Lexikon der Argumente


Philosophische Themen und wissenschaftliche Debatten
 
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Gerechtigkeit Rawls I 3
Gerechtigkeit/Rawls: ist die erste Tugend sozialer Institutionen, wie Wahrheit dies für Gedankensysteme ist.
So wie eine unwahre Theorie zurückgewiesen oder revidiert werden muss, müssen Gesetze und Institutionen reformiert oder abgeschafft werden, wenn sie ungerecht sind. Jede Person besitzt eine Unverletzlichkeit, die auf Gerechtigkeit gründet, die nicht einmal durch das Wohlergehen einer Gesellschaft als Ganzes außer Kraft gesetzt werden kann. Daher kann ein Verlust der Freiheit einiger nicht durch ein größeres Gut außer Kragt gesetzt werden, das mehreren zuteilwird. (RawlsVsUtilitarismus, RawlsVsSinger, Peter)
I 4
Die Rechte, die durch Gerechtigkeit verbürgt sind, sind kein Gegenstand politischen Aushandelns oder soziale Interessen. So wie das Akzeptieren einer fehlerhaften Theorie nur durch die Abwesenheit einer besseren Theorie gerechtfertigt ist, so ist Ungerechtigkeit nur tolerierbar, wenn das notwendig ist, um größeres Unrecht zu vermeiden. Um zu untersuchen, ob diese allzu starken Behauptungen gerechtfertigt sind, müssen wir eine Theorie der Gerechtigkeit entwickeln.
I 5
Gerechtigkeit/Gesellschaft/Rawls: auch wenn die Menschen uneins sind darüber, welche Prinzipien zu akzeptieren sind, nehmen wir dennoch an, dass sie jeder eine Vorstellung von Gerechtigkeit haben. Das heißt, sie verstehen, dass solche Prinzipien nötig sind, um grundlegende Rechte und Pflichten zu bestimmen und ihre Verteilung zu überwachen. Daher scheint es vernünftig, einen Begriff der Gerechtigkeit verschiedenen Vorstellungen von Gerechtigkeit gegenüberzustellen.
I 6
Gerechtigkeit/Rawls: kann nicht bei Verteilungsgerechtigkeit stehen bleiben. Sie muss zu eine m Merkmal sozialer Institutionen werden.
I 54/55
Gerechtigkeit/Prinzipien/Rawls: die Prinzipien der Gerechtigkeit unterscheiden sich stark, je nachdem sie für Individuen oder für Institutionen gelten sollen.
I 237
Natural justice/Rawls: Die Grundsätze des Naturrechts sollen die Integrität des Rechtsverfahrens sicherstellen(1).
I 310
Gerechtigkeit/Idealisierung/RawlsVsLeibniz/RalwsVsRoss, W.D./Rawls: man sollte Gerechtigkeit nicht mit einem „idealen Glück“ gleichsetzen oder definieren zu versuchen. (Vgl: W.D. Ross, The Right and the Good(2)(3). Die Theorie der Gerechtigkeit als Fairness weist solche Vorstellungen zurück. Ein solches Prinzip würde in der Anfangssituation nicht gewählt. Dort könnte man solche Kriterien gar nicht definieren.
I 311
Wozu Menschen berechtigt sind, bemisst sich nicht aus einem intrinsischen Wert. Der moralische Wert hängt nicht von Angebot und Nachfrage ab. Wenn bestimmte Leistungen nicht mehr nachgefragt werden, nimmt der moralische Verdienst nicht gleichermaßen ab.
I 312
Der Begriff des moralischen Werts liefert kein erstes Prinzip der Verteilungsgerechtigkeit. Der Moralische Wert kann definiert werden als ein Sinn für Gerechtigkeit, wenn die Prinzipien der Gerechtigkeit verfügbar sind.
(1) Siehe L. A. Hart, The Concept of Law, Oxford, 1961, S. 156, 202.
(2) Vgl. W. D. Ross, The Right and the Good (Oxford, 1930), S. 21,26-28,57f.
(3) Leibniz, „On the Ultimate Origin of Things“ (1697) Hrsg. P.P. Wiener (New York, 1951), S. 353.


Gaus I 94
Gerechtigkeit/Rawls/Waldron: Diversität/Inhomogenität/Gesellschaft/Rawls: "[W]ie ist es möglich", fragte Rawls, "dass es im Laufe der Zeit eine gerechte und stabile Gesellschaft freier und gleicher Bürger gibt, die durch vernünftige religiöse, philosophische und moralische Lehren tief gespalten bleiben?" (1993(2):4).
Gaus I 95
Waldron: Der Schlüssel (...) besteht darin, darauf zu bestehen, dass eine akzeptable Gerechtigkeitstheorie T so beschaffen sein muss, dass unter den Gründen für die Ablehnung von T oder die Nichtübereinstimmung mit T keiner sich gegen die Verpflichtung von T auf eine bestimmte Wertvorstellung oder eine andere umfassende philosophische Konzeption wendet. >Individualismus/Rawls, >Rawls/Waldron. Probleme: (...) es gibt weitere Fragen, wie [ein] Schwellenwerttest zu verstehen ist. Eine Möglichkeit ist, daß T einen akzeptablen modus vivendi für die Anhänger der verschiedenen umfassenden Konzeptionen darstellt {C1 , C2 , ..., Cn }. Wie ein Vertrag, der den Konflikt zwischen ehemals verfeindeten Mächten beendet, kann T als das Beste dargestellt werden, was C1 im Sinne einer Gerechtigkeitstheorie erhoffen kann, da es mit C2, ..., Cn koexistieren muss, und das Beste, was C2 erhoffen kann, da es mit C1 , C3 ,..., Cn , und so weiter koexistieren muss. Rawls hält dies jedoch als Grundlage für ein Gerechtigkeitsverständnis für unbefriedigend. Es macht T verwundbar gegenüber demographischen Veränderungen oder anderen Veränderungen des Kräfteverhältnisses zwischen rivalisierenden Gesamtkonzepten - eine Verwundbarkeit, die ganz im Gegensatz zu der unerschütterlichen moralischen Kraft steht, die wir gewöhnlich mit Gerechtigkeit assoziieren (1993(1): 148).
Lösung/Rawls: Stattdessen entwickelt Rawls die Idee, dass T einen überlappenden moralischen Konsens zwischen {C1, C2, ... , Cn } darstellen sollte. Damit meint er, dass T für die Anhänger von C1 aus moralischen Gründen akzeptabel und für die Anhänger von C2 aus moralischen Gründen akzeptabel gemacht werden könnte, und so weiter.
Vielfalt/Toleranz/Locke/Kant/Rawls/Waldron: So kann zum Beispiel die Behauptung, dass religiöse Toleranz als eine Frage der Gerechtigkeit erforderlich ist, von Christen aus Locke'schen-Gründen, die mit der individualisierten Verantwortung eines jeden Menschen gegenüber Gott für seine eigenen religiösen Überzeugungen zu tun haben, von säkularen Locke-Anhängern aus Gründen der Unabänderlichkeit des Glaubens gegenüber Zwang, von Kantianern aus Gründen der hohen ethischen
Gaus I 96
Bedeutung, die der Autonomie beigemessen wird, von Anhängern von John Stuart Mill auf der Grundlage der Bedeutung der Individualität und des freien Zusammenspiels von Ideen usw. bestätigt werden. >Toleranz/Locke. Waldron: Ob dies tatsächlich funktioniert, ist eine Frage, die wir in Betracht gezogen haben, als wir Ackermans Ansatz zur Neutralität diskutiert haben. >Neutralität/Waldron, >Überlappender Konsens/Rawls.


1. Rawls, John (1993) Political Liberalism. New York: Columbia University Press.

Waldron, Jeremy 2004. „Liberalism, Political and Comprehensive“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications.

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Werte Singer I 87
Werte/Tod/Töten/Utilitarismus/P. Singer: Angenommen, wir könnten Schmerz und Vergnügen als objektive Werte festlegen, dann haben wir ein anderes Problem: es gibt zwei Möglichkeiten, z.B. das Vergnügen in der Welt zu vermindern: a) Das Vergnügen aus dem Leben eines Wesens zu eliminieren
b) Das Leben dieses Wesens zu beenden.
Damit können wir nicht automatisch von der höheren Bewertung eines angenehmen Lebens gegenüber einem weniger angenehmen Leben übergehen zu einer Höherwertung eines angenehmen Leben gegenüber der Alternative, das da kein Leben ist. Begründung: wenn wir tot sind, vermissen wir das Angenehme nicht.
I 88
Utilitarismus: wenn es um die Vermehrung des Angenehmen in der Welt geht, warum sollten wir nicht immer mehr Kinder bekommen und immer mehr Tiere züchten, die ein angenehmes Leben haben? Das nenne ich die „Gesamtsicht“ („total“ view). Vs: dagegen könnte man einwenden, dass das Leben der jetzt existierenden Wesen dafür eingeschränkt würde. Und die noch nicht geborenen Wesen existieren eben nicht und können daher nicht leiden oder etwas entbehren.
VsVs: dagegen könnte man von den zukünftigen Wesen eine „Vorexistenz“ („prior existence“) annehmen. Damit ist gemeint, dass unsere jetzigen Entscheidungen sich auf Wesen beziehen, die jetzt noch nicht existieren.
I 89
Problem: in diesem Fall muss man mit einer Asymmetrie umgehen, wenn es z.B. darum geht zu entscheiden, ob ein Kind, das voraussichtlich extrem leiden und bald sterben wird, zur Welt gebracht werden sollte. Problem: beide Sichtweisen, die „Gesamtsicht“ wie die „Vorexistenz“-Sicht führen zu kontraintuitiven Konsequenzen.
I 245
Werte/Bewusstsein/Wissen/Tiere/Singer, P.: gibt es Werte jenseits des Bereichs, der für wissende Lebewesen erreichbar ist?
I 246
Intrinsischer Wert: ist ein Wert, der in sich selbst erstrebenswert ist im Gegensatz zu einem Wert, den etwas als Mittel zu etwas anderem erhält. Bsp Glück ist ein intrinsischer Wert, Geld ist es nicht. Umweltzerstörung/Singer, P.: wenn nun ein Tal durch einen Dammbau zerstört wird, muss man nicht nur das Schicksal der wissenden Lebewesen, sondern auch die Schicksale der anderen Arten beachten, von denen die meisten sterben werden.
I 247
Utilitarismus: wird in diesem Fall einbeziehen, dass die Tiere, die dort gelebt hätten, dies für weitere hunderte von Jahren getan hätten. Ethik/Singer, P.: wie weit kann sie ausgedehnt werden über den Bereich der wissenden Lebewesen hinaus? Die ethische Position, die ich in diesem Buch (P. Singer, Practical Ethics, Cambridge, 2011) entwickelt habe, beschränkt sich auf wissende Lebewesen.
I 248
Die Ausdehnung der Ethik über diesen Bereich hinaus ist schwierig. Problem: der Begriff des Interesses fehlt, wenn es darum geht, eine Abwägung zu machen.
Weiteres Problem: ohne den Begriff des Wissens ist die Grenze zwischen belebter und unbelebter Natur schwieriger zu verteidigen.
I 249
Lösung/Albert Schweitzer/Singer, P.: Leben/Recht/Bewusstsein/Schweitzer: die unmittelbarste Tatsache des Bewusstseins ist: Ich bin Leben, das leben will und ich existieren inmitten des Lebens das leben will…und das erstreckt sich auf alles Leben in meiner Umwelt, auch wenn es sich nicht selbst ausdrücken kann. (A. Schweitzer, Civilization and Ethics (Part II, The Philosophy of Civilization, London, 1929, pp. 246-7.).
I 250
P. SingerVsSchweitzer: seine Sprache ist irreführend, wenn er von ausnahmslos allen Lebensformen spricht und ihnen Sehnsucht, Verlangen, Begeisterung, Vergnügen und Terror zuspricht. Pflanzen können nichts davon empfinden. Holmes RolstonVsSinger, P.: Wenn die natürliche Selektion einem Organismus die Züge verliehen hat, die dieser braucht, um sein Überleben anzustreben, dann ist dieser Organismus in der Lage, etwas auf Basis dieser Züge zu bewerten. (H. Rolston, Respect for Life: Counting waht Singer Finds of no Account“, in: Dale Jamieson (ed.), Singer and Critics, (Oxford, 1999) pp. 247-268.)
P. SingerVsRolston: er erklärt dann aber nicht, warum natürliche Selektion die Bewertung von Organismen ermöglicht, nicht aber menschliches Design und Kreation. Sollten wir etwa sagen, dass Solarzellen, die sich automatisch nach der Sonne richten, der Sonne Wert verleihen?
Leben ohne Bewusstsein/Singer, P.: es gibt keinen Grund, den physikalischen Prozessen, die belebte Dinge beherrschen größeren Respekt zu zollen als den physikalischen Prozessen, die unbelebte Dinge beherrschen. Wenn das so ist, ist es zumindest nicht offensichtlich, warum wir mehr Respekt vor einem Baum als vor einem Stalaktiten haben sollten.


SingerP I
Peter Singer
Practical Ethics (Third Edition) Cambridge 2011

SingerP II
P. Singer
The Most Good You Can Do: How Effective Altruism is Changing Ideas About Living Ethically. New Haven 2015