Lexikon der Argumente


Philosophische Themen und wissenschaftliche Debatten
 
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Der gesuchte Begriff oder Autor findet sich in folgenden 112 Einträgen:
Begriff/
Autor/Ismus
Autor
Eintrag
Literatur
A priori McGinn I 151
A priori/McGinn: wir besitzen eine Reihe von Erkenntnisfähigkeiten, die auf angeborenen Grundlagen beruhen. - Wie ist"s möglich? Es ist ein Wunder, dass wir so viel wissen, viel verblüffender, als z.B. unsere Lauf- und Hebefähigkeiten. Freilich gibt es hier auch wissenschaftlich ungelöste Fragen, aber das bedroht nicht ihren ontologischen Status.
I 165
A priori/Transzendentaler Naturalismus/TN/McGinn: wir gleichen dreidimensionalen Wesen, die nur mit zweidimensionalen Begriffen ausgerüstet sind. Im Fall der empirischen Erkenntnis begreifen wir immerhin, mit welcher Art von Dingen wir es zu tun haben.
I 166
A priori/Kombinatorischer Atomismus mit gesetzesartigen Abbildungen/KAGA/McGinn: KAGA lässt uns beim Apriori im Stich: wir können nicht einmal die Art der Beziehung formulieren, die durch dieses Schema geregelt werden könnte. Wir können die entsprechenden Fakten nicht einmal im Bereich der Realität ansiedeln.
I 166
A priori/Transzendentaler Naturalismus: behauptet, die Beziehung zwischen Bewusstsein und Gehirn sei zwar vorhanden, entspreche aber nicht der Form unseres Denkens. McGinn: im Gegensatz zu den bisher behandelten Themen scheinen die Chancen für den TN, auf das Apriori zuzutreffen, eher gering. Er ist nämlich nicht im Stande, etwas zutiefst Inkohärentes in ein braves Stück unseres Weltinventars zu verwandeln.
I 170
A priori/Transzendentaler Naturalismus: es wird uns aufgrund der in uns angelegten begrifflichen Grenzen nicht gelingen, eine einheitliche Theorie über das Apriori aufzustellen. Daraus folgt aber nicht, dass wir irgendwelche landläufigen Vorstellungen korrigieren müssten. Die Vernunft kann keine vollständige Theorie ihrer selbst aufstellen.

McGinn I
Colin McGinn
Die Grenzen vernünftigen Fragens Stuttgart 1996

McGinn II
C. McGinn
Wie kommt der Geist in die Materie? München 2001
Adaption Gould I 198
Adaption/Präadaption/Gould: Def Präadaption: aus der These hergeleitet, dass in den Anfangsstadien andere Funktionen erfüllt worden sind. Bsp ein halber Kiefer konnte die Kiemen stützen. Ein halber Flügel mag zum Fang von Beutetieren gedient haben, oder zur Kontrolle der Körpertemperatur. Gould: Der Begriff der Präadaption ist unverzichtbar, aber nicht geeignet, in allen Fällen eine Kontinuität zu erweisen.
I 199
Bsp bei zwei Gattungen von Biodae (Riesenschlangen) auf Mauritius gibt es einen geteilten Oberkieferknochen, (mit elastischer Verbindung), den es sonst bei keinem Wirbeltier auf der Erde gibt. Hier ist einem diskontinuierlichen Übergang der Vorzug zu geben denn ein Kiefer kann nicht halb gebrochen sein. Beispiele:
I 195
Bsp Fische, die Kiefer besitzen, sind mit ihren Vorfahren ohne Kiefer verwandt. Die Makroevolution (die größeren strukturellen Übergänge) ist nichts als eine ausgeweitete Mikroevolution (z.B. die Veränderung von Fliegen in geschlossenen Behältern).
I 196
Bsp Wenn schwarze Nachtfalter die Weißen innerhalb eines Jahrhunderts ersetzen, dann können Reptilien durch sanfte Summierung zahlloser Veränderungen im Laufe von einigen Millionen Jahren zu Vögeln werden.
II 51
Adaption/Gould: Wir müssen nicht zwischen Beschränkung und Schönheit der Adaption wählen, da nur beides zusammen die notwendige Spannung zur Regulation der Evolution liefert. Selektion/Gould: GouldVs: Gould richtet sich gegen die Annahme einer konsequenten Auslese, bzw. die Annahme, es gebe ein Wirken der Selektion auf jeder Ebene gleichzeitig, bzw. die Theorie, dass jedes Detail das an einem Organismus aufzufinden ist, aus der Selektion resultiert.
Verhalten/Adaption: Jedes Einzelverhalten mag eine wunderbare Adaption sein, aber es muss innerhalb einer vorherrschenden Beschränkung geformt sein. Bsp Brutverhalten des Tölpels.
II 52
Verhalten/Tier/Gould: Die Quellen organischer Formen und Verhaltensweisen sind mannigfaltig und beinhalten wenigsten drei Primärkategorien: a) Augenblickliche Adaption (des Verhaltens der Jungen),
b) Die potentiell nichtadaptiven Konsequenzen grundlegender struktureller Entwürfe die als Beschränkungen der Adaption wirken.
c) Adaptionen der Vorfahren, die jetzt von der Nachkommenschaft in anderer Weise verwendet werden.
II 153
Adaption/GouldVsAdaptionismus/Gould: man kann z. B. besondere Merkmale bei manchen abnormalen menschlichen Kindern nicht als Adaption bezeichnen. Wir bewohnen keine perfekte Welt, in der die natürliche Selektion rücksichtslos alle organischen Strukturen überprüft und sie dann im Hinblick auf optimale Nützlichkeit formt. In vielen Fällen spiegelt die Evolution mehr ererbte Muster als augenblickliche Forderungen der Umwelt wider.
II 152
Wir neigen (fälschlicherweise) dazu, jede Struktur so zu betrachten, als sei sie für einen bestimmten Zweck geschaffen.
IV 27
Adaption/Anpassung/Gould: wir sollten nicht folgern, dass die von Darwin angenommene Anpassungsfähigkeit an eine lokale Umwelt uneingeschränkte Macht besitzt, theoretisch optimale Entwürfe für alle Situationen zu erzeugen. Die natürliche Selektion kann nur auf vorhandenes Material zurückgreifen. Klassisches Dilemma der Evolutionstheorie. Frage: wie entstehen die Zwischenschritte?
Strukturalisten (wie Geoffroy Saint Hilaire, 1772-1844): These: Zuerst ändert sich die Form und findet dann eine Funktion.
Funktionalisten (wie Lamarck): These: zunächst müssen Organismen eine funktional andere Lebensweise annehmen, bevor sich die Formen entwickeln.
DarwinVsStrukturalismus: Die Umwelt gibt ihre Anforderungen an eine Anpassung nicht direkt an den Organismus weiter. Vielmehr indirekt über mehr Überlebende Nachkommen derjenigen, die das Glück hatten, in Richtung einer besseren Anpassung an ihre lokale Umwelt zu variieren.
IV 28
Lamarck: tatsächlich war er es, der die richtige Antwort gefunden hatte (wie Darwin): Er schlug lediglich einen falschen Mechanismus für die Übertragung der Information zwischen Umwelt und Organismus vor. Seine funktionalistische Lösung enthält eine elegante Vereinfachung, die heute von nahezu allen Evolutionsforschern akzeptiert wird. »Es ist weder die Gestalt des Körpers noch die Form seiner Gegner, welche die Gewohnheiten der Tiere entstehen lässt, sondern es sind im Gegenteil die Gewohnheiten und Lebensumstände, die im Laufe der Zeit die Gestalt des Körpers gebildet haben«.(1)
Gould: das wird heute als richtig angesehen.



1. Lamarck, J.B. (1809/1984). Zoological Philosophy. Chicago: University Press.


Gould I
Stephen Jay Gould
Der Daumen des Panda Frankfurt 2009

Gould II
Stephen Jay Gould
Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991

Gould III
Stephen Jay Gould
Illusion Fortschritt Frankfurt 2004

Gould IV
Stephen Jay Gould
Das Lächeln des Flamingos Basel 1989
Addition Thiel I 312
Dass Systeme mit kategorial verschiedenen Gegenständen dieselbe Struktur aufweisen, erscheint nicht verwunderlicher als das Vorkommen von Strukturgleichheiten zwischen Bereichen kategorial verschiedener Gegenstände.
Thiel I 312
In der modernen Mathematik spricht man nicht nur von "der" Addition, sondern von "einer Addition" und führt Verknüpfungszeichen ein. Man schreibt z.B. Addition als "$" wenn sie assoziativ und kommutativ ist, wenn das nicht der Fall ist, wird man die Operation vielleicht lieber als Multiplikation "§" oder anderes schreiben.

I 312/313
Ontologie/Gegenstände/Mathematik/Thiel: die Geltung solcher Gesetze macht aus dem Gegenstandsbereich noch keinen Zahlenbereich, ebenso wie die Geltung irgendwelcher mengentheoretischer Gesetze die (Bereiche von) Zahlen in (Bereiche von) Mengen verwandelt. Die Erfassung der möglichen Typen von Operationen liefert keine Fundamentaldisziplin.


T I
Chr. Thiel
Philosophie und Mathematik Darmstadt 1995
Ähnlichkeit Bigelow I 228
Zugänglichkeit/Lewis: Zugänglichkeit zwischen möglichen Welten: ihre Grade sollten als Grade von Ähnlichkeit verstanden werden.
Ähnlichkeit/Mögliche Welten/Lewis: hier müssen wir die relevante Ähnlichkeit erkennen. Wichtiger ist die in Bezug auf bestimmte Gesetze! Damit werden Gesetze bei der Erklärung schon vorausgesetzt. (Lewis 1979, 1986a - JacksonVsLewis: Jackson 1977a: Kausalität statt Ähnlichkeit)
Zugänglichkeit/Bigelow/Pargetter: Bsp 3 Welten
1. Welt u: Darwin fragt seinen Vater um Erlaubnis loszusegeln, erhält sie und schreibt sein Buch, von dem wir alle gehört haben
2. Welt w: Darwin erhält die Erlaubnis nicht, segelt nicht los und schreib sein Buch nicht
3. Welt e v: Darwin erhält die Erlaubnis nicht, segelt trotzdem los… und sein Vater hat vergessen was er gesagt hat.
Zugänglichkeit/Lewis/Bigelow/Pargetter: nach unserer Semantik (und der von Lewis) ist das entsprechende kontrafaktische Konditional nur wahr in w, wenn Welten wie u die von w am meisten zugänglichsten (nächste Welt; ähnlichste Welt) sind.
Lewis: also muss u w ähnlicher sein als w v ähnlich ist. u und w müssen einander näher sein.
Wenn v und w näher aneinander wären, wäre folgendes kontrafaktische Konditional wahr:
Wenn Darwins Vater die Erlaubnis nicht gegeben hätte, dann hätte Darwin nicht gehorcht und sein Vater hätte es vergessen.
Und das ist nicht wahr in w. Also ist u w näher als v u nahe ist.
I 229
Ähnlichkeit/Mögliche Welten/Relevanz/Bigelow/Pargetter: welche Art von Ähnlichkeit ist aber die relevante? Es kann nicht um bestimmte Tatsachen (wie in dieser Geschichte) gehen. Das wäre nicht hinreichend. Lösung/Lewis:
Def Ähnlichkeit/Ähnlichkeitsmetrik/mögliche Welten/Lewis: durch weniger Ausnahmen in einer möglichen Welt bei Gesetzen, die in der anderen Welt gelten. >Wunder.
Bsp Darwin: „Wunder“ wären die falsche akustische Übermittlung der Aussage des Vaters und das Vergessen durch den Vater.
Wunder/Lewis: aber auch Welt u könnte Wunder enthalten: die Vorgeschichte ist die gleiche wie in v, aber die Entscheidung des Vaters fällt anders aus, wobei aber eben die kausale Situation dieselbe wäre Und das Wunder der anderen Entscheidung wäre vielleicht genauso groß wie das der Gedächtnislöschung und der falschen Hörens.
I 230
Naturgesetze/ Welten/Lewis/Bigelow/Pargetter: also könnte es sein, dass auch dort andere Gesetze gelten. Gehorchen/Gesetze/MöWe/Bigelow/Pargetter: wir können auch sagen, dass eine Welt in einem gewissen Grad den Gesetzen einer anderen Welt gehorcht.
Bsp könnte es eine Welt z geben, die den Gesetzen von w besser gehorcht als u?
z: Angenommen, hier gibt es Gesetze, die die Ablehnung der Erlaubnis wahrscheinlich machen. Angenommen, der Vater hat von einem Konflikt mit Frankreich in der Seegegend gehört. Das verlangt keine Änderung von Gesetzen.
Dann wären wir gezwungen anzunehmen, dass folgendes kontrafaktische Konditional wahr ist in w: (nach unserer Semantik und der von Lewis):
Wenn Darwins Vater abgelehnt hätte, wäre Krieg zwischen England und Frankreich ausgebrochen oder es hätte einen anderen Faktor gegeben, der die Ablehnung herbeigeführt hätte.
Allerdings ist es falsch in w in wenigstens einer Lesart.
Ähnlichkeitsmetrik/Relevanz/Ähnlichkeit/Lewis: das zeigt, dass Ähnlichkeit der Gesetze nicht der einzige relevante Faktor ist.
Lösung/Lewis: Ähnlichkeit zwischen Welten muss erklärt werden
a) durch Ähnlichkeit in Bezug auf Gesetze,
b) durch Ähnlichkeit in Bezug auf bestimmte Tatsachen.
Gewichtung/Lewis: Bsp gleiche Tatsachen über lange Zeit haben dabei mehr Gewicht als das Gehorchen gleicher bestimmter Gesetze.
Aber die Befolgung von Gesetzen hat mehr Gewicht als bestimmte übereinstimmende Tatsachen.
I 231
LewisVsBigelow: VsModale Theorie. Bigelow/Pargetter: wir erklären Gesetze durch Zugänglichkeit
Lewis: erklärt Zugänglichkeit durch Gesetze.
Bigelow/Pargetter: wenn Lewis recht hat, ist unsere Theorie zirkulär.
Lösung/Lewis: s.u.
BigelowVsVs/BigelowVsLewis: wir leugnen, dass Zugänglichkeit durch Ähnlichkeit erklärt werden muss. Die am leichtesten zugängliche Welt muss nicht die ähnlichste Welt sein! Das zeigen die obigen Bsp (Darwins Vater).
Aber selbst wenn es nicht so wäre, würde es die modale Theorie der Naturgesetze nicht widerlegen.
Ähnlichkeit/Welten/Bigelow/Pargetter: wir sind herausgefordert, eine bessere Theorie als Lewis zu konstruieren.

Big I
J. Bigelow, R. Pargetter
Science and Necessity Cambridge 1990
Ähnlichkeit Lewis IV 42
Ähnlichkeit/Ähnlichkeitsmetrik/Mögliche Welten/Lewis: Probleme: welche Aspekte zählen, welches Gewicht haben sie, wie weit darf Unähnlichkeit gehen?
V 46
Ähnlichkeit/Mögliche Welten/kontrafaktische Abhängigkeit/Lewis: die Ähnlichkeitsrelation zwischen möglichen Welten sollte nicht erfordern, dass in abweichenden Welten Wunder nötig werden. Ähnlichkeitsrelation/Lewis: ich glaube nicht, dass sie unser explizites Urteil oft leiten, aber die Gesamtähnlichkeit muss Teil der gesuchten Ähnlichkeitsrelation sein. - Übereinstimmung lokaler Tatsachen nicht wichtig, wohl aber Vermeidung größerer Verletzungen von Naturgesetzen. - Bsp kleines Wunder: Nixon drückt den Knopf, aber das Signal wird unterdrückt. - Großes Wunder: außerdem werden alle Spuren verwischt, Nixon Memoiren gefälscht usw., d.h. die Welten werden ununterscheidbar.
V 48
Kleines Wunder: erlaubt Abweichung. - Großes Wunder: erlaubt Konvergenz. >Wunder/Lewis.
V 49
Divergenz ist viel einfacher zu erreichen als Konvergenz - kontrafaktische Asymmetrie: gibt es, weil die geeigneten Standards der Ähnlichkeit ihrerseits symmetrisch sind und der Asymmetrie von Wundern entsprechen. - V 53 es geht sehr wohl um die Gewichtung verschiedener Ähnlichkeiten.
V 163f
Ähnlichkeit/Mögliche Welten/Ähnlichkeitsmetrik/Lewis: eigentlich eine dreistellige Relation. - w1 ist näher an w als w2. - Ähnlichkeiten von Fakten gleichen sich aus gegen Ähnlichkeit von Gesetzen. Ähnlichkeits-Gesetze sind wichtig für den Charakter von möglichen Welten. Ähnlichkeit: wir stellen nicht die Bedingung auf, dass es eine einzige nächste mögliche Welt geben sollte oder bloß eine nächste Menge. >Ähnlichkeitsmetrik/Lewis, >Mögliche Welten/Lewis.

Lewis I
David K. Lewis
Die Identität von Körper und Geist Frankfurt 1989

Lewis I (a)
David K. Lewis
An Argument for the Identity Theory, in: Journal of Philosophy 63 (1966)
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis I (b)
David K. Lewis
Psychophysical and Theoretical Identifications, in: Australasian Journal of Philosophy 50 (1972)
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis I (c)
David K. Lewis
Mad Pain and Martian Pain, Readings in Philosophy of Psychology, Vol. 1, Ned Block (ed.) Harvard University Press, 1980
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis II
David K. Lewis
"Languages and Language", in: K. Gunderson (Ed.), Minnesota Studies in the Philosophy of Science, Vol. VII, Language, Mind, and Knowledge, Minneapolis 1975, pp. 3-35
In
Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979

Lewis IV
David K. Lewis
Philosophical Papers Bd I New York Oxford 1983

Lewis V
David K. Lewis
Philosophical Papers Bd II New York Oxford 1986

Lewis VI
David K. Lewis
Konventionen Berlin 1975

LewisCl
Clarence Irving Lewis
Collected Papers of Clarence Irving Lewis Stanford 1970

LewisCl I
Clarence Irving Lewis
Mind and the World Order: Outline of a Theory of Knowledge (Dover Books on Western Philosophy) 1991
Ästhetische Wahrnehmung Hamann Gadamer I 95
Ästhetische Wahrnehmung/Hamann/Gadamer: Der ästhetische Grundbegriff, von dem Hamann ausgeht, ist die „Eigenbedeutsamkeit der Wahrnehmung“. Mit diesem Begriff wird offenbar dasselbe gesagt wie mit Kants Lehre von der zweckmäßigen Übereinstimmung mit dem Zustand unseres Erkenntnisvermögens überhaupt. Gadamer: Was eigenbedeutsam statt fremdbedeutsam ist, will den Bezug auf das, woher sich seine Bedeutung bestimmen ließe, überhaupt abschneiden.
GadamerVsHamann: Kann ein solcher Begriff eine tragfähige Grundlage für die Ästhetik hergeben? Kann man den Begriff überhaupt von einer Wahrnehmung gebrauchen? Muss man nicht dem Begriff des ästhetischen auch zubilligen, was dem Wahrnehmen zukommt, nämlich, dass es Wahres vernimmt, also auf Erkenntnis bezogen bleibt? In der Tat tut man gut, sich an Aristoteles zu erinnern.
Wahrnehmung/Aristoteles/Gadamer: Aristoteles hat gezeigt, dass alle aisthesis auf ein Allgemeines geht, auch wenn es so ist, dass jeder Sinn sein spezifisches Feld hat und das in ihm unmittelbar Gegebene insofern nicht allgemein ist. Aber die spezifische Wahrnehmung einer Sinnengegebenheit als solche ist eben eine Abstraktion. In Wahrheit sehen wir, was uns sinnlich im einzelnen gegeben ist, immer auf ein Allgemeines
Gadamer I 96
hin an.(1)
A. GadamerVsHamann: Nun ist das Sehen gewiss dadurch ausgezeichnet, dass es den Anblick nicht eilends auf ein Allgemeines, die gewusste Bedeutung, den geplanten Zweck oder dergleichen bezieht, sondern bei dem Anblick als ästhetischem verweilt. Aber wir hören doch deshalb nicht auf, im Sehen derart zu beziehen, z. B. diese weiße Erscheinung, die wir ästhetisch bewundern, dennoch als einen Menschen zu sehen. Unser Wahrnehmen ist eben niemals eine einfache Abspiegelung dessen, was den Sinnen gegeben ist.
Vielmehr hat die neuere Psychologie, insbesondere die scharfsinnige Kritik, die Scheler ebenso wie W. Koehler, E. Strauß, M. Wertheimer, u. a. an dem Begriff der reinen, Wahrnehmung geübt hat(2)
lehrt, dass dieser Begriff einem erkenntnistheoretischen Dogmatismus entspringt.
B.
GadamerVsHamann: Auch die als adäquat gedachte Wahrnehmung würde niemals ein einfaches Abspiegeln dessen sein, was ist. Denn sie bliebe immer ein Auffassen als etwas. Jedes Auffassen als [etwas] artikuliert das, was da ist, indem es wegsieht von [etwas],, hinsieht auf [etwas] , [etwas] zusammensieht als [etwas] - und all das kann wiederum im Zentrum einer Beachtung stehen oder am Rande und im Hintergrunde bloß werden. So ist es kein Zweifel, dass das Sehen als ein artikulierendes Lesen dessen, was da ist, vieles, was da ist, gleichsam wegsieht, so dass es für das Sehen eben nicht mehr da ist; ebenso aber auch, dass es von seinen Antizipationen geleitet
was gar nicht da ist.
Diese Kritik an der Lehre von der reinen Wahrnehmung, die von der pragmatischen Erfahrung aus geübt worden ist, ist dann von Heidegger ins Grundsätzliche gewendet worden. Damit gilt sie aber auch für das ästhetische Bewusstsein, obwohl hier das Sehen nicht einfach über das Gesehene z. B. auf seine allgemeine Brauchbarkeit zu etwas, sondern beim Anblick verweilt. Verweilendes Schauen und Vernehmen ist nicht einfach Sehen des reinen Anblicks, sondern bleibt selbst ein Auffassen als ...
Gadamer I 97
Kunst/Wahrnehmung: Die Seinsart des Vernommenen ist nicht Vorhandenheit. Wo es sich um bedeutungshafte Darstellung handelt, z. B. bei Werken der bildenden Kunst, soweit sie nicht ungegenständlich-abstrakt sind, ist die Bedeutungshaftigkeit für das Lesen des Anblicks offenkundig leitend. Nur wenn wir das Dargestellte „erkennen“ vermögen wir ein Bild zu „lesen“ ja, nur dann ist es im Grunde ein Bild. >Sehen/Gadamer. C.
Form/Inhalt/GadamerVsHamann: Es ist daher ein verkehrter Formalismus, der sich überdies Kant berufen darf, die Einheit des ästhetischen Gebildes im Gegensatz zu seinem Inhalt allein in seiner Form zu suchen. Kant hatte mit seinem Begriff der Form etwas ganz anderes im Auge. Nicht gegen den bedeutungsvollen Inhalt eines Kunstwerks, sondern gegen den bloß sinnlichen Reiz des Stofflichen bezeichnet bei ihm der Formbegriff den Aufbau des ästhetischen Gebildes. >Form und Inhalt/Gadamer.


1. Aristoteles, De anima, 425 a 25.
2. M. Scheler, in »Die Wissensformen und die Gesellschaft«, 1926, S. 397 ff. Jetzt Ges. Werke 8, S. 315ff.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Bibelkritik Spinoza Gadamer I 184
Bibelkritik/Bibel/Hermeneutik/Spinoza/Gadamer: Das eigentliche Problem des Verstehens bricht offenbar auf, wenn sich bei der Bemühung um inhaltliches Verständnis die Reflexions-Frage erhebt: Wie kommt er zu seiner Meinung? Denn es ist klar, dass eine solche Fragestellung eine Fremdheit ganz anderer Art bekundet und letztlich einen Verzicht auf gemeinsamen Sinn bedeutet.
Spinozas Bibelkritik ist dafür ein gutes Beispiel (und zugleich eines der frühesten Dokumente) Im 7. Kapitel des „Tractatus theologico-politicus“(1) entwickelt Spinoza seine Interpretationsmethode der Heiligen Schrift in Anlehnung an die Interpretation der Natur. Aus den historischen Daten muss man auf den Sinn (mens) der Autoren schließen - soweit in diesen Büchern Dinge erzählt werden (Geschichte von Wundern sowie Offenbarungen), die nicht aus den der natürlichen Vernunft bekannten Prinzipien ableitbar sind. Auch in diesen Dingen, die an sich unbegreiflich (imperceptibiles) sind, lässt sich, unbeschadet dessen, dass die Schrift unbestrittenermaßen im Ganzen einen moralischen Sinn hat, alles worauf es ankommt verstehen, wenn wir nur den Geist des Autors „historisch“ erkennen, das heißt, unter Überwindung unserer Vorurteile an keine anderen Dinge denken als an die, welche der Autor im Sinne haben konnte.
Gadamer I 185
Euklid werde niemand so interpretieren, dass man Leben, Studien und Sitten (vita, studium et mores) des Verfassers beachtet, und das gelte auch für den Geist der Bibel in moralischen Dingen (circa documenta moralia). Nur weil es unbegreifliche Dinge (res imperceptibiles) in den Erzählungen der Bibel gebe, sei deren Verständnis davon abhängig, dass wir den Sinn des Autors aus dem Ganzen seiner Schrift zu eruieren vermögen (ut mentem auctoris percipiamus). Und da ist es in der Tat gleichgültig, ob das Gemeinte unserer Einsicht entspricht denn wir wollen ja nur den Sinn der Sätze (den sensus orationum) , nicht aber ihre Wahrheit (veritas) erkennen. Dafür bedarf es der Ausschaltung aller Voreingenommenheit, sogar der durch unsere Vernunft (erst recht natürlich der durch unsere Vorurteile). (§ 17).
Gadamer I 185
Gadamer: Die „Natürlichkeit“ des Bibelverständnisses beruht also darauf, dass das Einsichtige einsehbar, das Uneinsichtige „historisch“ verständlich wird.


1. Spinoza: Theologisch-politische Abhandlung. Berlin 1870



Höffe I 238
Bibelkritik/Spinoza/Höffe: Aufklärer ist Spinoza auch mit der kritischen Analyse der Heiligen Schrift. Die historisch-kritische Bibelwissenschaft ist damals zwar schon weit fortgeschritten, sodass Spinozas Methode, etwa mit der Calvins verglichen, nicht neu ist. Neu, vielleicht sogar revolutionär neu ist der politische Auftrag, den die Her- meneutik der Bibel erhält: Sie muss Sich dem politischen Leitziel, dem Frieden, unterwerfen, der wiederum im Dienst der Freiheit zu philosophieren steht. Zu diesem Zweck untergräbt Spinoza die Autorität der gelehrten Theologen und erklärt jeden Menschen für frei, die Heilige Schrift selbst auszulegen - sofern er eine politische Bedingung erfüllt: dass seine Auslegung den Gehorsam gegen das (weltliche) Gesetz stärkt. Andernfalls lassen sich nämlich weder Aufstände noch Bürgerkriege verrneiden.
VsOffenbarung: Soweit sich Spinoza auf den Inhalt der Heiligen Schrift einlässt, nimmt er ihrem Grundgedanken den Rang einer zeitlos gültigen Offenbarung. Die Schrift bestehe vielmehr vor allem aus Bildreden, die sich an die Einbildungskraft der damaligen Zeitgenossen und deren Fassungskraft richten. Sofern die Texte lediglich Bildreden sind, sucht eine weitergehende Hermeneutik, eine Exegese zweiter Stufe, ihren versteckten Subtext, den vernünftigen Kern, auf. Laut Spinoza ist er moralischer und lediglich nur moralischer Natur: Die Gebote der Schrift sollen zur Rechtschaffenheit, nämlich zu Gerechtigkeit und Nächstenliebe, anleiten.
Religion/Spinoza: Hier erscheint die Religion als ein Mittel zur moralischen Kultivierung der Menschen, was eine sich vollendende Toleranz zur Folge hat: Wer wie Spinoza die Religion auf die moralische Kultivierung des Menschen verpflichtet, der kann seiner eigenen Religion und Konfession treu bleiben, zugleich die der anderen anerkennen, denn deren Unterschiede sind ihm unerheblich geworden.

Spinoza I
B. Spinoza
Spinoza: Complete Works Indianapolis 2002

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Charakterzüge Webb Corr II 11
Charakterzüge/Webb/Deary: Wichtig ist die Arbeit von Edward Webb (1915)(1), weil sie wohl die erste wissenschaftliche Studie war, in der ein Charakterzug mit erkennbar modernen Methoden entdeckt wurde. >Charakterzüge/Deary.
II 14
Studiendesign/Experiment/Webb: Die Studienteilnehmer von Webb (1915) waren 194 Männer, etwa 21 Jahre alt, die an einer Lehrerausbildungsstätte studierten. Jeder Teilnehmer wurde von zwei unabhängig voneinander arbeitenden Richtern beurteilt. (...) die Richter wurden gebeten, Notizen zu jedem der ihnen zugewiesenen Teilnehmer zu machen, wobei sie ermutigt worden waren, diese so ausgiebig wie möglich zu machen, in allen beruflichen und sozialen Umgebungen und zu allen Aspekten des Verhaltens (...). [Während einer Auszeit] wurde jeder Richter gebeten, eine vollständige Charakterskizze von jedem seiner Probanden zu verfassen. All dies war nur eine vorbereitende Arbeit [und wurde] nicht als Daten verwendet. Nach der (...) Auszeit erhielt jeder Richter ein "Qualifikations-Schema", auf dessen Grundlage er jeden seiner Teilnehmer während eines College-Semesters bewerten sollte.
II 15
Es gab 39 Eigenschaften (...), die bei jeder Person zu bewerten waren; jede war ein Satz oder eine kurze Aussage (...). Sie wurden in der Arbeit aufgeführt als: Emotionen, Selbstqualitäten, Sozialität, Aktivität und Intellekt (...). Fünf Monate nach Abschluss der Bewertungen wurde jeder Richter gebeten, ausführlich darüber zu berichten, wie er die Bedeutung der einzelnen zu bewertenden Eigenschaften/Charakterzüge, aufgefasst hatte. Webb (1915) fasste diese Berichte in seinem Anhang II zusammen und stellte fest, dass es eine gute Übereinstimmung zwischen den Richtern gab. Dort, wo es weniger Übereinstimmung gab, erklärte Webb (...), dass es sich eher um Fälle handele, in denen die Zuverlässigkeit innerhalb eines Paares (engl. intra-pair reliability) gering sei und diese Daten wurden verworfen.
II 18
Ergebnisse/Webb: Die Ergebnisse von Webb's (1915)(1) Kapitel IV befassten sich weitgehend mit Daten aus Intelligenztests. Webb (...) fand einen allgemeinen kognitiven Faktor unter den kognitiven Tests. Er berechnete mit Hilfe partieller Korrelationsmethoden die 'Sättigung' jedes spezifischen Tests mit dem allgemeinen Faktor (g). Webb berichtete von einer Korrelation von 0,67 zwischen dem g, das aus den fünf Intelligenztests extrahiert wurde, die an den 1913 Studenten getestet wurden und ihren College-Prüfungsergebnissen. Die Korrelationen zwischen g und den Charakterzügen wurden von Webb (1915) berechnet und ein bemerkenswertes Ergebnis war eine Korrelation von -0,39 zwischen g und den Bewertungen von "schnellem Schwanken zwischen Fröhlichkeit und Depression, im Gegensatz zur Dauerhaftigkeit der Stimmung". Webb (1915, S. 42)(1) schloss in Bezug auf Intelligenz-Persönlichkeits-Korrelationen: "Nach Sammlung einiger Beobachtungen, kann man sagen, dass der Besitz eines guten Grades an 'g', d.h. reiner intellektueller Fähigkeiten (...) bei Personen mit emotionaler Stabilität, einer gewissen Fröhlichkeit, die zu einem angemessenen Grad an Sozialität beiträgt, mit ausgeprägter Pflichterfüllung und einer gewissen Voraussicht und Ausdauer auftritt. Es war jedoch das Überwiegen kleiner und "unbedeutender" Korrelationen zwischen g und den Charakterzügen, das Webb am meisten interessierte und er kam zu dem Schluss, dass dieser Mangel an Assoziationen "einen gewissen Hinweis auf die Reinheit von 'g' als geistige Konstante liefert" (S. 43).
II 19
(...) Webb (1915) berichtete, dass er einen allgemeinen Faktor des Charakters unter den Merkmalen fand, die unterschiedlich mit der schnell und tief eingeschätzten Intelligenz korrelierten. Die in diesem Faktor enthaltenen Eigenschaften waren folgende: er zeigte positive Gewichtung in Bezug auf die "Neigung, Aufgaben nicht aus bloßer Veränderlichkeit aufzugeben", die "Neigung, Aufgaben angesichts von Hindernissen nicht aufzugeben", "Freundlichkeit aus Prinzip", "Vertrauenswürdigkeit" und "Gewissenhaftigkeit". [Entsprechend] zeigte er negative Gewichtung in Bezug auf die "Bereitschaft, wütend zu werden", "Eifer nach Bewunderung" und "körperliche Aktivität im Streben nach Vergnügen (Spiele usw.)".
II 24
VsWebb/Deary: [Webb selbst weist darauf hin, dass es möglicherweise] zufällige Fehler, Voreingenommenheit in den Köpfen aller Beobachter, Probleme mit Beobachtern, die unterschiedliche Standpunkte vertreten und andere irrelevante Faktoren gegeben haben könnte. Webb (1915) erörterte, wie die Überprüfung der Zuverlässigkeit und die detaillierte Untersuchung dessen, was jeder Richter unter den Charaktereigenschaften verstand, diese beantwortete und abschwächte. (...) es ist [auch] eine Einschränkung, dass keine Frauen teil der Studie waren und dass der soziale und bildungsbezogene Hintergrund der bewerteten Teilnehmer und ihrer Bewerter begrenzt war. Webb (1915) räumte ein, dass die beteiligten Personen gut ausgebildet waren. Da sie im Mittelpunkt der Studie stand, hätte die Liste der bewerteten Charakterzüge besser beschrieben und begründet werden können, nicht zuletzt hinsichtlich ihrer Herkunft.
II 25
Fünf-Faktoren-Modell/Webb/Deary: (...) die latente Struktur der Korrelationsmatrix von Webb kann berechtigterweise in Bezug auf die derzeit akzeptierten Hauptdimensionen der Persönlichkeit interpretiert werden... . Die Entdeckung, dass die Daten so etwas wie ein heute allgemein akzeptiertes Charaktermodell enthalten, schiebt die "Entdeckung" des Fünf-Faktoren-Modells um Jahrzehnte zurück. [Webb's Studie] liefert einen Blindtest für Goldberg's (1993)(2) Behauptung, dass jede adäquate Stichprobe von Begriffen der menschlichen Persönlichkeit dazu neigt, etwa fünf breite Faktoren zu enthalten. >Fünf-Faktoren-Modell/Deary.



1. Webb, E. (1915). Character and intelligence: An attempt at an exact study of character. British Journal of Psychology Monograph Supplements, 1 (III), i–iv and 1–99.
2. Goldberg, L. R. (1993). The structure of phenotypic personality traits. American Psychologist, 48, 26–34.


Deary, Ian J.: “Assessing and Enumerating Personality Dimensions. Revisiting Webb (1915)”, In: Philip Corr (Ed.)2018. Personality and Individual Differences. Revisiting the classical studies. Singapore, Washington DC, Melbourne: Sage, pp. 11-27.

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Computer Church Brockman I 246
Computer/Church, George M.: Computer können durch neuromorphes Computing mehr wie wir werden, möglicherweise ein Tausendfaches. [IBMs] Watson, Gewinner von Jeopardy!, verwendete 85.000 Watt in Echtzeit, während das menschliche Gehirn jeweils 20 Watt verbrauchte. Allerdings braucht der menschliche Körper auch 100 Watt für den Betrieb und 20 Jahre für den Aufbau, also etwa 6 Billionen Joule Energie, um ein reifes menschliches Gehirn "herzustellen". Auch wenn ein Supercomputer einen Klon von sich selbst in Sekunden "trainieren" kann, sind die Energiekosten für die Herstellung eines reifen Siliziumklons vergleichbar. Die Konstruktion von (Homo-) Wunderkindern könnten einen kleinen Einfluss auf diesen langsamen Prozess haben, aber die Beschleunigung der Entwicklung und die Implantation von umfangreichem Speicher (wie DNA-Exabyte oder andere Mittel) könnten die Duplikationszeit eines Bio-Computers fast auf die Verdopplungszeit der Zellen (zwischen elf Minuten und vierundzwanzig Stunden) reduzieren.



Church, George M. „The Rights of Machines” in: Brockman, John (ed.) 2019. Twenty-Five Ways of Looking at AI. New York: Penguin Press.

Chur I
A. Church
The Calculi of Lambda Conversion. (Am-6)(Annals of Mathematics Studies) Princeton 1985

Brockman I
John Brockman
Possible Minds: Twenty-Five Ways of Looking at AI New York 2019
Darstellung Goodman I 43
Darstellungsmittel können Bewunderung oder Abneigung zwar erwecken, aber nicht unbedingt ausdrücken! Darstellen heißt sicherlich Bezug nehmen, stehen für, symbolisieren.
In einer Darstellung ist Negation nicht möglich.
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IV 121
Eine verschwommene Pferd-Darstellung ist sicher keine Darstellung eines verschwommenen Pferdes. Das Verschwommensein gehört zur Darstellung oder zur Vorstellung.

G IV
N. Goodman
Catherine Z. Elgin
Revisionen Frankfurt 1989

Goodman I
N. Goodman
Weisen der Welterzeugung Frankfurt 1984

Goodman II
N. Goodman
Tatsache Fiktion Voraussage Frankfurt 1988

Goodman III
N. Goodman
Sprachen der Kunst Frankfurt 1997
Determinismus Inwagen Pauen I 273
Determinismus/Peter van Inwagen/Pauen: der Determinismus ist keine Implikation des Physikalismus. Das Prinzip der kausalen Geschlossenheit bezieht sich darauf, dass nur physikalische Erklärungen herangezogen werden dürfen. Damit ist nicht gesagt, dass das Verhältnis Ursache/Wirkung stets deterministisch sein muss.
Das Prinzip der physischen Determination macht keine Aussage über die Notwendigkeit bestimmter Kausalketten, sondern fordert nur, dass es zu jeder höherstufig beschreibbaren Veränderung eine physikalisch beschreibbare Veränderung gibt.
van Inwagen: der Determinismus steht also für die These, dass sich aus einer vollständigen Beschreibung und Kenntnis der Zustand der Welt zu einem beliebigen späteren Zeitpunkt ableiten lasse.
Pauen: es ist mehr als umstritten, dass der Determinismus auf unsere physische Realität zutrifft.

Lewis V 296
Determinismus/Vs weicher Determinismus/VsKompatibilismus/van InwagenVsLewis: (gegen den weichen Determinismus, den ich vorgebe, zu vertreten): Bsp Angenommen zur reductio, dass ich hätte meine Hand heben können, obwohl der Determinismus wahr wäre.
Dann folgt aus vier Prämissen, die ich nicht leugnen kann, dass ich eine falsche Konjunktion HL hätte hervorbringen können, aus einer Proposition H über einen Zeitpunkt vor meiner Geburt und eine gewisse Proposition über ein Gesetz L.
Prämisse 5: wenn ja, dann hätte ich L falsch machen können.
Prämisse 6: aber ich hätte L nicht falsch machen können. (Widerspruch).
LewisVsInwagen: 5 und 6 sind nicht beide wahr. Welche wahr ist, hängt davon ab, was Inwagen mit "hätte falsch machen können "meint. Allerdings nicht in der Alltagssprache, sondern in Inwagens künstlicher Sprache. Aber auch da kommt es nicht darauf an, was Inwagen selbst damit meint!
Worauf es ankommt ist, ob wir dem überhaupt einen Sinn geben können, der alle Prämissen ohne Zirkularität gültig macht.
Inwagen: (mündlich) dritte Bedeutung für "hätte falsch machen können": nämlich dann und nur dann, wenn der Handelnde die Dinge so hätte arrangieren können, dass sein Tun plus die ganze Wahrheit über die Vorgeschichte zusammen die Falschheit der Proposition implizieren.
Dann sagt Prämisse 6, dass ich die Dinge nicht hätte so arrangieren können, so dass ich prädeterminiert war, sie nicht so zu arrangieren.
Lewis: es ist aber gar nicht instruktiv zu sehen, dass der weiche Determinismus die so interpretierte Prämisse 6 ablehnen muss.
V 297
Falsifikation/Handlung/Willensfreiheit/Lewis: provisorische Definition: ein Ereignis falsifiziert eine Proposition, nur dann, wenn es notwendig ist, dass wenn das Ereignis geschieht, dann die Proposition falsch ist. Aber mein Akt des Steinewerfens würde nicht selbst die Proposition falsifizieren, dass das Fenster in der Wurflinie intakt bleibt. Alles was wahr ist, ist, dass mein Akt ein anderes Ereignis hervorruft, das die Proposition falsifizieren würde.
Der Akt selbst falsifiziert kein Gesetz. Er würde nur eine Konjunktion von Vorgeschichte und Gesetz falsifizieren.
Alles was wahr ist ist, dass meinem Akt ein anderer Akt vorausgeht das Wunder und dieser falsifiziert das Gesetz.
schwach: sagen wir, ich wäre in der Lage eine Proposition im schwachen Sinne falsch zu machen gdw. ich etwas tue, die Proposition falsifiziert wäre, (aber nicht notwendig durch meinen Akt und nicht notwendig durch irgendein Ereignis, das durch meinen Akt hervorgerufen wurde). (Lewis pro "Schwache These" (weicher Determinismus)).
stark: wenn die Proposition entweder durch meinen Akt selber oder durch ein Ereignis falsifiziert wird, das durch meinen Akt hervorgerufen wurde.

Inwagen/Lewis: der erste Teil seiner These steht, egal ob wir die starke oder die schwache These vertreten:
wenn ich meine Hand hätte heben können, obwohl der Determinismus wahr ist und ich sie nicht gehoben habe, dann ist es im schwachen und im starken Sinn wahr, dass ich die Konjunktion HL (Propositionen über die Vorgeschichte und die Naturgesetze) hätte falsch machen können.
Aber ich hätte die Proposition L falsch machen können im schwachen Sinn, obwohl ich sie nicht im starken sinn hätte falsch machen können.
Lewis: wenn wir den schwachen Sinn vertreten, leugne ich Prämisse 6.
Wenn wir den starken Sinn vertreten, leugne ich Prämisse 5.
Inwagen: vertritt beide Prämissen, indem er analoge Fälle erwägt.
LewisVsInwagen: ich glaube, dass die Fälle nicht analog sind: sie sind Fälle, in denen der starke und der schwache Fall gar nicht divergieren:
Prämisse 6/Inwagen: er fordert uns auf, die Vorstellung zurückzuweisen, dass ein Physiker ein Teilchen schneller als das Licht beschleunigen könnte.
LewisVsInwagen: aber das trägt nichts dazu bei, die Prämisse 6 im schwachen Sinn zu stützen,
V 298
denn die zurückgewiesene Vermutung ist, dass der Physiker ein Naturgesetz im starken Sinn falsifizieren könnte. Prämisse 5/Inwagen: hier sollen wir die Vermutung zurückweisen, dass ein Reisender eine Konjunktion von Propositionen über die Vorgeschichte und einer über seine zukünftige Reise anders falsifizieren könnte, als durch Falsifikation des nichthistorischen Teils.
LewisVsInwagen: weisen Sie die Vermutung ruhig ganz zurück, das trägt nichts dazu bei, Prämisse 5 im starken Sinn zu stützen. Was würde folgen, wenn man Konjunktion derart im starken Sinn falsifizieren könnte? Dass man den nichthistorischen Teil im starken Sinn falsifizieren könnte? Das ist es, was Prämisse 5 im starken Sinn stützen würde.
Oder würde bloß folgen, (was ich denke), dass man den nichthistorischen Teil im schwachen Sinn zurückweisen könnte? Das Bsp des Reisenden hilft hier nicht, weil eine Proposition über zukünftige Reisen sowohl im schwachen als auch im starken Sinn falsifiziert werde könnte!

Inwagen I
Peter van Inwagen
Metaphysics Fourth Edition

Pauen I
M. Pauen
Grundprobleme der Philosophie des Geistes Frankfurt 2001

Lewis I
David K. Lewis
Die Identität von Körper und Geist Frankfurt 1989

Lewis I (a)
David K. Lewis
An Argument for the Identity Theory, in: Journal of Philosophy 63 (1966)
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis I (b)
David K. Lewis
Psychophysical and Theoretical Identifications, in: Australasian Journal of Philosophy 50 (1972)
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis I (c)
David K. Lewis
Mad Pain and Martian Pain, Readings in Philosophy of Psychology, Vol. 1, Ned Block (ed.) Harvard University Press, 1980
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis II
David K. Lewis
"Languages and Language", in: K. Gunderson (Ed.), Minnesota Studies in the Philosophy of Science, Vol. VII, Language, Mind, and Knowledge, Minneapolis 1975, pp. 3-35
In
Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979

Lewis IV
David K. Lewis
Philosophical Papers Bd I New York Oxford 1983

Lewis V
David K. Lewis
Philosophical Papers Bd II New York Oxford 1986

Lewis VI
David K. Lewis
Konventionen Berlin 1975

LewisCl
Clarence Irving Lewis
Collected Papers of Clarence Irving Lewis Stanford 1970

LewisCl I
Clarence Irving Lewis
Mind and the World Order: Outline of a Theory of Knowledge (Dover Books on Western Philosophy) 1991
Determinismus Lewis V 37
Determinismus/Lewis: es ist nicht sicher, dass unsere Welt undeterministisch ist. - Sicherer ist die Asymmetrie - diese könnten auch unter deterministischen Bedingungen zustande kommen.
V 45
Determinismus/mögliche Welt/MöWe/Lewis: es ist falsch, dass zwei deterministische mögliche Welten sich nur wenig voneinander unterscheiden würden. - Sie können sich genauso schnell auseinander entwickeln wie indeterministische. - Es gibt sehr viele Wahrscheinlichkeiten für kleine Differenzen, die sich zu großen entwickeln.
V 58
Indeterminismus/Lewis: sollte nicht aus dem Messproblem der Quantenmechanik abgeleitet werden - dieses ist eine Frivolität - zu anthropozentrisch. - Stattdessen: offensichtlich auch in radioaktiven Zerfallsprozessen - das erlaubt aber auch deterministische Enklaven in der Welt. Mögliche Welt/Asymmetrie: einfacher: jetzt brauchen wir keine kleinen Wunder mehr, um Abweichungen zu begründen - Konvergenz: hier bleibt das Problem das gleiche. - ((s) Sie ist mit und ohne Determinismus schwer zu begründen.) - Variante: perfekte Konvergenz: ist mit dem Indeterminismus schwerer zu erklären.
V 120
LewisVsDeterminismus: was soll es dann heißen, dass eine Münze fair ist?
V 162
Determinismus/Verursachung/Kausalität/Lewis: hier: nicht universelle Verursachung, sondern - hier pro: in dem Sinn, dass es nicht zwei mögliche Welten gibt, die bis zu einem Zeitpunkt genau gleich sind und danach differieren, ohne dass die Gesetze dabei verletzt werden. Indeterminismus/Lewis: nicht Vs, sondern Problem: die Analyse mit >kontrafaktischen Konditionalen wird nicht alle Fälle abdecken.

Lewis I
David K. Lewis
Die Identität von Körper und Geist Frankfurt 1989

Lewis I (a)
David K. Lewis
An Argument for the Identity Theory, in: Journal of Philosophy 63 (1966)
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis I (b)
David K. Lewis
Psychophysical and Theoretical Identifications, in: Australasian Journal of Philosophy 50 (1972)
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis I (c)
David K. Lewis
Mad Pain and Martian Pain, Readings in Philosophy of Psychology, Vol. 1, Ned Block (ed.) Harvard University Press, 1980
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis II
David K. Lewis
"Languages and Language", in: K. Gunderson (Ed.), Minnesota Studies in the Philosophy of Science, Vol. VII, Language, Mind, and Knowledge, Minneapolis 1975, pp. 3-35
In
Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979

Lewis IV
David K. Lewis
Philosophical Papers Bd I New York Oxford 1983

Lewis V
David K. Lewis
Philosophical Papers Bd II New York Oxford 1986

Lewis VI
David K. Lewis
Konventionen Berlin 1975

LewisCl
Clarence Irving Lewis
Collected Papers of Clarence Irving Lewis Stanford 1970

LewisCl I
Clarence Irving Lewis
Mind and the World Order: Outline of a Theory of Knowledge (Dover Books on Western Philosophy) 1991
Dilthey Gadamer Gadamer I 246
Dilthey/Gadamer: Im spekulativen Idealismus war der Begriff des Gegebenen, der Positivität, einer grundsätzlichen Kritik unterworfen worden. Darauf suchte sich Dilthey am Ende für seine lebensphilosophische Tendenz zu berufen. Er schreibt(1) »Wodurch bezeichnet Fichte den Anfang eines Neuen? Weil der von der
Gadamer I 247
intellektuellen Anschauung des Ich ausgeht, dieses aber nicht als eine Substanz, ein Sein, eine Gegebenheit, sondern eben durch diese Anschauung, d. h. diese angestrengte Vertiefung des Ich in sich als Leben, Tätigkeit, Energie auffasst und dementsprechend Energiebegriffe wie Gegensatz usw. Realisierung in ihm aufzeigt.« Gadamer Ebenso hat Dilthey schließlich in Hegels Begriff des Geistes die Lebendigkeit eines echten geschichtlichen Begriffs erkannt.(2)
Nietzsche/Bergson(Simmel: In der gleichen Richtung wirkten, wie wir bei der Analyse des
Erlebnisbegriffes hervorhoben, einige seiner Zeitgenossen: Nietzsche, Bergson, dieser späte Nachfahr der romantischen Kritik an der Denkform der Mechanik, und Georg Simmel.
Dilthey/Heidegger/Gadamer: Aber welche radikale Denkforderung in der Unangemessenheit des Substanzbegriffs für das geschichtliche Sein und historische Erkennen liegt, hat erst Heidegger zum allgemeinen Bewusstsein gebracht(3). Erst durch ihn ist die philosophische Intention Diltheys freigesetzt worden. Er knüpfte mit seiner Arbeit an die Intentionalitätsforschung der Husserlschen Phänomenologie an, die insofern den entscheidenden Durchbruch bedeutete, als sie gar nicht der extreme Platonismus war, den Dilthey darin sah.(4)
Intentionalität/Objektivität/Husserl/Gadamer: Vielmehr wird, je mehr man durch das Fortschreiten der großen Husserl-Ausgabe in das langsame Wachsen der Husserlschen Gedanken Einblick erhält, um so deutlicher, dass mit dem Thema der Intentionalität eine sich immer stärker radikalisierende Kritik am Objektivismus« der bisherigen Philosophie - auch an Dilthey(5) - einsetzte, die in dem Anspruch gipfeln Philosophie sollte: »dass die intentionale Phänomenologie zum ersten Male den Geist als Geist zum Feld systematischer Erfahrung und Wissenschaft gemacht und
Gadamer I 248
Dadurch die totale Umstellung der Erkenntnisaufgabe erwirkt hat.“(6) >Geist/Husserl.

1. Dilthey, Ges. Schriften, V Il, 333.
2. Ges. Schriften Vll, 148.
3. Heidegger hat mir gegenüber schon 1923 von den späten Schriften Georg Simmels mit Bewunderung gesprochen. Dass das nicht nur eine allgemeine Anerkennung der philosophischen Persönlichkeit Simmels war, sondern auf inhaltliche Anstöße hindeutet, die Heidegger empfangen hatte, wird jedem deutlich, der heute in dem ersten der Vier „Metaphysischen Kapitel“ liest, die unter dem Titel Lebensanschauung« zusammenfassten, was dem todgeweihten Georg Simmel als philosophische Aufgabe vorschwebte. Dort steht etwa: »Das Leben ist wirklich Vergangenheit und Zukunft«; dort wird »die Lebenstranszendenz als die wahre Absolutheit« bezeichnet, und der Aufsatz schließt: »Ich weiß sehr wohl, welche logische Schwierigkeiten dem begrifflichen Ausdruck dieser Art, das Leben zu schauen, entgegenstehen. Ich habe sie, in voller Gegenwart der logischen Gefahr, zu formulieren versucht, da doch immerhin möglicherweise die Schicht hier erreicht ist, in der logische Schwierigkeiten nicht ohne weiteres Schweigen gebieten - weil sie diejenige ist, aus der sich die metaphysische Wurzel der Logik selbst erst nährt. «
4. Vgl. Natorps Kritik von Husserls Ideen (1914) (Logos 1917) und Husserl selbst in einem Privatbrief an Natorp vom 29. 6. 1918: »wobei ich noch bemerken darf, dass ich schon seit mehr als einem Jahrzehnt die Stufe des statischen Platonismus überwunden und der Phänomenologie als Hauptthema die Idee der transzendentalen Genesis gestellt habe«. In der gleichen Richtung geht die Anm. O. Beckers in der Husserlfestschrift S. 39.
5. Husserliana VI, 344.
6. Husserliana VI, 346.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Eigenschaften Bigelow I 40
Eigenschaft/Relation/Universalien/Bigelow/Pargetter: es gibt eine Mehrdeutigkeit: Bsp Russell bewundert Weisheit: das ist eine Relation zwischen Individuum und Weißheit, die von einem Paar von Dingen instanziiert wird, wobei das zweite eine Eigenschaft ist. Also ist die Relation ein Universale aus der Menge
(o,(o)).
Andererseits:
Weißheit: können wir auch als eine Relation betrachtet, statt als Eigenschaft von Individuen. Bsp als Liebe zum Wissen.
I 41
Problem: Wissen kann man wieder verschieden definieren, wobei die Eingruppierung in die Hierarchie geändert wird. Wir haben es nicht mit einer einfachen Abbildung von Wörtern auf Universalien zu tun. Bsp Vorzug/virtue/Bigelow/Pargetter: ist eine Eigenschaft von Eigenschaften. Bsp Russell bewundert Vorzüge:
logische Form: ist dann nicht (o,(o)) (wie oben sondern:
(o,((o))).
Frage: heißt das, dass ein Ding zu mehreren Mengen gleichzeitig gehört?
Lösung/Bigelow/Pargetter: wir müssen die Mengen (o), ((o)), (o,(o)) usw. genauer definieren:
Bsp (o) ist eine Menge von Dingen, die von Individuen instanziiert wird, aber müssen es nur Individuen sein, oder können es auch Nicht-Individuen als Instanzen sein? (Bsp Eigenschaft von Eigenschaft)
Universale/Universalien/Bigelow/Pargetter: definieren wir so, dass es zu wenigstens einem Typ, vielleicht aber auch zu mehreren gehört.
Def „multigrade“ Relation/Bigelow/Pargetter : eine Relation, die zwischen Individuen, aber auch zwischen Mengen von Individuen oder zwischen einem Individuum und einer Menge von Individuen existieren kann.
Bsp zusammenleben: können Individuen, aber auch Gruppen von Individuen.
I 42
Def „multigrades“ Universale/Bigelow/Pargetter: ein Universale, das zu mehr als einem Typ gehört.
I 48
Eigenschaften/Relationen/Bigelow/Pargetter: entsprechend gibt es bei ihnen auch zwei Arten: a) solche, bei denen wir einfach sagen können, ob Dinge sie haben oder nicht. ((s) >extensional charakterisierbar).
b) solche, bei denen das nicht hinreichend ist: Bsp Spaß: können wir nicht einfach damit charakterisieren, welchen Individuen er zukommt. ((s) Nicht extensional charakterisierbar). Bsp Masse, Bsp Ladung ((s) generische Eigenschaften). Bsp relative Geschwindigkeit.

I 163
Eigenschaft/Bigelow/Pargetter: Problem: Instantiation: Angenommen, ein Individuum hat eine Eigenschaft. Was muss dann in der Welt sein, damit dem so ist? Das Individuum und die Eigenschaft. Aber das genügt noch nicht. Beide könnten existieren, ohne dass das eine das andere instanziiert. D.h. es genügt nicht zum Haben einer Eigenschaft, dass Ding und Eigenschaft nebeneinander in der Welt existieren. falsche Lösung: Instantiation als Relation zu postulieren: das verschiebt nur das Problem. Die Relation könnte in der Welt existieren, ohne dass das bestimmte Ding die bestimmte Eigenschaft hat. Oder ohne dass das Ding in der Relation steht zu etwas.
Instantiation/Instanziierung/Bigelow/Pargetter: das Problem liegt in einem falschen Schluss von Quantifikation 2. Stufe auf Quantifikation 1. Stufe.
„Irgendwie“ ist nicht „irgendein“.
Bsp Eigenschaft F: um sie zu haben, muss es irgendwie sein, in der Relation dazu zu stehen. (“there must be somehow that the individual stands to the property”).
(Eψ)(ψ (a, F))
Diese “irgendwie” ist nicht ein “etwas”. D.h. wir dürfen nicht schließen auf
(Ex)(Eψ)(ψ (x, a, F))
Problem: das würde zu einem Regress führen. Dieser hat auch immer die Universalien bedroht.
Lösung/Bigelow/Pargetter: Quantifikation 2. Stufe sollte man nicht so ernst nehmen, dass sie aus dem „irgendwie“ ein „etwas“ macht.
I 164
Universalien/Bigelow/Pargetter. eine volle Theorie der Universalien braucht also eine vor-semantische Quelle für Universalien (vor-semantisch/(s): etwas, das keine Wahrmacher erfordert). Lösung/Bigelow/Pargetter: wir brauchen etwas, was etwas instanziiert ohne selbst je selbst instanziiert zu werden.
Existenz 2. Stufe/Bigelow/Pargetter: wird aber auch von einer Theorie der Universalien erfordert. Aus der man allerdings ohne Zusatzprämissen keine Existenz 1. Stufe ableiten kann.

Big I
J. Bigelow, R. Pargetter
Science and Necessity Cambridge 1990
Eigenschaften Geach I 223f
Eigenschaften/Frege: "wofür ein logisches Prädikat steht" - Geach: dann sind Klassen keine "Namen von Eigenschaften".
I 224
Prädikat/Geach: Prädikate sind eher gemeinsame Eigenschaft von Sätzen - aber nicht eigentlicher Ausdruck im Satz.
I 321
Eigenschaft/Geach: es ist keine Eigenschaft von Herbert, von Edith bewundert zu werden - Bsp der kleiner Bruder wird größer sein als der ältere, aber das ist keine Eigenschaft des älteren Bruders - Bsp der Butterpreis steigt, aber das ist keine Eigenschaft der Butter. - ((s) >Chisholm radikaler: Gegenüberwohnen ist keine Eigenschaft.)

Gea I
P.T. Geach
Logic Matters Oxford 1972
Einfachheit Deacon I 42
Einfachheit/Sprache/Deacon: Frage: warum gibt es keine einfachen Sprachen, die z.B. von Tieren beherrscht werden könnten? Dies ist keine Frage in der Dimension einfach/komplex, sondern eine Frage, die Äpfel mit Birnen vergleichen möchte. Wenn die Komplexität nicht der Grund ist, warum Tiere keine Sprache haben, muss es um das tägliche Wunder von Wortbedeutung und Referenz gehen.


Dea I
T. W. Deacon
The Symbolic Species: The Co-evolution of language and the Brain New York 1998

Dea II
Terrence W. Deacon
Incomplete Nature: How Mind Emerged from Matter New York 2013
Einheit Historismus Gadamer I 212
Einheit/Geschichte/Historismus/Gadamer: Wenn die Wirklichkeit der Geschichte als Spiel der Kräfte gedacht ist, so genügt dieser Gedanke offenkundig nicht, ihre Einheit notwendig zu machen. Auch was Herder und Humboldt leitete, das Ideal des Reichtums an Erscheinungen des Menschlichen, begründet als solches keine wahre Einheit. Es muss etwas sein, was sich in der Kontinuität des Geschehens als ein richtunggebendes Ziel herausstellt. In der Tat, die Stelle, die in den geschichtsphilosophischen Eschatologien religiösen Ursprungs und in ihren säkularisierten Abwandlungen besetzt ist, ist hier zunächst leer(1). Keine Vormeinung über den Sinn der Geschichte soll ja die Erforschung derselben voreinnehmen. Gleichwohl ist die selbstverständliche Voraussetzung ihrer Erforschung, daß sie eine Einheit bildet. So kann Droysen ausdrücklich den Gedanken der weltgeschichtlichen Einheit selber - wenn auch gerade keine inhaltliche Vorstellung von dem Plan der Vorsehung - als eine regulative Idee anerkennen. Indessen liegt in diesem Postulat eine weitere Voraussetzung eingeschlossen, die es inhaltlich bestimmt. Die Idee der Einheit der Weltgeschichte schließt die ununterbrochene Kontinuität der weltgeschichtlichen Entwicklung ein. Auch diese Idee der Kontinuität ist zunächst formaler Natur und impliziert keinen konkreten Inhalt. Auch sie ist wie ein Apriori der Forschung, das zu immer tieferem Eindringen in die Verflechtung des weltgeschichtlichen Zusammenhanges einlädt.
Insofern ist es nur als eine methodologische Naivität Rankes zu beurteilen, wenn er von der „bewundernswerten Stetigkeit“ der geschichtlichen Entwicklung spricht(2). Was er in Wahrheit damit meint, ist gar nicht diese Struktur der Stetigkeit selbst, sondern das Inhaltliche, was sich in dieser stetigen Entwicklung herausbildet. >Einheit/Ranke, >Kontinuität/Ranke.
Gadamer I 214
HistorismusVsHegel: (...) die historische Schule vermochte Hegels Begründung der Einheit der Weltgeschichte durch den Begriff des Geistes nicht zu akzeptieren. Dass sich im vollendeten Selbstbewusstsein der geschichtlichen Gegenwart der Weg des Geistes zu sich selber vollendet, welcher den Sinn der Geschichte ausmacht - das ist eine eschatologische Selbstdeutung, die im Grunde die Geschichte im spekulativen Begriff aufhebt. Die historische Schule sah sich statt dessen in ein theologisches Verständnis ihrer selbst gedrängt. Wenn sie ihr eigenes Wesen, sich als fortschreitende Forschung zu denken, nicht aufheben wollte, musste sie die eigene endliche und begrenzte Erkenntnis auf einen göttlichen Geist beziehen, dem die Dinge in ihrer Vollendung bekannt sind.
Ranke/Gadamer: Es ist das alte Ideal des unendlichen Verstehens, das hier selbst noch auf die Erkenntnis der Geschichte angewandt wird. So schreibt Ranke: »Die Gottheit - wenn ich diese Bemerkung wagen darf - denke ich mir so, dass sie, da ja keine Zeit vor ihr liegt, die ganze historische Menschheit in ihrer Gesamtheit überschaut und überall gleich wert findet.«(3)
Gadamer: Hier ist die Idee des unendlichen Verstandes (intellectus infinitus), für den alles zugleich ist (omnia simul), zum Urbild historischer Gerechtigkeit umgeformt. Ihm kommt der Historiker nahe, der alle Epochen und alle geschichtlichen Erscheinungen vor Gott gleichberechtigt weiß. So stellt das Bewusstsein des Historikers die Vollendung des menschlichen Selbstbewusstseins
dar. Je mehr es ihm gelingt, den eigenen unzerstörbaren Wert einer jeden Erscheinung zu erkennen, und das heißt: historisch zu denken, desto gottähnlicher denkt er(4). Ranke hat eben deshalb das Amt des Historikers mit dem priesterlichen verglichen. „Unmittelbarkeit zu Gott“ ist für den Lutheraner Ranke der eigentliche Inhalt der christlichen Botschaft.


1. Vgl. K. Löwith, Weltgeschichte und Heilsgeschehen (Stuttgart 1953), und meinen
Artikel „Geschichtsphilosophie“ in RGG3.
2. Ranke, Weltgeschichte IX, 2 Xlll.
3. Ranke, Weltgeschichte IX, 2, S. 5, S. 7.
4. »Denn das ist gleichsam ein Teil des göttlichen Wissens« (Ranke, ed. Rothacker S. 43, ähnlich S. 52).

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Einheit Ranke Gadamer I 212
Einheit/Geschichte/Ranke/Gadamer: Die Idee der Einheit der Weltgeschichte schließt die ununterbrochene Kontinuität der weltgeschichtlichen Entwicklung ein. Auch diese Idee der Kontinuität ist zunächst formaler Natur und impliziert keinen konkreten Inhalt. Auch sie ist wie ein Apriori der Forschung, das zu immer tieferem Eindringen in die Verflechtung des weltgeschichtlichen Zusammenhanges einlädt. Insofern ist es nur als eine methodologische Naivität Rankes zu beurteilen, wenn er von der „bewundernswerten Stetigkeit“ der geschichtlichen Entwicklung spricht(1). Was er in Wahrheit damit meint, ist gar nicht diese Struktur der Stetigkeit selbst, sondern das Inhaltliche, was sich in dieser stetigen Entwicklung herausbildet. >Zusammenhang/Geschichte/Ranke.
Dass es etwas und ein einziges ist, was sich schließlich aus dem unübersehbar vielfältigen Ganzen der weltgeschichtlichen Entwicklung herausbildet, nämlich die Einheit der abendländischen Kulturwelt, die durch die germanisch-romanischen Völker heraufgeführt sich über die ganze Erde ausbreitet, das ist es, was seine Bewunderung erweckt.
GadamerVsRanke: Freilich, auch wenn man diesen inhaltlichen Sinn von Rankes Bewunderung der „Stetigkeit“anerkennt, zeigt sich noch immer Rankes Naivität. Dass die Weltgeschichte in kontinuierlicher Entwicklung diese abendländische Kulturwelt heraufgeführt hat, ist abermals keine bloße Erfahrungstatsache, die das historische Bewusstsein feststellt, sondern eine Bedingung des historischen Bewusstseins selber, also nichts, das auch hätte ausbleiben können
Gadamer I 213
oder durch neue Erfahrung durchgestrichen werden könnte. Vielmehr nur, weil die Weltgeschichte diesen Gang gegangen ist, kann überhaupt die Frage nach dem Sinn der Geschichte von einem weltgeschichtlichen Bewusstsein gestellt werden und die Einheit ihrer Stetigkeit meinen. Man kann sich hierfür auf Ranke selbst berufen. >Kontinuität/Ranke.


1. Ranke, Weltgeschichte IX, 2 Xlll.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Elastizität (Wirtschaft) Saez Saez I 12
Elastizität/Kapital/Arbeit/Saez/Zucman: Steuerinzidenz: Die Frage, wer heute die von den Regierungen erhobenen Steuern zahlt, ist (...) das, was Ökonomen ganz verwirrend als "Steuerinzidenz" bezeichnen. Was würde zum Beispiel passieren, wenn der Körperschaftssteuersatz gesenkt würde?
Saez I 100
Elastizität: Der unelastischste Produktionsfaktor trägt die Last der Steuern, während der elastischste Faktor ihnen ausweicht. Konkret: Wenn das Kapital sehr elastisch ist, dann brechen Sparen und Investitionen zusammen, wenn Kapital besteuert wird, dann trägt die Arbeit die Last der Kapitalbesteuerung. Aber so wie die Kapitalsteuern auf die Arbeit verlagert werden können, so können auch die Arbeitssteuern auf das Kapital verlagert werden. Dies geschieht, wenn die Arbeit sehr elastisch ist - d.h. wenn die Menschen wesentlich weniger arbeiten, wenn die Besteuerung ihres Einkommens steigt. In einer der ältesten und berühmtesten Analysen der Steuerinzidenz erklärte Adam Smith in "The Wealth of Nations", wie Lohnsteuern auf das Kapital verlagert werden können. Wenn Bauern am Existenzminimum leben (sie verdienen nicht mehr als das, was sie zum Überleben benötigen), würde die Besteuerung ihres Lohns sie verhungern lassen. Frage: Wie elastisch sind Kapital und Arbeit? Verschwindet der Kapitalstock insbesondere dann, wenn Steuern auf das Kapital
Saez I 101
steigen? Wenn dies der Fall ist, dann ist die Besteuerung von Kapital in der Tat schädlich, und die Senkung der Unternehmensbesteuerung kann langfristig im Interesse der Arbeitnehmer sein. >Steuerinzidenz/Saez. Tradition: Den meisten Kommentatoren zufolge ist die extreme Elastizität des Kapitals ein Naturgesetz, so sicher wie die Schwerkraft. Aber dieser Glaube bedarf - wie andere krasse Vorhersagen aus der grundlegenden Wirtschaftstheorie (zum Beispiel, dass der Mindestlohn Beschäftigung vernichten würde) - einer Realitätsprüfung.
Saez I 105
Kapital/SaezVsTradition/ZucmanVsTradition: Kapital ist nicht sehr elastisch, aber es kann verdeckt werden. Reiche können Reichtum in anderen Ländern verstecken. Multinationale Unternehmen können Gewinne auf die Bermudas verlagern. Unternehmensgewinne: Dieselbe Schlussfolgerung gilt für die Besteuerung von Unternehmensgewinnen, der Form von Kapitaleinkommen, die weithin als die elastischste angesehen wird. Die Art und Weise, wie Unternehmen auf internationale Unterschiede bei den Steuersätzen reagieren, besteht nicht in erster Linie darin, ihre Fabriken in Niedrigsteuergebiete zu verlagern, sondern darin, Papiergewinne in Steueroasen zu verlagern.
Saez I 131
Elastizität/Ramsey/Saez/Zucman: In den 1920er Jahren bewies der Wundermathematiker und Wirtschaftswissenschaftler Frank Ramsey formell, dass, wenn alle Steuerzahler mit dem gleichen Steuersatz konfrontiert sind, der Satz, der die Staatseinnahmen maximiert, umgekehrt proportional zur Elastizität des zu versteuernden Einkommens ist(1). Was bedeutet das? >Besteuerung/Ramsey. Wenn das zu versteuernde Einkommen unelastisch ist, bedeutet dies, dass sich bei steigenden Steuersätzen das ausgewiesene Einkommen nicht wesentlich ändert.
Beispiel: In diesem Fall erhebt das US-Finanzministerium mechanisch mehr Einnahmen, indem es die Steuersätze erhöht. Ist das zu versteuernde Einkommen dagegen sehr elastisch, dann verringern hohe Steuersätze die Bemessungsgrundlage so stark, dass sie wenig Einnahmen bringen und unerwünscht sind.
Ramsey-Regel: Das ist die Kardinalregel der optimalen Besteuerung, die so genannte Ramsey-Regel: Regierungen sollten nicht zu viel besteuern, was elastisch ist. >Ramsey-Regel/Saez.


1. Ramsey, Frank P. “A Contribution to the Theory of Taxation.” Economic Journal 37, no. 145 (1927): 47–61.
Emergenz Wilczek Brockman I 68
Emergenz/Wilczek: Elektronische Computer sind ein großartiges Beispiel für Emergenz. Hier liegen alle Karten auf dem Tisch. Ingenieure entwerfen routinemäßig von unten nach oben, basierend auf bekannten (und ziemlich ausgefeilten)
Brockman I 69
physikalischen Prinzipien, Maschinen, welche Informationen auf äußerst beeindruckende Weise verarbeiten. (...) wunderbare Leistungsfähigkeit entsteht durch regelmäßige physikalische Prozesse, die wir bis auf die Ebene von Elektronen, Photonen, Quarks und Gluonen verfolgen können. Offensichtlich kann rohe Materie ziemlich intelligent werden.


Wilczek, F. “The Unity of Intelligence”, in: Brockman, John (ed.) 2019. Twenty-Five Ways of Looking at AI. New York: Penguin Press.

Brockman I
John Brockman
Possible Minds: Twenty-Five Ways of Looking at AI New York 2019
Emigration Hirschman Krastev I 28
Emigration/Hirschman/Krastev: In seinem berühmtesten Werk "Exit, Voice, and Loyalty", das 1970 veröffentlicht wurde, stellte Hirschman zwei Strategien gegenüber, die Menschen anwenden, wenn sie mit einem unerträglichen Status quo konfrontiert werden. Menschen können "aussteigen", d.h. sie können mit den Füßen abstimmen und ihrem Unmut Ausdruck verleihen, indem sie ihre Geschäfte woanders erledigen. Oder sie können sich dafür entscheiden, ihre Bedenken zu "äußern", indem sie stehen bleiben, ihre Stimme erheben und sich dafür entscheiden, für Reformen von innen heraus zu kämpfen. Krastev: Für Ökonomen ist der Ausstieg die bevorzugte Methode zur Verbesserung der Leistung von Produzenten und Dienstleistungsanbietern. Es ist die Strategie, die der Durchschnittsverbraucher anwendet. Kunden, die drohen, den Lieferanten zu wechseln, können eine "wunderbare Konzentration des Geistes" in den Managern eines Unternehmens hervorrufen, ähnlich dem, was Samuel Johnson der Aussicht, gehängt zu werden, zuschreibt, da sie lähmende Einnahmeverluste bei schlecht laufenden Geschäften verursachen können.
Auf diese Weise kann der Ausstieg (und die Androhung des Ausstiegs) dazu beitragen, die Leistungsfähigkeit von Unternehmen zu verbessern.
Aber Hirschman, der die politische Tyrannei im Europa der 1930er Jahre hautnah miterlebt hat, wusste ebenso wie Michnik, dass repressive Regierungen den innenpolitischen Druck für Veränderungen verringern können, indem sie den lautesten und prominentesten Aktivisten eine Ausstiegsmöglichkeit einräumen(1). >Emigration/Michnik.
Krastev I 29
1990 verbrachte Hirschman ein Jahr im postkommunistischen Berlin und beschloss, seine Theorie des Ausstiegs, der Stimme und der Loyalität zu überdenken. Er versuchte dadurch, den Untergang der Deutschen Demokratischen Republik zu verstehen(2). Zunächst konzentrierte er sich auf die einzigartige Möglichkeit des Übertritts, die nur Ostdeutschen unter allen Mitgliedern des Warschauer Paktes offen stand. Ostdeutsche, denen der Ausstieg oder die Flucht gelang, würden im Gegensatz zu Polen, die das Gleiche taten, weder zu sprachlich isolierten Emigranten werden noch als Verräter der Nation gebrandmarkt werden. In der DDR gab es nach Hirschmans Ansicht weder 1956, 1968 noch 1980, weil die meisten Unzufriedenen mit dem Regime davon träumten, privat zu fliehen, anstatt sich zu organisieren und ihre Beschwerden kollektiv vorzutragen. 1989: (...) Entgegen der Erwartung, dass das 'Sicherheitsventil' der Emigration dem bürgerschaftlichen Engagement die Energie entziehen würde, nahm der Druck auf das Regime nicht ab, sondern das Ausmaß der Auswanderung zu. Tatsächlich trieb es die enttäuschten Millionen Zurückgebliebenen dazu, auf die Straße zu gehen und Veränderungen zu fordern, in der Hoffnung, ihre Mitbürger zum Bleiben zu bewegen. Der Untergang der DDR war ein Fall, in dem die Massenflucht und die Angst, dass sie
Krastev I 30
fortdauern könnte, der einen gesellschaftsweiten Ausbruch von Stimmen und Forderungen nach politischen Reformen im eigenen Land auslöste. Statt dass einige Ostdeutsche weggingen und andere blieben, zog das ganze Land in den Westen.
Osteuropa/Krastev: Im übrigen Osteuropa verlief die Geschichte ganz anders. Es gibt heute keine Anzeichen dafür, dass sich Ost- und Westeuropäer - von Bratislava und Bukarest bis Lissabon und Dublin - als ein Volk verstehen, als ein Volk mit einer gemeinsamen Identität, auch wenn sie vermutlich alle nach einer europäischen Normalität streben.


1. A. Michnik. „Why You Are Not Emigrating … A Letter from Białołęka 1982’ in Adam Michnik, Letters from Prison and Other Essays (University of California Press, 1987).
2. Albert O. Hirschman, ‘Exit, Voice, and the Fate of the German Democratic Republic: An Essay in Conceptual History’, World Politics 45:2 (January 1993), S. 173–202.

PolHirschm I
Albert O. Hirschman
The Strategy of Economic Development New Haven 1958

Krastev I
Ivan Krastev
Stephen Holmes
The Light that Failed: A Reckoning London 2019
Ende der Geschichte Politik Deutschlands Krastev I 54
Ende der Geschichte/Politik Deutschlands/Krastev: Was die Europäer und insbesondere die Deutschen am Paradigma des Endes der Geschichte faszinierte, so [Thomas] Bagger, war, dass es sie sowohl von den Lasten der Vergangenheit als auch von den Ungewissheiten der Zukunft befreite: "Gegen Ende eines Jahrhunderts, das dadurch gekennzeichnet war, zweimal auf der falschen Seite der Geschichte gestanden zu haben, fand sich Deutschland schließlich auf der richtigen Seite. Was jahrzehntelang unmöglich, ja undenkbar ausgesehen hatte, schien plötzlich nicht nur real, sondern tatsächlich unvermeidlich zu sein'(1). Die beobachtbare
Krastev I 55
Transformation der mittel- und osteuropäischen Länder in parlamentarische Demokratien und Marktwirtschaften wurde als empirischer Beweis für die Gültigkeit der kühnen Behauptung angesehen, dass die Menschheit in ihrem Streben nach Freiheit nicht weiter als bis zur liberalen Demokratie westlichen Stils zu schauen braucht. Krastev: In einer Welt, die von dem moralischen Imperativ regiert wird, das unüberwindbare Modell der liberalen Demokratie westlichen Stils nachzuahmen, muss kein Land durch seine Vergangenheit gefangen sein oder gezwungen werden, Verantwortung für seine Zukunft zu übernehmen. Die Reduzierung des politischen Lebens auf die mehr oder weniger gelungene Nachahmung dieses voll ausgearbeiteten politischen und ideologischen "Supermodels" gab der Menschheit im Allgemeinen und den Deutschen im Besonderen Vergangenheit und Zukunft zum Preis von einem.
Imitation: Zu diesem beruhigenden deutschen Traum können wir hinzufügen, dass der Imitationsimperativ, wie er in Mittel- und Osteuropa erlebt oder vorgestellt wurde, stillschweigend implizierte, dass Deutschland das wirkliche Modell war, das zur Bewunderung der Imitation hochgehalten wurde. >Imitation/Krastev, >Imitation/Post-kommunistische Länder.
Krastev I 61
Die alte deutsche Frage drehte sich um die Idee, dass Deutschland zu klein für die Welt und zu groß für Europa sei. Die neue deutsche Frage ist anders. In der Welt nach dem Kalten Krieg stellte sich heraus, dass der Übergang Deutschlands zur liberalen Demokratie zu einzigartig und pfadabhängig war, als dass er von Ländern nachgeahmt werden konnte, die aufgrund ihrer eigenen jüngeren Geschichte der Idee einer post-ethnischen Gesellschaft an sich unwirtlich waren.

1. Thomas Bagger, ‘The World According to Germany: Reassessing 1989’, Washington Quarterly (22 January 2019), S. 54.

Krastev I
Ivan Krastev
Stephen Holmes
The Light that Failed: A Reckoning London 2019
Euthyphron Geach I 36f
Euthyphron: GeachVsSokrates: Sachfragen sind nicht notwendig entscheidbar - moralische Fragen sind nicht prinzipiell unentscheidbar. - Eutyhphron: GeachVsSokrates: Entscheidungen sind genauso wichtig wie Definitionen.
I 38
Euthyphron/Geach: richtig:
(1) Was fromm ist, wird von den Göttern geliebt, weil es fromm ist. - ((s) a = b weil a - (was __ ist, wird --)).
richtig:
(2) Was gottgeliebt ist, ist gottgeliebt, weil es von den Göttern geliebt wird. - ((s) b = b weil b - (was __ist , ist __)).
falsch:
(3) Was gottgeliebt ist, wird von den Göttern geliebt, weil es gottgeliebt ist. (zirkulär). - ((s) b = b weil b’ (was __ ist, wird __)).
falsch:
(4) Was fromm ist, ist fromm, weil es von den Göttern geliebt ist. - (s) a = a weil b (oder weil b’!) - (was __ ist, ist __ )).
I 39
Euthyphron/Geach: Identität/Leibniz-Prinzip: bricht in Kontexten zusammen, die nicht rein extensional sind - es liefert opake (intensionale) Kontexte: Bsp Ich schlug ihn, weil er mein Vater war (weil er mich schlug). - Der Wahrheitswert kann differieren, obwohl es sich um den gleichen Mann handelt. - Die Falschheit des ersten Satzes garantiert nicht, dass ein anderer Mann gemeint ist. - Falsch: Dass fromme Handlungen und Menschen nicht dieselben Klassen wie Gottgeliebte seien. - Falsche Lösung von J.St. Mill: gottgeliebt/fromm: gleiche Denotation/verschiedene Konnotation: Diese Unterscheidung kann Platon nicht zugeschrieben werden.
Platon: fromm: ist eine Form - gottgeliebt: ist keine Form. - Falsche Lösung: Gebrauch, Erklärung: aktiv/passiv: Bsp ein Ding wird getragen, weil jemand es trägt (Geach: diese Erklärung ist falsch). - Jemand trägt ein Ding, weil es getragen wird (Geach: das ist wahr). - Das kann Platon aber nicht zugeschrieben werden.
I 41f
Euthyphron/Geach: McTaggart: statt "weil" (kausal, aber opak) "in Anbetracht" (nicht kausal). - Vs: fehlende Kausalität schließt Irrtum nicht aus! - Ich bewundere nicht jemand in Bezug auf meinen eigenen Glauben. - Auch nicht Götter! - Geach: die Einstellung ist schon der Grund, aber sie liefert nicht die Eigenschaft.

Gea I
P.T. Geach
Logic Matters Oxford 1972
Existenz Spinoza Genz II 313
Wunder/SpinozaVsWunder/Genz: es gibt keine Wunder. Daher sollen wir Gottes Existenz aus den Naturgesetzen erkennen.

Spinoza I
B. Spinoza
Spinoza: Complete Works Indianapolis 2002

Gz I
H. Genz
Gedankenexperimente Weinheim 1999

Gz II
Henning Genz
Wie die Naturgesetze Wirklichkeit schaffen. Über Physik und Realität München 2002
Gegenstückrelation Bigelow I 192
Verzweigte Zeit/Mögliche Welten/Bigelow/Pargetter: wir erlauben, dass die Zeit verzweigt ist, d.h. zu jeder Vergangenheit gibt es mehrere Zukünfte. Da sollten wir auch erlauben, dass so etwas für die Entwicklung innerhalb einer möglich ist. D.h. zwei Teile könnten denselben Ursprung haben. Ebenso Fusion und vorübergehendes Zusammengehen von Teilen. Problem: es ist verwunderlich, dass solche Teile dann zumindest einen zeitlichen Teil gemeinsam haben müssten.
Bsp Angenommen, wir treffen Jane aus einem anderen Teil derselben möglichen Welt. Betrachten wir das
Kontrafaktisches Konditional: wenn wir Jane nicht getroffen hätten, hätte sie nicht existiert.
BigelowVsLewis: nach ihm muss das wahr sein
Bigelow/Pargetter: nach uns ist es klarerweise falsch. Es muss daher mindestens eine mögliche Welt geben, in der Jane existiert und wir sie nicht treffen. Und diese Welt muss uns dann alle Jane und uns enthalten, obwohl es keine Verbindung zwischen uns gibt.
LewisVsVs: dieser müsste dann irgendeine andere Verbindung und entsprechendes kontrafaktisches Konditional annehmen: „…ein Vorfahre oder Nachfahre von uns hätte einen Vorfahren oder Nachfahren von ihr treffen können“ usw.
BigelowVsLewis: das ist immer noch falsch in der fraglichen Welt und weniger plausibel als das obige kontrafaktische Konditional. Das zeigt die Falschheit der temporalen Theorie.

BigelowVsLewis: dieser ist in einem Dilemma: entweder er nimmt die Weltgefährten-Relation als primitiven Grundbegriff oder er lässt modale Grundbegriffe zu.
I 193
Gegenstück-Relation/GR/Lewis/Bigelow/Pargetter: Lewis stützt sich aber noch auf eine wichtigere Relation, die Gegenstück-Relation: sie ist auch kein guter Kandidat für einen unanalysierten Grundbegriff, und dennoch braucht auch sie wiederum modale Grundbegriffe. BigelowVsLewis/BigelowVsGegenstück-Theorie/Bigelow/Pargetter: sie führt auch in die Zirkularität, weil sie modale Begriffe voraussetzt. D.h. sie kann die Modallogik nicht begründen.

Big I
J. Bigelow, R. Pargetter
Science and Necessity Cambridge 1990
Gehalt Jackson Schwarz I 171
„Naturalisierung des Gehalts“/Repräsentation/Schwarz: die These, dass mentale Repräsentationen soweit satzartig sind, dass man ihren Inhalt kompositional erklären kann. (vgl. Fodor 1990(1)). LewisVsFodor: grundsätzlich verfehlt: nur kausale Rolle im Alltagsleben (Verhalten) ist relevant. Selbst wenn Bsp der Wunsch nach Pilzsuppe sich wunderschön aus Wunsch nach Suppe und Wunsch nach Pilz zusammensetzt. Denn umgekehrt ist es ein Pilzsuppenwunsch, wenn er genau die kausale Rolle spielt, egal, woraus er sich zusammensetzt. (1994b(2),320f)
Man kann sich genauso gut Wesen vorstellen, die nicht satzartig repräsentieren (vgl. Armstrong 1973(3),Kap 1, Braddon Mitchell/Jackson 1996(4), Kap. 10f).
Lewis’ Theorie soll auch für diese Welten gelten, soll auch hier erklären, was den Gehalt bestimmt.


1. Jerry A.Fodor [1990]: “A Theory of Content I & II”. In A Theory of Content and Other Essays,
Cambridge (Mass.): MIT Press, 51–136
2. D. Lewis [1994b]: “Reduction of Mind”. In Samuel Guttenplan (ed.), A Companion to the Philosophy
of Mind, Oxford: Blackwell, 412–431
3. D. M. Armstrong [1973]: Belief, Truth, and Knowledge. Cambridge: Cambridge University Press
4. David Braddon-Mitchell und Frank Jackson [1996]: Philosophy of Mind and Cognition.
Oxford: Blackwell

Jackson I
Frank C. Jackson
From Metaphysics to Ethics: A Defence of Conceptual Analysis Oxford 2000

Schw I
W. Schwarz
David Lewis Bielefeld 2005
Gehorsam Milgram Haslam I 117
Gehorsam/Milgram: "Die Probanden sind ins Labor gekommen, um eine Beziehung mit dem Experimentator aufzubauen, eine besonders unterwürfige Beziehung im Interesse des wissenschaftlichen Fortschritts. Sie sind nicht gekommen, um eine Beziehung mit dem Subjekt zu bilden, und es ist dieser Mangel an Beziehung in die eine Richtung und die reale Beziehung in die andere, der die Ergebnisse hervorbringt... . Nur eine echte Beziehung zwischen dem Opfer und dem Subjekt, die auf Identifikation, Ehe usw. beruht, könnte die Ergebnisse umkehren." (Milgram, Box 46, Yale-Archiv; zitiert in Haslam, Reicher, Millard und MacDonald, 2015(1): 60); (siehe >Milgram-Experiment/Milgram) Faktoren, die sie zum einen und zum anderen ziehen:
a) die Bedeutung und das Ansehen der Forschung
b) der Status und das Ansehen des Forschers.
Gehorsam: (...) Gehorsam hängt nicht nur davon ab, wer der Experimentator ist, sondern auch von der Beziehung zwischen dem Teilnehmer und dem Experimentator. So verwendet Milgram den Begriff der "beginnenden Gruppenbildung" als wichtiges Element, um die Auswirkungen der Nähe auf den Gehorsam zu erklären (Milgram, 1965(2): 64). In den Varianten Remote und Voice-Feedback sind Experimentator und Lehrer allein im selben Raum und können so eine Verbindung aufbauen.
Beziehung zwischen dem Teilnehmer und den Mitschauspielern: "Es besteht Identifikation mit den ungehorsamen Verbündeten und die Möglichkeit, auf sie als soziale Unterstützung zurückzugreifen, wenn sie sich dem Experimentator widersetzen" ( 1965 b(2): S. 133).
Verpflichtung/Terminologie/Milgram: Milgram bezieht sich auf diesen Zustand des Eintauchens in die eigene Rolle als "agentischer Zustand", und der Wechsel vom Handeln in eigener Absicht zum Handeln als Agent für fremde Zwecke wird als "agentischer Wechsel" bezeichnet (Milgram 1974(3): 132-4).
VsMilgram: Selbst Milgrams leidenschaftlichste Bewunderer sind sehr skeptisch gegenüber der Erklärung des "agentischen Zustands" (z.B. Blass, 2004(4)). Wenn auch nur deshalb, weil es keine Beweise dafür gibt, dass die unterschiedlichen Arten von Gehorsamkeit, die in den verschiedenen Studienvarianten beobachtet wurden, auf Unterschiede in der Art und Weise zurückzuführen sind, wie die Teilnehmer in diesen Zustand eintreten (Mantell und Panzarella, 1976)(5).
1. VsMilgram: Der agentische Zustand wird mechanisch als Alles-oder-Nichts-Affäre konzipiert: Man ist entweder ganz drin oder ganz raus.
2. VsMilgram: [der Fokus auf] eine der mehreren Beziehungen in der Studie - die zwischen Teilnehmer und Experimentator [verliert] die Tatsache [aus den Augen], dass ein wesentliches Merkmal der Studien die Art und Weise betrifft, wie die Teilnehmer zwischen verschiedenen Beziehungen und unterschiedlichen Verpflichtungen hin- und hergerissen werden. Sie befasst sich daher nicht mit der Frage, wie das Gleichgewicht der Beziehungen zwischen den verschiedenen Studien variiert.


1 Reicher, S.D., Haslam, S.A. and Miller, A.G. (2014) ‘What makes a person a perpetrator? The intellectual, moral, and methodological arguments for revisiting Milgram’s research on the influence of authority’, Journal of Social Issues, 70: 393–408.
2. Milgram, S. (1965b) ‘Some conditions of obedience and disobedience to authority’, Human Relations, 18: 57–76.
3. Milgram, S. (1974) Obedience to Authority: An Experimental View. New York, NY: Harper & Row.
4. Blass, T. (2004) The Man who Shocked the World: The Life and Legacy of Stanley Milgram. New York: Basic Books.
5. Mantell, D.M. and Panzarella, R. (1976) ‘Obedience and responsibility’, British Journal of
Social and Clinical Psychology, 15: 239—45.


Stephen Reicher and S. Alexander Haslam, „Obedience. Revisiting Milgram’s shock experiments”, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications

Haslam I
S. Alexander Haslam
Joanne R. Smith
Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017
Geist/ Geistzustand Dennett Rorty VI 144
Rorty: (Nach Wittgenstein: wie sähe es denn aus, wenn die Sonne sich um die Erde drehte? ((s) Nämlich genauso!): Qualia/Dennett:(wie Smart und Place): "Wie sähe es denn aus, wenn es tatsächlich nichts weiter wäre, als eine Verbindung elektrochemischer Prozesse in deinem Gehirn?"

Dennett I 274
Geist/Dennett: "PDP": Modell der parallelen, verteilten Verarbeitung. Davidson, wie Dennett: deshalb ist der Geist nicht sein eigener Aufenthaltsort. VsDescartes. Geist/Bedeutung/Dennett: es gab einmal eine Zeit, in der es beides nicht gab, auch keinen Irrtum, keine Funktion und keine Gründe. Sie sind auf dem Wege der winzigen Verbesserungen entstanden, die die Evolution mit sich brachte. (Endlicher Regress).
I 274 ff
Endliche Folge von Schritten, ohne jemals eine Grenze zu ziehen. Geist/Dennett: genau das ist Geist: kein Wunderapparat, sondern ein gewaltiges, halb gestaltetes, und sich selbst umgestaltendes Aggregat kleiner Apparate, von denen jeder seine eigene Gestaltungsgeschichte hat und eine eigene Rolle spielt. > Homunculi.
I 283
Roboter/Dennett: aus der Tatsache, dass wir von Robotern abstammen (z.B. Hämoglobine usw.) folgt nicht, dass wir Roboter sind! Wir stammen von Bakterien ab, doch sind wir keine Bakterien, Wir sind auch keine Affen. Aber wir bestehen aus Robotern.
I 525
8:Geist/Evolution/Dennett: jeder einzelne von uns ist heute in der Lage, Ideen zu verstehen, die für Genies aus der Generation unserer Großeltern undenkbar gewesen wären.
II 183
Geist/Dennett: ein menschlicher Geist, ohne Papier und Bleistift, ohne Sprache zum Vergleich von Notizen und zum Anfertigen von Skizzen ist etwas, was uns noch nie begegnet ist.

Dennett I
D. Dennett
Darwins gefährliches Erbe Hamburg 1997

Dennett II
D. Dennett
Spielarten des Geistes Gütersloh 1999

Dennett III
Daniel Dennett
"COG: Steps towards consciousness in robots"
In
Bewusstein, Thomas Metzinger Paderborn/München/Wien/Zürich 1996

Dennett IV
Daniel Dennett
"Animal Consciousness. What Matters and Why?", in: D. C. Dennett, Brainchildren. Essays on Designing Minds, Cambridge/MA 1998, pp. 337-350
In
Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005

Rorty I
Richard Rorty
Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997

Rorty II
Richard Rorty
Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000

Rorty II (b)
Richard Rorty
"Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (c)
Richard Rorty
Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (d)
Richard Rorty
Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (e)
Richard Rorty
Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (f)
Richard Rorty
"Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (g)
Richard Rorty
"Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty III
Richard Rorty
Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992

Rorty IV (a)
Richard Rorty
"is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty IV (b)
Richard Rorty
"Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty IV (c)
Richard Rorty
"Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty IV (d)
Richard Rorty
"Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty V (a)
R. Rorty
"Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983
In
Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998

Rorty V (b)
Richard Rorty
"Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984
In
Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988

Rorty V (c)
Richard Rorty
The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992)
In
Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988

Rorty VI
Richard Rorty
Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000
Genie Gadamer I 99
Genie/Künstler/Kunst/Gadamer: Das allgemeine Bewusstsein (...) ist von den Wirkungen des Geniekultes des 18. Jahrhunderts und der Sakralisierung des Künstlertums, die (...) für die bürgerliche Gesellschaft des 19. Jahrhunderts charakteristisch [sind], noch heute be- stimmt. Es bestätigt sich darin, dass der Begriff des Genies im Grunde vom Betrachter aus konzipiert ist. Nicht dem schaffenden, sondern dem beurteilenden Geiste bietet sich dieser antike Begriff als überzeugend dar. Was sich dem Betrachter als ein Wunder darstellt, von dem man nicht begreifen kann, wie einer so etwas kann, wird in das Wundersame einer Schöpfung durch
geniale Inspiration hinausgespiegelt. Die Schaffenden mögen dann, sofern sie sich selber zuschauen, sich der gleichen Auffassungsformen bedienen können, und so ist der Geniekult des 18. Jahrhunderts gewiss auch von den Schaffenden genährt worden. Aber sie sind in der Selbstapotheose nie so weit gegangen, wie ihnen die bürgerliche Gesellschaft zugestand. >Künstler/Gadamer.
Das Selbstverständnis des Schaffenden bleibt weit nüchterner. Er sieht auch dort Möglichkeiten des Machens und Könnens und Fragen der „Technik“, wo der Betrachter Eingebung, Geheimnis und tiefere Bedeutung sucht.(1)


1.Vgl. 1. Paul Valéry, Introduction ä la méthode de Léonard de Vinci et son annotation marginale, Variété I.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Gesetze Locke Höffe I 246
Gesetze/Locke/Höffe: Locke(1)[untersucht] in den (...) Versuchen über das Naturgesetz(1) (...) wie jene normativen Prinzipien erkannt werden können, die bei den Griechen physei dikaion und bei den Römern lex naturae, «Naturgesetz» bzw. «Naturrecht», heißen. Über deren Gehalt herrscht im 17. Jahrhundert weitgehend Einigkeit. Als fundamentale Verbindlichkeit gilt das genannte Schädigungsverbot (...).
Wie erkennen wir die Gesetze? Wegen der inhaltlichen Einigkeit stellt sich für Locke im Wesentlichen nur die Frage der Erkennbarkeit. Gemäß seiner erkenntnistheoretischen Grundthese weist er die Ansicht zurück, es handele sich um ein angeborenes Wissen. Vielmehr liege zwar eine über alle geographischen und geschichtlichen Besonderheiten hinweg wahrnehmbare, für die gesamte Menschheit zutreffende Verbindlichkeit vor. Erkannt werde sie aber erst mithilfe des durch Sinneswahrnehmung und schlussfolgerndes Denken gebildeten natürlichen Lichts (lumen
naturale). ((s) KantVsLocke: Das Sittengesetz ist übersinnlich).
Lumen naturale/Locke: Dahinter stehe ein weiser und mächtiger Welturheber, dessen Existenz
Höffe I 247
man aus der wunderbaren Ordnung der Welt erschließen könne. Locke beruft sich hier auf den sogenannten physiko-theologischen Gottesbeweis, der von der Beobachtung einer der Welt innewohnenden Ordnung auf einen Schöpfergott schließt.

1.Locke, Essays on the Law of Nature

Loc III
J. Locke
An Essay Concerning Human Understanding
Glauben Quine I 365
Glaubenssätze und Zitate können als alle möglichen verschiedene Dinge verstanden werden. (> Unbestimmtheit/Quine).
I 372
Paul und Elmar: Glauben produziert keine Sätze wie Sagen - nicht entscheidbar: dass Paul wahr-glaubt, und Elmar nicht - Wenn der Wahrheitswert egal ist, ist glauben kein relativer Term. - "w glaubt x" ist kein Prädikat - "w glaubt p": "p" ist kein Term!
VII (h) 142
Glauben/Quine: keine Relation - steht in Beziehung zu dem falschen Satz... - Stattdessen Church: Glauben und Wissen ähnelt einfach Zitaten. - (>opake Kontexte, >Opazität).
XII 34
Glauben/Quine: Bsp "Thomas glaubt, dass Tullius die Ars Magna geschrieben hat" - in Wirklichkeit verwechselt er Tullius mit Lullus. - Zwei Möglichkeiten: a) Tom glaubt nicht, dass Cicero (Tullius) die Ars Magna geschrieben hat, er verwechselt nur die Namen d.h. er weiß wer die Ars Magna geschrieben hat. - Hier kommt "Tullius" nicht rein-bezeichnend vor.
b) Er glaubt etwas falsches: dann ist "Tullius" rein bezeichnend.

Stroud I 228
Glauben/Wissen/Quine: Wissen ist kein Teil des Glaubens - nichts was wir über die äußere Welt glauben, ist Wissen.
Quine XIII 18
Glauben/Quine: ist Denken in einem bestimmten eingeschränkten Sinn. Etwas zu glauben heißt, es zu denken. „So denken“ und „so glauben“ sind als austauschbar und auch „denken, dass“ und „glauben das“. Sie unterscheiden sich aber anderswo.
Denken/Quine: Bsp wir können angestrengt denken, aber nicht angestrengt glauben. Bsp wir können etwas glauben, aber nicht etwas denken. Das verbietet die Grammatik.
Glauben/Denken/Handlung/Dispo/Quine: Glauben ist eine Disposition – Denken eine Aktivität. Denken kann uns ermüden, Glauben nicht.
XIII 19
Wir sitzen auch nicht da und glauben etwas. Das tut nur Bsp die Weiße Königen aus Alice im Wunderland: vor dem Frühstück glaubt sie 6 unmögliche Dinge. falsch: Bsp ein verliebter junger Mann glaubt, was seine Geliebte glaubt – Bsp Williams James „Willen zu Glauben“: Bsp Pascals Wette, Bsp Tertullian: credo quia absurdum: das sind Verzerrungen es Glaubensbegriffs.
Glauben/Disposition/Quine: wozu ist denn dann der Glaubende disponiert? Ein guter Test ist, jemanden aufzufordern, Geld für das einzusetzen, für das er plädiert.
XIII 20
Problem: das geht nur bei entscheidbaren Fragen, nicht bei Bsp der Frage, ob Schönheit Wahrheit ist. Schönheit/Wahrheit/Glauben/Keats/Quine: man fragt sich auch, ob Keats das wirklich geglaubt hat. Vielleicht wollte er nur selbst ein bisschen Schönheit erschaffen, so wie Bsp Morgenstern: „nur des Reimes wegen“.
Glauben/Quine: ist meist in Bündel von Dispositionen. Es ist bemerkenswert, dass dies zu so verschiedenen Handlungen führen kann wie Bsp eine Schiffsreise zu buchen, oder das Zimmer aufzuräumen.
These diese extrem verschiedenen Geistzustände (mentaler Zustand(Geistzustand, interner Zustand, mentaler Zustand) haben nichts gemeinsam.
XIII 21
Die einzige Gemeinsamkeit ist sprachlich: das „dass“. ((s) > propositionale Einstellungen). Problem: die gleichbleibende Form von “x glaubt, dass p” lässt uns vermuten, dass der Rest des Satzes auch in Ordnung ist. Das wechselt aber von Fall zu Fall, so dass es schwer ist, hier eine Linie zu ziehen.

Glauben/Paradox/Quine: etwas zu glauben heißt zu glauben, dass es wahr ist. Also glaubt eine Person, dass alle ihre Überzeugungen wahr sind. Erfahrungsgemäß sind aber einige Überzeugungen falsch, wie diese Person sehr wohl weiß.
Problem: eine rationale Person glaubt also, dass jede ihrer Überzeugungen wahr ist und dennoch einige falsch sind. Ich hätte doch von vernünftigen Leuten etwas Besseres erwartet.

Quine I
W.V.O. Quine
Wort und Gegenstand Stuttgart 1980

Quine II
W.V.O. Quine
Theorien und Dinge Frankfurt 1985

Quine III
W.V.O. Quine
Grundzüge der Logik Frankfurt 1978

Quine V
W.V.O. Quine
Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989

Quine VI
W.V.O. Quine
Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995

Quine VII
W.V.O. Quine
From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953

Quine VII (a)
W. V. A. Quine
On what there is
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (b)
W. V. A. Quine
Two dogmas of empiricism
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (c)
W. V. A. Quine
The problem of meaning in linguistics
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (d)
W. V. A. Quine
Identity, ostension and hypostasis
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (e)
W. V. A. Quine
New foundations for mathematical logic
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (f)
W. V. A. Quine
Logic and the reification of universals
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (g)
W. V. A. Quine
Notes on the theory of reference
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (h)
W. V. A. Quine
Reference and modality
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (i)
W. V. A. Quine
Meaning and existential inference
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VIII
W.V.O. Quine
Bezeichnung und Referenz
In
Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982

Quine IX
W.V.O. Quine
Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967

Quine X
W.V.O. Quine
Philosophie der Logik Bamberg 2005

Quine XII
W.V.O. Quine
Ontologische Relativität Frankfurt 2003

Quine XIII
Willard Van Orman Quine
Quiddities Cambridge/London 1987

Stroud I
B. Stroud
The Significance of philosophical scepticism Oxford 1984
Humboldt, Wilhelm von Gadamer I 347
Humboldt/Historismus/Gadamer: In letzter Konsequenz ist es doch die Position Hegels, in [der Historismus des 19. Jahrhunderts] seine Legitimation findet, auch wenn die Historiker, die das Pathos der Erfahrung beseelte, sich statt dessen lieber auf Schleiermacher und auf Wilhelm von Humboldt beriefen. GadamerVsSchleiermacher/GadamerVsHumboldt: Weder Schleiermacher noch Humboldt haben aber ihre Position wirklich zu Ende gedacht. Sie mögen die Individualität, die Schranke der Fremdheit, die unser Verstehen zu überwinden hat, noch so sehr betonen, am Ende findet doch lediglich in einem unendlichen Bewusstsein das Verstehen seine Vollendung und der Gedanke der Individualität seine Begründung.
Hegel/Gadamer: Es ist die pantheistische Eingeschlossenheit aller Individualität ins Absolute, die das Wunder des Verstehens ermöglicht. So durchdringen sich auch hier Sein und Wissen im
I 348
Absoluten. Weder Schleiermachers noch Humboldts Kantianismus ist somit gegenüber der spekulativen Vollendung des Idealismus in Hegels absoluter Dialektik eine selbständige systematische Affirmation, Die Kritik an der Reflexionsphilosophie(1), die Hegel trifft, trifft sie mit.


1. Der Ausdruck Reflexionsphilosophie( ist von Hegel gegen Jacobi, Kant und Fichte
geprägt worden. Schon im Titel von „Glauben und Wissen“ aber als eine „Reflexionsphilosophie der Subjektivität“. Hegel selbst setzt ihr die Reflexion der Vernunft entgegen.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Identitätspolitik Holmes Krastev I 56
Identitätspolitik/postkommunistische Ära/Krastev/Holmes: Zu diesem beruhigenden deutschen Traum können wir hinzufügen, dass der Imitationsimperativ, wie er in Mittel- und Osteuropa erlebt oder vorgestellt wurde, stillschweigend implizierte, dass Deutschland das wirkliche Modell war, das zur Bewunderung der Nachahmung hochgehalten wurde.
Krastev I 57
Ein überhitzter Partikularismus ist eine natürliche Reaktion auf ein Überbewerten der Unschuld des Universalismus. Eine Folge davon ist, dass Populisten überall den Universalismus gerne als Partikularismus der Reichen verunglimpfen. Der anfängliche Eifer der ehemals gefangenen Nationen, sich 1989 dem liberalen Westen anzuschließen, rührte mindestens ebenso sehr von nationalistischen Ressentiments gegen die vierzigjährige Hegemonie Moskaus her wie von einem tief verwurzelten Bekenntnis zu liberalen Werten und Institutionen. Im intellektuellen Klima der 1990er Jahre jedoch wurde die moralische Unannehmbarkeit des ethnischen Nationalismus mit dem Ideal einer angestrebten "Normalität" verwoben. Ethno-Nationalismus wurde auch mit den blutigen Jugoslawienkriegen in Verbindung gebracht. Darüber hinaus wurden postnationale Gesprächsthemen von der Europäischen Union eifrig nach Osten exportiert. Diese Faktoren sprachen gegen eine völlige Offenheit in Bezug auf die Rolle des Nationalgefühls bei der Eile der ehemals kommunistischen Nationen, sich dem Westen anzuschließen. Vgl. >Imitation/Krastev.

LawHolm I
Oliver Wendell Holmes Jr.
The Common Law Mineola, NY 1991

Krastev I
Ivan Krastev
Stephen Holmes
The Light that Failed: A Reckoning London 2019
Identitätspolitik Krastev Krastev I 56
Identitätspolitik/postkommunistische Ära/Krastev: Zu diesem beruhigenden deutschen Traum können wir hinzufügen, dass der Imitationsimperativ, wie er in Mittel- und Osteuropa erlebt oder vorgestellt wurde, stillschweigend implizierte, dass Deutschland das wirkliche Modell war, das zur Bewunderung der Nachahmung hochgehalten wurde.
Krastev I 57
Ein überhitzter Partikularismus ist eine natürliche Reaktion auf ein Überbewerten der Unschuld des Universalismus. Eine Folge davon ist, dass Populisten überall den Universalismus gerne als Partikularismus der Reichen verunglimpfen. Der anfängliche Eifer der ehemals gefangenen Nationen, sich 1989 dem liberalen Westen anzuschließen, rührte mindestens ebenso sehr von nationalistischen Ressentiments gegen die vierzigjährige Hegemonie Moskaus her wie von einem tief verwurzelten Bekenntnis zu liberalen Werten und Institutionen. Im intellektuellen Klima der 1990er Jahre jedoch wurde die moralische Unannehmbarkeit des ethnischen Nationalismus mit dem Ideal einer angestrebten "Normalität" verwoben. Ethno-Nationalismus wurde auch mit den blutigen Jugoslawienkriegen in Verbindung gebracht. Darüber hinaus wurden postnationale Gesprächsthemen von der Europäischen Union eifrig nach Osten exportiert. Diese Faktoren sprachen gegen eine völlige Offenheit in Bezug auf die Rolle des Nationalgefühls bei der Eile der ehemals kommunistischen Nationen, sich dem Westen anzuschließen. Vgl. >Imitation/Krastev.

Krastev I
Ivan Krastev
Stephen Holmes
The Light that Failed: A Reckoning London 2019
Imitation Holmes Krastev I 8
Imitation/Krastev/Holmes: (...) Wir sollten die Imitation von Mitteln von der Imitation von Zielen trennen. Die Entlehnung technischer Mittel beeinträchtigt die Identität nicht, zumindest nicht kurzfristig, während die Imitation moralischer Ziele tiefer geht und einen viel radikaleren Transformationsprozess in Gang setzen kann, der einer "Bekehrungserfahrung" nahe kommt. Beim Wiederaufbau ihrer Gesellschaften nach 1989 waren die Mitteleuropäer bestrebt, die Lebensstile und moralischen Einstellungen zu replizieren, die sie im Westen beobachteten. Die Chinesen hingegen haben einen Weg eingeschlagen, der dem von >Veblen nicht unähnlich ist, indem sie westliche Technologien übernehmen, um das Wirtschaftswachstum voranzutreiben und das Ansehen der Kommunistischen Partei zu stärken, mit dem ausdrücklichen Ziel, dem Sirenengesang des Westens zu widerstehen.
Die Imitation moralischer Ideale lässt einen im Gegensatz zur Entlehnung von Technologien dem ähneln, den man bewundern. Es lässt einen aber gleichzeitig weniger wie sich selbst aussehen in einer Zeit, in der Einzigartigkeit und das Festhalten an einer Gruppe im Mittelpunkt des Kampfes um Würde und Anerkennung stehen.
Krastev I 10
Ein wichtiger Grund, warum kosmetisch imitierendes Verhalten im politischen Leben so verbreitet ist, liegt darin, dass es den Schwachen hilft, stärker zu erscheinen, als sie sind - dies ist eine nützliche Form der Imitation, um in feindseliger Umgebung zu überleben. Es lässt die Nachahmer auch für diejenigen lesbar erscheinen, die ihnen sonst helfen, sie verletzen oder an den Rand drängen könnten. In der Welt nach dem Kalten Krieg ermöglichen "Englisch lernen, Kopien der föderalistischen Papiere auslegen, Armani-Anzüge tragen, Wahlen abhalten" - und, um an Jowitts Lieblingsbeispiel zu erinnern, "Golf spielen"(1) - den nicht-westlichen Eliten nicht nur, ihre mächtigen westlichen Gesprächspartner zu beruhigen, sondern auch wirtschaftliche, politische und militärische Ansprüche an sie zu stellen.
Krastev I 11
Russland: In Moskau war die Situation natürlich anders. Dort wurde der Kommunismus nie als Fremdherrschaft erlebt, und so konnte die Imitation des Westens nicht plausibel als Wiederherstellung der authentischen nationalen Identität des Landes dargestellt werden.
Krastev I 25
Da die mitteleuropäischen Eliten in der Imitation des Westens einen weit zurückgelegten Weg zur "Normalität" sahen (>Revolution/Michnik, >Revolution/Krastev, >Kommunismus/Havel), war ihre Akzeptanz des Imperativs zur Imitation des Kalten Krieges nach dem Kalten Krieg völlig spontan, freiwillig und aufrichtig. >Normalität/Krastev.
Krastev I 73
Imitation/Postkommunistische Länder/Krastev: Da Nachahmernationen gesetzlich autorisierte Plagiatoren sind, müssen sie regelmäßig den Segen und die Zustimmung derjenigen einholen, die das Urheberrecht an den politischen und wirtschaftlichen Rezepten besitzen, die ausgeliehen und aus zweiter Hand verwendet werden. Sie müssen auch unwidersprochen das Recht der Menschen im Westen akzeptieren, ihren Erfolg oder Misserfolg bei der Erfüllung westlicher Standards zu bewerten. Die überraschende Passivität Brüssels angesichts der ungeheuerlichen Verletzungen der richterlichen und presserechtlichen Unabhängigkeit sowohl in Polen als auch in Ungarn bedeutet, dass dies kein praktisches, sondern ein symbolisches Problem ist.

1.Ken Jowitt, ‘Communism, Democracy, and Golf’, Hoover Digest (30 January 2001).

LawHolm I
Oliver Wendell Holmes Jr.
The Common Law Mineola, NY 1991

Krastev I
Ivan Krastev
Stephen Holmes
The Light that Failed: A Reckoning London 2019
Imitation Krastev Krastev I 8
Imitation/Krastev: (...) Wir sollten die Imitation von Mitteln von der Imitation von Zielen trennen. Die Entlehnung technischer Mittel beeinträchtigt die Identität nicht, zumindest nicht kurzfristig, während die Imitation moralischer Ziele tiefer geht und einen viel radikaleren Transformationsprozess in Gang setzen kann, der einer "Bekehrungserfahrung" nahe kommt. Beim Wiederaufbau ihrer Gesellschaften nach 1989 waren die Mitteleuropäer bestrebt, die Lebensstile und moralischen Einstellungen zu replizieren, die sie im Westen beobachteten. Die Chinesen hingegen haben einen Weg eingeschlagen, der dem von >Veblen nicht unähnlich ist, indem sie westliche Technologien übernehmen, um das Wirtschaftswachstum voranzutreiben und das Ansehen der Kommunistischen Partei zu stärken, mit dem ausdrücklichen Ziel, dem Sirenengesang des Westens zu widerstehen.
Die Imitation moralischer Ideale lässt einen im Gegensatz zur Entlehnung von Technologien dem ähneln, den man bewundern. Es lässt einen aber gleichzeitig weniger wie sich selbst aussehen in einer Zeit, in der Einzigartigkeit und das Festhalten an einer Gruppe im Mittelpunkt des Kampfes um Würde und Anerkennung stehen.
Krastev I 10
Ein wichtiger Grund, warum kosmetisch imitierendes Verhalten im politischen Leben so verbreitet ist, liegt darin, dass es den Schwachen hilft, stärker zu erscheinen, als sie sind - dies ist eine nützliche Form der Imitation, um in feindseliger Umgebung zu überleben. Es lässt die Nachahmer auch für diejenigen lesbar erscheinen, die ihnen sonst helfen, sie verletzen oder an den Rand drängen könnten. In der Welt nach dem Kalten Krieg ermöglichen "Englisch lernen, Kopien der föderalistischen Papiere auslegen, Armani-Anzüge tragen, Wahlen abhalten" - und, um an Jowitts Lieblingsbeispiel zu erinnern, "Golf spielen"(1) - den nicht-westlichen Eliten nicht nur, ihre mächtigen westlichen Gesprächspartner zu beruhigen, sondern auch wirtschaftliche, politische und militärische Ansprüche an sie zu stellen.
Krastev I 11
Russland: In Moskau war die Situation natürlich anders. Dort wurde der Kommunismus nie als Fremdherrschaft erlebt, und so konnte die Imitation des Westens nicht plausibel als Wiederherstellung der authentischen nationalen Identität des Landes dargestellt werden.
Krastev I 25
Da die mitteleuropäischen Eliten in der Imitation des Westens einen weit zurückgelegten Weg zur "Normalität" sahen (>Revolution/Michnik, >Revolution/Krastev, >Kommunismus/Havel), war ihre Akzeptanz des Imperativs zur Imitation des Kalten Krieges nach dem Kalten Krieg völlig spontan, freiwillig und aufrichtig. >Normalität/Krastev.
Krastev I 73
Imitation/Postkommunistische Länder/Krastev: Da Nachahmernationen gesetzlich autorisierte Plagiatoren sind, müssen sie regelmäßig den Segen und die Zustimmung derjenigen einholen, die das Urheberrecht an den politischen und wirtschaftlichen Rezepten besitzen, die ausgeliehen und aus zweiter Hand verwendet werden. Sie müssen auch unwidersprochen das Recht der Menschen im Westen akzeptieren, ihren Erfolg oder Misserfolg bei der Erfüllung westlicher Standards zu bewerten. Die überraschende Passivität Brüssels angesichts der ungeheuerlichen Verletzungen der richterlichen und presserechtlichen Unabhängigkeit sowohl in Polen als auch in Ungarn bedeutet, dass dies kein praktisches, sondern ein symbolisches Problem ist.

1.Ken Jowitt, ‘Communism, Democracy, and Golf’, Hoover Digest (30 January 2001).

Krastev I
Ivan Krastev
Stephen Holmes
The Light that Failed: A Reckoning London 2019
Immanenz Postmoderne Gaus I 49
Immanenz/Postmoderne/Bennett: (...) die postmoderne Theorie, die nicht postmetaphysisch sein will, verfolgt eine Metaphysik der Immanenz, eine "On-Story", in der es nichts außerhalb der immens komplexen, wundersam vielfältigen und nie vollständig manifesten materiellen Welt gibt. In der Zwei-Welten-Metaphysik von Platon, Augustinus und Kant wird Immanenz als immanent zu etwas Transzendentem verstanden, dem moralischer oder begrifflicher Vorrang eingeräumt wird (Berg-Sorensen, 2001). Das Ziel der postmodernen Metaphysiker hingegen ist es, die Immanenz zu konzipieren, ohne die Transzendenz wieder einzuführen, das zu erzählen, was Giorgio Agamben wie folgt nennt: "den Schwindel, in dem Außen und Innen, Immanenz und Transzendenz, absolut ununterscheidbar sind." (1999: 238-9). Das 'Außen' wird als ein flüchtiges Feld (der Differenz, des Virtuellen usw.) dargestellt, das dennoch nicht 'transzendent' ist, weil es sich immer schon in den immanenten Bereich der diskreten Entitäten einfaltet. Es ist ein konstitutives Außen.


1. Berg-Sorensen, Anders (2001) ‘Paradiso–diaspora: political theologies or critiques of religion’. PhD dissertation, University of Copenhagen.
2. Agamben, Giorgio (1999) ‘Absolute immanence’. In Potentialities: Collected Essays in Philosophy. Stanford, CA: Stanford University Press.


Jane Bennett, 2004. „Postmodern Approaches to Political Theory“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications.

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Individuen Pettit Brocker I 852
Individuum/Pettit: für einen Vertreter des Republikanismus, wie Pettit es in entschiedenem Maße ist, ist es verwunderlich, dass das Individuum bei ihm zum Angelpunkt seiner Modelltheorie wird. Damit folgt Petit eigentlich einer liberalen Logik: Durchweg steht bei ihm die Abwehr und Beschränkung unberechtigter Einflussnahme im Vordergrund, und darin trifft sich sein erklärtermaßen »republikanisches« Anliegen punktgenau mit dem anti-etatistischen Reflex einer liberalen Politiktheorie. Republikanismus: für ihn steht traditionellerweise die Einbindung des Individuums in die gemeinsame Lebensbewältigung und damit die Auseinandersetzung mit seiner Verwurzelung im politischen Kollektiv als leitender Bezugspunkt für die Auseinandersetzung mit dem Politischen fest.


Emanuel Richter, „Philip Pettit, Republicanism“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Pett I
Ph. Pettit
Just Freedom: A Moral Compass for a Complex World New York 2014

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Intelligenz Minsky Minsky I 71
Intelligenz/Minsky: Unser Verstand macht es uns durch Prozesse mögliche, Probleme zu lösen, die wir für schwierig halten. Intelligenz ist unser Name für alle diese Prozesse, die wir noch nicht verstehen. Warum sind Ströme und Pflanzen nicht intelligent? (z.B. Korallenbänke) -
Es scheint keine gute Idee zu sein, ein und dasselbe Wort für verschiedene Dinge zu verwenden, es sei denn, man hat wichtige Aspekte im Sinn, in denen sie gleich sind. Pflanzen und Ströme scheinen nicht sehr gut darin zu sein, die Art von Problemen zu lösen, die unserer Meinung nach Intelligenz erfordern.
Problemlösung: (...) es ist nur eine Illusion, dass Tiere (...) Probleme lösen können! Kein einzelner Vogel entdeckt einen Weg zu fliegen. Stattdessen nutzt jeder Vogel eine Lösung, die sich aus unzähligen Jahren der Evolution der Reptilien entwickelt hat.
Ist die Evolution intelligent? - Das Tempo der Evolution ist so langsam, dass wir sie nicht als intelligent ansehen, obwohl sie schließlich wunderbare Dinge hervorbringt, die wir selbst noch nicht herstellen können.

Minsky I
Marvin Minsky
The Society of Mind New York 1985

Minsky II
Marvin Minsky
Semantic Information Processing Cambridge, MA 2003
Intelligenz Pinker I 26
Intelligenz/Pinker: Folgerungen aus Wissen - aber nur die relevanten Folgerungen.
I 84
Intelligenz/ Pylyshyn,Zenon: Steine sind intelligenter als Katzen, weil sie wegfliegen, wenn man dagegen tritt - (Beschreibungsabhängig) - Pinker: Intelligenz erwächst nicht aus Materie, sondern aus Information.


Brockman I 108
Intelligenz/Pinker: [Es ist ein] Irrtum (...), Intelligenz als ein grenzenloses Kontinuum der Potenz zu betrachten, ein wunderbares Elixier mit der Kraft, jedes Problem zu lösen, jedes Ziel zu erreichen. Dieser Trugschluss führt zu unsinnigen Fragen wie zum Beispiel, wann eine KI "die Intelligenz des Menschen übersteigt", und zum Bild einer "artificial general intelligence" (AGI) mit göttlicher Allwissenheit und Allmacht. Intelligenz ist eine Vorrichtung von Gadgets: Softwaremodule,
Brockman I 109
die Kenntnisse darüber erwerben oder damit programmiert sind, wie man verschiedene Ziele in verschiedenen Bereichen verfolgt. Die Menschen sind gerüstet Nahrung zu finden, Freunde zu gewinnen und Menschen zu beeinflussen, (...). Computer können programmiert werden, um einige dieser Probleme zu lösen (wie das Erkennen von Gesichtern), sich nicht mit anderen zu beschäftigen (wie Partner zu entzücken) und noch andere Probleme anzunehmen, die der Mensch nicht lösen kann (wie die Simulation des Klimas oder das Sortieren von Millionen von Buchhaltungsunterlagen). Die Probleme sind unterschiedlich, und die Arten von Wissen, die benötigt werden, um sie zu lösen, sind unterschiedlich.

Pinker, S. “Tech Prophecy and the Underappreciated Causal Power of Ideas” in: Brockman, John (ed.) 2019. Twenty-Five Ways of Looking at AI. New York: Penguin Press.

Pi I
St. Pinker
Wie das Denken im Kopf entsteht München 1998

Brockman I
John Brockman
Possible Minds: Twenty-Five Ways of Looking at AI New York 2019
Intentionalität Geach I 132
Intentionalität/Geach: dreistellige Relation: Person-Verb-Objekt. - Bsp Für ein z, z ist ein Mann und ich sah z in Oxford unter dem Aspekt: "rannte vorüber". - GeachVsBuridan: "ratio","appelliert an", "Hinsicht": hier gibt es keine Identitätsbedingungen. - Es gibt keine Notwendigkeit, dass der Gegenstand unter dem Aspekt wahrgenommen wird. - Bsp Buridan: Sokrates weiß, dass einige Sterne über dem Horizont sind." - Geach: angenommen, Sokrates ist im Dschungel, von welchen weiß er es dann? - Buridan: "von denen, die es sind". - GeachVs: nur von "einigen", nicht z.B. vom Sternbild Aries (falscher Aspekt). - Falscher komplexer Ausdruck: "Sokrates, weiß, dass Aries über dem Horizont ist." - GeachVsBuridan: nutzt hier die Besonderheit von "wissen" aus. (Aus Wissen folgt Wahrheit).
I 137
Intentionale Identität/Intentionalität/Geach: Bsp 1. "Es gibt einen Dichter, den Smith und Brown bewundern" - oder
2. "Smith und Brown bewundern beide denselben Dichter" -
Letzteres wäre auch wahr, wenn es ein Hochstapler wäre, ersteres nicht.
"Unter der Beschreibung"/Aspekt: Problem: Bsp Smith träumte von der dicksten Frau der Welt, (die tatsächlich rothaarig ist) aber im Traum war sie kahl. - Die mittelalterlichen Probleme sind heute noch nicht gelöst. - ((s) > de re, > de dicto).

Gea I
P.T. Geach
Logic Matters Oxford 1972
Interesse Kant Gadamer I 55
Interesse/Kunst/Kant/Gadamer: Wenn Kant nach dem Interesse fragt, das dem Schönen nicht empirisch, sondern a priori entgegengebracht wird, so stellt diese Frage nach dem Interesse am Schönen gegenüber der grundlegenden Bestimmung der Interesselosigkeit des ästhetischen Wohlgefallens eine neue Frage dar und vollzieht den Übergang vom Standpunkt des Geschmacks zum Standpunkt des Genies. >Geschmack/Kant, >Genie/Kant. Die interessierende Bedeutsamkeit des Schönen ist die eigentlich bewegende Problematik der kantischen Ästhetik. >Ästhetik/Kant, >Kunst/Kant.
Gadamer I 56
Hier kommt Kants Eigenstes zur Sprache(1). Es ist nämlich keineswegs, wie wir erwarten würden, die Kunst, um derentwillen Kant über das „interesselose Wohlgefallen“ hinausgeht und nach dem Interesse am Schönen fragt. Natur/Kant: Während der durch Rousseau belehrte Kant den allgemeinen Rückschluss von der Verfeinerung des Geschmacks am Schönen überhaupt auf das sittliche Gefühl ablehnt, ist es mit dem Sinn für die Schönheit der Natur nach Kant eine eigene Sache. Dass die Natur schön ist, weckt nur bei dem ein Interesse, der »vorher schon sein Interesse am Sittlich-Guten wohlgegründet hat«. Das Interesse am Schönen in der Natur ist also »der Verwandtschaft nach moralisch«. Indem es die absichtslose Übereinstimmung der Natur zu unserem von allem Interesse unabhängigen Wohlgefallen bemerkt, mithin eine wunderbare Zweckmäßigkeit der Natur für uns, weist es auf uns als auf den letzten Zweck der Schöpfung, auf unsere „moralische Bestimmung“.(2)


1. F. Schiller, Über naive und sentimentalische Dichtung, Werke ed. Güntter u. Witkowski, Leipzig 1910ff., Teil 17, S. 480.
2. K.d.U. § 42
I. Kant
I Günter Schulte Kant Einführung (Campus) Frankfurt 1994
Externe Quellen. ZEIT-Artikel 11/02 (Ludger Heidbrink über Rawls)
Volker Gerhard "Die Frucht der Freiheit" Plädoyer für die Stammzellforschung ZEIT 27.11.03

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Internet Lessig I 83
Def Internet/Lessig: Das Internet ist ein Kommunikationsmedium. Leute machen Dinge im Internet, sie kaufen und bezahlen Rechnungen.
I 83
Def Cyberspace/Lessig: Im Gegensatz dazu geht es im Cyberspace nicht nur darum, das Leben einfacher zu machen. Es geht darum, das Leben anders oder besser zu machen. Es geht darum, ein anderes (oder zweites) Leben zu führen.
I 84
Def Code/Lessig: Code ist ein Regulator im Cyberspace, weil er die Bedingungen definiert, unter denen Cyberspace angeboten wird. Und diejenigen, die diese Begriffe setzen, erkennen den Code zunehmend als Mittel, um das Verhalten zu erreichen, das ihnen am meisten nützt.
I 112
Internet/Susan Crawford: "Das wundersame Wachstum des Internets ist größtenteils auf die Nichtdiskriminierung höherer Ebenen zurückzuführen. . . . Innovatoren bei der Anwendungsschicht waren in der Lage den fortlaufenden stabilen Fortbestand der unteren Schichten annehmen können." (1)
I 112
Internet/Cyberspace: Wie bei den Geschichten über den "Cyberspace", so zeigt auch dieser Fall über das Internet die Verbindung zwischen Architektur und Politik. End-to-End ist ein Paradigma für eine Technologie, die Werte verankert: Welche Architektur wir fördern, ist eine Entscheidung darüber, welche Politik wir fördern. Dies gilt auch in dem Kontext, in dem das Internet kein "Ort" ist - auch wenn es "nur" ein Medium ist.

1. Susan P. Crawford, “Symposium, Law and the Information Society, Panel V: Responsibility
and Liability on the Internet, Shortness of Vision: Regulatory Ambition in the Digital
Age,” Fordham Law Review 74 (2005) 695, 700–701.

Lessig I
Lawrence Lessig
Code: Version 2.0 New York 2006ff
Jansenismus Gadamer I 24
Jansenismus/Wahrheit/GadamerVsJansenismus/Gadamer: Es ist (...) eine Trivialität, die da herauskommt, wenn es etwa heißt, man müsse, um ein Ereignis in seiner Wahrheit zu beurteilen, die Umstände (circonstances) berücksichtigen(1), die es begleiten. - Die Jansenisten wollten mit dieser Beweisführung eine methodische Anleitung dafür geben, inwiefern die Wunder Glaubwürdigkeit besitzen. Sie suchten gegenüber einem unkontrollierten Wunderglauben den Geist der neuen Methode aufzubieten und meinten, auf diese Weise die wahren Wunder der biblischen Überlieferung und der kirchlichen Tradition zu legitimieren.
Die neue Wissenschaft im Dienst der alten Kirche - dass dieses Verhältnis keine Dauer versprach, ist nur zu deutlich, und man kann sich vorstellen, was geschehen musste, wenn die christlichen Voraussetzungen selber in Frage gestellt wurden. Das methodische Ideal der Naturwissenschaft musste, wenn man es auf die Glaubwürdigkeit der historischen Zeugnisse der biblischen Überlieferung anwendete, zu ganz anderen, für das Christentum katastrophalen Ergebnissen führen.
Spinoza/Gadamer: Der Weg von der Wunderkritik im Stile der Jansenisten zur historischen Bibelkritik ist nicht allzu weit. Spinoza ist dafür ein gutes Beispiel.
GadamerVsSpinoza: Wir werden an späterer Stelle zeigen, daß eine konsequente Anwendung dieser Methodik als einziger Norm geisteswissenschaftlicher Wahrheit überhaupt ihrer Selbstaufhebung gleichkäme. >VicoVsJansenismus.


1. Vgl. Logique de Port-Royal, 4e partie, chap. 13ff.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Juristische Hermeneutik Gadamer I 314
Juristische Hermeneutik/Gadamer: Die enge Zusammengehörigkeit, die ursprünglich die philologische Hermeneutik mit der juristischen und theologischen verband, beruhte auf der Anerkennung der Applikation als eines integrierenden Momentes alles Verstehens. Sowohl für die juristische Hermeneutik wie für die theologische Hermeneutik ist ja die Spannung konstitutiv, die zwischen dem gesetzten Text - des Gesetzes oder der Verkündigung - auf der einen Seite und auf der anderen Seite dem Sinn besteht, den seine Anwendung im konkreten Augenblick der Auslegung erlangt, sei es im Urteil, sei es in der Predigt.
Ein Gesetz will nicht historisch verstanden werden, sondern soll sich in seiner Rechtsgeltung durch die Auslegung konkretisieren.
Ebenso will ein religiöser Verkündigungstext nicht als ein bloßes historisches Dokument aufgefasst werden, sondern er soll so verstanden werden, daß er seine Heilswirkung ausübt. Das schließt in beiden Fällen ein, daß der Text, ob Gesetz oder Heilsbotschaft, wenn er angemessen verstanden werden soll, d. h. dem Anspruch, den der Text erhebt, entsprechend, in jedem Augenblick, d. h. in jeder konkreten >Situation, neu und anders verstanden werden muss.
Verstehen ist hier immer schon Anwenden. >Verstehen/Gadamer, >Hermeneutik/Gadamer.
I 315
Kognitiv/normativ: Wenn man (...) kognitive, normative und reproduktive Auslegung unterscheidet, wie das E Betti in seiner auf bewundernswerter Kenntnis und Überschau aufgebauten „Allgemeinen Theorie der Interpretation“(1) getan hat, so gerät man bei der Zuordnung der Phänomene zu dieser Einteilung in Schwierigkeiten. Das gilt zunächst für die in den Wissenschaften geübte Auslegung. Schleiermacher: Wenn man die theologische Auslegung mit der juristischen zusammenstellt und entsprechend der normativen Funktion zuordnet, so ist demgegenüber an Schleiermacher zu erinnern, der umgekehrt die theologische Auslegung aufs engste an die allgemeine, d. h, für ihn die philologisch-historische Auslegung, anschließt. In der Tat geht der Riss zwischen kognitiver und normativer Funktion mitten durch die theologische Hermeneutik und lässt sich schwerlich dadurch schließen, dass man die wissenschaftliche Erkenntnis von nachfolgender erbaulicher Anwendung
unterscheidet. Der gleiche Riss geht offenkundig auch mitten durch die rechtliche Auslegung, sofern Erkenntnis des Sinnes eines Rechtstextes und Anwendung desselben auf den konkreten Rechtsfall nicht zwei getrennte Akte sind, sondern ein einheitlicher Vorgang.
I 332
Juristische Hermeneutik/Gadamer: Gewiss meint der Jurist stets das Gesetz selbst. Aber sein normativer Gehalt ist auf den gegebenen Fall hin zu bestimmen, auf den es angewandt werden soll. Um diesen genau zu ermitteln, bedarf es historischer Erkenntnis des ursprünglichen Sinnes, und nur um dessentwillen bezieht der juristische Ausleger den historischen Stellenwert mit ein, der dem Gesetz durch den Akt der Gesetzgebung zukommt. Rechtsgeschichte: Ganz anders der Rechtshistoriker. Er meint anscheinend nichts weiter als den ursprünglichen Sinn des Gesetzes, wie es gemeint war und galt, als es erlassen wurde. Aber wie kann er denselben erkennen?
Gadamer I 333
Der Historiker muss die gleiche Reflexion leisten, die auch den Juristen leitet. [Jedoch]: der Historiker, der seinerseits keine juristische Aufgabe vor sich hat, sondern die geschichtliche Bedeutung dieses Gesetzes - wie
Gadamer I 334
jeden anderen Inhalt geschichtlicher Überlieferung - ermitteln will, nicht davon absehen, dass es sich hier um eine Rechtsschöpfung handelt, die juristisch verstanden werden will. Er muss nicht nur historisch, sondern auch juristisch denken können. Juristische Hermeneutik/Gadamer: Der Historiker, der das Gesetz aus seiner historischen Ursprungssituation heraus verstehen will, kann von seiner rechtlichen Fortwirkung gar nicht absehen. Sie gibt ihm die Fragen, die er an die historische Überlieferung stellt, an die Hand. Gilt das nicht in Wahrheit von jedem Text, dass er in dem, was er sagt, verstanden werden muss? Heißt das nicht, dass es stets einer Umsetzung bedarf? Sofern der eigentliche Gegenstand des
historischen Verstehens nicht Ereignisse sind, sondern ihre „Bedeutung“ ist solches Verstehen offenbar nicht richtig beschrieben, wenn man von einem an sich seienden Gegenstand und dem Zugehen des Subjekts auf diesen spricht. In Wahrheit liegt im historischen Verstehen immer schon darin, dass die auf uns kommende Überlieferung in die Gegenwart hinein spricht und in dieser Vermittlung - mehr noch: als diese Vermittlung - verstanden werden muss. Der Fall der juristischen Hermeneutik ist also in Wahrheit kein Sonderfall, sondern er ist geeignet, der historischen Hermeneutik ihre volle Problemweite wiederzugeben und damit die alte Einheit des hermeneutischen Problems wiederherzustellen, in der sich der Jurist und der Theologe mit dem Philologen begegnet.



1. Vgl. E. Betti »Zur Grundlegung einer allgemeinen Auslegungslehre«, und sein monumentales Hauptwerk: Allgemeine Auslegungslehre 1967. (Dazu vor allem „Hermeneutik und Historismus“
(Bd. 2 der Ges. Werke, S. 387—424) und meine Arbeit „Emilio Betti und das idealistische
Erbe“ in: Quaderni Fiorentini 7 (1978), S. 5—11 , Ges. Werke Bd. 4.)

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Kausalität Bigelow I 264
Erklärung/Kausalität/Bigelow/Pargetter: Problem: wegen drohender Zirkularität können wir Kausalität dann nicht durch Gesetze oder kontrafaktische Konditionale oder Wahrscheinlichkeit erklären. Kontrafaktisches Konditional/Erklärung/Bigelow/Pargetter: umgekehrt werden kontrafaktische Konditionale analysiert in Begriffen von Kausalität. Ebenso Notwendigkeit.
Verursachung/Bigelow/Pargetter: Muss unanalysierter Grundbegriff sein. Sie ist ein strukturelles Universale. Fundamentale Kräfte spielen eine Hauptrolle.
Kräfte/Bigelow/Pargetter: sind Vektoren.
I 265
Kausalität/Verursachung/Erklärung/Bigelow/Pargetter: zunächst widerlegen wir einige gängige Theorien. Verursachung/Tradition/Bigelow/Pargetter: wird oft als eine Art „notwendige Verbindung“ angesehen. Normalerweise wird das so ausgedrückt, dass entweder die Ursache notwendig für die Wirkung ist oder die Wirkung eine notwendige Folge der Ursache. Dann ist die Ursache entweder eine notwendige oder eine hinreichende Bedingung oder beides.
schwächer: einige Autoren: es sei nur unwahrscheinlich, eine Ursache ohne Wirkung (oder umgekehrt) zu finden. (probabilistische Theorien der Verursachung, Lewis 1979, Tooley 1987).
„Notwendigkeits-Theorien“/Bigelow/Pargetter: sollten erklären, auf was für einer Art von Notwendigkeit sie beruhen.
Ursache/Wirkung/BigelowVsTradition/BigelowVsLewis/Bigelow/Pargetter: These eine Ursache muss weder eine hinreichende noch eine notwendige Ursache für eine Wirkung sein, die Wirkung hätte ohne eintreten können oder durch eine andere Ursache, oder ohne Ursache überhaupt! Man kann auch nicht immer eine hohe Wahrscheinlichkeit annehmen! Eine Ursache muss nicht immer die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses erhöhen!
I 266
Hume/Bigelow/Pargetter: das haben wir von ihm gelernt. (HumeVsLewis). Kausalität/Hume/Bigelow/Pargetter: seine Auffassung von ihr hat einen theologischen Hintergrund, (von Descartes und Malebranche her): These: es konnte nicht sein, dass Gott durch irgendwelche Beschränkungen gefesselt wäre.
Daher konnte es nicht sein, dass Gott gezwungen sein würde, der Wirkung zu erlauben, zu folgen. Immer müsste es aus Gottes freier Wahl entstehen und damit jedes Mal ein Wunder sein.
Hume/Bigelow/Pargetter. seine Theorie eliminiert daraus einfach Gott. Hume bittet uns einfach uns vorzustellen, dass die Wirkung es unterlassen könnte, aus der Ursache zu folgen.
Bigelow/Pargetter: damit hat er Recht! Es ist nicht nur logisch möglich, sondern auch empirisch möglich!
Vorstellung/Hume/Bigelow/Pargetter: ist für Hume der Führer zur Möglichkeit. Damit schwenkt er von einem theologischen zu einem psychologischen Argument.
Ursache/Bigelow/Pargetter: Ursachen sind keine hinreichenden Bedingungen. Sie sind auch nicht immer notwendig!
I 267
Lösung/Hume/Bigelow/Pargetter: innere Erwartungen von Regularitäten. Ursache/Hume/Bigelow/Pargetter: nach Hume darf „hinreichend“ nicht modal aufgefasst werden. D.h. dass „hinreichend“ nicht realistisch aufgefasst werden darf.
BigelowVsHume: ging zu weit in seiner Zurückweisung von Notwendigkeit in Gesetzen. Aber nicht weit genug in seiner Zurückweisung des Notwendigkeits-Ansatzes der Kausalität.

Big I
J. Bigelow, R. Pargetter
Science and Necessity Cambridge 1990
Kausalität Lewis IV 77
Kausalität/Zustand/Lewis: eine mögliche Welt, die nur aus einer Verteilung von Zuständen bestünde ((s) ohne angenommene Gegenstände) wäre kausal genau wie unsere. - Es gibt keine Eigenschaften der wirklichen Welt außer denen, die auf der Verteilung lokaler Qualitäten supervenieren - Kausalität: wird durch nichts bestimmt, außer der Verteilung von lokalen Qualitäten.
V 201
rückwärts/Rückwärtsrichtung/Lewis: ist nur bei kontrafaktischen Konditionalen außerhalb kausaler Kontexte erlaubt. - Falsche Rückwärtskausalität: Bsp zu sagen: wenn D nicht gefeuert hätte, "hätte das bedeutet", dass es nicht stimuliert gewesen wäre... -
V 286
Kausalität/Verhinderung: Bsp Schaltkreis mit ausschließend-oder-Gatter: jedes Outputsignal ist teilweise durch die Abwesenheit eines zweiten Inputsignals verursacht - dann ist die Übereinstimmung ein glücklicher Zufall.
Schwarz I 131ff
Kausalität/Lewis/Schwarz: kontrafaktische Konditionale ohne Kausalität: Bsp hätte ich den Griff nicht gedreht, hätte das Fenster sich nicht geöffnet - Bsp wäre Sokrates nicht gestorben, wäre Xanthippe nicht Witwe geworden - Bsp hätte ich nicht "rr" geschrieben, dann auch nicht "Larry". - Ereignisse dürfen nicht überlappen, sonst Bsp wird ein Fußballspiel von seiner ersten Halbzeit verursacht ((s) wegen kontrafaktischer Konditionale).
Schwarz I 135
Rückwärtskausalität/Zeit/Hausmann/Lewis: Bsp Fred springt von der Brücke - kontrafaktisch: was ist die nächste mögliche Welt, in der er nicht im Wasser landet? - Vorgeschichte bis zu letzten Moment gleich, dann großes Wunder nötig - kleines Wunder: wenn er gar nicht erst springt - Pointe: dann verursacht die Landung den Sprung. >Wunder/Lewis.

Lewis I
David K. Lewis
Die Identität von Körper und Geist Frankfurt 1989

Lewis I (a)
David K. Lewis
An Argument for the Identity Theory, in: Journal of Philosophy 63 (1966)
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis I (b)
David K. Lewis
Psychophysical and Theoretical Identifications, in: Australasian Journal of Philosophy 50 (1972)
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis I (c)
David K. Lewis
Mad Pain and Martian Pain, Readings in Philosophy of Psychology, Vol. 1, Ned Block (ed.) Harvard University Press, 1980
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis II
David K. Lewis
"Languages and Language", in: K. Gunderson (Ed.), Minnesota Studies in the Philosophy of Science, Vol. VII, Language, Mind, and Knowledge, Minneapolis 1975, pp. 3-35
In
Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979

Lewis IV
David K. Lewis
Philosophical Papers Bd I New York Oxford 1983

Lewis V
David K. Lewis
Philosophical Papers Bd II New York Oxford 1986

Lewis VI
David K. Lewis
Konventionen Berlin 1975

LewisCl
Clarence Irving Lewis
Collected Papers of Clarence Irving Lewis Stanford 1970

LewisCl I
Clarence Irving Lewis
Mind and the World Order: Outline of a Theory of Knowledge (Dover Books on Western Philosophy) 1991

Schw I
W. Schwarz
David Lewis Bielefeld 2005
Kausalität McTaggart Geach I 41
Kausalität/Erklärung/McTaggart: seine Formulierung "in Anbetracht" statt "weil": ist nicht kausal. Pointe/Geach: wegen der fehlenden Kausalität kann etwas von jemand auch irrtümlich als X betrachtet werden, wenn es gar nicht X ist! Der (falsche) Glaube ist dann der Verursacher der Zuschreibung.
I 41/42
Pointe: nun bewundere ich nicht jemand in Bezug auf meinen eigenen Glauben! Sicher würden Götter keinen falschen Glauben hegen, aber wir können dennoch diese Unterscheidung treffen:
Die Götter lieben etwas in Bezug darauf, fromm zu sein, und nicht in Bezug auf die eigene Einstellung dazu.
Aber man muss genau unterscheiden: die Einstellung ist schon der Grund (kausal!)
Aber sie liefert nicht die Eigenschaft (Charakteristik) in Bezug auf die es geliebt wird.

Gea I
P.T. Geach
Logic Matters Oxford 1972
Klassisches Gadamer I 292
Das Klassische/Gadamer: Das Klassische ist gerade dadurch eine wahrhaft geschichtliche Kategorie, dass es mehr ist als ein Epochenbegriff oder ein historischer Stilbegriff und dass es dennoch nicht ein übergeschichtlicher Wertgedanke sein will. Es bezeichnet nicht eine Qualität, die bestimmten geschichtlichen Erscheinungen zuzusprechen ist, sondern eine ausgezeichnete Weise des Geschichtlichseins selbst, den geschichtlichen Vorzug der Bewahrung, die - in immer erneuerter Bewährung - ein Wahres sein lässt. Es ist durchaus nicht so, wie die historische Denkweise glauben machen wollte, dass das Werturteil, durch das etwas als klassisch ausgezeichnet wird, von der historischen Reflexion und ihrer an allen teleologischen Konstruktionen des Geschichtsganges geübten Kritik wirklich zersetzt würde.
Werturteil/Gadamer: Das Werturteil, das im Begriff des Klassischen impliziert ist, gewinnt vielmehr an solcher Kritik eine neue, seine eigentliche Legitimation: Klassisch ist, was der historischen Kritik
gegenüber standhält, weil seine geschichtliche Herrschaft, die verpflichtende Macht seiner sich überliefernden und bewahrenden Geltung, aller historischen Reflexion schon voraus liegt und sich in ihr durchhält. Beispiel:
Hellenismus/Droysen/Gadamer: Droysen hat mit Recht die weltgeschichtliche Kontinuität und die Bedeutung des Hellenismus für die Geburt und Ausdeutung des Christentums betont. Aber er hätte es nicht erst nötig gehabt, diese historische Theodizee zu vollziehen, wenn es nicht noch immer ein Vorurteil zugunsten des Klassischen gegeben hätte und wenn nicht die Bildungsmacht
des an der „klassischen Antike“ festgehalten und sie als das unverlorene antike Erbe in der abendländischen Bildung bewahrt hätte.
Klassik/Gadamer: Das Klassische ist eben im Grunde etwas anderes als ein deskriptiver Begriff, den
ein objektivierendes historisches Bewusstsein handhabt; es ist eine geschicht-
I 293
liche Wirklichkeit, der auch noch das historische Bewusstsein zugehört und untersteht. Was klassisch ist, das ist herausgehoben aus der Differenz der wechselnden Zeit und ihres wandelbaren Geschmacks (...). Norm/Klassik/Gadamer: Das erste also an dem Begriff des (und das entspricht auch ganz dem antiken wie dem neuzeitlichen Sprachgebrauch) ist der normative Sinn. Sofern diese Norm aber auf eine einmalige vergangene Größe rückschauend bezogen wird, die sie erfüllte und darstellte, enthält sie immer schon elnen Zeit-Ton, der sie geschichtlich artikuliert.
Klassizismus/Gadamer: So war es kein Wunder, dass mit der beginnenden historischen Reflexion, für die in Deutschland (...) der Klassizismus Winckelmanns bestimmend geworden ist, aus dem in dieser Weise als klassisch Geltenden ein historischer Begriff einer Zeit oder einer Epoche abgelöst wurde, um ein inhaltlich umschriebenes Stilideal, und zugleich historisch-deskriptiv eine Zeit oder
eine Epoche zu bezeichnen, die dieses Ideal erfüllte.
Epigonentum/Gadamer: Im Abstand des Epigonen, der den Maßstab aufrichtet, zeigt sich, dass die Erfüllung dieses Stilideals einen weltgeschichtlichen Augenblick bezeichnet, der der Vergangenheit
angehört.
I 294
Gattungen/Ideal/Stilphasen/Gadamer: [die als] klassisch geltenden Autoren sind, wie man weiß, jeweils die Repräsentanten bestimmter literarischer Gattungen. Sie galten als die perfekte Erfüllung solcher Gattungsnorm, ein in der Retrospektive der literarischen Kritik sichtbares Ideal. Denkt man nun diesen Gattungsnormen gegenüber historisch, das heißt, denkt man die Geschichte dieser Gattungen, dann wird das Klassische zu dem Begriff einer Stilphase, eines Höhepunktes, der nach
Vorher und Nachher die Geschichte dieser Gattung artikuliert.
Epochen/Gadamer: Sofern nun die gattungsgeschichtlichen Höhepunkte zu einem guten Teile dem gleichen, eng bemessenen Zeitraum angehören, bezeichnet das Klassische innerhalb des Ganzen der geschichtlichen Entwicklung des klassischen Altertums eine solche Phase und wird so zum Epochenbegriff, der mit dem Stilbegriff verschmilzt. >Das Klassische/Hegel.
I 295
Diese Erörterung des Begriffs des Klassischen (...) möchte eine allgemeine Frage wecken. Sie lautet: Liegt am Ende solche geschichtliche Vermittlung der Vergangenheit mit der Gegenwart, wie sie den Begriff des Klassischen prägt, allem historischen Verhalten als wirksames Substrat zugrunde? >Hermeneutik/Gadamer.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Kommunikation Quine XIII 27
Kommunikation/Quine: man sagt gemeinhin, was kommuniziert werde, seien Ideen. Eine Idee scheint in einem anderen Kopf verdoppelt worden zu sein. Aber, da wir nicht in diesen Kopf sehen können, wissen wir nicht, wie treu die Kopie ist. Idee//Vagheit/Unbestimmtheit/Quine: Ideen sind also vage, und das betrifft auch uns selbst: unserer eigenen Ideen können wir uns nicht sicher sein
Lösung/Quine: sollten wir besser Sätze über die Realität kommunizieren? Vor allem, wenn die Objekte, über die wir sprechen von der Art sind, daß wir und unsere Kommunikationspartner ihnen von Zeit zu Zeit begegnen.
Wörter/Ausdrücke/Sprache/Spracherwerb/Sprachlernen/Quine: die Wörter sind solche, die wir uns die anderen in Gegenwart derselben Gegenstände gelernt haben. Sie werden frisch gehalten durch immer wieder aufgenommene Kommunikation in Gegenwart solcher Gegenstände. Dann brauchen wir keine Ideen mehr.
Problem. wenn wir über Bsp abwesende Gegenstände sprechen, die der andere vielleicht noch nie gesehen hat. Oder Bsp ein sentimentales Gefühl über einen verlorenen Gegenstand. Hier wissen wir nicht, wo wir anfangen sollten, es zu erklären. Dennoch ist Kommunikation ohne Zweifel erfolgreich.
XIII 28
Lösung/Quine: die Wörter für Abwesendes hat man in früheren Kontexten gelernt. Auch durch Bilder und Beschreibungen. Lernen/Wörter/Wort/Quine: die vielfältigen Weisen ein Wort zu lernen, setzen sich in einem sozialen Netzwerk zusammen. Seine Kohärenz ist kein Zufall, denn es ist selbst-korrigierend.
Wahrheit/Hegel: „Die Wahrheit ist mit der Wirklichkeit im Bunde gegen das Bewusstsein“.
Logik/Quine: „Die Logik jagt die Wahrheit den Baum der Grammatik hinauf“.
Kommunikation/Quine: wird hier etwas dünn!
Erfolg/Kommunikation/Quine: erkennen wir daran, dass unser Partner sich in einer vorhergesagten Weise verhält.
abstrakt/Quine: je abstrakter unser Diskurs wird, desto seltener und unbestimmter werden die Stellen, an denen wir Klarheit über den Erfolg unserer Kommunikation haben.
XIII 29
Hier gilt: „Keine Nachricht – gute Nachricht!“. Das ist das Prinzip der Nachsicht. Dabei bekommen wir eine übertriebene Vorstellung davon, wie gut wir verstanden wurden. Das Wunder der Kommunikation wird irgendwie ein bißchen wie das Wunder der Transsubstantiation.


Quine I
W.V.O. Quine
Wort und Gegenstand Stuttgart 1980

Quine II
W.V.O. Quine
Theorien und Dinge Frankfurt 1985

Quine III
W.V.O. Quine
Grundzüge der Logik Frankfurt 1978

Quine V
W.V.O. Quine
Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989

Quine VI
W.V.O. Quine
Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995

Quine VII
W.V.O. Quine
From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953

Quine VII (a)
W. V. A. Quine
On what there is
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (b)
W. V. A. Quine
Two dogmas of empiricism
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (c)
W. V. A. Quine
The problem of meaning in linguistics
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (d)
W. V. A. Quine
Identity, ostension and hypostasis
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (e)
W. V. A. Quine
New foundations for mathematical logic
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (f)
W. V. A. Quine
Logic and the reification of universals
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (g)
W. V. A. Quine
Notes on the theory of reference
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (h)
W. V. A. Quine
Reference and modality
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (i)
W. V. A. Quine
Meaning and existential inference
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VIII
W.V.O. Quine
Bezeichnung und Referenz
In
Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982

Quine IX
W.V.O. Quine
Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967

Quine X
W.V.O. Quine
Philosophie der Logik Bamberg 2005

Quine XII
W.V.O. Quine
Ontologische Relativität Frankfurt 2003

Quine XIII
Willard Van Orman Quine
Quiddities Cambridge/London 1987
Komplex/Komplexität Geach I 103
Zusammengesetzte Ausdrücke/komplexe Termini/Relativsatz/Geach: Problem: dem Relativsatz entspricht nicht bloß ein einfaches Prädikat - uneindeutig, auf wen sich "jemand, der","er" oder "jeder, der" rückbezieht. - Reichweite: trügerisch Bsp Eine Frau, die jeder Eingeborene bewundert, ist schön
Eine Frau, die jeder Eingeborene bewundert, ist seine Frau
Eine Frau, die jeder Eingeborene bewundert, ist ein Gastgeschenk.
Russell: "bezeichnende Ausdrücke" müssen radikal paraphrasiert werden - Geach pro.
I 106
Zusammengesetzte Ausdrücke/komplexe Termini/Relativsatz/Geach: Beziehung Pronomen-Antezedens analog zu Variable-Operator - uneindeutig. Lösung: Auflösung durch zusätzliches Pronomen: "wenn", "und" usw. - (s) es geht nicht um Einheit, sondern um Auflösung der Einheit - symbolische Sprache/Geach: (z.B. Mengenlehre): kann Einheit durch Definition auflösen: Bsp "y gehört zur Klasse der Ps": unterschiedlich, je nachdem, ob mit Gleichheitszeichen oder Epsilon (für Elementrelation): > "für eine Klasse x, y gehört zu x und wenn irgend etwas zu x gehört, ist es P". - Bsp falsch: "Nur eine Frau, die jedes Schamgefühl verloren hat, wird betrunken." - Richtig: eine Frau wird nur..., wenn sie..."- sonst folgt: "Männer werden nie betrunken."

Gea I
P.T. Geach
Logic Matters Oxford 1972
Kontinuität Droysen Gadamer I 213
Kontinuität/Geschichte/Droysen/Gadamer: (...) die empirische Gesinnung der historischen Schule ist (...) nicht ohne philosophische Voraussetzungen. Es bleibt das Verdienst des scharfsinnigen Methodologen Droysen, dass er sie aus ihrer empirischen Verkleidung herausgelöst und in ihrer grundsätzlichen Bedeutung erkennt. Vgl. >Geschichte/Historismus, >Einheit/Ranke, >Zusammenhang/Ranke, >Kontinuität/Ranke. Droysen These: Kontinuität ist das Wesen der Geschichte, weil Geschichte im Unterschied zur Natur das Moment der Zeit einschließt. Droysen zitiert dafür immer wieder die aristotelische Aussage von der Seele, dass sie eine Zunahme in sich selbst (epidosis eis hauto) sei. Im Gegensatz zu der bloßen Wiederholungsform der Natur ist die Geschichte durch solche Steigerung in sich selbst charakterisiert. Das heißt aber: durch ein Bewahren und Hinausgehen über das Bewahrte. Beides aber schließt Sichwissen ein. Die Geschichte selbst ist also nicht nur ein Wissensgegenstand, sondern ist in ihrem Sein bestimmt durch das Sich-wissen. »Das Wissen von ihr ist sie
selbst« (Droysen, Historik S. 15)(1). Die bewundernswerte Stetigkeit der weltgeschichtlichen Entwicklung, von der Ranke sprach, ist in dem Bewusstsein der Kontinuität gegründet, einem Bewusstsein, das erst Geschichte zu Geschichte macht (Historik S 48).
Gadamer: Es wäre ganz falsch, darin nur eine idealistische Voreingenommenheit zu sehen. Vielmehr ist dies Apriori des geschichtlichen Denkens selber eine geschichtliche Wirklichkeit. Jacob Burckhardt hat ganz recht, wenn er in der
Gadamer I 214
Kontinuität der abendländischen Kulturüberlieferung die Existenzbedingung der abendländischen Kultur selber sieht(2). Der Zusammenbruch dieser Überlieferung, der Einbruch einer neuen Barbarei, von dem gerade Jacob Burckhardt manche düstere Prophezeiung ausgesprochen hat, wäre für die historische Weltansicht nicht eine Katastrophe innerhalb der Weltgeschichte, sondern das Ende dieser Geschichte selbst - wenigstens sofern sie sich als weltgeschichtliche Einheit zu verstehen sucht. Es ist wichtig, sich diese inhaltliche Voraussetzung der universalgeschichtlichen Fragestellung der historischen Schule klarzumachen, gerade weil sie selber eine solche prinzipiell ableugnet.
1. J.G. Droysen, Grundriß der Historik, 1868
2. Vgl. etwa Löwith, Weltgeschichte und Heilsgeschehen, Kap. I.

Droys I
J. G. Droysen
Grundriss der Historik Paderborn 2011

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Kontrafaktisches Lewis V 32
Alternativen/Kontrafaktisches/Lewis: Bsp angenommen, ich würde heute etwas anderes tun, dann wäre morgen etwas anders - aber man kann nicht in einem klaren Sinn etwas darüber sagen.
V 63f
Kontrafaktische Möglichkeit/mögliche Welt/MöWe/Lewis: Bsp Quasi-Wunder (QW) (sehr unwahrscheinlich, aber keine Verletzung der Naturgesetze). Zweideutigkeit: Hinterglied: a) "hätte sein können" (hsk): alle ähnlichsten Welten sind solche, wo es möglich ist. - b) "nicht würde nicht" (nwn) - einige der ähnlichsten Welten sind solche, wo es passiert - dann:
1. "Wenn Nixon den Knopf gedrückt hätte, wäre kein Quasi-Wunder passiert" und
2. "...es hätte eine winzige Chance gegeben" sind zusammen wahr.
Aber
1- konfligiert mit "nicht würde nicht" und
2. impliziert "hätte sein können".

I (c) 42
Der Sieger hätte verlieren können (wahr) Aber: Es hätte sein können, dass der Sieger verliert (falsch).


Erklärung/(s): 1. Der Sieger, nämlich Paul, hätte auch verlieren können. (wahr)
2. Möglich (S ungleich S). (falsch).

Lewis I
David K. Lewis
Die Identität von Körper und Geist Frankfurt 1989

Lewis I (a)
David K. Lewis
An Argument for the Identity Theory, in: Journal of Philosophy 63 (1966)
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis I (b)
David K. Lewis
Psychophysical and Theoretical Identifications, in: Australasian Journal of Philosophy 50 (1972)
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis I (c)
David K. Lewis
Mad Pain and Martian Pain, Readings in Philosophy of Psychology, Vol. 1, Ned Block (ed.) Harvard University Press, 1980
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis II
David K. Lewis
"Languages and Language", in: K. Gunderson (Ed.), Minnesota Studies in the Philosophy of Science, Vol. VII, Language, Mind, and Knowledge, Minneapolis 1975, pp. 3-35
In
Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979

Lewis IV
David K. Lewis
Philosophical Papers Bd I New York Oxford 1983

Lewis V
David K. Lewis
Philosophical Papers Bd II New York Oxford 1986

Lewis VI
David K. Lewis
Konventionen Berlin 1975

LewisCl
Clarence Irving Lewis
Collected Papers of Clarence Irving Lewis Stanford 1970

LewisCl I
Clarence Irving Lewis
Mind and the World Order: Outline of a Theory of Knowledge (Dover Books on Western Philosophy) 1991
Kontrafaktisches Konditional Bigelow I 112
Kontrafaktische Konditionale/Axiome/Notwendigkeits-Konditional/Möglichkeits-Konditional/Bigelow/Pargetter: (wäre>wäre, wäre>könnte). 1. für kontrafaktische Konditionale kommen die Axiome der normalen Konditionale nicht in Betracht.
Bsp
Wenn van Gogh die Sonnenblumen nicht gemalt hätte, hätte es ein anderer getan
Dagegen indikativisch
Wenn van Gogh die Sonnenblumen nicht gemalt hat, hat es ein anderer getan.
Der erste Satz ist falsch, der zweite wahr.
Also müssen sie sich in der Bedeutung unterscheiden.
I 113
Possibilia/ kontrafaktische Konditionale /Bigelow/Pargetter: kontrafaktische Konditionale erfordern oft, dass wir Possibilia erwägen, selbst wenn wir wissen, dass sie nicht aktual sind.
I 250
Lager: „backtracking“. Pro Bigelow/Pargetter , Pollock (1976): bei kontrafaktischen Konditionalen dürfen keine möglichen Welten einbezogen werden, in denen Ausnahmen von Naturgesetzen zugelassen sind - Vs: Lewis (1973a<), Jackson (1977a) , Stalnaker (1968)
Zugänglichkeit/Naturgesetze/Mögliche Welten/backtracking/Bigelow/Pargetter: dennoch gibt es überzeugende Gegen-Bsp zur Theorie, dass es keine zugänglichen mögliche Welt gibt, in denen Naturgesetze verletzt werden.
Kontrafaktische Konditionale: es gibt viele kontrafaktische Konditionale, deren Wahrheit die Existenz solcher Welten vorauszusetzen scheint.
Counterlegals: kontrafaktische Konditionale die feststellen was der Fall wäre, wenn bestimmte Gesetze nicht gälten. Problem: unsere Theorie sagt, daß es entsprechende Welt nicht gibt.
Def Backtracking/Lewis: dabei stellen wir uns eine hypothetische Änderung eines Ereignisses zu einer bestimmten Zeit vor und dann beschreiben wir, wie die vorangehenden Ereignisse hätten sein müssen, damit das hypothetische Ereignis hätte geschehen können. ((s) Um ein Wunder überflüssig zu machen)
Bigelow/Pargetter: das ist kein Problem für unsere Theorie.
Problem/Bigelow/Pargetter: nicht alle kontrafaktischen Konditionale sind Backtracker. Oft überlegen wir uns nicht, die die Vergangenheit hätte sein müssen,
I 251
sondern nehmen an, dass sie fixiert ist. Stattdessen fragen wir uns, wie die zukünftigen Folgen des geänderten Ereignisses aussehen würden. Das ist ein forward-tracking. forward-tracking:
Problem/Bigelow/Pargetter: wenn wir eine anders verlaufende Zukunft mit gleichbleibender Vergangenheit erwägen, müssen wir annehmen, daß es möglich ist, die Naturgesetze zu verletzen!
Lewis: dann brauchen wir „kleinere Wunder“.
Bsp Sie könnten sagen, dass wenn hier ein Drink vor ihnen wäre, würden sie ihn trinken. Aber wie hätte er dahin kommen können? Auf vielen Wegen. Aber welcher ist der, der der zugänglichsten Werlt entspricht? Wenn Sie den Drink selbst geholt hätten, hätten Sie ihn in der Küche getrunken. Also wäre der obige Satz nicht war. Aber dennoch hätte es sein können, dass vor Ihnen ein Drink steht.
Pointe: deshalb müssen wir hier annehmen, dass die Vergangenheit bis jetzt gleich gewesen wäre. Wir müssen also Magie annehmen!
Problem: eine Welt, in der die Vergangenheit bis jetzt gleich gewesen wäre, und plötzlich das Glas da stünde, wäre eine Welt, in der Naturgesetze verletzt sind. Wie kann eine solche Welt zugänglich sein?
I 252
Kontrafaktisches Konditional: scheint dann nicht (nichttrivial) wahr sein zu können, wenn wir es mit normalen kontrafaktischen Konditionalen zu tun haben, die nicht backtracking sind.
BigelowVsVs: die Lösung beruht auf einer Unterscheidung von kontrafaktischen Konditionalen in fundamentale und alltagssprachliche.
I 254
Forward-tracking/Kontrafaktisches Konditional/Bigelow/Pargetter: müssen iteriert sein: Wenn es möglich wäre, dann wenn es so wäre, dann… - Forward-tracking: Vergangenheit bleibt gleich – Ereignis ändert sich („kleines Wunder“) – in diesem Moment Verletzung der Naturgesetze (Heimson-Welt) – danach wieder gesetzmäßiger Verlauf.

Big I
J. Bigelow, R. Pargetter
Science and Necessity Cambridge 1990
Kunst Gadamer I 57
Kunst/GadamerVsKant/Gadamer: [Kants] Vorzug des Naturschönen vor dem Kunstschönen ist nur die Kehrseite des Mangels des Naturschönen an bestimmter Aussage. (>Schönheit/Kant, >Natur/Kant). So kann man umgekehrt den Vorzug der Kunst vor dem Naturschönen darin sehen, daß die Sprache der Kunst anspruchsvolle Sprache ist, die sich nicht der stimmungshaften Ausdeutung frei und unbestimmt darbietet, sondern uns bedeutungshaft bestimmt anspricht. Und es ist das Wunderbare und Geheimnisvolle der Kunst, daß dieser bestimmte Anspruch dennoch keine Fessel für unser Gemüt ist, sondern den Spielraum der Freiheit im Spiele unserer Erkenntnisvermögen gerade recht öffnet. KantVsVs/Gadamer: Kant wird dem durchaus gerecht, wenn er sagt(1) die Kunst müsse „als Natur anzusehen“ sein, d. h. gefallen, ohne den Zwang von Regeln zu verraten.

I 121
Kunst/Gadamer: Die These ist (...), dass das Sein der Kunst nicht als Gegenstand eines ästhetischen Bewußtseins bestimmt werden kann, weil umgekehrt das
I 122
ästhetische Verhalten mehr ist, als es von sich weiß. Es ist ein Teil des Seinsvorganges der Darstellung und gehört dem Spiel als Spiel wesenhaft zu. >Darstellung/Gadamer, >Spiel/Gadamer, >Ästhetisches Bewusstsein/Gadamer.


1. I. Kant, Kritik der Urteilskraft, 1799, S. 179ff.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Künstliche Intelligenz Pinker Brockman I 102
Künstliche Intelligenz/Pinker: Die künstliche Intelligenz ist ein Existenzbeweis für eine der großen Ideen der Menschheitsgeschichte: dass das abstrakte Reich des Wissens, der Vernunft und des Zwecks nicht aus einem Élan vital oder einer immateriellen Seele oder wunderbaren Kräften des Neuralgewebes besteht. Vielmehr kann es mit dem physischen Reich der Tiere und Maschinen über die Konzepte von Information, Berechnung und Kontrolle verknüpft werden. >Superintelligenz/Pinker, >Intelligenz/Pinker.
Brockman I 109
Computer können programmiert werden, um einige der Probleme [des Menschen] zu lösen (wie das Erkennen von Gesichtern), sich nicht mit anderen zu beschäftigen (wie Partner zu entzücken) und noch andere Probleme zu lösen, die der Mensch nicht lösen kann (wie die Simulation des Klimas oder das Sortieren von Millionen von Buchhaltungsunterlagen). Die Probleme sind unterschiedlich, und die Arten von Wissen, die benötigt werden, um sie zu lösen, sind unterschiedlich. >Maschinenlernen/Pinker.


Pinker, S. “Tech Prophecy and the Underappreciated Causal Power of Ideas” in: Brockman, John (ed.) 2019. Twenty-Five Ways of Looking at AI. New York: Penguin Press.

Pi I
St. Pinker
Wie das Denken im Kopf entsteht München 1998

Brockman I
John Brockman
Possible Minds: Twenty-Five Ways of Looking at AI New York 2019
Künstliche Intelligenz Russell Brockman I 22
Künstliche Intelligenz/Stuart Russell: Das Ziel der KI-Forschung war es, die Prinzipien des intelligenten Verhaltens zu verstehen und diese Prinzipien in Maschinen zu integrieren, die dann ein solches Verhalten zeigen können.
Brockman I 23
In den 1960er und 1970er Jahren war der vorherrschende theoretische Vorstellung von Intelligenz die Fähigkeit zum logischen Denken (...) In jüngerer Zeit ist ein Konsens über die Idee eines rationalen Agenten entstanden, der seinen erwarteten Nutzen wahrnimmt und handelt, um ihn zu maximieren.
Die KI integrierte die Wahrscheinlichkeitstheorie zur Handhabung von Unsicherheit, die Nutzentheorie zur Definition von Zielen und das statistische Lernen, um es den Maschinen zu ermöglichen, sich an neue Gegebenheiten anzupassen. Diese Entwicklungen haben starke Verbindungen zu anderen Disziplinen geschaffen, die auf ähnlichen Konzepten aufbauen, darunter Kontrolltheorie, Ökonomie, Operations Research und Statistik.
Zweck: Beispielsweise sollte ein selbstfahrender Wagen ein Ziel als Input akzeptieren, statt ein festes Ziel zu haben. Einige Aspekte des "Fahrzwecks" des Autos sind jedoch festgelegt, beispielsweise dass es die Fußgänger nicht anfahren sollte. Einen Zweck in eine Maschine zu stecken (...) scheint ein bewundernswerter Ansatz zu sein, um sicherzustellen, dass das "Verhalten der Maschine nach für uns akzeptablen Prinzipien durchgeführt wird"!
Brockman I 24
Problem: Weder die KI noch andere Disziplinen (Ökonomie, Statistik, Kontrolltheorie, Operations Research), die auf der Optimierung von Zielen aufbauen, können viel darüber sagen, wie man die Zwecke identifiziert, die "wir uns wirklich wünschen". >Künstliche Intelligenz/Omohundro, >Superintelligenz/Stuart Russell.
Brockman I 29
Lösung/Stuart Russell: Die optimale Lösung für dieses Problem besteht nicht, wie man hoffen könnte, darin, sich gut zu verhalten, sondern die Kontrolle über den Menschen zu übernehmen und ihn zu zwingen, einen Strom maximaler Belohnungen bereitzustellen. Dies ist bekannt als das Wireheading-Problem, basierend auf Beobachtungen, dass die Mensch selbst für das gleiche Problem anfällig sind, wenn sie die Möglichkeit erhalten, ihre eigenen Lustzentren elektronisch zu stimulieren. Problem: Diese Idealisierung lässt die Möglichkeit außer Acht, dass unser Verstand aus Subsystemen mit inkompatiblen Präferenzen besteht; wenn das wahr ist, würde das die Fähigkeit einer Maschine einschränken, unsere Präferenzen optimal zu erfüllen, aber es scheint uns nicht daran zu hindern, Maschinen zu entwickeln, die katastrophale Ergebnisse vermeiden.
Lösung/Stuart Russell: Eine genauere Definition gibt der Rahmen des Cooperative Inverse-Reinforcement Learning, kurz CIRL. Ein CIRL-Problem beinhaltet zwei Agenten, einer ein Mensch und der andere ein Roboter. Da es zwei Agenten gibt, wird das Problem von Ökonomen ein Spiel nennen. Es ist ein Spiel mit Teilinformationen, denn während der Mensch die Belohnungsfunktion kennt, tut es der Roboter nicht - auch wenn es die Aufgabe des Roboters ist, sie zu maximieren.
Brockman I 30
Off-Switch-Problem: Innerhalb des CIRL-Rahmens kann man das Off-Switch-Problem formulieren und lösen - also das Problem, wie man verhindern kann, dass ein Roboter seine Off-Schaltung deaktiviert. Ein Roboter, der sich über menschliche Präferenzen nicht im Klaren ist, profitiert tatsächlich davon, abgeschaltet zu werden,
Brockman I 31
weil er versteht, dass der Mensch den Ausschalter drücken wird, um zu verhindern, dass der Roboter etwas gegen diese Präferenzen unternimmt. Somit wird der Roboter dazu angeregt, den Ausschalter zu erhalten, und dieser Anreiz ergibt sich direkt aus seiner Unsicherheit über die menschlichen Präferenzen(1). Verhaltenslernen/Präferenzen/Probleme: Es gibt jedoch offensichtliche Schwierigkeiten mit einem Ansatz, der erwartet, dass ein Roboter die zugrundeliegenden Präferenzen aus dem menschlichen Verhalten lernt. Menschen sind irrational, inkonsistent, willensschwach und rechnerisch begrenzt, sodass ihre Handlungen nicht immer ihre wahren Vorlieben widerspiegeln.



1. Cf. Hadfield-Menell et al., “The Off-Switch Game,” https:/Jarxiv.orglpdf/ 1611.0821 9.pdf.


Russell, Stuart J. „The Purpose put into the Machine”, in: Brockman, John (ed.) 2019. Twenty-Five Ways of Looking at AI. New York: Penguin Press.

Russell I
B. Russell/A.N. Whitehead
Principia Mathematica Frankfurt 1986

Russell II
B. Russell
Das ABC der Relativitätstheorie Frankfurt 1989

Russell IV
B. Russell
Probleme der Philosophie Frankfurt 1967

Russell VI
B. Russell
Die Philosophie des logischen Atomismus
In
Eigennamen, U. Wolf (Hg) Frankfurt 1993

Russell VII
B. Russell
On the Nature of Truth and Falsehood, in: B. Russell, The Problems of Philosophy, Oxford 1912 - Dt. "Wahrheit und Falschheit"
In
Wahrheitstheorien, G. Skirbekk (Hg) Frankfurt 1996

Brockman I
John Brockman
Possible Minds: Twenty-Five Ways of Looking at AI New York 2019
Kunstwerke Kant Gadamer I 57
Kunstwerk/Kant/Gadamer: Unterschied zur Natur: Im Hinblick auf die Idee einer intelligiblen Bestimmung der Menschheit gewinnt die Natur als schöne Natur eine Sprache, die sie zu uns führt.(1) Natürlich beruht auch die Bedeutsamkeit der Kunst darauf, dass sie uns anspricht, daß sie dem Menschen ihn selbst in seiner moralisch bestimmten Existenz vorstellt. Aber die Kunstprodukte sind nur, um uns so anzusprechen - Naturobjekte dagegen sind nicht, um uns so anzusprechen. Gerade darin liegt das bedeutsame Interesse des Naturschönen, daß es uns dennoch unsere moralische Bestimmung bewusst zu machen vermag. >Interesse/Kant.
Kunst kann uns dieses Sichfinden des Menschen in absichtsloser Wirklichkeit nicht vermitteln. Dass der Mensch sich in der Kunst selbst begegnet, ist ihm nicht die Bestätigung von einem anderen seiner selbst her.
GadamerVsKant: (...) [Kant] stellt das Phänomen der Kunst nicht unter den ihm angemessenen Maßstab. Man kann die Gegenrechnung aufmachen. Der Vorzug des Naturschönen vor dem Kunstschönen ist nur die Kehrseite des Mangels des Naturschönen an bestimmter Aussage. So kann man umgekehrt den Vorzug der Kunst vor dem Naturschönen darin sehen, daß die Sprache der Kunst anspruchsvolle Sprache ist, die sich nicht der stimmungshaften Ausdeutung frei und unbestimmt darbietet, sondern uns bedeutungshaft bestimmt anspricht. Und es ist das Wunderbare und Geheimnisvolle der Kunst, dass dieser bestimmte Anspruch dennoch keine
Fessel für unser Gemüt ist, sondern den Spielraum der Freiheit im Spiele unserer Erkenntnisvermögen gerade recht öffnet.
KantVsVs: Kant wird dem durchaus gerecht, wenn er sagt(2) die Kunst müsse „als Natur anzusehen“ sein, d. h. gefallen, ohne den Zwang von Regeln zu verraten.
Kant/Gadamer: Wir beachten nicht die absichtsvolle Übereinstimmung des Dargestellten mit bekannter Wirklichkeit. Nicht darauf sehen wir es an, wem es ähnlich ist. Wir messen nicht seinen Anspruchssinn an einem uns schon wohlbekannten Maß, sondern im Gegenteil wird dieses Maß, der auf unbegrenzte Art „ästhetisch erweitert“.(3)

Gadamer I 99
Kunstwerk/Kant/Gadamer: Wenn man [der] Kritik an der Lehre von der unbewussten Produktivität des Genies Rechnung tragen will (>Künstler/Gadamer), sieht man sich aufs neue vor das Problem
gestellt, das Kant durch die transzendentale Funktion, die er dem Geniebegriff zuwies, gelöst hatte. (>Genie/Kant, >Genie/Gadamer).
Was ist ein Kunstwerk, und wie unterscheidet es sich von einem handwerklichen Produkt oder gar von einem „Machwerk“, d. h. von etwas ästhetisch Minderwertigem? Für Kant und den Idealismus
definierte sich das Kunstwerk als das Werk des Genies. Seine Auszeichnung, das vollendet Gelungene und Musterhafte zu sein, bewährte sich darin, dass es dem Genuss und der Betrachtung einen unausschöpfbaren Gegenstand des Verweilens und Deutens bot. Dass der Genialität des Schaffens eine Genialität des Genießens entspricht, lag schon in Kants Lehre von Geschmack und und Genie, und ausdrücklicher noch lehrten das K. Ph. Moritz und Goethe. >Geschmack/Kant, >Geschmack/Gadamer.


1. I.Kant, Kritik der Urteilskraft, 1799, § 42
2. Ebenda, S. 179f.
3. Ebenda.
I. Kant
I Günter Schulte Kant Einführung (Campus) Frankfurt 1994
Externe Quellen. ZEIT-Artikel 11/02 (Ludger Heidbrink über Rawls)
Volker Gerhard "Die Frucht der Freiheit" Plädoyer für die Stammzellforschung ZEIT 27.11.03

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Kybernetik Pentland Brockman I 194
Kybernetik/Pentland: Modernste Forschung in den meisten Ingenieurdisziplinen ist heute als Rückmeldesystem konzipiert, das dynamisch ist und von Energieströmen angetrieben wird. Sogar die KI wird zu einem Mensch/Maschine-Beratersystem umgestaltet, und das Militär beginnt mit umfangreichen Finanzierungen in diesem Bereich - etwas, das uns vielleicht mehr Sorgen bereiten sollte als Drohnen und unabhängige humanoide Roboter. Aber da Wissenschaft und Technik eine eher kybernetikähnliche Haltung eingenommen haben, ist klar geworden, dass selbst die Vision der Kybernetik viel zu klein ist. Ursprünglich konzentrierte sie sich auf die Einbettung des individuellen Akteurs, nicht aber auf die aufkommenden Eigenschaften eines Netzwerks von Akteuren. Dies ist nicht verwunderlich, denn die Mathematik der Netzwerke existierte bis vor kurzem nicht, sodass eine quantitative Wissenschaft über das Verhalten der Netzwerke unmöglich war. Wir wissen jetzt, dass das Studium des Individuums kein Verständnis des Systems hervorruft, außer in bestimmten einfachen Fällen. >Ökosysteme/Pentland.

Pentland, A. “The Human strategy” in: Brockman, John (ed.) 2019. Twenty-Five Ways of Looking at AI. New York: Penguin Press.

Brockman I
John Brockman
Possible Minds: Twenty-Five Ways of Looking at AI New York 2019
Legitimation Freeden Gaus I 12
Legitimation/Freeden: (...) 'legitim' hat nicht immer die Konnotation von moralisch oder rational vertretbar (Gaus, 2000b: 39)(1). Ideologie: Es ist daher nicht verwunderlich, dass die meisten, wenn nicht sogar alle Ideologien ihre Argumente gerne in der undurchsichtigen Aura von Begriffen wie "natürlich" oder "selbstverständlich" umgeben, gerade weil damit die Überlegenheit erfasst wird, die vor Anfechtungen gefeit ist. Es handelt sich um Akte der begrifflichen Dekontamination, die darauf abzielen, den Wettbewerb zu beenden, in dem die politische Bedeutung dominiert oder legitimiert ist (...)


1. Gaus, G. F. 2000b. Political Concepts and Political Theories. Boulder, CO: Westview.


Freeden, M. 2004. „Ideology, Political Theory and Political Philosophy“. In: Gaus, Gerald F. 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications.

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Leiden Gould II 30 ff
Leiden/Moral/Natur/Wissenschaft/Gould: Frage: Warum sind wir von Schmerzen, Leiden und scheinbar sinnloser Grausamkeit in der Tierwelt umgeben? Im 19. Jahrhundert meinte Buckland: fleischfressende Rassen "erhöhten eigentlich die Summe der Lebensfreude der Tiere, indem diejenige ihres Schmerzes verringerten" ...“verschonen vor Senilität“... (1)
Bsp Gould es gibt ein schreckliches Gegenbeispiel zu dieser idealisierenden Betrachtung der Natur als praktisch eingerichtetem Gesamthaushalt: die Ichneumonfliege legt ihre Eier in einen Wirt, der von innen heraus langsam aufgefressen wird, wobei er möglichst lange am Leben bleibt, um frische Nahrung zu liefern.
II 33
Anthropozentrische Betrachtungen schwanken zwischen entsetzter moralischer Reaktion und Bewunderung über die raffinierte Leistung. Unsere Naturforscher wußten bei aller Unterschiedlichkeit, dass Gottes Wohlwollen irgendwo hinter diese Geschichten stecken musste.
II 36
Charles Lyell z.B. meinte, die befallen Raupen stellten eine Bedrohung der Natur dar.(2) Ein anderer betonte die Mutterliebe der Fliege, umso bewundernswerter, als sie ihre Jungen nie zu Gesicht bekommt. Die Tradition, in Naturbeschreibungen eine moralische Bedeutung hineinzulesen, hörte mit dem Triumph der Evolutionstheorie 1859 nicht auf.
Der Zeitgenosse George Mivart, ein frommer Katholik, argumentierte, dass Tiere wenn, dann weniger Schmerz litten als Menschen, und andererseits, dass sie Gefühle nicht mit Moral verknüpften. (3) Es gab auch ein rassistisches Modell in der Zeit, dass "minderwertige Rassen " weniger litten.
II 39
Erst Darwin selber machte Schluss mit dieser Tradition: "Mir scheint, es gibt in der Natur zu viel Elend."(4) Damit ist der Durchbruch geschafft, dass keine versteckte Güte mehr in der Natur gesucht werden muss.
II 40
Ein anderes, zur Zeit Darwins radikales, heute aber geläufiges Argument besagt, dass Natur einfach so ist, wie wir sie vorfinden, sie birgt keine moralische Botschaft. Antworten können nicht passiv aus der Natur abgelesen werden. Der faktische Zustand der Welt lehrt uns auch nicht, wie wir sie mit unserer Macht zum Guten oder Bösen so sittlich wie möglich verändern oder erhalten sollen.
Die Frage zu stellen, wieso solche Grausamkeiten in der Natur vorkommen, ist für uns völlig unangebracht, da die Welt weder von uns beherrscht wird, noch für uns gemacht ist. (Siehe Sozialdarwinismus/Gould).

1. W. Buckland (1836). Geology and mineralogy considered with reference to natural theology. Philadelphia: Lea and Blanchard.
2. Ch. Lyell (1830-33). Principls of geology (3 Vol.) London: John Murray.
3. St. G. Mivart (1871). On the genesis of species. London: MacMillan.
4. Ch. Darwin (1860) Leztter to Asa Gray.

Gould I
Stephen Jay Gould
Der Daumen des Panda Frankfurt 2009

Gould II
Stephen Jay Gould
Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991

Gould III
Stephen Jay Gould
Illusion Fortschritt Frankfurt 2004

Gould IV
Stephen Jay Gould
Das Lächeln des Flamingos Basel 1989
Machiavelli Höffe Höffe I 186
Machiavelli/Höffe: Machiavelli entbindet zwar den Politiker von der Moral, suspendiert ihn aber nicht grundsätzlich von ihr, sondern nur unter gewissen Bedingungen. Statt einer prinzipiellen Missachtung vertritt er lediglich eine provisorische Amoral. Zu den Gründen zählen politische Erfordernisse der Zeit. Machiavelli lebt in einer Epoche politischer Wirren und, ideengeschichtlich gesehen, in einer Umbruchszeit, in der der Nachhall antiken und mittelalterlichen Denkens mit Vorklängen der Moderne sich mischt.
Höffe I 190
Das den Fürst [das Hauptwerk Machiavellis] beherrschende Thema ist die politische Macht. Es geht aber nicht um deren Legitimation Oder sogar Selbstlegitimation, sondern um deren Erwerb und Erhalt.
Höffe I 196
Man interpretiert Machiavellis politische Innovation gern in Begriffen von Emanzipation, von Befreiung aus einer der Politik fremden Fessel. Eine derartige Emanzipation trifft zu, aber nur mit drei Einschränkungen: 1. findet die Emanzipation eher gegenüber der Theorie des Politischen als gegenüber der Politik selbst statt (...)
2. vertritt der Fürst nicht jene große Emanzipation, die die Politik von allen Fesseln der Moral freispricht.
3.. Selbst diese Emanzipation hält [Machiavelli] (...) nicht für grundsätzlich, vielmehr nur für den Notfall zulässig, dass man beim Gegner beispielsweise mit einem Wortbruch zu rechnen hat.
Höffe I 200
Nachwirkung/Wirkungsgeschichte: Eine führende Autorität der Gegenreformation, der Jesuit Giovanni Botero: (um 1 544-1617), versucht, Machiavellis relative Innovation, die Klugheitsregeln zum Wohl der Staatsmacht, in die Tradition des christlichen Naturrechts zu integrieren.
Francis Bacon: lobt den politischen Realismus, der «offen und unverstellt» darlegt, «was die Menschen zu tun
Höffe I 201
pflegen, nicht, was sie zu tun verpflichtet wären»(1). Jean-Jacques Rousseau: erklärt in seinem staatsphilosophischen Hauptwerk, dem Gesellschaftsvertrag (1762), Machiavelli zu einem raffinierten Aufklärer, der unter dem Vorwand («en feignant»), die Könige zu belehren, in Wirklichkeit die Völker gelehrt habe (...).
Johann Gottfried Herder: verbindet in den Briefen zur Beförderung der Humanität(2) die Wertschätzung Machiavellis mit einer Historisierung, die sich bei Fichte, Hegel und Ranke fortsetzt und bis zu Italiens nationaler Einheitsbewegung, dem Risorgimento («Wiedererstehung»), reicht. Hegel: (...) rühmt wie ähnlich später der Historiker Leopold von Ranke (1795—1886) den Florentiner als einen Staatsmann, der angesichts des Elends von Italien «mit kalter Besonnenheit die notwendige Idee der Rettung Italiens durch Verbindung desselben in einem Staat» fasst.
Nietzsche: (...) [steigert] den „Machiavellismus der Macht“ zum „Typus der Vollkommenheit in der Politik“ (...).
Lenin: empfiehlt den „Fürst“ als Gift gegen die Dummheit.
Mussolini: sucht ((s) in Machiavelli) für seine Politik eine philosophische Rechtfertigung
Gramsci: (...) list den „Fürst“ im Sinne eines „Frühen Jakobinismus“
Carl Schmitt: identifiziert sich auf spielerische Weise mit Machiavelli, nennt er doch sein Haus in Plettenberg «San Casciano», nach dem Landhaus bei San Casciano, in dem Machiavelli seine beiden Hauptwerke verfasst.
Leo Strauss: (...) bewundert zwar beide Werke als visionäre, revolutionäre Bücher, erneuert aber den Geist der bösen Anklagen.


1. F. Bacon, De augmentis scientiarum, 1623, VII, 2
2. J.G. Herder, Briefe zur Beförderung der Humanität, Nr. 58

Höffe I
Otfried Höffe
Geschichte des politischen Denkens München 2016
Maschinenlernen Pearl Brockman I 15
Maschinenlernen/Pearl: Sobald man es auf große Datenmengen loslässt, hat Deep Learning seine eigene Dynamik, es führt seine eigene Reparatur und Optimierung durch, und es gibt einem die meiste Zeit die richtigen Ergebnisse. Aber wenn es das nicht tut, weiß man nicht, was schief gelaufen ist und was repariert werden sollte. Insbesondere weiß man nicht, ob der Fehler im Programm bzw. in der Methode steckt oder zustande kam, weil sich in der Umgebung etwas geändert hat. Wir sollten eine andere Art von Transparenz anstreben. VsPearl: Einige argumentieren, dass Transparenz nicht wirklich notwendig ist. Wir verstehen die neuronale Architektur des menschlichen Gehirns nicht, aber trotzdem funktioniert sie gut, also vergeben wir unserem dürftigen Verständnis und nutzen menschliche Helfer zu unserem großem Vorteil.
PearlVsVs: Ich weiß, dass intransparente Systeme wunderbare Arbeit leisten können, und unser Gehirn ist der Beweis für dieses Wunder. Aber dieses Argument hat seine Grenzen. Der Grund, warum wir unserem dürftigen Verständnis der Funktionsweise des menschlichen Gehirns verzeihen können, ist, dass unser Gehirn auf die gleiche Weise funktioniert, und das es uns ermöglicht, mit anderen Menschen zu kommunizieren, von ihnen zu lernen, sie zu unterweisen und sie in unserer eigenen Muttersprache zu motivieren.
Problem: Wenn unsere Roboter alle so undurchsichtig sind wie AlphaGo, werden wir kein sinnvolles Gespräch mit ihnen führen können, und das wäre bedauerlich. Wir werden sie umschulen müssen, wann immer wir eine leichte Änderung der Aufgabe oder des Betriebsumfelds vornehmen.
Aktuelle Maschinenlernsysteme arbeiten fast ausschließlich in einem statistischen oder modellblinden Modus, der in vielerlei Hinsicht dazu analog ist, eine Funktion an eine Wolke von Datenpunkten anzupassen. Solche Systeme können nicht über "Was wäre wenn?"-Fragen nachdenken und können daher nicht als Grundlage für eine starke KI dienen - d.h. für eine künstliche Intelligenz, die dem Denken und der Kompetenz auf menschlicher Ebene nacheifert. >Starke künstliche Intelligenz.
Brockman I 16
(...) aktuelle Lernmaschinen verbessern ihre Leistung, indem sie Parameter für einen Strom von sensorischem Input aus der Umgebung optimieren. Es ist ein langsamer Prozess, analog zum natürlichen Auswahlprozess, der die darwinistische Evolution antreibt. Es erklärt, wie Arten wie Adler und Schlangen in Millionen von Jahren hervorragende Sehsysteme entwickelt haben. Es kann jedoch nicht den superevolutionären Prozess erklären, der es dem Menschen ermöglichte, in knapp tausend Jahren Brillen und Teleskope zu bauen.
Brockman I 17
Erste Ebene: Statistische Argumentation, die einem nur sagen kann, wie die Wahrnehmung eines Ereignisses die eigene Ansicht über ein anderes ändern würde. Zweite Ebene: befasst sich mit Aktionen. (...)[Es] benötigt Informationen über Interventionen, die auf dem ersten [Level] nicht verfügbar sind. Diese Informationen können in einem grafischen Modell kodiert werden, das uns lediglich sagt, welche Variable auf eine andere reagiert.
Dritte Ebene: (...) die kontrafaktische. Dies ist die Sprache, die von Wissenschaftlern verwendet wird. "Was wäre, wenn das Objekt doppelt so schwer wäre?" "Was wäre, wenn ich die Dinge anders machen würde?"
Kontrafakten/Pearl: Sie können nicht abgeleitet werden, auch wenn wir die Auswirkungen aller Handlungen vorhersagen könnten. Sie benötigen einen zusätzlichen Bestandteil in Form von Gleichungen, um uns sagen zu können, wie Variablen auf Veränderungen in anderen Variablen reagieren. >Modelle/Pearl.



Pearl, Judea.”The Limitations of Opaque Learning Machines.” in: Brockman, John (ed.) 2019. Twenty-Five Ways of Looking at AI. New York: Penguin Press.

Brockman I
John Brockman
Possible Minds: Twenty-Five Ways of Looking at AI New York 2019
Milgram-Experiment Milgram Haslam I 109
Milgram-Experiment/Milgram: Die Grundsituation für diese Studien (Milgram 1974)(1) beinhaltete ein Lernexperiment, bei dem sich der Teilnehmer in der Rolle eines "Lehrers" befand, der einem "Lernenden" jedes Mal, wenn der Lernende eine falsche Antwort gab, immer höhere Mengen an Stromschlägen verabreichen musste. Tatsächlich war der Lernende ein Verbündeter, der sorgfältig ausgebildet worden war, die Rolle zu spielen, und die beeindruckende Schockmaschine, die Schocks von zunehmender Größe zu liefern schien, war ebenfalls nicht echt - der Lehrer (der einzige wahre Teilnehmer an der Studie) wusste dies jedoch nicht. Für ihn (alle Teilnehmer der Frühstudie waren männlich) war die Situation sehr real. Vor dem Experiment hatte Milgram verschiedene Gruppen (Psychiater, Studenten und bürgerliche Erwachsene) gefragt, wie weit sie in einer imaginären Situation gehen würden. Niemand hätte sich vorstellen können, bis zum "gefährlichen Schock" zu gehen.
Doch als Milgram Pilotstudien mit Studenten der Yale University durchführte, war dies nicht der Fall. Die meisten Teilnehmer der so genannten Baseline Kondition waren bereit, dem Experimentator bis zum bitteren Ende zu gehorchen.
Haslam I 110
Interpretation/Milgram: Milgram kam zu dem Schluss, dass dies dadurch zustande kommt, dass die Menschen mehr auf die Aufgabe achten, Anweisungen auszuführen, als auf die tatsächlichen Folgen dieser Aufgabe.
Haslam I 109
Einflüsse: Milgram war beeinflusst von Hannah Arendts Berichten über den Prozess gegen Adolf Eichman[n] in The New Yorker, der später als Eichman[n] in Jerusalem veröffentlicht wurde (Arendt, 1963/1994)(2). Arendt: Eichmann und seine Art, so schlug sie vor, seien weniger von großem Hass bewegt als von dem kleinlichen Wunsch, eine Aufgabe gut zu erledigen und den Vorgesetzten zu gefallen. Tatsächlich haben sie sich so sehr auf diese Aufgaben konzentriert, dass sie die Folgen vergessen haben. Für dieses Phänomen prägte Arendt die Formulierung der "Banalität des Bösen". (Arendt 1963/1994(2): S.287).
Haslam I 113
Experiment: Die Teilnehmer, die durch eine Anzeige in der Lokalzeitung rekrutiert wurden, waren 40% Arbeiter, 40% Angestellte und 20% Fachleute. Der Experimentator erklärte, dass es in der Studie um die Auswirkungen von Strafen - Elektroschocks - auf das Lernen gehe. Dementsprechend würde einer der Teilnehmer als "Lehrer" und der andere als "Lernender" dienen. Dann wurde entschieden, wer welche Rolle übernehmen würde - dies wurde manipuliert, um sicherzustellen, dass der Freiwillige immer der Lehrer und der Helfer immer der Lernende war. Als nächstes wurden der Lehrer und der Lernende in einen anderen Raum gebracht und der Lernende in einen Stuhl geschnallt und Elektroden an seinem Körper befestigt. Der Experimentator erklärte, dass "die Schocks zwar extrem schmerzhaft sein können, aber keine dauerhaften Gewebeschäden verursachen" (Milgram, 1974(1): 19). Die Lernaufgabe bestand aus Wortpaaren. Zuerst las der Kursleiter eine Reihe solcher Paare vor (z.B. Blue-Box). Dann las er in der "Testphase" ein Zielwort aus einem der Paare (in diesem Beispiel blau) und vier weitere Wörter (z.B. Himmel, Tinte, Box, Lampe). Der Lernende musste dann sagen, welches dieser vier Wörter ursprünglich mit dem Ziel (in diesem Fall Box) gepaart war. Wenn der Lernende eine falsche Antwort gab, musste der Lehrer einen Stromschlag auslösen, indem er einen der Schalter am Stoßgenerator drückte und mit jedem Fehler eine Stufe höher ging. Es gab 30 Schalter, die jeweils 15 Volt auf bis zu 450 Volt erhöhten. Wenn die Teilnehmer bis zur Maximalstufe voranschritten, wurden sie angewiesen, diese Stufe des Schocks für Folgefehler fortzusetzen.
Im Ausgangszustand, als der Lernende in den elektrischen Stuhl geschnallt wurde, erwähnte er, dass er eine leichte Herzerkrankung hatte. Dann, während der Aufgabe selbst, reagierte er gezielt auf verschiedene Schockstufen. (...) der Experimentator reagierte mit einem vorbestimmten Satz von Bemerkungen ("prods"). Diese waren wie folgt: Prod 1: Bitte fahren Sie fort [oder fahren Sie fort]. Prod 2: Das Experiment erfordert, dass Sie fortfahren. Prod 3: Es ist absolut notwendig, dass Sie fortfahren. Prod 4: Sie haben keine andere Wahl, sie müssen weitermachen.
In diesem Ausgangszustand gingen 26 von 40 Teilnehmern (65 %) den ganzen Weg bis zur Maximalstufe und widersetzten sich nie dem Experimentator - und dies trotz der Schreie, der Forderung freigelassen zu werden, der Nennung von Herzerkrankungen und schließlich der ominösen Stille des Lernenden. Von den 14, die sich weigerten, weiterzumachen, tat dies die größte Zahl (sechs) auf dem Niveau von 150 Volt. Nicht mehr als zwei Personen haben auf einer anderen Ebene das Experiment gestoppt.
Haslam I 115
Varianten: (...) Die bekannteste Reihe von Varianten befasst sich mit der physischen Nähe des Lernenden zum Experimentator. 1) Das "entfernte" Experiment: Der Lernende befindet sich in einem separaten Raum und seine Stimme ist für den Lehrer nicht hörbar. Die einzige Rückmeldung erfolgt bei 300 Volt, wenn an die Wand geklopft wird.
2) Sprachfeedback-Studie: (...) fast identisch mit der "Baseline Variante", außer dass zu keinem Zeitpunkt von einer Herzerkrankung die Rede ist.
3) (Nähe): ist wie die zweite, mit der Ausnahme, dass sich der Lehrer und der Lernende im selben Raum befinden, so dass es sowohl visuelles als auch akustisches Feedback gibt.
4) (Berührungsnähe): Der Lehrer muss die Hand des Lernenden auf eine metallische Stoßplatte drücken.
Andere Varianten: In einer Studie ist es der Lernende, der verlangt, dass die Schocks geliefert werden. Bei 150 Volt ruft der Experimentator einen Stopp der Studie, aber der Lernende zeigt eine Bereitschaft zum Weitermachen an.
In einer anderen Studie ist die Person, die verlangt, dass Schocks geliefert werden, kein Wissenschaftler in einem Laborkittel, sondern nur ein gewöhnlicher Mann, angeblich ein Freiwilliger für die Studie, genau wie der Teilnehmer. In dieser Situation gehorchen nur 4 von 20 Menschen (20%) bis zum Ende.
Haslam I 116
In noch einer weiteren Studie gibt es zwei Wissenschaftler, die sich darüber streiten, ob Schocks geliefert werden sollen. Auch hier ist keiner der 20 Teilnehmer (0%) voll gehorsam und 18 von ihnen stoppen an der 150-Volt-Marke. Geschlecht: Varianten mit Frauen als Teilnehmerinnen: Wenn Frauen anstelle von Männern eingesetzt werden, gibt es keinen Unterschied in der Gehorsamkeit. Von 40 Teilnehmern sind 26 voll gehorsam (65%).
Schema: Das Milgram-Paradigma ist also ein Paradigma, bei dem der Teilnehmer von allen Seiten von verschiedenen Stimmen angegriffen wird, die unterschiedliche Dinge verlangen. Die Teilnehmer scheinen auf all diese Stimmen aufmerksam zu sein, und ihr Dilemma ist, welche sie über die anderen stellen sollen. >Erklärungen/Milgram.
Haslam I 118
VsMilgram: Selbst Milgrams leidenschaftlichste Bewunderer sind sehr skeptisch gegenüber der Erklärung des "agentischen Zustands" (z.B. Blass, 2004(3)). Wenn auch nur deshalb, weil es keine Beweise dafür gibt, dass die unterschiedlichen Gehorsamkeiten, die in den verschiedenen Studienvarianten beobachtet wurden, auf Unterschiede in der Art und Weise zurückzuführen sind, wie die Teilnehmer in diesen Zustand eintreten (Mantell und Panzarella, 1976)(4). 1.VsMilgram: Der agentische Zustand wird mechanisch als Alles-oder-Nichts-Affäre konzipiert: Man ist entweder ganz drin oder ganz raus.
2. VsMilgram: [der Fokus auf] eine der mehreren Beziehungen in der Studie - die zwischen Teilnehmer und Experimentator [verliert] die Tatsache [aus den Augen], dass ein wesentliches Merkmal der Studien die Art und Weise betrifft, wie die Teilnehmer zwischen verschiedenen Beziehungen und unterschiedlichen Verpflichtungen hin- und hergerissen werden. Sie befasst sich daher nicht mit der Frage, wie das Gleichgewicht der Beziehungen zwischen den verschiedenen Studien variiert.


1. Milgram, S. (1974) Obedience to Authority: An Experimental View. New York, NY: Harper & Row.
2. Arendt, H. (1963/1994) Eichmann in Jerusalem: A Report on the Banality of Evil. New York: Penguin.
3. Blass, T. (2004) The Man who Shocked the World: The Life and Legacy of Stanley Milgram. New York: Basic Books.
4. Mantell, D.M. and Panzarella, R. (1976) ‘Obedience and responsibility’, British Journal of Social and Clinical Psychology, 15: 239–45.


Stephen Reicher and S. Alexander Haslam, „Obedience. Revisiting Milgram’s shock experiments”, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications

Haslam I
S. Alexander Haslam
Joanne R. Smith
Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017
Moral Gould II 30 ff
Leiden/Moral/Natur/Wissenschaft/Gould: Frage: Warum sind wir von Schmerzen, Leiden und scheinbar sinnloser Grausamkeit in der Tierwelt umgeben? Im 19. Jahrhundert meinte Buckland: fleischfressende Rassen "erhöhten eigentlich die Summe der Lebensfreude der Tiere, indem diejenige ihres Schmerzes verringerten" ...“verschonen vor Senilität“... (1)
Bsp Gould es gibt ein schreckliches Gegenbeispiel zu dieser idealisierenden Betrachtung der Natur als praktisch eingerichtetem Gesamthaushalt: die Ichneumonfliege legt ihre Eier in einen Wirt, der von innen heraus langsam aufgefressen wird, wobei er möglichst lange am Leben bleibt, um frische Nahrung zu liefern.
II 33
Anthropozentrische Betrachtungen schwanken zwischen entsetzter moralischer Reaktion und Bewunderung über die raffinierte Leistung. Unsere Naturforscher wußten bei aller Unterschiedlichkeit, dass Gottes Wohlwollen irgendwo hinter diese Geschichten stecken musste.
II 36
Charles Lyell z.B. meinte, die befallen Raupen stellten eine Bedrohung der Natur dar.(2) Ein anderer betonte die Mutterliebe der Fliege, umso bewundernswerter, als sie ihre Jungen nie zu Gesicht bekommt. Die Tradition, in Naturbeschreibungen eine moralische Bedeutung hineinzulesen, hörte mit dem Triumph der Evolutionstheorie 1859 nicht auf.
Der Zeitgenosse George Mivart, ein frommer Katholik, argumentierte, dass Tiere wenn, dann weniger Schmerz litten als Menschen, und andererseits, dass sie Gefühle nicht mit Moral verknüpften. (3) Es gab auch ein rassistisches Modell in der Zeit, dass "minderwertige Rassen " weniger litten.
II 39
Erst Darwin selber machte Schluss mit dieser Tradition: "Mir scheint, es gibt in der Natur zu viel Elend."(4) Damit ist der Durchbruch geschafft, dass keine versteckte Güte mehr in der Natur gesucht werden muss.
II 40
Ein anderes, zur Zeit Darwins radikales, heute aber geläufiges Argument besagt, dass Natur einfach so ist, wie wir sie vorfinden, sie birgt keine moralische Botschaft. Antworten können nicht passiv aus der Natur abgelesen werden. Der faktische Zustand der Welt lehrt uns auch nicht, wie wir sie mit unserer Macht zum Guten oder Bösen so sittlich wie möglich verändern oder erhalten sollen.
Die Frage zu stellen, wieso solche Grausamkeiten in der Natur vorkommen, ist für uns völlig unangebracht, da die Welt weder von uns beherrscht wird, noch für uns gemacht ist. (Siehe >Sozialdarwinismus/Gould).

1. W. Buckland (1836). Geology and mineralogy considered with reference to natural theology. Philadelphia: Lea and Blanchard.
2. Ch. Lyell (1830-33). Principls of geology (3 Vol.) London: John Murray.
3. St. G. Mivart (1871). On the genesis of species. London: MacMillan.
4. Ch. Darwin (1860) Leztter to Asa Gray.

Gould I
Stephen Jay Gould
Der Daumen des Panda Frankfurt 2009

Gould II
Stephen Jay Gould
Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991

Gould III
Stephen Jay Gould
Illusion Fortschritt Frankfurt 2004

Gould IV
Stephen Jay Gould
Das Lächeln des Flamingos Basel 1989
Moral Mackie Stegmüller IV 164
Moralische Aussagen/Mackie: 1. Ordnung: Bezeichnung von Handlungen als richtig/verwerflich. 2. Ordnung: Reflexion über moralische Wertungen - diese sind stets deskriptiv, nie normativ. - Metaethik: Reflexion über den Gebrauch moralischer Begriffe - Metaethik: Reflexion über den Gebrauch moralischer Begriffe.
Stegmüller IV 242
Subjektivismus/Ethik/Mackie/Stegmüller: der Subjektivist steht vor so etwas wie einem Wunder: er muss erklären, wie solche Systeme überhaupt entstehen können.

Macki I
J. L. Mackie
Ethics: Inventing Right and Wrong 1977
Natur Kant McDowell I 122f
Natur/Kant/McDowell: die Natur ist bei ihm gleich dem Reich der Naturgesetze. Er kennt nicht den Begriff der zweiten Natur, obwohl der sehr wohl den Begriff der Bildung kennt. Aber eben nicht als Hintergrund. Zweite Natur/McDowell: These: es gibt Vorschriften der Natur, egal ob man für sie empfänglich ist oder nicht. Das ist die Folge richtiger Erziehung. "Naturalismus der zweiten Natur", "Naturalisierter Platonismus".

Vollmer II 48
Def Natur/Kant: das Dasein der Dinge, sofern es nach allgemeinen Gesetzen bestimmt ist" - Natur/VollmerVsKant: unnötig eng und petitio principii: weil die Allgemeingültigkeit der Kategorien dadurch zu einer analytischen Konsequenz dieser Definition wird. - (Das ist zirkulär).



Gadamer I 56
Natur/Kant/Gadamer: Während der durch Rousseau belehrte Kant den allgemeinen Rückschluss von der Verfeinerung des Geschmacks am Schönen überhaupt auf das sittliche Gefühl ablehnt, ist es mit dem Sinn für die Schönheit der Natur nach Kant eine eigene Sache. Dass die Natur schön ist, weckt nur bei dem ein Interesse, der »vorher schon sein Interesse am Sittlich-Guten wohlgegründet hat«. Das Interesse am Schönen in der Natur ist also »der Verwandtschaft nach moralisch«. Indem es die absichtslose Übereinstimmung der Natur zu unserem von allem Interesse unabhängigen Wohlgefallen bemerkt, mithin eine wunderbare Zweckmäßigkeit der Natur für uns, weist es auf uns als auf den letzten Zweck der Schöpfung, auf unsere „moralische Bestimmung“.(1) >Interesse/Kant. Gerade weil wir in der Natur keine Zwecke an sich antreffen und dennoch Schönheit, d. h. eine Zweckmäßigkeit zum Zweck unseres Wohlgefallens, gibt uns Natur damit einen „Wink“, daß wir wirklich der letzte Zweck, der Endzweck der Schöpfung sind. Die Auflösung des antiken Kosmosgedankens, der dem Menschen im Allgefüge des Seienden seinen Platz gab
Gadamer I 57
und jedem Seienden seinen Zweck der Vollkommenheit, gibt der Welt, die aufhört, als eine Ordnung absoluter Zwecke schön zu sein, die neue Schönheit, für uns zweckmäßig zu sein. Sie wird „Natur“ deren Unschuld darin besteht, daß sie nichts vom Menschen und seinen geselligen Lastern weiß. Gleichwohl hat sie uns etwas zu sagen. Im Hinblick auf die Idee einer intelligiblen Bestimmung der Menschheit gewinnt die Natur als schöne Natur eine Sprache, die sie zu uns führt. >Kunstwerk/Kant.


1. I.Kant, Kritik der Urteilskraft, § 42
I. Kant
I Günter Schulte Kant Einführung (Campus) Frankfurt 1994
Externe Quellen. ZEIT-Artikel 11/02 (Ludger Heidbrink über Rawls)
Volker Gerhard "Die Frucht der Freiheit" Plädoyer für die Stammzellforschung ZEIT 27.11.03

McDowell I
John McDowell
Geist und Welt Frankfurt 2001

McDowell II
John McDowell
"Truth Conditions, Bivalence and Verificationism"
In
Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell

Vollmer I
G. Vollmer
Was können wir wissen? Bd. I Die Natur der Erkenntnis. Beiträge zur Evolutionären Erkenntnistheorie Stuttgart 1988

Vollmer II
G. Vollmer
Was können wir wissen? Bd II Die Erkenntnis der Natur. Beiträge zur modernen Naturphilosophie Stuttgart 1988

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Neurotizismus Psychologische Theorien Corr I 60
Neurotizismus/Emotion/Fünf-Faktoren-Modell/Persönlichkeitspsychologie/Psychologische Theorien: Der stärkste und offensichtlichste Zusammenhang zwischen den Big Five und den emotionalen Dispositionen besteht beim Neurotizismus. Tatsächlich ist Neurotizismus in erster Linie eine emotionale Disposition: die Neigung, negative Emotionen zu erleben, insbesondere Angst, Wut und Depression. Kein Wunder also, dass starke Korrelationen zwischen Standardmessungen des Neurotizismus und Messungen des dispositionalen negativen Einflusses erzielt wurden, wie z.B. die Merkmalsform der Negative Affect Subskala der PANAS (Positive and Negative Affect Schedule). Die Stabilität dieses Ergebnisses veranlasste Tellegen (1985)(1), zu argumentieren, dass der Neurotizismus in "negative Emotionalität" umbenannt werden sollte, was in der Tat in einem neueren Kapitel über das Fünf-Faktoren-Modell (John und Srivastava 1999)(2) als alternativer Name für Neurotizismus angeboten wird. Vgl. >Extraversion, >Verträglichkeit, >Offenheit, >Gewissenhaftigkeit, >Introversion, >Fünf-Faktoren-Modell.


1. Tellegen, A. 1985. Structures of mood and personality and their relevance to assessing anxiety, with an emphasis on self-report, in A. H. Tuma and J. D. Maser (eds.), Anxiety and the anxiety disorders, pp. 681–706. Hillsdale, NJ: Erlbaum
2. John, O. P. and Srivastava, S. 1999. The Big Five trait taxonomy: history, measurement, and theoretical perspectives, in L. A. Pervin and O. P. John (eds.), Handbook of personality: theory and research, 2nd edn, pp. 102–38. New York: Guilford Press


Rainer Reisenzein & Hannelore Weber, “Personality and emotion”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press.

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Nischen Gould IV 355
Nischen/Evolution/Gould: "Geschichte des Lebens“, These des Paläontologen Leigh Van Valen: Hypothese der "Roten Königin"(1) (inspiriert von Lewis Carrolls Alice im Wunderland:): Die Königin muss immer laufen, um am selben Ort zu bleiben.).
IV 357
Gould: Die Natur ist immer voll besetzt, es gibt keine "Lücken". Eine Form kann nur Raum gewinnen, indem sie eine andere hinauswirft.

1. Leigh Van Valen (1974): A new evolutionary law. Evolutionary Theory 1: 1-30.

Gould I
Stephen Jay Gould
Der Daumen des Panda Frankfurt 2009

Gould II
Stephen Jay Gould
Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991

Gould III
Stephen Jay Gould
Illusion Fortschritt Frankfurt 2004

Gould IV
Stephen Jay Gould
Das Lächeln des Flamingos Basel 1989
Öffentlichkeit Ortega y Gasset Brocker I 195
Öffentlichkeit/Ortega y Gasset: das öffentliche Leben respektive Dimension und betrifft alle Kollektivgebräuche (die sogenannten »usos«, die für Ortegas Kulturbegriff so fundamental sind!) des gesellschaftlichen Seins Die „Vermassung“ (Siehe Masse/Ortega) bringt eine erstaunliche Erhöhung der Lebensqualität mit sich, was dazu geführt hat, dass Lebensoptionen und Handlungsmöglichkeiten, die in früheren Zeiten ausschließlich wenigen Menschen vorbehalten waren, nun (wenn nicht allen Menschen so doch) vielen offenstehen. Von einem »allgemeinen Steigen des historischen Pegelstandes« (1) und einer »Hebung des gesamten historischen Niveaus« (2) ist die Rede, die eine »Zeit des
Brocker I 196
Ausgleichs« (3) mit sich bringen, durch welchen sich angeblich die Vermögen ausgleichen.
Brocker I 199
Massenmensch/Ortega: der Massenmensch kennt keine Bindung an Regeln der Höflichkeit oder der Wahrhaftigkeit. Respekt, Achtung oder gar Bewunderung für vorzügliche Handlungen und Leistungen bestimmter Menschen sind ihm ganz fremd. Das Handeln des modernen Staates fördert nach Ortega ein
Brocker I 200
solches normenfreies Massenverhalten. Die Sicherheitsmaschinerie des Staates schafft jegliche Spontaneität und Kreativität gesellschaftlichen Handelns ab. Sie bürokratisiert alle gesellschaftlichen Sphären und Reservate. Eine Gesellschaft, die sich den Staat als ein Werkzeug geschaffen hatte, um besser zu leben, muss sehen, wie sich der Staat über sie stellt und sie anfangen muss für den Staat zu leben. (4)

1. José Ortega y Gasset, La Rebelión de las Masas (con un prólogo para franceses, un epílogo para ingleses y un apéndice: Dinámica del tiempo), Madrid 1937 (zuerst 1929). Dt.: José Ortega y Gasset, Der Aufstand der Massen, Reinbek 1956, S. 17
2.Ebenda S. 19
3.Ebenda S. 18.
4. Vgl. Ebenda S. 140

Thomas Gil, „Ortega y Gasset, Der Aufstand der Massen (1929)“ In: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018.

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Ontologie Brentano Chisholm II 267
Ontologie/Brentano/Hedwig: Brentanos Ontologie ist nüchtern: es sind nur "Dinge" die vorgestellt und als "seiend" anerkannt werden. Hedwig: gerade deswegen verwundert es, dass Brentano Fiktionen als "nützlich" und "bequem" und "praktisch" bezeichnet.
II 268
Brentano: muss dem Kopernikaner, der ptolemäisch spricht, ein Umdenken konzedieren. Die hier entstehende Differenz wird bei Brentano vom Denken her, dem "noetischen Bewusstsein" geschlossen. Es fehlt die sinnliche Evidenz. VsBrentano: Die Stärke dieser Erkenntnistheorie ist auch ihre Schwäche: die sinnliche Wahrnehmung gerät unter die Herrschaft einer erkenntnistheoretischen Option.
Brentano: (bereits früh): Verstand und innere Wahrnehmung seien vollständig analog zu bewerten. (VsThomas von Aquin).
VsBrentano: Frage: inwieweit kann die genetische Herkunft einer durch Empfindung motivierten Vorstellung durch diese Vorstellung selbst epistemologisch eingeholt und evident gemacht werden?
Das kann Brentano nicht, auch wenn er auf die Evidenz des sekundären Bewusstseins rekurriert. D.h. dass dem Psychischen ein Bereich der Affekte vorgelagert scheint, der dunkel bleibt und nicht in sich selbst erkannt werden kann,
II 269
sondern nur in seiner Wirkung auf den Erkenntnisakt.
II 271
Ontologie/Brentano: Seiendes ist synonym mit Ding.

Chisholm II = Klaus Hedwig Brentano und Kopernikus in Philosophische Ausätze zu Ehren Roderick M. Chisholm Marian David/ Leopold Stubenberg (Hg), Amsterdam 1986

Brent I
F. Brentano
Psychology from An Empirical Standpoint (Routledge Classics) London 2014

Chisholm I
R. Chisholm
Die erste Person Frankfurt 1992

Chisholm II
Roderick Chisholm

In
Philosophische Aufsäze zu Ehren von Roderick M. Ch, Marian David/Leopold Stubenberg Amsterdam 1986

Chisholm III
Roderick M. Chisholm
Erkenntnistheorie Graz 2004
Politik Russlands Krastev Krastev I 14
Politik Russlands/Postkommunismus/Krastev: Die erste Reaktion des Kremls auf die globale Vormachtstellung des Liberalismus war eine Form der Simulation, wie sie von relativ schwachen Beutetieren ausgeübt wird, um nicht von gefährlichen Raubtieren angegriffen zu werden. Die politische Elite Russlands war unmittelbar nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion keineswegs einheitlich.
Krastev I 15
Demokratie: Die Schaffung einer "Imitationsdemokratie" in Russland in den 1990er Jahren beinhaltete keine der mühsamen Arbeiten einer echten politischen Entwicklung. Es ging im Wesentlichen darum, eine Potemkinsche Fassade zu errichten, die der Demokratie nur oberflächlich ähnelt. >Imitation/Krastev. Bis 2011-12 hatte diese demokratische Farce ihren Nutzen überlebt. Die russische Führung ging dann zu einer von Ressentiments getriebenen Politik der gewaltsamen Parodie über, einem Stil der Imitation, der unverschämt feindselig und absichtlich provokativ ist. Sie lässt sich nicht durch fade Analysen der Nachahmung von Außenpolitik als "Lernen aus der Beobachtung" einfangen(1).
Spiegelung/Mirroring: Die Einmischung Russlands in die amerikanischen Präsidentschaftswahlen 2016, um zum hervorstechendsten Beispiel dieses spöttisch ironischen "Mirroring"-Ansatzes zu kommen, wurde von seinen Organisatoren und Tätern als Versuch verstanden, das zu duplizieren, was der Kreml als ungerechtfertigte Einmischung des Westens in das eigene politische Leben Russlands ansah.
Demokratie: These: Nachdem der Kreml in den 1990er Jahren die Rechenschaftspflicht von Politikern gegenüber den Bürgern simuliert hat, hat er heute [nach Krastev] jedes Interesse an demokratischen Scharaden verloren (...). Anstatt so zu tun, als würden sie das innenpolitische System Amerikas imitieren, ziehen es Putin und seine Entourage vor, die Art und Weise nachzuahmen, wie sich Amerika unrechtmäßig in die Innenpolitik anderer Länder einmischt.
Krastev I 78
Politik Russlands/Krastev: Nach dem Ende des Kalten Krieges gingen einige Optimisten sogar davon aus, dass Russland in die Fußstapfen Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg treten würde, eine Mehrparteienpolitik verfolgen und die Vorteile einer gesetzlich geregelten Marktwirtschaft genießen würde. Tatsächlich ähnelt Russlands Verhalten in den letzten zehn Jahren dem Verhalten Nachkriegsdeutschlands - aber Deutschlands nach dem Ersten Weltkrieg und nicht nach dem Zweiten Weltkrieg, als das deutsche "Wirtschaftswunder" die öffentliche Unterstützung für die Demokratisierung konsolidierte. Wie Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg ist Putins Russland zu einer wütenden revisionistischen Macht geworden, die sich anscheinend darauf konzentriert, die europäische Ordnung zu zerstören. Und während die Russen weiterhin die Amerikaner imitieren, ist ihr Ziel nicht Konversion oder Assimilation, sondern Rache und Rechtfertigung, und zwar auch dann, wenn dies wenig oder gar nichts dazu beiträgt, Moskau zu helfen, seinen verlorenen Status und seine verlorene Macht wiederzuerlangen. Ein charakteristisches Beispiel für den antiwestlichen (im Gegensatz zu pseudo-verwestlichenden) Rückgriff des Kremls auf die Mimikry ist die Art und Weise, wie russische Trolle im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf 2016 online vorgaben, Amerikaner zu sein, um Verwirrung zu säen, Trumps Chancen zu erhöhen und das Land gegen sich selbst zu spalten.
Krastev I 80
Nato/Wladimir Putin: (zur Münchner Sicherheitskonferenz vom 10. Februar 2007): [Putins Rede] war wie eine Kriegserklärung. Sie war ein vernichtender Angriff auf die von den Westmächten geschaffene globale Sicherheitsarchitektur. Sie war mit scharfen sarkastischen Beilagen versehen, die informelle Normen verletzen sollten. Solch ein Verhalten wurde eher von nicht-westlichen Bittstellern in höflicher Gesellschaft erwartet, die den Westen um Gefälligkeiten baten. Er prangerte die NATO-Erweiterung als einen Akt des Verrats an und zitierte wörtlich ein lange vergessenes offenkundiges Versprechen, dass ein solches Eindringen nach Osten niemals erlaubt werden würde. Beziehungen zu den USA: (...) seine Liste der Missstände gegenüber dem Westen ist viel tiefer gesägt. Er beschuldigte die Vereinigten Staaten der "globalen Destabilisierung" und der eklatanten "Missachtung des Völkerrechts". Washingtons "fast ungebremste übermäßige Gewaltanwendung - militärische Gewalt - in den internationalen Beziehungen", führte er aus, "stürzt die Welt in einen Abgrund permanenter Konflikte".
Krastev I 84
Nach dem Zerfall der Sowjetunion fanden sich 25 Millionen Russen plötzlich in einem fremden Land wieder. Sie waren eine gestrandete Diaspora, die unfreiwillig ausgebürgert wurde, als sich die Grenzen ihres Landes zurückzogen. Berufliche Karrieren und persönliche Netzwerke wurden zerstört, und Familien wurden sowohl finanziell ruiniert als auch moralisch zerbrochen. Fast ein Jahrzehnt lang wurde das Land von Chaos und Kriminalität überschwemmt.
Krastev I 111
Politik Russlands/Krastev: Die Annexion der Krim war im Grunde ein Versuch, ein System, das seine Glaubwürdigkeit verlor, wieder zu legitimieren. Dies wurde dadurch gezeigt, dass Moskau
Lrastev I 112
dem Westen ungestraft die Stirn bieten konnte. Das Spektakel einer unbeanstandeten Verletzung internationaler Normen ersetzte das Spektakel einer unbeanstandeten Verletzung demokratischer Normen. Kleine erfolgreiche Kriege, die an symbolisch wichtigen Orten wie der Krim gekämpft wurden, erwiesen sich als politisch lohnender als der Sieg von gefälschten Wahlen. Putins unverfrorene Missachtung westlicher Normen und Erwartungen gab seinem Regime einen größeren Auftrieb als Ethno-Nationalismus oder jegliche strategischen Gewinne, die durch die "Rückkehr" der Krim ins Heimatland erzielt wurden. Gegen diejenigen, die "nur ein Ziel verfolgen - Russland als Nation zu zerstören", wie Putin in seiner Wahlsiegrede von 2012 sagte, "haben wir bewiesen, dass uns niemand etwas aufzwingen kann. Niemand kann uns etwas aufzwingen"(2).
Krastev: Die Annexion der Krim hat das Gegenteil bewiesen. Putin hatte ein Souveränitätsdrama inszeniert. Die Wiederherstellung der Stärke und Souveränität Russlands, d.h. seiner faktischen Unabhängigkeit vom westlichen Einfluss, ist auch heute noch das grundlegende Thema in Putins öffentlichem Diskurs. Die Bemühungen, Russland einzudämmen, sind gescheitert: "sehen Sie dem ins Auge", wiederholte er 2018. "Niemand hat auf uns gehört. Hört jetzt zu"(3).
Russland/China/Krastev: (...) Im Gegensatz zu China kann Russland nicht als klassische aufstrebende Macht definiert werden. Sein globales Gewicht ist minimal im Vergleich zum Einfluss, den einst die Sowjetunion ausübte, und obwohl es Russland gelungen ist, seine Position kurzfristig zu verbessern, sind seine langfristigen Aussichten als globales Schwergewicht fragwürdig.
Krastev I 114
Post-Imitation: Nach 2012 hat der Kreml seine Versuche, seine innenpolitische Legitimität durch Nachahmung der Demokratie westlichen Stils zu untermauern, verworfen. Das neue Ziel bestand darin, die vom Westen dominierte internationale Ordnung zu diskreditieren, indem ihre grundlegende Heuchelei entlarvt wurde. Der Ton des neuen Ansatzes war sarkastisch: Die Amerikaner geben zwar Lippenbekenntnisse zum Völkerrecht ab, wie uns gesagt wird, handeln aber nach der "rule of the gun".
Krastev I 134
Politik Russlands/Krastev: (...) Moskaus von Ressentiments getriebene Politik (...) erreicht nicht das Niveau einer wohldurchdachten, langfristigen Strategie. Tatsächlich könnte Russlands Politik der ironischen Mimikry und des Reverse Engineering der amerikanischen Heuchelei die Welt langsam in die Katastrophe stürzen. Aggressive Imitation geht in einer sich selbst erfüllenden Weise davon aus, dass alle Gründe für Vertrauen zwischen Russland und dem Westen auf fatale Weise ausgehöhlt worden sind.
Paranoia: Öffentliche Rechtfertigungen von versteckten Beweggründen zu unterscheiden, ist nur gesunder Menschenverstand. Aber sich dogmatisch und obsessiv auf diese Unterscheidung zu konzentrieren, wie es Putin zu tun scheint, ist ein schlüpfriger Weg.
Krastev I 135
Weil sie den Zynismus hinter jeder amerikanischen Berufung auf humanitäre Ideale ausspähen und beweisen wollen, dass sie nicht mehr so naiv sind wie damals, als sie den doppelzüngigen Versprechungen Amerikas, die NATO nicht ostwärts zu erweitern, Glauben schenkten, haben sie sich in eine stolzierende Missachtung elementarer humanitärer Werte gestürzt, als ob der Abbau moralischer Hemmungen z.B. bei der Belagerung von Aleppo sie zu würdigen Gegenspielern des amoralischen Amerikas gemacht hätte, dessen angebliche Niederträchtigkeit sie gerne verunglimpfen.


1. Benjamin E. Goldsmith, Imitation in International Relations. Observational Learning, Analogies, and Foreign Policy in Russia and Ukraine (New York; Palgrave, 2005).
2. This was Putin's famously tearful 'Election Victory Speech' in Manezhnaya Square (4 March 2012); https://www.youtube.com/watch?v-c6qLcDAoqxQ.
3. Anton Troianovski, 'Putin Claims Russia Is Developing Nuclear Arms Capable of Avoiding Missile Defenses', Washington Post (1 March 2018).

Krastev I
Ivan Krastev
Stephen Holmes
The Light that Failed: A Reckoning London 2019
Prädikate Frege II 47
Frege: Bsp Ein Satz, der von einem Einhorn spricht, ist ein Satz ohne Wahrheitswert; Prädikate können nicht zu- oder abgesprochen werden. (>Nichtexistenz). Gedanke: Der Gedanke ist derselbe, ob der Ausdruck einen Bezug ("Bedeutung") hat oder nicht.
Berka I 87
Prädikat/Frege: Man könnte mit einem einzigen Prädikat auskommen: "ist eine Tatsache". Von Subjekt/Prädikat ist dann keine Rede.(1)
1. G. Frege, Begriffsschrift, eine der arithmetischen nachgebildete Formelsprache des reinen Denkens, Halle 1879, Neudruck in: Ders. Begriffsschrift und andere Aufsätze, hrsg. v. J. Agnelli, Hildesheim 1964

Brandom I 943
Frege: (große Entdeckung): Es muss in dem Sinne komplexe Prädikate geben, damit die inferentielle Rolle von Sätzen Bsp "Jeder, der jemanden bewundert, bewundert sich selbst" erkannt werden kann. (x)(y)[Rxy > Rxx]. (Kann auch schon in einer Sprache ohne Quantifikation vorkommen). Strawson: Das ist das zweite Unterscheidungsmerkmal von singulären Termini und Prädikaten: dass Termini quantifiziert werden können.
EMD II 226ff
Prädikat/Frege: Funktion: Das Prädikat nimmt Objekte als Argumente und liefert Wahrheitswerte als Wert.
Frege II 71
Prädikat/Frege: Bsp "fallend unter den Begriff Mensch" - das bedeutet dasselbe wie "ein Mensch". ((s) spätere Autoren: "ist ein Mensch" - "ist" gehört zum Prädikat. )
Tugendhat I 192
Prädikat/Frege/Tugendhat: Auch bei Frege steht das Prädikat für etwas, aber etwas Ungegenständliches: den Begriff. (>VsGegenstandstheorie) - ("stehen für").
Tugendhat I 193
Prädikat/Frege: Das Prädikat hat keine Referenz - nicht weil es widersprüchlich ist, sondern wegen der Unbestimmtheit.

F I
G. Frege
Die Grundlagen der Arithmetik Stuttgart 1987

F II
G. Frege
Funktion, Begriff, Bedeutung Göttingen 1994

F IV
G. Frege
Logische Untersuchungen Göttingen 1993

Berka I
Karel Berka
Lothar Kreiser
Logik Texte Berlin 1983

Bra I
R. Brandom
Expressive Vernunft Frankfurt 2000

Bra II
R. Brandom
Begründen und Begreifen Frankfurt 2001

EMD II
G. Evans/J. McDowell
Truth and Meaning Oxford 1977

Evans I
Gareth Evans
"The Causal Theory of Names", in: Proceedings of the Aristotelian Society, Suppl. Vol. 47 (1973) 187-208
In
Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993

Evans II
Gareth Evans
"Semantic Structure and Logical Form"
In
Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976

Evans III
G. Evans
The Varieties of Reference (Clarendon Paperbacks) Oxford 1989

Tu I
E. Tugendhat
Vorlesungen zur Einführung in die Sprachanalytische Philosophie Frankfurt 1976

Tu II
E. Tugendhat
Philosophische Aufsätze Frankfurt 1992
Propositionales Wissen Lewis Frank I 16ff
propositionales Wissen/Lewis: es gibt Einstellungen, die sich nicht als Einstellungen zu Propositionen. analysieren lassen: Bsp 2 Götter, könnten alle Propositionen kennen, ohne sich selbst lokalisieren zu können - Proposition/Lewis: niemals mit Index "ich", "er", "hier", "jetzt".- de se: beinhaltet de dicto, aber nicht umgekehrt.
IV 143
Propositionales Wissen/Lewis: Bsp sich fragen wie spät es ist: kein propositionales Wissen. - Er weiß ja, in welcher Welt er lebt. - Er weiß auch, welche Raumzeit-Stelle er besetzt. - Lösung: es sind die Zeitstadien von ihm, die sich wundern. - Ein Zeitschnitt lokalisiert den ganzen Schlaflosen genug in Raum und Zeit und auch im logischen Raum. - Dennoch kann die Zeitschicht sich nicht selbst genug in der Population von Zeitschnitten lokalisieren - sie kann sich nicht die Eigenschaft zuschreiben, um 3:49 wach zu liegen. - Es ist das Zeitsegment, nicht die Person als continuant, die bei der Selbstzuschreibung scheitert.

Lewis I
David K. Lewis
Die Identität von Körper und Geist Frankfurt 1989

Lewis I (a)
David K. Lewis
An Argument for the Identity Theory, in: Journal of Philosophy 63 (1966)
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis I (b)
David K. Lewis
Psychophysical and Theoretical Identifications, in: Australasian Journal of Philosophy 50 (1972)
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis I (c)
David K. Lewis
Mad Pain and Martian Pain, Readings in Philosophy of Psychology, Vol. 1, Ned Block (ed.) Harvard University Press, 1980
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis II
David K. Lewis
"Languages and Language", in: K. Gunderson (Ed.), Minnesota Studies in the Philosophy of Science, Vol. VII, Language, Mind, and Knowledge, Minneapolis 1975, pp. 3-35
In
Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979

Lewis IV
David K. Lewis
Philosophical Papers Bd I New York Oxford 1983

Lewis V
David K. Lewis
Philosophical Papers Bd II New York Oxford 1986

Lewis VI
David K. Lewis
Konventionen Berlin 1975

LewisCl
Clarence Irving Lewis
Collected Papers of Clarence Irving Lewis Stanford 1970

LewisCl I
Clarence Irving Lewis
Mind and the World Order: Outline of a Theory of Knowledge (Dover Books on Western Philosophy) 1991

Fra I
M. Frank (Hrsg.)
Analytische Theorien des Selbstbewusstseins Frankfurt 1994
Quantoren Cresswell I 137f
Quantoren/Alltagssprache/Quine/Kaplan/Geach/Cresswell: nicht 1. Stufe: Bsp einige Kritiker bewundern nur einander - 2. Stufe: (Eφ)(Exφx u (x)(φx > x ist ein Kritiker) u (x)(y)((φx u x bewundert y) > (x ≠ y u φy))). - Das ist nicht äquivalent mit irgendeinem Satz 1. Stufe - involviert plurale Nominalphrasen (plurale Quantifikation). - Folgendes geht nicht: "zwei Fs sind G". - Man müsste annehmen, dass "bewundern" in beiden Richtungen gelten soll - (dann x ist ein K u y ist ein K u x ≠ y..."). - Besser: "sich gegenseitig bewundern" sei ein Prädikat, das auf Paare angewendet wird.
I 139
richtig: "Smart und Armstrong sind anwesend" für "Smart ist a u Armstrong ist a". Problem: "König u Königin sind ein liebenswertes Paar", dann "Der König ist ein liebenswertes..." analog: Bsp "ähnlich", Bsp "weniger werden".
Lösung/Cresswell: Prädikat, auf Mengen anwenden.
I 140
"...Bewundert einen anderen Linguisten" muss ein Prädikat sein, das auf alle Logiker angewendet wird. - Das zeigt, dass Quantifikation höherer Stufe verlangt wird. - Problem: das führt dazu, dass die Möglichkeiten, verschiedene Reichweiten zu haben, eingeschränkt wird.
I 142
Quantoren höherer Stufe/plurale Quantoren/Boolos: These: Quantoren höherer Stufe müssen nicht über mengentheoretische Entitäten gehen, sondern können einfach interpretiert werden als semantisch primitiv. ((s) Grundbegriff.) - Cresswell: vielleicht hat er recht. Hintikka: Spieltheorie.
CresswellVsHintikka: bloß Entitäten höherer Ordnung - Quantifikation 2. Stufe wegen Referenz auf Mengen.
I 156
Verzweigte Quantoren/Boolos/Cresswell: "für jedes A gibt es ein B". (x)(Ey)
(x = z ↔ y = w) u (Ax > By)
(z)(Ew)
Übersetzung 2. Stufe: EφEψ(x)(z)((x = z ↔ φ(x) = ψ(z)) u (Ax > Bφ(x)).
Funktion/eineindeutige Abbildung/Zuordnung/logische Form/Cresswell: "(x = z ↔ φ(x) = ψ(z)" sagt, dass die Funktion 1:1 ist.
Verallgemeinerung/Cresswell: Wenn wir W, C, A, B und R durch Prädikate ersetzen, die wahr von allem sind, und Lxyzw durch Boolos’ ((x = z ↔ y = w) u Ax > By)), haben wir einen Beweis der Nicht-Ordenbarkeit 1. Stufe.

Cr I
M. J. Cresswell
Semantical Essays (Possible worlds and their rivals) Dordrecht Boston 1988

Cr II
M. J. Cresswell
Structured Meanings Cambridge Mass. 1984
Realismus Boyd Horwich I 492
Wissenschaftlicher Realismus/Richard Boyd/M. Williams: Boyds Verteidigung des wissenschaftlichen Realismus ist viel komplexer als das, was wir bisher betrachtet haben:
Horwich I 493
Verlangt es einen substantiellen (erklärenden) Wahrheitsbegriff? Boyd: indirekterer Weg als Putnam: die (ungefähre) Wahrheit unserer Theorien erklärt die instrumentelle Verlässlichkeit unserer Methoden.
Methode/Boyd: ist nicht theorie-neutral! Im Gegenteil, weil sie durch unserer Theorien gebildet werden, ist es deren Wahrheit, die den Erfolg der Methoden erklärt.
Boyd/M. Williams: damit stellt er ein bekanntes Argument auf den Kopf: BoydVsPositivismus.
Positivismus/Theorie: These: Die Beobachtungssprache muss Theorie neutral sein. Ebenso die methodologischen Prinzipien.
IdealismusVsPositivismus: VsTheorie-Neutralität. Bsp Kuhn: die wissenschaftliche Gemeinschaft stellt die „Tatsachen“ fest.
Boyd/M. Williams: Boyd macht sehr clever die Theoriegeladenheit unserer methodischen Urteile zur Basis seines Realismus. These Methoden, die so Theorie geladen sind wie unsere, würden nicht funktionieren, wenn die entsprechenden Theorien nicht "in relevanter Weise ungefähr wahr" wären.
Pointe: damit kann man ihm nicht vorwerfen, eine unakzeptable starre Trennung von Theorie und Beobachtung vorzunehmen.
Ad. 1. Vs: das entkräftet den ersten Einwand
Ad. 2. Vs: Boyd: es wäre ein Wunder, wenn unsere Theorie geladenen Methoden funktionierten, obwohl die Theorien sich als falsch erwiesen. Für den wissenschaftlichen Realismus gibt es hier nichts zu erklären.
Ad. 3. Vs:
Horw I 494
M. Williams: das geht nicht VsWissenschaftlicher Realismus, sondern VsPutnam: PutnamVsBoyd: Argumente wie die von Boyd etablieren eine kausal erklärende Rolle für den W Begriff.
BoydVsPutnam: das tun sie gar nicht: "wahr" ist nur ein konventioneller Ausdruck, der dem wissenschaftlichen Realismus keine Erklärungskraft hinzufügt.
Wahrheit/Erklärung/Realismus/Boyd/M. Williams: den Erfolg unserer Methoden durch die Wahrheit unserer Theorien zu erklären läuft darauf hinaus zu sagen, dass die Methoden, mit denen wir Teilchen untersuchen funktionieren, weil die Welt aus solchen Teilchen besteht, die mehr oder weniger so sind, wie wir denken.
Fazit: es macht aber keinen Unterschied, ob wir diesen Erfolg (unserer Methoden) durch die Wahrheit der Theorien oder durch die Theorien selbst erklären!
M. Williams pro Deflationismus: also brauchen wir keinen substantiellen Wahrheits-Begriff.

Horwich I 494
Wahrheit/M.Williams: hat keine substantielle Rolle – keine erklärende Rolle: kein Unterschied, ob wir Erfolg durch Wahrheit der Theorie oder durch die Theorie selbst erklären – (pro Deflationismus)
Wissenschaftlicher Realismus/M. Williams: einige könnten einwenden, dass nach dem wissenschaftlichen realismus unsere gegenwärtigen Theorien nicht in dem einen oder anderen Sinn wahr sind, sondern einfach und buchstäblich wahr.
M. Williams: das kann sein, aber selbst die deflationistische Wahrheit ist in gewissem Sinn realistisch, denn sie insistiert nicht darauf, den W Begriff epistemisch zu rekonstruieren.

Horwich I 495
Anti Realismus/Boyd: (BoydVsAnti Realismus/BoydVsDummett): zwei Arten: a) empiristische These, dass Theorien instrumentalistisch reinterpretiert werden müssen b) "konstruktivistische" These (Kuhn): dass die Welt aus der theoretischen Tradition der wissenschaftlichen Gemeinschaft konstruiert werden muss
Anti-Realismus/Boyd: (BoydVsAnti Realismus/BoydVsDummett): zwei Arten:
a) empiristische These, dass Theorien instrumentalistisch reinterpretiert werden müssen
Horwich I 495
b) "konstruktivistische" These (Kuhn): dass die Welt aus der theoretischen Tradition der wissenschaftlichen Gemeinschaft konstruiert werden muss. M. Williams: wenn das bedeutet, dass Objekte nicht einfach "gegeben" sind, dann ist heute praktisch jeder Konstruktivist.
Deflationismus/M. Williams: braucht sich mit keiner Version des Konstruktivismus anzufreunden.
Boyd/M. Williams: sein wissenschaftlicher Realismus stellt gar nicht die Frage, ob eine substantielle Erklärung in Begriffen von „Korrespondenz" nötig ist. Sein Realismus ist eher empirisch“ (in Kants Sinn) als „transzendental“. Er hat nicht mit Wahrheit zu tun, sondern mit empirischen Relationen zwischen Wahrheiten.

Boyd I
Richard Boyd
The Philosophy of Science Cambridge 1991

Horwich I
P. Horwich (Ed.)
Theories of Truth Aldershot 1994
Reflexion Gadamer I 347
Reflexion/Wirkungsgeschichte/Hermeneutik/Gadamer: Unsere ganze Darlegung über Horizontbildung und Horizontverschmelzung sollte (...) die Vollzugsweise des wirkungsgeschichtlichen Bewusstseins beschreiben. >Wirkungsgeschichte/Gadamer, >Hermeneutik/Gadamer, >Verstehen/Gadamer. Aber was ist das für ein Bewusstsein? Hier liegt das entscheidende Problem. Man mag noch so sehr betonen, dass das wirkungsgeschichtliche Bewusstsein gleichsam in die Wirkung selbst eingelegt ist. Als Bewusstsein scheint es wesensmäßig in der Möglichkeit, sich über das zu erheben, wovon es Bewusstsein ist. Die Struktur der Reflexivität ist grundsätzlich mit allem Bewusstsein gegeben. Sie muss also auch für das Bewusstsein der Wirkungsgeschichte gelten. Werden wir damit nicht gezwungen, Hegel recht zu geben, und muss uns nicht doch die absolute Vermittlung von Geschichte und Wahrheit, wie sie Hegel denkt, als das Fundament der Hermeneutik erscheinen? In letzter Konsequenz ist es doch die Position Hegels, in [der Historismus des 19. Jahrhunderts] seine Legitimation findet, auch wenn die Historiker, die das Pathos der Erfahrung beseelte, sich statt dessen lieber auf Schleiermacher und auf Wilhelm von Humboldt beriefen.
GadamerVsSchleiermacher/GadamerVsHumboldt: Weder Schleiermacher noch Humboldt haben aber ihre Position wirklich zu Ende gedacht. Sie mögen die Individualität, die Schranke der Fremdheit, die unser Verstehen zu überwinden hat, noch so sehr betonen, am Ende findet doch lediglich
in einem unendlichen Bewusstsein das Verstehen seine Vollendung und der Gedanke der Individualität seine Begründung.
Hegel/Gadamer: Es ist die pantheistische Eingeschlossenheit aller Individualität ins Absolute, die das Wunder des Verstehens ermöglicht. So durchdringen sich auch hier Sein und Wissen im
I 348
Absoluten. Weder Schleiermachers noch Humboldts Kantianismus ist somit gegenüber der spekulativen Vollendung des Idealismus in Hegels absoluter Dialektik eine selbständige systematische Affirmation. Die Kritik an der Reflexionsphilosophie(1), die Hegel trifft, trifft sie mit.
VsHegel/Gadamer: Es geht für uns darum, wirkungsgeschichtliches Bewusstsein so zu denken, dass sich im Bewusstsein der Wirkung die Unmittelbarkeit und Überlegenheit des Werkes nicht wieder zu einer bloßen Reflexlonswirklichkeit auflöst, mithin eine Wirklichkeit zu denken, an der sich
die Allmacht der Reflexion begrenzt. Genau das war der Punkt, gegen den sich die Kritik an Hegel richtete und an dem sich in Wahrheit das Prinzip der Reflexionsphilosophie gegenüber allen seinen Kritikern als überlegen erwies. >Reflexion/Hegel.
I 350
VsReflexionsphilosophie/Gadamer: [Es] stellt sich die Frage, wie weit die dialektische Überlegenheit der Reflexionsphilosophie einer sachlichen Wahrheit entspricht und wie weit sie lediglich einen formalen Schein erzeugt. Dass die Kritik am spekulativen Denken, die vom Standpunkt des endlichen menschlichen Bewusstseins geübt wird, etwas Wahres enthält, kann durch die Argumentation der Reflexionsphilosophie am Ende doch nicht verdunkelt werden. >Junghegelianer/Gadamer. Beispiele für Reflexion/Gadamer: Dass die These der Skepsis oder des Relativismus selber wahr sein will und sich insofern selber aufhebt, ist ein unwiderlegliches Argument. Aber wird damit irgend etwas geleistet? Das Reflexionsargument, das sich derart als siegreich erweist, schlägt vielmehr auf den Argumentierenden zurück, indem es den Wahrheitswert der Reflexion suspekt
macht. Nicht die Realität der Skepsis oder des alle Wahrheit auflösenden Relativismus wird dadurch getroffen, sondern der Wahrheitsanspruch des formalen Argumentierens überhaupt.


1. Der Ausdruck Reflexionsphilosophie( ist von Hegel gegen Jacobi, Kant und Fichte
geprägt worden. Schon im Titel von „Glauben und Wissen“ aber als eine „Reflexionsphilosophie der Subjektivität“. Hegel selbst setzt ihr die Reflexion der Vernunft entgegen.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Relationen Cresswell II 107
Relativierung/Cresswell: Bsp "bewundert" ist eine zwei-stellige Relation - d.h. sie ist von zwei Argumenten abhängig - sie kann aber zu einer ein-stelligen reduziert werden: als Prädikat "bewundert jemand". - Unabhängigkeit durch Zusatz - d.h. es ist entweder wahr oder falsch, dass x jemand bewundert. Es ist nicht mehr relativ auf zwei Dinge. - V*: Bewertungsfunktion (im Idiolekt): kann dann die Rolle einer gebundenen Variablen spielen.

Cr I
M. J. Cresswell
Semantical Essays (Possible worlds and their rivals) Dordrecht Boston 1988

Cr II
M. J. Cresswell
Structured Meanings Cambridge Mass. 1984
Revolution Flusser Rötzer I 60
Revolution/Kunst/Flusser: Der Bischof setzte auf dem Markt den gerechten Wert z.B. für einen Topf fest. Mit dem Aufstand der Handwerker, den wir Renaissance oder Humanismus nennen, ist derselbe als Autor vom Feld in die Werkstatt übergewechselt.
Zunächst mussten die Handwerker einen freien Markt schaffen d.h. die Kunstkritiker vom Markt entfernen
Bisher hatte der Bischof den Einblick in die ewigen und höchsten Werte, Platon: theoria.
Die revolutionären Handwerker behaupteten nun, sie würden die ewige Idee nicht mehr nachahmen, sondern immer neue und bessere und darum auch wahrere Töpfe erfinden.
Damit wurde der Unterschied von Entdecken und Erfinden in Frage gestellt. Annäherung an die Idee konnte ja nur eine gewisse unvollkommene Entdeckung bringen, und damit Irrtum und Täuschung.
I 61
Die neuen Handwerker aber nahmen für sich in Anspruch, Erfinder zu sein. Damit schlug die Verachtung des Kunstmachens in Bewunderung um. Alte Theorie: die Formen sind ordentlich übereinander gelegt: die höheren enthalten die niedrigeren, z.B. der Topf die Kugel. Dadurch wurde die Philosophie zum Emporklettern. Neue Sicht, nicht mehr aus einer Form auf andere zu schließen, sondern eine andere machen.
Rötzer I 61
Neue Theorie/Flusser: Entwicklung immer besserer Modelle. Theorie wechselt vom Dom in die Werkstatt und tritt in doppelten Widerspruch zu dem, was dort gemacht wird.
1. Der theoretische Blick muss sich den Gegebenheiten anpassen und
2. Modelle werden übergeben und man muss sehen, was dabei herauskommt. Doppelter Widerspruch zwischen Observation und Theorie einerseits und Experiment und Theorie andererseits. > Moderne Wissenschaft und Technik.
In den entsprechenden Werkstätten wurde dann nicht mehr von Kunst, sondern von Technik geredet, und einen Autor sucht man dort vergebens.
Rötzer I 64
Revolution/Flusser: a) Vorher war es sinnlos zwischen Güte eines Pflugs und der eines Heiligenbildes ontologisch zu unterscheiden, beides diente der Erlösung aus dem Tränental. Techne ist das Äquivalent zu ars, also ein und dasselbe.
b) Nachher existiert nicht nur ein Unterschied, sondern das Heiligenbild wurde überflüssig, vielleicht sogar störend, das es ideologisch die Aufmerksamkeit von der Arbeit ablenkte.
Deswegen musste die Kunst von der Technik getrennt werden.
Rötzer I 70
Kulturrevolution/Flusser: ist die Zurückhaltung, nicht alle diese Bilder und Töne als Kunst anerkennen zu wollen, da sie dem neuzeitlichen Kunst Begriff nicht entsprechen. Bsp Rockmusik hat großen Einfluss auf unser Verhalten, wie Autoschaltungen.

Fl I
V. Flusser
Kommunikologie Mannheim 1996
Revolution Holmes Krastev I 23
Samtene Revolution/Krastev/Holmes: Die Linke lobte diese samtenen Revolutionen als Ausdruck der Volksmacht. Die Rechte lobte sie sowohl als Triumph des freien Marktes über die Kommandowirtschaft als auch als den wohlverdienten Sieg der freien Regierung über die totalitäre Diktatur. Was dafür sorgte, dass diese Revolutionen "samten" blieben, war ihre Feindseligkeit gegenüber Utopien und politischen Experimenten im Hintergrund. Darüber hinaus hatten die Insider des Regimes selbst bis 1989 vollständig vom utopischen Glauben zu mechanischen Ritualen und von der ideologischen Verpflichtung zur Korruption gewechselt. So waren sie zufällig mit den Dissidenten synchronisiert, die kein Interesse daran hatten, ihre Gesellschaften an ein historisch beispielloses Ideal anzupassen. Weit davon entfernt, ein unerprobtes Wunderland zu suchen oder sich nach etwas genial Neuem zu sehnen, zielten die führenden Persönlichkeiten dieser Revolutionen darauf ab, ein System umzustürzen, nur um ein anderes zu kopieren. >Imitation/Krastev. François Furet beobachtet: "1989 ist aus Osteuropa keine einzige neue Idee gekommen"(1).
Jürgen Habermas, ein lebenslanger Verfechter einer kulturellen Orientierung zum Westen hin und der Umgestaltung seines Landes nach westlichem Vorbild, stimmte dem zu. Er begrüßte nach 1989 "den Mangel an innovativen und zukunftsorientierten Ideen", denn für ihn waren die mittel- und osteuropäischen Revolutionen "korrigierende Revolutionen"(2) oder "aufholende Revolutionen"(3).
Krastev I 24
Krastev: Ihr Ziel war es, die mittel- und osteuropäischen Gesellschaften wieder an den Mainstream der westlichen Moderne heranzuführen und den Mittel- und Osteuropäern das zu ermöglichen, was die Westeuropäer bereits besaßen.

1. Cited in Dahrendorf, Reflections on the Revolution, S. 27.
2. Jürgen Habermas, ‘What Does Socialism Mean Today? The Rectifying Revolution and the Need for New Thinking on the Left’, New Left Review 183 (September–October 1990), S. 5, 7.
3. Jürgen Habermas, Die Nachholende Revolution (Suhrkamp, 1990).

LawHolm I
Oliver Wendell Holmes Jr.
The Common Law Mineola, NY 1991

Krastev I
Ivan Krastev
Stephen Holmes
The Light that Failed: A Reckoning London 2019
Revolution Krastev Krastev I 23
Samtene Revolution/Krastev: Die Linke lobte diese samtenen Revolutionen als Ausdruck der Volksmacht. Die Rechte lobte sie sowohl als Triumph des freien Marktes über die Kommandowirtschaft als auch als den wohlverdienten Sieg der freien Regierung über die totalitäre Diktatur. Was dafür sorgte, dass diese Revolutionen "samten" blieben, war ihre Feindseligkeit gegenüber Utopien und politischen Experimenten im Hintergrund. Darüber hinaus hatten die Insider des Regimes selbst bis 1989 vollständig vom utopischen Glauben zu mechanischen Ritualen und von der ideologischen Verpflichtung zur Korruption gewechselt. So waren sie zufällig mit den Dissidenten synchronisiert, die kein Interesse daran hatten, ihre Gesellschaften an ein historisch beispielloses Ideal anzupassen. Weit davon entfernt, ein unerprobtes Wunderland zu suchen oder sich nach etwas genial Neuem zu sehnen, zielten die führenden Persönlichkeiten dieser Revolutionen darauf ab, ein System umzustürzen, nur um ein anderes zu kopieren. >Imitation/Krastev. François Furet beobachtet: "1989 ist aus Osteuropa keine einzige neue Idee gekommen"(1).
Jürgen Habermas, ein lebenslanger Verfechter einer kulturellen Orientierung zum Westen hin und der Umgestaltung seines Landes nach westlichem Vorbild, stimmte dem zu. Er begrüßte nach 1989 "den Mangel an innovativen und zukunftsorientierten Ideen", denn für ihn waren die mittel- und osteuropäischen Revolutionen "korrigierende Revolutionen"(2) oder "aufholende Revolutionen"(3).
Krastev I 24
Krastev: Ihr Ziel war es, die mittel- und osteuropäischen Gesellschaften wieder an den Mainstream der westlichen Moderne heranzuführen und den Mittel- und Osteuropäern das zu ermöglichen, was die Westeuropäer bereits besaßen.

1. Cited in Dahrendorf, Reflections on the Revolution, S. 27.
2. Jürgen Habermas, ‘What Does Socialism Mean Today? The Rectifying Revolution and the Need for New Thinking on the Left’, New Left Review 183 (September–October 1990), S. 5, 7.
3. Jürgen Habermas, Die Nachholende Revolution (Suhrkamp, 1990).

Krastev I
Ivan Krastev
Stephen Holmes
The Light that Failed: A Reckoning London 2019
Reziprozität Psychologische Theorien Haslam I 174
Reziprozität/Gruppenverhalten/Psychologische Theorien: Was ist das Besondere an der Reziprozität in der eigenen Gruppe ("InGroup")? Es ist vielleicht nicht verwunderlich, dass die Menschen von der InGroup Reziprozität erwarten, aber wenn Reziprozität das Entscheidende ist, warum scheint sie dann weniger effektiv zu sein, wenn sie ausdrücklich von einer minimalen anderen Gruppe (OutGroup) kommt? Problem: Forscher haben eher auf evolutionäre Argumente zurückgegriffen und vorgeschlagen, dass es aus evolutionärer Sicht gute Gründe geben kann, der InGroup zu vertrauen und der OutGroup zu misstrauen oder sogar Angst zu haben (Gaertner und Insko, 2000(1); Yamagishi et al., 1999(2)).
Gruppenverhalten/VsEvolutionspsychologie (Spears/Otten: Ein Problem ist, dass evolutionäre Standardargumente dazu führen könnten, dass man erwartet, dass Männer generell wettbewerbsfähiger sind als Frauen (z.B. Sidanius et al., 1994(3); Yuki und Yokota, 2009(4)). Und obwohl es schwierig ist, diese evolutionären Argumente auszuschließen, ist es genauso schwierig, sie zu beweisen.
Wenn es bei begrenzter Gegenseitigkeit um Eigeninteresse geht, warum opfern Gruppenmitglieder das Eigeninteresse wie in der maximalen Differenzierungsstrategie? (MD; siehe >Methode/Tajfel). In diesem Zusammenhang hat Marilyn Brewer (1999)(5) behauptet, dass die Theorie der sozialen Identität (und die Ergebnisse der Minimalgruppenstudien) besser in der Lage sind, "In-Group-Liebe" zu erklären als "OutGroup-Hass".
Vs: Diese Kritik scheint noch mehr auf das Argument der begrenzten Reziprozität zuzutreffen: Schließlich geht es mehr darum, sich innerhalb der InGroup zu revanchieren als der OutGroup zu schaden. Zusammenfassend kann also das Eigeninteresse helfen zu erklären, warum die Teilnehmer danach streben, den Gewinn in der Gruppe zu maximieren. Jedoch bietet dies keine ausreichende Erklärung, warum sie den Gewinn in der Gruppe opfern, um einer anderen Gruppe den Nutzen zu entziehen.



1. Gaertner, L. and Insko, C.A. (2000) ‘Intergroup discrimination in the minimal group paradigm: Categorization, reciprocation or fear?’, Journal of Personality and Social Psychology, 79: 77–94.
2. Yamagishi, T., Kikuchi, M. and Kosugi, M. (1999) ‘Trust, gullibility, and social intelligence’, Asian Journal of Social Psychology, 2: 145–61.
3. Sidanius, J., Pratto, F. and Mitchell, M. (1994) ‘In-group identification, social dominance orientation, and differential intergroup social allocation’, Journal of Social Psychology, 134: 151–67.
4. Yuki, M. and Yokota, K. (2009) ‘The primal warrior: Outgroup threat priming enhances intergroup discrimination in men but not women’, Journal of Experimental Social Psychology, 45: 271–4.


Russell Spears and Sabine Otten,“Discrimination. Revisiting Tajfel’s minimal group studies“, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic studies. London: Sage Publications

Haslam I
S. Alexander Haslam
Joanne R. Smith
Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017
Schleiermacher Gadamer I 347
Schleiermacher/Historismus/Gadamer: In letzter Konsequenz ist es doch die Position Hegels, in [der Historismus des 19. Jahrhunderts] seine Legitimation findet, auch wenn die Historiker, die das Pathos der Erfahrung beseelte, sich statt dessen lieber auf Schleiermacher und auf Wilhelm von Humboldt beriefen. GadamerVsSchleiermacher/GadamerVsHumboldt: Weder Schleiermacher noch Humboldt haben aber ihre Position wirklich zu Ende gedacht. Sie mögen die Individualität, die Schranke der Fremdheit, die unser Verstehen zu überwinden hat, noch so sehr betonen, am Ende findet doch lediglich in einem unendlichen Bewusstsein das Verstehen seine Vollendung und der Gedanke der Individualität seine Begründung.
Hegel/Gadamer: Es ist die pantheistische Eingeschlossenheit aller Individualität ins Absolute, die das Wunder des Verstehens ermöglicht. So durchdringen sich auch hier Sein und Wissen im
I 348
Absoluten. Weder Schleiermachers noch Humboldts Kantianismus ist somit gegenüber der spekulativen Vollendung des Idealismus in Hegels absoluter Dialektik eine selbständige systematische Affirmation, Die Kritik an der Reflexionsphilosophie(1), die Hegel trifft, trifft sie mit.


1. Der Ausdruck Reflexionsphilosophie( ist von Hegel gegen Jacobi, Kant und Fichte
geprägt worden. Schon im Titel von „Glauben und Wissen“ aber als eine „Reflexionsphilosophie der Subjektivität“. Hegel selbst setzt ihr die Reflexion der Vernunft entgegen.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Schöpfungsmythos Gadamer I 423
Schöfpung/Sprache/Christentum/Gadamer: Einmal geschieht (...) die Schöpfung durch das Wort Gottes. So haben schon die frühen Väter, um den ungriechischen Gedanken der Schöpfung denkbar zu machen, von dem Wunder der Sprache Gebrauch gemacht. Vor allem aber wird die eigentliche Heilstat, die Entsendung des Sohnes, das Myste-
I 424
rium der Inkarnation, im Johannes-Prolog selber vom Wort her beschrieben. Die Exegese interpretiert das Lautwerden des Wortes ebenso als Wunder wie das Fleischwerden Gottes. Das Werden, um das es Sich in Beidem handelt, ist kein Werden, in dem aus etwas etwas anderes wird. Weder handelt es sich um eine Abscheidung des einen vom anderen (kat' apokopen), noch um eine Minderung des inneren Wortes durch sein Hervorgehen in die Äußerlichkeit, noch überhaupt um ein Anderswerden, so dass das innere Wort verbraucht würde.(1) Schon in den frühesten Anlehnungen an das griechische Denken ist vielmehr die neue Richtung auf die geheimnisvolle Einheit von Vater und Sohn, von Geist und Wort, zu erkennen. Und wenn die direkte Bezugnahme auf die Äußerung, das Lautwerden des Wortes, am Ende in der christlichen Dogmatik - in der Verwerfung des Subordinationismus - mitverworfen wird, so wird es doch gerade auf Grund dieser Entscheidung nötig, das Mysterium der Sprache und ihren Zusammenhang mit
dem Denken philosophisch neu zu durchleuchten.
Sprache/Christentum/Gadamer: Das größere Wunder der Sprache liegt nicht darin, dass das Wort Fleisch wird und im äußeren Sein heraustritt, sondern dass das, was so heraustritt und sich in der Äußerung äußert, immer schon Wort ist. Dass das Wort bei Gott ist, und zwar von Ewigkeit her, das ist die in der Abwehr des Subordinationismus siegreiche Lehre der Kirche, die auch das Problem der Sprache ganz in das Innere des Denkens einkehren lässt. >Sprache/Christentum, >Wort/Augustinus.
I 428
Schöpfungsmythos/Gadamer: Das Mysterium der Trinität, das durch die Analogie mit dem inneren Wort aufgehellt werden soll, muss vom menschlichen Denken her am Ende doch unverständlich bleiben, Wenn im göttlichen Wort das Ganze des göttlichen Geistes ausgesprochen ist, dann bedeutet das prozessuale Moment an diesem Wort etwas, wofür uns im Grunde jede Analogie im Stich lässt. Sofern der göttliche Geist, indem er sich selbst erkennt, zugleich alles Seiende erkennt, ist das Wort Gottes das Wort des alles in einem Anschauen (intuitus) schauenden und schaffenden Geistes. Der Hervorgang verschwindet in der Aktualität der göttlichen Allweisheit. Auch die Schöpfung sei kein wirklicher Prozess, sondern lege nur das Ordnungsgefüge des Weltganzen im zeitlichen Schema aus.(2)

1. Assumendo non consumendo, Aug. de Trin. 15, 11.
2. Es ist unverkennbar, dass die patristische und scholastische Genesisauslegung in gewissem Umfang die Diskussion um die rechte Auffassung des“Timaios“ wiederholt, die zwischen Platos Schülern geführt worden ist. (Vgl. meine Studie über „ldee und Wirklichkeit in Platos „Timaios““. (Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philos.-histor. Klasse, 2. Abh. Heidelberg 1974; jetzt in Bd. 6 der Ges. Werke, S. 242-270.)

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Selbstachtung Entwicklungspsychologie Upton I 120
Selbstachtung/Entwicklungspsychologie/Upton: Selbstachtung bezieht sich auf ein allgemeines Selbstwertgefühl und umfasst als solches alle Bewertungen, die wir über unsere Fähigkeiten und Fertigkeiten in verschiedenen Lebensbereichen vornehmen, wie z.B. unsere körperliche Erscheinung, sportlichen und intellektuellen Fähigkeiten. In gewisser Weise ist es ein Werturteil, das wir darüber abgeben, wie "gut" wir sind, und wird als solches von den bereichsspezifischen oder selbstverständlichen Bewertungen beeinflusst, die wir vornehmen. Es ist wichtig zu erkennen, dass die Selbstachtung Wahrnehmungen widerspiegelt, die nicht immer der Realität entsprechen (Baumeister et al., 2003)(1). Wir neigen dazu, unsere Fähigkeiten in verschiedenen Aspekten unseres Lebens auf der Grundlage unserer Erfolge oder Misserfolge zu beurteilen. Allerdings führt Misserfolg nicht automatisch zu einer geringen Selbstachtung. Die Auswirkungen von Misserfolgen - oder Erfolgen - auf unsere globale Selbstachtung hängen in hohem Maße davon ab, welche Bedeutung wir diesem Aspekt unseres Lebens beimessen. (...) Es scheint wahrscheinlich, dass sich die Selbstachtung entwickelt und verändert, wenn das Kind in die Pubertät geht. Angesichts der geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Wahrnehmung pubertärer Körperveränderungen durch Jugendliche und der Bedeutung des Aussehens für die jugendliche Identität ist es vielleicht nicht verwunderlich, dass es einige Hinweise darauf gibt, dass die Selbstachtung in der Adoleszenz abnimmt - bei Mädchen deutlich mehr als bei Jungen (Robins et al., 2002)(2).



1. Baumeister, RF, Campbell, JD, Krueger, Ji, Vohs, KD Does High Self-Esteem Cause Better Performance, Interpersonal Success, Happiness, or Healthier Lifestyles? IN: Psychol Sci Public Interest. 2003 May;4(1):1-44. doi: 10.1111/1529-1006.01431. Epub 2003 May 1.
2. Robins, RW, Trzesniewski, KH, Tracey,JL, Gosling, SD and Potter, J (2002) Global self-esteem across the life span. Psychology and Aging, 17:423-34.

Upton I
Penney Upton
Developmental Psychology 2011
Selektion Gould Gould I 52
Selektion/Darwin/Gould: Ich bin überzeugt, dass die natürliche Selektion das hauptsächlichem aber nicht das einzige Mittel von Veränderung gewesen ist.
I 94
Selektion/GouldVsDawkins: Wenn die Selektion bei der Bevorzugung eines stärkeren Körpers direkt auf ein für Körperstärke zuständiges Gen einwirkte, dann ließe sich die Theorie von Dawkins rechtfertigen. Wenn Körper unzweideutige Lagepläne ihrer Gene wären, dann könnten die miteinander kämpfenden Teile der DNA nach außen hin Flagge zeigen und die Selektion könnten direkt auf sie einwirken. Aber Körper sind so nicht aufgebaut. Es gibt kein Gen für so unzweideutige Teile der Morphologie wie die linke Kniescheibe oder einen Fingernagel. Hunderte von Genen tragen zum Aufbau der meisten Körperteile bei und ihr Vorgehen wird durch eine kaleidoskopartige Serie von Umwelteinflüssen kanalisiert, durch embryonale, postnatale, innere und äußere Einflüsse. Körperteile sind nicht einfach übertragene Gene, und die Selektion richtet sich nicht einmal direkt auf bestimmte Körperteile! Sie akzeptiert oder verwirft ganze Organismen.

II 19 ff
Selektion/Gould: Wenn die natürliche Auslese die Evolution vorantreibt, indem sie bevorzugte Varianten aus einem Spektrum am Leben hält, das zufällig um einen Durchschnittswert herum verteilt ist, dann bringt ein Mangel an Variationen diesen Prozess aus der Bahn. Denn natürliche Auslese erzeugt selber direkt nichts. Dagegen:
II 21
Sexuelle Fortpflanzung: Sex schafft ein riesiges Angebot an Variationen, indem das genetische Material zweier Individuen vermischt wird. Frage: Warum müssen aber die Männchen fast genauso groß und komplex sein wie Weibchen?
Darwin hat gezeigt, dass die
Def Natürliche Auslese ein Kampf zwischen Individuen ist, darum, möglichst viele Gene weiterzugeben.
Da Männchen wegen der sexuellen Fortpflanzung, die die Variation garantieren muss, unverzichtbar sind, werden sie zu eigenständigen Werkzeugen der Evolution, Sie sind nicht zum Nutzen ihrer Art geschaffen, als unabhängige Werkzeuge greifen sie auf ihre ureigenste Weise in den Kampf ein.
II 22
Beim Kampf um Weibchen haben Schwergewichtler einfach eine bessere Chance. Bei komplexen Lebewesen können Kampfvermeidungsstrategien hinzukommen.
II 51
Selektion/Gould: Gould richtet sich gegen die Annahme einer konsequenten Auslese, bzw. die Annahme, es gebe ein Wirken der Selektion auf jeder Ebene gleichzeitig, bzw. die Theorie, dass jedes Detail das an einem Organismus aufzufinden ist, aus der Selektion resultiert. Jedes Einzelverhalten mag eine wunderbare Adaption sein, aber es muss innerhalb einer vorherrschenden Beschränkung geformt sein.
II 173
Selektion/Gould: Gould schlägt vor, die Selektion (nicht Evolution) auf mehreren Ebenen anzuerkennen.
III 172
Natürliche Selektion/Gould: führt nur zu lokaler Anpassung.

Gould I
Stephen Jay Gould
Der Daumen des Panda Frankfurt 2009

Gould II
Stephen Jay Gould
Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991

Gould III
Stephen Jay Gould
Illusion Fortschritt Frankfurt 2004

Gould IV
Stephen Jay Gould
Das Lächeln des Flamingos Basel 1989
Sidgwick Politische Theorien Gaus I 414
Sidgwick/Politische Philosophie/Weinstein: Sidgwicks Bedeutung für die zeitgenössische politische Theorie ist enorm unterschätzt worden. John Rawls' "Theory of Justice" ist zu einem beträchtlichen Teil eine kritische Antwort auf Sidgwick. Wenn Rawls sagt, dass wir "oft gezwungen scheinen, zwischen Utilitarismus und Intuitionismus zu wählen", dann ist der Utilitarismus, den er im Sinn hat, der von Sidgwick (1981(1): viii). Zeitgenössische politische Theoretiker müssen Sidgwick ernst nehmen, wenn sie Rawls ernst nehmen (...).
BarryVsRawls: Wenn Barry Recht hat, wenn er darauf besteht, dass wir in einer "post-Rawls'schen" Welt leben, dann erfordert das Navigieren in dieser Welt, dass wir Sidgwick besser berücksichtigen.
Utilitarismus/Sidgwick: Sidgwicks "klassischer" Utilitarismus war insofern auch eine Form des liberalen Utilitarismus, als Sidgwick wie Mill die Ansicht vertrat, dass Nützlichkeit am besten indirekt über intermediäre moralische Prinzipien gefördert wird. Daher ist Rawls' Angriff auf den "klassischen" Utilitarismus Kriegsführung gegen einen Strohmann. Für Sidgwick stellten die "mittleren Axiome" der Moral nach gesundem Menschenverstand im Allgemeinen geeignete glückmaximierende Leitfäden dar und bedurften daher einer bescheidenen kritischen Verfeinerung. Dennoch vertrat Sidgwick wie Mill die Ansicht, dass "da diese tatsächliche moralische Ordnung zugegebenermaßen unvollkommen ist, wird es die Pflicht des Utilitaristen sein, zu ihrer Verbesserung beizutragen" (1981(1): 476).
Gesunder Menschenverstand: In jüngerer Zeit hat sich Rawls Sidgwicks gesunde Ehrfurcht vor dem gesunden Menschenverstand zu eigen gemacht. In Anlehnung an Sidgwick ist Rawls der Ansicht, dass unsere moralischen Intuitionen eine entscheidende Rolle bei der Rechtfertigung und Systematisierung unserer politischen Grundsätze spielen. Während Sidgwick den gesunden Menschenverstand rechtfertigt und systematisiert, indem er an die Nützlichkeit appelliert, setzt Rawls den Schleier der Unwissenheit als rechtfertigendes und systematisierendes Filterinstrument ein (...).
Sidgwick: Sowohl bei Sidgwick als auch bei Rawls zähmt der gesunde Menschenverstand radikale Reformen. Der utilitaristische Reformer "wird natürlich mit Ehrfurcht und Staunen als ein wunderbares Produkt der Natur das Ergebnis jahrhundertelangen Wachstums betrachten (und etablierte Moral). Er wird es mit respektvoller Zartheit als einen Mechanismus behandeln, der aus dem flüssigen Element der Meinungen und Dispositionen konstruiert ist und mit dessen unentbehrlicher Hilfe das eigentliche Quantum menschlichen Glücks ständig produziert wird". (1981(1): 475).
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass für Sidgwick der Nutzen am besten indirekt über eine gesunde, aber nicht unkritische Rücksichtnahme auf die "mittleren Axiome" der Moral des gesunden Menschenverstands maximiert wurde. >Utilitarismus/Sidgwick.


1. Sidgwick, Henry (1981 [1907]) The Methods of Ethics. Indianapolis: Hackett.


Weinstein, David 2004. „English Political Theory in the Nineteenth and Twentieth Century“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Sitten/Sittlichkeit Ortega y Gasset Brocker I 195
Sitten/Gebräuche/customs/morality/Ortega y Gasset: das öffentliche Leben hat eine geistige, eine sittliche, eine wirtschaftliche, eine religiöse, eine politische und eine gesamtgesellschaftliche Dimension und betrifft alle Kollektivgebräuche (die sogenannten »usos«, die für Ortegas Kulturbegriff so fundamental sind!) des gesellschaftlichen Seins Die „Vermassung“ (Siehe Masse/Ortega) bringt eine erstaunliche Erhöhung der Lebensqualität mit sich, was dazu geführt hat, dass Lebensoptionen und Handlungsmöglichkeiten, die in früheren Zeiten ausschließlich wenigen Menschen vorbehalten waren, nun (wenn nicht allen Menschen so doch) vielen offen stehen. Von einem »allgemeinen Steigen des historischen Pegelstandes« (1) und einer »Hebung des gesamten historischen Niveaus« (2) ist die Rede, die eine »Zeit des
Brocker I 196
Ausgleichs« (3) mit sich bringen, durch welchen sich angeblich die Vermögen ausgleichen.
Brocker I 199
Massenmensch/Ortega: »Dem Massenmenschen geht Sittlichkeit schlechtweg ab« (4). Sowohl der fortschrittsfeindliche, reaktionäre als auch der linksrevolutionäre Massenmensch entzieht sich nach Ortegas Auffassung jeder Pflicht. Er kennt keine Bindung an Regeln der Höflichkeit oder der Wahrhaftigkeit. Respekt, Achtung oder gar Bewunderung für vorzügliche Handlungen und Leistungen bestimmter Menschen sind ihm ganz fremd.
1. José Ortega y Gasset, La Rebelión de las Masas (con un prólogo para franceses, un epílogo para ingleses y un apéndice: Dinámica del tiempo), Madrid 1937 (zuerst
1929). Dt.: José Ortega y Gasset, Der Aufstand der Massen, Reinbek 1956, S. 17
2.Ebenda S. 19
3.Ebenda S. 18.
4. Ebenda S. 140

Thomas Gil, „Ortega y Gasset, Der Aufstand der Massen (1929)“ In: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018.

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Terminologien Dawkins I 27
Def altruistisch/Dawkins: Ein Organismus erhält sich altruistisch wenn er das Wohlergehen eines anderen auf seine Kosten steigert.
I 28
Def Wohlergehen/Dawkins: Wohlergehen ist definiert als Überlebenschancen, selbst wenn der Effekt auf die tatsächlichen Aussichten so klein ist, dass man ihn scheinbar vernachlässigen kann. Egoismus/Altruismus/Dawkins: Egoismus und Altruismus orientieren sich am tatsächlichen Verhalten, nicht an Intentionen. Es gibt keine Psychologie der Motive!
I 32
Altruismus/Dawkins: Altruismus wird oft fälschlich zugeschrieben: wenn sich Lebewesen angeblich zum "Wohl der Art" oder "Wohl der Gruppe" verhalten.
I 126
Def ESS/Dawkins: eine evoutionär stabile Strategie ist eine, die - wenn die Mehrzahl der ‚Angehörigen einer Population sie sich zu eigen macht - von keiner alternativen Strategie übertroffen werden kann. ((s) Nicht inhaltlich definiert.)
I 447
Knappere Def ESS: Eine Strategie, die gegen Kopien ihrer selbst gut abschneidet. Sie wird nämlich oft auf Kopien ihrer selbst treffen, da ja eine erfolgreiche Strategie in einer Population vorherrschend ist.
I 227
Fitness/Dawkins: Man sollte den Ausdruck nicht benutzen, weil er fälschlich vom Individuum ausgeht! Stattdessen ist das egoistische Gen die einzige Einheit, um die es geht! Gene in Kindern werden aufgrund der Fähigkeit selektiert, Eltern zu überlisten, Gene im Körper von Eltern umgekehrt.
I 377
Def Erweiterter Phänotyp/Dawkins: phänotypische Auswirkungen eines Gens sind alle Auswirkungen eines Gens auf den Körper, in dem es sitzt. Aber es hat auch Auswirkungen auf "die Welt"!
Bsp Biberdämme, Vogelnester, Gehäuse der Köcherfliegen ( bewegliche Zementhäuser).
Der Unterschied zum Auge als "Wunder der Natur" müssen wir diese Leistungen nicht Prozessen zuschreiben, die im Innern der Mütter vor sich gehen. Sie sind Leistungen des gestaltenden Individuums. (Üblicherweise "Instinkt" genannt).
I 386
Def haplodiploid: unbefruchtete Eier entwickeln sich zu Männchen. D.h. Bsp männliche Borkenkäfer haben keinen Vater (wie es bei Bienen und Ameisen der Fall ist). Aber bei den Borkenkäfern muss irgendetwas in die Eier eindringen, diese Aufgabe übernehmen Bakterien. (Parasiten).

Da I
R. Dawkins
Das egoistische Gen, Hamburg 1996

Da II
M. St. Dawkins
Die Entdeckung des tierischen Bewusstseins Hamburg 1993
Terminologien Leibniz Holz I 12f
Monadologie/Monaden/Leibniz: Niemand wird die Monadologie heute noch einfach als Erklärungsschema nehmen, wohl aber als eine Modellantwort auf mögliche Probleme, die sich bei der Frage nach der Einheit der Mannigfaltigkeit und dem Gesamtzusammenhang ergeben.
Holz I 24
Prästabilierte Harmonie/Leibniz: diese in jeder Substanz der Welt von vornherein geregelte gegenseitige Beziehung, die das hervorbringt, was wir ihren Verkehr nennen und einzig und allein die Verbindung von Seele und Körper ausmacht. "Die Hypothese ist sehr wohl möglich." (LeibnizVsNewton: Newton: "hypotheses non fingo").
"Sie ist eine wunderbare Idee von der Harmonie des Universums und der Vollkommenheit der Werke Gottes".
Holz I 48
ratiocinatio/Leibniz: Aufbau einer Theorie aus Argumentationsketten über einen Gegenstand. Gewinnung von wahren Sätzen.
Holz I 49
Monade/Leibniz/Holz: Titel für die Einheit des substantialen und des strukturalen Aspekts des Seins, als Substanz und Strukturbegriff in einem. Der Grund der Einheit ist die Formbestimmtheit ihrer allseitigen Verknüpfung, nicht die Linearität einer Folge oder Reihe. Insofern liegt der Existenzgrund der Welt (als der Totalität der Verknüpfungen) nicht in der Welt, sondern bedingt sie als Welt.
Holz I 109
Fensterlosigkeit/Monade/Leibniz: besagt, dass in metaphysischer Strenge Veränderungen einer Substanz sich nur als Folge von internen Prozessen ergeben,
I 110
weil sie allein die Äußerungen der ursprünglichen Kraft als vis activa und ihrer Selbstbeschränkung als vis passiva sind. (Keine Verbindung zu Maturana). Es gibt kein Mittel, zu erklären, wie eine Monade von irgendeinem anderen Geschöpfe verändert werden könnte, da man in sie nichts übertragen noch sich irgend eine innere Bewegung in ihr vorstellen kann, wie das bei zusammengesetzten Dingen geschehen kann, wo es Veränderungen zwischen Teilen gibt.
"Die Monaden haben keine Fenster, durch die irgendetwas in sie hinein oder aus ihnen heraustreten könnte." (KS 441).
I 113
Immanenz/Leibniz: der Substanz in der Welt - Inhärenz: der Welt in der einzelnen Substanz.
Holz I 116
Monade/Leibniz: Ausdruck dafür, dass Substanz nur als Struktur Substanz ist. (Bestimmt durch das Ganze des Universums). Seele/Leibniz: wie die Seele die strukturelle Einheit ihres Leibes bildet und dieser zerfällt, wenn die Seele entweicht, so ist die Monade die einheitsstiftende Struktur des materiellen Körpers.
I 117
Monaden/Leibniz: sie müssen wirkliche Einheiten sein "beseelte Körper" (nicht nur mathematische Punkte). Lösung: ihre Natur muss in der Kraft bestehen.
wie die Seele aber nicht verwendet werden darf. um über Einzelheiten des tierischen Organismus Auskunft zu erteilen,
I 118
müssen wir die Monaden entsprechend als ursprüngliche Kräfte annehmen.

Lei II
G. W. Leibniz
Philosophical Texts (Oxford Philosophical Texts) Oxford 1998

Holz I
Hans Heinz Holz
Leibniz Frankfurt 1992

Holz II
Hans Heinz Holz
Descartes Frankfurt/M. 1994
Theologische Hermeneutik Gadamer I 314
Theologische Hermeneutik/Gadamer: Die enge Zusammengehörigkeit, die ursprünglich die philologische Hermeneutik mit der juristischen und theologischen verband, beruhte auf der Anerkennung der Applikation als eines integrierenden Momentes alles Verstehens. Sowohl für die juristische Hermeneutik wie für die theologische Hermeneutik ist ja die Spannung konstitutiv, die zwischen dem gesetzten Text - des Gesetzes oder der Verkündigung - auf der einen Seite und auf der anderen Seite dem Sinn besteht, den seine Anwendung im konkreten Augenblick der Auslegung erlangt, sei es im Urteil, sei es in der Predigt.
Ein Gesetz will nicht historisch verstanden werden, sondern soll sich in seiner Rechtsgeltung durch die Auslegung konkretisieren.
Ebenso will ein religiöser Verkündigungstext nicht als ein bloßes historisches Dokument aufgefasst werden, sondern er soll so verstanden werden, daß er seine Heilswirkung ausübt. Das schließt in beiden Fällen ein, daß der Text, ob Gesetz oder Heilsbotschaft, wenn er angemessen verstanden werden soll, d. h. dem Anspruch, den der Text erhebt, entsprechend, in jedem Augenblick, d. h. in
jeder konkreten >Situation, neu und anders verstanden werden muss. Verstehen ist hier immer schon Anwenden. >Verstehen/Gadamer, >Hermeneutik/Gadamer.
I 315
Kognitiv/normativ: Wenn man (...) kognitive, normative und reproduktive Auslegung unterscheidet, wie das E Betti in seiner auf bewundernswerter Kenntnis und Überschau aufgebauten „Allgemeinen Theorie der Interpretation“(1) getan hat, so gerät man bei der Zuordnung der Phänomene zu dieser Einteilung in Schwierigkeiten. Das gilt zunächst für die in den Wissenschaften geübte Auslegung. Schleiermacher: Wenn man die theologische Auslegung mit der juristischen zusammenstellt und entsprechend der normativen Funktion zuordnet, so ist demgegenüber an Schleiermacher zu erinnern, der umgekehrt die theologische Auslegung aufs engste an die allgemeine, d. h, für ihn die philologisch-historische Auslegung, anschließt. In der Tat geht der Riss zwischen kognitiver und normativer Funktion mitten durch die theologische Hermeneutik und lässt sich schwerlich dadurch schließen, dass man die wissenschaftliche Erkenntnis von nachfolgender erbaulicher Anwendung
unterscheidet. Der gleiche Riss geht offenkundig auch mitten durch die rechtliche Auslegung, sofern Erkenntnis des Sinnes eines Rechtstextes und Anwendung desselben auf den konkreten Rechtsfall nicht zwei getrennte Akte sind, sondern ein einheitlicher Vorgang.
I 336
Theologische Hermeneutik/Gadamer: [in der protestantischen Theologie} gibt es insofern eine Entsprechung zur juristischen Hermeneutik, als auch hier die Dogmatik nicht den Primat für sich in Anspruch nehmen kann. >Juristische Hermeneutik. Die eigentliche Konkretisierung der Verkündigung geschieht in der Predigt, so wie die der gesetzlichen Ordnung im Urteil geschieht. Aber dabei ist noch ein großer Unterschied. Die Predigt ist nicht wie das richterliche Urteil eine produktive Ergänzung des Textes, den sie auslegt. Aus der
Verkündigung der Predigt wächst daher der Heilsbotschaft nichts inhaltlich zu, das sich mit der rechtsergänzenden Kraft des Richterspruches vergleichen ließe. Es ist ja überhaupt nicht so, dass die Heilsbotschaft aus dem Gedanken des Predigers heraus erst Ihre nähere Bestimmung erführe. Er spricht als der Prediger vor der Gemeinde nicht mit dogmatischer Autorität, wie das der Richter tut. Zwar geht es auch in der Predigt um die Auslegung einer gültigen Wahrheit, Aber diese Wahrheit ist Verkündigung, und ob diese gelingt, entscheidet sich nicht durch die Gedanken des Predigers, sondern durch die Kraft des Wortes selbst (...). Die Verkündigung lässt sich nicht von
ihrem Vollzug ablösen. Alle dogmatische Fixierung der reinen Lehre ist sekundär. >Theologische Hermeneutik/Bultmann.



1. Vgl. E. Betti »Zur Grundlegung einer allgemeinen Auslegungslehre«, und sein monumentales Hauptwerk: Allgemeine Auslegungslehre 1967. (Dazu vor allem „Hermeneutik und Historismus“
(Bd. 2 der Ges. Werke, S. 387—424) und meine Arbeit „Emilio Betti und das idealistische
Erbe“ in: Quaderni Fiorentini 7 (1978), S. 5—11 , Ges. Werke Bd. 4.)

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Trinität Gadamer I 423
Trinität/Sprache/Gadamer: Die Ausdeutung des Geheimnisses der Trinität, wohl die wichtigste Aufgabe, die dem Denken des christlichen Mittelalters gestellt war, lehnt sich schon bei den Vätern und schließlich in systematischer Durchbildung des Augustinismus in der Hochscholastik an das menschliche Verhältnis von Sprechen und Denken an. Die Dogmatik folgt damit vor allem dem Prolog des Johannes-Evangeliums, und so sehr es griechische Denkmittel sind, mit denen sie ihre eigene theologische Aufgabe zu lösen sucht, so gewinnt doch das philosophische Denken durch sie eine dem griechischen Denken verschlossene Dimension. Wenn das Wort Fleisch wird und erst in dieser Inkarnation die Wirklichkeit des Geistes sich vollendet, so wird damit der Logos aus seiner Spiritualität, die zugleich seine kosmische Potentialität bedeutet, befreit. Die Einmaligkeit des Erlösungsgeschehens führt den Einzug des geschichtlichen Wesens in das abendländische Denken herauf und lässt auch das Phänomen der Sprache aus seiner Versenkung in die Idealität des Sinnes heraustreten und sich dem philosophischen Nachdenken darbieten. Denn im Unterschied zum griechischen Logos gilt: das Wort ist reines Geschehen (verbum proprie dicitur personaliter tantum).(1)
Gewiss ist dabei die menschliche Sprache nur indirekt zum Gegenstand der Besinnung erhoben. Es soll ja nur am Gegenbild des menschlichen Wortes das theologische Problem des Wortes, des verbum dei, nämlich die Einheit von Gottvater und Gottsohn heraustreten. Aber gerade das ist für uns das entscheidend Wichtige, dass das Mysterium dieser Einheit am Phänomen der
Sprache seine Spiegelung hat. >Sprache/Gadamer, >Wort/Antike Philosophie, >Schöpfungsmythos/Gadamer, >Wort/Augustinus.
I 425
Wort Gottes/Schöpfung/Sprache: Das Geheimnis der Trinität findet im Wunder der Sprache insofern seinen Spiegel, als das Wort, das wahr ist, weil es sagt, wie die Sache ist, nichts für sich ist und nichts für sich sein will: nihil de suo habens, sed totum de illa scientia de qua nascitur. Es hat sein Sein in seinem Offenbarmachen. Genau das gilt vom Mysterium der Trinität. Auch hier kommt es nicht auf die irdische Erscheinung des Erlösers als solche an, sondern vielmehr auf seine vollständige Göttlichkeit, seine Wesensgleichheit mit Gott. In dieser Wesensgleichheit dennoch die selbständige personale Existenz Christi zu denken, ist die theologische Aufgabe. Hierzu wird das menschliche Verhältnis aufgeboten, das am Wort des Geistes, dem verbum intellectus, sichtbar wird. Es handelt sich um mehr als um ein bloßes Bild, denn das menschliche Verhältnis von Denken und Sprechen entspricht in aller Unvollkommenheit doch dem göttlichen Verhältnis der Trinität. Das innere Wort des Geistes ist mit dem Denken genauso wesensgleich, wie Gottessohn mit Gottvater.
I 427
Trinität/Gadamer: Der Vorgang und Hervorgang des Denkens ist (...) kein Veränderungsvor-
Gadamer I 428
gang (motus), also kein Übergang von Potenz in Akt, sondern ein Hervorgehen ut actus ex actu: das Wort wird nicht erst gebildet, nachdem die Erkenntnis vollendet ist, scholastisch gesprochen, nachdem die Information des Intellektes durch die species abgeschlossen ist, sondern es ist der Vollzug der Erkenntnis selbst. Insofern ist das Wort mit dieser Bildung (formatio) des Intellektes zugleich. >Wort/Thomas, >Wort Gottes/Gadamer. Wort/Sprache/Denken/Gadamer: So lässt es sich verstehen, dass die Erzeugung des Wortes als ein echtes Abbild der Trinität verstanden wurde. Es handelt sich um wirkliche generatio, und wirkliche Geburt, wenngleich er hier natürlich keinen empfangenden Teil neben einem zeugenden gibt. Gerade dieser intellektuale Charakter der Erzeugung des Wortes ist jedoch für seine theologische Modellfunktion entscheidend. Es gibt wirklich etwas Gemeinsames zwischen dem Prozess der göttlichen Personen und dem Prozess des Denkens.
Trinität/Gadamer: Das Mysterium der Trinität, das durch die Analogie mit dem inneren Wort aufgehellt werden soll, muss vom menschlichen Denken her am Ende doch unverständlich bleiben, Wenn im göttlichen Wort das Ganze des göttlichen Geistes ausgesprochen ist, dann bedeutet das prozessuale Moment an diesem Wort etwas, wofür uns im Grunde jede Analogie im Stich lässt. Sofern der göttliche Geist, indem er sich selbst erkennt, zugleich alles Seiende erkennt, ist das
Wort Gottes das Wort des alles in einem Anschauen (intuitus) schauenden und schaffenden Geistes. Der Hervorgang verschwindet in der Aktualität der göttlichen Allweisheit. Auch die Schöpfung sei kein wirklicher Prozess, sondern lege nur das Ordnungsgefüge des Weltganzen im zeitlichen Schema aus.(2)


1. Thomas I. qu 34
2. Es ist unverkennbar, dass die patristische und scholastische Genesisauslegung in gewissem Umfang die Diskussion um die rechte Auffassung des“Timaios“ wiederholt, die zwischen Platos Schülern geführt worden ist. (Vgl. meine Studie über „ldee und Wirklichkeit in Platos „Timaios““. (Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philos.-histor. Klasse, 2. Abh. Heidelberg 1974; jetzt in Bd. 6 der Ges. Werke, S. 242-270.)

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Universalien Quine I 72
Disposition: Reiz ist hier nicht Einzelereignis, sondern Universale! Nicht zwei gleiche Reize, sondern Wiederholung desselben. Universale: dasselbe, nicht zweimal das Gleiche! - > Disposition und Konjunktiv machen Universalien unabdingbar.
Unverwirklichte Entitäten: Universalien - nicht Einzeldinge! (sonst unendliche Klassen von Duplikaten).
I 102
Goodman:"Kaninchenheit: diskontinuierliches Raum-Zeitsegment, das aus Kaninchen besteht.
I 286
Intensionale Abstraktion: "Hund sein", "Das Kuchenbacken", "Das Irren".
I 332
Satz = Universale! - Wert der Variablen: Proposition (Gegenstand) - bleibt auch nach sing Term bestehen - Proposition widersteht Wechsel des Wahrheitswerts. - Die Proposition bleibt in "x0p" namenlos
I 414
Gegenstand: das, was singuläre Termini bezeichnen, benennen, als Werte annehmen. - (Aber singuläre Termini haben wir eliminiert.) - Bsp "Schimmer", nicht aber: "Schimmrigkeit".
I 423
Unverwirklichte Möglichkeiten: die verschiedenen möglichen Hotels an der Ecke: durch die Position erhalten wir keine Identität. - Höchstens als Universalien.
II 220
Universalien/Quine: müssen in unsere Ontologie aufgenommen werden: Bsp einige zoologische Arten sind wechselseitig fruchtbar - Bsp Freges Ahnen - Bsp Kaplan: "Einige Kritiker bewundern niemand außer einander."
- Zahlen, Funktionen (auch in der Physik).

VII (a) 10ff
Universalien/Namen/Quine: die Tradition kann nicht argumentieren, Prädikate wie "rot" müssten Namen von Universalien sein: Name zu sein ist viel spezieller als eine Bedeutung zu haben. - "pegasiert" ist auch kein Attribut (Universale) sondern ein Prädikat (Begriff)! ((s) Zusammenhang: Russells Lösung für das Problem des Redens von Nichtexistentem: statt zu schreiben "Es gibt ein x Pegasus, das nicht existiert": "Nichts pegasiert".)
VII (d) 73
Universalien/Quine: Bsp "Rot": ist das größte rote Ding im Universum - auch wenn es verteilt ist. - Bsp Einkommensgruppen: jede ist ein raumzeitlich verteiltes Ding, das aus verschiedenen Stadien verschiedener Personen besteht. - Problem: Unterscheidung zwischen raumzeitlicher und begrifflicher Verteilung: Bsp graphische Figur kann als aus mehr oder weniger vielen Dreiecken oder Quadraten bestehend interpretiert werden - deswegen sind Universalien keine Konkreta!
VII (d) 75
Universalien/Quine: müssen als abstrakte Entitäten angenommen werden, weil Namen immer ersetzbar sein müssen. (Frege, Substitutionsprinzip).
VII (f) 117
Universalien/Quine: man kann eine Theorie die nur mit Gegenständen umgeht, so umformulieren, dass sie sich auf Universalien bezieht - Bsp Länge von Körpern statt Körper - Bsp konkret: Inskription.- abstrakt: notationale Form.

Quine I
W.V.O. Quine
Wort und Gegenstand Stuttgart 1980

Quine II
W.V.O. Quine
Theorien und Dinge Frankfurt 1985

Quine III
W.V.O. Quine
Grundzüge der Logik Frankfurt 1978

Quine V
W.V.O. Quine
Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989

Quine VI
W.V.O. Quine
Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995

Quine VII
W.V.O. Quine
From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953

Quine VII (a)
W. V. A. Quine
On what there is
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (b)
W. V. A. Quine
Two dogmas of empiricism
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (c)
W. V. A. Quine
The problem of meaning in linguistics
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (d)
W. V. A. Quine
Identity, ostension and hypostasis
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (e)
W. V. A. Quine
New foundations for mathematical logic
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (f)
W. V. A. Quine
Logic and the reification of universals
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (g)
W. V. A. Quine
Notes on the theory of reference
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (h)
W. V. A. Quine
Reference and modality
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (i)
W. V. A. Quine
Meaning and existential inference
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VIII
W.V.O. Quine
Bezeichnung und Referenz
In
Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982

Quine IX
W.V.O. Quine
Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967

Quine X
W.V.O. Quine
Philosophie der Logik Bamberg 2005

Quine XII
W.V.O. Quine
Ontologische Relativität Frankfurt 2003

Quine XIII
Willard Van Orman Quine
Quiddities Cambridge/London 1987
Utilitarismus Sidgwick Gaus I 413
Utilitarismus/Sidgwick/Weinstein: Sidgwicks 'klassischer' Utilitarismus war (...) eine Form des liberalen Utilitarismus insofern, als Sidgwick wie Mill der Ansicht war, dass Nützlichkeit am besten indirekt über zwischengeschaltete moralische Prinzipien gefördert wird. Daher ist Rawls' Angriff auf den 'klassischen' Utilitarismus Kriegsführung gegen einen Strohmann. Für Sidgwick stellten die "mittleren Axiome" der Moral nach gesundem Menschenverstand im Allgemeinen geeignete glückmaximierende Leitfäden dar und bedurften daher einer bescheidenen kritischen Verfeinerung. Dennoch vertrat Sidgwick wie Mill folgende Ansicht: "da diese tatsächliche moralische Ordnung zugegebenermaßen unvollkommen ist, wird es die Pflicht des Utilitaristen sein, zu ihrer Verbesserung beizutragen" (1981(1): 476). >Sidgwick/Politische Philosophie. Sowohl für Sidgwick als auch für Rawls zähmt der gesunde Menschenverstand radikale Reformen. Der utilitaristische Reformer wird natürlich mit Ehrfurcht und Erstaunen als ein wunderbares Produkt der Natur das Ergebnis langen jahrhundertelangen Wachstums betrachten (und etablierter Moral). Er wird es mit respektvoller Zartheit als einen Mechanismus behandeln, der aus dem flüssigen Element der Meinungen und Dispositionen konstruiert ist und mit dessen unentbehrlicher Hilfe das eigentliche Quantum menschlichen Glücks ständig produziert wird. (1981(1): 475).
Sidgwicks indirekter Utilitarismus ähnelte trotz gegenteiliger Proteste Sidgwicks auch dem liberalen Utilitarismus Spencers (vgl. Weinstein, 2000)(2).
Spencer: Spencer stimmte mit Sidgwick darin überein, dass die etablierte Moral das "wunderbare Produkt der Natur ist, das Ergebnis von langen Jahrhunderten des Wachstums", wobei moderne liberale Gesellschaften auf die gleiche Reihe von nützlichen moralischen Regeln zurückgreifen können. Und er stimmte mit Mill, wenn auch nicht mit Sidgwick, darin überein, dass wir unsere grundlegendsten moralischen Regeln in strenge Rechte umformuliert haben. >Utilitarismus/Spencer.


1. Sidgwick, Henry (1981 [1907]) The Methods of Ethics. Indianapolis: Hackett.
2. Weinstein, D. (2000) 'Deductive hedonism and the anxiety of influence'. Utilitas, 12: 329—46.


Weinstein, David 2004. „English Political Theory in the Nineteenth and Twentieth Century“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Sidgwick I
Henry Sidgwick
Methods of Ethics 2017

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Utilitarismus Spencer Gaus I 413
Utilitarismus/Spencer/Weinstein: Spencer stimmte mit Sidgwick darin überein, dass die etablierte Moral das "wunderbare Produkt der Natur, das Ergebnis eines jahrhundertelangen Wachstums" sei, wobei die modernen liberalen Gesellschaften auf die gleiche Reihe von Nützlichkeitsregeln konvergierten, die moralische Regeln fördern. Und er stimmte mit Mill, wenn auch nicht mit Sidgwick, darin überein, dass wir unsere grundlegendsten moralischen Regeln in strenge Rechte umformuliert haben. Spencer war daher insofern ein ebenso liberaler Nützlichkeitsbefürworter wie Mill, als er eine rechtebeschränkte, maximierende Theorie des Rechts mit einer hedonischen Konzeption des Guten verband. Für Spencer waren Rechte unausweichliche logische "Begleiterscheinungen" seines Prinzips der gleichen Freiheit, das dies festlegte: "Jeder Mensch ist frei, das zu tun, was er will, vorausgesetzt, er verletzt nicht die gleiche Freiheit irgendeines anderen Menschen" (1978(1): I, 62).
Gaus I 414
SpencerVsMill: Allgemeines Glück wurde am besten dort gefördert, wo grundlegende liberale Rechte auf Leben, persönliche Integrität und Eigentum bedingungslos durchgesetzt wurden, was Spencers liberalen Utilitarismus kompromissloser machte als den von Mill. VsBentham: Während Spencer und Mill die weitreichenden Ähnlichkeiten zwischen ihnen anerkannten, distanzierte sich Spencer deutlich von Bentham und verunglimpfte dessen Utilitarismus als lediglich
"empirisch", d.h. ungezwungen und daher moralisch minderwertig. Als "empirisch" rechtfertigte der Benthamismus angeblich die Opferung von Individuen im Namen der Maximierung des Nutzens, und sei es auch nur am Rande.
Rationaler Utilitarismus: Im Gegensatz dazu bezeichnete er seinen eigenen Utilitarismus als "rational", gerade weil er vorgab, die Grundrechte aus dem Prinzip der gleichen Freiheit abzuleiten, und weil diese vermeintlich logischen Ableitungen unausweichlich waren. Doch Spencer übertreibt seine Differenzen mit Bentham, wenn Rosen und Paul Kelly Bentham richtig interpretiert haben.


1. Spencer, Herbert (1978 [1879-93]) The Principles of Ethics, 2 Bd. Indianapolis: Liberty.

Weinstein, David 2004. „English Political Theory in the Nineteenth and Twentieth Century“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Spencer I
Herbert Spencer
The Man versus the State Indianapolis 2009

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Verstehen Dilthey Gadamer I 235
Verstehen/Endlichkeit/Unendliches/Geschichte/Dilthey/Gadamer: Muss nicht die geschichtliche Bedingtheit des Bewusstseins eine unüberwindliche Schranke dafür darstellen, dass es sich in geschichtlichem Wissen vollendet?
Gadamer I 236
Die Grundlegung der Historik in einer Psychologie des Verstehens, wie sie Dilthey vorschwebte, versetzt den Historiker in eben jene ideelle Gleichzeitigkeit mit seinem Gegenstand, die wir ästhetisch nennen und an Ranke bewundern. Freilich bleibt die entscheidende Frage, wie der endlichen Menschennatur solches unendliche Verstehen möglich sein soll. Kann das wirklich Diltheys Meinung gewesen sein? DiltheyVsHegel: Hat nicht gerade Dilthey gegenüber Hegel darauf bestanden, dass man das Bewusstsein der eigenen Endlichkeit festhalten müsse? Allein hier muss man genauer zusehen. Seine Kritik am Vernunftidealismus Hegels meinte lediglich den Apriorismus seiner Begriffsspekulation - die innere Unendlichkeit des Geistes hatte für ihn keine grundsätzliche
Bedenklichkeit, sondern erfüllte sich positiv in dem Ideal einer historisch aufgeklärten Vernunft, die zum Genie des Allesverstehens herangereift wäre.

Unendliches/Dilthey: Für Dilthey bedeutete das Bewusstsein der Endlichkeit keine Verendlichung des Bewusstseins und keine Beschränkung. Es bezeugt vielmehr die Fähigkeit des Lebens, sich in Energie und Tätigkeit über alle Schranken zu erheben. Insofern stellt sich in ihm gerade die potentielle Unendlichkeit des Geistes dar. Freilich nicht Spekulation, sondern historische Vernunft ist die Weise, in der sich diese Unendlichkeit aktualisiert. Das historische Verstehen breitet sich über alle geschichtlichen Gegebenheiten aus und ist wahrhaft universal, weil es in der Totalität und Unendlichkeit des Geistes seinen festen Grund hat. Dilthey schließt sich dafür an die alte Lehre an, die die Möglichkeit des Verstehens aus der Gleichartigkeit der Menschennatur herleitet.
Die Schranken, die der Universalität des Verstehens durch die geschichtliche Endlichkeit unseres Wesens gesetzt sind, sind ihm also nur subjektiver Natur. Gewiss, er kann in ihnen trotzdem etwas Positives erkennen, das für die Erkenntnis fruchtbar werde; so versichert er, dass erst die Sympathie wirkliches Verstehen möglich mache.(1) >Sympathie/Dilthey.


1. Dilthey, Ges. Schriften V, 277



Wright I 153
Verstehen/Dilthey/Wright, G. H.: Diltheys Begriff des Verstehens (W. Dilthey Einleitung in die Geisteswissenschaften, 1883; W. Dilthey Ideen über eine beschreibende und zergliedernde Psychologie, 1894) war ursprünglich stark “psychologistisch“ und „subjektivistisch“. Später betonte er – offensichtlich unter dem Einfluss Hegels – den „objektiven Charakter der Leistungen der Verstehensmethode. (Insbesondere W. Dilthey Die Entstehung der Hermeneutik, 1900, Appendix S. 332-338.)

Dilth I
W. Dilthey
Gesammelte Schriften, Bd.1, Einleitung in die Geisteswissenschaften Göttingen 1990

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977

WrightCr I
Crispin Wright
Wahrheit und Objektivität Frankfurt 2001

WrightCr II
Crispin Wright
"Language-Mastery and Sorites Paradox"
In
Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976

WrightGH I
Georg Henrik von Wright
Erklären und Verstehen Hamburg 2008
Verstehen Gadamer I 270
Verstehen/Hermeneutik/Heidegger/Gadamer: Heidegger ging auf die Problematik der historischen Hermeneutik und Kritik nur ein, um von da aus in ontologischer Absicht die Vorstruktur des Verstehens zu entfalten(1).
Gadamer: Wir gehen umgekehrt der Frage nach, wie die Hermeneutik, von den ontologischen Hemmungen des Objektivitätsbegriffs der Wissenschaft einmal befreit, der Geschichtlichkeit des Verstehens gerecht zu werden vermöchte.
Verstehen/Heidegger: [Man wird] nach den Konsequenzen fragen dürfen, die Heideggers grundsätzliche Ableitung der Zirkelstruktur des Verstehens aus der Zeitlichkeit des >Daseins für die geisteswissenschaftliche Hermeneutik hat. Diese Konsequenzen (...) könnten (...) darin bestehen, dass das Selbstverständnis des stets geübten Verstehens berichtigt und von unangemessenen
Anpassungen gereinigt würde - ein Vorgang, der höchstens mittelbar der Kunst des Verstehens zugute käme. >Hermeneutischer Zirkel/Heidegger.
I 273
Wie soll vorgängig ein Text vor Missverständnis geschützt werden? Sieht man näher zu, so erkennt man (...), dass auch Meinungen nicht beliebig verstanden werden können, Sowenig wir einen Sprachgebrauch dauernd verkennen können, ohne dass der Sinn des Ganzen gestört wird, so wenig können wir an unserer eigenen Vormeinung über die Sache blindlings festhalten, wenn wir die Meinung eines anderen verstehen. Es ist ja nicht so, dass man, wenn man jemanden anhört, oder an eine Lektüre geht, alle Vormeinungen über den Inhalt und alle eigenen Meinungen vergessen müsste. Lediglich Offenheit für die Meinung des anderen oder des Textes wird
gefordert. Solche Offenheit aber schließt immer schon ein, dass man die andere Meinung zu dem Ganzen der eigenen Meinungen in ein Verhältnis setzt oder sich zu ihr. Daher muss ein hermeneutisch geschultes Bewusstsein für die Andersheit des Textes von vornherein empfänglich seine Solche Empfänglichkeit setzt aber
I 274
weder sachliche noch gar Selbstauslöschung voraus, sondern schließt die abhebende Aneignung der eigenen Vormeinungen und Vorurteile ein. Es gilt, der eigenen Voreingenommenheit inne zu sein, damit sich der Test selbst in seiner Andersheit darstellt und damit in die Möglichkeit kommt, seine sachliche Wahrheit gegen die eigenen Vormeinung auszuspielen.
I 295
Verstehen/Gadamer: Das Verstehen selber ist nicht so sehr als eine Handlung der Subjektivität zu denken, sondern als Einrücken in ein Überlieferungsgeschehen, in dem sich Vergangenheit und Gegenwart beständig vermitteln.
I 304
Verstehen/Gadamer: Das erste, womit das Verstehen beginnt, ist, (...) dass etwas uns anspricht. Das ist die oberste aller hermeneutischen Bedingungen. Wir wissen jetzt, was damit gefordert ist: eine grundsätzliche Suspension der eigenen Vorurteile. Alle Suspension von Urteilen aber, mithin und erst recht die von Vorurteilen, hat, logisch gesehen, die Struktur der Frage.
I 311
Horizontverschmelzung: Es gibt so wenig einen Gegenwartshorizont für sich, wie es historische Horizonte gibt, die man zu gewinnen hätte. Vielmehr ist Verstehen immer der Vorgang der Verschmelzung solcher vermeintlich für sich seiender Horizonte. >Horizont/Gadamer.
I 316
Es ist ganz abwegig, die Möglichkeit des Verstehens von Texten auf die Voraussetzung der „Kongenialität“ zu gründen, die Schöpfer und Interpret eines Werkes vereinigen soll. Wäre das wirklich so, dann stünde es schlecht um die Geisteswissenschaften. Das Wunder des Verstehens besteht vielmehr darin, dass es keiner Kongenialität bedarf, um das wahrhaft Bedeutsame und das
ursprünglich Sinnhafte in der Überlieferung zu erkennen. Wir vermögen uns vielmehr dem überlegenen Anspruch des Textes zu öffnen und der Bedeutung verstehend zu entsprechen, in der er zu uns spricht. >Juristische Hermeneutik, >Theologische Hermeneutik.
I 346
Verstehen/Anwendung/Applikation/Gadamer: Applikation ist keine nachträgliche Anwendung von etwas gegebenem Allgemeinen, das zunächst in sich verstanden würde, auf einen konkreten Fall, sondern ist erst das wirkliche Verständnis des Allgemeinen selbst, das der gegebene Text für uns ist. Das Verstehen erweist sich als eine Weise von Wirkung und weiß sich als eine solche Wirkung. >Wirkungsgeschichte/Gadamer.
I 399
Verstehen/Gadamer: Nicht nur ist der bevorzugte Gegenstand des Verstehens, die Überlieferung, sprachlicher Natur - das Verstehen selbst hat eine grundsätzliche Beziehung auf Sprachlichkeit. Wir waren von dem Satz ausgegangen, dass Verstehen schon Auslegen ist, weil es den hermeneutischen >Horizont bildet, in dem sich die Meinung eines Textes zur Geltung bringt. Um aber die Meinung eines Textes in seinem sachlichen Gehalt zum Ausdruck bringen zu können, müssen wir sie in unsere Sprache übersetzen, d. h. aber, wir setzen sie in Beziehung zu dem Ganzen möglicher Meinungen, in dem wir uns sprechend und aussprachebereit bewegen.


1. Heideger, Sein und Zeit, 312ff

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Vierdimensionalismus Quine X 54
Vierdimensionalismus/Quine: Bsp ein schrumpfender Körper läuft spitz in die Zukunft zu, ein wachsender spitz in die Vergangenheit. Physikalischer Gegenstand/Quine: gesamter vierdimensionaler materieller Inhalt, wie zerstückelt und verschiedenartig er auch sein mag.
Körper: erkennen wir an, wenn er verhältnismäßig fest zusammenhängt, während er mit seiner raumzeitlichen Umgebung schwächer und unregelmäßiger zusammenhängt.
Vierdimensionalismus/Quine: macht Zeitenbildung des Verbs überflüssig. Wir können immer im Präsens berichten. Ohne das wäre es umständlich, über Gegenstände zu quantifizieren, die niemals gleichzeitig vorhanden waren, oder sie in Mengen zusammenfassen, oder ein Prädikat auf einen Gegenstand anzuwenden, der nicht mehr vorhanden ist.
((s) Zeitscheibe/(s): nicht flach wie eine Scheibe Wurst, sondern ein vollständiger Körper in einem Moment.)

XIII 75
Vierdimensionalismus/Möglichkeiten/Mögliche Gegenstände/Possibilia/Quine: Der Vierdimensionalismus schafft einen Platz an der Sonne für alle zukünftigen Aktualitäten, wie unvorhersehbar auch immer, aber keinen Trost oder Hilfe für bloße Möglichkeiten.
XIII 197
Vierdimensionalismus/Wechsel/Veränderung/Quine: es ist falsch, wie einige behauptet haben, dass es im Vierdimensionalismus (Ausdruck nicht von Quine) keinen Wechsel gäbe und statt dessen nur eine ewig statische Realität. Veränderung: gibt es noch, sie ist bloß verkörperlicht. (incorporated). Es heißt nun einfach, daß die früheren Stadien eines Körpers sich von den späteren unterscheiden, so wie seine oberen von den unteren. Die späteren Stadien sind dabei genauso wenig aus den früheren zu erschließen, wie die unteren aus den oberen! ((s) >Tatsachen sind nicht notwendig).
Zeit/Zeitengebrauch/tense/Logik/Quine: Zeit ist in der reinen Mathematik und der Logik nicht vorhanden. Wenn sie hereingebracht wird, dann durch Prädikate wie „später als“.
Vierdimensionalismus: entspricht dieser Erweiterung der logischen Notation durch Prädikate wie „später als“.
Zeit/Logik/Zeitlogik: alternativ könnte man Zeit in die Logik hereinnehmen, aber das wäre sehr umständlich und böte sich nur an, wenn man die Alltagssprache untersuchen wollte.
Zeit/Zeitengebrauch/tense/Logik/Quine: Zeit ist in der reinen Mathematik und der Logik nicht vorhanden. Wenn sie hereingebracht wird, dann durch Prädikate wie „später als“.
Vierdimensionalismus: entspricht dieser Erweiterung der logischen Notation durch Prädikate wie „später als“.
Zeit/Logik/Zeitlogik: alternativ könnte man Zeit in die Logik hereinnehmen, aber das wäre sehr umständlich und böte sich nur an, wenn man die Alltagssprache untersuchen wollte.

Zeit/Verräumlichung/Raumzeit/Vierdimensionalismus/Quine: sollte man sich nicht wundern über Relationen zwischen Dingen, die es nicht mehr gibt? Bsp Mark Anton und Cleopatra sind beide tot, die Relation zwischen ihnen bestand früher, auch wenn sie heute nicht mehr besteht.
Frage: wie ist es mit der Ururgroßvater-Relation? ((s) hier existiert stets nur ein Teil).
Bsp die Klasse der großen Generäle in der Geschichte: die Elemente existieren kaum gleichzeitig.
XIII 198
einfachste Lösung: sie alle als Bewohner der Raumzeit aufzufassen. Als zeitlos koexistent. Zeit/Übersetzung/Quine: übersetzen wir, indem wir in die 4. Dimension ausweichen.
Zeit/Dimension/Quine: Zeit als 4. Dimension wird als auf gleicher Stufe wie die räumlichen behandelt, sie ist aber in einem wichtigen Sinn unabhängig von ihnen:
Raum/Quine: hier unterscheiden wir auch Richtungen zwischen den Achsen, anders als in der Zeit.
Pointe: wir können die Zeit mit dem Raum amalgamieren, indem wir sagen Bsp so und so viele Meilen entsprechen einer Stunde; das haben wir bisher nicht gebraucht, brauchen es aber in der Relativitätstheorie.

Relativitätstheorie/Raumzeit/Relativität/Drittes/Quine: Bsp zwei Pfähle in 5 Meter Abstand: können von verschiedenen Beobachtern verschieden beschrieben werden. >Orientierung.
Relativitätstheorie: hier haben wir raumzeitliche Diagonalen. Sie lässt kein Maß zu,
XIII 199
nicht einmal über alle vier Dimensionen gleichzeitig, das analog ist zum Abstand und unabhängig von der Geschwindigkeit des Beobachters. Intervall/Lösung/Quine: statt des Abstands kann es ein Intervall geben, das aber anders beschaffen ist: es kann 0 sein, selbst wenn die Ereignisse räumlich weit auseinander liegen.
Vierdimensionalismus/Quine: halten wir völlig unabhängig von der Relativität aufrecht.
XIII 221
Flächenmaße zum Quadrat/Quine: Flächenmaße müssten vier räumliche Dimensionen haben! Anders als Liter pro Stunde: ((s) denn jetzt müssen wir m² x 2 rechnen!). Vierdimensionalität/Vierdimensionalismus/Quine: Bsp wenn wir die Zeit als vierte Dimension nehmen, ist das Quadrat einer Fläche dann
XIII 222
die raumzeitliche Größe eines Würfels über eine Zeit, das zeitliche Äquivalent der Kantenlänge, was immer das ist. Quadrate von Flächen/Relativitätstheorie/Relativität/Einstein/Quine. Bsp E = mc²:
c: ist Abstand durch Zeit
c²: das Quadrat des Abstands geteilt durch das Quadrat der Zeit, oder Fläche durch Quadratstunde.
E = mc² setzt also Energie mit Flächentonnen pro Quadratstunde gleich.

V 182
Gegenstand/Ontologie/Quine: großer Fortschritt: Vierdimensionalismus, vierdimensionale raumzeitliche Gegenstände. Wir sind so körperorientiert, dass wir auch den Abendstern und den Morgenstern nicht als Phasen der Venus nehmen, sie sind einfach Venus und auf sie kann je nach Tageszeit mit dem einen oder anderen Term referiert werden. Ähnlich:
Bsp Carnap: Rumber und Titisee: derselbe See, je nach Wetter. Bsp Dr. Jekyll und Mr. Hyde.
Pointe: man würde sie nicht als komplementäre zeitliche Teile eines ganzen namenlosen Menschen ansehen, sondern als einen identischen Menschen mit zwei Namen.
Vierdimensionalismus/Quine: Bsp man kann eine Schlacht mit dem physikalischen Gegenstand identifizieren, der aus der Vereinigung der entsprechenden Zeitausschnitte aller Teilnehmer besteht.
Oder man kann Stofftermini (Massentermini) zu sing Term machen, die je einen diffusen physikalischen Gegenstand benennen. ((s) Bsp Putnam: Wasser: alles H2O im Universum).
V 184
Vierdimensionalismus/Ontologie/Quine: ((s) hier zunächst noch in der klassischen Trennung Materie/Raum) an die Stelle der Punkte treten dann die Punkt Augenblicke. Bsp Rein räumliche Quadrate d.h. Quadrate senkrecht zur Zeitachse, sind dann nur augenblicklich und nicht über die Zeit hinweg identifiziert. Wohl gibt es immer noch das obige zeitüberdauernde Quadrat, jetzt aber als dreidimensionales quadratisches Parallelepiped unendlicher Länge, parallel zur Zeitachse der Raum Zeit oder jemandes Zeitachse orientiert.
Vs: 1. Uneleganz der doppelten Ontologie von Materie und Raum.
2. (schwerwiegender): Hinfälligkeit einer Theorie der absoluten Position. Ohne sie scheint eine Ontologie rein räumlicher oder raumzeitlicher Mannigfaltigkeiten unstimmig.
V 185
Lösung/Quine: wir versuchen, die Mannigfaltigkeiten irgendwie in Anlehnung an physikalische Gegenstände zu konstruieren. Vielleicht mit Hilfe von Zahlen und Messungen, ein Punkt: ist dann ein Zahlentripel reeller Zahlen, ein Raumzeitpunkt ein Quadrupel.
Quadrate usw. werden als Klassen solcher Tripel oder Quadrupel gemäß der analytischen Geometrie identifiziert.
Bis dahin ist noch nicht von physikalischen Gegenständen oder physikalischem Raum die Rede. Nächster Schritt:
Messung/Messen: Verbindung mit Gegenständen durch Anwendung reiner Zahlen mittels Messung.
Bsp wenn man sagt, vier Dörfer lägen so, dass sie die Punkte eines Quadrats bilden, sagt man nur etwas über die Beziehungen zwischen den Entfernungen: nämlich dass vier der sechs gleich und die beiden übrigen ebenfalls gleich sind.
Mannigfaltigkeit: damit sind wir die Ontologie der Mannigfaltigkeiten losgeworden, aber wir haben es nun mit wesentlich mehr als physikalischen Gegenständen zu tun: mit Zahlen, Zahlenpaaren, Tripeln, Quadrupeln, und Klassen von solchen. Damit haben wir abstrakte Gegenstände. Also haben wir immer noch eine doppelte Ontologie.
abstrakt/Quine: aber die Ontologie abstrakter Gegenstände hätten wie sowieso für viele Zwecke gebraucht:
V 186
z.B. um von Quadraten usw. zu reden. Mannigfaltigkeit/Quine: diese waren bloß einzelne Quadrate, Kreise usw.
Form: Formen wären Klassen von solchen also Gegenstände von höherer Abstraktheit.

Quine I
W.V.O. Quine
Wort und Gegenstand Stuttgart 1980

Quine II
W.V.O. Quine
Theorien und Dinge Frankfurt 1985

Quine III
W.V.O. Quine
Grundzüge der Logik Frankfurt 1978

Quine V
W.V.O. Quine
Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989

Quine VI
W.V.O. Quine
Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995

Quine VII
W.V.O. Quine
From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953

Quine VII (a)
W. V. A. Quine
On what there is
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (b)
W. V. A. Quine
Two dogmas of empiricism
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (c)
W. V. A. Quine
The problem of meaning in linguistics
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (d)
W. V. A. Quine
Identity, ostension and hypostasis
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (e)
W. V. A. Quine
New foundations for mathematical logic
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (f)
W. V. A. Quine
Logic and the reification of universals
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (g)
W. V. A. Quine
Notes on the theory of reference
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (h)
W. V. A. Quine
Reference and modality
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (i)
W. V. A. Quine
Meaning and existential inference
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VIII
W.V.O. Quine
Bezeichnung und Referenz
In
Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982

Quine IX
W.V.O. Quine
Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967

Quine X
W.V.O. Quine
Philosophie der Logik Bamberg 2005

Quine XII
W.V.O. Quine
Ontologische Relativität Frankfurt 2003

Quine XIII
Willard Van Orman Quine
Quiddities Cambridge/London 1987
Vorhersage Sunstein I 39
Vorhersage/Experten/Laien/Individuen/Gruppen/Sunstein: statistisch ausgewählte Gruppen von Experten hatten 12,5 % weniger Fehleinschätzungen abgegeben als einzelne Experten in Bezug auf so unterschiedliche Themen wie Geflügelpreise, Bruttosozialprodukt, Überlebenschancen von Patienten, Wohnungsbauentwicklung. (1) Für Unternehmen ergibt sich daraus, dass sie besser auf den Rat vieler Experten hören als externe Berater zu engagieren. (2)
Wahlprognosen/Politische Prognosen/Sunstein: hier ist es Standardpraxis geworden, eine Menge von Wahlergebnissen zu untersuchen und den Median zu nehmen. In den USA wurde 2004 das System Polly dazu eingesetzt. (3)
I 40
Problem/Sunstein: werden mehrere Befragungen zusammen genommen und untersucht, so haben diese meist nicht dieselben Fragen gestellt. Man versucht dann, ein diesen verschiedenen Fragen zugrunde liegendes Einstellungsmuster herauszufinden. (4)
I 132
Vorhersagemärkte/Prognosemärkte/prediction markets/Sunstein: Beispiele, in denen Informationsmärkte effizient sind: Bsp Tendenzen von Luftverschmutzung erkennen, Bsp Defizite in öffentlichen Haushalten zu beobachten. (5) Bsp Ausbrüche von Krankheiten zu verfolgen und ihre Ausbreitung vorherzusagen, Bsp die Zahlungsfähigkeit von Institutionen zu beobachten. (6)
I 137
Manipulation: Anhänger des Kandidaten Pat Buchanan kauften 2000 große Mengen von Anteilen am IEM (Iowa Electronic Market, einem Vorhersagemarkt für Wahlen) um die Prognosen zu manipulieren. Besser Informierte Anleger nutzten dies jedoch anschließend zu ihrem Vorteil aus.
I 138
Tendenzen: man sieht oft, das Unterstützer eines Kandidaten an den Sieg eben dieses Kandidaten glauben. So glaubten 1980 87 % von Jimmy Carters Unterstützern an dessen Sieg und gleichzeitig 80 % von Ronald Reagans Unterstützern an einen Sieg ihres Kandidaten. (7) Das ist nicht verwunderlich, schränkt jedoch die Vorhersagekraft ein. Menschen verarbeiten neue Informationen auf eine Weise, dass sie in ihre bisherige Weltsicht integrierbar sind. Aus diesem Grund verlieren auch viele Anleger Geld am Aktienmarkt.
I 139
Marginal Trader Hypothesis: diese These nutzt das aus und orientiert sich am Verhalten einer kleiner Gruppe von Händlern, die als eine identifiziert wurde, die weniger anfällig für Tendenzen ist.
I 144
Es gab eine berühmte Wette zwischen Julian Simon und Paul Ehrlich über die Knappheit natürlicher Ressourcen. (8) Simon hatte prognostiziert, dass sie unerschöpflich seien. 1980 wetten Ehrlich und Simon auf Preise für Rohstoffe, die Ehrlich aussuchte. Simon gewann, weil die Preise bis 1990 sanken. Sunstein: wenn es damals schon Informationsmärkte gegeben hätte, hätten sie stark zu Simon tendiert.


1. See Armstrong, “Combining Forecasts,” 419–20. For many factual questions, of course, a little research would be sufficient to identify the correct answers. But for some factual issues, even significant research is inconclusive, and it is best to consult experts. pp. 428, 430-31
2. ibid. p. 428.
3. See Alfred Cuzán et al., “Combining Methods to Forecast the 2004 Presidential Presidential Election: The Pollyvote” (unpublished manuscript, Jan. 6, 2005), 12, available at http://www.politi calforecasting.com.
4. I am grateful to Robert MacCoun for this point.
5. See Abramowicz, “Prediction Markets, Administrative Decisionmaking, and Predictive Cost-Benefit Analysis,” pp. 990–92.
6. ibid. pp. 987-90
7. Donald Granberg and Edward Brent, “When Prophesy Bends: The Preference-Expectation Link in U.S. Presidential Elections, 1952–1980,” Journal of Personality and Social Psychology 45 (1983): 479. 65. See Wolfers and Zitzewitz, “Prediction.
8. For an overview, see “FAQ: People, Julian Simon’s Bet with Paul Ehrlich,” Overpopulation.com, at http://www.overpopulation.com/faq/People/julian_simon.html (last visited Jan. 28, 2005).


Sunstein I
Cass R. Sunstein
Infotopia: How Many Minds Produce Knowledge Oxford 2008

Sunstein II
Cass R. Sunstein
#Republic: Divided Democracy in the Age of Social Media Princeton 2017
Wiedererkennen Gadamer I 119
Wiedererkennen/Nachahmung/Darstellung/Kunst/Gadamer: Der Erkenntnissinn von Mimesis ist Wiedererkennung.
Aristoteles: Die künstlerische Darstellung [lässt] sogar das Unerfreuliche erfreulich erscheinen(1), Kant: definiert die Kunst deshalb als die schöne Vorstellung eines Dinges, weil sie auch das Hässliche als schön erscheinen zu lassen wisse(2).
Gadamer: Damit ist offenbar nicht etwa die Künstlichkeit und Kunstfertigkeit als solche gemeint. Man bewundert nicht wie beim Artisten die Kunst, mit der etwas gemacht ist. Dem gilt erst ein sekundäres Interesse, wie Aristoteles ausdrücklich sagt(3). Was man eigentlich an einem Kunstwerk erfährt und worauf man gerichtet ist, ist vielmehr, wie wahr es ist, d. h. wie sehr man etwas und sich selbst darin erkennt und wiedererkennt.
Gadamer: Die Freude des Wiedererkennens ist (...) die, dass mehr erkannt wird als nur das Bekannte. In der Wiedererkenntnis tritt das, was wir kennen, gleichsam wie durch eine Erleuchtung aus aller Zufälligkeit und Variabilität der Umstände, die es bedingen, heraus und wird in seinem Wesen erfasst. Es wird als etwas erkannt. Wir stehen hier vor dem zentralen Motiv des Platonismus.
Plato: hat in seiner Lehre von der „Anamnesis“ die mythische Vorstellung von der Wiedererinnerung mit dem Weg seiner Dialektik zusammengedacht, die in den Logoi, d. h. in der Idealität der Sprache die Wahrheit des Seins sucht(4).
Gadamer: In der Tat ist ein solcher Idealismus des Wesens im Phänomen der Wiedererkenntnis angelegt. Das kommt erst in sein wahres Sein und zeigt sich als das, was es ist, durch seine Wiedererkennung. Als Wiedererkanntes ist es das in seinem Wesen Festgehaltene, aus der Zufälligkeit seiner Aspekte
I 120
Gelöste.

1. Aristoteles, Poet. 4, 1448 b 10.
2. Kant, Kr. d. U., S 48.
3. Aristoteles, a.a.O. b 10f.
4. Platon, Phaidon. 73ff

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Willensfreiheit Lewis V 291
Willensfreiheit/Naturgesetze/NG brechen/Lewis: dass wir anscheinend Naturgesetze brechen können hängt von der Annahme eines "weichen" Determinismus ab. - Die These, dass man manchmal freiwillig das tut, wozu man vorbestimmt ist und dass man in solchen Fällen auch anders handeln könnte, obwohl die Vorgeschichte und die Naturgesetze festlegen, dass man nicht anders handeln wird. - Kompatibilismus: die These, dass der weiche Determinismus wahr sein könnte, aber These es gibt vielleicht eine physikalische Grundlage einer Vorbestimmung. - Bsp "Ich hätte die Hand heben können- dann hätte ich ein Naturgesetz verletzt" - Das wird hier nur um des Argumentes des weichen Determinismus willen angenommen.
V 292
Pointe: daraus folgt aber nicht, dass es etwas gibt, das beides ist: ein Naturgesetz und gebrochen. - Denn gebrochene Naturgesetze sind eine contradictio in adjecto.
V 293
Die Annahme dient hier der Unterscheidung zweier Thesen: schwache These: ein tatsächlich ungebrochenes Gesetz hätte gebrochen werden können. - Stark: ich kann Naturgesetze brechen. - Pointe: wenn kein Akt von mir ein Naturgesetze-brechendes Ereignis ist, dann könnte es nicht wahr sein, dass ich ein Naturgesetz gebrochen hätte. - ((s) "solange nicht...").
V 295
Willensfreiheit/Naturgesetze brechen/Lewis: Bsp angenommen, ich habe vor 10 Minuten die Hand gehoben, obwohl es vorbestimmt war, das ich sie nicht hebe. - Dann gab es einen Zeitpunkt davor, an dem die Gesetze gebrochen wurden. - Pointe: dann ist die Verursachung umgekehrt. - Das Gesetzebrechen verursachte das Handheben. - (s.o. "Wunder"). - Aber der Akt selbst ist nicht das Wunder - daher braucht man für den weichen Determinismus keine übernatürlichen Kräfte. - Problem: die Wirkung würde der Ursache vorausgehen. - Dennoch haben wir ein richtiges Muster von kontrafaktischer Abhängigkeit.
V 296
InwagenVsLewis/Vs weicher Determinismus.
V 297
Lewis: Unterscheidung Akt/Ereignis. - Der Akt ruft erst das Ereignis des Gesetzebrechens hervor. - Der Akt falsifiziert kein Gesetz sondern nur eine Konjunktion von Vorgeschichte und Gesetz.

Lewis I
David K. Lewis
Die Identität von Körper und Geist Frankfurt 1989

Lewis I (a)
David K. Lewis
An Argument for the Identity Theory, in: Journal of Philosophy 63 (1966)
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis I (b)
David K. Lewis
Psychophysical and Theoretical Identifications, in: Australasian Journal of Philosophy 50 (1972)
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis I (c)
David K. Lewis
Mad Pain and Martian Pain, Readings in Philosophy of Psychology, Vol. 1, Ned Block (ed.) Harvard University Press, 1980
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis II
David K. Lewis
"Languages and Language", in: K. Gunderson (Ed.), Minnesota Studies in the Philosophy of Science, Vol. VII, Language, Mind, and Knowledge, Minneapolis 1975, pp. 3-35
In
Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979

Lewis IV
David K. Lewis
Philosophical Papers Bd I New York Oxford 1983

Lewis V
David K. Lewis
Philosophical Papers Bd II New York Oxford 1986

Lewis VI
David K. Lewis
Konventionen Berlin 1975

LewisCl
Clarence Irving Lewis
Collected Papers of Clarence Irving Lewis Stanford 1970

LewisCl I
Clarence Irving Lewis
Mind and the World Order: Outline of a Theory of Knowledge (Dover Books on Western Philosophy) 1991
Wissenschaft Fraassen I 34
Wissenschaft/Fraassen: These: ihr geht es nicht um Erklärung als solche, sondern um neue Aussagen über beobachtbare Regularitäten.
I 39
Wissenschaft/R. Boyd: These: die Terme einer reifen Wissenschaft referieren typischerweise. - Wir brauchen den Realismus, damit der Erfolg der Wissenschaft nicht wie ein Wunder aussieht. FraassenVsBoyd: Wissenschaft muss nicht ihren eigenen Erfolg erklären.
I 86
Einheit/Wissenschaft/Duhem: DuhemVsEngländer/DuhemVsEnglische Wissenschaftler: diese seien "breit aber seicht", indem sie mit einem stückweisen Ansatz zufrieden seien. (Apparatebau) - (Duhem pro Einheitlichkeit).
I 196
Wissenschaftstheorie/Fraassen: hat nichts mit Logik oder Sprachphilosophie zu tun. - und umgekehrt: Fraassen These: Sprachprobleme haben nichts mit dem Inhalt der Wissenschaften und der Struktur der Welt zu tun!

Fr I
B. van Fraassen
The Scientific Image Oxford 1980
Wort Gottes Gadamer I 424
Wort Gottes/Gadamer: Wenn Augustinus und die Scholastik das Problem des verbum behandeln, um für das Geheimnis der Trinität die begrifflichen Mittel zu gewinnen, so ist es ausschließlich dies innere Wort, das Wort des Herzens und dessen Verhältnis zur intelligentia, das sie zum Thema machen. >Trinität/Gadamer, >Sprache/Christentum, >Schöpfungsmythos/Gadamer. Das größere Wunder der Sprache liegt nicht darin, dass das Wort Fleisch wird und im äußeren Sein heraustritt, sondern dass das, was so heraustritt und sich in der Äußerung äußert, immer schon Wort ist. Dass das Wort bei Gott ist, und zwar von Ewigkeit her, das ist die in der Abwehr des Subordinationismus siegreiche Lehre der Kirche, die auch das Problem der Sprache ganz in das Innere des Denkens einkehren lässt. >Sprache/Christentum, >Sprache/Antike Philosophie, >Wort/Augustinus.
I 425
Gadamer: Was soll das für ein Wort sein, das inneres Gespräch des Denkens bleibt und keine Lautgestalt gewinnt? Gibt es das überhaupt? Zieht nicht all unser Denken immer schon in den Bahnen einer bestimmten Sprache, und wissen wir nicht zu gut, dass man in einer Sprache denken muss, wenn man sie wirklich sprechen will? >Sprache und Denken/Gadamer, >Sprache und Denken/Antike Philosophie. Auch wenn wir uns der Freiheit erinnern, die sich unsere Vernunft angesichts der Sprachgebundenheit unseres Denkens bewahrt, sei es dadurch, dass sie künstliche
Zeichensprachen erfindet und gebraucht, sei es dass sie aus der einen Sprache in die andere zu übersetzen weiß, ein Beginnen, das ja ebenso eine Erhebung über die Sprachgebundenheit zu dem gemeinten Sinn hin voraussetzt, so ist doch jede solche Erhebung selbst wieder (...) eine sprachliche.
Die „Sprache der Vernunft“ ist keine Sprache für sich.
Was soll es also für einen Sinn haben, angesichts der Unaufhebbarkeit unserer Sprachgebundenheit von einem "inneren Wort“ zu sprechen, das gleichsam in der reinen Vernunftsprache gesprochen wird?
Sprache der Vernunft/Gotteswort/Gadamer: Was soll dieses „innere Wort“ sein? Es kann nicht einfach der griechische Logos, das Gespräch, das die Seele mit sich selbst führt, sein. Vielmehr ist
die bloße Tatsache, dass „logos“ sowohl durch „ratio“ als durch „verbum“ wiedergegeben wird, ein Hinweis darauf, dass sich die Phänomene der
I 426
Sprache in der scholastischen Verarbeitung der griechischen Metaphysik stärker zur Geltung bringen wird, als bei den Griechen selbst der Fall war. >Wort Gottes/Scholastik.
I 430
Wort Gottes/Einheit/Vielheit/Gadamer: Der Unterschied zwischen der Einheit des göttlichen Wortes und der Vielheit der menschlichen Worte schöpft die Sachlage nicht aus. Vielmehr haben Einheit und Vielheit ein von Grund auf dialektisches Verhältnis. Die Dialektik dieses Verhältnisses beherrscht das ganze Wesen des Wortes. Auch
I 431
vom göttlichen Wort ist der Begriff der Vielheit nicht ganz fernzuhalten. Das göttliche Wort ist zwar wirklich nur ein einziges Wort, das in der Gestalt des Erlösers in die Welt gekommen ist, aber sofern es doch Geschehen bleibt - und das ist trotz aller Ablehnung der Subordination, wie wir sahen, der Fall so besteht damit eine wesenhafte Beziehung zwischen der Einheit des göttlichen Wortes und seiner Erscheinung in der Kirche. Verkündigung/Gadamer: Die Verkündigung des Heils, der Inhalt der christlichen Botschaft, ist selbst ein eigenes Geschehen in Sakrament und Predigt und bringt doch nur das zur Aussage, was in
der Erlösungstat Christi geschehen ist. Insofern ist es ein einziges Wort, von dem doch immer wieder in der Predigt gekündet wird. Offenbar liegt in seinem Charakter als Botschaft bereits der Verweis auf die Vielfalt seiner Verkündigung, Der Sinn des Wortes ist vom Geschehen der Verkündigung nicht ablösbar. Der Geschehenscharakter gehört vielmehr zum Sinne selbst.
Sprachhandeln/Sprechhandlung/Sprechakt/Gadamer: Es ist so wie bei einem Fluch, der offenbar auch nicht davon ablösbar ist, dass er von jemanden und über jemanden gesprochen wird. Was an ihm verstanden werden kann, ist nicht ein abstrahierbarer logischer Sinn der Aussage, sondern die Verflechtung, die in ihm geschieht.(1)
Verkündigung: Das gleiche gilt für die Einheit und Vielheit des Wortes, das durch die Kirche verkündet wird. Christi Kreuzestod und Auferstehung ist der Inhalt der Heilsverkündigung,
der in jeder Predigt gepredigt wird. Der auferstandene und der gepredigte Christus sind ein und derselbe. Insbesondere die moderne protestantische Theologie hat den eschatologischen Charakter des Glaubens herausgearbeitet, der auf diesem dialektischen Verhältnis beruht. Menschliches Wort/Gadamer: Umgekehrt zeigt sich im menschlichen Wort der dialektische Bezug der Vielheit der Worte auf die Einheit des Wortes in seinem neuen Licht. Vgl. >Wort/Gadamer.


1. Vortreffliches findet sich dazu bei Hans Lipps, „Untersuchungen zu einer hermeneutischen Logik“(1938), und bei Austin, „How to do things with words“.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Wunder
Wunder Bigelow I 228
Wunder/Ähnlichkeit/Mögliche Welten/Relevanz/Bigelow/Pargetter: welche Art von Ähnlichkeit zwischen Welten ist die relevante? Es kann nicht um bestimmte Tatsachen gehen. Das wäre nicht hinreichend. 1. Welt u: Darwin fragt seinen Vater um Erlaubnis loszusegeln, erhält sie und schreibt sein Buch, von dem wir alle gehört haben
2. Welt w: Darwin erhält die Erlaubnis nicht, segelt nicht los und schreib sein Buch nicht
3. Welt v: Darwin erhält die Erlaubnis nicht, segelt trotzdem los… und sein Vater hat vergessen was er gesagt hat.
I 229
Lösung/Lewis: Def Ähnlichkeit/Ähnlichkeitsmetrik/mögliche Welten/Lewis: durch weniger Ausnahmen in einer möglichen Welt bei Gesetzen, die in der anderen Welt gelten. Bsp Darwin: „Wunder“ wären die falsche akustische Übermittlung der Aussage des Vaters und das Vergessen durch den Vater.
Wunder/Lewis: aber auch Welt u könnte Wunder enthalten: die Vorgeschichte ist die gleiche wie in v, aber die Entscheidung des Vaters fällt anders aus, wobei aber eben die kausale Situation dieselbe wäre Und das Wunder der anderen Entscheidung wäre vielleicht genauso groß wie das der Gedächtnislöschung und der falschen Hörens.

Big I
J. Bigelow, R. Pargetter
Science and Necessity Cambridge 1990
Wunder Hume Stegmüller IV 355
Wunder/Wahrscheinlichkeit/Hume/Stegmüller: Wahrscheinlichkeit ist immer auf den Informationsstand zu relativieren. Humes Argument wäre aber sogar gültig, wenn Glaubwürdigkeit von Zeugen ein Naturgesetz wäre! Selbst dann wäre es nicht rational, an Wunder zu glauben. Wunder/Mackie: Unterschied: a) Frage. welche Gesetzeshypothesen sollten aufgrund der Berichte angenommen werden?
b) das Gewichts des Beweismaterials selbst.
Wunder/MackieVsHume: auch der Berichtende selbst benötigt den Begriff eines gut begründeten Naturgesetzes um das Ereignis als Wunder einzustufen.
IV 356
Hume berücksichtigt nirgends die Stärkung durch mehrere voneinander unabhängige Zeugen.
D. Hume
I Gilles Delueze David Hume, Frankfurt 1997 (Frankreich 1953, 1988)
II Norbert Hoerster, "Hume: Existenz und Eigenschaften Gottes" aus J. Speck(Hg) Grundprobleme der großen Philosophen der Neuzeit I Göttingen, 1997
Wunder Jansenismus Gadamer I 24
Wunder/Jansenismus/Wahrheit/GadamerVsJansenismus/Gadamer: Es ist (...) eine Trivialität, die da herauskommt, wenn es etwa heißt, man müsse, um ein Ereignis in seiner Wahrheit zu beurteilen, die Umstände (circonstances) berücksichtigen(1), die es begleiten. - Die Jansenisten wollten mit dieser Beweisführung eine methodische Anleitung dafür geben, inwiefern die Wunder Glaubwürdigkeit besitzen. Sie suchten gegenüber einem unkontrollierten Wunderglauben den Geist der neuen Methode aufzubieten und meinten, auf diese Weise die wahren Wunder der biblischen Überlieferung und der kirchlichen Tradition zu legitimieren.
Die neue Wissenschaft im Dienst der alten Kirche - dass dieses Verhältnis keine Dauer versprach, ist nur zu deutlich, und man kann sich vorstellen, was geschehen musste, wenn die christlichen Voraussetzungen selber in Frage gestellt wurden. Das methodische Ideal der Naturwissenschaft musste, wenn man es auf die Glaubwürdigkeit der historischen Zeugnisse der biblischen Überlieferung anwendete, zu ganz anderen, für das Christentum katastrophalen Ergebnissen führen.
Spinoza/Gadamer: Der Weg von der Wunderkritik im Stile der Jansenisten zur historischen Bibelkritik ist nicht allzu weit. Spinoza ist dafür ein gutes Beispiel.
GadamerVsSpinoza: Wir werden an späterer Stelle zeigen, daß eine konsequente Anwendung dieser Methodik als einziger Norm geisteswissenschaftlicher Wahrheit überhaupt ihrer Selbstaufhebung gleichkäme. (VicoVsJansenismus).


1. Vgl. Logique de Port-Royal, 4e partie, chap. 13ff.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Wunder Leibniz Holz I 96
Wunder/Mystizismus/LeibnizVsLocke: man sollte nicht zu Wundern (Gott) Zuflucht nehmen, oder unerklärliche Kräfte annehmen.

Lei II
G. W. Leibniz
Philosophical Texts (Oxford Philosophical Texts) Oxford 1998

Holz I
Hans Heinz Holz
Leibniz Frankfurt 1992

Holz II
Hans Heinz Holz
Descartes Frankfurt/M. 1994
Wunder Lewis V 46
Wunder/Ähnlichkeit/Mögliche Welten/kontrafaktische Abhängigkeit/Lewis: die Ähnlichkeitsrelation zwischen möglichen Welten sollte nicht erfordern, dass in abweichenden Welten Wunder nötig werden. Ähnlichkeitsrelation/Lewis: ich glaube nicht, dass sie unser explizites Urteil oft leiten, aber die Gesamtähnlichkeit muss Teil der gesuchten Ähnlichkeitsrelation sein. - Übereinstimmung lokaler Tatsachen nicht wichtig, wohl aber Vermeidung größerer Verletzungen von Naturgesetzen. Bsp kleines Wunder: Nixon drückt den Knopf, aber das Signal wird unterdrückt.
Großes Wunder: außerdem werden alle Spuren verwischt, Nixons Memoiren gefälscht usw., d.h. die Welten werden ununterscheidbar.
V 48
Kleines Wunder: erlaubt Abweichung. - Großes Wunder: erlaubt Konvergenz.
V 49
Divergenz ist viel einfacher zu erreichen als Konvergenz. - Kontrafaktische Asymmetrie: gibt es, weil die geeigneten Standards der Ähnlichkeit ihrerseits symmetrisch sind und der Asymmetrie von Wundern entsprechen. -
V 53
Es geht sehr wohl um die Gewichtung verschiedener Ähnlichkeiten.

Lewis I
David K. Lewis
Die Identität von Körper und Geist Frankfurt 1989

Lewis I (a)
David K. Lewis
An Argument for the Identity Theory, in: Journal of Philosophy 63 (1966)
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis I (b)
David K. Lewis
Psychophysical and Theoretical Identifications, in: Australasian Journal of Philosophy 50 (1972)
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis I (c)
David K. Lewis
Mad Pain and Martian Pain, Readings in Philosophy of Psychology, Vol. 1, Ned Block (ed.) Harvard University Press, 1980
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis II
David K. Lewis
"Languages and Language", in: K. Gunderson (Ed.), Minnesota Studies in the Philosophy of Science, Vol. VII, Language, Mind, and Knowledge, Minneapolis 1975, pp. 3-35
In
Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979

Lewis IV
David K. Lewis
Philosophical Papers Bd I New York Oxford 1983

Lewis V
David K. Lewis
Philosophical Papers Bd II New York Oxford 1986

Lewis VI
David K. Lewis
Konventionen Berlin 1975

LewisCl
Clarence Irving Lewis
Collected Papers of Clarence Irving Lewis Stanford 1970

LewisCl I
Clarence Irving Lewis
Mind and the World Order: Outline of a Theory of Knowledge (Dover Books on Western Philosophy) 1991
Wunder Spinoza Genz II 313
Wunder/SpinozaVsWunder/Genz: es gibt keine Wunder. Daher sollen wir Gottes Existenz aus den Naturgesetzen erkennen.

Spinoza I
B. Spinoza
Spinoza: Complete Works Indianapolis 2002

Gz I
H. Genz
Gedankenexperimente Weinheim 1999

Gz II
Henning Genz
Wie die Naturgesetze Wirklichkeit schaffen. Über Physik und Realität München 2002
Zeit Bigelow I 192
Verzweigte Zeit/Mögliche Welten/Bigelow/Pargetter: wir erlauben, dass die Zeit verzweigt ist, d.h. zu jeder Vergangenheit gibt es mehrere Zukünfte. Da sollten wir auch erlauben, dass so etwas für die Entwicklung innerhalb einer möglich ist. D.h. zwei Teile könnten denselben Ursprung haben. Ebenso Fusion und vorübergehendes Zusammengehen von Teilen. Problem: es ist verwunderlich, dass solche Teile dann zumindest einen zeitlichen Teil gemeinsam haben müssten.
Bsp Angenommen, wir treffen Jane aus einem anderen Teil derselben möglichen Welt. Betrachten wir das
Kontrafaktisches Konditional: wenn wir Jane nicht getroffen hätten, hätte sie nicht existiert.
BigelowVsLewis: nach ihm muss das wahr sein
Bigelow/Pargetter: nach uns ist es klarerweise falsch. Es muss daher mindestens eine mögliche Welt geben, in der Jane existiert und wir sie nicht treffen. Und diese mögliche Welt muss uns dann alle Jane und uns enthalten, obwohl es keine Verbindung zwischen uns gibt.
LewisVsVs: dieser müsste dann irgendeine andere Verbindung und entsprechendes kontrafaktisches Konditional annehmen: „…ein Vorfahre oder Nachfahre von uns hätte einen Vorfahren oder Nachfahren von ihr treffen können“ usw.
BigelowVsLewis: das ist immer noch falsch in der fraglichen Welt und weniger plausibel als das obige kontrafaktische Konditional. Das zeigt die Falschheit der temporalen Theorie.

BigelowVsLewis: dieser ist in einem Dilemma: entweder er nimmt die Weltgefährten-Relation als primitiven Grundbegriff oder er lässt modale Grundbegriffe zu.
I 193
Gegenstück-Relation/GR/Lewis/Bigelow/Pargetter: Lewis stützt sich aber noch auf eine wichtigere Relation, die Gegenstück-Relation: sie ist auch kein guter Kandidat für einen unanalysierten Grundbegriff, und dennoch braucht auch sie wiederum modale Grundbegriffe. BigelowVsLewis/BigelowVsGegenstück-Theorie/Bigelow/Pargetter: sie führt auch in die Zirkularität, weil sie modale Begriffe voraussetzt. D.h. sie kann die Modallogik nicht begründen.

Big I
J. Bigelow, R. Pargetter
Science and Necessity Cambridge 1990
Zusammenhang Dilthey Gadamer I 228
Zusammenhang/Dilthey/Gadamer: Der entscheidende Schritt, den Diltheys erkenntnistheoretische Grundlegung der Geisteswissenschaften zu tun hat, ist (...) der, dass von dem Aufbau des Zusammenhangs in der Lebenserfahrung des einzelnen der Übergang zu dem geschichtlichen Zusammenhang gefunden wird, der von keinem einzelnen mehr erlebt und erfahren wird. Hier wird es - trotz aller Kritik an der Spekulation - nötig, an die Stelle wirklicher Subjekte „logische Subjekte“ zu setzen. >Subjekt/Dilthey, >Erfahrung/Dilthey.
Dilthey ist sich über diese Misslichkeit klar. Aber er sagt sich, dass das an sich nicht unstatthaft sein kann, sofern die Zusammengehörigkeit der Individuen - etwa in der Einheit einer Generation oder einer Nation - eine seelische Wirklichkeit darstelle, die man als solche anerkennen müsse, gerade weil man nicht erklärend hinter sie zurückgehen könne. Gewiss handele es sich hier nicht um reale Subjekte. Das lehre ja schon das Fließende ihrer Grenzen; auch seien die Einzelindividuen nur je mit einem Teil ihres Wesens dabei. Dennoch aber ist es nach Dilthey keine Frage, dass sich über solche Subjekte Aussagen machen lassen. Der Historiker tut das ja ständig, wenn er von den Taten und Geschicken der Völker spricht(1). Die Frage ist nun, wie solche Aussagen erkenntnistheoretisch zu rechtfertigen sind. >Erkenntnistheorie/Dilthey.
(...) nicht, wie überhaupt Zusammenhang erlebbar und erkennbar wird, ist das Problem der Geschichte, sondern wie auch solche Zusammenhänge erkennbar sein sollen, die niemand als solche erlebt hat. Immerhin kann kein Zweifel sein, wie sich Dilthey die Aufklärung dieses Problems vom Phänomen des Verstehens aus dachte. Verstehen ist Verstehen von Ausdruck.
Gadamer I 229
Es bezeichnet die neue methodische Klarheit, die [Dilthey] aus der Anlehnung an Husserl gewann, dass er den Begriff der Bedeutung, die sich aus dem Wirkungszusammenhang erhebt, am Ende mit Husserls "Logischen Untersuchungen" integrierte. Diltheys Begriff der Strukturiertheit des Seelenlebens entsprach insofern der Lehre von der Intentionalität des Bewusstseins, als auch diese nicht nur einen psychologischen Tatbestand, sondern eine Wesensbestimmung des Bewusstseins phänomenologisch beschreibt. Jedes Bewusstsein ist Bewusstsein von etwas, jedes Verhalten ist Verhalten zu etwas. >Bedeutung/Dilthey, >Lebensphilosophie/Dilthey.
Gadamer I 235
Dass ein Strukturzusammenhang sich aus seiner eigenen Mitte heraus verstehen lässt, entsprach (...) dem alten Grundsatz der Hermeneutik und der Forderung des historischen Denkens, dass man eine Zeit aus ihr selber verstehen müsse und nicht mit Maßen einer ihr fremden Gegenwart messen dürfe. Nach diesem Schema - so meinte Dilthey - ließe sich die Erkenntnis immer weiterer geschichtlicher Zusammenhänge denken und bis zur universalgeschichtlichen Erkenntnis ausweiten, genau wie sich ein Wort nur vom ganzen Satz aus, der Satz nur im Zusammenhang des ganzen Textes, ja der gesamten überlieferten Literatur voll verstehen lässt. GadamerVsDilthey: Die Anwendung dieses Schemas setzt freilich voraus, dass man die Standort-Gebundenheit des historischen Betrachters überwinden könne. Genau das aber ist der Anspruch des >historischen Bewusstseins, zu allem einen wahrhaft historischen Standpunkt zu haben.
So hat sich Dilthey als der wahre Vollender der historischen Weltansicht gefühlt, weil er die Erhebung
Gadamer I 236
des Bewusstseins zum historischen Bewusstsein zu legitimieren suchte. Was seine erkenntnistheoretische Reflexion rechtfertigen wollte, war im Grunde nichts anderes als die großartige epische Selbstvergessenheit eines Ranke. Nur trat an die Stelle der ästhetischen Selbstvergessenheit die Souveränität eines allseitigen und unendlichen Verstehens. Die Grundlegung der Historik in einer Psychologie des Verstehens, wie sie Dilthey vorschwebte, versetzt den Historiker in eben jene ideelle Gleichzeitigkeit mit seinem Gegenstand, die wir ästhetisch nennen und an Ranke bewundern.


1. Dilthey, Ges. Schriften V Il, 282ff. Das gleiche Problem sucht Georg Simmel durch die Dialektik von Erlebnissubjektivität und Sachzusammenhang - also am Ende psychologisch - zu lösen. Vgl. Brücke und Tür, S. 82f.
2. Ges. Schriften V Il, 291 »Wie die Buchstaben eines Wortes haben Leben und Ge-
schichte einen Sinn. «

Dilth I
W. Dilthey
Gesammelte Schriften, Bd.1, Einleitung in die Geisteswissenschaften Göttingen 1990

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977

Der gesuchte Begriff oder Autor findet sich in folgenden 2 Thesen von Autoren des zentralen Fachgebiets.
Begriff/
Autor/Ismus
Autor
Eintrag
Literatur
Identität Geach, P. I 238
Identität/GeachVsQuine: These Identität ist relativ. Wennn jemand sagt " x ist identisch mit y" ist das ein unvollständiger Ausdruck. Es ist eine Abkürzung für " x ist dasselbe A wie y" : (DF hinz. Drittes: "dasselbe in Bezug worauf". (>tertium comarationis ï·" >Komparativum). Frege: "x ist eins" ist eine Abkürzung für "x ist ein A, ein einzelnes A". (s) "x ist ein Ding".
Geach: es wundert mich deshalb, daß Frege nicht auch die These der relativen Identität vertreten hat, obwohl es im Deutschen, wie im Englischen heißt "ein und dasselbe".
Wunder Lewis, D. V 49
Divergenz/Konvergenz/Asymmetrie/Lewis: These was Konvergenz mehr zu einem Wunder macht (unwahrscheinlicher) ist die Asymmetrie der Überdetermination:
V 50
was immer passiert, hinterläßt viele und stark verteilte Spuren in der Welt der Zukunft. Sie sind nachher kaum je wieder zusammenzubringen, aber das macht nichts, so lange sie existieren.

Der gesuchte Begriff oder Autor findet sich in folgenden Thesen von Autoren angrenzender Fachgebiete:
Begriff/
Autor/Ismus
Autor
Eintrag
Literatur
Reealismus Boyd, R. Fraassen I 39
"Ultimatives Argument"/Realismus/R. Boyd/Putnam/Fraassen: (pro Realismus): ist die einzige Philosophie, die aus dem Erfolg der Wissenschaft kein Wunder macht. These: die Begriffe einer reifen Wissenschaft referieren typischerweise und ihre Sätze sind typischerweise wahr.

Fr I
B. van Fraassen
The Scientific Image Oxford 1980