. Brandom Begründen und Begreifen Frankfurt 2001 New II Albert Newen Analytische Philosophie zur Einführung Hamburg 2005 Newen I Albert Newen Markus Schrenk Einführung in die Sprachphilosophie Darmstadt 2008 |
| Utilitarismus | Mill | Höffe I 348 Utilitarismus/Mill/Höffe: Def Utilitarismus/Mill(1): (...) die Ansicht, die Grundlage der Moral bilde das größte Glück, wobei das Glück im Begriff von Lust bzw. Freude (pleasure) und dem Freisein von Unlust bzw. Leid zu verstehen ist. Weil «Lust» im Griechischen hédoné heißt, handelt es sich um einen Hedonismus. >Hedonismus. MillVsBentham: Im Vergleich zu Mills Vorbild, Bentham, fällt auf, dass der zweite Teil dessen utilitaristischen Prinzips «die größte Zahl», für die das «größte Glück» zu suchen ist, hier fehlt. >Utilitarismus/Bentham, >J. Bentham. Freiheit/MillVsBentham: Für Mill als leidenschaftlichen Anwalt individueller Freiheit ist dieses Defizit kaum ein Zufall. >Freiheit. Im Text taucht zwar später die Formel «Glück aller Betroffenen» doch auf, allerdings ohne Benthams zweifache Maximierung: «größtes» Glück der «größten» Zahl. Wegen dieses Defizits setzt sich Mill nicht mit Benthams Vorschlag und dessen erheblichen Schwierigkeiten auseinander, das gesuchte Kollektivwohl mit einem einfachen Verfahren, einem «hedonischen Kalkül» (hedonic calculus), zu berechnen. MillVsBentham: 1) Die erste und bedeutsamste Veränderung, der qualitative Hedonismus, tritt dem gegen Bentham erhobenen Vorwurf entgegen, der Utilitarismus sei eine Ethik für Genussmenschen. Der britische Schriftsteller und Historiker Thomas Carlyle hatte ihn zum Einwand zugespitzt, der Utilitarismus sei eine Philosophie für Schweine (pig philosophy). Bentham: Nach Benthams provokativem Aphorismus, bei gleicher Qualität der Lust sei ein anspruchsloses Kinderspiel so gut wie Poesie, zählen die qualitativen Unterschiede zwischen den verschiedenen Anlässen und Arten von Freude ausdrücklich nicht. Höffe I 349 Mill: Gegen diesen vulgarisierten Hedonismus vertritt Mill die pointierte Gegenthese, es sei besser, ein unzufriedener Sokrates als ein zufriedenes Schwein zu sein. Er betont den unterschiedlichen Rang der Freuden, die man genießen kann, und zugleich den Vorrang wissenschaftlicher, künstlerischer und humanitärer Tätigkeiten. 2) (...) beim Versuch, das utilitaristische Prinzip zu beweisen, lehnt Mill zu Recht die Möglichkeit eines direkten Beweises ab. Denn wahrhafte Prinzipien sind schlechthin erste Sätze, die sich genau deshalb nicht beweisen lassen. >Theorie/Mill. Lösung/Mill: a) Den Kern bildet der Ausdruck «wünschens- und begehrenswert» (desirable), der zwei Bedeutungen hat. In einem empirisch-psychologischen Sinn bezeichnet er das, was die Menschen tatsächlich für wünschens- und begehrenswert halten, in einem normativ-ethischen Sinn, was sie so einschätzen sollen. Naturalistischer Fehlschluss/HöffeVsMIll: Interpretiert man Mills sogenannten Beweis als logische Ableitung der ethischen Bedeutung von desirable aus der empirischen Bedeutung, so liegt offensichtlich ein Sein-Sollen-Fehlschluss vor. VsVs: Da aber Mill in seinem Höffe I 350 System der Logik, dessen letztem Kapitel, deutlich zwischen Sein und Sollen unterscheidet, kann man den sogenannten Beweis wohlwollend auch so interpretieren: Eine erfahrungsoffene Ethik versteht das Wünschenswerte im Sinne von jenen aufgeklärten Menschen, die die unterschiedlichen Freuden kennen und die in humaner Sicht höherrangigen vorziehen. Vgl. >Präferenzutilitarismus. 3) Ist Gerechtigkeit mit dem Utilitarismus vereinbar? Mill erkennt hier die Existenz eines natürlichen Gerechtigkeitsgefühls an, hält dieses aber nicht für ein ursprüngliches, sondern abgeleitetes Gefühl. Um diese These zu verteidigen, unterscheidet er verschiedene Ansichten von Gerechtigkeit, beispielsweise das Gebot, gesetzlich verbürgte Rechte einer Person zu achten, jedem das, was er verdient, zu geben, ferner die Gedanken der Unparteilichkeit und der Gleichheit. Er erkennt dann die traditionelle Unterscheidung von vollkommenen (Gerechtigkeits-) und unvollkommenen (Wohltätigkeits-)Pflichten an. Schließlich behauptet er, ein Recht zu haben bedeute, etwas zu haben, das die Gesellschaft aus keinem anderen Grund als der allgemeinen Nützlichkeit (general utility) schützen sollte. Gemeinwohl/Mill/Höffe: In diesem Argument steckt entweder die These, zwischen dem Kollektivwohl, der allgemeinen Nützlichkeit, und den Rechten einer Person könne es keine Konflikte geben, Oder die Behauptung, im Konfliktfall habe das Kollektivwohl Vorrang vor subjektiven Rechten wie den Grund- und Menschenrechten. HöffeVsMill: Auch wenn es dem Kollektivwohl dient, darf man das Recht eines Unschuldigen, nicht bestraft zu werden, Oder das Recht eines Verdächtigen, nicht gefoltert zu werden, auf keinen Fall verletzen. >Gemeinwohl. 1. J.St. Mill, Utilitarianism 1861 |
Mill I John St. Mill Von Namen, aus: A System of Logic, London 1843 In Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993 Mill II J. St. Mill Utilitarianism: 1st (First) Edition Oxford 1998 Mill Ja I James Mill Commerce Defended: An Answer to the Arguments by which Mr. Spence, Mr. Cobbett, and Others, Have Attempted to Prove that Commerce is Not a Source of National Wealth 1808 |
| Utilitarismus | Spencer | Gaus I 413 Utilitarismus/Spencer/Weinstein: Spencer stimmte mit Sidgwick darin überein, dass die etablierte Moral das "wunderbare Produkt der Natur, das Ergebnis eines jahrhundertelangen Wachstums" sei, wobei die modernen liberalen Gesellschaften auf die gleiche Reihe von Nützlichkeitsregeln konvergierten, die moralische Regeln fördern. >H. Sidgwick. Und er stimmte mit Mill, wenn auch nicht mit Sidgwick, darin überein, dass wir unsere grundlegendsten moralischen Regeln in strenge Rechte umformuliert haben. Spencer war daher insofern ein ebenso liberaler Nützlichkeitsbefürworter wie Mill, als er eine rechtebeschränkte, maximierende Theorie des Rechts mit einem hedonischen Begriff des Guten verband. Für Spencer waren Rechte unausweichliche logische "Begleiterscheinungen" seines Prinzips der gleichen Freiheit, das dies festlegte: "Jeder Mensch ist frei, das zu tun, was er will, vorausgesetzt, er verletzt nicht die gleiche Freiheit irgendeines anderen Menschen" (1978(1): I, 62). >J. St. Mill, >Utilitarismus/Mill. Gaus I 414 SpencerVsMill: Allgemeines Glück wurde am besten dort gefördert, wo grundlegende liberale Rechte auf Leben, persönliche Integrität und Eigentum bedingungslos durchgesetzt wurden, was Spencers liberalen Utilitarismus kompromissloser machte als den von Mill. VsBentham: Während Spencer und Mill die weitreichenden Ähnlichkeiten zwischen ihnen anerkannten, distanzierte sich Spencer deutlich von Bentham und verunglimpfte dessen Utilitarismus als lediglich "empirisch", d.h. ungezwungen und daher moralisch minderwertig. Als "empirisch" rechtfertigte der Benthamismus angeblich die Opferung von Individuen im Namen der Maximierung des Nutzens, und sei es auch nur am Rande. >J. Bentham, >Utilitarismus/Bentham. Rationaler Utilitarismus: Im Gegensatz dazu bezeichnete er seinen eigenen Utilitarismus als "rational", gerade weil er vorgab, die Grundrechte aus dem Prinzip der gleichen Freiheit abzuleiten, und weil diese vermeintlich logischen Ableitungen unausweichlich waren. Doch Spencer übertreibt seine Differenzen mit Bentham, wenn Rosen und Paul Kelly Bentham richtig interpretiert haben. >Rationalität. 1. Spencer, Herbert (1978 [1879-93]) The Principles of Ethics, 2 Bd. Indianapolis: Liberty. Weinstein, David 2004. „English Political Theory in the Nineteenth and Twentieth Century“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
Spencer I Herbert Spencer The Man versus the State Indianapolis 2009 Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Utilitaristischer Liberalismus | Gaus | Gaus I 105 Utilitaristischer Liberalismus/Gaus: Utilitaristische Moraltheorien besagen, dass wir Kenntnisse sowohl über das Gute als auch über das Rechte besitzen können; im Sinne von Rawls sind dies keine Fragen des "vernünftigen Pluralismus". Die einfachsten Versionen des Utilitarismus behaupten, dass das Gute entweder Vergnügen, Glück oder Vorzugsbefriedigung ist, und das Recht ist die allgemeine Maximierung des Guten. Bentham: Interessanterweise glaubte Bentham nicht, dass das Prinzip der Nützlichkeit bewiesen werden könnte; er behauptete jedoch, dass es vernünftigerweise nicht geleugnet werden könne (1987(1): Kap. 11, S. 11). Jeder vernünftige Mensch würde sehen, dass Vergnügen das letztendliche Ziel ist: Folglich war das Prinzip der Nützlichkeit über jeden vernünftigen Streit erhaben. Ob das Prinzip der Nützlichkeit durch Vernunft festgestellt werden konnte oder nicht, war und ist jedoch umstritten. Mill: Mill legte bekanntlich einen Beweis vor (1963c(2): Kap. 4). SidgwickVsMill: Sidgwick hingegen besteht darauf, dass bei jedem Argument für den Utilitarismus auf grundlegende Intuitionen zurückgegriffen werden muss; schließlich schien Sidgwick zu akzeptieren, dass man ein Egoist und dennoch nicht irrational sein konnte (1962(3): 418-22). Gaus I 106 Ob der Utilitarismus die liberale Politik und Wirtschaft unterwandert (...) hängt von der Wirtschaftstheorie, der Public-Choice-Theorie, den Theorien des institutionellen Designs (Goodin, 1996)(4) und so weiter ab. In diesem Sinne ist der liberale Utilitarismus in der Tat eine teilweise umfassende Theorie, wobei verschiedene Theorien der Wirtschaft und Politik Teil der Argumentation für den liberalen Utilitarismus sind. >Märkte/McCulloch, >Märkte/Utilitarismus. Viele Philosophen sind geneigt, den liberalen Utilitarismus abzulehnen, nur weil er sich auf empirische Behauptungen stützt; diese Anti-Utilitaristen führen oft phantasievolle "Was-wäre-wenn"-Beispiele an, die zeigen, dass Utilitarismus unter seltsamen Umständen zu seltsamen Ergebnissen führen kann. Im Gegensatz dazu haben Utilitaristen typischerweise großes Vertrauen in diese Theorien und sehen keinen Grund zu der Annahme, dass unsere Theorie des politischen Rechts unabhängig von unseren besten empirischen Theorien der Wirtschaft und Politik sein sollte (Goodin, 1982)(5). >Utilitarismus/Gaus, >Utilitarismus/Chapman. 1. Bentham, Jeremy (1987) Introduction to the Principles of Morals and Legislation. In Utilitarianism and Other Essays, Hrsg. v. Alan Ryan. Harmondsworth: Penguin. 2. Mill, John Stuart (1963c) Utilitarianism. In J. M. Robson, (Hrsg.), The Collected Works of John Stuart Mill. Toronto: University of Toronto Press, Bd. X, 203–59. 3. Sidgwick, Henry (1962) The Methods of Ethics, 7th edn. Chicago: University of Chicago Press. 4. Goodin, Robert E., (Hrsg.) (1996) The Theory of Institutional Design. Cambridge: Cambridge University Press. 5. Goodin, Robert E. (1982) Political Theory and Public Policy. Chicago: University of Chicago Press. Gaus, Gerald F. 2004. „The Diversity of Comprehensive Liberalisms.“ In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications. |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Vorstellung | Mill | I 11 Vorstellungen/Mill/VsMill: Ideen und Vorstellungen können Namen nicht erklären, weil sie nicht intersubjektiv zugänglich sind. Es gibt immer neue Ideen, aber nicht immer neue Namen. >Eigenname, >Eigenname/Mill vgl. >Referenz, >Bedeutung, >Idee. |
Mill I John St. Mill Von Namen, aus: A System of Logic, London 1843 In Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993 Mill II J. St. Mill Utilitarianism: 1st (First) Edition Oxford 1998 Mill Ja I James Mill Commerce Defended: An Answer to the Arguments by which Mr. Spence, Mr. Cobbett, and Others, Have Attempted to Prove that Commerce is Not a Source of National Wealth 1808 |
| Zahlen | Mill | Thiel I 15 Zahlen/John Stuart Mill: mathematische Gegenstände insbesondere die Zahlen sind der konkreten Erfahrung entnommene Abstrakta, also allgemeinste Eigenschaften oder Beschaffenheiten der Wirklichkeit. Durch Verallgemeinerung der Beobachtung kommen wir zu Definitionen math. Gegenstände Sie drücken Tatsachen über Gesamtheiten physikalischen Gegenstände aus. (Mill: "Aggregate") . Jeder darauf gestützte Satz sagt aus, dass eine bestimmte Gesamtheit durch Zusammenfügen bestimmter anderer Gesamtheiten, oder durch Wegnahme hätte gebildet werden können. Jedes Zahlzeichen "2", "3", usw. bezeichnet für Mill ein physisches Phänomen, eine Eigenschaft, die der Gesamtheit von Dingen zukommt, die wir mit dem Zahlzeichen benennen. I 16 FregeVsMill: drastische Gegenbeispiele: Zweifelhaftigkeit im Fall von 0 und 1 , aber auch für sehr große Zahlen. Wer sollte je die Tatsache für Definition der Zahl 777 865 beobachtet haben? Mill hätte sich verteidigen können. Dass seine Position eher zur Begründung unserer Zahl und Gestaltauffassung als zur Begründung der Arithmetik tauglich scheint. >Zahlen/Frege. |
Mill I John St. Mill Von Namen, aus: A System of Logic, London 1843 In Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993 Mill II J. St. Mill Utilitarianism: 1st (First) Edition Oxford 1998 Mill Ja I James Mill Commerce Defended: An Answer to the Arguments by which Mr. Spence, Mr. Cobbett, and Others, Have Attempted to Prove that Commerce is Not a Source of National Wealth 1808 T I Chr. Thiel Philosophie und Mathematik Darmstadt 1995 |
| Zeitpräferenz | Bailey | Rothbard II 137 Zeitpräferenz/Bailey: Die erste Darstellung der Zeit als Determinante des Zinses stammt aus einer Theorie, die mit der Abstinenz verwandt, aber ihr überlegen ist: Samuel Baileys bahnbrechende Zeitpräferenztheorie. Baileys Erörterung erfolgte im Zuge seiner brillanten Demontage von Ricardos Arbeitswerttheorie und seines Eintretens für eine alternative Nutzentheorie. Bailey beginnt seine Diskussion über Zeit und Wert mit der Feststellung, dass der Wert einer Ware höher ist, wenn für ihre Produktion mehr Zeit benötigt wird als für die einer anderen, selbst wenn die gleiche Menge an Kapital und Arbeit eingesetzt wird. >Wert/Ricardo. James Mill: Während Ricardo hier ein Problem einräumt, behauptet James Mill in seinen „Elementen der politischen Ökonomie“ unermüdlich, dass die Zeit als „ein bloßes abstraktes Wort“ den Wert einer Sache nicht erhöhen könne. >James Mill, >David Ricardo, >Zinsen. VsMill/James: Im Gegensatz zu Mill weist Bailey darauf hin, dass „jede Schaffung von Wert“ eine „mentale Operation“ impliziert - kurz gesagt, eine subjektive Wertanalyse. Angesichts eines bestimmten Vergnügens, so Bailey weiter, „ziehen wir im Allgemeinen ein gegenwärtiges Vergnügen oder einen gegenwärtigen Genuss einem entfernten vor“ - kurz gesagt, die allgegenwärtige Tatsache der Zeitpräferenz im menschlichen Leben. Daraus folgt: Wir sind bereit, selbst unter Inkaufnahme eines gewissen Eigentumsopfers, das zu besitzen, wofür wir sonst Zeit bräuchten, um es zu beschaffen, ohne während des Vorgangs zu warten... Wenn uns ein Gegenstand angeboten würde, den wir sonst nur nach Ablauf eines Jahres erhalten könnten, wären wir bereit, etwas zu geben, um in den gegenwärtigen Genuss zu kommen. Überlegungen zum Zeitrabatt beeinflussen Käufer, Verkäufer und Kapitalisten sowie beide Parteien, die beispielsweise erkennen, dass Wein an Wert gewinnt, wenn er über längere Zeiträume aufbewahrt wird. Rothbard: Bailey, der eher daran interessiert war, Arbeits- und andere objektive Werttheorien zu widerlegen, als den Zins an sich zu erklären, ging nicht weiter darauf ein, die Zeitpräferenz als Grundlage des Zinses zu erklären oder den Zeitdiskontsatz zu diskutieren. Aber seine Analyse ebnete eindeutig den Weg für die spätere Rothbard II 138 österreichischen Zeitpräferenztheorie, obwohl Böhm-Bawerk, der Begründer dieser Theorie, Baileys Erkenntnisse nicht kannte. >Österreichische Schule, >Böhm-Bawerk. |
Bailey I Samuel Bailey Money and its vicissitudes in value; as they affect national industry and pecuniary contracts: with a postscript join-stock banks London 1837 Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Zinsen | Rothbard | Rothbard II 137 Abstinenztheorie/Zins/Rothbard: Wenn der Gewinn vielleicht mit dem Risiko zusammenhängt, wie erklärt sich dann die langfristige „Zins“-Komponente der Unternehmensgewinne? Die vorherrschende Erklärung für den langfristigen Zins in der britischen Wirtschaftswissenschaft wurde bald die Abstinenztheorie des Zinses. Die erste Darstellung der Zeit als Determinante des Zinses stammte aus einer Theorie, die mit der Abstinenztheorie verwandt, ihr aber überlegen war: Samuel Baileys bahnbrechende Zeitpräferenztheorie. Baileys Erörterung erfolgte im Zuge seiner brillanten Zerschlagung von Ricardos Arbeitswerttheorie und seines Eintretens für eine alternative Nutzentheorie. Bailey beginnt seine Erörterung von Zeit und Wert mit der Feststellung, dass der Wert einer Ware größer ist, wenn für ihre Produktion mehr Zeit benötigt wird als für die einer anderen, selbst wenn die gleiche Menge an Kapital und Arbeit eingesetzt wird. Ricardo: Während Ricardo hier ein Problem einräumt, behauptet James Mill in seinen Elementen der politischen Ökonomie unermüdlich, dass die Zeit als „ein bloßes abstraktes Wort“ den Wert einer Ware nicht erhöhen könne. VsMill, James: Im Gegensatz zu Mill weist Bailey darauf hin, dass „jede Schaffung von Wert“ eine „mentale Operation“ impliziert - kurz gesagt, eine subjektive Wertanalyse. Angesichts eines bestimmten Vergnügens, so Bailey weiter, „ziehen wir im Allgemeinen ein gegenwärtiges Vergnügen oder einen gegenwärtigen Genuss einem entfernten vor“ - kurz gesagt, die allgegenwärtige Tatsache der Zeitpräferenz im menschlichen Leben. >Zeitpräferenz. Rothbard II 138 Nassau William Senior: Aber der locus classicus der Abstinenztheorie waren die Vorlesungen von Nassau W. Senior. Sie wurden zwar erst 1836 als Outline of the Science of Political Economy (und auch als Artikel über „Politische Ökonomie“ für die Encyclopedia Metropolitana) veröffentlicht, aber sie wurden schon früher als Vorlesungen in Oxford in den Jahren 1827-28 gehalten. Senior wies darauf hin, dass Sparen und die Schaffung von Kapital notwendigerweise ein schmerzhaftes gegenwärtiges Opfer, einen Verzicht auf sofortigen Konsum, mit sich bringen, der nur in Erwartung einer ausgleichenden Belohnung erfolgt. Leider fehlte Senior das Konzept der Zeitpräferenz, so dass er nicht genau wusste, welche Motivation die Menschen dazu veranlasst, den gegenwärtigen Konsum dem zukünftigen vorzuziehen. Er kam jedoch zu sehr ähnlichen Schlussfolgerungen, indem er den Grad des Abstinenz-Schmerzes (oder, wie es die Österreicher später ausdrückten, die Zeitpräferenz für die Gegenwart gegenüber der Zukunft) mit den „am wenigsten zivilisierten“ Völkern und den „am schlechtesten gebildeten“ Klassen in Verbindung brachte, die im Allgemeinen „am unvorsichtigsten und folglich am wenigsten abstinent“ seien. >Kapital/Senior. Rothbard III 347 Zinsen/Zinssätze/Rothbard: Wir gehen hier davon aus, dass die reinen Kapitalisten niemals einen Faktor als Ganzes kaufen, der an sich mehrere Leistungseinheiten erbringen könnte. Sie können nur die Dienste von Faktoren pro Zeiteinheit mieten. >Produktionsfaktoren/Rothbard, >Produktionskosten/Rothbard. Z.B. Ein Arbeiter kann also nicht gekauft werden, aber seine Dienste können über einen bestimmten Zeitraum gekauft werden, d.h. er kann gemietet oder gemietet werden. Rothbard III 349 Produktion/Produktionsfaktoren/Investitionen/Rothbard: In der Geldwirtschaft kann, da Geld in alle Transaktionen eingeht, der Abschlag eines zukünftigen Gutes gegen ein gegenwärtiges Gut in allen Fällen in Form eines Gutes ausgedrückt werden: Geld. Das ist so, weil die Geldware ein gegenwärtiges Gut ist und weil Ansprüche auf zukünftige Güter fast immer in Form von zukünftigen Geldeinkommen ausgedrückt werden. Der Begriff der Rendite ist notwendig, damit [der Produzent oder Investor] verschiedene mögliche Investitionen für verschiedene Zeiträume und mit verschiedenen Geldbeträgen vergleichen kann. Für jeden Geldbetrag, den er spart, möchte er den größten Nettoertrag erzielen, d. h. die größte Nettorendite. Der absolute Betrag der Rendite muss auf Zeiteinheiten reduziert werden, und dies geschieht durch die Bestimmung der Rate pro Zeiteinheit. Rothbard III 350 Reiner Zinssatz/Gleichmäßig rotierende Wirtschaft/Rothbard: [In einer gleichmäßig rotierenden Wirtschaft] gibt es keine unternehmerische Unsicherheit, und die Nettorendite ist das reine Austauschverhältnis zwischen gegenwärtigen und zukünftigen Gütern. Diese Rendite ist der Zinssatz. Dieser reine Zinssatz ist für alle Zeiträume und für alle Produktionszweige gleich und bleibt in der gleichmäßig rotierenden Wirtschaft konstant. >Gleichmäßig rotierende Wirtschaft/Evenly Rotating economy (ERE)/Rothbard. Rothbard III 351 Produktion: Nehmen wir an, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt die Zinssätze zwischen verschiedenen Produktionszweigen nicht einheitlich sind. Wenn die Kapitalisten im Allgemeinen 5 Prozent Zinsen verdienen und ein Kapitalist in einer bestimmten Branche 7 Prozent erhält, werden andere Kapitalisten in diese Branche eintreten und ihm die Produktionsfaktoren wegbieten, indem sie die Faktorpreise erhöhen. Rothbard III 370 Gleichmäßig rotierende Wirtschaft (ERE) /Rothbard: (...) in der ERE ist die Zinsrendite auf Geldinvestitionen (der reine Zinssatz) überall in der Wirtschaft gleich, unabhängig von der Art des Produkts oder den spezifischen Bedingungen seiner Produktion. Der Zinssatz muss nicht nur für jedes Gut einheitlich sein, er muss auch für jede Stufe jedes Gutes einheitlich sein. Denn nehmen wir an, der Zinssatz wäre auf den höheren Stufen höher als auf den niedrigeren Stufen. Dann würden die Kapitalisten die Produktion auf der unteren Stufe aufgeben und sich auf die höhere Stufe verlagern, wo der Zinsertrag höher ist. >Produktionsfaktoren/Rothbard. Zinssatz/Produktion: Es ist wichtig, sich klarzumachen, dass der Zinssatz gleich dem Satz der Preisspanne in den verschiedenen Phasen ist. Zu viele Autoren betrachten den Zinssatz nur als den Preis von Krediten auf dem Kreditmarkt. In Wirklichkeit (...) durchdringt der Zinssatz alle Zeitmärkte, und der produktive Kreditmarkt ist ein streng untergeordneter Zeitmarkt von nur derivativer Bedeutung.(1) Dauer/Zeit/Produktion: Wir können nun unsere restriktive Annahme über die Gleichheit der Dauer der verschiedenen Phasen aufheben. (...) nehmen wir an, dass der einheitliche Zinssatz in der Wirtschaft 5 Prozent beträgt. Er beträgt 5 Prozent für eine bestimmte Zeiteinheit, beispielsweise ein Jahr. Ein Produktionsprozess oder eine Investition, die sich über einen Zeitraum von zwei Jahren erstreckt, wird dann im Gleichgewicht 10 Prozent einbringen, was 5 Prozent pro Jahr entspricht. Das Gleiche gilt für eine Produktionsphase von beliebiger Dauer. Unregelmäßigkeiten oder die Integration von Phasen behindern den Gleichgewichtsprozess also nicht im Geringsten. Rothbard III 374 Produktion: Die Funktion der Kapitalisten ist also eine Zeitfunktion, und ihr Einkommen ist genau ein Einkommen, das das Agio der gegenwärtigen im Vergleich zu den zukünftigen Gütern darstellt. Dieses Zinseinkommen stammt also nicht von den konkreten, heterogenen Kapitalgütern, sondern von der verallgemeinerten Investition der Zeit.(2) Es kommt von der Bereitschaft, gegenwärtige Güter für den Kauf zukünftiger Güter (die Faktorleistungen) zu opfern. Rothbard III 375 Zeitpräferenz/Rothbard: (...) ein gegenwärtiges Gut ist jetzt mehr wert als sein gegenwärtiger Wert als zukünftiges Gut. Da Geld das allgemeine Tauschmittel ist, ist Geld sowohl für den Zeitmarkt als auch für andere Märkte das gegenwärtige Gut, und die zukünftigen Güter sind gegenwärtige Erwartungen auf den zukünftigen Erwerb von Geld. Aus dem Gesetz der Zeitpräferenz folgt, dass gegenwärtiges Geld mehr wert ist als die gegenwärtige Erwartung der gleichen Menge an zukünftigem Geld. Mit anderen Worten: Zukünftiges Geld (wie wir die gegenwärtigen Erwartungen von Geld in der Zukunft nennen können) wird immer mit einem Abschlag gegenüber dem gegenwärtigen Geld gehandelt. Dieser Abschlag für zukünftige Güter im Vergleich zu gegenwärtigen Gütern (oder umgekehrt die Prämie, die gegenwärtige Güter gegenüber zukünftigen Gütern erhalten) ist der Zinssatz. Rothbard III 388 Die Zeit-Markt-Schemata aller Individuen werden auf dem Markt aggregiert, um Markt-Angebots- und Markt-Nachfrage-Schemata für gegenwärtige Güter in Bezug auf zukünftige Güter zu bilden. Der Angebotszeitplan steigt mit einem Anstieg des Zinssatzes, und der Nachfragezeitplan sinkt mit den höheren Zinssätzen. Aggregiert man die Angebots- und Nachfragekurven auf dem Zeitmarkt für alle Individuen auf dem Markt, Rothbard III 389 so erhält man (...) [eine] Nachfragekurve für gegenwärtige Güter in Bezug auf das Angebot zukünftiger Güter; sie steigt nach rechts, wenn der Zinssatz fällt. (...) die Angebotskurve für gegenwärtige Güter [wird angegeben] in Bezug auf die Nachfrage nach zukünftigen Gütern; sie fällt nach rechts, wenn der Zinssatz steigt. Der Schnittpunkt der beiden Kurven bestimmt den Gleichgewichtszinssatz - den Zinssatz, wie er in der gleichmäßig rotierenden Wirtschaft tendenziell sein würde. Dieser reine Zinssatz wird also ausschließlich durch die Zeitpräferenzen der Individuen in der Gesellschaft und durch keinen anderen Faktor bestimmt.(3) >Evenly Rotating Economy (ERE)/Gleichmäßig rotierende Wirtschaft/Rothbard, >Zeitpräferenz/Rothbard. Rothbard III 405 Es scheint wahrscheinlich, dass das Nachfrageprogramm nach gegenwärtigen Gütern durch die ursprünglichen Produktionsfaktoren sehr unelastisch auf Änderungen des Zinssatzes reagieren wird. Mit dem großen Basisbetrag wird die Diskontierung durch verschiedene Zinssätze sehr wahrscheinlich wenig Unterschied für den Faktoreigentümer machen.(4) Große Änderungen des Zinssatzes, die einen enormen Unterschied für die Kapitalisten machen und riesige Unterschiede im Zinseinkommen und der Rentabilität verschiedener langwieriger Produktionsprozesse bestimmen würden, hätten vernachlässigbare Auswirkungen auf die Erträge der Kapitalisten. Produktionsprozesse bestimmen würden, hätten eine vernachlässigbare Auswirkung auf die Erträge der Eigentümer der ursprünglichen Produktionsfaktoren. Rothbard III 773 Zinsen/Rothbard: Bei der Bestimmung des Zinssatzes müssen wir (...) die Zuteilung des Geldbestandes berücksichtigen, indem wir zum Bargeldbestand hinzufügen oder von ihm abziehen. Ein Mann kann sein Geld für den Konsum, für Investitionen oder für die Aufstockung seines Kassenbestandes verwenden. Zeitpräferenz: Die Zeitpräferenzen bestimmen den Anteil, den ein Individuum für gegenwärtige und zukünftige Güter, d. h. für Konsum und Investitionen, aufwendet. >Zeitpräferenz/Rothbard. Kassenbestand: Nehmen wir an, die Geldnachfrage eines Mannes steigt, und er beschließt daher, einen Teil seines Geldeinkommens für die Erhöhung seines Kassenbestandes zu verwenden. Es gibt keinen Grund zu der Annahme, dass diese Erhöhung das Verhältnis zwischen Konsum und Investitionen in irgendeiner Weise beeinflusst. Zeitpräferenz: Das könnte der Fall sein, aber wenn ja, würde dies eine Änderung seines Zeitpräferenzschemas und seiner Geldnachfrage bedeuten. >Kassenbestand/Rothbard. Geldnachfrage: Wenn die Geldnachfrage steigt, gibt es keinen Grund, warum eine Änderung der Geldnachfrage den Zinssatz auch nur ein Jota beeinflussen sollte. Es besteht keinerlei Notwendigkeit, dass ein Anstieg der Geldnachfrage den Zinssatz erhöht oder ein Rückgang ihn senkt - genauso wenig wie das Gegenteil. Es besteht sogar kein kausaler Zusammenhang zwischen beiden; (...). >Geldnachfrage/Rothbard. Rothbard III 997 Zinsen/Geldmenge /Rothbard: Gleichgewichtszustand: Es sollte nicht überraschen, dass der Markt dazu neigt, zu seinen bevorzugten Verhältnissen zurückzukehren. Der gleiche Prozess (...) findet in allen Preisen nach einer Veränderung der Geldmenge statt. Die Geldvermehrung beginnt immer in einem Bereich der Wirtschaft, erhöht dort die Preise und filtert und verbreitet sich schließlich über die gesamte Wirtschaft, die dann ungefähr zu einem Gleichgewichtsmuster zurückkehrt, das dem Wert des Geldes entspricht. Rothbard III 998 Der Markt reagiert also auf eine Verzerrung des marktwirtschaftlichen Zinssatzes, indem er zu eben diesem Zinssatz zurückkehrt. Die durch die Kreditexpansion verursachte Verzerrung gaukelt den Unternehmern vor, dass mehr Ersparnisse verfügbar sind, und veranlasst sie zu Fehlinvestitionen - zu Investitionen in Projekte, die sich als unrentabel erweisen werden, wenn die Verbraucher die Möglichkeit haben, ihre wahren Präferenzen wieder geltend zu machen. Diese Rückbesinnung erfolgt recht schnell - sobald die Eigentümer von Faktoren ihre erhöhten Einkommen erhalten und ausgeben. Marktzins/Geldmenge/Ökonomische Theorien/Rothbard: Diese Theorie ermöglicht es uns, eine uralte Kontroverse unter Ökonomen zu lösen: ob eine Erhöhung der Geldmenge den Marktzins senken kann. Rothbard III 998 Merkantilismus/Keynesianismus: Für die Merkantilisten - und für die Keynesianer - war es offensichtlich, dass eine erhöhte Geldmenge den Zinssatz dauerhaft senkt (da die Nachfrage nach Geld gegeben ist). Klassische Ökonomie: Für die Klassizisten war es offensichtlich, dass Veränderungen der Geldmenge nur den Wert der Geldeinheit, nicht aber den Zinssatz beeinflussen konnten. RothbardVsMercantilismus/RothbardVsKeynesianismus: Die Antwort ist, dass eine Erhöhung der Geldmenge den Zinssatz senkt, wenn sie als Kreditexpansion auf den Markt kommt, aber nur vorübergehend. Langfristig (und diese lange Frist ist nicht sehr „lang“) stellt der Markt den marktwirtschaftlichen Zeitpräferenzzinssatz wieder her und beseitigt die Veränderung. Auf lange Sicht wirkt sich eine Veränderung der Geldmenge nur auf den Wert der Geldeinheit aus. >Zeitpräferenz/Rothbard, >Sparen/Rothbard, >Inflation/Rothbard, >Kreditexpansion/Rothbard. Rothbard III 1002 Zinsen/Rothbard: (...) eine Kreditexpansion senkt nicht notwendigerweise den Zinssatz unter den zuvor verzeichneten Satz; sie senkt den Satz unter das, was er auf dem freien Markt gewesen wäre, und schafft so Verzerrungen und Fehlinvestitionen. >Wirtschaftskreislauf/Rothbard. Marktzinssatz/Kaufkraft: Die Rekordzinsen in der Hochkonjunktur steigen in der Regel tatsächlich wegen der Kaufkraftkomponente im Marktzins. Ein Preisanstieg führt (…) zu einer positiven Kaufkraftkomponente im natürlichen Zinssatz, d. h. der von den Unternehmern am Markt erzielten Rendite. >Natürlicher Zins. Rothbard III 1003 Freier Markt: Auf dem freien Markt würde sich dies schnell in der Ioan-Rate niederschlagen, die (...) vollständig von der natürlichen Rate abhängig ist. Aber ein kontinuierlicher Zufluss von zirkulierenden Krediten verhindert, dass die Ioan-Rate die natürliche Rate einholt, und erzeugt dadurch den Konjunkturprozess.(5) Kredite: Eine weitere Folge dieser von den Banken verursachten Diskrepanz zwischen dem Ioan-Satz und dem natürlichen Satz ist, dass die Gläubiger auf dem Ioan-Markt Verluste zugunsten ihrer Schuldner erleiden: der Kapitalisten auf dem Aktienmarkt oder derjenigen, die ihre eigenen Unternehmen besitzen. Letztere gewinnen in der Hochkonjunktur durch die Differenz zwischen dem Ioan-Satz und dem natürlichen Zinssatz, während die Gläubiger (mit Ausnahme der Banken, die ihr eigenes Geld schaffen) in gleichem Maße verlieren. 1. In den Unmengen von Kommentaren zu J.M. Keynes' Allgemeiner Theorie ist niemandem die sehr aufschlussreiche Passage aufgefallen, in der Keynes die Diskussion von Mises zu diesem Punkt kritisiert. Keynes behauptete, dass Mises' „eigentümliche“ neue Zinstheorie die „marginale Effizienz des Kapitals“ (die Nettoverzinsung einer Investition) mit der Rendite einer Investition) mit dem Zinssatz. Der Punkt ist, dass die „marginale Effizienz des Kapitals“ tatsächlich der Zinssatz ist! Er ist ein Preis auf dem Zeitmarkt. Genau dieser „natürliche“ Zinssatz und nicht der Kreditzinssatz war viele Jahre lang ein zentrales Problem der Zinstheorie gewesen. Die Grundzüge dieser Lehre wurden von Böhm-Bawerk in Kapital und Zins dargelegt und hätten Keynes daher nicht überraschen dürfen. Siehe John Maynard Keynes, The General Theory of Employment, Interest and Money (New York: Harcourt, Brace & Co., 1936), S. 192-93. Genau diese Beschäftigung mit den relativ unwichtigen Problemen des Kreditmarktes stellt einen der größten Mängel der keynesianischen Zinstheorie dar. (RothbardVsKeynes). 2. Wie Böhm-Bawerk erklärte: Der Zins ... kann aus jedem Kapital gewonnen werden, unabhängig davon aus welcher Art von Gütern das Kapital besteht: aus unfruchtbaren wie aus natürlich fruchtbaren Gütern; aus verderblichen wie aus dauerhaften Gütern; aus ersetzbaren wie aus nicht ersetzbaren Gütern; aus Geld wie aus Waren. (Böhm-Bawerk, Kapital und Zins, S. 1) 3. Die Bedeutung der Zeitpräferenz wurde erstmals von Böhm-Bawerk in seinem Werk Kapital und Zins erkannt. Die alleinige Bedeutung der Zeitpräferenz wurde nur von sehr wenigen Ökonomen erkannt, vor allem von Frank A. Fetter und Ludwig von Mises. Siehe Fetter, Economic Principles, S. 235-316; idem, „Interest Theories, Old and New“, American Economic Review, März 1914, S. 68-92; und Mises, Human Action,New Haven, Conn.: Yale University Press, 1949. Nachdruck Ludwig von Mises Institut, 1998. S. 476-534. 4. Der Zinssatz macht jedoch einen großen Unterschied, wenn es sich um den Eigentümer und Verkäufer eines dauerhaften Gutes handelt. Grund und Boden ist natürlich fast per definitionem dauerhaft - im Allgemeinen sogar dauerhaft. Bisher haben wir uns nur mit dem Verkauf von Faktorleistungen beschäftigt, d. h. mit der Miete“ oder ‚Pacht‘ des Faktors, und haben vom Verkauf oder der Bewertung von dauerhaften Faktoren abstrahiert, die künftige Dienstleistungen verkörpern. Langlebiger Grund und Boden wird „kapitalisiert“, d.h. der Wert des Faktors als Ganzes ist die abgezinste Summe seiner zukünftigen MVP's ((Grenzwertprodukt), und hier macht der Zinssatz einen bedeutenden Unterschied. Der Preis von dauerhaftem Land ist jedoch für den Angebotsplan von Landdienstleistungen in der Nachfrage nach gegenwärtigem Geld irrelevant. 5. Da Knut Wicksell einer der Väter dieses konjunkturellen Ansatzes ist, ist es wichtig zu betonen, dass sich unsere Verwendung des Begriffs „natürliche Rate“ von seiner unterscheidet. Wicksells „natürlicher Zinssatz“ war mit unserem „marktwirtschaftlichen Zinssatz“ vergleichbar; unser „natürlicher Zinssatz“ ist die Rendite, die Unternehmen auf dem bestehenden Markt ohne Berücksichtigung der Ioan-Zinsen erzielen. Sie entspricht dem, was irreführend als „normale Gewinnrate“ bezeichnet wird, ist aber eigentlich der Basiszinssatz. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Begriff/ Autor/Ismus |
Pro/Versus |
Eintrag |
Literatur |
|---|---|---|---|
| Logik empirisch VsMill | Pro | Quine2 XI 64 Quine: Pro empirische Logik - aber QuineVsMill: arithmetische Wahrheit nicht aufgrund räumlicher Anordnung. |
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| Begriff/ Autor/Ismus |
Autor |
Eintrag |
Literatur |
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| Selbstidentität | Kripke, S.A. | Newen/Schrenk I 87 Selbstidentität/Identität/Kripke/Newen/Schrenk: Kripke: These Selbstidentität ist notwendig - Bsp Cicero ist identisch mit Tullius - (s) nicht, daß Cicero mit Vornamen Tullius hieß). Newen/Schrenk I 101 Namen/Mill/Newen/Schrenk: Mill These: die Bedeutung eines Namens ist das bezeichnete Objekt. VsMill: Problem: leere Namen und informative Identitätssätze. Bsp "Cicero ist identisch mit Tullius": wenn die Bedeutung das Objekt ist, haben wir hier nur die Selbstidentität, die auch noch notwendig ist. |
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| Ethik | Mill, J. St. | Stegmüller IV 263 Moral/Ethik/Mill: These glaubte an allmähliche Veränderung der menschlichen Natur in Richtung auf eine "allgemeine Menschenliebe". J. F. StephenVsMill: das ist "transzendentaler Utilitarismus": ein von "unparteiischer Nächstenliebe" beseelte Person könnte sich stalinistisch verhalten. Alles kann zur Rechtfertigung jeglicher Gewaltanwendung herangezogen werden. - Mackie dito. |
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| Namen | Mill, J. St. | Newen/Schrenk I 101 Namen/Mill/Newen/Schrenk: Mill These: die Bedeutung eines Namens ist das bezeichnete Objekt. VsMill: Problem: leere Namen und informative Identitätssätze. Bsp "Cicero ist identisch mit Tullius": wenn die Bedeutung das Objekt ist, haben wir hier nur die Selbstidentität, die auch noch notwendig ist. |
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