Lexikon der Argumente


Philosophische Themen und wissenschaftliche Debatten
 
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Demokratie Pettit Brocker I 856
Demokratie/Pettit: Pettit These: Demokratie sei eher als »contestatory« ((s) wetteifernd) denn als »consensual« ((s) auf Einklang bedacht) aufzufassen (1). Das bedeutet, dass alle politischen Entscheidungen, insbesondere die Beschlüsse über staatliche Direktiven und staatliche Regulation, vor einer kritischen Öffentlichkeit begründungspflichtig sind und prinzipiell als anfechtbar zu gelten haben. Verfahren: Die Basis dafür sollten nach Pettit in einer „deliberative republic“ ((s) beratenden Republik) gelegt werden. (2) Dabei geht es darum, den Argumenten anderer stets Gehör zu verschaffen. Demokratie wirke dadurch „inklusiv“ in Bezug auf Minderheiten.
PettitVsPettit: in seinem späteren Werk Gerechte Freiheit finden sich allerdings Aussagen, die diese deliberative Dynamik der Demokratie wieder zurücknehmen und betonen, dass vor allem die Verhinderung von staatlicher Zwangsgewalt den Kern des republikanischen Demokratieverständnisses markiere. (3)
Dann geht es also weniger um bürgerschaftlichen Disput und stärker um einen Konsens in Bezug auf die Einschätzung staatlicher Interventionsrechte. Siehe Staat/Pettit.


1. Philip Pettit, Republicanism. A Theory of Freedom and Government, Oxford 1997, S. 185
2. Ebenda S. 187
3. Philip Pettit 2015, Gerechte Freiheit. Ein moralischer Kompass für eine komplexe Welt, Berlin 2015. S. 157, vgl. Pettit On the People’s Terms. A Republican Theory and Model of Democracy, Cambridge
2012, S. 22.
Emanuel Richter, „Philip Pettit, Republicanism“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Pett I
Ph. Pettit
Just Freedom: A Moral Compass for a Complex World New York 2014

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Gesetzgebung Pettit Brocker I 853
Gesetzgebung/Pettit: VsPettit: seine Auffassung, es gebe eine Gesetzgebung, die keinerlei Einschränkung von individueller Selbstentfaltung hervorrufe, als reichlich naiv erscheine. Selbst die harmlos wirkende »interference« des Staates sei immer auch als Eingriff in die individuelle Selbstentfaltung zu begreifen (Bruegger 2011(1); vgl. auch Schink 2013(2)).

1. John A. Bruegger »Republican Freedom: Three Problems«, in: The Journal Jurisprudence 11, 2011, S. 579
2. Philipp Schink,»Freedom, Control and the State«, in: Andreas Niederberger/Philipp Schink (Hg.), Republican Democracy. Liberty, Law, and Politics, Edinburgh 2013, S. 227


Emanuel Richter, „Philip Pettit, Republicanism“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Pett I
Ph. Pettit
Just Freedom: A Moral Compass for a Complex World New York 2014

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Herrschaft Pettit Brocker I 855
Herrschaft/Government/Pettit: Pettit will das Bild eines öffentlichen Lebens entwerfen, das Freiheit ohne Beherrschung bietet. Seine idealtypische Konzeptualisierung der politischen Sphäre soll pluralistisch, anpassungsfähig und auf Nachhaltigkeit gerichtet sein. Sie soll nicht nur unterschiedliche Interessen und Bedürfnisse in egalitaristischer Stoßrichtung untereinander austarieren, sondern auch die öffentliche Sensibilität für ökologische Fragen, für die Frauenemanzipation, für Minderheiten-Probleme und für ein multikulturelles Miteinander pflegen. Insbesondere geht es Pettit um damit zusammenhängende Probleme des Verfassungsrechts.
Brocker I 856
Verfassung/Pettit: seine Auseinandersetzung mit verfassungsrechtlichen Fragen wird von einigen Autoren als zu grobschlächtig angesehen. VsPettit: (2)(3) - Pettits Replik: PettitVsVs: (4)(5)
Brocker I 860
VsPettit: er landet bei einer erstaunlich konventionellen Vorstellung vom Regieren. McMahonVsPettit: Er Ignoriere die widrigen Realisierungsbedingungen republikanischer Freiheitsgarantien im Dickicht der realen politischen Handlungszusammenhänge. (6)
VsPettit: dieser lande letztlich bei dem von ihm kritisierten Liberalismus bzw. einem liberalen Leitbild des Gemeinwohls, das den Respekt für die Freiheit des Individuums an die erste Stelle rückt.
Problem: Pettit habe keine bündige Neuinterpretation der kollektiven Interaktion von Individuen und ihrer politischen Funktionsbestimmung. (9)


Philip Pettit, Republicanism. A Theory of Freedom and Government, Oxford 1997, S. 129
2. John A. Bruegger »Republican Freedom: Three Problems«, in: The Journal Jurisprudence 11, 2011, S. 582
3. McMahon, Christopher, »The Indeterminacy of Republican Policy«, in: Philosophy and Public Affairs 33/1, 2005, 67-93.
4. Philip Pettit, »The Determinacy of Republican Policy: A Reply to McMahon«, in: Philosophy and Public Affairs 34/3, 2005, 275-283.
5. Philipp Schink,»Freedom, Control and the State«, in: Andreas Niederberger/Philipp Schink (Hg.), Republican Democracy. Liberty, Law, and Politics, Edinburgh 2013, S. 224
6. McMahon ebenda
7.Laborde, Cécile/Maynor, John, »The Republican Contribution to Contemporary Political Theory«, in: dies. (Hg.), Republicanism and Political Theory, Malden, Mass./Oxford/Carlton 2008, s. 1 - 28
8. John P. McCormick, »Republicanism and Democracy«, in: Andreas Niederberger/Philipp Schink (Hg.), Republican Democracy. Liberty, Law, and Politics, Edinburgh 2013
9. Laborde, Cécile/Maynor, John, »The Republican Contribution to Contemporary Political Theory«, in: dies. (Hg.), Republicanism and Political Theory, Malden, Mass./Oxford/Carlton 2008, S. 9.


Emanuel Richter, „Philip Pettit, Republicanism“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Pett I
Ph. Pettit
Just Freedom: A Moral Compass for a Complex World New York 2014

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Politik Pettit Brocker I 858
Politik/Entpolitisierung/Pettit: Unter »depoliticization« (1) versteht Pettit die Distanzierung der politischen Entscheidungsfindung gegenüber einem emotionsgeladenen, moralisierenden und auf klischeehafte Vorurteile rekurrierenden Meinungskampf, in dem sich seiner Befürchtung nach nicht die gemeinwohlorientierten Überlegungen durchsetzen, sondern simple und polarisierende Plattitüden. Anstatt jedoch, in guter republikanischer Tradition, gerade dieses Abrücken von der Gemeinwohlorientierung in die strategische, effekthaschende Aufwiegelung als einen Prozess der »Entpolitisierung«, als einen bedenklichen Verlust an bürgerschaftlicher politischer Urteilskraft zu brandmarken, begreift Pettit die Entpolitisierung genau umgekehrt als eine Zähmung des geradezu gefürchteten Volkswillens durch eine von Experten ausgeübte Rationalitätsprüfung der Argumente, die im öffentlichen Meinungskampf kursieren und aufeinandertreffen. (2) ((s) PettitVsHabermas). ((s) >“Expertenregierung“, Technokratenregierung“, „Technische Kabinette“ Siehe auch Sartori). PettitVsRepublikanismus: Die republikanische Pointe, dass die »Politisierung« gerade das Maß für die Befähigung zur intuitiven wie bewussten Bezugnahme auf das Gemeinwohl angibt, teilt Pettit offenkundig nicht.
John P. McCormickVsPettit: bescheinigt Pettit in dieser Hinsicht despektierlich einen demokratievergessenen, institutionenzentrierten »senatorial move« und die Tendenz, den Problemhorizont der Pflege und Schärfung von politischer Urteilskraft der Bürgerinnen und Bürger, ein genuines und zentrales Anliegen republikanischen Denkens, zu vernachlässigen. (3)
RichterVsPettit: es gelingt Pettit nicht, die Spannung zwischen Staatsvertrauen und Herrschaftskritik, zwischen bürgerschaftlicher Partizipation und Elitenvertrauen , die er aufbaut, aufzulösen.
PettitVsRawls: siehe Gerechtigkeit/Pettit.


1. Philip Pettit, »Depoliticizing Democracy«, in: Ratio Juris 17/1, 2004 S. 53
2. Ebenda S. 63
3. John P. McCormick, »Republicanism and Democracy«, in: Andreas Niederberger/Philipp Schink (Hg.), Republican Democracy. Liberty, Law, and Politics, Edinburgh 2013, S. 108


Emanuel Richter, „Philip Pettit, Republicanism“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Pett I
Ph. Pettit
Just Freedom: A Moral Compass for a Complex World New York 2014

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Republikanismus Pettit Brocker I 850
Republikanismus/PettitVsLiberalismus/Pettit: als herausragender Repräsentant des Republikanismus steht Pettit dezidiert gegen den Liberalismus: sein komplexes Modell lässt jedoch durchaus Ähnlichkeiten mit einem „liberalen“ Politikverständnis erkennen. LarmoreVsPettit: Pettit sei eigentlich ein verkappter Liberaler mit seinem Leitziel der individuellen Unabhängigkeit innerhalb der Logik des kollektiven Zusammenlebens. (1)
Siehe Staat/Pettit, Liberalismus/Pettit, Interventionen/Pettit, Individuum/Pettit.
Brocker I 852
Def „Neo-römische“ Variante des Republikanismus: rekurriert historisch auf den Republikanismus der römischen Antike und stilisiert ihn zur Propagierung einer Gesetzesherrschaft, die als Mittel gegen personalisierte Willkürherrschaft betrachtet wird und die der freiheitsverbürgenden Rolle politischer Institutionen einen zentralen Stellenwert zuweist. Pettit rechnet sich dieser Strömung zu. Das Anliegen der Ermunterung zu politischer Teilhabe tritt in dieser Variante hinter die Pflege der institutionellen Bestandsgarantie für die Republik als staatlicher Einheit zurück. Dies ist auch die Position von Quentin Skinner 1998.(2)


1. Larmore, Charles, »A Critique of Philip Pettit’s Republicanism«, in: Philosophical Issues 11, 2001, 229-243.
2. Quentin Skinner, Liberty Before Liberalism, Cambridge 1998.


Emanuel Richter, „Philip Pettit, Republicanism“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Pett I
Ph. Pettit
Just Freedom: A Moral Compass for a Complex World New York 2014

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Zivilgesellschaft Pettit Brocker I 859
Zivilgesellschaft/Pettit: Anders und konkreter als Rawls hat Pettit Kräfte vor Augen, die eine wetteifernde Demokratie einfordern und befördern. Pettit erkennt sie in der »Zivilgesellschaft«. Das sind für ihn »extrafamilial, infrapolitical association[s]«. (1) Das republikanische Anliegen bleibt also auf die Unterstützung durch politisch sensible, dem Gemeinwohl verpflichtete und mit einer Vorstellung vom »guten Regieren« ausgestattete Individuen und Gruppen angewiesen.
Zivilgesellschaft/PettitVsTradition: gegenüber traditionellen Theorien, die vielfach die politisch-erzieherische Funktion in den Vordergrund gestellt hatten, die durch politische Teilhabe aus Individuen staatstragende Bürgerinnen und Bürger formt, indem sie deren Interesse und Sensibilität für die
Brocker I 860
gemeinsamen politischen Belange fördert und sie zur Partizipation ermutigt, sieht Pettit keinen Aufklärungsbedarf darüber, wie diese Sensibilisierung für das Gemeinwohl akquiriert und geschult werden kann. Die zivilgesellschaftlichen Potentiale setzt Pettit schlicht voraus. Als Lösung zaubert Pettit einen neuen Begriff hervor: „Unberührbare Hand“/„intangible Hand“/Terminologie/Pettit: eine nicht materialisierbare Kraft, die aus der Bürgerschaft selbst hervorkommt und dazu beiträgt, dass eine kritische öffentliche Aufmerksamkeit zustande kommt, die dazu anregt, das politische Geschehen skeptisch zu beobachten und im richtigen Moment den demokratischen Einspruch gegen ein freiheitsberaubendes staatliches Handeln zu reklamieren. (2)
SellersVsPettit: es bleibt die frage, woher die Kräfte stammen, die erst zu einer auf ein Imaginiertes Gemeinwohl ausgerichteten Verfassungsordnung führen. (3)


1. Philip Pettit, Republicanism. A Theory of Freedom and Government, Oxford 1997, S. 242
2. Ebenda S. 254.
3. Mortimer Sellers, »The Republican Manifesto«, in: Santa Clara Law Review 39/1,1998, S. 365.


Emanuel Richter, „Philip Pettit, Republicanism“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Pett I
Ph. Pettit
Just Freedom: A Moral Compass for a Complex World New York 2014

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018