Lexikon der Argumente


Philosophische Themen und wissenschaftliche Debatten
 
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Literatur
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Darwinismus Strauß Pfotenhauer IV 42
Darwinismus/Strauß, Fr. D.: (D. Fr. Strauß, Der alte und der neue Glaube, 1872, 2. Auflage Leipzig, 1904, insbesondere S. 60ff) These: In Anlehnung an Darwin lasse sich zeigen, dass alles Geschehen immer schon eine Höherentwicklung sei, dass auch ohne einen vernunftbegabten Schöpfer die Welt einem kontinuierlich ausgeführten Gesamtplan folge. Denn auch in den blinden Naturereignissen und ärgsten Zufällen setze sich ja am Ende nur das Lebensfähigere und das heißt für Strauß auch das moralisch Bessere durch.
Pfotenhauer IV 43
NietzscheVsStrauss: Nietzsche erinnert demgegenüber an „die namenlosen Leiden der Menschheit“, die solche „wahrhaft ruchlose Denkungsart“ (F: Nietzsche, David Strauss der Bekenner und Schriftsteller, 6; Nietzsche KGW III, 1, S. 188) dieser „schamlose Philister-Optimismus“ (S. 187) ungewollt verhöhne.

Pfot I
Helmut Pfotenhauer
Die Kunst als Physiologie. Nietzsches ästhetische Theorie und literarische Produktion. Stuttgart 1985
Geschichte Strauß Pfotenhauer IV 42
Geschichte /Strauß, Fr. D./NietzscheVsStrauss/Nietzsche: Nietzsches Ärger entzündet sich an dem ungetrübten Geschichtsoptimismus eines David Friedrich Strauss. Dieser erweckt in (D. Fr. Strauß, Der alte und der neue Glaube, 1872, 2. Auflage Leipzig, 1904, insbesondere S. 60ff) den Eindruck, als sei es ihm vorbehalten, die Theodizee-Bemühungen des 18. Jahrhunderts durch einen modernen, naturwissenschaftlich fundierten Fortschrittsoptimismus zu einem guten Ende zu bringen. These: In Anlehnung an Darwin lasse sich zeigen, dass alles Geschehen immer schon eine Höherentwicklung sei, dass auch ohne einen vernunftbegabten Schöpfer die Welt einem kontinuierlich ausgeführten Gesamtplan folge. Denn auch in den blinden Naturereignissen und ärgsten Zufällen setze sich ja am Ende nur das Lebensfähigere und das heißt für Strauß auch das moralisch Bessere durch.
Pfotenhauer IV 43
NietzscheVsStrauss: Nietzsche erinnert demgegenüber an „die namenlosen Leiden der Menschheit“, die solche „wahrhaft ruchlose Denkungsart“ (F. Nietzsche, David Strauss der Bekenner und Schriftsteller, 6; Nietzsche KGW III, 1, S. 188) dieser „schamlose Philister-Optimismus“ (S. 187) ungewollt verhöhne.

Pfot I
Helmut Pfotenhauer
Die Kunst als Physiologie. Nietzsches ästhetische Theorie und literarische Produktion. Stuttgart 1985
Hermeneutik Strauss Gadamer I 300
Hermeneutik/Code/Leo Strauss/Gadamer: Es gibt eine Ausnahme von [dem] Vorgriff der Vollkommenheit: den Fall des verstellten oder verschlüsselten Schreibens. Dieser Fall stellt die schwierigsten hermeneutischen Probleme.(1) Vgl. >Vorgriff der Vollkommenheit/Gadamer. Dieser Ausnahmefall des hermeneutischen Verhaltens ist insofern von exemplarischer Bedeutung, als hier die reine Sinnauslegung nach der gleichen Richtung Überschritten wird, wie wenn die historische Quellenkritik hinter die Überlieferung zurückgeht. Obwohl es sich hier um keine historische, sondern um eine hermeneutische Aufgabe handelt, wird diese nur lösbar, indem man ein sachliches Verständnis als Schlüssel verwendet. Nur dann lässt sich die Verstellung entschlüsseln - wie man ja auch im Gespräch Ironie in dem Grade versteht, in dem man in sachlichem Einverständnis mit dem anderen steht. Die scheinbare Ausnahme bestätigt also erst recht, dass Verstehen Einverständnis impliziert.
GadamerVsStrauss: Ob Strauss mit der Durchführung seines Prinzips immer Recht hat, z. B. bei Spinoza, ist mir zweifelhaft. „Verstellung“ schließt ein Höchstmaß von Bewusstsein ein. Akkomodation, Konformismus usw. brauchen nicht bewusst zu geschehen. Das hat Strauss meines Erachtens nicht genug beachtet.(2) ((s) Vgl. >Radikale Interpretation).


1. Leo Strauss in: Persecution and the Art of Writing).
2. Vgl. a. a. O. , S. 223ff., sowie meine Arbeit „Hermeneutik und Historismus«, Bd. 2 der Ges. Werke, S. 387 ff. Inzwischen sind diese Probleme - wie mlr scheint, auf zu enger semantischer Basis, viel diskutlert worden. Vgl. D. Davidson, Inquiries into Truth and Interpretation, Oxford 1984.

StraussDFr I
David Friedrich Strauss
Der alte und der neue Glaube Hamburg 2012

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Interpretation Strauss Gaus I 24
Interpretation/Leo Strauss/Ball: Die Anhänger des verstorbenen Leo Strauss (1899-1973) - behaupten, dass ein Kanon von Werken Platons und einer Handvoll anderer Autoren die ganze Wahrheit über die Politik enthält, eine Wahrheit, die ewig, unveränderlich und nur wenigen Glücklichen zugänglich ist (...). Der Zugang zu dieser Wahrheit erfordert eine besondere Art zu lesen und zu interpretieren, was man liest. StraussVsLiberalismus: (...) Strauss sah die Geschichte des modernen westlichen liberalen politischen Denkens als eine Geschichte der Degeneration und Entkräftung. Er und seine Anhänger stellten die Vitalität des klassischen griechischen und römischen politischen Denkens dem resignierten Ennui der schlaffen modernen liberalen Denker gegenüber. Der moderne Liberalismus ist eine Philosophie ohne Fundament. Der moderne Liberalismus, von Hobbes bis zur Gegenwart, hat sich jeglicher Grundlage in der Natur oder im Naturrecht entzogen und ist auf einen rückgratlosen Relativismus reduziert und verfügt daher nicht über die normativen Grundlagen und philosophischen Ressourcen, um den Winden des Fanatismus des zwanzigsten Jahrhunderts zu widerstehen, die sowohl von rechts als auch von links wehen.
StraussVsHistorizismus: Da die Gegenwart bankrott ist, müssen sich Studenten der politischen Philosophie von der Vergangenheit leiten lassen; sie müssen Historiker sein, aber keine "Historizisten".
Wissen und Leitung der Art, wie wir sie benötigen, sind jedoch nicht leicht zu bekommen. Sie erfordern, dass wir diese "alten Bücher" richtig lesen - dass wir
Gaus I 25
die wahre Bedeutung der Botschaften entziffern, die von Autoren verschlüsselt wurden, die sich vor Verfolgung fürchten und im Laufe der Zeit mit den Kognoszenen kommunizieren wollten (Strauss, 1952)(1). StraussVsLocke/StraussVsHobbes: Sich mit den großen Denkern der Antike zu verständigen, bedeutet zu würdigen, wie tief wir gefallen sind. Die Fäulnis kam im 17. Jahrhundert, mit dem Aufkommen des modernen Liberalismus, insbesondere des Liberalismus von Hobbes und Locke (Strauss, 1953)(2). Sie leugneten die alte Weisheit und die ältere Idee des Naturrechts und zogen stattdessen eine auf Sicherheit und Eigeninteresse beruhende Sichtweise der Politik vor. Das alte "philosophische" Streben nach dem guten Leben wurde in die moderne "wissenschaftliche" Suche nach Sicherheit, Geborgenheit und der Anpassung an konkurrierende Interessen umgewandelt.
1) VsStrauss: Straussische Interpretationen sind aus verschiedenen Gründen kritisiert worden. Einer ist, dass sie sich auf die Art von vermeintlichem "Insiderwissen" stützen, das nur denjenigen zur Verfügung steht, die in die Geheimnisse der Straußischen Interpretation eingeweiht wurden (und die ihrerseits Kritik von nicht-russischen Außenstehenden bequemerweise als hoffnungslos ignorant und uninformiert abtun).
2) VsStrauss: Eine andere ist, dass sie ohne Argumente oder Beweise davon ausgehen, dass der "echte" Text nicht Punkt für Punkt mit dem geschriebenen und öffentlich zugänglichen "exoterischen" Text übereinstimmt; der echte oder "esoterische" Text bleibt der Öffentlichkeit verborgen, seine Bedeutung ist für Uneingeweihte unzugänglich und unwürdig.


1. Strauss, Leo, 1952. Persecution and the Art of Writing. Glencoe, IL: Free.
2. Strauss, Leo, 1953. Natural Right and History. Chicago: University of Chicago Press.

Ball, Terence. 2004. „History and the Interpretation of Texts“. In: Gaus, Gerald F. 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications.

StraussDFr I
David Friedrich Strauss
Der alte und der neue Glaube Hamburg 2012

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Liberalismus Barber Brocker I 681
Liberalismus/BarberVsLiberalismus/Barber: These: in der amerikanischen Demokratie herrsche ein „Lobbyistenpolitik“ eine „Politik der Bilder“, eine „Politik der Massengesellschaft“ statt einer echten Bürgerbeteiligung. (geschrieben 1984). (1) Verantwortlich dafür sei der Liberalismus bzw. das mit dem Liberalismus verbundene Konzept der Repräsentation, das Partizipation zerstöre. (2)
Brocker I 682
Liberale Demokratie/Barber: stellt individuelle Rechte und eine durch Wahlen verantwortliche Regierung in den Mittelpunkt. Problem: der Liberalismus missverstehe „Politik als Raubtierhaltung“.
Brocker I 683
Kern des Liberalismus sei ein instrumentelles Demokratieverständnis. Politik sei danach dazu da, die Individuen gegen äußere Eingriffe zu schützen und diesen Schutz so zu bewerkstelligen, dass dies mit den vermeintlich unveränderlichen Eigenschaften der Individuen verträglich ist. Hierbei fasse der Liberalismus die Eigenschaften der Individuen tendenziell in pessimistischen Beschreibungen.
Brocker I 684
Liberalismus/Barber: der vorbegriffliche Rahmen sei gekennzeichnet durch Vorstellungen wie „Eigentum“, „Territorium“, „Grenzen“ „Sanktionen“, „Freiheit“ und „Macht“. Vernachlässigt werden dabei Aspekte wie menschliche gegenseitige Abhängigkeit, gegenseitige Hilfe, Kooperation, Mitgliedschaft, Brüderlichkeit, Gemeinschaft und Bürgerschaft. (3) Methode/Liberalismus/Barber: die Methodik des Liberalismus sei eine „cartesianische“, d.h. Wissen werden durch die Anwendung einer verlässlichen Methode gewonnen.
BarberVsLiberalismus: Politik sei nicht die Anwendung von Wahrheit auf das Problem menschlicher Beziehungen, sondern die Anwendung menschlicher Beziehungen auf das Problem der Wahrheit. (4)
Brocker I 685
BarberVsLiberale Demokratie: These: der Liberalismus erzeuge einen Menschentypus, dessen Psyche anfällig sei für die totalitäre Versuchung, indem der Mensch auf sich selbst zurückgeworfen werden. (Haus: hier zeigen sich Parallelen zum Denken Hannah Arendts.) Dennoch: BarberVsArendt/BarberVsStrauss, Leo: dies seien nostalgische Theorien. (5)


1. Benjamin Barber, Strong Democary, Participatory Politics for a New Age, Berkeley CA, 1984, Dt. Benjamin Barber, Starke Demokratie. Über die Teilhabe am Politischen, Hamburg 1994, S. 12.
2. Ebenda S. 13.
3. Benjamin Barber Strong Democray. Participatory Politics for a New Age. Twentieth-anniversary edition, Berkeley/Los Angeles/London 2003 S. 34f. 4. Ebenda S. 64f.
5. Ebenda S. 100.
Michael Haus, „Benjamin Barber, Starke Demokratie“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

PolBarb I
Benjamin Barber
The Truth of Power. Intellectual Affairs in the Clinton White House New York 2001

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018