Lexikon der Argumente


Philosophische Themen und wissenschaftliche Debatten
 
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Literatur
Vertauschte Spektren Chalmers I 99
Vertauschte Spektren/Bewusstsein/Chalmers: um die fehlende Erklärbarkeit unseres Bewusstseins nachzuweisen genügt es, die logische Möglichkeit einer physikalisch mit unserer identischen Welt nachzuweisen, wo Tatsachen über unser bewusstes Erleben sich von denen in unserer Welt unterscheiden. Hier geht es um positive Tatsachen, nicht um ein Fehlen von Tatsachen.
I 100
Jemand, der in meiner Welt lebt, könnte etwas, das ich als rot wahrnehme, als blau erleben. Natürlich würde er es aber genau wie ich „rot“ nennen. Der Rest seiner Farbempfindungen wäre so arrangiert, dass keine Unterschiede auffallen. Erklärung: die einfachste Erklärung wäre dass zwei der Achsen unseres dreidimensionalen Farbraums vertauscht sind die Rot-Grün-Achse und die Gelb-Blau-Achse. (Eine erhellende Diskussion des menschlichen Farbraums findet sich in Hardin 1988 (1)). Das ist nicht nur begrifflich widerspruchsfrei, sondern es scheint auch neurophysiologisch nicht ausgeschlossen zu sein.
HarrisonVsVertauschte Spektren/HardinVsVertauschte Spektren/Chalmers: (Harrison 1973(2), Hardin 1987(3)): These: der menschliche Farbraum ist asymmetrisch, so dass eine solche Umkehrung nicht möglich ist. Bsp warme/kalte Farben, die mit verschiedenen funktionalen Rollen assoziiert sind, („positiv“, „negativ“).
ChalmersVsVs:
1. Dennoch ist nichts begrifflich Widersprüchliches an vertauschten Spektren. 2. Statt einer Vertauschung von Rot und Blau könnte man eine Vertauschung von nur leicht abweichenden Farbtönen annehmen (Levine 1991)(4).
I 101
Es gibt auch keinen Grund, warum eine Vertauschung des Spektrums sich nur natürlicher Farben bedienen muss. 3. (Shoemaker, 1982(5)): Auch wenn unser Farbraum asymmetrisch ist, gibt es keinen Grund anzunehmen, dass es Kreaturen mit einem symmetrische Farbraum geben könnte, die aber physikalisch identisch mit uns sind.
Vorstellbarkeit/Reduktive Erklärung/Chalmers: wenn solche Annahmen vorstellbar sind, hat das Auswirkungen auf die Frage der Möglichkeit von reduktiven Erklärungen.
Bewusstsein: sowohl die Vorstellbarkeit von Zombies als auch die von vertauschten Spektren zeige, dass Bewusstsein nicht logisch auf physikalischen Tatsachen superveniert. Höchstens die Existenz von bewusstem erleben könnte reduktiv erklärt werden, nicht aber der spezifische Charakter unseres Erlebens.
I 263
Vertauschte Spektren/Chalmers: wir müssen die Möglichkeit von vertauschten Spektren für funktional isomorph strukturierte Systeme ausschließen. Vertauschte Qualia kommen zuerst bei John Locke vor.
I 264
VsChalmers: sogar Materialisten wenden ein, dass die Natur von Erlebnissen auf der physiologischen Beschaffenheit beruht, also bei anders aufgebauten Systemen (z.B. Maschinen) anders sein könnte. Vertauschte Spektren/Schlick (1932)(6): verifikationistisch können sie nicht festgestellt werden. Daher kann es auch keine reale Differenz geben.
ChalmersVsSchlick: das ist nicht hinreichend dafür, den Schluss zu ziehen, dass es hier keine Tatsache gäbe in Bezug auf bewusste Erlebnisse, und zwar, weil die Natur der Qualia begrifflich nicht an Verhalten geknüpft ist. ((s) > Nonfaktualismus).
I 265
Invarianzprinzip/Chalmers: wird von der natürlichen (nicht nur logischen) Möglichkeit vertauschter Spektren nicht erschüttert. Es wird auch nicht erschüttert von Beispielen der Umorganisation, Neuverdrahtung usw. (Gert, 1965(7), Lycan 1973(8), Wittgenstein, 1968(9)). Ebenso nicht durch Entführung auf eine Zwillingserde mit gelbem Himmel. (Block 1990). Hier werden die Repräsentationen nach einer Eingewöhnungszeit über Gelb sein. Das Invarianzprinzip (der Erhalt bewusster Erlebnisse bei geänderter physikalischer Struktur eines funktional gleichbleibenden Systems)) bleibt bestehen.



1. C. L. Hardin, Color for Philosophers: Unweaving the Rainbow, Indianapolis 1988.
2. B. Harrison, Form and Content, Oxford, 1973
3. C. L. Hardin, Qualia and materialism: Closing the explanatory gap. Philosophy and Phenomenological Research 48, 1987: pp. 281-98
4. J. Levine, Cool red. Philosophical Psychology 4, 1991: pp. 27-40
5. S. Shoemaker, The inverted spectrum. Journal of Philosophy 79, 1982: pp. 357-81
6. M. Schlick, Positivism and Realism, Erkenntnis 3, 1932
7. B. Gert, Imagination and verifiability. Philosophical Studies 16, 1965: pp. 44-47
8. W. G. Lycan, Inverted spectrum. Ratio 15, 1973: pp. 315-19
9. L. Wittgenstein, Notes for lectures on "private experience" and "sense data". Philosophical Review 77, 1968

Cha I
D. Chalmers
The Conscious Mind Oxford New York 1996

Cha II
D. Chalmers
Constructing the World Oxford 2014
Vertauschte Spektren Pauen Pauen I 143
Vertauschte Spektren/DennettVsVertauschte Spektren/Pauen: Verhalten und phänomenale Erfahrung sind nicht zu trennen, weil sie auf der neuronalen Ebene verwoben sind. - Damit sind Bewusstsein und Verhalten nicht zu trennen.
I 184
Vertauschte Spektren/fehlende Qualia/Pauen: gemeinsame These beider Argumente: es ist unmöglich, eine Verbindung zwischen phänomenalem und physiologischem Wissen herzustellen. - Damit wären neurobiologische Theorien grundsätzlich ungeeignet zu Erkenntnissen über phänomenale Prozesse. - Dennoch kausale Wirksamkeit mentaler Eigenschaften möglich. - Kein Epiphänomenalismus.
I 186
Phänomenale Zustände/VsVertauschte Spektren/Pauen: die konkrete Qualität eines phänomenalen Zustands ist selten nur durch seinen Ort innerhalb eines Bezugssystems bestimmt - es gibt also wahrscheinlich keine Rotempfindung an sich . - Dann kann man nicht sinnvoll von Unterschieden des Spektrums zwischen Personen reden -. Höchstens Veränderungen bei einer Person.
I 187
Vertauschte Spektren/VsVertausche Spektren/Pauen: das Spektrum ist nicht symmetrisch! - Das macht sich in unserem Unterscheidungsvermögen bemerkbar. - Primärfarben und Mischfarben würden in unterschiedlicher Anzahl aufeinander abgebildet. - Orange und Rot werden beide zu Braun, wenn man sie abdunkelt. - Lösung: das könnte man korrigieren, wenn man die Spiegelachse genau durch die Achse Orange/Braun legt. - Problem: das würde Sekundärfarben auf Primärfarben abbilden. - Pauen: also scheitert das Gedankenexperiment an der Vorstellbarkeit.

Pauen I
M. Pauen
Grundprobleme der Philosophie des Geistes Frankfurt 2001