Lexikon der Argumente


Philosophische Themen und wissenschaftliche Debatten
 
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Arten Gould I 223
Arten/Gould: Eine durchschnittliche wirbellose Art lebte ungefähr 5 - 10 Mio Jahre unverändert. Sie verändert sich in der Zeit kaum und stirbt aus ohne Nachfolger. Auf höherem Niveau ist die Evolution im Grunde eine Angelegenheit des unterschiedlichen Erfolgs der Arten und nicht einer langsamen Transformation von Stammbäumen.

II 331
Arten/Gould: Def Art: Arten werden als Populationen definiert, die fortpflanzungsmäßig von allen anderen isoliert sind. Mit anderen Arten zusammengebracht, werden sie sich nicht vermischen. Schlüsselfrage für den Ursprung einer neuen Art: Wie entwickeln sich Isolationsmechanismen?
II 332
Traditionelle Sicht: Eine ursprünglich einheitliche Population wird durch Auseinanderdriften von Kontinenten getrennt oder durch neu entstehende Gebirgszüge. Die neu isolierten Gruppen würden sich durch Adaption an ihre neue Umwelt anpassen. Nach einer gewissen Zeit werden die Populationen so verschieden, dass sie sich nicht mehr kreuzen lassen. Neue Sicht: Der letztliche Erfolg einer entstandenen Art mag von der Entwicklung der Anpassung abhängen, aber der Akt der Artbildung selbst kann ein zufälliges Ereignis sein.
Taxonomen haben entdeckt, dass viele Gruppen eng verwandter Arten sich in Form, Verhalten, und sogar in der genetischen Ausstattung nicht sehr unterscheiden. Sie weisen allerdings hervorstechende Unterschiede in der Anzahl und der Form der Chromosomen auf, und diese Unterschiede erzeugen die Isolationsmechanismen, die sie als getrennte Art erhalten. Die Hauptveränderung entsteht in einem einzigen Individuum. Mit wem soll es sich fortpflanzen?

IV 198
Arten: Artenvielfalt hat durchaus im Laufe der Zeit zugenommen. Die heutigen Ozeane enthalten mindestens doppelt so viele Arten wie die Meere im Paläoziokum. Daher könnte man erwarten, dass sie nicht nur mehr Arten enthalten, sondern auch unterschiedlichere Arten von Organismen, mit grundlegend anderen Bauplänen. Dem ist aber nicht so! Heute werden doppelt so viele Arten in viel weniger Gruppen höherer Taxa gestopft.
Die heutigen Meere werden von weniger Gruppen beherrscht: primär von Muscheln, Schnecken, Krebsen, Fischen und Seeigeln. Jede Gruppe umfasst viel mehr Arten als sie irgendein Stamm im Paläoziokum je aufwies.
Diese stetige Abnahme organischer Konstruktionstypen bei starker Zunahme der Artenzahl ist der wohl hervorstechendste Trend der fossilen Dokumente!
IV 199
Kausalität/Zufall/Evolution: Es lässt sich vielleicht ein Prinzip ausfindig machen, wie z.B. "anfängliches Experimentieren und spätere Standardisierung". Bsp Um 1900 gab es wenige Automarken und eine erheblich größere Bandbreite an Konstruktionstypen. Heute gibt es hunderte Marken und viel einheitlichere Konstruktion. Evolution/Artenreichtum: Der Wandel von wenigen Arten und vielen Gruppen zu wenigen Gruppen und vielen Arten würde selbst bei rein zufälligem Aussterben auftreten, wenn jeder Speziationsvorgang zu Beginn der Geschichte des Lebens von durchschnittlich größeren Veränderungen begleitet gewesen wäre.
IV 201
Aussterben: Jedes ist unausweichlich für immer. Ein ausgestorbenes Experiment wird sich nie wiederholen. Die Chancen sind mathematisch zu gering. Biologen sprechen vom "Prinzip der Nichtumkehrbarkeit der Evolution". Ordnung/Zufall/Gould: Zufallsprozesse bringen ein hohes Maß an Ordnung hervor. Dass sie bestimmte Muster zur Folge haben, spricht nicht gegen ihre Zufälligkeit.
IV 327
Art/Arten/Gould: Jede Art ist eine Verkettung von Unwahrscheinlichkeiten. Jede Art ob Mensch, Koralle oder Tintenfisch - ist jeweils das letzte Glied in einer Kette, die sich zurück erstreckt bis zum Beginn allen Lebens. Wenn irgendeine dieser Arten ausgestorben wäre oder sich in eine andere Richtung entwickelt hätte, wären die Endresultate deutlich verschieden. Bsp Unsere Vorfahren, die Fische, entwickelten eine besondere Flosse, mit einer stabilen, zentralen knöchernen Achse. Ohne sie hätten sie sich nicht an Land entwickeln können.
Dennoch entwickelten sich diese Flossen nicht in einer Vorahnung sich aus dem Landleben ergebender Notwendigkeiten. Sie entwickelten sich als Adaptionen an einen lokalen Lebensraum.
Notwendigkeit: Menschliche Gehirne entwickelten sich nicht auf einer direkten und notwendig aufsteigenden Stufenleiter, sondern auf verschlungenen Wegen voller Unfälle.

III 264
Arten/Gould: In der Frühzeit der Evolution wurde das größte Formenspektrum erreicht, die meisten der frühen Experimente starben aus. Und zwar zufällig und nicht durch vorhersagbare Ursachen. Heute gibt es nur noch einen kleinen Teil der Möglichkeiten.
>Evolution, >Erklärung, >Darwinismus

Gould I
Stephen Jay Gould
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Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991

Gould III
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Gould IV
Stephen Jay Gould
Das Lächeln des Flamingos Basel 1989
Arten Mayr Gould I 216
Art/Darwin/Lamarck: Arten sind keine natürliche Einheiten sondern "rein artifizielle Zusammenstellungen"... begriffliche Definitionen. >Ordnung, >Systeme, >Definitionen, >Definierbarkeit, >Klassifikation.
Gould I 217
Art/Ernst MayrVsDarwin/MayrVsLamarck: Arten sind Produkt der Evolution und nicht des menschlichen Geistes. >Evolution, >Evolution/Mayr.
I 179
Def Art/Mayr: Eine Art ist eine Vorrichtung zum Schutz ausgewogener, harmonischer Genotypen. "Biologisches Artkonzept" sucht biologischen Grund für die Existenz von Arten. Vielleicht gibt es zufällig noch andere Eigenschaften. Biologisches Artkonzept:
1. Problem: Asexuelle Organismen bilden keine Populationen.
2. Problem: Räumliche Ausdehnung mit Unterarten. Sie können in der Isolation mit der Zeit zu selbständigen Arten werden (durch Erwerb von neuen Isolationsmechanismen). (Polytypische Arten).
I 181
Nominalistisches Artkonzept: In der Natur gibt es ausschließlich Individuen, Arten sind künstlich vom Menschen geschaffen. MayrVs: Das wäre Willkür, und die Natur zeigt, dass nicht Willkür herrscht.
I 182
Evolutionäres Artkonzept: zeitliche Dimension, Generationenreihe von Populationen. MayrVs: Das Konzept berücksichtigt nicht, dass es zwei mögliche Wege der Artentstehung gibt:
a) Allmähliche (graduelle) Wandlung einer Stammlinie in eine andere Art, ohne dass die Zahl der Arten verändert würde,
b) Die Vervielfältigung von Arten durch geographische Isolation.
I 183
Art/Mayr: Art wird auf drei ganz verschiedene Objekte oder Phänomene angewendet:
1. Das Artkonzept
2. Die Kategorie Art 3. Die Arttaxa.
Manche Autoren konnten diese nicht unterscheiden, was zu heilloser Verwirrung in der Literatur geführt hat.
Artkonzept: biologische Bedeutung oder Definition des Wortes "Art".
Kategorie Art: bestimmte Rangstufe im Linnéschen System. (Andere Kategorien: Ordnung, Reich., Gattung...)
Def Arttaxa: Besondere Populationen oder Populationsgruppen, die der Artdefinition entsprechen. Sie sind Entitäten ("Individuen") und lassen sich als solche nicht definieren. Individuen können nicht definiert werden, sondern lediglich beschrieben und abgegrenzt.
>Definitionen, >Definierbarkeit.
I 183
Evolution/Mayr: Art ist die entscheidende Entität der Evolution. Art: Eine Art tritt, ganz unabhängig von den ihr zugehörigen Individuen, als eine Einheit mit anderen Arten in der gemeinsamen Umwelt in Wechselwirkung.
I 185
Makrotaxonomie: Die Klassifikation von Arten (in übergeordnete Gruppen) Gruppen: Meist leicht erkennbar: Vögel, Schmetterlinge, Käfer.
Abwärtsklassifikation (Eigentlich Identifizierung). Zweiteilung (aristotelisch), Blütezeit der medizinischen Botanik.
Bsp Warmblüter oder Nicht-Warmblüter - Federn habend oder nicht habend.
I 192
Organismentypen: Die meisten neuen Organismentypen entstehen nicht durch allmähliche Umformung einer Stammlinie, also eines schon vorhandenen Typus. Vielmehr dringt eine Gründerart in eine neue adaptive Zone vor und ist dort dank schneller adaptiver Veränderungen erfolgreich. Bsp Die mehr als 5000 Singvogelarten sind nicht mehr als die Variation eines einzigen Themas.
I 192
Art: Die beiden evolutionären Wege, eine neue Art hervorzubringen: a) allmählicher Wandel des Phänotyps und
b) zunehmende Vielfalt (Speziation)
stehen nur in loser Verbindung.
I 192
Selektionsdruck: Selektionsdruck kann ausbleiben, wenn eine Gründerart in seine sehr günstige adaptive Zone gelangt.
I 283
Arten/Mayr: Sehr konservative Schätzung: 10 Mio Tierarten, davon etwa 1,5 Mio beschrieben. Also etwa 15% bekannt. Legitime Schätzung: 30 Mio Arten. Nur 5% sind bekannt. Andererseits sind 99 % aller Vogelarten entdeckt und beschrieben. Bei vielen Insekten, Spinnentieren, niederen Wirbeltieren vermutlich weniger als 10%. Dasselbe gilt für Pilze, Protisten, Prokaryonten.

Mayr I
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Belege Darwin Gould I 189
Belege/Evidence/Darwin/Gould: Darwin vertrat die Ansicht, dass die Fossilfunde außerordentlich lückenhaft waren. Die Geschichte der meisten Fossilarten umfasst zwei Merkmale, die sich besonders schwer mit der Theorie einer allmählichen Veränderung vereinbaren lassen.
I 191
Bei der "sympatrischen" Speziation treten neue Formen innerhalb des Verbreitungsgebiets der bisherigen Form auf. Anders sieht es an der Peripherie aus: hier isolierte kleine Populationen sind sehr viel stärker dem Selektionsdruck ausgesetzt, weil die Peripherie die Grenze der ökologischen Toleranz der bisherigen Lebewesen markiert.
Frage: Was sollten Fossilfunden enthalten, wenn der größte Teil der Evolution sich in kleinen Randgruppen vollzieht?
I 210
Belege/Methode/Gould: Ereignisse, die nach der überlieferten Weisheit nicht eintreten "können" werden nur selten aufgrund von gesammeltem Beweismaterial anerkannt, sie setzen zu ihrer Erklärung einen Mechanismus voraus, nachdem sie eintreten können. Die empirischen Belege von damals erscheinen uns heute plausibel, damals waren sie es nicht, weil keine annehmbare Kraft benannt werden konnte, die in der Lage gewesen wäre, ((s) z.B.) ganze Kontinente zu bewegen. >Methode, >Evolution, >Rechtfertigung, >Bestätigung.
Gould IV 33
Belege/Darwin/Gould: Darwin schrieb »Die Abstammung des Menschen« 1871(1). Zu der Zeit gab es noch keine Fossilien, außer dem Neandertaler, der eine Rasse unserer eigenen Art ist, also weder ein Vorfahr noch etwa ein »missing link«.
Gould IV 35
Erklärung/Belege/Wissenschaft/Darwin/Gould: Woher wissen wir, dass die Evolution die Welt steuert und nicht irgendein anderes Prinzip? Darwins Antwort war paradox. Er suchte nicht nach Perfektion, sondern nach Ungereimtheiten! Es gibt Strukturen und Verhaltensweisen, die zwar die sinnvolle Gestalt eines Organismus gefährden, schließlich aber doch den Erfolg derart sichern. Sie steigern die produktive Tüchtigkeit. Bsp Die Schwanzfedern der Pfauen und die Geweihe der Elche. Sie schwächen sogar die Art, sichern aber dennoch die Weitergabe der Gene.
Das kann nur durch Darwin erklärt werden: zusätzlich zur Adaption: die sexuelle Selektion.
IV 36
Sexuelle Selektion: Wettbewerb der Männchen unter einander oder Wahl durch die Weibchen. So treibt der Existenzkampf der Individuen die Evolution voran! Sie muss außergewöhnlich wirksam sein, sie ist häufig in der Lage, andere Ausstattungsvorteile und Entwicklungen zu überwinden.
1. Ch. Darwin, The descent of man, and selection in relation to sex. John Murray, London 1871.

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Evolution Darwin Gould II 329
Darwin: 2 Stufen der Evolution 1. zufällige Variationsbreite (Erzeugung von Rohmaterial)
2. Auslese (Selektion) als konventionelle Kraft.
Gould II 331
Die offizielle Definition der Evolution/Gould: Def Evolution: "Veränderung der Genfrequenzen in Populationen". (Der Prozess der zufälligen Zu oder Abnahme der Genfrequenz wird
Def "Gendrift" genannt.)
Die neue Theorie des Neutralismus deutet an, dass viele wenn nicht gar die meisten Gene in individuellen Populationen ihre Häufigkeit primär dem Zufall verdanken.

Mayr I 235
Darwin (früh): Anpassungsveränderung. - Vs: Das kann niemals die enorme Vielfalt organischen Lebens erklären, denn es lässt keine Zunahme der Artenzahl zu.
Mayr I 236
Darwin/Mayr: Die Entstehung der Arten: 5 Haupttheorien 1. Organismen entwickeln sich im Lauf der Zeit ständig weiter (Evolution als solche).
2. Verschiedene Organismenarten stammen von einem gemeinsamen Vorfahren ab.
3. Arten vervielfachen sich im Lauf der Zeit (Speziation)
4. Evolution erfolgt in Form allmählichen Wandels.(GradualismusVsSaltationismus).
5. Der Evolutionsmechanismus besteht in der Konkurrenz unterzahlreichen einzigartigen Individuen um begrenzte Ressourcen, die zu Unterschieden in Überleben und Fortpflanzung führt (natürliche Selektion). >Selektion.

Gould IV 357
Evolution/Darwin: These: Keine innere Dynamik treibt das Leben voran! Wenn die Umwelt sich tatsächlich nicht veränderte, wäre es nicht ausgeschlossen, dass die Evolution knirschend zum Stehen käme! Eigentlich führen die Arten ihr Leben unabhängig voneinander! Ihre wichtigsten Kämpfe führen sie gegen Klimate, geologische und geographische Verhältnisse. (>Arten).

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Evolution Gould Dennett I 412
Evolution/Gould: These: Der entscheidende Unterschied in der Evolution ist nicht die schlichte Anpassung sondern die Artbildung (DennettVs). Gould: These: Arten sind zerbrechliche, aber unveränderliche Gebilde. Es gibt keine Verbesserungen bei Arten sondern geschlossenes Verwerfen. Richtige Ebene: Die richtige Ebene sind nicht die Gene sondern ganze Arten oder Klades. Arten/Gould/(s): Arten werden nicht verbessert, sondern verworfen. Ebene/Erklärung/Dennett: Die Erklärung erfolgt wie bei Software/Hardware. Einiges wird besser auf der einen, anderes auf der anderen Ebene erklärt.
>Erklärung, >Darwinismus.

Gould I 88ff
Evolution/Darwinismus/Individuum/Gould: Individuen entwickeln sich nicht evolutionär, sie können nur wachsen, sich fortpflanzen und sterben. Evolutionäre Veränderungen treten auf bei Gruppen von miteinander interagierenden Organismen. Arten sind die Einheiten der Evolution. Orthodoxer Darwinismus/Gould: These: Gene mutieren, Individuen unterliegen der Selektion, Arten entwickeln sich evolutionär.
I 131
Evolution/Gould: These: Ich stelle mir die Evolution nicht als Leiter sondern eher in Form eines Strauchs mit vielen Verzweigungen vor. Daher: Je mehr Arten desto besser.
I 133
Die Wichtigkeit dieses Punkts kann man an der Entwicklung der Moleküle sehen. Die Zahl der Unterschiede zwischen den Aminosäuren korreliert deutlich mit der Zeit seit der Abzweigung von Entwicklungslinien. Je länger die Trennung, desto größer die Unterschiede. So hat man eine molekulare Uhr entwickelt. Die Darwinisten waren generell überrascht von der Regelmäßigkeit dieser Uhr. Denn die Selektion sollte eigentlich mit erkennbar unterschiedlicher Geschwindigkeit bei den verschiedenen Entwicklungslinien zu verschiedenen Zeiten vorgehen.
I 134
VsDarwinismus: Die Darwinisten sind tatsächlich gezwungen, zu erwägen, dass die regelmäßige molekulare Uhr eine Evolution wiedergibt, die nicht der Selektion unterliegt, sondern der zufälligen Fixierung neutraler Mutationen. Wir haben uns nie von der Auffassung der Evolution des Menschen trennen können, die das Gehirn in den Mittelpunkt stellt. Der Australopithecus afarensis widerlegte das, wie es übrigens von scharfsinnigen Evolutionstheoretikern wie Ernst Haeckel und Friedrich Engels vorausgesagt worden war.
Tradition: Allgemeine Auffassung: Dass der aufrechte Gang eine leicht erreichbare allmähliche Entwicklung, und der Zuwachs des Gehirnvolumens einen überraschend schnellen Sprung darstellte.
I 136
GouldVs: Ich möchte die gegenteilige Auffassung vertreten. Nach meiner Auffassung ist der Aufrechtgang eine Überraschung, ein schwer zu erreichendes Ereignis, eine rasche und fundamentale Umgestaltung unserer Anatomie. Die darauf folgende Vergrößerung unseres Gehirns ist in anatomischen Begriffen ein sekundäres Epiphänomen, ein einfacher Übergang, eingebettet in das allgemeine Muster der menschlichen Evolution. Zweifüßigkeit ist keine einfache Errungenschaft, sie setzt eine fundamentale Umgestaltung unserer Anatomie, insbesondere der Füße und des Beckens, voraus.
I 191
Evolution/Gould: Evolution geht im Wesentlichen auf zweierlei Weise vor sich: a)
Def phyletische Transformation: Eine Gesamtpopulation verändert sich von einem Zustand zu einem anderen hin. Würden sich alle evolutionären Veränderungen auf diese Weise ereignen, könnte sich das Leben nicht lange halten.
Denn bei einer phyletischen Transformation kommt es nicht zu einer Zunahme an Mannigfaltigkeit und Vielgestaltigkeit, nur zur Transformation von einem Zustand zu einem anderen. Da nun Aussterben (durch Ausrottung) so verbreitet ist, würde bald alles vernichtet, das nicht die Fähigkeit zur Anpassung hat.
b)
Def Speziation: neue Arten zweigen sich von bisherigen ab. Alle Theorien der Speziation gehen davon aus, dass Aufspaltungen bei sehr kleinen Populationen rasch eintreten.
Bei der "sympatrischen" Speziation treten neue Formen innerhalb des Verbreitungsgebiets der bisherigen Form auf.
Große stabile Zentralpopulationen üben einen starken homogenisierenden Einfluss aus. Neue Mutationen werden durch die starken bisherigen Formen beeinträchtigt: Sie mögen langsam an Häufigkeit zunehmen, aber eine veränderte Umwelt setzt gewöhnlich ihrer selektiven Wert herab, lange bevor sie sich durchsetzen können. Mithin sollte eine phyletische Transformation der großen Populationen sehr selten sein, wie dies auch die Fossilfunde beweisen.
Anders sieht es an der Peripherie aus: Hier sind isolierte kleine Populationen sehr viel stärker dem Selektionsdruck ausgesetzt, weil die Peripherie die Grenze der ökologischen Toleranz der bisherigen Lebewesen markiert.
I 266
Evolution/Biologie/Gould: Die Evolution geht durch Ersetzung der Nukleotide vor sich.
II 243
Evolution/Gould: These: Die Evolution hat keine Tendenz.
II 331
Evolution/Gould: Die offizielle Definition der Evolution/Gould: Def Evolution: Evolution ist die "Veränderung der Genfrequenzen in Populationen". (Der Prozess der zufälligen Zu- oder Abnahme der Genfrequenz wird Def "Gendrift" genannt.)
Die neue Theorie des Neutralismus deutet an, dass viele wenn nicht gar die meisten Gene in individuellen Populationen ihre Häufigkeit primär dem Zufall verdanken.

IV 199
Evolution/Artenreichtum: Der Wandel von wenigen Arten und vielen Gruppen zu wenigen Gruppen und vielen Arten würde selbst bei rein zufälligem Aussterben auftreten, wenn jeder Speziationsvorgang zu Beginn der Geschichte des Lebens von durchschnittlich größeren Veränderungen begleitet gewesen wäre.
IV 221
Evolution/Gould. Vorevolutionäre Theorie: Die Kette des Seins ist die alte Idee, dass jeder Organismus ein Bindeglied darstellt. Sie verwechselt Evolution mit Höherentwicklung. Sie ist auch als primitive Form der Evolution missinterpretiert worden, hat aber damit nichts zu tun! Die These ist nachdrücklich antievolutionär.
Problem: Es gibt keine Bindeglieder zwischen Wirbeltieren und Wirbellosen.
IV 223
Zwischenform: Die Theorie nahm Asbest als Zwischenform zwischen Mineralien und Pflanzen an, aufgrund der faserartigen Struktur. Hydra und Korallen wurden als Zwischenform zwischen Pflanzen und Tieren angesehen. (Heute: Beides sind natürlich Tiere.) Absurd: Es ist absurd eine Ähnlichkeit zwischen Pflanzen und Pavianen herzustellen, durch die Analogie, dass Pflanzen ihre Blätter verlieren und Paviansäuglinge ihre Haare.
IV 346
Evolution/Gould: Evolution entwickelt sich keineswegs in Richtung Komplexität, warum auch?

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Dennett I
D. Dennett
Darwins gefährliches Erbe Hamburg 1997

Dennett II
D. Dennett
Spielarten des Geistes Gütersloh 1999

Dennett III
Daniel Dennett
"COG: Steps towards consciousness in robots"
In
Bewusstein, Thomas Metzinger Paderborn/München/Wien/Zürich 1996

Dennett IV
Daniel Dennett
"Animal Consciousness. What Matters and Why?", in: D. C. Dennett, Brainchildren. Essays on Designing Minds, Cambridge/MA 1998, pp. 337-350
In
Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005
Evolution Mayr I 43
Evolution/Mayr: Einheit der Evolution ist die Population (oder Art) und nicht das Gen oder das Individuum. (MayrVsDawkins). >Arten, >Gene, >R. Dawkins, >Gene/Dawkins, >Evolution/Dawkins.
Def Integron/Mayr: Ein Integron ist ein durch Integration untergeordneter Einheiten auf höherer Stufe entstehendes System. Integrons entwickeln sich durch natürliche Selektion. Sie sind auf jeder Stufe angepasste Systeme, weil sie zur Fitness (Eignung) eines Individuums beitragen.
>Selektion.
I 183
Evolution/Mayr: Art ist die entscheidende Entität der Evolution.
I 230
Evolution/Fortschritt/Mayr: Kohäsion: Ausdruck dafür, dass das System der Entwicklung sehr eng geworden ist.
Evolution geht in großen, mitgliederreichen Arten sehr langsam voran, in kleinen peripher isolierten Gruppen schnell.
>Speziation, > Unterbrochenes Gleichgewicht/Gould, >Punktuelles Gleichgewicht/Gould/Eldredge.
Eine Gründerpopulation mit wenigen Individuen und daher nur wenig verborgener genetischer Variation kann leichter einen anderen Genotyp annehmen.
Makroevolution: Makroevolution wird am stärksten durch den geographischen Faktor (Isolation) bestimmt.
I 234
Evolution/Mayr: drei Konzepte: 1.Sprunghafte Evolution: (Transmutationismus): Typensprung. Selbst nach Darwin konnten einige Forscher (u.a. sein Freund Huxley) der Begriff der natürlichen Selektion nicht akzeptieren und entwickelten saltationistische Theorien.
2.Transformationelle Evolution (Transformationismus) allmähliche Veränderung des Eis zum Organismus. Von Darwin verdrängt.
I 235
3. Variationsevolution (Darwin)
I 235
Darwin (früh): Anpassungsveränderung. Vs: Anpassung kann niemals die enorme Vielfalt organischen Lebens erklären, denn das lässt keine Zunahme der Artenzahl zu.
I 236
Darwin/Mayr: Die Entstehung der Arten: 5 Haupttheorien 1. Organismen entwickeln sich im Lauf der Zeit ständig weiter (Evolution als solche).
2. Verschiedene Organismenarten stammen von einem gemeinsamen Vorfahren ab.
3. Arten vervielfachen sich im Lauf der Zeit (Speziation)
4. Evolution erfolgt in Form allmählichen Wandels.(GradualismusVsSaltationismus).
>Gradualismus, >Saltationismus.
5. Der Evolutionsmechanismus besteht in der Konkurrenz unter zahlreichen einzigartigen Individuen um begrenzte Ressourcen, die zu Unterschieden in Überleben und Fortpflanzung führt (natürliche Selektion).
>Selektion.
I 377
Entstehung des Lebens: chemischer Vorgang, an dem auch Autokatalyse und ein richtungsgebender Faktor beteiligt sind. Präbiotische Selektion. Vgl. >St. Kauffman.
I 237
Pasteur: wies Unmöglichkeit der Entstehung von Leben in sauerstoffreicher Atmosphäre nach! 1953 ließ Stanley Miller mit elektrischen Entladungen in einem Glaskolben mit einem Gemisch aus Methan, Ammonium, Wasserstoff und Wasserdampf Aminosäuren, Harnstoff und andere organische Moleküle entstehen.
I 238
Proteine, Nukleinsäuren: Diese größeren Moleküle müssen die Organismen selbst bilden. Aminosäuren, Pyrimidine, Puridine müssen nicht von den Organsimen selbst gebildet werden.
I 239
Molekularbiologie: Die Molekularbiologie entdeckte, dass selbst bei Bakterien, die ja keinen Zellkern besitzen, der genetische Code derselbe ist wie bei Protisten, Pilzen, Tieren und Pflanzen.
I 240
Missing link: Archaeopteryx: halb Vogel halb Reptil. Nicht unbedingt direkter Vorfahr. Speziation:
a) dichopatrisch: ein vorher zusammenhängendes Gebiet wird durch eine neue Barriere: Gebirgszug, Meeresarm, Unterbrechung der Vegetation geteilt.
b) peripatrisch: neue Gründungspopulaiton entsteht jenseits des ursprünglichen Verbreitungsgebiets.
c) sympatrische Speziation: Eine neue Art entsteht aufgrund ökologischer Spezialisierung innerhalb des Verbreitungsgebiets.
Darwins Theorie vom Gradualismus.
>Gradualismus,
I 243
VsGradualismus: Der Gradualismus könne nicht die Entstehung völlig neuer Organe erklären. Problem: Wie kann ein rudimentärer Flügel durch natürliche Selektion vergrößert werden bevor er zum Fliegen tauglich ist?
I 244
Darwin: zwei mögliche Lösungen: a) Intensivierung der Funktion: Bsp Augen, Bsp Entwicklung der Vordergliedmaßen von Maulwürfen, Walen, Fledermäusen.
b) Funktionsveränderung: Bsp Antennen von Daphia (Wasserfloh): zusätzliche Funktion eines Schwimmpaddels, das unter Selektionsdruck größer und modifiziert wird.
Bsp Gould: Federn dienten zunächst wahrscheinlich der Temperaturregelung, bevor irgendein Tier fliegen konnte.
Funktion/Biologie: Funktionsverschiedenheiten hängen auch mit Verhaltensmustern zusammen Bsp Putzen des Federkleids.
Konkurrierende Theorien zum evolutionären Wandel:
I 247
Salationismus: Huxley später Bateson, de Vries, (Mendelisten). Zur saltationistischen Entstehung neuer Arten kommt es bei sexueller Fortpflanzung nur über Poyploidie und einige andere Formen chromosomaler Neustrukturierung (sehr selten). Teleologie: Teleologische Theorien gehen davon aus, dass der Natur ein Prinzip innewohnt: Osborns Aristogenese, Chardins Omega-Prinzip. Dies soll zur Perfektion führen.
>Teilhard de Chardin.
Lamarcksche Theorien: Änderungen gehen auf Gebrauch und Nichtgebrauch zurück, Umweltbedingungen. Diese Theorie war bis in die 30er Jahre akueptiert!
I 248
Def "Weiche Vererbung" (erworbener Merkmale). Wurde durch die Genetik widerlegt. Def "Harte Vererbung" (sogenanntes "Zentrales Dogma"): Die in den Proteinen (dem Phänotyp) enthaltene Information kann nicht an die Nukleinsäuren (den Genotyp) weitergegeben werden! (Erkenntnis der Molekularbiologie).
I 256
Makroevolution: Nachdem Saltationismus, weiche Vererbung und Autogenese mit der Evolution widerlegt waren, musste man die die Makroevolution immer mehr als Phänomen auf Populationsebene erklären, als Phänomen, das sich unmittelbar auf Ereignisse und Vorgänge während der Mikroevolution zurückführen ließ. (Speziation: schneller in der Isolation). (>Gould, Eldredge, 1971(1): "unterbrochenes Gleichgewicht", "punctuated equilibrium", Punktualismus).
I 281
Neu: Wir wissen heute, dass die Zyklen der Pflanzenfresser diejenigen der Raubfeinde hervorrufen und nicht umgekehrt! Koevolution: Bsp Die Yuccamotte zerstört die Samenanlagen der Pflanze durch ihre Larven, bestäubt aber die Blüten.


1. N. Eldredge, S. J. Gould: Punctuated equilibria: an alternative to phyletic gradualism. In: T. Schopf (Ed), Models in Paleobiology, 82-115, San Francisco, (1972).

Mayr I
Ernst Mayr
Das ist Biologie Heidelberg 1998
Terminologien Gould I 190
1. Stasis: Die meisten Arten zeigen während ihrer Anwesenheit auf der Erde kaum Veränderung in der einen oder anderen Richtung. 2. Plötzliches Auftreten: In allen Lebensbereichen treten Arten nicht aufgrund unablässiger Veränderungen ihrer Vorläufer auf, sondern plötzlich und "voll ausgebildet".
I 191
Evolution/Gould: Evolution geht im Wesentlichen auf zweierlei Weise vor sich: a)
Def phyletische Transformation: Eine Gesamtpopulation verändert sich von einem Zustand zu einem anderen hin. Würden sich alle evolutionären Veränderungen auf diese Weise ereignen, könnte sich das Leben nicht lange halten. (Siehe Evolution/Gould).
b)
Def Speziation: Neue Arten zweigen sich von bisherigen ab. Alle Theorien der Speziation gehen davon aus, dass Aufspaltungen bei sehr kleinen Populationen rasch eintreten. Bevorzugt wird die "allopatrische" (an einem anderen Ort geschehende) Speziation von den meisten Theoretikern. (Das ist die orthodoxe Auffassung).
Bei der "sympatrischen" Speziation treten neue Formen innerhalb des Verbreitungsgebiets der bisherigen Form auf.
I 198
Def Präadaption: Präadaption ist aus der These hergeleitet, dass in den Anfangsstadien andere Funktionen erfüllt worden sind. Bsp Ein halber Kiefer konnte die Kiemen stützen. Ein halber Flügel mag zum Fang von Beutetieren gedient haben, oder zur Kontrolle der Körpertemperatur.
I 240
Def Eozoon: Ein Eozoon ist die Frühform eines Tieres.
I 256
Def Protisten: Protisten sind einzelligen Vorläufer. Def Metazoen: Metazoen sind vielzelligen Nachkommen.
I 258
Def homologe Ähnlichkeit gemeinsame Vorläufer: Zwei Organismen können dasselbe Merkmal besitzen, weil sie es von einem gemeinsamen Vorfahren bekommen haben. Def analoge Ähnlichkeit: keine gemeinsamen Vorläufer: Wenn zwei Organismen ein gemeinsames Merkmal aufweisen, das das Ergebnis einer getrennten, aber ähnlichen evolutionären Veränderung in voneinander unabhängigen Entwicklungslinien darstellt.
I 281
Def Parallelismus, Def Konvergenz: Parallelismus ist eine getrennte Entwicklung ähnlicher Merkmale im Verlauf der Evolution. Diese tritt sehr häufig auf.
II 56
Def Diploid: Tiere, die in beiden Geschlechtern gepaarte Chromosomen aufweisen, sind diploid. Manche Tiere verwenden zur Geschlechtsbestimmung ein anderes Merkmal: Die Weibchen sind diploid, aber die Männchen haben anstelle jedes weiblichen Paars nur ein Chromosom und werden als
Def Haploid bezeichnet. Haploid bedeutet nur ein Chromosom zu haben (die Hälfte der diploiden Anzahl). Mit anderen Worten: Die Männchen entwickeln sich ironischerweise aus unbefruchteten Eiern und haben keinen Vater. Befruchtete Eier dagegen erzeugen diploide Weibchen.
Tiere, die dieses System verwenden, werden
Def Haplodiploid genannt: Die Männchen entwickeln sich aus unbefruchteten Eiern und haben keinen Vater. Befruchtete Eier dagegen erzeugen diploide Weibchen. Damit kann die Anzahl der Weibchen gesteuert werden.
II 57
Dieses faszinierende System kann dazu beitragen, den Ursprung der sozialen Systeme bei Ameisen zu erklären. Oder auch, Bsp dass eine männliche Milbe vor ihrer eigenen Geburt stirbt, nachdem sie im Mutterleib ihre Schwestern befruchtet hat. Mindestens 10% aller bekannten Tierarten sind haplodiploid.
II 186
Def homöotische Mutation: Beine oder Teile von Beinen ersetzen eine Vielzahl von Strukturen am Kopf vor allem Fühler und Teile des Mundes. Nicht alle falsch platzierten Teile stellen Homöosen dar. William Bateson (nicht Gregory), der später das Wort Genetik erfand, nannte homöotisch nur Fälle, in denen Organe ersetzt werden, die den gleichen Entwicklungs- oder Evolutionsursprung haben.
II 192
Lebensfähige Homöoten, die die Urformen nachbilden, sind nicht wirklich wiedergeborene Vorfahren. Es werden doppelte Elemente ausgebildet, keine alten Muster wiedergefunden.
II 193
Es wird durch diese Dinge deutlich, wie wenige Gene für die Regulierung der Grundordnung im Körper einer Fruchtfliege verantwortlich sind.
II 240
Def Zoozentrisch: Zoozentrismus ist die Sichtweise, die aus dem Verhalten anderer Tiere allgemeine Prinzipien ableitet und dann den Menschen vollständig in diese Rubrik hinein subsumiert, weil wir unbestreitbar auch Tiere sind. Def Anthropozentrisch: Anthropozentrismus ist die Sichtweise, die versucht, die Natur in uns zu subsumieren, indem sie unsere Besonderheiten als das Ziel des Lebens von Anfang an betrachtet.
Die zoozentrische Auffassung kann bis zur Karikatur ausgedehnt werden, die häufig dann als der "nichts als Irrtum" bezeichnet wird: Der Mensch sei "nichts anderes als" ein Tier (Reduktionismus).
Die Populärwissenschaft überschwemmt uns mit der übermäßig ausgedehnten Version des Zoozentrismus.
II 331
Def "Gendrift"/Gould: Gendrift ist der Prozess der zufälligen Zu- oder Abnahme der Genfrequenz.
II 352
Def Klade: Die Klade ist ein Zweig an einem Evolutionsbaum. Der Kladismus versucht, für eine Reihe verwandter Arten das Muster der Verzweigung zu etablieren.
II 353
Def Schwestergruppe: Die Schwestergruppe bildet ein auf dem Kopf stehendes Ypsilon. Dies sind zwei Stämme, die einen gemeinsamen Vorfahren teilen, von dem kein anderer Stamm abzweigt. Bsp Gorillas und Schimpansen bilden eine Schwestergruppe. Wir können dann die Schimpansen-Gorilla-Gruppe als Einheit betrachten und fragen, welcher Primat mit ihr die Schwestergruppe bildet.
II 354
Def abgeleitete Merkmale: Abgeleitete Merkmale sind Eigenschaften, die nur bei Mitgliedern einer direkten Abstammungslinie vorkommen. Bsp Alle Säugetiere haben Haare, das ist bei keinem anderen Wirbeltier der Fall.
II 355
Haare sind für die Klasse der Säugetiere ein abgeleitetes Merkmal, weil sie sich nur einmal beim gemeinsamen Vorfahren der Säugetiere entwickelt haben und daher einen echten Zweig im Stammbaum der Wirbeltiere identifizieren. Gemeinsame abgeleitete Merkmale sind zwei oder mehreren Stämmen gemeinsam und können benutzt werden, um Schwestergruppen zu identifizieren.
II 356
GouldVsKladismus: Die meisten abgeleiteten Merkmale sind zweideutig: Sie neigen entweder dazu, zu einfach abgrenzbar zu sein, oder sie sind adaptiv so vorteilhaft, dass mehrere Stämme sie durch natürliche Auslese unabhängig voneinander entwickelt haben.
II 360
Def Klassifikation (Kladismus): Klassifikation wurde entworfen, relative Ausmaße von Ähnlichkeit widerzuspiegeln. Def Phenetismus: Phenetismus ist eine andere Theorie der Klassifikation, sie konzentriert sich lediglich auf die Gesamtähnlichkeit und versucht, dem Vorwurf der Subjektivität zu entgehen, indem sie sich auf eine große Anzahl von Merkmalen beruft, die alle numerisch ausgedrückt und vom Computer bearbeitet werden.
II 374
Def "Telegonie": Merkmale längst ausgestorbener Vorfahren tauchen wieder auf. Sie sind "Nachkommen aus der Entfernung". Telegonie bezeichnet die Vorstellung, dass ein Erzeuger Nachkommen beeinflussen könnte, die nicht von ihm gezeugt wurden.
Def "Pangenesis" 1868, provisorisch von Darwin entwickelt: These: Alle Zellen des Körpers erzeugen kleine Partikel, "Gemmulae", die im ganzen Körper kreisen, sich in den Geschlechtszellen sammeln und schließlich die Merkmale an die Nachkommen übertragen.
GouldVs"Pangenesis: Da die "Gemmulae" sich verändern können, können angeeignete Merkmale vererbt werden. Das wäre Lamarckismus.
II 377
Def Orthogenese: Orthogenese ist die Annahme, nach der ein vorgezeichneter Pfad befolgt wird.
IV 103
Doktrin der Uniformität (vertreten von Charles Lyell und James Hutton): Die obersten Erdschichten seien seit Millionen Jahren unverändert.
IV 153
Def Monogenie (19. Jahrhundert): These: Monogenie ist die These, dass eine gemeinsame Abstammung aller Menschen von den Stammeltern Adam und Eva vorliegt. (Niedere Rassen seien später von ursprünglicher Perfektion degeneriert.) Def Polygenie (19. Jahrhundert): These: Adam und Eva seien nur die Vorfahren der weißen Völker.
IV 159
Def Unterart: Eine Unterart ist eine Population, die ein bestimmtes geographischen Gebiet bewohnt.
IV 357
Def sympatrisch: Sympatrisch heißt "am selben Ort". Def allopatrisch: Allopatrisch heißt "an getrennten Orten". (Man nimmt an, dass Arten sich nur getrennt entwickeln können.)

III 19
Das "Volle Haus": ist ein zentrales Argument Goulds: Die natürliche Realität ist eine Ansammlung von Individuen in Populationen. Variation ist nicht reduzierbar sondern "real" in dem Sinn, dass daraus "die Welt besteht". Fehler: Populationen (nach Platon) immer als "Durchschnitt" zu beschreiben, der dann als "typisch" gilt.
III 67
Das "Volle Haus": Das "Volle Haus" spiegelt die Notwendigkeit wider, sich nicht immer nur auf ein abstraktes Maß eines Durchschnitts oder einer zentralen Tendenz zu konzentrieren, sondern auf die Variation innerhalb ganzer Systeme. Fehler: Es ist ein Fehler, ein wahrscheinliches Ergebnis für ein einzelnes Individuum als Maß für eine zentrale Tendenz zu betrachten.

Gould I
Stephen Jay Gould
Der Daumen des Panda Frankfurt 2009

Gould II
Stephen Jay Gould
Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991

Gould III
Stephen Jay Gould
Illusion Fortschritt Frankfurt 2004

Gould IV
Stephen Jay Gould
Das Lächeln des Flamingos Basel 1989