Lexikon der Argumente


Philosophische Themen und wissenschaftliche Debatten
 
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Demokratietheorie Pateman Brocker I 505
Demokratietheorie/Pateman: PatemanVsSchumpeter/PatemanVsSartori: These: Die Ausbildung positiver Einstellungen zur Demokratie sei keine Frage kognitiver Kompetenzen, sondern der Demokratisierung einer bislang undemokratischen institutionellen Struktur, die systematisch undemokratische Einstellungen und Gefühle individueller Inkompetenz erzeugt: der kapitalistischen Güterproduktion. Siehe Demokratietheorie/Schumpeter, Demokratietheorie/Sartori.
Demokratie/Tradition: Die Sphäre der Güterproduktion muss zur Sicherung der Produktivität und Effizienz jedoch undemokratisch bleiben. Damit besteht keine Alternative zum demokratischen Status quo, die nicht die Demokratie selbst gefährden würde.
Brocker I 506
PatemanVsTradition: 1. VsSchumpeter: der normative Bewertungsmassstab ist falsch konstruiert: der Begriff einer „klassischen Demokratietheorie“ ist ein Mythos. (1) Die Quellen sind heterogener als traditionsllerweise behauptet wird. Ideengeschichte/Pateman: darf nicht auf reine Normativität verkürzt werden.
Arbeit/Demokratisierung: 2.PatemanVsSchumpeter: Demokratische Beteiligung und Produktivität widersprechen sich nicht.
VsPateman: diese rekonstruiert Schumpeter nicht in den dynamischen Aspekten seier Arbeit. Eine Berücksichtigung von Schumpeters Analyse der Bedeutung von Führung, Kreativität und Innovation für den Kapitalismus
Brocker I 507
hätte die Überzeugungskraft ihrer Argumentation verbessert.

1. Carole Pateman, Participation and Democratic Theory, Cambridge 1970, S. 17.

Gary S. Schaal, “Carole Pateman, Participation and Democratic Theory” in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

PolPate I
Carole Pateman
Political Culture, Political Structure and Political Change 1971

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Demokratietheorie Schumpeter Mause I 64f
Demokratietheorie/Schumpeter: Die internationale Demokratietheorie wurde für fast drei Jahrzehnte von zwei Büchern geprägt, die von Ökonomen verfasst wurden: Capitalism, Socialism, and Democracy von Joseph A. Schumpeter (1942) (1) und An Economic Theory of Democracy von Anthony Downs (1957 (2). In der Theoriegeschichte finden sich insgesamt nur wenige Werke zur ökonomischen Demokratietheorie (vgl. aber die Werke von Brian Barry 1970) (3). Methode/Schumpeter: Methodentransfer: Schumpeter konzipiert die Demokratie in Analogie zum Markt, aber noch nicht mit neoklassischer Methodologie. Die zentralen Elemente seiner ökonomischen Theorie – der kreative Unternehmer und der Wettbewerb – werden in die politische Sphäre transponiert. Schumpeters Elitentheorie der Demokratie ist also geprägt von seiner ökonomischen Theorie. Demokratie ist für ihn nur noch eine Methode, mit deren Hilfe politische Eliten, die um Macht konkurrieren, gewählt und abgewählt werden können. Sie besitzt keinen intrinsischen Wert mehr, sondern ist nur ein Mittel zum Zweck – zur Auswahl politischer Eliten. Die zentrale Aufgabe einer realistischen Demokratietheorie besteht zusammengefasst darin, „eine angemessene Anerkennung der lebenswichtigen Tatsache der Führung“ (4) zu leisten.
I 65
Pointe: das Personal der Eliten wird durch Konkurrenz und Wettbewerb ermittelt. Problem: Schumpeter selbst sieht Schwächen dieser Analogie: die Qualität von Personal ist nicht so genau durch Wahl zu bestimmen wie im Fall einer Ware.

Brocker I 505
Demokratietheorie/Schumpeter: These: Demokratie sei auf eine Methode zu reduzieren, um konkurrierende Eliten in Ämter zu wählen bzw. unblutig abzulösen. Siehe auch Demokratietheorie/Sartori, Demokratietheorie/Pateman. PatemanVsSchumpeter: das ist eine fatale Argumentationslogik: Die BürgerInnen erfüllen die normativen Erwartungen der klassischen Theorie nicht, und deshalb muss die demokratische Beteiligung auf ein Minimum reduziert werden, um die Demokratie nicht zu gefährden.


Gary S. Schaal, “Carole Pateman, Participation and Democratic Theory” in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018



1. J. A. Schumpeter, Capitalism, socialism, and democracy. New York 1942. [dt. Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie. Tübingen/ Basel 2005.
2. A. Downs, An economic theory of democracy. New York 1957; [dt. Ökonomische Theorie der Demokratie. Tübingen 1968.
3. B. Barry, Sociologists, economists, and democracy. Chicago 1970.
4. Schumpeter, ebenda, deutsch, S. 429.

EconSchum I
Joseph A. Schumpeter
Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung Leipzig 1912

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Partizipation Pateman Brocker I 510
Partizipation/Pateman: »Für das Bestehen eines demokratischen Gemeinwesens ist also das Bestehen einer partizipativen Gesellschaft notwendig, also einer Gesellschaft, in der alle politischen Systeme demokratisiert worden sind und eine Sozialisation durch Partizipation in allen Bereichen stattfinden kann. Der wichtigste Bereich ist die Industrie« (1). Damit stellt sich Pateman gegen traditionelle Ansätze der Demokratietheorie, die die Fragen der Demokratie auf das Politische reduzieren. PatemanVsSchumpeter, PatemanVsSartori: siehe Demokratietheorie/Sartori, Demokratietheorie/Schumpeter.
Schaal: Pateman argumentiert nicht aus sozialistischer Perspektive, sondern ihre Forderung nach Ausdehnung demokratischer Mechanismen auf außerpolitische Bereiche wie Industriearbeit erfolgt aus der systematischen Explikation der normativen Ideale des Liberalismus.
VsPateman: ihr Ansatz der „Quasi-Empirie“ wird von späteren Autoren als zu wenig überzeugend kritisiert. Vgl, Schonfeld, 1975, (2), Moon 1972 (3).
Brocker I 514
Pateman/Schaal: Patemans Participation and Democratic Theory gehört zum Kanon der modernen Klassiker der (englischsprachigen) partizipativen Demokratietheorie (Held 1987, 254-264 (4)) und wurde als Standardwerk der partizipativen Demokratietheorie erst 1984 von Benjamin Barbers Strong Democracy abgelöst.
1. Carole Pateman, Participation and Democratic Theory, Cambridge 1970, S. 43
2. Schonfeld, William R., »The Meaning of Democratic Participation«, in: World Politics 28/1, 1975, 134-158.
3. Moon, J. Donald, »Participation and Democracy. A Review Essay«, in: Midwest Journal of Political Science 16/3, 1972, 473-485.
4. David Held, David, Models of Democracy, Cambridge 1987.


Gary S. Schaal, “Carole Pateman, Participation and Democratic Theory” in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

PolPate I
Carole Pateman
Political Culture, Political Structure and Political Change 1971

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Politik Schumpeter Mause I 65
Politik/Schumpeter: Berühmt ist Schumpeters These, dass der Bürger „auf eine tiefere Stufe der gedanklichen Leistung [fällt], sobald er das politische Gebiet betritt. Er argumentiert und analysiert auf eine Art und Weise, die er innerhalb der Sphäre seiner wirklichen Interessen bereitwillig als infantil anerkennen würde. Er wird wieder zum Primitiven.“ (1) VsSchumpeter: Schumpeter sah in der Ignoranz der Bürger noch ein Rationalitätsdefizit; spätere Theoretiker haben denselben Sachverhalt als rationale Ignoranz normativ umgewertet


1. J. A. Schumpeter, Capitalism, socialism, and democracy. New York 1942. [dt. Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie. Tübingen/ Basel 2005, S. 416.

EconSchum I
Joseph A. Schumpeter
Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung Leipzig 1912

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018