Lexikon der Argumente


Philosophische Themen und wissenschaftliche Debatten
 
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Begriff/
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Literatur
Bourgeois/Citoyen Hegel, G. W. F. Mause I 47
Bourgeois/citoyen/HegelVsRousseau/Hegel: Hegel bietet eine Lösung des in dem Rollenkonflikt von bourgeois und citoyen aufgeworfenen Problems des Verhältnisses von Politik und Wirtschaft an, das vom Standpunkt des Eigentumsrechtsschutzes und bezüglich der Frage nach der Transformation des bourgeois zum citoyen befriedigender ausfällt, als diejenige Rousseaus. Liberale Eigentumsrechte werden bei Hegel aufgrund ihrer intrinsischen Vernünftigkeit staatlich garantiert, und die republikanische Identifikation des Bürgers mit dem politischen Gemeinwesen erfolgt durch institutionell abgesicherte Prozesse der „Bildung“ (1), in denen die Bürger die Fähigkeit gewinnen, über die Grenzen ihrer Privatinteressen hinauszublicken und sich als Teile eines sittlichen Ganzen zu erkennen.

1.G.W.F. Hegel, Grundlinien der Philosophie des Rechts oder Naturrecht und Staatswissenschaft im Grundrisse. Werke 7, Hrsg. Eva Moldenhauer und Karl Markus Michel, Frankfurt a. M. 1989, S. 343-345.

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Bourgeois/Citoyen Marx Mause I 49
Bourgeois/citoyen/MarxVsHegel/Marx: Der „politische Staat“ (Marx 1956b, S.351), der der „bürgerlichen Gesellschaft“ (1) historisch zu ihrer Durchsetzung verhalf, ist der bloße Garant dieser atomistischen Gesellschaft des egoistisch seine Privatinteressen verfolgenden bourgeois, dessen Rechte er in Gestalt der liberalen Grund- und Menschenrechte schützt (2). Damit konserviert er jene bourgeoise Existenzweise des (…) von seinem „Gattungswesen“ (3) als Mensch entfremdeten, isolierten Individuums, das in Seinesgleichen nicht die kommunitäre Verwirklichungschance, sondern die Schranke seiner Freiheit sieht. Der citoyen ist nichts als die idealisierte Projektion dieser entfremdeten Gattungswesenheit, und der Staat, der sich dieser Idealisierung gemäß als republikanischer Verwirklichungsraum dieses citoyen präsentiert, erweist sich in Wahrheit als Instrument zur Stabilisierung der bürgerlichen Gesellschaft und der Konkurrenz ihrer Mitglieder. Unter den historischen Bedingungen der bürgerlichen Gesellschaft bleibt daher der citoyen immer dem bourgeois untergeordnet, und ebenso erscheint das Verhältnis von Politik und Wirtschaft in Gestalt einer Zweck-Mittel-Verkehrung.
Republikanismus/MarxVsRousseau, MarxVsHegel: Das von Rousseau wie von Hegel projektierte republikanische Ziel ist also für Marx innerhalb der Grenzen der bestehenden Wirtschaftsform nicht zu erreichen.


1. K. Marx, Zur Judenfrage. In Marx Engels Werke, Bd.  1 (MEW 1), Hrsg. Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED, Berlin 1956, S. 354-356,366-370.
2. Ebenda S. 361-367
3. Ebenda S 366,370.

Marx I
Karl Marx
Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Demokratie Böckenförde Brocker I 782
Demokratie/Böckenförde: die repräsentative Demokratie ist nicht nur die im Flächenstaat aus technischen Gründen gebotene Form, sondern auch die aus legitimationstheoretischen Gründen überlegene Form gegenüber einer direkten Demokratie (BöckenfördeVsRousseau). Siehe Legitimation/Böckenförde. BöckenfördeVsDirekte Demokratie: die Vorstellung einer unverstellten, nicht durch Verfahren beeinflussten Ermittlung des Volkswillens ist für ihn irreführend, da sie an der Realität politischer Handlungszusammenhänge vorbeigeht. Auch bei direktdemokratisch getroffenen Sachentscheidungen kommt es auf die jeweiligen Verfahren an. In jedem Fall bedarf es der Organisation von Herrschaft. (1)
Entscheidung/Böckenförde: jede politische Entscheidungsfindung ist auf Verfahren angewiesen.
Brocker I 783
Demokratie/Volk/Schmitt/Böckenförde: an Carl Schmitt lehnt Böckenförde den Gedanken an, dass die Demokratie auf das Volk als eine politische Gemeinschaft verweist. (2) Einheit/Volk/Hermann Heller/Böckenförde: mit Heller kommt Böckenförde zu der These: eine Wirkungs- und Handlungseinheit, die eine Gruppe von Menschen verbindet, kommt durch Organisationsvorgänge zustande, die erst die vielfachen menschlichen Handlungen und Verhaltensweisen in einer bestimmten Weise ausrichten, koordinieren und in ein Handlungsgefüge bringen. (3) Dabei gehen die Staatsorgane (Heller spricht von „leitenden Organen“ ((s) Quelle nicht angegeben)) die den vielen gewissermaßen vorangehen. (4)
Das bedeutet, dass in der Demokratie das Volk nur mittels einer Herrschaftsorganisation herrschen kann.
Macht/Hermann Heller/Böckenförde: Heller: „Jede Organisation bedarf (…) einer Autorität und alle Machtausübung unterliegt dem Gesetz der kleinen Zahl; immer müssen diejenigen, welche die organisatorisch vereinigten Machleistungen aktualisieren, über ein
Brocker I 784
Gewisses Maß an Entscheidungsfreiheit und damit demokratisch nicht gebundener Macht verfügen.“ (H. Heller, zit. (5)) Problem: diejenigen, die Leitungsgewalt innehaben, müssen dem Volk verantwortlich und an demokratische Kontrolle gebunden sein. (6)
Demokratie/Böckenförde: ist eine anspruchsvolle Ordnungsform, insofern sie auf Voraussetzungen beruht, die der Verfassung vorausgehen und nicht selbstverständlich sind.
Volk/Böckenförde: muss von „Homogenität“ getragen werden d.h. es muss eine "Gleichartigkeit“ vorhanden sein, die „durch gemeinsame Religion, gemeinsame Sprache und Kultur, gemeinsames politisches Bekenntnis gegeben sein“ kann. (7)
Homogenität/BöckenfördeVsSchmitt: Böckenförde versteht Homogenität nicht als Gegenbegriff zu Pluralität wie es Carl Schmitt im Nationalsozialismus vertreten hat. (Siehe Demokratie/Schmitt).
VsBöckenförde: nach Kritik seiner Wortwahl änderte Böckenförde den Begriff der „Gleichartigkeit“ in den der „Gemeinsamkeit“. Hierzu verfasst er eine erläuternde Anmerkung. (8)
Relative Homogenität/Lösung/Böckenförde: die wirtschaftlich-sozialen Unterschiede dürfen nicht so extrem sein, dass es zu unüberbrückbaren Interessengegensätzen kommt. Daher kommt dem Staat eine die Marktbeziehungen moderierende Funktion zu. Siehe Bürger/Böckenförde.


1. Ernst-Wolfgang Böckenförde, Staat – Verfassung – Demokratie. Studien zur Verfassungstheorie und zum Verfassungsrecht, Frankfurt/M. 1992 (zuerst 1991), S. 382-386
2. Ebenda S. 332
3. Ebenda S. 386
4. Ebenda S. 387
5. Ebenda S. 387
6. Ebenda S. 388
7. Ebenda S. 333
8. Ernst-Wolfgang Böckenförde „Demokratie als Verfassungsprinzip“, in: Josef Isensee/Paul Kirchhof (Hg.) Handbuch des Staatsrechts der Bundesrepublik Deutschland, Bd 2. Heidelberg 2004 S. 461, FN 106

Tine Stein, „Ernst-Wolfgang Böckenförde, Staat – Verfassung- Demokratie“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Böckenf I
Ernst-Wolfgang Böckenförde
Staat, Gesellschaft, Freiheit. Studien zur Staatstheorie und zum Verfassungsrecht Frankfurt 1976

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Freiheit Rousseau Rawls I 264
Freiheit/Rousseau/Rawls: Rousseau unterschied zwischen Sklaverei und Freiheit wie folgt: Vom Appetit allein regiert zu werden, ist Sklaverei, während Gehorsam gegenüber einem Gesetz, das man sich selbst auferlegt hat, Freiheit ist. (J.-J. Rousseau, The Social Contract, bk. I. ch. viii). KantVsRousseau/Rawls: Kant versuchte, Rousseaus Begriff vom Allgemeinen Willens ( volonté generale, Gemeinwille) eine philosophische Fundierung zu geben. (Siehe L. W. Beck, A Commentary on Kant’s Critique of Practical Reason, Chicago, 1960, pp.200, 235f; E. Cassirer, Rousseau, Kant and Goethe, Princeton, 1945, pp. 18-25, 30-35,58f.)

Rousseau I
J. J. Rousseau
The Confessions 1953

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005
Gesellschaftsvertrag Rousseau Wilson I 24
Gesellschaftsvertrag/Rousseau/Wilson, E. O.: Rousseau hatte in seinem Gesellschaftsvertrag die Parole „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ ausgegeben. E. O. WilsonVsRousseau: gleichzeitig hatte er die fatale Abstraktion es „Gemeinwillens“ erdacht, um diese Ziele durchzusetzen. Dieser Gemeinwille, schrieb er, formiere sich zu einer „sittlichen Gesetz, welches objektiv gerechtfertigt“ sei, da es das einzige Interesse des „vernünftigen Willens freier Individuen“ sei, dem Wohlergehen der Gesellschaft und jedes ihrer Mitglieder zu dienen.
Dieser Gesellschaftsvertrag sollte “gleiche Bedingungen für alle“ schaffen. „Jeder von uns stellt gemeinschaftlich seine Person und seine ganze Kraft unter die oberste Leitung des allgemeinen Willens, und wir nehmen jedes Mitglied als untrennbaren Teil des Ganzen auf.“
Wilson: Wer sich diesem Gemeinwillen nicht fügen wollte, galt als Abweichler und musste sich der durch die Versammlung ausgeübten „notwendigen Gewalt“ stellen.


Rousseau I
J. J. Rousseau
The Confessions 1953

WilsonEO I
E. O. Wilson
Consilience: The Unity of Knowledge New York 1998
Gesellschaftsvertrag Wilson I 24
Gesellschaftsvertrag/Rousseau/Wilson, E. O.: Rousseau hatte in seinem Gesellschaftsvertrag die Parole „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ ausgegeben. E. O. WilsonVsRousseau: gleichzeitig hatte er die fatale Abstraktion des „Gemeinwillens“ erdacht, um diese Ziele durchzusetzen. Dieser Gemeinwille, schrieb er, formiere sich zu einer „sittlichen Gesetz, welches objektiv gerechtfertigt“ sei, da es das einzige Interesse des „vernünftigen Willens freier Individuen“ sei, dem Wohlergehen der Gesellschaft und jedes ihrer Mitglieder zu dienen.
Dieser Gesellschaftsvertrag sollte “gleiche Bedingungen für alle“ schaffen. „Jeder von uns stellt gemeinschaftlich seine Person und seine ganze Kraft unter die oberste Leitung des allgemeinen Willens, und wir nehmen jedes Mitglied als untrennbaren Teil des Ganzen auf.“
Wilson: Wer sich diesem Gemeinwillen nicht fügen wollte, galt als Abweichler und musste sich der durch die Versammlung ausgeübten „notwendigen Gewalt“ stellen.

WilsonEO I
E. O. Wilson
Consilience: The Unity of Knowledge New York 1998
Legitimation Böckenförde Brocker I 782
Legitimation/Recht/Staat/Böckenförde: „Legitimationsketten-Theorie“: These: im demokratischen Staat muss jede Sach- oder Personalentscheidung in einer Kette auf den bei Wahlen verbindlich geäußerten Willen des Volkes zurückgeführt werden können. (1) Diese Kette kann zwar lang sein, sie darf aber nicht unterbrochen werden. (2) BöckenfördeVsRousseau: damit betont Böckenförde zwar das Prinzip der Volkssouveränität (3), nicht aber ein direkt-demokratisches Verständnis, für das das Idealbild einer Identität von Regierten und Regierung im Rousseau‘schen Sinne leitend ist. Siehe Demokratie/Böckenförde.


1. Ernst-Wolfgang Böckenförde, Staat – Verfassung – Demokratie. Studien zur Verfassungstheorie und zum Verfassungsrecht, Frankfurt/M. 1992 (zuerst 1991), S. 299
2. Ebenda S. 302
3. Ebenda S. 291

Tine Stein, „Ernst-Wolfgang Böckenförde, Staat – Verfassung- Demokratie“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Böckenf I
Ernst-Wolfgang Böckenförde
Staat, Gesellschaft, Freiheit. Studien zur Staatstheorie und zum Verfassungsrecht Frankfurt 1976

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Menschen Fukuyama Brocker I 808
Mensch/Anerkennung/Geschichte/FukuyamaVsHobbes/FukuyamaVsLocke/FukuyamaVsRousseau//Fukuyama: Fukuyama These: Geschichte kann letztlich zwar als Fortschritt in Richtung auf die Durchsetzung von Demokratien verstanden werden, der letztliche Antriebsmotor für den Menschen ist jedoch sein eigener, individueller Kampf um Anerkennung (siehe Anerkennung/Fukuyama, Universalgeschichte/Fukuyama). Zentrales Charakteristikum des Menschen ist für Fukuyama die Fähigkeit, aus Prestigegründen sein Leben zu opfern.
Brocker I 809
Freiheit/Fukuyama: These: nur wer den Willen habe, allein für Prestige zu sterben, zeige, dass er die Fähigkeit besitzt, sich wirklich frei zu entscheiden, d.h. sich gegen seine natürlichen Bedürfnisse und gegen seinen Instinkt entscheiden zu können. In der liberalen Demokratie, in der der Kampf um Anerkennung weitgehend verwirklicht ist, gibt es wenig soziale Unterschiede. Die menschliche Entwicklung
Brocker I 810
Ist abgeschlossen. Der Typus Mensch, der entstanden ist, ist der letzte seiner Art („Last Man“/Fukuyama). Problem: dieser Staat birgt neue Probleme, z.B. die Langeweile (Fukuyama greift hier auf Nietzsche zurück). Menschen rebellieren dagegen, undifferenzierte Mitglieder eines universellen und homogenen Staates zu sein. Die gegenseitige Anerkennung der Menschen führt zu einem Wertrelativismus, der zu einer Auflösung einer festen Bindung an Tradition, Autorität und gemeinschaftsbildende Werte führt.

Anja Jetschke, „Francis Fukuyama, Das Ende der Geschichte“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

PolFuku I
Francis Fukuyama
The End of History and the Last Man New York 1992

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Parlamentarismus Kelsen Brocker I 132
Parlamentarismus/Kelsen: Versteht man das Parlament als Stellvertretung des Volkes, wird Letzteres als vorgegeben angesehen, wo es doch gerade erst durch die Arbeit des Parlaments und der Parteien zur handlungsfähigen Einheit organisiert wird. Ideologisch machte die Idee der Repräsentation im Kampf gegen die Autokratie Sinn und kehrt sich nun gegen die Demokratie, wenn aus dieser Idee beispielsweise das Modell der berufsständischen Vertretung abgeleitet wird (…). >Demokratie/Kelsen. Kelsens Annahme, dass das Volk vor der parlamentarischen Einigung politisch nicht existiert (Vgl. >Volk/Kelsen), stützt sich auch auf die schlichte Beobachtung, dass es praktisch niemals Konsensentscheidungen gegeben hat, die Bevölkerung sich vielmehr in ihren Meinungen immer nach Mehrheit und Minderheit (bzw. Minderheiten) differenziert und daher die Einigung immer nur in Gestalt des Kompromisses gefunden werden kann.(1)
Brocker I 135
KelsenVsSchmitt/KelsenVsSmend/Llanque: Kelsen wird hauptsächlich als derjenige Autor gesehen, der inmitten der Mehrzahl der demokratiekritischen Staatslehrer der Weimarer Republik klar zu den Anhängern der parlamentarischen Demokratie gerechnet werden kann (Groh 2010)(2). Er hat scharfe Kritiken an Gegnern in dieser Debatte veröffentlicht, darunter Rudolf Smend und Carl Schmitt. Einigen gilt Kelsen auch als deutlichste Gegenposition zu Schmitt (Diner/Stolleis 1999(3); Dreier 1999(4)). KelsenVsRousseau: anders als Rousseau, der den Parlamentarismus ablehnt (RosseauVsParlamentarismus), erklärt Kelsen den Parlamentarismus als Form der Arbeitsteilung.


1. Hans Kelsen, »Vom Wesen und Wert der Demokratie«, in: Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik 47, 1920/1921, 50-85 (Separatdruck: Tübingen 1920). Erweiterte Fassung: Hans Kelsen, Vom Wesen und Wert der Demokratie, Tübingen 1929 (seitenidentischer Nachdruck:Aalen 1981), S. 57
2. Kathrin Groh, Demokratische Staatsrechtslehrer in der Weimarer Republik. Von der konstitutionellen Staatslehre zur Theorie des modernen demokratischen Verfassungsstaates, Tübingen 2010
3. Dan Diner & Michael (Hg.) Hans Kelsen and Carl Schmitt. A Juxtaposition, Gerlingen 1999
4. Horst Dreier »The Essence of Democracy: Hans Kelsen and Carl Schmitt Juxtaposed«, in: Dan Diner/Michael Stolleis (Hg.), Hans Kelsen and Carl Schmitt. A Juxtaposition, Gerlingen 1999, 71-79



Marcus Llanque, „Hans Kelsen, Vom Wesen und Wert der Demokratie“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Staat Hegel, G. W. F. Mause I 47
Staat/Gesellschaft/Hegel: Hegel rekonstruiert das Verhältnis der sozialen Ordnung des Marktes zur politischen Ordnung des konstitutionell-monarchischen Staates im Rahmen einer Theorie moderner „Sittlichkeit“ (1), die er anhand der drei institutionalisierten Sozialisations- und Handlungssphären der „Familie“, der „bürgerlichen Gesellschaft“ und des „Staates“ beschreibt. (2)
I 48
Bürgerliche Gesellschaft/Hegel: diese bezeichnet Hegel als „Not- und Verstandesstaat“ (3), den er vom „Staat“ als „Wirklichkeit der sittlichen Idee“ (4), also vom ‚Staat‘ des dritten Sittlichkeits-Abschnitts, unterscheidet. (5) HegelVsRousseau: Hegel rekonstruiert den monarchisch-konstitutionellen Staat als überindividuellen sittlichen Kommunikations- und Sinnzusammenhang zu rekonstruieren und damit das republikanische Primat der Politik über die Wirtschaft. MarxVsHegel, Staat/Marx.


Brocker I 794
Staat/Hegel/HonnethVsHegel/Honneth: anstatt die sittliche Sphäre des Staates als ein intersubjektives Verhältnis reziproker Anerkennungsakte zu begreifen (siehe Intersubjektivität/Hegel), behandelt Hegel in seinen späteren Schriften den Staat so, als sei dieser eine vor aller Interaktion immer schon bestehende Entität. Konsequenterweise seien es nur mehr die vertikal gedachten Beziehungen, die die Individuen „zur übergeordneten Instanz des Staates“ als „der Verkörperung des Geistes“ unterhalten, „die in seinem Ansatz unversehens die Rolle übernehmen, die in einem anerkennungstheoretischen Konzept der Sittlichkeit doch eigentlich bestimmte, höchst anspruchsvolle Formen der wechselseitigen Anerkennung hätten spielen müssen“. (6) Lösung/HonnethVsHegel: daraus ergibt sich die Aufgabe, Hegels spekulative Kategorien durch erfahrungswissenschaftliche Konzepte zu ersetzen und damit
Brocker I 795
„empirisch kontrollierbar“ zu machen. (7)

Hans-Jörg Sigwart, „Axel Honneth, Kampf um Anerkennung“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018


1.G. W. F. Hegel Grundlinien der Philosophie des Rechts oder Naturrecht und Staatswissenschaft im Grundrisse. Werke 7, Hrsg. Eva Moldenhauer und Karl Markus Michel, Frankfurt a. M. 1989, S. 292.
2.Ebenda S. 307.
3.Ebenda S. 340
4.Ebenda S. 389
5.Vgl. K. Löwith, Von Hegel zu Nietzsche. Der revolutionäre Bruch im Denken des neunzehnten Jahrhunderts, Hamburg 1986, S 261-264.
6. Axel Honneth, Kampf um Anerkennung. Zur moralischen Grammatik sozialer Konflikte, mit einem neuen Nachwort, Frankfurt/M. 2014 (zuerst 1992) S. 98
7. Ebenda S. 150

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Toleranz Rawls I 214
Toleranz/Toleration/Rawls: Das charakteristische Merkmal von Argumenten für Bewusstseinsfreiheit und Gedankenfreiheit ist, dass sie nur auf einem Begriff von Gerechtigkeit basiert sind. Toleranz wird nicht von praktischen Notwendigkeiten oder Staatsräson hergeleitet. Moral und Religionsfreiheit folgen aus dem Prinzip der gleichen Freiheiten für alle. Eine Begrenzung kann nur damit begründet werden, dass sonst größeres Unrecht oder ein Verlust an Freiheit folgen würde. Argumente für Freiheit leiten sich nicht von speziellen metaphysischen oder philosophischen Doktrinen her. Sie setzen auch nicht voraus, dass alle Wahrheiten auf eine Weise gedanklich hergeleitet werden können, die dem Common Sense entsprechen; auch nicht, dass alles in einem definierbaren Sinn eine logische Konstruktion aus beobachtbaren rationalen wissenschaftlichen Untersuchungen ist. Es wird tatsächlich an den Common Sense appelliert, aber ohne diese weiteren Annahmen.
I 216
Toleranz/Locke/Rousseau/Th. Von Aquin/Aquinas/Rawls: Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen Rousseau und Locke, die für begrenzten Toleranz eintraten, und Th v. Aquin und den protestantischen Reformern, die dies nicht taten. (Für die protestantischen Reformer siehe J.E.E.D. Acton, „The Protestant Theory of Persecution“ in The History of Freedom and Other Essay, London, 1907; Für Locke siehe J. Locke, A Letter Concerning Toleration, incl. The Second Treatise of Government, ed. J. W. Gough, Oxford, 1946, pp. 156-158.). Locke und Rousseau begrenzten die Freiheit auf der Grundlage dessen, was sie als klare und offensichtliche Konsequenzen der öffentlichen Ordnung hielten. Wenn Katholiken und Atheisten nicht zu tolerieren waren, dann deshalb, weil es offensichtlich erschien, dass man sich nicht darauf verlassen konnte, dass solche Leute sich an die Grenzen der Zivilgesellschaft hielten.
RawlsVsLocke/RawlsVsRousseau: Vielleicht hätte ein größerer historischer Überblick die beiden davon überzeugt, dass sie sich irrten.
Intoleranz/Protestanten/Th. v. Aquin/Aquinas/Rawls: für Thomas und die protestantischen Reformer sind die Gründe der Intoleranz dagegen selbst im Glauben verwurzelt. Das ist ein entscheidender Unterschied, dann in diesem Moment können sie nicht mehr mit empirischen Argumenten widerlegt werden.
Intoleranz/Rawls: muss sie toleriert werden? Bsp Einige politische Parteien in demokratischen Staaten würden verfassungsrechtliche Freiheiten einschränken, wenn sie die Macht hätten. Bsp Es gibt Menschen, die Positionen an Universitäten innehaben, und die gleichzeitig intellektuelle Freiheiten ablehnen. Es könnte scheinen, dass die Toleranz gegenüber diesen im Widerspruch zu den Prinzipien der Gerechtigkeit stünde. Wir diskutieren das am Beispiel religiöser Toleranz:
I 217
Frage: 1. Hätte eine religiöse Sekte Grund, sich zu beklagen, wenn sie nicht toleriert wird? 2. Unter welchen Umständen haben tolerante Sekten Grund, andere, intolerante Sekten nicht zu tolerieren? 3. Wenn sie dieses Recht haben, zu welchem Zweck sollte es ausgeübt werden? Ad 1.: Eine Person hat nur das Recht sich beklagen, wenn Prinzipien verletzt werden, die sie selbst respektiert. Ansonsten handelt sie widersprüchlich. Ein Problem kann es sein, wenn eine spezielle Interpretation einer religiösen Wahrheit in ihrer Gültigkeit auf die Gemeinschaft ausgedehnt werden soll.
I 218
Ad. 2.: Tolerante Sekten haben kein Recht, intolerante Sekten zu unterdrücken. Diese hätten aufgrund des Gerechtigkeitsprinzips das Recht, sich zu beklagen, und zwar über eine Verletzung des Gerechtigkeitsprinzips. Frage: rechtfertigt eine Bedrohung der Sicherheit der toleranten Sekten eine Ausnahme? Das folgt aus dem in der Anfangssituation einer zu errichtenden Gesellschaft akzeptierten Recht auf Selbsterhalt.
I 219
Ad 3.: Grundsätzlich wird die Stabilität einer wohlgeordneten Gesellschaft durch die zwei Prinzipien der Gerechtigkeit (Siehe Prinzipien/Rawls) gewährleistet. Diese Stabilität bewirkt auch, dass die Menschen darauf vertrauen, dass diese Wohlordnung nicht sofort durch intolerante Phänomene bedroht wird. Eine Ausnahme bildet eine Sekte, die sich schnell zu einer Bedrohung ausweitet.

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005
Toleranz Rousseau Rawls I 215
Toleranz/Rousseau/Rawls: wenn Gründe für eine Begrenzung von Toleranz angegeben werden, verstoßen sie oft gegen das Prinzip der Freiheit. Bsp Rousseau dachte, dass die Menschen es für nicht möglich halten würden, mit anderen in Frieden zusammen zu leben, die sie selbst als verdammt betrachteten. Denn diese zu lieben wäre gleichbedeutend damit, Gott zu hassen, der sie bestraft. Wer andere als verdammt ansieht, müsste sie nach Rousseau bekämpfen oder bekehren. RawlsVsRousseau: Rousseau würde also selber nicht diejenigen Religionen tolerieren, die sagen, dass es außerhalb der Kirche keine Erlösung gibt. (Siehe Rousseau, The Social Contract, bk. IV, ch. VIII.)
Rawls: aber die Konsequenzen stützen sich nicht auf Erfahrung. Ein a priori psychologisches Argument, wie plausibel auch immer, ist nicht hinreichend dafür, Toleranz aufzugeben. Gerechtigkeit geht dagegen davon aus, dass Störungen der öffentlichen Ordnung oder Freiheit in der gemeinschaftlichen Erfahrung festgestellt werden.


Rousseau I
J. J. Rousseau
The Confessions 1953

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005
Utopie Kropotkin Brocker I 27
Utopie/KropotkinVsRousseau/Rousseau: Kropotkin kritisierte Rousseau als Protagonisten eines positiv-optimistischen Menschenbildes. (Siehe auch Anarchismus/Kropotkin, Darwinismus/Kropotkin.) VsKropotkin: In der Gesamtschau wirkt „Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt“ (1) aber trotz einiger gegenteiliger Einschübe ((s) ebenfalls) wie eine biologistische Deutung unter positiv-optimistischen Vorzeichen: Verhaltensweisen im Sinne der Solidarität und Unterstützung gelten als überhistorische Konstanten menschlichen Sozialverhaltens, die allen Individuen letztlich natürlich und wesensmäßig zu eigen seien.


1. Pjotr Alexejewitsch Kropotkin, Mutual Aid: A Factor of Evolution, London 1902. Dt.: Peter Kropotkin, Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt. Mit einem Nachwort neu herausgegeben von Henning Ritter, Frankfurt/M./Berlin/Wien 1975.

Kropot I
Peter Kropotkin
Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt Frankfurt/Berlin/Wien 1975

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Utopie Rousseau Brocker I 27
Utopie/KropotkinVsRousseau/Rousseau: Kropotkin kritisierte Rousseau als Protagonisten eines positiv-optimistischen Menschenbildes. (Siehe auch Anarchie/Kropotkin, Darwinismus/Kropotkin.) VsKropotkin: In der Gesamtschau wirkt „Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt“ (1) aber trotz einiger gegenteiliger Einschübe ((s) ebenfalls) wie eine biologistische Deutung unter positiv-optimistischen Vorzeichen: Verhaltensweisen im Sinne der Solidarität und Unterstützung gelten als überhistorische Konstanten menschlichen Sozialverhaltens, die allen Individuen letztlich natürlich und wesensmäßig zu eigen seien.


1. Pjotr Alexejewitsch Kropotkin, Mutual Aid: A Factor of Evolution, London 1902. Dt.: Peter Kropotkin, Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt. Mit einem Nachwort neu herausgegeben von Henning Ritter, Frankfurt/M./Berlin/Wien 1975.

Rousseau I
J. J. Rousseau
The Confessions 1953

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018

Der gesuchte Begriff oder Autor findet sich in folgenden 3 Kontroversen:
Begriff/
Autor/Ismus
Autor Vs Autor
Eintrag
Literatur
VsRousseauVsRousseau Derrida Vs Lévi-Strauss I 35
Levi-Strauss/Derrida: rousseauistischer Denker.
I 36
DerridaVsLevi-Strauss, VsRousseau: deckt bei beiden den Ethnozentrismus auf. Die Erniedrigung der Naturvölker wird umgekehrt, indem die Schönheit, Harmonie und Unschuld ihrer Kultur gerühmt wird. DerridaVsLevi-Strauss: Bsp der Häuptling lernt Schreiben: die Funktion des Beherrschung, die mit dem Schreibenkönnen verbunden ist, begreift der Häuptling sehr schnell, ehe er noch die Bedeutung der Schriftzeichen erfaßt hat. Er gibt vor zu schreiben und zu lesen. So gewinnt der Häuptling - vorübergehend - an Ansehen und Macht. Später wird er entmachtet und alleingelassen als einer, der die gemeinsamen Grundlagen der Stammeskultur verlassen hat.
An dieser Geschichte läßt sich nicht nur der Zusammenhang zwischen Schrift und Herrschaft ablesen, sondern auch, daß aus einer nachträglichen Besinnung des Anthropologen der Unterschied zwischen schriftkundigen und schrift osen Kulturen in sich widersprüchlich ist!
DerridaVsLevi-Strauss: verwirft diese Unterscheidung und setzt für alle Kulturen Schrift voraus. Einige Stimme haben nämlich durchaus ein Wort für Schrift: »Zeichen machen« obwohl sie sie nicht beherrschen.

Derrida I
J. Derrida
Grammatologie Frankfurt 1993
VsRousseauVsRousseau Derrida Vs Rousseau, J. J. I 35
Levi-Strauss/Derrida: rousseauistischer Denker. DerridaVsLevi-Strauss, VsRousseau: deckt bei beiden den Ethnozentrismus auf. Die Erniedrigung der Naturvölker wird umgekehrt, indem die Schönheit, Harmonie und Unschuld ihrer Kultur gerühmt wird.

Derrida I
J. Derrida
Grammatologie Frankfurt 1993
VsRousseauVsRousseau Mackie Vs Verschiedene Stegmüller IV 399
"Kalam" Argument: (verbreitet unter islamischen Gelehrten): arbeitet mit Paradoxien der Unendlichkeit um zu zeigen, dass es keine aktuale Unendlichkeit geben kann. (>Al Ghassali). Unendlichkeit/MackieVsKalam Argument: die Möglichkeit einer unbegrenzten Vergangenheit kann nicht aus rein logischen Gründen ausgeschlossen werden!
MackieVsKant: dieses Vorurteil findet sich auch in der These zur ersten Antinomie.
IV 400
Kalam Argument/Al Ghassali: nichts, was in der Zeit entsteht, entsteht aus sich selbst heraus. ("Vernunftnotwendigkeit"). Daher bedarf es eines Schöpfers. MackieVsAl Ghassali: 1. wissen wir das wirklich aus Vernunftnotwendigkeit?
2. Es ist nicht einzusehen, weshalb einerseits ein unverursachtes Ding unmöglich sein soll, andererseits aber die Existenz eines Gottes mit der Macht, aus nichts etwas zu schaffen, akzeptabel sein soll!
Gott/Mackie/Islam: dieser Gottesbegriff wirft selber schwierige Probleme auf:
1. Ist Gott innerhalb der Zeit einfach entstanden?
2. Hat er immer schon in einer unendlichen Zeit existiert? Damit wäre die abgelehnte aktuale Unendlichkeit wieder eingeführt!
3. Hat Gott eine nicht zeitliche Existenz: das wäre wieder ein unfaßbares Mysterium.
Mackie: außerdem muss man zusätzlich annehmen,
a) dass Gottes Existenz und Schöpfermacht sich selbst erklärt und
b) dass die unerklärte Existenz einer materiellen Welt unverständlich und damit unannehmbar wäre.
IV 401
Existenz/MackieVsLeibniz: wir können keinen Grund a priori dafür angeben, dass Dinge nicht ohne Verursachung einfach entstehen! Kosmologie/Gottesbeweis/Existenz/Mackie: Problem: entweder der Begriff der "causa sui" ist sinnvoll oder nicht.
a) er ist nicht sinnvoll: dann fällt die kosmologische Annahme, dass für den Beginn der materiellen Existenz eine göttliche Ursache angenommen werden muss.
b) er ist sinnvoll, dann kann er auch der Materie selbst als Eigenschaft zugesprochen werden!

Stegmüller IV 447
Def Gott/Feuerbach: "Gott ist das von aller Widerlichkeit befreite Selbstgefühl des Menschen". Religion/Feuerbach: Utopie einer besseren Religion: diejenige Freiheit von allen Begrenzungen der Individuen, die die traditionellen Religionen Gott andichteten, finde man in der Menschheit als ganzer wieder.
MackieVsFeuerbach: die Menschheit als ganze ist zweifellos nicht von allen Begrenzungen der Individuen frei, sie ist nicht allmächtig, nicht allwissend, nicht vollkommen gut. (s.o.: Gesamtheit als falsches Subjekt, kann gar nicht handeln.

IV 472
Theodizee/Glaube/Stegmüller: Argument: Gott habe die Erde zu einem Jammertal gemacht, damit die Menschen ein religiöses Bedürfnis entwickeln. MackieVs: nur eine allzumenschliche Gottheit könnte Menschen so unterwürfig wollen.
Theodizee/Gruner: unterstellt dem Skeptiker die Forderung nach einer von allen Übeln befreiten Welt. Diese Forderung weist er als widersprüchlich zurück.
MackieVsGruner: er verschiebt die Beweislast. Der Skeptiker fordert gar nichts.

IV 271
Ethik/Erziehung/Rousseau: Eltern und Lehrer sollten sich jeder vorrationalen Unterweisung der Kinder enthalten. MackieVsRousseau: verständlich, aber unrealistisch.

Stegmüller IV 502
Religion/Glaube/Wittgenstein: Bsp wenn einer eine Wahl trifft, taucht in seinem Geist stets das Bild der Vergeltung auf. Bedeutung/Mackie/Stegmüller: eine Möglichkeit: der Glaubende will seine Äußerungen wörtlich verstanden wissen, Er hält an einer Tatsachenbehauptung fest. Ungeachtet dessen dienen solche Äußerungen aber nach außen dazu, sein Verantwortungsgefühl zu stützen und zu rechtfertigen. Dann wäre sein Glaube nach Wittgenstein Aberglaube!
Wenn er nach Beweisen gefragt wird, hält er seine Äußerungen nicht für wahrheitsfähig. Doch dann wechselt er wieder den Standpunkt und glaubt ganz wörtlich das, was er glauben muss.
Andere Möglichkeit: Glauben hat wörtliche Bedeutung, aber vergleichbar mit Romanhandlung, Fiktion. Man kann akzeptieren, dass die entsprechenden Werte eine Bedeutung für das Leben haben.
IV 503
Danach könnten wir nur in unserem praktischen moralischen Denken annehmen, dass es einen Gott gibt. T. Z. Phillips: wenn man die Fragen nach Gott und Unsterblichkeit wörtlich, d.h. als Tatsachenfragen versteht,. dann ist die von Hume gegebene skeptische Antwort korrekt.
These: man kann und muss religiöse Überzeugungen und Aussagen so deuten, dass die Kritik von Hume irrelevant wird! Es ist wahr, .dass ontologischer und teleologischer Gottesbeweis nicht zu halten sind.
Die Realität Gottes darf aber nicht als die Wirklichkeit eines Gegenstands gedeutet werden, "Gott" ist nicht der Name eines einzelnen Wesens, es bezieht sich auf nichts.
IV 504
Nach Phillips missversteht der Metaphysiker die alltäglichen Bedeutungen der Wörter. MackieVs: man löst die echten Probleme des Skeptizismus nicht dadurch, dass man ihn auf den normalen Sprachgebrauch verweist. So wenig, wie die ordinary language Philosophen etwas VsHume ausgerichtet haben.

Glauben/Religion/Phillips: magische und religiöse Sprache sollte man im Sinn von Ausdruckshandlungen deuten.
Mackie pro, aber: es ist falsch zu sagen, dass eine expressive Sprache nicht zugleich im wörtlichen Sinn beschreibend sein könne.
IV 504/505
Glaubenshandlungen sind beides: sowohl Weisen, Glück und Unglück in der Welt zu begegnen, als auch, sie zu erklären. Religion/Glauben/R. B. Braithwaite: These: der Kern des christlichen Glaubens besteht in der Entschlossenheit, nach den Prinzipien der Moral zu leben. Damit gehen die "christlichen Erzählungen" einher, die der Christ aber nicht wörtlich zu glauben braucht! Es sind religiöse Einstellungen!
PhillipsVsBraithwaite: die Grammatik von "glauben" und "wahr" sei in religiösen Überzeugungen nicht dieselbe wie in empirischen Aussagen.
MackieVs: damit verlieren wir jeden festen Grund unter den Füßen! Mit Recht gebraucht Braithwaite die üblichen Begriffe von Wahrheit und Falschheit!
IV 506
MackieVsPhillips: es gibt gar keine Alternative zu derjenigen, die Phillips verwirft, nämlich entweder im Aberglauben zu verharren, oder die Religion zu reduzieren, so dass die "Grundmerkmale des Glaubens verloren gehen". MackieVsBraithwaite: sicher lassen sich zahlreiche religiöse Aussagen als moralische Einstellungen deuten, doch dies gilt nicht für die zentralen Aussagen des Theismus.
Glaube/Mackie: braucht einen Bezugsgegenstand!

Macki I
J. L. Mackie
Ethics: Inventing Right and Wrong 1977