| Begriff/ Autor/Ismus |
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| Arten | Kauffman | I 310 Arten/Evolution/Kauffman: Man schätzt, dass zwischen 99 und 99,9 % aller Arten, die jemals existiert haben, wieder ausgestorben sind. >Aussterben, >Evolution, >Überleben. Heute: vermutlich zwischen 10 und 100 Millionen Arten. Wahrscheinlich sind im Lauf der Zeit zwischen 10 und 100 Milliarden Arten entstanden und wieder verschwunden. I 310/311 Fitnesslandschaft/Koevolution/Kauffman: Die Fitnesslandschaft verändert sich, wenn die Umwelt sich verändert. Räuber-Beute-Zyklen. Beide haben jeweils eine Fitnesslandschaft, aber die beiden Landschaften sind gekoppelt! Das ist Koevolution. Koevolution/Kauffman: Koevolution ändert aber nicht nur die Organismen (Räuber/Beute) sondern auch ihre Wechselbeziehung. Damit ändert sich nicht nur die jeweilige Fitnesslandschaft, sondern auch die Elastizität ihrer Beziehungen. >Fitnesslandschaft, >Fitness. Damit unterliegt der Prozess der Koevolution selbst der Evolution. >Stufen/Ebenen, >Beschreibungsebenen. Selektion/Kauffman: Selektion setzt auf der Ebene des Individuums an. Das Rätsel besteht darin, dass die emergente Ordnung der Gemeinschaften jene Selektion der Individuen widerspiegelt. >Selektion, >Individuen. I 312 Räuber-Beute-Zyklus/Kauffman: Hier gibt es entweder einen langfristigen Übergang in einen stationären Zustand (Parallelen) oder langzeitige verschobene Sinusschwankungen, dann "Grenzzyklus“. I 315 Evolution/Gemeinschaften/Kauffman: Frage: wie bilden sich Lebensgemeinschaften? Wir wissen es nicht. >Leben, >Leben/Kauffman. Wenn man ein Gebiet einzäunt (Ökotop) ändert sich die Zusammensetzung der Arten immer. Nach Beseitigung des Zauns erhält man aber nicht wieder die ursprüngliche Zusammensetzung. "Gemeinschaftsfitnesslandschaft“: nach der Änderung erklimmt die Gemeinschaft einen anderen Gipfel. Auf einem Gipfel kann eine Gemeinschaft keine neuen Arten mehr aufnehmen. Sättigungsgrenze. I 320 Problem: Es ist nicht von vornherein sinnvoll, von einer Gemeinschaftsfitness zu reden! Der Erfolg einer Einwanderung ist nicht unmittelbar davon abhängig, ob damit die Fitness der Gemeinschaft erhöht wird! >Nischen. Nun verhalten sich die Simulationen aber so, als ob eine Gemeinschaftsfitness existierte. Im Modell (nicht in Wirklichkeit) sehen wir hier ein emergentes Phänomen. Extinktionsereignisse/Aussterben/Kauffman: Aussterben von Arten erfolgt nach dem Muster von Lawinen bei Sandhaufen, viele kleine, wenige große Lawinen, unvorhersehbar, Potenzgesetz. Pointe: Die Entscheidung darüber, wie die Wechselbeziehung zwischen den Arten sich gestaltet, wer Räuber ist und wer Beute, basiert auf einer Zufallsverteilung. >Zufall. I 320 Mitochondrien/Kauffman: Mitochondrien sind irgendwann in die Zellen eingedrungen und haben jenen komplizierten Wechselwirkungsmechanismus gestartet, der seit etwa einer Milliarde Jahren stabil ist. Höchst komplexes Problem. >Komplexität. Def Mutualismus: Mitochondrien halten durch die Geschwindigkeit ihrer Teilungen die stabile Population aufrecht, die Zelle genießt die energetischen Früchte dieser Mühen. I 322 Rote-Königin-Effekt"/Kauffman: (Alice): "Du musst so schnell laufen, wie du kannst, um am selben Ort zu bleiben". I 323 Koevolution/Nische/Kauffman: Die Güter und Dienstleistungen in einer Gemeinschaft (ökonomisches Netzwerk) existieren nur deshalb, weil sie als Zwischenerzeugnis oder als Endprodukt nützlich sind. Das sind die Nischen, die von anderen Gütern und Dienstleistungen geschaffen werden. Nische/Kauffman: jede Art lebt in einer Nische, die von anderen Arten geschaffen wird. (>Nützlichkeit für andere). >Nischen. |
Kau II Stuart Kauffman At Home in the Universe: The Search for the Laws of Self-Organization and Complexity New York 1995 Kauffman I St. Kauffman Der Öltropfen im Wasser. Chaos, Komplexität, Selbstorganisation in Natur und Gesellschaft München 1998 |
| Erkenntnistheorie | Vollmer | I XX Evolutionäre Erkenntnistheorie/EE/Vollmer: Konrad Lorenz ist der Vater der Evolutionären Erkenntnistheorie. Vorläufer: Donald Campbell, Karl Popper. Zwei Bedeutungen: Popper: wissenschaftstheoretisch: Evolution der Erkenntnis (Interaktionistisch, VsIdentitätstheorie) >K. Popper. Lorenz: Evolution der Erkenntnisfähigkeit. (Identitätstheorie). >K. Lorenz. I 16 Erkenntnis/Geschichte/Qualität/primäre/sekundäre/Vollmer: mit wachsendem Fortschritt wurden mehr und mehr Eigenschaften als subjektiv erkannt. - So galt Locke noch Undurchdringlichkeit als primäre Qualität - heute wird nicht einmal mehr Ausdehnung als primäre Qualität angesehen. >Qualitäten, >Primäre Qualitäten, >Sekundäre Qualitäten, >Eigenschaften, >J. Locke. I 59 Erkenntnis: Erkenntnis ist keine "Spiegelung" der äußeren Welt - aber auch nicht rein algorithmisch - dagegen verkörperte Information für Lorenz: Bsp Pferdehuf: ein "Abbild" des Steppenbodens; - Bsp Flosse "Abbild" des Wassers. VollmerVsLorenz: Das ist eine irreführende Terminologie. >Vergleiche, >Vergleichbarkeit, >Analogien. Lösung: Beschaffenheit des Hufs weist auf Beschaffenheit des Bodens hin. >Evolution, vgl. >Koevolution. I 73 Erkenntnis/Vollmer: ihre dritte Ebene, die wissenschaftliche Erkenntnis ist nicht genetisch bestimmt. - Es gibt keine "biologischen Wurzeln" der Relativitätstheorie. - Wir sind lediglich der Widerspruchsfreiheit verpflichtet. - Ansonsten sind wir beim Bilden von Hypothesen frei. I 173 Erkenntnistheorie/Tradition/VollmerVsKant: Warum haben wir gerade diese Anschauungsformen und Kategorien? - Wie entstehen sie? - Warum sind wir gerade an diese apriorischen Urteile gebunden und nicht an andere? >Objektivität, >Kategorisierung, >Klassifikation, >a priori, >Urteile, >Widerspruchsfreiheit. I 294 Def Erkenntnis: (1983(1),30): Eine adäquate Rekonstruktion und Identifikation äußerer Strukturen im Subjekt a) ein internes Abbild konstruieren, b) das Modell mit gespeicherten Engrammen vergleichen, c) feststellen, wieweit der Gegenstand mit bereits Bekanntem übereinstimmt. Dafür ist Gedächtnis erforderlich. - >Gedächtnis. Rekonstruktion ist also nicht Widerspiegelung - unser Erkenntnisbegriff ist enger als jeder Informationsbegriff. Erkenntnis/Stegmüller: dreistellige Relation: S erkennt O als A. I 296 Erkennen/Kutschera: Der Schritt vom Nichtwissen zum Wissen. Wissen/Kutschera: Wissen ist nur als wahre Überzeugung zu explizieren - weder Wahrheit noch Subjektivität ist dabei steigerbar. >Wahrheit, >Subjektivität, >Wissen. I 310 Erkenntnistheorie/Vollmer: Aufgaben: - Explikation von Begriffen - Untersuchung unserer kognitiven Fähigkeiten - Vergleich verschiedener kognitiver Systeme - Unterscheidung subjektiver und objektiver Strukturen, deskriptiver und normativer Aussagen, faktischer und konventioneller Elemente. - Erhellung der Bedingungen für Erkenntnis - Aufweis von Erkenntnisgrenzen. 1.Gerhard Vollmer: Mesokosmos und objektive Erkenntnis. In: Konrad Lorenz, Franz M. Wuketis (Hrsg.): Die Evolution des Denkens. München 1983, S. 29–91. |
Vollmer I G. Vollmer Was können wir wissen? Bd. I Die Natur der Erkenntnis. Beiträge zur Evolutionären Erkenntnistheorie Stuttgart 1988 Vollmer II G. Vollmer Was können wir wissen? Bd II Die Erkenntnis der Natur. Beiträge zur modernen Naturphilosophie Stuttgart 1988 |
| Evolution | Mayr | I 43 Evolution/Mayr: Einheit der Evolution ist die Population (oder Art) und nicht das Gen oder das Individuum. (MayrVsDawkins). >Arten, >Gene, >R. Dawkins, >Gene/Dawkins, >Evolution/Dawkins. Def Integron/Mayr: Ein Integron ist ein durch Integration untergeordneter Einheiten auf höherer Stufe entstehendes System. Integrons entwickeln sich durch natürliche Selektion. Sie sind auf jeder Stufe angepasste Systeme, weil sie zur Fitness (Eignung) eines Individuums beitragen. >Selektion. I 183 Evolution/Mayr: Art ist die entscheidende Entität der Evolution. I 230 Evolution/Fortschritt/Mayr: Kohäsion: Ausdruck dafür, dass das System der Entwicklung sehr eng geworden ist. Evolution geht in großen, mitgliederreichen Arten sehr langsam voran, in kleinen peripher isolierten Gruppen schnell. >Speziation, > Unterbrochenes Gleichgewicht/Gould, >Punktuelles Gleichgewicht/Gould/Eldredge. Eine Gründerpopulation mit wenigen Individuen und daher nur wenig verborgener genetischer Variation kann leichter einen anderen Genotyp annehmen. Makroevolution: Makroevolution wird am stärksten durch den geographischen Faktor (Isolation) bestimmt. I 234 Evolution/Mayr: drei Konzepte: 1.Sprunghafte Evolution: (Transmutationismus): Typensprung. Selbst nach Darwin konnten einige Forscher (u.a. sein Freund Huxley) der Begriff der natürlichen Selektion nicht akzeptieren und entwickelten saltationistische Theorien. 2.Transformationelle Evolution (Transformationismus) allmähliche Veränderung des Eis zum Organismus. Von Darwin verdrängt. I 235 3. Variationsevolution (Darwin) I 235 Darwin (früh): Anpassungsveränderung. Vs: Anpassung kann niemals die enorme Vielfalt organischen Lebens erklären, denn das lässt keine Zunahme der Artenzahl zu. I 236 Darwin/Mayr: Die Entstehung der Arten: 5 Haupttheorien 1. Organismen entwickeln sich im Lauf der Zeit ständig weiter (Evolution als solche). 2. Verschiedene Organismenarten stammen von einem gemeinsamen Vorfahren ab. 3. Arten vervielfachen sich im Lauf der Zeit (Speziation) 4. Evolution erfolgt in Form allmählichen Wandels.(GradualismusVsSaltationismus). >Gradualismus, >Saltationismus. 5. Der Evolutionsmechanismus besteht in der Konkurrenz unter zahlreichen einzigartigen Individuen um begrenzte Ressourcen, die zu Unterschieden in Überleben und Fortpflanzung führt (natürliche Selektion). >Selektion. I 377 Entstehung des Lebens: chemischer Vorgang, an dem auch Autokatalyse und ein richtungsgebender Faktor beteiligt sind. Präbiotische Selektion. Vgl. >St. Kauffman. I 237 Pasteur: wies Unmöglichkeit der Entstehung von Leben in sauerstoffreicher Atmosphäre nach! 1953 ließ Stanley Miller mit elektrischen Entladungen in einem Glaskolben mit einem Gemisch aus Methan, Ammonium, Wasserstoff und Wasserdampf Aminosäuren, Harnstoff und andere organische Moleküle entstehen. I 238 Proteine, Nukleinsäuren: Diese größeren Moleküle müssen die Organismen selbst bilden. Aminosäuren, Pyrimidine, Puridine müssen nicht von den Organsimen selbst gebildet werden. I 239 Molekularbiologie: Die Molekularbiologie entdeckte, dass selbst bei Bakterien, die ja keinen Zellkern besitzen, der genetische Code derselbe ist wie bei Protisten, Pilzen, Tieren und Pflanzen. I 240 Missing link: Archaeopteryx: halb Vogel halb Reptil. Nicht unbedingt direkter Vorfahr. Speziation: a) dichopatrisch: ein vorher zusammenhängendes Gebiet wird durch eine neue Barriere: Gebirgszug, Meeresarm, Unterbrechung der Vegetation geteilt. b) peripatrisch: neue Gründungspopulaiton entsteht jenseits des ursprünglichen Verbreitungsgebiets. c) sympatrische Speziation: Eine neue Art entsteht aufgrund ökologischer Spezialisierung innerhalb des Verbreitungsgebiets. Darwins Theorie vom Gradualismus. >Gradualismus, I 243 VsGradualismus: Der Gradualismus könne nicht die Entstehung völlig neuer Organe erklären. Problem: Wie kann ein rudimentärer Flügel durch natürliche Selektion vergrößert werden bevor er zum Fliegen tauglich ist? I 244 Darwin: zwei mögliche Lösungen: a) Intensivierung der Funktion: Bsp Augen, Bsp Entwicklung der Vordergliedmaßen von Maulwürfen, Walen, Fledermäusen. b) Funktionsveränderung: Bsp Antennen von Daphia (Wasserfloh): zusätzliche Funktion eines Schwimmpaddels, das unter Selektionsdruck größer und modifiziert wird. Bsp Gould: Federn dienten zunächst wahrscheinlich der Temperaturregelung, bevor irgendein Tier fliegen konnte. Funktion/Biologie: Funktionsverschiedenheiten hängen auch mit Verhaltensmustern zusammen Bsp Putzen des Federkleids. Konkurrierende Theorien zum evolutionären Wandel: I 247 Salationismus: Huxley später Bateson, de Vries, (Mendelisten). Zur saltationistischen Entstehung neuer Arten kommt es bei sexueller Fortpflanzung nur über Poyploidie und einige andere Formen chromosomaler Neustrukturierung (sehr selten). Teleologie: Teleologische Theorien gehen davon aus, dass der Natur ein Prinzip innewohnt: Osborns Aristogenese, Chardins Omega-Prinzip. Dies soll zur Perfektion führen. >Teilhard de Chardin. Lamarcksche Theorien: Änderungen gehen auf Gebrauch und Nichtgebrauch zurück, Umweltbedingungen. Diese Theorie war bis in die 30er Jahre akueptiert! I 248 Def "Weiche Vererbung" (erworbener Merkmale). Wurde durch die Genetik widerlegt. Def "Harte Vererbung" (sogenanntes "Zentrales Dogma"): Die in den Proteinen (dem Phänotyp) enthaltene Information kann nicht an die Nukleinsäuren (den Genotyp) weitergegeben werden! (Erkenntnis der Molekularbiologie). I 256 Makroevolution: Nachdem Saltationismus, weiche Vererbung und Autogenese mit der Evolution widerlegt waren, musste man die die Makroevolution immer mehr als Phänomen auf Populationsebene erklären, als Phänomen, das sich unmittelbar auf Ereignisse und Vorgänge während der Mikroevolution zurückführen ließ. (Speziation: schneller in der Isolation). (>Gould, Eldredge, 1971(1): "unterbrochenes Gleichgewicht", "punctuated equilibrium", Punktualismus). I 281 Neu: Wir wissen heute, dass die Zyklen der Pflanzenfresser diejenigen der Raubfeinde hervorrufen und nicht umgekehrt! Koevolution: Bsp Die Yuccamotte zerstört die Samenanlagen der Pflanze durch ihre Larven, bestäubt aber die Blüten. 1. N. Eldredge, S. J. Gould: Punctuated equilibria: an alternative to phyletic gradualism. In: T. Schopf (Ed), Models in Paleobiology, 82-115, San Francisco, (1972). |
Mayr I Ernst Mayr Das ist Biologie Heidelberg 1998 |
| Gehirn | Deacon | I 45 Gehirn/Deacon: In der Koevolution von Sprache und Gehirn wurde das Verhältnis von Ursache und Wirkung insofern umgedreht, als die neue Fähigkeit der symbolischen Referenz (die allein der menschlichen Spezies vorbehalten ist) von der genetischen Weitergabe abgekoppelt wurde. >Symbolische Referenz, >Symbole/Deacon. Wenn es stimmt, dass es einen Selektionsdruck auf symbolverarbeitende Organismen gab, muss unsere einzigartige geistige Fähigkeit ebenfalls in diesen Begriffen verstanden werden. Dann sollte die Architektur unserer Gehirne auch systematische Abweichungen von der Architektur von Affengehirnen aufweisen. >Tiere, >Tiersprache. Größe: Größe ist nur ein unwesentliches Merkmal. Wichtiger ist die Umgestaltung, das Re-Engineering der Architektur. I 146 - 164 Gehirn/Lernen/Deacon: Gehirngröße hat wohl etwas mit Intelligenz zu tun, nur muss man außerdem viele weitere Faktoren berücksichtigen wie z.B. den Anteil an Gehirnkapazität, den die Kontrolle des Bewegungsapparates in Anspruch nimmt. >Lernen. I 164 Lernen zweiter Ordnung, d.h. das Entwickeln neuartiger Reaktionen auf neuartige Situationen entsteht nur in Organismen, die länger leben. In kurzlebigeren Arten würde sich eine solche Fähigkeit nicht auszahlen. >Verhalten. I 166 Kleine Hunde mit entsprechend kleinen Gehirnen sind in ihren Gehirnleistungen großen Hunden sehr ähnlich. Ihre Zerebralisierung (d.h. ihre Gehirnleistung relativ zu ihrem Gewicht) ist sogar etwas größer als die ihrer größeren Artgenossen. I 170 Zerebralisierung/encephalisation: Der Ursprung ihrer Zunahme bei Primaten liegt nicht im Kopf! Er liegt im relativ langsameren Wachstum ihrer Körper. I 183 Um Gehirne von Tieren mit denen von Menschen zu vergleichen, brauchen wir nicht allgemein Größenvergleiche, sondern wir müssen die Größen der einzelnen Teile des Gehirns vergleichen. Der Aufbau des Gehirns bzw. die Steuerung des relativen Größenwachtums einzelner Körperteile überhaupt wird durch homöotische Gene gesteuert. I 194 Das Gehirn passt sich während der Evolution an den restlichen Körper an. Das erklärt das ansonsten äußerst unwahrscheinliche Ergebnis, dass ein Hinzufügen weiterer Komponenten dieses extrem vernetzten Gebildes zu einer Zunahme an Funktionen führt und diese nicht vielmehr einschränkt. Lösung: Das Gehirn selbst wirkt systemisch an der Gestaltung seiner Teile mit. Neuronen sind - anders als andere Zellarten - für Kommunikation und damit einer Abstimmung der Funktion mit entfernten Zellen eingerichtet. Vgl. >Lernen/Hebb. I 195 So kann das Nervensystem selbst am Prozess seiner Konstruktion teilnehmen. Vgl. >Neuronale Netze. I 199 Xenotransplantation von Gehirnteilen zwischen verschiedenen Tierarten zeigten, dass Wachstum und Verschaltung mit fremdem Gewebe möglich ist. Die molekularen Prozesse sind bei den verschiedenen Tierarten identisch. I 202 In fremdem Gewebe beginnen Neuronen eine vermehrte Anzahl von Axone zu produzieren, von denen sich einige als weniger geeignet herausstellen und anschließend weniger genutzt werden. Das ist ein Darwin-artiger Prozess der selektiven Elimination. I 474 Deacon These: Die anfängliche unspezifische Verbindbarkeit und anschließende Konkurrenz der Verbindungen beeinflusst kognitive Prozesse durch Tendenzen in neuronaler Computation, die aus übergeordneten Mustern aufgrund von regionaler Aufteilung resultieren. So bilden sich Unterschiede zwischen den Arten heraus. Vgl. >Computation, >Informationsverarbeitung/Psychologie. I 205 Zellen in verschiedenen Hirnregionen haben ihre Verbindungen nicht zuvor diktiert bekommen und können sich in verschiedenen Richtungen spezialisieren. Buchstäblich passt sich jede sich entwickelnde Hirnregion dem Körper an, in dem sie sich befindet. I 207 Verschiebung/displacement/Deacon: Wenn eine genetische Variation die relative Größe einer Population von Nervenzellen stärkt, wird eine Verschiebung der Axone von kleineren zu größeren Regionen stattfinden. I 212 Wir müssen nicht über besondere Gehirnfunktionen spekulieren, die allein dem Menschen vorbehalten sind, wenn wir die Verschiebung verstehen, die nicht von der schieren Größe des Gehirns abhängig ist. Die Weichenstellungen für die Aufteilung von Regionen für die individuellen Gehirnfunktionen geschehen kurz nach der Geburt. I 213 Die Ausbildung und Differenzierung der Gehirnregionen des Menschen verläuft entlang der Ausbildung der Funktionen seiner Körperglieder und übrigen Körperfunktionen wie Augen, Ohren, Bewegungsapparat. Diese Ausbildung verläuft ganz anders als die im Fall von z.B. kleinen und großen Hunden. I 214ff Gedankenexperiment: Angenommen, ein menschliches Embryogehirn werde in einen gigantischen Affenkörper transplantiert. Man kann ziemlich genau vorhersagen, welche Gehirnregionen sich wie entwickeln, angepasst an die Körperfunktionen und ihre relative Ausprägung. Dabei sind Faktoren wie die abweichende Größe der Netzhaut oder Konkurrenz der Gehirnzellen um die Steuerung von Muskelzellen entscheidend. Diese Veränderungen sind keine isolierten Adaptionen. I 220 Sprache/Gehirn/Deacon: These: Zunehmende Vokalisierung kann zurückverfolgt werden in motorische Projektionen des Mittelhirns und des Hirnstamms, während das symbolische Lernen auf die Ausdehnung des präfrontalen Cortex und die Konkurrenz um Synapsen überall im Gehirn zurückgeführt werden kann. DeaconVsTradition: Man nahm früher an, dass z.B. Musiker eine besonders große Hirnregion für die Verarbeitung auditiver Signale haben. Das hat sich als falsch herausgestellt. I 221 Es findet Konkurrenz sowohl zwischen zentralen und peripheren als auch zwischen benachbarten Hirnregionen statt. Eine Selektion findet nicht nur im Hinblick auf Regionen, sondern auch im Hinblick auf Funktionen statt. >Selektion. I 253 Sprache/Säugetiere/Deacon: Dass die meisten Säugetiere nicht sprechen können liegt daran, dass die Verbindung zwischen dem Motorcortex und den vokalen Steuerungsinstanzen im Stammhirn während der frühen Entwicklung beschnitten wurden. I 267 Im Gehirn sind die Operationen für die Organisation der kombinatorischen Relationen, die Symbolgebrauch und Assoziationen ordnen, im präfrontalen Cortex angesiedelt. I 277 Das Kleinhirn ist sehr schnell bei der Bildung von Vorhersagen. Eine Verlinkung mit dem Kleinhirn ist z.B. günstig für schnelle Konjugationen, die bei der Bildung von Sätzen gebraucht werden. Der präfrontale Cortex ist dann für ein Herausfiltern der richtigen Assoziationen zuständig. I 343 Gehirn/Mensch/Evolution: Was entscheidend ist, ist nicht ein absolutes Größenwachstum des Gehirns sondern ein Größenwachstum relativ zu einer Zunahme der Körpergröße innerhalb von Arten. Und wir können feststellen, dass es neben diesem relativen Größenwachstum im Fall des Menschen zu einer Größenzunahme des präfrontalen Cortex bekommen ist. Dies entspricht einer Verschiebung von Lerndispositionen. I 345 Diese Entwicklung kann nur in Begriffen der Baldwinschen Evolution (Baldwin-Effekt) verstanden werden. Vgl. >Evolution/Deacon. I 346 Werkzeuggebrauch/Deacon: Werkzeuggebrauch wird von Individuum zu Individuum weitergegeben, d.h. gelernt und ist kein Merkmal, das sich in der Gehirnstruktur wiederfindet. >Kultur, >Natur, >Evolution. I 347 Die ersten Werkzeuge wurden von Lebewesen gebraucht, deren Gehirn für den Symbolgebrauch nicht gut angepasst war. Versuche mit Affen wie Kanzi zeigen aber, dass auch solche Gehirne mit erheblichem sozialem Training imstande sind, Symbolgebrauch zu lernen. >Symbole/Deacon. |
Dea I T. W. Deacon The Symbolic Species: The Co-evolution of language and the Brain New York 1998 Dea II Terrence W. Deacon Incomplete Nature: How Mind Emerged from Matter New York 2013 |
| Information | Kauffman | I 111 Ordnung/Leben/Mensch/Kauffman: Der Mensch ist das Produkt von zwei Quellen der Ordnung, nicht von einer. >Ordnung/Kauffman, >Leben/Kauffman, >Menschen. I 112 Information/Ordnung/Leben/Entstehung/Kauffman: Die meisten Autoren gehen davon aus, dass DNS und RNS stabile Speicher von genetischer Information sind. Wenn das Leben jedoch mit kollektiver Autokatalyse begann und erst später lernte, die DNS und den genetischen Code in sich aufzunehmen, müssen wir erklären, wie diese Verbände erblicher Variation und natürlicher Selektion unterworfen sein konnten, obwohl sie noch kein Genom enthielten! >Gene, >Selektion. Einerseits kann die Evolution nicht ohne die Matritzenkopier-Mechanismen ablaufen, andererseits bastelt erst sie die Mechanismen zusammen. >Evolution. Könnte ein autokatalytischer Verband auch ohne sie evolvieren? Lösung: Räumliche Kompartiments (durch Membranen abgeteilter Räume), die sich aufspalten, sind zur Variation und Evolution fähig! Lösung: Vermutung: Hin und wieder laufen zufällige, unkatalysierte Reaktionen ab und erzeugen neuartige Moleküle. Der Metabolismus (Verwandlung, Stoffwechsel) würde um eine Reaktionsschleife erweitert. Evolution ohne Genom, keine DNS-ähnliche Struktur als Träger von Information. >Leben/Kauffman. I 114 Katalyse/Autokatalyse/Kauffman: Bei autokatalytischen Verbänden gibt es keinen Unterschied zwischen Genotyp und Phänotyp. >Genotyp, >Phänotyp. Leben/Entstehung/Kauffman: So bildet sich zwangsläufig ein komplexes Ökosystem. Moleküle, die in einer Urzelle erzeugt wurden, können in andere Urzellen befördert werden und dort Reaktionen beeinflussen. Das auf Stoffwechsel basierende Leben entsteht nicht als Ganzheit oder komplexe Struktur, sondern das gesamte Spektrum von Mutualismus und Konkurrenz, ist von Anfang an vorhanden. Nicht nur Evolution, sondern auch Koevolution. >Koevolution. I 115 Ordnung/Leben/Entstehung/Kauffmann: Die autokatalytischen Verbände müssen das Verhalten von mehreren tausend Molekülen koordinieren. Das potentielle Chaos übersteigt jegliches Vorstellungsvermögen. Es muss also noch eine weitere Quelle molekularer Ordnung entdeckt werden, der fundamentalen inneren Homöostase (Gleichgewicht). Dafür genügen verblüffend einfache Randbedingungen. >Anfang. I 148 Information/Gene/Kauffman: Frage: welcher Mechanismus steuert die Umsetzung und Unterdrückung bestimmter genetischer Information? Und woher wissen die verschiedenen Zelltypen, welche Gene sie wann umsetzen sollen? J. Monod/Francois Jacob: Mitte der 60er: Entdeckung eines Operators, der erst zu einem bestimmten Zeitpunkt eine Reaktion freisetzt. >J. Monod. I 149 Auch Repressor: Ein kleines Molekül kann ein Gen "einschalten". I 150 Im einfachsten Fall können zwei Gene sich gegenseitig unterdrücken. Zwei mögliche Muster. >Gene. Gen 1 ist aktiv und unterdrückt Gen 2 oder umgekehrt. Beide Zelltypen hätten dann zwar denselben "Genotyp", dasselbe Genom, könnten aber verschiedene Gensätze realisieren. Neuer Erkenntnishorizont: Unerwartete und weitreichende Freiheit auf molekularer Ebene. Durch Anlagerung des Repressors an den Operator an verschiedenen Stellen ergibt sich unterschiedliche Empfänglichkeit für den Operator auf der DNS. Regulation. I 151 Dieser Steuerungsmechanismus durch Anlagerung an zwei verschiedenen Stellen bedeutet völlige Freiheit für die Moleküle, genetische Schaltkreise beliebiger Logik und Komplexität zu erzeugen. Solche Systeme müssen wir erst lernen zu verstehen. |
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| Sprache | Deacon | I 26 Sprache/DeaconVsTradition: traditionelle Paradigmen sind z.B. 1. Erklärung durch Assoziation/assoziative Abbildungen: danach entspringt die Architektur der Sprache vollständig außerhalb unseres Organismus 2. Mentalesisch/innere mentale Sprache: danach liegt sie vollständig innerhalb unseres Organismus 3. Angeborenes grammatisches Wissen >Chomsky. 4. Innere Bilder, die durch Klänge ausgelöst werden >Behaviorismus. Nature/nurture/Deacon/(s): Diese klassische Frage dreht sich darum, was uns von der Natur mitgegeben wurde und was wir erworben haben (nurture = Nahrung). Je nachdem, ob die Antwort näher am Ende der angeborenen Eigenschaften (instinktivem Wissen) liegt, wird Lernen als eher überflüssig angesehen. >Nature versus nurture. DeaconVsChomsky: Trotz der erstaunlichen Sprachlernfähigkeiten von Kindern muss der Ursprung woanders gesucht werden und andere Fragen gestellt werden. >Spracherwerb. I 53 Sprache/Deacon: Sprache ist ein abgeleitetes Charakteristikum (abgeleitet aus viel länger bestehender Tierkommunikation) und sollte daher als Ausnahme einer Regel analysiert werden, nicht umgekehrt. Vgl. >Tiersprache. Tierkommunikation: wird meistens fälschlicherweise als „Sprache minus etwas“ behandelt. I 54 Tatsächlich ist Sprache ein abhängiges Stiefkind der viel reicheren Kommunikation, die auch Gesten, Zeigen, Tonfall, Interaktion mit Gegenständen usw. beinhaltet. >Zeigen, >Gesten, >Sprechen, >Hören. Es ist nicht so, dass Sprache andere Formen der Kommunikation ersetzt hat. Sie hat sich vielmehr parallel dazu entwickelt. >Kommunikation. I 309 Sprache/Gehirn/Deacon: Die Lateralisierung (Lateralisation, Aufteilung von Aufgaben auf die rechte und linke Hirnhälfte) ist fast mit Gewissheit ein Effekt und nicht eine Ursache innerhalb der Koevolution von Sprache und Gehirn. Ich glaube sogar, dass sie ein Effekt in der Sprachentwicklung von Individuen ist. Dabei geht es um eine Aufteilung von Aufgaben, I 310 so dass sie leichter parallel verarbeitet werden können. >Gehirn/Deacon. I 311 Kinder mit nur einer Hirnhälfte können alle Aspekte der Sprache erlernen. (Plastizität des Gehirns) Wenn wir die Sprachverarbeitung im Gehirn verstehen wollen, müssen wir nicht so sehr die individuellen Gegebenheiten untersuchen, die von Individuum zu Individuum wechseln, sondern das, was die individuelle Entwicklung vorantreibt. |
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| Symbolische Referenz | Deacon | I 43 Symbolische Referenz/Deacon: These: Symbolische Referenz ist allein der menschlichen Spezies vorbehalten, während viele Tiere über komplexe nichtsymbolische Referenz verfügen. >Referenz, >Symbole/Deacon, >Symbolische Kommunikation, >Symbolisches Lernen. Grammatik. Grammatische Regeln und Kategorien sind symbolische Regeln und Kategorien. Syntax: Syntaktische Strukturen sind nur physikalische Regelmäßigkeiten, wenn sie nicht als symbolische Operationen aufgefasst werden, die es zu entschlüsseln gilt. >Syntax. Daher müssen Sprachtheorien zuerst symbolische Referenz erklären. >Regelmäßigkeiten. I 44 Dass Linguisten der symbolischen Referenz nicht viel Beachtung geschenkt haben, ist damit zu erklären dass Grammatik und Syntax durch den Vergleich von Sprachen erklärt werden kann. Auch die Korrelationen von Sprachprozessen und Gehirnfunktionen können ohne symbolische Referenz erklärt werden. Spracherwerb: Spracherwerb kann weit gehen ohne Bezug auf symbolische Referenz erklärt werden. >Spracherwerb. Tier/Mensch/Sprach/Deacon: Aber Theorien, die die Unterschiede zwischen menschlicher und nichtmenschlicher Kommunikation erklären wollen, können nicht ohne Bezug auf symbolische Referenz auskommen. Das gilt auch für Theorien, die menschlichen und tierischen Geist vergleichen wollen. >Tiere, >Tiersprache. I 82 Symbolische Referenz/Deacon: Symbolische Referenz bleibt auch erhalten, wenn ein Reiz durch einen anderen ausgelöscht wird, z.B. wenn die Koppelung zwischen einem Signal und einem folgenden Ereignis unterbrochen wird. Eine indexhafte, indexartige Assoziation würde diese Korrektur nicht überdauern. >Indexikalität, >Reize, >Reizbedeutung. Lernen von Symbolen/Tiere: Wenn eins von mehreren gelernten Zeichen ausgelöscht wird, hat dies so gut wie keine Auswirkung auf die Assoziation mit anderen Zeichen. Das ist ganz anders im Fall von Wörtern. >Lernen, >Spracherwerb. Wörter: stehen – anders als Symbole - in Relation zu allen anderen Wörtern einer Sprache. >Wörter, >Wortbedeutung. I 83 Symbolische Referenz/Deacon: Symbolische Referenz entsteht aus kombinatorischen Möglichkeiten und Unmöglichkeiten. Das ist der Unterschied zur einfachen Korrelation von Signalen mit Reizen. Vgl. >Signale/Deacon, >Signalsprache. I 88 Symbolische Referenz/Deacon: Kein einzelnes Symbol legt seine Referenz fest. >Referenz. Referenz entsteht aus der hierarchischen Beziehung zwischen den zwei Stufen der zeichenhaften (indexartigen) Referenz: a) keine Interaktion bzw. Korreliertheit zwischen den Elementen, weder auf der Ebene der Objekte, noch auf der der Zeichen, lediglich Assoziation von Zeichen und Objekt. b) keine Interaktion (Korreliertheit) auf der Ebene der Objekte – wohl aber auf der der Zeichen (sinnvolle Muster). >Sinn, >Sinnloses, >Bedeutung. Symbol: Erst auf der dritten Stufe stellt sich symbolische Repräsentation ein: hier gibt es Interaktion (bzw. die Unterscheidung sinnvoller und sinnloser Muster) auf beiden Ebenen: der der Objekte und der der Zeichen. >Symbolische Repräsentation. Neu: Damit wird logische und kategorische Verallgemeinerung möglich, die bei der Verallgemeinerung von Reizen (stimulus generalization) nicht möglich ist. Tierversuche: (Savage-Rumbaugh et al., 1978(1); 1980(2) und Savage-Rumbaugh 1986(3)): zeigten mit Affen, das neue Symbole relativ schnell in ein bereits etabliertes Schema mit verschiedenen Bedeutungskategorien eingeordnet wurden. Dabei spielte ein Verständnis der Funktionen der Relationen der Zeichen untereinander offensichtlich eine Rolle. Die Aufmerksamkeit der Tiere war dabei nicht mehr nur auf die Objekte, sondern auch auf die Zeichen und ihr Verhältnis untereinander gerichtet. Kategorien: Die Fähigkeit zur Kategorisierung und zum Erkennen logischer Beziehungen ist ein wesentlicher Teil des Lernens symbolischer Referenz. >Kategorisierung, >Klassifikation. I 89 Symbolisches Lernen: Nachdem die Tiere den Unterschied zwischen Symbolen für essbare und nicht-essbare Objekte gelernt hatten, lernten sie, die Objekte in verschiedene Behälter zu sortieren. Später lernten sie etwas entscheidendes Neues: sie lernten, die Symbole für die jeweiligen Objekte Symbolen für die jeweiligen Behälter zuzuordnen. Damit zeigten sie, dass sie eine symbolische Verallgemeinerung vornehmen konnten. >Verstehen/Einsicht/Deacon, Tier/Deacon. I 322 Symbolische Referenz/Gehirn/Deacon: These: Das Aufkommen der symbolischen Referenz bei unseren entfernten Vorfahren änderte grundsätzlich die Weise, wie Prozesse der natürlichen Selektion das menschliche Gehirn seitdem veränderten. Letztlich veränderte der Gebrauch von Sprache etwas, das sich in der Anatomie und im Aufbau unseres Gehirns niederschlug. Man könnte sagen, „Das Wort wurde Fleisch“. >Koevolution von Sprache und Gehirn. 1. Savage-Rumbaugh et al. (1978). Symbolization, language and chimpanzees: A theoretcal reevaluation based on initial language acquisition processes in four young Pan troglodytes. Brain and Language 6, 265. 2. Savage-Rumbaugh et al. (1980). Reference: The linguistic essential. Science 210. 922-925. 3. Savage-Rumbaugh, E. S. (1986). Animal intelligence. Ape language: From conditioned response to symbol. Columbia University Press. |
Dea I T. W. Deacon The Symbolic Species: The Co-evolution of language and the Brain New York 1998 Dea II Terrence W. Deacon Incomplete Nature: How Mind Emerged from Matter New York 2013 |
| Tiere | Dupré | Perler I 315 Tier/Sprache/Denken/Dupré: Es ist nicht ganz korrekt, von "Haustieren" zu sprechen, es ist eher eine Koevolution von Menschen und anderen Spezies die lange in einer symbiotischen Beziehung leben. "Domestizierung" und "Sozialisation" ist etwas ganz anderes! >Tiersprache, >Evolution. I 316 Tier/Kommunikation/Absicht/Dupré: Ein wichtiges Kriterium für beabsichtigte Kommunikation ist die Möglichkeit zur Täuschung. >Tiere, >Tiersprache, >Kommunikation, >Täuschung. I 318 Tier/Denken/Sprache/Descartes/Dupré: Sogar jene, die die kognitiven Fähigkeiten der Tiere am meisten verteidigen, akzeptieren häufig die cartesianische Annahme, dass es prinzipiell unmöglich sei, Denken oder sogar Bewusstsein von Tieren zu beweisen, weil dies vom Verhalten begrifflich abhängig sei. >Verhalten, >Sprache, >Denken ohne Sprache, >Sprache und Denken, >Gesten, >Verstehen. I 319 DupréVsDavidson: Wenn Davidson Recht hätte, stünde nicht nur die Frage auf dem Spiel, ob man Affen Sprechen beibringen kann, sondern ob man ihnen das Denken beibringen könnte. >Tiere/Davidson, >Sprache/Davidson, >Denken/Davidson. I 320 Tierethik/Dupré: Tierethik hängt in keiner Weise vom Erfolg des Projekts ab, Tieren Sprechen beizubringen! >Ethik. I 321 Sprache/Denken/Dupré: Es gibt viele Formen nicht sprachlichen Verhaltens, die Kommunikation ermöglichen, und viele nicht sprachliche Manifestationen von Denken. Tier/Dupré: Die Sprachforschung mit Affen kann uns über Affen und uns selbst viel sagen, was wir auf anderem Wege nicht erfahren können. John Dupré Gespräche mit Affen Reflexionen über die wissenschaftliche Erforschung der Sprache in D. Perler/M. Wild (Hg.) Der Geist der Tiere, Frankfurt 2005 |
Dupré I John Dupré "Conversations with Apes. Reflections on the Scientific Study of Language", in: Investigating Psychology. Sciences of the Mind after Wittgenstein, J. Hyman (Ed) London/New York 1991, pp. 95-116 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 Perler I Dominik Perler Markus Wild Der Geist der Tiere Frankfurt 2005 |
| Ursachen | Deacon | I 45 Ursache/Wirkung/Deacon: In der Koevolution von Sprache und Gehirn wurde das Verhältnis von Ursache und Wirkung insofern umgedreht, als die neue Fähigkeit der symbolischen Referenz (die allein der menschlichen Spezies vorbehalten ist) von der genetischen Weitergabe abgekoppelt wurde. >Symbolische Referenz, >Referenz, >Gehirn/Deacon, >Sprache/Deacon, >Symbole/Deacon. Wenn es stimmt, dass es einen Selektionsdruck auf symbolverarbeitende Organismen gab, muss unsere einzigartige geistige Fähigkeit ebenfalls in diesen Begriffen verstanden werden. >Selektion. Dann sollte die Architektur unserer Gehirne auch systematische Abweichungen von der Architektur von Affengehirnen aufweisen. >Tiere, >Tiersprache. |
Dea I T. W. Deacon The Symbolic Species: The Co-evolution of language and the Brain New York 1998 Dea II Terrence W. Deacon Incomplete Nature: How Mind Emerged from Matter New York 2013 |