Lexikon der Argumente


Philosophische Themen und wissenschaftliche Debatten
 
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Begriff/
Autor/Ismus
Autor
Eintrag
Literatur
Anfang Sandel Brocker I 672
Anfang/Ausgangszustand/Kriterien/SandelVsRawls/Sandel: was ist das Kriterium für „Plausibilität“ bzw. „Vernünftigkeit“, das dieser Konstruktion eines Ausgangszustands für eine zu errichtende Gesellschaft bei Rawls zugrunde liegt? Problem: es liegt dabei schon eine bestimmte philosophische Anthropologie zugrunde, die voraussetzt, das soziale Beziehungen, dass Intersubjektivität überhaut, für die Identität von Subjekten nicht konstitutiv sei.(1)

1. Michael Sandel, Liberalism and the Limits of Justice, Cambridge/New York 1998 (zuerst 1982), S. 48.


Markus Rothhaar, “Michael Sandel, Liberalism and the Limits of Justice” in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Sand I
Michael Sandel
The Procedural Republic and the Unencumbered Self 1984

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Differenzprinzip Sandel Brocker I 674
Differenzprinzip/SandelVsRawls/Sandel: das Differenzprinzip besagt, dass soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten nur dann eine Existenzberechtigung haben, wenn sie zugleich den am wenigsten Begünstigten in einer Gesellschaft den größtmöglichen Vorteil bringen. (1) Sandel: bestreitet nicht, dass dies in einer angenommenen Ausgangssituation für eine zu errichtende Gesellschaft (siehe Schleier des Nichtwissens/Rawls) dazu führt, dass Subjekte im eigenen Interesse ein Prinzip wählen, dass für die weniger Begünstigten so vorteilhaft wie möglich ist (da sie nicht wissen, ob sie selber zu den weniger Begünstigten gehören werden). Siehe Rawls/Nozick).
Lösung/Sandel: man kann Rawls nur dann gegen die Vorwurf von Nozick verteidigen, wenn man annimmt, dass die Begabungen, die zu unterschiedlichen sozialen und ökonomischen Positionen führen, gar nicht die Begabungen einzelner Individuen sind, sondern Begabungen, die von vorneherein der Gemeinschaft aller Subjekte hinter dem „Schleier des Nichtwissens“ zukommen. (2)
Problem: das würde Rawls eigener Theorie der Intersubjektivität zuwider laufen. (Siehe Subjektivität/Sandel).


1. John Rawls Theorie der Gerechtigkeit,1975, (engl. 1971) S. 96.
2. Michael Sandel, Liberalism and the Limits of Justice, Cambridge/New York 1998 (zuerst 1982), S. 101, 141.


Markus Rothhaar, “Michael Sandel, Liberalism and the Limits of Justice” in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Sand I
Michael Sandel
The Procedural Republic and the Unencumbered Self 1984

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Gerechtigkeit Hayek Mause I 197
Gerechtigkeit/Hayek: HayekVsRawls: Hayeks Philosophie der Freiheit versteht Redistribution als unzulässigen Eingriff in die Autonomierechte von Individuen und lehnt sie daher aufgrund ihrer negativen Auswirkungen auf soziale Gerechtigkeit ab. (1)
Hayek These: die übergeordnete Norm ist die der individuellen Autonomie. Begriffe, die diese Autonomie begrenzen, bedürfen der Rechtfertigung. Bsp Re-Distribution: halt dieser Rechtfertigung nicht stand, da der Markt für Hayek unübertroffen effizient ist.
Markt/Hayek: Der Markt benötigt für seine optimale Funktionsfähigkeit nur die Rechtsgleichheit der Marktteilnehmer, eine maximale Vertragsfreiheit und ein minimales soziales Sicherungssystem. Jede weitere Maßnahme zur Umverteilung würde nicht nur den Anreiz zur eigenen Existenzsicherung unterdrücken. Sie hätte zudem auch keine Legitimation: mögliche ungleiche Tauschergebnisse des Marktes sind nicht-intendierte Folge von individuellem Handeln und können aufgrund der fehlenden Intentionalität keine Folgeverantwortlichkeit begründen. (2)
VsHayek: dieser berücksichtigt nicht, dass Interessengruppen Einfluss auf die Preisbildung nehmen können bzw. eine Vielzahl von Leistungen nicht über den Markt erfolgt. (3)
Mause I 203
Gerechtigkeit/Gerechtigkeitstheorien/Hayek: Wo Hayek auf das Prinzip der Leistungsgerechtigkeit setzt, richtet Rawls den Fokus auf die Chancengerechtigkeit, während Sens Prinzip der Teilhabegerechtigkeit der Bedarfsgerechtigkeit sehr nahe kommt. (4)(5) RawlsVsHayek, HayekVsRawls, SenVsRawls, RawlsVsSen, SenVsRawls, SenVsHayek, HayekVsSen.


1. F. A. von Hayek, Die Verfassung der Freiheit. Tübingen 1971.
2. W. Kersting, Kersting, Theorien der sozialen Gerechtigkeit. Stuttgart 2000, S. 60-63.
3.I. Becker, R. Hauser, 2011. Soziale Gerechtigkeit – ein magisches Viereck: Zieldimensionen, Politikanalysen und empirische Befunde. Berlin 2011, S. 31-34.
3. Sven Jochem, Reformpolitik im Wohlfahrtsstaat: Deutschland im internationalen Vergleich. Berlin 2009, S. 68.
4. Vgl. Rieger, Elmar, und Stephan Leibfried, Kultur versus Globalisierung: Sozialpolitische Theologie in Konfuzianismus und Christentum. Frankfurt am Main 2004, S. 44.

Hayek I
Friedrich A. Hayek
The Road to Serfdom: Text and Documents--The Definitive Edition (The Collected Works of F. A. Hayek, Volume 2) Chicago 2007

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Gerechtigkeit Honneth Brocker I 790
Gerechtigkeit/HonnethVsRawls/Honneth: gegenüber anderen Theorien der Gerechtigkeit rückt Honneth die konstruktive Rolle gesellschaftlicher Konflikte und die Bedeutung der intersubjektiv zu erschließenden Quellen der „Selbstachtung“ (1) für die Frage gesellschaftlicher Verhältnisse in den Vordergrund. Siehe Selbstachtung/Rawls.

1. John Rawls, Eine Theorie der Gerechtigkeit, Frankfurt 1979, S. 479-486

Hans-Jörg Sigwart, „Axel Honneth, Kampf um Anerkennung“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Honn I
A. Honneth
Das Ich im Wir: Studien zur Anerkennungstheorie Frankfurt/M. 2010

Honn II
Axel Honneth
Kampf um Anerkennung. Zur moralischen Grammatik sozialer Konflikte Frankfurt 2014

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Gerechtigkeit Pettit Brocker I 858
Gerechtigkeit/PettitVsRawls/Pettit: Pettit hat sich selbst zum republikanischen Widersacher gegen Rawls Gerechtigkeitstheorie stilisiert. Er will Rawls Modell (siehe Gerechtigkeit/Rawls) ein eigenes Modell entgegensetzten, das »in gehaltvollerer Weise« die Vorstellungen von Freiheit und sozialer Gerechtigkeit ausarbeitet. (1)(2) Rawls/(s): geht von Prinzipien statt von „Gehalten“ aus.
Brocker i 859
RichterVsRawls: Pettits Modell erscheint gerade dort schwach, wo es um die konkrete Funktionszuweisung an die öffentliche Teilhabe zum Zweck der Festlegung und Kontrolle von Handlungsoptionen des Staates geht. Zudem ähneln sich Rawls’ und Pettits Modelle ironischerweise genau an jenen Punkten, an denen Pettit beansprucht, die Alternative zur liberalen Politiktheorie zu präsentieren.
Es ist gerade Rawls Differenzprinzip, dass die Lösung der von Pettit aufgeworfenen Probleme ermöglicht. (3) Siehe Differenzprinzip/Rawls.


1. Philip Pettit, »Depoliticizing Democracy«, in: Ratio Juris 17/1, 2004
2. Philip Pettit, Beyond Rawls, 2012, 107ff
3. John Rawls, Eine Theorie der Gerechtigkeit, 1975, S. 96


Emanuel Richter, „Philip Pettit, Republicanism“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Pett I
Ph. Pettit
Just Freedom: A Moral Compass for a Complex World New York 2014

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Gleichheit Singer I IX
Gleichheit/Equality/Tier/Mensch/Gleiche Rechte/Ethik/P. Singer: These: mein Buch Practical Ethics bekämpft die Einstellung, alle Mitglieder der menschlichen Spezies hätten höherrangige Rechte allein wegen ihrer Zugehörigkeit zu dieser Spezies. P. SingerVs: es wäre unphilosophisch, jegliche Vergleiche über eine Spezies hinaus zu verbieten. Hierbei geht es um Unrecht, das wir Tieren und Schäden, die wir unserer Umwelt zufügen.
I 16
Gleichheit/Equality/Ethik/P. Singer: was bedeutet es eigentlich, wenn wir sagen, dass alle Menschen gleich sind? Problem: je stärker wir Einzelfälle untersuchen, desto mehr schwindet der Glaube an die universelle Gültigkeit des Grundsatzes der Gleichheit. Bsp
Intelligenz/Jensen/Eysenk/P. Singer: (Debatte in den 70er Jahren zwischen Arthur Jensen, Psychologe UC Berkeley und Hans Jürgen Eysenk, Psychologie an der Universität London):
I 17
Frage: inwieweit Varianzen von Intelligenz von genetischen Differenzen abhängen. Dieser Streit wurde wieder aufgegriffen von Herrnstein/Murray The Bell Curve, 1994.
Rassismus: die Kritiker dieser Autoren sagen, deren Thesen würden, wenn sie begründet wären, Rassendiskriminierung rechtfertigen. Haben sie recht?
Ähnliches Problem: war Larry Summers ein Sexist als er – damals Präsident der Harvard Universität – biologische Faktoren geltend machte im Zusammenhang mit Schwierigkeiten, mehr Frauen auf Lehrstühle in Mathematik und Wissenschaften zu berufen?
Ähnliche Frage: sollten benachteiligte Gruppen besondere eine bevorzugte Behandlung beim Zugang zu Arbeitsplätzen oder zur Universität bekommen?
P. Singer: Unterschiede zwischen Geschlechtern und Unterschiede zwischen Begabungen bestehen auf jeden Fall.
Bereichseigenschaft/range property/John Rawls: (in Rawls, Theory of Justice) wen n man zu einem Bereich gehört, hat man einfach die Eigenschaft, zu diesem Bereich zu gehören und alle innerhalb des Bereichs haben diese Eigenschaft gleichermaßen.
I 18
Gleichheit/Rawls/P. Singer: Rawls These: eine moralische Einstellung ist die Grundlage für Gleichheit. VsRawls: 1. man könnte einwenden, dass das eine graduelle Angelegenheit ist.
2. Kleine Kinder sind nicht fähig dazu, eine moralische Persönlichkeit zu haben.
Lösung/Rawls: kleine Kinder sind potentiell moralische Persönlichkeiten.
I 19
VsRawls: Rawls bietet keine Lösung für Personen mit irreparablen Beeinträchtigungen.
I 20
Leiden/Interesse/Dritte Person/P. Singer: Problem: wir müssen erklären, ob der Schmerz einer gewissen Person weniger unerwünscht ist als der einer anderen Person.
I 20
Interesse/P. Singer: Prinzip: wenn es um Gleichheit geht, sollten wir Interessen als Interessen gewichten und nicht als Interessen von Personen, als meine oder jemand anderes Interessen. Wenn dann X mehr durch eine Handlung verliert als Y gewinnt, sollte die Handlung nicht ausgeführt werden.
I 21
Dann spielt die Rasse keine Rolle mehr bei der Abwägung von Interessen. Das ist der Grund, warum die Nazis sich falsch verhielten: ihre Politik war nur auf den Interessen der arischen Rasse gegründet.

SingerP I
Peter Singer
Practical Ethics (Third Edition) Cambridge 2011

SingerP II
P. Singer
The Most Good You Can Do: How Effective Altruism is Changing Ideas About Living Ethically. New Haven 2015
Gut/Das Gute Rawls I 396
Gut/Das Gute/Güte/Gutsein/Goodness/Gerechtigkeit/Rawls: wir müssen zwei Theorien des Guten unterscheiden, da in der Theorie der Gerechtigkeit als Fairness der Begriff des Rechts dem des Guten vorgeordnet ist. Anders als in teleologischen Theorie ist etwas nur dann gut, wenn es in die bereits existierenden Prinzipien integriert werden kann. Andererseits braucht man wiederum einen Begriff des Guten, um die Prinzipien zu etablieren, weil man die Motive der Beteiligten berücksichtigen muss. Um den Vorrang des Rechtsbegriffs nicht zu gefährden, kann der Begriff des Guten hier nur auf das wesentlichste reduziert werden. Das nenne ich die „Dünne Theorie“ des Guten.
I 397
Rationalität: erfordert nicht die Verfügung über alles Wissen. Ich nehme an, dass rationale Beteiligte sich eher für mehr als für weniger Anteil an primären öffentlichen Gütern entscheiden. (Siehe Öffentliches Gut/Rawls). In der Anfangssituation einer zu errichtenden Gesellschaft nehmen die Beteiligten an, dass ihre Vorstellungen vom Guten eine bestimmte Struktur haben. Der Begriff des Guten wird später noch gebraucht im Zusammenhang des moralischen Werts von Personen.
I 398
In einem wohlgeordneten annähernd gerechten Gesellschaft wird es sich herausstellen, dass es ein gut in sich ist, eine gute Person zu sein. Dazu brauchen wir aber eine Theorie des Guten, die die Prinzipien der Gerechtigkeit voraussetzt. Wenn der Gerechtigkeitssinn selbst ein Gut ist, dann nur im Sinne der Dünnen Theorie.
I 399
In diesem Fall trägt der Gerechtigkeitssinn zur Stabilität einer geordneten Gesellschaft bei. Diese Übereinstimmung von Güte und Gerechtigkeit nenne ich Kongruenz. Def Gut/Das Gute/Rawls: für eine Definition gehe ich von folgendem aus.
1. Ein Ding A ist ein gutes X wenn es eine bestimmte Eigenschaft in stärkerem Maße als etwas anderes, durchschnittliches hat. (Siehe W.D. Ross, The Right and the Good (Oxford 1930), p. 67.)
2. A ist ein gutes X für eine Person K genau dann, wenn A die Eigenschaften hat, die es für K rational machen, X anzustreben
3. K’s Lebensplan muss im Ganzen rational sein.
I 400
Siehe hierzu: Aristoteles, Nicomachean Ethics, bks. I, vk. III, chs. 1-63; Kant The Fundamental Principles oft he Metaphysics of Morals, Acadmy Edition, vol IV, pp.425-419; The Critique of Practical Reason, Ch. II, bk. I of pt. I; siehe H. J. Paton on Kant in: In Defense of Reason (London, 1951), pp. 157-177; H. Sidgwick, Methods of Ethics, 7rh. Ed.(London, 1907), bk. I ch. IX and bk. III ch. XIV. F. H. Bradley, Ethical Studies, 2nd. Ed. (Oxford, 1926), ch. II; Joshua Royce The Philosophy of Loyalty (New York, 1908), lext II; H. J. Paton, The Good Will (London, 1927)bks II and III, esp. chs. VIII and IX. W.D. Lamont, The Value Judgment (Edingurgh, 1955); J. N. Findlay, Values and Intentions (London, 1961) ch. V, secs I, and III, and ch. VI. – Naturalistische Werttheorie: John Dewey, Human Nature and Conduct (New York, 1922), pt. III; R. B: Perry, General Theory of Value (New York, 1926), chs. XX-XXII; C. I. Lewis, An Analysis of Knowledge and Valuation (Lasalle Ill. 1946), bk. III. – Rawls: mein eigener Ansatz basiert auf: J. O. Urmson „On Grading“, MInd, vol 59 (1950; Paul Ziff, Semantic Analysis (Ithaca, NY, 1960), ch. VI; Philippa Foot, „Goodness and Choice“, Proceedings of the Aristotelian Society, supp. Vol. 35 (1961).
I 423
Gutsein/Gutheit als Rationalität/Rawls: (Siehe Planung/Rawls): Man könnte meinen, dass es ein ständiges Raisonnieren des Individuums erfordert, zu erforschen, ob seine Pläne rational sind. Das ist ein Missverständnis. Es geht letztlich darum, ein Kriterium für den Wert einer Person herauszufinden. Dieses ist hauptsächlich durch Bezug auf einen rationalen (hypothetischen) Plan definiert.
I 424
Aus der Definition eines rationalen Plans können wir allerdings nicht auf die Inhalte von Zielen schließen. Es gibt allgemein menschliche Bedürfnisse, Pläne müssen die menschlichen Fähigkeiten und soziale Abhängigkeiten berücksichtigen usw.
I 426
Def Aristotelisches Prinzip/Terminologie/Rawls: so nenne ich folgendes Prinzip: ceteris paribus genießen Menschen die Ausübung ihrer Fähigkeiten und zwar in umso höherem Maße, je stärker diese Fähigkeiten realisiert werden und je anspruchsvoller (komplexer) sie sind. (Vgl. Aristoteles, Nicomachean Ethics, bk. VIII, chs. 11-14, bk X. chs 1-5; Siehe W.F.R. Hardie, Aristote’s Ethical Theory, (Oxford, 1968), ch. XIV; G.C. Field, Moral Theory (London, 1932), pp.76-78; R. W. White, „Ego and Reality in Psychoanalytic Theory“,Psychological Issues, vol. III (1963), ch. III and pp. 173-175, 180f.)
I 429
Rawls: Das Prinzip formuliert eine Tendenz und zeigt kein Muster auf, wie eine Wahl zu treffen wäre.
I 431
VsRawls: Warum sollte das Aristotelische Prinzip wahr sein – RawlsVsVs: wir beobachten es an Kindern und höheren Tieren. Es scheint auch evolutionstheoretisch erklärbar zu sein. Die Selektion wird diejenigen Individuen ausgewählt haben, für die es gilt. (Siehe B. G. Campbell, Human Evolution (Chicago, 1966), pp. 49-53; W. H. Thorpe, Science, Man and Morals, (London, 1965), pp. 87-92; I. Eibl-Eibesfeldt, Ethology (New York, 1970), pp. 217-248.)
I 435
Um die Dünne Theorie zu einer vollwertigen zu machen, bei der es um den Wert einer Person gehen soll, fragen wir, wie Mitbürger über andere Mitbürger urteilen, die in derselben Position sind. Dabei geht es um durchschnittliche Fähigkeiten in einer durchschnittlichen Position und in verschiedenen Rollen, insbesondere solchen Rollen, die für wichtiger erachtet werden. Außerdem nehmen wir breitgefächerte Eigenschaften an, die normalerweise von rationalen Personen angestrebt werden. (Der Hinweis auf breitgefächerte Eigenschaften stammt von T. M. Scanlon).
I 437
Def Gute Person/Def Moralischer Wert/Rawls: eine Person von moralischem Wert ist dann ein Individuum, das ein überdurchschnittliches Maß an breitgefächerten moralischen Eigenschaften hat, sodass es für Personen in der Anfangssituation einer zu errichtenden Gesellschaft rational ist, dies auch für sich und für einander anzustreben. Pointe: dabei werden keine zusätzlichen ethischen Begriffe eingeführt. Person/HareVsRawls: einige Autoren haben eingewendet, dass eine Person qua Person keine definierte Rolle oder Funktion hat, sollte sie nicht als Instrument oder Objekt behandelt werden, daher müsste auch diese Definition von Gutsein bzw. Rationalität fehlschlagen. (Siehe R. M. Hare, Geach on Good an Evil“, Analysis 17 (5), pp. 109ff.)
I 438
RawlsVsHare/RawlsVsVs: wir müssen gar nicht annehmen, dass Menschen eine bestimmte Rolle haben und noch weniger, dass sie als Mittel höheren Zwecken dienen sollten. Wir berufen uns nur auf die Anfangssituation einer zu errichtenden Gesellschaft.
I 446
Gut/Das Gute/Das Richtige/Richtigkeit/Rawls: wie unterscheidet sich das Gute vom Richtigen? 1. Die Prinzipien der Gerechtigkeit, die für die Bestimmung des Guten gebraucht werden, sind Prinzipien, die in der Anfangssituation einer zu errichtende Gesellschaft gewählt werden. Dagegen werden die Prinzipien der Rationalen Entscheidung und der Rationalität, die für die Bestimmung des Richtigen gebraucht werden, nicht gewählt.
I 447
Ein weiterer Unterschied ist, dass Menschen differieren in Bezug darauf, was als gut anzusehen ist, nicht so jedoch im Fall der Bestimmung des Richtigen.

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005
Gut/Das Gute Sandel Brocker I 677
Gut/Das Gute/Politik/Staat/Begründung/SandelVsRawls/SandelVsLiberalismus/Sandel: Sandel will die Errungenschaften der modernen Demokratie auf eine andere Grundlage stellen, als der rein formalen, die Rawls in seiner Theorie der Gerechtigkeit (1) entwirft. Statt in einer formalen Theorie des Rechten sollen sie durch ein inhaltlich reiches Verständnis des Guten ihre Rechtfertigung finden. Siehe Liberalismus/Sandel, Rawls/Sandel, Vertragstheorie/Sandel, SandelVsRawls, Politik/Sandel. Der Raum des Politischen wäre dann der Raum der lebendigen Auseinandersetzung um das Gute und nicht ein Raum der apriorischen Formulierung von Gerechtigkeitsprinzipien.


1 .Vgl. John Rawls, Theory of Justice 1971(dt. 1975)
2. Michael Sandel, Liberalism and the Limits of Justice, Cambridge/New York 1998 (zuerst 1982),


Markus Rothhaar, “Michael Sandel, Liberalism and the Limits of Justice” in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Sand I
Michael Sandel
The Procedural Republic and the Unencumbered Self 1984

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Individuen Walzer Mause I 198f
Individuum/Kommunitarismus/Walzer: Vertreter des Kommunitarismus (wie Walzer) sehen das Individuum stattdessen immer als Teil einer spezifischen Gesellschaft mit einer spezifischen Geschichte und einer spezifischen Kultur. Moralvorstellungen sind immer durch diese Geschichte und die spezifische Kultur geprägt. Mehr noch: Prinzipien sozialer Gerechtigkeit müssen an diese Geschichte anknüpfen, wenn sie als legitim erachtet werden sollen. (1) WalzerVsRawls.

1.Bernd Ladwig, Gerechtigkeitstheorien zur Einführung. Hamburg 2013, S. 163.

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Institutionen Nussbaum Brocker I 895
Institutionen/NussbaumVsRawls/Nussbaum: der liberalen Institutionenlehre von Rawls fehlen die ethischen Grundlagen zur Vermittlung ihrer Werte.(1)

1. Martha C. Nussbaum, Gerechtigkeit oder das gute Leben, Frankfurt/M. 1999, 45


Sandra Seubert, „Martha C. Nussbaum, Women and Human Development (2000)“, in:Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Intersubjektivität Sandel Brocker I 672
Intersubjektivität/SandelVsRawls/Sandel: Rawls setzt in seinem angenommenen Urzustand für eine zu errichtende Gesellschaft eine bestimmte Anthropologie voraus, die annimmt, dass Intersubjektivität bzw. soziale Beziehungen für die Identität von Subjekten nicht konstitutiv ist. Rawls nimmt dann an, dass Menschen ihre Identität und Individualität bereits unabhängig von und vorgängig zu den sozialen Beziehungen und geschichtlichen Verortungen besitzen, in denen sie stehen. (1)
Brocker I 673
Außerdem: auch Ziele und Zwecke der Menschen können für Rawls nie konstitutiv für die Identität eines Subjekts sein.
Brocker I 676
Bezieht man die Dimension der Intersubjektivität mit ein, kann Politik nicht darin bestehen, einmal eine Reihe von Gerechtigkeitsprinzipien festzulegen, die dann für alle Zeiten gleichsam nur noch von Politik und Rechtsprechung verwaltet würden. Politik muss vielmehr in der ständigen, demokratischen Auseinandersetzung um das Gute des Gemeinwesens bestehen.
1. Michael Sandel, Liberalism and the Limits of Justice, Cambridge/New York 1998 (zuerst 1982), S. 48.

Markus Rothhaar, “Michael Sandel, Liberalism and the Limits of Justice” in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Sand I
Michael Sandel
The Procedural Republic and the Unencumbered Self 1984

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Kant Sandel Brocker I 670
Kant/SandelVsRawls/SandelVsKant/SandelVsLiberalismus/Sandel: Kant hat Ethik und Recht vielleicht am konsequentesten vom Fluchtpunkt des guten Lebens abgekoppelt und sich stattdessen vollständig auf eine Theorie des Rechten, verstanden im Sinn der vernünftigen Verallgemeinerbarkeit von Handlungsmaximen, gestützt. Darauf baut Rawls mit seiner Theorie der Gerechtigkeit (1975) auf. Siehe Prinzipien/Rawls. SandelVsRawls, SandelVsKant: propagiert die Priorität einer Vorstellung des guten und gelingenden Lebens (Aristoteles‘ eudaimonia) als Ausgangspunkt. Siehe Liberalismus/Sandel, Recht/Kant, SandelVsRawls.


Markus Rothhaar, “Michael Sandel, Liberalism and the Limits of Justice” in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Sand I
Michael Sandel
The Procedural Republic and the Unencumbered Self 1984

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Klimagerechtigkeit Kosmopolitismus Norgaard I 325
Klimagerechtigkeit/Kosmopolitismus: Der kosmopolitische Ansatz argumentiert, dass die Verpflichtungen der Gerechtigkeit sowohl grenzüberschreitend als auch innerhalb von Grenzen gelten und sich diese Verpflichtungen in einigen Fällen aus tatsächlichen kausalen Zusammenhängen ergeben (z.B. Pogge 2002)(1), manchmal aus der universellen Erweiterung derselben egalitären Prämissen, die national in die Gerechtigkeitstheorien eingegangen sind (Singer 1972(2); Caney 2005b(3)), oder aus beiden (Beitz 1979(4); Moellendorf 2002(5)). Die Ablehnung einer solchen Verpflichtung beruht typischerweise auf dem Argument, dass entweder eine gemeinsame Kultur (z.B. Rawls 1999)(6), eine gemeinsame Nationalität (Miller 1995)(7) oder eine gemeinsame Souveränität (Nagel 2005)(8) für das Bestehen von Gerechtigkeitsverpflichtungen erforderlich ist, obwohl die Befürworter solcher Ansichten - "Kommunitarier" lose genommen - in der Regel für eine Wohltätigkeit gegenüber Personen außerhalb der Gemeinschaft eintreten.
Norgaard I 326
Klimagerechtigkeit/Klimakosten/VsRawls/Kosmopolitismus: Während nicht alle Philosophen, die über den Klimawandel geschrieben haben, in Debatten über Kosmopolitismus verwickelt sind (...), kommen die meisten zu dem Schluss, dass Gerechtigkeitsansprüche für die internationale Verteilung der Kosten und Nutzen der Klimapolitik gelten. Viele Autoren haben es jedoch immer noch für notwendig gehalten, John Rawls' berühmte Ablehnung kosmopolitischer Gerechtigkeitsansprüche in Angriff zu nehmen (Rawls 1999)(6); die meisten kommen zu dem Schluss, dass die unausweichlichen kausalen Zusammenhänge des Klimawandels Rawls' Position nicht mehr tragbar machen, wenn sie es jemals war (siehe z.B. Vanderheiden 2008)(9). >Klimakosten/Kosmopolitismus, >Klimakosten/Shue/Singer. Kosmopolitismus/Klimakosten/VsRawls/Nagel/Miller/Rawls: Rawls argumentierte, dass die sozialen Bindungen, die erforderlich sind, um eine vertragliche Theorie der Gerechtigkeit zu ermöglichen, wie die der "ursprünglichen Position" bei Verhandlungen, nicht über nationale Grenzen hinweg bestehen, und dass nur "geordnete Gesellschaften" - in der Praxis Nationen - plausibel an einen solchen Rechtsstandard gebunden sein könnten. Die Theorien von Nagel und Miller stellen aus leicht unterschiedlichen Gründen ähnliche Ansprüche.
VsRawls: (...) ein solches Argument scheitert, wenn der Status quo die Auferlegung erheblicher grenzüberschreitender Schäden durch Treibhausgasverschmutzung beinhaltet; jede Ablehnung von Ansprüchen der internationalen Justiz wird daher de facto zu einer Bestätigung des Rechts, Nichtbürgern Schaden zuzufügen, was Rawls faktisch nicht befürwortet hat. Und natürlich impliziert die Tatsache, dass die Atmosphäre, als Ressource betrachtet, nicht territorial gebunden ist (d.h. eine globale "Open-Access"-Ressource), die Notwendigkeit einer globalen Zusammenarbeit, die eine weitere Rechtfertigung für kosmopolitische Verpflichtungen darstellt (Vanderheiden 2008(9); Moellendorf 2009(10)).



1. Pogge, T. 2002. World Poverty and Human Rights. Cambridge: Polity Press.
2. Singer, P. 1972. Famine, affluence, and morality. Philosophy & Public Affairs 1: 229–43.
3. Caney, S. 2005b. Justice beyond Borders: A Global Political Theory. Oxford: Oxford University Press.
4. Beitz, C. R. 1979. Political Theory and International Relations. Princeton: Princeton University Press.
5. Moellendorf, D. 2002. Cosmopolitan Justice. Boulder, CO: Westview Press.
6. Rawls, J. 1999. The Law of Peoples. Cambridge, MA: Harvard University Press.
7. Miller, D. 1995. On Nationality. Oxford: Oxford University Press.
8. Nagel, T. 2005. The problem of global justice. Philosophy & Public Affairs 33: 113–47.
9. Vanderheiden, S. 2008. Atmospheric Justice: A Political Theory of Climate Change. Oxford: Oxford University Press.
10. Moellendorf, D. 2009. Global Inequality Matters. New York: Palgrave MacMillan.



Baer, Paul: “International Justice”, In: John S. Dryzek, Richard B. Norgaard, David Schlosberg (eds.) (2011): The Oxford Handbook of Climate Change and Society. Oxford: Oxford University Press.

Norgaard I
Richard Norgaard
John S. Dryzek
The Oxford Handbook of Climate Change and Society Oxford 2011
Kommunitarismus Walzer Mause I 198
Kommunitarismus/Walzer: stellt das Gemeinwesen über die Autonomie des Einzelnen. WalzerVsRawls: Walzer stellt keine Prinzipien auf. Annahmen wie die eines gesellschaftlichen Urzustands oder die Vorstellung von Individuen, die frei von historischen, politischen und sozialen Bezügen seien, seien zu abstrakt bzw. zu lebensfern.

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Liberalismus Kant Brocker I 670
Liberalismus/Staat/Kant: Kant hat Ethik und Recht vielleicht am konsequentesten vom Fluchtpunkt des guten Lebens abgekoppelt und sich stattdessen vollständig auf eine Theorie des Rechten, verstanden im Sinn der vernünftigen Verallgemeinerbarkeit von Handlungsmaximen, gestützt. Darauf baut Rawls mit seiner Theorie der Gerechtigkeit (1975) auf. Siehe Prinzipien/Rawls. SandelVsRawls, SandelVsKant: propagiert die Priorität einer Vorstellung des guten und gelingenden Lebens (Aristoteles‘ eudaimonia) als Ausgangspunkt. Siehe Liberalismus/Sandel. Siehe Recht/Begründung/Kant.


Markus Rothhaar, “Michael Sandel, Liberalism and the Limits of Justice” in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018
I. Kant
I Günter Schulte Kant Einführung (Campus) Frankfurt 1994
Externe Quellen. ZEIT-Artikel 11/02 (Ludger Heidbrink über Rawls)
Volker Gerhard "Die Frucht der Freiheit" Plädoyer für die Stammzellforschung ZEIT 27.11.03

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Liberalismus Sandel Brocker I 668
Liberalismus/Kommunitarismus/Sandel: Sandels Liberalism and the Limits of Justice gilt zusammen mit Alasdair MacIntyres After Virtue und Michael Walzers Sphären der Gerechtigkeit als Hauptwerk des Kommunitarismus. Sandel geht es allerdings eher um eine Abgrenzung vom Liberalismus Jahn Rawls, (und dessen Hauptwerk Theorie der Gerechtigkeit, (Theory of Justice, 1975)). SandelVsLiberalismus, SandelVsRawls.
Def Liberalismus/Rawls/Rothhaar: Rawls‘ Liberalismus wird meist dahingehend charakterisiert, dass er eine Priorität des “Rechten” vor dem “Guten” postuliert, wobei diese Begriffe für zwei verschiedene Möglichkeiten stehen, ethische und rechtliche Normen überhaupt zu begründen.
A. Teleologie: ethische Theorien, die auf das Gute bzw. ein gelingendes Leben (eudaimonia) abzielen,
Brocker I 669
werden meist teleologisch genannt. Normen/Werte: werden hier dadurch gerechtfertigt, dass durch sie ein gutes oder gelingendes Leben verwirklicht wird.
B. Recht/Richtigkeit/Ethik/Liberalismus: ethische Theorien, die auf das Rechte abheben, sind dagegen dadurch gekennzeichnet, dass Normen hier unabhängig von jeder Vorstellung eines guten Lebens begründet werden sollen. Der Begriff des „Rechten“ ergibt insofern nur Sinn als Gegenbegriff zu einer teleologischen Theorie der Normativität und kann überhaupt nur da auftreten, wo teleologische Theorien bereits fragwürdig geworden sind. Bsp
HobbesVsTeleologie: von Hobbes wird der Gedanke eines „höchsten Guts“ selbst zurückgewiesen.
Andere (liberale) Ansätze gehen von einer Pluralität von Konzeptionen eines guten Lebens aus.
Normen: werden in solchen Theorien des Rechten meist in Bezug auf die Verallgemeinerbarkeit von Handlungsregeln oder auf den Begriff der Freiheit ab.
Staat/Liberalismus: solche Theorien sprechen dem Staat normalerweise die Rolle zu, durch eine Rechtsordnung diejenigen Freiheitsspielräume zu garantieren, die sie benötigen, um ihre jeweilige Vorstellung vom Guten zu verfolgen.
Liberalismus/Rawls: hier geht es um die Priorität des Rechten vor dem Guten in einem zweifachen Sinn: a) auf der Begründungsebene, b) auf der Ebene des Staates und der Gesellschaft selbst.
SandelVsLiberalismus/SandelVsRawls: kritisiert vor allem die Priorität des Rechten auf der Begründungsebene: er kritisiert den „Anspruch, das die Prinzipien der Gerechtigkeit (…) zu ihrer Rechtfertigung nicht von einer besonderen Konzeption des guten Lebens (…) abhängen. (1)
Brocker I 676
SandelVsLiberalismus: der Liberalismus fordert, Staat und Politik so auszugestalten, also ob die Subjekte jene Momente der Gemeinschaftlichkeit hinter sich lassen, die ihre Identität ausmachen ((s) und sie quasi neu erfinden). Sandel: das muss fast unvermeidlich zu einem Unvergnügen an der Demokratie führen. (2)

1. Michael Sandel, Liberalism and the Limits of Justice, Cambridge/New York 1998 (zuerst 1982), S. x.
2. Vgl. M. Sandel Democracy’s Discontent. America in Search of a Public Philosophy, London/Cambridge 1996.


Markus Rothhaar, “Michael Sandel, Liberalism and the Limits of Justice” in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Sand I
Michael Sandel
The Procedural Republic and the Unencumbered Self 1984

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Politik Pettit Brocker I 858
Politik/Entpolitisierung/Pettit: Unter »depoliticization« (1) versteht Pettit die Distanzierung der politischen Entscheidungsfindung gegenüber einem emotionsgeladenen, moralisierenden und auf klischeehafte Vorurteile rekurrierenden Meinungskampf, in dem sich seiner Befürchtung nach nicht die gemeinwohlorientierten Überlegungen durchsetzen, sondern simple und polarisierende Plattitüden. Anstatt jedoch, in guter republikanischer Tradition, gerade dieses Abrücken von der Gemeinwohlorientierung in die strategische, effekthaschende Aufwiegelung als einen Prozess der »Entpolitisierung«, als einen bedenklichen Verlust an bürgerschaftlicher politischer Urteilskraft zu brandmarken, begreift Pettit die Entpolitisierung genau umgekehrt als eine Zähmung des geradezu gefürchteten Volkswillens durch eine von Experten ausgeübte Rationalitätsprüfung der Argumente, die im öffentlichen Meinungskampf kursieren und aufeinandertreffen. (2) ((s) PettitVsHabermas). ((s) >“Expertenregierung“, Technokratenregierung“, „Technische Kabinette“ Siehe auch Sartori). PettitVsRepublikanismus: Die republikanische Pointe, dass die »Politisierung« gerade das Maß für die Befähigung zur intuitiven wie bewussten Bezugnahme auf das Gemeinwohl angibt, teilt Pettit offenkundig nicht.
John P. McCormickVsPettit: bescheinigt Pettit in dieser Hinsicht despektierlich einen demokratievergessenen, institutionenzentrierten »senatorial move« und die Tendenz, den Problemhorizont der Pflege und Schärfung von politischer Urteilskraft der Bürgerinnen und Bürger, ein genuines und zentrales Anliegen republikanischen Denkens, zu vernachlässigen. (3)
RichterVsPettit: es gelingt Pettit nicht, die Spannung zwischen Staatsvertrauen und Herrschaftskritik, zwischen bürgerschaftlicher Partizipation und Elitenvertrauen , die er aufbaut, aufzulösen.
PettitVsRawls: siehe Gerechtigkeit/Pettit.


1. Philip Pettit, »Depoliticizing Democracy«, in: Ratio Juris 17/1, 2004 S. 53
2. Ebenda S. 63
3. John P. McCormick, »Republicanism and Democracy«, in: Andreas Niederberger/Philipp Schink (Hg.), Republican Democracy. Liberty, Law, and Politics, Edinburgh 2013, S. 108


Emanuel Richter, „Philip Pettit, Republicanism“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Pett I
Ph. Pettit
Just Freedom: A Moral Compass for a Complex World New York 2014

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Politik Sandel Brocker I 676
Politik/Prinzipien/SandelVsRawls/SandelVsKant/Sandel: Bezieht man die Dimension der Intersubjektivität mit ein, kann Politik nicht darin bestehen, einmal eine Reihe von Gerechtigkeitsprinzipien festzulegen, die dann für alle Zeiten gleichsam nur noch von Politik und Rechtsprechung verwaltet würden. Politik muss vielmehr in der ständigen, demokratischen Auseinandersetzung um das Gute des Gemeinwesens bestehen.
Brocker I 677
Damit steht Sandel in der Tradition des Aristotelismus bzw. des Republikanismus. (1) (RepublikanismusVsKant, RepublikanismusVsLiberalismus, AristotelesVsKant). HegelVsKant/Rothhaar: das ist auch ein Echo der Kritik Hegels an Kant: dieser vernachlässige die Intersubjektivität der Subjekte; für Kant sei das Subjekt letztlich am transzendentalen Subjekt ausgerichtet. (2) (Siehe Intersubjektivität/Sandel, Prinzipien/Rawls.)
Politik/Sittlichkeit/Sandel: Sandels Entwurf einer Politikphilosophie erinnert stark an das Konzept der “Sittlichkeit”, das Hegel in den Grundlinien der Philosophie des Rechts entwickelt. (3)
Der Raum des Politischen wäre dann der Raum der lebendigen Auseinandersetzung um das Gute und nicht ein Raum der apriorischen Formulierung von Gerechtigkeitsprinzipien.


1. Michael Sandel, Democracy’s Discontent. America in Search of a Public Philosophy, London/Cambridge Mass. 1996, S. 4-8.
2. Steven B. Smith, Hegel Critique of Liberalism. Rights in Context, London/Chicago 1991, S. 4.
3. Allen W. Wood, Hegel’s Ethical Thought, Cambridge/New York 1991, S. 202.


Markus Rothhaar, “Michael Sandel, Liberalism and the Limits of Justice” in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Sand I
Michael Sandel
The Procedural Republic and the Unencumbered Self 1984

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Politik Sunstein I 42
Politik/Sunstein: sollte Politik nach Umfrageergebnissen gemacht werden? Das Theorem von Condorcet lässt die Frage weniger sinnlos erscheinen, als sie auf den ersten Blick ist. (Siehe Entscheidungstheorie/Condorcet). Das gilt aber nur für Ja/Nein-Fragen innerhalb von Gruppen, deren Mitglieder höchstwahrscheinlich in ihrer Mehrheit richtig liegen. Das mag in Beratergremien in Unternehmen der Fall sein, oder in bestimmten Fachfragen, wenn ein Gremium von Experten befragt wird. Es würde aber nicht funktionieren, wenn man die Bevölkerung eines Landes, z.B. der USA fragen würde, ob das Kyoto-Protokoll unterzeichnet werden sollte.
I 44
In vielen Bereichen unterliegen Menschen systematischen Fehlern. Die Frage bleibt aber, ob Gruppendiskussionen helfen. (Siehe Demokratie/Sunstein). Funktionierende Demokratien delegieren bestimmte Fragen an Expertengremien. ((s) Siehe MorozovVsJarvis und MorozovVsShirky).
I 45
In einem Experiment in Colorado im Sommer 2005 wurden liberale und konservative Gruppen zusammengemixt, die einige Fragen diskutieren sollten wie die, ob die Vereinigten Staaten ein Klimaabkommen unterzeichnen sollten, oder ob Gleichberechtigung (affirmative action) benachteiligten Gruppen zustehen sollte. (1) Das Ergebnis war eindeutig: in fast jeder Gruppe waren die Positionen nach der Diskussionen extremer polarisiert, wobei die jeweiligen Ausgangspositionen der Gruppen in stärkerem Maße vertreten wurden.
I 46
Außerdem fanden die jeweiligen Lager zu größerer Homogenität.
I 49
Gruppendiskussion/John Rawls: These: Die Vorteile liegen in der Kombination von Information und der Vergrößerung der Reichweite von Argumenten. (2) SunsteinVsRawls: siehe oben.


1. See Reid Hastie, David Schkade, and Cass R. Sunstein, “What Really Happened on Deliberation Day?” (University of Chicago Law School, unpublished manuscript, 2006).
2. 8. John Rawls, A Theory of Justice (Cambridge, MA: Belknap Press, 1971), 358–59.

Sunstein I
Cass R. Sunstein
Infotopia: How Many Minds Produce Knowledge Oxford 2008

Sunstein II
Cass R. Sunstein
#Republic: Divided Democracy in the Age of Social Media Princeton 2017
Prinzipien Rawls I 4
Prinzipien/Gesellschaft/Rawls: 1. Jeder akzeptiert und weiß, dass die anderen Mitglieder der Gesellschaft dieselben Prinzipien der Gerechtigkeit akzeptieren.
2. Die grundlegenden sozialen Institutionen erfüllen diese Prinzipien uim allgemeinen und sind bekannt dafür, dass sie dies tun.
I 7
Prinzipien/Rawls: wir sind hier nur an allgemeinen Prinzipien der Gerechtigkeit der Gesellschaft als ganzer, nicht an solchen für spezielle oder private Gemeinschaften oder für nationenübergreifende Institutionen interessiert.
I 10/11
Prinzipien/Gerechtigkeit/Rawls: Prinzipien müssen am Anfang festgelegt werden. Unser Ausgangspunkt, die Situation der Gleichheit, der eine Wahl folgen soll, entspricht dem Naturzustand der traditionellen Theorien des Sozialvertrags, ist aber weder eine konkrete historische Situation noch eine primitive Kultur. Es ist eine rein hypothetische Situation, die zu einer bestimmten Verwirklichung von Gerechtigkeit führen soll.
I 41
Prinzipien/MillVsIntuitionismus/Mill/Rawls: Mill argumentierte, dass das Nützlichkeitsprinzip das einige oberste Prinzip sein könne, da es sonst keinen Schiedsrichter zwischen konkurrierenden Kriterien geben könne. (Mill, A System of Logic, bk VI, ch. XII, sec 7, und Utilitarianism, ch. V, paers.26-31). Prinzipien/Sidgwick: das Nützlichkeitsprinzip sei das einzige, das diese Rolle einnehmen kann. (Sidgwick, The Methods of Ethics, bk. IV chs. II und III).
Rawls: das ist, es, was die klassische Doktrin so attraktiv machte: dass sie das Problem der Prioritäten zu lösen versucht und den Intuitionismus vermeidet.
RawlsVsMill/RawlsVsSidgwick/RawlsVsUtilitarismus: wir müssen erkennen, dass es möglicherweise keinen Weg gibt, um die Pluralität der verschiedenen Prinzipien aufzulösen.
I 43
Prinzipien/Rawls: ich schlage vor, selbst bei der „lexikalischen Ordnung (dem stückweise Abarbeiten von Prinzipien nach einer äußerlichen Ordnung) das Prinzip der gleichen Verteilung von Rechten vorrangig vor dem Regeln von wirtschaftlichen oder sozialen Ungleichheiten zu behandeln.
I 61
Prinzipien/Gerechtigkeit/Rawls: vorläufige Formulierung: 1. Jede Person muss das gleiche Recht auf weitest gehende grundlegende Freiheit haben, soweit sie mit gleicher Freiheit für andere kompatibel ist.
2. Soziale und ökonomische Ungleichheiten sind so zu arrangieren, dass sie
a) vernünftig erwartbar zu jedermanns Vorteil sind und
b) mit Positionen und Verwaltungsvorgängen verknüpft sind, die von jedermann inne gehabt werden können.
Zeitlich werden die beiden Prinzipien nacheinander angewendet. Das bedeutet, dass ein Aufgeben des ersten Prinzips nicht durch größere soziale oder wirtschaftliche Vorteile aufgewogen werden kann.
I 62
Abweichungen von einer Gleichverteilung von sozialen Rechten oder wirtschaftlichen Vorteilen kann nur dadurch gerechtfertigt werden, dass dies für jedermann von Vorteil ist. ((s) Das ist eine Anlehnung an den Utilitarismus).
I 63
Die zeitliche Reihenfolge der Befolgung schließt auch aus, dass grundlegende Freiheiten gegen wirtschaftliche Vorteile eingetauscht werden können.
I 64
Ebenso bedeutet die zeitliche Reihenfolge der Prinzipien, dass von Personen immer nur in Form von Inhabern sozialer Rollen die Rede sein kann.
I 83
Prinzipien/Rawls: Neuformulierung des Zweiten Prinzips: Soziale und ökonomische Ungleichheit sind so zu arrangieren, dass sie a) den größten Nutzen für die am schlechtesten Gestellten und b) mit Verwaltungseinrichtungen und Positionen darin verknüpft sind, die allen unter Bedingungen einer fairen Chancengleichheit offen sind.
I 89
Ich gehe davon aus, dass die beiden Teile des Prinzips lexikalisch geordnet sind.
I 116
Prinzipien/Rawls: es ist nichts Inkonsistentes daran, dass Gerechtigkeit als Fairness unbedingte Prinzipien ermöglicht. Es genügt zu zeigen, dass die Parteien in der Ausgangssituation (einer zu errichtenden Gesellschaft) Prinzipien zustimmen, die die natürlichen Pflichten definieren, die dann unbedingt gelten. ((s)VsRawls: Widerspruch: Rawls sagt selbst, dass die natürlichen Pflichten Bsp nicht grausam zu sein, nicht Gegenstand von Vereinbarungen sind. (Siehe Rawls I 114).
I 250
Prinzipien/Gerechtigkeit/Rawls: Neuformulierung im Lichte der Berücksichtigung kontingenter individueller und historischer Ungleichheiten: Erstes Prinzip: Jede Person muss ein gleiches Recht auf das umfassendste System gleicher Grundrechte haben, dass mit einem gleichen System von Freiheit für alle kompatibel ist.
Prioritätsregel: die Prinzipien der Gerechtigkeit sind in lexikalischer Ordnung aufgebaut und daher kann Freiheit nur zum Wohl der Freiheit eingeschränkt werden. Hier gibt es zwei Fälle: a) eine weniger umfassende Freiheit muss die Freiheit des Gesamtsystem der Freiheit, das von allen geteilt wird, vergrößern, b) eine eingeschränkte Freiheit, muss für diejenigen akzeptierbar sein, die davon betroffen sind.
I 253
Prinzipien/Kategorischer Imperativ/Kant/Rawls: diese Prinzipien sind im Sinn von Kant ebenfalls Kategorische Imperative. Sie setzen keine bestimmten gesellschaftlichen Verhältnisse und keine individuellen Ziele voraus. Es wird nur ein Interesse an primären öffentlichen Gütern (z.B. Freiheit) vorausgesetzt. Die Präferenz für diese wiederum ist von allgemeinsten Annahmen über Rationalität und den Bedingungen des menschlichen Lebens hergeleitet.
I 302
Prinzipien/Rawls: endgültige Fassung für Institutionen/Rawls: die beiden Prinzipien der Gerechtigkeit (s.o.) plus Prioritätsregeln: 1. Prioritätsregel: die Prinzipien der Gerechtigkeit müssen in lexikalischer Reihenfolge abgearbeitet werden, sodass Freiheit nur zugunsten größerer Freiheit eingeschränkt werden darf. Zwei Fälle sind möglich: a) Eine eingeschränkte Freiheit muss das Gesamtsystem der Freiheiten stärken, die allen zugutekommen. b) Eine nicht gleiche Freiheit muss von denen akzeptiert werden können, die weniger Freiheiten genießen.
2. Prioritätsregel: (Gerechtigkeit geht vor Effizienz und Wohlstand): Das zweite Gerechtigkeitsprinzip ist lexikalisch vorrangig vor dem Prinzip der Effizienz und dem der Maximierung von Vorteilen,
I 303
Faire Chancengleichheit ist vorrangig gegenüber dem Differenzprinzip. Zwei Fälle sind möglich: a) Chancenungleichheit muss die Chancen der Benachteiligten vergrößern. b) Eine extreme Sparrate muss die Lasten der Betroffenen mindern. Allgemeine Konzeption: alle primären sozialen Güter (Freiheiten, Rechte, Einkommen, Wohlstand, die Voraussetzungen für Selbstachtung usw.) sind gleich zu verteilen, außer wenn eine ungleiche Verteilung einiger oder aller dieser Güter zum Vorteil der am wenigsten Begünstigen ist.
I 446
Prinzipien/Rawls: während die Prinzipien der Gerechtigkeit die sind, die in der Ausgangsposition gewählt werden, werden die Prinzipien der Rationalen Entscheidung oder der Rationalität gar nicht gewählt. Das führt zu der Unterscheidung zwischen dem Richtigen und dem Guten.

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005
Prinzipien Rescher Rawls I 317
Prinzipien/Gerechtigkeit/RescherVsRawls/Rescher: Statt des Differenzprinzips könnte man das Kriterium des Durchschnittsnutzens abzüglich eines Bruchteils der Standardabweichung setzen(Siehe N. Rescher, Distributive Justice (New York, 1966), pp. 35-38.) Damit wird stärker auf die Schwächeren Rücksicht genommen als beim Durchschnittsprinzip.

Resch I
Nicholas Rescher
The Criteriology of Truth; Fundamental Aspects of the Coherence Theory of Truth, in: The Coherence Theory of Truth, Oxford 1973 - dt. Auszug: Die Kriterien der Wahrheit
In
Wahrheitstheorien, Gunnar Skirbekk Frankfurt/M. 1977

Resch II
N. Rescher
Kant and the Reach of Reason: Studies in Kant’ s Theory of Rational Systematization Cambridge 2010

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005
Rawls Nozick Brocker I 674
Rawls/NozickVsRawls/Nozick: Rawls‘ Differenzprinzip laufe darauf hinaus, dass die Bessergestellten mit ihren Begabungen als bloßes Mittel zum Zweck der Verbesserung der sozialen und wirtschaftlichen Lage der Schlechtergestellten benutzt würden. Dies laufe aber dem deontologisch-kantianischen Anspruch zuwider. (1) Siehe Differenzprinzip/Sandel, SandelVsRawls.

1.Robert Nozick, Anarchie, Staat, Utopia, München 2006,(engl. 1971) S. 300f.


Markus Rothhaar, “Michael Sandel, Liberalism and the Limits of Justice” in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018


No I
R. Nozick
Philosophical Explanations Oxford 1981

No II
R., Nozick
The Nature of Rationality 1994

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Rawls Sandel Brocker I 673
Rawls/Subjekt/Individuum/Metaphysik/Subjektivität/Individualität/SandelVsRawls/Sandel: Sandel kritisiert an Rawls Konzeption eines angenommenen Ausgangszustands für eine zu errichtenden Gesellschaft (Siehe Schleier des Nichtwissens/Rawls, Reflexives Gleichgewicht/Rawls, Schleier des Nichtwissens/Sandel): 1. Rawls verfehlt sein eigenes Ziel, Kants praktische Philosophie frei von Metaphysik zu rekonstruieren und ohne spezifische Theorie des Subjekts zu reformulieren. Im Gegenteil, Rawls setzt eine spezifische Theorie des Subjekts voraus („gegenseitiges Desinteresse“, Subjektivität und Identität unabhängig von Zielen und Zwecken des Subjekts). (1) (Siehe Subjektivität/Sandel).
2. Dies führt zu einer Verarmung der Möglichkeiten menschlichen Selbstverständnisses in der politischen Gemeinschaft. (2)
3. Damit sei der Ansatz von Rawls schlicht falsch, da Menschen sich in dieser Weise überhaupt nicht verstehen können. (3)
4. Die Konzeption des Anfangszustands bei Rawls stehe im Widerspruch zu anderen Elementen seiner Theorie, insbesondere zum Differenzprinzip (siehe Differenzprinzip/Rawls) und zu seiner Vertragstheorie. (Siehe Vertragstheorie/Rawls). Siehe auch Differenzprinzp/Sandel, Rawls/Nozick.


1. Michael Sandel, Liberalism and the Limits of Justice, Cambridge/New York 1998 (zuerst 1982), S. 65
2. Ebenda S. 177
3. Ebenda S. 65.

Markus Rothhaar, “Michael Sandel, Liberalism and the Limits of Justice” in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Sand I
Michael Sandel
The Procedural Republic and the Unencumbered Self 1984

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Recht Kant Brocker I 670
Recht/Begründung/Kant: Kants Konzeption des Rechten beruht auf der Annahme eines transzendentalen Subjekts, dessen Befähigung zur moralischen Autonomie darin begründet liegt, dass es nicht Teil der von Naturgesetzen determinierten Erscheinungswelt ist und sich daher am Gedanken der Verallgemeinerbarkeit selbst orientieren kann, statt aufgrund seiner Neigungen, Triebe und Wünsche zu handeln. Transzendentales Subjekt/Kant: besitzt insofern rein formalen Charakter, als es weder bestimmte Inhaltliche Zwecke verfolgt, noch Präferenzen besitzt.
Subjektivität/Kant: diese Subjektivität ist frei und gleichwohl individuiert, als jedes transzendentale Subjekt sich rein auf sich selbst als Freiheitswesen bezieht.
RawlsVsKant: Rawls versucht, Kant ohne diese „metaphysischen“ (genauer gesagt transzendentalphilosophischen) Voraussetzungen zu reformulieren.
Brocker I 671
SandelVsRawls: dieser Versuch Rawls‘ scheitert, weil Rawls implizit eine Theorie des „Selbst“ zugrunde legen muss, die von Kants Theorie nicht wesentlich unterschieden ist. Kants Theorie und der deontologische Liberalismus sei nicht vor den Schwierigkeiten zu retten, die das kantische Subjekt mit sich bringt. (1) Transzendentales Subjekt/Rawls: Rawls „Schleier des Nichtwissens“ in einem angenommenen Ausgangszustand einer zu errichtenden Gesellschaft, bei dem die Menschen nicht wissen, welche Rolle sie später spielen werden, ist der Versuch, Kants transzendentales Subjekt ohne metaphysische Annahmen zu rekonstruieren. Siehe Schleier des Nichtwissens/Rawls.


1. Michael Sandel, Liberalism and the Limits of Justice, Cambridge/New York 1998 (zuerst 1982), S. 14.


Markus Rothhaar, “Michael Sandel, Liberalism and the Limits of Justice” in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018
I. Kant
I Günter Schulte Kant Einführung (Campus) Frankfurt 1994
Externe Quellen. ZEIT-Artikel 11/02 (Ludger Heidbrink über Rawls)
Volker Gerhard "Die Frucht der Freiheit" Plädoyer für die Stammzellforschung ZEIT 27.11.03

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Reziprozität Singer I 61/62
Ethik/Reziprozität/Vergeltung/Gleichheit/Platon/P. Singer: Platon lässt Glaukon im Staat sagen: Unrecht zu verüben ist von Natur aus gut, es zu erleiden aber schlecht, und zwar das Letztere in stärkerem Maße als das Erste. Also sollte, wer beides erlebt hat, dahin kommen, beides zu vermeiden.
I 62
Sokrates widerlegt diese Auffassung des Glaukon in dem Dialog. P. SingerVsRawls: Glaukons Auffassung findet sich aber bis heute im Werk von John Rawls und David Gauthier. Sie führt dazu, Tiere aus der Sphäre auszuschließen, für die unsere eigenen ethischen Maßstäbe gelten, da Tiere sich uns gegenüber nicht so verhalten können, wie wir uns ihnen gegenüber verhalten. Daher ist keine Reziprozität in unserem Verhältnis zu ihnen anzunehmen. Um mit diesem Problem umzugehen, müssen wir Erklärung und Rechtfertigung unterscheiden.


SingerP I
Peter Singer
Practical Ethics (Third Edition) Cambridge 2011

SingerP II
P. Singer
The Most Good You Can Do: How Effective Altruism is Changing Ideas About Living Ethically. New Haven 2015
Schleier des Nichtwissens Rawls I 136
Schleier des Nichtwissens/Gesellschaft/Rawls: hier geht es darum, kontingente Besonderheiten bei der Errichtung einer neuen Gesellschaftsform auszuschließen. Dazu sollen die Parteien im >Anfangszustand einer zu errichtenden Gesellschaft hinter einem Schleier des Nichtwissens verharren in Bezug auf Alternativen, die ihren eigenen individuellen Fall betreffen.
I 137
Das soll bewirken, dass die fraglichen Prinzipien aus allgemeinen Erwägungen heraus gewählt werden. Bestimmte Tatsachen sollen unbekannt sein: Niemand kennt seinen Platz in der Gesellschaft, seine Klassenzugehörigkeit oder seinen sozialen Status oder seine Ausstattung mit Güter, Intelligenz, Stärke usw. Selbst seine individuelle Psychologie wie die Neigung zu Optimismus oder Pessimismus, Risikofreude oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten Generation.
Bekannt sein sollen dagegen allgemeine Tatsachen über die menschliche Gesellschaft: die Menschen verstehen politische Probleme und wirtschaftliche Theorie, soziale Organisation und Gesetzmäßigkeiten der menschlichen Psyche.
I 138
Es soll keine Beschränkungen allgemeiner Information geben, d.h. über allgemeine Gesetze und Theorien. ((s) Rawls nimmt hier an, das es psychologische Gesetze, insbesondere Gesetze der Moralpsychologie gibt. – (DavidsonVsRawls: VsPsychologische Gesetze: siehe Anomaler Monismus/Davidson). Anfangszustand/Probleme/Rawls: es muss geklärt sein, dass Vorschläge zum Bereich zulässiger Alternativen gehören und allgemeine Konsequenzen vorgeschlagener Prinzipien müssen bekannt sein.
I 139
Der Anfangszustand ist keine Generalversammlung, das würde die Fantasie zu sehr strapazieren. Dagegen ist wichtig, dass es keine Rolle spielen darf, wer die Perspektive des Anfangszustands annimmt oder wann er es tut. Das ist es, was der Schleier des Nichtwissens gewährleisten soll: die verfügbare Information soll relevant aber zu allen Zeiten dieselbe sein. VsRawls: man kann einwenden, dass der Schleier irrational sei. RawlsVsVs: es geht darum, dass sichergestellt wird, dass jedermann durch dieselben Argumente überzeugt werden kann. Dann können Standpunkte von Personen zufällig herausgegriffen werden, die anderen Personen werden sich ebenso verhalten. Man kann zusätzlich einen Schiedsrichter annehmen, der ein Koalitionsverbot ausspricht, das ist aber letztlich überflüssig wenn man annimmt, dass die Beratungen der Parteien gleich verlaufen. Da niemand weitergehende Informationen hat, kann er die Situation nicht auf seinen persönlichen Vorteil hin ausrichten.
I 140
Einzige Ausnahme: ein Egoist könnte grundsätzlich verweigern, seine Ersparnisse der Nachwelt zur Verfügung zu stellen. Das könnte er beschließen, ohne weitere Informationen zu haben. Die Frage der Generationengerechtigkeit muss daher anderweitig in Angriff genommen werden.
I 141
Einhelligkeit/Übereinstimmung/Einstimmigkeit: im Anfangszustand geht es nicht um Übereinstimmung über konkrete zufällige Tatsachen (die sowieso nicht bekannt sind). Ansonsten könnten nur ganz triviale Probleme gelöst werden.
I 142
Durch den Schleier des Nichtwissens werden die beiden Prinzipien der Gerechtigkeit (Siehe Prinzipien/Rawls) dem Kriterium der Nützlichkeit vorgezogen.
I 143
Rationalität/Anfangszustand: auch im Anfangszustand, wo die Individuen nur ganz allgemeine Informationen haben, nehmen wir an, dass sie in Bezug auf primäre öffentliche Güter (Bsp Freiheiten, Infrastruktur usw.) bestrebt sind, eher mehr davon zu haben als weniger.
I 166
Schleier des Nichtwissens/Rawls: es gibt kein Problem mit der Annahme, dass Neuankömmlinge zu der Anfangssituation hinzustoßend, die natürlich weniger Information haben. Der Schleier des Nichtwissens tilgt jede Basis für die Unterscheidung verschiedener Informationsstände.

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005
Schleier des Nichtwissens Sandel Brocker I 672
Schleier des Nichtwissens/SandelVsRawls/Sandel: Rawls „Schleier des Nichtwissens“ in einem angenommenen >Ausgangszustand einer zu errichtenden Gesellschaft, bei dem die Menschen nicht wissen, welche Rolle sie später spielen werden, ist der Versuch, Kants transzendentales Subjekt ohne metaphysische Annahmen zu rekonstruieren. Siehe Schleier des Nichtwissens/Rawls. SandelVsRawls: Problem: auf welchem Weg kommen die Bedingungen des Urzustands zustande, wenn sie nicht wie bei Kant das Ergebnis einer transzendentalphilosophischen Reflexion auf die nichtempirischen Bedingungen der Möglichkeit von Freiheit sein sollen?
Rawls: geht von einem „gegenseitigen Desinteresse“ der Menschen im Urzustand aus.
Sandel: Frage: was ist das Kriterium für „Plausibilität“ bzw. „Vernünftigkeit“, das dieser Konstruktion eines Ausgangszustands zugrunde liegt? (1) Siehe Anfang/Sandel, Intersubjektivität/Sandel.
Brocker I 675
SandelVsRawls: hinter dem Schleier des Nichtwissens wird gar nicht verhandelt, da die von Rawls angenommenen Subjekte gar keine unterschiedlichen Interessen haben. Der „Vertragsschluss“ beruhe daher nicht auf einer freien Übereinkunft sondern – eigentlich ganz im kantischen Sinn – auf der Erkenntnis, was eine derart konzipierte praktische Subjektivität von vorneherein an Gerechtigkeitsprinzipien impliziert. (2) Siehe Vertragstheorie/Sandel.

1. Michael Sandel, Liberalism and the Limits of Justice, Cambridge/New York 1998 (zuerst 1982), S. 48.
2. Ebenda S. 130, 132.

Markus Rothhaar, “Michael Sandel, Liberalism and the Limits of Justice” in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Sand I
Michael Sandel
The Procedural Republic and the Unencumbered Self 1984

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Selbst Sandel Brocker I 676
Selbst/Sandel: Sandel These: für die Identität und Individualität von Subjekten ist deren jeweiliges Selbstverständnis als Mitglieder einer Gemeinschaft und Träger einer Geschichte, sowie ihre Überzeugungen davon, was für Menschen das Gute ausmacht konstitutiv. (1) SandelVsLiberalismus/SandelVsRawls: Pointe: wenn diese Momente der Gemeinschaftlichkeit nicht „besessen“ werden und damit letztlich äußerlich bleiben, sondern vielmehr die Identität von Subjekten ausmachen, dann können Menschen sie auch nicht „hinter sich lassen“, wenn sie den Raum des Politischen“ betreten.
SandelVsLiberalismus: der Liberalismus fordert, Staat und Politik so auszugestalten, also ob die Subjekte jene Momente der Gemeinschaftlichkeit hinter sich lassen, die ihre Identität ausmachen ((s) und sie quasi neu erfinden). Sandel: das muss fast unvermeidlich zu einem Unvergnügen an der Demokratie führen. (2)


1. Michael Sandel, Liberalism and the Limits of Justice, Cambridge/New York 1998 (zuerst 1982), S. 179
2. Vgl. M. Sandel Democracy’s Discontent. America in Search of a Public Philosophy, 1996.


Markus Rothhaar, “Michael Sandel, Liberalism and the Limits of Justice” in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Sand I
Michael Sandel
The Procedural Republic and the Unencumbered Self 1984

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Selektion Rawls I 426
Selektion/Evolution/Fähigkeiten/Aristotelisches Prinzip/Rawls: Def Aristotelisches Prinzip/Terminologie/Rawls: so nenne ich folgendes Prinzip: ceteris paribus genießen Menschen die Ausübung ihrer Fähigkeiten und zwar in umso höherem Maße, je stärker diese Fähigkeiten realisiert werden und je anspruchsvoller (komplexer) sie sind. (Vgl. Aristoteles, Nicomachean Ethics, bk. VIII, chs. 11-14, bk X. chs 1-5; Siehe W.F.R. Hardie, Aristote’s Ethical Theory, (Oxford, 1968), ch. XIV; G.C. Field, Moral Theory (London, 1932), pp.76-78; R. W. White, „Ego and Reality in Psychoanalytic Theory“,Psychological Issues, vol. III (1963), ch. III and pp. 173-175, 180f.)
I 429
Rawls: Das Prinzip formuliert eine Tendenz und zeigt kein Muster auf, wie eine Wahl zu treffen wäre.
I 431
VsRawls: Warum sollte das Aristotelische Prinzip wahr sein – RawlsVsVs: wir beobachten es an Kindern und höheren Tieren. Es scheint auch evolutionstheoretisch erklärbar zu sein. Die Selektion wird diejenigen Individuen ausgewählt haben, für die es gilt. (Siehe B. G. Campbell, Human Evolution (Chicago, 1966), pp. 49-53; W. H. Thorpe, Science, Man and Morals, (London, 1965), pp. 87-92; I. Eibl-Eibesfeldt, Ethology (New York, 1970), pp. 217-248.)

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005
Sklaverei Rawls I 167
Sklaverei/Durchschnittsnutzen/Rawls: gegen das Prinzip des Durchschnittsnutzens könnte man argumentieren, dass es von allen die gleiche Risikoakzeptanz verlangt. Da anfänglich niemals eine Situation bestand, in der alle Beteiligten dem zustimmen konnten, sei das Prinzip abzulehnen. Extremes Beispiel: Ein Sklavenhalter könnte anführen, dass in den Umständen seiner Gesellschaft die Institution der Sklaverei notwendig ist, um das größte durchschnittliche Glück zu produzieren. Weiterhin würde er argumentieren, dass er selbst in der Anfangssituation einer zu errichtenden Gesellschaft (in der alle Beteiligten hinter einem Schleier des Nichtwissens in Bezug auf ihre spätere Position in der Gesellschaft stehen) für Sklaverei votiert hätte mit dem Risiko, selbst als Sklave zu enden.
Rawls: das könnte man auf den ersten Blick als absurd ablehnen, man könnte denken, es macht keinen Unterschied, was er wählt; solange die Individuen einem Gerechtigkeitsbegriff zugestimmt haben, die mit realen Risiken behaftet ist, ist niemand an solche Erfordernisse gebunden.
Vertragstheorie/Rawls: wenn man die Sichtweise von Verträgen zugrunde legt, ist das Argument des Sklavenhalters jedoch korrekt: es wäre ein Fehler, wollten die Sklaven entgegnen, die Auseinandersetzung sei überflüssig, da es keine aktuale Wahlmöglichkeit gibt und keine gleiche Chancenverteilung. Die Vertragsdoktrin ist rein hypothetisch: wenn eine Version von Gerechtigkeit in der Anfangssituation gewählt würde, wären ihre Prinzipien die, die angewendet würden. Es ist kein Argument, dass ein solches Verständnis nicht intendiert war oder jemals intendiert werden würde. Wir können nicht beides haben: eine hypothetische Interpretation ohne konkrete Information über das Ergebnis
I 168
und später durch eine Neueinschätzung des Risikos Prinzipien verwerfen, die wir nicht mehr haben wollen. G. HarmanVsRawls/Rawls: Gilbert Harman wies mich darauf hin, dass ich selbst diesen Fehler gemacht hatte. Siehe G. Harman „Constitutional Liberty and the Concept of Justice“, Nomos VI: Justice, ed. C. J. Friedrich and J. W. Chapman, New York, 1963).
Lösung/Rawls: Die Theorie der Gerechtigkeit als Fairness wiederlegt das Sklavenhalter-Argument schon in der Anfangssituation. (Siehe auch Prinzipien/Rawls).
Hier haben wir nach der Theorie der Gerechtigkeit als Fairness die Möglichkeit, die zwei Prinzipien der Gerechtigkeit zu akzeptieren, dann können die Unwägbarkeiten umgangen werden: Vgl.

I 61
Prinzipien/Gerechtigkeit/Rawls: vorläufige Formulierung: 1. Jede Person muss das gleiche Recht auf weitest gehende grundlegende Freiheit haben, soweit sie mit gleicher Freiheit für andere kompatibel ist.
2. Soziale und ökonomische Ungleichheiten sind so zu arrangieren, dass sie
a) vernünftig erwartbar zu jedermanns Vorteil sind und
b) mit Positionen und Verwaltungsvorgängen verknüpft sind, die von jedermann inne gehabt werden können.

Damit können grundlegende Freiheiten garantiert werden.

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005
Subjektivität Sandel Brocker I 672
Subjektivität/SandelVsRawls/Sandel: Rawls setzt in seinem angenommenen Urzustand für eine zu errichtende Gesellschaft eine bestimmte Anthropologie voraus: bei Rawls ist die Identität von Subjekten nicht durch ihre sozialen Beziehungen bestimmt und ebenso wenig durch Intersubjektivität. Das hängt damit zusammen, dass zwischen den Subjekten in der angenommenen Ausgangssituation ein „gegenseitiges Desinteresse“ herrschen soll. (1)
Brocker I 673
Ziele/Zwecke: sollen nach Rawls ebenfalls nicht konstitutiv für die Identität eines Subjekt sein. Das Rawls‘sche Subjekt hat seine Ziele als etwas Äußerliches. Das wäre der „Begriff eines Subjekts des Besitzes, das vorgängig schon individuiert und vor seinen Zwecken gegeben ist.“ (2) Selbst/Rawls/Sandel: diesen Begriff eines Subjekts bezeichnet Sandel als den eines „ungebundenen Selbst“ (unencumbered self“). (3) Siehe Rawls/Sandel.


1. Michael Sandel, Liberalism and the Limits of Justice, Cambridge/New York 1998 (zuerst 1982), S. 48.
2. Ebenda S. 59
3. Michael Sandel “The Procedural Republic and the Unencumbered Self” in: Political Theory, 12/1 1984, p. 86.

Markus Rothhaar, “Michael Sandel, Liberalism and the Limits of Justice” in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Sand I
Michael Sandel
The Procedural Republic and the Unencumbered Self 1984

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Ungleichheit Rawls I 100
Ungleichheit/Rawls: es gibt ein Prinzip der Abhilfe für Individuen, die aufgrund ihrer natürlichen Ausstattung benachteiligt sind, zumindest z.B. für die ersten Schuljahre.
I 101
Meines Wissens aber ist dieses Prinzip niemals mehr gewesen als ein prima facie-Prinzip. (Siehe H. Spiegelberg, „A Defense of Human Equality“ Philosophical Review, vol 53, 1944, pp. 101, 113-123 – D. D. Raphael, „Justice and Liberty“, Proceedings of the Aristotelian Society, vol. 51, 1950-1951, pp. 187f.) Rawls: Das Prinzip der Abhilfe muss jedoch immer berücksichtigt werden, egal welche anderen Prinzipien wir befolgen.
Differenzprinzip/Rawls: sichert Ressourcen z.B. für die Förderung Benachteiligter. (Siehe Differenzprinzip/Rawls). Es hat dieselbe Intention wie das Prinzip der Abhilfe.
I 102
Die Grundstruktur (einer zu errichtenden Gesellschaft) kann so arrangiert werden, dass natürliche Ungleichheiten, die nicht geändert werden können, sich zum Wohl der am stärksten Benachteiligten auswirken. Natur/natürliche Verteilung/Rawls: ist weder gerecht noch ungerecht. Was gerecht oder ungerecht ist, sind die Institutionen, die mit dieser Verteilung umgehen. In der Gerechtigkeit als Fairness ((s) Rawls Ansatz) stimmen die Mitglieder zu, am Schicksal der anderen teilzunehmen.
I 103
VsRawls: nun könnte man einwenden, dass die Bevorzugten einen größeren Zuwachs für sich selbst erwarten, wenn sie dem Arrangement zustimmen sollten. RawlsVsVs: dabei wird aber schon ein Kooperationsschema vorausgesetzt.
I 104
Es ist niemandes Verdienst, durch natürliche Begabung oder Benachteiligung eine bestimmte Position in einer Gemeinschaft einnehmen zu können. Da daraus auch kein Recht auf ein bestimmtes Kooperationsschema mit Vorteilen für Bessergestellte folgt, ist es das Differenzprinzip, dass von allen akzeptiert werden kann. Der Begriff des Verdiensts kann hier einfach nicht angewendet werden.
I 171
Ungleichheit/Ökonomie/Wirtschaftswissenschaften/Mathematik/Rawls: wir dürfen den anhaltenden Effekt, den unsere individuellen Anfangsbedingungen, Begabungen und unser ursprünglicher Platz in der Gesellschaft haben, nicht unterschätzen und darauf vertrauen, dass mathematisch ansprechende Lösungen irgendwann für einen Ausgleich sorgen würden. Lösung/Rawls: unsere Prinzipien der Gerechtigkeit müssen Abhilfe schaffen (Siehe Prinzipien/Rawls).
I 226
Ungleichheit/Politik/Ökonomie/Rawls: These: die Effekte von Ungerechtigkeiten im politischen System sind viel schwerwiegender und langdauernder als Marktunregelmäßigkeiten. Politische Macht dehnt sich schnell aus und wird ungleichmäßig. Diejenigen, die daraus einen Vorteil ziehen, können sich leicht in Machtpositionen begeben, indem der Apparat der Staatsorgane und des Rechts ausgenutzt werden. Gleiches Wahlrecht ist kein sicheres Mittel dagegen. (Siehe F. H. Knight, The Ethics of Competition and Other Essays, New York, 1935.)

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005
Vertragstheorie Nussbaum Brocker I 900
Vertragstheorie/NussbaumVsRawls/Nussbaum: den vertragstheoretisch fundierten Ansatz von John Rawls, der grundlegende Ressourcen im Sinne von Grundgütern (»primary goods«) ausbuchstabiert, hält Nussbaum (…) letztlich nicht für überzeugend. Ein auf Ressourcen statt Fähigkeiten beruhender Ansatz könne besondere Ansprüche und Differenzen nicht adressieren. Nussbaum kritisiert in dieser Hinsicht Rawls’ kontextualistische Wende, durch die er seine Konzeption auf westliche Traditionskontexte beschränkt, als falsche Antwort auf Kritik (vgl. HonnethVsRawls, Honneth 1992)(1). Vgl. >Fähigkeiten/Nussbaum, >Fähigkeiten/Sen.

1 A. Honneth »Einleitung«, in: ders. (Hg.), Kommunitarismus. Eine Debatte über die moralischen Grundlagen moderner Gesellschaften, Frankfurt/M./New York 1993, 7-17.



Sandra Seubert, „Martha C. Nussbaum, Women and Human Development (2000)“, in:Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Vertragstheorie Sandel Brocker I 675
Vertragstheorie/Sandel: für die politische Philosophie der Neuzeit von Hobbes bis Kant ist der Vertragsgedanke nicht zuletzt deshalb so attraktiv, weil sich nach seinem Modell die Einrichtung von Staaten und Rechtsordnungen als Akt einer freien Übereinkunft von zuvor ungebundenen Individuen mit unterschiedlichen Interessen und Lebensplänen denken lässt. Entscheidend ist der formale Charakter des Verfahrens und die freie Zustimmung aller Beteiligten. SandelVsRawls: Rawls geht es aber nicht um die Rechtfertigung der Etablierung einer staatlichen und rechtlichen Ordnung überhaupt, sondern um die Rechtfertigung bestimmter inhaltlicher Prinzipien der Gerechtigkeit.
Problem: Rawls muss dann inhaltlich bestimmte Prinzipien mit einem rein formalen Kriterium rechtfertigen. Das gelingt ihm nur, indem er den Gedanken der Rechtfertigung durch Aushandlung zugunsten einer Herleitung der Prinzipien aus seiner impliziten Subjektivitätstheorie (siehe Subjektivität/Sandel) fallen lässt. Siehe Schleier des Nichtwissens/Sandel.
Der „Vertragsschluss“ beruhe daher nicht auf einer freien Übereinkunft sondern – eigentlich ganz im kantischen Sinn – auf der Erkenntnis, was eine derart konzipierte praktische Subjektivität von vorneherein an Gerechtigkeitsprinzipien impliziert. (1)


1. Michael Sandel, Liberalism and the Limits of Justice, Cambridge/New York 1998 (zuerst 1982), S. 130, 132.

Markus Rothhaar, “Michael Sandel, Liberalism and the Limits of Justice” in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Sand I
Michael Sandel
The Procedural Republic and the Unencumbered Self 1984

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018

Der gesuchte Begriff oder Autor findet sich in folgenden 6 Kontroversen:
Begriff/
Autor/Ismus
Autor Vs Autor
Eintrag
Literatur
VsRawlsVsRawls Habermas Vs Rawls, J. Rorty II 89
HabermasVsRawls: dieser benötigt eine Beweisführung aus transkulturell gültigen Prämissen für die Überlegenheit des liberalen Westens.

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981

Rorty I
Richard Rorty
Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997

Rorty II
Richard Rorty
Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000

Rorty II (b)
Richard Rorty
"Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (c)
Richard Rorty
Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (d)
Richard Rorty
Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (e)
Richard Rorty
Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (f)
Richard Rorty
"Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (g)
Richard Rorty
"Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty III
Richard Rorty
Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992

Rorty IV (a)
Richard Rorty
"is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty IV (b)
Richard Rorty
"Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty IV (c)
Richard Rorty
"Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty IV (d)
Richard Rorty
"Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty V (a)
R. Rorty
"Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983
In
Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998

Rorty V (b)
Richard Rorty
"Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984
In
Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988

Rorty V (c)
Richard Rorty
The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992)
In
Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988

Rorty VI
Richard Rorty
Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000
VsRawlsVsRawls Verschiedene Vs Rawls, J. Die ZEIT 11/02 Ludger Heidbrink: zu J. Rawls
Moral/Rawls: sieht in Hegel den Vorläufer seines eigenen "politischen Liberalismus".
HeidbrinkVsRawls: dieser unterschlägt, daß das Verfahren der prozeduralen Einigung die "kollektiven Zwecke" voraussetzt, die es begründen soll. (Zirkel).




VsRawlsVsRawls Mackie Vs Rawls, J. Stegmüller IV 206
Nächstenliebe/Rawls: ("Gerechtigkeit als Fairness"): Rawls fingiert, dass sich Wesen nicht von Sympathie, sondern nur von Selbstliebe leiten lassen, "rationale Egoisten".
IV 207
Rawls/Stegmüller: der "Schleier des Nichtwissens" geht auf J. Harsanyi zurück. VsUtilitarismus: die subjektiven Präferenzen sind zunächst gar nicht bekannt.
MackieVsRawls: dennoch kommt etwas ähnliches wie beim Utilitarismus heraus: jeder rationale Egoist nimmt wahrscheinlich zu recht an, dass er eher zur größeren Gruppe der Glücklichen als zur kleineren der Unglücklichen zählen wird und plant entsprechend Nachteile für "die anderen" ein.
Statt dessen: suche nach einem Kompromiss, der für jeden Beteiligten annehmbar ist.
Gesellschaft/MackieVsRawls: dieser Kompromiss ist nun aber mit U3, der dritten Stufe der Universalisierung identisch.
IV 208
RawlsVsMackie/Stegmüller: Rawls würde das nicht akzeptieren, denn sein Modell ist keine unmittelbare Handlungsanleitung. Def Moral im engeren Sinn/Mackie/Stegmüller: Beschränkung der Eigeninteressen der Handelnden

Macki I
J. L. Mackie
Ethics: Inventing Right and Wrong 1977
VsRawlsVsRawls Cavell Vs Rawls, J. I 31
RawlsVsPerfektionismus/RawlsVsEmerson: ungerechte Feier starker und erfindungsreicher Individuen auf Kosten der Schwachen. CavellVsRawls: zu sehr auf die soziale, kulturelle und politische Ordnung beschränkt. Er verlangt nur die Maximierung der je gegebenen Kultur und vergisst nach den Bedingungen zu fragen, damit überhaupt etwas als erfolgreiches kulturelles Engagement gelten kann.
I 32
CavellVsRawls: es ist nicht die Frage, wie wir immer mehr vom Gleichen bekommen können, sondern wie man Kultur überhaupt finden kann. Emerson: "Konversion der Welt" ~Finden zu wahren Zielen.
Def Selbst/Cavell: die Gründe und Bedingungen zu artikulieren, durch die die eigene Stellung in der Welt verständlich wird, heißt, ein Subjekt sein.

Cavell I
St. Cavell
Die Unheimlichkeit des Gewöhnlichen Frankfurt 2002

Cavell I (a)
Stanley Cavell
"Knowing and Acknowledging" in: St. Cavell, Must We Mean What We Say?, Cambridge 1976, pp. 238-266
In
Die Unheimlichkeit des Gewöhnlichen, Stanley Cavell Frankfurt/M. 2002

Cavell I (b)
Stanley Cavell
"Excursus on Wittgenstein’s Vision of Language", in: St. Cavell, The Claim of Reason, Wittgenstein, Skepticism, Morality, and Tragedy, New York 1979, pp. 168-190
In
Die Unheimlichkeit des Gewöhnlichen, Stanley Cavell Frankfurt/M. 2002

Cavell I (c)
Stanley Cavell
"The Argument of the Ordinary, Scenes of Instruction in Wittgenstein and in Kripke", in: St. Cavell, Conditions Handsome and Unhandsome: The Constitution of Emersonian Perfectionism, Chicago 1990, pp. 64-100
In
Die Unheimlichkeit des Gewöhnlichen, Davide Sparti/Espen Hammer (eds.) Frankfurt/M. 2002

Cavell II
Stanley Cavell
"Must we mean what we say?" in: Inquiry 1 (1958)
In
Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995
VsRawlsVsRawls Newen Vs Rawls, J. New I 157
Def gerecht/Grundordnung/Rawls/Newen: gerecht ist eine Grundordnung, wenn sich die Teilnehmer selbst unter fairen Bedingungen auf sie geeinigt haben. Urzustand/Gesellschaft/Rawls/Newen. Vorläufer: Hobbes, Locke, Rousseau.
Rawls:
1. Die Vertragspartner nehme eine endgültige Wahl einer Grundordnung vor
2. sie wählen die Ordnung aus einer Liste historisch Einflussreicher Kandidaten, die sie modifizieren können
3. die Vertragspartner denken zweckrational
4. sie haben die drei ranghöheren regulativen Interessen (s.o.).
5. sie verfügen über allgemeine wirtschaftliche und psychologische Kenntnisse
6. sie treffen ihre Wahl hinter dem Schleier des Nichtwissens: sie kennen ihren Platz in der Gesellschaft nicht.
I 158
Schleier des Nichtwissens/Rawls/Newen: Pointe: führt zu einer Befürwortung des Maximin-Prinzips. Grundsätze/Rawls/Newen: die beiden Grundsätze würde jemand befürworten, wenn ihm sein feind einen Platz zuweisen kann. (Rawls ThdG 233).
Newen: damit knüpft Rawls an Kant an.
I 159
Schleier des Nichtwissens/Rawls/Newen: wird schrittweise gelüftet, jeweils in Bezug auf Entscheidungen die auf einer Stufe bereits getroffen wurden. Gerechtigkeit/Gerechtigkeitstheorie/Rawls/Pogge/Newen: eine Gerechtigkeitskonzeption, die Menschen mit verschiedenen Weltanschauungen gemeinsam achten, braucht ihre eigene Wahrheitsfähigkeit weder zu behaupten noch zu bestreiten.
Rechtfertigung/Pogge: für sie genügt es, sie als die vernünftigste oder angemessenste für unsere politische Kultur auszuweisen. (Pogge, John Rawls, S. 173).
I 160
VsRawls/Newen: Menschen sind stärker durch Emotionalität geprägt, als Rawls glaubt. Sollten sehr stark emotional geprägt Menschen von der Ordnung ausgeschlossen werden?
I 161
VsRawls: er droht hinter die Verfahrensgerechtigkeit der Aufklärung zurückzufallen, die sicherstellt, dass im VerfassungsbildungsProzess alle Menschen unabhängig von Herkunft, Meinung, und Bildung gleichberechtigt mitbestimmen dürfen. VsRawls: dieser lässt die Möglichkeit einer "Gerechtigkeitsexpertokratie" offen.
UntilitarismusVsRawls/AufklärungVsRawls: diese halten die politische Autonomie auch von Nicht-Experten für vorrangig.
VsRawls: kann kein Konzept für die (inhomogene) Weltbevölkerung vorlegen.

New II
Albert Newen
Analytische Philosophie zur Einführung Hamburg 2005

Newen I
Albert Newen
Markus Schrenk
Einführung in die Sprachphilosophie Darmstadt 2008
VsRawlsVsRawls Verschiedene Vs Subjektivismus Stegmüller IV 177
VsSubjektivismus/Ethik/Stegmüller: dieser hat es schwer, wo die meisten Menschen Normen und Werte für objektiv verankert halten, so dass die Überzeugungen bereits Eingang in die Bedeutung moralischer Wörter gefunden haben.
IV 178
VsVs: das wäre ein "Metaethischer Fehlschluss": der Schluss von Überzeugungen auf deren Richtigkeit.
IV 216
Def Moral im weiten Sinn/Mackie/Stegmüller: besteht aus einer Lebenseinstellung und einem System von Verhaltensregeln, das sich jemand zu eigen macht. Kann von Person zu Person variieren. Def Moral im engeren Sinn/Mackie/Stegmüller: Beschränkung der Eigeninteressen der Handelnden. Nicht flexibel, da sie alles enthalten muss, was die Aufrechterhaltung der Kooperation erfordert.
Kernstück: "Minimalmoral". Begründungsfähig.
VsSubjektivsmus/Ethik/Stegmüller: zwei negative Eckpfeiler:
1. Hierarchie objektiver Normen
2. Unmögliche Wandelbarkeit der menschlichen Natur.

IV 242
ObjektivismusVsSubjektivismus/Ethik/Stegmüller: man könnte sagen, der Subjektivismus degradiere Normen zu einem "Bündel von Konventionen". VsVs: aber dem ist gerade nicht so:
SubjektivismusVsObjektivismus/Ethik/Mackie/Stegmüller: die Objektivisten machen sich die Sache zu einfach, wenn sie die Normen als objektive, vorgegebene Prinzipien betrachten.
Der Subjektivist steht vor so etwas wie einem Wunder: er muss erklären, wie solche Systeme überhaupt entstehen können!
1. welche menschlichen Überlegungen und Fähigkeiten erklären die Entstehung jener künstlichen Konventionen?
2. Wie werden sie aufrechterhalten?

IV 304
VsSubjektivismus/Moral: jemand könnte einwenden, dass der Subjektivismus nicht die Auslöschung einer Minderheit verhindert würde! Es bestehe ja keine Gefahr, von einem Mitglied der Minderheit getötet zu werden! (VsRawls).
IV 305
VsVs: 1. jeder Mensch ist Mitglied irgendeiner Minderheit. 2. die Minimalmoral setzt nur voraus, dass alle rationale Egoisten sind.
Moral/Ethik/Sympathie/Mackie: durch die Massenmedien erweitert sich der "Nahbereich" des Menschen, innerhalb dessen er zu Mitleid fähig ist.
IV 306
Minderheitenproblem/Mackie/Stegmüller: wenn es um Empirie geht, könnte man sich darauf berufen, dass alle Argumente gegen Menschen bestimmter Hautfarbe auf falschen empirischen Prämissen beruhen. Nun gibt es keine Garantie gegen Genozid, er hat ja stattgefunden! Kulturelle Leistungen können innerhalb kürzester Zeit vernichtet werden.
IV 307
Moralbegründung/Stegmüller: Motive sind janusköpfig: von innen gesehen sind sie Erklärungen,
von außen betrachtet sind sie Ursachen.
Die Begründung, die wir erreicht haben, lässt sich auch nicht auf alle Prinzipien der Moral im engeren Sinne anwenden. Das ist aber kein Mangel des Begründungsbegriffs selbst. Das Normengeflecht soll nur so etwas wie einen Rahmen angeben.