| Begriff/ Autor/Ismus |
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| Rorty | Rorty These: Es ist heute kein fundamentaler Standpunkt oder allumfassender Rahmen denkbar, von dem aus oder innerhalb dessen sich eine Gesamtheit von Erkenntnissen rechtfertigen oder in frage stellen lassen könnte. |
Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 |
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| A priori | Lewis | IV 20 A priori/Lewis: Wenn wir einen a priori-Standpunkt einnehmen, verlieren wir unsere Lokalisation in möglichen Welten. ((s) Weil a priori wahre Aussagen in allen Welten wahr sind. Mögliche Welten unterscheiden sich nicht in dem, was in allen Welten a priori ist.) >Mögliche Welt/Lewis, >Lokalisation, vgl. >Zentrierte Welten, >Identität zwischen Welten. |
Lewis I David K. Lewis Die Identität von Körper und Geist Frankfurt 1989 Lewis I (a) David K. Lewis An Argument for the Identity Theory, in: Journal of Philosophy 63 (1966) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (b) David K. Lewis Psychophysical and Theoretical Identifications, in: Australasian Journal of Philosophy 50 (1972) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (c) David K. Lewis Mad Pain and Martian Pain, Readings in Philosophy of Psychology, Vol. 1, Ned Block (ed.) Harvard University Press, 1980 In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis II David K. Lewis "Languages and Language", in: K. Gunderson (Ed.), Minnesota Studies in the Philosophy of Science, Vol. VII, Language, Mind, and Knowledge, Minneapolis 1975, pp. 3-35 In Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979 Lewis IV David K. Lewis Philosophical Papers Bd I New York Oxford 1983 Lewis V David K. Lewis Philosophical Papers Bd II New York Oxford 1986 Lewis VI David K. Lewis Konventionen Berlin 1975 LewisCl Clarence Irving Lewis Collected Papers of Clarence Irving Lewis Stanford 1970 LewisCl I Clarence Irving Lewis Mind and the World Order: Outline of a Theory of Knowledge (Dover Books on Western Philosophy) 1991 |
| A priori | Mill | Höffe I 346 A priori//Mill/Höffe: MillVsKant: Nach Mills Empirismus gibt es im Gegensatz zu Kant und dem Deutschen Idealismus keinerlei vorempirische, sondern lediglich eine empirische, also aposteriorische Erkenntnis. Sogar die Mathematik und die Logik sollen auf Erfahrungen und deren induktiven Verallgemeinerungen beruhen. Wegen der außergewöhnlich vielen Belege für mathematische Aussagen entstehe aber der Anschein der Notwendigkeit. >Notwendigkeit, >Empirismus, >Belege, >Logik. Höffe I 347 Apriorisches Denken stützt auch falsche Doktrinen und schlechte Institutionen. Praxis/Theorie: Mit diesem Argument stellt Mill die gesamte theoretische Philosophie, einschließlich Wissenschafts- und Erkenntnistheorie, in den Dienst der Praxis. Man kann hier von einem erkenntnistheoretischen Liberalismus sprechen. >Praxis, >Liberalismus. Politik: Jedenfalls erhält der kompromisslose Vorrang des empiristischen Standpunktes eine politische Bedeutung, die Ablehnung des Apriorischen einen therapeutischen, genauer: präventiven Zweck. |
Mill I John St. Mill Von Namen, aus: A System of Logic, London 1843 In Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993 Mill II J. St. Mill Utilitarianism: 1st (First) Edition Oxford 1998 Mill Ja I James Mill Commerce Defended: An Answer to the Arguments by which Mr. Spence, Mr. Cobbett, and Others, Have Attempted to Prove that Commerce is Not a Source of National Wealth 1808 |
| Absicht | Dennett | II 40 Absicht/Handlung/Leben/Evolution/Dennett: Wirkungsweisen innerhalb solcher primitiver Systeme (Makromoleküle) ähneln absichtsvollen Handlungen. Die Systeme werden von Informationen gelenkt und streben nach Zielen. Auch Thermometer sind ähnliche "Pseudoagenten"! Sie sind "Intentionale Systeme". Wir sollten, um sie zu verstehen, ihnen gegenüber den "intentionalen Standpunkt" einnehmen. II 57 Absicht/Intention/Meinen/Handlung/Dennett: das Ziel, genau auszudrücken wie der Akteur seine Aufgabe begreift ist irrig, eine witzlose Übung, als ob man Gedichte unter dem Mikroskop liest. >Intentionaler Standpunkt/Dennett. |
Dennett I D. Dennett Darwins gefährliches Erbe Hamburg 1997 Dennett II D. Dennett Spielarten des Geistes Gütersloh 1999 Dennett III Daniel Dennett "COG: Steps towards consciousness in robots" In Bewusstein, Thomas Metzinger Paderborn/München/Wien/Zürich 1996 Dennett IV Daniel Dennett "Animal Consciousness. What Matters and Why?", in: D. C. Dennett, Brainchildren. Essays on Designing Minds, Cambridge/MA 1998, pp. 337-350 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 |
| Abstraktheit | Dennett | I 497f Abstraktion/Erklärung/Dennett: Dan Sperber(1): Man darf nicht zu abstrakt intentional vorgehen. Abstrakte Objekte gehen nicht unmittelbar in die Kausalbeziehungen ein. Bsp Die Erregung des Kindes entsteht nicht durch die abstrakte Geschichte von Peterchens Mondfahrt, sondern dadurch, dass es die Worte seiner Mutter versteht. Dennett: das ist kein Hindernis für die Wissenschaft, sondern im Gegenteil: sie kann den gordischen Knoten der verworrenen Kausalbeziehungen durchschlagen, indem sie eine abstrakte Formulierung benutzt und alle jene Komplikationen ignoriert. (>Intentionaler Standpunkt, Intentionale Einstellung.) I 498 Bsp Die Erregung des Kindes sollte nicht aus der abstrakten Geschichte erklärt werden, sondern aus dem Verständnis der Worte seiner Mutter. 1. Sperber, Dan 1985."Anthropology and Psychology: Towards an Epidemiology of Representations." Man, vol. 20, pp. 73-99. |
Dennett I D. Dennett Darwins gefährliches Erbe Hamburg 1997 Dennett II D. Dennett Spielarten des Geistes Gütersloh 1999 Dennett III Daniel Dennett "COG: Steps towards consciousness in robots" In Bewusstein, Thomas Metzinger Paderborn/München/Wien/Zürich 1996 Dennett IV Daniel Dennett "Animal Consciousness. What Matters and Why?", in: D. C. Dennett, Brainchildren. Essays on Designing Minds, Cambridge/MA 1998, pp. 337-350 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 |
| Abtreibung | Thomson | Singer I 132 Abtreibung/J. J. Thomson/P. Singer: Gedankenexperiment: Stellen Sie sich vor, Sie sollen für 9 Monate an den Blutkreislauf eines schwererkrankten, berühmten Geigers angeschlossen werden, um diesem das Leben zu retten. Danach wird Ihre Hilfe nicht mehr benötigt. Die Musikliebhaber der ganzen Welt beobachten Thomson: wenn Sie im Krankenhaus aufwachen (von Musikliebhabern entführt, um dem Geiger zu helfen) und sich in dieser Situation wiederfinden, sind Sie nicht moralisch verpflichtet, den Geiger ihren Körper benutzen zu lassen. Es mag eine Großzügigkeit Ihrerseits sein – aber es ist nicht moralisch falsch, es abzulehnen.(1) Singer: Thomsons Schlussfolgerung hängt nicht davon ab, dass der Geiger unverschuldet in seine Lage geraten ist. Thomson sagt auch ausdrücklich, dass der Geiger ein Recht auf Leben hat, aber dieses Recht beinhaltet nicht das Recht, einen anderen Körper zu benutzen, selbst wenn man ohne diese Hilfe sterben würde. Singer: die Parallele zur Vergewaltigung ist offensichtlich. Singer I 133 Um des Arguments willen nehmen wir an, dass der Embryo als vollentwickelter Mensch angesehen wird. Frage: kann Thomsons Argument auf Fälle von Schwangerschaft ausgedehnt werden, die nicht auf Vergewaltigung beruhen? Das hängt davon ab, ob die dahinter stehende Theorie fundiert ist. Bsp Könnte ich meinen Lieblings-Filmstar zwingen, mir das Leben zu retten? Thomson/Singer: sie sagt nun nicht, dass, obwohl ich ein Recht auf Leben habe, das ich immer gezwungen wäre, den besten Weg zu nehmen oder das zu tun, was die angenehmsten Konsequenzen hätte. Lösung/Thomson: sie akzeptiert stattdessen ein System von Regeln und Verpflichtungen, das erlaubt, unsere Handlungen unabhängig von ihren Konsequenzen zu rechtfertigen. >Konsequentialismus, >Deontologie. P. SingerVsThomson/UtilitarismusVsThomson, J.J./Singer, P: im Fall des Geigers würde der Utilitarismus Thomsons Theorie ablehnen. Singer I 308 Damit würde der Utilitarismus auch Thomsons Standpunkt über die Abtreibung ablehnen. >Utilitarismus, >Präferenzutilitarismus. 1. J. J. Thomson, „A Defense of Abortion“ in: Philosophy and Public Affairs 1 (1971). |
ThomsonJF I James F. Thomson "A Note on Truth", Analysis 9, (1949), pp. 67-72 In Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994 ThomsonJJ I Judith J. Thomson Goodness and Advice Princeton 2003 SingerP I Peter Singer Practical Ethics (Third Edition) Cambridge 2011 SingerP II P. Singer The Most Good You Can Do: How Effective Altruism is Changing Ideas About Living Ethically. New Haven 2015 |
| Aggregierte Produktionsfunktion | Champernowne | Harcourt I 29 Aggregierte Produktionsfunktion/Gleichgewicht/CampernowneVsRobinson/ Campernowne/Harcourt: Champernowne [1953-4](1) akzeptierte die Logik des Ansatzes und des Maßes von Joan Robinson, wandte aber ein, dass dasselbe physische Kapital in zwei Situationen „nur“ deshalb einen unterschiedlichen Wert haben könnte, weil es mit einem unterschiedlichen Satz von Gleichgewichtslöhnen und -gewinnen verbunden ist. >Aggregierte Produktionsfunktion/Robinson, >Aggregierte Produktionsfunktion/Solow. Harcourt I 30 HarcourtVsChampernowne: Dieser Einwand ist vom Standpunkt der Produktionstheorie, d.h. der Fähigkeit, den Produktionsfluss aus der Kenntnis des Faktorangebots vorherzusagen, gültig, aber er ist weder gültig noch relevant für das „Kapital“, das als Werteigentum betrachtet wird, d.h. als Ausdruck der Institutionen der kapitalistischen Gesellschaft. Es gibt einen echten Unterschied zwischen den beiden Situationen, und das Wertkapital sollte dies widerspiegeln. Die wirtschaftliche Bedeutung einer bestimmten Anlage kann von einem wirtschaftlichen Umfeld zum anderen variieren. Harcourt: Dennoch scheint Champernowne nach einer Einheit gesucht zu haben, die beides gleichzeitig tun kann. Maß für das Kapital: So hielt er es für zweckmäßig - und eher im Einklang mit der orthodoxen neoklassischen Tradition - ein Kapitalmaß zu haben, so dass die Belohnungen für die Produktionsfaktoren durch eine teilweise Differenzierung des Verhältnisses zwischen der Produktion und dem (so gemessenen) Kapital auf der einen Seite und der Arbeit auf der anderen Seite ermittelt werden könnten. Vergleichbarkeit: Trotz der strikten Beschränkung auf Vergleiche bei der Analyse von Prozessen war er bestrebt, den Prozess der Akkumulation und der Vertiefung zu analysieren, indem er die Entwicklung des Kapitalismus im Laufe der Zeit verfolgte und sich seiner „Krise“ näherte, als die Reallöhne stiegen und die Profitraten sanken. Selbst wenn das Gleichgewicht wiederholt durchbrochen werden sollte, hoffte Champernowne, den Prozess langsam genug zu gestalten, um so zu tun, als ob dies nicht geschehen wäre, das Kapital bei jedem Schritt auf dem Weg zu messen und ein Mittel zum Vergleich der Kapitalbestände im Zeitverlauf sowie zwischen verschiedenen Situationen des stationären Gleichgewichts bereitzustellen. Messungen: Ein solches universelles Maß ist in einem Kettenindex enthalten, mit dem die „normale“ konkave Beziehung zwischen dem Pro-Kopf-Output einer konstanten Zahl von Arbeitskräften und dem Pro-Kopf-Kapital hergestellt wird, vorausgesetzt, dass eine Technik, die bei einem bestimmten Zinssatz oder einer bestimmten Zinsspanne am rentabelsten oder gleichwertig war, bei einem anderen Zinssatz oder einer anderen Zinsspanne nie wieder auftauchen kann, und dass von zwei Techniken, die bei einem bestimmten Zinssatz gleich rentabel sind, diejenige mit dem höheren Pro-Kopf-Output und dem höheren Pro-Kopf-Kapitalwert bei einem niedrigeren Zinssatz die rentablere ist. Harcourt I 32 Formalisierung/Indizes: Diese Reihe von Indexzahlen zeigt die Veränderungen in der „Menge“ des des Kapitals, nachdem die Auswirkungen der unterschiedlichen Lohn- und Gewinnsätze auf den Wert des Kapitals herausgerechnet wurden. Produktion/Arbeit: Der Output kann nun als eine eindeutige Funktion der Arbeit und des Kettenindexes des Kapitals ausgedrückt werden, und die Entlohnung der Produktionsfaktoren entspricht den partiellen Ableitungen der entsprechenden Zweige der Funktion. In den „reinen“ Fällen setzen die Koeffizienten der Produktionsfunktion die Ober- bzw. Untergrenzen der Faktorpreise: siehe Champernowne [1953-4](1), S. 127). Gleichgewichtslohnsatz: Die partielle Ableitung des Outputs in Bezug auf die Arbeit entspricht dem Gleichgewichtslohnsatz und die partielle Ableitung des Outputs in Bezug auf das Kapital entspricht der Gleichgewichtsgewinnrate multipliziert mit dem „Preis“ des „Kapitals“. Preis: Der Preis selbst ist ein Kettenindexpreis, da der Kettenindex gewissermaßen die „Menge“ des Kapitals aus dem Koeffizienten des Kapitalbegriffs entfernt. Capital/ChampernowneVsRobinson/Harcourt: In der Tat hat Champernowne die 'zigs' - die horizontalen Strecken - aus Joan Robinsons Kurve des realen Faktorverhältnisses (...) entfernt und die Steigungen der 'zags' - die nach oben gerichteten Strecken - so verändert, dass sie nun den relevanten Gleichgewichtswerten des 'Preises' von 'Kapital' entsprechen. >Methode/Champernowne. 1. Champernowne, D. G. [1953-4] 'The Production Function and the Theory of Capital: A Comment', Review of Economic Studies, xxi, pp. 112-35. |
Champernowne I David Gawen Champernowne Uncertainty and estimation in economics (Mathematical economics texts) Edinburgh 1969 Harcourt I Geoffrey C. Harcourt Some Cambridge controversies in the theory of capital Cambridge 1972 |
| Aggregierte Produktionsfunktion | Solow | Harcourt I 29 Aggregierte Produktionsfunktion/Gleichgewicht/SolowVsRobinson/Solow/Harcourt: „Es scheint sie [Joan Robinson] nicht sonderlich zu stören, dass nach [ihrer] Definition zwei physisch identische Ausrüstungen unterschiedliche Mengen an 'Kapital' darstellen können. Es würde mich auch nicht stören, wenn nicht zwei identische Anlagen unter dem Gesichtspunkt der Produktion zwei identische Anlagen darstellen würden.“ (Solow [1956a](1), S. 101.) >Aggregierte Produktionsfunktion/Robinson, >Gleichgewicht/Robinson, >Aggregierte Produktionsfunktion/Champernowne. Harcourt I 30 HarcourtVsSolow: Dieser Einwand ist vom Standpunkt der Produktionstheorie aus gültig, d.h. der Fähigkeit, die Flussrate der Produktion aus der Kenntnis des Faktorangebots vorherzusagen, aber er ist weder gültig noch relevant für das „Kapital“, das als Werteigentum betrachtet wird, d.h. das die Institutionen der kapitalistischen Gesellschaft widerspiegelt. Es gibt einen echten Unterschied zwischen den beiden Situationen, und das Wertkapital sollte ihn widerspiegeln. Die wirtschaftliche Bedeutung einer bestimmten Anlage kann von einem wirtschaftlichen Umfeld zum anderen variieren. 1. Solow, R. M. [1956a] 'The Production Function and the Theory of Capital', Review of Economic Studies, xxin, pp. 101-8. |
Solow I Robert M. Solow A Contribution to the Theory of Economic Growth Cambridge 1956 Harcourt I Geoffrey C. Harcourt Some Cambridge controversies in the theory of capital Cambridge 1972 |
| Aggregiertes Kapital | Wirtschaftstheorien | Harcourt I 155 Aggregiertes Kapital/Wirtschaftstheorien/Harcourt: (...) sobald die Heterogenität von Kapitalgütern eingeführt wird, gelten die auf [Formbarkeit] basierenden „Gleichnisse“ nicht mehr unbedingt. ((s) Formbarkeit: damit wird ausgedrückt, dass technischer Fortschritt in Form eines Baukastensystems eingeführt werden kann.) Hier noch einmal die "Gleichnisse": Harcourt I 122 (1) ein Zusammenhang zwischen niedrigeren Gewinnraten und höheren Werten des Kapitals je Beschäftigten; (2) ein Zusammenhang zwischen niedrigeren Gewinnraten und höheren Kapital-Output-Relationen; (3) ein Zusammenhang zwischen niedrigeren Profitraten und (durch Investitionen in stärker „mechanisierte“ oder „umständlichere“ Produktionsmethoden) einem höheren dauerhaften Pro-Kopf-Verbrauch (bis zu einem Maximum); (4) dass unter Wettbewerbsbedingungen die Einkommensverteilung zwischen Gewinnempfängern und Lohnempfängern durch die Kenntnis der Grenzprodukte und des Faktorangebots erklärt werden kann. Harcourt I 156 Insbesondere kann nicht mehr behauptet werden, dass r gleich dem Grenzprodukt des „Kapitals“ ist (auch nicht in einer Gleichgewichtssituation), noch kann die Einkommensverteilung allein aus der Kenntnis der Elastizität des FpF-Umschlags abgeleitet werden. >Elastizität. Darüber hinaus ist es heute im Allgemeinen nicht mehr möglich, von der FpF-Hülle auszugehen und daraus eine *als-ob-Produktionsfunktion, die sich gut verhält, abzuleiten. Dies hat einige Autoren dazu veranlasst, das Konzept und die Eigenschaften einer aggregierten Produktionsfunktion („als ob“ oder „real“) sowie Konzepte der Grenzproduktivität zur Erklärung der Einkommensverteilung heranzuziehen (...). Harcourt I 157 Die Gegenreaktion auf dieses Argument war die Behauptung, dass das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein einer aggregierten Produktionsfunktion (im Sinne einer eindeutigen Beziehung zwischen Wertkapital pro Kopf und Output pro Kopf) und die Grenzproduktivitätsbeziehungen in der Verteilungstheorie nicht ein und dasselbe sind, wie Champernowne [1953-4](1) vor langer Zeit gezeigt hat. Bliss [1968b](2) z.B. (…) argumentiert, dass, wenn wir von einem Gleichgewicht ausgehen (eine sehr wichtige Voraussetzung) und von einem preistreibenden, kostenminimierenden, gewinnmaximierenden Verhalten unter vollkommenen Wettbewerbsbedingungen in linearen Modellen, die Faktoren logischerweise ihre Grenzprodukte erhalten müssen, und zwar in geeigneter Weise definiert, auch wenn die Existenz einer aggregierten Produktionsfunktion nicht nachgewiesen werden kann. Die Kernpunkte des Arguments sind zwei: 1) erstens, dass wir strenge Gleichgewichtsannahmen aufstellen; 2) zweitens, dass die Unternehmer Gewinnmaximierer und Preisnehmer sind. Ein zusätzlicher Punkt ist, dass in linearen Modellen die Grenzprodukte an Punkten (Ecken) nur als innerhalb eines Bereichs liegend definiert werden können, der durch die partiellen Ableitungen gegeben ist, die auf beiden Seiten von ihnen liegen. Faktoren/Erlöse/Kosten: Innerhalb dieses Bereichs der Unbestimmtheit liegt es auf der Hand, dass, wenn ein Faktor nicht den Wert seines Grenzprodukts erhält, eine Änderung der Produktion, die sich aus der Verwendung von mehr oder weniger von diesem Faktor ergibt, mehr zu den Erlösen (oder weniger von den Erlösen) als zu den Kosten (von den Kosten) beiträgt und somit gegen die Annahmen verstößt, dass die Gewinne maximiert werden und dass sich die Wirtschaft im Gleichgewicht befindet. (Dass die Wirtschaft in der Tat nicht zu einer Gleichgewichtslage gelangen kann, selbst wenn eine solche nachweislich existiert, dass diese Beziehungen nicht für Positionen außerhalb des Gleichgewichts gelten und dass sich die reale Welt in der Regel im letzteren Zustand befindet, wird niemand bestreiten). Solow: Solow vertritt denselben Standpunkt wie Bliss (…), Solow [1962a(3), 1963b(4)] und Solow, Tobin, von Weizsacker und Yaari [1966](5), in denen typische Grenzproduktivitätsergebnisse ohne Bezug auf das Gesamtkapital - oder dessen Grenzprodukt - erzielt werden. Seine letzte Aussage findet sich in seiner Antwort [1970(6)] auf Pasinetti [1969](7). Nachdem er erklärt hat, dass er „keine besondere Version der Grenzproduktivitätstheorie“ vertritt - „eigenartig, weil sie (aus Prinzip, nicht aus Bequemlichkeit) darauf zu bestehen scheint, den gesamten Kapitalstock in einer Zahl zusammenzufassen, und weil sie unter Grenzproduktivität die Ableitung der Nettoproduktion vom Wert dieses Kapitalstocks versteht“ (Solow [1970](6), S. 424) - schließt er seinen Artikel wie folgt ab: Harcourt I 158 „. . niemand versucht, [Pasinetti] eine Theorie überzustülpen, nach der die Profitrate höher oder niedriger ist, je nachdem, ob die vorhandene 'Kapitalmenge' niedriger oder höher ist, und als solche eine allgemeine technische Eigenschaft der vorhandenen 'Kapitalmenge' darstellt. Das ist genau das, worauf die neoklassische Kapitaltheorie in ihrer ganzen Allgemeinheit verzichten kann.“ (S. 427-8.) Garegnani/Pasinetti: Garegnani [1966(8), 1970a(9), 1970b](10) und vor allem Pasinetti [1969(7), 1970(12)] haben sich in dieser Frage stark zurückgenommen (eine Umstellung wird nicht unterstellt). Garegnani weist darauf hin, dass bei der Formulierung der Theorie der Grenzproduktivität nicht alle neoklassischen Ökonomen (frühe, späte oder Neo-Neo) eine aggregierte Produktionsfunktion anstrebten oder verwendeten, die so interpretiert werden könnte, „als ob sie sich wie eine brave Ein-Waren-Funktion verhielte. Ihre Zerstörung sowohl auf volkswirtschaftlicher als auch auf branchenbezogener Ebene (wie er in seinem Aufsatz [1970a](10) nachweist) ist also keine schlüssige Widerlegung der Theorie der Grenzproduktivität von Wert und Verteilung. Die Produktionsbedingungen einer Ware in Form einer Produktionsfunktion mit dem Faktor „Kapital“ auszudrücken, ist nur ein Merkmal einiger Versionen der traditionellen Theorie ...“ (Garegnani [1970a](10), S. 422). Er erwähnt Marshall und J. B. Clark, „die der Meinung waren, dass das Prinzip der Substitution, das aus einer Neuformulierung der malthusianischen Theorie der Pacht in Form von homogenem Land und ‚intensiven‘ Margen abgeleitet wurde, ohne Änderung auf Arbeit und ‚Kapital‘ angewandt werden kann“. Dieser Übergang scheiterte jedoch an der Tatsache, dass das „Kapital“ nicht in einer physischen Einheit gemessen werden kann, sondern als Wert gemessen werden muss, der sich zudem bei jeder Änderung von r und w ändert, d.h. nicht unabhängig von der Verteilung ist. Außerdem ändert er sich in einer Weise, die es nicht erlaubt zu sagen, dass die Grenzprodukte von „Kapital“ und Arbeit gleich ihren jeweiligen Lohnsätzen sind. Noch ist nicht alles sicher, denn, so Garegnani, „die traditionelle Theorie - reduziert auf ihren Kern als Erklärung der Verteilung im Sinne von Angebot und Nachfrage - beruht in der Tat auf einer einzigen Prämisse“, die Pasinetti [1969](12), S. 519, als „ein unauffälliges Postulat“ bezeichnet: „Diese Prämisse besagt, dass jeder Systemwechsel, der durch einen Rückgang von r verursacht wird, das Verhältnis von 'Kapital' zu Arbeit bei der Produktion der Ware erhöhen muss: 'Kapital' ist der Wert des physischen Kapitals in Bezug auf eine Einheit von Konsumgütern, ein Wert, von dem man annimmt, dass er den Konsum misst, der aufgegeben oder aufgeschoben wurde, um dieses physische Kapital ins Leben zu rufen.“ (Pasinetti [1969](12), S. 519) >Kapitalnachfrage/Garegnani. 1. Champernowne, D. G. [1953-4] 'The Production Function and the Theory of Capital: A Comment', Review of Economic Studies, xxi, S. 112-35 2. Bliss, C. J. [1968b] 'Rates of Return in a Linear Model', Cambridge: unpublished paper. 3. Solow, R. M. [1962a] 'Substitution and Fixed Proportions in the Theory of Capital', Review of Economic Studies, xxrx, S. 207-18. 4. Solow, R. M. [1963b] 'Heterogeneous Capital and Smooth Production Functions: An Experimental Study', Econometrica, xxxi, S. 623-45. 5. Solow, R. M., Tobin, J., von Weizsacker, C. C. and Yaari, M. [1966] 'Neoclassical Growth with Fixed Factor Proportions', Review of Economic Studies, xxxm, S. 79-115. 6. Solow, R. M [1970] 'On the Rate of Return: Reply to Pasinetti Economic Journal, LXXX, S.423-8. 7. Pasinetti, L. L. [1969] 'Switches of Technique and the "Rate of Return" in Capital Theory', Economic Journal, LXXIX, S. 508-31. 8. Garegnani, P. [1966] 'Switching of Techniques', Quarterly Journal of Economics, LXXX, S. 554-67. 9. Garegnani, P. [1970a] 'Heterogeneous Capital, the Production Function and the Theory of Distribution', Review of Economic Studies, XXXVII (3), S. 407-36. 10. Garegnani, P. [1970b] 'A Reply', Review of Economic Studies, XXXVII (3), S. 439. 11. Pasinetti, L. L. [1970] 'Again on Capital Theory and Solow's "Rate of Return" ', Economic Journal, LXXX, S. 428-31. |
Harcourt I Geoffrey C. Harcourt Some Cambridge controversies in the theory of capital Cambridge 1972 |
| Aktualität | Stalnaker | I 28 Aktualität/Stalnaker: Aktualität ist eine Relation, die eine Welt zu sich selbst und nur zu sich selbst hat. Problem: Diese Relation kann jede andere Welt auch zu sich selbst haben. D.h. Aktualität ist kontingent. >Kontingenz, >Selbstidentität. LewisVsErsatz World: (moderater modaler Realismus): Eine Ersatz world repräsentiert die wirkliche Welt (WiWe) als eine spezielle, weil sie sie als eine "Weise" repräsentiert. >Ersatz world. StalnakerVsLewis: Aber sie repräsentiert die wirkliche Welt nur speziell von ihrem eigenen Standpunkt aus, nicht von jedem. Stalnaker: Es gibt keinen neutralen Standpunkt außerhalb von jeder möglichen Welt. Jedoch gibt es einen objektiven: den von der wirklichen Welt aus. >Wirkliche Welt, >Perspektive. I 31 Die These, dass nur die wirkliche Welt aktual ist hat nur dann Sinn, wenn "aktual" etwas anderes bedeutet als die Totalität von allem, was es gibt. >Totalität, >Ganzes. StalnakerVs: und das bedeutet es nicht. I 31 Weise: Die Weise, wie die Welt ist, ist ein abstraktes Objekt, abstrahiert von der Aktivität rational Handelnder. Vgl. >Zentrierte Welten. |
Stalnaker I R. Stalnaker Ways a World may be Oxford New York 2003 |
| Anfang | Hegel | Bubner I 61 Anfang/Ende/Hegel/Bubner: Wie in einer Symphonie der erste Ton nicht aussagt, dass mit ihm das Musikstück einsetzt, so zeigt der letzte nicht, dass es endet. Die Bestimmung von Anfang und Ende eines systematisch entwickelten Zusammenhangs macht stets eine externe Vermittlung nötig. Diese Vermittlung leitet bei Hegel die Methodenreflexion. >Vermittlung, >Vermittlung/Hegel. Die erste Einsicht betrifft die Unbegründetheit der jeweils gemachten Voraussetzung. I 62 Externe Vermittlung/Hegel: Bei Hegel hat die Methodenreflexion diese Rolle inne. Die jeweils gemachte Voraussetzung ist unbegründet! Letztes Kapitel der Logik: Was hier noch zu betrachten ist, ist nicht ein Inhalt als solcher, sondern das Allgemeine seiner Form, das ist die Methode. >Logik/Hegel. Inhalt/Form/Allgemeinheit/Hegel/Bubner: Hegel hat allerdings während der ganzen Logik hervorgehoben, dass der Inhalt von der Form nicht zu trennen sei. >Form/Inhalt. Das Allgemeine der Form darf nicht einfach die Form sein, als die der Begriff in seinen mannigfaltigen Bestimmungen Inhalt der logischen Wissenschaften war. >Allgemeinheit, >Verallgemeinerung. Die allgemeine Formalität ist vielmehr eine, die allen Formen, unter denen der einheitliche begriff das Thema der Logik abgab, ihrerseits noch einmal zukommt. Diese Allgemeinheit ist dann nur einen für einen Standpunkt außerhalb der Logik. Vgl. >Zirkularität, >Stufen/Ebenen, >Beschreibungsebenen, >Perspektive. Ein Überblick über das Ganze wird möglich, sobald die absolute Immanenz verlassen wird, und man weiß, dass nichts mehr aussteht. >Ganzes, >Totalität. Anfang/Ende/Hegel: Mithin vermag den Anfang und Abschluss allein eine Vermittlung zu konstatieren, die zwischen dem systematischen Zusammenhang und dem ihm Äußeren einen Übergang schafft. I 63 Methode/Wissenschaft/Hegel/Bubner: Von Methode ist keine Rede, wo die Wissenschaft betrieben wird, weil dort die "Sache selbst" das Gesetz des Handelns garantiert. (Anders als bei der Symphonie). ((s) So gibt es Kandinskys "innere Notwendigkeit" der Kunst bei Hegel nicht.) >Wissenschaft, >Kunst/Hegel. |
Bu I R. Bubner Antike Themen und ihre moderne Verwandlung Frankfurt 1992 |
| Arbeitsteilung | Aristoteles | Höffe I 71 Arbeitsteilung/Aristoteles/Höffe: In Aristoteles’ Betrachtung dient die Beziehung von Herr und Sklave nicht durchgehend dem behaupteten wechselseitigen Vorteil einer fairen Arbeitsteilung. >Sklaverei/Aristoteles. Oft steht der Standpunkt der einen Seite im Vordergrund: Der Herr scheut die körperliche Arbeit; er will sich lieber Mußetätigkeiten widmen, benötigt daher «belebte Werkzeuge», die ihm die andere Arbeit abnehmen. Wer zu arm ist, bedient sich ersatzweise eines Ochsen(1); der Preis für Sklaven war also hoch. Wer sich dagegen nicht nur Sklaven, sondern auch einen Aufseher über sie leisten kann, der übergibt diese Aufsicht einem Verwalter und widmet sich selbst der Politik oder der Philosophie(2). Vgl. >Herrschaft/Knechtschaft. 1. Politika, I 2, 1252b12 2. I 7, 1255b35–37 |
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| Aspekte | Fechner | Chisholm II 193 ff Zwei-Aspekte-Lehre/Fechner: Personen haben innere (geistige) und äußere Aspekte (nicht zwei Seiten einer Medaille)- verschieden nur nach Standpunkt! (keine Identitätstheorie) - beiden muss kein Wesen unterlegt werden - VsFechner: nur interessant, wenn mit dem "Innerem" noch ein weiterer Sinn verbunden werden kann - Fechner: Wesen monistisch - aber auch: FechnerVsMonismus: hat nur Sinn, wenn Welt auch einheitlich empfunden wird - als Selbst-Erscheinung ist alles letztlich Geist. >Monismus, >Dualismus, >Selbstbewusstsein, vgl. >Anomaler Monismus. II 198f FeiglVsFechner: alle seine Bsp sind im Grunde solche für Äußeres! (hat Fechner selbst auch gesehen) - auch das Innere des Körpers ist körperlich - damit besteht der entscheidende Unterschied gar nicht - Fechner: letztlich nur metaphorisch. Stubenberg, Leopold. Chisholm, Fechner und das Geist-Körper-Problem. In: Philosophische Ausätze zu Ehren Roderick M. Chisholm Marian David/ Leopold Stubenberg (Hg), Amsterdam 1986 |
Fech I G. Th. Fechner Ueber die Physikalische Philosophische Atomenlehre Charleston 2008 Chisholm I R. Chisholm Die erste Person Frankfurt 1992 Chisholm II Roderick Chisholm In Philosophische Aufsäze zu Ehren von Roderick M. Ch, Marian David/Leopold Stubenberg Amsterdam 1986 Chisholm III Roderick M. Chisholm Erkenntnistheorie Graz 2004 |
| Ästhetik | Fichte | Gadamer I 63 Ästhetik/Schlegel/Fichte/Gadamer: Kants Begründung der Ästhetik auf den Geschmacksbegriff kann (...) nicht recht befriedigen. Es liegt weit näher, den Geniebegriff, den Kant als transzendentales Prinzip für das Kunstschöne entwickelt, als universales ästhetisches Prinzip zu verwenden. Er erfüllt weit besser als der Begriff des Geschmacks die Forderung, gegen den Wandel der Zeit invariant zu sein. Der kantische Satz „Schöne Kunst Gadamer I 64 ist Kunst des Genies“ wird (...) zum transzendentalen Grundsatz für die Ästhetik überhaupt. Ästhetik ist am Ende nur als Philosophie der Kunst möglich. Schlegel/Fichte/Gadamer: Es war der deutsche Idealismus, der diese Konsequenz zog. Wie sich Fichte und Schelling auch sonst an Kants Lehre von der transzendentalen Einbildungskraft anschlossen, so haben sie ebenso für die Ästhetik von diesem Begriff einen neuen Gebrauch gemacht. Im Unterschiede zu Kant wurde damit der Standpunkt der Kunst als der der bewusstlos genialen Produktion allumfassend und umschloss auch die Natur, die als Produkt des Geistes verstanden wird.(1) Damit aber haben sich die Grundlagen der Ästhetik verschoben. Wie der Begriff des Geschmacks wird auch der Begriff des Naturschönen entwertet, bzw. anders verstanden. Das moralische Interesse am Schönen der Natur, das Kant so enthusiastisch geschildert hatte, tritt nun hinter der Selbstbegegnung des Menschen in den Werken der Kunst zurück. >Naturschönes/Hegel. Gadamer I 65 Ästhetik/Fichte/Gadamer: (...) Kants wesentliches Anliegen, eine autonome, vom Maßstab des Begriffs befreite Grundlegung der Ästhetik zu leisten und die Frage nach der Wahrheit im Bereiche der Kunst überhaupt nicht zu stellen, sondern das ästhetische Urteil auf das subjektive Apriori des Lebensgefühls, die Harmonie unseres Vermögens zur „Erkenntnis überhaupt“zu begründen, die das gemeinsame Wesen von Geschmack und Genie ausmacht, [kam] dem Irrationalismus und dem Geniekult des 19. Jahrhunderts entgegen. Genie/Fichte: Kants Lehre von der „Steigerung des Lebensgefühls“ im ästhetischen Wohlgefallen förderte die Entfaltung des Begriffes „Genie“ zu einem umfassenden Lebensbegriff, insbesondere nachdem Fichte den Standpunkt des Genies und der genialen Produktion zu einem universalen transzendentalen Standpunkt erhoben hatte. So kam es, daß der Neukantianismus, indem er alle gegenständliche Geltung aus der transzendentalen Subjektivität abzuleiten suchte, den Begriff Gadamer I 66 des Erlebnisses als die eigentliche Tatsache des Bewusstseins auszeichnete.(2) >Erlebnis/Gadamer. 1. Bis zu welchem Grade der zwischen Kant und seinen Nachfolgern eingetretene Wandel, den ich durch die Formel "Standpunkt der Kunst"zu kennzeichnen suche, das universale Phänomen des Schönen verdunkelt hat, kann das erste Schlegelfragment (Friedrich Schlegel, Fragmente, Aus dem Lyceums 1797) lehren: »Man nennt viele Künstler, die eigentlich Kunstwerke der Natur sind«. In dieser Wendung klingt Kants Begründung des Geniebegriffs auf die Gunst der Natur nach, wird aber so wenig mehr gewürdigt, dass sie im Gegenteil zum Einwand gegen ein seiner selbst zu wenig bewusstes Künstlertum wird. 2. Es ist das Verdienst der Schrift von Luigi Pareyson, L'estetica del idealismo tedesco, 1952, die Bedeutung Fichtes für die idealistische Ästhetik zur Geltung gebracht zu haben. Entsprechend ließe sich innerhalb des Ganzen der neukantianischen Bewegung die geheime Fortwirkung Fichtes und Hegels erkennen. |
Fichte I Johann Gottlieb Fichte Zur Politik, Moral und Philosophie der Geschichte In Werke Bd. VII, Berlin 1971 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Ästhetik | Hamann | Gadamer I 94 Ästhetik/Hamann/Gadamer: Hamanns Versuch(1) ist dadurch ausgezeichnet, dass er wirklich auf die transzendentale Absicht Kants zurückgeht und so den einseitigen Maßstab der Erlebniskunst abbaut. Indem er das ästhetische Moment überall, wo es vorliegt, gleichmäßig herausarbeitet, treten auch zweckgebundene Sonderformen, wie die Monumentalkunst Gadamer I 95 oder die Plakatkunst, in ihr ästhetisches Recht. Aber auch hier hält Hamann die Aufgabe der ästhetischen Unterscheidung fest. Denn er unterscheidet an ihnen das Ästhetische von den außerästhetischen Bezügen, in denen es steht, genau so, wie wir auch außerhalb der Erfahrung von Kunst davon sprechen können, dass jemand sich ästhetisch verhält. Dem Problem der Ästhetik wird also seine volle Weite wiedergegeben und die transzendentale Fragestellung wiederhergestellt, die durch den Standpunkt der Kunst und seine Scheidung von schönem Schein und rauher Wirklichkeit verlassen worden war. Das ästhetische Erlebnis ist indifferent dagegen, ob sein Gegenstand wirklich ist oder nicht, ob die Szene die Bühne oder das Leben ist. GadamerVsHamann: Hamanns Versuch scheitert aber nun an der umgekehrten Stelle: am Begriff der Kunst, den er konsequenterweise aus dem Bereich des Ästhetischen so weit herausdrängt, dass er mit der Virtuosität zusammenfällt(2). Hier wird die „ästhetische Unterscheidung« auf die Spitze getrieben. Sie abstrahiert auch noch von der Kunst. Der ästhetische Grundbegriff, von dem Hamann ausgeht, ist die „Eigenbedeutsamkeit der Wahrnehmung“. Mit diesem Begriff wird offenbar dasselbe gesagt wie mit Kants Lehre von der zweckmäßigen Übereinstimmung mit dem Zustand unseres Erkenntnisvermögens überhaupt. >Ästhetische Wahrnehmung/Hamann. 1. Richard Hamann, Ästhetik, 1921 2. Richard Hamann, Kunst und Können, Logos, 1933 |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Ästhetik | Schlegel | Gadamer I 63 Ästhetik/Schlegel/Fichte/Gadamer: Kants Begründung der Ästhetik auf den Geschmacksbegriff kann (...) nicht recht befriedigen. Es liegt weit näher, den Geniebegriff, den Kant als transzendentales Prinzip für das Kunstschöne entwickelt, als universales ästhetisches Prinzip zu verwenden. Er erfüllt weit besser als der Begriff des Geschmacks die Forderung, gegen den Wandel der Zeit invariant zu sein. Der kantische Satz „Schöne Kunst Gadamer I 64 ist Kunst des Genies“ wird (...) zum transzendentalen Grundsatz für die Ästhetik überhaupt. Ästhetik ist am Ende nur als Philosophie der Kunst möglich. Schlegel/Fichte/Gadamer: Es war der deutsche Idealismus, der diese Konsequenz zog. Wie sich Fichte und Schelling auch sonst an Kants Lehre von der transzendentalen Einbildungskraft anschlossen, so haben sie ebenso für die Ästhetik von diesem Begriff einen neuen Gebrauch gemacht. Im Unterschiede zu Kant wurde damit der Standpunkt der Kunst als der der bewusstlos genialen Produktion allumfassend und umschloss auch die Natur, die als Produkt des Geistes verstanden wird.(1) Damit aber haben sich die Grundlagen der Ästhetik verschoben. Wie der Begriff des Geschmacks wird auch der Begriff des Naturschönen entwertet, bzw. anders verstanden. Das moralische Interesse am Schönen der Natur, das Kant so enthusiastisch geschildert hatte, tritt nun hinter der Selbstbegegnung des Menschen in den Werken der Kunst zurück. >Naturschönes/Hegel. 1. Bis zu welchem Grade der zwischen Kant und seinen Nachfolgern eingetretene Wandel, den ich durch die Formel "Standpunkt der Kunst" zu kennzeichnen suche, das universale Phänomen des Schönen verdunkelt hat, kann das erste Schlegelfragment (Friedrich Schlegel, Fragmente, Aus dem Lyceums 1797) lehren: »Man nennt viele Künstler, die eigentlich Kunstwerke der Natur sind«. In dieser Wendung klingt Kants Begründung des Geniebegriffs auf die Gunst der Natur nach, wird aber so wenig mehr gewürdigt, dass sie im Gegenteil zum Einwand gegen ein seiner selbst zu wenig bewusstes Künstlertum wird. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Ästhetische Differenz | Gadamer | I 90 Ästhetische Unterscheidung/Ästhetische Differenz/Gadamer: [Gadamer spricht von ästhetischer Unterscheidung, nicht von Differenz.] Was wir ein Kunstwerk nennen und ästhetisch erleben, beruht (...) auf einer Leistung der Abstraktion. Indem von allem abgesehen wird, worin ein Werk als seinem ursprünglichen Lebenszusammenhang wurzelt, von aller religiösen oder profanen Funktion, in der es stand und in der es seine Bedeutung besaß, wird es als das „reine Kunstwerk“ sichtbar. Die Abstraktion des ästhetischen Bewusstseins vollbringt insofern eine für es selbst positive Leistung. Sie lässt sehen und für sich sein, was das reine Kunstwerk ist. Ich nenne diese seine Leistung die „ästhetische Unterscheidung“. >Abstraktion, >Unterscheidungen, >Kunst, >Kunstwerke, >Ästhetik. I 95 [Die ästhetische Unterscheidung] unterscheidet an [den Kunstwerken] das Ästhetische von den außerästhetischen Bezügen, in denen es steht, genau so, wie wir auch außerhalb der Erfahrung von Kunst davon sprechen können, dass jemand sich ästhetisch verhält. Dem Problem der Ästhetik wird also seine volle Weite wiedergegeben und die transzendentale Fragestellung wiederhergestellt, die durch den Standpunkt der Kunst und seine Scheidung von schönem Schein und rauher Wirklichkeit verlassen worden war. Das ästhetische Erlebnis ist indifferent dagegen, ob sein Gegenstand wirklich ist oder nicht, ob die Szene die Bühne oder das Leben ist. 92 Die „ästhetische Unterscheidung“ die es als ästhetisches Bewusstsein betätigt, schafft sich auch ein eigenes äußeres Dasein. Sie beweist ihre Produktivität, indem sie der Simultaneität ihre Stätten bereitet, die „Universalbibliothek“ im Bereiche der Literatur, das Museum, das stehende Theater, den Konzertsaal usw. I 93 So verliert durch die „ästhetische Unterscheidung« das Werk seinen Ort und die Welt, zu der es gehört, indem es dem ästhetischen Bewusstsein zugehörig wird. Dem entspricht auf der anderen Seite, dass auch der Künstler seinen Ort in der Welt verliert. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Ästhetische Erfahrung | Gadamer | I 75 Ästhetische Erfahrung/Kunsterlebnis/Erlebnis/Gadamer: Das ästhetische Erlebnis ist nicht nur eine Art von Erlebnis neben anderen, sondern repräsentiert die Wesensart von Erlebnis überhaupt. Wie das Kunstwerk als solches eine Welt für sich ist, so ist auch das ästhetisch Erlebte als Erlebnis allen Wirklichkeitszusammenhängen entrückt. Es scheint geradezu die Bestimmung des Kunstwerks, zum ästhetischen Erlebnis zu werden (...) I 76 Im Erlebnis der Kunst ist eine Bedeutungsfülle gegenwärtig, die nicht diesem besonderen Inhalt oder Gegenstand allein zugehört, sondern die vielmehr das Sinnganze des Lebens vertritt. Ein ästhetisches Erlebnis enthält immer die Erfahrung eines unendlichen Ganzen. Gerade weil es sich nicht mit anderen zur Einheit eines offenen Erfahrungsfortgangs zusammenschließt, sondern das Ganze unmittelbar repräsentiert, ist seine Bedeutung eine unendliche. >Erlebnis/Gadamer. Zur Grenze der Erlebniskunst: >Allegorie/Gadamer. I 102 Ästhetische Erfahrung/Gadamer: Sofern wir in der Welt dem Kunstwerk und in dem einzelnen Kunstwerk einer Welt begegnen, bleibt dieses nicht ein fremdes Universum, in das wir auf Zeit und Augenblick hineinverzaubert sind. Vielmehr lernen wir uns in ihm verstehen, und das heißt, wir heben die Diskontinuität und Punktualität des Erlebnisses in der Kontinuität unseres Daseins auf. Es gilt daher, dem Schönen und der Kunst gegenüber einen Standpunkt zu gewinnen, der nicht Unmittelbarkeit prätendiert, sondern der geschichtlichen Wirklichkeit des Menschen entspricht. I 103 Die Berufung auf die Unmittelbarkeit, auf das Geniale des Augenblicks, auf die Bedeutung des kann vor dem Anspruch der menschlichen Existenz auf Kontinuität und Einheit des Selbstverständnisses nicht bestehen. Die Erfahrung der Kunst darf nicht in die Unverbindlichkeit des ästhetischen Bewusstseins abgedrängt werden. Vgl. >Erlebniskunst/Gadamer. Diese negative Einsicht bedeutet positiv: Kunst ist Erkenntnis und die Erfahrung des Kunstwerks macht dieser Erkenntnis teilhaftig. I 105 Die Erfahrung der Kunst soll nicht in ein Besitzstück ästhetischer Bildung umgefälscht und damit in ihrem eigenen Anspruch neutralisiert werden. (...) darin [liegt] eine weitreichende hermeneutische Konsequenz, sofern alle Begegnung mit der Sprache der Kunst Begegnung mit einem unabgeschlossenen Geschehen und selbst ein Teil dieses Geschehens ist. Das ist es, was gegen das ästhetische Bewusstsein und seine Neutralisierung der Wahrheitsfrage zur Geltung gebracht werden muss. >Ästhetisches Bewusstsein, >Wahrheit der Kunst/Gadamer. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Ästhetische Erfahrung | Lukács | Gadamer I 100 Ästhetische Erfahrung/Erlebniskunst/Subjekt-Objekt-Problem/Ästhetik/Lukács/Gadamer: Ausgangsproblem: für Valéry(1) hat jede Begegnung mit dem Werk den Rang und das Recht einer neuen Produktion. Gadamer: Problem: Das scheint mir ein unhaltbarer hermeneutischer Nihilismus. Denn nun überträgt er dem Leser und Ausleger die Vollmacht des absoluten Schaffens, die er selber nicht ausüben will. Ästhetisches Erlebnis/Gadamer: Die gleiche Aporie ergibt sich, wenn man statt von dem Begriff des Genies von dem Begriff des ästhetischen Erlebnisses ausgeht. Gadamer I 101 Lukacs(2): spricht der ästhetischen Sphäre eine heraklitische Struktur zu und will damit sagen: Die Einheit des ästhetischen Gegenstandes ist gar keine wirkliche Gegebenheit. Das Kunstwerk ist nur eine Leerform, der bloße Knotenpunkt in der möglichen Mehrheit von ästhetischen Erlebnissen, in denen allein der ästhetische Gegenstand da ist. Wie man sieht, ist absolute Diskontinuität, d. h. Zerfall der Einheit des ästhetischen Gegenstandes in die Vielheit von Erlebnissen, die notwendige Konsequenz der Erlebnisästhetik. >Ästhetik, >Ästhetisches Bewusstsein, >Kunst, >Kunstwerke, >Künstler, >Genie. Oskar Becker: An die Idee von Lukacs anknüpfend hat Oskar Becker geradezu formuliert: »Zeitlich angesehen ist das Werk nur einem Augenblick (d. h. jetzt), es ist „jetzt“ dies Werk und ist es schon jetzt nicht mehr!“(3) Gadamer: Das ist in der Tat konsequent. Die Grundlegung der Ästhetik im Erlebnis führt zur absoluten Punktualität, die die Einheit des Kunstwerks ebenso aufhebt, wie die Identität des Künstlers mit sich selbst und die Identität des Verstehenden bzw. Genießenden.(4) KierkegaardVsErlebniskunst/Gadamer: Wie mir scheint, hat schon Kierkegaard die Unhaltbarkeit dieser Position bewiesen, indem er die zerstörerische Konsequenz des Subjektivismus erkannte und als erster die Selbstvernichtung der ästhetischen Unmittelbarkeit beschrieb. Seine Lehre vom ästhetischen Stadium der Existenz ist vom Standpunkte des Ethikers aus entworfen, dem die Heillosigkeit und Unhaltbarkeit einer Existenz in reiner Unmittelbarkeit und Diskontinuität aufgegangen ist. Vgl. >Erlebniskunst. 1. P. Valéry, Variété Ill, Commentaires de Charmes: »Mes vers ont le sens qu'on leur prete«. 2. G. Lukács, „Die Subjekt-Objekt-Beziehung in der Ästhetik“, In: „Logos“, Bd. Vll., 1917/18. 3. Oskar Becker, Die Hinfälligkeit des Schönen und die Abenteuerlichkeit des Künstlers, Husserl-Festschrift, 1928, S. 51. Jetzt in O. Becker, Dasein und Dawesen. Pfullingen 1963, S. 11-401. 4. Schon bei K. Ph. Moritz, Von der bildenden Nachahmung des Schönen, 1788, S. 26 lesen wir: »Das Werk hat seinen höchsten Zweck in seiner Entstehung, in seinem Werden schon erreicht. « |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Aufklärung | Dilthey | Gadamer I 242 Aufklärung/Dilthey/Gadamer: Dass es (...) den »Standpunkt der Reflexion und des Zweifels«(1) einzunehmen gilt und dass diese Arbeit »in allen Formen von wissenschaftlichem Nachdenken« (und sonst nicht) vollbracht wird, ist mit den lebensphilosophischen Einsichten Diltheys schlechterdings nicht zu vereinigen(2). Hier wird vielmehr das besondere Ideal der wissenschaftlichen Aufklärung beschrieben, die sich so wenig mit der lebensimmanenten Besinnung verträgt, als es geradezu der Gadamer I 243 der Aufklärung gewesen ist, gegen den sich Diltheys Grundlegung in der Philosophie des Lebens richtete. Gadamer I 244 Für Dilthey vollendet sich die Aufklärung als historische Aufklärung. >Lebensphilosophie/Dilthey. Gadamer: Man kann von hier aus verstehen, was Dilthey an die romantische Hermeneutik anknüpfen lässt. Mit ihrer Hilfe gelingt es ihm, die Differenz zwischen dem geschichtlichen Wesen der Erfahrung und der Erkenntnisweise der Wissenschaft zu verdecken, oder besser: die Erkenntnisweise der Geisteswissenschaften mit den methodischen Maßstäben der Naturwissenschaften in Einklang zu setzen. >Hermeneutik/Schleiermacher, >Hermeneutik/Dilthey. 1. Ges. Schriften Vll, 3. 2. Auch daraufhat schon Misch, Lebensphilosophie und Phänomenologie, S. 295 und insbesondere S. 312ff., hingewiesen. Misch unterscheidet das Bewusstwerden und das Bewusstmachen. Philosophische Besinnung sei beides zugleich. Aber Dilthey suche fälschlich einen kontinuierlichen Übergang vom einen zum anderen. »Die wesentlich theoretische Richtung auf Objektivität lässt sich aus dem Begriff der Objektivation des Lebens allein nicht herausholen« (S. 298). Die vorliegende Untersuchung gibt dieser von Misch geübten Kritik ein andersartiges Profil, sofern sie schon in der romantischen Hermeneutik den Cartesianismus aufdeckt, der Diltheys Gedankengang hier zweideutig macht. |
Dilth I W. Dilthey Gesammelte Schriften, Bd.1, Einleitung in die Geisteswissenschaften Göttingen 1990 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Aufklärung | MacIntyre | Brocker I 659 Aufklärung/Moral/Ethik/MacIntyre: Die Aufklärung stellt für MacIntyre den gescheiterten Versuch dar, mit Hilfe einer universalen Moral auf der Grundlage der Vernunft den nachmittelalterlichen Pluralismus und Eklektizismus zu überwinden.(1) >Pluralismus, >Universalismus, >Moral. Die Aufklärung habe „unzusammenhängende Bruchstücke eines einst zusammenhängenden Denk- und Handlungssystems“(2) als Grundlage nehmen wollen. Problem: Es gibt Brüche zwischen einer Entteleologisierung des Moralsystems und einer gleichzeitigen Abhängigkeit von einem teleologischen Rahmen. >Teleologie. MacIntyreVsAufklärung: Die Suche nach einem moralischen Standpunkt, der von der gesellschaftlichen Ordnung unabhängig zu sein vorgibt, stellt eine Illusion dar. An die Stelle von Gütern, Traditionen und gesellschaftlichen Verhältnissen sind Pflichten, Regeln und Gesetze getreten. >Pflicht, >Gesetze, >Regeln. MacIntyreVsKant: In Kants moralischen Schriften ist der „Gedanke, dass Moral etwas anderes als das Befolgen von Regeln ist Brocker I 660 fast, wenn nicht sogar ganz aus dem Blickfeld verschwunden“.(3) >I. Kant, >Moral/Kant, >Kategorischer Imperativ, >Prinzipien. 1. Alasdair MacIntyre, After Virtue. A Study in Moral Theory, Notre Dame, Ind. 1981. Dt: Alasdair MacIntyre, Der Verlust der Tugend. Zur moralischen Krise der Gegenwart. Erweiterte Neuausgabe, Frankfurt/M. 2006 (zuerst 1987), S. 61. 2. Ebenda S. 80 3. Ebenda S. 313f. Jürgen Goldstein, „Alasdair MacIntyre, Der Verlust der Tugend“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018 |
Brocker I Manfred Brocker Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018 |
| Auktionen | Hazlett | Henderson I 19 Auktionen/Hazlett/Henderson/Globerman: In University Economics(1) verwenden Alchian und Co-Autor Willam R. Allen Eigentumsrechte, um die Unterbewertung von Eintrittskarten für den Rose Bowl zu erklären. Sie stellten fest, dass es jedes Jahr eine große Knappheit an Eintrittskarten für diese Veranstaltung gibt. Viele Leute, die sie zum Nominalpreis haben wollen, können sie nicht bekommen. Warum ist das so? Privatwirtschaft: Zu der Zeit, als der Bericht verfasst wurde, war die Rose Festival Association, die die Eintrittskarten verkaufte, nicht in privater Hand. Ein Drittel der Einnahmen aus dem Kartenverkauf ging an den Verband und ein Drittel an die teilnehmenden Universitäten und ihre Sportkonferenzen. Aber, so stellten sie fest, „niemand kann einen Teil der Einnahmen als ‚seinen‘ beanspruchen“. Diese einfache Tatsache habe enorme Auswirkungen, so die Autoren. >Privater Sektor, >Öffentlicher Sektor. Preise: Warum sollten die Entscheidungsträger höhere Preise verlangen, um die Knappheit zu verringern oder zu beseitigen, wenn sie von dieser Maßnahme nicht profitieren? Warum sollten sie nicht stattdessen niedrigere Preise ansetzen, so dass sie für ihre eigenen Eintrittskarten einen niedrigeren Preis als sonst zahlen und Eintrittskarten an ihre Freunde und Bekannten verkaufen können, die als erste Karten erhalten? Auf diese Weise können sie „in die besten Lokale, Clubs und Kreise“ eingeladen werden. >Clubs. Wäre diese Analyse nur für die Preisgestaltung von Rose Bowl-Tickets nützlich, wäre sie vielleicht nur ein amüsantes Beispiel. Doch wie Alchian und Allen erkannt haben, hat sie weitreichendere Auswirkungen. Hazlett: Thomas W. Hazlett, ein UCLA-Absolvent, der Telekommunikationsmärkte studiert und eine Zeit lang Chefökonom der Federal Communications Commission (FCC) war, nutzte die „Rose Bowl“-Analyse, um das Verhalten eines besonders mächtigen Kongressabgeordneten, John Dingell, eines Demokraten aus Michigan, zu verstehen. Als Vorsitzender des Handelsausschusses des Repräsentantenhauses war Dingell viele Jahre lang gegen die Versteigerung wertvoller elektromagnetischer Frequenzen. >Frequenzallokation. Stattdessen wollte er, dass die FCC die Lizenzen für bestimmte Zwecke und für begrenzte Zeiträume vergibt. Warum? Dingell hatte sehr viel Macht über die FCC. Aber wenn das Spektrum versteigert würde, wäre die Macht der FCC geringer und damit auch die Macht Dingells. Wie Henderson bei der Erörterung von Hazletts* Standpunkt sagte: „Wenn etwas an den Höchstbietenden vergeben wird, bestimmen die Bieter, nicht der Auktionator, wer es bekommt. Daher würde auch Dingell, der eine große Aufsichtsfunktion über die FCC hatte, seine Macht über die Zuteilung auf Null reduzieren. Ohne diese Macht würden die Leute ihn nicht mehr so häufig zu Abendessen und Jagdpartys einladen, weniger zu seinem Wahlkampffonds beitragen und seine Anrufe weniger schnell beantworten, wenn überhaupt. Kurzum, er wäre ein weniger wichtiger Mann in Washington und wahrscheinlich auch ein weniger wohlhabender."(2) (2001: 65) *Siehe auch Hazlett (1990)(3) 1. Alchian, Armen A., and William R. Allen (1972). University Economics: Elements of Inquiry, 3rd Edition. Wadsworth Publishing Co. 2. Henderson, David R. (2001). The Joy of Freedom: An Economist’s Odyssey, Prentice-Hall. 3. Hazlett, Thomas W. (1990). The Rationality of U. S. Regulation of the Broadcast Spectrum. The Journal of Law and EconomicsVolume 33, Number 1. |
Hazlett I Thomas W. Hazlett The Fallacy of Net Neutrality New York: Encounter Books 2011 Henderson I David R. Henderson Steven Globerman The Essential UCLA School of Economics Vancouver: Fraser Institute. 2019 |
| Außen/innen | Stroud | I 206 Allgemeines/Besonderes/Skeptizismus/Verifikationismus/Verallgemeinerung/innen/außen/Stroud: Descartes: bei Descartes ist das Besondere repräsentativ und kann daher verallgemeinert werden. >René Descartes. VerifikationismusVsVerallgemeinerung: Der Verifikationismus hält Verallgemeinerung für verdächtig: man sollte nicht Aussagen des Systems auf das Systems selbst anwenden. >Verifikationismus, >Selbstbezüglichkeit, >Zirkularität. StroudVsCarnap: Das Problem innen/außen ist nicht dasselbe wie das des Allgemeinen und Besonderen. StroudVsCarnap: Der Satz, dass Descartes nicht weiß, ob er am Kamin sitzt ist gar nicht sinnlos, nur in Verbindung mit der skeptischen Vermutung, dass er nicht verifizierbar ist. >Sinnloses, >Verifikation. Problem: Der Verifikationismus käme leicht in die Situation annehmen zu müssen, dass dann unsere ganze Alltagssprache sinnlos ist. >Alltagssprache. I 211 Naturalisierte Erkenntnistheorie/QuineVsCarnap/Stroud: Die Naturalisierte Erkenntnistheorie leugnet die Notwendigkeit eines externen Standpunkts - damit wird das innen/außen-Problem vermieden. I 214 QuineVsKant: Es gibt kein a priori-"Wissen". >a priori, >a priori/Quine, >Außen/innen/Carnap, >Intern/extern/Carnap. |
Stroud I B. Stroud The Significance of philosophical scepticism Oxford 1984 |
| Ausgeschlossenes Drittes | Heyting | I 67 Satz vom Ausgeschlossenen Dritten/VsIntuitionismus: Man wirft dem Intuitionisten nicht vor, dass er zu wenig annimmt, wie der Vertreter der klassischen Mathematik denkt, sondern viel zu viel. >Intuitionismus, >VsIntuitionismus. Z.B. ist das Prinzip vom ausgeschlossenen Dritten für die meisten Menschen ebenso evident wie das der vollständigen Induktion. Warum lehnt er das eine ab und gibt das andere zu? Intuitionismus: Tatsächlich müssen intuitionistische Behauptungen demjenigen dogmatisch erscheinen, der sie als Behauptungen über Tatsachen auffasst, aber so sind sie nicht gemeint. Sie bestehen aus gedanklichen Konstruktionen. Mathematische Ideen gehören zu meiner höchst privaten Gedankenwelt, z.B. "Ich habe 2 und 3 addiert und dann 4 und i und habe festgestellt, dass das zum selben Resultat führt". >Konstruktivismus. I 68 Das vermittelt keine Erkenntnisse über die Außenwelt, sondern über meine Gedanken. Man muss zwischen der bloßen Ausübung der Mathematik und ihrer Bewertung unterscheiden. Der Wert hängt immer von unseren philosophischen Ideen ab. >Mathematik, >Beschreibungsebenen. Wenn Wissenschaft wirklich zur Formalisierung der Sprache neigt, dann gehört die intuitionistische Mathematik nicht zur Wissenschaft in dem Sinne des Wortes. Sie ist vielmehr eine Erscheinung des Lebens, eine natürliche Tätigkeit des Menschen. Die meta-mathematischen Überlegungen mögen nützlich sein, sie lassen sich nicht in die intuitionistische Mathematik eingliedern. >Entdeckungen, >Metamathematik. I 69 Die Mathematik von intuitionistischen Standpunkt ist das Studium gewisser Funktionen des menschlichen Geistes. >Wissenschaft. |
Heyting I Arend Heyting Streitgespräch In Kursbuch 8/1967, H. M. Enzensberger Frankfurt/M. 1967 Heyting II Arend Heyting Intuitionism: An Introduction (Study in Logic & Mathematics) 1971 |
| Aussagen | Hempel | II 139 Isolierte Aussagen/Hempel: Wir könnten ein Kriterium zur Elimination isolierter Aussagen aufstellen: Def (4.1) ein theoretisches System ist kognitiv signifikant genau dann, wenn es bis zu wenigstens dem Grade partiell interpretiert ist, dass keine seiner primitiven Aussagen eine isolierte Aussage ist. Vs: Das kann aber fälschlicherweise auch gut abgesicherte Aussagen ausschließen. Bsp Ein System enthalte die primitive Aussage (S1) (S1) (x)(P1x > (Qx <> P2x)) wobei P1 und P2 Beoachtungsprädikate sind, während "Q" eine theoretische Konstruktion sein soll. Nun ist S1 nicht eine Wahrheit oder Falschheit der formalen Logik. Und wenn ferner S1 aus der Menge der primitiven Aussagen von T ausgeschlossen ist, dann besitzt das System T', das sich dadurch ergibt, genau dasselbe systematische, d.h. dasselbe Erklärungsvermögen wie T. Das Verfahren kann zu streng sein. S1 ist ein Beispiel dafür, was Carnap analytische Aussagen nennt. (Natürlich ist es keine Wahrheit der formalen Logik). Grund: Alle ihre Konsequenzen sind Wahrheiten der formalen Logik! II 140 HempelVsCarnap: Bsp Angenommen, unser System T enthalte die weitere Aussage (S2) (x)(P3x > (Qx <> P4x)) wobei P3 und P4 zusätzliche Beobachtungsprädikate sind. Vom Standpunkt, dass "jede bilaterale Reduktionsaussage analytisch ist"(Carnap), wäre dann S2 ebenso analytisch wie S1. Dennoch enthalten die beiden Aussagen zusammengenommen nicht-analytische Konsequenzen, die allein in Termen von Beobachtungsprädikaten ausdrückbar sind: (O) (x)(~(P1x ∧ P2x ∧ P3x u ~P4x) ∧ ~(P1x ∧ ~P2x ∧ P3x ∧ P4x)). Man würde aber kaum die Konsequenz zulassen wollen, dass die Konjunktion von zwei analytischen Aussagen synthetisch sein kann. >Analytizität, >Theorie, >Erklärung, >Beobachtungssätze, >Beobachtungssprache, >Theoretische Termini. |
Hempel I Carl Hempel "On the Logical Positivist’s Theory of Truth" in: Analysis 2, pp. 49-59 In Wahrheitstheorien, Gunnar Skirbekk Frankfurt/M. 1977 Hempel II Carl Hempel Probleme und Modifikationen des empiristischen Sinnkriteriums In Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich München 1982 Hempel II (b) Carl Hempel Der Begriff der kognitiven Signifikanz: eine erneute Betrachtung In Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich München 1982 |
| Axiome | d’Abro | A. d'Abro Die Kontroversen über das Wesen der Mathematik 1939 in Kursbuch 8 Mathematik 1967 35 Axiomatik/d’Abro: Die neue Wissenschaft der Axiomatik wurde hauptsächlich von den Formalisten Hilbert und Peano entwickelt. >Formalismus. 37 Hilbert/d‘Abro: Beispiele für typische Behauptungen Hilberts: 1. Zwei verschiedene Punkte, A und B , bilden immer eine Gerade. 2. Drei verschiedene Punkte, A,B, und C, die nicht auf einer Geraden liegen, bilden immer eine Ebene. 3. Von drei auf einer Geraden liegenden Punkten liegt einer und immer nur einer zwischen den beiden anderen. 4. Ist das Segment AB gleich den Segmenten A'B' und A''B'', so ist A'B' gleich A''B''. Die Pointe der Hilbertschen Postulate: Punkte, Geraden und Ebenen sind nicht die einzigen Größen, die diesen Relationen genügen: mit einiger Phantasie lassen sich noch andere finden. Bsp Es bezieht sich ursprünglich auf ebene Geometrie und kann mit anderer Bedeutung versehen werden: Kreise als neue Geraden, mit Winkeln als Abständen. Alle Relationen werden erfüllt, daher kann das neue Modell und das alte (euklidische) als verschiedene Modelle oder sogenannte "konkrete Darstellungen" angesehen werden, die beide den Postulaten entsprechen. >Modelle. 38 Es mag absurd erscheinen, aber Hilbert warnt davor, den Punkten und Geraden, die er in seinen Postulaten erwähnt, a priori bestimmte Eigenschaften zuzuschreiben. Wir können die Wörter Punkt, Gerade, Ebene in allen Postulaten durch Buchstaben a,b,c, ersetzen. Wenn wir dann Punkte, Geraden und Ebenen einsetzen, erhalten wir die euklidische Geometrie, wenn wir andere einsetzen, deren Relationen allerdings die gleichen sein müssen wir zwischen Punkt Geraden und Ebenen, erhalten wir ein neues Modell. Sie sind isomorph. >Isomorphien. Bsp Die neuen Elemente werden durch eine Dreiergruppe von Zahlen und durch algebraische Begriffe ausgedrückt, welche diese Zahlen miteinander in Beziehung setzen. Hilbert kam darauf, als er kartesianische Koordinaten anstellen von Punkten, Geraden, Ebenen wählte. Die Tatsache, dass die neuen Elemente, hier numerische, den Hilbertschen Postulaten genügten, beweist nur, dass die einfachen geometrischen Schlussweisen und die cartesianische Methode der analytischen Geometrie äquivalent sind. 39 Es wird damit die logische Äquivalenz des geometrischen und arithmetischen Kontinuums bewiesen. Lange vor Hilbert hatten Mathematiker erkannt, dass die Mathematik es mit Beziehungen zu tun hat, und nicht mit Inhalten. Mit Hilberts Postulaten können wir die Euklidische Geometrie schaffen, auch ohne zu wissen, was mit Punkt, Gerade und Ebene gemeint ist. 49 Die Errungenschaften der Axiomatik: 1. sind von unschätzbarem Wert, sowohl vom analytischen wie vom konstruktiven Standpunkt aus. 2. Die Axiomatik hat gezeigt, dass es in der Mathematik um Beziehungen und nicht um Inhalte geht. 3. Die Axiomatik hat gezeigt, dass die Logik von sich aus nicht die Widerspruchsfreiheit bestätigen kann. 4. Die Axiomatik hat auch gezeigt, dass wir über sie hinausgehen und ihren Ursprung zeigen müssen. >Widerspruchsfreiheit, >Letztbegründung, >Fundierung, >Axiomensysteme. |
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| Barock | Eco | I 35 Barock/Eco: Die Kunst des Barock ist dynamisch, strebt nach Unbestimmtheit der Wirkung, gestattet niemals die Feststellung eines bevorzugten, frontalen, definiten Standpunkts. Die beste und deutliche Manifestation der modernen Kultur-Unsensibilität ist, wenn sich der Mensch zum ersten Mal der Norm des Kanonischen entzieht (der Garantie für die kosmische Ordnung). Er steht in Kunst und Wissenschaft einer in Bewegung befindlichen Welt gegenüber, die ein schöpferisch erfinderisches Verhalten von ihm verlangt. I 47 Barock/Eco: Wir sehen hier einen Ersatz des Taktilen durch das Visuelle. Das heißt das Überwiegen des subjektiven Aspekts, die Verlagerung der Aufmerksamkeit vom Sein auf die Erscheinung. >Erscheinung, >Sein. |
Eco I U. Eco Das offene Kunstwerk Frankfurt/M. 1977 Eco II U, Eco Einführung in die Semiotik München 1972 |
| Bedeutungstheorie | Foster | I 4 Bedeutungstheorie/BT/Foster: Die Bedeutungstheorie sagt nicht was "Bedeutung" ist, sondern deckt auf, welche Bedingungen Bedeutungstheorien erfüllen müssen. - Analog: Wissenschaftstheorie: Diese erklärt nicht, was der Begriff eines Naturgesetzes ist, sondern deckt den Kanon wissenschaftlicher Methoden auf. I 6 Bedeutungstheorie/Foster: die Extension von "bedeutet, dass p" wird nicht durch den Wahrheitswert (WW) oder die extensionale Struktur des Satzes bestimmt, der für "p" eingesetzt wird. - Falsch: Das intensionale Idiom für "bedeutet dass" schon vorauszusetzen (das setzt die gesuchte Bedeutung voraus). Lösung: Extension statt Intension! I 7 Bedeutungstheorie/Foster: Die untersuchte Sprache L: erwähnt, (kontingente) Tatsachen (sie ist die Objektsprache). Metasprache: gebraucht wesentliches methodisches Vokabular (nichtkontingent) um die Theoreme aufzustellen. I 11 Bedeutungstheorie/Wahrheitstheorie/WT/FosterVsDavidson: Die Wahrheitsbedingungen (WB) festzustellen heißt, die Wahrheitswerte in allem möglichen Umständen darzulegen. Problem: dafür müsste das Tarski-Schema ((s) p gdw. S; "Schnee ist weiß" ist wahr gdw. Schnee weiß ist) einem kontrafaktischen Konditional entsprechen: "wäre wahr, wenn..."- das Schema ist aber indikativ. >Kontrafaktisches Konditional. I 17 Bedeutungstheorie/Foster: Problem: Alle W-Sätze des Tarski-Schemas bleiben wahr, wenn man nur etwas einsetzt, das die Wahrheitswerte bewahrt und die rechte Seite eine Übersetzung der linken ist. - Das liefert keine Bedeutung, nur Wahrheits-Definition. Bedeutungstheorie: kann entstehen, wenn man weiß, daß die Bedingungen erfüllt sind - d.h. daß die Wahrheitstheorie eine Bedeutungstheorie ist, I 19 aber nur, wenn die Theorie in derselben Sprache wie die Objektsprache - Grund: die Theorie ist nicht echt interpretierend. Lösung/Foster: wir brauchen die Tatsachen und die Kenntnis, daß die Tatsachen w-theoretisch sind. I 20 Dann BT ein einziger Satz: q*: "Eine WT für L stellt fest, dass ...". I 21 ...wenn wir dessen bewusst sind, können wir herausfinden, was jeder ausgewählte Satz feststellt - und das impliziert, die Fähigkeit, jeden Satz aufgrund seiner Struktur zu interpretieren, weil es impliziert wahrzunehmen, was jedes der Elemente dazu beiträgt! (>Kompositionalität). Pro: das ist interpretierend. Vs: Problem: "stellt fest, dass" ist immer noch intensional! I 22 Bsp Jemand der nicht weiß, was U feststellt, könnte dennoch die Tatsachen wissen, die U aussagt. Problem: wenn Bedeutungstheorie rein extensional ist, dann ist sie nicht mehr interpretierend. Zusammenfassung: Bedeutungstheorie/Foster: Für eine Objektsprache L0 besteht in der Konstruktion eines geeigneten Bereichs von möglichen Welten, die alle möglichen Sachverhalte ausschöpft, die unser philosophische Standpunkt erlaubt, zusammen mit einer endlichen Menge von wahren Axiomen, die für jeden L0-Satz S die relevante kanonische Reformulierung des W-Konditionals, der aus dem Schema "(w)(x ist wahr-von-w wenn, wenn w bestünde, es der Fall wäre, dass p)" durch Einsetzen der strukturellen Beschreibung (Laut, Zeichen) von S für "p". Statt "teil-von" -Relation: "mat-Teil-von": Diese Relation gilt zwischen y und x, wenn y eine Welt ist und x ein geordnetes Paar, dessen erstes Element die Klasse aller materiellen Dinge ist, und dessen zweites Element die Klasse aller geordneten Paare aller materiellen Dinge ist, die in der Teil-Ganzes-Relation stehen. |
Foster I John A. Foster "Meaning and Truth Theory" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 |
| Begrenzte Rationalität | Jolls | Parisi I 60 Begrenzte Rationalität/Jolls: Viele wichtige Fragen des Verhaltensrechts und der Verhaltensökonomie drehen sich heute um konkurrierende Auffassungen von begrenzter Rationalität. Vgl. >Begrenzte Rationalität/Simon. Ökonomische Analyse: Die normative Analyse der Rechtspolitik wird tendenziell komplexer, wenn zu Simons ursprünglichem Modell der Nicht-Rationalität nicht-optimierende Entscheidungsregeln hinzugefügt werden. Zum Beispiel könnte eine gesetzliche Regelung wie das inzwischen nicht mehr existierende "Soda-Gesetz" von New York City, das den Verkauf von zuckerhaltigen Getränken in Portionen von mehr als 16 Unzen einschränkte, ein Versuch gewesen sein, die reflexartige Bestellung von übergroßen zuckerhaltigen Getränken anzugehen, einfach weil sie (sagen wir) ein angemessenes "Preis-Leistungs-Verhältnis" pro Unze boten - aber von einem normativen Standpunkt aus ist es schwierig, sicher zu sein, dass ein solcher reflexartiger Kauf wirklich ein "Versagen" ist, das eine gesetzliche "Korrektur" benötigt. "Nichtwissen"/"Nicht-Allwissenheit" (engl. nonomniscience): Eine einfache Fehleinschätzung des Kaloriengehalts von übergroßen zuckerhaltigen Getränken lässt sich dagegen sowohl empirisch bestätigen - wissen die Leute, die ein Restaurant betreten, ungefähr, wie viele Kalorien ein übergroßes zuckerhaltiges Getränk hat? - als auch für rechtliche Maßnahmen, die einfach den Grad der Unwissenheit reduzieren sollen (obwohl natürlich auch die Kosten einer solchen Maßnahme berücksichtigt werden müssen). Sowohl für die analytische Klarheit als auch für die normative Debatte ist die Unterscheidung zwischen dem Nichtwissen und dem Nicht-Optimierungs-Aspekt von Simons beschränkter Rationalität enorm wertvoll (...).* Parisi I 62 Nicht-Optimierung: Mit "Nicht-Optimierung" (...) wird eine Entscheidungsfindung bezeichnet, die nicht dem von der Erwartungsnutzentheorie postulierten optimierenden Verhalten entspricht. "Satisficing"/Herbert Simon/Beispiel: Zur (...) Veranschaulichung des Simon'schen Begriffs, dass ein Individuum "zufriedenstellend" ist [d.h. nach dem "satisficing" die erstbeste Möglichkeit wählt], anstatt die "optimale" Option zu wählen, stellen Sie sich ein Individuum vor, das beurteilt, ob ein für eine Immobilie (...) angebotener Preis auf oder über einem Niveau liegt, das als "akzeptabel" angesehen wird. Das Individuum, schreibt Simon, "mag $15.000 als einen 'akzeptablen' Preis betrachten, alles über diesem Betrag als 'zufriedenstellend', alles darunter als 'unbefriedigend'" und wird dementsprechend das erste erhaltene Angebot von $15.000 oder darüber annehmen, unabhängig davon, ob diese Annahme "optimal" ist (Simon, 1955(4), S. 104). >Optimismus/Bibas, >Verlustaversion/Bibas, >Verständigung im Strafverfahren/Bibas, >Verfügbarkeitsheuristik/Wirtschaftstheorien, >Optimismus/Wirtschaftstheorien. *Verhaltensökonomie: Die Verhaltensökonomie konzentriert sich neben der begrenzten Rationalität auf den begrenzten Willen und das begrenzte Eigeninteresse (Thaler, 1996(1)). Die begrenzte Rationalität ist jedoch innerhalb der Verhaltensökonomik besonders prominent (...). Für eine Beschreibung der verhaltensökonomischen Arbeiten zu begrenzter Willenskraft und begrenztem Eigeninteresse siehe Jolls (2007(2), 2011(3)). >Begrenzte Rationalität/Simon, >Begrenzte Rationalität/Wirtschaftstheorien. 1. Thaler, Richard H. (1996). “Doing Economics Without Homo Economicus,” in Steven G. Medema and Warren J. Samuels, Hrsg., Foundations of Research in Economics: How Do Economists Do Economics?, 227–237. Cheltenham: Edward Elgar Publishing. 2. Jolls, Christine (2007). “Behavioral Law and Economics,” available at 3. Jolls, Christine (2011). Behavioral Economics and the Law. Boston, MA and Delft: now Publishers. 4. Simon, Herbert A. (1955). “A Behavioral Model of Rational Choice.” Quarterly Journal of Economics 69: 99–118. Jolls, Christine, „Bounded Rationality, Behavioral Economics, and the Law“. In: Parisi, Francesco (Hrsg.) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Bd. 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University Press. |
Parisi I Francesco Parisi (Ed) The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017 |
| Begriffsschemata | Rorty | Horwich I 454 Begriffsschema/DavidsonVsKorrespondenz/Rorty: alle (...) Zwischenglieder werden wir zusammen mit der Korrespondenz los - Bsp Begriffsschema, "Perspektive", Sprache, Kultur, "Sichtweise", "tertia" - diese intentionalistischen Begriffe sind die Quellen des Skeptizismus. >Perspektive, >Sprache, >Kultur, >Skeptizismus. Horwich I 454 Schema/Inhalt/Begriffsschema/DavidsonVsSkeptizismus/Rorty: der Dualismus Schema/Inhalt: mögliche Formen: "begrifflicher Rahmen", "intendierte Interpretation": diese sind mit den Dingen nicht kausal verbunden, die sie organisieren - sie variieren unabhängig vom Rest des Universums - ohne sie betrachten wir unsere eigenen Überzeugungen wie bei der Radikalen Interpretation (RI). >Radikale Interpretation. Horwich I 454 Radikale Interpretation/Begriffsschema/Davidson/Rorty: uns selbst mit der radikalen Interpretation zu untersuchen, macht Korrespondenzrelation, "intendierte Überzeugungen" usw. überflüssig. Rorty I 300 Begriffsschema/3. Dogma/Rorty: Sobald Begriffsschemata zu etwas Vergänglichem wurden, war die Unterscheidung von Schema und Inhalt selbst in Gefahr - dann wird Wissenschaft auch nicht ermöglicht durch einen a priori-Beitrag unseres Wissens. I 330 Begriffsschema/Davidson/Rorty: Die Rede vom Schema oder Begriffssystem versucht den Wahrheitsbegriff von Bedeutungsbegriff zu trennen und muss daher fehlgehen - dann müsste es ein "alternatives Begriffssystem" geben, das "wahr aber unübersetzbar" wäre - das ist unverständlich. >Wahrheit, >Bedeutung, >Inhalt. I 338 Rorty: es gibt keine neutrale Basis, von der aus verschiedene Schemata verglichen werden können - genauso wenig haben wir Berechtigung, ein gemeinsames Schema anzunehmen. Lösung: ohne 3. Dogma (Schema/Inhalt) stellen wir den direkten Bezug zu den Gegenständen wieder her. VI 64 Begriffsschema/Standpunkt/Putnam/Rorty: Wir müssen immer ein bestimmtes Begriffssystem verwenden (wir können gar nicht anders) - aber wir dürfen nicht behaupten, dies sei eigentlich nicht die Weise, in der die Dinge sich an sich verhalten. VI 127 Begriffsschema/DavidsonVs 3. Dogma/Rorty: Wir müssen aufhören, Aussagen danach zu sortieren, ob sie von »der Welt« oder von "uns" wahr "gemacht" werden. >Wahrmachen, >Tatsachen. DavidsonVsVs Begriffsschema /DavidsonVsQuine VI 129 Begriffsschema/Inhalt/Rorty: die Unterscheidung ist nicht zu verwechseln mit der Unterscheidung "ist"/"scheint". >Wahrnehmung, >Schein. VI 135 Wir können nicht angeben, welche "Gelenke" der Natur zum Schema und welche zum Inhalt gehören. |
Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 Horwich I P. Horwich (Ed.) Theories of Truth Aldershot 1994 |
| Begriffsschemata | Stroud | I 212 Begriffsschema/Quine/Stroud: Pointe: Die Begriffe der philosophischen Untersuchung sind schon vorher in anderem Zusammenhang entwickelt - dennoch sind sie genauso tauglich. - Es gibt keine anderen "philosophischen" Begriffe außerhalb. - Es gibt keinen externen Standpunkt. - Die Situation ist Wie Bsp auf Neuraths Schiff. >Neuraths Schiff, >Außen/innen, >Zirkularität. Philosophie/Quine: Philosophie ist nur allgemeiner, sie ist nicht anders geartet als andere Wissenschaften. - Es gibt nur "weitere Kategorien". - Allerdings ist die Frage nach der Existenz von z.B. Zahlen eine besondere. >Ontologie, >Ontologie/Quine, >Zahlen, >Zahlen/Quine. |
Stroud I B. Stroud The Significance of philosophical scepticism Oxford 1984 |
| Behauptbarkeit | Strawson | Nagel I 71 Crispin WrightVsStrawson: Wright hält den Standpunkt, die Wahrheit könne weiter reichen als die Behauptbarkeit, für allzu extrem: wie kann ein Satz unerkennbar wahr sein? (VsRealismus). >Realismus, >Behauptbarkeit, >Wahrheit. StrawsonVs Das verzeichnet das Bild dessen, was Wittgenstein angeblich behauptet hat: das entspricht einfach nicht unserer evidentesten Erfahrung. Wir verstehen die Bedeutung dessen, was wir sagen und hören gut genug, um zumindest gelegentlichen in dem, was gesagt wurde, Inkonsistenzen und Folgerungen erkennen zu können, die ausschließlich dem Sinn oder der Bedeutung des Gesagten zuzuschreiben sind. >Sinn, >Bedeutung, >Verstehen, >Sprachgemeinschaft. Wright I 77 Wright: Behauptbarkeit/Strawson: Die assertibilitätskonditionale Auffassung bietet "keine Erklärung für das, was ein Sprecher tatsächlich macht, wenn er den Satz äußert. >Sprachverhalten, >Verhalten, >Sprecherbedeutung, >Sprecherintention. StrawsonVsSemantische Anti-Realisten: Es ist nur sinnvoll, eine Behauptung als berechtigt anzusehen, wenn diese Behauptung die Verpflichtung auf etwas jenseits ihrer Berechtigung liegendes mitträgt. ((s)"Hintergrund", einzelne, isolierte Sätze sind nicht behauptbar aber auch nicht sinnvoll bestreitbar.) Vgl. >Hintergrund. |
Strawson I Peter F. Strawson Einzelding und logisches Subjekt Stuttgart 1972 Strawson II Peter F. Strawson "Truth", Proceedings of the Aristotelian Society, Suppl. Vol XXIV, 1950 - dt. P. F. Strawson, "Wahrheit", In Wahrheitstheorien, Gunnar Skirbekk Frankfurt/M. 1977 Strawson III Peter F. Strawson "On Understanding the Structure of One’s Language" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Strawson IV Peter F. Strawson Analyse und Metaphysik München 1994 Strawson V P.F. Strawson Die Grenzen des Sinns Frankfurt 1981 Strawson VI Peter F Strawson Grammar and Philosophy in: Proceedings of the Aristotelian Society, Vol 70, 1969/70 pp. 1-20 In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Strawson VII Peter F Strawson "On Referring", in: Mind 59 (1950) In Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993 NagE I E. Nagel The Structure of Science: Problems in the Logic of Scientific Explanation Cambridge, MA 1979 Nagel I Th. Nagel Das letzte Wort Stuttgart 1999 Nagel II Thomas Nagel Was bedeutet das alles? Stuttgart 1990 Nagel III Thomas Nagel Die Grenzen der Objektivität Stuttgart 1991 NagelEr I Ernest Nagel Teleology Revisited and Other Essays in the Philosophy and History of Science New York 1982 WrightCr I Crispin Wright Wahrheit und Objektivität Frankfurt 2001 WrightCr II Crispin Wright "Language-Mastery and Sorites Paradox" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 WrightGH I Georg Henrik von Wright Erklären und Verstehen Hamburg 2008 |
| Beobachtung | Habermas | III 171 Beobachtung/Ontologie/Habermas: Wenn wir ein Verhalten als teleologische Handlung beschreiben, unterstellen wir, dass der Handelnde bestimmte ontologische Voraussetzungen macht, dass er mit einer objektiven Welt rechnet, in der er etwas erkennen und in die er zielgerichtet eingreifen kann. >Verhalten, >Ziele, >Absicht, >Intentionalität, >Interpretation, >Kommunikatives Handeln/Habermas, >Kommunikationstheorie/Habermas, >Kommunikation/Habermas, >Kommunikative Praxis/Habermas, >Kommunikative Rationalität/Habermas. Der Beobachter macht gleichzeitig ontologische Voraussetzungen im Hinblick auf die subjektive Welt des Aktors. Er unterscheidet zwischen „der“ Welt und der Welt, wie sie vom Standpunkt des Handelnden aus erscheint. Er kann deskriptiv feststellen, was der Aktor für wahr hält im Unterschied zu dem, was nach Meinung des Beobachters wahr ist. >Außenwelt/Habermas, >Innenwelt, >Fremdpsychisches, >Konflikte, >Rechtfertigung. |
Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |
| Beobachtung | Sraffa | Kurz I 72 Beobachtung/Sraffa/Kurz: [Sraffa] stellt verschiedene Beobachter mit spezifischen analytischen Haltungen vor und vergleicht sie und untersucht, wie diese Haltungen für das Erfassen bestimmter Aspekte des Untersuchungsgegenstandes nützlich oder schädlich sein können. Dieses Vorgehen erklärt, warum Sraffa besonders darauf achtet, die Elemente, die Teil des zu untersuchenden Objekts sind, von denen zu trennen, die von den speziellen theoretischen Linsen abhängen, die der Beobachter verwendet: Unserer Ansicht nach geht Sraffa implizit davon aus, dass theoretische Linsen in der Tat für die durchzuführende Untersuchung erforderlich sind, und dass daher eine Anstrengung unternommen werden muss, um die besten Linsen in der gegebenen Situation auszuwählen. >Methode/Sraffa. Kurz I 79 Im Vorwort zu PC(1) stellt Sraffa einen Analysegegenstand vor, nämlich „die Eigenschaften eines Wirtschaftssystems“, die „nicht von Änderungen des Produktionsumfangs oder der Faktorenverhältnisse abhängen“, und zwei Beobachter dieses Gegenstands. Der erste Beobachter wird vorgestellt als (i) „jeder, der gewohnt ist, in Begriffen des Gleichgewichts von Angebot und Nachfrage zu denken“, der zweite als (ii) der Gelehrte, der den „Standpunkt ... der alten klassischen Ökonomen von Adam Smith bis Ricardo“ einnimmt. Nach Sraffa nehmen die Beobachter (i) und (ii) zwei unterschiedliche Haltungen gegenüber dem Untersuchungsgegenstand ein. Diese Unterschiede wirken sich unmittelbar auf die Fähigkeit des Beobachters aus, den Gegenstand zu verstehen. Beobachter (i) kann durch die symmetrische Werttheorie „veranlasst“ werden, ein Modell, in dem die Nachfragebedingungen bei der Preisbestimmung keine explizite analytische Rolle spielen, als ein Modell zu interpretieren, das auf der impliziten Annahme konstanter Skalenerträge beruht. Beobachter (ii) scheint besser als Beobachter (i) in der Lage zu sein, die Eigenschaften des untersuchten Objekts zu untersuchen: „In einem System, in dem die Produktion Tag für Tag in dieser Hinsicht unverändert bliebe, wäre das Grenzprodukt eines Faktors (oder alternativ die Grenzkosten eines Produkts) nicht nur schwer zu finden - es wäre einfach nicht zu finden.“ (Sraffa 1960: v)(1) Kurz I 81 Überschuss/Methode/Sraffa: In Kapitel II von PC(1) stellt Sraffa eine Wirtschaft vor, die „mehr produziert als das Minimum, das zur Wiederbeschaffung notwendig ist, und es gibt einen Überschuss, der Kurz I 82 verteilt wird“ (S. 6). Der Beobachter-Sraffa bemerkt: „Das System wird selbstwidersprüchlich“. Dieser „Widerspruch“ ist jedoch nicht dem zu beobachtenden Objekt inhärent. Sraffas Bemerkung läuft also auf eine Warnung an die Beobachterin und ihre theoretischen Schemata hinaus: Die Beobachterin würde in einen Widerspruch geraten, wenn sie den Gegenstand „Produktion mit Überschuss“ mit denselben Analysewerkzeugen analysieren würde, die sie für den Gegenstand „Produktion zum Lebensunterhalt“ verwendet. Ein anderes theoretisches Schema ist erforderlich. Kurz: Unserer Ansicht nach ist Sraffas Warnung durch die Tatsache gerechtfertigt, dass mindestens zwei wesentliche Unterschiede zwischen dem Gegenstand von Kapitel I und dem Gegenstand von Kapitel II bestehen: Das Vorhandensein eines Überschusses bedingt nämlich die Notwendigkeit für den Beobachter, (i) eine Regel für die Verteilung des Überschusses zu wählen und (ii) zwischen Basisgütern und Nicht-Basisgütern zu unterscheiden. 1. Sraffa, P. (1960). Production of Commodities by Means of Commodities. Prelude to a Critique of Economic Theory, Cambridge: Cambridge University Press. Salvadori, Neri and Signorino, Rodolfo. 2015. „Piero Sraffa: economic reality, the economist and economic theory. An interpretation.“ In: Kurz, Heinz; Salvadori, Neri 2015. Revisiting Classical Economics: Studies in Long-Period Analysis (Routledge Studies in the History of Economics). London, UK: Routledge. |
Sraffa I Piero Sraffa Production of Commodities by Means of Commodities. Prelude to a Critique of Economic Theory (Cambridge: Cambridge University Press). Cambridge 1960 Kurz I Heinz D. Kurz Neri Salvadori Revisiting Classical Economics: Studies in Long-Period Analysis (Routledge Studies in the History of Economics). Routledge. London 2015 |
| Bewusstsein | Brentano | Chisholm I 130 Einheit des Bewusstseins/Brentano(1): wenn einer etwas vorstellt oder zugleich mehrere Objekte vorstellt, so erkennt er zugleich auch die Gleichzeitigkeit beider. Bsp wer eine Melodie hört, erkennt dass er, während er den einen Ton als gegenwärtig hört, den anderen als vergangenen vorstellt. ...in welchem der Erlebnisse findet sich die Vorstellung ihrer Gleichzeitigkeit? In keinem! >Vorstellung. Vielmehr sieht man deutlich, dass die innere Erkenntnis des einen mit der des anderen zu derselben realen Einheit gehören. I 131 Bewusstsein/Chisholm/Einheit/Brentano/Chisholm: legt das folgende Prinzip nahe: wenn es für x gewiss ist, dass er F ist und auch dass er G ist, dann ist für ihn auch gewiss, dass er F und G ist. Das scheint auf Basis von Kants transzendentaler Einheit der Apperzeption unbezweifelbar. ChisholmVs: es scheint jedoch zu streng zu sein. Kant: das Subjekt, braucht die Vorstellungen nicht zu vereinigen, es dass nur so sein, dass es das könnte. >Wahrnehmung/Kant. EP 4 wenn es für x gewiss ist, dass er F ist und ebenso, dass er G ist, und er die Frage erwägt, ob er sowohl F als auch G ist, dann ist es für ihn gewiss. I 132 Das gilt entsprechend auch für erwogene Propositionen. 1. F. Brentano, Psychologie vom empirischen Standpunkt, Hamburg, 1973, S. 227f Chisholm II 269 Bewusstsein/Brentano/Hedwig: Brentano hat die psychologische Abgründigkeit des Bewusstseins nie zugegeben sondern immer auf der Eindeutigkeit des Denkens insistiert. Chisholm II = Klaus Hedwig Brentano und Kopernikus in Philosophische Ausätze zu Ehren Roderick M. Chisholm Marian David/ Leopold Stubenberg (Hg), Amsterdam 1986 |
Brent I F. Brentano Psychology from An Empirical Standpoint (Routledge Classics) London 2014 Chisholm I R. Chisholm Die erste Person Frankfurt 1992 Chisholm II Roderick Chisholm In Philosophische Aufsäze zu Ehren von Roderick M. Ch, Marian David/Leopold Stubenberg Amsterdam 1986 Chisholm III Roderick M. Chisholm Erkenntnistheorie Graz 2004 |
| Bewusstsein | Chisholm | I 112 Bewusstsein/Chisholm: Alle meine Meinungen sind direkte Zuschreibungen. - Ich bin der Gegenstand dieser Zuschreibungen, aber nicht ihr Inhalt. >Inhalt, >Ich, >Zuschreibung. Ich/ChisholmVsDescartes: Es gibt keine gewissen Propositionen über sich selbst. - Existenz ist auch nicht eine Eigenschaft, der ich mir gewiss bin. Bewusstsein ist durch selbstpräsentierende Eigenschaft definiert - kein direkter Zugang. I 130 Bewusstsein/Einheit/Chisholm: Eine Person, die gewahr wird, dass sie etwas sieht und die gewahr wird, dass sie etwas hört, wird auch gewahr, dass sie etwas sieht und hört - Auslagerung/Erwähnung/Gebrauch - Chisholm: Es ist aber nicht sicher, dass das Bewusstsein dasselbe ist. I 133 Selbstbewusstsein: Selbstbewusstsein geht über direkte Zuschreibung hinaus: Subjekt muss wissen, dass die Eigenschaft ihm selbst zugeschrieben werden. >Zuschreibung/Chisholm, >Aufmerksamkeit, >Selbstbewusstsein. I 131f Bewusstsein/Einheit/Kant: Das Subjekt braucht die Vorstellungen nicht zu vereinigen, es muss es aber können. Selbstbewusstsein: a) direkte Zuschreibung einer Eigenschaft b) weitergehend: hier muss das Subjekt auch wissen, dass es selbst das Objekt der direkten Zuschreibung ist - Richtigkeit ergibt sich aus Betrachtung, viele Menschen betrachten niemals. II 193 ff Zwei-Aspekte-Lehre/Fechner: Personen haben innere (geistige) und äußere Aspekte (nicht zwei Seiten einer Medaille)- verschieden nur nach Standpunkt! (keine Identitätstheorie) - beiden muss kein Wesen unterlegt werden - VsFechner: nur interessant, wenn mit dem "Innerem" noch ein weiterer Sinn verbunden werden kann - Fechner: Wesen monistisch - aber auch: FechnerVsMonismus: hat nur Sinn, wenn Welt auch einheitlich empfunden wird - als Selbst-Erscheinung ist alles letztlich Geist. >Monismus, >Dualismus, >Selbstbewusstsein, vgl. >Anomaler Monismus. II 198f FeiglVsFechner: alle seine Bsp sind im Grunde solche für Äußeres! (hat Fechner selbst auch gesehen) - auch das Innere des Körpers ist körperlich - damit besteht der entscheidende Unterschied gar nicht - Fechner: letztlich nur metaphorisch. Stubenberg, Leopold. Chisholm, Fechner und das Geist-Körper-Problem. In: Philosophische Ausätze zu Ehren Roderick M. Chisholm Marian David/ Leopold Stubenberg (Hg), Amsterdam 1986 |
Chisholm I R. Chisholm Die erste Person Frankfurt 1992 Chisholm II Roderick Chisholm In Philosophische Aufsäze zu Ehren von Roderick M. Ch, Marian David/Leopold Stubenberg Amsterdam 1986 Chisholm III Roderick M. Chisholm Erkenntnistheorie Graz 2004 |
| Bewusstsein | Kant | Strawson V 224 Bewusstsein/Körper/Kant: dualistisch, getrennt. Strawson: die kritische Philosophie beantwortet das auch ganz anders: es gibt keinen externen Standpunkt um zu entscheiden, ob es Körper überhaupt gibt. >Dualismus, >Monismus, >Leib-Seele-Problem. |
I. Kant I Günter Schulte Kant Einführung (Campus) Frankfurt 1994 Externe Quellen. ZEIT-Artikel 11/02 (Ludger Heidbrink über Rawls) Volker Gerhard "Die Frucht der Freiheit" Plädoyer für die Stammzellforschung ZEIT 27.11.03 Strawson I Peter F. Strawson Einzelding und logisches Subjekt Stuttgart 1972 Strawson II Peter F. Strawson "Truth", Proceedings of the Aristotelian Society, Suppl. Vol XXIV, 1950 - dt. P. F. Strawson, "Wahrheit", In Wahrheitstheorien, Gunnar Skirbekk Frankfurt/M. 1977 Strawson III Peter F. Strawson "On Understanding the Structure of One’s Language" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Strawson IV Peter F. Strawson Analyse und Metaphysik München 1994 Strawson V P.F. Strawson Die Grenzen des Sinns Frankfurt 1981 Strawson VI Peter F Strawson Grammar and Philosophy in: Proceedings of the Aristotelian Society, Vol 70, 1969/70 pp. 1-20 In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Strawson VII Peter F Strawson "On Referring", in: Mind 59 (1950) In Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993 |
| Bezugssysteme | Rorty | I 17 Bezugssystem/Beschreibung/Wirklichkeit/Rorty: These: Es gibt keinen fundamentalen Standpunkt oder allumfassenden Rahmen. Erkenntnis hat keine Fundamente. >Letztbegründung, >Beschreibungsebenen, >Erkenntnistheorie. |
Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 |
| Bivalenz | Quine | II 48 Bivalenz/Dummett: nach Dummett ist die Zweiwertigkeit das Kennzeichen des Realismus. Quine: mir liegt nicht sehr viel an der Zweiwertigkeit, hauptsächlich ist sie zur Vereinfachung gut. Neben den unentscheidbaren Tatsachen der Realisten in Bezug auf physikalische Gegenstände, ist die Vagheit der Termini in Rechnung zu stellen. Auch hier ergeben sich Probleme durch Zweiwertigkeit: Sorites: Bsp Wenn nach Entfernung eines einzigen Korns von einem Sandhaufen immer ein Haufen übrigbleibt, folgt mittels vollständiger Induktion, dass bei Entfernung sämtlicher Körner ein Haufen übrigbleibt. Die Zweiwertigkeit besiegelt das Paradox, da sie verlangt, dass der Haufen in jeder Phase entweder wahr oder falsch sein müsse. Lösung: Das Paradox wird generell durch vage Termini herbeigeführt. >Paradoxien/Quine. II 50 Zu denken, als ob unsere Termini präzise wären, scheint nicht weiter kompliziert zu sein, solange wir sehen, dass sie durch willkürliche Festsetzungen präzisiert werden können. II 52 Zweiwertigkeit: Dennoch ist Bivalenz ein Grundzug unserer naturwissenschaftlichen Welt. Im liberalen Sinn ist das kein Problem. Frege: behauptet, jeder allgemeine Term trifft entweder zu oder nicht. Alle Termini sind vage durch Ostension. >Ostension/Quine. Es geht dabei nicht um Konvention, auch nicht um unerforschliche, wohl aber um objektive Tatsachen. Trotzdem kommen wir nicht umhin, den Tisch als einen und nicht einen anderen aufzufassen. So ist es mit der Zweiwertigkeit. II 53 Die Zweiwertigkeit ist ein Grundzug unserer klassischen naturwissenschaftlichen Theorien. In Einklang mit unseren naturwissenschaftlichen Theorien betrachten wir alle derartigen Sätze so, als hätten sie einen tatsachenbezogenen Inhalt. Und sei er noch so weit von der Beobachtung entfernt. Damit ist der Einfachheit gedient. II 54 Der Begriff des physikalischen Gegenstands im liberalen Sinn bringt keine Verlegenheit mit sich, da er alle Anwärter unterschiedslos als "Tisch" erfasst. X 115 Dreiwertige Logik: hebt die klassische Bivalenz auf. Negation/mehrwertige Logik/Quine: könnten wir die mehrwertige Logik verteidigen, indem wir sie so definieren, dass sie genau dann wahr ist, wenn der negierte Satz nicht wahr ist? >Negation/Quine. Vs: das verleiht ihr zwar die gewünschte Bedeutung, beruht aber auf einem Zirkel: wir verwenden bei der Definition das klassische „nicht“, das der Abweichler ablehnt. X 115 Bivalenz/mehrwertige Logik/Quine: die Zweifel an der Zweiwertigkeit sind oft schwach begründet. 1. Vs Satz vom ausgeschlossenen Dritten/VsSaD: die schlechteste Begründung: ist, dass es immer Zwischenstufen gäbe. 2. VsSaD: besagt, dass es sonst angeblich eine Verwechslung von Wissen und Wahrheit gäbe: X 116 >Satz vom ausgeschlossenen Dritten/Quine. Quine pro extremer Realismus: wir können uns auf den Standpunkt stellen, dass jeder der Sätze, von denen wir die Antwort nicht kennen, entweder wahr oder falsch ist. 3. VsSaD: ist ernster zu nehmen: die Begründung stammt aus den Antinomien der Mengenlehre und der Semantik: Russellsche Antinomie/Bovcar: (1939): mittlerer Wahrheitswert für „~(x e x)“. QuineVs: das verstößt gegen das „Prinzip der Minimalen Verstümmelung“: die Antinomien stammen aus der Mengenlehre und der Semantik, versuchen wir, sie dort zu lösen, und nicht die funktionierende vollständige Logik lahmzulegen. 4. QuantenmechanikVsSaD: beschäftigt sich mit der Unschärferelation. Bestimmte Größen können nicht gleichzeitig gemessen werden. Damit scheint es überflüssig und irreführend, den klassischen logischen Apparat aufrecht zu erhalten. Birkhoff/v.Neumann: (1936): abgeschwächter Ersatz für die wahrheitsfunktionale Logik, ist keine mehrwertige Logik, sondern eine nicht wahrheitsfunktionale Logik. >Logik/Quine. PopperVs: behauptet, dass das nicht leistet, was es leisten soll. |
Quine I W.V.O. Quine Wort und Gegenstand Stuttgart 1980 Quine II W.V.O. Quine Theorien und Dinge Frankfurt 1985 Quine III W.V.O. Quine Grundzüge der Logik Frankfurt 1978 Quine V W.V.O. Quine Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989 Quine VI W.V.O. Quine Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995 Quine VII W.V.O. Quine From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953 Quine VII (a) W. V. A. Quine On what there is In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (b) W. V. A. Quine Two dogmas of empiricism In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (c) W. V. A. Quine The problem of meaning in linguistics In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (d) W. V. A. Quine Identity, ostension and hypostasis In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (e) W. V. A. Quine New foundations for mathematical logic In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (f) W. V. A. Quine Logic and the reification of universals In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (g) W. V. A. Quine Notes on the theory of reference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (h) W. V. A. Quine Reference and modality In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (i) W. V. A. Quine Meaning and existential inference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VIII W.V.O. Quine Bezeichnung und Referenz In Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982 Quine IX W.V.O. Quine Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967 Quine X W.V.O. Quine Philosophie der Logik Bamberg 2005 Quine XII W.V.O. Quine Ontologische Relativität Frankfurt 2003 Quine XIII Willard Van Orman Quine Quiddities Cambridge/London 1987 |
| Bourgeois/Citoyen | Hegel | Mause I 47 Bourgeois/citoyen/HegelVsRousseau/Hegel: Hegel bietet eine Lösung des in dem Rollenkonflikt von bourgeois und citoyen aufgeworfenen Problems des Verhältnisses von Politik und Wirtschaft an, das vom Standpunkt des Eigentumsrechtsschutzes und bezüglich der Frage nach der Transformation des bourgeois zum citoyen befriedigender ausfällt, als diejenige Rousseaus. >Bourgeois/Rousseau. Liberale Eigentumsrechte werden bei Hegel aufgrund ihrer intrinsischen Vernünftigkeit staatlich garantiert, und die republikanische Identifikation des Bürgers mit dem politischen Gemeinwesen erfolgt durch institutionell abgesicherte Prozesse der „Bildung“ (1), in denen die Bürger die Fähigkeit gewinnen, über die Grenzen ihrer Privatinteressen hinauszublicken und sich als Teile eines sittlichen Ganzen zu erkennen. >Bildung/Hegel, >Eigentum, >Gemeinschaft. 1.G.W.F. Hegel, Grundlinien der Philosophie des Rechts oder Naturrecht und Staatswissenschaft im Grundrisse. Werke 7, Hrsg. Eva Moldenhauer und Karl Markus Michel, Frankfurt a. M. 1989, S. 343-345. |
Mause I Karsten Mause Christian Müller Klaus Schubert, Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018 |
| Cartesianismus | Avramides | I 107ff Cartesianismus/Asymmetrie/Avramides: Der Cartesianismus ist die ältere Tradition der tiefen epistemischen Asymmetrie. Mentale Objekte sind nur durch die Erste-Person-Perspektive zugänglich. >Erste Person, >Privilegierter Zugang. Fremdpsychisches: Fremdpsychisches ist nur durch Verhalten erratbar. >Fremdpsychisches. Dann gibt es keine oberflächliche epistemische Asymmetrie. Pointe: Ontologische Symmetrie: Geistiges und Materielles sind auf einer Stufe. - Diese Sicht ist nicht auf Physikalismus verpflichtet. >Physikalismus. Variante des Cartesianismus: man könnte sogar sagen, der Gottesstandpunkt könnte die immaterielle Substanz nicht erkennen. Tiefe epistemische Asymmetrie: Wenn wir die immaterielle Substanz erkennen könnten, könnten wir fremde Intentionen ohne Sprache erkennen. Cartesianismus/Avramides: hier: Variante mit göttlichem Zugang zum Immateriellen. - Cartesianismus ist nicht reduktiv! >Reduktion, >Reduktionismus. I 110 AvramidesVsCartesianismus: Fehler: ohne Verhaltensbeobachtung vorzugehen. >Verhalten, >Verstehen. |
Avr I A. Avramides Meaning and Mind Boston 1989 |
| Cartesianismus | Dilthey | Gadamer I 241 Cartesianismus/Dilthey/Gadamer: [Dilthey vermochte] die Konsequenz seines lebensphilosophischen Ansatzes gegen die Reflexionsphilosophie des Idealismus nicht wirklich festzuhalten (...). Sonst hätte er in dem Einwand des Relativismus den erkennen müssen, dem sein eigener Ausgangspunkt von der Immanenz des Wissens im Leben gerade den Boden entziehen wollte. >Relativismus/Dilthey, >Leben/Dilthey, >Lebensphilosophie/Dilthey. Diese Zweideutigkeit hat ihren letzten Grund in einer inneren Uneinheitlichkeit seines Denkens, dem unaufgelösten Cartesianismus, von dem er ausgeht. Seine erkenntnistheoretischen Besinnungen zur Grundlegung der Geisteswissenschaften schließen sich nicht wirklich mit seinem lebensphilosophischen Ausgangspunkt zusammen. Dafür gibt es in seinen spätesten Aufzeichnungen einen sprechenden Beleg. Dilthey fordert da von einer philosophischen Grundlegung, dass sie sich auf jedes Gebiet erstrecken müsse, in welchem »das Bewusstsein das Autoritative abgeschüttelt hat und Gadamer I 242 durch den Standpunkt der Reflexion und des Zweifels zu gültigem Wissen zu gelangen strebt«(1). Gadamer: Ein solcher Satz scheint eine unverfängliche Aussage über das Wesen der Wissenschaft und der Philosophie der Neuzeit überhaupt. Die cartesianischen Anklänge darin sind gar nicht zu überhören. In Wahrheit aber findet dieser Satz in einem ganz anderen Sinne seine Anwendung, wenn Dilthey fortfährt: »Überall führt das Leben zu Reflexionen über das, was in ihm gesetzt ist, die Reflexion zum Zweifel, und soll sich diesem gegenüber das Leben behaupten, so kann das Denken erst endigen in gültigem Wissen«(2). Hier sind es nicht mehr philosophische Vorurteile, die durch eine erkenntnistheoretische Grundlegung im Stile Descartes überwunden werden sollen, sondern hier sind es Wirklichkeiten des Lebens, die Tradition der Sitte, der Religion und des positiven Rechts, welche von der Reflexion zersetzt werden und einer neuen Ordnung bedürfen. Wenn Dilthey hier von Wissen und Reflexion spricht, so meint er nicht die allgemeine Immanenz des Wissens im Leben, sondern eine gegen das Leben gerichtete Bewegung. 1. Dilthey, Ges. Schriften Vll, 6. 2. Ebenda. |
Dilth I W. Dilthey Gesammelte Schriften, Bd.1, Einleitung in die Geisteswissenschaften Göttingen 1990 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Charakterzüge | Webb | Corr II 11 Charakterzüge/Webb/Deary: Wichtig ist die Arbeit von Edward Webb (1915)(1), weil sie wohl die erste wissenschaftliche Studie war, in der ein Charakterzug mit erkennbar modernen Methoden entdeckt wurde. >Charakterzüge/Deary. II 14 Studiendesign/Experiment/Webb: Die Studienteilnehmer von Webb (1915) waren 194 Männer, etwa 21 Jahre alt, die an einer Lehrerausbildungsstätte studierten. Jeder Teilnehmer wurde von zwei unabhängig voneinander arbeitenden Richtern beurteilt. (...) die Richter wurden gebeten, Notizen zu jedem der ihnen zugewiesenen Teilnehmer zu machen, wobei sie ermutigt worden waren, diese so ausgiebig wie möglich zu machen, in allen beruflichen und sozialen Umgebungen und zu allen Aspekten des Verhaltens (...). [Während einer Auszeit] wurde jeder Richter gebeten, eine vollständige Charakterskizze von jedem seiner Probanden zu verfassen. All dies war nur eine vorbereitende Arbeit [und wurde] nicht als Daten verwendet. Nach der (...) Auszeit erhielt jeder Richter ein "Qualifikations-Schema", auf dessen Grundlage er jeden seiner Teilnehmer während eines College-Semesters bewerten sollte. II 15 Es gab 39 Eigenschaften (...), die bei jeder Person zu bewerten waren; jede war ein Satz oder eine kurze Aussage (...). Sie wurden in der Arbeit aufgeführt als: Emotionen, Selbstqualitäten, Sozialität, Aktivität und Intellekt (...). Fünf Monate nach Abschluss der Bewertungen wurde jeder Richter gebeten, ausführlich darüber zu berichten, wie er die Bedeutung der einzelnen zu bewertenden Eigenschaften/Charakterzüge, aufgefasst hatte. Webb (1915) fasste diese Berichte in seinem Anhang II zusammen und stellte fest, dass es eine gute Übereinstimmung zwischen den Richtern gab. Dort, wo es weniger Übereinstimmung gab, erklärte Webb (...), dass es sich eher um Fälle handele, in denen die Zuverlässigkeit innerhalb eines Paares (engl. intra-pair reliability) gering sei und diese Daten wurden verworfen. II 18 Ergebnisse/Webb: Die Ergebnisse von Webb's (1915)(1) Kapitel IV befassten sich weitgehend mit Daten aus Intelligenztests. Webb (...) fand einen allgemeinen kognitiven Faktor unter den kognitiven Tests. Er berechnete mit Hilfe partieller Korrelationsmethoden die 'Sättigung' jedes spezifischen Tests mit dem allgemeinen Faktor (g). Webb berichtete von einer Korrelation von 0,67 zwischen dem g, das aus den fünf Intelligenztests extrahiert wurde, die an den 1913 Studenten getestet wurden und ihren College-Prüfungsergebnissen. Die Korrelationen zwischen g und den Charakterzügen wurden von Webb (1915) berechnet und ein bemerkenswertes Ergebnis war eine Korrelation von -0,39 zwischen g und den Bewertungen von "schnellem Schwanken zwischen Fröhlichkeit und Depression, im Gegensatz zur Dauerhaftigkeit der Stimmung". Webb (1915, S. 42)(1) schloss in Bezug auf Intelligenz-Persönlichkeits-Korrelationen: "Nach Sammlung einiger Beobachtungen, kann man sagen, dass der Besitz eines guten Grades an 'g', d.h. reiner intellektueller Fähigkeiten (...) bei Personen mit emotionaler Stabilität, einer gewissen Fröhlichkeit, die zu einem angemessenen Grad an Sozialität beiträgt, mit ausgeprägter Pflichterfüllung und einer gewissen Voraussicht und Ausdauer auftritt. Es war jedoch das Überwiegen kleiner und "unbedeutender" Korrelationen zwischen g und den Charakterzügen, das Webb am meisten interessierte und er kam zu dem Schluss, dass dieser Mangel an Assoziationen "einen gewissen Hinweis auf die Reinheit von 'g' als geistige Konstante liefert" (S. 43). II 19 (...) Webb (1915) berichtete, dass er einen allgemeinen Faktor des Charakters unter den Merkmalen fand, die unterschiedlich mit der schnell und tief eingeschätzten Intelligenz korrelierten. Die in diesem Faktor enthaltenen Eigenschaften waren folgende: er zeigte positive Gewichtung in Bezug auf die "Neigung, Aufgaben nicht aus bloßer Veränderlichkeit aufzugeben", die "Neigung, Aufgaben angesichts von Hindernissen nicht aufzugeben", "Freundlichkeit aus Prinzip", "Vertrauenswürdigkeit" und "Gewissenhaftigkeit". [Entsprechend] zeigte er negative Gewichtung in Bezug auf die "Bereitschaft, wütend zu werden", "Eifer nach Bewunderung" und "körperliche Aktivität im Streben nach Vergnügen (Spiele usw.)". II 24 VsWebb/Deary: [Webb selbst weist darauf hin, dass es möglicherweise] zufällige Fehler, Voreingenommenheit in den Köpfen aller Beobachter, Probleme mit Beobachtern, die unterschiedliche Standpunkte vertreten und andere irrelevante Faktoren gegeben haben könnte. Webb (1915) erörterte, wie die Überprüfung der Zuverlässigkeit und die detaillierte Untersuchung dessen, was jeder Richter unter den Charaktereigenschaften verstand, diese beantwortete und abschwächte. (...) es ist [auch] eine Einschränkung, dass keine Frauen teil der Studie waren und dass der soziale und bildungsbezogene Hintergrund der bewerteten Teilnehmer und ihrer Bewerter begrenzt war. Webb (1915) räumte ein, dass die beteiligten Personen gut ausgebildet waren. Da sie im Mittelpunkt der Studie stand, hätte die Liste der bewerteten Charakterzüge besser beschrieben und begründet werden können, nicht zuletzt hinsichtlich ihrer Herkunft. II 25 Fünf-Faktoren-Modell/Webb/Deary: (...) die latente Struktur der Korrelationsmatrix von Webb kann berechtigterweise in Bezug auf die derzeit akzeptierten Hauptdimensionen der Persönlichkeit interpretiert werden... . Die Entdeckung, dass die Daten so etwas wie ein heute allgemein akzeptiertes Charaktermodell enthalten, schiebt die "Entdeckung" des Fünf-Faktoren-Modells um Jahrzehnte zurück. [Webb's Studie] liefert einen Blindtest für Goldberg's (1993)(2) Behauptung, dass jede adäquate Stichprobe von Begriffen der menschlichen Persönlichkeit dazu neigt, etwa fünf breite Faktoren zu enthalten. >Fünf-Faktoren-Modell/Deary. 1. Webb, E. (1915). Character and intelligence: An attempt at an exact study of character. British Journal of Psychology Monograph Supplements, 1 (III), i–iv and 1–99. 2. Goldberg, L. R. (1993). The structure of phenotypic personality traits. American Psychologist, 48, 26–34. Deary, Ian J.: “Assessing and Enumerating Personality Dimensions. Revisiting Webb (1915)”, In: Philip Corr (Ed.)2018. Personality and Individual Differences. Revisiting the classical studies. Singapore, Washington DC, Melbourne: Sage, pp. 11-27. |
Corr I Philip J. Corr Gerald Matthews The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009 Corr II Philip J. Corr (Ed.) Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018 |
| Demokratie | Fishkin | Surowiecki I 330 Demokratie/Politik/Deliberation/Kommunikation/Fishkin/Surowiecki: Fishkin organisierte 2003 ein Zusammentreffen von 343 Menschen in Philadelphia, die sorgfältig ausgesucht worden waren, um einen Querschnitt der amerikanischen Bevölkerung abzubilden. (1) Fishkin erfand die „deliberative Meinungsumfrage“aus der Idee heraus, dass politische Diskussion nicht auf Spezialisten oder Angehörige der politischen Klasse beschränkt bleiben dürfte und dass dazu auch keine Notwendigkeit besteht. Solche Aktionen sind seitdem in hunderten von Großstädten in der Welt durchgeführt worden. Surowiecki I 331 Bei hinreichenden Informationen und der Chance, die Dinge mit ihresgleichen zu bereden, sind gewöhnliche Bürger sehr wohl in der Lage, komplizierte Sachverhalte zu verstehen und sinnvoll zwischen verschiedenen Standpunkten zu wählen. Richard PosnerVsFishkin/PosnerVsAckerman: es sei eine falsche Erwartung, dass solche Diskussionsveranstaltungen Amerikaner zu Vorbildern von Vernunft und Bürgertugend machen könnten. Die Bevölkerung der Vereinigten Staaten bilde eine „zutiefst philisterhafte Gesellschaft“ „Die Bürger haben wenig Geschmack an Abstraktionen, wenig Zeit und noch weniger Neigung, einen beachtlichen Teil ihrer Freizeit damit zu verbringen, sich zu informierten und zu verantwortungsbewussten Wählern auszubilden.« Und weiter: »Es ist sehr viel schwieriger, sich eine solide Vorstellung von dem für die ganze Gesellschaft Notwendigen zu machen, als sich darüber im Klaren zu sein, wo die eigenen Interessen liegen.« (2) Demokratie/Surowiecki: bei dem Streit zwischen Posner und Fishkin geht es um die Frage, was wir überhaupt unter Demokratie verstehen: haben wir eine Demokratie, weil sie a) Menschen ein Gefühl vermittelt, in alles einbezogen zu sein und ihr Leben selbst bestimmen zu können, Surowiecki I 332 und sie darum zur politischen Stabilität beiträgt? Oder b) Weil die Bürger das Recht haben, sich selbst zu regieren, auch wenn sie dieses Recht auf eine lächerliche Weise nutzen? Oder c) Weil die Demokratie ein ausgezeichnetes Instrument darstellt, um intelligente Entscheidungen zu treffen und die Wahrheit aufzudecken? 1. Eine ähnliche Idee wird vorgetragen in: James Fishkin, Democracy and Deliberation (Yale University Press, New Haven 1952), sowie in: Fishkin, The Voice of the People – Public Opinion and Democracy (Yale University Press, New Haven 1996). Die »National Issues Convention« fand landesweit beträchtliche Aufmerksamkeit; ein Ausschnitt von fünf Stunden wurde live auf PBS und C-SPAN übertragen. Bruce Ackerman und James Fishkin umrissen ihre Idee von einem Tag der politischen Meinungsbildung in »Deliberation Day«, einer Abhandlung, die sie vortrugen auf der Konferenz »Deliberating About Deliberative Democracy« an der University of Texas (Februar 2000). Siehe auch Ackerman und Fishkin, Deliberation Day (Yale University Press, New Haven 2004). 2. Richard Posner, Law, Pragmatism, and Democracy (Harvard University Press, Cambridge 2003), S. 131 f., 164. |
PolFishk I James S. Fishkin Democracy and Deliberation: New Directions for Democratic Reform New Haven 1993 Surowi I James Surowiecki Die Weisheit der Vielen: Warum Gruppen klüger sind als Einzelne und wie wir das kollektive Wissen für unser wirtschaftliches, soziales und politisches Handeln nutzen können München 2005 |
| Denken | Nagel | I 63 Denken/Nagel: Aus dem Denken kann man nicht heraustreten - das ist etwas anderes, als Zeichen auf Papier zu machen. I 65 Daher kann man Bsp "addiere zwei" nicht als naturalistisches Ereignis betrachten - man kann es nicht getrennt von seinem Inhalt betrachten. Eine naturalistische Analyse der Intentionalität ist nicht möglich. (NagelVsSearle). >Intentionalität/Searle, >Intentionalität, >Naturalismus. Der Trugschluss liegt in der Vorstellung, aus dem Gedanken »addiere zwei« könne man »herauskommen« und ihn als naturalistisch beschreibbares Ereignis begreifen. I 93 ff Denken: Das Denken hat Vorrang vor seiner Beschreibung, denn seine Beschreibung setzt notwendig Denken voraus. >Beschreibung/Nagel. I 101 Nagel: Unser Denken führt immer unweigerlich zu einem Standpunkt, indem »ich« keine Rolle mehr spielt. >Ich. Man kann keinen Gedankentypus als bloß personal stellen, es sei denn, man nimmt einen nichtpersönlichen Standpunkt ein. Rorty VI 147 Sprache/Denken/Nagel: NagelVsWittgenstein/Rorty: Die Grenzen der Sprache sind nicht die Grenzen des Denkens. >Denken ohne Sprache. |
NagE I E. Nagel The Structure of Science: Problems in the Logic of Scientific Explanation Cambridge, MA 1979 Nagel I Th. Nagel Das letzte Wort Stuttgart 1999 Nagel II Thomas Nagel Was bedeutet das alles? Stuttgart 1990 Nagel III Thomas Nagel Die Grenzen der Objektivität Stuttgart 1991 NagelEr I Ernest Nagel Teleology Revisited and Other Essays in the Philosophy and History of Science New York 1982 Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 |
| Denkformen | Danto | I 33 Unsere Unterscheidungen werden innerhalb der Erfahrung und keineswegs zwischen der Gesamtheit der Erfahrung und etwas anderen getroffen. >Unterscheidungen, >Erfahrung. I 97 Anscheinend können wir keine Position "jenseits von gut und böse", außerhalb der Moralität beziehen, und die Sprache der Moral von außen ansprechen. >Innen/außen, >Perspektive, >Standpunkt. Deshalb sagt Aristoteles: wir studieren Ethik nicht um unseres Wissens willen, sondern um selber gut zu werden. >Ethik/Aristoteles. |
Danto I A. C. Danto Wege zur Welt München 1999 Danto III Arthur C. Danto Nietzsche als Philosoph München 1998 Danto VII A. C. Danto The Philosophical Disenfranchisement of Art (Columbia Classics in Philosophy) New York 2005 |
| Deontologie | Nagel | III 112 Deontologie/Nagel: Zwischenstellung zwischen rein individuellen und überpersönlichen Werten - verlangt, Unrecht zu verhindern. >Werte, >Moral, >Ethik. Problem: Konflikte für den internen Standpunkt. >Subjektivität, >Konflikte, >Gründe, >Motive, >Ziele. III 81 Deontologie/Nagel: Die Stoßrichtung deontologischer Gründe richtet sich dagegen, dass man etwas bestimmtes tut - nicht dagegen, dass es geschieht. >Handlung. Formale Probleme: Wie kann es einen Grund geben, dass ich nicht foltere, der nicht gleichzeitig ein Grund dagegen ist, dass jemand anderes foltert? >Ereignis. III 87 Deontologie/Nagel: Eine Absicht kann verwerflich sein, selbst ein absichtliches Geschehenlassen. Paradox: Wenn das gar nicht zu meinen Handlungszielen gehört, fallen die deontologischen Gründe weg. Es ist eine Einschränkung der Autonomie des Subjekts, dennoch völlig subjektiv. III 90 Deontologie: Der Wert muss an der Handlung selbst hängen. - Das Ziel bestimmt und leitet die Handlung. - Es bewahrt vor dem Problem der Bezugsklassen. ((s) Der gerettete Verletze könnte Hitler sein.) Vgl. >Konsequentalismus, >Utilitarismus. |
NagE I E. Nagel The Structure of Science: Problems in the Logic of Scientific Explanation Cambridge, MA 1979 Nagel I Th. Nagel Das letzte Wort Stuttgart 1999 Nagel II Thomas Nagel Was bedeutet das alles? Stuttgart 1990 Nagel III Thomas Nagel Die Grenzen der Objektivität Stuttgart 1991 NagelEr I Ernest Nagel Teleology Revisited and Other Essays in the Philosophy and History of Science New York 1982 |
| Dialektik | Hegel | Bubner I 75 Dialektik/Platon/Hegel/Bubner: Wahre Dialektik ist nicht Streitsucht verschiedener wechselnder Gesichtspunkte, sondern eine notwendige Bewegung im Innern des Erfassens der Wirklichkeit. Ironie/Sokrates/Hegel/Bubner: Die sokratische Methode bringe (laut Hegel) jeden selber zum Nachdenken und erzeuge so eine Distanz zur je gegebenen Unmittelbarkeit, die nicht auf willkürlichem Eingriff beruhe. Mit ihr gelingt die Zurücknahme des subjektiven Stellungbeziehens. Den Dingen selber wird Platz geschafft. Der Dogmatismus einseitiger Aspekte zerstört sich selbst. So lässt die Dialektik alles gelten, und die innere Zerstörung sich daran entwickeln. I 76 Ironie/Friedrich Schlegel: Nach Schlegel ist die Ironie so die höchste Weise des Verhaltens des Geistes. >Ironie. Bubner: Dialektik als" Ironie der Welt" ist dann das Gegenstück zur Selbstherrlichkeit des modernen Ich mit seiner alles zersetzenden Reflexion. >Reflexion. I 77 HegelVsPlaton: Plaon blieb auf halbem Wege stehen. Er bewegte sich unentschieden zwischen der subjektiven und der objektiven Dialektik, d.h. der geschmeidigen Reflexion, derer wir alle fähig sind, und der Zwangsläufigkeit im Darlegen eines Zusammenhangs der Unverträglichkeit. Das ist eine Übersetzungsaufgabe (der subjektiven in die objektive Dialektik) die durch die sokratische Ironie geleistet werden kann. "Allgemeine Ironie der Welt". Wright I 21 Dialektik/Hegel/Marx/Wright, G. H.: Das dialektische Schema der Entwicklung durch These, Antithese und Synthese ist kein kausalistisches Denkmuster. Die Hegelschen und Marxschen Begriffe von Gesetz und Entwicklung kommen dem näher, was wir Muster begrifflicher oder logischer Verknüpfungen nennen würden. Wright I 154 G. H. von WrightVsMarx: Marx zeigt eine deutliche Ambivalenz zwischen einerseits einer „kausalistischen“, „szientistischen“ und andererseits einer „hermeneutisch-dialektischen“, „teleologischen“ Orientierung. Diese Ambivalenz gibt Anlass zu radikal verschiedenen Interpretationen seiner philosophischen Aussagen. >Kausalität, >Hermeneutik, >Teleologie. Gadamer I 471 Dialektik/Hegel/Gadamer: Das spekulative Verhältnis muss (...) in dialektische Darstellung übergehen. Das ist nach Hegel die Forderung der Philosophie. >Spekulation/Hegel, >Prädikation/Hegel. Was hier Ausdruck und Darstellung heißt, ist freilich nicht eigentlich ein beweisendes Tun, sondern die Sache selbst be- Gadamer I 472 weist sich, indem sie sich so ausdrückt und darstellt. So wird Dialektik auch wirklich erfahren, dass dem Denken der Umschlag in sein Gegenteil als eine unbegreifliche Umkehrung widerfährt. Ausdruck: Die Dialektik ist der Ausdruck des Spekulativen, die Darstellung dessen, was im Spekulativen eigentlich darin liegt, und insofern das “wirklich“ Spekulative. Beweis: Sofern nun aber (...) die Darstellung kein hinzukommendes Tun, sondern das Herauskommen der Sache selbst ist, gehört der philosophische Beweis selbst mit zur Sache. Darstellung: (...) nichtsdestotrotz ist solche Darstellung in Wahrheit gar nicht äußerlich. Sie hält sich nur dafür, solange das Denken nicht weiß, dass es sich selbst am Ende als >Reflexion der Sache in sich erweist. Dazu stimmt, dass Hegel den Unterschied von spekulativ und dialektisch nur in der Vorrede zur Phänomenologie betont. Weil sich dieser Unterschied der Sache nach selber aufhebt wird er von Hegel später, auf dem Standpunkt des absoluten >Wissens, nicht mehr festgehalten. >Spekulation/Hegel, >Denken/Hegel. |
Bu I R. Bubner Antike Themen und ihre moderne Verwandlung Frankfurt 1992 WrightCr I Crispin Wright Wahrheit und Objektivität Frankfurt 2001 WrightCr II Crispin Wright "Language-Mastery and Sorites Paradox" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 WrightGH I Georg Henrik von Wright Erklären und Verstehen Hamburg 2008 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Dialog | Gadamer | I 308 Dialog/Verstehen/Gadamer: So wie im Gespräch der andere, nachdem man seinen Standort und Horizont ermittelt hat, in seinen Meinungen verständlich wird, ohne dass man sich deshalb mit ihm zu verstehen braucht, so wird für den, der historisch denkt, die Überlieferung in ihrem Sinn verständlich, ohne dass man sich doch mit ihr und in ihr versteht. In beiden Fällen hat sich der Verstehende gleichsam aus der Situation der Verständigung zurückgezogen. Er selber ist nicht antreffbar. Indem man den Standpunkt des anderen von vornherein in das miteinrechnet, was er einem zu sagen beansprucht, setzt man seinen eigenen Standpunkt in eine sichere Unerreichbarkeit. Vgl. >Ich-Du-Verhältnis/Gadamer. I 372 Dialektik: Die Dialektik als die Kunst des Fragens bewährt sich nur darin, dass der, der zu fragen weiß, sein Fragen, und das heißt: die Richtung ins >Offene, festzuhalten vermag. Die Kunst des Fragens ist die Kunst des Weiterfragens, d. h. aber sie ist die Kunst des Denkens. Sie heißt Dialektik, denn sie ist die Kunst, ein wirkliches Gespräch zu führen. I 373 Die maieutische Produktivität des sokratischen Dialogs, seine Hebammenkunst des Wortes, wendet sich wohl an die menschlichen Personen, die die Partner des Gespräches sind, aber sie hält sich lediglich an die Meinungen, die sie äußern und deren immanente sachliche Konsequenz im Gespräch entfaltet wird. Logos: Was in seiner Wahrheit heraustritt, ist der Logos, der weder meiner noch deiner ist und der daher das subjektive Meinen der Gesprächspartner so weit I 374 übertrifft, dass auch der Gesprächsführer stets der Nichtwissende bleibt. >Logos. I 375 Hegel: Die Ursprünglichkeit des Gesprächs als des Bezugs von Frage und Antwort zeigt sich aber selbst noch in einem so extremen Fall, wie ihn die Hegelsche Dialektik als philosophische Methode darstellt. Die Totalität der Gedankenbestimmungen zu entfalten, wie es das Anliegen von Hegels Logik war, ist gleichsam der Versuch, im großen Monolog der neuzeitlichen „Methode“ das Sinnkontinuum zu umgreifen, dessen je partikulare Realisierung das Gespräch der Sprechenden leistet. >Logik/Hegel. Wenn Hegel sich die Aufgabe stellt, die abstrakten Gedankenbestimmungen zu verflüssigen und zu begeisten (sic), so heißt das, die Logik in die Vollzugsform der Sprache, den Begriff in die Sinnkraft des Wortes, das fragt und antwortet, zurück zu schmelzen – eine noch im Misslingen großartige Erinnerung an das, was Dialektik eigentlich war und ist. Hegels Dialektik ist ein Monolog des Denkens, der vorgängig leisten möchte, was in jedem echten Gespräch nach und nach reift. I 387 [In einem Gespräch] sind die Partner (...) weit weniger die Führenden als die Geführten. Was bei einem Gespräch „herauskommt“ weiß keiner vorher. Die Verständigung oder ihr Misslingen ist wie ein Geschehen, das sich an uns vollzogen hat. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Dualismus | McGinn | II 37 Dualismus/McGinn: kommt unserem Alltagsverstand viel näher als andere Sichtweisen. Def Dualismus/McGinn: die Auffassung, dass zwischen Geist und Gehirn keinerlei logische Beziehung besteht. Dass wir den Geist nicht mit Bezug auf das Gehirn erklären können, liegt daran, dass es nicht essentiell vom Gehirn abhängt. Bewusstsein ist eine eigene grundlegende Größe im Universum, wie Raum, Zeit, Materie. Wahrnehmung/Geist,Gehirn/McGinn: Bsp dass ich einen lauten Knall wahrnehme, stellt sich als eine andere Art von Erscheinung dar, als die elektrische Aktivität in meinem Gehirn. II 38 McGinnVsDualismus: das Problem ist, dass er bei der Deutung von Daten zu weit geht. Er reagiert auf den äußeren Anschein, indem er erklärt, der Geist sei von Gehirn so gut wie unabhängig. 1. Das Zombie-Problem 2. Das Gespenster-Problem Zombie/Dualismus/McGinn: das Zombie-Problem des Dualismus besteht darin, dass er uns erlaubt, den Geist vom Gehirn abzuziehen und dabei das Gehirn intakt zu lassen. Die Zombie-Alternative ist dem Epiphänomenalismus verpflichtet. >Zombies, >Epiphänomenalismus. II 40 Def Gespenster-Problem/McGinn: die Umkehrung des Zombie-Problems: Wenn der Geist vom Körper getrennt ist, kann nicht nur das Gehirn ohne den Geist existieren, sondern auch der Geist ohne das Gehirn. Wie könnte der Geist dann auf die physikalische Welt wirken? Warum verfügen wir überhaupt über so komplexe Gehirne, wenn sie für das Funktionieren unseres Geistes so entbehrlich sind? Warum löschen Hirnschäden geistige Fähigkeiten aus? II 107ff Dualismus/McGinn: es gibt zwei mögliche Dualismen ohne Gott: 1. Hyperdualismus 2. Panpsychismus Def Hyperdualismus/McGinn: Angenommen, beim Urknall habe es zwei Universen gegeben, ein materielles und ein paralleles, das nur aus Bewusstsein bestand. Es enthält keine Materie, nicht einmal Raum. Es besteht in einer Art Weltgeist, einem weiten Meer bewusster Empfindungen. Es ist aber völlig unorganisiert. Es gibt kein Selbst, keinen individuellen Geist, wie wir ihn kennen. Wir können uns vorstellen, es enthalte Partikel, Grundbausteine dessen, was später zu Geist werden wird. Def Panpsychismus/McGinn: verlagert den Geist in die materielle Welt zurück.(VsHyperdualismus). ("Elvis is everywhere"). >Panpsychismus. Er besagt, dass Bewusstsein überall ist und durch das All wabert (vermutlich mit Elvis zusammen). D.h. alle Materie, auch Steine Plankton, Elektronen und Sterne tragen eine Spur von Bewusstsein in sich. Die materiellen Bestandteile des Gehirns schleppen bereits ihr eigenes spezielles Bewusstseinspäckchen mit sich. II 119 Damit behauptet er, wir wüssten bereits, welche Eigenschaften des Gehirns Bewusstsein entstehen ließen, nämlich die einzelnen Bausteine. (VsEmergenz). a) harte Version des Panpsychismus: die Neuronen im Gehirn fühlen buchstäblich den Schmerz, sehen Gelb, denken ans Abendessen. - und dasselbe tun auch Elektronen und Sterne. Gehirn/Panpsychismus/McGinn: es bleiben immer noch Probleme bezüglich der generativen Kräfte des Gehirns: zwei Standpunkte: a) Das Gehirn spielt eine minimale Rolle, nur eine Art Auslöser b) Das Gehirn spielt eine aktivere Rolle: das Gehirn bedient sich der Eigenschaften der Materie und verwandelt sie kraft seiner besonderen Struktur in Bewusstsein. McGinn pro! McGinn pro Panpsychismus: alle Materie muss das Potential haben, Bewusstsein mitzubegründen. >Aufmerksamkeit/Chalmers. |
McGinn I Colin McGinn Die Grenzen vernünftigen Fragens Stuttgart 1996 McGinn II C. McGinn Wie kommt der Geist in die Materie? München 2001 |
| Durchschnittsnutzen | Rawls | I 161 Durchschnittsnutzen/Rawls: das Prinzip des Durchschnittsnutzens unterscheidet sich von denen der Vertragstheorie. Angewendet auf die Anfangssituation einer zu errichtenden Gesellschaft, in der die Individuen hinter einem Schleier des Nichtwissens in Bezug auf ihre spätere Position sind, erfordert das Prinzip des Durchschnittsnutzens, dass Institutionen dergestalt arrangiert werden, dass die absolut gewichtete Summe der Erwartungen der relevanten repräsentativen Individuen maximiert werden. I 162 Diese Summe wird größer, wenn die Zahl der Personen in einer Gesellschaft wächst. Utilitarismus: hier werden Erwartungen an der Summe der tatsächlichen und voraussehbaren Befriedigung gemessen. >Utilitarismus. Theorie der Gerechtigkeit als Fairness: Hier geht es dagegen um ein Verzeichnis der primären öffentlichen Güter (z.B. Freiheiten, Infrastruktur usw.). Klassische Theorie des Durchschnittsnutzens: wurde von Mill und Wicksell vertreten(1)(2)(3). >J.St. Mill. Summe des Nutzens/Bevölkerungswachstum/Rawls: Die Summe wird nicht wachsen, wenn wir sie auf die Fraktionen der Gesellschaft mit bestimmten Positionen anwenden, solange der Prozentsatz dieser Fraktionen sich nicht ändert. Bevölkerungswachstum: Nur wenn eine Bevölkerung sich ändert gibt es einen Unterschied zwischen der klassischen Theorie und der Theorie der Gerechtigkeit als Fairness. I 166 Durchschnittsnutzen/Rawls: Die Annahme einer Anfangssituation einer zu errichtenden Gesellschaft, in der alle hinter einem Schleier des Nichtwissens stehen, spricht für die Einführung des Durchschnittsprinzips und gegen die klassische Sicht. Allerdings ist die Durchschnittstheorie nicht teleologisch, wie die klassische Theorie. Durchschnittsprinzip: es ist nicht so, dass es von allen Teilnehmern die gleiche Art von Risikobereitschaft verlangt. I 171 Durchschnittsnutzen/Rawls: Es scheint so, dass das Durchschnittsprinzip an das Prinzip des unzureichenden Grunds (>Risiken/Rawls) gebunden sein muss. Wir brauchen etwas wie die Laplace-Regel für Entscheidungen unter Ungewissheit: die Möglichkeiten werden auf eine natürliche Weise bestimmt und jeder wird eine Wahrscheinlichkeit zugeschrieben. Dabei wird nicht von allgemeinen Informationen über die Gesellschaft ausgegangen(4)(5)(6). >Wahrscheinlichkeit/Rawls. I 188 Durchschnittsnutzen/Idealer Beobachter/Rawls: vom Standpunkt der Personen in der Anfangssituation gibt es keinen Grund, den Einschätzungen eines mitfühlenden idealen Beobachters zuzustimmen. Eine solche Übereinstimmung hätte alle Nachteile des klassischen Nutzenprinzips. Wenn jedoch die Teilnehmer als vollständige Altruisten aufgefasst werden, d.h. also als solche, die mit den Zielen des mitfühlenden idealen Beobachters übereinstimmen, I 189 dann würde das klassische Prinzip übernommen. Die größte Summe an Glückseligkeit befriedigt den Beobachter wie den Altruisten innerhalb des Systems. Damit erhalten wir das überraschende Ergebnis, dass, während das Prinzip des Durchschnittsnutzens der Ethik des Individuums entspricht, die klassische utilitaristische Doktrin eine solche der altruistischen Ethik ist! >Altruismus, >Altruismus/Rawls. 1. Siehe dazu Gunnar Myrdal, The Political Element in the Development of Economic Theory London, 1953, S.38f.; 2. J. C. Smart, An Outline of a System of Utilitarian Ethics, Cambridge, 1961, S. 18.; 3. J.C. Harsanyi „Cardinal Utilitry in Welfare Economics and the Theory of Risk Taking“, Journal of Political Economy, Bd. 61, 1953. 4. Vgl. W. Feller, Profitability and Profit, S. 210-233.; 5. L.J. Savage, The Foundations of Statistics, New York, 1954.; 6. H.E. Kyburg, Probability and Inductive Logic, Riverside, 1970. |
Rawl I J. Rawls A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005 |
| Egoismus | Rawls | I 136 Egoismus/Rawls: Unter den Überlegungen, welche Prinzipien in der Anfangssituation einer zu errichtenden Gesellschaft angewendet werden sollen, tauchen keine Prinzipien zur Vermeidung von Egoismen auf. Das ist auch nicht nötig, denn keine Form von Egoismus ist ein ernsthafter Kandidat. Das bestätigt nur, dass obwohl der Egoismus logisch widerspruchsfrei und in diesem Sinn nicht irrational ist, ist er inkompatibel mit dem, was wir intuitiv als moralischen Standpunkt betrachten. Philosophisch ist Egoismus keine alternative Konzeption, sondern stellt eine Herausforderung jeglicher Konzeption dar. >Prinzipien/Rawls. In der Gerechtigkeit als Fairness wird dies durch die Tatsache reflektiert, dass wir allgemeinen Egoismus als Haltung des Nichtübereinstimmens interpretieren können. Es ist das, worauf die Parteien zurückgeworfen werden, wenn sie sich nicht einigen können. >Fairness. I 147 Theorie der Gerechtigkeit als Fairness/Rawls: Man könnte meinen, diese Theorie sei ebenso egoistisch in dem Sinn, wie Schopenhauer von Kants Theorie meinte, dass sie egoistisch sei(1). RawlsVs: Unsere Theorie der Gerechtigkeit als Fairness ist nicht egoistisch, I 148 weil das angenommene Desinteresse an den Zielen anderer nicht impliziert, dass man nicht Rechte und Ansprüche anderer ignoriert. Gerade unter der Bedingung des Schleiers des Nichtwissens, wo das Individuum keine Informationen über zufällige Besonderheiten hat, ist es gar nicht in der Lage, diese zu seinem Vorteil auszunutzen. Im Gegenteil, es muss das Wohl anderer im Blick haben, da es nicht weiß, welche Position in einer zu errichtenden Gesellschaft es inne haben wird. >Gerechtigkeit, >Gesellschaft. 1. Siehe hierzu Schopenhauer, On the Basics of Ethics, New York 1965, S. 89-92. |
Rawl I J. Rawls A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005 |
| Einkommen | Rothbard | Rothbard III 208 Einkommen/Handel/Tausch/Rothbard: (...) der Konsument muss Geld in seiner Kasse haben, um es für Konsumgüter auszugeben, und ebenso muss der Produzent das ursprüngliche Geld haben, um es in Faktoren zu investieren. Woher hat der Konsument das Geld? (...) letztlich muss er es durch den Verkauf einer produktiven Leistung erhalten haben. (...) Die Arbeiter und Grundbesitzer verwenden das so gewonnene Geld, um die Endprodukte des Produktionssystems zu kaufen. Auch die kapitalistischen Produzenten erhalten auf jeder Stufe des Produktionsprozesses ein Einkommen. (...) Die Nettoeinkommen der Eigentümer von Kapitalgütern sind nicht einfach das Ergebnis des Beitrags der Kapitalgüter zur Produktion, denn diese Kapitalgüter sind ihrerseits Produkte anderer Faktoren. Produzenten: Woher nehmen die Produzenten also ihr Geld für Investitionen? Offensichtlich nur aus denselben Quellen. Mit dem in der Produktion erworbenen Einkommen können die Individuen neben dem Kauf von Konsumgütern auch Produktionsfaktoren kaufen und als Produzenten eines Gutes, das nicht einfach ihre eigene Arbeitsleistung ist, am Produktionsprozess teilnehmen. Rothbard III 209 Investitionen: Um das Geld für Investitionen zu erhalten, muss ein Individuum also Geld sparen, indem es seine möglichen Konsumausgaben einschränkt. >Kredite/Rothbard, >Produktion/Rothbard, >Investitionen, >Produktionsfaktoren/Rothbard, >Konsum. Rothbard III 300 Einkommen/Rothbard: Jeder versucht, das [psychische Einkommen] zu maximieren, das auf seiner Werteskala eine breite Palette aller Konsumgüter umfasst, sowohl austauschbare als auch nicht austauschbare. Tauschbare Güter: Tauschbare Güter befinden sich in der Regel im monetären Nexus, können also für Geld gekauft werden, während nicht tauschbare Güter dies nicht tun. Wir haben auf einige der Konsequenzen hingewiesen, die sich aus der Tatsache ergeben, dass das psychische und nicht das monetäre Einkommen maximiert wird, und wie dies zu einer Einschränkung des Arbeitsaufwands und der Investitionen in die Güter der Produzenten führt. >Aktion/Rothbard, >Allokation/Rothbard, >Tausch/Rothbard, >Tauschwirtschaft. Subjektivität: Es stimmt auch, dass das psychische Einkommen, da es rein subjektiv ist, nicht gemessen werden kann. Nutzen/Praxeologie: Vom Standpunkt der Praxeologie aus können wir das psychische Einkommen oder den Nutzen einer Person nicht einmal ordinär mit dem einer anderen vergleichen. Wir können nicht sagen, dass das Einkommen oder der „Nutzen“ von A größer ist als der von B. Wir können - zumindest theoretisch - monetäre Einkommen messen, indem wir die Höhe des Geldeinkommens jeder Person addieren, aber dies ist keineswegs ein Maß für das psychische Einkommen. Es gibt auch nicht, wie man vielleicht meinen könnte, einen genauen Hinweis auf die Menge der Leistungen, die jeder Einzelne rein aus austauschbaren Konsumgütern bezieht. Ein Einkommen von 50 Unzen Gold in einem Jahr bedeutet für ihn nicht dasselbe an Dienstleistungen aus austauschbaren Gütern wie ein Einkommen von 50 Unzen in einem anderen Jahr. Die Kaufkraft des Geldes in Bezug auf alle anderen Waren ändert sich ständig, und es gibt keine Möglichkeit, solche Änderungen zu messen. Rothbard III 301 Kaufkraft: Selbst wenn wir uns auf denselben Zeitraum beschränken, ist das Geldeinkommen kein unfehlbarer Anhaltspunkt. Es gibt zum Beispiel viele Konsumgüter, die sowohl durch Geldtausch als auch außerhalb des Geldkreislaufs erhältlich sind. Psychisches Einkommen: Auch das psychische Einkommen kann nicht gemessen werden, wenn man sich auf die Güter des Geldkreislaufs beschränkt. Nutzen/Grenznutzen: Daraus folgt, dass das Gesetz des abnehmenden Grenznutzens des Geldes nur für die Bewertungen jeder einzelnen Person gilt. Ein Vergleich dieses Nutzens zwischen Personen ist nicht möglich. Wir können also nicht, wie es einige Autoren getan haben, behaupten, dass ein zusätzlicher Dollar für einen Rockefeller weniger wert ist als für einen armen Mann. Wenn Rockefeller plötzlich arm werden würde, wäre jeder Dollar für ihn mehr wert als jetzt; ebenso wäre jeder Dollar weniger wert als jetzt, wenn der Arme reich werden würde, wobei seine Wertmaßstäbe gleichbleiben würden. >Grenznutzen des Geldes/Rothbard, >Grenznutzen/Rothbard. Rothbard III 533 Einkommen/Wirtschaft/Gewinn/Rothbard: Sind „Kapitalgewinne“ - Steigerungen des Kapitalwerts - Einkommen? Wenn wir uns vollständig bewusst machen, dass Gewinne und Kapitalgewinne sowie Verluste und Kapitalverluste identisch sind, wird die Lösung klar. Niemand würde Unternehmensgewinne aus dem Geldeinkommen ausschließen. Dasselbe sollte auch für Kapitalgewinne gelten. >Unternehmen/Rothbard, >Wirtschaft/Rothbard, >Produktion/Rothbard, >Produktionsstruktur/Rothbard, >Profit/Rothbard, >Profitrate/Rothbard, >Gewinn und Verlust/Rothbard. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Entwicklungsphasen | Piaget | Upton I 16 Entwicklungsphasen/Piaget/Upton: 1. Sensomotorische Phase (0 bis 2 Jahre): Beginnt Nachahmung, Erinnerung und Denken zu nutzen. Beginnt zu erkennen, dass Objekte nicht aufhören zu existieren, wenn sie nicht in Sichtweite sind. Wechselt von Reflexaktionen zu zielgerichteten Aktivitäten. 2. Präoperationale Phase (2 bis 7 Jahre): Entwickelt allmählich die Verwendung von Symbolen, einschließlich der Sprache. In der Lage, Operationen logisch in eine Richtung zu durchdenken. Hat Schwierigkeiten, den Standpunkt einer anderen Person zu sehen. 3. Konkrete Operationen (7 bis 11 Jahre): In der Lage, konkrete Probleme zu lösen. Versteht einige mathematische Operationen wie Klassifizierung und Reihung. 4. Formale Operationen (11 bis Erwachsenenalter): In der Lage, abstrakte Probleme auf logische Weise zu lösen. Wird wissenschaftlicher im Denken. Entwickelt Bedenken über soziale Fragen und Identität. VsPiaget: Einige der Details dieser Theorien wurden kritisiert, und die Beweise deuten nun darauf hin, dass er die kindlichen Fähigkeiten unterschätzt hat. >Psychologische Theorien über Phasen der Entwicklung, >Kognitive Entwicklung/Piaget, >Lernen/Piaget, >Wissen/Piaget. |
Piag I J. Piaget The Psychology Of The Child 2nd Edition 1969 Upton I Penney Upton Developmental Psychology 2011 |
| Erkenntnistheorie | Dilthey | Gadamer I 222 Erkenntnistheorie/Dilthey/Gadamer: Die Spannung zwischen dem ästhetisch-hermeneutischen und dem geschichtsphilosophischen Motiv in der historischen Schule erreicht ihren Höhepunkt bei Wilhelm Dilthey. Dilthey hat dadurch seinen Rang, dass er das erkenntnistheoretische Problem, das die historische Weltansicht gegenüber dem Idealismus impliziert, wirklich erkennt. Gadamer I 223 Die Wurzel der Zwiespältigkeit (...) liegt in der bereits gekennzeichneten Zwischenstellung der historischen Schule zwischen Philosophie und Erfahrung. Sie wird durch Diltheys Versuch einer erkenntnistheoretischen Grundlegung nicht etwa aufgelöst, sondern findet dadurch eine eigene Zuspitzung. Diltheys Bemühung um eine philosophische Grundlegung der Geisteswissenschaften sucht die erkenntnistheoretischen Konsequenzen aus dem zu ziehen, was Ranke und Droysen gegenüber dem deutschen Idealismus geltend machten. Das war Dilthey selber voll bewusst. DiltheyVsHistorismus: [Dilthey] sah die Schwäche der historischen Schule in der mangelnden Konsequenz ihrer Reflexionen: »Anstatt in die erkenntnistheoretischen Voraussetzungen der historischen Schule und die des Idealismus von Kant bis Hegel zurückzugehen und so die Unvereinbarkeit dieser Voraussetzungen zu erkennen, haben sie diese Standpunkte unkritisch verbunden«(1). So konnte er sich das Ziel setzen, zwischen historischer Erfahrung und idealistischem Erbe der historischen Schule eine neue erkenntnistheoretisch tragfähige Grundlage aufzubauen. Das ist der Sinn seiner Absicht, Kants Kritik der reinen Vernunft durch eine Kritik der historischen Vernunft zu ergänzen. >Historische Vernunft/Dilthey. Gadamer I 226 In gewisser Weise ist [die Aufgabe der Erkenntnistheorie] leichter. Sie braucht nicht erst nach dem Grund der Möglichkeit zu fragen, daß unsere Begriffe mit der in Übereinstimmung sind. Denn die geschichtliche Welt, um deren Erkenntnis es hier geht, ist immer schon eine vom Menschengeist gebildete und geformte. Aus diesem Grunde meint Dilthey, allgemein gültige synthetische Urteile der Geschichte seien hier gar kein Problem(2) und beruft sich dafür auf Vico. Wir erinnern uns, daß Vico im Gegenschlag zu dem cartesianischen Zweifel und der durch ihn begründeten Gewissheit mathematischer Erkenntnis der Natur den erkenntnistheoretischen Primat der von den Menschen gemachten Welt der Geschichte behauptet hatte. Dilthey wiederholt das gleiche Argument. Er schreibt: »Die erste Bedingung für die Möglichkeit der Geschichtswissenschaft liegt darin, dass ich selbst ein geschichtliches Wesen bin, dass der, welcher die Geschichte erforscht, derselbe ist, der die Geschichte macht«(3). Gadamer: Es ist die Gleichartigkeit von Subjekt und Objekt, die die historische Erkenntnis ermöglicht. >Erfahrung/Dilthey. Gadamer I 228 (...) nicht, wie überhaupt Zusammenhang erlebbar und erkennbar wird, ist das Problem der Geschichte, sondern wie auch solche Zusammenhänge erkennbar sein sollen, die niemand als solche erlebt hat. Immerhin kann kein Zweifel sein, wie sich Dilthey die Aufklärung dieses Problems vom Phänomen des Verstehens aus dachte. Verstehen ist Verstehen von Ausdruck. Im Ausdruck ist das Ausgedrückte in anderer Weise da, als die Gadamer I 229 Ursache in der Wirkung. Es ist im Ausdruck selbst gegenwärtig und wird verstanden, wenn der Ausdruck verstanden wird. Gadamer I 234 Dilthey selbst hat darauf hingewiesen, dass wir nur geschichtlich erkennen, weil wir selber geschichtlich sind. Das sollte eine erkenntnistheoretische Erleichterung sein. Gadamer I 235 GadamerVsDilthey: Aber kann es das sein? Ist Vicos oft genannte Formel denn überhaupt richtig? Überträgt sie nicht eine Erfahrung des menschlichen Kunstgeistes auf die geschichtliche Welt, in der man von „Machen“ d. h. von Planen und Ausführen angesichts des Laufs der Dinge überhaupt nicht reden kann? Wo soll hier die erkenntnistheoretische Erleichterung herkommen? Ist es nicht in Wahrheit eine Erschwerung? Muss nicht die geschichtliche Bedingtheit des Bewusstseins eine unüberwindliche Schranke darfür darstellen, dass es sich in geschichtlichem Wissen vollendet? >Historisches Bewusstsein/Dilthey, >Geist/Dilthey, >Philosophie/Dilthey, >Erkenntnistheorie/Gadamer. 1. Dilthey, Ges. Schriften Vll, 281. 2. Ges. Schriften Vll, 278. 3. a.a.O. (GadamerVsDilthey: Aber wer macht eigentlich die Geschichte?) |
Dilth I W. Dilthey Gesammelte Schriften, Bd.1, Einleitung in die Geisteswissenschaften Göttingen 1990 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Erlebniskunst | Gadamer | I 100 Erlebniskunst/Ästhetik/Kunsterlebnis/Ästhetische Erfahrung/Gadamer: Ausgangsproblem: für Valéry(1) hat jede Begegnung mit dem Werk den Rang und das Recht einer neuen Produktion. Gadamer: Problem: Das scheint mir ein unhaltbarer hermeneutischer Nihilismus. Denn nun überträgt er dem Leser und Ausleger die Vollmacht des absoluten Schaffens, die er selber nicht ausüben will. >Hermeneutik, >Erlebnis, >Ästhetik, >Ästhetische Erfahrung. Ästhetisches Erlebnis/Gadamer: Die gleiche Aporie ergibt sich, wenn man statt von dem Begriff des Genies von dem Begriff des ästhetischen Erlebnisses ausgeht. I 101 Lukacs(2): spricht der ästhetischen Sphäre eine heraklitische Struktur zu und will damit sagen: Die Einheit des ästhetischen Gegenstandes ist gar keine wirkliche Gegebenheit. Das Kunstwerk ist nur eine Leerform, der bloße Knotenpunkt in der möglichen Mehrheit von ästhetischen Erlebnissen, in denen allein der ästhetische Gegenstand da ist. Wie man sieht, ist absolute Diskontinuität, d. h. Zerfall der Einheit des ästhetischen Gegenstandes in die Vielheit von Erlebnissen, die notwendige Konsequenz der Erlebnisästhetik. Oskar Becker: An die Idee von Lukacs anknüpfend hat Oskar Becker geradezu formuliert: »Zeitlich angesehen ist das Werk nur einem Augenblick (d. h. jetzt), es ist „jetzt“ dies Werk und ist es schon jetzt nicht mehr!“(3) >Kunstwerke. Gadamer: Das ist in der Tat konsequent. Die Grundlegung der Ästhetik im Erlebnis führt zur absoluten Punktualität, die die Einheit des Kunstwerks ebenso aufhebt, wie die Identität des Künstlers mit sich selbst und die Identität des Verstehenden bzw. Genießenden.(4) KierkegaardVsErlebniskunst/Gadamer: Wie mir scheint, hat schon Kierkegaard die Unhaltbarkeit dieser Position bewiesen, indem er die zerstörerische Konsequenz des Subjektivismus erkannte und als erster die Selbstvernichtung der ästhetischen Unmittelbarkeit beschrieb. Seine Lehre vom ästhetischen Stadium der Existenz ist vom Standpunkte des Ethikers aus entworfen, dem die Heillosigkeit und Unhaltbarkeit einer Existenz in reiner Unmittelbarkeit und Diskontinuität aufgegangen ist. I 102 Gadamer: Mit der Erkenntnis der »Hinfälligkeit des Schönen und der Abenteuerlichkeit des Künstlers« ist (...) in Wahrheit nicht eine Seinsverfassung außerhalb der „hermeneutischen Phänomenologie“ des Daseins ausgezeichnet, sondern vielmehr die Aufgabe formuliert, angesichts solcher Diskontinuität des ästhetischen Seins und der ästhetischen Erfahrung die hermeneutische Kontinuität zu bewähren, die unser Sein ausmacht. >Ästhetische Erfahrung/Gadamer, >Weitere Einträge zu Erlebniskunst. 1. P. Valéry, Variété Ill, Commentaires de Charmes: »Mes vers ont le sens qu'on leur prete«. 2. G. Lukács, „Die Subjekt-Objekt-Beziehung in der Ästhetik“, In: „Logos“, Bd. Vll., 1917/18. 3. Oskar Becker, Die Hinfälligkeit des Schönen und die Abenteuerlichkeit des Künstlers, Husserl-Festschrift, 1928, S. 51. Jetzt in O. Becker, Dasein und Dawesen. Pfullingen 1963, S. 11-401. 4. Schon bei K. Ph. Moritz, Von der bildenden Nachahmung des Schönen, 1788, S. 26 lesen wir: »Das Werk hat seinen höchsten Zweck in seiner Entstehung, in seinem Werden schon erreicht. « |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Erlebnisse | Neukantianismus | Gadamer I 65 Erlebnis/Kunst/Neukatianismus/Gadamer: Kants Lehre von der „Steigerung des Lebensgefühls“ im ästhetischen Wohlgefallen förderte die Entfaltung des Begriffes „Genie“ zu einem umfassenden Lebensbegriff, insbesondere nachdem Fichte den Standpunkt des Genies und der genialen Produktion zu einem universalen transzendentalen Standpunkt erhoben hatte. So kam es, daß der Neukantianismus, indem er alle gegenständliche Geltung aus der transzendentalen Subjektivität abzuleiten suchte, den Begriff Gadamer I 66 des Erlebnisses als die eigentliche Tatsache des Bewusstseins auszeichnete(1). >Erlebnis/Gadamer. 1. Es ist das Verdienst der Schrift von Luigi Pareyson, L'estetica del idealismo tedesco, 1952, die Bedeutung Fichtes für die idealistische Ästhetik zur Geltung gebracht zu haben. Entsprechend ließe sich innerhalb des Ganzen der neukantianischen Bewegung die geheime Fortwirkung Fichtes und Hegels erkennen. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Ethik | Nagel | III 109f Ethik/Nagel: Konsequentialismus: These: Die Folgen der Handlung sind wichtig - nicht, wie die Handlung für den Handelnden ist. >Konsequentialismus, >Handlung. NagelVs: Es geht um die Erlaubnis das eigene Leben zu führen. III 111 Interne Perspektive: Problem: Dass Mord verboten ist gebietet noch nicht, andere daran zu hindern. Utilitarismus: hier geht es um die Unterscheidung gut/schlecht. Interne Perspektive/Nagel: hier geht es um die Unterscheidung recht/unrecht. >Subjektivität/Nagel. III 112 Ethik/Nagel: Kernfrage: Wie weit darf der interne Standpunkt einbezogen werden? - Das Leben ist immer das individuelle Leben. - Es kann nicht sub specie aeternitatis gelebt werden. - Grenzen sind immer die individuellen Möglichkeiten. >Grenzen. III ~87 Ethik/Nagel: Das Handeln aus der Eigenperspektive hat so starken Wert, dass deontologische Paradoxe nicht auszuschließen sind. - Sie wären nur vermeidbar um den Preis der unpersönlichen Welt. >Deontologie. III 86 Parallele Objektivität/Bewusstsein/Ethik/Nagel: Die objektive Welt muss die subjektiven Perspektiven beinhalten. >Objektivität, >Objektivität/Nagel. Ethik: Die neutralen Gründe die Handlungen des Subjekts mit all ihren scheinbar abergläubischen Gründen berücksichtigen. >Anerkennung, >Intersubjektivität. II 49 Determinismus/Ethik/Nagel: Verantwortlichkeit gibt es auch bei determinierten Handlungen, wenn die Bestimmung im Innern liegt - durch nichts determinierte Handlungen sind unverständlich. >Determinismus. II 54 Ethik/Recht/Moral/Gott/Theologie/Nagel: Eine Tat wird nicht dadurch unrecht, dass Gott existiert. >Moral, >Gott, >Rechtfertigung, >Theologie. II 54 Kategorischer Imperativ/NagelVsKant: Als Grundlage der Ethik kommt nichts anderes in Frage als ein direktes Interesse am anderen. >Kategorischer Imperativ. II 55 Aber: Der Grund, jemand anderem nichts böses zu tun, kann nicht in der speziellen Person verankert sein. II 61 Problem: Moral sollte nicht von der Stärke des Interesses an anderen abhängen. |
NagE I E. Nagel The Structure of Science: Problems in the Logic of Scientific Explanation Cambridge, MA 1979 Nagel I Th. Nagel Das letzte Wort Stuttgart 1999 Nagel II Thomas Nagel Was bedeutet das alles? Stuttgart 1990 Nagel III Thomas Nagel Die Grenzen der Objektivität Stuttgart 1991 NagelEr I Ernest Nagel Teleology Revisited and Other Essays in the Philosophy and History of Science New York 1982 |
| Evolution | Searle | I 69 Evolution/Searle: Zweck, sogar "biologische Funktion", ist immer beobachter-relativ. II 203 Bedeutung/Evolutionstheorie/Searle: Es gibt vom evolutionären Standpunkt aus eine Prioritätsreihenfolge der Entwicklung intentionaler Phänomene, genauso wie biologischer Vorgänge. In der Entwicklung kommen Sprache und Bedeutung sehr spät. Vgl. >Bedeutung/Dennett, >Sprachentstehung, >Sprache, >Bedeutung, >Intentionalität. |
Searle I John R. Searle Die Wiederentdeckung des Geistes Frankfurt 1996 Searle II John R. Searle Intentionalität Frankfurt 1991 Searle III John R. Searle Die Konstruktion der gesellschaftlichen Wirklichkeit Hamburg 1997 Searle IV John R. Searle Ausdruck und Bedeutung Frankfurt 1982 Searle V John R. Searle Sprechakte Frankfurt 1983 Searle VII John R. Searle Behauptungen und Abweichungen In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Searle VIII John R. Searle Chomskys Revolution in der Linguistik In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Searle IX John R. Searle "Animal Minds", in: Midwest Studies in Philosophy 19 (1994) pp. 206-219 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 |
| Existenz | Lewis | Schwarz I 30 Def Existenz/Lewis: Existenz heißt einfach, eins von den Dingen zu sein, die es gibt. Vgl. >"Es gibt"/Existenz. --- Lewis IV 24 Aktual/Ontologie/Aktualität/Existenz/“es gibt“/Lewis: These: Es gibt viele Dinge, die nicht aktual sind, Bsp überabzählbar viele Menschen, verteilt auf viele mögliche Welten. LewisVsCommon Sense: Nicht alles ist aktual. Es gibt einen Unterschied zwischen existieren/“es gibt“. >Aktualität/Lewis. IV 40 Existenz/Ontologie/Mögliche Welten/Lewis: Sagen wir, ein Individuum existiert vom Standpunkt einer Welt aus gesehen dann und nur dann, wenn es zum am wenigsten beschränkten Bereich gehört, der normalerweise geeignet ist, den Wahrheitswert in der Welt zu bestimmen. (Dabei geht es nicht um modale Metaphysik). Vgl. >Modaler Realismus, >Metaphysische Möglichkeit/Lewis. Dieser Bereich wird alle Individuen dieser Welt umfassen, keine anderen. Und einige, aber nicht alle Mengen (z.B. Zahlen). --- Schwarz I 20 Quantifikation/Bereich/Schwarz: Unbeschränkte Quantoren sind selten und gehören zur Metaphysik. Bsp „Es gibt keinen Gott“ bezieht sich auf das ganze Universum. Bsp „Es gibt kein Bier“ bezieht sich auf den Kühlschrank. Existenz/Lewis/Schwarz: Dann gibt es also verschiedene „Existenzweisen“. Zahlen existieren auf eine andere Weise als Tische. Existenz/Präsentismus: Seine Aussagen darüber, was es gibt, sind absolut unbeschränkt. Vierdimensionalismus/Existenz: Aussagen darüber, was es gibt, ignorieren aus Sicht des Vierdimensionalismus Vergangenheit und Zukunft. >Vierdimensionalismus/Lewis. Schwarz I 30 Existenz/Van Inwagen: (1990b(1), Kap.19) These: Manche Dinge sind Grenzfälle von Existenz. LewisVsVan Inwagen: (1991(2), 80f, 1986e(3), 212f): Wenn man schon „es gibt“ gesagt hat, dann ist das Spiel schon verloren, wenn man sagt, „etwas existiert in geringerem Grade“. Def Existenz/Lewis: Existenz heißt einfach, eins von den Dingen zu sein, die es gibt. Schwarz I 42 Def Koexistenz/Lewis: Zwei Dinge befinden sich in derselben Welt, gdw. es einen raumzeitlichen Weg von einem zum anderen gibt. Konsequenz: Mögliche Welten/Lewis: Mögliche Welten sind raumzeitlich isoliert! Es gibt also auch keine Kausalität zwischen ihnen. >Gegenstücke/Lewis, >Gegenstücktheorie/Lewis, >Gegenstückrelation/Lewis. Schwarz I 232 Gegenstand/Ding/Existenz/Ontologie/Lewis/Schwarz: Die Frage, ob ein Ding in einer Welt existiert, ist selbst vollständig bestimmt durch die Verteilung qualitativer Eigenschaften und Relationen. Dann ist die Bedingung „welche Dinge es dort gibt“ überflüssig. Damit sind wir bei Lewis’ „a priori Reduktionismus von allem“ (1994b(4), 291). Wahrmacher/Lewis: Muster der Koinstanziation fundamentaler Eigenschaften und Relationen. >Wahrmacher. 1. P. van Inwagen [1990b]: Material Beings. Ithaca, London: Cornell University Press. 2. D. Lewis [1991]: Parts of Classes. Oxford: Blackwell. 3. D. Lewis [1986e]: On the Plurality of Worlds. Malden (Mass.): Blackwell. 4. D. Lewis [1994b]: “Reduction of Mind”. In Samuel Guttenplan (Hg.), A Companion to the Philosophy of Mind, Oxford: Blackwell, 412–431. |
Lewis I David K. Lewis Die Identität von Körper und Geist Frankfurt 1989 Lewis I (a) David K. Lewis An Argument for the Identity Theory, in: Journal of Philosophy 63 (1966) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (b) David K. Lewis Psychophysical and Theoretical Identifications, in: Australasian Journal of Philosophy 50 (1972) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (c) David K. Lewis Mad Pain and Martian Pain, Readings in Philosophy of Psychology, Vol. 1, Ned Block (ed.) Harvard University Press, 1980 In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis II David K. Lewis "Languages and Language", in: K. Gunderson (Ed.), Minnesota Studies in the Philosophy of Science, Vol. VII, Language, Mind, and Knowledge, Minneapolis 1975, pp. 3-35 In Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979 Lewis IV David K. Lewis Philosophical Papers Bd I New York Oxford 1983 Lewis V David K. Lewis Philosophical Papers Bd II New York Oxford 1986 Lewis VI David K. Lewis Konventionen Berlin 1975 LewisCl Clarence Irving Lewis Collected Papers of Clarence Irving Lewis Stanford 1970 LewisCl I Clarence Irving Lewis Mind and the World Order: Outline of a Theory of Knowledge (Dover Books on Western Philosophy) 1991 Schw I W. Schwarz David Lewis Bielefeld 2005 |
| Existenz | Quine | I 54 Existenz: ist vom Standpunkt der Theorie immer eine Setzung. Diese ist nur zu vermeiden durch größere Kompliziertheit. Schiedsstelle: ist die Methode. Die Frage nach Existenz ist Frage nach Belegen. I 300 Existenz: die Kategorie ist abhängig vom Gesichtspunkt, aber nicht Existenz des Gegenstands. Bsp Zeitabschnitt. >Kategorien. I 316 Existenz: es erwächst kein Existenzanspruch aus der Bedeutung eines singulären Terms. >Singuläre Termini/Quine. I 402f Existenz: erwächst nicht aus der Dichotomie "Einzelding", "Universale". Es kommt nicht darauf an, ob es sie gibt! Bsp "Äquator", "Nordpol". Die Verknüpfung mit Reizen ist ein schwaches Argument für die Vorrangstellung physikalischer Gegenstände, macht Termini aber allen Positionen zugänglich. I 412 QuineVsEigenschaften: es ist Fehlschluss der Subtraktion: aus "über" und "handelt von" Existenz abzuleiten. Bsp: "rund" und "Hund" sind Termini für physikalische Gegenstände, aber nicht zusätzlich Eigenschaften! "Rund" und "Hund" sind allgemeine Termini für einen Gegenstand, nicht ein singulärer Term für Eigenschaften oder Klassen. >Allgemeine Termini/Quine. Dasselbe Argument wäre für Klassen statt Eigenschaften: ein allgemeiner Term symbolisiert ebenso gut seine Extension, wie seine Intension. >Eigenschaften/Quine. II 173 Existenz: "alle x sind y". Die Streitfrage lautet: impliziert das die Existenz von "x"? Die Mittelalterliche Logik behauptet: ja. Die Neuzeit behauptet hingegen: Nein. (Man gewinnt dadurch an Symmetrie und Einfachheit). >Logik/Quine. VII (f) 110ff Existenz/Ontologie/Quine: nur die Werte gebundener Variablen: nicht die Prädikate "F", nicht die Aussagen "p" usw., weil diese nicht Namen von Entitäten sind. VII (i) 167 Existenz/Quine: "a existiert" können wir dann entbehren, wenn nach der Übersetzung der singulärer Term in der Kennzeichnung enthalten ist. VIII 31 Existenz/Quine/(s): die Existenz stammt letztlich allein aus "Das Wort Blinddarmentzündung ist ein Name", aber müssen Namen bezeichnen? IX 29 Existenz/Ontologie/Quine/(s): vom Element schließen wir nicht auf die Menge. (s) Ein vorliegendes Ding kann vielleicht zu vielen Mengen gehören. Aber dass wir das Element konstatieren, impliziert seine Existenz als Ding. Dann existiert auch {x:Fx}, wenn es Element von etwas sein soll. IX 33 Existenz/Quine: die Existenz darf nicht mit der Eigenschaft, eine Menge zu sein, verwechselt werden und virtuelle Klassen dürfen nicht mit äußersten Klasse verwechselt werden. Die Existenz von "a" bedeutet, Element von ϑ (Allklasse) zu sein. Die Eigenschaft, eine Menge zu sein, bedeutet, dass "a" Element von etwas ist. Pointe: der springende Punkt ist, dass man nicht weiß, ob "J" ein Etwas ist. Postulieren wir die Existenz von ϑ, d.h. ϑ ε ϑ, dann werden in der Tat alle Dinge Mengen. Existent wäre dann die Eigenschaft, eine Menge zu sein. Wenn es nun aber überhaupt äußerste Klassen gibt, dann ist ϑ nicht real, ϑ ε Jϑ. ((s) Absurd.) IX 176 Definition/Existenz/Quine: nimmt keine Existenz an, wohl aber eine Beschreibung. Quine ist der Auffassung, dass auch Klassen nicht durch eine Beschreibung geschaffen werden. IX 218 Existenz/Quine: Existenz ist für New Foundations plus äußerste Klassen: die Eigenschaft, eine Menge zu sein. >Leere Menge/Quine. IX 221 Existenz/Quine: was für New Foundations Existenz war, wird nun die Eigenschaft, eine Menge zu sein. Wo New Foundations also "{x:Fx} ε ϑ" sagte, müssen wir nun "^uFu ε Uϑ" sagen, und auch alle Variablen, die in dem "F" versteckt sein können, auf Mengen (d.h. auf "Uϑ") beschränken. >Universum/Quine. Lauener XI 128 Existenz/Wert einer gebundenen Variable/Quine/Lauener: weil "existiert" kein Prädikat ist, brauchen wir die Quantifikation. Ihre Logik ist die des Existenzquantors. Die Quantoren: erhalten erst dann eine Bedeutung, wenn die Werte der Variablen identifizierbar sind. Die Ideologie: ist Teil der Prädikate (im Gegensatz zu logischen Konstanten und Quantoren). Die Werte der Variablen sind eben die Gegenstände. XI 130 Alles, worauf ein Prädikat zutrifft, ist der Wert einer Variablen, denn ein Prädikat ist ein offener Satz. Prädikatvariablen kommen nur frei vor. Alles was existiert, sind Gegenstände, nicht z.B. Eigenschaften. |
Quine I W.V.O. Quine Wort und Gegenstand Stuttgart 1980 Quine II W.V.O. Quine Theorien und Dinge Frankfurt 1985 Quine III W.V.O. Quine Grundzüge der Logik Frankfurt 1978 Quine V W.V.O. Quine Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989 Quine VI W.V.O. Quine Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995 Quine VII W.V.O. Quine From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953 Quine VII (a) W. V. A. Quine On what there is In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (b) W. V. A. Quine Two dogmas of empiricism In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (c) W. V. A. Quine The problem of meaning in linguistics In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (d) W. V. A. Quine Identity, ostension and hypostasis In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (e) W. V. A. Quine New foundations for mathematical logic In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (f) W. V. A. Quine Logic and the reification of universals In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (g) W. V. A. Quine Notes on the theory of reference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (h) W. V. A. Quine Reference and modality In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (i) W. V. A. Quine Meaning and existential inference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VIII W.V.O. Quine Bezeichnung und Referenz In Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982 Quine IX W.V.O. Quine Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967 Quine X W.V.O. Quine Philosophie der Logik Bamberg 2005 Quine XII W.V.O. Quine Ontologische Relativität Frankfurt 2003 Quine XIII Willard Van Orman Quine Quiddities Cambridge/London 1987 Q XI H. Lauener Willard Van Orman Quine München 1982 |
| Externalismus | Danto | I 184 Externalismus/Nietzsche: Wissen beschreibt die Art und Weise, wie Lebewesen einer bestimmten Spezies sich die Welt vorstellen. >Wissen, vgl. >Internalismus, >Vorstellung. I 182f Internalismus/Descartes: Wissen ist etwas, das von einem Standpunkt innerhalb des Bewusstseins und dessen Voraussetzungen aus gesucht werden muss. >Bewusstsein, >Innen/außen. I 185 Externalismus: Der Externalismus lebt in einer Welt, in der die Sinnesreize nur so auf uns herabregnen. >Reize, >Sinneseindrücke. I 185 Internalismus: Gerade die Existenz dessen, was der Externalist als gewiss annimmt, ist das tiefste Problem überhaupt, nämlich ob es außerhalb von uns eine Welt gibt. >Welt, >Welt/Denken, >Realität, >Wirklichkeit. Der Internalismus bringt uns allerdings gewisse Strukturmerkmale der Natur der Vorstellung überhaupt erst zum Vorschein! >Natur. |
Danto I A. C. Danto Wege zur Welt München 1999 Danto III Arthur C. Danto Nietzsche als Philosoph München 1998 Danto VII A. C. Danto The Philosophical Disenfranchisement of Art (Columbia Classics in Philosophy) New York 2005 |
| Externalismus | Nietzsche | Danto I 184 Externalismus/Nietzsche/Danto: Die Weise, wie sich bestimmte Spezies die Welt vorstellen. ((s) Dann gibt es kein Problem des Skeptizismus, weil es nur um Vorstellung geht.) Nietzsche: Welchen Überlebenswert hat Bewusstsein? - > Naturalisierte Erkenntnistheorie: biologische Dimension der Repräsentationsfähigkeit. >Bewusstsein/Nietzsche, >Denken/Welt/Nietzsche. Dagegen: Internalismus/Descartes: These: Wissen ist etwas, das vom Standpunkt innerhalb des Bewusstseins aus gesucht werden muss. Hier geht es nicht um Reize. >Descartes, vgl. >Skeptizismus. |
Nie I Friedrich Nietzsche Sämtliche Werke: Kritische Studienausgabe Berlin 2009 Nie V F. Nietzsche Beyond Good and Evil 2014 Danto I A. C. Danto Wege zur Welt München 1999 Danto III Arthur C. Danto Nietzsche als Philosoph München 1998 Danto VII A. C. Danto The Philosophical Disenfranchisement of Art (Columbia Classics in Philosophy) New York 2005 |
| Faktormarkt | Rothbard | Rothbard III Faktormarkt/Rothbard: Jeder Kapitalist wird versuchen, einen Faktor (oder besser gesagt, die Dienstleistung eines Faktors) zu dem Preis einzusetzen, der mindestens unter seinem abgezinsten Grenzwertprodukt liegt. >Produktionsfaktoren/Rothbard. Das Grenzprodukt ist der monetäre Ertrag, der einer Dienstleistungseinheit des Faktors zugeschrieben oder „unterstellt“ werden kann. >Grenzprodukt/Rothbard. Es ist das „marginale“ Wertprodukt, weil das Angebot des Faktors in diskreten Einheiten vorliegt. Dieses MVP (Grenzwertprodukt) wird mit dem sozialen Zinssatz der Zeitpräferenz, d. h. mit dem aktuellen Zinssatz, abgezinst. Nehmen wir zum Beispiel an, dass eine Einheit eines Faktors (z. B. der Wert eines Tages eines bestimmten Ackers Land oder der Wert eines Tages der Arbeit eines bestimmten Arbeiters) für das Unternehmen in einem Jahr ein Produkt erzeugen wird, das für 20 Goldunzen verkauft wird. Grenzprodukt: Das MVP dieses Faktors beträgt 20 Unzen. Aber dies ist ein zukünftiges Gut. Der Gegenwartswert des zukünftigen Gutes, und es ist dieser Gegenwartswert, der jetzt gekauft wird, ist gleich dem MVP, abgezinst mit dem aktuellen Zinssatz. Wenn der Zinssatz 5 Prozent beträgt, dann ist der abgezinste MVP gleich 19 Unzen. Für den Arbeitgeber (...) ist der maximale Betrag, den die Faktoreinheit jetzt wert ist, also 19 Unzen. Der Kapitalist wird bereit sein, diesen Faktor zu jedem Preis bis zu 19 Unzen zu kaufen. Markt: Nehmen wir nun an, dass der oder die kapitalistischen Eigentümer eines Unternehmens für diesen Faktor 15 Unzen pro Einheit bezahlen. (...) das bedeutet, dass der Kapitalist einen reinen Profit von vier Unzen pro Einheit verdient, da er 19 Unzen aus dem Endverkauf erhält. Rothbard III 457 (Er erhält 20 Unzen beim Endverkauf, aber eine Unze ist das Ergebnis seiner Zeitpräferenz und des Wartens und ist kein reiner Profit; 19 Unzen sind der Gegenwartswert seines Endverkaufs). Da dies jedoch geschieht, werden andere Unternehmer in die Bresche springen, um diese Gewinne zu ernten. Diese Kapitalisten werden dem ersten Kapitalisten den Faktor abkaufen müssen und daher mehr als 15 Unzen, sagen wir 17 Unzen, bezahlen. Abgezinstes Grenzwertprodukt: Dieser Prozess setzt sich fort, bis der Faktor sein volles DMVP (diskontiertes Grenzwertprodukt) erwirtschaftet und keine reinen Gewinne mehr übrigbleiben. Gleichmäßig rotierende Wirtschaft: Das Ergebnis ist, dass in der ERE jeder isolierbare Faktor sein DMVP erwirtschaftet, und dies ist dann sein Preis. >Evenly Rotating Economy (ERE; gleichmäßig rotierende Wirtschaft). Reiner Gewinn: Es ist klar, dass, wenn der Grenzwert einer bestimmten Einheit einer Faktorleistung isoliert und bestimmt werden kann, die Kräfte des Wettbewerbs auf dem Markt dazu führen werden, dass ihr Preis gleich ihrem DMVP in der ERE sein wird. Jeder Preis, der höher ist als das diskontierte Grenzwertprodukt einer Faktorleistung, wird nicht lange von einem Kapitalisten gezahlt werden; jeder niedrigere Preis wird durch die Wettbewerbshandlungen von Unternehmern erhöht, die diese Faktoren durch höhere Preisangebote abwerben. Diese Aktionen führen im ersten Fall zum Verschwinden der Verluste, im zweiten Fall zum Verschwinden des reinen Profits, womit die ERE erreicht ist. Rothbard III 458 Faktoren: Es sind (...) die unspezifischen Faktoren, die direkt isolierbar sind; ein spezifischer Faktor ist isolierbar, wenn er der einzige spezifische Faktor in der Kombination ist; in diesem Fall ist sein Preis die Differenz zwischen dem Preis des Produkts und der Summe der Preise der unspezifischen Faktoren. Wie aber isoliert und bestimmt der Markt den Anteil (die MVP einer bestimmten Einheit eines Faktors) am Einkommen, das aus der Produktion hervorgeht? Greifen wir auf das grundlegende Gesetz des Nutzens zurück. >Nutzen/Rothbard. Wie hoch ist der Grenzwert einer Einheit eines beliebigen Gutes? Er ist gleich dem Wert, den das Individuum dem Zweck beimisst, der unerreicht bleiben muss, wenn diese Einheit wegfällt. >Wert/Rothbard. Rothbard III 463 Unternehmen: Es ist nun klar, warum die Versuchung bei der Faktorpreisanalyse für das Unternehmen darin besteht, davon auszugehen, dass die Faktorpreise von außen vorgegeben sind und dass es einfach seine Produktion in Übereinstimmung mit diesen Preisen variiert. Vom analytischen Standpunkt aus sollte es jedoch offensichtlich sein, dass die Gesamtheit der DMVP der entscheidende Faktor ist, und der Prozess mit dem niedrigsten DMVP wird seine Botschaft sozusagen über die Faktorpreise an die verschiedenen Unternehmen weitergeben, von denen jedes den Faktor in einem solchen Ausmaß nutzen wird, dass sein DMVP mit seinem Preis in Einklang gebracht wird. Der entscheidende Faktor ist jedoch das DMVP-Programm und nicht der Faktorpreis. Kurz gesagt, die Preise der Produktionsfaktoren werden wie folgt bestimmt: Wenn ein Faktor isolierbar ist, tendiert sein Preis zu seinem diskontierten Grenzwertprodukt und entspricht seinem DMVP in der ERE. Ein Faktor ist isolierbar, wenn er unspezifisch ist, d. h. wenn er in mehr als einem Produktionsprozess nützlich ist, oder wenn er der einzige spezifische Faktor in einem Prozess ist. Der Preis des unspezifischen Faktors wird gleich seinem DMVP gesetzt, wie er durch sein allgemeines DMVP-Schema bestimmt wird: die gesamte mögliche Palette von DMVPs bei verschiedenen Angebotseinheiten des Faktors in der Wirtschaft. >Grenzprodukt/Rothbard, >Grenznutzen/Rothbard. Rothbard III 560 Faktormarkt/Rothbard: Was wäre, wenn das Angebot an Kapital gleichbliebe, während sich das Angebot an Arbeits- oder Bodenfaktoren ändert? Nehmen wir also an, dass bei gleicher Kapitalstruktur die Bevölkerung zunimmt und damit das Gesamtangebot an Arbeitsfaktoren steigt. Das Ergebnis wird ein allgemeiner Rückgang des MVP (marginal value product; Grenzprodukt)der Arbeit und ein Anstieg des MVP der Bodenfaktoren sein. Dieser Anstieg wird dazu führen, dass ehemals submarginales Land, das keine Pacht abwirft, Pacht einbringt und von dem neuen Arbeitsangebot bewirtschaftet wird. Land/Ricardo: Dies ist der von Ricardo besonders hervorgehobene Prozess: Die Bevölkerung drückt auf das Landangebot. Die Tendenz zum Rückgang des MVP der Arbeit kann jedoch durchaus durch einen Anstieg der MPP-Tarife (marginal physical product) der Arbeit ausgeglichen werden, da ein Anstieg der Bevölkerung eine stärkere Nutzung der Vorteile der Spezialisierung und der Arbeitsteilung ermöglicht. Das konstante Kapitalangebot müßte an die veränderten Bedingungen angepaßt werden, aber die konstante Geldkapitalmenge wird dann physisch produktiver sein. Daher wird es eine ausgleichende Tendenz zum Anstieg der MVPs der Arbeit geben. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Feldgleichungen | Kanitscheider | I 178 Gravitation/Relativitätstheorie/Kanitscheider: Eine Welt, gefüllt mit Gravitationsstrahlung, kann nicht völlig flach sein. Allerdings wird die Welle gedämpft, indem sie energetisch ärmer wird. So kann durch die Selbstwechselwirkung am Ende ein Schwarzes Loch entstehen. Man hat strenge Lösungen der Feldgleichungen gefunden für geschlossene Universen, deren alleiniger Inhalt aus Gravitationswellen besteht. Hier muss die Krümmung der Raumzeit selbst das principium individuationis bilden. Feldgleichung: (4) Rμν - 1/2 gμνR + λ gμν = 8πGTμν linke Seite: Phänomene, Krümmung rechte Seite: Materie, Ursache, Druck, Dichte, Spannung, Ladung. Feldgleichung: Wenn als Tensorgleichung formuliert, verschwände die Krümmung (und damit die Gravitation) im Außenraum der Sonne. Daher verwendet Einstein den Ricci-Tensor und den Krümmungsskalar R, beide enthalten nur den Beitrag der lokalen Materie. Die Kopplungskonstante G wird nicht durch die Feldgleichungen selber festgelegt, sondern muss extern empirisch bestimmt werden. Sie gehört nicht zu den nomologischen, sondern zu den kontingenten Elementen der Theorie. Schreibweise: Rμν: Riccitensor R: Krümmungsskalar Tμν: Materietensor >Raumkrümmung/Kanitscheider, >Universum/Kanitscheider, >Relativitätstheorie. I 182 Feldgleichungen/Kanitscheider: in ihrer obigen Form enthalten sie immer alle Arten von Raumzeiten. Hier ist es notwendig, die Randbedingungen zu spezifizieren, die die lokalen Lösungen von den in der Kosmologie brauchbaren globalen Lösungen trennen. Hier geht in großer Entfernung die Raumzeit Struktur in den asymptotisch flachen Minkowski Raum über. Das ist unbefriedigend, weil es einen ausgezeichneten Beobachterstandpunkt zulässt, im Widerspruch mit dem akzeptierten Kopernikanischen Weltbild. ((s) asymptotisch flach/(s): heißt, dass es in den Randgebieten des Universums anders aussieht als bei uns. Dort ist kein Leben möglich. Daher ausgezeichneter Beobachterstandpunkt). >Minkowski-Raum. |
Kanitsch I B. Kanitscheider Kosmologie Stuttgart 1991 Kanitsch II B. Kanitscheider Im Innern der Natur Darmstadt 1996 |
| Fixpunkte | Gärdenfors | I 97 Fixpunkt/Kommunikation/Gärdenfors: ein Fixpunkt in einer Kommunikation ist erreicht, wenn z.B. eine Person sieht, dass die andere Person in die Richtung des von ihr gemeinten Gegenstands blickt. I 99 Zur Übereinstimmung von Wortbedeutungen sollte außerdem noch eine Übereinstimmung der mentalen Repräsentationen kommen. Kommunikation ist aber auch ohne das möglich: Bsp Kinder haben oft weniger Bereiche in der Repräsentation ihrer Begriffe oder die Bereiche sind anders gewichtet. Gleichgewicht: Kommunikation kann eingeschränkt schon funktionieren, bevor ein Gleichgewicht der Partner (gleicher Informationsstand) erreicht ist. I 100 Signalspiel/Jäger/Rooij/Gärdenfors: (Jäger & van Rooij, 2007)(1): zufällig ausgewählte Farbproben werden von einer zweiten Person eingeordnet. Ziel des Piels ist es, zu einer gleichen Aufteilung des Farbraums in Regionen zu kommen. (Nash-Gleichgewicht, bzw. Fixpunkt). Gärdenfors: These: das gelingt, wenn die Begriffsräume konvex und kompakt ist. I 101 Gleichgewicht/Fixpunkt/Gärdenfors: weitere Versuche haben gezeigt, dass wiederholte Interaktionen zu einem stabilen Kommunikationssystem führen. (z.B. Hurford, 1999,(2) Kirby, 1999,(3) Steels, 1999,(4) Kaplan, 2000,(5) Steels & Belpaeme, 2005(6)). I 102 Bedeutungen: müssen nicht unbedingt wechseln, wenn die Aufstellung der an der Kommunikation Beteiligten sich ändert oder neue Beteiligte hinzukommen oder verschwinden. Fixpunkt/Dewey/Gärdenfors: (Dewey 1929, p. 178)(7): damit V As Züge versteht, muss er auf das Ding vom Standpunkt As reagieren. Also nicht ich-zentriert und umgekehrt. So wird buchstäblich etwas zu einem Gemeinsamen gemacht. I 104 Fixpunkt-Theorem/Gärdenfors: damit Fixpunkte erreicht werden, ist es nicht notwendig, dass die Begriffsräume der Beteiligten identisch sind, noch, dass sie die Räume gleich aufteilen. I 105 Wir nehmen an, dass die Räume konvex und kompakt sind. Folgendes Theorem aus Warglien & Gärdenfors (2013)(8) ist eine Konsequenz aus Brouwers Fixpunkt-Theorem (Brouwer 1910)(9): Theorem: Jede semantische Reaktionsfunktion, die eine kontinuierliche Abbildung einer konvexen kompakten Menge auf sich selbst ist, hat wenigstens einen Fixpunkt. D.h. es wird immer einen Fixpunkt geben, der ein Meeting of Minds repräsentiert. Begriffsräume: dass sie als konvex angenommen werden, macht die Kommunikation flüssig und Gedächtnisleistung effizient. I 106 Gärdenfors: damit meine ich nicht, dass konvexe Räume eine verlässliche Repräsentation unserer Welt sind, sondern dass sie, weil sie effektiv sind, weit verbreitet sein werden. Fixpunkte: der Fixpunktansatz erlaubt es, eine Vielzahl von Kommunikationsarten zu berücksichtigen wie Farbbestimmungen und Verhandlungen. Das Fixpunkttheorem garantiert, dass die Bewusstseine der Beteiligten zusammentreffen (>Meeting of Minds) aber es zeigt nicht, wie die semantische Reaktionsfunktion aus der kommunikativen Interaktion entsteht. I 109 Fixpunkt/Kommunikation/Gärdenfors: woher wissen wir, ob ein Fixpunkt (Gleichgewicht, Übereinstimmung) erreicht wurde? I 110 Wenn die Hörerin glaubt, zu verstehen, ist das keine Garantie für ein Meeting of Minds. 1. Jäger, G., & van Rooij, R. (2007). Language structure: Psychological and social constraints. Synthese, 159, 99–130. 2. Hurford, J. (1999). The evolution of language and languages. In R. Dunbar, C. Knight, & C. Power (Eds.), The evolution of culture (pp. 173–193). Edinburgh: Edinburgh University Press. 3. Kirby, S. (1999). Function, selection, and innateness: The emergence of language universals. Oxford: Oxford University Press. 4. Steels, L. (1999). The talking heads experiment. Antwerp: Laboratorium. 5. Kaplan, F. (2000). L’émergence d’un lexique dans une population d’agents autonomes. Paris: Laboratoire d’Informatique de Paris 6. 6. Steels, L., & Belpaeme, T. (2005). Coordinating perceptually grounded categories through language: A case study for colour. Behavioral and Brain Sciences, 28, 469–489. 7. Dewey, J. (1929). Experience and nature. New York: Dover. 8. Gärdenfors, P., & Warglien, M. (2013). The development of semantic space for pointing and verbal communication. In J. Hudson, U. Magnusson, & C. Paradis (Eds.), Conceptual spaces and the construal of spatial meaning: Empirical evidence from human communication (pp. 29–42). Cambridge: Cambridge University Press. 9. Brouwer, L. E. J. (1910). Über ein eindeutige, stetige Transformation von Flächen in sich. Mathematische Annalen, 69, 176–180. |
Gä I P. Gärdenfors The Geometry of Meaning Cambridge 2014 |
| Fotografie | Flusser | I 102 Fotografie/Flusser: Fotos sind nicht der Versuch des Fotografen, sich ein Bild der Welt zu machen, sondern Versuche, sich ein Bild von den Begriffen zu machen, die sich der Fotograf hinsichtlich eines Bildes gemacht hat. Vgl. >Technobilder/Flusser, >Terminologie/Flusser, >Verstehen, >Bilder. Voralphabetische Bilder: Sollen die Welt bedeuten und Technobilder sollen Texte bedeuten, welche Bilder bedeuten, welche die Welt bedeuten. >Code/Flusser. Def Technobild/Flusser: Sollen Texte bedeuten, welche Bilder bedeuten, welche die Welt bedeuten. Der Fotograf steht hinter dem Schriftsteller, der hinter dem Zeichner steht, der hinter der Welt steht. Um zu zeichnen, muss man von der Welt Abstand nehmen, usw. I 181 ff Fotografie/Flusser: Historisch sind Fotografien die ältesten Technobilder. Die Gesten des Operators sind vor allem von der Suche nach einem geeigneten Standort bestimmt. Es ist eine vierdimensionale Raum-Zeit. Es geht um den Glanz der Zähne der Frau, aber auch um objektive Faktoren, wie die Qualität des Films. Das hat nichts mit Unterscheidung zwischen "subjektiv" und "objektiv" zu tun. >Subjektivität, >Objektivität. Der Fotograf sucht nicht nur in Funktion der abzubildenden Szene und des abbildenden Apparats, sondern auch in Funktion des zukünftigen Empfängers. I 184 Im Unterschied zur Videokamera erlaubt der Apparat kein "flüssiges" Suchen. Die Suche ist gequantelt, die Struktur der fotografischen Welt ist gequantelt. >Kontinuum, >Fluss. I 185 Fotografie/Flusser: Bei Fotos funktioniert die Technoimagination arithmetisch. Es ist sinnlos, zwischen dem Operator und dem Apparat unterscheiden zu wollen, beide befinden sich in einer komplexen Bewegung. Die dabei getroffenen Entscheidungen sind weder "menschlich" noch "mechanisch". Freiheit bedeutet für den Fotografen in Funktion des Apparats zu entscheiden. Ein Apparat ist kein Werkzeug, denn er bewegt sich nicht, um die Welt zu verändern, und in diesem Sinn leistet er keine Arbeit. Gegen Apparate sind Revolutionen sinnlos, weil sie keine Produktionsmittel sind. Der Fotograf steht solchen Betrachtungen verständnislos, ungeschichtlich gegenüber. Für ihn ist die Freiheit eine Frage des Funktionierens. Im Unterschied zum Schmied ist er kein Arbeiter sondern ein Funktionär. I 186 Das bedeutet aber nicht, dass der Fotograf die Welt nicht etwa verändern würde. Nur kann man das nicht Arbeit nennen. >Arbeit. Er handelt: Er fordert seine Frau auf, den Arm zu heben, zu lächeln. Diese Handlungen sind anders motiviert als Arbeit: Def Arbeit/Flusser: Arbeit heißt die Welt verändern, weil sie nicht so ist, wie sie sein soll. Der Fotograf interessiert sich nicht dafür, wie die Welt, sondern wie die Fotografie sein soll. Er verändert die Welt in Funktion des Symbols, das er herstellt. Der Fotograf verändert die Welt, um sie zu fotografieren, also zu "erklären". >Erklärung, >Interpretation. Falls man "Wahrheit" als Zusammentreffen von Beobachtetem und Beobachtung definieren will, so ist die Fotografie "wahr", nicht wenn sie eine unveränderte Welt abbildet, sondern wenn sie die Veränderungen abbildet, die der Fotograf in der Welt und im Apparat durchgeführt hat. >Wahrheit. I 187 Das Motiv des Fotografen ist weder "ethisch" noch "epistemologisch". Was tut der Fotograf bei seiner Suche? >Ethik, >Epistemisch/ontologisch. I 188 Er sucht nach einem Standpunkt, von dem aus ein anderer die Welt so sehen kann, wie er selbst sie sieht. Der Fotograf will nicht "schöne Bilder machen" (wie der Maler) er wünscht sich, jemand da zu haben, der mit seinen Augen sieht. >Perspektive, >Aspekte. Der Apparat ist mit einem Spiegel versehen. In diesem Spiegel sieht der Fotograf, wie das Bild aussehen würde, wenn er in einem gegebenen Augenblick auf den Auslöser drückte. Diese Spiegelbilder sind Projekte, Zukunftsentwürfe und zugleich Visionen der Vergangenheit. Die Summe ist alles mögliche Fotografierbare. >Gegenwart, >Vergangenheit, >Zukunft. >Utopie, >Fiktion. Vor allem aber sind solche Spiegelbilder eben nicht Bilder von Szenen sondern von Standpunkten. Man kann sie Bilder von Begriffen von Bildern nennen. Aufgrund solcher von Apparat gelieferter Technobilder entschließt sich der Fotograf, auf den Auslöser zu drücken. Das ist es was Fotografien "schön" macht: dass sie reflexiv und spekulativ sind, und dass es sich bei ihnen um außerordentlich "abstrakte" nämlich Begriffe vorstellende Symbole handelt. >Begriffe, >Abstraktheit, >Abstraktion. |
Fl I V. Flusser Kommunikologie Mannheim 1996 |
| Freier Markt | Wirtschaftstheorien | Rothbard III 912 Freier Markt/Wirtschaftstheorien/Rothbard: Es gibt viele Ökonomen, die den „freien Markt“ nur als frei von triangulären Eingriffen betrachten; solche binären Eingriffe wie die Besteuerung werden nicht als Eingriffe in die Reinheit des „freien Marktes“ betrachtet. Zu triangulären Eingriffen siehe >Preiskontrollen/Rothbard; >Interventionen/Rothbard. Chicagoer Schule/Knight/Rothbard: Die Ökonomen der Chicagoer Schule - angeführt von Frank H. Knight - haben es besonders gut verstanden, die wirtschaftliche Tätigkeit des Menschen aufzuspalten und den „Markt“ auf einen engen Rahmen zu beschränken. Auf diese Weise können sie den „freien Markt“ favorisieren (weil sie solche Dreieckseingriffe wie die Preiskontrolle ablehnen), während sie gleichzeitig drastische binäre Eingriffe in Form von Steuern und Subventionen befürworten, um das von diesem Markt bestimmte Einkommen „umzuverteilen“. >Verteilung/Rothbard, >Frank H. Knight, >Chicagoer Schule. RothbardVsChicagoer Schule: Kurz gesagt, der Markt soll in einer Sphäre „frei“ bleiben, während er in einer anderen Sphäre durch äußeren Zwang ständig schikaniert und umgestaltet wird. Dieses Konzept geht davon aus, dass der Mensch zersplittert ist, dass der „Marktmensch“ sich nicht darum kümmert, was mit ihm als „Untertan des Staates“ geschieht. Def Steuerillusion/Rothbard: Dies ist sicherlich ein unzulässiger Mythos, den wir als „Steuerillusion“ bezeichnen könnten - die Vorstellung, dass die Menschen nicht berücksichtigen, was sie nach Steuern verdienen, sondern nur vor Steuern. Kurz gesagt, wenn A 9.000 Dollar pro Jahr auf dem Markt verdient, B 5.000 Dollar und C 1.000 Dollar, und die Regierung beschließt, die Einkommen so umzuverteilen, dass jeder 5.000 Dollar verdient, werden die Individuen, die darüber informiert sind, nicht dummerweise annehmen, dass sie immer noch das verdienen, was sie vorher verdient haben. Sie werden die Steuern und Subventionen mit einbeziehen. >Staatsausgaben/Rothbard. Rothbard III 1035 Freier Markt/Wirtschaftstheorien/Rothbard: Es gibt zwei allgemeine Angriffslinien auf den freien Markt, die den externen Nutzen als Kritikpunkt verwenden. Zusammengenommen heben sich diese Argumente gegen den Markt und für staatliche Eingriffe oder Unternehmen gegenseitig auf, aber jedes muss fairerweise separat untersucht werden. 1)Die erste Art der Kritik besteht darin, A dafür anzugreifen, dass er nicht genug für B tut. Dem Wohltäter wird vorgeworfen, dass er ausschließlich seine eigenen egoistischen Interessen berücksichtigt und dabei den potenziellen indirekten Empfänger vernachlässigt, der in den Startlöchern steht.(1) 2) Die zweite Angriffslinie besteht darin, B anzuprangern, weil er eine Leistung annimmt, ohne A dafür zu bezahlen. Der Empfänger wird als undankbar und quasi als Dieb beschimpft, weil er das kostenlose Geschenk annimmt. Der freie Markt wird also von beiden Gruppen von Angreifern der Ungerechtigkeit und Verzerrung bezichtigt: a) Die erste Gruppe glaubt, dass der Egoismus des Menschen so beschaffen ist, dass A nicht genug tut, um B zu begünstigen; b) die zweite, dass B zu viel „unverdienten Zuwachs“ erhält, ohne dafür zu bezahlen. Rothbard: In beiden Fällen ist der Staat gefordert, Abhilfe zu schaffen; einerseits durch Gewaltanwendung, um A zu zwingen oder zu veranlassen, mehr in einer Weise zu handeln, die B hilft; andererseits, um B zu zwingen, A für sein Geschenk zu bezahlen. Ethik/Ökonomie/Rothbard: Im Allgemeinen sind diese ethischen Ansichten in die „wissenschaftliche“ Meinung gekleidet, dass in diesen Fällen das Handeln auf dem freien Markt nicht mehr optimal ist, sondern durch korrigierende staatliche Maßnahmen wieder in die Optimalität zurückgeführt werden sollte. Eine solche Sichtweise verkennt völlig die Art und Weise, in der die Wirtschaftswissenschaft behauptet, dass marktwirtschaftliches Handeln immer optimal ist. Rothbard III 1036 RothbardVsInterventionen: Er ist optimal, nicht vom Standpunkt der persönlichen ethischen Ansichten eines Ökonomen aus, sondern vom Standpunkt der freien, freiwilligen Handlungen aller Teilnehmer und der Befriedigung der frei geäußerten Bedürfnisse der Verbraucher. Staatliche Eingriffe werden sich daher zwangsläufig und immer von einem solchen Optimum entfernen. Rothbard: Es ist amüsant, dass, obwohl jede Angriffslinie ziemlich weit verbreitet ist, jede ziemlich erfolgreich widerlegt werden kann, indem man die Essenz des anderen Angriffs verwendet! RothbardVs 1): Nehmen wir zum Beispiel den ersten - den Angriff auf den Wohltäter. Den Wohltäter anzuprangern und implizit nach staatlicher Bestrafung für unzureichende gute Taten zu rufen, bedeutet, einen moralischen Anspruch des Empfängers an den Wohltäter zu stellen. Wir haben nicht die Absicht, über ultimative Werte zu diskutieren (...). Aber es sollte klar sein, dass die Annahme dieser Position bedeutet, dass B das Recht hat, von A etwas zu verlangen, was ihm zugute kommt und wofür B keine Gegenleistung erbringt. Wir müssen die zweite Angriffslinie (auf den „Trittbrettfahrer“) nicht bis zum Ende verfolgen, aber wir können vielleicht sagen, dass es eine Anmaßung des Trittbrettfahrers ist, sein Recht auf einen Posten der Majestät und des Befehls zu behaupten. Denn was die erste Angriffslinie behauptet, ist das moralische Recht von B, von A Geschenke zu verlangen, wenn nötig mit Gewalt. >Trittbrettfahrer, >Moral Hazard. RothbardVs 2): Die zweite Angriffslinie hat die entgegengesetzte Form - eine Anschuldigung gegen den Empfänger des „Geschenks“. Der Empfänger wird als „Trittbrettfahrer“ bezeichnet, als ein Mann, der auf bösartige Weise den „unverdienten Zuwachs“ der produktiven Handlungen anderer genießt. Auch dies ist eine merkwürdige Angriffslinie. Es ist ein Argument, das nur dann stichhaltig ist, wenn es sich gegen die erste Angriffslinie richtet, d.h. gegen den Trittbrettfahrer, der obligatorische Freifahrten will. Hier haben wir jedoch eine Situation, in der die Handlungen von A, die er nur zu seinem eigenen Vorteil vornimmt, den glücklichen Effekt haben, dass sie auch jemand anderem zugute kommen. Sollen wir empört sein, weil das Glück in der Gesellschaft verteilt wird? Sollen wir kritisch sein, weil mehr als eine Person von den Handlungen einer Person profitiert? Trittbrettfahrer: Schließlich hat der Trittbrettfahrer nicht um seine Mitfahrgelegenheit gebeten. Er hat sie ungefragt als Segen erhalten, weil A von seinem eigenen Handeln profitiert. Der zweite Ansatz besteht darin, die Gendarmen zur Bestrafung herbeizurufen, weil zu viele Menschen in der Gesellschaft glücklich sind. Kurz gesagt, soll ich dafür besteuert werden, dass ich den Blick auf den gepflegten Garten meines Nachbarn genieße? Rothbard III 1037 Georgismus/Henry George: Ein auffälliges Beispiel dieser zweiten Angriffslinie ist der Kern der Position der Henry-Georgisten: ein Angriff auf den „unverdienten Zuwachs“, der sich aus einem Anstieg der Kapitalwerte von Grund und Boden ergibt. Das Argument der Georgisten lautet, dass der Grundbesitzer für diesen Anstieg, der durch Ereignisse außerhalb seines Grundbesitzes zustande kommt, moralisch nicht verantwortlich ist; dennoch erntet er den Nutzen. Der Grundbesitzer ist also ein Trittbrettfahrer, und sein „unverdienter Zuwachs“ gehört rechtmäßig der „Gesellschaft“. Abgesehen von dem Problem der Realität der Gesellschaft und der Frage, ob „sie“ überhaupt etwas besitzen kann, haben wir es hier mit einem moralischen Angriff auf eine Trittbrettfahrersituation zu tun. >Henry George, >Georgismus/Rothbard. RothbardVsGeorgismus: Die Schwierigkeit mit diesem Argument ist, dass es viel zu viel beweist. Denn wer von uns würde auch nur annähernd so viel verdienen wie unser heutiges Realeinkommen, wenn wir nicht von externen Vorteilen profitieren würden, die wir durch die Handlungen anderer erhalten? Insbesondere die große moderne Akkumulation von Kapitalgütern ist ein Erbe aller Nettoersparnisse unserer Vorfahren. Ohne sie würden wir, unabhängig von der Qualität unseres eigenen moralischen Charakters, in einem primitiven Dschungel leben. 1. Aus unerfindlichen Gründen werden nur die indirekten Vorteile beanstandet, bei denen B ungewollt von der Handlung des A profitiert. Direkte Schenkungen oder Wohltätigkeit, bei denen A einfach Geld an B spendet, werden nicht unter der Kategorie des externen Nutzens angegriffen. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Gegebenes | Dilthey | Gadamer I 70 Gegebenes/Geisteswissenschaften/Wissenschaft/Dilthey/Gadamer: Da es [Dilthey] darauf ankommt, die Arbeit der Geisteswissenschaften erkenntnistheoretisch zu rechtfertigen, beherrscht ihn überall das Motiv des wahrhaft Gegebenen. Es ist also ein erkenntnistheoretisches Motiv oder besser das Motiv der Erkenntnistheorie selber, das seine Begriffsbildung motiviert und das dem sprachlichen Vorgang (...) (>Erlebnis/Dilthey) entspricht. ((s)VsDilthey: siehe die Kritik Wilfrid Sellars‘ am Begriff des Gegebenen: >Gegebenes/Sellars). Geisteswissenschaften/Gadamer: Das charakterisiert eben die Entwicklung der Geisteswissenschaften im 19. Jahrhundert, dass sie nicht nur äußerlich die Naturwissenschaften als Vorbild anerkennen, sondern daß sie, aus dem gleichen Grunde kommend, aus dem die neuzeitliche Naturwissenschaft lebt, das gleiche Pathos von Erfahrung und Forschung entwickeln wie sie. ((s) Vgl. >Empfindungen/Carnap). Gadamer I 71 Dilthey/Gadamer: Die Gegebenheiten im Bereich der Geisteswissenschaften sind nämlich von besonderer Art, und das will Dilthey durch den Begriff des „Erlebnisses“ formulieren. In Anknüpfung an Descartes' Auszeichnung der res cogitans bestimmt er den Begriff des Erlebnisses durch Reflexivität, durch das Innesein, und will von dieser besonderen Gegebenheitsweise aus die Erkenntnis der geschichtlichen Welt erkenntnistheoretisch rechtfertigen. Die primären Gegebenheiten, auf die die Deutung der geschichtlichen Gegenstände zurückgeht, sind nicht Daten des Experiments und der Messung, sondern Bedeutungseinheiten. Das ist es, was der Begriff des Erlebnisses sagen will: Gegebenes/Dilthey: Die Sinngebilde, denen wir in den Geisteswissenschaften begegnen, mögen uns noch so fremd und unverständlich gegenüberstehen - sie lassen sich auf letzte Einheiten des im Bewusstsein Gegebenen zurückführen, die selber nichts Fremdes, Gegenständliches, Deutungsbedürftiges mehr enthalten. Es sind die Erlebniseinheiten, die selber Sinneinheiten sind. Gadamer I 231 Gegebenes/Geisteswissenschaften/Dilthey/Gadamer: Der Begriff des Gegebenen ist [in den Geisteswissenschaften] von grundsätzlich anderer Struktur [als in den Naturwissenschaften]. Es zeichnet die Gegebenheiten der Geisteswissenschaften gegenüber denen der Naturwissenschaften aus, »daß man alles Feste, alles Fremde, wie es den Bildern der physischen Welt eigen ist, wegdenken muss von dem Begriff des Gegebenen auf diesem Gebiet«(1). Alles Gegebene ist hier hervorgebracht. Dilthey: Der alte Vorzug, den schon Vico den geschichtlichen Gegenständen zusprach, begründet nach Dilthey die Universalität, mit der das Verstehen sich der geschichtlichen Welt bemächtigt. Gadamer: Die Frage ist jedoch, ob auf dieser Basis der Übergang vom psychologischen zum hermeneutischen Standpunkt wirklich gelingt oder ob sich Dilthey dabei in Problemzusammenhänge verstrickt, die ihn in eine ungewollte und uneingestandene Nähe zum spekulativen Idealismus bringen. Nicht nur Fichte, sondern bis in die Worte hinein ist an der zitierten Stelle Hegel hörbar. Seine Kritik an der „Positivität“(2) der Begriff der Selbstentfremdung, die Bestimmung des Geistes als Selbsterkenntnis im Anderssein lassen sich leicht von diesem Diltheyschen Satz aus ableiten, und man fragt sich, wo eigentlich die Differenz bleibt, die die historische Weltansicht gegenüber dem Idealismus betonte und die Dilthey erkenntnistheoretisch zu legitimieren unternahm. Diese Frage verstärkt sich, wenn man die zentrale Wendung bedenkt, mit der Dilthey das Leben, diese Grundtatsache der Geschichte, charakterisiert. >Lebensphilosophie/Dilthey. 1. Dilthey, Ges. Schriften VIl, 148. 2. Hegels theologische Jugendschriften, ed. Nohl, S. 139f. |
Dilth I W. Dilthey Gesammelte Schriften, Bd.1, Einleitung in die Geisteswissenschaften Göttingen 1990 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Gegebenes | Geisteswissenschaften | Gadamer I 231 Gegebenes/Geisteswissenschaften/Dilthey/Gadamer: Der Begriff des Gegebenen ist [in den Geisteswissenschaften] von grundsätzlich anderer Struktur [als in den Naturwissenschaften]. Es zeichnet die Gegebenheiten der Geisteswissenschaften gegenüber denen der Naturwissenschaften aus, »daß man alles Feste, alles Fremde, wie es den Bildern der physischen Welt eigen ist, wegdenken muss von dem Begriff des Gegebenen auf diesem Gebiet«(1). Alles Gegebene ist hier hervorgebracht. Dilthey: Der alte Vorzug, den schon Vico den geschichtlichen Gegenständen zusprach, begründet nach Dilthey die Universalität, mit der das Verstehen sich der geschichtlichen Welt bemächtigt. Gadamer: Die Frage ist jedoch, ob auf dieser Basis der Übergang vom psychologischen zum hermeneutischen Standpunkt wirklich gelingt oder ob sich Dilthey dabei in Problemzusammenhänge verstrickt, die ihn in eine ungewollte und uneingestandene Nähe zum spekulativen Idealismus bringen. Nicht nur Fichte, sondern bis in die Worte hinein ist an der zitierten Stelle Hegel hörbar. Seine Kritik an der „Positivität“(2) der Begriff der Selbstentfremdung, die Bestimmung des Geistes als Selbsterkenntnis im Anderssein lassen sich leicht von diesem Diltheyschen Satz aus ableiten, und man fragt sich, wo eigentlich die Differenz bleibt, die die historische Weltansicht gegenüber dem Idealismus betonte und die Dilthey erkenntnistheoretisch zu legitimieren unternahm. Diese Frage verstärkt sich, wenn man die zentrale Wendung bedenkt, mit der Dilthey das Leben, diese Grundtatsache der Geschichte, charakterisiert. >Lebensphilosophie/Dilthey. 1. Dilthey, Ges. Schriften VIl, 148. 2. Hegels theologische Jugendschriften, ed. Nohl, S. 139f. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Gegenstände | Rorty | VI 50 ff Wittgenstein hat gezeigt, dass der "relevante Gegenstandsbereich" nie im relevanten Sinne "da" ist. Daher ist die Frage: ob es eine Möglichkeit gibt, den Input ohne Bezugnahme auf den "wertenden Standpunkt" zu isolieren. >Relevanz. VI 154 Gegenstand/Beschreibung/Rorty: Der Gegenstand ist das, worauf die meisten Überzeugungen, die ihn enthalten, zutreffen. >Überzeugung, >Beschreibung, >Wahrheit. Rorty: These: Der Gegenstand verändert sich, wenn wir unsere Beschreibungen modifizieren. >Beschreibungsabhängigkeit. |
Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 |
| Gehirn/ Gehirnzustand | Churchland | II 484 Gehirn/Bewusstsein/Churchland: Das Gehirn wird kein Bewusstsein produzieren, bevor es nicht eine Repräsentation seiner selbst hervorgebracht hat. ((s) >McGinn: These: das Gehirn produziert eine Theorie des Gehirns.) Churchland: ...Repräsentation seiner selbst… so würde es KantVsHume ausgedrückt haben. Es braucht eine Repräsentation, die so etwas Ähnliches wie einen "Standpunkt" hervorbringt. |
Churla I Paul M. Churchland Matter and Consciousness Cambridge 2013 Churli I Patricia S. Churchland Touching a Nerve: Our Brains, Our Brains New York 2014 Churli II Patricia S. Churchland "Can Neurobiology Teach Us Anything about Consciousness?" in: The Nature of Consciousness: Philosophical Debates ed. Block, Flanagan, Güzeldere pp. 127-140 In Bewusstein, Thomas Metzinger Paderborn/München/Wien/Zürich 1996 |
| Gehirn/ Gehirnzustand | Evans | I 314 Meinen/Referenz/göttlicher Standpunkt/Wittgenstein/Evans: Bsp Jemand ist in einen von zwei eineiigen Zwillingen verliebt. - Gott, wenn er in den Kopf schauen könnte, könnte nicht sagen, in welchen von beiden, wenn der betreffende selbst es in einem Moment nicht weiß. ((s) Weil in dem geistigen Zustand und an dem Zwilling keine Zusatzinformationen zu finden wären.) Evans: Die (Beschreibungs-)Theorie des Geistes kann nicht erklären, warum nicht irrtümliche Beschreibungen den Ausschlag geben können. >Beschreibungstheorie. |
EMD II G. Evans/J. McDowell Truth and Meaning Oxford 1977 Evans I Gareth Evans "The Causal Theory of Names", in: Proceedings of the Aristotelian Society, Suppl. Vol. 47 (1973) 187-208 In Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993 Evans II Gareth Evans "Semantic Structure and Logical Form" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Evans III G. Evans The Varieties of Reference (Clarendon Paperbacks) Oxford 1989 |
| Geld | Rothbard | Rothbard III 192 Geld/Rothbard: Die Etablierung eines Geldes auf dem Markt vergrößert den Spielraum für Spezialisierung und Arbeitsteilung enorm, vergrößert den Markt für jedes Produkt immens (...). Produktion: Komplizierte und entlegene Produktionsstufen sind nun möglich, und die Spezialisierung kann sich auf jeden Teil des Produktionsprozesses sowie auf die Art der produzierten Ware erstrecken. Direkter Austausch/Produktion/RothbardVsTradition: (...) es ist ein Fehler vieler Autoren, die die Lehren der modernen Ökonomie darlegen wollen, nur den direkten Austausch zu analysieren und dann das Geld irgendwo am Ende der Analyse einzufügen und die Aufgabe als erledigt zu betrachten. Rothbard III 193 Im Gegenteil, die Analyse des direkten Tauschs ist nur als einleitende Hilfe für die Analyse einer Gesellschaft des indirekten Tauschs nützlich; der direkte Tausch würde sehr wenig Raum für den Markt oder für die Produktion lassen. Markt: (...) fast alle Tauschvorgänge werden gegen Geld abgewickelt, und das Geld drückt dem gesamten Wirtschaftssystem seinen Stempel auf. Sowohl die Produzenten von Konsumgütern als auch die Eigentümer von langlebigen Konsumgütern, die Eigentümer von Kapitalgütern und die Verkäufer von Arbeitsleistungen verkaufen ihre Waren gegen Geld und kaufen mit Geld die Faktoren, die sie benötigen. >Produktionsfaktoren/Rothbard. Rothbard III 195 Geldeinheit: (...) jedes Gut ist „im Angebot“, wenn es in Einheiten unterteilt werden kann, von denen jede mit jeder anderen homogen ist. Die Geldware ist keine Ausnahme von dieser Regel. Sie ist die am häufigsten gehandelte Ware in der Gemeinschaft und wird immer in Gewichtseinheiten gekauft und verkauft. Es ist klar, dass die Größe der Einheit der Geldware, die für jede Transaktion gewählt wird, für die ökonomische Analyse irrelevant ist und lediglich eine Frage der Bequemlichkeit für die verschiedenen Parteien ist. Rothbard III 196 Vereinheitlichung: Die Namen der Geldeinheiten können die allgemein akzeptablen Gewichtseinheiten sein. Rothbard III 199 Freier Markt/Handel: Auf dem ungehinderten Markt einer Geldwirtschaft verkaufen die Produzenten von Gütern und Dienstleistungen ihre Waren für die Geldware und verwenden dann das erworbene Geld, um andere gewünschte Güter zu kaufen. Geldproduktion/Gold: Geld wird auf diese Weise von allen außer den Produzenten des ursprünglichen Goldes auf dem Markt erworben - denjenigen, die es abgebaut und vermarktet haben. Allerdings erfordert die Produktion der Geldware, wie bei allen anderen wertvollen Gütern auch, den Einsatz von Land, Arbeit und Kapitalgütern, die mit Geld bezahlt werden müssen. Der Goldgräber erhält also kein Geld geschenkt, sondern muss aktiv Gold finden und produzieren, um sein Geld zu erwerben. >Waren, >Konsumgüter/Rothbard >Investitionsgüter/Rothbard, >Investitionen/Rothbard, >Handel, >Tausch/Rothbard, >Tauschwirtschaft/Rothbard, >Freier Markt/Rothbard, >Dienstleistung/Rothbard. Rothbard III 203 Geld/Gesellschaft/Gemeinschaft: Nehmen wir zur Vereinfachung an, dass der Gesamtbestand der Geldware in der Gemeinschaft über den Zeitraum hinweg unverändert geblieben ist. (Dies ist keine unrealistische Annahme, da neu geschürftes Gold im Vergleich zum bestehenden Bestand gering ist.) Nun ist es offensichtlich, dass alles Geld, wie alle wertvollen Güter, zu jedem Zeitpunkt im Besitz von jemandem sein muss. Zu jedem Zeitpunkt ist die Summe der Bargeldbestände aller Individuen gleich dem Gesamtbestand an Geld in der Gemeinschaft. >Kassenbestand/Rothbard. Rothbard III 217 Grenznutzen/Geld: Der Grenznutzen des Geldeinkommens wird tendenziell abnehmen, wenn mehr Geld erworben wird, da Geld ein Gut ist. Soweit Geld für den Kauf von Konsumgütern begehrt wird, nimmt der Nutzen einer „Unze“ von Konsumgütern ebenfalls ab, wenn neue Unzen erworben werden. Rothbard III 235 Geld/Rothbard: Viele Autoren haben sich geirrt, indem sie glaubten, dass Geld irgendwie von der Bildung von Geldpreisen abstrahiert werden kann und dass die Analyse die Angelegenheiten genau beschreiben kann, „als ob“ der Austausch wirklich durch Tauschhandel stattfände. Da Geld und Geldpreise alle Tauschvorgänge durchdringen, kann bei der Analyse der Preisbildung in einer Wirtschaft des indirekten Tauschs nicht vom Geld abstrahiert werden. >Preis/Rothbard, >Indirekter Tausch/Rothbard. Markt: Wie im Falle des direkten Austauschs wird es auf dem Markt immer die Tendenz geben, dass sich für jedes Gut ein Geldpreis bildet. (...) die Determinanten sind die individuellen Wertmaßstäbe, ausgedrückt durch Nachfrage- und Angebotsschemata. Rothbard III 237 Kaufkraft/Rothbard: Für jedes Gut außer Geld ist also die Kaufkraft seiner Einheit identisch mit dem Geldpreis, den es auf dem Markt erzielen kann. Was ist die Kaufkraft der Geldeinheit? Offensichtlich kann die Kaufkraft z. B. einer Unze Gold nur im Verhältnis zu allen Gütern betrachtet werden, die mit dieser Unze gekauft werden können oder zu deren Kauf sie beitragen kann. Die Kaufkraft der Geldeinheit besteht aus der Gesamtheit der Güterpreise in der Gesellschaft in Bezug auf diese Einheit.(1) Es ist offensichtlich, dass die Geldware und die Determinanten ihrer Kaufkraft eine Komplikation in die Nachfrage- und Angebotspläne der Tauschbedingungen einführen, da die Nachfrage- und Angebotssituation für Geld eine einzigartige ist. >Preis/Rothbard, >Geldmenge, >Geldnachfrage/Rothbard, >Angebotsplan, >Nachfrageplan. Rothbard III 265 Geld/Rothbard: Z. B. Oppertunitätskosten: Es sollte beachtet werden, dass diese Kosten sich auf eine Entscheidung über eine Grenzeinheit beziehen, gleich welcher Größe, und dass dies auch die „Grenzkosten“ der Entscheidung sind. Diese Kosten sind subjektiv und werden auf der Werteskala des Einzelnen eingestuft. Rothbard III 267 Man könnte meinen, und viele Autoren haben dies angenommen, dass Geld hier die Funktion erfüllt hat, die Nutzen der verschiedenen Individuen zu messen und vergleichbar zu machen. Es hat jedoch nichts dergleichen getan. Der Grenznutzen von Geld unterscheidet sich von Person zu Person, genau wie der Grenznutzen jedes anderen Gutes. Die Tatsache, dass man mit einer Unze Geld verschiedene Güter auf dem Markt kaufen kann und dass solche Möglichkeiten allen offen stehen können, gibt uns keine Auskunft darüber, wie verschiedene Menschen diese verschiedenen Güterkombinationen einstufen werden. Es gibt keine Messung oder Vergleichbarkeit im Bereich der Werte oder Ränge. Geld ermöglicht nur die Vergleichbarkeit von Preisen, indem es Geldpreise für jedes Gut festlegt. Geldregression: Um den Preis eines Gutes zu bestimmen, analysieren wir den Marktnachfrageplan für das Gut; dieser hängt wiederum von den individuellen Nachfrageplänen ab; diese wiederum werden durch die Wertrangfolge der einzelnen Einheiten des Gutes und der Geldeinheiten bestimmt, die sich aus den verschiedenen alternativen Verwendungsmöglichkeiten des Geldes ergeben; letztere Alternativen hängen jedoch wiederum von gegebenen Preisen der anderen Güter ab. Rothbard III 268 Eine hypothetische Nachfrage nach Eiern muss einen bestimmten Geldpreis für Butter, Kleidung usw. als gegeben voraussetzen. Aber wie können dann Wertskalen und Nutzen verwendet werden, um die Bildung von Geldpreisen zu erklären, wenn diese Wertskalen und Nutzen selbst von der Existenz von Geldpreisen abhängen? Es ist offensichtlich, dass dieses äußerst wichtige Problem der Zirkularität (X hängt von Y ab, während Y von X abhängt) nicht nur in Bezug auf Entscheidungen der Verbraucher, sondern auch in Bezug auf jede Austauschentscheidung in der Geldwirtschaft besteht. (…) der Grenznutzen der Geldzugabe für den Verkäufer der Aktie beruht darauf, dass es sich bereits um Geld handelt und dass er über andere Güter verfügt, die der Verkäufer kaufen wird - Konsumgüter und Produktionsfaktoren gleichermaßen. Der Grenznutzen des Verkäufers hängt daher auch von der vorherigen Existenz von Geldpreisen für die verschiedenen Güter in der Wirtschaft ab. >Regressionstheorem. Ähnlich verhält es sich für den Arbeiter, Grundbesitzer, Investor oder Eigentümer eines Kapitalguts: Beim Verkauf seiner Dienstleistungen oder Waren hat Geld einen Grenznutzen der Addition, der eine notwendige Voraussetzung für seine Entscheidung zum Verkauf der Waren ist und daher seine Angebotskurve für das Gut gegen Geld bestimmt. Und doch hängt dieser Grenznutzen immer davon ab, dass es eine vorherige Reihe von Geldpreisen gibt. Rothbard III 269 Lösung/Mises/Rothbard: Die Lösung dieses entscheidenden Problems der Zirkularität wurde von Professor Ludwig von Mises in seiner bemerkenswerten Theorie der Geldregression bereitgestellt.(2) Die Theorie der Geldregression kann erklärt werden, indem man den Zeitraum untersucht, der in jedem Teil unserer Analyse berücksichtigt wird. Definieren wir einen „Tag“ als den Zeitraum, der gerade ausreicht, um die Marktpreise aller Güter in der Gesellschaft zu bestimmen. Am Tag X wird dann der Geldpreis jedes Gutes durch die Wechselwirkungen der Angebots- und Nachfragepläne von Geld und dem Gut durch die Käufer und Verkäufer an diesem Tag bestimmt. Jeder Käufer und Verkäufer bewertet Geld und das jeweilige Gut nach dem relativen Grenznutzen der beiden für ihn. Daher wird ein Geldpreis am Ende des Tages X durch die Grenznutzen des Geldes und des Gutes bestimmt, wie sie am Anfang des Tages X existierten. Aber der Grenznutzen des Geldes basiert (…) auf einer zuvor existierenden Reihe von Geldpreisen. Geld wird aufgrund seiner bereits existierenden Geldpreise nachgefragt und als nützlich erachtet. Daher wird der Preis eines Gutes am Tag X durch den Grenznutzen des Gutes am Tag X und den Grenznutzen des Geldes am Tag X bestimmt, der wiederum von den Preisen der Güter am Tag X – 1 abhängt. Die ökonomische Analyse der Geldpreise ist daher nicht zirkulär. >Zirkularität/Philosophie. Rothbard III 756 Geld/Rothbard: Geld ist eine Ware, die als allgemeines Tauschmittel dient; seine Tauschvorgänge durchdringen daher das Wirtschaftssystem. Wie alle Waren hat es eine Marktnachfrage und ein Marktangebot, obwohl seine besondere Situation ihm viele einzigartige Eigenschaften verleiht. „Preis“ des Geldes: (...) sein ‚Preis‘ hat keinen eindeutigen Ausdruck auf dem Markt. Andere Waren lassen sich alle in Geldeinheiten ausdrücken und haben daher eindeutig identifizierbare Preise. Die Geldware hingegen kann nur durch eine Reihe aller anderen Waren ausgedrückt werden, d. h. durch alle Waren und Dienstleistungen, die man mit Geld auf dem Markt kaufen kann. Messen: Diese Menge hat keine eindeutig ausdrückbare Einheit, und (...) Veränderungen in der Menge können nicht gemessen werden. Dennoch ist das Konzept des „Preises“ oder des „Wertes“ des Geldes oder der „Kaufkraft der Geldeinheit“ nicht weniger real und wichtig für all das. Tauschwert: Man muss sich einfach vor Augen halten, dass es (...) kein einheitliches „Preisniveau“ oder eine messbare Einheit gibt, mit der sich der Tauschwert des Geldes ausdrücken lässt. Diesem Tauschwert des Geldes kommt auch deshalb eine besondere Bedeutung zu, weil der Hauptzweck der Geldware im Gegensatz zu anderen Waren darin besteht, jetzt oder in Zukunft gegen unmittelbar konsumierbare oder produktive Waren getauscht zu werden. >Geldnachfrage/Rothbard, >Geldmenge/Rothbard, >Geldumlauf/Rothbard, >Kaufkraft/Rothbard. Rothbard III 817 Geld/Rothbard: (...) Geld kann niemals neutral sein. Eine Reihe von Bedingungen, die dazu neigen, die PPM zu erhöhen, kann niemals eine andere Reihe von Faktoren, die dazu neigen, sie zu senken, genau ausgleichen. >Kaufkraft/Rothbard, >Wirtschaft/Rothbard, >Geldmarkt/Rothbard. Nehmen wir also an, dass eine Erhöhung des Warenbestands die PPM (purchasing power per monetary unit; Kaufkraft) tendenziell erhöht, während eine Erhöhung der Geldmenge sie gleichzeitig tendenziell senkt. Die eine Veränderung kann die andere niemals ausgleichen; denn eine Veränderung wird eine Reihe von Preisen mehr als andere senken, während die andere eine andere Reihe von Preisen innerhalb der gesamten Preispalette erhöhen wird. >Preis/Rothbard. 1. Siehe Mises, Theory of Money and Credit. New Haven, Conn.: Yale University Press, 1953 and 1957. Reprinted by Liberty Fund, 1995. Mises, Richard von. Probability, Statistics, and Truth, 2nd ed. New York: Macmillan, 1957. Reprinted by Dover Publications, 1981.S. 97-123, und Human Action, New Haven, Conn.: Yale University Press, 1949. Nachdruck Ludwig von Mises Institut, 1998. S. 405-08. Siehe auch Schumpeter, History of Economic Analysis, New York: Oxford University Press, [1954] 1996 S. 1090. Dieses Problem behinderte die Entwicklung der Wirtschaftswissenschaft, bis Mises die Lösung lieferte. Da es nicht gelöst werden konnte, verzweifelten viele Ökonomen daran, jemals eine zufriedenstellende ökonomische Analyse der Geldpreise zu erstellen. Sie sahen sich veranlasst, die fundamentale Analyse der Geldpreise aufzugeben und die Preise von Gütern vollständig von ihren Geldkomponenten zu trennen. In diesem Irrglauben nahmen sie an, dass die einzelnen Preise ganz wie im Tauschhandel ohne Geldkomponenten bestimmt werden, während das Angebot an und die Nachfrage nach Geld ein imaginäres Gebilde namens „allgemeines Preisniveau“ bestimmen. Die Ökonomen begannen, sich getrennt zu spezialisieren in eine „Preistheorie“, die vom Geld in seinen realen Funktionen völlig abstrahierte, und eine „Geldtheorie“, die von den einzelnen Preisen abstrahierte und sich ausschließlich mit einem mythischen „Preisniveau“ befasste. Erstere beschäftigte sich ausschließlich mit einem bestimmten Preis und seinen Determinanten, letztere ausschließlich mit der „Wirtschaft als Ganzes“ ohne Bezug zu den einzelnen Komponenten - „Mikroökonomie“ bzw. „Makroökonomie“ genannt. Tatsächlich führen solche falschen Prämissen unweigerlich zu falschen Schlussfolgerungen. Für die Wirtschaftswissenschaften ist es sicherlich legitim und notwendig, bei der Analyse der Wirklichkeit verschiedene Segmente zu isolieren, um sie im weiteren Verlauf der Analyse zu konzentrieren. Es ist jedoch nicht legitim, durch diese Trennung die Wirklichkeit zu verfälschen, so dass die abschließende Analyse kein richtiges Bild der einzelnen Teile und ihrer Wechselwirkungen ergibt. 2. Viele Autoren interpretieren die „Kaufkraft der Geldeinheit“ als eine Art „Preisniveau“, eine messbare Größe, die aus einer Art Durchschnitt „aller Güter zusammen“ besteht. Die großen klassischen Ökonomen haben diesen falschen Standpunkt nicht vertreten: Wenn sie ohne ausdrückliche Einschränkung vom Wert des Geldes oder vom Preisniveau sprechen, meinen sie das Preisgefüge, sowohl von Waren als auch von Dienstleistungen, in seiner ganzen Besonderheit und ohne bewusste Andeutung irgendeines statistischen Durchschnitts. (Jacob Viner, Studies in the Theory of International Trade [New York: Harper & Bros., 1937], S. 314) Vgl. auch Joseph A. Schumpeter, History of Economic Analysis (New York: Oxford University Press, 1954), S. 1094. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Genie | Kant | Gadamer I 58 Genie/Kunst/Kant/Gadamer: Die Irrationalität des Genies macht (...) ein Moment produktiver Regelschöpfung namhaft, das für den Schaffenden wie für den Genießenden gleichartig zur Ausweisung kommt. Es gibt dem Werk der schönen Kunst gegenüber keine Möglichkeit, seinen Gehalt anders zu ergreifen als in der einmaligen Gestalt des Werks und in dem von keiner Sprache je völlig erreichbaren Geheimnis seines Eindrucks. Der Begriff des Genies entspricht daher dem, was Kant am ästhetischen Geschmack als das Entscheidende ansieht, nämlich das erleichterte Gadamer I 59 Spiel der Gemütskräfte, die Steigerung des Lebensgefühls, die sich aus der Zusammenstimmung von Einbildungskraft und Verstand erzeugt und angesichts des Schönen zum Verweilen einlädt. Genie ist vollends eine Erscheinungsweise dieses belebenden Geistes. Gegenüber der starren Regelhaftigkeit der Schulmeisterei beweist das Genie freien Schwung der Erfindung und damit musterbildende Originalität.(1) Gadamer I 59 Geschmack/Genie: zu Verhältnis von Geschmack und Genie: (...) grundsätzlich steht der Geschmack auf demselben Grunde mit dem Genie. Die Kunst des Genies besteht darin, das freie Spiel der Erkenntniskräfte mitteilbar zu machen. Das leisten die ästhetischen Ideen, die es erfindet. Mitteilbarkeit des Gemütszustandes, der Lust, kennzeichnete aber auch das ästhetische Wohlgefallen des Geschmacks. Er ist ein Vermögen der Beurteilung, also ein Reflexionsgeschmack, aber das, worauf er reflektiert, ist nur jener Gemütszustand der Belebung der Erkenntniskräfte, der sich ebenso wohl am Naturschönen wie am Kunstschönen ergibt. Die systematische Bedeutung des Geniebegriffs ist dagegen auf den Sonderfall des Kunstschönen beschränkt, die Reichweite des Geschmacksbegriffs ist universal. Psychologie/Genie/Kant/Gadamer: Kant macht den Geniebegriff ganz und gar seiner transzendentalen Fragestellung dienstbar und gleitet nicht in die empirische Psychologie ab. Gadamer I 60 Genie/Kant/Gadamer: Das Genie ist ein Günstling der Natur - ähnlich wie die Naturschönheit als eine Gunst der Natur angesehen wird. Schöne Kunst muss als Natur anzusehen sein. Durch das Genie gibt die Natur der Kunst die Regel. In all diesen Wendungen(2) ist der Naturbegriff der unangefochtene Maßstab. >Ästhetische Erfahrung/Kant. Gadamer I 63 Der kantische Satz „Schöne Kunst Gadamer I 64 ist Kunst des Genies“ wird (...) zum transzendentalen Grundsatz für die Ästhetik überhaupt. Ästhetik ist am Ende nur als Philosophie der Kunst möglich. Gadamer I 65 (...) Kants wesentliches Anliegen, eine autonome, vom Maßstab des Begriffs befreite Grundlegung der Ästhetik zu leisten und die Frage nach der Wahrheit im Bereiche der Kunst überhaupt nicht zu stellen, sondern das ästhetische Urteil auf das subjektive Apriori des Lebensgefühls, die Harmonie unseres Vermögens zur „Erkenntnis überhaupt“zu begründen, die das gemeinsame Wesen von Geschmack und Genie ausmacht, [kam] dem Irrationalismus und dem Geniekult des 19. Jahrhunderts entgegen. Kants Lehre von der „Steigerung des Lebensgefühls“ im ästhetischen Wohlgefallen förderte die Entfaltung des Begriffes „Genie“ zu einem umfassenden Lebensbegriff, insbesondere nachdem Fichte den Standpunkt des Genies und der genialen Produktion zu einem universalen transzendentalen Standpunkt erhoben hatte. So kam es, daß der Neukantianismus, indem er alle gegenständliche Geltung aus der transzendentalen Subjektivität abzuleiten suchte, den Begriff Gadamer I 66 des Erlebnisses als die eigentliche Tatsache des Bewusstseins auszeichnete. >Erlebnis/Gadamer. 1. Vgl. Kant, Kritik der Urteilskraft § 46. 2. Ebenda S. 181 |
I. Kant I Günter Schulte Kant Einführung (Campus) Frankfurt 1994 Externe Quellen. ZEIT-Artikel 11/02 (Ludger Heidbrink über Rawls) Volker Gerhard "Die Frucht der Freiheit" Plädoyer für die Stammzellforschung ZEIT 27.11.03 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Gerechtigkeit | Liberalismus | Gaus I 96 Gerechtigkeit/Liberalismus/Waldron: Wir sollten die Strategie der politischen Liberalen nicht als eine Strategie des Versuchs verstehen, jede Grundlage für Meinungsverschiedenheiten über Gerechtigkeit zu unterdrücken. Politische Liberale sollten über Gerechtigkeit als ein Thema nachdenken, das natürlich auch dann Uneinigkeit hervorruft, wenn der Einfluss rivalisierender umfassender Begriffe außer Acht gelassen wird. ((s) Für die Unterscheidung zwischen politischem und umfassendem Liberalismus siehe >Liberalismus/Waldron). Rechte/Gesetz/Gesellschaft/Waldron: Die Tatsache, dass eine Hauptquelle der Meinungsverschiedenheiten beseitigt ist, sollte uns nicht zu der Annahme verleiten - was viele politische Theoretiker fälschlicherweise in Bezug auf Rechte annehmen -, dass das, was gerecht und ungerecht ist, in einem Bereich von Prinzipien bestimmt werden kann, der jenseits der Politik liegt, in einem Bereich der philosophischen Auseinandersetzung, in dem politische Verfahren wie Wahlen nicht notwendig sein werden. Wie die individuellen Rechte bleibt auch die Gerechtigkeit ein heftig umkämpftes Thema, und obwohl die Anfechtung vermindert werden kann, wird sie durch die Strategien, die der oder die politische Liberale vorschlägt, nicht beseitigt. Überlappender Konsens/WaldronVsRawls: Soziale Gerechtigkeit wirft schließlich Bedenken auf, die mit der Strategie der Vagheit oder Ausflucht, die mit dem überlappendem Konsens verbunden ist, kaum zu bewältigen sind - indem man eine Reihe von Anodyne-Formeln aufstellt, die für alle Menschen alles bedeuten können. >Überlappender Konsens/Rawls, >Überlappender Konsens/Waldron. Gaus I 97 Gerechtigkeit/Waldron: Eine Theorie der Gerechtigkeit (...) ist nicht nur ein Satz esoterischer Formeln; sie soll etwas Öffentliches sein, etwas, das unter den Bürgern als gemeinsamer Bezugspunkt für ihre Debatten über die Verteilung von Rechten und Pflichten geteilt wird. Der politische Liberalismus hat also auch Auswirkungen darauf, worauf diese gemeinsame Vorstellung von Gerechtigkeit hinausläuft. Beispiel: (...) z.B. darf ein Linksliberaler wie ich ((s) Jeremy Waldron) zu einem Sozialdarwinisten nicht sagen, dass selbst der oder die Schwächste Anspruch auf unser Mitleid hat, weil er oder sie nach dem Bild Gottes geschaffen ist. Ich muss einen Weg finden, meinen Standpunkt zur Gleichheit zu formulieren, der auch von Menschen, die meine religiösen Überzeugungen nicht teilen, bejaht werden kann. Ebenso darf ein christlich-geprägter Konservativer Gesetze, die die Abtreibung einschränken, nicht mit der Begründung rechtfertigen, dass Föten Seelen haben, da auch dies in einer umfassenden Konzeption wurzelt, von der er nicht erwarten kann, dass andere sie teilen. Gaus I 98 (...) das dative Element (...) - dass die politische Rechtfertigung als Rechtfertigung gegenüber jedem Einzelnen verstanden wird - kann auf mehr als eine Weise verstanden werden. a) Es kann als Erfordernis verstanden werden, dass die Rechtfertigung politischer Arrangements auf das Wohl oder die Interessen jedes einzelnen, der diesen Arrangements unterworfen ist, ausgerichtet sein sollte. Ich werde dies die "interessengeleitete" Interpretation nennen. b) Oder es kann als Anforderung verstanden werden, dass die Rechtfertigung einer politischen Entscheidung plausibel und geeignet sein muss, alle, die den Vereinbarungen unterliegen, zu überzeugen. Ich werde dies die "prämissenbezogene" Interpretation nennen, weil sie "Rechtfertigung gegenüber X" als Rechtfertigung versteht, die versucht, an Prämissen anzuknüpfen, zu denen X bereits verpflichtet ist. Rawls/Waldron: Der politische Liberalismus von Rawls geht eindeutig von dem aus, was ich die "prämissenbezogene" Interpretation der Forderung genannt habe, dass politische Rechtfertigung eine Rechtfertigung gegenüber jedem Einzelnen sein muss. >Gerechtigkeit/Waldron. Waldron: Es ist jedoch auch wichtig zu sehen, dass das Interesse an der Interpretation der Rechtfertigung für alle aufrechterhalten werden kann, selbst wenn die Prämisse der Interpretation aufgegeben wird. >Liberalismus/Waldron. Waldron, Jeremy 2004. „Liberalism, Political and Comprehensive“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications. |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Gesamtheit | Gesamtheit, Philosophie: Eine Gegebenheit, die durch Angabe von Merkmalen, Eigenschaften, Regeln, möglichen Zuständen, möglichen Handlungen, möglichen Veränderungen usw. beschrieben werden kann. Unmöglich sind Aussagen über Gesamtheiten, wenn dabei erforderlich ist, dass der Standpunkt für diese Aussagen gleichzeitig innerhalb und außerhalb dieser Gesamtheit lokalisiert sein müsste. Siehe auch Paradoxien, Ganzes, Mengenlehre, Allklasse, Allmenge, Mereologische Summe, Mereologie, >Systeme, Außen/innen. |
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| Geschichte | Vico | Gadamer I 226 Geschichte/Natur/Vico/Gadamer: Vico [hat] im Gegenschlag zu dem cartesianischen Zweifel und der durch ihn begründeten Gewissheit mathematischer Erkenntnis der Natur den erkenntnistheoretischen Primat der von den Menschen gemachten Welt der Geschichte behauptet (…). Gadamer I 231 Dilthey: Der alte Vorzug, den schon Vico den geschichtlichen Gegenständen zusprach, begründet nach Dilthey die Universalität, mit der das Verstehen sich der geschichtlichen Welt bemächtigt. Gadamer: Die Frage ist jedoch, ob auf dieser Basis der Übergang vom psychologischen zum hermeneutischen Standpunkt wirklich gelingt oder ob sich Dilthey dabei in Problemzusammenhänge verstrickt, die ihn in eine ungewollte und uneingestandene Nähe zum spekulativen Idealismus bringen. Gadamer I 235 GadamerVsVico: Ist Vicos oft genannte Formel [von der “erkenntnistheoretischen Erleichterung”] (…) überhaupt richtig? Überträgt sie nicht eine Erfahrung des menschlichen Kunstgeistes auf die geschichtliche Welt, in der man von „Machen“ d. h. von Planen und Ausführen angesichts des Laufs der Dinge überhaupt nicht reden kann? Wo soll hier die erkenntnistheoretische Erleichterung herkommen? Ist es nicht in Wahrheit eine Erschwerung? Muss nicht die geschichtliche Bedingtheit des Bewusstseins eine unüberwindliche Schranke dafür darstellen, dass es sich in geschichtlichem Wissen vollendet? Gadamer I 378 Historismus/Gadamer: Es ist die Verführung des Historismus, in [einer] Reduktion die Tugend der Wissenschaftlichkeit zu sehen und im Verstehen eine Art von Rekonstruktion zu erblicken, die die Entstehung des Textes gleichsam wiederholt, Er folgt damit dem uns aus der Naturerkenntnis Gadamer I 379 bekannten Erkenntnisideal, wonach wir einen Vorgang erst dann verstehen, wenn wir ihn künstlich herbeiführen können. GadamervsVico: der Satz von Vico ist [fragwürdig], demzufolge dieses Ideal seine reinste Erfüllung in der Geschichte findet, weil dort der Mensch seiner eigenen menschlich-geschichtlichen Wirklichkeit begegne. Wir haben dagegen betont, dass ein jeder Historiker und Philologe mit der grundsätzlichen Unabschließbarkeit des Sinnhorizontes rechnen muss. >Horizont/Gadamer, >Erfahrung/Gadamer. |
Vico I Giambattista Vico Prinzipien einer neuen Wissenschaft über die gemeinsame Natur der Völker Hamburg 2009 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Geschlechterrollen | Rawls | I 99 Geschlechterrollen/Rawls: Gerechtigkeit als Fairness beurteilt ein Sozialsystem aus der Position gleicher Bürgerrechte und den verschiedenen Ebenen von Wohlstand und Einkommen. >Rollen/Rawls. Es gibt jedoch natürliche Eigenschaften, die zur ungleichen Verteilung von relevanten Positionen führen und die nicht geändert werden können, z.B. die Geschlechterrollen. Ungleichheit/Lösung/Rawls: hier hilft das Differenzprinzip (>Differenzprinzip/Rawls), die Ungleichheiten zu mildern: benachteiligte Gruppen müssen stets von einer Ungleichheit profitieren. Solche Ungleichheiten kommen aber selten vor. >Ungleichheit. In Konfliktfällen gilt, dass die Interessen eines allgemeineren Standpunkts die Interessen einer individuelleren Position überwiegen. >Konflikte. |
Rawl I J. Rawls A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005 |
| Geschmack | Gadamer | I 41 Geschmack/Gadamer: Die Geschichte des Geschmacksbegriffs folgt (...) der Geschichte des Absolutismus von Spanien (>Geschmack/Gracian) nach Frankreich und England und fällt mit der Vorgeschichte des dritten Standes zusammen. Geschmack ist nicht nur das Ideal, das eine neue Gesellschaft aufstellt, sondern erstmals bildet sich im Zeichen diese Ideals des „guten Geschmacks“ das, was man seither die "gute Gesellschaft" nennt. Sie erkennt sich und legitimiert sich nicht mehr durch Geburt und Rang, sondern grundsätzlich durch nichts als die Gemeinsamkeit ihrer Urteile oder besser dadurch, dass sie sich überhaupt über die Borniertheit der Interessen und die Privatheit der Vorlieben zum Anspruch auf Urteil zu erheben weiß. Im Begriff des Geschmacks ist also ohne Zweifel eine Erkenntnisweise gemeint. Es geschieht im Zeichen des guten Geschmacks, daß man zur Abstandnahme von sich selbst und den privaten Vorlieben fähig ist. Geschmack ist daher seinem eigensten Wesen nach nichts Privates, sondern ein gesellschaftliches Phänomen ersten Ranges. Vgl. >Geschmack/Kant. I 42 Die Entschiedenheit des Geschmacksurteils schließt seinen Geltungsanspruch ein. Guter Geschmack ist sich seines Urteils stets sicher, d. h. er ist seinem Wesen nach sicherer Geschmack, ein Annehmen und Verwerfen, das kein Schwanken, Schielen nach dem Anderen und kein Suchen nach Gründen kennt. Der Geschmack ist also eher so etwas wie ein Sinn. Es verfügt nicht vorgängig über eine Erkenntnis aus Gründen. >Mode/Gadamer, >Stil/Gadamer. I 44 So beschränkt sich der Geschmack keineswegs auf das Schöne in Natur und Kunst, es auf seine dekorative Qualität hin beurteilend, sondern umfasst den ganzen Bereich von Sitte und Anstand. Auch die Begriffe der Sitte sind ja nie als ein Ganzes gegeben oder normativ eindeutig bestimmt. Vielmehr ist die Durchordnung des Lebens durch die Regeln des Rechts und der Sitte eine unvollständige, der produktiven Ergänzung bedürftige. Es bedarf der Urteilskraft, die konkreten Fälle richtig einzuschätzen. I 62 Geschmack/Kunst/Gadamer: Es ist (...) einleuchtend, dass der Begriff des Geschmacks seine Bedeutung verliert, wenn das Phänomen der Kunst in den Vordergrund tritt. Der Standpunkt des Geschmacks ist gegenüber dem Kunstwerk ein sekundärer. Die Auswahlempfindlichkeit, die ihn ausmacht, hat gegenüber der Originalität des genialen Kunstwerks oft eine nivellierende Funktion. Der Geschmack meidet das Ungewöhnliche und Ungeheure. Er ist ein Oberflächensinn, er lässt sich nicht ein auf das Originale einer künstlerischen Produktion. Schon der Aufstieg des Geniebegriffes im 18. Jahrhundert zeigt eine polemische Spitze gegen den Begriff des Geschmacks. >Genie/Kant. I 90 Geschmack/Gadamer: (...) die Einheit eines Geschmacksideals, das eine Gesellschaft auszeichnet und verbindet, [ist] von dem, was die Figur der ästhetischen Bildung ausmacht, charakteristisch verschieden. Der Geschmack folgt noch einem inhaltlichen Maßstab. Was in einer Gesellschaft gilt, welcher Geschmack in ihr herrscht, das prägt die Gemeinsamkeit des gesellschaftlichen Lebens. Eine solche Gesellschaft wählt aus und weiß, was zu ihr gehört und was nicht. Auch der Besitz an künstlerischen Interessen ist für sie kein beliebiger und der Idee nach universaler, sondern was Künstler schaffen und was die Gesellschaft schätzt, gehört in der Einheit eines Lebensstiles und Geschmacksideals zusammen. Ästhetische Bildung: Die Idee der ästhetischen Bildung dagegen - wie wir sie von Schiller herleiten (>Ästhetik/Schiller) - besteht gerade darin, keinen inhaltlichen Maßstab mehr gelten zu lassen und die Einheit der Zugehörigkeit eines Kunstwerks zu seiner Welt aufzulösen. Ausdruck dessen ist die universale Ausbreitung des Besitzes, den das ästhetisch gebildete Bewusstsein für sich in Anspruch nimmt. >Bildung. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Gewinn und Verlust | Zerbe | Parisi I 359 Gewinn und Verlust/Recht/Zerbe: Das Recht wird relevant bei der Bestimmung der Grundlage für die Entscheidung, was ein Gewinn oder ein Verlust ist. Gewinne und Verluste sind psychologische Zustände, die zum Teil durch das Recht bestimmt werden. Gewinne werden normalerweise von einem Standpunkt aus definiert, der Rechtsansprüche anerkennt; Gewinne treten auf, wenn ein neues Recht (oder Gut) erlangt wird. Die Gewinne werden anhand des WTP gemessen, die Kosten anhand des WTA, d. h. der Entschädigung, die erforderlich ist, um den Verlust zu akzeptieren. Dies beruht auf der Annahme, dass das Recht einen psychologischen Bezugspunkt festlegt, von dem aus man einen Gewinn oder Verlust erfährt. Wenn das Recht teilbar ist, z. B. bei der Entscheidung über die Aufteilung eines Grundstücks, ist es für die BCA effizient, wenn das Recht an die Person geht, an die es gehen würde, wenn die Transaktionskosten gleich Null wären (Posner, 1972(1), S.18). Das heißt, solange Person A einen WTP hat, der den WTA von Person B übersteigt, würde das Recht an A gehen und umgekehrt. Bei der Aufteilung eines Stücks Land könnte also ein Teil an A und ein Teil an B gehen, je nachdem, wie hoch die WTP und die WTA sind. Dadurch würde im Allgemeinen ein Teil des Landes unbeansprucht bleiben, da der WTP der einen Person den WTA der anderen nicht übersteigen würde. Die Zuteilung des verbleibenden Teils würde dann durch eine Auktion anhand der WTP bestimmt, da jede zusätzliche Fläche für eine der beiden Parteien einen Gewinn darstellen würde, der anhand der WTP zu messen ist. >Zahlungsbereitschaft/Tversky/Kahneman. 1. Posner, Richard (1972). “A Theory of Negligence.” Journal of Legal Studies 29. Richard O. Zerbe. “Cost-Benefit Analysis in Legal Decision-making.” In: Parisi, Francesco (ed) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Vol 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University. |
Parisi I Francesco Parisi (Ed) The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017 |
| Gleichheit | Wittgenstein | Hintikka I 317 Das Problem des privaten Erlebens lässt sich als Problem des Vergleichens und Wiedererkennens deuten. (Wittgenstein). >Wiedererkennen, >Vergleiche. Farbe/Wittgenstein: "Die Unbestimmtheit im Begriff der Farbe liegt vor allem in der Unbestimmtheit des Begriffs der Farbengleichheit, also der Methode des Vergleichens der Farben." private Erlebnisse: die Schwierigkeit nicht, dass die Erinnerung trügen kann, sondern dass nicht definiert ist, was das eigentlich ist, woran wir uns erinnern sollen. "Denke an einen Menschen, der sich nicht an Schmerzen erinnern kann, aber das Wort beim Auftreten des Schmerz verwendet wie wir alle. >Schmerz. II 368 Gleichheit/Wittgenstein: Wenn man etwas über die Gleichheit der Längen sagt, sagt man etwas über die Methode - auch Zahlengleichheit kann mit vielen verschiedenen Methoden ermittelt werden. >Identität, >Ähnlichkeit. II 367 Messen/Wittgenstein: ebenso ist es, wenn ich gefragt werde, ob zwei Holzstücke gleich lang sind, worauf ich sie übereinander lege und mit ja antworte. >Messungen. Man könnte fragen, ob ich wisse, dass ihnen beim Messen nichts geschehen sei. Die Antwort ist, dass das Reden von der Gleichheit keine Bedeutung mehr hat, wenn jede Methode der Feststellung der Gleichheit abgelehnt wird! II 368 Wenn man die Gleichheit der Längen behauptet, so heißt das, dass man etwas über die Ermittlungsmethode aussagt. >Verifikationismus. Zahlengleichheit/Wittgenstein: die Aussage, dass Zahlen gleich sind, ist eine Aussage mit vielen verschiedenen Grammatiken. Mitunter können wir entweder die Zuordnung oder die Gleichzahligkeit nicht erkennen. Zuordnung/Wittgenstein: sie ist ein Bild, das in manchen Fällen sehr angebracht ist, in anderen gar nicht. Abb.: Dreiergruppen lassen sich nicht paarweise mit Vierergruppen verbinden. II 370 Hier scheinen wir etwas in Bezug auf die Realität bewiesen zu haben. >Realität, >Welt. IV 103 Identität/zeigen/sagen/Tractatus: 6.2322 Bsp Die Identität der Bedeutung zweier Ausdrücke lässt sich nicht behaupten. Gleichung: 6.2323 die Gleichung kennzeichnet nur den Standpunkt, von dem aus ich die beiden Ausdrücke betrachte, nämlich den ihrer Bedeutungsgleichheit. > Bezugssystem. IV 104 Mathematik: 6.2341 Das Wesentliche der mathematischen Methode ist es, mit Gleichungen zu arbeiten. >Gleichungen. Substitution: 6.24 Die Mathematik kommt durch die Substitutionsmethode zu den Gleichungen. >Substitution. |
W II L. Wittgenstein Vorlesungen 1930-35 Frankfurt 1989 W III L. Wittgenstein Das Blaue Buch - Eine Philosophische Betrachtung Frankfurt 1984 W IV L. Wittgenstein Tractatus logico-philosophicus Frankfurt/M 1960 Hintikka I Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka Untersuchungen zu Wittgenstein Frankfurt 1996 Hintikka II Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka The Logic of Epistemology and the Epistemology of Logic Dordrecht 1989 |
| Gleichheitszeichen | Quine | IX 9 Gleichheitszeichen/Quine: "=" ist ein zweistelliges Prädikat. IX 10 Zeichen/Zeichenvorrat/Theorie/Quine: jede Theorie hat ein Grundvokabular aus primitiven Prädikaten, vielleicht per definitionem eingeführt. Meist gibt es nur endlich viele, dann brauchen wir das Gleichheitszeichen "=" nicht dazuzuzählen. Denn wir können es dann mit Hilfe der übrigen definieren. ((s) "primitiv" heißt nicht "einstellig"). Gleichheitszeichen/Quine: Angenommen, das einzige Grundprädikat einer Theorie sei "φ". Dann können wir "=" durch die folgende Erklärung von "x = y" definieren: (1) ∀z[(φxz ‹› φyz) u (φzx ‹› φzy)]. Denn offensichtlich erweist sich "x= x" als einfaches Beispiel für ein gültiges Formelschema der Quantorenlogik. Dasselbe trifft für alle Spezialfälle von "(x = y u F) ›Fy", insofern sie Aussage sind, die außer"φ" kein weiteres Prädikat enthalten. Das sieht man so: man betrachte zunächst alle Ergebnisse, bei denen die von "Fx" und "Fy" dargestellten Aussagen sich nur an einer Stelle voneinander unterscheiden. der unmittelbare Kontext dieses einzigen Vorkommen muss dann entweder "φxv" und "φyv" oder "φvx" und "φvy" sein, wobei "v" irgendeine Variable bezeichnet, (vielleicht entweder x oder y). IX 23 Individuen/Elementbeziehung/Extensionalitätsaxiom/Quine: Vorschlag: "x ε y", wenn x ein Individuum ist, sei wahr oder falsch, je nachdem, b x = y oder x ≠ y. So verschwindet das Problem, das Extensionalitätsaxiom auf Individuen anzuwenden. "ε" von Individuen hat die Eigenschaft von "=". (Elementbeziehung von Individuen: Gleichheit! ( "ist Element von", "ist enthalten": wird zum Gleichheitszeichen vor Individuen). IX 26 Bis dahin ist das Gleichheitszeichen nur zwischen Klassenabstraktionstermen definiert. Zwischen Variablen brauchen wir weitere Hilfsmittel ...+... X 88 Logische Wahrheit/Struktur/Definition/Quine: unsere Definition der logischen Wahrheit bezog sich zwangsläufig auf die grammatische Struktur. Problem: diese Auffassung wird in Frage gestellt, wenn wir Identität (Identitätsprädikat „=“, Gleichheitszeichen) einführen. Identität/logische Wahrheit/Quine: die Zurückführung der logischen Wahrheit auf grammatische Struktur wird in Frage gestellt, wenn die Identität eingeführt wird, weil Bsp „x = x“ oder „x = y“ unter Umständen keine logische Wahrheit ist, weil man nicht alles einsetzen kann. ((s) >Intension: wegen ihr sind nicht alle Identitätssätze logische Wahrheiten. Quine: es geht darum, dass in einer logischen Wahrheit ein Prädikat durch ein anderes ersetzt werden können muss, aber das Gleichheitszeichen als Prädikat kann nicht durch andere Prädikate ersetzt werden. Identität/Logik/Quine: Wahrheiten der Identitätstheorie Bsp „x = x“, „Ey((x = y)“ oder „~(x = y . ~(y = x))“ ((s) Symmetrie der Identität) eignen sich nicht als logische Wahrheiten gemäß unseren Definitionen der logischen Wahrheit. Grund: sie können falsch werden, wenn man „=“ durch andere Prädikate ersetzt. Konsequenz. Sollen wir die Identität also nicht zur Logik rechnen, sondern zur Mathematik? Und zwar zusammen mit „ ›“ und „ε“? >Semantischer Aufstieg/Quine. III 268 Zwei verschiedene Bezeichnungen können für dasselbe Objekt stehen, wenn dazwischen das Gleichheitszeichen steht, ist die Gleichung wahr. Es wird damit nicht behauptet, dass die Bezeichnungen gleich seien! III 271 Gleichheitszeichen/Quine: „=“ ist ein gewöhnlicher relativer Term. Das Gleichheitszeichen wird nötig, weil zwei Variable sich auf dasselbe oder auf verschiedene Objekte beziehen können. Vom logischen Standpunkt aus ist der Gebrauch des Gleichheitszeichens zwischen Variablen fundamental, nicht der zwischen singulären Termini. III 293 Gleichheitszeichen/Ausdruckskraft/stärker/schwächer/Quine: wir gewinnen auch dadurch an Ausdruckskraft, dass das Gleichheitszeichen überflüssig wird ((s) wenn wir Klassen einführen). Statt „x = y“ sagen wir , dass x und y zu genau denselben Klassen gehören. D.h. (a)(x ε a . bik . y ε a) Identität/Mengen/Quine: die Identität von Klassen kann man gewissermaßen umgekehrt erklären: “a = b” bedeutet, daß a und b genau dieselben Elemente haben. Dann ist das Gleichheitszeichen einfach eine bequeme Abkürzung. Kennzeichnung/Gleichheitszeichen/Quine: wenn wir das Gleichheitszeichen haben, können wir uns den Luxus leisten, Kennzeichnungen einzuführen, ohne sie als primitive Grundbegriffe rechnen zu müssen. Denn mit dem Gleichheitszeichen können wir eine Kennzeichnung aus jedem Satz eliminieren. >Kennzeichnungen/Quine. |
Quine I W.V.O. Quine Wort und Gegenstand Stuttgart 1980 Quine II W.V.O. Quine Theorien und Dinge Frankfurt 1985 Quine III W.V.O. Quine Grundzüge der Logik Frankfurt 1978 Quine V W.V.O. Quine Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989 Quine VI W.V.O. Quine Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995 Quine VII W.V.O. Quine From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953 Quine VII (a) W. V. A. Quine On what there is In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (b) W. V. A. Quine Two dogmas of empiricism In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (c) W. V. A. Quine The problem of meaning in linguistics In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (d) W. V. A. Quine Identity, ostension and hypostasis In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (e) W. V. A. Quine New foundations for mathematical logic In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (f) W. V. A. Quine Logic and the reification of universals In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (g) W. V. A. Quine Notes on the theory of reference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (h) W. V. A. Quine Reference and modality In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (i) W. V. A. Quine Meaning and existential inference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VIII W.V.O. Quine Bezeichnung und Referenz In Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982 Quine IX W.V.O. Quine Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967 Quine X W.V.O. Quine Philosophie der Logik Bamberg 2005 Quine XII W.V.O. Quine Ontologische Relativität Frankfurt 2003 Quine XIII Willard Van Orman Quine Quiddities Cambridge/London 1987 |
| Gleichungen | Wittgenstein | II 97 A priori/Wittgenstein: Ausdrücke, die a priori aussehen, müssen erläutert werden. So wie derselbe Ausdruck Satz oder Hypothese sein kann, so kann derselbe Ausdruck auch Gleichung oder Hypothese sein. Wir müssen unterscheiden. Eine Gleichung hat Notwendigkeit. Sie ist eine Regel der Grammatik und deshalb willkürlich (sic). Fehler: da es wahr ist, dass die Mathematik a priori ist, glaubte man, es müsse auch eine Metaphysik a priori geben. >A priori, >Notwendigkeit. Gleichung/Hypothese/Wittgenstein: 2 + 2 = 4 ist im physikalischen Raum eine Hypothese und bedarf der Verifikation. Im Gesichtsfeld kann das nicht passieren. Vier Tropfen Regenwasser in zwei Zweiergruppen kann man ausschließlich als vier Tropfen sehen, während sie in der physikalischen Welt zusammenfließen und einen großen Tropfen bilden können. >Verifikation. II 354 WittgensteinVsRussell: Aber woher weiß man, dass sie einander zugeordnet sind? Dies kann man gar nicht wissen und demnach auch nicht, ob ihnen dieselbe Anzahl zukommt, es sei denn, man führt die Zuordnung durch, das heißt, man schreibt sie hin. II 354 Überdies kann man Russells Gleichheitszeichen eliminieren, und in diesem Fall kann man die Gleichungen gar nicht hinschreiben. >Gleichheitszeichen. Unterschied: Messen: Bsp numerische Gleichheit von Klassen oder Rechnen: Bsp gleiche Anzahl von Wurzeln einer Gleichung 4. Grades: das eine ist eine Messung, das andere eine Berechnung. >Messen. Gibt es ein Experiment, um festzustellen ob zwei Klassen dieselbe Anzahl zukommt? Bei Klassen, die sich nicht überblicken lassen könnte es der Fall sein oder auch nicht. II 355 Es ist ein schädliches Vorurteil, zu glauben, dass es sich um ein Experiment handelt, wenn man Striche benützt. >Experimente. II 409 Def Fundamentalsatz der Algebra/Wittgenstein: wonach jede Gleichung eine Lösung hat, ist völlig anders als der Satz der Multiplikation: 26x13=419. Es scheint ein isolierter Satz zu sein, der mit dem letzteren keine Ähnlichkeit hat. Wenn wir fragen, ob jede algebraische Gleichung eine Wurzel hat, hat die Frage kaum einen Inhalt. II 424 Wenn wir die Rechnung immer weiter durchführen, ist es so etwas wie eine Frage der Physik. Die mathematische Frage bezieht sich auf die ganze Gleichung, nicht auf eine Seite! >Physik. Identität/Bedeutung/Sinn/WittgensteinVsFrege/Tractatus: 6.232 Das Wesentliche an der Gleichung ist nicht, dass die Seiten verschiedenen Sinn aber gleiche Bedeutung haben, sondern das Wesentliche ist, dass die Gleichung nicht notwendig ist, um zu zeigen, dass die beiden Ausdrücke, die das Gleichheitszeichen verbindet, dieselbe Bedeutung haben, da sich dies aus den beiden Ausdrücken selbst ersehen lässt. >Analytizität, >Notwendigkeit, >Bedeutung, >Sinn, >Wesen. VI 118 Gleichung/Mathematik/Wittgenstein/Schulte: Gleichungen sind Scheinsätze - sie drücken keine Gedanken aus, sondern kennzeichnen einen Standpunkt, von dem aus man die Ausdrücke in der Gleichung betrachtet. |
W II L. Wittgenstein Vorlesungen 1930-35 Frankfurt 1989 W III L. Wittgenstein Das Blaue Buch - Eine Philosophische Betrachtung Frankfurt 1984 W IV L. Wittgenstein Tractatus logico-philosophicus Frankfurt/M 1960 |
| Gott | Wittgenstein | Hintikka I 374 Gott/göttlicher Standpunkt/ Wittgenstein/Hintikka: Könnte Gott in unsere Köpfe sehen, würde er die Gefühle, aber nicht die Referenz finden. - Hintikka: bei den Beispielen, wo er nichts sehen kann, geht es um Meinen. - ((s) Er könnte sehen, dass wir traurig sind, aber nicht, weswegen!). II 110 Bsp 1/3 = 0.333... hier gibt es keine bestimmte Mengen von Zahlen hinter dem Komma, und selbst für ein höheres Wesen könnte es sie nicht geben. >Gottesstandpunkt. II 407 Die Behauptung, Gott überblicke die gesamte Extension von π hat gar keine Bedeutung. Das einzige Kriterium des Vorhandenseins ist der tatsächliche Beweis, sofern es einen Beweis gibt. ((s) Vgl. >Intuitionismus.) IV 114 Gott/Tractatus: 6.432 Wie die Welt ist, ist für das Höhere vollkommen gleichgültig. Gott offenbart sich nicht in der Welt. >Welt, >Grenzen, >Zirkularität. VII 115 Gott/Tractatus/Wittgenstein/Tetens: Tagebuchaufzeichnungen während der Zeit des Tractatus: Die Welt ist mir gegeben, d.h. mein Wille tritt an die Welt von außen als etwas Fertiges heran. Daher haben wir das Gefühl, dass wir von einem fremden willen abhängig sind... in einem gewissen Sinne sind wir abhängig und das wovon wir abhängig sind, können wir Gott nennen“. (1969, S. 166f), Wittgenstein/mündlich: „Ich bin zwar kein religiöser Mensch, aber ich kann nicht anders: ich sehe jedes Problem von einem religiösen Standpunkt“ (laut Maurice O’Connor Drury, (Malcolm 1993(1), Rhees 1987(2), S., 121). 1. Norman Malcolm: Wittgenstein: A religious point of view? Routledge 1993 2. Rush Rhees, Ludwig Wittgenstein, Portraits und Gespräche, Frankfurt/M. 1987. |
W II L. Wittgenstein Vorlesungen 1930-35 Frankfurt 1989 W III L. Wittgenstein Das Blaue Buch - Eine Philosophische Betrachtung Frankfurt 1984 W IV L. Wittgenstein Tractatus logico-philosophicus Frankfurt/M 1960 Hintikka I Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka Untersuchungen zu Wittgenstein Frankfurt 1996 Hintikka II Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka The Logic of Epistemology and the Epistemology of Logic Dordrecht 1989 |
| Gut/Das Gute | Moore | Stegmüller IV 181 Argument der offenen Frage/gut/Definition/Moore: Angenommen jemand behaupte, "gut" könne man definieren als "der Lebensfreude förderlich". Dann könnten wir trotzdem immer noch die Frage verstehen: "zugegeben, es fördert die Lebensfreude, aber ist es auch gut?". Fazit: "Gut" muss eine einfache, nichtanalysierbare, nichtnatürliche Qualität bedeuten. StegmüllerVsMoore: Das kann sich nur auf das sittliche Gutsein beziehen. Vgl. >Gut/Plato, >Definitionen, >Definierbarkeit. Stegmüller IV 182 Wir könnten immer noch vermuten, dass es in moralischen und nichtmoralischen Kontexten einen gemeinsamen Bedeutungskern gibt. >Moral, >Ethik, >Kognitivismus, >Normen, >Gemeinschaft, >Gesellschaft, >Diskurs. Stegmüller IV 186 "Gut"/Moore/offene Frage/Mackie/Stegmüller: Die Lösung von Moores Problem: diejenigen Erfordernisse, in Bezug auf die wir fragen ob x gut ist, sind nicht identisch mit denen, für die wir bereits zugestanden haben, dass x ihnen genügt. Vs: Manche meinen, nur die Annahme objektiver Werte könne dem Argument der offenen Frage widerstehen. Nur vom Standpunkt der "Gesamtwirklichkeit" seien alle Erfordernisse berücksichtigt. >Objektivität. MackieVs: Es ist eine trügerische Hoffnung, dass es etwas gäbe, das allen denkbaren Arten von Erfordernissen genügen könnte. |
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| Hase-Enten-Kopf | Hase-Enten-Kopf: Beispiel für eine Gestalt, die in verschiedener Weise wahrgenommen werden kann und damit verschiedene Interpretationen ermöglicht. Das führt nach L. Wittgenstein zu einer Unterscheidung zwischen dem mentalen Bild, das die Eigenschaft der Mehrdeutigkeit hat und dem physischen Bild, das diese Eigenschaft nicht hat. (Vgl. H. Putnam, Von einem Realistischen Standpunkt, Frankfurt 1993 S. 178f). Siehe auch Mehrdeutigkeit, Perspektive, Sehen, Sehen-als, Wissen, Wahrnehmung, Sinneseindrücke. |
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| Hintergrund | Habermas | IV 191 Hintergrund/Habermas: Der Hintergrund ist ein Wissensvorrat aus unproblematischen gemeinsam als garantiert unterstellten Überzeugungen, aus dem sich jeweils der Kontext von Verständigungsprozessen bildet, in denen die Beteiligten bewährte Situationsdefinitionen benutzen oder neue aushandeln. >Konventionen, >Lebenswelt, >Kommunikatives Handeln/Habermas, >Kommunikationstheorie/Habermas, >Kommunikation/Habermas, >Kommunikative Praxis/Habermas, >Kommunikative Rationalität/Habermas. Die Kommunikationsteilnehmer finden den Zusammenhang zwischen objektiver, sozialer und subjektiver Welt, dem sie jeweils gegenüberstehen, bereits inhaltlich interpretiert vor. Wenn sie den Horizont einer gegebenen Situation überschreiben, könnten sie nicht ins Leere treten; sie finden sich sogleich in einem anderen, nun aktualisierten, jedoch vorinterpretierten Bereich des kulturell Selbstverständlichen wieder. Auch neue Situationen tauchen aus einer Lebenswelt auf, die aus einem immer schon vertrauten kulturellen Wissensvorrat aufgebaut ist. Dieser Lebenswelt gegenüber können die Handelnden ebenso wenig eine extramundane Stellung einnehmen wie gegenüber der Sprache als dem Medium der Verständigungsprozesse, durch die sich die Lebenswelt erhält. >Standpunkt, >Perspektive, >Beobachtung. |
Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |
| Historischer Materialismus | Mises | Rothbard II 373 Historischer Materialismus/Mises/Rothbard: Wir können die Marxsche Lehre folgendermaßen zusammenfassen: Am Anfang stehen die „materiellen Produktivkräfte“, d.h. die technische Ausrüstung der menschlichen Produktionsanstrengungen, die Werkzeuge und Maschinen. >Historischer Materialismus/Marx. Mises: Es ist keine Frage nach ihrem Ursprung erlaubt; sie sind, das ist alles; wir müssen annehmen, dass sie vom Himmel gefallen sind.(1) Rothbard: Und, so können wir hinzufügen, jede Veränderung in dieser Technologie muss daher ebenfalls vom Himmel fallen. Rothbard II 374 Wie von Mises außerdem gezeigt hat, ist in der Technik das Bewusstsein und nicht die Materie vorherrschend. Mises: Eine technische Erfindung ist nicht etwas Materielles. Sie ist das Produkt eines geistigen Prozesses, des Denkens und des Erdenkens neuer Ideen. Die Werkzeuge und Maschinen können als materiell bezeichnet werden, aber die Tätigkeit des Geistes, der sie geschaffen hat, ist sicherlich geistig. Der Marxsche Materialismus führt „überstrukturelle“ und „ideologische“ Phänomene nicht auf „materielle“ Wurzeln zurück. Er erklärt diese Phänomene als durch einen im Wesentlichen geistigen Prozess, nämlich die Erfindung, verursacht. (2) Rothbard: Maschinen sind verkörperte Ideen. Darüber hinaus erfordern technische Prozesse nicht nur Erfindungen. Sie müssen aus dem Erfindungsstadium herausgebracht und in konkreten Maschinen und Verfahren verkörpert werden. Das erfordert aber neben der Erfindung auch Ersparnisse und Kapitalinvestitionen. Wenn man diese Tatsache anerkennt, dann bestimmen die „Produktionsverhältnisse“, das Rechts- und Eigentumsrechtssystem in einer Gesellschaft, ob Sparen und Investitionen gefördert oder behindert werden. Noch einmal: Der richtige Kausalverlauf führt von Ideen, Prinzipien und dem rechtlichen und eigentumsrechtlichen „Überbau“ zur angeblichen „Basis“. Rothbard: In ähnlicher Weise wird nicht in Maschinen investiert, wenn es in einer Gesellschaft keine ausreichende Arbeitsteilung gibt. Noch einmal: Die gesellschaftlichen Verhältnisse, die kooperative Arbeitsteilung und der Austausch in der Gesellschaft, bestimmen das Ausmaß und die Entwicklung der Technik und nicht umgekehrt.(3) >Produktionsverhältnisse/Marx, >Technologie/Marx, >Historischer Materialismus/Marx. 1. Ludwig von Mises, Theory and History (1957, Auburn, Ala.: Mises Institute, 1985), pp. 111-2. 2. Ibid. pp. 109-110 3. In „Das Elend der Philosophie“ prangerte Marx Proudhon wütend an, weil dieser genau diesen Standpunkt vertrat, nämlich dass die Arbeitsteilung den Maschinen vorausging. |
EconMises I Ludwig von Mises Die Gemeinwirtschaft Jena 1922 Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Historisches Bewusstsein | Gadamer | I 365 Historisches Bewusstsein/Gadamer: [Gadamer stellt das historische Bewusstsein in einen Zusammenhang mit dem >Ich-Du-Verhältnis]: Das Ich-Du-Verhältnis ist ja kein unmittelbares, sondern ein Reflexionsverhältnis. Allem Anspruch entspricht ein Gegenanspruch. Darin entspringt die Möglichkeit, dass jeder der Partner des Verhältnisses den anderen reflektierend überspielt. Er beansprucht den Anspruch des anderen von sich aus zu kennen, ja sogar ihn besser zu verstehen, als er sich selbst versteht. Damit verliert das Du die Unmittelbarkeit, mit der es seinen Anspruch an einen richtet. Es wird verstanden, d, h. aber vom Standpunkt des anderen aus antizipiert und reflektierend abgefangen. I 366 Im hermeneutischen Bereich entspricht nun solcher Erfahrung des Du, was man im allgemeinen das historische Bewusstsein nennt. Das historische Bewusstsein weiß um die Andersheit des Anderen, um die Vergangenheit in ihrer Andersheit so gut, wie das Verstehen des Du dasselbe als Person weiß. Es sucht im Anderen der Vergangenheit nicht den Fall einer allgemeinen Gesetzmäßigkeit, sondern ein historisch Einmaliges. Indem es sich im Anerkennen desselben über alle eigene Bedingtheit ganz zu erheben beansprucht, ist es jedoch in einem dialektischen Schein befangen, da es in Wahrheit der Vergangenheit gleichsam Herr zu werden sucht. Das braucht nicht mit dem spekulativen Anspruch einer Philosophie der Weltgeschichte zu geschehen - es kann auch als ein Ideal der vollendeten Aufklärung dem Erfahrungsgange der historischen Wissenschaften voranleuchten, wie wir das etwa an Dilthey erkannten. >Historisches Bewusstsein/Dilthey. Wir haben den dialektischen Schein, den das historische Bewusstsein erzeugt und der dem dialektischen Schein der im Wissen vollendeten Erfahrung entspricht, in unserer Analyse des hermeneutischen Bewusstseins insoweit aufgedeckt, als das Ideal der historischen Aufklärung etwas Unvollziehbares ist. Wer seiner Vorurteilslosigkeit gewiss zu sein meint, indem er sich auf die Objektivität seines Verfahrens stützt und seine eigene geschichtliche Bedingtheit verleugnet, der erfährt die Gewalt der Vorurteile, die ihn unkontrolliert beherrschen, als eine vis a tergo. Wer die ihn beherrschenden Urteile nicht wahrhaben will, wird das verkennen, was sich in ihrem Lichte zeigt. Es ist wie im Verhältnis zwischen Ich und Du. >Objektivismus/Gadamer, >Vorurteil/Gadamer, >Methode/Gadamer. Lösung/Gadamer: Tradition, Überlieferung: In Überlieferungen I 367 stehen (...) schränkt nicht die Freiheit des Erkennens ein, sondern macht sie möglich. Offenheit: Diese Erkenntnis und Anerkennung nun ist es, die eine dritte, die höchste Weise hermeneutischer Erfahrung ausmacht: die Offenheit für die Überlieferung, die das wirkungsgeschichtliche Bewusstsein besitzt. Auch sie hat eine echte Entsprechung zu der Erfahrung des Du. Im mitmenschlichen Verhalten kommt es darauf an, wie wir sahen, das Du als Du wirklich zu erfahren, d. h, seinen Anspruch nicht zu überhören und sich etwas von ihm sagen zu lassen. Vgl. >Kritik/Schlegel. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Horizont | Gadamer | I 307 Horizont/Gadamer: Alle endliche Gegenwart hat ihre Schranken. Wir bestimmen den Begriff der Situation eben dadurch, dass sie einen Standort darstellt, der die Möglichkeiten des Sehens beschränkt. Zum Begriff der Situation gehört daher wesenhaft der Begriff des Horizontes. Horizont ist der Gesichtskreis, der all das umfasst und umschließt, was von einem Punkt aus sichtbar ist. In der Anwendung auf das denkende Bewusstsein reden wir dann von Enge des Horizontes, von möglicher Erweiterung des Horizontes, von Erschließung neuer Horizonte usw. Insbesondere hat der philosophische Sprachgebrauch seit Nietzsche und Husserl(1) das Wort verwendet, um die Gebundenheit des Denkens an seine endliche Bestimmtheit und das Schrittgesetz der Erweiterung des Gesichtskreises dadurch zu charakterisieren. Wer keinen Horizont hat, ist ein Mensch, der nicht weit genug sieht und deshalb das ihm Naheliegende überschätzt. >Horizont/Husserl, >Wirkungsgeschichte/Gadamer, vgl. >Situation/Gadamer, >Situation. I 309 Gibt es (...) zwei voneinander verschiedene Horizonte, den Horizont, in dem der Verstehende lebt, und den jeweiligen historischen Horizont, in den er sich versetzt? Ist die Kunst des historischen Verstehens dadurch richtig und zureichend beschrieben, dass man lerne, sich in fremde Horizonte zu versetzen? Gibt es überhaupt in diesem Sinne geschlossene Horizonte? Lösung/Gadamer: Der Horizont ist vielmehr etwas, in das wir hineinwandern und das mit uns mitwandert. Dem Beweglichen verschieben sich die Horizonte. So ist auch der Vergangenheitshorizont, aus dem alles menschliche Leben lebt und der in der Weise der Überlieferung da ist, immer schon in Bewegung. Es ist nicht erst das historische Bewusstsein, das den umschließenden Horizont in Bewegung bringt. In ihm ist sich diese Bewegung nur ihrer selbst bewusst geworden. Wenn sich unser historisches Bewusstsein in historische Horizonte versetzt, so bedeutet das nicht eine Entrückung in fremde Welten, die nichts mit unserer eigenen verbindet, sondern sie insgesamt bilden den einen großen, von Innen her beweglichen Horizont, der über die Grenzen des Gegenwärtigen hinaus die Geschichtstiefe unseres Selbstbewusstseins umfasst. In Wahrheit ist es also ein einziger Horizont, der all das umschließt, was das geschichtliche Bewusstsein in sich enthält. >Geschichte, >Geschichtsschreibung. I 311 Verstehen: Es gibt so wenig einen Gegenwartshorizont für sich, wie es historische Horizonte gibt, die man zu gewinnen hätte. Vielmehr ist Verstehen immer der Vorgang der Verschmelzung solcher vermeintlich für sich seiender Horizonte. >Verstehen. I 392 Horizont/Gadamer: Def Horizontverschmelzung: [Es] handelt (...) sich im Verstehen ganz gewiss nicht um ein „historisches Verständnis“ das die Entsprechung des Textes rekonstruierte. Vielmehr meint man den Text selbst zu verstehen. Das bedeutet aber, dass die eigenen Gedanken des Interpreten in die Wiedererweckung des Textsinnes immer schon mit eingegangen sind. Insofern ist der eigene Horizont des Interpreten bestimmend, aber auch er nicht wie ein eigener Standpunkt, den man festhält oder durchsetzt, sondern mehr wie eine Meinung und Möglichkeit, die man ins Spiel bringt und aufs Spiel setzt und die mit dazu hilft, sich wahrhaft anzueignen, was in dem Texte gesagt ist. >Text. 1. Darauf hat ehedem H. Kuhn bereits hingewiesen. Vgl. „The Phenomenological Concept of „Horizon«“ (Philosophical Essays in Memory of Husserl, ed. M. Faber) Cambrigde 1940, S. 106—123. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Horizont | Husserl | Gadamer I 250 Horizont/Zeitbewusstsein/Husserl/Gadamer: [Mit dem Begriff des Horizonts] sucht Husserl offenbar den Übergang aller ausgegrenzten Intentionalität des Meinens in die tragende Kontinuität des Ganzen einzufangen. Ein Horizont ist ja keine starre Grenze, sondern etwas, das mitwandert und zum weiteren Vordringen einlädt. So entspricht der Horizont-lntentionalität, die die Einheit des >Erlebnisstromes konstituiert, eine ebenso umfassende Horizont-lntentionalität auf der gegenständlichen Seite. Denn alles als seiend Gegebene ist weltlich gegeben und führt damit den Welthorizont mit sich. >Gegebenheitsweise. Selbstkritik/HusserlVsHusserl: Husserl hat in seinen Retraktationen zu Ideen I in ausdrücklicher Selbstkritik hervorgehoben, dass ihm damals (1923) noch nicht genügend die Bedeutung des Weltphänomens aufgegangen sei(1). Die Theorie der transzendentalen Reduktion, die er in den Ideen mitgeteilt hatte, musste sich damit mehr und mehr komplizieren. Die bloße Aufhebung der Geltung der objektiven Wissenschaften konnte nicht mehr genügen, denn auch im Vollzug der „Epoche“, der Aufhebung der Seinssetzung der wissenschaftlichen Erkenntnis, bleibt die Welt als eine vorgegebene in Geltung. Insofern ist die erkenntnistheoretische Selbstbesinnung, die nach dem Apriori, den eidetischen Wahrheiten der Wissenschaften, fragt, nicht radikal genug. HussersVsNeukantianismus/DiltheyVsNeukantianismus: Das ist der Punkt, an dem sich Husserl mit den Intentionen Diltheys in einem gewissen Einklang wissen konnte. In ähnlicher Weise hatte Dilthey den Kritizismus der Neukantianer bekämpft, sofern ihm der Rückgang auf das erkenntnistheoretische Subjekt nicht genügte. >Subjekt/Dilthey. Dilthey: »ln den Adern des erkennenden Subjekts, das Locke, Hume und Kant konstruieren, rinnt nicht wirkliches Blut«.(2) Dilthey selbst ging auf die Lebenseinheit zurück, auf den „Standpunkt des Lebens“ und ganz ähnlich ist Husserls „Bewusstseinsleben“ ein Wort, das er anscheinend von Natorp übernommen hat, bereits ein Anzeiger für die sich später breit durchsetzende Tendenz, nicht nur einzelne Bewusstseinserlebnisse, sondern die verhüllten, anonymen impliziten Inten- Gadamer I 251 tionalitäten des Bewusstseins zu studieren und auf diesem Wege das Ganze aller objektiven Seinsgeltung verständlich zu machen. Später heißt das: die Leistungen des „leistenden Lebens“ aufklären. >Subjektivität/Husserl. 1. Husserl Ill, 390: »Der große Fehler, dass von der natürlichen Welt (ohne sie als Welt zu charakterisieren) ausgegangen wird« (1922), und die ausführlichere Selbstkritik Ill, 399 (1929). Der Begriff des "Horizonts" und des Horizontbewusstseins ist nach Husserliana VI, 267 durch W. James' Begriff der “fringes« mit angeregt. Auf die Bedeutung, die R. Avenarius (Der menschliche Weltbegriff. Leipzig 1912) für Husserls kritische Wendung gegen die „wissenschaftliche Welt“ gespielt hat, hat zuletzt H. Lübbe in der Festschrift für W. Szilasi (München 1960) aufmerksam gemacht (Vgl. H. Lübbe, Positivismus und Phänomenologie (Mach und Husserl), FS W. Szilasi, S. 161—184, bes. S. 171 f.). 2. Dilthey, Ges. Schriften, Bd. 1. S. XVIII. |
E. Husserl I Peter Prechtl Husserl zur Einführung, Hamburg 1991 (Junius) II "Husserl" in: Eva Picardi et al., Interpretationen - Hauptwerke der Philosophie: 20. Jahrhundert, Stuttgart 1992 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Humboldt, Wilhelm von | Habermas | IV 190 Humboldt, W./Sprache/Kultur//Habermas: Wenn wir, wie in der auf Humboldt zurückgehenden Tradition üblich(1) einen internen Zusammenhang zwischen Strukturen der Lebenswelt und Strukturen des sprachlichen Weltbildes annehmen, kommt der Sprache und der kulturellen Überlieferung gegenüber allem, was zum Bestandteil einer Situation werden kann, eine in gewisser Weise transzendentale Stellung zu. >Lebenswelt, >Weltbilder, >Sprache/Habermas, >Überlieferung, >Kultur, >W. von Humboldt. Sprache und Kultur decken sich weder mit den formalen Weltbegriffen, mit deren Hilfe die Kommunikationsteilnehmer ihre Situation gemeinsam definieren, noch erscheinen sie als etwas Innerweltliches. >Ebenen, >Beschreibungsebenen, >Kommunikatives Handeln/Habermas, >Kommunikationstheorie/Habermas, >Kommunikation/Habermas, >Kommunikative Praxis/Habermas, >Kommunikative Rationalität/Habermas. Sprache und Kultur sind für die Lebenswelt selbst konstitutiv. Gegenüber der Sprache können die Kommunikationsteilnehmer keine extramundane Stellung einnehmen. Dasselbe gilt für die kulturellen Deutungsmuster, die in dieser Sprache tradiert werden. >Perspektive, >Deutung, >Interpretation, >Außen/innen, >Standpunkt, >Beschreibung. 1.L.Weisgerber, Die Muttersprache im Aufbau unserer Kultur, Düsseldorf, 1957; R. Hoberg, Die Lehre vom sprachlichen Feld, Düsseldorf 1970. |
Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |
| Ich | Metzinger | Pauen I 246 Ich/Metzinger/Pauen: (Im Anschluss an Johnson Laird)(1): Mentale Modelle als Basis unserer Repräsentation der Wirklichkeit. Wahrnehmungsmodelle integrieren aus unterschiedlichen Sinnesorganen Informationen zu einer Repräsentation. So werden visuelle Informationen zu einem dreidimensionalen Bild. >Sinneseindrücke, >Repräsentation, Einbettung: Modelle können ineinander eingebettet werden: Metarepräsentation: daraus ergibt sich Bewusstsein. >Modell, >Bewusstsein. Oberstes Modell der Hierarchie: das "Realitätsmodell" Subjektivität: Subjektivität wird auf das Selbstmodell zurückgeführt, das in das Realitätsmodell eingebettet werden kann. >Subjektivität, >Realität. I 247 Das Modell ist "transparent" in Bezug auf seine Gehalte, nicht aber seine Mechanismen. >Gehalt, >Inhalt. Aus der Perspektive der ersten Person ist es daher gar nicht erkennbar, dass es sich hier um ein Modell des Ich handelt! >Erste Person. "Selbst"/Metzinger: repräsentationale Fiktion. >Selbst. Wir sind nicht auf mysteriöse Weise mit einer Person und ihrem Standpunkt identisch, sondern wir besitzen in diesem Sinne überhaupt keine Identität. Wir sind intern eine mehr oder weniger stark korrelierte Menge aus physischen und psychischen Eigenschaften, die sich durch die Zeit bewegt. Vgl. >Identität/Henrich. PauenVsMetzinger: Unklar ist, ob damit das Ich schon als eine Fiktion erwiesen ist. >Ich. Unklar ist auch, ob es wirklich die direkte Introspektion ist, die uns zu der Fiktion eines monolithischen Ich führt. >Introspektion. 1. Philip N. Johnson-Laird (1983). Mental Models. Towards a Cognitive Science of Language, Inference, and Consciousness. Cambridge, MA. |
Metz I Th. Metzinger (Hrsg.) Bewusstsein Paderborn 1996 |
| Ich | Nagel | Frank I 506ff Ich/Nagel: Die Identifikation einer objektiven Person als mich selbst fügt der Welt keine Tatsache hinzu. Daher sind solche Identitätsaussagen für uns nicht verständlich! >Selbstidentifikation, >Selbstwissen, >Tatsachen, >Nonfaktualismus. Bsp Ob ich mir vorstelle, mein Haus brennt ab und dabei zugegen bin oder nicht, macht keinen Unterschied, was man sich als der Fall seiend vorstellt. EvansVs: Eine Identitätsaussage muss für eine raumzeitliche Karte der Welt keinen Unterschied machen, wohl aber für die Art, wie die unmittelbare Umgebung betrachtet wird. >Identität, >Aussage, >Realität, >Abbildung. Gareth Evans(1982): Self-Identification, in: G.Evans The Varieties of Reference, ed. by John McDowell, Oxford/NewYork 1982, 204-266 Nagel III 31 Ich/Objektivismus/Nagel: Problem eines liberalen realistischen Weltbilds: Jeder muss für sich zugestehen, dass in der zentrumslosen Welt eine Person ist, die kein anderer als er selbst ist. Vgl. >Zentrierte Welten. III 33 Unterscheidung Ich/Person/Nagel: Die Unterscheidung erlaubt zu fragen: wie kann ich diese spezifische Person sein? - Was ist das für eine Tatsache? >Person, >Selbst. Das ist ein Problem in der zentrumslosen Welt. Lösung: "objektives Selbst", das wir mit dem "Ich" identifizieren. Das "Selbst" hat die Fähigkeit, eine Auffassung von der Person in der Welt zu bilden - es sieht hierbei von dem Standpunkt des "ich bin" ab - das eigentliche Selbst schließt die kontingente Person Thomas Nagel und seine Perspektive als Inhalt in seine Weltauffassung ein. >Selbst. |
NagE I E. Nagel The Structure of Science: Problems in the Logic of Scientific Explanation Cambridge, MA 1979 Nagel I Th. Nagel Das letzte Wort Stuttgart 1999 Nagel II Thomas Nagel Was bedeutet das alles? Stuttgart 1990 Nagel III Thomas Nagel Die Grenzen der Objektivität Stuttgart 1991 NagelEr I Ernest Nagel Teleology Revisited and Other Essays in the Philosophy and History of Science New York 1982 Fra I M. Frank (Hrsg.) Analytische Theorien des Selbstbewusstseins Frankfurt 1994 |
| Ich-Du-Verhältnis | Gadamer | I 363 Ich-Du-Verhältnis/Gadamer: Überlieferung ist (...) nicht einfach ein Geschehen, das man durch Erfahrung erkennt und beherrschen lernt, son- I 364 dern sie ist Sprache, d. h. sie spricht von sich aus so wie ein Du. Ein Du ist nicht Gegenstand, sondern verhält sich zu einem. Erfahrung: A. Dass die Erfahrung des Du eine spezifische sein muss, sofern das Du kein Gegenstand ist, sondern sich selbst zu einem verhält, ist klar. Insofern werden die von uns hervorgehobenen Strukturmomente von Erfahrung hier eine Abwandlung finden. >Erfahrung. Da hier der Gegenstand der Erfahrung selbst den Charakter der Person hat, ist solche Erfahrung ein moralisches Phänomen und das durch die Erfahrung erworbene Wissen, das Verstehen des anderen, ebenfalls. Nun gibt es eine Erfahrung des Du, die aus dem Verhalten des Mitmenschen Typisches heraussieht und auf Grund der Erfahrung Voraussicht des anderen gewinnt. Wir nennen das Menschenkenntnis. Moralisch gesehen bedeutet solches Verhalten zum Du die reine Selbstbezüglichkeit und widerstreitet der moralischen Bestimmung des Menschen. >Intersubjektivität, >Subjektivität, >Kommunikation, >Dialog, >Selbstwissen, >Selbstbewusstsein. I 365 B. Eine zweite Weise der Erfahrung des Du und des Verstehens des Du besteht darin, dass das Du als Person anerkannt wird, das aber der Einbeziehung der Person in die Erfahrung des Du zum Trotz das Verstehen des Du eine Weise der Ichbezogenheit ist. Solche Selbstbezüglichkeit entspringt dem dialektischen Schein, den die Dialektik des Ich-Du-Verhältnisses mit sich führt. Das Ich-Du-Verhältnis ist ja kein unmittelbares, sondern ein Reflexionsverhältnis. Allem Anspruch entspricht ein Gegenanspruch. Darin entspringt die Möglichkeit, dass jeder der Partner des Verhältnisses den anderen reflektierend überspielt. Er beansprucht den Anspruch des anderen von sich aus zu kennen, ja sogar ihn besser zu verstehen, als er sich selbst versteht. Damit verliert das Du die Unmittelbarkeit, mit der es seinen Anspruch an einen richtet. Es wird verstanden, d, h. aber vom Standpunkt des anderen aus antizipiert und reflektierend abgefangen. Geschichtlichkeit: Die innere Geschichtlichkeit aller Lebensverhältnisse zwischen Menschen besteht darin, dass die gegenseitige Anerkennung ständig umkämpft ist. Sie kann sehr verschiedene Grade der Spannung annehmen, bis zur völligen Beherrschung des einen Ichs durch das andere Ich. >Anerkennung. Aber selbst die extremsten Formen von Herrschaft und Knechtschaft sind ein echtes dialektisches Verhältnis von der Struktur, die Hegel herausgearbeitet hat.(1) >Herrschaft und Knechtschaft. Bewusstsein/Selbstbewusstsein: Die Erfahrung des Du, die hier erworben wird, ist sachlich angemessener als die Menschenkenntnis, die den anderen nur zu berechnen sucht. Es ist eine Illusion, im anderen ein schlechthin übersehbares und beherrschbares Werkzeug zu sehen. Selbst im Knecht ist noch der Wille zur Macht, der sich gegen den Herrn kehrt, wie Nietzsche richtig gesagt hat.(2) Diese Dialektik der Gegenseitigkeit, die alle Ich-Du-Verhältnisse beherrscht, ist aber dem Bewusstsein des einzelnen notwendig verdeckt. Der Diener, der seinen Herrn durch Dienen tyrannisiert, glaubt durchaus nicht, sich selbst darin zu wollen. Ja, das eigene Selbstbewusstsein besteht geradezu darin, sich der I 366 Dialektik dieser Gegenseitigkeit zu entziehen, sich selber aus der Beziehung zum anderen herauszureflektieren und dadurch von ihm unerreichbar zu werden. Indem man den anderen versteht, ihn zu kennen beansprucht, nimmt man ihm jede Legitimation seiner eigenen Ansprüche. Insbesondere die Dialektik der Fürsorge macht sich auf diese Weise geltend, indem sie alle mitmenschlichen Verhältnisse als eine reflektierte Form des Herrschaftsstrebens durchdringt. >Dialektik. 1. Vgl. die ausgezeichnete Analyse dieser Reflexionsdialektik von Ich und Du bei Karl Löwith, Das Individuum in der Rolle des Mitmenschen (1928) und meine Rezension Logos X V 111 (1929), S. 436-440 Bd. 4 der Ges. Werke. 2. Also sprach Zarathustra Il (Von der Selbstüberwindung) |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Idealer Beobachter | Hume | Rawls I 184 Idealer Beobachter/Gesellschaft/Ordnung/ Gerechtigkeit/Hume/Rawls: Etwas, z.B. ein Sozialsystem, ist gerecht, wenn ein idealer unparteiischer Beobachter von außen dies von einem allgemeinen Standpunkt so beurteilen würde, hätte er alle relevanten Informationen über die Umstände. >Unparteilichkeit, >Idealisierung, >Beobachtung, >Gerechtigkeit, >Umstände. (Siehe Roderick Firth, „Ethical Absolutism and the Ideal Observer“, Philosophy and Phenomenological Research, vol. 12, 1952; F. C. Sharp, Good and Ill Will, Chicago, 1950, pp. 156-162; D. Hume, Treatise of Human Nature, ed. L.A. Selby-Bigge, Oxford, 1888, esp. Bk III, pt. III, sec I, esp. Pp 574-584. Allgemeinere Diskussion: C. D. Broad, „Some Reflections on Moral-Sense Theories in Ethics“. Proceedings of the Aristotelian Society, vol.45 (1944-45). W. K. Kneale „Objectivity in Morals“, Philosophy, vol. 25 (1950).) |
D. Hume I Gilles Delueze David Hume, Frankfurt 1997 (Frankreich 1953, 1988) II Norbert Hoerster, "Hume: Existenz und Eigenschaften Gottes" aus J. Speck(Hg) Grundprobleme der großen Philosophen der Neuzeit I Göttingen, 1997 Rawl I J. Rawls A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005 |
| Idealer Beobachter | Smith | Rawls I 184 Idealer Beobachter/Gesellschaft/Ordnung/Gerechtigkeit/Adam Smith/Rawls: Etwas, z. B. ein soziales System, ist gerecht, wenn ein idealer unparteiischer Beobachter von außen dies von einem allgemeinen Standpunkt aus beurteilen würde, wenn er/sie alle relevanten Informationen über die Umstände hätte. (Siehe Roderick Firth, „Ethical Absolutism and the Ideal Observer“, Philosophy and Phenomenological Research, Bd. 12, 1952; F. C. Sharp, Good and Ill Wll, Chicago, 1950, S. 156-162; A. Smith, The Theory of Moral Sentiments, in L. A. Selby-Bigge, British Moralists, Bd. I Oxford, 1897, S. 257-277. >Beobachtung, >Methode, >Idealisierung, >Wissen, >Unparteilichkeit, >Umstände, >Ökonomie, >Gesellschaft, >Systeme. Für eine allgemeinere Diskussion: C. D. Broad, „Some Reflections on Moral-Sense Theories in Ethics“. Proceedings oft he Aristotelian Society, Bd. 45 (1944-45). W. K. Kneale, „Objektivität in der Moral“, Philosophie, Bd. 25 (1950)). Otteson I 18 Idealer Beobachter/Adam Smith/Otteson: (...) die Verhaltensmuster, die wir entdecken und die durch das Erreichen von gegenseitiger Sympathie der Gefühle positiv verstärkt werden, werden zu einer Reihe von realen moralischen Standards. Sie werden von Menschen geschaffen, aber sie sind nicht willkürlich oder subjektiv: Sie müssen auch die Zustimmung anderer finden und unterliegen somit einer externen, sozialen Korrektur. Und da wir ähnliche psychologische und materielle Bedürfnisse haben, die nur in der Gesellschaft mit anderen befriedigt werden können, gibt es zwangsläufig einige Gemeinsamkeiten zwischen den Kulturen, auch wenn einige Details variieren. >Kulturelle Werte, >Kulturelle Tradition, >Objektivität, >Kultur, >Relativismus. Der Standard des unparteiischen Beobachters würde dann eine gewisse Variabilität bei Angelegenheiten zulassen, die für das menschliche Überleben weniger zentral sind, und bei anderen, zentraleren Angelegenheiten starrer sein. >Moral/Adam Smith, >Gemeinschaft/Adam Smith. |
EconSmith I Adam Smith The Theory of Moral Sentiments London 2010 EconSmithV I Vernon L. Smith Rationality in Economics: Constructivist and Ecological Forms Cambridge 2009 Rawl I J. Rawls A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005 Otteson I James R. Otteson The Essential Adam Smith Vancouver: Fraser Institute. 2018 |
| Idealismus | Dummett | I 55ff Idealismus/Husserl/Dummett: Husserls Behauptung, das Abgleiten in den Idealismus werde durch die Unterscheidung zwischen Noema und Gegenstand verhindert, ist gar nicht ohne weiteres einleuchtend. Wir können nicht sagen, das Subjekt nehme den Gegenstand nur indirekt wahr, da dieser durch das Noema vermittelt sei. es gibt nämlich gar keinen Begriff der direkten Wahrnehmung, den wir diesem gegenüberstellen könnten. Kant und Frege sind ganz genauso der Ansicht, jeder Gegenstand müsse uns in bestimmter Weise gegeben sein. Doch deswegen können wir nicht von indirektem Gegebensein reden, denn die Vorstellung, ein Gegenstand sei gegeben, aber nicht in bestimmter Weise, ist nach ihrer Auffassung inkohärent. Es gibt nichts, was man indirekt nennen könnten, es sei denn, etwas direkteres ist zumindest denkbar. Das wirft doch die skeptische Frage auf, ob überhaupt ein Gegenstand da ist, wenn jedem Bewusstseins Akt sein eigenes Noema zukommt, ohne dass ein äußerer Gegenstand da zu sein braucht. >Noema/Dummett, >Noema/Husserl. Dummett: Da es ein wesentliches Merkmal des Noemas ist, allem Anschein nach auf einen solchen Gegenstand gerichtet zu sein, bleibt uns ((s) per definitionem) gar nichts anderes übrig, als die Auffassung, dass wir eben einen solchen Gegenstand wahrnehmen, außer in Fällen, wo wir gegenteilige Hinweise haben. Daher ist immer, wenn wir einen wirklichen Gegenstand wahrnehmen, die Feststellung berechtigt, dass es einen solchen gibt. I 56 Dummett: diesem Argument ist der Skeptiker gewachsen: er kann fragen, woher wir wissen, dass wir es wissen. Idealismus: Vom Husserlschen Standpunkt wäre es freilich nicht so leicht, dem Skeptiker die Antwort des Idealisten zu geben, die darin besteht, dass man sich die Zweifel zwar zu eigen macht, sie aber für unangebracht erklärt, da das, was sie in Frage stellen, sowieso von vornherein unwahr sei. |
Dummett I M. Dummett Ursprünge der analytischen Philosophie Frankfurt 1992 Dummett II Michael Dummett "What ist a Theory of Meaning?" (ii) In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Dummett III M. Dummett Wahrheit Stuttgart 1982 Dummett III (a) Michael Dummett "Truth" in: Proceedings of the Aristotelian Society 59 (1959) pp.141-162 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (b) Michael Dummett "Frege’s Distiction between Sense and Reference", in: M. Dummett, Truth and Other Enigmas, London 1978, pp. 116-144 In Wahrheit, Stuttgart 1982 Dummett III (c) Michael Dummett "What is a Theory of Meaning?" in: S. Guttenplan (ed.) Mind and Language, Oxford 1975, pp. 97-138 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (d) Michael Dummett "Bringing About the Past" in: Philosophical Review 73 (1964) pp.338-359 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (e) Michael Dummett "Can Analytical Philosophy be Systematic, and Ought it to be?" in: Hegel-Studien, Beiheft 17 (1977) S. 305-326 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 |
| Idealismus | Parsons | Habermas IV 374 Idealismus/Parsons/HabermasVsParsons/Habermas: Es gibt in Parsons Systemfunktionalismus einen versteckten Idealismus: dieser lässt sich schon an der Gliederung des kulturellen Systems ablesen. Es wird nämlich statt der von Max Weber herrührenden Dreiteilung in kognitive Deutungsmuster, moralisch-praktische Wertmuster und ästhetisch-expressive Ausdrucksmuster nun eine Vierteilung erfordert: als Viertes tritt der konstitutive Symbolismus, sprich die Religion hinzu. In der Spätphilosophie Parsons‘ wird das allgemeine Handlungssystem zum „telic system“ („telischen System“) verdinglicht. >Idealismus, >Religion, >Kultur/Parsons, >M. Weber. Habermas IV 377 Parsons getont, dass die Rede von einem telischen System den Glauben an eine Sphäre letzter Realität voraussetzt. Habermas IV 378 Methode/HabermasVsParsons: Parsons nimmt das allgemeine Handlungssystem zum Ausgangspunkt einer reflexiv gewendeten Betrachtung des Systems der menschlichen Grundverfassung. >Handlungssystem/Parsons. Damit verliert aber der Theoretiker einen von diesem Teilsystem unabhängigen Standpunkt. Er kann aus der Perspektive des Handlungssystems nicht ausbrechen. Die Theorie wird auf der anthropologischen Ebene selbstbezüglich. Dafür steht Parsons das Modell der Kantischen Erkenntniskritik vor Augen.(1). >Selbstbezüglichkeit. 1.T. Parsons, Action Theory and Human Condition, NY 1978, S. 367f. |
ParCh I Ch. Parsons Philosophy of Mathematics in the Twentieth Century: Selected Essays Cambridge 2014 ParTa I T. Parsons The Structure of Social Action, Vol. 1 1967 ParTe I Ter. Parsons Indeterminate Identity: Metaphysics and Semantics 2000 Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |
| Identität | Wiener | II 99 Identität/Rechenmaschine: Vom Standpunkt der Rechenmaschine besteht geistige Individualität in der Speicherung ihrer früheren Programmierungen und Gedächtnisinhalte und in der Fortsetzung ihrer Entwicklung in bereits angelegten Richtungen. >Computer, >Programmierung, >Software, >Gedächtnis, >Roboter, >Identität/Henrich, >Person, >Individuen, >Maschinenlernen. |
WienerN I Norbert Wiener Cybernetics, Second Edition: or the Control and Communication in the Animal and the Machine Cambridge, MA 1965 WienerN II N. Wiener Mensch und Menschmaschine Frankfurt/M. 1952 |
| Individuen | MacIntyre | Brocker I 656 Individuum/Moderne/MacIntyre: in der Moderne verliert das Individuum einen objektiven moralischen Halt bzw. Orientierung. Kriterien für moralisch richtiges Handeln sind verloren gegangen. Stattdessen herrscht ein Emotivismus, in dem sich jeder nach Belieben moralischer Standpunkte bedient.(1) >Emotivismus/MacIntyre, >Moral/MacIntyre, >Rollen/MacIntyre, >Rollen/Goffman, >Pluralismus/MacIntyre. 1. Alasdair MacIntyre, After Virtue. A Study in Moral Theory, Notre Dame, Ind. 1981. Dt: Alasdair MacIntyre, Der Verlust der Tugend. Zur moralischen Krise der Gegenwart. Erweiterte Neuausgabe, Frankfurt/M. 2006 (zuerst 1987). Jürgen Goldstein, „Alasdair MacIntyre, Der Verlust der Tugend“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018 |
Brocker I Manfred Brocker Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018 |
| Inhalt | Hegel | Bubner I 62 Inhalt/Form/Allgemeinheit/Hegel/Bubner: Hegel hat allerdings während der ganzen Logik hervorgehoben, dass der Inhalt von der Form nicht zu trennen sei. >Form/Inhalt. Das Allgemeine der Form darf nicht einfach die Form sein, als die der Begriff in seinen mannigfaltigen Bestimmungen Inhalt der logischen Wissenschaften war. >Form, >Inhalt. Die allgemeine Formalität ist vielmehr eine, die allen Formen, unter denen der einheitliche Begriff das Thema der Logik abgab, ihrerseits noch einmal zukommt. >Allgemeinheit. Diese Allgemeinheit ist dann nur einen für einen Standpunkt außerhalb der Logik. Ein Überblick über das Ganze wird möglich, sobald die absolute Immanenz verlassen wird, und man weiß, dass nichts mehr aussteht. |
Bu I R. Bubner Antike Themen und ihre moderne Verwandlung Frankfurt 1992 |
| Inhalt | Wittgenstein | Wright I 278 Gehalt/Inhalt/Wittgenstein: Alles Inhaltliche ist weich geworden. Es gibt keine einschlägigen Tatsachen. >Tatsachen, >Sachverhalte. Hintikka I 204 Inhalt/Logik/Wittgenstein/Hintikka: Der Satz "Kein Gegenstand ist rot und grün zugleich" ist aus logischen Gründen wahr - nicht aus inhaltlichen. IV 20 Innen/außen/Tractatus: 3.13 Zum Satz gehört alles, was zur Projektion gehört, aber nicht das Projizierte. >Grenzen, >Zirkularität, >Sätze. IV 21 Also die Möglichkeit des Projizierten, nicht dieses selbst. Im Satz ist also sein Sinn noch nicht enthalten, wohl aber die Möglichkeit, ihn auszudrücken. Im Satz ist die Form seines Sinnes enthalten, aber nicht dessen Inhalt. VI 213 Wir ziehen allzu leicht den Schluss, dass Sätze, die unbezweifelbar feststehen, zugleich Sätze sind, deren Inhalt man weiß. Bsp 1 + 1 = 2 kann man wirklich sagen, man "wisse" dergleichen? >Wissen, >Gewissheit. These: Wenn Zweifel ausgeschlossen sind, ist der Gebrauch des Begriffs "Wissen" nicht angebracht. >Zweifel. VII 85 Welt/Subjekt/Stellung/Standpunkt/Mach/Tetens: sinngemäß: Ich kann mir beim Betrachten der Welt nicht selbst über die Schulter sehen. Ich als das Subjekt meiner Wahrnehmung komme nicht vor als Teil der Welt, die ich wahrnehme. Ich als Subjekt bin nicht Inhalt, nicht Gegenstand der Wahrnehmung. >Subjekte, >Wahrnehmung. VII 86 Subjekt/Tetens: Ich kann mich niemals als Subjekt vollständig einholen und objektivieren. Ich falle als Subjekt aus den Inhalten heraus. >Objektivität. VII 91 Subjekt: Das Subjekt schrumpft auf das, was den Gedanken hat – aber nicht als Teil des Inhalts des Gedankens. >Gedanken. |
W II L. Wittgenstein Vorlesungen 1930-35 Frankfurt 1989 W III L. Wittgenstein Das Blaue Buch - Eine Philosophische Betrachtung Frankfurt 1984 W IV L. Wittgenstein Tractatus logico-philosophicus Frankfurt/M 1960 WrightCr I Crispin Wright Wahrheit und Objektivität Frankfurt 2001 WrightCr II Crispin Wright "Language-Mastery and Sorites Paradox" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 WrightGH I Georg Henrik von Wright Erklären und Verstehen Hamburg 2008 Hintikka I Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka Untersuchungen zu Wittgenstein Frankfurt 1996 Hintikka II Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka The Logic of Epistemology and the Epistemology of Logic Dordrecht 1989 |
| Institutionen | Rawls | I 55 Def Institution/Institutionen/Rawls: Eine Institution ist ein öffentliches Regelsystem das Verwaltungsstellen und Rollen zusammen mit ihren Rechten und Pflichten, Vollmachten und Unverletzlichkeiten usw. definiert. Die Regeln sehen bestimmte Strafen und Abwehrmassnahmen usw. vor. Als Beispiele für Institutionen oder, allgemeiner, soziale Praktiken können wir Spiele und Rituale, Gerichtsverfahren und Parlamente, Märkte und Eigentumssysteme ansehen. Eine Institution kann auf zwei verschiedene Weisen betrachtet werden: a) als abstraktes Regelsystem b) als Realisierung im Denken und Handeln von bestimmten Personen zu bestimmten Zeiten an bestimmten Orten. Wenn es darum geht herauszufinden, ob eine Institution im Recht ist oder nicht, ist es am besten, das konkrete Handeln zu betrachten. I 56 Wir nehmen an, dass die Handelnden innerhalb einer Institution sich der Regeln und der Resultate ihrer Ausübung bewusst sind und dieses Bewusstsein auch bei anderen Beteiligten voraussetzen. Wenn es auch nicht immer zutrifft, ist dies eine plausible Verallgemeinerung. Es gibt dann eine gemeinsame Basis für die Bestimmung gemeinsamer Erwartungen. Für die Vertragstheorie ist wichtig, dass man voraussetzt, dass die Prinzipien öffentlich und bekannt sind. >Prinzipein/Rawls. Regeln/Strategien: Wir müssen zwischen den Regeln einer Institution und den Strategien unterscheiden, die die Institution gegebenenfalls anwenden kann, um ihre Ziele zu erreichen.(1) Strategien: Die Strategien, die unter anderem auf wechselseitigen Vermutungen der Beteiligten über einander basieren, sind nicht Teil der Institution. Vielmehr gehören sie zur Theorie über die Institution, z.B. des Parlaments. Theorie: Die Theorie nimmt die geltenden Regeln als gegeben an und analysieren die Weise, wie die Macht im System verteilt ist I 57 und wie die Beteiligten ihre Chancen nutzen. Verhalten: Das Verhalten von Individuen sollte soweit wie möglich koordiniert werden, so dass die Resultate vom Standpunkt der sozialen Gerechtigkeit die besten sind, auch wenn sie den Einzelnen möglicherweise nicht bewusst sind. J. Bentham: Bentham sieht dies als eine künstliche Identifikation von Interessen an(2). >J. Bentham. Adam Smith: Adam Smith versteht darunter das Wirken der Unsichtbaren Hand(3). >Adam Smith. Wir müssen die Institution von den Regeln und diese wiederum vom sozialen System unterscheiden, denn jedes für sich genommen kann ungerecht sein, ohne das die anderen ungerecht sind. Ungerechtigkeiten können sich auch erst aus der Kombination dieser Elemente ergeben. I 58 Rituale/Rawls: werden allerdings nicht als ungerecht bezeichnet. Formales Recht/Rawls: Nehmen wir nun an, es gibt ein geltendes System von Regeln, die zuverlässig von der Institution angewendet werden, auch wenn wir selbst die Regeln nicht akzeptieren. Dann können wir von einem formalen Recht sprechen. Recht und Institution sind dann nicht voneinander trennbar. >Recht. 1. Siehe auch J. R. Searle Speech Acts, Cambridge, 1969, S.33-42. 2. Siehe E. Halévy, La Formation du radicalisme philosophique, Bd. 1, Paris 1901, S.2-24. 3. Siehe A. Smith The Wealth of the Nations, (Hrsg. Edwin Cannan) New York, 1937. |
Rawl I J. Rawls A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005 |
| Intentionalität | Dennett | Rorty VI 27 "Intentionale Haltung"/intentionaler Standpunkt/Dennett: Der intentionale Standpunkt wird durch das Erfassen eines Davidsonschen Musters ermöglicht.Das Muster dieser Rationalität ist das gleiche wie das der Wahrheit. Weder Sprache ohne Rationalität, noch eines von beiden ohne Wahrheit. >Rationalität, >Sprache und Denken, >Wahrheit/Davidson. Dennett I 282 SearleVsDennett: Dennetts Intentionalität sei nur eine "Als-ob-Intentionalität". Intentionalität/DennettVsSearle: Aber irgendwo muss man anfangen (wenn man Metaphysik vermeiden will). Der erste Schritt in die richtige Richtung ist kaum als Schritt in Richtung Bedeutung zu erkennen. Def Intentionaler Standpunkt/Dennett: Der Versuch, zu ermitteln, was die Gestalter (oder Mutter Natur) im Sinn hatten. I 317 Er erlaubt oft große Sprünge in den Schlussfolgerungen, ohne dass die Unkenntnis der zugrunde liegenden Physik dabei stört. Bsp der Mechanismus von Antikythera. Dass er ein Planetarium war erschließt sich daraus, dass er ein gutes Planetarium war! Bsp Marsmenschen fragen sich: warum gibt es im Computer soviel überflüssige Kapazität: Grund: Chips wurden so billig. Das ist zwar eine historische Erklärung, die aber auch vom intentionalen Standpunkt ausgeht. I 318 Bsp Flog der Archäopteryx? Man ist nicht sicher, fand aber, dass seine Kralle sich hervorragend zum Sitzen auf Ästen eigneten! Also: wie kam er da rauf...? II 43 Def Gestaltungsstandpunkt/Dennett: Bsp Ein Wecker ist (im Gegensatz zum Stein) ein gestaltetes Objekt und ist auch für eine raffinierte Art von Vorhersagen zugänglich. (Nach dem Gestaltungsstandpunkt). Wenn ich die und die Knöpfe drücke, wird ein paar Stunden später etwas passieren. Dafür brauche ich die physikalischen Gesetze nicht zu kennen. Intentionaler Standpunkt/Dennett: Bsp Schachcomputer: Nichts in den Gesetzen der Physik zwingt den Schachcomputer den nächsten Zug zu machen, aber auch nichts in seiner Gestaltung. >Schach. Brandom I 109 Intention/Intentionalität/Dennett: Einstellungs-Einstellung: (stance-stance): Diese behauptet, man könne nicht unterscheiden, ob etwas tatsächlich ein intentionales System ist und ob es angemessener Weise als ein solches behandelt wird. Dennett I 592ff Intentionalität/echte/abgeleitete/Dennett: Bsp Einfrieren: Ein Roboter muss selbständig handeln können - muss an Belohnung glauben, entwickelt aber Eigeninteressen. - Frage: Ist diese Intentionalität immer noch abgeleitet? - wenn ja, dann auch unsere eigene auch bloß abgeleitet - aber das ist Haarspalterei - Pointe: wir selbst sind nur solche Überlebensmaschinen für unsere Gene I 596 Intentionalität/SearleVsDennett: Keine Maschine, auch kein Getränkeautomat hat Intentionalität. Einfrieren/DennettVsSearle: irgendwann ist die Intentionalität nicht mehr abgeleitet, sondern echt! >Als-ob-Intentionalität/Searle. |
Dennett I D. Dennett Darwins gefährliches Erbe Hamburg 1997 Dennett II D. Dennett Spielarten des Geistes Gütersloh 1999 Dennett III Daniel Dennett "COG: Steps towards consciousness in robots" In Bewusstein, Thomas Metzinger Paderborn/München/Wien/Zürich 1996 Dennett IV Daniel Dennett "Animal Consciousness. What Matters and Why?", in: D. C. Dennett, Brainchildren. Essays on Designing Minds, Cambridge/MA 1998, pp. 337-350 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 Bra I R. Brandom Expressive Vernunft Frankfurt 2000 Bra II R. Brandom Begründen und Begreifen Frankfurt 2001 |
| Interesse | Kant | Gadamer I 55 Interesse/Kunst/Kant/Gadamer: Wenn Kant nach dem Interesse fragt, das dem Schönen nicht empirisch, sondern a priori entgegengebracht wird, so stellt diese Frage nach dem Interesse am Schönen gegenüber der grundlegenden Bestimmung der Interesselosigkeit des ästhetischen Wohlgefallens eine neue Frage dar und vollzieht den Übergang vom Standpunkt des Geschmacks zum Standpunkt des Genies. >Geschmack/Kant, >Genie/Kant. Die interessierende Bedeutsamkeit des Schönen ist die eigentlich bewegende Problematik der kantischen Ästhetik. >Ästhetik/Kant, >Kunst/Kant. Gadamer I 56 Hier kommt Kants Eigenstes zur Sprache(1). Es ist nämlich keineswegs, wie wir erwarten würden, die Kunst, um derentwillen Kant über das „interesselose Wohlgefallen“ hinausgeht und nach dem Interesse am Schönen fragt. Natur/Kant: Während der durch Rousseau belehrte Kant den allgemeinen Rückschluss von der Verfeinerung des Geschmacks am Schönen überhaupt auf das sittliche Gefühl ablehnt, ist es mit dem Sinn für die Schönheit der Natur nach Kant eine eigene Sache. Dass die Natur schön ist, weckt nur bei dem ein Interesse, der »vorher schon sein Interesse am Sittlich-Guten wohlgegründet hat«. Das Interesse am Schönen in der Natur ist also »der Verwandtschaft nach moralisch«. Indem es die absichtslose Übereinstimmung der Natur zu unserem von allem Interesse unabhängigen Wohlgefallen bemerkt, mithin eine wunderbare Zweckmäßigkeit der Natur für uns, weist es auf uns als auf den letzten Zweck der Schöpfung, auf unsere „moralische Bestimmung“.(2) 1. F. Schiller, Über naive und sentimentalische Dichtung, Werke ed. Güntter u. Witkowski, Leipzig 1910ff., Teil 17, S. 480. 2. K.d.U. § 42 |
I. Kant I Günter Schulte Kant Einführung (Campus) Frankfurt 1994 Externe Quellen. ZEIT-Artikel 11/02 (Ludger Heidbrink über Rawls) Volker Gerhard "Die Frucht der Freiheit" Plädoyer für die Stammzellforschung ZEIT 27.11.03 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Internationale Beziehungen | Niebuhr | Gaus I 290 Internationale Beziehungen/Niebuhr/Brown: 1919 war der Versuch unternommen worden, die internationalen Beziehungen unter rechtsstaatliche Verhältnisse zu bringen, und der Völkerbund wurde weitgehend auf Betreiben von US-Präsident Woodrow Wilson gegründet, obwohl der US-Senat sich weigerte, den Vertrag von Versailles, der den Pakt des Völkerbundes enthielt, zu ratifizieren. Anfang der 1930er Jahre war klar, dass die auf dem Völkerbund ruhenden Hoffnungen enttäuscht werden sollten, und auf der Grundlage dieser Enttäuschung entwickelte sich realistisches Denken, das erklärte, was schief gelaufen war, und eine alternative Darstellung der internationalen Beziehungen vorschlug. Niebuhr war einer der ersten, der sich dieser Aufgabe stellte; seine Botschaft wird in Kurzform durch den Titel seines einflussreichsten Werkes, "Moral Man and Immoral Society" (1932)(1), vermittelt; sein Standpunkt war, dass die Liberalen, die den Bund schufen, die Fähigkeit der menschlichen Kollektive, sich wirklich moralisch zu verhalten, maßlos übertrieben. Ethik/Niebuhr-These: Niebuhr vertrat die Ansicht, dass "Männer" die Fähigkeit besäßen, gut zu sein, dass diese Fähigkeit aber immer im Widerspruch zu den sündigen Erwerbs- und Aggressionstrieben stehe, die auch in der menschlichen Natur vorhanden sind. Diese Triebe haben in der Gesellschaft volle Tragweite, und es ist unrealistisch zu glauben, dass sie dem Ziel des internationalen Friedens und der Unterordnung in Gremien wie dem Völkerbund dienen können. Staat/Augustin: Niebuhrs Ansatz ist im Wesentlichen augustinisch und stützt sich auf Augustinus' Darstellung der Koexistenz der beiden Städte: die Gemeinschaft der Gläubigen, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und alles Gute in der Menschheit umfasst, und die Welt, wie sie ist, gefallen und unvollkommen. >Staat/Augustinus. NiebuhrVsLiberalismus: Die liberalen Internationalisten von 1919 begingen den Fehler, anzunehmen, dass eine Welt der Vernunft und der Gerechtigkeit errichtet werden könnte, während diese Städte nebeneinander existieren; stattdessen erfordert diese Koexistenz eine Politik, die auf einem klaren Machtverständnis beruht. >Internationale Beziehungen/Morgenthau. 1. Niebuhr, R. (1932) Moral Man and Immoral Society. New York: Scribner. Brown, Chris 2004. „Political Theory and International Relations“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Internetkultur | Benkler | Benkler I 233 Internetkritik/Internetkultur/Internetkritiker/Internet/Benkler: 1. Ein grundlegendes Problem, das entsteht, wenn jeder sich Gehör verschaffen kann, ist, dass es zu viele Aussagen oder zu viele Informationen geben wird. Zu I 234 viele Beobachtungen und zu viele Standpunkte machen es äußerst schwierig, sie zu durchsuchen, was zu einem unkontrollierbaren "Lärm" führt. Diese allgemeine Sorge, eine Variante des Babel-Einwandes, liegt drei konkreteren Argumenten zugrunde: dass Geld ohnehin dominieren wird, dass es zu einer Fragmentierung des Diskurses kommen wird und dass die Fragmentierung des Diskurses zu seiner Polarisierung führen wird. I 235 2. Eine Kritik der zweiten Generation an den demokratisierenden Auswirkungen des Internets ist, dass es sich in der Tat als nicht so egalitär oder verteilt erweist, wie es die Konzeption der 90er Jahre nahegelegt hatte. Erstens, gibt es eine Konzentration in den Kanälen und den grundlegenden Werkzeugen der Kommunikation. Zweitens, und unnachgiebiger für die Politik, selbst in einem offenen Netzwerk, konzentriert sich ein hohes Maß an Aufmerksamkeit auf einige wenige Top-Webseiten - eine winzige Anzahl von Webseiten wird von der überwiegenden Mehrheit der Leser gelesen, während viele Webseiten nie von jemandem besucht werden. In diesem Zusammenhang repliziert das Internet das Modell der Massenmedien, indem es vielleicht einige Kanäle hinzufügt, aber nicht wirklich etwas strukturelles verändert. I 236 3. [Ein weiteres Anliegen] im Kontext des Internets, (...) am deutlichsten von Neil Netanel artikuliert, ist, dass in den modernen komplexen Gesellschaften, in denen wir leben, kommerzielle Massenmedien entscheidend für die Erhaltung der Watchdog-Funktion der Medien sind. Große, anspruchsvolle, kapitalkräftige Regierungs- und Unternehmensmarktakteure verfügen über enorme Ressourcen, um nach Belieben zu handeln und um Überprüfung und demokratische Kontrolle zu vermeiden. 4. Eine Reihe von Behauptungen und deren Kritik haben mit den Auswirkungen des Internets auf autoritäre Länder zu tun. Die Kritik richtet sich gegen einen grundlegenden Glauben, der angeblich, und vielleicht sogar tatsächlich, von einigen Cyber-Liberalisten vertreten wird, dass bei ausreichendem Zugang zu Internet-Tools die Freiheit überall Einzug finden wird. Das entscheidende Argument hier ist, dass China mehr als jedes andere Land zeigt, dass es möglich ist, einer Bevölkerung den Zugang zum Internet zu ermöglichen - es ist jetzt die Heimat der zweitgrößten nationalen Bevölkerung von Internetnutzern - und diese zu kontrollieren. 5. Während das Internet den Kreis der Teilnehmer im öffentlichen Raum vergrößern kann, ist der Zugang zu seinen Tools zugunsten derjenigen ausgelegt, die in der Gesellschaft bereits gut situiert sind - in Bezug auf Reichtum, Rasse und Fähigkeiten. >Internet/Benkler, >Internet/Zittrain etc. I 241 Ad. 1. Anstatt dem Problem der Informationsüberflutung zu erliegen, lösen die Benutzer es, indem sie sich auf wenigen Webseiten "versammeln". Diese Schlussfolgerung basiert auf einer neuen, aber wachsenden Literatur über die Wahrscheinlichkeit, dass eine Webseite von anderen verlinkt wird. Die Verteilung dieser Wahrscheinlichkeit erweist sich als stark verzerrt. Das heißt, es gibt eine winzige Wahrscheinlichkeit, dass eine bestimmte Webseite von einer großen Anzahl von Personen verlinkt wird, und eine sehr große Wahrscheinlichkeit, dass für eine bestimmte Seite nur eine andere Seite oder sogar keine Webseite einen Link zu ihr aufweist. I 242 Ad. 2. Während das Internet, das Web und die Blogosphäre in der Tat eine viel größere Ordnung aufweisen als das "Free Wheeling" (nicht limitiert durch Regeln), würde das Bild "Jeder als Verfasser" (engl. everyone a pamphleteer) suggerieren,dass diese Struktur kein Massenmedienmodell repliziert. Wir sehen eine neu gestaltete Informationsumgebung, in der tatsächlich nur wenige Seiten von vielen gelesen werden, aber Cluster von mäßig gelesenen Webseiten bieten Plattformen für eine weitaus größere Anzahl von Sprechern als im massenmedialen Umfeld. Filterung, Akkreditierung, Synthese und Hervorhebung werden durch ein System des Peer Review durch informationsaffine Gruppen, thematisch oder interessenbezogen, geschaffen. Diese Gruppen filtern die Beobachtungen und Meinungen eines enormen Spektrums von Menschen und übermitteln diejenigen, die das lokale Peer-Review überstanden haben, an breitere Gruppen und letztlich an das Gemeinwesen, ohne auf marktbasierte Kontrollpunkte für den Informationsfluss zurückzugreifen. Das intensive Interesse und Engagement kleiner Gruppen, die gemeinsame Anliegen teilen, und nicht das Interesse des kleinsten gemeinsamen Nenners an großen Gruppen, die weitgehend voneinander entfremdet sind, ist es, was die Aufmerksamkeit auf Aussagen lenkt und sie sichtbarer macht. Dadurch wird die entstehende vernetzte Öffentlichkeit besser auf die stark geäußerten Bedenken eines viel breiteren Bevölkerungskreises reagieren, als die Massenmedien sehen konnten. So entsteht ein Kommunikationsprozess, der resistenter gegen Korruption durch Geld ist. I 264 Ad. 3. So wie das Internet eine Plattform für die Entstehung eines riesigen und effektiven Almanachs bieten kann, so wie freie Software exzellente Software produzieren kann und Peer-Produktion eine gute Enzyklopädie produzieren kann, so kann auch Peer-Produktion die öffentliche Watchdog-Funktion übernehmen. I 265 (...) netzwerkbasierte Peer Production vermeidet auch die inhärenten Konflikte zwischen investigativer Berichterstattung und dem Endergebnis - ihre Kosten, ihr Risiko der Rechtsstreitigkeiten, ihr Risiko, Werbung von entfremdeten Unternehmenssubjekten zurückzuziehen, und ihr Risiko, Leser zu entfremden. Aufbauend auf der großen Variation und Vielfalt von Wissen, Zeit, Verfügbarkeit, Einsicht und Erfahrung sowie den riesigen Kommunikations- und Informationsressourcen, die fast jedem in fortgeschrittenen Wirtschaften zur Verfügung stehen, stellen wir fest, dass auch die Watchdog-Funktion in der vernetzten Informationswirtschaft im Vergleich zu anderen "peer-produziert" wird. I 270 Ad. 4. (...) in autoritären Ländern erschwert und verteuert die Einführung der Internetkommunikation die Kontrolle der Öffentlichkeit durch die Regierungen. Wenn diese Regierungen bereit sind, auf die Vorteile der Internetanbindung zu verzichten, können sie dieses Problem vermeiden. Wenn sie es nicht sind, haben sie weniger Kontrolle über die Öffentlichkeit. Es gibt natürlich auch andere Mittel der direkteren Repression. Benkler I 359 Soziale Bindungen/Internetkultur/Studium/Benkler/Turkle/Kraut: Anstatt eine Lösung für die Probleme zu finden, die die Industriegesellschaft für Familie und Gesellschaft schafft, wurde das Internet als zunehmende Entfremdung angesehen, indem sich seine Nutzer darin verloren. Sie verbrachten keine Zeit mehr mit der Familie. Es tauchte sie in Ablenkungen von der realen Welt mit ihren realen Beziehungen. In einer Sozialversion des Babel-Einwandes (>Babel-Einwand/Benkler) wurde es als Verengung der gemeinsamen kulturellen Erfahrungen angesehen, so dass die Menschen mangels einer gemeinsamen Sitcom oder Nachrichtensendung zunehmend voneinander entfremdet wurden. Ein Strang dieser Kritik stellte den Wert von Online-Beziehungen selbst als plausibler Ersatz für eine reale menschliche Verbindung in Frage. Sherry Turkle, die bedeutendste frühe Forscherin virtueller Identität, charakterisierte dieses Anliegen wie folgt: "Ist es wirklich sinnvoll, vorzuschlagen, dass der Weg zur Revitalisierung der Gemeinschaft darin besteht, allein in unseren Zimmern zu sitzen, an unseren vernetzten Computern zu tippen und unser Leben mit virtuellen Freunden zu füllen?"(1) Benkler I 360 Ein weiterer Kritikpunkt konzentrierte sich weniger auf die Oberflächlichkeit, um nicht zu sagen die Leere der Online-Beziehungen, als vielmehr auf die schiere Zeit. Nach diesem Argument ging die im Netz verbrachte Zeit und Mühe auf Kosten der Zeit mit Familie und Freunden. Prominent und oft in dieser Hinsicht zitiert wurden zwei Frühstudien. Das erste mit dem Titel "Internet Paradox" wurde von Robert Kraut(2) geleitet. Es war die erste Längsschnittstudie mit einer erheblichen Anzahl von Nutzern - 169 Nutzer im ersten oder zweiten Jahr ihrer Internetnutzung. Kraut und seine Mitarbeiter fanden einen leichten, aber statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen der Zunahme der Internetnutzung und (a) der Abnahme der familiären Kommunikation, (b) der Abnahme der Größe des sozialen Kreises in Nah und Fern und (c) der Zunahme von Depression und Einsamkeit. Die Forscher gingen davon aus, dass die Nutzung des Internets starke durch schwache Bindungen ersetzt. Zwei Jahre später folgte eine zweite, sensationellere Veröffentlichung einer Studie. Im Jahr 2000 betonte das Stanford Institute for the Quantitative Study of Society in einem "vorläufigen Bericht" über Internet und Gesellschaft - mehr eine Pressemitteilung als ein Bericht - die Feststellung, dass "je mehr Stunden die Menschen im Internet verbringen, desto weniger Zeit verbringen sie mit echten Menschen"(3). Die tatsächlichen Ergebnisse waren etwas weniger stark als die weit verbreitete Pressemitteilung. Wie bei allen Internetnutzern gaben nur etwas mehr als acht Prozent an, weniger Zeit mit der Familie zu verbringen; sechs Prozent gaben an, mehr Zeit mit der Familie zu verbringen, und 86 Prozent verbrachten etwa die gleiche Zeitspanne. I 361 Vs: Das stärkste Ergebnis, das die "Isolation"-These in dieser Studie unterstützt, war, dass 27 Prozent der Befragten, die ständige Internetnutzer waren, angaben, weniger Zeit am Telefon mit Freunden und Familie zu verbringen. Die Studie fragte nicht, ob sie E-Mail anstelle des Telefons benutzten, um mit diesen Familienmitgliedern und diesen Freunden in Kontakt zu bleiben, und ob sie dachten, sie hätten dadurch mehr oder weniger eine Verbindung zu diesen Freunden und der Familie. I 362 Wenn Internetverbindungen nicht tatsächlich den direkten, unmittelbaren menschlichen Kontakt verdrängen, gibt es keine Grundlage zu der Annahme, dass die Nutzung des Internets zu einem Rückgang der gehaltvollen Verbindungen führen wird, die wir psychologisch benötigen, oder der nützlichen Verbindungen, die wir sozial herstellen und die auf dem direkten menschlichen Kontakt mit Freunden, Familie und Nachbarn basieren. I 363 Die Beziehungen zu der lokalen geografischen Gemeinschaft und zu den engen Freunden und der Familie scheinen durch die Internetnutzung nicht wesentlich beeinträchtigt zu werden. Soweit diese Beziehungen betroffen sind, ist der Effekt positiv. So setzten Kraut und seine Mitarbeiter ihr Studium fort und vertieften dieses für weitere drei Jahre. Sie fanden heraus, dass sich die negativen Auswirkungen, die sie im ersten oder zweiten Jahr gemeldet hatten, über den gesamten Beobachtungszeitraum verteilt hatten(4). Ihre grundlegende Hypothese, dass das Internet wahrscheinlich schwache Bindungen verstärkt hat, steht jedoch im Einklang mit anderen Forschungs- und Theoriearbeiten. I 364 Menschen, unabhängig davon, ob sie mit dem Internet verbunden sind oder nicht, kommunizieren weiterhin bevorzugt mit Menschen, die sich geografisch in der Nähe befinden, als mit Menschen, die weit entfernt sind(5). Dennoch kommunizieren Menschen, die mit dem Internet verbunden sind, mehr mit Menschen, die geografisch entfernt sind, ohne die Anzahl der lokalen Verbindungen zu verringern. 1. Sherry Turkle, “Virtuality and Its Discontents, Searching for Community in Cyberspace,” The American Prospect 7, no. 24 (1996); Sherry Turkle, Life on the Screen: Identity in the Age of the Internet (New York: Simon & Schuster, 1995). 2. Robert Kraut et al., “Internet Paradox, A Social Technology that Reduces Social Involvement and Psychological Well Being,” American Psychologist 53 (1998): 1017–1031. 3. Norman H. Nie and Lutz Ebring, “Internet and Society, A Preliminary Report,” Stanford Institute for the Quantitative Study of Society, February 17, 2000, 15 (Press Release), http://www.pkp.ubc.ca/bctf/Stanford_Report.pdf. [Website not available as of 08/08/19] 4. Robert Kraut et al., “Internet Paradox Revisited,” Journal of Social Issues 58, no. 1 (2002): 49. 5. Barry Wellman, “Computer Networks as Social Networks,” Science 293, issue 5537 (September 2001): 2031. |
Benkler I Yochai Benkler The Wealth of Networks: How Social Production Transforms Markets and Freedom New Haven 2007 |
| Interpretation | Ball | Gaus I 18 Interpretation/Ball: (...) Interpretation ist keine Option, sondern eine Notwendigkeit für die sinnsuchenden Geschöpfe, die wir sind. (...) [dies ist] meine eigene 'pluralistische' und 'problemorientierte' Herangehensweise an die Interpretation von Texten in der politischen Theorie[:] Ich möchte durchweg zwei Punkte besonders hervorheben: dass nicht alle Interpretationen gleich gültig oder wertvoll sind; und dass Interpretationen rational kritisierbar und korrigierbar sind. Die Interpretation kommt mit dem Territorium des Menschseins. Es ist eine Tätigkeit, der sich der Mensch nicht entziehen kann. Gaus I 19 Es gibt auch keinen neutralen Standpunkt oder archimedischen Standpunkt, von dem aus ein Text, ob klassisch oder nicht, interpretiert und bewertet werden könnte. Jede Interpretation impliziert und hat ihren Ursprung in einem bestimmten Blickwinkel oder Standpunkt. >Perspektive, >Absolutheit. Ball, Terence. 2004. „History and the Interpretation of Texts“. In: Gaus, Gerald F. 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications. |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Interpretation | Feminismus | Gaus I 23 Interpretation/Politik/Feminismus/Ball: Der Feminismus hat die Art und Weise, wie wir Werke in der Geschichte des politischen Denkens untersuchen und interpretieren, tiefgreifend und nachhaltig beeinflusst. >Geschichtsschreibung, vgl. >Geschichte, >Politik. Eine feministische Perspektive stellt die Geschlechterfrage in den Vordergrund, und von diesem Standpunkt aus betrachtet man die politische Theorie neu und macht interessante - und manchmal erschreckende - Entdeckungen (...). Eine solche Sensibilität verleiht dem Studium "klassischer" Werke einen starken Anflug von Skepsis. Denn, wie Susan Okin bemerkt, "die große Tradition der politischen Philosophie besteht im Allgemeinen aus Schriften von Männern, für Männer und über Männer" (Okin 1979: 5)(1). Diese Tradition aus einer feministischen Perspektive zu untersuchen, ist insofern bemerkenswert, als dass der bürgerliche und rechtliche Status von Frauen lange Zeit als ein Thema angesehen wurde, das einer theoretischen Behandlung nicht würdig war - oder vielleicht nur unter der Verachtung der Theoretiker und daher außerhalb der Reichweite von Historikern des politischen Denkens, von denen die meisten zufällig männlich sind. Eine feministische oder geschlechterzentrierte Herangehensweise an die Geschichte des politischen Denkens begann in den 1960er Jahren, als Frauen auf der Suche nach einer "nutzbaren Vergangenheit" waren, einer Geschichte, die die gegenwärtigen Kämpfe mit früheren, von den meist männlichen Historikern weitgehend vernachlässigten verbindet. Feministische Historikerinnen des politischen Denkens suchten Heldinnen - und Helden -, die sich für die Rechte der Frauen und damit verbundene Anliegen eingesetzt hatten. Eine frühe Anthologie (Schneir, 1972)(2) enthielt nicht nur Auszüge aus Mary Wollstonecraft, Emma Goldman und anderen, sondern auch einen Abschnitt über "Männer als Feministinnen", der Friedrich Engels, John Stuart Mill und andere Männer in das feministische Pantheon stellte. Diese transsexuelle "Volksfront" suchte Unterstützung von allen verfügbaren Seiten. Während dieser kurzen Zeit erschienen mehrere spezialisierte Studien über bestimmte Denker. Theoretiker, die man grob als "liberal" bezeichnen könnte, wurden für besondere Aufmerksamkeit und Huldigung herausgegriffen. Melissa Butler (1991)(3) fand die "liberalen Wurzeln" des Feminismus in Lockes "Angriff auf den Patriarchalismus". >J. Locke. Jeremy Bentham wurde als "der Vater des Feminismus" (Boralevi, 1984(4): Kap. 2) und John Stuart Mill als sein "Schutzpatron" (Williford, 1975)(5) geehrt. >J. Bentham, >J. St. Mill. Diese Volksfront war jedoch nur von kurzer Dauer, denn der Vater wurde als Patriarch und als so etwas wie ein Frauenfeind entlarvt und der Schutzpatron als heimlicher Sünder mit einer verborgenen Schwäche (Okin, 1979(1): Kap. 9; Pateman, 1988(6); 1989(7)). >S. M. Okin. 1. Okin, Susan M. (1979) Women in Western Political Thought. Princeton, NJ: Princeton University Press. 2. Schneir, Miriam, ed. (1972) Feminism: The Essential Historical Writings. New York: Vintage. 3. Butler, Melissa A. (1991) ‘Early liberal roots of feminism: John Locke and the attack on patriarchy’. In Mary Lyndon Shanley and Carole Pateman, eds, Feminist Interpretations and Political Theory. University Park, PA: Pennsylvania State University Press. 4. Boralevi, Lea Campos (1984) Bentham and the Oppressed. Berlin: de Gruyter. 5. Williford, Miriam (1975) ‘Bentham on the rights of women’. Journal of the History of Ideas, 36: 167–76. 6. Pateman, Carole (1988) The Sexual Contract. Stanford, CA: Stanford University Press. 7. Pateman, Carole (1989) The Disorder of Women. Stanford, CA: Stanford University Press. Ball, Terence. 2004. „History and the Interpretation of Texts“. In: Gaus, Gerald F. 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications. |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Interpretation | Habermas | III 150 Interpretation/Handlung/Situation/Habermas: Es hat keiner der Beteiligten in einer Handlungssituation ein Interpretationsmonopol. Jeder Kommunikationsteilnehmer ordnet die verschiedenen Elemente der Handlungssituation jeweils einer der drei Welten (einer objektiven, einer sozialen Welt und einer subjektiven Welt als der Gesamtheit der privilegiert zugänglichen Erlebnisse des Sprechers) zu. >Objektive Welt, >Soziale Welt, >Subjektive Welt, Interpretationen müssen dann nicht in jedem Fall oder auch nur normalerweise zu einer stabilen und eindeutig differenzierten Zuordnung führen. III 154 Normenregulierte Handlung: Bei ihrer Interpretation fordert der Handelnde den Interpreten heraus, nicht nur die tatsächliche Normenkonformität bzw. die faktische Geltung einer Norm, sondern die Richtigkeit dieser Norm selbst zu prüfen. >Normen, >Richtigkeit. III 155 Der Interpret kann diese Herausforderung von einem wertskeptischen Standpunkt aus als sinnlos zurückweisen. >Werte, >Sinn. III 158 Problem: Für das Verständnis kommunikativer Handlungen müssen wir zwischen Bedeutungs- und Geltungsfragen trennen. Die Interpretationsleistungen eines Beobachters unterscheiden sich von die Koordinationsbestrebungen der Teilnehmer. >Beobachtung, >Außen/innen. Der Beobachter bemüht sich nicht um eine konsensfähige Deutung. Aber vielleicht unterschieden sich hier nur die Funktionen, nicht die Strukturen der Interpretation. |
Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |
| Interpretation | Luther | Gadamer I 178 Bibel/Interpretation/Heilige Schrift/Luther/Gadamer: Der Standpunkt Luthers(1) ist etwa folgender: Die Heilige Schrift ist sui ipsius interpres. Man bedarf nicht der Tradition, um das rechte Verständnis derselben zu erwerben, auch nicht einer Auslegungskunst im Stile der antiken Lehre vom vierfachen Schriftsinn, sondern der Wortlaut der Schrift hat einen eindeutigen, aus ihr selbst zu ermittelnden Sinn, den sensus litteralis. Die allegorische Methode im Besonderen, die für die dogmatische Einheitlichkeit der biblischen Lehre vordem unentbehrlich schien, ist nur dort legitim, wo die allegorische Absicht in der Schrift selbst gegeben Ist. So ist sie bei den Gleichnisreden am Platz. Das Alte Testament dagegen darf seine spezifisch christliche Relevanz nicht durch eine allegorische Interpretation gewinnen. >Allegorie. Man muss es wörtlich verstehen, und gerade indem man es wörtlich versteht Gadamer I 179 und in ihm den Standpunkt des Gesetzes erkennt, den die Gnadentat Christi aufhebt, hat es eine christliche Bedeutung. Der wörtliche Sinn der Schrift freilich ist nicht an jeder Stelle und in jedem Augenblick eindeutig verstehbar. Denn es ist das Ganze der Heiligen Schrift, das das Verständnis des Einzelnen leitet so wie umgekehrt dieses Ganze nur aus dem durchgeführten Verständnis des Einzelnen erworben wird. Gadamer: Ein solches zirkelhaftes Verhältnis von Ganzem und Teilen ist an sich nichts Neues. Das wusste schon die antike Rhetorik, die die vollkommene Rede mit dem organischen Körper, dem Verhältnis von Haupt und Gliedern vergleicht. Luther und seine Nachfolger übertrugen dieses aus der klassischen Rhetorik bekannte Bild auf das Verfahren des Verstehens und entwickelten als allgemeinen Grundsatz einer Textinterpretation, dass alle Einzelheiten eines Textes aus dem contextus, dem Zusammenhang, und aus dem einheitlichen Sinn, auf den das Ganze zielt, dem scopus, zu verstehen sind. >Zirkularität, >Hermeneutischer Zirkel, >Hermeneutik, >Kontext, >Verstehen. Problem/GadamerVsLuther: 1. Indem sich die reformatorische Theologie für die Auslegung der Heiligen Schrift auf diesen Grundsatz beruft, bleibt sie freilich ihrerseits in einer dogmatisch begründeten Voraussetzung befangen. Sie macht die Voraussetzung, dass die Bibel selbst eine Einheit ist. Gadamer I 180 GadamerVsLuther: 2. (…) die reformatorische Theologie erscheint nicht einmal als konsequent. Indem sie schließlich die protestantischen Glaubensformeln als Leitfaden für das Verständnis der Einheit der Bibel in Anspruch nimmt, hebt auch sie das Schriftprinzip auf zugunsten einer allerdings kurzfristigen reformatorischen Tradition. So hat darüber nicht nur die gegenreformatorische Theologie, sondern auch Dilthey geurteilt(2). >Reformation, >W. Dilthey. 1. Die hermeneutischen Prinzipien der lutherischen Bibelerklärung sind nach K. Roll vor allem durch G. Ebeling eingehend erforscht worden. (G. Ebeling, Ev. Evangelienauslegung. Eine Untersuchung zu Luthers Hermeneutik [1942] und Die Anfänge von Luthers Hermeneutik [ZThK 48, 1951 , 172 -230] und neuerdings Wort Gottes und Hermeneutik [ZThK 56, 1959]) . 2. Vgl. Dilthey II, 126 Anm. 3 die von Richard Simon an Flacius geübte Kritik. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Intersubjektivität | Flusser | I 213 "Intersubjektivität"/Flusser: Intersubjektivität führt dazu zu sagen: Eine Aussage ist desto wahrer, je mehr Standpunkte darin zum Ausdruck kommen. Wahrheitssuche hört auf epistemologisch zu sein und wird "religiös" in einem neuen, noch unbekannten Sinn. >Perspektive, >Wahrheit, >Objektivität, >Subjektivität, >Gesellschaft, >Vereinheitlichung. Standpunkt: Vielfalt. Nicht Gleichgültigkeit, sondern Einsicht, dass jeder Standpunkt einen spezifischen Wert projiziert. >Aspekte, vgl. >Relativismus, >Kulturrelativismus. |
Fl I V. Flusser Kommunikologie Mannheim 1996 |
| Intersubjektivität | Mead | Habermas IV 146 Intersubjektivität/MeadVsKant/Mead/Habermas: Wenn Motive und Handlungsziele nur unter traditionsabhängigen Deutungen zugänglich sind, kann der einzelne Handelnde für die Fortbildung und die Revision seiner Bedürfnisinterpretationen nicht selbst letzte Instanz sein. Seine Interpretationen wandeln sich vielmehr im Kontext der Lebenswelt der sozialen Gruppen, denen er angehört. Das monologische Prinzip der Kantischen Ethik versagt, wie jedes monologische Verfahren, vor dieser Aufgabe. MeadVsKant: vom Kantischen Standpunkt nimmt man an, Habermas IV 147 dass (jeweils) der Standard gegeben ist. Wenn man aber über keinen Standard verfügt, wird einem bei der Entscheidung nicht geholfen. Die einfache Verallgemeinerung des eigenen Handlungsprinzips hilft dabei nicht.(1) >Ethik/Kant. 1. G. H. Mead, Mind, Self and Society (Ed) Ch. W. Morris (German) Frankfurt 1969, S.432. |
Mead I George Herbert Mead Geist, Identität und Gesellschaft aus der Sicht des Sozialbehaviorismus Frankfurt 1973 Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |
| Irrationalität | Weber | Habermas III 259 Irrationalität/Weber/Habermas: Weber interessiert die Herkunft jenes irrationalen Elements, welches darin liegt, sich an die Berufsarbeit so hinzugeben, wie es vom Standpunkt des Eigeninteresses nicht verständlich ist und das charakteristisch ist für die kapitalistische Kultur.(1) >Interesse, >Kultur, >Kapitalismus, >Erklärung. Habermas III 260 Innerweltliche Askese/Weber/Habermas: Innerweltliche Askese des Einzelnen im Umgang mit der eigenen subjektiven Natur wie mit den Interaktionspartnern entspricht der Blindheit des Gehorsams gegenüber dem schlechthin irrationalen Ratschluss Gottes. >Interaktion, >Subjektivität, >Gehorsam. Habermas: Wenn die Lebensform irrationale Züge trägt, und nicht nur eine kulturelle Eigenart III 261 zum Ausdruck bringt, dann liegen diese tatsächlich auf derselben Ebene wie die Rationalität. Dieser Widerspruch ist nur dann aufzulösen, wenn man den bloß partiellen, d.h. unvollständigen Charakter dieser geschichtlichen Gestalt ethischer Rationalisierung nachweisen kann. >Rationalität, >Rationalisierung. 1.M.Weber, Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, Bd. I Tübingen, 1963, S. 259. |
Weber I M. Weber Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus München 2013 Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |
| Kapital | Solow | Harcourt I 7 Kapital/Messungen/Kapitalrendite/Fisher/SolowVsFisher/Solow/Harcourt: Solow [1963a(1), 1966(2), 1967(3), 1970(4)]: Solows Ziel war es unter anderem, die Hindernisse der Kapitalmessung und die damit verbundenen Probleme zu überwinden, indem er stattdessen das Konzept der Investitionsrendite entwickelte. >Kapitalrendite. Seine eigenen Beiträge bestanden darin, den technischen Fortschritt auf Fishers Analyse zu übertragen und die daraus resultierenden Konzepte empirisch anzuwenden, um Schätzungen der Größenordnungen der Investitionsrenditen in den Nachkriegs-USA und Westdeutschland zu erhalten. >Irving Fisher. Joan RobinsonVsSolow: Es wird argumentiert, dass Solow weder in der Theorie noch in der empirischen Arbeit in der Lage war, sich vollständig von der Notwendigkeit zu befreien, das Gesamtkapital zu definieren und zu messen und innerhalb der Grenzen eines Ein-Waren-Modell zu arbeiten. >Aggregiertes Kapital. Harcourt I 46 Kapital/SolowVsRobinson/Solow/Harcourt: Solows Kommentar in Solow [1956a](5) zu Joan Robinsons [1953-4](6) Artikel: Solow untersuchte die Bedingungen, unter denen es legitim wäre, heterogene Kapitalposten zu einer einzigen Zahl zu aggregieren, zweifellos mit Blick auf seine späteren ökonometrischen Studien. >Ökonometrie. Er stellte fest, dass die Bedingungen sehr streng waren - die Rate, mit der ein Kapitalgut durch ein anderes ersetzt werden konnte, musste unabhängig von der Menge an Arbeit sein, die anschließend für jedes einzelne eingesetzt wurde. (Er erörtert in diesem Zusammenhang ein neoklassisches Modell, in dem eine kontinuierliche Substitution möglich ist, nicht den diskreten Fall des Artikels von Joan Robinson, aber er geht gegen Ende seines Artikels auch auf letzteren ein). >Neoklassiker. Seine Schlussfolgerung wird im Folgenden vollständig zitiert, da sie den Standpunkt, den er in den anschließenden Debatten vertritt, sehr deutlich zum Ausdruck bringt: „Ich komme zu dem Schluss, dass Vollständigkeit wahrscheinlich nicht hilfreich ist. Nur in sehr speziellen Fällen wird es möglich sein, ein einheitliches Maß für das Kapital im Allgemeinen zu definieren. Ein gewisser Trost mag aus der Überlegung erwachsen, dass wir bei großen Unterschieden im Verhältnis zwischen Kapital und Arbeit kaum einen subtilen Index brauchen, der uns das sagt, und dass wir bei geringen Unterschieden kaum glauben werden, was ein bestimmter Index sagt.“ (p. 108.)(5) Harcourt: Für Solow ist „Kapital als Zahl keine prinzipielle Frage. Alle rigoros gültigen Ergebnisse stammen aus n-Kapital-Gut-Modellen. Insbesondere gibt es keine Rechtfertigung für die Annahme, dass der Output zu einer Funktion der Arbeit und des WERTES des Kapitals gemacht werden kann, dessen partielle Ableitungen das Richtige tun'. Das Kapital als Zahl ist lediglich ein Hilfsmittel für die empirische Arbeit, „und man möchte mit der kleinstmöglichen Dimensionalität auskommen“ (Solow [1969](7)). >Kapital, >Ökonomische Modelle. Harcourt: Hätten sich die Teilnehmer damit begnügt, die Diskussion hier zu belassen, hätte die Literatur der folgenden Jahre vielleicht viel mehr Licht - und sicherlich viel weniger Hitze - gebracht.* >Kapitalkontroverse. Harcourt I 92 Kapital/Solow/Swan/Harcourt: Solows grundlegendes Rätsel bezüglich eines einfachen, einzigartigen Kapitalmaßes, das in Wirklichkeit viele Dimensionen und Eigenschaften hat, wurde von Swan [1956](11) wie folgt treffend formuliert: „Es ist nicht verwunderlich, dass es große Schwierigkeiten bei der Handhabung des Kapitalbegriffs in einem Prozess der Veränderung gibt. Ein langlebiges Gerät oder eine Pipeline mit unfertigen Erzeugnissen hat zeitliche Dimensionen, die Sequenzen von Inputs und Outputs verbinden, die zu verschiedenen Zeitpunkten gemeinsam angefordert oder geliefert werden. Die Aggregation des Kapitals zu einem einzigen Bestand zu einem bestimmten Zeitpunkt ist somit das Korrelat einer Aggregation des gesamten Wirtschaftsprozesses, nicht nur im Querschnitt (was zu den üblichen Indexzahlenproblemen führt), sondern auch in der Zeit selbst: mit anderen Worten, die Reduktion eines sehr komplexen Systems von verzögerten Gleichungen - in dem jedes Ereignis, seine vergangenen Ursprünge und seine zukünftigen Folgen ordnungsgemäß datiert und in der Zeit zurück- und vorwärtsverfolgt werden können - auf ein handlicheres System mit weniger Verzögerungen. Diese zweite Art der Aggregation führt eine weitere Reihe von Unklarheiten ein, die im Prinzip denen von Indexzahlen ähneln, aber bisher kaum untersucht wurden... Von der Vorstellung des Kapitals als einem einzigen Bestand gibt es im Prinzip keinen plötzlichen Übergang zum „riesigen Who is Who aller existierenden Güter“. Zwischen den beiden Extremen liegt eine aufsteigende Skala dynamischer Systeme n-ter Ordnung, in der das Kapital wie alles andere immer feiner unterteilt und datiert wird, mit aufsteigenden Graden von (potenziellem) Realismus und (tatsächlicher) Komplexität. Tatsächlich bleiben die meisten von uns auf dem Boden der Tatsachen, auf dem Boden, der sich unter unseren Füßen bewegt.“ (p. 345.) >Trevor W. Swan. Solow/Harcourt: Als bekennender Durchschnittsbürger sieht Solow in der Kapitalrendite das Bindeglied zwischen der anspruchsvollen Kapitaltheorie - und dem Kapitalismus - Harcourt I 93 die mikroökonomische Theorie der Ressourcenallokation und der Preise, die der Tatsache Rechnung trägt, dass Güter im Laufe der Zeit in andere umgewandelt werden können, und die nur dann vollständig ist, wenn sie auch die Verteilung zwischen den Faktoren erklärt - und die einfache Theorie, die sich mit Aggregation und Annäherung befasst und sich auf die empirischen Auswirkungen von Spar- und Investitionsentscheidungen bezieht. Indem wir diese Probleme in Bezug auf eine Rendite, d. h. einen Preis, analysieren, tragen wir der Tatsache Rechnung, dass „die Kapitaltheorie als ihr ‚‘Zwilling‚‘ eine Theorie der intertemporalen Preisbildung hat“ (Solow [1963a](11), S. 14.) > href="https://www.philosophie-wissenschaft-kontroversen.de/details_wirtschaft_politik.php?id=4556025&a=t&autor=Solow&vorname=Robert&thema=Kapitalrendite">Kapitalrendite/Solow. * Solows letzte Stellungnahme zu diesen Ansichten findet sich in Solow [1970](8), S. 424 und 427-8 (siehe aber auch Pasinetti [1970](9), S. 428-9). 1. Solow, R. M [1963] 'Heterogeneous Capital and Smooth Production Functions: An Experimental Study', Econometrica, xxxi, pp. 623-45. 2. Solow, R. M., Tobin, J., von Weizsacker, C. C. and Yaari, M. [1966] 'Neoclassical Growth with Fixed Factor Proportions', Review of Economic Studies, xxxm, pp. 79-115. 3. Solow, R. M. [1967] 'The Interest Rate and Transition between Techniques', Socialism, Capitalism and Economic Growth, Essays presented to Maurice Dobb, ed. by C. H. Feinstein (Cambridge: Cambridge University Press), pp. 30-9. 4. Solow, R. M [1970] 'On the Rate of Return: Reply to Pasinetti. Economic Journal, LXXX, pp.423-8. 5. Solow, R. M. [1956a] 'The Production Function and the Theory of Capital', Review of Economic Studies, xxin, pp. 101-8. 6. Robinson, Joan (1953-4). 'The Production Function and the Theory of Capital', Review of Economic Studies, xxi. 7. Solow, R. M. [1969] Letter to author. 8. Solow, R. M. [1970] 'On the Rate of Return: Reply to Pasinetti Economic Journal, LXXX, pp.423-8. 9.Pasinetti, L.L. [1970] 'Again on Capital Theory and Solow's "Rate of Return" ', Economic Journal, LXXX, pp. 428-31. 10. Swan, T. W. [1956] 'Economic Growth and Capital Accumulation', Economic Record, xxxn, S. 334-61. 11. Solow, Robert M. [1963a] (Professor Dr. F. De Vries Lectures, 1963) Capital Theory and the Rate of Return (Amsterdam: North-Holland). |
Solow I Robert M. Solow A Contribution to the Theory of Economic Growth Cambridge 1956 Harcourt I Geoffrey C. Harcourt Some Cambridge controversies in the theory of capital Cambridge 1972 |
| Kapitalrendite | Neo-Keynesianismus | Harcourt I 95 Kapitalrendite/VsSolow/Neo-Keynesianismus/Harcourt: Solow behauptet, die Berechnung der Rendite erfordere keine Messung des Kapitalstocks, ja nicht einmal unbedingt eine Erwähnung desselben, obwohl er sich in einigen seiner theoretischen Beispiele und in seiner empirischen Arbeit selbst untreu wird. Er behauptet auch, dass die neoklassische Theorie, soweit sie sich um die Rendite dreht, der Annahme der Formbarkeit entgehen kann und „sowohl die Form als auch die Proportionen festhalten kann“ (S. 27)(1). Harcourt I 66 Terminologie/Harcourt: (...) [wir unterscheiden] zwischen der Welt des formbaren Kapitals, in der der technische Fortschritt entkörperlicht ist ((s) z.B. Wissen), und der Welt der Güter, in der er verkörpert ist (...). Harcourt I 96 Neo-Keynesianismus/Harcourt: Es ist viel besser, insbesondere wenn man sich mit den Problemen befasst, die Solow im vorliegenden Zusammenhang im Sinn hat, vom neoklassischen stationären Zustand mit seinem gegebenen Gesamtfaktorangebot wegzukommen und sich in die Güter-Welt zu begeben, in der Investitionsentscheidungen auf der Grundlage der Ex-ante-Produktionsfunktion getroffen werden, am Rande des Kapitalstocks, der jedoch nicht gemessen werden muss. Wie wir gesehen haben, ist es diese Welt, in der die Marshall'sche Langfristanalyse richtig funktioniert und ihr Wesen hat.* Formbarkeit: Ferguson [1969](2) sieht in der Annahme der Formbarkeit jedoch eine bequeme Möglichkeit, Tendenzen im Zusammenhang mit Substitutionsmöglichkeiten zu analysieren, die nicht durch die Zwänge der kurzen Periode eingeschränkt sind. Hier zeigt sich eine grundlegende Meinungsverschiedenheit zwischen den beiden Seiten. Die eine Seite argumentiert, dass die Analyse immer die reale Welt im Auge behalten muss, auch wenn natürlich Vereinfachungen notwendig sind, während die andere Seite argumentiert, dass Tendenzen isoliert analysiert werden können, auch wenn sie zwangsläufig nie in ihrer reinen Form in realen Situationen auftauchen werden. Handlungen/Zeit/Robinson: So betont beispielsweise Joan Robinson, dass Handlungen per definitionem immer kurzfristig stattfinden, so dass nur selten davon abstrahiert werden sollte. * Stigler [1941](3), S. 303, vertritt in seiner Erörterung des Kapitalbegriffs von J. B. Clark denselben Standpunkt wie Solow. Siehe auch Hicks [1932](4), S. 19-22. 1. Solow, R. M. [1967] 'The Interest Rate and Transition between Techniques', Socialism, Capitalism and Economic Growth, Essays presented to Maurice Dobb, ed. by C. H. Feinstein (Cambridge: Cambridge University Press), pp. 30-9. 2. Ferguson, C. E. [1969] The Neoclassical Theory of Production and Distribution (Cambridge: Cambridge University Press). 3. Stigler, George J. [1941] Production and Distribution Theories: The Formative Period (New York: Macmillan). 4. Hicks, J. R. [1932] The Theory of Wages (London: Macmillan). |
Harcourt I Geoffrey C. Harcourt Some Cambridge controversies in the theory of capital Cambridge 1972 |
| Kapitalverkehrskontrollen | Fischer | Feldstein I 455 Kapitalverkehrskontrollen/Stanley Fischer: Es gibt Unterschiede zwischen den Arten von Kapitalkontrollen. In erster Linie bedarf es aufsichtsrechtlicher Kontrollen des Fremdwährungsrisikos von Banken und möglicherweise anderen Institutionen. Wir brauchen mehr Arbeit, um die Wirksamkeit der verschiedenen Arten von aufsichtsrechtlichen Kontrollen zu untersuchen und auch um zu prüfen, ob irgendetwas getan werden kann oder muss, um die Engagements von Nicht-Finanzunternehmen zu begrenzen. Das Problem der Kapitalzuflüsse in einem Land, das versucht, sich zu stabilisieren, und dazu hohe inländische Zinssätze benötigt, ist ein bekanntes und schwieriges Problem. Nicht viele Länder haben es erfolgreich bewältigt. Chile schon. Vielleicht haben die Kontrollen gar nichts mit dem Erfolg Chiles zu tun, wie manche behaupten, aber das ist schwer zu beweisen. Die chilenischen Kontrollen sind marktbasiert und erfordern eine Reserveeinlage bei der Zentralbank. Solche marktbasierten Maßnahmen sind administrativen Kontrollen mit einem großen Ermessensspielraum vorzuziehen. >Wechselkursvolatilität/Rogoff. Feldstein I 456 IWF/Fischer: Lassen Sie mich auch auf den Vorschlag eingehen, das IWF-Übereinkommen dahingehend zu ändern, dass die Liberalisierung der Kapitalströme zu einem Ziel des IWF wird. Gegenwärtig ist eines unserer Ziele die Förderung der Konvertibilität der Leistungsbilanz, nicht aber die Konvertibilität der Kapitalbilanz - obwohl wir unter bestimmten Umständen von den Ländern Kapitalkontrollen verlangen dürfen. Der Vorschlag, die Artikel in dieser Richtung zu ändern, hat in vielen Entwicklungsländern große Besorgnis ausgelöst, wenn auch, wie ich glaube, keine berechtigte Besorgnis. Die Liberalisierung der Kapitalverkehrsbilanz ist etwas, das auf lange Sicht fast jedes Land treffen wird, so wie die Liberalisierung der Leistungsbilanz fast jedes Land getroffen hat. Und auf lange Sicht, wenn sich die Finanzstrukturen festigen, wird dies eine gute Sache sein. Kontingente/Kapitalbilanz/Fischer: Wir wissen, dass Kontingente im Großen und Ganzen schlechter sind als Zölle, auch wenn das Gegenteil unter ganz bestimmten Umständen gelegentlich der Fall ist. Wir wissen etwas über die Liberalisierung durch eine proportionale Senkung der Zölle und so weiter. Wir haben keine ähnlichen Antworten für die Kapitalbilanz - und wir sollten versuchen, sie zu entwickeln. ((s) Geschrieben im Jahr 1999). Feldstein I 457 Gleichgewicht/Fischer: (...) Ich habe große Schwierigkeiten zu verstehen, woher wir wissen, ob der Markt das Richtige tut, ob es nicht ein anderes Gleichgewicht gibt, und was genau diese Situationen antreibt. Aber wenn man davon ausgeht, dann muss man sich fragen, ob die Länder in einer Krise oder in anderen Situationen nicht zumindest versuchsweise einen Standpunkt dazu einnehmen sollten, wo der Wechselkurs sein sollte. Natürlich können sie unter diesen Umständen nicht in großem Umfang auf Reserven zurückgreifen, um einen bestimmten Kurs zu verteidigen, aber sie können versuchen, den Zinssatz zu nutzen, um zu verhindern, dass er sich zu weit bewegt. Stanley Fisher. „Crises that don’t happen.“ In: Martin Feldstein (ed). International Capital Flows. Chicago: University of Chicago Press. 1999. |
Fischer St I Stanley Fischer Imf Essays From a Time of Crisis Boston: MIT 2005 Feldstein I Martin Feldstein (ed.) International Capital Flows. Chicago: University of Chicago Press. 1999. Chicago 1999 |
| Kaufkraft | Rothbard | Rothbard III 237 Kaufkraft/Rothbard: Für jedes Gut außer Geld ist also die Kaufkraft seiner Einheit identisch mit dem Geldpreis, den es auf dem Markt erzielen kann. Was ist die Kaufkraft der Geldeinheit? Offensichtlich kann die Kaufkraft z. B. einer Unze Gold nur im Verhältnis zu allen Gütern betrachtet werden, die mit dieser Unze gekauft werden können oder zu deren Kauf sie beitragen kann. Die Kaufkraft der Geldeinheit besteht aus der Gesamtheit der Güterpreise in der Gesellschaft in Bezug auf diese Einheit.(1) >Geld/Rothbard, >Preis/Rothbard. Rothbard III 300 Kaufkraft/Rothbard: (...) sie gibt nicht, wie man vielleicht denken könnte, einen genauen Hinweis auf die Menge an Dienstleistungen, die jedes Individuum rein aus austauschbaren Konsumgütern erhält. Ein Einkommen von 50 Unzen Gold in einem Jahr bedeutet für ihn nicht dasselbe an Dienstleistungen aus austauschbaren Gütern wie ein Einkommen von 50 Unzen in einem anderen Jahr. Die Kaufkraft des Geldes in Bezug auf alle anderen Waren ändert sich ständig, und es gibt keine Möglichkeit, solche Änderungen zu messen. >Einkommen/Rothbard, >Allokation/Rothbard. Problem: (...) als Historiker und nicht als Ökonomen können wir ungenaue Urteile abgeben, indem wir das „reale“ Einkommen und nicht das Geldeinkommen zwischen den Perioden vergleichen. >Einkommen/Rothbard. Wenn Jones also in einem Jahr 1.000 Unzen Einkommen erhielt und im nächsten Jahr 1.200, und die Preise im Laufe des Jahres allgemein gestiegen sind, ist sein „reales Einkommen“ in Form von Waren, die mit dem Geld gekauft werden können, deutlich weniger gestiegen als der nominale Geldzuwachs oder vielleicht sogar gesunken. Allerdings (...) gibt es keine genaue Methode, um die Kaufkraft des Geldes und ihre Veränderungen zu messen oder gar zu identifizieren. >Grenznutzen des Geldes/Rothbard. Rothbard III 314 Die Macht der Geldeinheit, Mengen verschiedener Güter zu kaufen, wird die Kaufkraft der Geldeinheit genannt. Diese Kaufkraft des Geldes besteht aus der Gesamtheit der gegebenen Geldpreise auf dem Markt zu einem bestimmten Zeitpunkt, ausgedrückt in den Preisen der Güter pro Geldeinheit. Regressionstheorem: (...) die heutige Kaufkraft der Geldeinheit wird durch die heutigen Grenznutzen des Geldes und der Güter, ausgedrückt in Nachfrageplänen, bestimmt, während der heutige Grenznutzen des Geldes direkt von der gestrigen Kaufkraft des Geldes abhängig ist. >Regressionstheorem. Rothbard III 762 Kaufkraft/Rothbard: Die Kaufkraft des Geldes wird durch zwei Faktoren bestimmt: einmal die Gesamtnachfrage nach Geld zum Halten und die Geldmenge, die vorhanden ist. >Geldnachfrage/Rothbard. Am bisherigen Gleichgewichtspunkt übersteigt die PPM (purchasing power of money) (...) nun die Nachfrage nach Geld (...). Die Gebote treiben die PPM nach oben, bis sie den Gleichgewichtspunkt (...) erreicht. Bei einer Verschiebung der Gesamtnachfragekurve nach links - einem Rückgang des Gesamtnachfrageplans - ist es umgekehrt. Dann sinkt die PPM entsprechend. Rothbard III 763 Gleichgewicht: Geld wird zu einer niedrigeren PPM verkauft, um die Leute zu veranlassen, es zu halten, und die PPM wird fallen, bis es einen neuen Gleichgewichtspunkt erreicht (...). Auf dem neuen Bestandsniveau gibt es einen Überschuss an Beständen, (...) über die Gesamtnachfrage nach Geld. Das Geld wird zu einer niedrigeren PPM verkauft, um die Menschen zu veranlassen, es zu halten, und die PPM wird fallen, bis er einen neuen Gleichgewichtspunkt erreicht (...). Umgekehrt wird es bei einer Verringerung der Geldmenge einen Nachfrageüberhang nach Geld zur bestehenden PPM geben, und die PPM wird steigen, bis der neue Gleichgewichtspunkt erreicht ist. Die Auswirkung der Geldmenge auf den Tauschwert ist somit in unserer Analyse einfach dargelegt (...) Die Absurdität der Einteilung der monetären Theorien in sich gegenseitig ausschließende Abteilungen (wie „Angebots- und Nachfragetheorie“, „Quantitätstheorie“, „Geldbilanztheorie“, „Warentheorie“, „Einkommens- und Ausgabentheorie“) sollte nun offensichtlich sein.(2) Denn all diese Elemente finden sich in dieser Analyse wieder. Geld ist eine Ware; sein Angebot oder seine Menge ist wichtig für die Bestimmung seines Tauschwerts; die Nachfrage nach Geld für den Kassenbestand ist ebenfalls wichtig für diesen Zweck; und die Analyse kann auf Einkommens- und Ausgabensituationen angewendet werden. >Quantitätstheorie. Rothbard III 813 Kaufkraft/Rothbard: (...) ein Anstieg der Geldmenge führt zu einem Rückgang der PPM (purchasing power per monetary unit) und ein Rückgang der Geldmenge führt zu einem Anstieg der PPM. Es gibt jedoch keinen einfachen und ereignislosen Anstieg und Fall der PPM. Denn eine Veränderung der Geldmenge erfolgt nicht automatisch gleichzeitig. Neues Geld gelangt an einem bestimmten Punkt in das System und verteilt sich dann auf diese Weise in der gesamten Wirtschaft. Die Individuen, die das neue Geld zuerst erhalten, sind die größten Gewinner der Geldvermehrung; diejenigen, die es zuletzt erhalten, sind die größten Verlierer, da alle ihre Kaufpreise vor ihren Verkaufspreisen gestiegen sind. >Kaufpreis/Rothbard, >Verkaufspreis/Rothbard, >Preis/Rothbard. Gewinne und Verluste: Monetär gesehen ist es klar, dass die Gewinne der ungefähren ersten Hälfte der Empfänger von neuem Geld durch die Verluste der zweiten Hälfte genau ausgeglichen werden. Umgekehrt, wenn das Geld irgendwie aus dem System verschwindet, z.B. durch Abnutzung oder durch Verlegen, schränkt der erste Verlierer seine Ausgaben ein und leidet am meisten, während die letzten, die die Auswirkungen einer verringerten Geldmenge spüren, am meisten gewinnen. Denn eine Verringerung der Geldmenge führt zu Verlusten für die ersten Besitzer, die einen Rückgang der Verkaufspreise erleiden, bevor ihre Kaufpreise gesenkt werden, und zu Gewinnen für die letzten, die ihre Kaufpreise fallen sehen, bevor ihr Einkommen verringert wird.(3) >Gleichgewicht/Rothbard. 1. Viele Autoren interpretieren die „Kaufkraft der Geldeinheit“ als eine Art „Preisniveau“, eine messbare Größe, die aus einer Art Durchschnitt „aller Güter zusammen“ besteht. Die großen klassischen Ökonomen haben diesen falschen Standpunkt nicht vertreten: Wenn sie ohne ausdrückliche Einschränkung vom Wert des Geldes oder vom Preisniveau sprechen, meinen sie das Preisgefüge, sowohl von Waren als auch von Dienstleistungen, in seiner ganzen Besonderheit und ohne bewusste Andeutung irgendeines statistischen Durchschnitts. (Jacob Viner, Studies in the Theory of International Trade [New York: Harper & Bros., 1937], S. 314) Vgl. auch Joseph A. Schumpeter, History of Economic Analysis (New York: Oxford University Press, 1954), S. 1094. 2. Eine typische solche Klassifizierung findet sich in Lester V. Chandler, An Introduction to Monetary Theory (New York: Harper & Bros., 1940). 3. Siehe Mises, Theory of Money and Credit, New Haven, Conn.: Yale University Press, 1953 and 1957. Nachdruck durch Liberty Fund, 1995. S. 131 - 45. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Kino | Flusser | I 189 Film/Kino/Flusser: Filme sind Manipulation von Geschichten. Diese Manipulation findet bei der Herstellung statt. I 190 Kinos erinnern an Theater, obwohl sie eine ganz andere Struktur haben: im Theater gibt es einen Sender, im Kino fällt einer unter zahlreichen rundgefunkten Strahlen auf die Leinwand. Die Aspekte, die den Film so stark von der Fotografie unterscheiden, sind Aspekte, die nicht so sehr beim Senden wie vielmehr bei Empfang eine Rolle spielen. Sie sind vom Sender beim Empfänger provozierte Täuschungen. Die Geste des Filmens ist eine andere als die des Fotografen. >Fotografie/Flusser. Der Fotograf wechselt ständig seinen Standort, während der historische Ideologe seinen Standpunkt verteidigt. >Geschichtsschreibung. Der Kern der Kodifikation des Films ist das Bearbeiten mit Schere und Klebstoff. >Code/Flusser. Der Filmapparat ist im Unterschied zum Fotoapparat bestrebt, Entscheidungen auszuschalten. Er beschreibt Kreise, zoomt, ist der zu Material geronnene unentschlossene Zweifel. Der Operator leidet nicht an seinen Zweifeln, sein Zweifel ist eine Methode, das Band manipulierbar zu machen. >Zweifel. Das Band besteht aus einer Serie zweifelhafter Standpunkte und der Operator behandelt es, um einen Film, eine Geschichte daraus zu machen. Der Standpunkt des Kinobetriebs ist streng genommen ein "transhistorischer" Standpunkt. Was der Operator vor sich hat, wenn er schneidet und klebt, ist die "historische Zeit". Das Filmband ist der "Prätext" der im System Apparat Operator umkodiert wird. ((s) Flusser schrieb zu einer Zeit, da Filme ausschließen auf Zelluloid produziert wurden.) I 193 Der Operator kann auf eine Weise in das Geschehen eingreifen, die dem transzendenten Gott der Juden und Christen nicht zusteht: Er kann die Ereignisse umorganisieren. Vgl. >Allmacht, >Gott. Bei Aristoteles ist der Gott noch der unbewegte Beweger, Der Apparat, in dem der Operator über der Geschichte steht, ist ein unbewegter Erzähler (der Gott Kafkas). >Geschichte, >Geschichtsschreibung, >Aristoteles. I 194 Es gibt im Film zwei Arten von Handeln. das der Akteure, das das Rohmaterial liefert, und das des Operators, welches dieses Handeln behandelt. Dabei sind für ihn die "Akteure" nicht nur Schauspieler sondern auch Beleuchter, Drehbuchschreiber usw. Das Wesentliche an Filmcodes besteht darin, dass sie das lineare Prinzip auf die Spitze treiben, um es aus den Fugen geraten zu lassen, und zu zeigen, dass die lineare Zeit ein trompe l'oeuil ist. Vom Standpunkt der neuen Bewusstseinsebene erscheint die Verwandlung der handelnden Menschheit in Marionetten eine Aufdeckung der Tatsache, dass handelnde Menschen ("Engagierte") nichts anderes als Marionetten sein können, weil "Freiheit" nicht im Handeln innerhalb der Zeit besteht, sondern in der Sinngebung dieses Handelns. >Handeln, >Zeit, >Gegenwart, >Vergangenheit, >Zukunft. >Entscheidung. I 205 Film/Flusser: Das Kino hat auffallende Ähnlichkeit mit Platons Höhle. Einer der ganz wenigen Orte, an denen uns noch gestattet ist, uns zu sammeln. Das und nicht der Inhalt ist es, der das Kino heute die vorherrschende "Kunst" ausmacht: man kann sich auf den Film konzentrieren. >Platon. I 206 Das Kino geht architektonisch auf die römische Basilika und nicht auf das Theater zurück. Sie hat in der Gegenwart zwei Erben (Avatare) den Supermarkt (profan) und das Kino (sakral). I 207 Im Kino sitzt man auf geometrisch geordneten und arithmetisch nummerierten (also cartesianischen) Stühlen. >Cartesianismus. Man geht nicht ins Kino um zu träumen, sondern man kauft die Illusion, Technobilder zu sehen, als ob sie traditionelle Bilder oder Texte wären. Das Mitspielen des Empfängers ist halbbewusst, nur mala fide glaubt man an sie. >Bilder, >Texte. |
Fl I V. Flusser Kommunikologie Mannheim 1996 |
| Klassifikation | Lévi-Strauss | I 28 Klassifikation/Lévi-Strauss: Die Klassifizierung wahrt, selbst wenn sie ungleichmäßig und willkürlich ist, den Reichtum und die Verschiedenartigkeit dessen, was sie erfasst. Indem sie bestimmt, dass allem Rechnung zu tragen sei, erleichtert sie die Ausbildung eines „Gedächtnisses“. I 74 Klassifikation/Lévi-Strauss: Das Prinzip einer Klassifizierung lässt sich niemals postulieren. Es kann nur a posteriori aufgedeckt werden. I 75 Bsp: Der Stamm der Osage verknüpft den Adler so: Adler – Blitz – Feuer – Kohle – Erde. Der Adler ist also, als einer der „Herren der Kohle“ ein „Erd“-Tier. I 159 Alle Klassifizierungsbereiche haben einen gemeinsamen Charakterzug: welchen die untersuchte Gesellschaft auch immer zeigen mag, er muss den möglichen Rückgriff auf andere Bereiche gestatten und sogar implizieren, die von einem formalen Standpunkt aus dem bevorrechtigten Bereich analog sind und sich nur durch ihre relative Stellung innerhalb eines umfassenden Bezugssystems unterscheiden, das mit Hilfe eines Gegensatzpaares arbeitet: allgemein und speziell einerseits, Natur und Kultur andererseits. >Ordnung/Lévi-Strauss, >Natürliche Art, >System/Lévi-Strauss, >Natur/Lévi-Strauss,. |
LevSt I Claude Lévi-Strauss Das Wilde Denken Frankfurt/M. 1973 LevSt II C. Levi-Strauss The Savage Mind (The Nature of Human Society Series) Chicago 1966 |
| Kognitivismus/Nonkognitivismus | Wright | I 261 Moral/Ethik/McDowellVsNon-Kognitivismus: Der Nonkognitivismus geht von einer unsauberen Konstruktion der ethischen Tatsache und der Objektivität aus. (Skylla). Als ob die moralischen Tatsachen unabhängig vom bewertenden Standpunkt "da" seien. Skylla: >Notwendigkeit/Wright. >Realismus, >Metaphysischer Realismus, >Tatsachen, >Ethik, vgl. >Emotivismus, >Moral. |
WrightCr I Crispin Wright Wahrheit und Objektivität Frankfurt 2001 WrightCr II Crispin Wright "Language-Mastery and Sorites Paradox" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 WrightGH I Georg Henrik von Wright Erklären und Verstehen Hamburg 2008 |
| Kommunikation | Luhmann | Baraldi I 89 Kommunikation/Luhmann/GLU: Kommunikation ist die spezifische Operation sozialer Systeme: 1. Mitteilung, 2. Information 3. Verstehen der Differenz zwischen Mitteilung und Information. Kommunikation ist nicht gleich Information, sie realisiert sich nur, wenn Information verstanden wird. Information ist eine Selektion zwischen Gesagtem und Ungesagtem. Verstehen ist Selektion zwischen Mitteilung und Information. >Verstehen/Luhmann, >Information/Luhmann. Reese-Schäfer II 47 Gesellschaft/Kommunikation/Luhmann/Reese-Schäfer: Sonderfall: nur Gesellschaft operiert mit Kommunikation. - Außerhalb der Gesellschaft gibt es keine Kommunikation. Daher ist sie notwendig geschlossen. - Das ist das einzige System, für das das gilt - ((s) Also wird für das Tierreich Kommunikation ausgeschlossen?) - Dann kann kein Beobachter einen Außenstandpunkt einnehmen. >Gesellschaft/Luhmann, >Innen/außen/Luhmann, AU Kass 13 Kommunikation/Sprache/Karl Bühler/Luhmann: statt "Übertragungsmodell": Einheit der drei Komponenten 1. Information, das worum es geht 2. Mitteilung 3. Verstehen - Das gab es schon in der Antike. - LuhmannVsSprechakttheorie: das ist die Vorstellung, diese Dreiheit wäre in Akte zerlegbar. >Sprechakt-Theorie/Luhmann. Karl Bühler: das sind alles nur Funktionen - ((s) Funktion/(s): Ist kein Akt.) AU I Kass 13 Kommunikation/LuhmannVsHabermas: Kommunikation dient nicht der Herstellung von Konsens. - Wenn das nicht klappt, erklärt man es einfach zur Norm und sagt "eigentlich sollte es so sein." Wir sollten aber nicht aus einer Unmöglichkeit eine Norm machen. SchelskyVsHabermas: wenn dieses Ziel erreicht ist, hört dann die Kommunikation auf? Lösung/Luhmann: Kommunikation ist keine Handlung, die unter eine Norm gebracht werden müsste - nur das Mitteilen ist Handlung. - Kommunikation ist offen, wenn man sie ohne Zugaben wie Wahrheit betrachtet. - Wir können auch "nein" sagen - Dagegen haben wir nicht die Möglichkeit, immer wieder von vorne zu beginnen - völlig ohne Autorität geht es nicht. - "Nein" beendet nicht die Kommunikation - Kommunikation könnte nur durch Missverstehen beendet werden. - Kommunikation kommt zustande, wenn über "ja" und "nein" noch nicht entschieden ist. |
AU I N. Luhmann Einführung in die Systemtheorie Heidelberg 1992 Lu I N. Luhmann Die Kunst der Gesellschaft Frankfurt 1997 Baraldi I C. Baraldi, G.Corsi. E. Esposito GLU: Glossar zu Luhmanns Theorie sozialer Systeme Frankfurt 1997 |
| Konflikte | Kommunitarismus | Gaus I 234 Konflikte/Kommunitarismus/Lamont: Wenn es innerhalb einer Kultur echte Meinungsverschiedenheiten gibt, was stellt dann innerhalb der kommunitaristischen Theorie sicher, dass die Stimmen der Kritik und des Dissens nicht von der dominanten, möglicherweise unterdrückenden Kultur ertränkt werden? Wenn es keine unabhängigen normativen Standards für die Definition von Unterdrückung gibt, und wenn sogar die Standpunkte abweichender Individuen dem normativen Primat der Kulturen untergeordnet sind, wie kann dann irgendeine Kultur in der kommunitaristischen Theorie als unterdrückend dargestellt werden? LiberalismusVsKommunitarismus: Jean Hampton ist ein liberaler Theoretiker, der glaubt, dass den kommunitaristischen Theorien die theoretischen Ressourcen fehlen, die zur Beantwortung dieser Fragen erforderlich sind: In ihren Worten mangelt es den kommunitaristischen Theorien an "kritischer moralischer Distanz" (1997(1): 188). Ob Kommunitaristen in der Lage sind, auf diese Beschwerde in unverwechselbarer Weise zu antworten, wird über den Erfolg der kommunitaristischen Theorie als einer gangbaren Alternative zum Liberalismus entscheiden, und wird im weiteren Sinne auch über den Erfolg des Kulturrelativismus für die Verteilungsgerechtigkeit entscheiden. >Kultur, >Kulturrelativismus, >Kulturelle Werte, >Multikulturalismus, >Liberalismus, >VsKommunitarimus, >Unterdrückung, >Verteilungsgerechtigkeit. 1. Hampton, Jean (1997) Political Philosophy. Oxford: Westview. Lamont, Julian 2004. „Distributive Justice“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Konsumgüter | Rothbard | Rothbard III 57 Konsumgüter/Rothbard: (...) bei der Wahl zwischen der Investition in das eine oder das andere von zwei Konsumgütern wird der Akteur, unter sonst gleichen Bedingungen, das Gut mit der kürzeren Produktionszeit wählen, (...). Jeder Akteur wird weiterhin sparen und seine Mittel in verschiedene erwartete zukünftige Konsumgüter investieren, solange der Nutzen des Grenzprodukts jeder gesparten und investierten Einheit in der Gegenwart größer ist als der Nutzen der gegenwärtigen Konsumgüter, den er erhalten könnte, wenn er dieses Sparen nicht durchführen würde. Der letztgenannte Nutzen - der entgangene Nutzen der gegenwärtigen Konsumgüter - ist der „Unnutzen des Wartens“. Sobald dieser größer wird als der Nutzen, der sich aus dem Erhalt von mehr Gütern in der Zukunft durch Sparen ergibt, wird der Akteur aufhören zu sparen. Rothbard III 58 Messung/Problem: Woher wissen die Akteure, wann ihre Kapitalstruktur ergänzt oder verbraucht wird, wenn die Arten von Kapitalgütern und Konsumgütern zahlreich sind? >Investitionsgüter/Rothbard, >Produktion/Rothbard. Rothbard III 205 Konsumieren: Jeder Mensch muss ein Konsument sein, und deshalb gilt diese Analyse der Konsumausgaben für alle Menschen. Die meisten Menschen beziehen ihr Einkommen aus dem Verkauf ihrer Arbeitsleistung. Wenn wir jedoch zuvor produzierte Güter akzeptieren, weil jemand sie ursprünglich produziert haben muss, müssen alle anderen Geldeinkommen aus der Neuproduktion von Kapital- oder Konsumgütern stammen. (Abgesehen von den Verkäufern von Grund und Boden oder dessen Dienstleistungen, deren Eigentum ursprünglich aus der Auffindung und Umgestaltung von nicht enteignetem Grund und Boden stammen muss.) Die Produzenten von Kapitalgütern und Konsumgütern befinden sich in einer anderen Position als die Verkäufer von reinen Arbeitsleistungen. >Dienstleistung/Rothbard. Rothbard III 299 Konsumgüter/Praxeologie/Katallaktik/Rothbard: Vom Standpunkt der eigentlichen Praxeologie - der vollständigen formalen Analyse des menschlichen Handelns in all seinen Aspekten - ist es unzulässig, die Ware bei ihrem letzten Verkauf an den Verbraucher als „Konsumgut“ zu bezeichnen. Aus der Sicht des Teilgebiets der Praxeologie, das die traditionelle Ökonomie umfasst - die Katallaktik, die Wissenschaft vom Geldverkehr - ist es jedoch angebracht, die Ware auf der letzten Verkaufsstufe als „Verbrauchsgut“ zu bezeichnen. Dies ist die letzte Stufe des Gutes im monetären Nexus - in den meisten Fällen der letzte Punkt, an dem es den Produzenten offensteht, Geld in Faktoren zu investieren. Es ist zulässig, das Gut auf dieser letzten monetären Stufe als „Konsumgut“ zu bezeichnen, vorausgesetzt, wir sind uns der vorgenannten Einschränkungen stets bewusst. Wir müssen uns stets vor Augen halten, dass es ohne die letzten Stufen und die endgültige Allokation durch die Verbraucher keine Daseinsberechtigung für den gesamten monetären Austauschprozess gäbe. Die Ökonomie kann es sich nicht leisten, die letzte Konsumstufe abzutun, nur weil sie über den monetären Nexus hinausgeht; sie ist das letzte Ziel und das Ende der monetären Transaktionen der Individuen in der Gesellschaft. >Praxeologie/Rothbard, >Handeln/Rothbard, >Markt/Rothbard, >Tausch/Rothbard, >Geld/Rothbard. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Kontext/ Kontextabhängigkeit | Zittrain | I 229 Kontext/Internet/Redefreiheit/Zittrain: Kontextualisierung legt nahe, dass das Ziel eines Informationssystems darin bestehen sollte, diejenigen, die in ihm charakterisiert sind, die Möglichkeit zu geben, das Bild, das durch einen einzigen Ausschnitt bereitgestellt wird, mit allen Informationen, Erklärungen oder Leugnungen, die sie sich denken können, zu ergänzen, was dann I 230 hilft, das Dargestellte zu rahmen. Bürgerrechtler haben seit langem vorgeschlagen, dass die Lösung für schlechte Rede mehr Rede ist, während sie die Schwierigkeiten erkennen, die zweite Runde der Rede mit der ersten zu verbinden, ohne die Rechte des ersten Redners zu verletzen. [...] Dazu kommt die Sorge, dass der Nebel von Informationen, der von einem Free-for-all erzeugt wird, nicht dazu führt, dass die Menschen Fakten von Lügen unterscheiden können. Generative Netzwerke laden uns ein, Wege zu finden, diese Ansichten in Einklang zu bringen. Wir können Protokolle entwerfen, um diejenigen zu privilegieren, die online vorgestellt oder beschrieben werden, so dass sie ihren eigenen Rahmen in Verbindung mit ihren Darstellungen anbieten können. Dies entspricht möglicherweise nicht unseren Erwartungen an das Web: es kann für eine private Zeitung nützlich sein, ein Recht auf Erwiderung auf ihre Themen zu geben, aber ein solches Unternehmen würde schnell eine Beschwerde im Stil des ersten Änderungsantrags heraufbeschwören, wenn das Gesetz routinemäßige Rechte auf Erwiderung unter allen Umständen, außer unter den engsten, vorsehen würde.(2) Und viele von uns würden uns wünschen vielleicht über Holocaust-Leugner oder Rassisten zu diskutieren, ohne ihnen eine Plattform zu geben, um überhaupt eine Antwort ihrerseits zuzulassen. Joseph Nye von der Harvard Kennedy School hat vorgeschlagen, dass eine Website wie snopes.com eingesetzt werden könnte: ein Ort, den die Menschen nutzen würden, um die ganze Geschichte zu überprüfen, wenn sie etwas Skandalöses sehen, hier jedoch dekontextualisiert im Netz.(3) >Falschinformation, >Fake news, >Soziale Medien, >Soziale Netzwerke, >Internet, >Internetkultur. 1. Siehe, z.B., RICHARD DELGADO & JEAN STEFANCIC, UNDERSTANDING WORDS THAT WOUND 207 (2004). 2. Diese Art der erzwungenen Rede wäre nicht beispiellos. Für einen Großteil des zwanzigsten Jahrhunderts zwang die Fairness-Doktrin der FCC Rundfunkanstalten, kontroverse Geschichten von öffentlichem Interesse zu verbreiten und gegensätzliche Standpunkte zu diesen Themen zu vertreten. Siehe Steve Rendall, The Fairness Doctrine: How We Lost It and Why We Need It Back, EXTRA!, Jan./Feb. 2005, http://www.fair.org/index.php?page=2053. Under President Reagan, the FCC repealed this doctrine in 1987. Id. Trotz dieser administrativen Änderung hat der Oberste Gerichtshof den Ersten Verfassungszusatz konsequent so ausgelegt, dass er das Recht hat, nicht in einer Reihe von erzwungenen Redefällen zu sprechen. Siehe , e.g., Keller v. State Bar of Cal., 496 U.S. 1 (1990) (dass Anwälte nicht gezwungen werden könnten, Anwaltsgebühren zu zahlen, um politische Botschaften zu unterstützen, mit denen sie nicht einverstanden waren.); Abood v. Detroit Bd. of Educ, 433 U.S. 915 (1977) (dass Lehrer nicht gezwungen werden können, Gewerkschaftsgebühren zu zahlen, um politische Botschaften zu unterstützen, mit denen sie nicht einverstanden waren).. 3. Posting of Joseph Nye to The Huffington Post, Davos Day 3: Internet Privacy and Reputational Repair Sites, http://www.huffingtonpost.com/joseph-nye/davos-day-3-inter-net-pri_b_39750.html (Jan. 26, 2007, 18:14 EST). |
Zittrain I Jonathan Zittrain The Future of the Internet--And How to Stop It New Haven 2009 |
| Kontinuum | Bernays | Thiel I 194 Kontinuum/Bernays/Thiel: Bernays vertritt hier den klassischen Standpunkt (Aktualität): Vorstellung des Kontinuums ist zunächst eine geometrische Idee. Die Kritik der Konstruktivisten richte sich "im Grunde dagegen, dass durch den Begriff der reellen Zahl keine restlose Arithmetisierung der geometrischen Vorstellung geliefert wird. Es ist jedoch die Frage, ob sie tatsächlich gefordert wird. >Reelle Zahlen. Bernays: Es kommt auf die Gesamtheit der Schnitte, nicht auf die einzelnen Definitionen an. Die Mannigfaltigkeit der einzelnen, in einem abgegrenzten Rahmen möglichen Definitionen von Schnitten ist ja gar nicht notwendig dem Kontinuum isomorph. Die Anwendung eines intuitiven Mengenbegriffs sollte als etwas methodisch Zusätzliches gelten gelassen werden. >Dedekindsche Schnitte. I 195 Es gilt, statt einer Arithmetisierung der Analysis die klassische Analysis im Sinne einer engeren Verschmelzung von Geometrie und Arithmetik aufzufassen. (Konstruktivisten: Trennung). Die Gegner behaupten ja nicht die Negate dieser Behauptungen, sondern sie sind der Meinung dass die Begründungspflicht bei demjenigen liegt, der eine Meinung vertritt. I 196 Bsp Satz von der "oberen Grenze": Alt: jede nicht-leere nach oben beschränkte Menge reeller Zahlen hat eine reelle Zahl als obere Grenze". Konstruktiv, neu: Jede nicht-leere nach oben beschränkte Menge reeller Zahlen mit definiter Linksklasse hat eine reelle Zahl als Obergrenze. Def Links-Klasse: Menge der rationalen Zahlen r mit r < x. Die Neuformulierung ist eher eine Präzisierung als eine Abschwächung und der Einwand der "Unbeweisbarkeit" in konstruktiven Systemen kann nicht länger als gültig betrachtet werden. Nochmal zur Frage "wie viele" reelle Zahlen es gibt: "halbe " Antwort: es gibt genauso viele reelle Zahlen wie es Dualfolgen gibt. (Thiel I 183f). Das suggeriert geradezu, dass es eine ganz bestimmte Anzahl geben müsse. Vgl. >Kontinuumshypothese. |
T I Chr. Thiel Philosophie und Mathematik Darmstadt 1995 |
| Korrektheit | Platon | Gadamer I 350 Korrektheit/Wahrheit/Formalismus/Sophistik/Platon/Gadamer: [Platon hat] klar gesehen (...), dass es kein argumentativ zureichendes Kriterium gibt, durch das sich wahrhaft philosophischer Gebrauch der Rede von sophistischem unterscheiden ließe. Insbesondere zeigt er im 7. Brief, dass die formale Widerlegbarkeit einer These nicht unbedingt ihre Wahrheit ausschließt.(1) Vgl. >Reflexion/Gadamer, >Reflexion/Hegel, >Sophisten/Platon. Gadamer I 412 Richtigkeit/Wort/Sprache/Denken/Platon/Gadamer: Sieht man (...) den Streit um die „Richtigkeit der Namen“ wie ihn der „Kratylos“ (2-4) schlichtet, so gewinnen die dort zur Diskussion stehenden Theorien >Wort/Platon, >Namen/Platon, >Sprache/Platon) plötzlich ein über Plato und dessen eigene Absicht hinausgehendes Interesse. Denn beide Theorien, die der platonische Sokrates zum Scheitern bringt, werden nicht in ihrem vollen Wahrheitsgewicht gewogen. A. Die konventionalistische Theorie führt die der Worte auf ein Namengeben zurück, gleichsam auf ein Taufen der Dinge aufeinen Namen. ((s) Vgl. Die heutige >Kausaltheorien der Namen.) Für diese Theorie liegt im Namen offenbar keinerlei Anspruch auf sachliche Erkenntnis - und nun überführt Sokrates den Verfechter dieser nüchternen Ansicht dadurch, dass er sich vom Unterschied des wahren und des falschen Logos aus auch die Bestandteile des Logos, die Worte (onomata) als wahr oder falsch zugeben lässt und ebenso das Nennen als einen Teil des Sprechens auf die im Sprechen geschehende Aufdeckung des Seins (ousia) Gadamer I 413 bezieht.(4) Das ist eine mit der konventionalistischen These so unvereinbare Behauptung, dass es leicht ist, von da aus umgekehrt eine für den wahren Namen und die richtige Namengebung maßgebende zu deduzieren. Dass das so erzielte Verständnis von der Namen zu einem etymologischen Rausch und zu den absurdesten Konsequenzen führt, wird von Sokrates selbst eingestanden (...). B. Ähnlichkeitstheorie: (...) ihre Erörterung [hält sich] ganz innerhalb der Voraussetzungen der „Natur-Theorie“ nämlich an das Ähnlichkeitsprinzip, und löst dasselbe nur durch schrittweise Einschränkung auf. Wenn nämlich die „Richtigkeit“ der Namen wirklich auf der richtigen, d. h, den Sachen angemessenen Namenfindung beruhen sollte, so gibt es selbst dann noch, wie bei jeder solchen Anmessung, Grade und Abstufungen der Richtigkeit. Nun mag, wenn nur das ein wenig Richtige noch den Umriss (typos) der Sache in sich abbildet, es schon gut genug sein, um brauchbar zu sein.(6) Aber man muss noch weitherziger sein. Es kann ein Wort auch dann verstanden werden, offenbar aus Gewöhnung und Vereinbarung, wenn es Laute enthält, die gar nichts Ähnliches mit der Sache haben - so dass das ganze Prinzip der Ähnlichkeit ins Wanken kommt und an Beispielen wie den Wörtern für Zahlen widerlegt wird. Dort kann schon deshalb gar keine Ähnlichkeit statthaben, weil Zahlen nicht der sichtbaren und bewegten Welt angehörig sind, so dass für sie das Prinzip der Übereinkunft offenkundig allein gilt. Lösung/Platon: Die Konvention, die sich im praktischen Sprachgebrauch darstellt und die Richtigkeit der Worte allein ausmacht, mag sich nach Möglichkeit des Ähnlichkeitprinzips bedienen, aber sie ist nicht an es gebunden.(7) Erkenntnis/Sprache/Worte/Platon: Das ist ein sehr gemäßigter Standpunkt, der aber die grundsätzliche Voraussetzung einschließt, dass die Worte keine wirkliche Erkenntnisbedeutung besitzen - ein Ergebnis, das über die ganze Sphäre der Worte und die Frage ihrer Richtigkeit hinausweist auf die Erkenntnis der Sache. Gadamer: Das ist es offenbar, worauf es Plato allein ankommt. Gadamer I 414 Der Umgang mit der Sache, um den es hier geht, ist das Offenbarmachen der gemeinten Sache. Das Wort ist dann richtig, wenn es die Sache zur Darstellung bringt, also wenn es eine Darstellung (mimesis) ist. Nun handelt es sich gewiss nicht um nachahmende Darstellung im Sinne einer unmittelbaren Abbildung, so dass die lautliche oder sichtbare Erscheinung abgebildet würde, sondern es ist das Sein (ousia), das, was der Bezeichnung, zu sein (einai), gewürdigt wird, das durch das Wort offenbar gemacht werden soll. Gadamer: Es fragt sich aber, ob dafür die in dem Gespräch gebrauchten Begriffe, die Begriffe des mimema bzw. des als mimema verstandenen deloma richtig sind. Im Wesen des mimema liegt gewiss, dass in ihm auch noch etwas anderes, als es selbst darstellt, zur Darstellung kommt. Bloße Nachahmung, „Sein wie“enthält also immer schon die Ansatzmöglichkeit für die Reflexion auf den Seinsabstand zwischen Nachahmung und Vorbild. Weder wahr noch falsch/Kratylos: [Kratylos] hat ganz recht wenn er sagt, soweit ein Wort Wort sei, müsse es „richtiges“, richtig „liegendes“ sein. Ist es das nicht, de h. hat es keine Bedeutung, dann sei es ein bloßes tönendes Erz.(8) Es hat wirklich keinen Sinn, in solchem Falle von „falsch“ zu sprechen. ((s) Vgl. >Wahrheitwertlücke). 1. Das ist der Sinn der schwierigen Darlegung von 343 c d, für die die Leugner der Echtheit des 7. Briefes einen zweiten, namenlosen Plato annehmen müssen. (Vgl. Meine ausführliche Darlegung „Dialektik und Sophistik“ im VII. platonischen Brief (Bd. 6 der Ges. Werke, S. 90—115). 2. Krat. 384 d. 3. Krat. 388 c. 4. Krat. 438 d-439 b. 5. Krat. 385 b, 387 c. 6. Krat. 432 a ff. 7. Krat. 434 e. 8. Krat. 429 loc, 430 a. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Kosten | Ricardo | Rothbard II 86 Kosten/Wert/Ricardo/Rothbard: Ricardo sagt nicht, dass die Kosten für Mais im Laufe der Zeit steigen, weil die Pacht für Maisland weiter steigt. Er muss die Variable Pacht loswerden, und das kann er nur, indem er annimmt, dass die Pacht Rothbard II 87 Null ist und daher nie einen Teil der Kosten ausmacht. Die Pacht ist also effektiv null. Warum steigen dann die Kosten für Mais? Wie wir bereits angedeutet haben, weil die Menge an Arbeit, die für die Produktion von Mais benötigt wird, und damit die Kosten für die Produktion von Mais im Laufe der Zeit ansteigen. Dies bringt uns zu Ricardos Theorie der Kosten und des Wertes. Die Pacht ist nun aus dem Spiel. Auch Löhne sind keine Kosten, denn ein Schlüssel zu Ricardos System ist, dass steigende Löhne nur zu niedrigeren Gewinnen, nicht aber zu höheren Preisen führen. Wenn steigende Löhne bedeuten würden, dass die Kosten steigen, dann müsste Ricardo, der, wie wir sehen werden, eine Kostentheorie des Wertes und des Preises vertrat, sagen, dass die Preise steigen und nicht, dass die Gewinne notwendigerweise fallen. Die Löhne betrachtete er als einheitlich, da Ricardo, wie auch Marx nach ihm, davon ausging, dass die Qualität der Arbeit homogen sei. Das bedeutete nicht nur, dass die Löhne einheitlich waren, sondern Ricardo konnte dann auch die in einem Produkt enthaltene Arbeitsmenge als den entscheidenden Teil der Arbeitskosten betrachten. Unterschiede in der Qualität oder Produktivität der Arbeit konnten dann als trivial und als eine etwas komplexere Version der Quantität der Arbeitsstunden abgetan werden. Qualität wurde schnell und auf magische Weise in Quantität umgewandelt. Wir haben den Rand der Ricardianischen - und Marxschen - Arbeitswerttheorie erreicht. Bisher haben wir nur eine Arbeitsmengentheorie der Kosten. Ricardo schwankte an diesem Punkt zwischen einer reinen Arbeitswerttheorie und einer Arbeitsmengentheorie plus der einheitlichen Profitrate. >Profit/Ricardo. Rothbard II 89 Um auf die Idee der Pacht zurückzukommen, die nicht in die Kosten einfließt: Wenn wir uns, wie es sein sollte, auf die „Mikroebene“ konzentrieren - auf den einzelnen Landwirt oder Kapitalisten - sollte es klar sein, dass der Einzelne Pacht zahlen muss, um ein bestimmtes Stück Land im Produktionsprozess nutzen zu können. Um dies zu tun, muss er andere Unternehmen sowohl in seiner eigenen als auch in anderen Branchen ausstechen. Ricardos Weigerung, das einzelne Unternehmen auch nur zu betrachten, und seine Konzentration auf ganzheitliche Aggregate ermöglichen es ihm, die Tatsache zu übersehen, dass Pachten, selbst wenn sie unterschiedlich hoch sind, in die Kosten eingehen, so wie alle Ausgaben für Produktionsfaktoren in die Kosten eingehen. Dies ist der einzige Weg, der real ist und in der realen Welt zählt: die Sichtweise des einzelnen Unternehmens oder Unternehmers. Es gibt in der Tat keinen „gesellschaftlichen“ Standpunkt, da die „Gesellschaft“ als Entität nicht existiert. |
EconRic I David Ricardo On the principles of political economy and taxation Indianapolis 2004 Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Kosten | Rothbard | Rothbard III 588 Kosten/Produktion/Wirtschaft/Rothbard: Vom Standpunkt eines einzelnen Unternehmers aus betrachtet, sind Zahlungen an Faktoren Geldkosten. Es ist klar, dass wir uns nicht einfach auf das alte klassische Gesetz stützen können, wonach die Preise von Produkten dazu tendieren, auf lange Sicht gleich ihren Produktionskosten zu sein. Die Kosten werden nicht von irgendeiner unsichtbaren Hand festgelegt, sondern werden genau durch die Gesamtkraft der unternehmerischen Nachfrage nach Produktionsfaktoren bestimmt. Im Grunde genommen, wie Böhm-Bawerk und die Österreicher betonten, entsprechen die Kosten den Preisen und nicht andersherum. Verwirrung kann entstehen, weil es aus der Sicht des einzelnen Unternehmens und nicht aus der Sicht des Ökonomen so aussieht, als ob die Kosten (zumindest im Sinne von Faktorpreisen) irgendwie gegeben sind und sich der eigenen Kontrolle entziehen.(1) >Produktionsfaktoren/Rothbard, >Österreichische Schule, >Böhm-Bawerk. Wenn ein Unternehmen einen Verkaufspreis erzielen kann, der seine Kosten mehr als deckt, bleibt es im Geschäft; wenn nicht, muss es aufgeben. Die Illusion von fremdbestimmten Kosten ist weit verbreitet, weil die meisten Faktoren in einer Vielzahl von Unternehmen, wenn nicht gar Branchen, eingesetzt werden können. Rothbard III 589 Wenn wir jedoch die umfassendere Sichtweise des Ökonomen einnehmen, werden die verschiedenen „Kosten“, d. h. die Preise der Faktoren, die durch ihre verschiedenen DMVPs (diskontierte Grenzwertprodukte) in alternativen Verwendungen bestimmt werden, letztlich allein durch die Nachfrage der Verbraucher für alle Verwendungen bestimmt. Darüber hinaus darf nicht vergessen werden, dass Veränderungen der Nachfrage und des Verkaufspreises die Preise und Einkommen der spezialisierten Faktoren in die gleiche Richtung verändern. Die in der Volkswirtschaftslehre so beliebten „Kostenkurven“ gehen von festen Faktorpreisen aus und ignorieren damit deren Variabilität, selbst für ein einzelnes Unternehmen. >Faktormarkt/Rothbard, >Grenzprodukt/Rothbard, >Produktionskosten/Rothbard, >Kosten/Stigler. Rothbard III 490 Rothbard: Die interessanten Phasen sind also die kurzfristige und die langfristige Phase. Doch die Kostenkurvenanalyse befasst sich fast ausschließlich mit einer hybriden Zwischenphase, die als „short run“ bezeichnet wird. In dieser kurzen Phase werden die „Kosten“ scharf in zwei Kategorien unterteilt: fixe (die unabhängig von der produzierten Menge anfallen müssen) und variable (die mit der Produktion variieren). Diese ganze Konstruktion ist höchst künstlich. RothbardVsFixe Kosten: Es gibt keine tatsächliche „Fixität“ der Kosten. Jede angebliche Fixität hängt lediglich von der Dauer ab. Nehmen wir an, die Produktion ist gleich Null. Kostenkurve: Die „Kostenkurventheoretiker“ wollen uns glauben machen, dass selbst bei einer Produktion von Null Fixkosten anfallen: Pacht von Grund und Boden, Bezahlung der Verwaltung usw. Es ist jedoch klar, dass, wenn die Daten eingefroren werden - was bei einer solchen Analyse der Fall sein sollte - und die Unternehmer davon ausgehen, dass die Situation des Null-Outputs auf unbestimmte Zeit andauern wird, diese „fixen“ Kosten zu „variablen“ Kosten werden und sehr schnell verschwinden würden. Der Pachtvertrag für das Grundstück würde gekündigt und das Management entlassen werden, wenn das Unternehmen seine Türen schließt. Es gibt keine „festen“ Kosten, sondern unterschiedliche Grade der Variabilität für verschiedene Produktionsfaktoren. >Produktionsfaktoren/Rothbard, >Produktionskosten/Rothbard. Einige Faktoren lassen sich am besten in einer bestimmten Menge in einem bestimmten Produktionsbereich einsetzen, während andere in anderen Produktionsbereichen die besten Ergebnisse liefern. Das Ergebnis ist keine Dichotomie in „fixe“ und „variable“ Kosten, sondern eine Bedingung vieler Grade der Variabilität für die verschiedenen Faktoren.(1) Rothbard III 591 Es gibt zwei Elemente, die das Verhalten der Durchschnittskosten, d. h. der Gesamtkosten pro Produktionseinheit, bestimmen. (a) Es gibt die „physischen Kosten“ - die Mengen an Faktoren, die gekauft werden müssen, um eine bestimmte physische Menge an Output zu erhalten. Diese sind das Gegenteil der „physischen Produktivität“ - die Mengen des physischen Produkts, die mit verschiedenen Mengen von Faktoren produziert werden können. Dies ist ein technologisches Problem. Hier geht es nicht um die Grenzproduktivität, bei der ein Faktor variiert wird, während andere in ihrer Menge konstant bleiben. Hier konzentrieren wir uns auf den Umfang der Produktion, wenn alle Faktoren variieren dürfen. Wenn alle Faktoren und das Produkt vollständig teilbar sind, muss eine proportionale Erhöhung der Mengen aller Faktoren zu einer ebenso proportionalen Erhöhung des physischen Outputs führen.1341 Dies kann als das Gesetz der „konstanten Skalenerträge“ bezeichnet werden. >Skalenerträge/Rothbard. (b) Die zweite Determinante der Durchschnittskosten sind die Faktorpreise. Rothbard III 599 Kostenkurve/Rothbard: (...) die Grenzkosten der weiteren Produktion (ungefähr die Opportunitätskosten) werden immer geringer, je weiter sich das Produkt in Richtung Endproduktion und Verkauf bewegt. Dies ist die einfache Bedeutung des üblichen Kostenkurven-Morastes. 1. Robbins weist darauf hin, dass die Länge einer Periode produktiver Tätigkeit von den Erwartungen der Unternehmer hinsichtlich der Dauerhaftigkeit einer Veränderung und der technischen Hindernisse für eine Veränderung abhängt. Robbins, „Remarks upon Certain Aspects of the Theory of Costs“, S. 17-18. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Kreditausweitung | Rothbard | Rothbard III 991 Kreditausweitung/Rothbard: Wenn Inflation jede Erhöhung des Geldangebots ist, die nicht durch eine Erhöhung des verfügbaren Gold- oder Silberbestands ausgeglichen wird, dann wird die soeben beschriebene Methode der Inflation als Kreditexpansion bezeichnet - die Schaffung neuer Geldsubstitute, die auf dem Kreditmarkt in die Wirtschaft gelangen. Die Kreditausweitung durch eine Bank erscheint zwar weitaus nüchterner und seriöser als die Ausgabe neuen Geldes, hat aber in Wirklichkeit weitaus schwerwiegendere Folgen für das Wirtschaftssystem, Folgen, die die meisten Menschen als besonders unerwünscht empfinden würden. Dieser inflationäre Kredit wird als zirkulierender Kredit bezeichnet, im Gegensatz zum Verleihen von gesparten Geldern, das als Warenkredit bezeichnet wird. Inflation/Rothbard: Die Kreditausweitung hat natürlich den gleichen Effekt wie jede Art von Inflation: Die Preise steigen tendenziell, wenn die Geldmenge zunimmt. Wie bei jeder Inflation handelt es sich um einen Umverteilungsprozess, bei dem die Inflatoren und der Teil der Wirtschaft, der an sie verkauft, auf Kosten derjenigen profitieren, die im Ausgabenprozess zuletzt an der Reihe sind. Inflation: Das ist der Charme der Inflation - für die Nutznießer - und der Grund, warum sie so beliebt ist, zumal die modernen Bankverfahren ihre Bedeutung für die Verlierer, die weit von den Bankgeschäften entfernt sind, verschleiert haben. Die Gewinne für die Inflationsgewinner sind sichtbar und dramatisch, die Verluste für andere verborgen und unsichtbar, (...). >Inflation/Rothbard. Rothbard III 992 Investition/Konsum: Die Inflation verändert auch das Verhältnis von Konsum und Investitionen auf dem Markt. Oberflächlich betrachtet scheint es, dass die Kreditexpansion das Kapital stark erhöht, denn das neue Geld kommt auf den Markt als Äquivalent zu neuen Ersparnissen für die Kreditvergabe. Da das neue „Bankgeld“ anscheinend dem Angebot an Ersparnissen auf dem Kreditmarkt hinzugefügt wird, können die Unternehmen nun zu einem niedrigeren Zinssatz Kredite aufnehmen; daher scheint die inflationäre Kreditexpansion die ideale Flucht aus der Zeitpräferenz sowie eine unerschöpfliche Quelle zusätzlichen Kapitals zu bieten. In Wirklichkeit ist dieser Effekt illusorisch. Im Gegenteil, die Inflation verringert das Sparen und die Investitionen und senkt damit den Lebensstandard der Gesellschaft. Sie kann sogar zu einem massiven Kapitalverzehr führen. 1) Zunächst einmal werden, wie wir gerade gesehen haben, die bestehenden Gläubiger geschädigt. Dies wird tendenziell dazu führen, dass die Kreditvergabe in Zukunft eingeschränkt wird, was wiederum das Sparen und Investieren erschwert. 2) Zweitens (...) bringt der Inflationsprozess dem Unternehmer von Natur aus einen Kaufkraftgewinn, da er Faktoren kauft und sie zu einem späteren Zeitpunkt, wenn alle Preise höher sind, wieder verkauft. Rothbard III 994 Marktzinssätze: Die Kreditexpansion senkt den Marktzins. Dies bedeutet, dass die Preisunterschiede größer werden, und, (...), geringere Preisunterschiede erhöhen die Preise in den höchsten Produktionsstufen, verlagern Ressourcen zu diesen Stufen und erhöhen auch die Anzahl der Stufen. >Produktionsstruktur/Rothbard. Infolgedessen wird die Produktionsstruktur verlängert. Den kreditnehmenden Unternehmen wird vorgegaukelt, dass genügend Mittel zur Verfügung stehen, um bisher unrentable Projekte in Angriff nehmen zu können. Freier Markt: Auf dem freien Markt wird immer zuerst in diejenigen Projekte investiert, die die dringendsten Bedürfnisse der Verbraucher befriedigen. Dann werden die nächst dringenden Bedürfnisse befriedigt, usw. Der Zinssatz regelt die zeitliche Reihenfolge der Auswahl der Projekte entsprechend ihrer Dringlichkeit. Ein niedrigerer Zinssatz auf dem Markt ist ein Signal, dass mehr Projekte rentabel durchgeführt werden können. Gleichgewichtszustand: Erhöhtes Sparen auf dem freien Markt führt zu einem stabilen Gleichgewicht der Produktion bei einem niedrigeren Zinssatz. Kreditexpansion: Nicht so bei der Kreditexpansion: Denn die ursprünglichen Faktoren erhalten nun erhöhte Geldeinkommen. Im Beispiel der freien Marktwirtschaft blieben die gesamten Geldeinkommen gleich. Die Mehrausgaben auf den höheren Stufen wurden durch Minderausgaben auf den niedrigeren Stufen ausgeglichen. Die „größere Länge“ der Produktionsstruktur wurde durch die „geringere Breite“ kompensiert. Aber die Kreditexpansion pumpt neues Geld in die Produktionsstruktur: Die gesamten Geldeinkommen steigen, anstatt gleich zu bleiben. Die Produktionsstruktur hat sich verlängert, aber sie ist auch gleich breit geblieben, ohne dass die Konsumausgaben geschrumpft wären. Rothbard III 995 Produktionsstruktur/Inflation/Rothbard: Die Eigentümer der ursprünglichen Faktoren beeilen sich mit ihrem erhöhten Geldeinkommen natürlich, ihr neues Geld auszugeben. >Produktionsfaktoren/Rothbard. Sie verteilen diese Ausgaben entsprechend ihrer Zeitpräferenzen zwischen Konsum und Investition. Gehen wir davon aus, dass die Zeitpräferenzpläne der Menschen unverändert bleiben. >Zeitpräferenz/Rothbard. Dies ist eine korrekte Annahme, da es keinen Grund gibt anzunehmen, dass sie sich aufgrund der Inflation verändert haben. Die Produktion spiegelt nun nicht mehr die freiwilligen Zeitpräferenzen wider. Die Unternehmen wurden durch die Kreditausweitung veranlasst, in höhere Stufen zu investieren, als ob mehr Ersparnisse verfügbar wären. Da dies nicht der Fall ist, hat die Wirtschaft zu viel in die höheren Stufen und zu wenig in die niedrigeren investiert. Die Verbraucher handeln umgehend, um ihre Zeitpräferenzen wiederherzustellen - ihre bevorzugten Investitions-/Konsumanteile und Preisunterschiede. Die Preisunterschiede werden auf dem alten, höheren Niveau wiederhergestellt, d. h. der Zinssatz kehrt zu seiner marktüblichen Höhe zurück. Infolgedessen werden die Preise auf den höheren Produktionsstufen drastisch fallen, die Preise auf den niedrigeren Stufen werden wieder steigen, und die gesamte Neuinvestition auf den höheren Stufen wird aufgegeben oder geopfert werden müssen. Rothbard III 997 Investitionen: (...) die Ausweitung der Bankkredite kann die Kapitalinvestitionen nicht um ein Jota erhöhen. Investitionen können weiterhin nur aus Ersparnissen kommen. >Geldmenge/Rothbard, >Sparen/Rothbard, >Zinsen/Rothbard. Rothbard III 998 Geldmenge: Eine Erhöhung des Geldangebots senkt den Zinssatz, wenn sie als Kreditexpansion auf den Markt kommt, aber nur vorübergehend. Langfristig (und diese Langfristigkeit ist nicht sehr „lang“) stellt der Markt den marktwirtschaftlichen Zeitpräferenzzinssatz wieder her und beseitigt die Veränderung. Auf lange Sicht wirkt sich eine Veränderung der Geldmenge nur auf den Wert der Geldeinheit aus. Konjunkturzyklus/Rothbard: Dieser Prozess - bei dem der Markt zu seinem bevorzugten Zinssatz zurückkehrt und die durch die Kreditexpansion verursachte Verzerrung beseitigt - ist im Übrigen der Konjunkturzyklus! Rothbard III 1002 Kreditausweitung/Wirtschaft/Konjunktur/Rothbard: Die Kreditexpansion erzeugt immer den Konjunkturprozess, auch wenn andere Tendenzen seine Funktionsweise verschleiern. Daher glauben viele Menschen, dass alles in Ordnung ist, wenn die Preise nicht steigen oder wenn der tatsächlich verzeichnete Zinssatz nicht fällt. Es kann aber durchaus sein, dass die Preise nicht steigen, weil es eine gegenläufige Kraft gibt - etwa eine Zunahme des Warenangebots oder eine Zunahme der Geldnachfrage. Dies bedeutet jedoch nicht, dass der Boom-Depressions-Zyklus nicht eintritt. Boom: Die wesentlichen Prozesse des Booms - verzerrte Zinssätze, Fehlinvestitionen, Insolvenzen usw. - gehen ungebremst weiter. Dies ist einer der Gründe, warum diejenigen, die sich den Konjunkturzyklen von einem statistischen Standpunkt aus nähern und auf diese Weise versuchen, zu einer Theorie zu gelangen, sich hoffnungslos irren. Statistik/historische Erklärung/Kausalität: Jede historisch-statistische Tatsache ist ein komplexes Ergebnis vieler kausaler Einflüsse und kann nicht als einfaches Element für die Konstruktion einer kausalen Theorie verwendet werden. Preise: Es geht darum, dass die Kreditexpansion die Preise über das hinaus ansteigen lässt, was sie auf dem freien Markt gewesen wären, und dadurch den Konjunkturzyklus hervorruft. Zinssatz: Auch eine Kreditexpansion führt nicht zwangsläufig zu einem Absinken des Zinssatzes unter den zuvor verzeichneten Wert, sondern zu einem Absinken des Zinssatzes unter das Niveau, das er auf dem freien Markt gehabt hätte, und damit zu Verzerrungen und Fehlinvestitionen. >Wirtschaftskreislauf/Rothbard. Marktzinssatz/Kaufkraft: Die Rekordzinsen in der Hochkonjunktur steigen in der Regel tatsächlich wegen der Kaufkraftkomponente im Marktzins. Ein Preisanstieg führt (…) zu einer positiven Kaufkraftkomponente im natürlichen Zinssatz, d. h. der von den Unternehmern am Markt erzielten Rendite. >Natürlicher Zins. Rothbard III 1003 Freier Markt: Auf dem freien Markt würde sich dies schnell in der Darlehensrate niederschlagen, die, (…) vollständig vom natürlichen Zinssatz abhängig ist. Aber ein ständiger Zufluss von zirkulierenden Krediten verhindert, dass der Darlehens-Satz den natürlichen Satz einholt, und erzeugt so den Konjunkturprozess.(1) Rothbard III 1010 Kreditexpansion/Rothbard: Beschränkungen: Wie schränkt der enge Kundenkreis einer Bank ihre Möglichkeiten zur Kreditausweitung ein? Die neu ausgegebenen Geldsubstitute werden natürlich an die Kunden einer Bank weitergegeben. Die Kunden geben das neue Geld dann für Waren und Dienstleistungen aus. Das neue Geld beginnt, sich in der Gesellschaft zu verbreiten. Schließlich wird es - in der Regel sehr schnell - für die Waren oder Dienstleistungen von Menschen ausgegeben, die eine andere Bank nutzen. Beispiel: Angenommen, die Star Bank hat die Kreditvergabe ausgeweitet; die neu ausgegebenen Banknoten oder Einlagen der Star Bank gelangen in die Hände von Herrn Jones, der die City Bank nutzt. Es gibt zwei Möglichkeiten, die beide den gleichen wirtschaftlichen Effekt haben: (a) Jones nimmt die Banknoten oder Einlagen der Star Bank an und deponiert sie bei der City Bank, die die Star Bank zur Rückzahlung auffordert; oder (b) Jones weigert sich, die Banknoten der Star Bank anzunehmen, und besteht darauf, dass der Star-Kunde - sagen wir Herr Smith -, der etwas von Jones gekauft hat, die Banknote selbst einlöst und Jones in akzeptablem Standardgeld bezahlt. Geld-Substitute: Während Gold oder Silber auf dem gesamten Markt akzeptiert wird, sind die Geldsubstitute einer Bank nur für ihre eigene Kundschaft akzeptabel. Die Kreditausweitung einer einzelnen Bank ist natürlich begrenzt, und diese Begrenzung ist umso stärker, (a) je kleiner der Kundenkreis ist und (b) je mehr Geldsubstitute sie im Vergleich zu konkurrierenden Banken ausgibt. Rothbard III 1011 Konkurs: (...), je größer das Ausmaß der relativen Kreditexpansion einer Bank ist, desto eher ist der Tag der Rückzahlung - und des möglichen Konkurses - gekommen, und sie sind gezwungen, einen großen Teil des neuen Geldes auszugeben. Ein Teil dieser erhöhten Ausgaben wird auf die Waren und Dienstleistungen der anderen Banken entfallen, aber es ist klar, dass je größer die Kreditexpansion ist, desto größer wird die Tendenz sein, dass ihre Ausgaben auf die Waren und Dienstleistungen von Nicht-Kunden „überschwappen“. Diese Tendenz zum „Überschwappen“ oder „Abfließen“ wird erheblich verstärkt, wenn die erhöhten Ausgaben der Kunden für die Waren und Dienstleistungen anderer Kunden deren Preise ansteigen lassen. In der Zwischenzeit bleiben die Preise der von Nicht-Kunden verkauften Waren gleich. Infolgedessen sind die Kunden gezwungen, mehr von Nichtkunden und weniger voneinander zu kaufen, während die Nichtkunden weniger von Kunden und mehr voneinander kaufen. Das Ergebnis ist eine „ungünstige“ Handelsbilanz zwischen Abnehmern und Nicht-Abnehmern.(2) Bankreserven: Der Zweck, den die Banken mit der Aufbewahrung von Speziesreserven in ihren Tresoren verfolgen (unter der Annahme, dass es keine gesetzliche Mindestreservepflicht gibt), wird nun offensichtlich. Es geht nicht darum, einem Bank-Run zu begegnen - denn keine Bank mit Mindestreserven ist in der Lage, einem Run zu widerstehen. Es geht darum, die Rückzahlungsforderungen zu erfüllen, die unweigerlich von Nicht-Kunden kommen werden. 1. Da Knut Wicksell einer der Väter dieses konjunkturellen Ansatzes ist, ist es wichtig zu betonen, dass sich unsere Verwendung des Begriffs „natürliche Rate“ von seiner unterscheidet. Wicksells „natürlicher Zinssatz“ war mit unserem „marktwirtschaftlichen Zinssatz“ vergleichbar; unser „natürlicher Zinssatz“ ist die Rendite, die Unternehmen auf dem bestehenden Markt ohne Berücksichtigung der Ioan-Zinsen erzielen. Sie entspricht dem, was irreführend als „normale Gewinnrate“ bezeichnet wird, ist aber eigentlich der Basiszinssatz. 2. In der konsolidierten Zahlungsbilanz der Kunden sinken die Geldeinnahmen aus Verkäufen an Nicht-Kunden (Exporte), und die Geldausgaben für Waren und Dienstleistungen von Nicht-Kunden (Importe) steigen. Die überschüssigen Kassenbestände der Kunden werden an die Nicht-Kunden übertragen. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Kultur | Humboldt | Gadamer I 445 Kultur/Welt/Sprache/Humboldt/Gadamer: Humboldt: (...) Humboldt sagte einmal, dass die Erlernung einer fremden Sprache die Gewinnung eines neuen Standpunktes in der bisherigen Weltansicht sein muss, und fährt fort: »Nur weil man in eine fremde Sprache immer, mehr oder weniger, seine eigene Welt-, ja, seine eigene Sprachansicht hinüberträgt, so wird dieser Erfolg nicht rein und vollständig empfunden«.(1) Auch wenn man sich noch so sehr in eine fremde Geistesart versetzt, vergisst man nicht darüber seine eigene Welt-, ja seine eigene Sprachansicht. Vielmehr ist die andere Welt, die uns da entgegentritt, nicht nur eine fremde, sofern eine beziehungsvoll andere. Sie hat nicht nur ihre eigene Wahrheit in sich, sondern auch eine eigene Wahrheit für uns. Die andere Welt, die da erfahren wird, ist eben nicht einfach Gegenstand der Erforschung, des Sichauskennens und Bescheidwissens. Vgl. >Sapir-Whorf-These, >Relativismus, >Kulturrelativismus, >Verstehen, >Spracherwerb, >Sprache/Humboldt. 1. W. von Humboldt, „Über die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaus ..“ (zuerst gedruckt 1836), § 9. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Kulturrelativismus | Williams | Rorty V 36 Kulturrelativismus/B. Williams: Williams These: in Extremfällen ethischer Meinungsverschiedenheit stellen sich "Fragen der Bewertung" überhaupt nicht! Bernard Williams/Rorty: die Ansichten Angehöriger primitiver Stämme bilden für uns keine wirklichen Alternativen. Hier stellen sich Bewertungsfragen eigentlich gar nicht.("Fiktive Konfrontation"). - Es ist nicht so, als lebten wir in einer anderen Welt als die Amazonasindianer oder die Nazis, doch obwohl eine Bekehrung zu oder von ihrem Standpunkt nicht möglich ist, wird sie nicht aus Folgerungen aus Prämissen vollzogen, die ihnen und uns von vornherein gemeinsam sind. (>Antisemitismus). |
EconWilliams I Walter E. Williams Race & Economics: How Much Can Be Blamed on Discrimination? (Hoover Institution Press Publication) Stanford, CA: Hoover Institution Press 2011 WilliamsB I Bernard Williams Ethics and the Limits of Philosophy London 2011 WilliamsM I Michael Williams Problems of Knowledge: A Critical Introduction to Epistemology Oxford 2001 WilliamsM II Michael Williams "Do We (Epistemologists) Need A Theory of Truth?", Philosophical Topics, 14 (1986) pp. 223-42 In Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994 Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 |
| Kunst | Schiller | Gadamer I 61 Kunst/Schiller/Gadamer: Die Begründung der ästhetischen Urteilskraft auf ein Apriori der Subjektivität sollte eine ganz neue Bedeutung gewinnen, als sich der Sinn der transzendentalphilosophischen Reflexion bei den Nachfolgern Kants veränderte. Wenn der metaphysische Hintergrund, der den Vorzug des Naturschönen bei Kant begründete und den Geniebegriff an die Natur zurückband, nicht mehr besteht, stellt sich in einem neuen Sinne das Problem der Kunst. >Subjektivität, >Ästhetik, >Ästhetische Wahrnehmung, >Ästhetische Erfahrung, >Ästhetisches Bewusstsein. Geschmack/Urteilskraft/SchillerVsKant: Schon die Art, wie Schiller Kants „Kritik der Urteilskraft“ aufnahm und für den Gedanken einer „ästhetischen Erziehung“ die ganze Wucht seines moralpädagogischen Temperaments einsetzte, ließ den Standpunkt der Kunst gegenüber dem kantischen Standpunkt des Geschmacks und der Urteilskraft in den Vordergrund treten. Vom Standpunkt der Kunst aus verschiebt sich nun das Verhältnis der kantischen Begriffe des Geschmacks und des Genies von Grund auf. Der umfassendere Begriff musste der des Genies werden - umgekehrt musste das Phänomen des Geschmacks sich entwerten. >Geschmack, >Genie. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Künstler | Gadamer | I 91 Künstlertum/Künstler/Gadamer: Was wir ein Kunstwerk nennen und ästhetisch erleben, beruht (...) auf einer Leistung der Abstraktion. Indem von allem abgesehen wird, worin ein Werk als seinem ursprünglichen Lebenszusammenhang wurzelt, von aller religiösen oder profanen Funktion, in der es stand und in der es seine Bedeutung besaß, wird es als das „reine Kunstwerk“ sichtbar. >Kunstwerke, >Abstraktion, >Ästhetisches Bewusstsein, >Ästhetische Differenz. I 92 Die „ästhetische Unterscheidung“ die es als ästhetisches Bewusstsein betätigt, schafft sich auch ein eigenes äußeres Dasein. Sie beweist ihre Produktivität, indem sie der Simultaneität ihre Stätten bereitet, die „Universalbibliothek“ im Bereiche der Literatur, das Museum, das stehende Theater, den Konzertsaal usw. I 93 So verliert durch die „ästhetische Unterscheidung« das Werk seinen Ort und die Welt, zu der es gehört, indem es dem ästhetischen Bewusstsein zugehörig wird. Dem entspricht auf der anderen Seite, dass auch der Künstler seinen Ort in der Welt verliert. Auftragskunst: Das zeigt sich in der Diskreditierung dessen, was man Auftragskunst nennt. In dem Zeitalter des von der Erlebniskunst beherrschten öffentlichen Bewusstsein bedarf es der ausdrücklichen Erinnerung daran, dass das Schaffen aus freier Inspiration ohne Auftrag, vorgegebenes Thema und gegebene Gelegenheit ehedem der Ausnahmefall im künstlerischen Schaffen war (...). Der freie Künstler schafft ohne Auftrag. Er scheint gerade durch die völlige Unabhängigkeit seines Schaffens ausgezeichnet und gewinnt daher auch gesellschaftlich die charakteristischen Züge eines Außenseiters, dessen Lebensformen nicht mit den Maßen der öffentlichen Sitte gemessen werden. Zugleich aber wird der Künstler, der so „frei wie Vogel oder Fisch“ist, mit einer Berufung belastet, die ihn zu einer zweideutigen Figur macht. Denn eine aus ihren religiösen Traditionen heraus gefallene Bildungsgesellschaft erwartet von der Kunst sogleich mehr, als dem ästhetischen Bewusstsein auf dem „Standpunkt der Kunst“ entspricht. Die romantische Forderung einer neuen Mythologie, wie sie bei F. Schlegel, Schelling, Hölderlin und dem jungen Hegel laut wird(1) aber ebenso beispielsweise in den künstlerischen Versuchen und Reflexionen des Malers Runge lebendig ist, gibt dem Künstler und seiner Aufgabe in der Welt das Bewusstsein einer neuen Weihe. >Ästhetik/Hegel. I 94 Dieser Anspruch bestimmt seither die Tragödie des Künstlers in der Welt. Denn die Einlösung, die der Anspruch findet, ist immer nur eine partikulare. Das aber bedeutet in Wahrheit seine Widerlegung. Das experimentierende Suchen nach neuen Symbolen oder einer neuen alle verbindenden „Sage“ mag zwar ein Publikum um sich sammeln und eine Gemeinde schaffen. Aber da jeder Künstler so seine Gemeinde findet, bezeugt die Partikularität solcher Gemeindebildung nur den geschehenden Zerfall. Es ist allein die universale Gestalt der ästhetischen Bildung, die alle eint. Der eigentliche Vorgang der Bildung, d. h. der Erhebung zur Allgemeinheit, ist hier gleichsam in sich selbst zerfallen. >Ästhetisches Bewusstsein/Gadamer, vgl. >Wahrheit der Kunst/Gadamer. I 98 Künstler/Kunst/Gadamer: Um der Kunst gerecht zu werden, muss die Ästhetik über sich selbst hinausgehen und die “Reinheit“ des Ästhetischen preisgeben. Bei Kant hatte der Geniebegriff die transzendentale Funktion besessen, durch die sich der Begriff der Kunst begründete. >Genie/Kant. Problem: Aber ist der Geniebegriff dazu wirklich geeignet? Schon das Bewusstsein des Künstlers von heute scheint dem zu widersprechen. Es ist eine Art Geniedämmerung eingetreten. Die Vorstellung von der nachtwandlerischen Unbewusstheit, mit der das Genie schafft (...) erscheint uns heute als eine falsche Romantik. Ihr hat ein Dichter wie Paul Valéry die Maßstäbe eines Künstlers und Ingenieurs wie Leonardo da Vinci entgegengesetzt, in dessen einzigem Ingenium Handwerk, mechanische Erfindung und künstlerische I 99 Genialität noch ununterscheidbar waren.(2) >Genie/Gadamer. 1. Vgl. Fr. Rosenzweig, Das älteste Systemprogramm des deutschen Idealismus, 1917, S. 7. (Vgl. dazu die neueren Editionen von R. Bubner in den Hegel-Studien, Beiheft 9 (1973), S. 261—65 und C. Jamme und H. Schneider, Mythologie der Vernunft, Frankfurt 1984, S. 11-14.) 2. Paul Valéry, Introduction ä la méthode de Léonard de Vinci et son annotation marginale, Variété I. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Laisser-faire | Ricardo | Rothbard II 92 Laissez-faire/Ricardo/Rothbard: Wir sehen (...) die verderblichen Implikationen der trügerischen Ansicht, dass irgendein Teil der Kosten der Produktion in irgendeiner Weise, von einem ganzheitlichen oder sozialen Standpunkt aus, 'wirklich' kein Teil der Kosten ist. >Kosten/Ricardo. Denn wenn eine Ausgabe nicht zu den Kosten gehört, ist sie in gewissem Sinne für den Beitrag des Faktors zur Produktion nicht notwendig. Und deshalb kann dieses Einkommen von der Regierung beschlagnahmt werden, ohne dass dies negative Auswirkungen hat. VsLaisser-faire: Trotz Ricardos tiefem Pessimismus in Bezug auf das Wesen und die Folgen des freien Marktes hielt er merkwürdigerweise stärker als Adam Smith am Laissez-faire fest. Der Grund dafür war wahrscheinlich seine feste Überzeugung, dass praktisch jede Art von staatlicher Intervention die Dinge nur verschlimmern könnte. Die Besteuerung sollte auf ein Minimum beschränkt werden, denn sie lähmt die Kapitalakkumulation und lenkt das Kapital von seiner besten Verwendung ab, ebenso wie Zölle auf Importe. Armengesetze - Wohlfahrtssysteme - verschärfen nur den malthusianischen Bevölkerungsdruck auf die Lohnsätze. Und als Anhänger des Say'schen Gesetzes lehnte er staatliche Maßnahmen zur Ankurbelung des Konsums ebenso ab wie die Staatsverschuldung. Generell erklärte Ricardo, dass das Beste, was die Regierung tun kann, um die Entwicklung der Industrie zu fördern, darin besteht, die Hindernisse für das Wachstum zu beseitigen, die die Regierung selbst geschaffen hat. Während sich Adam Smiths Ansichten über die freie Marktwirtschaft auf die unheilvolle Natur räuberischen Regierungshandelns konzentrierten, war Ricardo besonders von der allgegenwärtigen Ungeschicklichkeit und Kontraproduktivität der Regierung beeindruckt. >Ökonomie/Ricardo, >Ricardianische Theorie, >Wohlfahrtsökonomik. |
EconRic I David Ricardo On the principles of political economy and taxation Indianapolis 2004 Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Leben | Mill | Singer I 92 Leben/Intelligenz/Wert/Mill: kein intelligentes menschliches Wesen würde mit einem Tier tauschen wollen, nicht einmal, wenn es dafür Zufriedenheit eintauschen könnte: kein kluger und fühlender Mensch würde mit einem nichtfühlenden und stupiden Menschen tauschen. Es ist besser, ein unzufriedener Sokrates als ein zufriedenes Schwein zu sein. Der Grund ist, dass weiter entwickelte Menschen imstande sind, beide Seiten zu sehen. VsMill/Peter Singer: das haben viele Kritiker infrage gestellt: weiß Sokrates wirklich, wie es ist, ein Idiot zu sein? ((s) Siehe Fledermaus-Beispiel: Literatur: Th. Nagel (1974), What is it like to be a bat, in: Philosophical Review 83 (October) 435-50. Kann ein kluger Mensch die einfachen Freuden eines Ungebildeten erleben? UtilitarismusVsMill/P. Singer: Mills Standpunkt ist schwer mit dem hedonistischen Utilitarismus zu versöhnen: der Idiot ist zufrieden, Sokrates ist es nicht. >Utilitarismus, >Hedonismus. I 93 Präferenzutilitarismus: ob er mit Mills Ansicht in Einklang gebracht werden kann hängt davon ab, wie verschiedene Präferenzen gegeneinander abgewogen werden. >Präferenz-Utilitarismus. |
Mill I John St. Mill Von Namen, aus: A System of Logic, London 1843 In Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993 Mill II J. St. Mill Utilitarianism: 1st (First) Edition Oxford 1998 Mill Ja I James Mill Commerce Defended: An Answer to the Arguments by which Mr. Spence, Mr. Cobbett, and Others, Have Attempted to Prove that Commerce is Not a Source of National Wealth 1808 SingerP I Peter Singer Practical Ethics (Third Edition) Cambridge 2011 SingerP II P. Singer The Most Good You Can Do: How Effective Altruism is Changing Ideas About Living Ethically. New Haven 2015 |
| Letztbegründung | Barth | Brocker I 246 Letztbegründung/VsBarth/Barth: Barths offenbarungstheologischer Ansatz lässt sich als theologische Version eines »schwachen Denkens« deuten, das den Raum normativer politiktheoretischer Diskurse von Absolutheits- und Letztbegründungsversuchen frei halten möchte. Seine Theologie kann als Versuch einer standpunktbezogenen Theorie selbstdurchsichtiger endlicher Freiheit verstanden werden, die (…) eine theologische Lösung für deren Begründungsproblematik anbietet. >Theologie, >Rechtfertigung. Diese lotet auf ihre – positionelle – Weise den konstitutiven Grund jeder liberalen, rechtsstaatlichen Theorie, nämlich den Gedanken der Menschenwürde, aus. >Politik/Barth, Rechtfertigung/Barth, Herrschaft/Barth. Georg Pfleiderer, „Karl Barth, Rechtfertigung und Recht 1938)“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018. |
Brocker I Manfred Brocker Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018 |
| Letztbegründung | Waismann | I 50 Letztbegründung/Fundierung/Mathematik/Wainsmann: Die Frage nach dem letzten Ankergrund ist mit diesen Forschungen nicht gelöst, sondern nur weiter zurückgeschoben. Eine Begründung kommt mit Hilfe der Arithmetik nicht in Frage, wir haben ja schon die letzten Anhaltspunkte der arithmetischen Deduktion erreicht. Aber es scheint sich eine solche Möglichkeit aufzutun, wenn man über die Arithmetik hinausblickt: das führt zum dritten Standpunkt. >Fundierung. Arithmetik/Waismann: wird auf Logik gegründet. Dabei macht man starken Gebrauch von Begriffen der Mengenlehre, bzw. des Klassenkalküls. Die Behauptung, die Mathematik sei nur ein >Teil der Logik schließt zwei Thesen ein, die nicht immer deutlich auseinandergehalten werden: a) Die Grundbegriffe der Arithmetik lassen sich durch Definition auf rein logische zurückführen b) Die Grundsätze der Arithmetik lassen sich durch Beweis herleiten aus rein logischen Sätzen. >Logik, >Beweise, >Beweisbarkeit, >Empirismus. I 51 Es sieht so aus, dass die Sätze der Logik Tautologien sind. (Wittgenstein 1921 führte überhaupt den Begriff der Tautologie ein). >Tautologien. Dass die ganze Logik damit nichtssagend wird, diese Einsicht fehlte Frege noch völlig, weil er das Wesen der Logik gar nicht verstand! Freges Meinung nach sollte die Logik eine beschreibende Wissenschaft sein, wie die Mechanik. Und auf die Frage, was sie beschreibe antwortete er: die Beziehungen zwischen idealen Gegenständen, wie "und", "oder", "wenn" usw. Platonische Auffassung von einem Reich von unerschaffenen Gebilden. Die Zurückführung der Mathematik auf die Logik verlor daher für die Mathematiker an Wert. Es schien vielmehr nötig, die Widerspruchslosigkeit der Logik mit mathematischen Mitteln sicherzustellen. Da die Mathematik aber logische Schlussregeln verwendet muss das Ziel in einer gemeinsamen Entwicklung gesucht werden. Das wird mit einer axiomatischen Methode versucht. Sie ist zuerst in der Geometrie versucht worden, bevor sie in andere Bereiche eindrang. >Platonismus, >G. Frege. |
Waismann I F. Waismann Einführung in das mathematische Denken Darmstadt 1996 Waismann II F. Waismann Logik, Sprache, Philosophie Stuttgart 1976 |
| Liberalismus | MacIntyre | Brocker I 661 Liberalismus/MacIntyreVsLiberalismus/Moderne/MacIntyre: Der Liberalismus moderner Gesellschaften stellt für MacIntyre kaum etwas anderes dar, als „eine Ansammlung Fremder, von denen jeder unter minimalen Einschränkungen den eigenen Interessen nachjagt“.(1) Moderne Nation: Die moderne Nation sei nur eine traditionsvergessene Ansammlung von Bürgern von nirgendwo“.(2) >Nation. Rationalität/MacIntyre: In einer „Welt profaner Rationalität“ fehle „jede öffentliche, gemeinsame logische Grundlage oder Rechtfertigung“ (3) für unsere moralischen Orientierungen. >Rationalität. Wir seien Opfer eines Pluralismus, der droht uns zu überrollen.(4) Siehe Moderne/MacIntyre. Brocker I 664 Universität/MacIntyreVsLiberalismus: MacIntyre plädiert für eine Idee der Universität, die diese als seine Bühne auffasst, auf der divergierende Standpunkte vorgetragen werden, um der zentralen Konflikte ansichtig werden zu können. Stattdessen diagnostiziert er eine an der realen Universität Konfliktvermeidungsstrategie, die als Liberalität verkleidet ist.(5) 1. Alasdair MacIntyre, After Virtue. A Study in Moral Theory, Notre Dame, Ind. 1981. Dt: Alasdair MacIntyre, Der Verlust der Tugend. Zur moralischen Krise der Gegenwart. Erweiterte Neuausgabe, Frankfurt/M. 2006 (zuerst 1987), S. 334 2. Ebenda S. 210 3. Ebenda S. 74 4. Ebenda S. 301. 5. Alasdair MacIntyre , Three Rival Versions of Moral Enquiry. Encyclopedia, Genealogy and Tradition (Gifford Lectures 1988) Notre Dame, Ind. 1990 S. 231. Jürgen Goldstein, „Alasdair MacIntyre, Der Verlust der Tugend“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018 |
Brocker I Manfred Brocker Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018 |
| Logik | Nagel | I 61 Logik/Logische Konstanten/Bedeutung/Nagel: Dass "und" durch kontingente Umstände zum Wort für die Konjunktion geworden ist, hat überhaupt keine Konsequenzen für den Status der wahren Aussage, dass p von p und q impliziert wird. Was eine Menge von Sätzen bedeutet, ist von Konventionen abhängig. Was aus einer Menge von Prämissen folgt, ist nicht davon abhängig (es ist formal.) >Konvention, >Logische Konstanten, >Logische Wahrheit, >Bedeutung/Nagel. I 85 Logik/Nagel: Logische Urteile gründen sich zwar auf unser Erfassen, aber sie sind kein Urteil über unsere Fähigkeit des Erfassens. >Urteile, >Erkennen. I 94 Es gibt keinen Standpunkt um die Logik zu überprüfen, ohne sie dabei vorauszusetzen - nicht alles kann revidiert werden. - Etwas muss beibehalten werden um zu prüfen, um die Revision gerechtfertigt ist. |
NagE I E. Nagel The Structure of Science: Problems in the Logic of Scientific Explanation Cambridge, MA 1979 Nagel I Th. Nagel Das letzte Wort Stuttgart 1999 Nagel II Thomas Nagel Was bedeutet das alles? Stuttgart 1990 Nagel III Thomas Nagel Die Grenzen der Objektivität Stuttgart 1991 NagelEr I Ernest Nagel Teleology Revisited and Other Essays in the Philosophy and History of Science New York 1982 |
| Märkte | Buchanan | Boudreaux I 57 Markt/Buchanan/Boudreaux/Holcombe: Buchanan betrachtete den Marktmechanismus als eine spontane Ordnung, in der Individuen zum gegenseitigen Nutzen aller, die sich freiwillig austauschen, zusammenarbeiten. Diese Tauschvorgänge fördern das Wohlergehen der Individuen, die daran teilnehmen; der Beweis dafür ist, dass sie sich freiwillig für den Austausch entscheiden. Daher sagt Buchanan: „Für den Wissenschaftler in der Akademie bedeutet das Verständnis solcher Prinzipien eine begründete Befürwortung klassischer liberaler politischer Standpunkte“ (Buchanan, 2000(1): 114). Ausgestattet mit einem Verständnis der Wirtschaftswissenschaften sah Buchanan eine wissenschaftliche Grundlage für die Förderung einer klassisch-liberalen Gesellschaftsordnung. Indem man dem Einzelnen die Freiheit lässt, seine eigenen Entscheidungen zu treffen, und indem man es ihm ermöglicht, mit anderen zusammenzuarbeiten, um seine Ziele zu erreichen, ist der Einzelne am besten in der Lage, sein eigenes Wohlergehen zu verbessern, ohne die Freiheit anderer zu verletzen, das Gleiche zu tun. Die Sozialwissenschaften, die untersuchen, wie Menschen miteinander interagieren, behandeln die Freiheit als instrumentellen Wert - das heißt als Mittel zu einem höheren Zweck. Über diese Behandlung der Freiheit schrieb Buchanan: Boudreaux I 58 „Die klassischen Liberalen selbst haben eher Verwirrung als Klarheit in die Diskussion gebracht, als sie die Behauptung aufstellten, dass die idealisierte und erweiterte Marktordnung ein größeres „Bündel“ an wertvollen Gütern hervorbringt als jede sozialistische Alternative. Sich auf die Effizienznorm in einer so groben Weise zu berufen, selbst in konzeptioneller Hinsicht, bedeutet, das ganze Spiel zu verraten.“ (Buchanan, 2000(1): 116) Buchanan verstand die starke Versuchung, dieses Effizienzargument vorzubringen. Boudreaux: Es ist ja auch richtig. Aber dieses Argument verschiebt die Bedingungen der Debatte zu denen der Sozialisten und anderer Kritiker der Marktordnung. Ja, eine Marktordnung ist tatsächlich produktiver. Doch für Buchanan besteht die ultimative und ausreichende Rechtfertigung für eine Marktordnung darin, dass sie zum Schutz der individuellen Freiheit unerlässlich ist. Letztlich wollen die Menschen ihre eigenen Entscheidungen treffen. Sie wollen nicht, dass andere ihnen sagen, was sie tun sollen. Glücklicherweise erlaubt eine Marktordnung ihnen, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Darüber hinaus ist ein Markt produktiver als ein System, in dem einige Personen anderen ihre Entscheidungen aufzwingen. Aber dieser Effizienzvorteil sollte den klassischen Liberalen nicht davon abhalten, für Freiheit als Grundwert einzutreten. >Übereinkunft/Verständigung/Buchanan. 1. Buchanan, James M. (2000). “The Soul of Classical Liberalism,” Independent Review (Summer). |
EconBuchan I James M. Buchanan Politics as Public Choice Carmel, IN 2000 Boudreaux I Donald J. Boudreaux Randall G. Holcombe The Essential James Buchanan Vancouver: The Fraser Institute 2021 Boudreaux II Donald J. Boudreaux The Essential Hayek Vancouver: Fraser Institute 2014 |
| Mehrwert | Marx | Rothbard II 411 Profitrate/Mehrwert/Marx/Rothbard: Im Gegensatz zu Ricardo (...) werden Boden und Pacht [bei Marx] einfach dem 'Kapital' gleichgesetzt, da die Arbeit des Menschen angeblich ohnehin allen Boden geschaffen hat und da die Bedeutung von Boden und Feudalismus angeblich mit dem Fortschreiten des Kapitalismus verschwindet. Werte und Preise von Land müssen daher nicht behandelt oder erklärt werden. Profit/Marx/Rothbard: Für Marx entsteht der Profit nur aus der Ausbeutung der Arbeit; er ist der Mehrwert, der über den für den Lebensunterhalt der Arbeit notwendigen Lohn hinausgeht. Der Profit hingegen hat nichts mit der Menge des investierten Kapitals zu tun; denn Kapital ist nur tote Materie, gespeicherte oder eingefrorene Arbeit, und kann daher nicht mehr „ausgebeutet“ werden, um aktuelle Profite zu erzielen.(1) Nur „lebendige“ Arbeit kann also verwendet werden, um Profit für den Kapitalisten zu erzielen. Wenn aber der Profit ausschließlich aus der Arbeit gezogen wird, bedeutet dies, dass jede Kapitalakkumulation notwendigerweise die Profitrate des Kapitalisten reduziert. Nehmen wir also an, es wird kein Kapital oder, in den Marx'schen Begriffen, „konstantes“ Kapital eingesetzt(2), und die Investitionen erfolgen ausschließlich in Form von „variablem Kapital“, das zur Bezahlung der Löhne verwendet wird. >Löhne/Marx. Rothbard II 413 Profitrate/Marx/Rothbard: Die [Marx'sche] Theorie besagt, dass, da die Profite nur aus der Ausbeutung der Arbeit stammen, sind die Profitraten in stark kapitalisierten Industrien notwendigerweise niedriger als in arbeitsintensiven Industrien. Aber jeder, auch Marx, muss zugeben, dass dies auf dem Markt offensichtlich nicht zutrifft. Wie Smith und Ricardo sehr wohl wussten, tendieren die Profitraten auf dem Markt dazu, sich in allen Branchen anzugleichen. Aber wie kann das sein, wenn die Profitraten in den arbeitsintensiven Industrien notwendigerweise und systematisch höher sind? Hier liegt sicherlich die größte Lücke im Marxschen Modell. Marx erkannte an, dass die Profitraten in der realen Welt eindeutig zur Gleichheit tendieren (oder, wie Marx es nannte, zu einer „durchschnittlichen Profitrate“), und dass die realen Preise oder Tauschwerte auf den kapitalistischen Märkten daher nicht zu ihren Marx'schen Werten der Arbeitsmenge ausgetauscht werden. >Werttheorie/Marx. Rothbard: Marx gab dieses entscheidende Problem zu und versprach, dass er es in einem späteren Band des Kapitals erfolgreich lösen könne. Er kämpfte mit diesem Problem für den Rest seines Lebens und löste es nie - vielleicht einer der Hauptgründe dafür, dass er die Arbeit am Kapital frühzeitig einstellte und die späteren Bände nie veröffentlichte. Rothbard II 414 Rothbard: Band III wurde zwei Jahre später von Böhm-Bawerk in seinem ausführlichen Rezensionsaufsatz Karl Marx und das Ende seines Systems einer detaillierten, vernichtenden und gründlichen Demontage unterzogen.(3) Rothbard: Leider war Böhm-Bawerks Standpunkt zu technisch, um außerhalb der Reihen der Ökonomen viel Einfluss zu haben, und seitdem hat der Marxismus seine größte Anziehungskraft in den Reihen der Soziologen, Historiker, Literaten und anderer, die dazu neigen, ökonomisch unwissend zu sein. Böhm-BawerkVsMarx: Marx behauptete, dass die Waren auf dem Markt im Verhältnis zu den in ihnen verkörperten Arbeitsmengen getauscht werden (d.h. dass ihr Wert durch die Menge der zu ihrer Herstellung benötigten Arbeitsstunden bestimmt wird), und räumte gleichzeitig ein, dass die Profitraten aller Waren tendenziell gleich sind. Doch wenn der erste Satz wahr ist, wären die Profitraten systematisch niedriger im Verhältnis zur Intensität der Kapitalinvestitionen und höher im Verhältnis zur Arbeitsintensität der Produktion. Marx versprach, diesen unlösbaren Widerspruch in Band III aufzulösen und diese beiden grundlegend widersprüchlichen Sätze miteinander zu versöhnen. Lösung/Marx/Böhm-Bawerk: In Karl Marx and the Close of His System(3) zeigte Böhm-Bawerk, dass die von Marx angebotene „Lösung“ eine Täuschung war und dass Marx in Wirklichkeit das Handtuch warf und zugab, dass auf dem kapitalistischen Markt die Profitraten gleich waren und daher die Preise nicht proportional zur Menge der Arbeitsstunden bei der Produktion von Waren waren oder durch diese bestimmt wurden. Stattdessen machte sich Marx die Ricardianische Standardtheorie zu eigen und gab zu, dass die Preise tatsächlich durch die Kosten (oder, in seiner Terminologie, „Preise“) der Produktion plus die durchschnittliche Profitrate bestimmt werden. Auf diese Weise gab Marx zwar vor, seine Theorie gerettet zu haben, indem er großspurig davon sprach, dass die Konkurrenz „Werte in Produktionspreise“ umwandelt, doch in Wirklichkeit hatte er die Werttheorie der Arbeit völlig aufgegeben und damit sein gesamtes System zum Scheitern gebracht. >Profitrate/Smith, >Profitrate/Ricardo, >Ware/Marx, >Lohn/Marx. Rothbard II 428 RothbardVsMarx: Schließlich gibt es einen eklatanten inneren Widerspruch im Herzen der Marxschen Ökonomie, der nie aufgelöst wird. Wenn die Kapitalisten im Laufe der Zeit unter einer sinkenden Profitrate und die Arbeiter unter einer zunehmenden Verarmung leiden, wer profitiert dann bei der Verteilung des wirtschaftlichen Kuchens? Zumindest im ricardianischen System leiden die Kapitalisten unter einer sinkenden Profitrate, und die Arbeiter werden am Existenzminimum gehalten, aber eine Gruppe schnappt sich weiterhin alle sozialen Vorteile - die parasitären Grundbesitzer und ihre zunehmende Absorption des Sozialprodukts durch die Bodenrente. Im Marx'schen System sind die Grundbesitzer jedoch verschwunden, da sie zunehmend und schnell in der Kapitalistenklasse aufgegangen sind. Wie können also beide mächtigen Klassen im sich entwickelnden Kapitalismus untergehen?(4) >Kapitalismus/Marx, >Geschichte/Marx. 1. Wie Böhm-Bawerk später betonte, müssen wir, selbst wenn wir uns für diesen Produktionskostenansatz entscheiden, anerkennen, dass das Kapital nicht nur Arbeit und Boden, sondern auch Zeit verkörpert. Land wurde, wie wir noch sehen werden, von Marx verworfen, indem er es mit dem Kapital verschmolz; hätte man aber die Zeit als wichtigen Faktor anerkannt, dann hätte man auch die Zeitpräferenz anerkennen müssen, und das gesamte Marxsche System wäre zusammengebrochen. 2. Konstant“ deshalb, weil Kapitalgüter nach Marx als Mitnahmeeffekte keinen Profit oder Wertzuwachs erzeugen können. 3. Erstmals veröffentlicht unter dem Titel Zum Abschluss des Marxschen Systems in einer Festschrift für Karl Knies im Jahr 1896 und als eigenständige Broschüre im selben Jahr. Es war ein schneller Erfolg, wurde im folgenden Jahr ins Russische übersetzt und die englische Übersetzung erschien 1898. Leider ist „Abschluss“ ein eigenartiger und irreführender Begriff; ein weitaus zutreffenderer Titel wäre Karl Marx and the Completion of His System gewesen. 4. Siehe Gottfried Haberler, 'Marxist Economics in Retrospect and Prospect', in M. Drachkovitch (ed.), Marxist Ideology in the Contemporary World - Its Appeals and Paradoxes (Hoover Institution, New York: Praeger, 19 66), pp. 118, 183. Kurz I 156 Mehrwert/Marx/Ricardo/MarxVsRicardo/Sraffa/Kurz: Als Sraffa Anfang der 1940er Jahre das Kapital von Marx (und erneut die Theorien des Mehrwerts) sorgfältig studierte, stellte er fest, dass Marx einen wichtigen Fehler in Ricardos Argumentation entdeckt hatte. Marx hatte Ricardos neue Konzeption des Reallohns als proportionalen Lohn gebilligt (siehe Marx [1861-63](1) 1989, 226-227, 419) und hatte sie in das Verhältnis zwischen dem Wert des gesellschaftlichen Mehrprodukts (S) und dem des gesellschaftlichen variablen Kapitals ( V) oder der Mehrwertrate (S/ V) übersetzt. Dementsprechend ist Ricardos Aussage, dass die Höhe der allgemeinen Profitrate in umgekehrtem Verhältnis zu den proportionalen Löhnen steht, äquivalent zu der Aussage, dass ihr Rückgang (Anstieg) von einem Rückgang (Anstieg) der Mehrwertrate abhängt. Marx (1861-63] 1989(1), 10) hatte dagegen eingewandt, dass Ricardo die Profitrate fälschlicherweise mit der Mehrwertrate identifiziert habe: Er sei zu dieser Identifizierung verleitet worden, weil „Ricardo in seinen Betrachtungen über Profit und Lohn ... die Sache so behandelt, als ob das ganze Kapital unmittelbar in Lohn angelegt wäre.“ Wenn wir das Nicht-Lohn-Kapital berücksichtigen - oder, genauer gesagt, wenn wir berücksichtigen, dass das Kapital nicht in einer endlichen Anzahl von Schritten vollständig in direkte und indirekte Löhne aufgelöst werden kann, wie Ricardo anzunehmen geneigt war -, dann gilt seine These nicht mehr unbedingt: Die Profitrate kann fallen (oder steigen), auch wenn die proportionalen Löhne konstant bleiben. SraffaVsMarx: Wie Sraffa jedoch feststellte, war Marx in seiner eigenen Behandlung des Lohns nicht immer konsequent gewesen. Ungeachtet seiner Zustimmung und Übernahme von Ricardos Konzept des proportionalen Lohns habe Marx - insbesondere in seinen eigenen Arbeitsnotizen zum Gesetz der fallenden Tendenz der Profitrate - frei zwischen diesem Konzept und dem traditionellen Konzept des Reallohns, der als Wareninventar verstanden wird, gewechselt. >Mehrwert/Sraffa. 1. K. Marx. 1867. The Capital.The Process of Production of Capital. https://www.marxists.org/archive/marx/works/1867-c1/ (21.11.2024) Kurz, Heinz D. „Keynes, Sraffa, and the latter’s “secret skepticism“. In: Kurz, Heinz; Salvadori, Neri 2015. Revisiting Classical Economics: Studies in Long-Period Analysis (Routledge Studies in the History of Economics). London, UK: Routledge. |
Marx I Karl Marx Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957 Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 Kurz I Heinz D. Kurz Neri Salvadori Revisiting Classical Economics: Studies in Long-Period Analysis (Routledge Studies in the History of Economics). Routledge. London 2015 |
| Meritorische Güter | Musgrave | Mause I 171 Meritorisches Gut/Interventionismus/Paternalismus/Musgrave, Richard: die Theorie der meritorischen Güter ist eine Theorie des Marktversagens, die von der Standardtheorie abweicht. Sie stellt eine Legitimation stattlicher Eingriffe dar. (1) (Siehe auch Interventionen.) Zentral für diese Theorie ist, dass die meritorischen Bedürfnisse ihrer Natur nach eine „Einmischung des Staates in die Konsumentenpräferenzen“ (2) darstellen. IndividualismusVs: ein „extrem individualistischer Standpunkt“ [müßte] „die Deckung aller meritorischen Bedürfnisse ausschließen.“ (3) Staatliche Eingriffe: erzwingen ein Konsumniveau, das über (oder unter) jenem liegt, das durch Marktprozesse bei alleiniger Geltung der individuellen Präferenzen der Wirtschaftssubjekte zustande käme. (4) Def Meritorisches Gut: Meritorische Güter sind also solche, bei denen es staatliche Entscheidungsträger für wünschenswert halten, dass die Konsumenten mehr konsumieren als bei reiner Marktallokation; Bsp Subventionen von Museumsbesuchen oder Opernaufführungen. Demeritorische Güter hingegen werden bei reiner Marktallokation stärker als politisch gewünscht verbraucht; ihr Konsum soll daher eingeschränkt werden, Bsp Tabak. 1,R. A. Musgrave, 57. A multiple theory of budget determination. Finanzarchiv 17, (3) 1956 333– 343. 2.R. A. Musgrave, Finanztheorie. Tübingen 1974, S. 15 3.Ebenda 4. Tietzel, Manfred, und Christian Müller., Noch mehr zur Meritorik. Zeitschrift für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften 118, (1) 1998, S. 87– 127. |
EconMusg I Richard A. Musgrave Finanztheorie Tübingen 1974 Mause I Karsten Mause Christian Müller Klaus Schubert, Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018 |
| Messen | Swan | Harcourt I 5 Messungen/Wirtschaftswachstum/Faktorentlohnung/Marginalprodukt/Swan/Harcourt: Im Jahr 1956 veröffentlichte Swan(1) eines der ersten einer Reihe von neoklassischen Modellen des Wirtschaftswachstums, in denen die Gleichheit der Faktorentlohnung mit den Grenzprodukten eine entscheidende Rolle spielt. >Produktionsfaktoren, >Faktorpreis, >Kapital, >Faktormarkt, >Produktionstheorie, >Kapitalstruktur. Im Anhang zu seinem Artikel legte er eine Begründung für sein Verfahren vor. Sie enthielt zwei Stränge. 1) Die erste war die Verwendung einer primären Einheit, nämlich einer einzigen Allzweckware - sein berühmtes Modell der Baukasten-Sets, so dass das Kapital an seiner eigenen Einheit, d.h. an sich selbst, gemessen werden kann. Außerdem ist die Ware formbar, so dass sowohl von der Spezifität als auch von der Heterogenität - zwei wesentlichen Merkmalen von Investitionsgütern - abstrahiert werden kann, und die Folgen enttäuschter Erwartungen im Sinne einer Abweichung der tatsächlichen von den erwarteten Quasirenten vermieden werden können. In der Tat ist es so, „als ob immer vollkommene Voraussicht herrschen würde. Das „Kapital“ als Produktionsmittel und als Privateigentum, das von den Eigentümern gehalten oder investiert wird, sind nicht mehr zu unterscheiden. Man kann sich also gleichzeitig auf eine Produktions- und eine Verteilungstheorie berufen. Das heißt, das Produktionsniveau und seine Verteilung auf Arbeit und „Kapital“ werden gleichzeitig durch dieselbe Gruppe von Faktoren erklärt. 2) Die zweite Verteidigung bestand darin, das neoklassische Verfahren der Betrachtung fiktiver Veränderungen an Gleichgewichtspunkten in einem stationären Zustand zu untersuchen. SwanVsChampernowne: Swan argumentiert, dass das Champernowne-Kettenindexmaß des Kapitals besonders geeignet ist, um dieses Verfahren bei der Analyse eines Akkumulationsprozesses im Laufe der Zeit zu bewältigen. >Kapital/Champernowne. RobinsonVsSwan: Dieser Standpunkt wurde (…) von Joan Robinson vehement bestritten, die argumentiert, dass Vergleiche von Gleichgewichtspositionen untereinander nicht das geeignete Instrument für die Analyse von Prozessen oder Veränderungen außerhalb des Gleichgewichts sind und dass das neoklassische Verfahren für die Bewältigung des Problems der „Zeit“ denkbar ungeeignet ist Vgl. >Zeit/Rothbard. 1. Swan, T. W. [1956] 'Economic Growth and Capital Accumulation', Economic Record, xxxn, pp. 334-61. |
Swan I Trevor W. Swan Trevor Winchester Swan, Volume I: Life and Contribution to Economic Theory and Policy (Palgrave Studies in the History of Economic Thought) London 1922 Harcourt I Geoffrey C. Harcourt Some Cambridge controversies in the theory of capital Cambridge 1972 |
| Metaphern | Black | Ricoeur II 66 Metapher/Max Black/Ricoeur: Die Metapherntheorie kann (...) auf eine dritte Art und Weise in Richtung der spezifischsten Merkmale von Symbolen erweitert werden. Zahlreiche Autoren haben auf die Verwandtschaft zwischen Metaphern und Modellen hingewiesen. Diese Verwandtschaft spielt z.B. im Werk von Max Black, das sogar den Titel Modelle und Metaphern trägt, eine entscheidende Rolle.(1) Und von seiner Seite aus hat der englische Theologe Ian Ramsey versucht, die Funktion der religiösen Sprache zu erhellen, indem er Max Blacks Theorie in geeigneter Weise revidiert hat.(2) Eine solche Annäherung zwischen Modellen und Metaphern erlaubt es uns, die Metapherntheorie in eine Richtung (...) der referentiellen Dimension zu entwickeln. Nun sagt Max Black, dass ein Modell die gleiche Sinnstruktur hat wie eine Metapher, aber es stellt die referentielle Dimension einer Metapher dar. Was ist diese referenzielle Dimension? Sie ist ein Teil der heuristischen Funktion, d.h. des Aspekts der Entdeckung, einer Metapher und eines Modells, einer Metapher als Modell. Modell: Im wissenschaftlichen Sprachgebrauch ist ein Modell im Wesentlichen ein heuristisches Verfahren, das dazu dient, eine unzulängliche Interpretation zu stürzen und den Weg zu einer neuen und adäquateren zu öffnen. Modell/Hesse/Ricoeur: In den Begriffen von Mary Hesse ist es ein Instrument der Neubeschreibung, ein Ausdruck, den ich im weiteren Verlauf dieser Analyse verwenden werde.(3) Aber es ist wichtig zu verstehen, dass dieser Begriff in seiner streng epistemologischen Verwendung zu verstehen ist. Modelle: Die redeskriptive Kraft eines Modells kann nur verstanden werden, wenn wir in Anlehnung an Max Black sorgfältig zwischen drei Arten von Modellen unterscheiden: maßstabsgetreue Modelle, wie z.B. ein Modellboot; analoge Modelle, die sich mit struktureller Identität befassen, wie z.B. ein schematisches Diagramm in der Elektronik; und schließlich theoretische Modelle, die von einem erkenntnistheoretischen Ricoeur II 67 Standpunkt aus [entworfen werden], sind die realen Modelle, die darin bestehen, ein imaginäres Objekt zu konstruieren, das der Beschreibung leichter zugänglich ist als ein komplexerer Bereich der Wirklichkeit, dessen Eigenschaften den Eigenschaften des Objekts korespondieren. Wie Max Black es ausdrückt, ist die Beschreibung eines Bereichs der Realität durch ein imaginäres theoretisches Modell eine Möglichkeit, die Dinge anders zu sehen, indem wir unsere Sprache über den Gegenstand unserer Untersuchung ändern. Diese Veränderung der Sprache geht von der Konstruktion einer heuristischen Fiktion und durch die Übertragung der Merkmale dieser heuristischen Fiktion auf die Realität selbst aus. >Metapher/Ricoeur. 1. Max Black, Models and Metaphors: Studies in Language and Philosophy, 1962. Cornell University Press. 2. lan Ramsey, Models and Mystery (New York: Oxford University Press, 1964); Models for Divine Activity (London: S.C.M. Press, 1973); Religious Language (London: S.C.M. Press, 1957). 3. Mary B. Hesse, Models and Analogies in Science (Notre Dame, Indiana: University of Notre Dame Press, 1966). |
Black I Max Black "Meaning and Intention: An Examination of Grice’s Views", New Literary History 4, (1972-1973), pp. 257-279 In Handlung, Kommunikation, Bedeutung, G. Meggle (Hg) Frankfurt/M 1979 Black II M. Black Sprache. Eine Einführung in die Linguistik München 1973 Black III M. Black The Prevalence of Humbug Ithaca/London 1983 Black IV Max Black "The Semantic Definition of Truth", Analysis 8 (1948) pp. 49-63 In Truth and Meaning, Paul Horwich Aldershot 1994 Ricoeur I Paul Ricoeur Die Interpretation. Ein Versuch über Freud Frankfurt/M. 1999 Ricoeur II Paul Ricoeur Interpretation theory: discourse and the surplus of meaning Fort Worth 1976 |
| Metaphysik | Popper | Flor II 484 Metaphysik/Popper: Metaphysik spielt für Popper eine positive Rolle: 1. Fruchtbar für neue Theorien Bsp Atomismus 2. Viele traditionelle philosophische Probleme lassen sich vorteilhaft in methodologische Fragen umformulieren 3. Philosophische Standpunkte können methodologische Vorschläge und Regeln unterstützen. >Methode/Popper. |
Po I Karl Popper Grundprobleme der Erkenntnislogik. Zum Problem der Methodenlehre In Wahrheitstheorien, Gunnar Skirbekk Frankfurt/M. 1977 Flor I Jan Riis Flor "Gilbert Ryle: Bewusstseinsphilosophie" In Philosophie im 20. Jahrhundert, A. Hügli/P. Lübcke Reinbek 1993 Flor II Jan Riis Flor "Karl Raimund Popper: Kritischer Rationalismus" In Philosophie im 20. Jahrhundert, A.Hügli/P.Lübcke Reinbek 1993 Flor III J.R. Flor "Bertrand Russell: Politisches Engagement und logische Analyse" In Philosophie im 20. Jahrhundert, A. Hügli/P.Lübcke (Hg) Reinbek 1993 Flor IV Jan Riis Flor "Thomas S. Kuhn. Entwicklung durch Revolution" In Philosophie im 20. Jahrhundert, A. Hügli/P. Lübcke Reinbek 1993 |
| Metaphysik | Wright | I 255 Def Quietismus/Wright: Der Quietismus ist die Ansicht, dass eine bedeutsame metaphysische Debatte unmöglich ist. Eine Version besagt, dass realistische und anti-realistische Tendenzen den wirren Wunsch verfolgen, aus der eigenen Haut herauszukommen. >Realismus, >Antirealismus. Falscher "göttlicher Standpunkt", von dem aus der Anspruch der Objektivität einer sprachlichen Praxis geprüft werden kann. (Wird Wittgenstein zugeschrieben, eine Zuschreibung, die wiederum umstritten ist). >Objektivität, >Relativismus, >Gottesstandpunkt, >L. Wittgenstein. |
WrightCr I Crispin Wright Wahrheit und Objektivität Frankfurt 2001 WrightCr II Crispin Wright "Language-Mastery and Sorites Paradox" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 WrightGH I Georg Henrik von Wright Erklären und Verstehen Hamburg 2008 |
| Methode | Durkheim | Wright I 20 Methode/Durkheim/Wright, G.H.: Von den zwei großen Soziologen der Wende vom 19. Zum 20. Jahrhundert war Durkheim, was seine Methodologie betrifft, im Wesentlichen ein Positivist, während bei Max Weber ein positivistischer Anstrich mit teleologischen Akzenten („zweckrationales Handeln“) und einer Hervorhebung einfühlenden Verstehens „verstehende Soziologie“) kombiniert ist. Den methodologischen Standpunkt Durkheims sieht man am deutlichsten in Durkheim 1893(1) und Durkheim 1894(2). >M. Weber, >Zweckrationalität, >Positivismus. Wright: Trotz seiner positivistischen Einstellung ließen sich, glaube ich, einige der Hauptideen Durkheims, z.B. jene über die „représentations collectives“ des sozialen Bewusstseins, fruchtbar in Sinne einer hermeneutischen Methode des Verstehens reinterpretieren. >Hermeneutik, >Verstehen. 1. E. Durkheim, De la division du travail social, 1893. 2. E. Durkheim Les règles de la méthode sociologique, 1894. |
Durkheim I E. Durkheim Die Regeln der soziologischen Methode Frankfurt/M. 1984 WrightCr I Crispin Wright Wahrheit und Objektivität Frankfurt 2001 WrightCr II Crispin Wright "Language-Mastery and Sorites Paradox" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 WrightGH I Georg Henrik von Wright Erklären und Verstehen Hamburg 2008 |
| Methode | Neurobildgebung | Corr I 310 Methode/Neurobildgebung/Canli: Einige Skeptiker haben vielleicht [den Eindruck], dass viel Neurobildgebung phrenologische, Punkt-zu-Punkt-Übereinstimmung zwischen einzelnen Merkmalen und einzelnen Gehirnregionen betrifft. Dies ist jedoch kein gemeinsamer Standpunkt der Neurobildgebung. Tatsächlich wurden mehrere Ansätze entwickelt, um über einzelne Aktivierungsregionen hinauszuschauen. Meta-Analysen von bildgebenden Studien zur Emotion haben ein breites Netzwerk von Hirnregionen identifiziert, die an der emotionalen Verarbeitung beteiligt sind (Phan, Wager, Taylor et al. 2002(1); Phillips, Drevets, Rauch et al. 2003a(2); Phillips, Drevets, Rauch et al. 2003b(3); Wager, Phan, Liberzon et al. 2003(4); Baas, Aleman und Khan et al. 2004(5); Phan, Wager, Taylor et al. 2004)(6). >Verallgemeinerung, >Allgemeinheit, >Gehirn/Deacon. Corr I 311 Ein weiterer Ansatz besteht darin, funktionale Konnektivitätsanalysen durchzuführen, um zu untersuchen, wie die Aktivierung über räumlich getrennte Regionen hinweg korreliert ist. Zum Beispiel in unserer Studie über Zustandsassoziationen von Extraversion und Neurotizismus mit ACC-Aktivierung (Canli, Amin, Haas et al. 2004)(7). >Extraversion, >Neurotizismus. 1. Phan, K. L., Wager, T., Taylor, S. F. et al. 2002. Functional neuroanatomy of emotion: a meta-analysis of emotion activation studies in PET and fMRI, Neuroimage 16: 331–48 2. Phillips, M. L., Drevets, W. C., Rauch, S. L. et al. 2003a. Neurobiology of emotion perception I: The neural basis of normal emotion perception, Biological Psychiatry 54: 504–14 3. Phillips, M. L., W. C. Drevets, et al. 2003b. Neurobiology of emotion perception II: Implications for major psychiatric disorders. Biological Psychiatry 54: 515–28 4. Wager, T. D., Phan, K. L., Liberzon, I. et al. 2003. Valence, gender, and lateralization of functional brain anatomy in emotion: a meta-analysis of findings from neuroimaging, Neuroimage 19: 513–31 5. Baas, D., Aleman, A. and Kahn, R. S. 2004. Lateralization of amygdala activation: a systematic review of functional neuroimaging studies, Brain Research Reviews 45: 96–103 6. Phan, K. L., T. D. Wager, et al. 2004. Functional neuroimaging studies of human emotions, CNS Spectrums 9: 258–66 Turhan Canlı,“Neuroimaging of personality“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press |
Corr I Philip J. Corr Gerald Matthews The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009 Corr II Philip J. Corr (Ed.) Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018 |
| Methode | Sraffa | Kurz I 70 Methode/Sraffa/Kurz: (...) Sraffas implizite Methodologie: die dreifache Beziehung zwischen 'ökonomischer Realität', 'dem Ökonomen' und 'ökonomischer Theorie'. Unter 'ökonomischer Realität' verstehen wir die Gesamtheit der menschlichen Akteure und materiellen Objekte, die den menschlichen Prozess der Produktion und Reproduktion von Gütern ausmachen. Unter dem „Ökonomen“ verstehen wir den menschlichen Akteur, der die wirtschaftliche Realität beobachtet, klassifiziert und analysiert. Unter „Wirtschaftstheorie“ verstehen wir das wichtigste intellektuelle Produkt, das aus dem Bemühen des Ökonomen hervorgeht, die untersuchte wirtschaftliche Realität zu analysieren. Unsere wichtigsten Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen. In seinen in den 1920er und frühen 1930er Jahren veröffentlichten Werken scheint Sraffa die wirtschaftliche Realität als Kurz I 71 als ob sie unabhängig von der Beobachtungs- und Klassifizierungstätigkeit der Ökonomen existieren würde. >Als ob. Darüber hinaus stellt er mehrere empirische Behauptungen über die wirtschaftliche Realität auf, als ob sie selbstverständlich oder zumindest leicht überprüfbar wären. Während Sraffa einräumt, dass ein Element menschlicher Willkür in der ökonomischen Theoriebildung unvermeidlich ist, betont er auch, dass unterschiedliche Quaesita unterschiedliche „Standpunkte“ in dem Sinne erfordern können, dass sich angesichts eines bestimmten theoretischen Problems ein bestimmter „Standpunkt“ als am besten geeignet erweisen kann, um das vorliegende Problem zu analysieren und zu lösen. Dies impliziert die Notwendigkeit der Wahl des „Standpunkts“ durch einen Wirtschaftswissenschaftler. Für Sraffa geht es darum, herauszufinden, was verschiedene Ökonomen/Beobachter konsistent über ein bestimmtes Objekt sagen können, oder die analytischen Werkzeuge zu entwickeln, die erforderlich sind, um eine bestimmte Eigenschaft des Objekts zu entdecken. Ontologie/Sraffa/Kurz: Während Sraffas Ontologie seine Vorstellung von der „Realität“ als einem Objekt betrifft, das unabhängig von seinem „Beobachter“ existiert oder nicht, betrifft Sraffas Methodologie die Regeln, an die sich der Ökonom bei der Ausarbeitung der ökonomischen Theorie halten muss. Insbesondere hätten viele marshallianische Ökonomen im Grunde die gleiche Annahme über eine unabhängige Realität geteilt (Signorino 2000a(1), 2000b(2), 2001b(3)). Wir behaupten, dass ein Charakteristikum von Sraffas Methodologie, das von der Mehrheit seiner Zeitgenossen nicht geteilt wird, darin besteht, wie Sraffa diese Elemente in seinen kritischen Schriften und bei der Ausarbeitung seiner eigenen Theorie nutzt. Kurz I 75 Arbitrarität/Kurz: Sraffas Eingeständnis des Problems der Willkür des Ökonomen wirft (mindestens) zwei Fragenkomplexe auf: (i) Was genau ist die Quelle der „Willkür“ des Ökonomen? (ii) Wie geht man mit dem Problem der Willkür des Ökonomen um, d.h. was sind, wenn überhaupt, seine zulässigen Grenzen? Das Problem der Willkür des Ökonomen steht im Mittelpunkt von Sraffas Kritik an der Marshallschen Werttheorie von 1925-6 und ihrer Unfähigkeit, die realen Industrien in die drei „Kästchen“ der konstanten, steigenden und abnehmenden Erträge einzuordnen. >Alfred Marshall. Methode/SraffaVsMarshall, Alfred: Im einleitenden Abschnitt des italienischen Aufsatzes fragt Sraffa (rhetorisch), „ob der Fehler nicht in der Natur des Kriteriums selbst zu suchen ist, nach dem die Klassifizierung vorgenommen werden soll. Insbesondere stellt sich die Frage, ob das fundamentum divisionis durch objektive, den verschiedenen Branchen innewohnende Umstände gebildet wird oder ob es vielmehr vom Standpunkt des Beobachters abhängt;(...)“ (Sraffa 1998[1925]: 324)(4). Kurz I 76 Kurz: Ziel des Aufsatzes von 1925 ist es, die Spannung aufzuzeigen, die innerhalb des Marshallschen Theorierahmens zwischen einem Objekt, der wirtschaftlichen Realität und ihren strukturellen Eigenschaften, und dem Standpunkt eines Subjekts, des Ökonomen/Beobachters, besteht. Diese Spannung zwingt die Marshallschen Ökonomen dazu, einige weitere Annahmen, wie z. B. externe und interne Skalenökonomien, in ihren theoretischen Rahmen aufzunehmen. Dies hat zur Folge, dass der theoretische Bereich der Marshall'schen Theorie drastisch reduziert wird: „Die Tatsache, dass die 'externen Ökonomien', die einer Branche eigen sind und die die gewünschte Übereinstimmung zwischen wissenschaftlicher Abstraktion und Realität ermöglichen, selbst eine rein hypothetische und irreale Konstruktion sind, wird oft ignoriert.“ (Sraffa 1998 [1925]: 347)(4) Zu SraffaVsHayek siehe >Methode/Hayek. Kurz I 77 Ontologie/Methode/Sraffa/Kurz: Die „verschiedenen wirkenden Kräfte“ und das „aus ihrem Gegensatz resultierende Gleichgewicht“ bilden die vom Ökonomen untersuchte wirtschaftliche Realität. Die Willkür des Ökonomen liegt in der Wahl des Klassifikationsschemas, d.h. der Art und Weise, wie die ökonomischen Kräfte gruppiert werden können. Da verschiedene Schemata gewählt werden können, ist für Sraffa, zumindest in den 1920er Jahren, das Kriterium der Einfachheit, „die homogenste Art und Weise“, das den Ökonomen dazu verpflichtet, das Schema zu wählen, das am besten geeignet ist, den Einfluss jeder Kraft auf die Gleichgewichtslage hervorzuheben. Kurz I 78 Methode/SraffaVsMarshall, Alfred/Kurz: Der theoretische Bereich der Marshallschen Theorie erweist sich, einmal logisch konsistent rekonstruiert, als zu eng: „In solch engen Grenzen reduziert, kann der Angebotsplan mit variablen Kosten nicht den Anspruch erheben, ein allgemeines Konzept zu sein, das auf normale Industrien anwendbar ist; er kann sich nur in Bezug auf solche außergewöhnlichen Industrien als ein nützliches Instrument erweisen, die seine Bedingungen vernünftigerweise erfüllen können.“ (Sraffa 1926: 540)(5) Kurz: Nach Sraffa kann die Marshallsche Theorie nur durch den Rückgriff auf unrealistische Annahmen logische Konsistenz erlangen. >Alfred Marshall. 1. Signorino, R. (2000a) ‘The Italian debate on Marshallian (and Paretian) economics and the intellectual roots of Piero Sraffa’s “Sulle relazioni fra costo e quantita prodotta”: a note’, History of Economic Ideas 8: 143-57. 2. Signorino, R. (2000b) ‘Method and analysis in Piero Sraffa’s 1925 critique of Marshallian economics’, European Journal of the History of Economic Thought 7: 569-94, reprinted in H. D. Kurz and N. Salvadori (eds) The Legacy of Piero Sraffa, 2 Vols, 2003, Cheltenham and Northampton: Edward Elgar. 3. Signorino, R. (2001a) ‘Piero Sraffa on utility and the subjective method in the 1920s: a tentative appraisal of Sraffa’s unpublished manuscripts’, Cambridge Journal of Sraffa, P. (1960) Production of Commodities by Means of Commodities. Prelude to a Critique of Economic Theory, Cambridge: Cambridge University Press, Italian edition: Produzione di Merci a Mezzo di Merci. Premesse a una Critica della Teoria Economica, Torino: Einaudi. 4. Sraffa, P. (1998) ‘On the relations between cost and quantity produced’, in L. L. Pasinetti (ed.) Italian Economic Papers, Vol. III, Bologna: il Mulino and Oxford: Oxford University Press, pp. 323-63, reprinted in H. D. Kurz and N. Salvadori (eds) The Legacy of Piero Sraffa, 2 Vols, 2003, Cheltenham and Northampton: Edward Elgar, English translation of Sraffa (1925). 5. Sraffa, P. (1926) ‘The laws of returns under competitive conditions’, Economic Journal 36: 535–50, reprinted in H. D. Kurz and N. Salvadori (eds) The Legacy of Piero Sraffa, 2 Vols, 2003, Cheltenham and Northampton: Edward Elgar. Salvadori, Neri and Signorino, Rodolfo. 2015. „Piero Sraffa: economic reality, the economist and economic theory. An interpretation.“ In: Kurz, Heinz; Salvadori, Neri 2015. Revisiting Classical Economics: Studies in Long-Period Analysis (Routledge Studies in the History of Economics). London, UK: Routledge. |
Sraffa I Piero Sraffa Production of Commodities by Means of Commodities. Prelude to a Critique of Economic Theory (Cambridge: Cambridge University Press). Cambridge 1960 Kurz I Heinz D. Kurz Neri Salvadori Revisiting Classical Economics: Studies in Long-Period Analysis (Routledge Studies in the History of Economics). Routledge. London 2015 |
| Methodologischer Individualismus | Buchanan | Boudreaux I 10 Methodologischer Individualismus/Buchanan/Boudreaux/Holcombe: (...)Buchanan(1) vertrat den damals ungewöhnlichen Standpunkt, dass derselbe methodologische Individualismus, den Ökonomen so produktiv für die Analyse kommerzieller Märkte einsetzen, auch für die Analyse der Funktionsweise von Regierungen und politischen Entscheidungsprozessen verwendet werden sollte. Menschen sind Menschen sind Menschen; sie ändern sich nicht grundlegend, wenn sie vom privaten Sektor in den politischen Sektor wechseln oder umgekehrt. >Gruppenverhalten/Buchanan. 1. Buchanan, James M. (1949). “The Pure Theory of Government Finance” in: Journal of Political Economy. |
EconBuchan I James M. Buchanan Politics as Public Choice Carmel, IN 2000 Boudreaux I Donald J. Boudreaux Randall G. Holcombe The Essential James Buchanan Vancouver: The Fraser Institute 2021 Boudreaux II Donald J. Boudreaux The Essential Hayek Vancouver: Fraser Institute 2014 |
| Mill | Rothbard | Rothbard II 278 John Stuart Mill/Rothbard: (...) John Stuart Mill (...) schlug sich, wenn auch natürlich 'gemäßigt', auf die Seite der beiden Vorbilder seines Vaters [James Mill], Bentham und Ricardo. In der Philosophie gab er den Hardcore-Kader-Benthamismus zugunsten eines 'gemäßigten' Benthamschen Utilitarismus auf. Und in der Ökonomie war er nicht nur grundsätzlich und erklärtermaßen ein Ricardianer; er beglückte auch den Geist seines Vaters, indem er den Ricardianismus wieder auf den Thron der britischen Ökonomie setzte, eine Leistung, die er durch die enorme Popularität und Dominanz seiner Principles of Political Economy (1848)(1) vollbrachte. Auch wenn John Stuart Mill den Laissez-faire seines Vaters durch eine gemäßigte Demokratie und, was noch beunruhigender ist, durch einen gemäßigten Etatismus und Sozialismus ersetzte, dürfte James Mill über die Fähigkeit seines Sohnes, den Ricardianismus in der Welt der Wirtschaft wieder einzuführen, erfreut gewesen sein. In der Tat waren die großen Fortschritte der Anti-Ricardianer der 1820er, 1830er und 1840er Jahre wahrhaftig vergessen, als Mill die Kosten- und Arbeitstheorie, die Ricardianische Rententheorie, die Malthusianische Lohn- und Bevölkerungstheorie und den Rest des Ricardianischen Apparats wiederherstellte. Nicht zum ersten oder letzten Mal in der Geschichte des wirtschaftlichen und sozialen Denkens verdrängte der Irrtum die Wahrheit von der Vorherrschaft in der intellektuellen Welt. Indem er Ricardo wieder auf den Thron der Wirtschaftswissenschaften setzte, erfüllte John Stuart Mill das vielleicht am meisten gehegte, wenn auch eines der trügerischsten Ziele und Prinzipien seines Vaters. >James Mill, >David Ricardo, >Ökonomie/Ricardo, >Jeremy Bentham. Rothbard II 279 Ökonomie/Ricardo/John Stuart Mill/Rothbard: (...) Mill verfolgte eine Strategie der Doppelzüngigkeit, um den Feind zu verwirren und seine Unterstützung zumindest für das Wesentliche der wahren ricardianischen Doktrin zu gewinnen. Wenn de Marchi(2) recht hat, steckt in Mills zaudernder 'Offenheit' für alle Standpunkte weit mehr Machiavelli, als bisher angenommen wurde. De Marchi stellt fest, dass Mill seit 1829 bewusst die Strategie des „praktischen Eklektizismus“ verfolgte, die darauf hinausläuft, die Opposition einzulullen und zu entwaffnen und sie durch scheinbare Versöhnung zu manipulieren, damit sie glaubt, sie sei „spontan“ zu dem gelangt, was Mill für die Wahrheit hielt - kurz gesagt, eine Strategie der Täuschung und Doppelzüngigkeit.(2) MarxVsMill, John Stuart: (...) Marx, (...) als hervorragender Kadertyp, schüttete eine gehörige Portion Verachtung über Mills 'seichten Synkretismus' und 'Versuch, das Unversöhnliche zu versöhnen' aus) Rothbard: Einer nach dem anderen erwärmten sich Tories, Romantiker, Sozialisten und „Praktiker“ für Mill selbst und seine angeblichen Errungenschaften. >Karl Marx. Rothbard II 281 Mills auffälligste Abkehr von der klassischen politischen Ökonomie im Allgemeinen und vom Ricardianismus im Besonderen waren seine zahlreichen Zugeständnisse an den Sozialismus und seine Abkehr vom Laissez-faire. 1. John Stuart Mill. 1848. Principles of Political Economy. London. John W. Parker. 2. 2. Cf. Neil B. de Marchi, 'The Success of Mill's Principles', History of Political Economy, 6 (Summer 19 74), pp. 1 19 |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Minkowski-Raum | Kanitscheider | I 472 Minkowski-Raum/Kanitscheider: die flache Raumzeit der Speziellen Relativitätstheorie (SR). Vierdimensional mit der imaginären Zeitkoordinate ict = x4.(Schreibweise: t Zeit, c Lichtgeschwindigkeit) aufgespannter euklidischer Raum. Hier lassen sich die Gesetze der SR besonders einfach darstellen. Ein Punkt (Ereignis) ist ein Weltpunkt, ein Ortsvektor ein Weltvektor, die Bahn eines Teilchens eine Weltlinie. Lorentz-Transformation bedeutet hier eine einfache Drehung des Koordinatensystems. Wählt man als Zeitkoordinate die reelle Größe x0 = ct = ix4 , so besitzt der Raum eine pseudoeuklidische Metrik. Das Quadrat der Länge eines beliebigen Weltvektors wird dann durch R2 (Quadrate der Koordinaten) angegeben. Bei R2 > 0 ist der Weltvektor raumartig, bei R2< 0 zeitartig. Lichtkegel: der durch R² = 0 definierte Nullkegel oder Kausalitätskegel: Das Gebiet innerhalb des Lichtkegels (R² < 0) umfasst alle Ereignisse, die in Kausalzusammenhang mit Ereignissen im Scheitelpunkt stehen bzw. treten können. Def Haussdorff-Raum/Kanitscheider: ein topologischer Raum ist hausdorffsch, wenn das Def Trennungsaxiom erfüllt ist: wenn x und y zwei verschiedene Punkte aus T sind, dann gibt es Umgebungen U(x) und U(y), so dass es keine Überschneidungen der beiden Umgebungen gibt. >Relativitätstheorie, >Raumkrümmung, >Weyl-Prinzip. I 183 Raumzeit/Kanitscheider: Der Minkowski-Raum (asymptotisch flach in großer Entfernung ist nur von unserem Standort aus isotrop! D.h. von anderen Standpunkten aus, sieht das Universum anders aus. Das ist unbefriedigend. Unsere Forderung ist, dass das ganze Universum isotrop (nach allen Seiten gleich aussehend) und homogen (überall gleiche ungefähre Dichte) ist. D.h. dass wenn man durch die Raumzeit einen Schnitt S(t) = const legt, so erhält man Dreierräume (nicht Minkowski), die überall konstante Krümmung und materielle Beschaffenheit besitzen. Es gelang Friedman 1922 ein Lösungsmodell vorzulegen. >Feldgleichungen/Kanitscheider. |
Kanitsch I B. Kanitscheider Kosmologie Stuttgart 1991 Kanitsch II B. Kanitscheider Im Innern der Natur Darmstadt 1996 |
| Modelle | Black | Ricoeur II 66 Metapher/Max Black/Ricoeur: Die Metapherntheorie kann (...) auf eine dritte Art und Weise in Richtung der spezifischsten Merkmale von Symbolen erweitert werden. Zahlreiche Autoren haben auf die Verwandtschaft zwischen Metaphern und Modellen hingewiesen. Diese Verwandtschaft spielt z.B. im Werk von Max Black, das sogar den Titel Modelle und Metaphern trägt, eine entscheidende Rolle.(1) Eine solche Annäherung zwischen Modellen und Metaphern erlaubt es uns, die Metapherntheorie in eine Richtung (...) der referentiellen Dimension zu entwickeln. Nun sagt Max Black, dass ein Modell die gleiche Sinnstruktur hat wie eine Metapher, aber es stellt die referentielle Dimension einer Metapher dar. Was ist diese referenzielle Dimension? Sie ist ein Teil der heuristischen Funktion, d.h. des Aspekts der Entdeckung, einer Metapher und eines Modells, einer Metapher als Modell. Modell: Im wissenschaftlichen Sprachgebrauch ist ein Modell im Wesentlichen ein heuristisches Verfahren, das dazu dient, eine unzulängliche Interpretation zu stürzen und den Weg zu einer neuen und adäquateren zu öffnen. Modell/Hesse/Ricoeur: In den Begriffen von Mary Hesse ist es ein Instrument der Neubeschreibung, ein Ausdruck, den ich im weiteren Verlauf dieser Analyse verwenden werde.(3) Aber es ist wichtig zu verstehen, dass dieser Begriff in seiner streng epistemologischen Verwendung zu verstehen ist. Modelle: Die redeskriptive Kraft eines Modells kann nur verstanden werden, wenn wir in Anlehnung an Max Black sorgfältig zwischen drei Arten von Modellen unterscheiden: maßstabsgetreue Modelle, wie z.B. ein Modellboot; analoge Modelle, die sich mit struktureller Identität befassen, wie z.B. ein schematisches Diagramm in der Elektronik; und schließlich theoretische Modelle, die von einem erkenntnistheoretischen Ricoeur II 67 Standpunkt aus [entworfen werden], sind die realen Modelle, die darin bestehen, ein imaginäres Objekt zu konstruieren, das der Beschreibung leichter zugänglich ist als ein komplexerer Bereich der Wirklichkeit, dessen Eigenschaften den Eigenschaften des Objekts korespondieren. Wie Max Black es ausdrückt, ist die Beschreibung eines Bereichs der Realität durch ein imaginäres theoretisches Modell eine Möglichkeit, die Dinge anders zu sehen, indem wir unsere Sprache über den Gegenstand unserer Untersuchung ändern. Diese Veränderung der Sprache geht von der Konstruktion einer heuristischen Fiktion und durch die Übertragung der Merkmale dieser heuristischen Fiktion auf die Realität selbst aus. >Metapher/Ricoeur. 1. Max Black, Models and Metaphors: Studies in Language and Philosophy, 1962. Cornell University Press. 2. Mary B. Hesse, Models and Analogies in Science (Notre Dame, Indiana: University of Notre Dame Press, 1966). |
Black I Max Black "Meaning and Intention: An Examination of Grice’s Views", New Literary History 4, (1972-1973), pp. 257-279 In Handlung, Kommunikation, Bedeutung, G. Meggle (Hg) Frankfurt/M 1979 Black II M. Black Sprache. Eine Einführung in die Linguistik München 1973 Black III M. Black The Prevalence of Humbug Ithaca/London 1983 Black IV Max Black "The Semantic Definition of Truth", Analysis 8 (1948) pp. 49-63 In Truth and Meaning, Paul Horwich Aldershot 1994 Ricoeur I Paul Ricoeur Die Interpretation. Ein Versuch über Freud Frankfurt/M. 1999 Ricoeur II Paul Ricoeur Interpretation theory: discourse and the surplus of meaning Fort Worth 1976 |
| Modelle | Kanitscheider | I 184 Modell/Theorie/Kosmologie/Kanitscheider: Der semantische Träger der Idealisierungen ist das sogenannte Modellobjekt. Keine physikalische Theorie bezieht sich nämlich unmittelbar auf die unbegriffliche Realität! Das Modell der relativistischen Kosmologie ist das der idealen vollkommenen Flüssigkeit. In großräumiger Sicht werden die Galaxien als ein Gas nicht wechselwirkender Teilchen behandelt. Dann sieht man sogar noch von der Teilchenstruktur des Gases ab, um zu einer perfekten idealisierten Flüssigkeit zu kommen. Diese Darstellungsmaterie ist nur mehr durch die Vierergeschwindigkeit uα, die Dichte der Massenenergie ρ und den Druck p gekennzeichnet. Die Geschwindigkeit uα bezieht sich auf einen Beobachter, der relativ zum materialen Substrat ruht, für den also die benachbarten Galaxien keine Bewegung besitzen. Von diesem System wird ebenfalls die Dichte bestimmt. Der kinetische Druck der Galaxien p macht sich dann bemerkbar, wenn die Dichte der kinetischen Energie in die Größenordnung der heute im Universum allein dominierenden Ruhemassendichte der Galaxien gelangt. In Dichte und Druck sind alle Formen von Strahlung eingeschlossen. In der heutigen Bilanz wiegen jedoch weder Materie noch Strahlungsdruck schwer. In der Frühzeit des Universums spielte die Strahlung allerdings wahrscheinlich eine dominante Rolle. Die Auswahl der drei Parameter ist mitnichten logisch notwendig! Es ist die Frage, ob man sich entscheidet, weniger hochsymmetrische Modelle zur Beschreibung zuzulassen. Für unsere extreme Vereinfachung erhalten wir den I 185 Energiespannungstensor: (5) Tαβ = (ρ + p)uαuβ + pgαβ Schreibweise: u. Geschwindigkeit ρ: Dichte p: kinetischer Druck g: Metrik Vom ontologischen Standpunkt ist bemerkenswert, dass in dem Ausdruck für die Materie (rechte Seite) weder die Metrik gαβ auftaucht. Das kann als Indiz gegen das Machsche Prinzip angesehen werden, dass der Tαβ nicht ohne den gαβ formuliert werden kann. Dies spricht aber dafür, dass man in Einsteins Theorie nicht streng zwischen Geometrie und Materie trennen kann! Die ontologische Duplizität wird nur verführerisch durch die kausale Sprechweise suggeriert, wonach die Materieverteilung die Raumstruktur erzeugt. Materie/Kosmos/Einstein/Kanitscheider: im vereinfachten Modell erhält man die statische Verteilung, wo von den 10 Komponenten nur mehr T00 = übrigbleibt, und diese Dichte auch noch von der Zeit unabhängig ist. >Modelltheorie. |
Kanitsch I B. Kanitscheider Kosmologie Stuttgart 1991 Kanitsch II B. Kanitscheider Im Innern der Natur Darmstadt 1996 |
| Moderne | MacIntyre | Brocker I 660 Moderne/Moral/MacIntyre: These: Es fehlt trotz der Bemühungen von drei Jahrhunderten noch immer jede einheitliche, rational vertretbare Darlegung eines liberalen, individualistischen Standpunktes(1). Dilemma: Entweder man folgt den Bestrebungen und dem Zusammenbruch der Aufklärung (Siehe Aufklärung/MacIntyre) bis nur noch die Diagnose Nietzsches übrigbleibt, oder man muss sagen, dass das Vorhaben der Aufklärung niemals hätte in Angriff genommen werden dürfen. (2) Siehe auch Moral/MacIntyre, Aufklärung/MacIntyre, Nietzsche/MacIntyre. Brocker I 661 Moderne Politik/MacIntyre: sei nichts anderes als ein „Bürgerkrieg mit anderen Mitteln“. (3) Lösung/MacIntyre: als letzte Zuflucht schlägt MacIntyre vor, lokale Formen der Gemeinschaft zu entwickeln, „in denen die Zivilisation und das intellektuelle und moralische Leben über das neue finstere Zeitalter hinaus aufrechterhalten werden können, das bereits über uns gekommen ist.“ (4) Brocker I 664 Moderne/MacIntyre: die Moderne versteht sich selbst nicht. Die moderne Scheinmoral ist die Folge einer Katastrophe, die nicht als Katastrophe (…) erkennbar wurde. (5) Lösung/MacIntyre: Gegen den epochalen Verblendungszusammenhang mobilisiert MacIntyre keine rationalen Argumente, sondern die Kraft der rettenden Erzählung. Brocker I 665 Für MacIntyre ist der Mensch ein „erzählendes Tier“. (6) Wir sind die Erzählung, die wir leben. Lösung/MacIntyre: eine affirmative Bestätigung der eigenen Traditionsabhängigkeit. Brocker I 666 Dies wäre eine neue Tugend; die nicht mit einer Form konservativer Begeisterung für das Alte verwechselt werden dürfe. Stattdessen manifestiert sich ein adäquates Gefühl für Tradition im Zugriff auf jene Zukunftsmöglichkeiten, die die Vergangenheit für die Gegenwart verfügbar gemacht hat. (7) MacIntyre hat keine Hoffnung auf eine Erlösung aus dem Unbehagen an der Moderne. Ein Gefühl der Sentimentalität oder sogar Trauer ist intendiert. (8) 1. Alasdair MacIntyre, After Virtue. A Study in Moral Theory, Notre Dame, Ind. 1981. Dt: Alasdair MacIntyre, Der Verlust der Tugend. Zur moralischen Krise der Gegenwart. Erweiterte Neuausgabe, Frankfurt/M. 2006 (zuerst 1987), S. 345 2. Ebenda S. 160 3. Ebenda S. 337. 4. Ebenda S. 350. 5. Ebenda S. 16 6. Ebenda S. 288 7. Ebenda S. 297f. 8. Ebenda S. 201. Jürgen Goldstein, „Alasdair MacIntyre, Der Verlust der Tugend“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018 |
Brocker I Manfred Brocker Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018 |
| Moral | Platon | Höffe I 23 Moral/Platon/Höffe: Im Gorgias setzt sich Platon mit einer später durch Nietzsche berühmt gewordenen These auseinander, die Moral sei eine Verschwörung der Schwachen. Sklavenmoral/Nietzsche: Nietzsche wird von Sklavenmoral sprechen und ihr eine Herrenmoral entgegensetzen. >Moral/Nietzsche, >Sittlichkeit/Nietzsche, >Gerechtigkeit/Nietzsche, >Sklaverei/Nietzsche, >Übermenschliches/Nietzsche. Platon: vertritt demgegenüber die These einer Harmonie: Zwischen der Moral und dem wohlverstandenen Selbstinteresse gibt es keinen Konflikt. Er bestreitet nicht, dass unmoralisches Handeln gelegentlich vorteilhaft sein kann, behauptet aber, die aus moralischem Handeln gewonnenen Vorteile überwögen den aus unmoralischem Tun und Lassen gezogenen Gewinn. Die Rechtfertigung für die Devise «lieber Unrecht erleiden als Unrecht tun» erfolgt also nicht «moralisierend», Höffe I 24 unter Berufung auf die unübertreffliche Würde der Moral, sondern vom Standpunkt des aufgeklärten Selbstinteresses. >Polis/Platon, >Politik/Platon. |
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| Moral | Rorty | V 58 Wissenschaft/Moral/Erscheinung/Kant/Rorty: Dass die moderne Wissenschaft eine Welt ohne Moral beschreibt, liegt nach Kant daran, dass sie nur Erscheinungen beschreibt. >Moral/Kant, >Sittengesetz/Kant. V 69/70 Moral/Ethik/Psychologie/Psychoanalyse/Rorty: Was die Metaphysik nicht leistet, schafft auch die Psychologie nicht - man findet auch bei Freud keine Erklärung "moralischer Motive". >Moral/Freud. V 78 Moral/Inhalt/Hegel/Rorty: Der sittliche Standpunkt ist gehaltlos. >Prinzipien. V 89 Moral/Gerechtigkeit/allgemein/Rawls/Rorty: Ein allgemeines Moralkonzept kann nicht die Grundlage für ein öffentliches Gerechtigkeitskonzept liefern - statt dessen müssen widerstreitende und inkommensurable Begriffe berücksichtigt werden. |
Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 |
| Mystizismus | McGinn | I 35 Mystizismus/M/McGinn: Nimmt die zum Begriff gehörigen Fakten für bare Münze, ist aber nicht imstande, sie wie der Anhänger der Unzurückführbarkeit als etwas schlicht Unerklärbares hinzunehmen. (Sondern erhebt weitergehenden Anspruch). I 63 McGinnVsMystizimus: das Problem ist nicht, dass zweifellos vieles am Mystizismus falsch ist, sondern, dass es inkohärent ist. Es hat keinen Standpunkt im logischen Raum. Welchen Inhalt hat denn eigentlich der Begriff des Übernatürlichen? - "Das Übernatürliche ist die verdinglichte Unwissenheit des Menschen." I 138 Willensfreiheit (Laut McGinn): Mystizismus: die Willensfreiheit ist vielleicht das natürliche Zuhause des Nichtnaturalisten. Dieser wird sagen, es gebe doch sicher nichts in der Erfahrungswelt, was derart krass von den Routineabläufen der Kausalität und der Vorhersagbarkeit abweicht, wie ein Akt der freien Entscheidung. Durch freie Entscheidung stellten wir den jenseitigen Aspekt unseres Daseins unter Beweis. Natürlicher Ausdruck der Seele, abseits von menschlichen Abläufen. McGinnVsMystizismus: das ist keine Antwort auf das Anfangsargument (Determinismus = Indeterminismus). Ist unsere übernatürliche Seele determiniert, oder ist sie es nicht? Die Frage ist also nur verschoben worden. Gott selbst würde dem Dilemma gegenüberstehen. I 160 Mystifizierung: wir haben Erkenntnis a priori durch göttliche Offenbarung. Platon, Gödel: These: es gibt ein besonderes Vermögen der mathematischen Anschauung, das uns auf unerklärliche Weise mit der abstrakten Realität in Verbindung bringt. II 104 Menschliche Unwissenheit ist kein Beweis dafür, dass die Antwort übernatürlich sein muss. |
McGinn I Colin McGinn Die Grenzen vernünftigen Fragens Stuttgart 1996 McGinn II C. McGinn Wie kommt der Geist in die Materie? München 2001 |
| Nationalökonomie | Marx | Höffe I 364 Nationalökonomie/Marx/Höffe: (...) Marx(1) [versucht] zu zeigen,, wie eine Nationalökonomie. Die vom Standpunkt der die Produktionsmittel besitzenden Kapitalisten entworfen ist, unter den eigenen Annahmen ihr behauptetes Ziel nicht erreicht. MarxVsSmith, Adam: Während Smith gemäß dem Titel seines Werkes den «Wohlstand der Nationen»(2) verspricht, findet in Wahrheit laut Marx das krasse Gegenteil statt: eine Verarmung, schließlich Verelendung des Arbeiters. Profit: Die auf Profitsteigerung zielende Kapitalverwertung begünstige nämlich zum einen das große Kapital, denn es zerstöre das kleine Kapital und bemächtige sich des Grundbesitzes. Arbeit: Zum anderen führe es zu einem Überfluss an Arbeit, wodurch der Arbeiterlohn unter das Existenzminimum gedrückt werde. Verelendung: Später verabschiedet Marx den Gedanken einer absoluten Verelendung. Er behauptet nur noch, der Arbeitslohn halte nicht mit dem wachsenden Reichtum der Kapitaleigner Schritt (...) >Adam Smith. 1. K. Marx, Ökonomisch-philosophische Manuskripte (1844) (Pariser Manuskripte) 2. A. Smith, An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations, 1776 (dt. Der Wohlstand der Nationen). |
Marx I Karl Marx Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957 |
| Natur | Davidson | Rorty VI 165 Gehirn/Davidson/Rorty: Das Gehirn kann überhaupt nicht den Kontakt zur Außenwelt verlieren. Es ist ohne Belang, ob es ein Gehirn im Tank ist. Das gilt auch für den Geist: Er muss immer mit etwas verbunden sein. Das kann auch durch eine mentalistische Neubeschreibung nicht negiert werden. >Gehirne im Tank. Davidson I 8 Def Externalismus: Ereignisse und Gegenstände, durch die eine Überzeugung hervorgerufen wird, bestimmen zugleich den Inhalt dieser Überzeugung. Das ist nicht der Gedanke, die Natur gewährleiste dass unsere einfachen Urteile immer richtig sind, sondern, dass die kausale Geschichte solcher Urteile ein konstitutives Hauptmerkmal ihres Inhalts liefert. >Externalismus. I 84 ff Geist/subjektiv/objektiv/Objektivität/Subjektivität/Welt/Realität/Davidson: altes Thema: Die Beziehungen zwischen dem menschlichen Geist und der übrigen Natur, zwischen dem Subjektiven und dem Objektiven. >Objektivität, >Subjektivität. Bewusstsein/Davidson: gibt es in der Mehrzahl; Natur nur in der Einzahl. Dass jeder seinen Standpunkt in der Welt hat, ist ein harmloser Relativismus, da er sich auf ein Koordinatensystem, eben die eine Natur bezieht. I 85 Begriffsrelativismus/Davidson: hat es da schwerer, weil das gemeinsame Koordinatensystem nicht so leicht zu identifizieren ist. >Bezugssysteme. |
Davidson I D. Davidson Der Mythos des Subjektiven Stuttgart 1993 Davidson I (a) Donald Davidson "Tho Conditions of Thoughts", in: Le Cahier du Collège de Philosophie, Paris 1989, pp. 163-171 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson I (b) Donald Davidson "What is Present to the Mind?" in: J. Brandl/W. Gombocz (eds) The MInd of Donald Davidson, Amsterdam 1989, pp. 3-18 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson I (c) Donald Davidson "Meaning, Truth and Evidence", in: R. Barrett/R. Gibson (eds.) Perspectives on Quine, Cambridge/MA 1990, pp. 68-79 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson I (d) Donald Davidson "Epistemology Externalized", Ms 1989 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson I (e) Donald Davidson "The Myth of the Subjective", in: M. Benedikt/R. Burger (eds.) Bewußtsein, Sprache und die Kunst, Wien 1988, pp. 45-54 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson II Donald Davidson "Reply to Foster" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Davidson III D. Davidson Handlung und Ereignis Frankfurt 1990 Davidson IV D. Davidson Wahrheit und Interpretation Frankfurt 1990 Davidson V Donald Davidson "Rational Animals", in: D. Davidson, Subjective, Intersubjective, Objective, Oxford 2001, pp. 95-105 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 |
| Naturalisierte Erkenntnistheorie | Stroud | I 209 Skeptizismus/naturalisierte Erkenntnistheorie/ET/Stroud: Der Skeptizismus wird unvermeidlicher, je mehr wir die externe (distanzierte) Position einnehmen und Belege betrachten. >Erkenntnistheorie, >Empirismus, >Belege. Es gibt keine unabhängige Information über die Welt - Bsp Raum mit Monitoren. Vgl. >Farbenforscherin Mary. Gehirne im Tank/GIT/Stroud: KantVsDescartes: Eine solche Unterscheidung zwischen Sinneserfahrung und anderem Wissen würde uns von der Welt abschneiden. >Gehirne im Tank. I 211 QuineVs: Das gilt nur für die traditionelle Erkenntnistheorie. Lösung: wir müssen nur eine "distanzierte" Position vermeiden. Vgl. >Naturalismus, >Naturalisierte Erkenntnistheorie/Quine. QuineVsKant: So geht auch die Untersuchung des allgemeinen menschlichen Wissens! >Wissen/Quine. I 211 Naturalisierte Erkenntnistheorie/QuineVsCarnap/Stroud: Die Naturalisierte Erkenntnistheorie leugnet die Notwendigkeit eines externen Standpunkts. - Damit wird das Innen/außen-Problem vermieden. >Innen/außen. I 214 QuineVsKant: Es gibt kein a priori-Wissen. >a priori, >a priori/Quine. I 250 Naturalisierte Erkenntnistheorie/NE/Wissen/Unterbestimmtheit/Skeptizismus/StroudVsQuine: Naturalisierte Erkenntnistheorie muss erklären: wie verursachen entferntere Ereignisse nähere? - Wie wird unser überschießender Glaube verursacht? - Aber das würde sie nicht erklären - (wie die "Lücke" zwischen Daten und Wissen überbrückt wird.) Vgl. >"Magerer Input"/Quine. Stroud: Die Naturalisierte Erkenntnistheorie würde es deshalb nicht erklären, weil es gar keinen Sinn macht zu sagen, dass hier in einer Kausalkette eine Lücke klafft. - Dann kann man auch nicht von Unterbestimmtheit reden - dass ein Ereignis ein anderes "unterbestimmt". ((s) Es gibt keine "Ursache, die nicht hinreichend" wäre.) >Unterbestimmtheit durch die Daten. Unterbestimmtheit/Quine: Bsp Wahrheiten über Moleküle sind unterbestimmt durch Wahrheiten über alltägliche Dinge. Lücke/Stroud: Quine hat mit einer Lücke zu tun, weil er von Information ((s) Inhalt) spricht, nicht von bloßen Ereignissen. >Wissen/Quine. I 251 Input/Quine/StroudVsQuine: Der einzelne Input ist nicht "mager" - ((s) nur als Massenterm). - Er ist nicht mager, wenn er als Ereignis aufgefasst wird. - Also können wir bei Ereignissen nicht von Unbestimmtheit reden! >Unbestimmtheit, >Ereignisse, StroudVsQuine: Problem: Wenn der Input zu mager ist, erfordert der Übergang zum Überfließenden Output Bewusstsein. - Der "Beleg" muss auch einer sein! >Bewusstsein. I 253 Naturalisierte Erkenntnistheorie/KantVsQuine/StroudVsQuine: Wir können nicht alle unsere Überzeugungen als "Projektionen" betrachten. Und wir dürfen keine epistemische Priorität ((s) dass Sinneseindrücke näher an uns sind als die äußeren Gegenstände) annehmen. >Überzeugungen, >Wissen, >Welt/Denken, >Wahrnehmung, >Belege, >W.V.O. Quine. |
Stroud I B. Stroud The Significance of philosophical scepticism Oxford 1984 |
| Natürliche Pflichten | Rawls | I 114 Natürliche Pflichten/Rawls: Beispiele sind gegenseitige Hilfe oder Hilfe für jemand, der in Gefahr ist, vorausgesetzt, man bringt sich nicht selbst übermäßig in Gefahr, das Verbot, jemand anders zu benachteiligen oder zu verletzen. >Pflichten. Positive/negative Pflichten: Die Unterscheidung ist nur im Hinblick auf das Problem der Prioritäten wichtig. Pflichten/Rawls: Der Unterschied zu Verpflichtungen ist, dass natürliche Pflichten unabhängig von Institutionen oder sozialen Praktiken sind. Sie erwachsen ohne Rücksicht auf unser Handeln. I 115 Wir haben uns (als Individuen) niemals verpflichtet, nicht grausam zu sein. Anders sieht es aus, wenn das Völkerrecht betroffen ist. Hier sind Verträge nötig – aber dann trifft der Ausdruck „natürliche“ Pflichten nicht mehr zu. Pflicht zur Gerechtigkeit/Rawls: Dies ist eine fundamentale Pflicht vom Standpunkt der Gerechtigkeit als Fairness aus. Sie bezieht sich auch auf Arrangements, die erst in der Zukunft etabliert werden. >Gerechtigkeit/Rawls, >Fairness/Rawls. I 115/116 Reziprozität: Reziprozität folgt nicht etwa aus einer vertraglichen Vereinbarung zwischen Individuen, sondern aus dem zweiten Teil des Fairnessprinzips: (Siehe Rawls I 111: Man hat diesem Arrangement zugestimmt.) >Reziprozität. |
Rawl I J. Rawls A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005 |
| Naturschönes | Hegel | Gadamer I 64 Naturschönes/Hegel/Gadamer: Im Unterschiede zu Kant wurde [im deutschen Idealismus] der Standpunkt der Kunst als der der bewusstlos genialen Produktion allumfassend und umschloss auch die Natur, die als Produkt des Geistes verstanden wird.(1) >Ästhetik/Fichte. Damit aber haben sich die Grundlagen der Ästhetik verschoben. Wie der Begriff des Geschmacks wird auch der Begriff des Naturschönen entwertet, bzw. anders verstanden. Das moralische Interesse am Schönen der Natur, das Kant so enthusiastisch geschildert hatte, tritt nun hinter der Selbstbegegnung des Menschen in den Werken der Kunst zurück. >Ästhetik/Hegel. Hegel/Gadamer: In Hegels großartiger Ästhetik kommt das Naturschöne nur noch als Reflex des Geistes« vor. Es ist im Grunde kein selbständiges Moment mehr im systematischen Ganzen der Ästhetik(2). Offenbar ist es die Unbestimmtheit, mit der sich die schöne Natur dem deutenden und verstehenden Geist darstellt, die es rechtfertigt, mit Hegel zu sagen, sie sei »ihrer Substanz nach im Geiste erhalten«(3). Unleugbar ist das Urteil über die Schönheit einer Landschaft in Abhängigkeit von dem Kunstgeschmack einer Zeit. Man denke etwa an die Schilderung der Hässlichkeit der Alpenlandschaft, die wir noch im 18. Jahrhundert antreffen — offenkundig ein Reflex des Geistes der künstlichen Symmetrie, der das Jahrhundert des Gadamer I 65 Absolutismus beherrscht. Ästhetik/Hegel: So steht Hegels Ästhetik ganz und gar auf dem Standpunkt der Kunst. In der Kunst begegnet sich der Mensch selbst, Geist dem Geiste. >Kunst/Hegel. 1. Bis zu welchem Grade der zwischen Kant und seinen Nachfolgern eingetretene Wandel, den ich durch die Formel "Standpunkt der Kunst" zu kennzeichnen suche, das universale Phänomen des Schönen verdunkelt hat, kann das erste Schlegelfragment (Friedrich Schlegel, Fragmente, Aus dem Lyceums 1797) lehren: »Man nennt viele Künstler, die eigentlich Kunstwerke der Natur sind«. In dieser Wendung klingt Kants Begründung des Geniebegriffs auf die Gunst der Natur nach, wird aber so wenig mehr gewürdigt, daß sie im Gegenteil zum Einwand gegen ein seiner selbst zu wenig bewusstes Künstlertum wird. 2.. Vgl. Hegel, Sämtl. Werke, ed. Lasson, Bd. Xa, 1. Halbband (Die Idee und das Ideal), S. Xllff. IVgl. 2. 3. Hegel, Vorlesungen über die Ästhetik, ed. Lasson. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Nicht-erneuerbare Ressourcen | Mill | Kurz I 291 Nicht-erneuerbare Ressourcen/Mill/Kurz: (...) Die klassischen Ökonomen (...) waren sich der prinzipiellen Erschöpfbarkeit einiger Ressourcen bewusst, hielten dies aber nicht für ein unmittelbares Problem. Ständig wurden neue Vorkommen solcher Ressourcen entdeckt, während die alten erschöpft waren. Außerdem änderten sich die Produktionsbedingungen durch den technischen Fortschritt ständig. John Stuart Mill brachte den klassischen Standpunkt in dieser Hinsicht gut zum Ausdruck. Er argumentierte, dass (i) die Bearbeitung von erschöpfbaren Ressourcen der Bearbeitung von Land (einer Ressource, die als unerschöpflich gilt) ähnelt; (ii) bei beiden Arten von Tätigkeiten sind zwei antagonistische Kräfte am Werk - abnehmende Erträge und Verbesserungen (technischer Fortschritt); (iii) das Potenzial für solche Verbesserungen ist im Bergbau und in anderen Gewinnungsprozessen größer als in der Landwirtschaft (siehe Mill, 1965:495)(1). 1. Mill, J. S. (1965). Principles of Political Economy With Some of Their Applications to Social Philosophy, Ist edn 1848, edited by J. M. Robson. Toronto: University of Toronto Press. Kurz, Heinz D. and Salvadori, Neri. „Exhaustible resources, Rents, profits, royalties and prices.“ In: Kurz, Heinz; Salvadori, Neri 2015. Revisiting Classical Economics: Studies in Long-Period Analysis (Routledge Studies in the History of Economics). London, UK: Routledge. |
Mill I John St. Mill Von Namen, aus: A System of Logic, London 1843 In Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993 Mill II J. St. Mill Utilitarianism: 1st (First) Edition Oxford 1998 Mill Ja I James Mill Commerce Defended: An Answer to the Arguments by which Mr. Spence, Mr. Cobbett, and Others, Have Attempted to Prove that Commerce is Not a Source of National Wealth 1808 Kurz I Heinz D. Kurz Neri Salvadori Revisiting Classical Economics: Studies in Long-Period Analysis (Routledge Studies in the History of Economics). Routledge. London 2015 |
| Nicht-erneuerbare Ressourcen | Parrinello | Kurz I 304 Nicht-erneuerbare Ressourcen/Parrinello/Kurz: 1983 widmete sich Parrinello dem Problem der erschöpflichen Ressourcen wie Öl oder Gas und stellte die kritische Frage, ob die von Sraffa angewandte Langzeitmethode auch in diesem Fall anwendbar sei oder ob sie zugunsten einer anderen Methode aufgegeben werden müsse (Parrinello 1983)(1). (…) dieser Aufsatz löste eine Reihe von Beiträgen aus, die sich dieser Herausforderung stellten. Als Parrinello 1983 seinen Aufsatz veröffentlichte, musste er sich ausschließlich auf Sraffas veröffentlichte Arbeiten stützen. Daher konnte er noch nicht wissen, was in Sraffas Manuskripten und Aufsätzen, die am Trinity College in Cambridge aufbewahrt werden, zum Problem Kurz I 305 der erschöpflichen Ressourcen enthalten ist. >Nicht-erneuerbare Ressourcen/Sraffa. Kurz I 307 ParrinelloVsSraffa: (...) „ein Kompatibilitätsproblem“ bestehe zwischen der von Sraffa wiederbelebten Langfristmethode und dem Fall der erschöpfbaren natürlichen Ressourcen (Parrinello 1983: 188)(1). Er interpretiert die einleitende Passage von Kapitel XI von Sraffas Buch(2) und kommt zu dem Schluss, dass „Sraffa in seiner Werttheorie Land mit Bodenschätzen gleichzusetzen scheint“ (188-9)(1). Es stimmt zwar, dass Sraffa sowohl die nicht erschöpfbaren als auch die erschöpfbaren Ressourcen unter den Produktionsmitteln als gleichwertig mit den Nicht-Grundstoffen unter den Produkten ansieht, aber er vergleicht die allmähliche Erschöpfung der erschöpfbaren Ressourcen mit der Erschöpfung von Maschinen eines veralteten Typs. Kurz: Daher können wir im Nachhinein Parrinello zustimmen, „dass die Gleichsetzung von Bodenschätzen und Land, wenn sie zu weit getrieben wird, irreführend sein kann“. (190). Parrinello: Ausgehend von Sraffas Produktionsgleichungen und auf der Suche nach einem Weg, den klassischen Ansatz so weit wie möglich zu bewahren und dennoch das Problem der erschöpfbaren Ressourcen zu bewältigen, schlägt Parrinello dann „zwei Arten vor, wie erschöpfbare natürliche Ressourcen in der Werttheorie behandelt werden können“ (190)(1). Nach der ersten Option gibt es eine bestimmte „Anzahl von Minen eines bestimmten Typs und die ‚Mine‘ [wird] mit einer Maschine gleichgesetzt, die zwar existiert, aber nicht mehr reproduziert wird“.(191). Sraffa/ Kurz: Dies deckt sich im Wesentlichen mit dem Ansatz von Sraffa in der Passage, die er beim Lektorat seines Buches gestrichen hat. Nach der zweiten Option wird die natürliche Ressource „als ein Bestand an nicht mehr produzierten Gütern betrachtet. Die Verfügbarkeit der Ressource wird in diesem Fall an der Menge gemessen, die sich unter der Erde oder an der Oberfläche befindet, und diese Menge wird als in Inputs aufteilbar betrachtet, die zu unterschiedlichen Prozessen zweier Arten gehören können: extraktive Prozesse und Erhaltungsprozesse.“(191) Nach der ersten Option gibt es eine bestimmte „Anzahl von Minen eines bestimmten Typs und die ‚Mine‘ [wird] mit einer Maschine gleichgesetzt, die zwar existiert, aber nicht mehr reproduziert wird“. (191). Sraffa/ Kurz: Dies deckt sich im Wesentlichen mit dem Ansatz von Sraffa in der Passage, die er beim Lektorat seines Buches gestrichen hat. Nach der zweiten Option wird die natürliche Ressource „als ein Bestand an nicht mehr produzierten Gütern betrachtet. Die Verfügbarkeit der Ressource wird in diesem Fall an der Menge gemessen, die sich unter der Erde oder an der Oberfläche befindet, und diese Menge wird als in Inputs aufteilbar betrachtet, die zu unterschiedlichen Prozessen zweier Arten gehören können: extraktive Prozesse und Erhaltungsprozesse.“ (191) Kurz I 308 Lösung/Parrinello: (...) Konservierungsprozesse und Extraktionsprozesse müssen explizit unterschieden werden. Unter den Bedingungen des freien Wettbewerbs impliziert dies jedoch, dass der Preis des in situ Bestandes der Ressource nach der Hotelling-Regel (Hotelling 1931) steigen muss (197)(3). >Hotelling-Regel. Parrinello vergleicht diesen Fall dann mit dem Fall der „Bohnen“ in Sraffas Buch (1960: 91(2)), bei denen angenommen wird, dass sie eine sehr niedrige Reproduktionsrate aufweisen. Der Fall kann nur in Form einer Differenz zwischen dem Preis der Bohnen zu Beginn der Produktionsperiode und dem Preis am Ende der Periode behandelt werden, genau wie im Fall Hotelling. Diese Tatsache ist ein Problem für die Methode der langen Periode, denn „die Wahl des Produktionssystems ist nicht unabhängig von der Menge der knappen natürlichen Ressource“. Parrinello schlussfolgert: „In Ermangelung besonderer Hypothesen wird es daher unmöglich, die These aufrechtzuerhalten, dass die langfristigen Preise allein auf der Grundlage der Verteilung und der Produktionsmethoden erklärt werden können, die in einem abgeschlossenen Zeitraum verwendet wurden.“ (196)(1) Er fügt hinzu, dass dies „die auf dem Konzept des Überschusses basierende Werttheorie in die Nähe des neoklassischen Ansatzes zu rücken scheint Ansatz zu führen“ (196-7)(1). Er besteht jedoch darauf, dass die beiden Theorien immer noch einen „wesentlichen Unterschied“ (197) aufweisen, was die Art und Weise betrifft, in der der Zinssatz bestimmt wird, sei es durch die Zeitpräferenz oder durch den Überschuss. Was die erste Methode (Ressourcen als Bergwerke) betrifft, so können „die Gewinnung des Minerals und seine Erhaltung unter der Erde nicht als zwei getrennte Prozesse betrachtet werden“ (197)(1): Sie müssen vielmehr zu einem einzigen Prozess zusammengefasst werden, bei dem „die Menge des gewonnenen Minerals und die Menge, die am Ende des Zeitraums im Boden verbleibt, als gemeinsame Produkte behandelt werden“ (198)(1). Parrinello lenkt dann die Aufmerksamkeit auf den Sonderfall, in dem die natürliche Wachstumsrate der Ressource so beschaffen ist, dass das, was in einer bestimmten Periode entnommen wird, genau in derselben Periode wieder aufgefüllt wird. In diesem Fall, so betont er, wäre „die Lizenzgebühr [definiert als die ‚Nutzungskosten des Bergwerks‘ (190)]“ gleich Null: Wir hätten eine erneuerbare Ressource vor uns, die in Bezug auf das aktivierte Produktionssystem dem Land gleich ist (198)(1). VsParrinello/Kurz: Parrinellos Arbeit löste eine umfangreiche Literatur aus, zu der unter anderem Salvadori (1987)(4), Schefold (1989(5): ch. 19b, 2001(6)), Kurz und Salvadori (1995(7), 1997(8), 2001(9), 2002(10), 2009(11), 2011(12)), Bidard und Erreygers (2001a(14), 2001b(15)), Lager (2001)(16), Parrinello (2001)(17), Ravagnani (2002)(18) und Hosoda (2001)(19). Darüber hinaus gab es Beiträge, die sich mit dem vorliegenden Problem von einem klassischen Standpunkt aus befassten, die aber nicht direkt mit Parrinellos Arbeit zusammenhingen, darunter Roncaglia (1983(20), 1985(21)), Gibson (1984)(22), Pegoretti (1986(23), 1990(24)) und Quadrio Curzio (1983(25), 1986(26)). Hier konzentrieren wir uns nur auf einige der erstgenannten. >Nicht-erneuerbare Ressourcen/Schefold. 1. Parrinello, S. (1983). 'Exhaustible Natural Resources and the Classical Method of Long-period Equilibrium', in J. Kregel (ed.), Distribution, Effective Demand and International Economic Relations, London: Macmillan, pp. 186-99. 2. Sraffa, P. (1960). Production of Commodities by Means of Commodities. Prelude to a Critique of Economic Theory, Cambridge: Cambridge University Press. 3. Hotelling, H. (1931). 'The Economics of Exhaustible Resources', Journal of Political Economy, 39, pp. 137—75. 4. Salvadori, N. (1987). 'Les ressources naturelles rares dans la théorie de Sraffa', in G. Bidard (ed.), La rente, acutalité de Vapproche classique, Paris: Economica, pp. 161-76. 5. Schefold, B. (1989). Mr Sraffa on Joint Production and Other Essays, London: Macmillan. 6. Schefold, B. (2001). 'Critique of the Corn-Guano Model', Metroeconomica, 52(3), pp. 316-28. 7. Kurz, H. D. and Salvadori, N. (1995). Theory of Production. A Long-Period Analysis, Revised paperback edition 1997, Cambridge, UK: Cambridge University Press. 8. Kurz, H. D. and Salvadori, N. (1997). 'Exhaustible Resources in a Dynamic Input- Output Model With 'Classical' Resources', Economic Systems Research, 9(3), pp. 235-51. 9. Kurz, H. D. and Salvadori, N. (2000). 'Economic Dynamics in a Simple Model With Exhaustible Resources and a Given Real Wage Rate', Structural Change and Economic Dynamics, 1 1(1—2), pp. 167—79. 10 Kurz, H. D. and Salvadori, N. (2001). 'Classical Economics and the Problem of Exhaustible Resources', Metroeconomica, 52(3), pp. 282—96. 11. Kurz, H. D. and Salvadori, N. (2002). 'On the Long-period Method. A Comment on Ravagnani', a reply to 'Produced Quantities and Returns in Sraffa's Theory of Normal Prices: Textual Evidence and Analytical Issues', by Fabio Ravagnani, in S. Böhm, Ch. Gehrke, H. D. Kurz and R. Sturn (eds), Is there Progress in Economics? Knowledge, Truth and the History of Economic Thought, Cheltenham: Edward Elgar. 12. Kurz, H. D. and Salvadori, N. (2009). 'Ricardo on Exhaustible Resources, and the Hotelling Rule', in Aiko Ikeo and Heinz D. Kurz (eds.), The History of Economic Theory. Essays in Honour of Takashi Negishi, London: Routledge, pp. 68—79. 13. Kurz, H. D. and Salvadori, N. (2011). 'Exhaustible Resources: Rents, Profits, Royalties, and Prices', in Volker Caspari (ed.), The Evolution of Economic Theory, Essays in Honour of Bertram Schefold, London: Routledge. 14. Bidard, Ch. and Erreygers, G. (2001 a). 'The Corn-Guano Model', Metroeconomica, 52(3), pp. 243-53. 15. Bidard, Ch. and Erreygers, G. (2001b). 'Further Reflections on the Corn—Guano Model', Metroeconomica, 52(3), pp. 254-67. 16. Lager, Ch. (2001). 'A Note on Non-Stationary Prices', Metroeconomica, 52(3), pp. 297-300. 17. Parrinello, S. (2001). 'The Price Of Exhaustible Resources', Metroeconomica, 52(3), pp. 301-15. 18. Ravagnani, F. (2002). 'Produced Quantities and Returns in Sraffa's Theory of Normal Prices: Textual Evidence and Analytical Issues', in S. Böhm, Ch. Gehrke, H. D. Kurz and R. Sturn (eds.), 1s there Progress in Economics? Knowledge, Truth and the History of Economic Thought, Cheltenham: Edward Elgar. 19. Hosoda, E. (2001). 'Recycling and Landfilling in a Dynamic Sraman Model: Application of the Corn-Guano Model to a Waste Treatment Problem', Metroeconomica, 52(3), pp. 268-81. 20. Roncaglia, A. (1983). 'The Price of Oil', Journal of Post Keynesian Economics, 5, pp. 557-78. 21. Roncaglia, A. (1985). The International Oil Market, London: Macmillan. 22. Gibson, B. (1984). 'Profit and Rent in a Classical Theory of Exhaustible and Renewable Resources', Zeitschrift für Nationalökonomie, 44, pp. 131—49. 23. Pegoretti, G. (1986). Risorse, produzione, distribuzione, Milan: Franco Angeli. 24. Pegoretti, G. (1990). 'Offerta di risorse non riproducibili, scelta della tecnica e struttura produttiva', in A. Quadrio Curzio and R. Scazzieri (eds.), Dinamica economica e strutturale, Bologna: Il Mulino, pp. 81-121. 25. Quadrio Curzio, A. (1983). 'Primary Commodity Prices, Exhaustible Resources and International Monetary Relations: Alternative Explanations', in J. Kregel (ed.), Distribution, Effective Demand and International Economic Relations, London: Macmillan, pp. 142-52. 26. Quadrio Curzio, A. (1986). 'Technological Scarcity: An Essay on Production and Structural Change', in M. Baranzini and R. Scazzieri (eds.), Foundations of Economics, Oxford: Basil Blackwell, pp. 311-38. Kurz, Heinz D. and Salvadori, Neri. „The 'classical' approach to exhaustible resources. Parrinello and the others.“ In: Kurz, Heinz; Salvadori, Neri 2015. Revisiting Classical Economics: Studies in Long-Period Analysis (Routledge Studies in the History of Economics). London, UK: Routledge. |
Parrinello I Sergio Parrinello Exhaustible Natural Resources and the Classical Method of Long-period Equilibrium London: MacMillan 1983 Kurz I Heinz D. Kurz Neri Salvadori Revisiting Classical Economics: Studies in Long-Period Analysis (Routledge Studies in the History of Economics). Routledge. London 2015 |
| Normen | Bostrom | I 258 Normen/Normativität/Superintelligenz/Bostrom: Indirekte Normativität ist eine Möglichkeit, auf die Herausforderung zu antworten, die sich aus der Tatsache ergibt, dass wir vielleicht nicht wissen, was wir wirklich wollen, was in unserem Interesse liegt oder was moralisch richtig oder ideal ist. Anstatt eine Vermutung auf der Grundlage unseres eigenen derzeitigen Verständnisses (das wahrscheinlich zutiefst fehlerhaft ist) anzustellen, würden wir einen Teil der für die Wertauswahl erforderlichen kognitiven Arbeit an die Superintelligenz delegieren. >Ethik/Superintelligenz/Bostrom. (...) man könnte diese Idee verallgemeinern (...): Def Prinzip der epistemischen Achtung: Eine zukünftige Superintelligenz nimmt einen erkenntnistheoretisch überlegenen Standpunkt ein: ihre Überzeugungen sind (wahrscheinlich bei den meisten Themen) wahrscheinlicher als unsere. Wir sollten uns daher, wann immer dies möglich ist, der Meinung der Superintelligenz beugen. ((s)VsBostrom: (1) Hier wird die stillschweigende Annahme gemacht, dass moralische Entscheidungen dem Fortschritt unterworfen sind. (2) Damit wird menschliche Verantwortung delegiert und letztlich davon ausgegangen, dass menschliche Entscheidungen nur vorläufig sind, bis nicht-menschliche Entscheidungen getroffen werden). >Ethik/Moral/Superintelligenz/Yudkowsky I 259 Ethik/Moral/Superintelligenz/Yudkowsky: Yudkowsky hat vorgeschlagen, einer Ausgangs-KI das Endziel zu geben, den "kohärenten extrapolierten Willen" (CEV) der Menschheit zu verwirklichen, den er wie folgt definiert: CEV/Yudkowsky: CEV/Yudkowsky: Unser "kohärentes extrapoliertes Wollen" ist unser Wunsch, wenn wir mehr wüssten, schneller dächten, mehr die Menschen wären, die wir gerne wären, wenn wir enger zusammen aufgewachsen wären; wo die Extrapolation unserer Wünsche konvergiert statt zu divergieren, wo unsere Wünsche kohärent sind statt sich zu stören; wenn sie extrapoliert werden, wie wir es wünschen, dass sie extrapoliert werden, dass sie interpretiert werden, wie wir es wünschen, dass sie interpretiert werden. >Ethik/Superintelligenz//Bostrom. |
Bostrom I Nick Bostrom Superintelligence. Paths, Dangers, Strategies Oxford: Oxford University Press 2017 |
| Objektivität | Brandom | I 136f Objektivität/Brandom: naiv e Theorie: Objektivität entsteht aus Erfolg von Repräsentation - die Objektivität ist ein Merkmal von Beurteilungspraktiken hinsichtlich der Korrektheit von Repräsentationen. - Repräsentationen als Antwort auf das, was repräsentiert wird, nicht als was das Repräsentierte aufgefasst wird. - So geht der Status über die Einstellung hinaus. - Deswegen ist Repräsentation nicht semantischer Grundbegriff. I 692 Objektiv: sozial instituiert, aber nicht intersubjektiv. >Intersubjektivität. I 736f Objektivität: hängt davon ab, was wahr ist von dem, was Behauptungen und Begriffsanwendungen tatsächlich repräsentieren oder wovon sie handeln, und nicht davon, was irgendwer oder jedermann für wahr hält. Die Objektivität besteht in der Unterscheidung zwischen Zuschreibung, Anerkennung und Festlegung. I 822 ff Was objektiv richtig und wahr ist, richtet sich nach den Gegenständen, über die gesprochen wird, nicht nach dem, was über sie gesagt wird, auch nicht nach den Einstellungen irgendwelcher oder aller Mitglieder der Gemeinschaft. I 314 Objektivität/Brandom: Eine objektive oder naturalistische Theorie kognitiver Berechtigung lässt sich nicht allein aus Verlässlichkeitserwägungen ableiten, auch nicht eine solche naturalistische Theorie der richtigen Begriffsverwendung. >Verlässlichkeitstheorie. I 823 Objektivität/Normen/Gemeinschaft/Sprache/Brandom: Vs Ich-Wir-Konzeption sozialer Praktiken: falsche Gegenüberstellung der Ansichten des Einzelnen mit denen der Gesellschaft (Intersubjektivität) - BrandomVsIntersubjektivität als Modell für Objektivität - Problem: die Gemeinschaft als ganzes verliert die Fähigkeit, Unterscheidungen zu treffen - das assimiliert die Gemeinschaft an ihre Individuen. I 824 Objektivität/Realität/Welt/Brandom: Dass unsere Begriffe von einer objektiven Welt handeln, liegt z.T. daran, dass es einen objektiven Sinn von Richtigkeit gibt, dem ihre Anwendung unterworfen ist. I 825 Ein propositionaler oder sonstiger Gehalt kann nur von einem Standpunkt aus spezifiziert werden, und der ist subjektiv, nicht in einem cartesianischen Sinne, sondern im ganz praktischen Sinn (Kontoführendes Subjekt). BrandomVsTradition: Statt auf nichtperspektivische Tatsachen muss man nur auf die strukturellen Merkmale der Kontoführungspraktiken achten. I 826 Die Objektivität besteht in der Unterscheidung zwischen Zuschreibung, Anerkennung und Festlegung. I 828 Unterschied zwischen objektiv und subjektiv Richtigem ist der zwischen einer zugewiesenen und einer vom Sprecher anerkannten Festlegung. - Innerhalb jeder Perspektive gibt es einen Unterschied zwischen Status und Einstellung. - Objektivität ist dann ein struktureller Aspekt der sozialperspektivischen Form begrifflicher Gehalte. I 829 Objektiver repräsentationaler Gehalt: de re-Zuschreibung: Er glaubt von Chinin, dass.. - dadurch Spezifikation von Gegenständen. I 831 Ich-Du-Stil/Kontoführung/Brandom: die Festlegungen werden von einem Individuum (Kontoführer) eingegangen, nicht von "der Gemeinschaft". BrandomVsIntersubjektivität (Ich-Wir-Stil): kann der Möglichkeit des Irrtums seitens der privilegierten Perspektive keinen Platz einräumen. >Kontoführung. |
Bra I R. Brandom Expressive Vernunft Frankfurt 2000 Bra II R. Brandom Begründen und Begreifen Frankfurt 2001 |
| Objektivität | Nagel | I 9 ff Objektivität/Nagel: These: Obwohl man unsere Objektivität in einzelnen Fällen sicher in Misskredit bringen kann durch den Nachweis, dass ihre Quellen anderswo liegen (in Vorurteilen, Wünschen usw.) werden sich Interpretationen dieser auf eine bestimmte Perspektive abhebenden Art früher oder später erschöpfen. >Perspektive, >Beschreibung/Nagel. Nagel: Sie Gültigkeit von Gedanken hängt nicht von ihrer Verwendungsweise ab. >Gebrauchstheorie. Bedeutung/Gültigkeit: Bedeutung ist eben noch keine Gültigkeit. >Gültigkeit, >Geltung. I 26 Objektivität/subjektiv/Nagel: Das Bemühen, das Subjektive und Besondere bzw. das Relative an der eigenen Einstellung zu ermitteln, führt unweigerlich zum Objektiven und Allgemeinen. >Subjektivität, >Subjektivität/Nagel. I 60 Allerdings kann die Praxis der Gemeinschaft nicht von der Objektivität aus dem Felde geschlagen werden: die Sprache ändert sich. Im Gegensatz zur Bedeutung der Wörter ändert sich für den Inhalt des Denkens nichts. Frank I 144 Objektivität/Nagel(1): Objektivität ist eher eine Richtung, in die der Verstand schreiten kann - kein Endpunkt. Objektiver Charakter eines Erlebnisses ist schwer verständlich. - Wieso sollen Erlebnisse überhaupt objektiven Charakter haben? - Für diese Frage kann das Gehirn ganz übergangen werden - ergibt es überhaupt Sinn zu fragen, wie meine Erlebnisse wirklich sind im Gegensatz dazu, wie sie mir erscheinen? - was immer von Physischem ausgesagt wird, muss objektiv sein. 1. Thomas Nagel (1974): What Is It Like to Be a Bat?, in: The Philosophical Review 83 (1974), 435-450 Nagel III 99 Objektivität/Nagel: das objektive Bild der Welt muss unvollständig sein, weil es die subjektiven Standpunkte nicht gleichzeitig darstellen kann. - III 124 Objektivität/Subjektivität/objektiv/subjektiv/Nagel: Es bringt nichts, das objektive physikalische Bild um die Subjektivität anzureichern. Denn es gibt da nichts, was ausgelassen worden wäre. Nagel: Dennoch ist das objektive Bild unvollständig. Lösung: Die Dinge existieren nicht nur auf eine Art - ein und dieselbe Welt kann nicht zugleich irreduzibel subjektive und irreduzibel objektive Züge haben. Das eine muss sich auf das andere reduzieren lassen. Das zu bestreiten hieße zu bestreiten, dass es eine einzige Welt gibt. >Reduktion, >Reduktionismus. III 11 Objektivität/Nagel: Objektivität ist ein Verfahren unseres Verstandes. Primär objektiv/Terminologie/Nagel: Überzeugungen und Erkenntnis. Abgeleitet objektiv: Wahrheit. III 18 Objektivität: Dabei geht es Allgemeinheit, nicht um Physikalisches. III 12 Objektivität/Realität/Nagel: Nicht alles Wirkliche lässt sich besser verstehen, je objektiver es betrachtet wird. Das führt zum Unterschied von Objektivität und Realität. >Realität, >Wirklichkeit. Physikalisches Weltbild: nicht von den Sinnen abhängig. III 22 Objektivität/Objektivierung/Nagel: Erster Schritt: Die Idee der Gesamtheit aller menschlichen Perspektiven zu begreifen. Voraussetzung: Die eigenen Erlebnisse als allgemein menschlich aufzufassen - keine externe Vorstellung, sondern der generische Begriff des Subjekts. >Subjekt, >Subjektivität, >Intersubjektivität. III 24 Bewusstsein: Der Bewusstseinsbegriff kann aber nicht von jeglicher menschlicher Perspektive gelöst werden. Uralter Fehler: Fremdpsychisches/fremde Erlebnisse als Teil der Außenwelt zu begreifen. >Fremdpsychisches, >Außenwelt. |
NagE I E. Nagel The Structure of Science: Problems in the Logic of Scientific Explanation Cambridge, MA 1979 Nagel I Th. Nagel Das letzte Wort Stuttgart 1999 Nagel II Thomas Nagel Was bedeutet das alles? Stuttgart 1990 Nagel III Thomas Nagel Die Grenzen der Objektivität Stuttgart 1991 NagelEr I Ernest Nagel Teleology Revisited and Other Essays in the Philosophy and History of Science New York 1982 Fra I M. Frank (Hrsg.) Analytische Theorien des Selbstbewusstseins Frankfurt 1994 |
| Öffentlicher Sektor | Galbraith | Rothbard III 986 Öffentlicher Sektor/Galbraith/VsÖffentlicher Sektor/Rothbard: (…) [es gibt ein] ein Problem des „öffentlichen Sektors“; Knappheiten und Konflikte tauchen immer wieder in staatlichen Dienstleistungen auf, und zwar allein in diesen Bereichen, z. B. Jugendkriminalität, Verkehrsstaus, überfüllte Schulen, Parkplatzmangel usw. (…) das einzige Mittel, das die Befürworter staatlicher Aktivitäten anbieten können, besteht darin, mehr Mittel von privaten zu öffentlichen Aktivitäten umzuleiten. >Staatliche Dienstleistungen/Rothbard, >Staatsausgaben/Rothbard. RothbardVsGalbraith: (…) diese Knappheit und Unzulänglichkeit sind der staatlichen Tätigkeit inhärent. RothbardVsGalbraith: Anstatt vor den Unzulänglichkeiten der Regierungsarbeit zu warnen, schieben Autoren wie Galbraith die Schuld von der Regierung auf die Steuerzahler und Verbraucher, so wie die Wasserbehörden typischerweise die Verbraucher für Wasserknappheit verantwortlich machen. Zu keinem Zeitpunkt zieht Galbraith auch nur die Möglichkeit in Betracht, einen kränkelnden öffentlichen Sektor zu reparieren, indem er ihn privatisiert. Soziales Gleichgewicht/RothbardVsGalbraith: Wie würde Galbraith wissen, wann das von ihm gewünschte „soziale Gleichgewicht“ erreicht ist? Welche Kriterien hat er aufgestellt, an denen wir uns orientieren können, um zu wissen, in welchem Maße eine Verlagerung von privaten zu öffentlichen Aktivitäten stattfinden sollte? Die Antwort lautet: keine. Galbraith räumt freudig ein, dass es keine Möglichkeit gibt, den Punkt des optimalen Gleichgewichts zu finden: „Es kann kein Test angewandt werden, weil es keinen gibt.“ Aber schließlich sind genaue Definitionen, ein „genaues Gleichgewicht“, nicht wichtig; denn für Galbraith ist es „glasklar“, dass wir jetzt von der privaten zur öffentlichen Tätigkeit übergehen müssen, und zwar in einem „beträchtlichen“ Ausmaß. Wir werden wissen, wann es soweit ist, denn dann wird sich der öffentliche Sektor im Überfluss sonnen. Und Galbraith beschuldigt die vollkommen solide und logische monetäre Theorie der Inflation, „mystisch“ und „unentdeckte Magie“ zu sein.(1) 1. Eine kurze und daher unverblümte Version von Galbraiths These findet sich in John Kenneth Galbraith, „Use of Income That Economic Growth Makes Possible ...“ in Problems of United States Economic Development (New York: Committee for Economic Development, January, 1958), S. 201-06. In der gleichen Aufsatzsammlung findet sich in gewisser Weise eine extremere Aussage desselben Standpunkts von Professor Moses Abramovitz, der sogar noch weiter geht und anprangert, dass die Freizeit uns jenes „Mindestmaß an zielgerichteter, disziplinierter Aktivität, die ... unserem Leben Geschmack verleiht“, zu nehmen droht. Moses Abramovitz, „Wirtschaftliche Ziele und soziale Wohlfahrt in der nächsten Generation“, ebd., S. 195. Es ist vielleicht angebracht, auf die starke Ähnlichkeit zwischen erzwungenem Freizeitentzug und Sklaverei hinzuweisen und zu bemerken, dass die einzige Gesellschaft, die wirklich „in den Menschen investieren“ kann, eine Gesellschaft ist, in der es Sklaverei gibt. In der Tat schreibt Galbraith aus diesem Grund fast wehmütig von einem Sklavensystem. John Kenneth Galbraith, The Affluent Society (Boston: Houghton Mifflin Co., 1958). S. 274-75. |
Galbraith I John Kenneth Galbraith The Affluent Society London 1999 Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Öffentlichkeit | Benkler | Benkler I 176 Öffentlichkeit/vernetzte Öffentlichkeit/Benkler: Moderne Demokratien und Massenmedien haben sich zusammen im Laufe des zwanzigsten Jahrhunderts weiterentwickelt. Die ersten modernen Nationalrepubliken - die frühe Amerikanische Republik, die Französische Republik von der Revolution bis zum Terror, die Niederländische Republik und die frühe britische Parlamentsmonarchie - existierten vor den Massenmedien. Sie liefern uns ein Modell für die Form der Öffentlichkeit in einer Republik ohne Massenmedien. Jürgen Habermas nannte dies: die bürgerliche Öffentlichkeit. Die Expansion der Demokratien in komplexen modernen Gesellschaften war jedoch weitgehend ein Phänomen des späten 19. und 20. Jahrhunderts - insbesondere der Nachkriegszeit nach dem zweiten Weltkrieg. In dieser Zeit wurde die Plattform der Öffentlichkeit von den Massenmedien - Print, Radio und Fernsehen - dominiert. In autoritären Regimen wurden diese Massenkommunikationsmittel vom Staat kontrolliert. In Demokratien agierten sie entweder in staatlichem Besitz, mit unterschiedlichem Grad an Unabhängigkeit von der amtierenden Regierung oder in privatem Besitz, der finanziell von den Werbemärkten abhängig ist. I 177 Vernetzte Öffentlichkeit: Das Internet als Technologie und die vernetzte Informationswirtschaft als organisatorisches und soziales Modell der Informations- und Kulturproduktion versprechen die Entstehung einer substanziellen alternativen Plattform für die Öffentlichkeit. Die vernetzte Öffentlichkeit, wie sie sich derzeit entwickelt, deutet darauf hin, dass sie keine offensichtlichen Kontroll- oder Einflussmöglichkeiten haben wird - weder durch Erlass noch durch Kauf. Def Öffentlichkeit/Benkler: Um die politische Freiheit zu betrachten, nehme ich eine sehr begrenzte Definition des Begriffs "Öffentlichkeit" an. Der Begriff wird in Bezug auf die Praktiken verwendet, die Mitglieder einer Gesellschaft verwenden, um über Angelegenheiten zu kommunizieren, die sie als von öffentlichem Interesse betrachten und die möglicherweise kollektive Maßnahmen oder Anerkennung erfordern. [Allerdings] können nicht einmal alle Mitteilungen über Angelegenheiten von potenzieller öffentlicher Bedeutung als Teil der Öffentlichkeit angesehen werden. I 178 Die Öffentlichkeit ist also eine soziologisch beschreibende Kategorie. Es ist ein Begriff für die Bezeichnung, wie, wenn überhaupt, Menschen in einer bestimmten Gesellschaft in ihrer Beziehung als Bestandteile dieser darüber sprechen, was ihr Zustand ist und was sie als politische Einheit tun sollten oder nicht tun sollten. I 181 Def Öffentlichkeit/Habermas: Habermas definiert die Öffentlichkeit als "ein Netzwerk zur Kommunikation von Informationen und Standpunkten (d.h. Meinungen, die positive oder negative Einstellungen zum Ausdruck bringen)", das im Prozess der Kommunikation dieser Informationen und dieser Standpunkte sie "so filtert und synthetisiert, dass sie zu Bündeln von thematisch spezifizierten öffentlichen Meinungen verschmelzen"(1). >Öffentlichkeit/Habermas. In diesem deskriptiven Sinne bezieht sich die Öffentlichkeit nicht auf eine bestimmte Form des öffentlichen Diskurses, die aus der einen oder anderen Perspektive normativ attraktiv ist. Sie definiert einen bestimmten Satz von sozialen Praktiken, die für das Funktionieren eines komplexen Sozialsystems notwendig sind, das Elemente der Menschenführung beinhaltet. Es gibt autoritäre Öffentlichkeiten, in denen die Kommunikation von der Regierung reguliert und kontrolliert wird, um Duldung zu erreichen und Unterstützung zu mobilisieren, anstatt sich nur auf Gewalt zu verlassen, um Dissens und Opposition zu unterdrücken. Es gibt verschiedene Formen liberaler Öffentlichkeiten, die sich aus Unterschieden in den politischen und Kommunikationssystemen der liberalen Demokratien auf der ganzen Welt zusammensetzen. I 178 Massenmedien/Öffentlichkeit: Die Massenmedien strukturierten die Öffentlichkeit des 20. Jahrhunderts in allen I 179 fortgeschrittenen modernen Gesellschaften. Sie kombinierten eine bestimmte technische Architektur, eine bestimmte wirtschaftliche Kostenstruktur, eine begrenzte Anzahl von Organisationsformen, zwei oder drei primäre institutionelle Modelle und eine Reihe von kulturellen Praktiken, die durch den Konsum von fertigen Medienprodukten gekennzeichnet sind. Die Struktur der Massenmedien führte zu einer relativ kontrollierten Öffentlichkeit - auch wenn der Grad der Kontrolle je nachdem, ob das institutionelle Modell liberal oder autoritär war - mit Einfluss auf die Debatte im öffentlichen Raum, der sich stark auf diejenigen konzentrierte, die die Mittel der Massenkommunikation kontrollierten. >Massenmedien/Benkler, >Öffentlichkeit/Schmitt. 1. Jürgen Habermas: Between Facts and Norms, Contributions to Discourse Theory of Law and Democracy (Cambridge, MA: MIT Press, 1996). |
Benkler I Yochai Benkler The Wealth of Networks: How Social Production Transforms Markets and Freedom New Haven 2007 |
| Ökonometrie | Champernowne | Harcourt I 39 Ökonometrie/Champernowne/Harcourt: Die Champernowne-Methode(1) besteht darin, eine Reihe von Momentaufnahmen von stationären Zuständen zu verwenden, die relativ nahe beieinander liegen. >Methode/Champernowne. Er geht davon aus, dass genügend Akkumulation stattgefunden hat, um die Wirtschaft von einem Zustand in einen anderen zu bringen, wobei das Ausmaß der Akkumulation mit der Kettenindexmethode analysiert wird, so dass die Unterschiede zwischen den aufeinanderfolgenden Inseln so behandelt werden, als ob sie den im Laufe der Zeit eingetretenen Veränderungen entsprechen würden: „... . das Interesse an einem Vergleich einer Folge stationärer Zustände beruht auf der Annahme, dass dies eine erste Annäherung an einen Vergleich aufeinanderfolgender Positionen in einem langsamen Prozess stetiger Akkumulation darstellt“, (S. 119.) Champernowne fügt hinzu, dass diese Vermutung bei kontinuierlichen Technologien eher zutrifft als bei diskreten Technologien. Bei der Erörterung dieses Standpunkts führt Champernowne ein Beispiel an, bei dem die Messung des Kapitals in Form von Arbeitszeit (was er als JR-Einheiten bezeichnet((s) JR = Joan Robinson, >Produktionsfunktion/Robinson), eine Situation, die positive Nettoinvestitionen erfordert, mit einer Situation scheinbar negativer Nettoinvestitionen, d. h. einer Verringerung des Realkapitals pro Kopf, verbindet. Dieses Rätsel entsteht durch eine negative Verzerrung bei der Messung der Nettoinvestitionen aufgrund des Rückgangs des Zinssatzes; es verschwindet, wenn die Kettenindexmethode verwendet wird. >Methode/Champernowne. 1. Champernowne, D. G. [1953-4] 'The Production Function and the Theory of Capital: A Comment', Review of Economic Studies, xxi, pp. 112-35. |
Champernowne I David Gawen Champernowne Uncertainty and estimation in economics (Mathematical economics texts) Edinburgh 1969 Harcourt I Geoffrey C. Harcourt Some Cambridge controversies in the theory of capital Cambridge 1972 |
| Ontologie | Habermas | III 171 Ontologie/Beobachtung/Interpretation/Soziologie/Methode/Habermas: Wenn wir ein Verhalten als teleologische Handlung beschreiben, unterstellen wir, dass der Handelnde bestimmte ontologische Voraussetzungen macht, dass er mit einer objektiven Welt rechnet, in der er etwas erkennen und in die er zielgerichtet eingreifen kann. >Beobachtung, >Interpretation, >Soziologie, >Methode, >Teleologie, >Zweckrationalität. Der Beobachter macht gleichzeitig ontologische Voraussetzungen im Hinblick auf die subjektive Welt des Aktors. Er unterscheidet zwischen „der“ Welt und der Welt, wie sie vom Standpunkt des Handelnden aus erscheint. Er kann deskriptiv feststellen, was der Aktor für wahr hält im Unterschied zu dem, was nach Meinung des Beobachters wahr ist. >Tatsachen, >Sachverhalte, >Situationen, >Realität, >Objektivität, >Objektivität/Habermas. |
Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |
| Optimismus | Experimentelle Psychologie | Parisi I 104 Optimismus/Experimentelle Psychologie/Ryan-Wilkinson: (...) der bekannte Befund, dass Menschen in verschiedenen Dimensionen übermäßig optimistisch oder zuversichtlich sind (z. B. Weinstein 1980(1), 1989(2)) (...) ist ein echter kognitiver Fehler, in dem Sinne, dass wir wissen, dass die Menschen bestimmte Antworten objektiv falsch geben. Zum Beispiel gaben in Fischhoff, Slovic und Lichtenstein (1977)(3) die Teilnehmer Schätzungen und Antworten auf schwierige Parisi I 105 Fragen und mussten ihre Zuversicht quantifizieren; sie waren, objektiv gesehen, viel zu sicher, dass sie richtig geantwortet hatten. Was diese Frage jedoch von einem normativen Standpunkt aus interessant macht, ist, dass selbst im Falle einer eindeutigen Voreingenommenheit, einem Phänomen, das zu falschen Antworten führt, es umfangreiche Belege dafür gibt, dass die Verzerrung insgesamt hilfreich und durchaus adaptiv ist. Positive Illusionen werden mit besseren Anpassungs- und Bewältigungsfähigkeiten in Verbindung gebracht (z. B. Taylor und Armor, 1996)(4); tatsächlich wurde das Fehlen dieser Verzerrung mit klinischer Depression assoziiert (z. B. Allan, Siegel und Hannah, 2007)(5). >Kognitive Verzerrungen, >Problemlösen. 1. Weinstein, Neil D. (1980). “Unrealistic Optimism About Future Life Events.” Journal of Personality and Social Psychology 39: 806–820. 2. Weinstein, Neil D. (1989). “Optimistic Biases About Personal Risks.” Science 246: 1232–1233. 3. Fischhoff, Baruch, Paul Slovic, and Sarah Lichtenstein (1977). “Knowing with Certainty: The Appropriateness of Extreme Confidence.” Journal of Experimental Psychology 3: 552–564. 4. Taylor, Shelley E. and David A. Armor (1996). “Positive Illusions and Coping with Adversity.” Journal of Personality 64: 873–898. 5. Allan, Lorraine G., Shepard Siegel, and Samuel Hannah (2007). “The Sad Truth About Depressive Realism.” Quarterly Journal of Experimental Psychology 60: 482–495. Wilkinson-Ryan, Tess. „Experimental Psychology and the Law“. In: Parisi, Francesco (Hrsg.) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Bd. 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University Press. |
Parisi I Francesco Parisi (Ed) The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017 |
| Paternalismus | Rawls | I 208 Paternalismus/Generationengerechtigkeit/Rawls: Da die Mitglieder der Gesellschaft ein Interesse haben, ihren Abkömmlingen gleiche Freiheitsrechte zu sichern, gibt es keinen Konflikt über die Wahl des Prinzips gleicher Freiheiten. Ein Sohn könnte z.B. nicht argumentieren, dass der Vater seine Interessen vernachlässigte, würde er für das Prinzip gleicher Freiheiten akzeptieren. Der Vater müsste bei einer Abweichung davon zuungunsten anderer argumentieren, dass diesen anderen Vorteile entstünden, wenn sie erwachsen werden. I 208 Die Parteien nehmen also an, dass ihre Abkömmlinge wünschen, dass ihre Freiheiten erhalten bleiben. Paternalismus/Rawls: Das Prinzip des Paternalismus ist ein Leitfaden wenn es darum geht, Entscheidungen für andere zu treffen. Wir müssen dies tun, weil wir Grund haben zur Annahme, dass sie selbst so wählen würden, wenn sie erwachsen und rational wären. Problem: Die Älteren wissen in der Anfangssituation einer zu errichtenden Gesellschaft nicht mehr über das Schicksal der Nachkommen, als diese selbst wissen. Daher müssen sie sich auf die Theorie der primären Güter stützen. >Öffentliches Gut/Rawls. Lösung: Gleiche Freiheitsrechte für die Späteren zu fordern wird am wenigsten irrational sein. Vgl. >Generationengerechtigkeit. I 248 Paternalismus/Betreuung/Rawls: Paternalismus muss als Einschränkung von Freiheit diskutiert werden. In der Anfangssituation einer zu errichtenden Gesellschaft gehen alle zunächst von einer Gleichverteilung von Fähigkeiten und Rationalität aus. Später jedoch ziehen sie in Betracht, dass diese zuweilen ungleich entwickelt sind, I 249 wie im Fall von Kindern oder Menschen, die durch das Schicksal geschädigt wurden. Es kann dazu kommen, dass Menschen zustimmen, dass andere in ihrem Auftrag handeln(1). >Gesellschaft/Rawls. Rawls: Die Prinzipien des Paternalismus wären daher solche, die von den Personen in der Anfangssituation einer zu errichtenden Gesellschaft gewählt würden, um sich gegen Einschränkungen ihrer eigenen Rationalität in der Gesellschaft abzusichern. Paternalistische Entscheidungen im Namen einer Person sind so zu treffen, dass zunächst die vorher getroffenen Entscheidungen dieser Person berücksichtigt werden, sofern sie nicht irrational sind. Fehlen diese, ist von der Theorie der primären öffentlichen Güter auszugehen. Öffentliche Güter/Rawls. Je weniger wir von einer zu betreuenden Person wissen, desto mehr handeln wir für sie, wie wir für uns selbst handeln würden, vom Standpunkt der Anfangssituation. Wir müssen in der Lage sein, unser Handeln damit zu begründen, dass die Person, wenn sie ihre Rationalität widererlangt haben wird oder erlangen würde, uns zustimmt. >Schleier des Nichtwissens. Problem: Die (fiktive) Zustimmung der andere Person ist nicht hinreichend: Bsp: Angenommen, die abweichenden religiösen Ansichten zweier Personen im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte werden durch einen psychologischen Prozess gegen ihren Willen ausgetauscht. I 250 Nach einer Weile werden beide ihre neuen Einstellungen akzeptieren. Problem: Wir sind dennoch nicht berechtigt, sie demgemäß zu behandeln! Paternalistische Intervention ist nur gerechtfertigt, wenn 1. die zu betreuende Person offensichtlich in ihren geistigen Fähigkeiten und ihrem Willen eingeschränkt ist, 2. Die Intervention muss von längerfristigen bekannten Wünschen der Person ausgehen sowie die Prinzipien der Gerechtigkeit und der primären öffentlichen Güter (Bsp Freiheit) anwenden. Paternalistische Prinzipien schützen uns gegen unsere eigene Irrationalität. Auch Erziehungsmethoden müssen diese Prinzipien achten. >Prinzipien/Rawls. 1. Siehe Gerald Dworkin, „Paternalism“ in: Morality and the Law, Hrsg. R.A. Wasserstrom, Belmont, 1971, S. 107-126. |
Rawl I J. Rawls A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005 |
| Perfektionismus | Rawls | I 325 Perfektionismus/Prinzip der Perfektion/Rawls: zwei Varianten: a) Das Prinzip einer teleologische Theorie, die eine Gesellschaft dazu zu bringen, Institutionen aufzubauen und Pflichten und Verpflichtungen von Individuen so zu gestalten, dass hervorragende Leistungen in Künsten, Wissenschaften und Kultur erzielt werden. >Teleologie. b) Diese Variante (Bei Aristoteles und anderen zu finden) hat anspruchsvollere Ziele: hier ist das Prinzip der Perfektion nur eins von mehreren Prinzipien innerhalb einer intuitionistischen Theorie. >Intuitionismus. Die Erfordernisse, die die Perfektion stellt, können dann sogar Ansprüche schmälern, die z.B. an die Aufrechterhaltung von Freiheiten gestellt werden, z.B. wenn argumentiert wird, dass Sklavenhaltung dem Ziel der Verfeinerung der Kultur dient. Andererseits kann es auch nur um eine Aufteilung gesellschaftlichen Vermögens auf verschiedene Bereiche, z.B. der Kultur gehen, I 326 dann werden egalitäre Ideen dadurch ausgewogen. Diese weniger strikte Sicher erlaubt vielfältige Interpretationen(1)(2)(3). Terminologie/Rawls: wir nehmen an, Def Idealitätsgesteuerte Prinzipien/ideal-regarding principles: sind solche, die nicht wunschgesteuert sind(4). D.h. es geht bei ihnen nicht nur um die Verteilung des Gesamtvermögens einer Gesellschaft auf Bedürfnisse, die zu befriedigen sind. Dann gehören die Prinzipien der Gerechtigkeit und der Perfektion zum Bereich der Idealitätsgesteuerten Prinzipien. >Prinzipien/Rawls. I 327 Vertragsdoktrin/Rawls: Die Vertragsdoktrin hält eine Zwischenposition zwischen Utilitarismus und Perfektionismus, indem sie kein Standardideal menschlicher Vortrefflichkeit vorgibt. >Utilitarismus. Perfektionismus: Wenn der Perfektionismus ein Kriterium der Perfektion haben will, muss er Leistungen in eine Rangfolge zu bringen versuchen und versuchen, ihre Werte aufzusummieren. Problem/RawlsVsPerfektionismus: In der Anfangssituation einer zu errichten Gesellschaft nehmen wir an, dass die Menschen zunächst kein wechselseitiges Interesse aneinander haben; Sie wissen jedoch dass sie bestimmte moralische und religiöse Interessen haben und auch andere kulturelle Vorstellungen, die nicht aufs Spiel gesetzt werden dürfen. Sie können auch widerstreitende Einstellung in Bezug auf das Anzustrebende haben. ((s) Sie wissen nur nicht, welche Position sie später in dieser Gesellschaft einnehmen werden.) Problem: Standards der Perfektion anzunehmen könnte dazu führen, andere Freiheiten, z.B. in Bezug auf Religion aufgeben zu müssen. >Schleier des Nichtwissens, >Gesellschaft/Rawls. I 328 Der Fall liegt hier völlig anders als bei der Frage, nach welchen Prinzipien primäre öffentliche Güter (Freiheiten, Infrastruktur, usw.) zu verteilen sind! Letztere sind Güter, die jedermann anstreben wird, egal in welcher Position er sein wird. >Öffentliches Gut/Rawls. D.h. diese Güter anzustreben, macht keinen Unterschied zwischen Personen aus. Kriterien/Perfektion/Rawls: die Kriterien der Exzellenz haben keine rationale Basis vom Standpunkt des täglichen Lebens aus gesehen. Andererseits gibt es innerhalb der Künste und Wissenschaften Standards zur Beurteilung von Leistungen. Vergleichbarkeit: Intrinsische Werte können offensichtlich verglichen werden. Werturteile haben einen wichtigen Platz im menschlichen Leben. Sie müssen nicht vage sein. >Vergleiche, >Vergleichbarkeit. Gerechtigkeit/Werturteile/Künste/Wissenschaft/Rawls: Das Argument gegen den Perfektionismus ist eher, dass wegen der verschiedenen Ziele der Bestrebungen die Beteiligten in der Anfangsposition einer zu errichtenden Gesellschaft keinen Grund haben, das Prinzip der Perfektion ((s) statt der Prinzipien der Gerechtigkeit) anzunehmen. >Gerechtigkeit/Rawls. 1. Siehe B. de Jouvenal, The Ethics of Redistribution (Cambridge, 1951), S.53-56, 62-65. 2. Hastings Rashdall, The Theory of Good and Evil (London, 1907), Bd. I, S. 235-243. 3. G.E. Moore, Principia Ethica, Kap. VI. 4. Siehe Brian Barry, Political Argument, (London, 1965) S. 39f. |
Rawl I J. Rawls A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005 |
| Perspektive | Perspektive: Die Anordnung von Gegenständen, wie sie sich in Bezug auf die Wahrnehmung aus einer geometrischen Lokalisierung des Wahrnehmenden innerhalb eines Gegenstandsraums ergibt. Im weiteren Sinn bedeutet das Einnehmen einer fremden Perspektive auch das Einnehmen des Standpunkts einer anderen Person oder Gruppe im Rahmen einer Diskussion. Siehe auch Fledermaus-Beispiel, Fremdpsychisches. |
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| Perspektive | Flusser | I 211 Perspektive/Flusser: Standpunkte: Der "objektive" Standpunkt, aus dem die Öffnung des Trinkglases rund ist. Das ist der Standpunkt eines beschreibenden Textes. >Texte/Flusser. I 212 Für die Technoimagination ist der objektive Standpunkt ein Unsinn und ein Unding, weil es kein Kriterium gibt, um zwischen der Stellung verschiedener Standpunkte zu unterscheiden: "oval", "strichförmig" "rund" usw. >Bilder/Flusser. Die Äquivalenz der Standpunkte wird einen ganz anderen Sinn von Fortschritt haben als auf der Ebene der Geschichte. >Fortschritt, >Geschichte. |
Fl I V. Flusser Kommunikologie Mannheim 1996 |
| Perspektive | Nozick | II 22 Perspektive/Nozick: Es ist wahr von allen Perspektiven, dass jede Perspektive besonders ist. Diese relationalen Tatsachen handeln von einer Perspektive aber sie gelten unabhängig von jeder Perspektive. >Objektivität/Nagel. Man kann einen Standpunkt durchaus anders identifizieren, als durch die Weise, wie die Welt von ihm aus aussieht. >Standpunkt, >Wahrheit, >Tatsachen, >Relationen, vgl. >Gegebenheitsweise. |
No I R. Nozick Philosophical Explanations Oxford 1981 No II R., Nozick The Nature of Rationality 1994 |
| Philosophie | Ayers | Rorty VI 408 Philosophie/AyersRorty: folgende Thesen werden tendenziell von den gleichen Leuten vertreten 1. Realismus/Antirealismus wichtige Unterscheidung 2. Dummett hat recht: diese A/R Kämpfe sind die ausschlaggebenden in der Philosophiegeschichte gewesen. VI 409 3. Wilson hat Recht, wenn sie Zweifel an der Kontingenz der Probleme äußert. 4. Ayers hat Recht, man darf die eigenen metaphysischen und erkenntnistheoretischen Ansichten nicht von seiner Politik und Moral beeinflussen lassen. 5. Farbe: das Problem des "Wesens der Farbe" ist nicht lösbar. Das gleiche gilt infolgedessen für das Leib Seele Problem. 6. Descartes’ Skeptizismus ist ahistorisch. 7. Sellars und Davidson haben Unrecht, wenn sie sagen, dass die Sinnesorgane bloß eine kausale Rolle spielen. Pro McDowell: Wiederbelebung des Empirismus. 8. Identität mit sich selbst ist nicht von Beschreibung abhängig, sondern von intrinsischen, nichtrelationalen Merkmalen. manche Termini sind starr. 9. Anerkennung des Unsagbaren ist lobenswerte intellektuelle Bescheidenheit. 10. Lockes "Essay concerning human understandig" ist kein Wegweiser, sondern ein immer noch auszulotendes Werk, dass bisher noch nicht artikulierte Wahrheiten enthält. RortyVsAyers: in allen 10 obigen Thesen vertreten Ayers und ich diametral entgegengesetzte Standpunkte. VI 410 Rorty: wir werden niemals ein "rein logisches" Argument für oder gegen eine der 10 Thesen aufstellen können. VI 411 "Sprachlicher Idealismus"/Rorty: Kampfbegriff von AyersVsSellars. RortyVsAyers: es muss schon viel in der Sprache angelegt sein, bevor eine einleuchtende Berufung auf den Geschmack von Zwiebeln überhaupt möglich ist. VI 412 Dazu gehört auch die Vorstellung einer inneren "cartesianischen Bühne". Dazu gehört auch die Vorstellung von "Bewusstsein" (als Vorstellung des 17. Jahrhunderts). |
Ayers I M. Ayers "Locke" in: Arguments of the Philosophers London 1993 Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 |
| Phrasenstrukturgrammatik | Lyons | I 215 Phrasenstrukturgrammatik/Geschichte/Lyons: drei Stadien: 1. Bloomfield: führte den Begriff ein. These: Angemessen ist die Analyse, wenn sie die Bedeutungen berücksichtigt. 2. Wells und Harris: Distribution, distributionelle Kriterien. >Distribution. 3. Chomsky: Untersuchung der Natur der Regeln, die Sätze erzeugen. >N. Chomsky, >L. Bloomfield, >Z.S. Harris. Mehrdeutigkeit/Grammatik/Lyons: Bsp a) beautiful (girls dress) oder b) (beautiful girl’s) dress: macht Klammern (und damit Schichten) nötig. Konstituente: wird durch Klammern deutlich gemacht. Andererseits: 2. Bsp they can fish: hier gibt es keinen Unterschied in der Klammerung, stattdessen kann „fish“ einmal als Verb (sie können angeln) oder als Nomen (sie füllen Fisch in Dosen) aufgefasst werden. I 216 3. Bsp some more convincing evidence: Mögliche Auffassungen: a) some evidence, which is more convincing: - some (more convincing) evidence b) some more evidence, which is convincing: - (some more) (convincing evidence). Pointe: Hier gibt es aber über den Unterschied in der Klammerung hinaus noch einen Unterschied in der distributionellen Klassifikation der Elemente. Bsp some less convincing evidence ist nicht mehr doppeldeutig. Ebenso wenig Bsp some more good convincing evidence. Distribution: Bsp more gehört zu mindestens zwei distributionellen Klassen: a) Es verbindet sich wie less mit Adjektiven zu Adjektivkomplexen (seine Distribution ist aber beschränkter als die von less, weil more hier in komplementärer Distribution mit dem Suffix –er steht. Ähnlich Bsp nicer gegenüber more nice. b) Im Unterschied zu less verbindet es sich mit einem vorausgehenden some zu einer „näheren Bestimmung“ (Modifikation, modification) von Nomina und Nominalgruppen (vgl. some more evidence zu some less evidence). Mehrdeutigkeit/Grammatik/Lyons: Mehrdeutigkeit kann also 1. Konsequenz der Konstituentenstruktur sein oder 2. Konsequenz der distributionellen Klassifikation der Letzt- bzw. Zwischenkonstituenten sein. Das gilt für viele Sprachen. Lösung: Benennung der Knoten (oder der Klammerstrukturen) des Stammbaums. Bsp ∑{ NP ( A [poor] + N[John]) + VP(V [ran] + Adv [away] ) } Klammern: Unter den beiden Arten von Klammern, die hier verwendet wurden, gibt es keine Rangordnung. Die verschiedenen Klammern dienen nur der Lesbarkeit. I 217 Modifikation/nähere Bestimmung/Tradition/Lyons: In der traditionellen Theorie würde „poor John“ als Nominalkomplex klassifiziert, weil er in Sätzen „die Funktion eines Nomens übernimmt“. Distribution: Das kann so interpretiert werden, dass Ausdrücke der Form Adjektiv + Nomen dieselbe Distribution in den von der Grammatik generierten Sätzen haben wie Nomina. Der entsprechende Knoten wird durch „NP“ charakterisiert. Mehrdeutigkeit/Grammatik/Lyons: Mehrdeutigkeit kann beseitigt werden: statt A + N1 + N2 schreiben wir Klammern: (A+ N1) + N2 oder A + (N1 + N2). Bsp fresh (fruit market) oder (fresh fruit) market und new fruit market, aber nicht (new fruit) market. Bsp Der Einfachheit halber nehmen wir an, dass weder fresh fruit market noch new fruit market mehr als eine Interpretation haben. Semantik: Von ihrem Standpunkt aus werden wir sagen, dass sie eindeutig sind. Grammatik: Frage: können sie immer noch grammatisch mehrdeutig sein? I 218 Z.B. kann man fragen: ist die Konstituentenstruktur fresh (fruit market) und im anderen Fall (new fruit) market grammatisch zulässig? Vgl. >Akzeptierbarkeit. Problem: Eine explizite Grammatik muss das beantworten können. Es geht um Subklassifikation mit zwei einschränkenden Unbestimmtheitsfaktoren und die Frage des „abnehmenden Ertrags“: die Grammatik darf nicht zu kompliziert werden. Regeln dürfen nicht nur für die Erzeugung weniger Sätze gelten. Konstituenten/Grammatik/Lyons: Konstituentengrammatik erlaubt, Sätze als aus Schichten von Konstituenten zusammengesetzt aufzufassen. Hauptgrund dafür: ökonomischere und intuitiv angemessenere Beschreibung. (als durch „Subjekt“/“Prädikat“). Vgl. >Subjekt, >Prädikat. Außerdem können Mehrdeutigkeiten damit beseitigt werden (durch Klammerung, die den Schichten entspricht). >Mehrdeutigkeit/Lyons, >Eindeutigkeit. I 226 Diskontinuierliche Konstituenten/Grammatik/Lyons: Problem: Konstituenten einer Konstruktion müssen nicht nebeneinander stehen. Bsp Unterbrochene Konstituenten: Bsp to call ...up a) John called up Bill b) John called Bill up c) John called him up falsch: John called up him. Struktur: nicht nur ist called up gemeinsame Konstituente von a) – c), sondern diese drei haben dadurch auch die gleiche Konstituentenstruktur. Lösung: Unterscheidung fakultativ/obligatorisch: Die Regel operiert im Fall von a) und ) fakultativ, und im Fall von c) obligatorisch ((s) d.h. bei a) und b) kann die Wortstellung verändert werden, bei c) nicht). Problem: Dabei wird schon vorausgesetzt, dass wir die Bedingungen angeben können, unter denen die Regel fakultativ bzw. obligatorisch ist. Wortstellung: Bsp freie Wortstellung: Latein: Bsp Catullus Clodiam amabat, lässt alle Permutationen zu, weil der Akkusativ durch die Endung markiert ist. Lösung: Wir brauchen zusätzliche Permutationsregeln. I 227 Problem: Wäre die Wortstellung wirklich völlig frei, wären die Permutationsregeln einfach, Aber die Stellung gewisser Wörter unterliegt Einschränkungen, was die Frage kompliziert macht. I 237 Distribution/Konstituentenstrukturgrammatik/Lyons: die distributionelle Grundlage für die Ersetzungsregeln ist hier einsichtig: Jede Regel der Form A > B + C beruht auf der distributionellen Identität von A und B + C. Das A verschwindet, außer als Bezeichnung eines höheren Knotens. I 238 Ersetzungsregeln/Lyons: In einer Grammatik mit Ersetzungsregeln werden die Begriffe „endozentrisch“ und „exozentrisch“ gar nicht eingeführt! >Terminologie/Lyons. Konstituentenstrukturgrammatik/Lyons: NP und VP könnten ebenso gut einfach X und Y genannt werden. Das Verhältnis zwischen Nominalkomplexen, Nomina und Pronomina ((s) Kategorien) wird nicht wie bei der „klassifikatorischen“ Betrachtungsweise durch die Nomenklatur ausgedrückt, sondern durch den Umstand, dass sie sich von einem gemeinsamen Knoten herleiten. >Konstituentenstrukturgrammatik. I 238 Kategoriale Grammatik/Tradition/Lyons: Hier ist der Begriff der Dependenz (Abhängigkeit, ungefähr gleich Subordination) fundamental. >Kategorialgrammatik. |
Ly II John Lyons Semantics Cambridge, MA 1977 Lyons I John Lyons Einführung in die moderne Linguistik München 1995 |
| Pluralismus | MacIntyre | Brocker I 656 Pluralismus/Moral/Relativismus/MacIntyre: Der moderne Pluralismus ist für MacIntyre nichts als ein bodenloser Relativismus, der den Standort moralischer Subjekte hat erodieren lassen: Das moderne Individuum hat keinen notwendigen sozialen Inhalt und keine notwendige soziale Identität; es kann jede Rolle annehmen oder jeden Standpunkt beziehen.(1) >Individuum/MacIntyre, Rollen/MacIntyre, Emotivismus/MacIntyre. 1. Alasdair MacIntyre, After Virtue. A Study in Moral Theory, Notre Dame, Ind. 1981. Dt: Alasdair MacIntyre, Der Verlust der Tugend. Zur moralischen Krise der Gegenwart. Erweiterte Neuausgabe, Frankfurt/M. 2006 (zuerst 1987). S. 52 Jürgen Goldstein, „Alasdair MacIntyre, Der Verlust der Tugend“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018 |
Brocker I Manfred Brocker Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018 |
| Postmoderne | Ball | Gaus I 25 Postmoderne/Ball: Der interpretative Standpunkt oder die Perspektive der Postmoderne ergibt sich aus "der postmodernen Bedingung" der Fragmentierung und dem Scheitern systematischer Philosophien oder "großer Metanarrativen" wie Hegelianismus und Marxismus, die aus der europäischen Aufklärung hervorgegangen sind (Lyotard, 1984)(1). Die Postmoderne ist keine einzige, einheitliche Perspektive; und noch weniger ist sie eine systematische Philosophie, die von allen geteilt wird, die sich selbst als Postmodernisten bezeichnen. Zu dieser diffusen Gruppe gehören u.a. Michail Bachhtin, Paul de Man, Roland Barthes, Jean-François Lyotard und Jacques Derrida (Literaturkritiker und Semiotiker), Michel Foucault (Sozialhistoriker und Genealoge), Jacques Lacan (Psychoanalytiker), Gaston Bachelard (Wissenschaftshistoriker), Jean Baudrillard (Kulturtheoretiker und -kritiker), Richard Rorty (Philosoph) und William E. Connolly (politischer Theoretiker). Alle reagieren auf unterschiedliche Weise auf den postmodernen Zustand der Fragmentierung, Diskontinuität, Desillusionierung und Kontingenz. Geschichte: Die Welt ist nicht so zusammenhängend, kontinuierlich und verständlich, wie frühere (und vor allem aufklärerische) Denker glaubten. Selbst unsere grundlegendsten Überzeugungen sind historisch bedingt (Rorty, 1989)(2). Im Sinne von Hegel und Marx hat Geschichte keinen größeren Punkt oder "Sinn", der über eine übergreifende Geschichtsphilosophie oder eine "große Erzählung" (Lyotard, 1984)(1) erkennbar wäre. Fortschritt: Auch in den menschlichen Angelegenheiten gibt es keine Fortschritte. Was als Fortschritt bezeichnet wird, ist in den meisten Fällen ein Fortschritt in der Macht einer dominanten Gruppe, eine andere zu unterdrücken. Fortschritte in der Technologie - etwa in der Kommunikationstechnologie - erhöhen die Möglichkeiten zur Überwachung und Unterdrückung (Foucault). Die Massenmedien fördern eindimensionale Ansichten über Wahrheit, Schönheit, Normalität und Moral, die die moderne Konsumgesellschaft und diejenigen, die von ihr profitieren, verewigen und legitimieren (Baudrillard). >Interpretation/Postmoderne, >Dekonstruktion/Derrida, >Wahrheit/Postmoderne. 1. Lyotard, J.F. 1984. The Postmodern Condition: A Report on Knowledge, trans. Geoff Bennington and Brian Massumi. Minneapolis: University of Minnesota Press. 2. Rorty, R. 1989. Contingency, Irony, and Solidarity. Cambridge: Cambridge University Press. Ball, Terence. 2004. „History and the Interpretation of Texts“. In: Gaus, Gerald F. 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications. |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Postmoderne | Bennett | Gaus I 46 Postmoderne/Bennett: Der Begriff Postmoderne ist in der politischen Theorie, aber auch in den Literaturwissenschaften, der Philosophie, der Anthropologie, den Künsten und im populären Diskurs gebräuchlich und funktioniert jeweils etwas anders. Seine Verwendung lässt sich unter drei Überschriften zusammenfassen: Postmoderne/Bennett: (1) als soziologische Bezeichnung für einen epochalen Wandel in der Art und Weise, wie das kollektive Leben organisiert ist (von zentralisierter und hierarchischer Kontrolle hin zu einer Netzwerkstruktur); (2) als ästhetisches Genre (Literatur, die mit nichtlinearer Narration experimentiert, eine spielerische Architektur gemischter Stile, eine Wertschätzung der Populärkultur, die die Unterscheidung zwischen hoch und niedrig erschwert); (3) als eine Reihe philosophischer Kritiken teleologischer und/oder rationalistischer Begriffe von Natur, Geschichte, Macht, Freiheit und Subjektivität. Die Postmoderne in der politischen Theorie beteiligt sich an allen drei, aber vielleicht am intensivsten an der dritten (...). >Postmoderne/Butler. Postmoderne/Politische Theorie/Bennett: Innerhalb der politischen Theorie haben Kritiker sowohl von rechts als auch von links dazu tendiert, die Postmoderne als eine Ablehnung der Suche nach einer objektiven Wahrheit hinter subjektiven Erfahrungen zu sehen (Cheney, 1996(1); Dumm und Norton, 1998(2)). Da man annimmt, dass diese Suche die Möglichkeitsbedingung für jeden affirmativen Anspruch darstellt, wird der postmodernen politischen Theorie vorgeworfen, sie sei antipolitisch und unfähig, einen ethischen Standpunkt einzunehmen, mit Ausnahme von Widerstand, Ungehorsam, Verweigerung oder Dekonstruktion um der Dekonstruktion willen. WeißVsPostmoderne: Stephen White bietet eine subtile Version dieser Kritik: Während "poststrukturalistisches und postmodernes Denken ... eine beharrliche utopische Hoffnung auf ein "noch nicht" in sich trägt, bleibt es allzu oft "fröhlich unspezifisch in Bezug auf die normative Orientierung im Hier und Jetzt" (White 2000(3): 90). PostmoderneVsVs: Als Antwort darauf behaupten einige Postmodernisten, dass eine positive Ethik nicht unbedingt einen universellen Gaus I 47 Gott, die Vernunft oder ein solches Surrogat braucht, kann aber eher auf der Kultivierung einer existentiellen Bindung an das Leben beruhen als auf einer inneren oder äußeren Autorität (Bennett, 2001(4); Coles, 1997(5); Foucault, 1988(6); Kateb, 2000(7)). Der Komplex erkenntnistheoretischer und ontologischer Behauptungen, die den charakteristischen, postmodernen Denkstil ausmachen, lässt sich nicht mit Gerechtigkeit auf Negativismus reduzieren. Postmoderne/Bennett: Die Postmoderne in der politischen Theorie entstand und entwickelt sich in enger Beziehung zu anderen theoretischen Ansätzen, darunter Feminismus, Liberalismus, psychoanalytische Theorie, kritische Theorie und Utopismus. Die Theorie der Postmoderne nimmt oft die Form genealogischer Studien an, die zeigen, wie diskursive Praktiken und Begriffsschemata in Machtverhältnisse eingebettet sind und wie diese kulturellen Formen das konstituieren, was als natürlich oder real erlebt wird (Butler, 1993(8) ; Brown, 1995(9); Ferguson, 1991(10)). Eine der politischen Einsichten der postmodernen Theorie ist, dass "es bei den Einsätzen einer demokratischen Politik ... ebenso sehr um die moderne Krise der Repräsentation wie um die Verteilung anderer Güter geht" (Dumm, 1999(11): 60). Dekonstruktionen von Wahnsinn und Kriminalität, feministische und queere Studien über Geschlecht und Sexualität, postkoloniale Studien über Rasse und Nation - sie alle versuchen, die Menschlichkeit von Entitäten aufzudecken, die früher entweder als natürlich, universell oder unvermeidlich galten. >Politische Theorie/Postmoderne, >Identität/Postmoderne. 1. Cheney, Lynne (1996) Telling the Truth: Why Our Culture and Our Country Have Stopped Making Sense and What We Can Do About It. New York: Touchstone. 2. Dumm, Thomas and Anne Norton, eds (1998) ‘On left conservatism I’ and ‘On left conservatism II’. Theory & Event, 2 (2) und 2 (3). 3. White, Stephen K. (2000) Affirmation in Political Theory: The Strengths of Weak Ontology. Princeton, NJ: Princeton University Press. 4. Bennett, Jane (2001) The Enchantment of Modern Life: Attachments, Crossings, and Ethics. Princeton, NJ: Princeton University Press. 5. Coles, Romand (1997) Rethinking Generosity: Critical Theory and the Politics of Caritas. Ithaca, NY: Cornell University Press. 6. Foucault, Michel (1988) Care of the Self: The History of Sexuality, Volume III. New York: Random House. 7. Kateb, George (2000) ‘Aestheticism and morality: their cooperation and hostility’. Political Theory, 28 (1): 5–37. 8. Butler, Judith (1993) Bodies That Matter: On the Discursive Limits of ‘Sex’. New York: Routledge. 9. Brown, Wendy (1995) States of Injury: Power and Freedom in Late Modernity. Princeton, NJ: Princeton University Press. 10. Ferguson, Kathy E. (1991) The Man Question: Visions of Subjectivity in Feminist Theory. Berkeley, CA: University of California Press. 11. Dumm, Thomas (1999) ‘The problem of the We’. boundary 2, 26 (3): 55–61. Jane Bennett, 2004. „Postmodern Approaches to Political Theory“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications. |
Bennett I Jonathan Bennett "The Meaning-Nominalist Strategy" in: Foundations of Language, 10, 1973, pp. 141-168 In Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979 Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Prädikate | Searle | V 152f Prädikatausdrücke bedeuten keine Eigenschaften! Prädikate: Prädikate müssen nicht hinweisend sein. >Eigenschaften. V 152f Prädikat/SearleVsFrege: Frege versuchte, zwei unvereinbare Standpunkte zu vertreten: a) die Unterscheidung Sinn/Bedeutung auf Prädikate auszudehnen und b) den funktionellen Unterschied zwischen hinweisenden und prädikativen Ausdrücken zu erklären. Searle: Frege muss annehmen, dass Prädikate eine Bedeutung haben, weil er das für die Arithmetik braucht. Er braucht Quantifikation von Eigenschaften. Lösung Existenz/Eigenschaft/Freges Nachfolger: Wenn zwei Träger dieselbe Eigenschaft haben, dann gibt es etwas, das ihnen gemeinsam ist. SearleVs: Implikation ist nicht Referenz. >Implikation, >Referenz. |
Searle I John R. Searle Die Wiederentdeckung des Geistes Frankfurt 1996 Searle II John R. Searle Intentionalität Frankfurt 1991 Searle III John R. Searle Die Konstruktion der gesellschaftlichen Wirklichkeit Hamburg 1997 Searle IV John R. Searle Ausdruck und Bedeutung Frankfurt 1982 Searle V John R. Searle Sprechakte Frankfurt 1983 Searle VII John R. Searle Behauptungen und Abweichungen In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Searle VIII John R. Searle Chomskys Revolution in der Linguistik In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Searle IX John R. Searle "Animal Minds", in: Midwest Studies in Philosophy 19 (1994) pp. 206-219 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 |
| Problemgeschichte | Neukantianismus | Gadamer I 381 Problemgeschichte/Neukantianismus/Gadamer: Die Logik von Frage und Antwort, die Collingwood entwickelt, macht der Rede von dem permanenten Problem ein Ende, das dem Verhältnis der „Oxforder Realisten“ zu den Klassikern der Philosophie zugrunde lag, und ebenso dem Begriff der Problemgeschichte, den der Neukantianismus entwickelt hat. >Frage/Antwort/Collingwood. GadamerVsNeukantianismus: Problemgeschichte wäre nur wahrhaft Geschichte, wenn sie die Identität des Problems als eine leere Abstraktion erkennen und sich den Wandel in den Fragestellungen eingestehen würde. Einen Standort außerhalb der Geschichte, von dem aus sich die Identität eines Problems im Wandel seiner geschichtlichen Lösungsversuche denken ließe, gibt es in Wahrheit nicht. Zwar ist es richtig, dass alles Verstehen von Texten der Philosophie >Wiedererkenntnis des in ihnen Erkannten verlangt. Ohne dieselbe würden wir überhaupt nichts verstehen. Aber wir treten keineswegs damit aus der geschichtlichen Bedingtheit heraus, in der wir stehen und aus der wir verstehen. Das Problem, das wir wiedererkennen, ist in Wahrheit nicht einfach dasselbe, wenn es in einem echten fragenden Vollzug verstanden sein soll. Nur aufgrund unserer historischen Kurzsichtigkeit können wir es für dasselbe halten. Der überstandpunktliche Standpunkt, von dem aus seine wahre Identität gedacht würde, ist eine reine Illusion. Vgl. >Abstraktion, >Abstraktheit, >Problem/Gadamer. Problembegriff/Gadamer: Es ist bezeichnend, dass im 19. Jahrhundert, mit dem Zusammenbruch der unmittelbaren Tradition des philosophischen Fragens und dem Aufkommen des Historismus, der Problembegriff zu universaler Geltung aufsteigt - ein Zeichen dafür, dass das unmittelbare Verhältnis zu den Sachfragen der Philosophie nicht mehr besteht. So kennzeichnet es die Verlegenheit des philosophischen Bewusstseins gegenüber dem Historismus, daß es Sich in die Abstraktion des Problembegriffs flüchtete und kein Problem darin sah, in welcher Weise Probleme eigentlich „sind“. Die Problemgeschichte des Neukantianismus ist ein Bastard des Historismus. Die Kritik am Problembegriff, die mit den Mitteln einer Logik der Frage und Antwort geführt wird, muss die Illusion zerstören, als gäbe es die Probleme wie die Sterne am Himmel. >Frage/Gadamer, >Frage/Antwort/Collingwood. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Profitrate | Marx | Rothbard II 411 Profitrate/Mehrwert/Marx/Rothbard: Im Gegensatz zu Ricardo (...) werden Boden und Pacht [bei Marx] einfach dem 'Kapital' gleichgesetzt, da die Arbeit des Menschen angeblich ohnehin allen Boden geschaffen hat und da die Bedeutung von Boden und Feudalismus angeblich mit dem Fortschreiten des Kapitalismus verschwindet. Werte und Preise von Land müssen daher nicht behandelt oder erklärt werden. Profit/Marx/Rothbard: Für Marx entsteht der Profit nur aus der Ausbeutung der Arbeit; er ist der Mehrwert, der über den für den Lebensunterhalt der Arbeit notwendigen Lohn hinausgeht. Der Profit hingegen hat nichts mit der Menge des investierten Kapitals zu tun; denn Kapital ist nur tote Materie, gespeicherte oder eingefrorene Arbeit, und kann daher nicht mehr „ausgebeutet“ werden, um aktuelle Profite zu erzielen.(1) Nur „lebendige“ Arbeit kann also verwendet werden, um Profit für den Kapitalisten zu erzielen. Wenn aber der Profit ausschließlich aus der Arbeit gezogen wird, bedeutet dies, dass jede Kapitalakkumulation notwendigerweise die Profitrate des Kapitalisten reduziert. Nehmen wir also an, es wird kein Kapital oder, in den Marx'schen Begriffen, „konstantes“ Kapital eingesetzt(2), und die Investitionen erfolgen ausschließlich in Form von „variablem Kapital“, das zur Bezahlung der Löhne verwendet wird. >Löhne/Marx. Rothbard II 413 Profitrate/Marx/Rothbard: Die [Marx'sche] Theorie besagt, dass, da die Profite nur aus der Ausbeutung der Arbeit stammen, sind die Profitraten in stark kapitalisierten Industrien notwendigerweise niedriger als in arbeitsintensiven Industrien. Aber jeder, auch Marx, muss zugeben, dass dies auf dem Markt offensichtlich nicht zutrifft. Wie Smith und Ricardo sehr wohl wussten, tendieren die Profitraten auf dem Markt dazu, sich in allen Branchen anzugleichen. Aber wie kann das sein, wenn die Profitraten in den arbeitsintensiven Industrien notwendigerweise und systematisch höher sind? Hier liegt sicherlich die größte Lücke im Marxschen Modell. Marx erkannte an, dass die Profitraten in der realen Welt eindeutig zur Gleichheit tendieren (oder, wie Marx es nannte, zu einer „durchschnittlichen Profitrate“), und dass die realen Preise oder Tauschwerte auf den kapitalistischen Märkten daher nicht zu ihren Marx'schen Werten der Arbeitsmenge ausgetauscht werden. >Werttheorie/Marx. Rothbard: Marx gab dieses entscheidende Problem zu und versprach, dass er es in einem späteren Band des Kapitals erfolgreich lösen könne. Er kämpfte mit diesem Problem für den Rest seines Lebens und löste es nie - vielleicht einer der Hauptgründe dafür, dass er die Arbeit am Kapital frühzeitig einstellte und die späteren Bände nie veröffentlichte. Rothbard II 414 Rothbard: Band III wurde zwei Jahre später von Böhm-Bawerk in seinem ausführlichen Rezensionsaufsatz Karl Marx und das Ende seines Systems einer detaillierten, vernichtenden und gründlichen Demontage unterzogen.(3) Rothbard: Leider war Böhm-Bawerks Standpunkt zu technisch, um außerhalb der Reihen der Ökonomen viel Einfluss zu haben, und seitdem hat der Marxismus seine größte Anziehungskraft in den Reihen der Soziologen, Historiker, Literaten und anderer, die dazu neigen, ökonomisch unwissend zu sein. Böhm-BawerkVsMarx: Marx behauptete, dass die Waren auf dem Markt im Verhältnis zu den in ihnen verkörperten Arbeitsmengen getauscht werden (d.h. dass ihr Wert durch die Menge der zu ihrer Herstellung benötigten Arbeitsstunden bestimmt wird), und räumte gleichzeitig ein, dass die Profitraten aller Waren tendenziell gleich sind. Doch wenn der erste Satz wahr ist, wären die Profitraten systematisch niedriger im Verhältnis zur Intensität der Kapitalinvestitionen und höher im Verhältnis zur Arbeitsintensität der Produktion. Marx versprach, diesen unlösbaren Widerspruch in Band III aufzulösen und diese beiden grundlegend widersprüchlichen Sätze miteinander zu versöhnen. Lösung/Marx/Böhm-Bawerk: In Karl Marx and the Close of His System(3) zeigte Böhm-Bawerk, dass die von Marx angebotene „Lösung“ eine Täuschung war und dass Marx in Wirklichkeit das Handtuch warf und zugab, dass auf dem kapitalistischen Markt die Profitraten gleich waren und daher die Preise nicht proportional zur Menge der Arbeitsstunden bei der Produktion von Waren waren oder durch diese bestimmt wurden. Stattdessen machte sich Marx die Ricardianische Standardtheorie zu eigen und gab zu, dass die Preise tatsächlich durch die Kosten (oder, in seiner Terminologie, „Preise“) der Produktion plus die durchschnittliche Profitrate bestimmt werden. Auf diese Weise gab Marx zwar vor, seine Theorie gerettet zu haben, indem er großspurig davon sprach, dass die Konkurrenz „Werte in Produktionspreise“ umwandelt, doch in Wirklichkeit hatte er die Werttheorie der Arbeit völlig aufgegeben und damit sein gesamtes System zum Scheitern gebracht. >Profitrate/Adam Smith, >Profitrate/Ricardo, >Ware/Marx, >Lohn/Marx. Rothbard II 428 RothbardVsMarx: Schließlich gibt es einen eklatanten inneren Widerspruch im Herzen der Marxschen Ökonomie, der nie aufgelöst wird. Wenn die Kapitalisten im Laufe der Zeit unter einer sinkenden Profitrate und die Arbeiter unter einer zunehmenden Verarmung leiden, wer profitiert dann bei der Verteilung des wirtschaftlichen Kuchens? Zumindest im ricardianischen System leiden die Kapitalisten unter einer sinkenden Profitrate, und die Arbeiter werden am Existenzminimum gehalten, aber eine Gruppe schnappt sich weiterhin alle sozialen Vorteile - die parasitären Grundbesitzer und ihre zunehmende Absorption des Sozialprodukts durch die Bodenrente. Im Marx'schen System sind die Grundbesitzer jedoch verschwunden, da sie zunehmend und schnell in der Kapitalistenklasse aufgegangen sind. Wie können also beide mächtigen Klassen im sich entwickelnden Kapitalismus untergehen?(4) >Kapitalismus/Marx, >Geschichte/Marx. 1. Wie Böhm-Bawerk später betonte, müssen wir, selbst wenn wir uns für diesen Produktionskostenansatz entscheiden, anerkennen, dass das Kapital nicht nur Arbeit und Boden, sondern auch Zeit verkörpert. Land wurde, wie wir noch sehen werden, von Marx verworfen, indem er es mit dem Kapital verschmolz; hätte man aber die Zeit als wichtigen Faktor anerkannt, dann hätte man auch die Zeitpräferenz anerkennen müssen, und das gesamte Marxsche System wäre zusammengebrochen. 2. "Konstant“ deshalb, weil Kapitalgüter nach Marx als Mitnahmeeffekte keinen Profit oder Wertzuwachs erzeugen können. 3. Erstmals veröffentlicht unter dem Titel Zum Abschluss des Marxschen Systems in einer Festschrift für Karl Knies im Jahr 1896 und als eigenständige Broschüre im selben Jahr. Es war ein schneller Erfolg, wurde im folgenden Jahr ins Russische übersetzt und die englische Übersetzung erschien 1898. Leider ist „Abschluss“ ein eigenartiger und irreführender Begriff; ein weitaus zutreffenderer Titel wäre Karl Marx and the Completion of His System gewesen. 4. Siehe Gottfried Haberler, 'Marxist Economics in Retrospect and Prospect', in M. Drachkovitch (ed.), Marxist Ideology in the Contemporary World - Its Appeals and Paradoxes (Hoover Institution, New York: Praeger, 19 66), pp. 118, 183. Kurz I 164 Profitrate/Marx/MarxVsRicardo/Sraffa/Kurz: In der Lesart von Sraffa hatte Marx einen wichtigen Fehler in Ricardos Argumentation aufgedeckt, der von seiner Vernachlässigung des Nicht-Lohn-Kapitals bei der Analyse des Lohn-Gewinn-Verhältnisses ausging.26 Wie Marx ([1861-63] 1989, 73)(1) immer wieder betonte, hatte diese Vernachlässigung schwerwiegende Folgen und hatte insbesondere Ricardo dazu verleitet, bei der Erklärung einer fallenden Tendenz der Profitrate die Aufmerksamkeit auf die falschen Ursachen zu richten: Da aber für Ricardo die Profitrate und die Mehrwertrate identische Begriffe sind, kann ein ständiges Sinken des Profits oder die Tendenz zum Sinken des Profits nur als Ergebnis derselben Ursachen erklärt werden, die ein ständiges Sinken oder eine Tendenz zum Sinken der Mehrwertrate bewirken, d. h. in dem Teil des Tages, in dem der Arbeiter nicht für sich selbst, sondern für den Kapitalisten arbeitet. Was sind diese Ursachen? Wenn man davon ausgeht, dass die Länge des Arbeitstages konstant bleibt, dann kann der Teil des Arbeitstages, in dem der Arbeiter umsonst für den Kapitalisten arbeitet, nur dann sinken, abnehmen, wenn der Teil, in dem er für sich selbst arbeitet, wächst. Und das ist nur möglich (unter der Annahme, dass die Arbeit nach ihrem Wert bezahlt wird), wenn der Wert der Notwendigkeiten - der Mittel zum Lebensunterhalt, für die der Arbeiter seinen Lohn ausgibt - steigt. Infolge der Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit sinkt der Wert der Industriegüter jedoch ständig. Die sinkende Profitrate kann also nur dadurch erklärt werden, dass der Wert der Nahrungsmittel, des Hauptbestandteils der Existenzmittel, ständig steigt. Für Ricardo sinkt die allgemeine Profitrate, wenn, und nur wenn, die proportionalen Löhne steigen. MarxVsRicardo: Diese Behauptung war nicht richtig: Wie Marx hervorgehoben hatte, gilt sie nur, wenn man das lohnunabhängige Kapital außer Acht lässt und so argumentiert, als bestünden die Kapitalvorschüsse nur aus der Lohnsumme. Sobald man jedoch diese sehr restriktive Annahme aufgibt, kann die Profitrate fallen (oder steigen), selbst wenn die Lohnquote konstant bleibt. >Marx/Sraffa. Kurz I 165 Marx/Ricardo/Sraffa: In der Lesart von Sraffa hatte Marx sein Gesetz als Kritik an Ricardos Erklärung der fallenden Profitrate entwickelt und dabei wesentliche Elemente Ricardos in seine eigene Analyse übernommen. So hatte Marx argumentiert, dass ein Akkumulationsprozess ohne technischen Wandel mit tendenziell steigenden Geldlöhnen und einer sinkenden Ausbeutungsrate (d.h. steigenden Proportionslöhnen) verbunden ist - ganz unabhängig von steigenden Kosten der Nahrungsmittelproduktion oder dem so genannten Gesetz der Bevölkerung (vgl. Marx [1867] 1954, 581-582).(1) Ricardo: Laut Sraffa hatte Marx auch ein anderes Element der Ricardo-Lehre in seine eigene Analyse aufgenommen: Ricardos „Maschinerie-Substitutions-Argument“ findet sich in Marx' Gesetz der fallenden Profitrate in Form einer „zunehmenden organischen Zusammensetzung des Kapitals“ wieder. Darüber hinaus hatte Marx in Sraffas Verständnis seine Argumentation auf das gleiche „natürliche Verlaufsszenario“ gestützt wie Ricardo: Beide waren von Kurz I 166 einer Analyse des Falles der Akkumulation bei gegebenen technischen Kenntnissen, wobei bekannte, aber bisher unbenutzte Methoden infolge von Veränderungen der Distributionsvariablen und der relativen Preise eingeführt werden können, der technische Fortschritt selbst aber beiseite gelassen wird. >Profitrate/Sraffa. 1. K. Marx. 1867. The Capital.The Process of Production of Capital. https://www.marxists.org/archive/marx/works/1867-c1/ (21.11.2024) Kurz, Heinz; Salvadori, Neri 2015. Revisiting Classical Economics: Studies in Long-Period Analysis (Routledge Studies in the History of Economics). London, UK: Routledge. |
Marx I Karl Marx Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957 Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 Kurz I Heinz D. Kurz Neri Salvadori Revisiting Classical Economics: Studies in Long-Period Analysis (Routledge Studies in the History of Economics). Routledge. London 2015 |
| Quantenmechanik | Putnam | I (i) 224ff Quantenmechanik/QM/Putnam: Die Unbestimmtheit spiegelt sich im mathematischen Formalismus (der >Schrödinger-Gleichung) gar nicht wider. Das Atom wird zerfallen oder nicht zerfallen. Die Überlagerung dieser beiden Zustände ist keine vollständige Beschreibung, sondern eben nur zwei Teilbeschreibungen: die Maximalzustände A oder A+. Viele-Welten-Deutung/Putnam: Die Viele-Welten-Deutung ist nur ein Bild! --- II 229 Die Viele-Welten-Deutung erfordert Signale, die schneller als Licht sind. Problem: Wenn die Wahrscheinlichkeit der verschiedenen Welten gleich groß ist, dann ist der Begriff der Wahrscheinlichkeit schwer zu interpretieren. Bellsche Ungleichung/Putnam: Die Bellsche Ungleichung ist bloß technischer Hintergrund. Besser ist die Kopenhagener Deutung. II 237 Alle Lösungen, bei denen man sich außerhalb stellen muss (> göttlicher Standpunkt) sind für uns gar nicht vorstellbar. Wir wissen nicht, was es für uns bedeuten würde, das Ideal zu erreichen. Dieses Scheitern führt bei Rorty zum Relativismus. >Messen. |
Putnam I Hilary Putnam Von einem Realistischen Standpunkt In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Frankfurt 1993 Putnam I (a) Hilary Putnam Explanation and Reference, In: Glenn Pearce & Patrick Maynard (eds.), Conceptual Change. D. Reidel. pp. 196--214 (1973) In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (b) Hilary Putnam Language and Reality, in: Mind, Language and Reality: Philosophical Papers, Volume 2. Cambridge University Press. pp. 272-90 (1995 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (c) Hilary Putnam What is Realism? in: Proceedings of the Aristotelian Society 76 (1975):pp. 177 - 194. In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (d) Hilary Putnam Models and Reality, Journal of Symbolic Logic 45 (3), 1980:pp. 464-482. In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (e) Hilary Putnam Reference and Truth In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (f) Hilary Putnam How to Be an Internal Realist and a Transcendental Idealist (at the Same Time) in: R. Haller/W. Grassl (eds): Sprache, Logik und Philosophie, Akten des 4. Internationalen Wittgenstein-Symposiums, 1979 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (g) Hilary Putnam Why there isn’t a ready-made world, Synthese 51 (2):205--228 (1982) In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (h) Hilary Putnam Pourqui les Philosophes? in: A: Jacob (ed.) L’Encyclopédie PHilosophieque Universelle, Paris 1986 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (i) Hilary Putnam Realism with a Human Face, Cambridge/MA 1990 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (k) Hilary Putnam "Irrealism and Deconstruction", 6. Giford Lecture, St. Andrews 1990, in: H. Putnam, Renewing Philosophy (The Gifford Lectures), Cambridge/MA 1992, pp. 108-133 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam II Hilary Putnam Repräsentation und Realität Frankfurt 1999 Putnam III Hilary Putnam Für eine Erneuerung der Philosophie Stuttgart 1997 Putnam IV Hilary Putnam "Minds and Machines", in: Sidney Hook (ed.) Dimensions of Mind, New York 1960, pp. 138-164 In Künstliche Intelligenz, Walther Ch. Zimmerli/Stefan Wolf Stuttgart 1994 Putnam V Hilary Putnam Vernunft, Wahrheit und Geschichte Frankfurt 1990 Putnam VI Hilary Putnam "Realism and Reason", Proceedings of the American Philosophical Association (1976) pp. 483-98 In Truth and Meaning, Paul Horwich Aldershot 1994 Putnam VII Hilary Putnam "A Defense of Internal Realism" in: James Conant (ed.)Realism with a Human Face, Cambridge/MA 1990 pp. 30-43 In Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994 SocPut I Robert D. Putnam Bowling Alone: The Collapse and Revival of American Community New York 2000 |
| Quietismus | Wright | I 255 Def Quietismus/Wright, Crispin: Der Quietismus ist die Ansicht, dass eine bedeutsame metaphysische Debatte unmöglich ist. >Metaphysik. Eine Version besagt, dass realistische und anti-realistische Tendenzen den wirren Wunsch verfolgen, aus der eigenen Haut herauszukommen. >Realismus, >Antirealismus. Das ist ein falscher "göttlicher Standpunkt", von dem aus der Anspruch der Objektivität einer sprachlichen Praxis geprüft werden kann. (Wird Wittgenstein zugeschrieben, eine Zuschreibung, die wiederum umstritten ist). >Objektivität, >Relativismus, >Gottesstandpunkt, >L. Wittgenstein. |
WrightCr I Crispin Wright Wahrheit und Objektivität Frankfurt 2001 WrightCr II Crispin Wright "Language-Mastery and Sorites Paradox" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 WrightGH I Georg Henrik von Wright Erklären und Verstehen Hamburg 2008 |
| Radikale Interpretation | Avramides | I 90 Radikale Interpretation/RI/Davidson/Avramides: Die Radikale Interpretation geht schon schrittweise vor, aber von Anfang an braucht man Annahmen über Glaubenseinstellungen und über die Bedeutung der Äußerungen. >Propositionale Einstellungen, >Äußerungsbedeutung. I 93 Radikale Interpretation/Asymmetrie/Avramides: Aus Sicht der radikalen Interpretation gibt es überhaupt keine Asymmetrie zwischen dem Psychologischen und dem Semantischen. Asymmetrie: >Terminologie/Avramides. I 93 Grice/Avramides: Grice versucht Bedeutung zu verstehen (s) den Begriff der Bedeutung). Radikale Interpretation: versucht den Sprecher zu verstehen (Kommunikation). Grice/Avramides: Grice ist zunächst nicht am Zustandekommen von Kommunikation interessiert. >Kommunikation. I 96 Radikale Interpretation/Avramides: Vom Standpunkt der radikalen Interpretation aus gibt es eine epistemische Symmetrie zwischen dem Semantischen und dem Psychologischen. - Anders als bei der Griceschen Bedeutungstheorie. >Bedeutung/Grice. |
Avr I A. Avramides Meaning and Mind Boston 1989 |
| Radikale Interpretation | Lewis | IV 108ff Radikale Interpretation/RI/Lewis: Die radikale Interpretation hat eine zweifache Aufgabe: 1. die andere Person zu verstehen und 2. ihre Sprache: a) wie die andere Person den Inhalt ausdrückt b) wie dieser Inhalt in unserer Sprache ausgedrückt würde. Bsp Karl als physikalisches System liefert uns die ganze Wahrheit über Karl - auch über seine Geschichte. IV 110 Ich frage nicht, wie wir die Tatsachen bestimmen, sondern wie die Tatsachen die Tatsachen bestimmen. Allwissender Standpunkt: Wir können einen allwissenden Standpunkt einnehmen, solange wir ihn auch wieder aufgeben können. >Allwissenheit/Lewis, >Tatsachen/Lewis. IV 111 Selbst wenn alle mentalen und semantischen Tatsachen über Karl determiniert sind durch die physikalischen Fakten, folgt nicht, dass sie in der Sprache der Physik dargestellt werden können. IV 112 Wenn er propositionale Einstellungen hat, ist es analytisch, dass sie mehr oder weniger konform mit den beschränkenden Prinzipien sind, durch die diese Begriffe definiert werden. IV 113 Wir nehmen ein System basaler intrinsischer Werte an, das ähnlich dem unseren ist und das bei Karl zu ähnlichen Glauben und Wünschen führt. IV 117 Radikale Interpretation/RI/Lewis: Problem: Es wird zu viel Gewicht gelegt auf Sprache als Vehikel der Manifestation von Glauben und auf Glauben als manifest in der Sprache und zu wenig Gewicht auf Sprache als soziale Praxis. Lösung: zuerst das Verhalten beobachten und nicht auf die fremde Sprache achten. IV 117f Radikale Interpretation/RI/Lewis: Wir sind schließlich gar nicht an einer praktischen Lösung interessiert, wir wollen wissen, wie die semantischen und mentalen Tatsachen durch die physikalischen Tatsachen bestimmt werden. IV 118 Worauf es ankommt: 1. Was das Problem der Radikalen Interpretation überhaupt ist. 2. Die Menge der Beschränkungen, durch die es gelöst wird und die Quelle ihrer beschränkenden Kraft. 3. Die Präsupposition, dass die physikalischen Fakten die mentalen und die semantischen Tatsachen bestimmen. 4. Das Ausmaß ihrer Bestimmtheit. Problem: Die Wahrheitsbedingungen für ganze Sätze sind nicht hinreichend, um alle subsententialen Bedeutungen des Fremden zu bestimmen. IV 119 Verrückter Schmerz: Wir müssen die kausale Rolle in Karls Gemeinschaft zu Grunde legen, nicht im Individuum Karl. >Kausale Rolle/Lewis, >Schmerz/Lewis. IV 120 Abweichend sein, heißt so zu sein, dass das beste Schema für Ihre Art ihnen diese Einstellungen zuschreibt. Wenn es kein einheitlich bestes Schema gibt, sind Karls Einstellungen und Meinungen unbestimmt zu dem Grad in dem es Konflikte gibt. IV 121 Radikale Interpretation/RI/intrinsisch/Bedeutung/Lewis: Bsp starke individuelle Abweichungen: Die mentalen Zustände von jemandem sind die intrinsischen Zustände, in denen er ist. Dennoch, was sie zu den Zuständen macht - was sie dazu macht, dass sie die kausale Rolle einnehmen, die sie einnehmen - ist nicht gänzlich intrinsisch. Zu einem gewissen Grad hat es mit anderen Vertretern seiner Art zu tun. Aber dieses Ausmaß ist begrenzt, denn die meisten Fälle sind ja nicht außergewöhnlich. |
Lewis I David K. Lewis Die Identität von Körper und Geist Frankfurt 1989 Lewis I (a) David K. Lewis An Argument for the Identity Theory, in: Journal of Philosophy 63 (1966) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (b) David K. Lewis Psychophysical and Theoretical Identifications, in: Australasian Journal of Philosophy 50 (1972) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (c) David K. Lewis Mad Pain and Martian Pain, Readings in Philosophy of Psychology, Vol. 1, Ned Block (ed.) Harvard University Press, 1980 In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis II David K. Lewis "Languages and Language", in: K. Gunderson (Ed.), Minnesota Studies in the Philosophy of Science, Vol. VII, Language, Mind, and Knowledge, Minneapolis 1975, pp. 3-35 In Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979 Lewis IV David K. Lewis Philosophical Papers Bd I New York Oxford 1983 Lewis V David K. Lewis Philosophical Papers Bd II New York Oxford 1986 Lewis VI David K. Lewis Konventionen Berlin 1975 LewisCl Clarence Irving Lewis Collected Papers of Clarence Irving Lewis Stanford 1970 LewisCl I Clarence Irving Lewis Mind and the World Order: Outline of a Theory of Knowledge (Dover Books on Western Philosophy) 1991 |
| Rationalität | Nagel | I 13 Rationalität/Nagel: Wesentliches Merkmal der Rationalität ist ihre Allgemeinheit. >Allgemeinheit. Def rational denken/Nagel: in dem Maße systematisch sein, dass derjenige, der mir über die Schulter blickt, es als richtig erkennt. >Handlungen. I 21 Wir müssen Verantwortung übernehmen und gleichzeitig sagen, dass die Maßstäbe nicht bloß unsere individuellen sind. >Verantwortung. I 21 Rationalität: sowohl die Existenz als auch die Nichtexistenz der ratio werfen Probleme auf! Um rational zu sein, müssen wir für die eigenen Gedanken Verantwortung übernehmen und gleichzeitig bestreiten, dass sie bloß Äußerungen des eigenen Standpunkts sind. Vgl. >Perpektive/Nagel. I 82 Wenn wir rational denken, handelt es sich meistens nicht um deduktive, sondern um empirische, moralische und im weiteren Sinne praktische Überlegungen I 84 Rationalität/Nagel: Ratio ist keine Abstraktion von kontingenten psychischen Phänomenen. I 119 Vertrauen in die Vernunft kann mit ganz gewichtigen Zweifeln bezüglich der Resultate einhergehen. >Vernunft. |
NagE I E. Nagel The Structure of Science: Problems in the Logic of Scientific Explanation Cambridge, MA 1979 Nagel I Th. Nagel Das letzte Wort Stuttgart 1999 Nagel II Thomas Nagel Was bedeutet das alles? Stuttgart 1990 Nagel III Thomas Nagel Die Grenzen der Objektivität Stuttgart 1991 NagelEr I Ernest Nagel Teleology Revisited and Other Essays in the Philosophy and History of Science New York 1982 |
| Realismus | Nagel | I 119 Die bloße Anerkennung einer Unterscheidung zwischen Erscheinung und Realität liefert keine Methode, die Realität zu entdecken. >Methode, >Realität, >Erscheinung, >Schein, >Wahrnehmung. I 130 Def Interner Realismus: unser anscheinend objektives Weltbild sollte so verstanden werden, als sei es im wesentlichen ein kreatives Erzeugnis unserer Sprache und unserer Standpunkte, wobei die Wahrheit unserer Überzeugungen als deren Fortleben im Rahmen einer idealen Entwicklung des betreffenden Standpunktes zu begreifen sei. >Interner Realismus. I 130 Def Wahrheit/Putnam: ist nicht weiter als "idealisierte rationale Akzeptierbarkeit". Und sofern die "Akzeptierbarkeit" das gleiche bedeutet wie "Akzeptierbarkeit für uns" werde die logische Lücke zwischen dem Denken und der Welt verschwinden. I 130 ff NagelVsPutnam: Der interne Realismus scheitert an seinem eigenen Test der rationalen Akzeptierbarkeit. Was wir tatsächlich akzeptieren, ist eine Weltsicht, durch die unsere Wahrnehmungen bestätigt oder widerlegt werden. Selbst unsere Interpretation der Quantentheorie und die damit zusammenhängenden Beobachtungen wären doch eine Ansicht über das Sosein der Welt, auch wenn ein Physiker sagt, sie könne nicht realistisch interpretiert werden. Es wäre keine Ansicht, die zu recht mit Hilfe einer "internalistischen" Deutung eingeschränkt würde. Unser Standpunkt ist eine Menge von Überzeugungen, die das wirkliche Sosein betreffen, wobei zugestanden wird, dass wir vieles nicht wissen. Das einzige Verfahren zur Feststellung der rationalen Akzeptierbarkeit ist das Nachdenken darüber, ob sie wahr ist. >Akzeptierbarkeit/Habermas. |
NagE I E. Nagel The Structure of Science: Problems in the Logic of Scientific Explanation Cambridge, MA 1979 Nagel I Th. Nagel Das letzte Wort Stuttgart 1999 Nagel II Thomas Nagel Was bedeutet das alles? Stuttgart 1990 Nagel III Thomas Nagel Die Grenzen der Objektivität Stuttgart 1991 NagelEr I Ernest Nagel Teleology Revisited and Other Essays in the Philosophy and History of Science New York 1982 |
| Realismus | Rorty | IV (a) 29ff Realismus/Methode/Rorty: Realismus hat keine besondere Methode. >Methode. IV (a) 29ff Realismus: behauptet, Wissenschaft sei eine natürliche Art. >Natürliche Art/Rorty. Es genügt nicht, den Erfolg der Technik durch die Existenz von Elementarteilchen zu erklären, denn er sieht ein, dass eine solche Erklärung trivial ist. Der Realismus braucht eine besondere Beziehung, die bei keiner sonstigen Tätigkeit des Menschen eine Rolle spielt. VI 175 Realismus/Antirealismus: Rorty wie A. Fine: besser: einen Standpunkt jenseits davon einzunehmen. >Antirealismus/Rorty. VI 327 RortyVsRealismus: Der Realismus will den Erfolg von Prognosen durch Bezugnahme auf Wahrheit erklären. Aber: Der Erfolg einer wahren Theorie muss genauso historisch-soziologisch erklärt werden, wie der Erfolg einer falschen Theorie! >Theorie, >Erfolg, >Erklärung, >Wissenschaft. |
Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 |
| Realismus | Searle | II 87 Realismus, naiver/SearleVs: Naiver Realismus hat insofern recht, dass die materiellen Gegenstände und Erlebnisse die typischen Wahrnehmungsgegenstände sind. Er übersieht aber, dass sie es nur sein können, weil Wahrnehmung einen intentionalen Gehalt hat. II 199 Realismus/Searle: Realismus hat keine Hypothese oder Überzeugung, Realismus gehört zum Hintergrund. >Terminologie/Searle. Ich bin auf den Hintergrund festgelegt. Realismus ist Voraussetzung für Hypothesen. Das Festgelegtsein auf den Realismus ist selbst aber keine Hypothese. III 160f Externer Realismus/Searle: Externer Realismus muss immer noch zwischen repräsentationsunabhängig (Bsp Sterne) und geistunbhängig (auch Sterne) unterscheiden - Bsp Schmerz ist repräsentations-unabhängig aber nicht geist-unabhängig. Vgl. >Interner Realismus. III 165 Realismus/Searle: Realismus sagt, dass es eine unabhängige Wirklichkeit gibt, aber nichts darüber, wie sie beschaffen ist, keine Theorie der Sprache, keine Theorie der Repräsentation, ontologisch. >Realität/Martin SeelVsSearle. III 163f Realismus/Searle: Realismus darf nicht mit der Korrespondenztheorie verwechselt werden, er ist gar keine Wahrheitstheorie. Der Realismus ist Bedingung für unsere Hypothesen. Er ist mit jeder Wahrheitstheorie kompatibel, weil er eine Theorie der Ontologie und nicht der Bedeutung von "wahr" ist. Er ist keine semantische Theorie. Putnam: fasst Realismus epistemisch auf: Der Realismus behaupte, dass es sinnvoll sei, einen Gottesstandpunkt anzunehmen. SearleVsPutnam: Irrtum anzunehmen, dass die Wirklichkeit selbst bestimme, welches Vokabular angemessen ist. III 165 Searle: Realismus ist auch keine Theorie der Sprache. VsTradition: Pointe: Der Realismus ist keine Theorie darüber, wie die Welt "wirklich" ist! Grund: Wir könnten uns über alle Einzelheiten irren, und der Realismus dennoch wahr sein! Def Realismus/Searle: Die Ansicht, dass es eine Seinsweise der Dinge gibt, die von allen Repräsentationen logisch unabhängig ist, er sagt nicht, wie die Dinge sind. >Repräsentation, >Welt/Denken. III 166 Realismus/Searle: Argumente gegen die Existenz von Dingen sind Behauptungen über die äußere Wirklichkeit wie andere. Sie setzen den Realismus genauso voraus! Die Nichtexistenz von Dingen wäre eine Eigenschaft jener repräsentationsunabhängigen Realität. Vgl. >Existenzbehauptung. III 191 Externer Realismus/Searle: Externer Realismus ist eine Verständnisbedingung für andere Hypothesen. III 193 ff Realismus/Searle: These: Der Realismus ist hier keine Hypothese, sondern liefert Bedingungen für jegliche Hypothesen. Realismus ist Teil des Hintergrunds. >Hintergrund/Searle. |
Searle I John R. Searle Die Wiederentdeckung des Geistes Frankfurt 1996 Searle II John R. Searle Intentionalität Frankfurt 1991 Searle III John R. Searle Die Konstruktion der gesellschaftlichen Wirklichkeit Hamburg 1997 Searle IV John R. Searle Ausdruck und Bedeutung Frankfurt 1982 Searle V John R. Searle Sprechakte Frankfurt 1983 Searle VII John R. Searle Behauptungen und Abweichungen In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Searle VIII John R. Searle Chomskys Revolution in der Linguistik In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Searle IX John R. Searle "Animal Minds", in: Midwest Studies in Philosophy 19 (1994) pp. 206-219 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 |
| Realität | Seel | Seel III 161 Realität/Seel: Dass von Realität nicht unabhängig von ihrer Zugänglichkeit gesprochen werden kann, bedeutet nicht, dass es keine unabhängige Realität gibt. - Wäre alles nur eine Funktion unseres Denkens und Sprechens, gäbe es kein verständliches Denken und Sprechen. Wir hätten keinen Sinn für Perspektiven. Daher gibt es auch kein "Verschwinden der Realität". Das ginge nur, wenn es Realität als etwas Unabhängiges gäbe. - VsMedientheorie. >Realismus, >Metaphysischer Realismus, >Perspektive, >Standpunkt, >Medientheorie, >Medien, >Verstehen, >Welt/Denken, >Welt. |
Seel I M. Seel Die Kunst der Entzweiung Frankfurt 1997 Seel II M. Seel Ästhetik des Erscheinens München 2000 Seel III M. Seel Vom Handwerk der Philosophie München 2001 |
| Recht | Hume | Deleuze I 35 Recht/Hume: Recht ist kein natürliches Prinzip, sondern eine künstliche Regel. Moral wird durch einen politischen Vertrag integriert. >Prinzipien/Hume, >Moral/Hume. HumeVsHobbes: VsGesellschaftsvertrag: Der Gesellschaftsvertrag gibt ein falsches Bild der Gesellschaft, nämlich ein rein negatives. Die Lust gilt als Triebfeder allen Handelns. Es ist in meinem Interesse, dem anderen sein Eigentum zu lassen, vorausgesetzt er macht das gleiche bei mir. Eigentum ist das wesentliche politische Phänomen. --- Rawls I 184 Def Recht/Beobachtung/Ordnung/Gerechtigkeit/Hume/Rawls: Etwas, z.B. ein Sozialsystem, ist gerecht, wenn ein idealer unparteiischer Beobachter von außen dies von einem allgemeinen Standpunkt so beurteilen würde, hätte er alle relevanten Informationen über die Umstände. (Siehe Roderick Firth: „Ethical Absolutism and the Ideal Observer“, Philosophy and Phenomenological Research, Bd. 12, 1952; F. C. Sharp: Good and Ill Wll, Chicago, 1950, pp. 156-162; D. Hume: Treatise of Human Nature, ed. L.A. Selby-Bigge, Oxford, 1888, esp. Bk III, pt. III, sec I, esp. pp. 574-584. Allgemeinere Diskussion: C. D. Broad: „Some Reflections on Moral-Sense Theories in Ethics“. Proceedings of the Aristotelian Society, Bd. 45 (1944-45); W. K. Kneale: „Objectivity in Morals“, Philosophy, Bd. 25 (1950).) |
D. Hume I Gilles Delueze David Hume, Frankfurt 1997 (Frankreich 1953, 1988) II Norbert Hoerster, "Hume: Existenz und Eigenschaften Gottes" aus J. Speck(Hg) Grundprobleme der großen Philosophen der Neuzeit I Göttingen, 1997 Deleuze I Gilles Deleuze Felix Guattari Was ist Philosophie? Frankfurt/M. 2000 Hum I G. Deleuze David Hume , Frankfurt 1997 Rawl I J. Rawls A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005 |
| Recht | Smith | Rawls I 184 Def Recht/Beobachtung/Ordnung/Gerechtigkeit/Adam Smith/Rawls: etwas, z.B. ein Sozialsystem, ist gerecht, wenn ein idealer unparteiischer Beobachter von außen dies von einem allgemeinen Standpunkt so beurteilen würde, hätte er alle relevanten Informationen über die Umstände. (Siehe Roderick Firth, „Ethical Absolutism and the Ideal Observer“, Philosophy and Phenomenological Research, vol. 12, 1952; F. C. Sharp, Good and Ill Wll, Chicago, 1950, pp. 156-162; A. Smith, The Theory of Moral Sentiments, in L. A. Selby-Bigge, British Moralists, vol. I Oxford, 1897, pp. 257-277. – Allgemeinere Diskussion: C. D. Broad, „Some Reflections on Moral-Sense Theories in Ethics“. Proceedings oft he Aristotelian Society, vol.45 (1944-45). W. K. Kneale „Objectivity in Morals“, Philosophy, vol. 25 (1950).) |
EconSmith I Adam Smith The Theory of Moral Sentiments London 2010 EconSmithV I Vernon L. Smith Rationality in Economics: Constructivist and Ecological Forms Cambridge 2009 Rawl I J. Rawls A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005 |
| Rechtfertigung | Rorty | I 250 Rechtfertigung/Rorty: z. B. durch Sinnesdaten. Erklärung/Rorty: kausal. >Erklärung, >Sinnesdaten. I 275 Erklärung: Hardware, privat. Rechtfertigung: Subjekte, öffentlich. III 127 Def Abschließendes Vokabular/Rorty: mit ihm erzählen wir unsere Lebensgeschichte, mal rückwärtsgewandt, mal vorausgreifend. - "Abschließend": weil es keinen außer ihm gelegenen Standpunkt gibt, von dem aus es gerechtfertigt werden kann. - Nur zirkuläre Rechtfertigung ist möglich. >Vokabular/Rorty. V 26 ff Rechtfertigung/Rawls: "mit einer Begründung, die die anderen nicht vernünftigerweise ablehnen können". Rorty: Das steht im Einklang mit der "konstruktivistischen" Auffassung einer spezifischen historischen gemeinschaftlichen Rechtfertigung. VI 38 Rechtfertigung/Prinzip der Nachsicht/Überzeugung/Verhalten/Wahrheit/Davidson/Rorty: Die Notwendigkeit, unsere Überzeugungen vor uns selbst zu rechtfertigen erzeugt ein Verhaltensmuster. Dieses müssen wir bei anderen wahrnehmen, um ihnen Überzeugungen zuzuschreiben. Dazu ist Wahrheit nicht als zusätzliche Norm notwendig. VI 72f RortyVsTatbestand: Die Mehrheit kann sich sicher auch irren. So dass sich später herausstellen könnte, dass etwas nicht wahr war. Aber gerechtfertigt? >Wahrheit, >Behauptbarkeit, >Tatsache, >Sachverhalt. VI 237 Rechtfertigung/Rorty: Es gibt eine menschliche Tätigkeit namens "Rechtfertigung von Überzeugungen" die man historisch und soziologisch erforschen kann, aber diese Tätigkeit hat kein Ziel mit Namen "Wahrheit" und deshalb auch kein Ziel namens "Erkenntnis". Die Frage, ob wir dieses Ziel erreichen, stellt sich daher gar nicht. >Erkenntnis, >Erkennen, >Erkenntnistheorie, >Wissen, >Fortschritt. |
Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 |
| Rechtsphilosophie | Hegel | Höffe I 333 Rechtsphilosophie/Hegel/Höffe: (...) Hegels Rechtsphilosophie [baut sich] aus drei Teilen auf. 1) (...) [hier] geht es um das abstrakte Recht, dessen Subjekt der Einzelne als rechtsfähige Person ist. Ähnlich wie bei Kant steht sie unter einem Gebot, das in der Sache den Rang eines uneingeschränkt gültigen Sollens, eines kategorischen Imperativs, hat: «Sei eine Person und respektiere die anderen als Personen»(1). 2) (...) [hier] folgt als Antithese die von Hegel als Entzweiung bestimmte >Moralität. Denn bei ihr steht der Innerlichkeit des Guten ein Äußeres, die vorhandene Welt, gegenüber. Hegel spricht vom Standpunkt des Sollens oder der Forderung(2). 3) Auf der dritten Stufe schließlich, der «Einheit und Wahrheit»(3) der beiden ersten Momente, ihrer Synthese, existiert die Freiheit ebenso als Substanz wie als subjektiver Wille. Es ist die Stufe der >Sittlichkeit, bestimmt als ein «freies Bei-Sich-Selbst-Sein im anderen». Höffe I 336 In der Rechtsphilosophie sind gemäß Hegels Dialektik die jeweils höheren Stufen wieder an die unteren zurückgebunden und bilden zugleich deren Bedingungen der Möglichkeit. Weder lässt sich das Recht ohne Moralität noch diese ohne Sittlichkeit begründen. Einerseits muss sich der Privatbürger der bürgerlichen Gesellschaft in den Institutionen der Familie und des Staates versittlichen. Andererseits bauen diese Institutionen von Sittlichkeit auf dem Recht und der Moralität auf. 1. Hegel, Grundlinien der Philosophie des Rechts oder Naturrecht und Staatswissenschaft im Grundriss, 1820, § 36 2. Ebenda § 108 3. Ebenda § 33 |
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| Reelle Zahlen | Dedekind | Thiel I 192 Def Dedekindsche Schnitte/Reelle Zahlen/Dedekind(1): Ich finde nun das Wesen der Stetigkeit in der Umkehrung, also im folgenden Prinzip: Zerfallen alle Punkte der Geraden in zwei Klassen derart, dass jeder Punkt der ersten Klasse links von jedem Punkt der zweiten Klasse liegt, so existiert ein und nur ein Punkt, der diese Einteilung aller Punkte in zwei Klassen hervorbringt. KonstruktivismusVsDedekind: Da die in dieser Bestimmung verwendeten mathematischen Mittel nicht explizit genannt werden, bleibt die Forderung der konstruktivistischen Grundlagenkritiker unerfüllt, eine abstrakte Entität erst dann als "gegeben" zu betrachten, wenn ein sie darstellender konkreter Ausdruck angegeben wird, so dass sich alle von dem abstrakte Gegenstände behaupteten Eigenschaften letztlich auf entsprechende Eigenschaften der ihn darstellenden Ausdrücke zurückführen lassen. >Konstruktivismus, >Dedekindsche Schnitte. VsKonstruktivismus: Vertreter des "klassischen" Standpunkts weisen das als "zu eng" zurück, weil die explizite Angabe der zur Definition der Dedekindschen Schnitte verwendeten Ausdrucksmittel den Bereich der definierbaren reellen Zahlen einschränkt. "Neue" reelle Zahlen können erst durch Erweiterung der auf einer bestimmten Stufe zugelassenen und erst zu rechtfertigenden Mittel eingeführt werden. I 192/193 Dies gilt, wenn wir die Vermischung des arithmetischen und des geometrischen Gesichtspunktes in der Rede von der "Zahlengeraden" (auch bei der Erläuterung des Dedekindschen Verfahrens verwendet) zugunsten einer klaren Trennung aufgeben, um von der Gesamtheit "aller" reellen Zahlen und auch von der Gesamtheit "aller" Punkte auf einer Strecke oder Geraden sprechen. Unendlich/Unendlichkeit/konstruktiv: eine unendliche Gesamtheit liegt vor, wenn sie durch einen Erzeugungsprozess aufzählbar ist. Schwächerer Sinn: Die Reihe von Prinzipien muss bekannt sein. Stärkerer Sinn: Die Gesamtheit der reellen Zahlen liegt nicht vor. Sie ist keine definite Menge. Die klassische Analysis über reelle Zahlen setzt die stärkere Auffassung voraus. Schon in jeder Aussage über "alle" reellen Zahlen wird die Gesamtheit als aktual gegeben aufgefasst. Vgl. >Intuitionismus. 1. Dedekind, R. (1872). Stetigkeit und irrationale Zahlen. Nachdruck 1965: Braunschweig: Vieweg. |
T I Chr. Thiel Philosophie und Mathematik Darmstadt 1995 |
| Referenz | Anscombe | Frank I 87 Referenz/Frege/Anscombe: Es gibt keinen Weg zurück von der Referenz zum Sinn. >Sinn, >Bedeutung. Jedes Objekt besitzt viele Weisen der Gegebenheit oder Beschreibungsmodi. >Weise des Gegebenseins. Intension/"Ich"/Anscombe: wegen der Eigentümlichkeit der Konstruktion gelingt es, ein Objekt zu bestimmen, trotz der theoretisch vielen Möglichkeiten der Weise des Gegebenseins: denn wir wollen ja nicht annehmen: "Smith realisiert nicht die Identität mit Smith". >Intension. Wenn wir das Reflexivum im gewöhnlichen Sinn ansähen, wäre das allerdings möglich. "Ich"/Spezielles Reflexivum/Anscombe: kann nur vom Standpunkt der ersten Person aus erklärt werden. >Erste Person. Frege: Wir haben den Sinn nicht schon erfasst, wenn mitgeteilt wird, von welchem Objekt ein Mensch sprechen wird, wenn er "ich" sagt - ob er es nun weiß oder nicht. >Fregescher Sinn, >Fregesche Bedeutung. Allerdings garantiert der Gebrauch von "ich" sicher, dass der Sprecher es weiß, Aber wir haben immer noch ein Recht zu fragen, was er weiß! |
Anscombe I G.E. M. Anscombe "The First Person", in: G. E. M. Anscombe The Collected Philosophical Papers, Vol. II: "Metaphysics and the Philosophy of Mind", Oxford 1981, pp. 21-36 In Analytische Theorien des Selbstbewusstseins, Manfred Frank Frankfurt/M. 1994 Fra I M. Frank (Hrsg.) Analytische Theorien des Selbstbewusstseins Frankfurt 1994 |
| Referenz | Evans | I 314ff Meinen/Referenz/göttlicher Standpunkt/Wittgenstein/Evans: Bsp jemand ist in einen von zwei eineiigen Zwillingen verliebt - Gott, wenn er in seinen Kopf schauen könnte, könnte nicht sagen, in welchen von beiden, wenn der betreffende selbst es in einem Moment nicht weiß. - ((s) Weil in dem geistigen Zustand und an dem Zwilling keine Zusatzinformationen zu finden wären.) - Evans: die (Beschreibungs-)Theorie des Geistes kann nicht erklären, warum nicht irrtümliche Beschreibungen den Ausschlag geben können. I 325 Referenz/Evans: Referenz ist auch möglich, wenn die Beschreibung nicht erfüllt wird, aber nicht Bezeichnen. I 328 Referenz/Namen/Evans: im Allgemeinen referieren wir auf das Ding, das die Quelle der vorherrschenden Information ist. I 333ff Referenz/Evans: wird durch Informationsmengen festgelegt, nicht durch Passen. Frank I 22 Evans: zwischen Frege und Perry: rettet Fregeschen Sinn, aber Bedeutung = Referenz! I 24ff Bedeutung ungleich Referenz/Evans: Bsp "heute": die Bedeutung bleibt, der Referent wechselt. > "Fido"/Fido-Theorie /Evans: setzt Bedeutung und Referent gleich: > Ich/Evans. Frank I 503 EvansVsGeach/EvansVsStrawson: zur Referenz gehört es, sein Publikum zu etwas zu bringen. Gareth Evans(1982): Self-Identification, in: G.Evans The Varieties of Reference, ed. by John McDowell, Oxford/NewYork 1982, 204-266 |
EMD II G. Evans/J. McDowell Truth and Meaning Oxford 1977 Evans I Gareth Evans "The Causal Theory of Names", in: Proceedings of the Aristotelian Society, Suppl. Vol. 47 (1973) 187-208 In Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993 Evans II Gareth Evans "Semantic Structure and Logical Form" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Evans III G. Evans The Varieties of Reference (Clarendon Paperbacks) Oxford 1989 Fra I M. Frank (Hrsg.) Analytische Theorien des Selbstbewusstseins Frankfurt 1994 |
| Referenz | Putnam | VI 395 Theorie der Referenz/PutnamVsMetaphysischer Realismus: Die Theorie der Referenz könnte den metaphysischen Realismus widerlegen (aber nicht eine Bedeutungstheorie). >Metaphysischer Realismus, >Bedeutungstheorie. -- II 52f Kontrafaktisches Konditional/Referenz/Repräsentation/Fodor: These: Die eigentliche Beschaffenheit der Bezugnahme wird mit Hilfe von kontrafaktischen Konditionalsätzen erklärt. >Kontrafaktisches Konditional. Asymmetrische Abhängigkeit: Katze-Einzelzeichen-Äußerungen werden von Katzen ausgelöst, aber auch von vielen anderen Dingen. --- III 54 Referenz entsteht durch die kausale Bindung an die Welt, also auch durch Bilder und Attrappen; wenn nicht durch Katzen, dann auch nicht durch Bilder von Katzen. III 56 Dann gilt das (kontrafaktische) Gesetz: Bilder von Katzen lösen "Katze" aus. Pointe: Das letztlich abhängig von echten Katzen. III 57 Fodor: Wenn nicht Bilder Auslöser sein können, dann auch nicht Katzen (PutnamVs). III 61 Referenz/Hermeneutik: Es kann keine notwendigen und hinreichenden Bedingungen für die Bezugnahme eines Worts auf einzelne x geben. FodorVs: Das führt zum Bedeutungsholismus, der seinerseits einen Bedeutungsnihilismus nach sich zieht. >Bedeutungsholismus, >Semantischer Holismus. III 64 PutnamVs: Bsp Hexe: Hexe ist vielleicht analytisch weiblich, dennoch ist es keine notwendige und hinreichende Bedingung für "Hexe". Ein Hexen-Gesetz wäre wegen Nichtexistenz falsch, denn es gibt keine Welt mit Hexen. Dennoch könnten entsprechende kontrafaktische Konditionale wahr sein. Pointe: Ihre Wahrheit wird nicht durch das Gesetz erklärt (Armstrong: sowieso umgekehrt). III 65 PutnamVsFodor: Für richtige asymmetrische Abhängigkeit (des Worts vom Auslöser) muss dieses kontrafaktische Konditional falsch sein: Wenn Hochstapler keine Äußerung auslösen, dann auch keine Soldaten. III 69 Referenz/PutnamVsFodor: Das bisherige Sprachverhalten früherer Generationen ist Mitursache. Sonst gilt das "Rückwärts-Gesetz". Falsch: Wenn Katzen nichts auslösen, dann auch nicht das bisherige Verhalten, aber dies ist umgekehrt richtig. (Jedoch nur dann, wenn Ursache als Mitursache interpretiert wird). FodorVs: Seine Kausalität legt den alltagssprachlichen Ursache-Begriff zugrunde (direkte Reaktion? behavioristisch?) PutnamVs: Das ist interessenrelativ. III 78 Referenz/PutnamVsFodor: Fodor kann die Referenz nicht mit Hilfe der Begriffe Gesetz, kontrafaktisches Konditional und Kausalität zurückführen. III 133 Referenz/Fodor: Nach Quines Kritik an der Unerforschlichkeit der Referenz, spricht man von Einzelwissenschaften oder alltagssprachliche Kausalität. >Unerforschlichkeit der Referenz. III 140 Referenz: Die Fundamental-Physik kann die Möglichkeit der Bezugnahme auf etwas oder der Behauptung von etwas nicht erklären! Sie kann es auch dann nicht, wenn es um ihr eigenes Gebiet geht. III 208 Referenz: Daraus, dass manche Wörter nicht ohne kausale Verbindung referieren folgt nicht, dass Bezugnahme selbst kausal wäre! Sie unterliegt nur kausalen Beschränkungen. --- V 75ff Referenz: These: Input ist durch Begriffe geformt. Es gibt keine Inputs, die nur eine einzige Beschreibung zulassen, die unabhängig wäre von allen begrifflichen Entscheidungen. V 79 Referenz/Externalismus: (externer, göttlicher Standpunkt): Problem: Was ist Bezug eigentlich? Referenz kann nicht kausal sein, weil "Außerirdischer" sich immer auf Außerirdische bezieht. >Externalismus. --- I (a) 34 Referenz: Wenn die Referenz feststeht, kann man sich beliebige Theorien über den Gegenstand ausdenken. I (a) 35 Physikalische Breitbandbegriffe wie "Größe" und "Ursache" ermöglichen, auch fehlgeschlagene Kennzeichnungen zu formulieren. Kripke: Dann sind auch Namen verwendbar, ohne wahre Überzeugungen über den Träger zu haben. I (a) 65 Referenz/Logik: Referenz in der Logik ist das, was der Beschreibung entspricht. Field: Field hat gezeigt, dass das die Aufgabe nicht erfüllt. I (b) 67ff Primitive Referenz/Putnam: Bsp Wesen, die 17 Eigenschaften unterscheiden können und sie nummerieren: "Eh-siebzndas": Dies sind in Wirklichkeit Befindlichkeiten der Wesen selbst. Das läuft auf eine Kausaltheorie der Bezugnahme hinaus. Bei Erweiterung auf abwesende, vergangene und zukünftige Gegenstände werden keine notwendigen und hinreichenden Bedingungen eingeführt. I (b) 69 Semantischer Aufstieg: Eines Tages führt die Horde den Begriff der Referenz ein: "Uk-ook refrier das". Das wäre nicht unsere Referenz, sonst entstehen Paradoxien. Richtige Sprache wird es erst mit Quantoren. Pointe: Mit Quantoren wird die kausale Verbindung von X mit der Referenz auf X aufgelöst. I (b) 70 Field: Tarski hat gezeigt, wie Referenz auf primitive Referenz (Zeigen plus Geräusch) zurückgeführt werden kann. > Gricesche Intention, > Intention. Rorty I 312 (Nach Rorty): Putnam: eine "kausale" Theorie der Referenz kann nicht helfen: denn die Frage, wie sich der Begriff "Ursache" eindeutig auf etwas beziehen kann, ist ebenso rätselhaft wie die Frage, wie der Begriff "Katze" dies getan hat. Rorty IV 20 ff Rorty: Relation/Putnam: früh: nur die kausale Referenztheorie (nicht die intentionale) kann uns vor dem Relativismus retten. Rorty VI 123 Rorty: Kausaltheorie der Referenz: PutnamVsKripke, auch Selbstkritik an früheren Schriften: die Beschreibung der kausalen Beziehungen zwischen einem Etwas und anderen Dingen ist nichts anderes als die Beschreibung von Merkmalen, die weder mehr noch weniger in einer "intrinsischen" oder "extrinsischen" Beziehung stehen. So auch das Merkmal "von einem Menschen beschrieben zu werden". PutnamVsSearle: VsDifferenzierung "Intrinsisch"/"relational". |
Putnam I Hilary Putnam Von einem Realistischen Standpunkt In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Frankfurt 1993 Putnam I (a) Hilary Putnam Explanation and Reference, In: Glenn Pearce & Patrick Maynard (eds.), Conceptual Change. D. Reidel. pp. 196--214 (1973) In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (b) Hilary Putnam Language and Reality, in: Mind, Language and Reality: Philosophical Papers, Volume 2. Cambridge University Press. pp. 272-90 (1995 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (c) Hilary Putnam What is Realism? in: Proceedings of the Aristotelian Society 76 (1975):pp. 177 - 194. In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (d) Hilary Putnam Models and Reality, Journal of Symbolic Logic 45 (3), 1980:pp. 464-482. In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (e) Hilary Putnam Reference and Truth In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (f) Hilary Putnam How to Be an Internal Realist and a Transcendental Idealist (at the Same Time) in: R. Haller/W. Grassl (eds): Sprache, Logik und Philosophie, Akten des 4. Internationalen Wittgenstein-Symposiums, 1979 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (g) Hilary Putnam Why there isn’t a ready-made world, Synthese 51 (2):205--228 (1982) In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (h) Hilary Putnam Pourqui les Philosophes? in: A: Jacob (ed.) L’Encyclopédie PHilosophieque Universelle, Paris 1986 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (i) Hilary Putnam Realism with a Human Face, Cambridge/MA 1990 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (k) Hilary Putnam "Irrealism and Deconstruction", 6. Giford Lecture, St. Andrews 1990, in: H. Putnam, Renewing Philosophy (The Gifford Lectures), Cambridge/MA 1992, pp. 108-133 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam II Hilary Putnam Repräsentation und Realität Frankfurt 1999 Putnam III Hilary Putnam Für eine Erneuerung der Philosophie Stuttgart 1997 Putnam IV Hilary Putnam "Minds and Machines", in: Sidney Hook (ed.) Dimensions of Mind, New York 1960, pp. 138-164 In Künstliche Intelligenz, Walther Ch. Zimmerli/Stefan Wolf Stuttgart 1994 Putnam V Hilary Putnam Vernunft, Wahrheit und Geschichte Frankfurt 1990 Putnam VI Hilary Putnam "Realism and Reason", Proceedings of the American Philosophical Association (1976) pp. 483-98 In Truth and Meaning, Paul Horwich Aldershot 1994 Putnam VII Hilary Putnam "A Defense of Internal Realism" in: James Conant (ed.)Realism with a Human Face, Cambridge/MA 1990 pp. 30-43 In Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994 SocPut I Robert D. Putnam Bowling Alone: The Collapse and Revival of American Community New York 2000 Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 |
| Reflexion | Gadamer | I 347 Reflexion/Wirkungsgeschichte/Hermeneutik/Gadamer: Unsere ganze Darlegung über Horizontbildung und Horizontverschmelzung sollte (...) die Vollzugsweise des wirkungsgeschichtlichen Bewusstseins beschreiben. >Wirkungsgeschichte/Gadamer, >Hermeneutik/Gadamer, >Verstehen/Gadamer. Aber was ist das für ein Bewusstsein? Hier liegt das entscheidende Problem. Man mag noch so sehr betonen, dass das wirkungsgeschichtliche Bewusstsein gleichsam in die Wirkung selbst eingelegt ist. Als Bewusstsein scheint es wesensmäßig in der Möglichkeit, sich über das zu erheben, wovon es Bewusstsein ist. Die Struktur der Reflexivität ist grundsätzlich mit allem Bewusstsein gegeben. Sie muss also auch für das Bewusstsein der Wirkungsgeschichte gelten. Werden wir damit nicht gezwungen, Hegel recht zu geben, und muss uns nicht doch die absolute Vermittlung von Geschichte und Wahrheit, wie sie Hegel denkt, als das Fundament der Hermeneutik erscheinen? In letzter Konsequenz ist es doch die Position Hegels, in [der Historismus des 19. Jahrhunderts] seine Legitimation findet, auch wenn die Historiker, die das Pathos der Erfahrung beseelte, sich statt dessen lieber auf Schleiermacher und auf Wilhelm von Humboldt beriefen. GadamerVsSchleiermacher/GadamerVsHumboldt: Weder Schleiermacher noch Humboldt haben aber ihre Position wirklich zu Ende gedacht. Sie mögen die Individualität, die Schranke der Fremdheit, die unser Verstehen zu überwinden hat, noch so sehr betonen, am Ende findet doch lediglich in einem unendlichen Bewusstsein das Verstehen seine Vollendung und der Gedanke der Individualität seine Begründung. Hegel/Gadamer: Es ist die pantheistische Eingeschlossenheit aller Individualität ins Absolute, die das Wunder des Verstehens ermöglicht. So durchdringen sich auch hier Sein und Wissen im I 348 Absoluten. >Absolutheit. Weder Schleiermachers noch Humboldts Kantianismus ist somit gegenüber der spekulativen Vollendung des Idealismus in Hegels absoluter Dialektik eine selbständige systematische Affirmation. Die Kritik an der Reflexionsphilosophie(1), die Hegel trifft, trifft sie mit. >F. Schleiermacher, >W. v. Humboldt. VsHegel/Gadamer: Es geht für uns darum, wirkungsgeschichtliches Bewusstsein so zu denken, dass sich im Bewusstsein der Wirkung die Unmittelbarkeit und Überlegenheit des Werkes nicht wieder zu einer bloßen Reflexionswirklichkeit auflöst, mithin eine Wirklichkeit zu denken, an der sich die Allmacht der Reflexion begrenzt. Genau das war der Punkt, gegen den sich die Kritik an Hegel richtete und an dem sich in Wahrheit das Prinzip der Reflexionsphilosophie gegenüber allen seinen Kritikern als überlegen erwies. >Reflexion/Hegel. I 350 VsReflexionsphilosophie/Gadamer: [Es] stellt sich die Frage, wie weit die dialektische Überlegenheit der Reflexionsphilosophie einer sachlichen Wahrheit entspricht und wie weit sie lediglich einen formalen Schein erzeugt. Dass die Kritik am spekulativen Denken, die vom Standpunkt des endlichen menschlichen Bewusstseins geübt wird, etwas Wahres enthält, kann durch die Argumentation der Reflexionsphilosophie am Ende doch nicht verdunkelt werden. >Junghegelianer/Gadamer. Beispiele für Reflexion/Gadamer: Dass die These der Skepsis oder des Relativismus selber wahr sein will und sich insofern selber aufhebt, ist ein unwiderlegliches Argument. Aber wird damit irgend etwas geleistet? Das Reflexionsargument, das sich derart als siegreich erweist, schlägt vielmehr auf den Argumentierenden zurück, indem es den Wahrheitswert der Reflexion suspekt macht. Nicht die Realität der Skepsis oder des alle Wahrheit auflösenden Relativismus wird dadurch getroffen, sondern der Wahrheitsanspruch des formalen Argumentierens überhaupt. 1. Der Ausdruck Reflexionsphilosophie( ist von Hegel gegen Jacobi, Kant und Fichte geprägt worden. Schon im Titel von „Glauben und Wissen“ aber als eine „Reflexionsphilosophie der Subjektivität“. Hegel selbst setzt ihr die Reflexion der Vernunft entgegen. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Regelfolgen | Kripke | Wright I 264 ff Regelfolgen/Kripke/Wright: Wittgenstein: Das "skeptische Paradox": macht jede Möglichkeit zunichte, dass Regeln und Bedeutungen reale Einschränkungen umfassen. Am Ende bleibt der Versuch, sich mit der Charybdis über Wasser zu halten. McDowellVsKripke: Es ist ein Irrtum, die Zerstörung der Skylla (Platonismus, göttlicher Standpunkt) als Kern der logischen Auseinandersetzung über Regeln zu verstehen. In Wirklichkeit handelt es sich bei der Zerstörung bloß um einen logischen Satz. >Platonismus, >Gottes-Standpunkt. McDowell: Wittgensteins Anliegen war, zu zeigen, dass beide Hörner auf einer überhöhten Konzeption von Tatsache und Objektivität beruht. Kripkes Wittgenstein/Wright: "Skeptisches Paradox": 1. Schritt: Debatte über irgendeine Scheinbehauptung. Bsp dass ich in der Vergangenheit mit "+" formal Addition gemeint habe. Dann muss ich das gegen einen Skeptiker verteidigen. Nun sollte man folgern, dass auch dann, wenn ich diesen Streit verlöre, keinerlei Schlussfolgerung über die Realität von Bedeutungen, Regeln usw. absehbar wäre. Also wäre die Epistemologie von Behauptungen über Bedeutung unter dem Druck der Skepsis um nichts verständlicher als die Epistemologie der Vergangenheit oder der materiellen Welt oder des Fremdpsychischen es immer noch ist. >Quaddition. Das wäre jedoch ein Irrtum! Bsp Bei dem Versuch zu rechtfertigen, dass ich in der Vergangenheit mit "+" Addition meinte, wird mir die vollkommene Wiedergabe aller Aspekte meines mentalen Lebens zugestanden. Alle relevanten Tatsachen müssten sich ja in meinem Verhalten und mentalen Leben zeigen, und daher für mich greifbar sein. Wenn ich nun trotzdem verliere, zeigt sich damit, dass es keine solchen Tatsachen gibt. Wright: In der Argumentation tritt keinerlei Überobjektivierung des Wesens der Regeln als Prämisse auf! Einzige Annahme: dass Tatsachen über meine früheren Bedeutungen in meinem Verhalten aufgetreten sein müssen. Wright I 264 ff WrightVsKripke: Das ist allerdings angreifbar. Es ist jedoch kein Irrtum der Sublimierung (auf eine höhere Ebene heben) der Regeln. Wenn irgendetwas ungeschützt ist gegen das skeptische Paradox, dann ist es ein humanisierter Platonismus nicht weniger als die überobjektivierte Version. Quietismus/Kripkes Wittgenstein/Wright: Kripkes Wittgenstein ist auf jeden Fall dem Quietismus verpflichtet, denn der Irrealismus (dass es keine Tatsachen bezüglich irgendwelcher Regeln gibt) muss sich zu einem umfassenden Irrealismus aufblasen. Ein Irrealismus der Bedeutung muss also einen Irrealismus der Wahrheit nach sich ziehen. Globaler Minimalismus/WrightVs: Das ist trügerische Vereinfachung! Richtig betrachtet, läuft der durch Kripkes skeptisches Paradox begründete Irrealismus darauf hinaus, dass der Diskurs über Regeln höchstens minimal wahrheitsfähig ist. Wright I 264 ff Kripkes Wittgenstein: Kein Verhalten lässt auf innere Regeln (in der Vergangenheit) über Addition schließen, daher gibt es auch keine Regeln über Bedeutung, auch nicht in der Gegenwart und daher auch nicht über Wahrheit! >Kripkes Wittgenstein. |
Kripke I S.A. Kripke Name und Notwendigkeit Frankfurt 1981 Kripke II Saul A. Kripke "Speaker’s Reference and Semantic Reference", in: Midwest Studies in Philosophy 2 (1977) 255-276 In Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993 Kripke III Saul A. Kripke Is there a problem with substitutional quantification? In Truth and Meaning, G. Evans/J McDowell Oxford 1976 Kripke IV S. A. Kripke Outline of a Theory of Truth (1975) In Recent Essays on Truth and the Liar Paradox, R. L. Martin (Hg) Oxford/NY 1984 WrightCr I Crispin Wright Wahrheit und Objektivität Frankfurt 2001 WrightCr II Crispin Wright "Language-Mastery and Sorites Paradox" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 WrightGH I Georg Henrik von Wright Erklären und Verstehen Hamburg 2008 |
| Relativismus | Davidson | I (c) 57 Relativität/Davidson: ist überhaupt keine Unbestimmtheit! >Unbestimmtheit. I (e) 84 Bewusstsein/Davidson: Bewusstseine gibt es in der Mehrzahl, Natur nur in der Einzahl. Dass jeder seinen Standpunkt in der Welt hat, ist ein harmloser Relativismus, da er sich auf ein Koordinatensystem, eben die eine Natur bezieht. I (e) 84 f Der Begriffsrelativismus hat es da schwerer, weil das gemeinsame Koordinatensystem nicht so leicht zu identifizieren ist. >Bezugssystem. I (e) 84 ff Davidson: aus diesem Grund ist die mögliche Differenz zwischen individuellen und sozialen Gedankensystemen begrenzt. Wenn der Begriffsrelativismus so weit geht zu behaupten, die Begriffsschemata und Moralsysteme oder die mit ihnen verbundenen Sprachen könnten grundverschieden sein - so weitgehend, dass sie füreinander unverständlich und inkommensurabel seien - dann lehne ich den Begriffsrelativismus ab. Kulturrelativismus/Davidson: Freilich gibt es von Epoche zu Epoche oder von Kultur zu Kultur oder von Person zu Person Unterschiede, aber dies sind Gegensätze, die wir mit Sympathie und Anstrengung erklären und begreifen können. >Kulturrelativismus, >Kulturelle Unterschiede. I (e) 84 f VsInkommensurabilität/DavidsonVsKuhn: Die weitergehende Annahme (der >Inkommensurabilität) verlangt von uns widersprüchlicherweise, wir sollten uns auf einen Standpunkt stellen, der außerhalb unserer Denkweisen liegt. I (e) 84f Relativismus/Davidson: Dass jeder seinen Standpunkt in der Welt hat, ist ein harmloser Relativismus, da er sich auf ein Koordinatensystem, eben die eine Natur bezieht - der >Begriffsrelativismus hat es da schwerer, weil das gemeinsame Koordinatensystem nicht so leicht zu identifizieren ist. |
Davidson I D. Davidson Der Mythos des Subjektiven Stuttgart 1993 Davidson I (a) Donald Davidson "Tho Conditions of Thoughts", in: Le Cahier du Collège de Philosophie, Paris 1989, pp. 163-171 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson I (b) Donald Davidson "What is Present to the Mind?" in: J. Brandl/W. Gombocz (eds) The MInd of Donald Davidson, Amsterdam 1989, pp. 3-18 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson I (c) Donald Davidson "Meaning, Truth and Evidence", in: R. Barrett/R. Gibson (eds.) Perspectives on Quine, Cambridge/MA 1990, pp. 68-79 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson I (d) Donald Davidson "Epistemology Externalized", Ms 1989 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson I (e) Donald Davidson "The Myth of the Subjective", in: M. Benedikt/R. Burger (eds.) Bewußtsein, Sprache und die Kunst, Wien 1988, pp. 45-54 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson II Donald Davidson "Reply to Foster" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Davidson III D. Davidson Handlung und Ereignis Frankfurt 1990 Davidson IV D. Davidson Wahrheit und Interpretation Frankfurt 1990 Davidson V Donald Davidson "Rational Animals", in: D. Davidson, Subjective, Intersubjective, Objective, Oxford 2001, pp. 95-105 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 |
| Relativismus | Feyerabend | II 24 Relativismus/Feyerabend: Eine freie Gesellschaft ist eine relativistische Gesellschaft. II 118 Relativismus/Feyerabend: Der Relativismus betrifft Traditionen, nicht Meinungen, Begriffe, Theorien. Letztere sind nur sinnvoll im Rahmen einer Tradition. Relativismus/Feyerabend: Der Relativismus behauptet nicht, dass alle Traditionen gleichen Wert haben, oder dass Traditionen für sich betrachtet weder gut noch schlecht sind. Er behauptet, dass sie solche Eigenschaften nur dann enthalten, wenn man sie vom Standpunkt einer (anderen) Tradition aus untersucht. II 130 Relativismus/Feyerabend: Oft wird angenommen, dass der Relativismus dem Individuum freie Hand lässt. Doppelter Irrtum: nicht vom Individuum ist die Rede, sondern von Traditionen, nicht von Möglichkeiten, sondern von Rechten. >Kulturrelativismus, >Inkommensurabilität, vgl. >Westlicher Rationalismus. |
Feyerabend I Paul Feyerabend Wider den Methodenzwang Frankfurt 1997 Feyerabend II P. Feyerabend Erkenntnis für freie Menschen Frankfurt 1979 |
| Relativismus | Quine | II 44 Theorie/Relativierung/Umformulierung/Quine: Umformulierung: Bsp Elektron und Molekül in einer Beschreibung vertauschen. - Irgendein empirischer Satz (mit theoretischen Termini) wird aber entgegengesetzt bewertet. - Theoretische Termini markieren und den beiden Theorien zuordnen: dann kein Problem, kein Relativismus. V 89 Relative Identität/Geach: (Geach, Reference and generality, S. 39f)(1): Identität ist nur bezüglich eines allgemeinen Terms sinnvoll wie Bsp “derselbe Hund”. QuineVsGeach: das trifft sicher auf den Anfang des Sprachlernens zu. Identität/Zeigen/Quine: Problem: es hat keinen Zweck, zweimal zu zeigen und zu sagen, „Dies ist dasselbe wie jenes“. Dann könnte man immer noch fragen. „Dasselbe was?“. Bsp Man hätte einmal auf den Hund und einmal bloß auf das Ohr zeigen können. Lösung: Man kann ohne weiteres sagen a sei identisch mit b. Ob a derselbe Hund oder dasselbe Ohr ist, hängt davon ab, ob a ein Hund oder ein Ohr ist. QuineVsGeach: damit wird sein Relativismus unhaltbar, wenn man sich an die Identitätsredeweise gewöhnt hat. Identität/Quine: ist aber in einem tieferen Sinn immer noch relativ. 1. Geach, Peter T., Reference and Generality, Ithaca: Cornell University Press (1962) II 44 Relativität von Theorien/Quine: Eine Theorieformulierung impliziert ihre kategorischen Beobachtungsätze bloß, ohne von diesen impliziert zu werden. Daher können die von zwei Theorie-Formulierungen implizierten Beobachtungskonditionale allesamt identisch sein, ohne daß die Formulierungen einander implizieren. II 45 Nehmen wir an, in einer Situation keine Möglichkeit zur Harmonisierung durch Uminterpretation der Termini zu haben. Dass sie empirisch äquivalent sind, würden wir wahrscheinlich nicht wissen. Denn dass sie es sind, bekommt man gewöhnlich durch die Entdeckung einer solchen Uminterpretation heraus. Dennoch wollen wir annehmen, dass sie empirisch äquivalent sind. Ferner angenommen: alle kategorischen Beobachtungssätze seien de facto wahr, obwohl auch das nicht bekannt ist. Weitere Bedingungen für die Wahrheit der einen oder der anderen Theorie lassen sich gewiss nicht stellen. Frage: sind sie beide wahr? Quine: Ich sage ja. Aber auch sie können trotz ihrer empirischen Äquivalenz logisch unvereinbar sein, wodurch der Spuk des >Kulturrelativismus heraufbeschworen wird. Denn jede ist offenbar nur von ihrem Standpunkt wahr. QuineVsKulturrelativismus: Der Spuk lässt sich ohne weiteres vertreiben: durch einen Schritt, der ebenso trivial ist wie die Vertauschung von "Elektron" und "Molekül": Da die beiden Theorieformulierungen unvereinbar sind, müssen sie eine bestimmten Satz entgegengesetzt bewerten. Da sie trotzdem empirisch äquivalent sind, muss dieser Satz Termini enthalten, die durch Beobachtungskriterien nicht ausreichend bestimmt sind. Dann können wir ebenso gut einen dieser Termini herausgreifen und ihn so behandeln, als wären es zwei unabhängige Wörter, das eine zur einen Theorie gehörig, das andere zur anderen. II 46 Dies könnten wir durch die Schreibweise kennzeichnen. Durch konsequente Beibehaltung dieser Schreibweise könnten wir jeglichen Konflikt dieser Theorien beilegen. Beide könnten von da an als terminologisch verschiedene wahre Beschreibungen ein und derselben Welt zugelassen werden. Die Drohung des Wahrheitsrelativismus ist abgewendet. XI 121 QuineVsKulturrelativismus/Lauener: in sich widersprüchlich. |
Quine I W.V.O. Quine Wort und Gegenstand Stuttgart 1980 Quine II W.V.O. Quine Theorien und Dinge Frankfurt 1985 Quine III W.V.O. Quine Grundzüge der Logik Frankfurt 1978 Quine V W.V.O. Quine Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989 Quine VI W.V.O. Quine Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995 Quine VII W.V.O. Quine From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953 Quine VII (a) W. V. A. Quine On what there is In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (b) W. V. A. Quine Two dogmas of empiricism In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (c) W. V. A. Quine The problem of meaning in linguistics In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (d) W. V. A. Quine Identity, ostension and hypostasis In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (e) W. V. A. Quine New foundations for mathematical logic In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (f) W. V. A. Quine Logic and the reification of universals In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (g) W. V. A. Quine Notes on the theory of reference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (h) W. V. A. Quine Reference and modality In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (i) W. V. A. Quine Meaning and existential inference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VIII W.V.O. Quine Bezeichnung und Referenz In Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982 Quine IX W.V.O. Quine Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967 Quine X W.V.O. Quine Philosophie der Logik Bamberg 2005 Quine XII W.V.O. Quine Ontologische Relativität Frankfurt 2003 Quine XIII Willard Van Orman Quine Quiddities Cambridge/London 1987 |
| Relativismus | Rorty | I 304 Relativismus: Die Behauptung, Wahrheit und Referenz seien »relativ auf ein Begriffssystem«, klingt so, als sage sie mehr. Aber das ist so lange nicht der Fall, als unser Begriffssystem schlicht für das steht, was wir gegenwärtig glauben. >Konvention, >Sprachgemeinschaft. II (b) 36 RortyVsHabermas: Habermas braucht einen archimedischen Punkt, um Foucault für seinen »Relativismus« zu kritisieren. >HabermasVsFoucault, >Habermas, >Foucault. II (g) 152 Kulturrelativismus: Der Kulturrelativismus ist gar nicht relativistisch, sofern Relativismus auf die Behauptung hinausläuft, jede moralische Anschauung sei genauso gut wie jeder andere. >Kulturrelativismus. Rorty: Unsere moralische Anschauung ist sehr viel besser als jede Konkurrenzanschauung. a) Es ist eine Sache, die falsche Behauptung aufzustellen, zwischen uns und den Nazis gebe es keinen Unterschied. b) Eine ganz andere Sache ist es, die richtige Behauptung zu vertreten, dass es keinen neutralen gemeinsamen Boden gibt, auf den ein Nazi und ich sich zurückziehen können, um zu diskutieren. III 87 Schumpeter: »Die Einsicht, dass die Geltung der eigenen Überzeugungen nur relativ ist, und dennoch unerschrocken für sie einzustehen, unterscheidet den zivilisierten Menschen vom Barbaren.« Isaiah Berlin: Mehr darf man nicht verlangen. >Isaiah Berlin, >Josef A. Schumpeter. IV (a) 11 Relativismus/Kulturrelativismus/RortyVsPutnam: Falsche Lösung: einen transkulturellen Standpunkt einzunehmen. - Das wäre nur ein weiterer Gottesstandpunkt: ideale Wahrheit als Grenzbegriff. >Relativismus/Putnam, >Wahrheit/Putnam. V 20 Kulturen haben keine axiomatischen Strukturen. Dass sie institutionalisierte Normen haben, besagt eigentlich das gleiche wie Foucaults These: dass Erkenntnis und Macht nie voneinander getrennt werden können. Wenn man zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort nicht an bestimmte Dinge glaubt, muss man es wahrscheinlich büßen. >Kultur, >Normen. VI 74 Relativismus/Realismus/PutnamVsRealismus/PutnamVsRelativismus/Rorty: Realismus und Relativismus gehen beide davon aus, man könnte gleichzeitig innerhalb und außerhalb der Sprache stehen. VI 77f Faschismus/Relativismus/Wahrheit/Sartre/Rorty: Bsp Morgen nach meinem Tode können Menschen beschließen, den Faschismus einzuführen - dann wird der Faschismus die menschliche Wahrheit sein. RortyVsSartre: nicht die Wahrheit; die Wahrheit wäre in Vergessenheit geraten. Putnam: Wahrheit ist die dritte Instanz zwischen den Lagern. RortyVsPutnam: Es geht Richtigkeit statt Wahrheit - und zwar nach unseren Normen. - Nach welchen denn sonst, denen der Faschisten? >Normen/Rorty, >Richtigkeit. VI 79 Begründung der Normen/Rorty: Ihre Begründung erwächst aus unserer Selbstverbesserung. VI 246 Kulturrelativismus/Rorty: Ich bin schon der Meinung, dass unsere westliche Kultur über anderen steht. Diese Art von Relativismus ist aber kein Irrationalismus. Man braucht kein Irrationalist zu sein, wenn man darauf verzichtet, das eigene Netz von Überzeugungen so kohärent und durchsichtig wie möglich zu gestalten. >Kulturrelativismus, vgl. >Westlicher Rationalismus. |
Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 |
| Religion | Rousseau | Höffe I 378 Religion/Rousseau/Höffe: {Rousseau vertritte eine] funktionale Staatsreligion, «Bürgerreligion» (religion civile) genannt. Wie bei Spinoza konzentriert sie sich auf den moralischen Kern der natürlichen Religion, erkennt aber im Unterschied zu Spinoza die Offenbarung nicht als einen auch-legitimen Zugang an. RousseauVsSpinoza, RousseauVsOffenbarungsglauben. Glauben: Den Kern der Bürgerreligion bildet ein (staats-)bürgerliches Glaubensbekenntnis, mit dem Rousseau die beiden Extreme ablehnt, einen Atheismus und einen christlich-kirchlichen Dogmatismus. Staatsreligion/Rousseau pro Hobbes: Das Bekenntnis wird wie bei Hobbes, den Rousseau dafür lobt, dass er weltliche und geistliche Macht vereint, vom Souverän festgesetzt und besteht in einer «Gesinnung des Miteinander, ohne die es unmöglich ist, ein guter Bürger und ein Höffe I 279 treuer Untertan zu sein»(1). Der Souverän kann zwar niemanden auf diesen Glauben verpflichten. Verbannung: Wer ihn ablehnt, darf aber verbannt werden, denn in Übereinstimmung mit seinem Verständnis des Gemeinwillens erklärt Rousseau, wer das Staatsgebiet bewohne, unterwerfe sich der dort herrschenden Souveränität. Verbannt wird man nicht etwa, weil man gottlos ist, sondern weil man «sich dem Miteinander widersetzt»(2). >Todesstrafe/Rousseau. Dogmen: Für die Dogmen der bürgerlichen Religion verlangt Rousseau Einfachheit, geringe Zahl und klare Formulierungen. HöffeVsRousseau: Obwohl er diese Bedingungen ohne Zweifel erfüllt, ist sein Glaubensbekenntnis doch sehr anspruchsvoll, für rein säkulare Bürger schwerlich zu akzeptieren. Glauben/Gemeinschaft/Dogmen/Rousseau: Man muss nämlich die Existenz einer Gottheit anerkennen, ihr zudem Allmacht, Allwissenheit und Wohltätigkeit zusprechen. Man muss an das zukünftige Leben glauben, in dem die Gerechten glücklich sind, die Bösen hingegen bestraft werden. Man muss den Gesellschaftsvertrag und die aus ihm fließenden Gesetze für heilig halten. Negatives Dogma: Verbot der Intoleranz. HöffevsRousseau: Weil von diesem aber die positiven Dogmen ausgenommen sein dürften, hält die Toleranz sich in Grenzen. Bürgerreligion/Rousseau/Höffe: [sie soll] a) (...) jeden theologischen Alleinvertretungsanspruch ausschließen, da dieser ein zu hohes Konfliktpotenzial birgt. Nun ergibt sich der Exklusivanspruch aus einer - angeblich - göttlichen Offenbarung und deren autoritativer Interpretation seitens einer Religionsgemeinschaft. Folglich muss die Bürgerreligion auf jede Offenbarung verzichten. (RousseauVsOffenbarungsreligion). b)Ihre positive Aufgabe besteht in der Stiftung politischer Einheit. Die Bürgerreligion soll den inneren Zusammenhang eines Gemeinwesens schaffen, ihn zumindest stärken und auf diese Weise erhalten. VsRousseau: Die mit der Bürgerreligion verbundene Kritik Höffe I 280 der christlichen Kirche hat zu Verurteilungen Rousseaus und seiner Vertreibung geführt. HöffeVsRousseau: Auch in systematischer Hinsicht drängen sich Bedenken auf. Denn die Bürgerreligion toleriert weder Atheisten, denen schon Locke die Fähigkeit absprach, gute Staatsbürger zu sein, noch den in der Aufklärungszeit verbreiteten, etwa von Voltaire vertretenen Deismus, demzufolge es zwar eine Gottheit gibt, die aber keine Person ist und in den Lauf der Natur nicht eingreift. Neutralität/RousseauVsSpinoza: Spinozas Standpunkt eines religionsneutralen Staates zieht Rousseau vielleicht deshalb nicht in Erwägung, weil er dessen Fähigkeit zu einer stabilen inneren Einheit bezweifelt. >Religion/Spinoza, >Staat/Spinoza, >Verfassung/Spinoza. 1. Rousseau, Vom Gesellschaftsvertrag oder Grundsätze des Staatsrechts (Du contrat social ou Principes du droit politique, 1762, IV, 8 2. Ebenda. |
Rousseau I J. J. Rousseau The Confessions 1953 |
| Ricardo, David | Rothbard | Rothbard II 78 Ricardo/Rothbard: Wie viel vom Ricardianismus ist wirklich eine Schöpfung von [James] Mill? Offensichtlich eine ganze Menge. Eines ist sicher: Mill war es, der von J.B. Say das große Saysche Gesetz übernahm und Ricardo zu diesem Standpunkt bekehrte. Mill hatte Say's Gesetz in seinem wichtigen frühen Buch Commerce Defended (1808)(1) entwickelt, das er kurz vor seiner Begegnung mit Ricardo geschrieben hatte. Ricardo hielt sich treu an das Say'sche Gesetz und lehnte während seiner Zeit im Parlament die Ausgaben für öffentliche Bauvorhaben in dem depressiven Jahr 1819 konsequent ab. Und (...) Mill und Ricardo schafften es gemeinsam, die Veröffentlichung von Benthams „präkeynesianischem“ True Alarm im Jahr 1811 zu verhindern(2). >James Mill. Rothbard II 79 Probleme: Die ricardianische Methodik führt zahlreiche falsche Annahmen ein, die sich zu den ursprünglichen Axiomen addieren und multiplizieren, so dass die aus diesen Annahmen gezogenen Schlussfolgerungen - ob verbal im Fall von Ricardo oder mathematisch im Fall der modernen Walrasianer oder eine Mischung aus beidem wie bei den Keynesianern - alle notwendigerweise falsch, nutzlos und irreführend sind. So führt James Mill in seinem Aufsatz über eine Getreideprämie den typisch „ricardianischen“ Fehler ein, alle landwirtschaftlichen Güter zu einem einzigen zu verschmelzen, nämlich „Mais“ (Weizen), und zu behaupten, Mais sei das grundlegende Gut. Probleme: (...) in einer typisch ricardianischen Verwechslung des nicht existierenden langfristigen Gleichgewichts mit der konstanten, alltäglichen Realität, dass die Lohnsätze immer durch den Preis von Mais (ein Surrogat für Nahrungsmittel oder Subsistenz im Allgemeinen) festgelegt werden (...) [James] Mill stellt die Behauptung auf, dass die Lohnsätze immer direkt durch den Preis von Mais festgelegt werden, da dies „so offensichtlich notwendig ist,(...)“. Rothbard II 81 Wie Schumpeter betont, können Ricardos Prinzipien nur als ein Dialog mit und als Reaktion auf [Adam Smiths] Der Wohlstand der Nationen verstanden werden. >Ricardianische Ökonomie/Schumpeter. Ricardos logische Veranlagung war beleidigt über die grundlegende Verwirrung des Geistes, das Chaos, das auch J.B. Say im Smithschen Kanon sah, und er machte sich, wie Say vor ihm, auf den Weg, um Rothbard II 82 das Smithsche System zu klären. Leider vereinfachte Ricardo, ganz im Gegensatz zu Say, indem er die schlimmsten Fehler von Smith aufgriff, alle Qualifikationen und Widersprüche herausnahm und auf dem, was übrig blieb, sein System aufbaute. Das Schlimmste von Smith wurde vergrößert und verschärft. In seiner grundlegenden Methode wurden alle historischen und empirischen Punkte von Smith weggeworfen. Das war an sich nicht schlecht, aber es hinterließ ein deduktives System, das auf tiefen Irrtümern und falschen Makromodellen aufbaute. Hinzu kommt, dass Ricardos theoretisches System im Vergleich zu Smith zwar brutal vereinfacht sein mag, sein Schreibstil jedoch ungemein mürrisch und stumpfsinnig ist. Die Methodik der Verbalmathematik ist fast zwangsläufig schwierig und undurchsichtig, da die mathematischen Gleichgewichtsbeziehungen auf äußerst umständliche Weise in Wortblöcken dargelegt werden. 1. Mill, James (1808). Commerce Defended. 2. Bentham, J. 1801. The True Alarm. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Roboter | Searle | I 83 Roboter/Zombie/Geist/Gehirn/Searle: Bsp Man stelle sich vor, dass das eigene Gehirn sich in einer Weise zu verändern beginnt, die zu einer allmählichen Verbindung führt. Man pflanzt dann Siliziumchips ein. Am Ende ist das ganze eigene Hirn durch solche Chips ersetzt. Eine logische Möglichkeit, die sich mit apriorischen Gründen allein nicht ausschließen lässt, ist, dass man auch weiterhin alle die Arten von Gedanken, Erlebnissen, Erinnerungen usw. hat. (SearleVs). Vgl. >Computermodell, >Zombies. I 84 Variante: Sie bemerken im Verlauf, dass der Bereich ihres bewussten Erlebens immer kleiner wird, dass dies aber keinen Einfluss auf ihr Äußeres Verhalten hat. (Dies ist auch nicht apriorisch auszuschließen.) Sie möchten schreien: "Ich kann überhaupt nichts sehen; ich bin total blind." Aber sie hören ihre Stimme sagen, ich sehe vor mir einen roten Gegenstand. Bei diesen Gedankenexperimenten ist es wichtig, dass man sie sich immer vom Standpunkt der ersten Person durchdenkt. Man verliert das Bewusstsein, aber erhält dasselbe Verhalten bei. I 84/85 3. Variation: Die Chips verursachen zwar keine Veränderung in ihrem geistigen Leben, sie werden aber zunehmend unfähiger, ihre Gedanken, Gefühle und Absichten in Handlungen umzusetzen. Der Witz dieser drei Variationen ist es, die kausalen Beziehungen zu veranschaulichen. Im ersten Fall haben die Siliziumchips kausale Kräfte die denen des Gehirns gleichwertig sind. Im zweiten Fall war die Vermittlung zwischen den Geist- und den Verhaltensmustern unterbrochen, die Chips sind keine Duplikate der kausalen Kräfte des Gehirns, sondern nur Duplikate gewisser Input- Output-Funktionen des Gehirns. I 86 Im dritten Fall hätte die betreffende Person zwar dasselbe geistige Leben, die geistigen Phänomene aber keinen Ausdruck im Verhalten mehr. Welche philosophische Bedeutung haben diese drei Gedankenexperimente? Was genau ist die Wichtigkeit des Verhaltens für den Begriff des Geistes? Ontologisch gesehen sind Verhalten, funktionale Rolle und kausale Beziehungen irrelevant für die Existenz bewusster geistiger Phänomene. Erkenntnistheoretisch gesehen erfahren wir tatsächlich zum Teil aus dem Verhalten der Menschen etwas über ihre Geisteszustände. Was die Kausalität angeht, so dient das Bewusstsein zur Vermittlung der kausalen Beziehungen zwischen Reizen und Verhalten. Aber ontologisch gesehen, können die infrage stehenden Phänomene mit samt all ihrer wesentlichen Eigenschaften in vollständiger Unabhängigkeit von jedweden Verhalten auf der Outputseite existieren. Die meisten Philosophen, die ich kritisiert habe, würden die beiden folgenden Aussagen akzeptieren: 1. Das Hirn verursacht bewusste geistige Phänomene. 2. Es gibt irgendeine Art logischer oder begrifflicher Verknüpfung zwischen bewussten Geistesphänomenen und äußerem Verhalten. (SearleVs). Wir haben jedoch gezeigt, dass diese beiden sich nicht mit der folgenden Aussagen vertragen: I 87 3. Das Vermögen des Gehirns, Bewusstsein zu verursachen, ist begrifflich unterschieden von seinem Vermögen, motorisches Verhalten zu erzeugen. Ein System könnte Bewusstsein ohne Verhalten und Verhalten ohne Bewusstsein haben. Das können wir "das Prinzip der Unabhängigkeit von Bewusstsein und Verhalten" nennen. Mithin ist Verhalten auch keine notwendige Bedingung für das Vorhandensein des Geistigen! Die Ontologie des Geistigen ist wesentlich eine Ontologie der 1. Person. Das ist bloß eine geschwollene Formulierung dafür, dass jeder Geisteszustand jemandes Geisteszustand sein muss. I 88 Roboter-Bsp: Es gibt einen Keil zwischen Geistzuständen und Verhalten. >Bewusstsein, >Künstliches Bewusstsein, vgl. >Künstliche Intelligenz, >Roboter. |
Searle I John R. Searle Die Wiederentdeckung des Geistes Frankfurt 1996 Searle II John R. Searle Intentionalität Frankfurt 1991 Searle III John R. Searle Die Konstruktion der gesellschaftlichen Wirklichkeit Hamburg 1997 Searle IV John R. Searle Ausdruck und Bedeutung Frankfurt 1982 Searle V John R. Searle Sprechakte Frankfurt 1983 Searle VII John R. Searle Behauptungen und Abweichungen In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Searle VIII John R. Searle Chomskys Revolution in der Linguistik In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Searle IX John R. Searle "Animal Minds", in: Midwest Studies in Philosophy 19 (1994) pp. 206-219 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 |
| Rollen | MacIntyre | Brocker I 655 Rolle/Moderne/Moral/Gesellschaft/Kultur/Emotivismus/MacIntyre: MacIntyre These: der Verlust moralischer Kriterien in der Moderne, verursacht durch den herrschenden moralischen Emotivismus (siehe Emotivismus/MacIntyre) führt dazu, dass moralische Akteure einem Rollenspiel gehorchen.(1) Die These vom Rollenspiel entlehnt MacIntyre Erving Goffman: Rolle/Goffman: These: In unsere privaten Leben wie im Berufsleben spielen wir – ob wir wollen oder nicht – Rollen, die von anderen beurteilt werden. Letztlich beurteilen wir uns selbst danach, wie gut wir diese Rollen spielen. >Rollen/Goffman. Brocker I 656 Moral/MacIntyre: Die Beliebigkeit moralischer Standpunkte ermöglicht es, „dass die Form moralischer Äußerungen fast für jedes Gesicht eine mögliche Maske liefert.”(2) >Pluralismus/MacIntyre. 1. Alasdair MacIntyre, After Virtue. A Study in Moral Theory, Notre Dame, Ind. 1981. Dt: Alasdair MacIntyre, Der Verlust der Tugend. Zur moralischen Krise der Gegenwart. Erweiterte Neuausgabe, Frankfurt/M. 2006 (zuerst 1987). S. 107. 2. Ebenda S. 151. Jürgen Goldstein, „Alasdair MacIntyre, Der Verlust der Tugend“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018 |
Brocker I Manfred Brocker Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018 |
| Rollen | Rawls | I 96 Rollen/soziale Positionen/Gesellschaft/Rawls: die Rollen in einer zu errichtenden Gemeinschaft werden notwendigerweise ungleiche Gestaltungsmöglichkeiten mit sich bringen. Wir benutzen unsere zwei Prinzipien, um Ungerechtigkeiten vorzubeugen: I 61 1. Jeder muss Recht auf grundlegende Freiheit haben 2. Ungleichheiten sind so zu handhaben, dass sie zu jedermanns Vorteil sind, unterschiedliche Positionen müssen prinzipiell von jedermann inne gehabt werden können. >Gerechtigkeit, >Gerechtigkeit/Rawls, >Ungerechtigkeit. I 96 Positionen/Gesellschaft/Rawls: In den meisten Fällen ist die Position einer Person in der Gesellschaft festgelegt durch: 1. Gleiche Bürgerrechte, 2. Die Position, die durch Einkommen und Wohlstand definiert ist. Repräsentative Mitglieder sind dann solche, die für verschiedene Stufen des Wohlstands stehen. I 97 Rollen: Das Differenzprinzip hilft uns, repräsentative Rollen für Einkommensklassen aufzustellen. >Differenzprinzip. Problem: Die am wenigsten privilegierten Gruppen. Hier müssen wir willkürlich vorgehen, z.B. ungelernte Arbeiter annehmen. Oder Personen, die weniger als die Hälfte des Medianeinkommens zur Verfügung haben(1). I 99 In Konfliktfällen gilt, dass die Interessen eines allgemeineren Standpunkts die Interessen einer individuelleren Position überwiegen. Das gilt z.B. auch, wenn Vor-und Nachteile des Freihandels gegenüber Protektionismus abgewogen werden. >Interesse, >Konflikte. I 100 Die relevanten sozialen Positionen spezifizieren dann den allgemeinen Standpunkt, von dem aus die zwei Prinzipien der Gerechtigkeit auf die Grundstruktur ((s) den Anfangszustand einer zu errichtenden Gesellschaft, in dem nach Rawls die Rollen noch nicht verteilt sind) beurteilt wird. Durch die Prinzipien wird sichergestellt, dass niemand von natürlichen Zufälligkeiten profitiert, es sei denn zum Vorteil von anderen. >Gesellschaft/Rawls, >Schleier des Nichtwissens. 1. Siehe M.J. Bowman über das Fuchs Criterion in „Poverty in an Affluent Socienty“, in: Contemporary Economic Issues, Hrsg. N. W. Chamberlain, Homewood, Illinois, 1969. |
Rawl I J. Rawls A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005 |
| Schema/Inhalt | Putnam | Rorty VI 63 ff Standpunkt/PutnamVsDavidson/Rorty: Wir müssen immer ein bestimmtes Begriffssystem verwenden (wir können gar nicht anders), aber wir dürfen nicht gleichzeitig behaupten, dies sei eigentlich nicht die Weise, in der die Dinge sich an sich verhalten. >Begriffsschema. |
Putnam I Hilary Putnam Von einem Realistischen Standpunkt In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Frankfurt 1993 Putnam I (a) Hilary Putnam Explanation and Reference, In: Glenn Pearce & Patrick Maynard (eds.), Conceptual Change. D. Reidel. pp. 196--214 (1973) In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (b) Hilary Putnam Language and Reality, in: Mind, Language and Reality: Philosophical Papers, Volume 2. Cambridge University Press. pp. 272-90 (1995 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (c) Hilary Putnam What is Realism? in: Proceedings of the Aristotelian Society 76 (1975):pp. 177 - 194. In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (d) Hilary Putnam Models and Reality, Journal of Symbolic Logic 45 (3), 1980:pp. 464-482. In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (e) Hilary Putnam Reference and Truth In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (f) Hilary Putnam How to Be an Internal Realist and a Transcendental Idealist (at the Same Time) in: R. Haller/W. Grassl (eds): Sprache, Logik und Philosophie, Akten des 4. Internationalen Wittgenstein-Symposiums, 1979 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (g) Hilary Putnam Why there isn’t a ready-made world, Synthese 51 (2):205--228 (1982) In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (h) Hilary Putnam Pourqui les Philosophes? in: A: Jacob (ed.) L’Encyclopédie PHilosophieque Universelle, Paris 1986 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (i) Hilary Putnam Realism with a Human Face, Cambridge/MA 1990 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (k) Hilary Putnam "Irrealism and Deconstruction", 6. Giford Lecture, St. Andrews 1990, in: H. Putnam, Renewing Philosophy (The Gifford Lectures), Cambridge/MA 1992, pp. 108-133 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam II Hilary Putnam Repräsentation und Realität Frankfurt 1999 Putnam III Hilary Putnam Für eine Erneuerung der Philosophie Stuttgart 1997 Putnam IV Hilary Putnam "Minds and Machines", in: Sidney Hook (ed.) Dimensions of Mind, New York 1960, pp. 138-164 In Künstliche Intelligenz, Walther Ch. Zimmerli/Stefan Wolf Stuttgart 1994 Putnam V Hilary Putnam Vernunft, Wahrheit und Geschichte Frankfurt 1990 Putnam VI Hilary Putnam "Realism and Reason", Proceedings of the American Philosophical Association (1976) pp. 483-98 In Truth and Meaning, Paul Horwich Aldershot 1994 Putnam VII Hilary Putnam "A Defense of Internal Realism" in: James Conant (ed.)Realism with a Human Face, Cambridge/MA 1990 pp. 30-43 In Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994 SocPut I Robert D. Putnam Bowling Alone: The Collapse and Revival of American Community New York 2000 Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 |
| Schleier des Nichtwissens | Rawls | I 136 Schleier des Nichtwissens/Gesellschaft/Rawls: Hier geht es darum, kontingente Besonderheiten bei der Errichtung einer neuen Gesellschaftsform auszuschließen. Dazu sollen die Parteien im >Anfangszustand einer zu errichtenden Gesellschaft hinter einem Schleier des Nichtwissens verharren in Bezug auf Alternativen, die ihren eigenen individuellen Fall betreffen. I 137 Das soll bewirken, dass die fraglichen Prinzipien aus allgemeinen Erwägungen heraus gewählt werden. Bestimmte Tatsachen sollen unbekannt sein: Niemand kennt seinen Platz in der Gesellschaft, seine Klassenzugehörigkeit oder seinen sozialen Status oder seine Ausstattung mit Güter, Intelligenz, Stärke usw. Selbst seine individuelle Psychologie wie die Neigung zu Optimismus oder Pessimismus, Risikofreude oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten Generation. Bekannt sein sollen dagegen allgemeine Tatsachen über die menschliche Gesellschaft: die Menschen verstehen politische Probleme und wirtschaftliche Theorie, soziale Organisation und Gesetzmäßigkeiten der menschlichen Psyche. I 138 Es soll keine Beschränkungen allgemeiner Information geben, d.h. über allgemeine Gesetze und Theorien. ((s) Rawls nimmt hier an, das es psychologische Gesetze, insbesondere Gesetze der Moralpsychologie gibt. (DavidsonVsRawls: VsPsychologische Gesetze: siehe Anomaler Monismus/Davidson). Anfangszustand/Probleme/Rawls: Es muss geklärt sein, dass Vorschläge zum Bereich zulässiger Alternativen gehören und allgemeine Konsequenzen vorgeschlagener Prinzipien müssen bekannt sein. >Prinzipien/Rawls. I 139 Der Anfangszustand ist keine Generalversammlung, das würde die Fantasie zu sehr strapazieren. Dagegen ist wichtig, dass es keine Rolle spielen darf, wer die Perspektive des Anfangszustands annimmt oder wann er es tut. Das ist es, was der Schleier des Nichtwissens gewährleisten soll: die verfügbare Information soll relevant aber zu allen Zeiten dieselbe sein. VsRawls: Man kann einwenden, dass der Schleier irrational sei. >Rationalität, >Irrationalität. RawlsVsVs: Es geht darum, dass sichergestellt wird, dass jedermann durch dieselben Argumente überzeugt werden kann. Dann können Standpunkte von Personen zufällig herausgegriffen werden, die anderen Personen werden sich ebenso verhalten. >Argumentation, >Diskurs, >Diskurstheorie, >Perspektive, >Interessen. Man kann zusätzlich einen Schiedsrichter annehmen, der ein Koalitionsverbot ausspricht, das ist aber letztlich überflüssig wenn man annimmt, dass die Beratungen der Parteien gleich verlaufen. Da niemand weitergehende Informationen hat, kann er die Situation nicht auf seinen persönlichen Vorteil hin ausrichten. I 140 Einzige Ausnahme: Ein Egoist könnte grundsätzlich verweigern, seine Ersparnisse der Nachwelt zur Verfügung zu stellen. Das könnte er beschließen, ohne weitere Informationen zu haben. Die Frage der Generationengerechtigkeit muss daher anderweitig in Angriff genommen werden. >Generationengerechtigkeit. I 141 Einhelligkeit/Übereinstimmung/Einstimmigkeit: Im Anfangszustand geht es nicht um Übereinstimmung über konkrete zufällige Tatsachen (die sowieso nicht bekannt sind). Ansonsten könnten nur ganz triviale Probleme gelöst werden. >Verständigung. I 142 Durch den Schleier des Nichtwissens werden die beiden Prinzipien der Gerechtigkeit dem Kriterium der Nützlichkeit vorgezogen. >Prinzipien/Rawls. I 143 Rationalität/Anfangszustand: Auch im Anfangszustand, wo die Individuen nur ganz allgemeine Informationen haben, nehmen wir an, dass sie in Bezug auf primäre öffentliche Güter (Bsp Freiheiten, Infrastruktur usw.) bestrebt sind, eher mehr davon zu haben als weniger. >Öffentliche Güter, >Infrastruktur, >Freiheit. I 166 Schleier des Nichtwissens/Rawls: Es gibt kein Problem mit der Annahme, dass Neuankömmlinge zu der Anfangssituation hinzustoßend, die natürlich weniger Information haben. Der Schleier des Nichtwissens tilgt jede Basis für die Unterscheidung verschiedener Informationsstände. |
Rawl I J. Rawls A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005 |
| Schönheit | Gadamer | I 481 Schönheit/Gadamer: Philosophie: Der Begriff des Schönen, der im 18. Jahrhundert mit dem des Erhabenen die zentrale Stellung innerhalb der ästhetischen Problematik zu teilen hatte und der im Laufe des 19. Jahrhunderts durch die ästhetische Kritik am Klassizismus vollends eliminiert werden sollte, war bekanntlich ehedem ein universaler metaphysischer Begriff und hatte innerhalb der Metaphysik, d. h. der allgemeinen Lehre vom Sein, eine Funktion, die keineswegs auf das Ästhetische im engeren Sinne beschränkt war. >Metaphysik, >Ästhetik, >Sein. Hermeneutik/Gadamer: Es wird sich zeigen, dass dieser alte Begriff des Schönen auch einer umfassenden Hermeneutik zu dienen vermag, wie sie uns aus der Kritik an dem Methodologismus der Geisteswissenschaften erwachsen ist. >Hermeneutik. Etymologie: Das griechische Wort für das deutsche „schön« heißt kalon. Zwar gibt es dazu keine völligen Entsprechungen im Deutschen, auch nicht, wenn wir das Vermittelnde pulchrum heranzögen. Aber das griechische Denken hat eine gewisse Determination auf die Bedeutungsgeschichte des deutschen Wortes ausgeübt, so dass wesentliche Bedeutungsmomente beiden Worten gemeinsam sind. Mit dem Zusatz „schön“ unterscheiden wir von dem, was wir Technik nennen, d. h. von „mechanischen“ Künsten, die Nützliches herstellen. Ähnlich ist es mit Wortverbindungen wie: schöne Sittlichkeit, schöne Literatur, schöngeistig usw. In all diesen Verwendungen steht das Wort in einem ähnlichen Gegensatz wie das griechische kalon zum Begriff des chresimon. Alles, was nicht zum Notwendigen des Lebens gehört, sondern das Wie des Lebens, das eu zen betrifft, also all das, was die Griechen unter Paideia verstanden, heißt kalon. Die schönen Dinge sind solche, deren Wert für sich selbst einleuchtet. Man kann nicht nach dem Zweck fragen, dem sie dienen. I 483 Natur/Schönheit/Gadamer: Wie man sieht, ist eine solche Bestimmung des Schönen eine universale ontologische. Natur und Kunst bilden hier keinerlei Gegensatz, Das heißt natürlich, dass gerade auch im Hinblick auf Schönheit der Vorrang der Natur unbestritten ist. Die Kunst mag innerhalb des Gestaltganzen der Naturordnung ausgesparte Möglichkeiten künstlerischer Gestaltung wahrnehmen und auf diese Weise die schöne Natur der Seinsordnung perfektionieren. Aber das bedeutet keineswegs, dass in erster Linie in der Kunst „Schönheit“ anzutreffen ist. Solange die Ordnung des Seienden als selber göttlich oder als Gottes Schöpfung verstanden wird - und das letztere gilt bis ins 18. Jahrhundert hinein - kann auch der Ausnahmefall der Kunst nur im Horizont dieser Seinsordnung verstanden werden. (...) erst mit dem 19, Jahrhundert [legt sich] die ästhetische Problematik (...) auf den Standpunkt der Kunst um (...). (...) dem [liegt] ein metaphysischer Vorgang zugrunde (...). Eine solche Umlegung auf den Standpunkt der Kunst setzt ontologisch eine gestaltlos gedachte bzw. eine von mechanischen Gesetzen regierte Seinsmasse voraus. Der menschliche Kunstgeist, der aus mechanischer Konstruktion Nützliches bildet, wird auch alles Schöne schließlich von dem Werk seines eigenen Geistes her verstehen. I 484 Ordnung/Maß/Rationalität/Ästhetik/KantVsSubjektivismus: So unbefriedigend uns die durch Kant angebahnte Entwicklung zum Subjektivismus in der neueren Ästhetik erschien, Kant hat die Unhaltbarkeit des ästhetischen Rationalismus überzeugend erwiesen. >Ästhetik/Kant. GadamerVsKant: Nur ist es eben nicht richtig, die Metaphysik des Schönen allein auf die Maßontologie und die teleologische Seinsordnung zu gründen, auf die sich der klassizistische Schein der rationalistischen Regelästhetik letztlich beruft. Die Metaphysik des Schönen fällt in Wahrheit mit solcher Anwendung des ästhetischen Rationalismus nicht zusammen. Der Rückgang auf Plato lässt vielmehr noch eine ganz andere Seite am Phänomen des Schönen kenntlich werden, und diese ist es, die uns für unsere hermeneutische Fragestellung interessiert. >Schönheit/Platon. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Schönheit | Kant | Gadamer I 50 Schönheit/Kant/Gadamer: die Lehre Kants von der freien und anhängenden Schönheit(1) [ist] merkwürdig und vielumstritten. Kant diskutiert hier den Unterschied des „reinen“ und des „intellektuierten“ Geschmacksurteils, der dem Gegensatz der "freien" und der (einem Begriffe) „anhängenden“ Schönheit entspricht. Reine Schönheit des reinen Geschmacksurteils/Kant: Bsp die freie Naturschönheit und - im Bereich der Kunst - das Ornament. „Anhängende“ (begrifflich bestimmte) Schönheit/Kant: Bsp Mensch, Tier, Gebäude. Gadamer I 51 Gadamer: (...) so ist damit indirekt umschrieben, was alles ein „Objekt unter einem bestimmten Begriffe« vorstellt und deshalb zur bedingten, unfreien Schönheit zu zählen ist: das ganze Reich der Poesie, der bildenden Kunst und der Baukunst, ebenso wie alle Naturdinge, die wir nicht derart auf ihre Schönheit allein hin ansehen wie die Zierblume. >Kunstwerk/Kant, >Naturschönes/Hegel. Gadamer I 52 Begriffliche Schönheit/Kant/Gadamer: (...) gewiss ist nicht dort von Schönheit die Rede, wo ein bestimmter Begriff des Verstandes durch die Einbildungskraft schematisch versinnlicht wird, sondern nur da, wo die Einbildungskraft mit dem Verstande in freier Übereinstimmung ist, d. h. wo sie produktiv sein kann. Aber dies produktive Bilden der Einbildungskraft ist am reichsten nicht dort, wo sie schlechthin frei ist, (...) sondern dort, wo sie in einem Spielraum lebt, den das Einheitsstreben des Verstandes ihr nicht so sehr als Schranke aufrichtet, wie zur Anregung ihres Spieles vorzeichnet. Ideal der Schönheit/Kant: Ein Ideal der Schönheit gibt es (...) nur von der menschlichen Gestalt: in dem ‚Ausdruck des Sittlichen‘ „ohne welches der Gegenstand nicht allgemein gefallen würde«. Beurteilung nach einem Ideale der Schönheit ist dann freilich, wie Kant sagt, kein bloßes Urteil des Geschmacks. Gadamer I 53 Nur von der menschlichen Gestalt, gerade weil sie allein einer durch einen Zweckbegriff fixierten Schönheit fähig ist, gibt es ein Ideal der Schönheit! Diese von Winckelmann und Lessing(2) aufgestellte Lehre gewinnt in Kants Grundlegung der Ästhetik eine Art Schlüsselstellung. Denn gerade an dieser These zeigt sich, wie wenig eine formale Geschmacksästhetik (Arabeskenästhetik) dem kantischen Gedanken entspricht. Normalidee/Kant: Die Lehre vom Ideal der Schönheit gründet sich auf die Unterscheidung von Normalidee und Vernunftidee Oder Ideal der Schönheit. Die ästhetische Normalidee findet sich bei allen Gattungen der Natur. Wie ein schönes Tier (...) auszusehen hat, das ist ein Richtmaß der Beurteilung des einzelnen Exemplars. Diese Normalidee ist also eine einzelne Anschauung der Einbildungskraft als das »zwischen allen einzelnen Individuen schwebende Bild der Gattung«. Aber die Darstellung solcher Normalidee gefällt nicht durch Schönheit, sondern bloß, »weil sie keiner Bedingung, unter welcher allein ein Ding dieser Gattung schön sein kann, widerspricht«. Sie ist nicht das Urbild der Schönheit, sondern bloß der Richtigkeit. Menschliche Gestalt: Das gilt auch von der Normalidee der menschlichen Gestalt. Aber an der menschlichen Gestalt gibt es ein wirkliches Ideal der Schönheit in dem „Ausdruck des Sittlichen“. (...) man nehme das zusammen mit der späteren Lehre von den ästhetischen Ideen und der Schönheit als Symbol der Sittlichkeit. Dann erkennt man, daß mit der Lehre vom Ideal der Schönheit auch der Ort für das Wesen der Kunst vorbereitet ist. Gadamer I 54 Gadamer: Was Kant sagen will, ist offenbar dies, daß bei der Darstellung der menschlichen Gestalt der dargestellte Gegenstand und das, was als künstlerischer Gehalt in dieser Darstellung zu uns spricht, eines sind. Es kann keinen anderen Gehalt dieser Darstellung geben, als schon in Gestalt und Erscheinung des Dargestellten zum Ausdruck kommt. Gadamer I 55 Ideale/Kant/Gadamer: Gerade mit jener klassizistischen Unterscheidung von Normalidee und Ideal der Schönheit vernichtet Kant die Grundlage, von der aus die Vollkommenheitsästhetik in der vollendeten Sinnfälligkeit jegliches Seienden seine unvergleichbar einzigartige Schönheit findet. Jetzt erst vermag „die Kunst“ zu einer autonomen Erscheinung zu werden. >Kunst/Kant, >Kunst/Hegel. Gadamer I 492 Schönheit/Kant/Gadamer: Kants grundlegende Bestimmung des ästhetischen Wohlgefallens als eines interesselosen Wohlgefallens meint nicht nur das Negative, dass der Gegenstand des Geschmacks weder als nützlich gebraucht, noch als gut begehrt wird, sondern sie meint positiv, dass das „Dasein“ dem ästhetischen Gehalt des Wohlgefallens, dem „reinen Anblick“ nichts hinzufügen kann, weil eben das ästhetische Sein Sichdarstellen ist. Moral: Erst vom moralischen Standpunkt aus gibt es ein Interesse am Dasein des Schönen, z. B. an dem Gesang der Nachtigall, dessen täuschende Nachahmung nach Kant etwas moralisch Beleidigendes ist. Wahrheit/GadamerVsKant: Ob aus dieser Verfassung des ästhetischen Seins wirklich folgt, dass Wahrheit hier nicht gesucht werden dürfe, weil hier nichts erkannt werde, ist freilich die Frage, Wir haben in unseren ästhetischen Analysen die Enge des Erkenntnisbegriffs bezeichnet, der Kants Fragestellung hier bedingt, und hatten von der Frage nach der Wahrheit der Kunst aus den Weg in die Hermeneutik gefunden, in der sich Kunst und Geschichte für uns zusammenschlossen. >Hermeneutik/Gadamer. 1. Kant, Kritik der Urteilskraft, § 16ff. 2. Lessing, Entwürfe zum Laokoon Nr. 20 b; in Lessings Sämtl. Schriften ed. Lachmann, 1886ff., Bd. 14, S. 415. |
I. Kant I Günter Schulte Kant Einführung (Campus) Frankfurt 1994 Externe Quellen. ZEIT-Artikel 11/02 (Ludger Heidbrink über Rawls) Volker Gerhard "Die Frucht der Freiheit" Plädoyer für die Stammzellforschung ZEIT 27.11.03 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Sinneseindrücke | Rorty | McDowell I 181f Sinneseindrücke/Rorty: Im Zusammenhang mit Sinneseindrücken brauchen wir uns weder um Tertia wie Schema, Standpunkt oder sonstiges zu kümmern, noch um die transzendentale Konstitution des Bewusstseins, die Sprache oder die Kultur. Vgl. >Stimuli, vgl. >Empfindungen, >Wahrnehmung. |
Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 McDowell I John McDowell Geist und Welt Frankfurt 2001 McDowell II John McDowell "Truth Conditions, Bivalence and Verificationism" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell |
| Situationen | Gadamer | I 307 Situation/Gadamer: Die Gewinnung des Bewusstseins einer Situation ist (...) in jedem Falle eine Aufgabe von eigener Schwierigkeit. Der Begriff der Situation ist ja dadurch charakterisiert, dass man sich nicht ihr gegenüber befindet und daher kein gegenständliches Wissen von ihr haben kann(1). Man steht in ihr, findet sich immer schon in einer Situation vor, deren Erhellung die nie ganz zu vollendende Aufgabe ist. Hermeneutik: Das gilt auch für die hermeneutische Situation, d. h. die Situation, in der wir uns gegenüber der Überlieferung befinden, die wir zu verstehen haben. Auch die Erhellung dieser Situation, d. h, die wirkungsgeschichtliche Reflexion, ist nicht vollendbar, aber diese Unvollendbarkeit ist nicht ein Mangel an Reflexion, sondern liegt im Wesen des geschichtlichen Seins, das wir sind. >Wirkungsgeschichte/Gadamer. Geschichtlichkeit: Geschichtlichsein heißt, nie im Sichwissen aufgehen. Alles Sichwissen erhebt sich aus geschichtlicher Vorgegebenheit, die wir mit Hegel „Substanz“ nennen, weil sie alles subjektive Meinen und Verhalten trägt und damit auch alle Möglichkeit, eine Überlieferung in ihrer geschichtlichen Andersheit zu verstehen, vorzeichnet und begrenzt. Gegenwart/Horizont: Alle endliche Gegenwart hat ihre Schranken. Wir bestimmen den Begriff der Situation eben dadurch, dass sie einen Standort darstellt, der die Möglichkeiten des Sehens beschränkt. Zum Begriff der Situation gehört daher wesenhaft der Begriff des Horizontes. >Horizont/Gadamer, >Horizont/Husserl. I 308 Verstehen: So wie im Gespräch der andere, nachdem man seinen Standort und Horizont ermittelt hat, in seinen Meinungen verständlich wird, ohne dass man sich deshalb mit ihm zu verstehen braucht, so wird für den, der historisch denkt, die Überlieferung in ihrem Sinn verständlich, ohne dass man sich doch mit ihr und in ihr versteht. In beiden Fällen hat sich der Verstehende gleichsam aus der Situation der Verständigung zurückgezogen. Er selber ist nicht antreffbar. Indem man den Standpunkt des anderen von vornherein in das mit einrechnet, was er einem zu sagen beansprucht, setzt man seinen eigenen Standpunkt in eine sichere Unerreichbarkeit. >Verstehen, >Hermeneutik/Gadamer. 1. Der Begriff der Situation ist vor allem von K. Jaspers (Die geistige Situation der Zeit) und Erich Rothacker in seiner Struktur aufgehellt worden. (Vgl. auch „Was ist Wahrheit“, Kl. Schr, I, S. 46—58, dort S. 55ff; Bd. 2 der Ges. Werke, S. 44ff.) 2. Darauf hat ehedem H. Kuhn bereits hingewlesen. Vgl. „The Phenomenological Concept of „Horizon«“ (Philosophical Essays in Memory of Husserl, ed. M. Faber) Cambrigde 1940, S. 106—123. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Skeptizismus | McGinn | I 152 Skeptizismus/McGinn: 1. Das allgemeine Problem der Skepsis: die Gründe für unsere Wissensansprüche bleiben kläglich hinter dem Inhalt dieser Ansprüche zurück. Problem der Unterbestimmtheit. Der Input reicht nicht aus, um den Output zu rechtfertigen. 2. Spezielle Erkenntnisprobleme: liegen der Skepsis voraus: wie gelangen wir zu den "apriorischen" Erkenntnissen? >Wissen, >a priori/McGinn. I 174f Skeptizismus: a) Skeptizismus der ersten Person: Grenzen meines Wissens fallen mit den Grenzen meiner phänomenalen Erfahrung zusammen. b) Skeptizismus der dritten Person: biologische Begrenzung. Wie können wir uns als ein paar Pfund von Nerven durchsetztes Fleisch ein Bild von der Außenwelt machen? McGinnVsSkeptizismus: macht sich die Vorstellung zunutze, es gäbe eine metaphysische Lücke zwischen Subjekt und Erkenntnisgegenstand. a) Für den Standpunkt der ersten Person zwischen den Bewusstseinszuständen und den Verhältnissen in der Außenwelt b) Für den Standpunkt der dritten Person: wird die Lücke so aufgefasst, als stünde ein Teil der objektiven Welt einem anderen Teil der Welt gegenüber, während beide Teile jeweils ihre eigenen Eigenschaften besitzen. I 176 Wir müssen nachweisen, dass trotz dieser Lücken Wissen möglich ist, und dass die Lücken dem Wissen nicht so abträglich sind, wie es scheint. I 177 Wissen/Transzendentaler Naturalismus/TN: behauptet, dass die Lücken letztlich Lücken unseres Verständnisvermögens sind. Ihr Ursprung ist erkenntnistheoretischer, nicht ontologischer Art. >Terminologie/McGinn. I 196 Der Skeptiker missdeutet unsere prinzipielle Unfähigkeit auf der Ebene der Metatheorie als Fall von Vernunftlosigkeit auf der Basisebene. |
McGinn I Colin McGinn Die Grenzen vernünftigen Fragens Stuttgart 1996 McGinn II C. McGinn Wie kommt der Geist in die Materie? München 2001 |
| Skeptizismus | Nagel | I 19 Subjektivismus/Skeptizismus/Nagel: Der Skeptizismus sagt, dass es in unserem Innern kein Vermögen von so universeller Anwendbarkeit und Gültigkeit gibt, dass unsere Urteile dadurch überprüft und untermauert werden können. I 22 ff Skeptizismus/Relativismus : An der Vernunft kann keine Kritik geübt werden, ohne dass man an irgendeiner anderen Stelle die Vernunft einsetzt, um diese Kritik zu formulieren. >Vernunft, >Zirkularität. I 31 Skeptizismus: Eine durch Argumentation erzeugte Skepsis kann nicht total sein. >Begründung, >Rechtfertigung. I 31 ff Skeptizismus: Um den Skeptizismus zu kritisieren muss man ihn nicht als überall anwendbare triviale Leerformel begreifen, sondern als konkret, um dann den Spieß umzudrehen. So kann man die Kollision zwischen dem inneren Gehalt der Gedanken und der relativierenden Außensicht offen erkennbar machen. >Perspektive, >Propositionaler Gehalt, >Gedanken, >Inhalt. Der Subjektivismus strebt eine phänomenologische Reduktion von Gedanken an, um aus ihnen herauszukommen. Das kann gar nicht gelingen. Aus dem gleichen Grund scheitern Versuche, die Objektivität auf ein Begriffsschema zu relativieren. Bsp Ich kann nicht sagen "Ich glaube, dass p, aber das ist bloß ein psychologisches Faktum, das mich betrifft. Was die Wahrheit angeht, so lege ich mich nicht fest." I 88 NagelVsDescartes: Dämon: die Vorstellung von verwirrten Gedanken enthält auch den unverwirrten Gedanken. I 89 NagelVsDescartes: Dämon: Die Vorstellung von verwirrten Gedanken enthält auch den unverwirrten Gedanken. I 92 NagelVsSkeptizismus: Der Skeptizismus darf gar keine Argumente gebrauchen. - Einer falschen Rechnung kann man nicht dadurch Sinn geben dass man sagt, ein Dämon habe sie verwirrt. I 94 Logischer Skeptizismus/NagelVsSkeptizismus/Nagel: Hier können wir niemals einen Punkt erreichen an dem es zwei Möglichkeiten gibt, die mit allen "Belegen" vereinbar sind. Ich kann mir nicht denken, dass ich mich in einer gleichartigen Erkenntnissituation befinde, in der 2 + 2 = 5, aber mein Gehirn durcheinander gebracht wäre, denn ich kann mir überhaupt nicht vorstellen das 2 + 2 = 5 wäre. Der Logikskeptiker hat keine Ebene der Vernunft zu bieten. Es gibt keinen Standpunkt um die Logik zu überprüfen, ohne sie dabei vorauszusetzen - nicht alles kann revidiert werden. - Etwas muss beibehalten werden um zu prüfen, um die Revision gerechtfertigt ist. |
NagE I E. Nagel The Structure of Science: Problems in the Logic of Scientific Explanation Cambridge, MA 1979 Nagel I Th. Nagel Das letzte Wort Stuttgart 1999 Nagel II Thomas Nagel Was bedeutet das alles? Stuttgart 1990 Nagel III Thomas Nagel Die Grenzen der Objektivität Stuttgart 1991 NagelEr I Ernest Nagel Teleology Revisited and Other Essays in the Philosophy and History of Science New York 1982 |
| Skeptizismus | Quine | II 37 Skeptizismus: Verwechslung von Wahrheit und Belegen - als solcher nicht inkohärent (glau, Zeitpunkt t) - Zweifel auch noch immanent. Davidson I 54 "alles könnte anders sein"/Skeptizismus/Stroud: es könnte sein, dass alles anders wäre, als wir es uns vorstellen - Quine: das wäre eine Unterscheidung ohne Unterschied: da die Beobachtungssätze holophrastisch auf Reizungen konditioniert sind, bleiben die Beziehungen zu den Belegen unverändert - bewahre die Struktur und wirst alles bewahren - ((s) dann war gestern auch schon alles anders.) Stroud I 223 Skeptizismus/Wissen//Quine: wenn alles Wissen zugleich auf dem Prüfstand steht, kann man sich auf keinen Teil davon berufen - das macht Sinneserfahrung notwendig - Stroud I 225 Skeptizismus/Quine: die Tradition hat ihre Stärke gar nicht erkannt. Der Zweifel am Wissen entspringt aus dem Wissen selbst - die Lösung auch - Illusion: gibt es nur relativ zu vorher akzeptierter Annahme echter Körper - Stroud I 227 Quine/Stroud: macht nicht den Fehler von Austin: (Verzerrung von Bedeutung, s.o.) - es geht nicht um die Bedeutung eines bestimmten Terms - Quine geht an die Ursprünge (Sprachlernen) - I 228 skeptische Zweifel sind wissenschaftliche Zweifel. Stroud I 228 Skeptizismus/Quine: wenn die Wissenschaft wahr ist, kann sie wegen der Magerkeit des Inputs dennoch nie sagen, ob die Welt so ist, wie wir sie wahrnehmen - dann wäre genauso wenig Wissen möglich, wie wenn die Wissenschaft falsch ist. Stroud I 231 Skeptizismus/QuineVsSkeptizismus: ist eine Überreaktion auf die Ungewissheit einzelner Möglichkeiten - Lösung: reflektion spielt sich innerhalb der Wissenschaft ab, nicht jenseits von ihr. Stroud I 248 Skeptizismus/StroudVsQuine: wenn alle Überzeugungen nur Projektionen aus mageren Daten sind (Unterbestimmtheit) - Wissen: ist dann eine Kombination aus vielen subjektiven und wenigen objektiven Faktoren - dann sind alle Hypothesen "echte Konkurrenten" - keine objektive Überlegenheit - Pointe: das ist genau die Sichtweise der traditionellen Erkenntnistheorie. Stroud I 248 QuineVsSkeptizismus: wenn wir die Philosophie ihres "externen Standpunkts" berauben, ist das hinreichend den totalen Skeptizismus auszuschließen - (naturalisierte Erkenntnistheorie) - StroudVsQuine: das funktioniert nicht, solange wir unser eigenes Wissen als Projektion über die Daten hinaus) auffassen. |
Quine I W.V.O. Quine Wort und Gegenstand Stuttgart 1980 Quine II W.V.O. Quine Theorien und Dinge Frankfurt 1985 Quine III W.V.O. Quine Grundzüge der Logik Frankfurt 1978 Quine V W.V.O. Quine Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989 Quine VI W.V.O. Quine Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995 Quine VII W.V.O. Quine From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953 Quine VII (a) W. V. A. Quine On what there is In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (b) W. V. A. Quine Two dogmas of empiricism In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (c) W. V. A. Quine The problem of meaning in linguistics In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (d) W. V. A. Quine Identity, ostension and hypostasis In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (e) W. V. A. Quine New foundations for mathematical logic In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (f) W. V. A. Quine Logic and the reification of universals In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (g) W. V. A. Quine Notes on the theory of reference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (h) W. V. A. Quine Reference and modality In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (i) W. V. A. Quine Meaning and existential inference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VIII W.V.O. Quine Bezeichnung und Referenz In Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982 Quine IX W.V.O. Quine Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967 Quine X W.V.O. Quine Philosophie der Logik Bamberg 2005 Quine XII W.V.O. Quine Ontologische Relativität Frankfurt 2003 Quine XIII Willard Van Orman Quine Quiddities Cambridge/London 1987 Stroud I B. Stroud The Significance of philosophical scepticism Oxford 1984 |
| Solipsismus | Wittgenstein | Nagel I 53 Wittgenstein, Solipsismus: Die Wahrheit des Solipsismus kann gar nicht ausgesprochen werden, zeige sich aber dennoch in der Tatsache, daß die Welt stets in meiner Sprache beschrieben wird. In dieser Sprache kann ich nicht zutreffend sagen, daß die Welt meine Welt ist, denn das ist in meiner Sprache falsch! Nagel: All dies wird aber in meiner Sprache gesagt, und das zeigt, dass die Welt in tieferer Hinsicht meine Welt ist, obwohl eben dies nicht gesagt werden kann. Hintikka I 96 ff Welt/Tractatus/Solipsismus/Wittgenstein/Hintikka: Frage, ob Wittgensteins Welt nicht unrettbar egozentrisch ist. Schließlich meint Sinnesdaten ja meine Sinnesdaten. I 97 Sagen/Zeigen/Wittgenstein: 5.562 (/Gesamtheit der Gegenstände, Grenze der Welt) .."Frage inwieweit der Solipsismus eine Wahrheit ist, was der Solipsismus nämlich meint, ist ganz richtig, nur lässt es sich nicht sagen, sondern es zeigt sich." Hintikka: deuten wir die Gegenstände des Tractatus als Gegenstände meiner Bekanntschaft, dann wird Wittgensteins vorsichtiger Solipsismus nicht nur verständlich, sondern geradezu vorhersehbar. I 98 Solipsismus/Tractatus/Hintikka: ist hier nicht metaphysisch, er hängt nicht davon ab, dass den Gegenständen irgendein spezifischer subjektiver bewusstseinsabhängiger Status zugewiesen wird. Es geht um ihre phänomenale Gegebenheit, damit ich sie auf meine Sprache beziehen kann. Dennoch hat das, was er als Solipsismus gelten lässt, einen spezifischen Inhalt. Realismus/Solipsismus/Hintikka: dagegen hat der Realismus recht mit seiner Behauptung, dass diese "Reduktion auf die Bekanntschaft" keine Auswirkungen hat im Hinblick auf die metaphysische Realität der übrigen Welt. I 99 Welt/Wittgenstein/Hintikka: die Beziehung zu mir ist nicht wesentlich für die Gegenstände. "die gewöhnliche Redeweise könnte den ((s) falschen) Anschein erwecken, als wäre die Beziehung zum Besitzer der Hand etwas, was im Wesen der Hand selbst liegt." ..daher könnte es einmal nützlich sein, einer Hand beim wiederholten Gebrauch einfach einen Namen zu geben. (Philosophische Bemerkungen VII. 71, 99f). II 132 Schein/Erscheinen/Scheinen/Wittgenstein: "Es scheint zu scheinen" kann man nicht sagen. Solipsismus und Behaviorismus sind einander entgegengesetzt. II 172 WittgensteinVsSolipsismus: Wenn es logisch unmöglich ist, dass jemand anderes Zahnschmerzen hat, dann ist es für mich ebenso unmöglich. II 172/173 Solipsismus/Wittgenstein: will nicht eine Schreibweise, in der das Ich ein Monopol hat, sondern eine, in der das Ich verschwindet. II 178 Zeitlicher Solipsismus/Russell/Wittgenstein: Russells Bsp Die Welt ist erst vor fünf Minuten entstanden. - Das ist nicht sinnlos, weil es ein Kriterium gibt - ähnlich wie bei Messungen. - Bsp "Jedesmal sitzt kein weißes Kaninchen da". II 180 "Nur die Gegenwart ist wirklich": Problem: Das gibt vor, ein Bild zu liefern, das mit einem anderen Bild im Gegensatz steht. - Das gelingt aber nicht. VI 88 Solipsismus/Wittgenstein/Schulte: Um meinen solipsistischen Standpunkt in Worte zu fassen, müsste ich über beide Grenzen hinaus können, der Welt und der Sprache - "Mein" steht nicht im Gegensatz zu "jenem". - Hier sieht man, dass der Solipsismus mit dem reinen Realismus zusammenfällt. >Grenzen, >Welt, >Realismus. |
W II L. Wittgenstein Vorlesungen 1930-35 Frankfurt 1989 W III L. Wittgenstein Das Blaue Buch - Eine Philosophische Betrachtung Frankfurt 1984 W IV L. Wittgenstein Tractatus logico-philosophicus Frankfurt/M 1960 NagE I E. Nagel The Structure of Science: Problems in the Logic of Scientific Explanation Cambridge, MA 1979 Nagel I Th. Nagel Das letzte Wort Stuttgart 1999 Nagel II Thomas Nagel Was bedeutet das alles? Stuttgart 1990 Nagel III Thomas Nagel Die Grenzen der Objektivität Stuttgart 1991 NagelEr I Ernest Nagel Teleology Revisited and Other Essays in the Philosophy and History of Science New York 1982 Hintikka I Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka Untersuchungen zu Wittgenstein Frankfurt 1996 Hintikka II Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka The Logic of Epistemology and the Epistemology of Logic Dordrecht 1989 |
| Sprache | Humboldt | Gadamer I 442 Sprache/Humboldt/Gadamer: Das moderne Denken über die Sprache seit Herder und Humboldt (...) möchte studieren, wie sich die Natürlichkeit der menschlichen Sprache - eine mühsam dem Rationalismus und der Orthodoxie abgetrotzte Einsicht — in der Erfahrungsbreite der Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaus entfaltet. Indem es in jeder Sprache einen Organismus erkennt, sucht es in vergleichender Betrachtung die Fülle der Mittel zu studieren, deren sich der menschliche Geist bedient hat, um seine Sprachfähigkeit auszuüben. Gadamer I 443 Das normative Interesse, unter dem [Humboldt] den Sprachbau der menschlichen Sprachen vergleicht, hebt (...) die Anerkennung der Individualität, und das heißt der relativen Vollkommenheit einer jeden, nicht auf. Bekanntlich hat Gadamer I 444 Humboldt jede Sprache als eine eigene Weltansicht verstehen gelernt, indem er die innere Form, in der Sich das menschliche Urgeschehen der Sprachbildung jeweils differenziert, untersuchte. Hinter dieser These steht nicht nur die idealistische Philosophie, die den Anteil des Subjekts an der Erfassung der Welt hervorhebt, sondern die von Leibniz zuerst entwickelte Metaphysik der Individualität. Vgl. > href="https://www.philosophie-wissenschaft-kontroversen.de/gesamtliste.php?thema=Sapir-Whorf-Hypothese">Sapir-Whorf-These, >Relativismus, >Kulturrelativismus. Gadamer I 445 Fremdsprachen/Humboldt: (...) Humboldt sagte einmal, das die Erlernung einer fremden Sprache die Gewinnung eines neuen Standpunktes in der bisherigen Weltansicht sein muss, und fährt fort: »Nur weil man in eine fremde Sprache immer, mehr oder weniger, seine eigene Welt-, ja, seine eigene Sprachansicht hinüberträgt, so wird dieser Erfolg nicht rein und vollständig empfunden«.(1) >Spracherwerb. Gadamer: Was hier als eine Einschränkung und ein Mangel geltend gemacht wird, (und vom Standpunkt des Sprachforschers aus, der seinen eigenen Erkenntnisweg im Auge hat, mit Recht), stellt in Wahrheit die Vollzugsweise der hermeneutischen Erfahrung dar. Form/Hermeneutik/Gadamer: Sprachliche Form und überlieferter Inhalt lassen sich in der hermeneutischen Erfahrung nicht trennen. Kultur/Weltsicht/Fremdsprachen/Humboldt: Auch wenn man sich noch so sehr in eine fremde Geistesart versetzt, vergisst man nicht darüber seine eigene Welt-, ja seine eigene Sprachansicht. Vielmehr ist die andere Welt, die uns da entgegentritt, nicht nur eine fremde, sofern eine beziehungsvoll andere. Sie hat nicht nur ihre eigene Wahrheit in sich, sondern auch eine eigene Wahrheit für uns. Gadamer I 446 [Humboldt] hat den lebendigen Vollzug des Sprechens, die sprachliche Energeia als das Wesen der Sprache erkannt und dadurch den Dogmatismus der Grammatiker gebrochen. Von dem Begriff der Kraft aus, der sein ganzes Denken über die Sprache leitet, hat er insbesondere auch die Frage nach dem Ursprung der Sprache zurechtgestellt, die durch theologische Rücksichten besonders belastet war. Ursprung der Sprache/Humboldt: [Humboldt] betont mit Recht, dass die Sprache von ihrem Anbeginn an menschlich ist.(2) Welt/Gadamer: Für den Menschen ist die Welt als I 447 Welt da, wie sie für kein Lebendiges sonst Dasein hat, das auf der Welt ist. Dies Dasein der Welt aber ist sprachlich verfasst. Das ist der eigentliche Kern des Satzes, den Humboldt in ganz anderer Absicht äußert, dass die Sprachen Weltansichten sind.(1) Humboldt will damit sagen, dass die Sprache gegenüber dem Einzelnen, der einer Sprachgemeinschaft angehört, eine Art selbständiges Dasein behauptet und ihn, wenn er in sie hineinwächst, zugleich in ein bestimmtes Weltverhältnis und Weltverhalten einführt. Wichtiger aber ist, was dieser Aussage zugrunde liegt: dass die Sprache ihrerseits gegenüber der Welt, die in ihr zur Sprache kommt, kein selbständiges Dasein behauptet. Nicht nur ist die Welt nur Welt, sofern sie zur Sprache kommt - die Sprache hat ihr eigentliches Dasein nur darin, dass sich in ihr die Welt darstellt. Die ursprüngliche Menschlichkeit der Sprache bedeutet also zugleich die ursprüngliche Sprachlichkeit des menschlichen In-der-Welt-Seins. 1. W. von Humboldt, „Über die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaus ..“ (zuerst gedruckt 1836),§9. 2. Ebenda, S. 60 |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Spracherwerb | Deacon | I 39 Spracherwerb/Evolution/Sprachentstehung/Komplexität/Einfachheit/Deacon: Es gibt zwei Paradigmen: a) Evolution größerer Intelligenz b) Evolution eines speziellen Sprachorgans. Beide haben gemeinsam, dass das Problem das Lernen einer sehr großen Menge komplexer Regeln sei und dass die Komplexität einfach zu groß sei für andere Spezies als den Menschen. >Lernen, >Regeln, >Sprachregeln, >Grammatik, vgl. >Universalgrammatik. DeaconVs: Die Komplexität ist nur ein Problem und nicht das entscheidende. I 53 Spracherwerb/Deacon: Spracherwerb hängt entscheidend von nichtlinguistischer Kommunikation ab. Vieles davon ist in Tieren bereits angeboren. Auch wir gebrauchen in alltäglicher Rede viel Nichtsprachliches wie Tonfall, Gesten usw. >Kommunikation, >Tiere, >Tiersprache, >Gesten. I 125 Sprachlernen/Deacon: Dass Kinder Sprache am besten in einem gewissen Alter lernen, scheint für angeborene Strukturen im Gehirn zu sprechen. >Angeborenes. Eine bessere Erklärung scheint mir aber einfach die Unreife von Kindern bzw. jungen Schimpansen wie Kanzi zu sein. Wir brauchen keinen essentialistischen Standpunkt anzunehmen, wenn wir uns auf diesen Aspekt konzentrieren. I 126 In dieser Zeit der Unreife haben Kinder wenig Gedächtnisleistung für Details. Der junge Bonobo Kanzi konnte sich stark auf den richtigen Symbolgebrauch konzentrieren, während ältere Schimpansen lernen mussten, worauf sie sich konzentrieren sollten. I 127 Wenn das stimmt, muss es sich um eine Eigenschaft der Kindheit handeln, die unabhängig von Sprache ist. Regeln/GoldVsChomsky/Deacon: Gold(1) brachte einen logischen Beweis, dass Regeln eines logischen Systems mit der strukturellen Komplexität einer natürlichen Grammatik nicht induktiv ohne explizite Fehlerkorrektur entdeckt werden können, selbst nicht theoretisch. Dabei ist nicht ihre Komplexität entscheidend, sondern die Tatsache, dass die Regeln nicht auf der Oberfläche der Satzform abgebildet sind. Statt dessen sind sie in weit verteilten Wortrelationen verkörpert und werden rekursiv (wiederholt) angewendet. Dadurch werden die Möglichkeiten, wie eine Regel tatsächlich beschaffen sein könnte, geometrisch multipliziert. Das macht es eine Kind oder anderen Sprachlernen unmöglich, die richtigen Regeln aus der Beschaffenheit der Sprache abzuleiten. Das hat viele Autoren dazu gebracht, angeborene Fähigkeiten anzunehmen. >Induktion/Deacon. I 128 Spracherwerb/Newport/Deacon: Frage: warum können Kinder die Grammatik leichter lernen als andere Dinge, die viel einfacher sind?(2)(3) I 129 Bsp Je jünger ein Kind ist, desto schwieriger ist es für es, neue Assoziationen bewusst zu verarbeiten. Das hat mit dem Kurzzeitgedächtnis und der Aufmerksamkeitsspanne zu tun. Könnte es sein, dass diese Einschränkungen den Spracherwerb begünstigen? Die Lösung scheint darin zu bestehen, „klein und einfach“ anzufangen, „weniger ist mehr“. >Neuronale Netze/Deacon, >Komplexität. I 137 Spracherwerb/Elissa Newport/Deacon: Newport war eine der ersten, die vorschlug, kindliches Sprachlernen nicht als Funktion eines besonderen Sprachlern-Systems aufzufassen, sondern umgekehrt, solche Sprachstrukturen vererben sich am besten von Generation zu Generation, die den kindlichen Lernneigungen (learning biases) am ehesten entsprechen. I 339 Spracherwerb/Adaption/Gehirn/Evolution/Deacon: Neben den konstanten sensomotorischen Gegebenheiten des Sprachgebrauchs gibt es auch Invarianzen der Sprachevolution, die den Kontext des Sprachlernens betreffen. Es gibt drei Arten von Sprachadaption: a) angeborene, b) gelernte, c) solche, die sich im Zusammenwirken zwischen Angeborenem und Erlebtem entwickeln. Universalität ist dabei kein sicherer Indikator dafür, dass etwas von der Evolution in unsere Gehirne eingebaut wurde. 1. Gold, E. (1967), Language identification in the limit. Information and Control 16, 447-474. 2. Newport, E. (1991), Maturational consteraints on language learning, Cognitive Science 14, 11-28. 3. Newport, E. (1991), Contrasting conceptions oft he critical period for language. In: S. Carey und R. Gelma (Hrsg.) Epigenesis of Mind: Essys on Biology and Cognition, NJ. |
Dea I T. W. Deacon The Symbolic Species: The Co-evolution of language and the Brain New York 1998 Dea II Terrence W. Deacon Incomplete Nature: How Mind Emerged from Matter New York 2013 |
| Staatsanleihen | Rothbard | Rothbard III 1025 Staatsanleihen/Rothbard: Die Haupteinnahmequelle des Staates ist die Besteuerung. Eine weitere Quelle ist die staatliche Kreditaufnahme. Die Kreditaufnahme des Staates beim Bankensystem ist in Wirklichkeit eine Form der Inflation: Sie schafft neue Geldsubstitute, die zuerst an den Staat gehen und dann mit jedem Schritt der Ausgabe in die Gemeinschaft diffundieren. >Inflation/Rothbard, >Geldsubstitute/Rothbard. Staatsanleihen: Dies ist ein völlig anderer Prozess als die Kreditaufnahme bei der Öffentlichkeit, die nicht inflationär ist, denn letztere überträgt gesparte Mittel von privaten auf staatliche Hände, anstatt neue Mittel zu schaffen. Der wirtschaftliche Effekt besteht darin, dass die Ersparnisse von den von den Verbrauchern am meisten gewünschten Kanälen abgezogen und auf die von den Regierungsbeamten gewünschten Verwendungszwecke umgelenkt werden. Ersparnisse: Aus der Sicht der Verbraucher bedeutet die Kreditaufnahme beim Staat eine Verschwendung von Ersparnissen. Kapitalstruktur/Gesellschaft: Die Folgen dieser Verschwendung sind eine Verschlechterung der Kapitalstruktur der Gesellschaft und eine Verschlechterung des allgemeinen Lebensstandards in der Gegenwart und in der Zukunft. Zinssätze: Die Umleitung und Verschwendung von Ersparnissen für Investitionen führt dazu, dass die Zinssätze höher sind, als sie es sonst wären, da nun die private Verwendung mit der staatlichen Nachfrage konkurrieren muss. Die öffentliche Kreditaufnahme greift die individuellen Ersparnisse sogar noch wirksamer an als die Besteuerung, da sie gezielt Ersparnisse weglockt, anstatt das Einkommen im Allgemeinen zu besteuern. VsRothbard: Man könnte einwenden, dass die Kreditvergabe an den Staat freiwillig ist und daher jedem anderen freiwilligen Beitrag an den Staat gleichkommt; die „Umleitung“ von Geldern ist etwas, das von den Verbrauchern und damit von der Gesellschaft gewünscht wird.(1) VsStaatsanleihen/RothbardVsVs: Der Prozess ist jedoch nur in einer einseitigen Weise „freiwillig“. Denn wir dürfen nicht vergessen, dass der Staat in den Zeitmarkt als Träger von Zwang und als Garant dafür eintritt, dass er diesen Zwang einsetzt, um Mittel für die Rückzahlung zu erhalten. Die Regierung ist durch den Zwang mit einer entscheidenden Macht ausgestattet, die allen anderen Menschen auf dem Markt verwehrt ist; sie ist immer mit Mitteln ausgestattet, sei es durch Steuern oder durch Inflation. Risiken: (...) die Risikokomponente des vom Staat gezahlten Zinssatzes wird geringer sein als diejenige, die von anderen Kreditnehmern gezahlt wird.(2) Rothbard III 1026 Freiwilligkeit: Die Kreditvergabe an den Staat mag also freiwillig sein, aber der Prozess ist kaum freiwillig, wenn man ihn als Ganzes betrachtet. Es ist vielmehr eine freiwillige Teilnahme an einer zukünftigen Konfiszierung, die von der Regierung begangen wird. Bei der Kreditvergabe an den Staat werden nämlich zweimal private Gelder an den Staat abgezweigt: einmal, wenn der Ioan vergeben wird und private Ersparnisse für Staatsausgaben verwendet werden, und ein zweites Mal, wenn der Staat Steuern erhebt oder die Inflation anheizt (oder erneut Kredite aufnimmt), um das Geld für die Rückzahlung des Ioan zu erhalten. Nötigung: Dann findet erneut eine erzwungene Umleitung von den privaten Produzenten zum Staat statt, deren Erlöse nach der Bezahlung der Bürokratie für ihre Dienstleistungen den Inhabern von Staatsanleihen zufließen. Letztere sind damit Teil des Staatsapparates geworden und stehen in einem „Staatsverhältnis“ zu den steuerzahlenden Produzenten.(3) „Wir"/Gesellschaft/Staat/Rothbard: Der geniale Slogan, dass die Staatsschulden keine Rolle spielen, weil „wir sie uns selbst schulden“, ist offensichtlich absurd. Die entscheidende Frage ist: Wer ist das „Wir“ und wer sind die „Uns“? Die Analyse der Welt muss individualistisch und nicht ganzheitlich sein. Bestimmte Menschen schulden bestimmten anderen Menschen Geld, und genau diese Tatsache macht den Prozess der Kreditaufnahme wie auch der Besteuerung wichtig. Denn wir könnten genauso gut sagen, dass Steuern aus demselben Grund unwichtig sind.(4) Rothbard III 1027 RothbardVsRightists/RothbardVsRight-wing: Viele „rechte“ Gegner der Staatsverschuldung haben andererseits die Gefahren der Staatsverschuldung stark übertrieben (...). 1) Es ist offensichtlich, dass der Staat nicht „zahlungsunfähig“ werden kann wie Privatpersonen - denn er kann sich immer Geld durch Zwang beschaffen, während Privatpersonen das nicht können. 2) Außerdem wird bei der regelmäßigen Aufforderung an die Regierung, „die Staatsverschuldung abzubauen“, in der Regel vergessen, dass die Schulden - abgesehen von einer völligen Ablehnung - nur durch eine zumindest zeitweilige Erhöhung der Steuern und/oder der Inflation in der Gesellschaft verringert werden können. Sozialer Nutzen: Der gesellschaftliche Nutzen kann daher durch einen Schuldenabbau nicht erhöht werden, es sei denn durch die Methode der Ablehnung - die einzige Möglichkeit, die Staatsverschuldung ohne eine gleichzeitige Erhöhung des fiskalischen Zwangs zu senken. Ablehnung: Die Ablehnung hätte auch den weiteren Vorteil (vom Standpunkt des freien Marktes aus), dass sie alle künftigen staatlichen Kredite in Frage stellen würde, so dass die Regierung nicht mehr so leicht Ersparnisse für staatliche Zwecke umleiten könnte. Es gehört daher zu den merkwürdigsten und widersprüchlichsten Merkmalen der Geschichte des wirtschaftspolitischen Denkens, dass gerade die „Rechten“, die vermeintlichen Verfechter des freien Marktes, die Repudiation am schärfsten angreifen und auf einer möglichst raschen Tilgung der Staatsschulden bestehen.(5) 1. Ein neuerer Einwand dieser Art erscheint in James M. Buchanan, Public Principles of Public Debt (Homewood, Ill.: Richard D. Irwin, 1958), insbesondere S. 104-05. 2. Es ist jedoch falsch zu sagen, dass Staatsanleihen „risikolos“ sind und dass daher die Zinsrendite von Staatsanleihen als reiner Zinssatz angesehen werden kann. Die Regierungen können sich jederzeit von ihren Verpflichtungen lossagen, wenn sie dies wünschen, oder sie können umgestürzt werden und ihre Nachfolger können sich weigern, die I.0.U. zu erfüllen. 3. Daher hatten die klassischen Ökonomen wie Mill trotz Buchanans Kritik recht: Die Staatsverschuldung ist eine doppelte Belastung für den freien Markt; in der Gegenwart, weil Ressourcen aus der privaten in die unproduktive staatliche Beschäftigung abgezogen werden, und in der Zukunft, wenn die privaten Bürger zur Begleichung der Schulden besteuert werden. Damit Buchanan Recht hat und die Staatsverschuldung keine Belastung darstellt, müssten zwei extreme Bedingungen erfüllt sein: (1) Der Anleihegläubiger müsste seine Anleihe zerreißen, so dass die Ioan ein wirklich freiwilliger Beitrag an den Staat wäre; und (2) der Staat müsste eine völlig freiwillige Einrichtung sein, die allein von freiwilligen Zahlungen lebt, und zwar nicht nur für diese spezielle Schuld, sondern für alle Transaktionen mit dem Rest der Gesellschaft. Vgl. Buchanan, Public Principles of Public Debt. 4. In gleicher Weise müssten wir behaupten, dass die von den Nazis im Zweiten Weltkrieg ermordeten Juden tatsächlich Selbstmord begangen haben: „Sie haben es sich selbst angetan.“ 5. Für die seltene Ausnahme eines Libertären, der den Wert der Ablehnung aus der Sicht des freien Marktes anerkennt, siehe Frank Chodorov, „Don't Buy Bonds“, analysis, Vol. IV, No. 9 (Juli 1948), S. 1-2. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Stabilität | Entwicklungspsychologie | Upton I 4 Stabilität/Veränderung/Entwicklungspsychologie/Upton: Theoretiker, die an Stabilität in der Entwicklung glauben, argumentieren oft von einem nativistischen Standpunkt aus und betonen die Rolle der Vererbung für die Entwicklung psychologischer Merkmale. Wir erben zum Beispiel Aspekte unserer Persönlichkeit, ähnlich wie wir die Augenfarbe erben. Aus dieser Perspektive können wir unser psychologisches Selbst nicht verändern, sondern nur lernen, es zu kontrollieren. >Nativismus. Empirismus: Aus empirischer Sicht ergibt sich die Stabilität der psychologischen Eigenschaften aus den Auswirkungen früherer Erfahrungen, die nicht überwindbar sind. Ein Individuum ist nicht wegen einer genetischen Veranlagung schüchtern, sondern weil es während den ersten Interaktionerfahrungen mit anderen auf erheblichen Stress gestoßen ist, welcher dazu führte, dass es soziale Interaktionen vermeidet. >Entwicklungsperioden/Psychologische Theorien, >Psychoanalyse/psychologische Theorien. Upton I 5 VsNativismus: Der alternative Standpunkt ist, dass es während der gesamten Lebensdauer ein Veränderungspotenzial gibt. Spätere Erfahrungen sollen die Entwicklung genauso wie die frühen beeinflussen können. Die Mehrheit der zeitgenössischen Theoretiker akzeptiert diese Perspektive. Für eine Diskussion: Baltes (2003)(1) argumentiert, dass Erwachsene zwar in der Lage sind, sich zu verändern, ihre Fähigkeit dazu aber geringer ist als die eines Kindes und mit der Zeit abnimmt. Andererseits argumentiert Kagan (2003)(2), dass Persönlichkeitsmerkmale wie Schüchternheit eine genetische Grundlage haben; er liefert aber auch den Beweis, dass auch diese ererbten Merkmale im Laufe der Zeit verändert werden können. 1. Baltes, P. B. (2003). On the incomplete architecture of human ontogeny: selection, optimization and compensation as foundation for developmental theory, in: Staudinger U. M. and Lindenberger, U. (eds) Understanding Human Development. Boston: Kluwer. 2. Kagan, J (2003) Biology, context and developmental enquiry. Annual Review of Psychology, 54: 1–23. |
Upton I Penney Upton Developmental Psychology 2011 |
| Starrheit | Kamp | Cresswell II 154 Starr-machen/Kennzeichnung/Kripke/Cresswell: (Kripke 1977, 259f)(1): Normale Kennzeichnung/logische Form/Cresswell: „Das F ist G“ ist wahr in jeder möglichen Welt w gdw. das Ding das (eindeutig) F in w ist, auch G in w ist. Starre Kennzeichnung/logische Form: Hier ist das wahr in w gdw. das Ding, das in der aktualen Welt F ist, in w G ist, egal ob es dort in w F ist oder nicht. Aktuale Welt: welche Welt die aktuale ist, ist wieder relativ zum Standpunkt: jede Welt ist für sich selbst die aktuale. Starre Kennzeichnung/logische Form: muss also zwei Welten involvieren: denn wir müssen sagen „das F ist G“ ist wahr in w2 gesehen von w1, gdw. das Ding das F ist in w1 G w2 ist. Doppelte Indizierung/multiple Indizierung/Terminologie/Cresswell: so wird das genannt in Kamp (1971)(2), es wird fast aber nicht ganz verwendet in Lewis (1970. 185f)(3). Explizit in Stalnaker (1978, 320)(4) als Formalisierung von Kripkes Ansatz über Namen. Es scheint akzeptiert zu sein in Kaplan (1979)(5). >Kennzeichnungen, >Mögliche Welten, >Semantik möglicher Welten. (1) Kripke, S. (1977): Speaker’s reference and semantic reference. In: Midwest Studies In Philosophy, Bd. 2(1), S. 255 - 276. (2) Kamp, H. (1971): To the memory of Arthur Prior Formal properties of ‘now’. In: Theoria, Bd. 37(3), S. 227-273. (3) (4) Stalnaker, R. (1978): Assertion. In: Syntax and Semantics (New York Academic Press), Bd. 9, S. 315-332. (5) Kaplan, D. (1979): On the Logic of Demonstratives, Journal of Philosophical Logic, VIII 1978: 81–98; and reprinted in French et al. (Hrsg.), Contemporary Perspectives in the Philosophy of Language (Minneapolis: University of Minnesota Press, 1979): 401–412. |
Kamp I Kamp From Discourse to Logic: Introduction to Modeltheoretic Semantics of Natural Language, Formal Logic and Discourse Representation Theory (Studies in Linguistics and Philosophy) Cr I M. J. Cresswell Semantical Essays (Possible worlds and their rivals) Dordrecht Boston 1988 Cr II M. J. Cresswell Structured Meanings Cambridge Mass. 1984 |
| Subjekte | Dilthey | Gadamer I 227 Subjekt/Dilthey/Gadamer: (...) [Dilthey] gab (...) der historischen Schule recht: es gibt nicht ein allgemeines Subjekt, sondern nur geschichtliche Individuen. Die Idealität der Bedeutung ist nicht einem transzendentalen Subjekt zuzuordnen, sondern erwächst aus der geschichtlichen Realität des Lebens. Es ist das Leben selbst, das sich auf verständliche Einheiten hin ausfaltet und gestaltet, und es ist das einzelne Individuum , von dem diese Einheiten als solche verstanden werden. Das ist der selbstverständliche Ausgangspunkt für Diltheys Analyse. Der Zusammenhang des Lebens, wie er dem einzelnen aufgeht (und in der biographischen Erkenntnis von anderen nacherlebt und verstanden wird), wird durch die Bedeutsamkeit bestimmter Erlebnisse gestiftet. Von ihnen aus, wie von einer organisierenden Mitte her, bildet sich die Einheit eines Lebensverlaufs, genau wie sich die Sinngestalt einer Melodie ergibt - nicht aus dem bloßen Nacheinander der ablaufenden Töne, sondern von den musikalischen Motiven her, die ihre Gestalteinheit bestimmen. >Zusammenhang/Dilthey. Gadamer I 250 Subjekt/DiltheyVsLocke/DiltheylVsHume/DiltheyVsKant/Gadamer: »In den Adern des erkennenden Subjekts, das Locke, Hume und Kant konstruieren, rinnt nicht wirkliches Blut«.(1) Dilthey selbst ging auf die Lebenseinheit zurück, auf den „Standpunkt des Lebens“ und ganz ähnlich ist Husserls „Bewusstseinsleben“ ein Wort, das er anscheinend von Natorp übernommen hat, bereits ein Anzeiger für die sich später breit durchsetzende Tendenz, nicht nur einzelne Bewusstseinserlebnisse, sondern die verhüllten, anonymen impliziten Inten- Gadamer I 251 tionalitäten des Bewusstseins zu studieren und auf diesem Wege das Ganze aller objektiven Seinsgeltung verständlich zu machen. Später heißt das: die Leistungen des „leistenden Lebens“ aufklären. >Subjektivität/Husserl. 1. Dilthey, Ges. Schriften, Bd. 1. S. XVIII. |
Dilth I W. Dilthey Gesammelte Schriften, Bd.1, Einleitung in die Geisteswissenschaften Göttingen 1990 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Subjektivität | Stalnaker | I 255 Subjektiv/Stalnaker: Subjektivität ist immer kontextabhängig. Objektiv: Objektiv sind Inhalte von normalen Überzeugungen über objektive Tatsachen. Sie sind vom Kontext ablösbar. I 265 Subjektivität/subjektive Erfahrung/Nagel/Stalnaker: Wenn wir Erfahrung nur von einem objektiven Standpunkt aus verstehen, wissen wir noch nicht, wie es ist, etwas zu erfassen. Bsp wie Rührei für eine Kakerlake schmeckt. >Heterophänomenologie. Stalnaker: Soll das heißen, dass es 1. subjektive Tatsachen gibt, die selbst eine vollständige Beschreibung auslässt, oder 2. dass wir sie niemals erfassen könnten? Bescheidene Sicht/Stalnaker: Die bescheidene Sicht ist mit der 2. Sicht kompatibel. Objektive Tatsache/Stalnaker: Aber ist es überhaupt eine objektive Tatsache, wie Rührei für eine Kakerlake schmeckt? Die, wenn sie durch eine Proposition der Kakerlake ausgedrückt werden könnte, für uns unverständlich wäre? >Verstehen, >Wissen wie. I 266 „Rührei schmeckt so“: Das kann man nicht ernst nehmen. Subjektiver Inhalt/bescheidene Sicht/Stalnaker: Eine alternative Sichtweise ist ebenfalls mit der bescheidenen Sicht kompatibel: Analogie: Bsp Die Tatsache wie Rührei für die Kakerlake ist, ist ebenso unverständlich für mich, wie die Tatsache, die TN ausdrückt wenn er sagt "Ich bin TN." oder Bsp „Der Schatz ist hier vergraben“ wenn ich nicht an der Stelle bin. >Phänomene/Stalnaker. Subjektive Tatsachen/Stalnaker: Subjektive Tatsachen sind nicht vom Subjekt abtrennbar. Subjektiv/objektiv/Subjektivität/Objektivität/Stalnaker: Wir können die beiden nur versöhnen, indem wir Merkmale der objektiven Welt mit Tatsachen über den Ort des Subjekts in der Welt zusammenbringen. Das erfordert eine Entscheidung darüber, wie reichhaltig solch ein Bild der Welt sein soll, sodass klar wird, dass wir Dinge sind, die einen subjektiven Standpunkt haben können. Das ist eine beängstigende Aufgabe. Subjekt/Stalnaker: "Wie ist es ein Subjekt zu sein?". Offensichtlich gibt es objektive Unterschiede zwischen Subjekten und anderen Dingen. Einige Vs: Das ist schon eine Voreingenommenheit, weil es keine Tatsachen darüber gibt, was einen subjektiven Standpunkt hat und was nicht. >Tatsachen, >Nonfaktualismus. Eine Person kann Dinge als fremde Selbste behandeln: Bsp wütend auf seinen Computer sein, Bsp auf einen Golfklub, usw. Stalnaker: Sicher gibt es keine klare Linie zwischen Dingen, die Subjekte sind und solchen, die es nicht sind. Subjektheit ist komplex. Es gibt auch Abstufungen. Relativ simple Dinge können Subjekte sein. I 267 Def minimales Subjekt/Terminologie/Stalnaker: Ein minimales Subjekt ist Bsp alles, was ein Repräsentator ist, was Information empfängt, speichert, oder übermittelt. Eine objektive Darstellung kann in funktionalen Begriffen gegeben werden. Eine reichere Darstellung wird die Fähigkeiten zur Repräsentation berücksichtigen. Es ist letztlich die Fähigkeit zu phänomenalem Bewusstsein. Wie etwas ist für das Ding. Bewusstsein/objektiv/Stalnaker: Eine objektive Darstellung wird uns nicht sagen, wie es ist, bewusst zu sein, aber das ist auch nicht ihr Ziel. >Bewusstsein. Sie muss aber sagen, wie die Welt beschaffen sein muss, damit ein Ding in ihr bewusst sein kann. Es gibt keinen Anspruch, dass wir damit einen subjektiven Standpunkt simulieren müssten. Oder dass wir ihn durch eine objektive Darstellung ersetzen müssten. >Objektivität. |
Stalnaker I R. Stalnaker Ways a World may be Oxford New York 2003 |
| Systeme | Quine | VII (e) 91 Abkürzungen/Quine: definierende Abkürzungen stehen immer außerhalb eines formalen Systems - deswegen müssen wir einen Ausdruck in einfache Notation bringen, bevor wir ihn auf Hierarchie prüfen. ad IX 190 System/Quine: ein neues System wird nicht durch neue Definitionen eingeführt, sondern durch neue Unterscheidungen. ((s) Bsp (s): wenn ich immer "n + 1" anmerken muss, um den Unterschied zwischen reellen und rationalen Zahlen zu markieren, habe ich eben nicht die reellen Zahlen eliminiert, sondern den alten Unterschied beibehalten. Ich habe nur die Notation verändert, nicht die Ontologie.) IX 232 Theorie/Vergrößerung/Erweiterung/System/Quine: eine Vergrößerung ist keine Erweiterung! Erweiterung: Hinzunahme von Axiomen, kann Widersprüche erzeugen . Vergrößerung/Quine: soll bedeuten, ein hinzugefügtes Schema auf schon vorhandene Axiome eines Systems zu relativieren, z.B. auf "Uϑ", ((s) wenn etwas in "Uϑ" existiert, muss es eine Menge sein.) Eine solche Vergrößerung erzeugt niemals einen Widerspruch. IX 237 Theorie/stärker/schwächer/Quine: wenn ein deduktives System in dem Sinne eine Erweiterung eines anderen ist, dass seine Theoreme sämtliche des anderen und noch weitere umfassen, so ist in einer bestimmten Weise das eine stärker als das andere. Aber diese Vergleichsgrundlage ist schwach: 1. Versagt sie, wenn jedes der beiden Systeme Theoreme hat, die nicht in dem anderen zu finden sind. (Vergleichbarkeit). 2. Sie hängt an Zufälligkeiten der Interpretation und nicht einfach an Struktureigenschaften. Bsp Angenommen, wir hätten genau "=" und "R" als primitive zweistellige Prädikate mit gewöhnlichem Identitätsaxiom und Transitivität. Nun erweitern wir das System, durch Hinzufügen der Reflexivität "∀x(xRx)". Das erweiterte System ist nur dann stärker, wenn wir sein "R" mit dem ursprünglichen "R" gleichsetzen. Wenn wir aber sein "xRy" mit Hilfe des ursprünglichen "R" als "x = y v x R y" neu interpretieren, dann sind alle seine Theoreme in dem nicht erweiterten System beweisbar. (>Löwenheim, >Beweisbarkeit). Bsp (weniger trivial): Russells Methode ((1) bis (4), Kap 35), Extensionalität für Klassen zu gewährleisten, ohne sie für Attribute annehmen zu müssen. Gegeben sei eine Mengenlehre ohne Extensionalität. Wir könnten sie durch Hinzufügen dieses Axioms erweitern, und doch könnten wir zeigen, dass alle Theorem des erweiterten Systems mit Russells Methode als Theoreme neu zu interpretieren wären, die bereits in dem nicht erweiterten System beweisbar sind. Stärker/schwächer/Quine: besserer Standard für den Vergleich von Stärke: "Vergleich durch Neuinterpretation": wenn wir die primitiven logischen Zeichen (also bei der Mengenlehre nur "ε") so neu interpretieren können, dass wir damit alle Theoreme dieses Systems zu Übersetzungen der Theoreme des anderen Systems werden lassen, dann ist das letztgenannte System mindestens so stark wie das erste. IX 238 Wenn das nicht in der anderen Richtung geht, ist das eine System stärker als das andere. Def "ordinale Stärke"/Quine: ein anderer bedeutungsvoller Sinn von Stärke eines Systems: folgendes überraschend zahlenmäßiges Maß: die kleinste transfinite OZ, deren Existenz man im System nicht mehr beweisen kann. Jede normale Mengenlehre kann natürlich die Existenz unendlich vieler transfiniter Zahlen beweisen, aber das bedeutet nicht, dass man sie alle erhält. transfinit/Quine: was daran so charakteristisch ist, ist, dass wir dann weiter die Iteration iterieren und das Iterieren von Iterationen iterieren, bis unser Apparat irgendwie blockiert. Die kleinste transfinite Zahl nach dem Blockieren des Apparats gibt dann an, wie stark der Apparat war. Ein Axiom, das zu einem System mit dem sichtbaren Ziel vergrößerter Ordinalstärke hinzugefügt werden kann, ist das Axiom, dass es jenseits von w (Omega) eine unerreichbare Zahl gibt. (Ende Kap 30). Eine endlose Serie weiterer Axiome dieser Art ist möglich. Stärke von Systemen/OZ/Quine: andere Möglichkeit OZ für die Stärke einzusetzen: wir können die Theorie der kumulativen Typen auf transfinite Typen erweitern, indem wir zum x-ten Typ für jede OZ x, alle Klasse akkreditieren, deren Elemente alle einen Typ unter x haben. So ist das Universum der Theorie der kumulativen Typen in Kap 38, der transfinite Typen fehlen, selbst der w te Typ. Def "natürliches Modell/"Montague/Vaught/Quine: so nennen die beiden diesen Typ, wenn die Axiome einer Mengenlehre erfüllt werden, falls man ihr Universum als solch einen Typ nimmt. So hat Zermelos Mengenlehre ohne UA den w ten Typ als natürliches Modell. (Das haben wir in Kap 38 gesehen). Also ist die ordinale Stärke dieses Systems höchstens w, offensichtlich auch nicht kleiner. Mit UA: w + w. Stärke des Systems von von Neumann-Bernays: eins mehr als die erste unerreichbare Zahl nach w. XII 33 Gegenstand/Existenz/System/Quine: systematische Überlegungen können uns dazu bringen, bestimmte Gegenstände zu verwerfen XII 34 oder bestimmte Terme als nicht referierend zu erklären. Vorkommnis: auch einzelnen Vorkommnisse von Termen. Das ist Freges Standpunkt: ein Vorkommnis kann bei einer Gelegenheit etwas bezeichnen, bei einer anderen nicht. (>bezeichnende Position). Bsp „Thomas glaubt, dass Tullius die Ars Magna geschrieben hat“. In Wirklichkeit verwechselt er Tullius mit Lullus. |
Quine I W.V.O. Quine Wort und Gegenstand Stuttgart 1980 Quine II W.V.O. Quine Theorien und Dinge Frankfurt 1985 Quine III W.V.O. Quine Grundzüge der Logik Frankfurt 1978 Quine V W.V.O. Quine Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989 Quine VI W.V.O. Quine Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995 Quine VII W.V.O. Quine From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953 Quine VII (a) W. V. A. Quine On what there is In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (b) W. V. A. Quine Two dogmas of empiricism In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (c) W. V. A. Quine The problem of meaning in linguistics In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (d) W. V. A. Quine Identity, ostension and hypostasis In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (e) W. V. A. Quine New foundations for mathematical logic In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (f) W. V. A. Quine Logic and the reification of universals In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (g) W. V. A. Quine Notes on the theory of reference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (h) W. V. A. Quine Reference and modality In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (i) W. V. A. Quine Meaning and existential inference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VIII W.V.O. Quine Bezeichnung und Referenz In Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982 Quine IX W.V.O. Quine Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967 Quine X W.V.O. Quine Philosophie der Logik Bamberg 2005 Quine XII W.V.O. Quine Ontologische Relativität Frankfurt 2003 Quine XIII Willard Van Orman Quine Quiddities Cambridge/London 1987 |
| Tatsachen | Wright | I 243 Tatsache/Sachverhalt/Wright: Es gibt Situationen, wo es einfach unangemessen ist zu sagen " er ist sich nicht bewussst..." Solche Sachverhalte und Tatsachen weisen eine gewisse Trägheit auf, die exakt der Trägheit reiner abstrakter reiner Objekte entspricht. >Situationen, >Sachverhalte, >Bewusstsein, >Abstraktheit, >Objekt, Wir können nichts als Gehalt einsetzen, für das wir überhaupt keine Begriffe haben. >Gehalt, >Inhalt, >Begriffe. I 261 Tatsache/Wright: Doch auch die Würdigung irgendeiner Tatsache verlangt einen Standpunkt! >Perspektive, >Aspekte, >Objektivität. |
WrightCr I Crispin Wright Wahrheit und Objektivität Frankfurt 2001 WrightCr II Crispin Wright "Language-Mastery and Sorites Paradox" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 WrightGH I Georg Henrik von Wright Erklären und Verstehen Hamburg 2008 |
| Terminologien | Avramides | I 107f Ontologische Symmetrie/Avramides: Geistiges und Materielles sind auf einer Stufe. - Diese Sicht ist nicht auf Physikalismus verpflichtet. Fremdpsychisches: Fremdpsychisches ist nur durch Verhalten erratbar. - Dann gibt es keine oberflächliche epistemische Asymmetrie. Tiefe epistemische Asymmetrie: Wenn wir die immaterielle Substanz erkennen könnten, könnten wir fremde Intentionen ohne Sprache erkennen. Zur Symmetrie/Asymmetrie: >Radikale Interpretation/Avramides. I 96 Def oberflächliche epistemische Asymmetrie/Radikale interpretation/Avramides: These: Dass wir das Problem der Radikalen interpretation dadurch lösen können, dass wir die fremde Sprache dadurch verstehen, dass wir zunächst die Glaubenseinstellungen (Glauben) und Intentionen erfahren. ((s) Ohne Sprache, weil ja die psychologischen Begriffe fundamentaler seien). Variante des Cartesianismus: Man könnte sogar sagen, der Gottesstandpunkt könnte die immaterielle Substanz nicht erkennen. |
Avr I A. Avramides Meaning and Mind Boston 1989 |
| Terminologien | Flusser | I 71 - I 68 Technobilder/Terminologie/Flusser: "auto-reflexiv" Funktion der Technobilder. I 103 Technobilder/Flusser: sind genetisch als Schritt zurück von den Texten (speziell in Optik und Chemie) anzusehen und sie sind Folgen des wissenschaftlichen Fortschritts. I 130 "Lesen" kommt von "klauben"; Imagination kommt von "Betasten", ist ein Komponieren. Konzeption dagegen ist ein Zerstückeln ("Rationalisieren"). I 135 Technobilder: Bilder, die nicht Szenen, sondern Texte bedeuten. I 148 Technologie/Flusser: Apparat - Operator Def Apparat: "Werkzeug zur Erzeugung von Technobildern". Def Operator: "Techniker für Apparate". I 166 Technologie/Flusser: Def Apparate: sind historische Produkte, Produkte von linearen Texten. Apparate werden von Texten entworfen und erzeugen Technobilder. I 210 Symbole zeigen nicht nur, sondern verdecken Bedeutung, sie sind nicht nur sinngebend sondern auch wahnsinngebend. I 202 Politik/Flusser: Def Politisieren/Flusser: Politisieren bedeutet, das Private in den öffentlichen Raum zu tragen. Rötzer I 58 Kunst/Flusser: Beim Kunst-machen geht es darum etwas herzustellen, was noch nie da war und daher von keinem gegebenen Programm vorausgesehen werden konnte. Rötzer I 71 Kultur/Flusser: Wird die Auswahl von Geräuschen vom Zufall bestimmt, spricht man von Natur, wird sie vom Menschen bestimmt, von Kultur. I 102 Voralphabetische Bilder: Sollen die Welt bedeuten und Technobilder sollen Texte bedeuten, welche Bilder bedeuten, welche die Welt bedeuten. I 84 ff Codes/Flusser: a)Voralphabet b) Alphabet c) Nachalphabet Funktionsweisen von Codes: a) Texte b) Bilder c) Technobilder I 86 Stufen/Bilder/Flusser: 1. Piktogramme 2. Ideogramme 3. Hieroglyphen 4. Buchstaben. (1-3 sind Vorstufen des Alphabets: alles lineare Codes) I 107 Verfremdung/alienation/estrangement/distancing/Flusser: Verfremdung 1: Der Mensch wird aus der "Welt" verstoßen und versucht den Abgrund mit Bildern zu überbrücken. (Magisches Bewusstsein). >Bilder/Flusser, >Technobild/Flusser. Verfremdung 2: Die Vermittlungsleistung des Bildes wird gestört, der Mensch verlässt die Welt der Bilder und versucht, den Abgrund durch Texte zu überbrücken. >Texte/Flusser, >Welt/Denken. I 109 Neuer Standpunkt: Historisches Bewusstsein. Im Lauf der Zeit werden die Texte opak, "unvorstellbar, (Verfremdung 3). Unsere Texte vermitteln nicht mehr, denn wir sehen hinter ihnen nicht mehr Bilder sondern uns selbst als Erzeuger. |
Fl I V. Flusser Kommunikologie Mannheim 1996 |
| Theologische Hermeneutik | Bultmann | Gadamer I 336 Theologische Hermeneutik/Bultmann/Gadamer: Die Heilige Schrift ist Gottes Wort, und das bedeutet, dass die Schrift vor der Lehre derer, die sie auslegen, einen schlechthinnigen Vorrang behält. Auch als wissenschaftliche Auslegung des Theologen muss sie stets festhalten, dass die Heilige Schrift die göttliche Heilsverkündigung ist. Ihr Verständnis kann daher nicht allein die wissenschaftliche Erforschung ihres Sinnes sein. Bultmann schreibt einmal: »Die Interpretation der biblischen Schriften unterliegt nicht anderen Bedingungen des Verstehens als jede andere Literatur.(1) Gadamer: Der Sinn dieses Satzes ist zweideutig. Denn es geht eben darum, ob nicht jede Literatur noch anderen Bedingungen des Verstehens unterliegt als denen, die in formaler Allgemeinheit jedem Text gegenüber erfüllt sein müssen. Vorverständnis: Bultmann selbst betont, dass für jedes Verstehen das Lebensverhältnis des Interpreten zum Text, sein vorgängiger Bezug zu der Sache, die durch den Text vermittelt wird, vorausgesetzt wird. Er nennt diese hermeneutische Voraussetzung das Vorverständnis, weil dasselbe offenbar nicht erst durch das Verfahren des Verstehens erzielt wird, sondern schon vorausgesetzt ist. Gadamer I 337 Voraussetzung/Gadamer: Nun fragt es sich aber, was hier „Voraussetzung“ heißt. Ist sie mit der menschlichen Existenz als solcher gegeben? Besteht ein vorgängiger Sachbezug auf die Wahrheit der göttlichen Offenbarung in jedem Menschen, weil der Mensch als solcher von der Gottesfrage bewegt ist? Oder muss man sagen, dass erst von Gott aus, das heißt, vom Glauben her, die menschliche Existenz sich in diesem Bewegtsein von der Gottesfrage erfährt? Dann aber wird der Sinn von Voraussetzung fraglich, den der Begriff des Vorverständnisses enthält. Diese Voraussetzung gilt offenbar nicht allgemein, sondern nur vom Standpunkt des rechten Glaubens aus. So enthält die Voraussetzung, von der Gottesfrage bewegt zu sein, in Wahrheit schon den Anspruch des Wissens um den wahren Gott und seine Offenbarung. Selbst was Unglaube heißt, bestimmt sich von dem geforderten Glauben her. Das existenziale Vorverständnis, von dem Bultmann ausgeht, kann nur selbst ein christliches sein. Falsche Lösung/Gadamer: Nun könnte man vielleicht dieser Konsequenz zu entgehen suchen, indem man sagt, es genüge zu wissen, dass religiöse Texte nur zu verstehen sind als Texte, die auf die Gottesfrage Antwort geben. Der Interpret brauche nicht selber in seiner religiösen Bewegtheit in Anspruch genommen zu werden. GadamerVsBultmann: Eine solche Voraussetzung gilt offenbar nur für den, der die Alternative von Glauben oder Unglauben gegenüber dem wahren Gott schon anerkennt. So scheint mir der hermeneutische Sinn des theologischen Vorverständnisses selber ein theologischer zu sein. Zeigt doch auch die Geschichte der Hermeneutik, wie die Befragung der Texte von einem höchst konkreten Vorverständnis bestimmt ist. Die moderne Hermeneutik als protestantische Disziplin ist offenkundig als Kunst der Schriftauslegung auf die dogmatische Tradition der katholischen Kirche und ihre Lehre von der Werkgerechtigkeit polemisch bezogen. Sie hat selber einen dogmatisch- Gadamer I 338 konfessionellen Sinn. Das bedeutet nicht, dass eine solche theologische Hermeneutik dogmatisch voreingenommen ist, so dass sie heraus liest, was sie hineingelegt hat, Sie setzt sich vielmehr wirklich aufs Spiel. Aber sie setzt voraus, dass das Wort der Schrift trifft und dass nur der Betroffene glaubend oder zweifelnd versteht. Insofern ist die Applikation das erste. 1. R. Bultmann, Glauben und Verstehen II, S. 231 |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Theorien | Mill | Höffe I 346 Theorie/Mill/Höffe: MillVsKant: Nach Mills Empirismus gibt es im Gegensatz zu Kant und dem Deutschen Idealismus keinerlei vorempirische, sondern lediglich eine empirische, also aposteriorische Erkenntnis. >a priori, >Erkenntnis, >Empirismus, >Idealismus. Sogar die Mathematik und die Logik sollen auf Erfahrungen und deren induktiven Verallgemeinerungen beruhen. Wegen der außergewöhnlich vielen Belege für mathematische Aussagen entstehe aber der Anschein der Notwendigkeit. >Erfahrung. Höffe I 347 Erkenntnis/Mill: Gegen die Möglichkeit streng erfahrungsfreier Aussagen sprechen laut Mill nicht nur wissenschaftstheoretische Gründe, zusätzlich das erkenntnistheoretische, zugleich ideologiekritische Interesse, das Denken von den Scheuklappen einer dogmatischen Metaphysik zu befreien. Apriorisches Denken stützt auch falsche Doktrinen und schlechte Institutionen. >Ideologie. Praxis/Theorie: Mit diesem Argument stellt Mill die gesamte theoretische Philosophie, einschließlich Wissenschafts- und Erkenntnistheorie, in den Dienst der Praxis. Man kann hier von einem erkenntnistheoretischen Liberalismus sprechen. >Praxis. Politik: Jedenfalls erhält der kompromisslose Vorrang des empiristischen Standpunktes eine politische Bedeutung, die Ablehnung des Apriorischen einen therapeutischen, genauer: präventiven Zweck. |
Mill I John St. Mill Von Namen, aus: A System of Logic, London 1843 In Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993 Mill II J. St. Mill Utilitarianism: 1st (First) Edition Oxford 1998 Mill Ja I James Mill Commerce Defended: An Answer to the Arguments by which Mr. Spence, Mr. Cobbett, and Others, Have Attempted to Prove that Commerce is Not a Source of National Wealth 1808 |
| Theorien | Nagel | I 52 Theorie/Nagel: Problem für alle rationalistischen und realistischen Theorien: Dass wir nicht sagen können, dass die Logik letztlich in unseren Praktiken wurzelt, während sich dies dennoch darin zeigt, dass wir in Auseinandersetzungen zum Abschluss kommen, nämlich in Urteilen, über die wir uns naturbedingt einig sind. Wir können nicht sagen, dass die Logik von solchen Praktiken abhängig ist, denn das würde seinerseits gegen diese Praktiken verstoßen, in denen die Logik das letzte Wort hat. >Logik, >Praxis, >Begründung, >Letztbegründung. I 53 Aber ist es nicht so, dass sich die Maßgeblichkeit unserer Praktiken darin zeigt, dass dieses letzte Wort in unseren Gedanken und Argumentationen das letzte Wort ist. Das leitet sich her aus: >Solipsismus/Wittgenstein. Frank I 132ff Theorie/Nagel: Theorie muss verstanden werden können ohne die Fähigkeit, einen bestimmten Standpunkt einnehmen zu können. Thomas Nagel (1974): What Is It Like to Be a Bat?, in: The Philosophical Review 83 (1974), 435-450 |
NagE I E. Nagel The Structure of Science: Problems in the Logic of Scientific Explanation Cambridge, MA 1979 Nagel I Th. Nagel Das letzte Wort Stuttgart 1999 Nagel II Thomas Nagel Was bedeutet das alles? Stuttgart 1990 Nagel III Thomas Nagel Die Grenzen der Objektivität Stuttgart 1991 NagelEr I Ernest Nagel Teleology Revisited and Other Essays in the Philosophy and History of Science New York 1982 Fra I M. Frank (Hrsg.) Analytische Theorien des Selbstbewusstseins Frankfurt 1994 |
| Triangulation | Davidson | I 12 Lernen/Sprachlernen/Spracherwerb/Davidson: wir haben jetzt drei statt zwei Klassen von Ereignissen oder Gegenständen: Das Kind findet Tische in relevanter Weise ähnlich. Wir finden Tische ebenfalls ähnlich, außerdem finden wir jede der Reaktionen des Kindes auf Tische ähnlich. Damit können wir relevante Reize dingfest machen. Form der Triangulation: eine Linie von Kind zum Tisch, eine von uns zum Tisch, eine von uns zum Tisch. Der Reiz befindet sich dort, wo die Linie von Kind zum Tisch sich schneidet mit der Linie von uns zum Tisch. >Spracherwerb, >Ähnlichkeit, >Kausaltheorie des Wissens, >Relevanz. Bisher wird durch nichts in diesem Bild erwiesen, dass irgendjemand über den Begriff des Objektiven verfügt. Die Triangulation hat zwar nicht den Begriff, wohl aber die Notwendigkeit erwiesen, dass es überhaupt eine Antwort gibt, was durch die Begriffe dieses Lebewesens begrifflich erfasst wird. I 50 Sowohl das Kind, als auch der Erzieher muss rot sehen, und außerdem muss er sehen, dass der andere es auch sieht. (Basis für Triangulation). I 81 Triangulation/Sprachlernen/Davidson: mit der Triangulation meine ich nicht, dass das eine oder andere Wesen mit dem Begriff der Objektivität ausgestattet wird. Nur die Kommunikation kann diesen Begriff liefern. Dafür ist ein Bewusstsein davon erforderlich, dass wir unsere Gedanken und unsere Welt mit anderen teilen. Das ist der Grund, warum wir die Frage des Inhalts geistiger Zustände nicht vom Standpunkt eines einzigen Wesens betrachten können. I 116 Externalismus/Sprachlernen/DavidsonVsPutnam, DavidsonVsBurge: Dass er mit der Triangulation die Alltagssituation so stark in den Vordergrund rückt, unterscheidet ihn von dem Externalismus Putnams und Burges. >Externalismus. II 131 Triangulation/Davidson/Glüer: Zwei der Seiten des Dreiecks, bestehend aus Kausalhypothesen, sind epistemologisch irrelevant, d.h. auch wenn wir eine Welt präsupponieren müssen, kann sich niemand zur Rechtfertigung seiner Überzeugung auf deren Kausalgenese berufen. II 171 Triangulation/Selbst/Davidson: Das Triangulationsszenario macht deutlich, dass man weder die Vorstellung von einem eigenen Selbst haben kann noch von irgendetwas anderem, bevor man nicht die Vorstellung von anderen Subjekten und einer gemeinsamen Welt hat. Die Perspektive ist also grundlegend. |
Davidson I D. Davidson Der Mythos des Subjektiven Stuttgart 1993 Davidson I (a) Donald Davidson "Tho Conditions of Thoughts", in: Le Cahier du Collège de Philosophie, Paris 1989, pp. 163-171 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson I (b) Donald Davidson "What is Present to the Mind?" in: J. Brandl/W. Gombocz (eds) The MInd of Donald Davidson, Amsterdam 1989, pp. 3-18 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson I (c) Donald Davidson "Meaning, Truth and Evidence", in: R. Barrett/R. Gibson (eds.) Perspectives on Quine, Cambridge/MA 1990, pp. 68-79 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson I (d) Donald Davidson "Epistemology Externalized", Ms 1989 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson I (e) Donald Davidson "The Myth of the Subjective", in: M. Benedikt/R. Burger (eds.) Bewußtsein, Sprache und die Kunst, Wien 1988, pp. 45-54 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson II Donald Davidson "Reply to Foster" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Davidson III D. Davidson Handlung und Ereignis Frankfurt 1990 Davidson IV D. Davidson Wahrheit und Interpretation Frankfurt 1990 Davidson V Donald Davidson "Rational Animals", in: D. Davidson, Subjective, Intersubjective, Objective, Oxford 2001, pp. 95-105 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 |
| Unmögliche Welt | Lewis | IV 21 Unmögliche Welt/UnMöWe/LewisVs: Es gibt keine unmögliche Welt. Problem: Man könnte die unmöglichen Dinge in ihr nicht beschreiben. Es kann: 1. Konsistente Wahrheiten über sie geben. 2. Falsche Kontradiktionen über sie geben. Bsp Wir müssten unterscheiden können, zwischen: a) der unheimlichen Wahrheit über eine unmögliche Welt, in der Schweine fliegen können und gleichzeitig nicht fliegen können von b) der kontradiktorischen Falschheit, dass in dieser Welt Schweine fliegen können, obwohl es nicht so ist, dass in dieser Welt Schweine fliegen können. >Aktualität/Lewis, >Kontrafaktisches/Lewis. Lewis: Eine solche Unterscheidung kann nicht getroffen werden. VsLewis: Allenfalls könnte man etwas wie "Wahrheit in der Fiktion" anführen. LewisVs: Das bringt aber nichts. >Mögliche Welt/Lewis, >Möglichkeit/Lewis, >Metaphysische Möglichkeit/Lewis. --- V 15 Unmögliche Welt/unMöWe/Lewis: Wenn wir unter den ähnlichen möglichen Welten keine ähnlichste finden (Bsp 7 Fuß + e für kleiner werdendes e findet keine Grenze), dann können wir immer noch unMöWe annehmen. S sei jede maximale Menge von Sätzen, sodass, für jede endliche Konjunktion C von Sätzen in S A wä>>kö C gilt in i. S ist dann eine vollständige Beschreibung einer möglichen oder unmöglichen Möglichkeit, wie die Tatsachen sein könnten, wenn A der Fall wäre (gesehen vom Standpunkt von i). Dann müssen wir eine unmögliche Welt postulieren, wo alle Sätze aus S gelten. Sie sollte allein von i aus zugänglich (!) sein. >Zugänglichkeit. Sie sollte näher an i sein als jede mögliche Welt. Pointe: Aber nicht näher an i als irgendeine mögliche Welt, die ihrerseits näher ist als alle möglichen A-Welten. Unmögliche Welt: Hier sind Zugänglichkeit und vergleichbare Ähnlichkeit undefiniert. Die Grenzannahme ist offensichtlich erfüllt. Die Sätze in einer unmöglichen Welt können inkompatibel sein. Aber man kann keinen Widerspruch aus ihnen ableiten, denn es kann widerspruchsfreie Teilmengen geben. Bsp Ich bin mehr als 7 Fuß groß: Unsere Grenzwelten werden unMöWe sein, wo A wahr ist, aber in denen ..7,1 Fuß.. ..7,01,..7,001 usw. falsch ist. Pointe: Das ist nicht dasselbe wie die mögliche Welt, wo ich infinitesimal mehr als 7 Fuß groß bin: denn es gibt solche Welten, wo physikalische Größen Nicht-Standard-Werte die ihrerseits infinitesimal von natürlichen Zahlen abweichen, annehmen können. Zahlen/Messen/Physik: Bsp Physikalische Größen nehmen niemals Nicht-Standard-Werte an. >Messung. V 16 Das ist falsch in jeder möglichen Welt, wo ich infinitesimal größer als 7 Fuß bin, aber wahr in den unmöglich-nächsten A-Welten. LewisVs: Es ist schlimm, so etwas anzunehmen, aber man kann es reduzieren auf unproblematischere Mengen von Propositionen oder Sätzen. V 18 Unmögliche Grenzwelten: Hier werden unmögliche, aber konsistente unendliche Kombinationen von möglichen wahren Sätzen wahr. V 15 Unmögliche Welt/Lewis: Eine unmögliche Welt wird angenommen, wenn infinitesimale Annäherung keine definitiv letzte ähnlichste mögliche Welt liefert. >Ähnlichkeitsmetrik. Vs: Statt unmöglichen Welten sollten wir Mengen von Propositionen oder nur Sätzen annehmen. Vgl. Ersatzwelt als Mengen von Sätzen. >Ersatzwelt. |
Lewis I David K. Lewis Die Identität von Körper und Geist Frankfurt 1989 Lewis I (a) David K. Lewis An Argument for the Identity Theory, in: Journal of Philosophy 63 (1966) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (b) David K. Lewis Psychophysical and Theoretical Identifications, in: Australasian Journal of Philosophy 50 (1972) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (c) David K. Lewis Mad Pain and Martian Pain, Readings in Philosophy of Psychology, Vol. 1, Ned Block (ed.) Harvard University Press, 1980 In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis II David K. Lewis "Languages and Language", in: K. Gunderson (Ed.), Minnesota Studies in the Philosophy of Science, Vol. VII, Language, Mind, and Knowledge, Minneapolis 1975, pp. 3-35 In Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979 Lewis IV David K. Lewis Philosophical Papers Bd I New York Oxford 1983 Lewis V David K. Lewis Philosophical Papers Bd II New York Oxford 1986 Lewis VI David K. Lewis Konventionen Berlin 1975 LewisCl Clarence Irving Lewis Collected Papers of Clarence Irving Lewis Stanford 1970 LewisCl I Clarence Irving Lewis Mind and the World Order: Outline of a Theory of Knowledge (Dover Books on Western Philosophy) 1991 |
| Unparteilichkeit | Toulmin | Habermas III 60 Unparteilichkeit/Toulmin/Habermas: Toulmin möchte für die Vermeidung apriorischer Vernunftmaßstäbe nicht den Preis des Relativismus zahlen. Es darf nicht allein das zählen, was die Beteiligten jeweils für „rational“ halten. >Rationalität, >Relativismus, >Objektivität. Allerdings will Toulmin – wie der Hegel der „Phänomenologie“ – nicht willkürlich voraussetzen, sondern aus der begreifenden Aneignung des kollektiven Vernunftunternehmens der Menschengattung gewinnen. HabermasVsToulmin: solange er aber nicht die allgemeinen kommunikativen Voraussetzungen und Verfahren kooperativer Wahrheitssuche... Habermas III 61 ...klärt, kann er auch nicht formal-pragmatisch angeben, was es heißt, als Argumentationsteilnehmer einen unparteiischen Standpunkt einzunehmen. Diese „Unparteilichkeit“ lässt sich am Aufbau der verwendeten Argumente nicht ablesen, sondern nur anhand der Bedingungen der diskursiven Einlösung von Geltungsansprüchen klären. Toulmin legt nicht die richtigen Schnitte zwischen die zufälligen institutionellen Ausprägungen der Argumentation einerseits und die durch innere Strukturen bestimmten Argumentationsformen andererseits. >Geltungsansprüche, >Diskurs, >Diskurstheorie. Zwar trennt Toulmin Konflikt- und Konsensmodelle, diese stehen aber anders als er annimmt, nicht gleichberechtigt nebeneinander. Das Einlösen von Kompromissen dient überhaupt nicht einer streng diskursiven Einlösung von Geltungsansprüchen, sondern der Abstimmung nicht verallgemeinerungsfähiger Interessen auf der Grundlage gleichgewichtiger Machtpositionen. |
Toulmin I St. Toulmin The Uses of Argument Cambridge 2003 Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |
| Unterscheidungen | Lyons | I 69/70 Unterscheidungen/Laut/Relativität/Lyons: Der Unterschied zwischen [b] und [p] ist nicht absolut, sondern relativ. D.h. wir haben es mit Lautbereichen zu tun. Lyons: Der Unterschied zwischen [b] und [p] variiert ständig (vom phonetischen Standpunkt aus. Absolut/Lyons: Der Unterschied zwischen den Ausdruckselementen /1/ und /2/ ist aber absolut! D.h. es gibt kein Wort, das im Hinblick auf seine grammatische Funktion oder Bedeutung in der Mitte steht, und durch einen mittleren Laut gekennzeichnet ist. >disjunkt/Goodman, >analog/Goodman. Laut/Fazit: Da die Ausdruckseinheiten nicht verwechselt werden dürfen, muss es zwischen den Lautbereichen, die sie realisieren, einen Sicherheitsabstand geben. |
Ly II John Lyons Semantics Cambridge, MA 1977 Lyons I John Lyons Einführung in die moderne Linguistik München 1995 |
| Urteile | Strawson | V 217 Urteil/Strawson: Ein zweites, korrigierendes Urteil scheint von einem zweiten Standpunkt aus gefällt zu sein. Vs: Das ist aber nicht logisch notwendig - und auch nicht logisch notwendig, dass sie sich überhaupt entsprechen. >Perspektive, >Ordnung, >Räumliche Ordnung, >Aussage, >Behauptung, >Äußerung/Strawson. |
Strawson I Peter F. Strawson Einzelding und logisches Subjekt Stuttgart 1972 Strawson II Peter F. Strawson "Truth", Proceedings of the Aristotelian Society, Suppl. Vol XXIV, 1950 - dt. P. F. Strawson, "Wahrheit", In Wahrheitstheorien, Gunnar Skirbekk Frankfurt/M. 1977 Strawson III Peter F. Strawson "On Understanding the Structure of One’s Language" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Strawson IV Peter F. Strawson Analyse und Metaphysik München 1994 Strawson V P.F. Strawson Die Grenzen des Sinns Frankfurt 1981 Strawson VI Peter F Strawson Grammar and Philosophy in: Proceedings of the Aristotelian Society, Vol 70, 1969/70 pp. 1-20 In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Strawson VII Peter F Strawson "On Referring", in: Mind 59 (1950) In Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993 |
| Urteilskraft | Kant | Gadamer I 38 Urteilskraft/Kant/Gadamer: (...) wo dieser Begriff, wie im Pietismus oder in der Philosophie der Schotten(>Reid), eine polemische Wendung gegen die Metaphysik bedeutet, bleibt er damit noch in der Linie seiner ursprünglichen kritischen Funktion. Dagegen ist Kants Aufnahme dieses Begriffs in der „Kritik der Urteilskraft“ ganz anders akzentuiert(1). Kant/Gadamer: Der grundlegende moralische Sinn dieses Begriffs hat bei ihm keinen systematischen Ort mehr. KantVsEmotivismus/KantVsSensus communis: Bekanntlich hat er seine Moralphilosophie geradezu im Gegenzuge gegen die in der englischen Philosophie entwickelte Lehre vom „moralischen Gefühl“ entworfen. So ist der Begriff des sensus communis aus der Moralphilosophie von ihm ganz ausgeschieden worden. Was mit der Unbedingtheit eines moralischen Gebotes auftritt, kann nicht auf ein Gefühl gegründet werden, auch dann nicht, wenn man damit nicht die Einzelheit des Gefühls, sondern die Gemeinsamkeit des sittlichen Empfindens meint. Denn der Charakter des Gebots, der der Moralität eignet, schließt die vergleichende Reflexion auf andere grundsätzlich aus. Die Unbedingtheit des moralischen Gebots bedeutet für das moralische Bewusstsein gewiss nicht, daß es bei der Beurteilung anderer starr sein dürfe. Vielmehr ist es sittlich geboten, von den subjektiven Privatbedingungen des eigenen Urteils zu abstrahieren und sich in den Standpunkt des anderen zu versetzen. >Sittengesetz/Kant. Gadamer I 39 So bleibt für Kant von der Reichweite dessen, was man ein sinnliches Urteilsvermögen nennen könnte, nur das ästhetische Geschmacksurteil übrig. Hier kann man von einem wirklichen Gemeinsinn reden. So zweifelhaft es sein mag, ob man beim ästhetischen Geschmack von Erkenntnis reden darf, und so gewiss im ästhetischen Urteil nicht nach Begriffen geurteilt wird, so steht doch fest, daß im ästhetischen Geschmack die Zumutung der allgemeinen Beistimmung gedacht ist, auch wenn er sinnlich und nicht begrifflich ist. Der wahre Gemeinsinn also, sagt Kant, ist der Geschmack. >Geschmack/Kant. Gadamer I 44 Es ist (...) keineswegs so, daß die Urteilskraft nur im Bereich von Natur und Kunst als Beurteilung des Schönen und Erhabenen produktiv ist, ja man wird nicht einmal mit Kant(2) sagen, daß dort eine Produktivität der Urteilskraft anzuerkennen sei. Vielmehr ist das Schöne in Natur und Kunst durch das ganze weite Meer des Schönen zu ergänzen, das in der sittlichen Realität des Menschen seine Ausbreitung hat. Gadamer I 45 Immer handelt es sich offenkundig nicht nur um logische, sondern auch um ästhetische Urteilskraft. Der Einzelfall, an dem die Urteilskraft tätig wird, ist nie ein bloßer Fall; er erschöpft sich nicht darin, die Besonderung eines allgemeinen Gesetzes oder Begriffes zu sein. Er ist vielmehr stets ein „individueller Fall“ und bezeichnenderweise sagen wir dafür: ein besonderer Fall, ein Sonderfall, weil er von der Regel nicht erfasst wird. Gadamer I 46 Geisteswissenschaften/Ästhetik/Ethik/Kant/Gadamer: Blickt man nun auf die Rolle, die Kants Kritik der Urteilskraft innerhalb der Geschichte der Geisteswissenschaften spielt, wird man sagen müssen, daß seine transzendental-philosophische Grundlegung der Ästhetik nach beiden Seiten folgenreich war und einen Einschnitt darstellt. Sie bedeutet den Abbruch einer Tradition, aber zugleich die Einleitung einer neuen Entwicklung. Sie hat den Begriff des Geschmacks auf das Feld eingeschränkt, auf dem er als ein eigenes Prinzip der Urteilskraft selbständige und unabhängige Geltung beanspruchen konnte - und engte umgekehrt damit den Begriff der Erkenntnis auf den theoretischen und praktischen Vernunftgebrauch ein. Die transzendentale Absicht, die ihn leitete, fand an dem eingeschränkten Phänomen des Urteils über das Schöne (und Erhabene) Erfüllung und verwies den allgemeineren Erfahrungsbegriff des Geschmacks und die Tätigkeit der ästhetischen Urteilskraft im Bereich von Recht und Sitte aus dem Zentrum der Philosophie. >Ästhetik/Kant. 1. Kritik der Urteilskraft, S 40. 2. Ebenda, S. VII. |
I. Kant I Günter Schulte Kant Einführung (Campus) Frankfurt 1994 Externe Quellen. ZEIT-Artikel 11/02 (Ludger Heidbrink über Rawls) Volker Gerhard "Die Frucht der Freiheit" Plädoyer für die Stammzellforschung ZEIT 27.11.03 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Verfremdung | Flusser | I 107 Verfremdung/alienation/estrangement/distancing/Flusser: Verfremdung 1: Der Mensch wird aus der "Welt" verstoßen und versucht den Abgrund mit Bildern zu überbrücken. (Magisches Bewusstsein). >Bilder/Flusser, >Techno-Bild/Flusser. Verfremdung 2: Die Vermittlungsleistung des Bildes wird gestört, der Mensch verlässt die Welt der Bilder und versucht, den Abgrund durch Texte zu überbrücken. >Texte/Flusser, >Welt/Denken. I 109 Neuer Standpunkt: Historisches Bewusstsein. Im Lauf der Zeit werden die Texte opak, "unvorstellbar, (Verfremdung 3). Unsere Texte vermitteln nicht mehr, denn wir sehen hinter ihnen nicht mehr Bilder sondern uns selbst als Erzeuger. >Vermittlung, >Vorstellbarkeit. I 110 Bsp Hinter der klassischen Physik steckt kein Bild der Natur, sondern Newton, hinter der Hegelschen Philosophie kein Bild des Menschen, sondern Hegel, hinter den Brüdern Karamasow kein Bild der menschlichen Seele, sondern Dostojewski. Wir sind der Welt der Texte entfremdet, weil wir sie als eine von uns erzeugte Welt durchschauen. Vgl. >Konstruktivismus. I 133 Verfremdung 3/Flusser: Der Wahnsinn, innerhalb einer undurchdringlichen Bücherwand zu leben ist um nichts weniger fürchterlich, als jener Wahnsinn, von dem uns die Bücher befreien wollten. >Literatur. |
Fl I V. Flusser Kommunikologie Mannheim 1996 |
| Verhalten | Armstrong | Avramides I 151 Verhalten/Armstrong/Avramides: Verhalten muss nach Armstrong zunächst immer bedeuten: physisches Verhalten. Sonst ist der Begriff zirkulär. Dagegen: "Eigentliches Verhalten"/Armstrong: bezieht sich auch auf den Geist. >Geist, >Denken, >Gedanken, >Dispositionen, >Intentionalität. Avramides I 157 Eigentliches Verhalten: ist dann interpretiertes Verhalten; das kann man nur als Subjekt an anderen Subjekten erkennen. >Subjekte, >Interpretation. Avramides: Dritte-Person-Standpunkt. - Das ist kein Gottesstandpunkt und keine Neurophysiologie. Avramides I 159 Dann kann Geist nicht nur kontingent mit Verhalten verbunden sein. - Ein Subjekt kann nie von seiner Erfahrung getrennt werden. - Dennoch ist der Geist ohne wesentliche Referenz auf Verhalten. >Erfahrung, >Referenz. |
Armstrong I David M. Armstrong Meaning and Communication, The Philosophical Review 80, 1971, pp. 427-447 In Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979 Armstrong II (a) David M. Armstrong Dispositions as Categorical States In Dispositions, Tim Crane London New York 1996 Armstrong II (b) David M. Armstrong Place’ s and Armstrong’ s Views Compared and Contrasted In Dispositions, Tim Crane London New York 1996 Armstrong II (c) David M. Armstrong Reply to Martin In Dispositions, Tim Crane London New York 1996 Armstrong II (d) David M. Armstrong Second Reply to Martin London New York 1996 Armstrong III D. Armstrong What is a Law of Nature? Cambridge 1983 Avr I A. Avramides Meaning and Mind Boston 1989 |
| Verstehen | Pädagogische Psychologie | Upton I 106 Verstehen/Wissenschaft/Bildungspsychologie/Upton: Piaget (Piaget, 1923)(1) argumentierte, dass Kinder eine wissenschaftliche Argumentation erst verstehen können, wenn sie das formale operative Entwicklungsstadium erreicht haben, das normalerweise in der Adoleszenz stattfindet. VsPiaget: Viele Pädagogen und Psychologen sind sich jedoch inzwischen einig, dass Kinder von klein auf beginnen, die natürliche Welt und ihre Funktionsweise zu verstehen (Duschl et al., 2007)(2). Die Beweise deuten darauf hin, dass sie ihre eigenen Theorien darüber, wie die Welt um sie herum funktioniert, auf der Grundlage ihrer täglichen Erfahrungen konstruieren. Während ein rudimentäres Verständnis von wissenschaftlichen Phänomenen wie der Dichte sogar im Vorschulalter nachgewiesen werden konnte (Kohn, 1993)(3), muss bedacht werden, dass diese naiven Theorien oft unvollkommen sind und Fehleinschätzungen beinhalten können. Piaget (1923)(1) argumentiert, dass dies daran liegt, dass kleine Kinder nicht über die kognitiven Strukturen verfügen, um die wissenschaftliche Theorie verstehen zu können. Laut Piaget müssen frühe Missverständnisse durch ein genaueres Verständnis ersetzt werden, wenn die kognitiven Fähigkeiten des Kindes reifen. Zeitgenössische Erkenntnisse deuten jedoch darauf hin, dass dieses Wissen nicht als Ablehnung der frühen kindlichen Theorien, sondern als Baustein für das wissenschaftliche Denken genutzt werden sollte. Siehe Pine et al. 2001(4) - Für einen anderen Standpunkt (VsPine) siehe Hardy et al. 2006(5). >J. Piaget, >Entwicklungsphasen, >Entwicklungsperioden, >Entwicklungspsychologie. 1. Piaget. 1(1923) Languci.ge and Thought of the Child. London: Routledge. 2. Duschl. R. Schweingruber, H and Shouse, A (eds) (2007) Taking Science to School: Learning and teaching science in grades K - 8. Washington, DC: National Academies Press. 3. Kohn, A (1993) Preschoolers’ reasoning about density: will it float? Child Development, 64: 163 7-50. 4. Pine, KJ, Messer, DJ and St John, K (2001) Children’s misconceptions in primary science: a survey of teachers’ views. Research in Science and Technology Education, 19(1): 79-96. Available online at https://uhra.herts.ac.uk/dspace/bitstream/2 299/613/1/103 202.pdf. 5. Hardy, I, Jonen, A, Möller, K and Stem, E (2006) Effects of instructional support within constructivist learning environments for elementary school students’ understanding of ‘floating and sinking’. Journal of Educational Psychology, 98: 307-26. Further reading: Nunes, T, Schliemann, AD and Carraher, DW (1993) Street Mathematics and School Mathematics. New York: Cambridge University Press. |
Upton I Penney Upton Developmental Psychology 2011 |
| Vokabular | Rorty | III 60ff Vokabular: Nietzsche - Rorty - Derrida: Wir müssen autonom über unser Vokabular und unser Sprechen entscheiden können. >Nietzsche, >Derrida. III 127 Def Abschließendes Vokabular/Rorty: Mit ihm erzählen wir unsere Lebensgeschichte, mal rückwärtsgewandt, mal vorausgreifend. "Abschließend": weil es keinen außer ihm gelegenen Standpunkt gibt, von dem aus es gerechtfertigt werden kann - nur zirkuläre Rechtfertigung wäre möglich. III 135 Def "Dialektik"/Hegel/ Rorty: Versuch, Vokabulare gegeneinander auszuspielen, statt bloß Sätze voneinander abzuleiten. >Dialektik/Hegel, >Hegel. RortyVsHegel: Hegel veränderte ständig sein Vokabular und wechselte dabei das Thema. - Seine Vorgänger kritisierte er nicht als irrig, sondern, dass sie eine veraltete Sprache benutzten. VI 125 Vokabular/Korrespondenz/Realität/Welt/Sprache/Rorty: Die Behauptung, dass einige Vokabulare besser funktionieren als andere ist völlig in Ordnung - aber nicht, dass sie die Wirklichkeit angemessener repräsentieren. - ((s) > Ablösung der Sprache von der Realität). >Korrespondenz, >Korrespondenztheorie, >Welt/Denken. |
Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 |
| Vorurteile | Schleiermacher | Gadamer I 283 Vorurteil/Schleiermacher/Gadamer: Schleiermacher [schreibt], dass er als Ursachen des Missverstehens Befangenheit und Übereilung unterscheidet(1). Vgl. >Vorurteil/Aufklärung, >Vorurteil/Gadamer. [Schleiermacher] setzt die dauernden Vorurteile aus Befangenheit neben die momentanen Fehlurteile aus Übereilung (>Vorurteil/Descartes). Aber nur die ersteren Interessieren den auf wissenschaftliche Methodik Gerichteten. GadamerVsSchleiermacher: Dass unter den Vorurteilen, die den in Autoritäten Befangenen erfüllen, auch solche sein können, die Wahrheit haben - und das lag doch im Begriff der Autorität von Hause aus darin - kommt Schleiermacher überhaupt nicht mehr in den Sinn. Seine Abwandlung der traditionellen Einteilung der Vorurteile dokumentiert die Vollendung der Aufklärung. Befangenheit meint nur noch eine individuelle Schranke des Verstehens: »Die einseitige Vorliebe für das, was dem einzelnen Ideenkreis nahe liegt.“(1) Gadamer: In Wahrheit versteckt sich aber unter dem Begriff der Befangenheit die entscheidende Frage. Dass die Vorurteile, die mich bestimmen, meiner Befangenheit entstammen, ist selbst schon vom Standpunkte ihrer Auflösung und Aufklärung aus geurteilt und gilt nur für unberechtigte Vorurteile. Wenn es auch berechtigte und für die Erkenntnis produktive Vorurteile gibt, kehrt das Problem der Autorität für uns wieder. Die radikalen Konsequenzen der Aufklärung, die auch noch in Schleiermachers Methodenglauben stecken, sind so nicht haltbar. 1. Schleiermacher Werke I, 7, S. 31 |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Wahrheit der Kunst | Gadamer | I 47 Wahrheit der Kunst/GadamerVsKant/Gadamer: Die transzendentale Funktion, die Kant der ästhetischen Urteilskraft zuweist, vermag der Abgrenzung gegen die begriffliche Erkenntnis und insofern der Bestimmung der Phänomene des Schönen und der Kunst zu genügen. >Urteilskraft/Kant, >Urteilskraft/Gadamer, >Geschmack/Gadamer, >Ästhetik/Kant. Aber geht es an, den Begriff der Wahrheit der begrifflichen Erkenntnis vorzubehalten? Muss man nicht auch anerkennen, dass das Kunstwerk Wahrheit habe? I 87 Ist das ästhetische Verhalten überhaupt eine dem Kunstwerk gegenüber angemessene Haltung? Oder ist das, was wir „ästhetisches Bewusstsein« nennen, eine Abstraktion? Man kann jedenfalls nicht bezweifeln, dass die großen Zeiten der Geschichte der Kunst solche waren, in denen man sich ohne alles ästhetische Bewusstsein und ohne unseren Begriff von mit Gestaltungen umgab, deren religiöse oder profane Lebensfunktion für alle verständlich und für niemanden nur ästhetisch genussreich war. Lässt sich auf sie der Begriff des ästhetischen Erlebnisses überhaupt anwenden, ohne ihr wahres Sein zu verkürzen? Der Wendepunkt scheint bei Schiller zu liegen, der den transzendentalen Gedanken des Geschmacks in eine moralische Forderung umwandelte und als Imperativ formulierte: Verhalte dich ästhetisch!(1) Schiller hat in seinen ästhetischen Schriften die radikale Subjektivierung, durch die Kant das Geschmacksurteil und seinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit transzendental gerechtfertigt hatte, aus einer methodischen in eine inhaltliche Voraussetzung gewandelt. >Wahrheit der Kunst/Schiller. I 88 Wenn (...) der Gegensatz von Wirklichkeit und Schein den Begriff der Kunst prägt, ist der umfassende Rahmen, den die Natur bildet, gesprengt. Die Kunst wird ein eigener Standpunkt und begründet einen eigenen autonomen Herrschaftsanspruch. I 103 Wahrheit der Kunst/Gadamer: Die Berufung auf die Unmittelbarkeit, auf das Geniale des Augenblicks, auf die Bedeutung des kann vor dem Anspruch der menschlichen Existenz auf Kontinuität und Einheit des Selbstverständnisses nicht bestehen. Die Erfahrung der Kunst darf nicht in die Unverbindlichkeit des ästhetischen Bewusstseins abgedrängt werden. Vgl. >Erlebniskunst/Gadamer. Diese negative Einsicht bedeutet positiv: Kunst ist Erkenntnis und die Erfahrung des Kunstwerks macht dieser Erkenntnis teilhaftig. Problem: Es [war] eine methodische Abstraktion zum Zwecke einer ganz bestimmten, transzendentalen Begründungsleistung (...), die Kant bewog, die ästhetische Urteilskraft ganz auf den Zustand des Subjektes zu beziehen. Wenn diese ästhetische Abstraktion in der Folge jedoch inhaltlich verstanden und in die Forderung verwandelt wurde, die Kunst „rein ästhetisch“ zu verstehen, so sehen wir jetzt, wie diese Abstraktionsforderung zu der wirklichen Erfahrung der Kunst in einen unauflösbaren Widerspruch gerät. 1. So kann man zusammenfassen, was in den Briefen »Über die ästhetische Erziehung des Menschen«, etwa im 15. Brief, begründet wird: »es soll eine Gemeinschaft zwischen Formtrieb und Stofftrieb, d. h. ein Spieltrieb sein«. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Wahrheit der Kunst | Idealismus | Gadamer I 105 Wahrheit der Kunst/Idealismus/Gadamer: Wenn der spekulative Idealismus den auf Kant gegründeten ästhetischen Subjektivismus und Agnostizismus zu überwinden suchte, indem er sich zum Standpunkt des unendlichen Wissens erhob, so schloss (...) eine solche gnostische Selbsterlösung der Endlichkeit die Aufhebung der Kunst in die Philosophie in sich. >Kunst, >Kunstwerke, >Ästhetik. GadamerVsIdealismus: Wir werden stattdessen den Standpunkt der Endlichkeit festzuhalten haben. >Subjektivismus/Heidegger, >Wahrheit der Kunst. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Wahrheitsprädikat | Rorty | IV (a) 21ff "Wahr"/Ethnozentrismus/Rorty: Wir bedienen uns unserer gegenwärtigen Überzeugungen, um darüber zu befinden, wie der Ausdruck »wahr« anzuwenden ist, obwohl »wahr« nicht durch diese Überzeugungen definiert werden kann. - Das nennt Putnam "Gottesgesichtspunkt" - d.h. wir trivialisieren "wahr", ohne es zu relativieren. >Gottesstandpunkt. |
Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 |
| Wahrnehmung | Quine | Münch III 296 Def Wahrnehmung/Quine/Schnelle: Gewahrwerden einer Reizung. Münch III 298 Quine: Bsp "Das Tier reagiert auf den Halbkreis auf dem Bildschirm". - SchnelleVsQuine: woher weiß er das? - Vielleicht nur Schmerzvermeidung. Helmut Schnelle, Introspection and the Description of Language Use“, in: Florian Coulmas (Ed) Festschrift for native speaker, Den Haag 1981, 105-126. – dt: Introspektion und Beschreibung des Sprachgebrauchs, in: Dieter Münch (Hg) Kognitionswissenschaft, Frankfurt 1992 Quine VI 2 Wahrnehmung/Quine: Input: nicht Gegenstände, sondern Aktivierung unserer Sinnesrezeptoren. - Wir müssen uns mit Reizeinflüssen selbst begründen. - Reizeinflüsse statt "Beobachtung" und statt Belegen. >Reize/Quine. VI 100 Wahrnehmung/Quine: im Prinzip neurophysiologisch beschreibbar - Überzeugungen nicht. V 15 Wahrnehmung/Quine: hier geht es um Gestalt, nicht um Reize (diese fallen unter Rezeption). V 18 Wahrnehmung/Quine: hat mehr mit Bewusstsein zu tun als Rezeption von Reizen. Aber auch sie ist Verhaltenskriterien zugänglich. Sie zeigt sich in der Konditionierung von Reaktionen. V 33 Ähnlichkeit/Wahrnehmung/Ontologie/Quine: der Übergang von Wahrnehmung zu Wahrnehmungsähnlichkeit bringt ontologische Klarheit: die Wahrnehmung (das Ergebnis des Wahrnehmungsakts) fällt weg. V 36 Wahrnehmungs-Ähnlichkeit/WÄ/Quine: man ist geneigt, hier von Ähnlichkeit in bestimmten Hinsichten zu sprechen. V 37 Quine: das ist in der Praxis bequem, doch in der Theorie entbehrlich, wenn man Ähnlichkeit wie oben vielstellig ausdehnt. Lernen/Wahrnehmung/Ähnlichkeit/WÄ/Quine: beim Lernen müssen unterschiedliche Grade von Ähnlichkeit eine Rolle spielen. Pointe: sonst würde jede verstärkte Reaktion gleichermaßen auf jedwede zukünftige Episode konditioniert, da diese einander alle gleich ähnlich wären! Pointe: daraus folgt, dass die Maßstäbe der Wahrnehmungsähnlichkeit angeboren sein müssen. VI 1 Wahrnehmung/Sprache/Welt: unsere systematische Theorie über die Außenwelt hat sich über Generationen hinweg gebildet. Sie erlaubt uns, zukünftige Sinnesreizungen vorherzusagen. So haben wir inmitten des Gewirrs von Reizungen eine Theorie, die uns hilft, Voraussagen zu überprüfen. >Vorhersagen/Quine. VI 2 Wahrnehmung/Beobachtung/Quine: was Beobachtung ist, ist nicht leicht zu analysieren. Unser Input besteht nicht in Gegenständen, sondern in der Aktivierung unserer Sinnesrezeptoren. Wir müssen uns mit Reizeinflüssen selbst begründen, und auf die Gegenstände verzichten! (Ebenso auf entsprechenden singulären Termini). Def Reizeinfluss/Quine: die zeitlich geordnete Menge aller Wahrnehmungsrezeptoren des Subjekts, die bei einem Anlass aktiviert werden. VI 3 Beobachtung/Quine: so gelingt es uns, auf den Begriff der "Beobachtung" als eigenständigen Terminus Technicus zu verzichten! (Zugunsten von Reizeinfluss). VI 26 Wahrnehmung/Quine: ich habe immer von neuronalen Rezeptoren und ihrer Reizung gesprochen und niemals von Sinnesdaten. (>Naturalisierte Erkenntnistheorie). Sinnesdaten/Quine: sind cartesianisch! >Cartesianismus. VI 86 Wahrnehmung/Lernen/Sprache/Quine: zwei Wahrnehmungssituationen von Otto, dass es regnet, werden sich nicht nur in den Zeitpunkten unterscheiden, sondern auch in neuronaler Hinsicht. Wahrscheinlich zu kompliziert, um überhaupt neuronal beschrieben werden zu können, da es viele unterschiedliche Anzeichen für Regen gibt. Aber es muss dennoch irgendein neuronales gemeinsames Merkmal für die Klasse dieser Vorgänge geben, denn schließlich waren es Reizverallgemeinerungen, die dafür verantwortlich waren, dass Otto es gelernt hat. Danach können wir diese Klasse auf eine ganze Population übertragen. Allerdings ist sie noch unzugänglicher, weil die Nervensysteme verschiedener Individuen unterschiedlich vernetzt sind. VI 89 Wahrnehmung/Kriterien/Quine: von Dingen: Bsp "x nimmt wahr, dass p". Problem: das Licht, in dem wir einen Gegenstand sehen, stammt immer auch von der Sonne oder einer anderen Quelle. VI 90 Können wir auf Kriterien zurückgreifen? Nein: denn wir wollen ja auch zulassen, dass eine Schüssel dadurch wahrgenommen wird, dass sie sich in etwas spiegelt. Lösung: Brennpunkt: wir wollen unterscheiden zwischen dem Sehen eines Glases und dem Sehen durch dieses Glas hindurch. Doch Kausalbeziehungen und Brennpunkt reichen noch nicht aus. Irgendein Teil der Oberfläche unserer Schüssel würde dieser Bedingung nicht minder genügen als die ganze Schüssel selbst. VI 91 Daher brauchen wir ganze Sätze, um durch sie zu den Termini zu gelangen. VI 92 Wahrnehmung/Quine: Bsp "x nimmt wahr, dass p" treibt die Rede von Wahrnehmungen in ungeahnte Höhen. So sollen wir gar bemerken, dass die Newtonschen Gesetze die Keplerschen implizieren! Aber Bedingung: nur anlässlich der Situation, in der wir erstmalig zur Kenntnis nehmen, dass p, sagt man von uns, wir bemerkten. dass p. VI 93 Wahrnehmung/Quine: ist nur ein Ereignis in einem Subjekt zu einem Zeitpunkt. Fremde Wahrnehmungen registrieren wir durch das Verhalten eines Subjekts und unsere Einfühlung. VI 94 Sich in fremden Glauben einzufühlen ist schwerer: zwar verstehen wir den Glauben des Hundes, er werde sein Fressen bekommen, aber wie verstehen wir, dass jemand an die Transsubstantiation während der Eucharistie glaubt? >Behaviorismus. VI 100 Wahrnehmung/Quine: wir haben schon gesehen, dass eine neurologische Verallgemeinerung unserer Wahrnehmungen wegen der unterschiedlichen Situationen, Standpunkte und verschiedener neuronaler Vernetzung nicht möglich ist. Dennoch ist jede Wahrnehmung im Prinzip vollständig beschreibbar unter Verwendung strikt neurologischer Termini! Das gilt aber nicht für Überzeugungen. |
Quine I W.V.O. Quine Wort und Gegenstand Stuttgart 1980 Quine II W.V.O. Quine Theorien und Dinge Frankfurt 1985 Quine III W.V.O. Quine Grundzüge der Logik Frankfurt 1978 Quine V W.V.O. Quine Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989 Quine VI W.V.O. Quine Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995 Quine VII W.V.O. Quine From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953 Quine VII (a) W. V. A. Quine On what there is In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (b) W. V. A. Quine Two dogmas of empiricism In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (c) W. V. A. Quine The problem of meaning in linguistics In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (d) W. V. A. Quine Identity, ostension and hypostasis In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (e) W. V. A. Quine New foundations for mathematical logic In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (f) W. V. A. Quine Logic and the reification of universals In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (g) W. V. A. Quine Notes on the theory of reference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (h) W. V. A. Quine Reference and modality In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (i) W. V. A. Quine Meaning and existential inference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VIII W.V.O. Quine Bezeichnung und Referenz In Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982 Quine IX W.V.O. Quine Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967 Quine X W.V.O. Quine Philosophie der Logik Bamberg 2005 Quine XII W.V.O. Quine Ontologische Relativität Frankfurt 2003 Quine XIII Willard Van Orman Quine Quiddities Cambridge/London 1987 |
| Währungskrisen | Fischer | Feldstein I 453 Währungskrisen/Stanley Fischer: Die natürliche Tendenz, sich auf Krisen zu konzentrieren, die bereits stattgefunden haben, kann zu gewissen Verzerrungen führen. Fast per definitionem handelt es sich dabei um Ausreißer, um Ergebnisse, die schlechter sind Feldstein I 454 als erwartet. Wir sollten auch einen Moment über Krisen nachdenken, die nicht stattfinden. Erstens: In den meisten Ländern gibt es meistens keine Krisen. Zweitens finden sie in einigen Fällen nicht statt, weil die Länder Maßnahmen ergriffen haben, um bevorstehende Krisen zu vermeiden. Drittens gibt es Krisen, die erwartet werden, aber nicht eintreten. Wenn wir über Krisen nachdenken, müssen wir herausfinden, wie und warum die Märkte diese Länder weiterhin finanzieren, möglicherweise so lange, dass sie eine Krise vermeiden können. >Wechselkurse, >Wechselkurse/Fischer, >Feste Wechselkurse, >Schwankende Wechselkurse. Feldstein I 456 IWF/Fischer: Lassen Sie mich auch auf den Vorschlag eingehen, das IWF-Übereinkommen dahingehend zu ändern, dass die Liberalisierung der Kapitalströme zu einem Ziel des IWF wird. Gegenwärtig ist eines unserer Ziele die Förderung der Konvertibilität der Leistungsbilanz, nicht aber die Konvertibilität der Kapitalbilanz - obwohl wir unter bestimmten Umständen von den Ländern Kapitalkontrollen verlangen dürfen. Der Vorschlag, die Artikel in dieser Richtung zu ändern, hat in vielen Entwicklungsländern große Besorgnis ausgelöst, wenn auch, wie ich glaube, keine berechtigte Besorgnis. Die Liberalisierung der Kapitalverkehrsbilanz ist etwas, das auf lange Sicht fast jedes Land treffen wird, so wie die Liberalisierung der Leistungsbilanz fast jedes Land getroffen hat. Und auf lange Sicht, wenn sich die Finanzstrukturen festigen, wird dies eine gute Sache sein. Kontingente/Kapitalbilanz/Fischer: Wir wissen, dass Kontingente im Großen und Ganzen schlechter sind als Zölle, auch wenn das Gegenteil unter ganz bestimmten Umständen gelegentlich der Fall ist. Wir wissen etwas über die Liberalisierung durch eine proportionale Senkung der Zölle und so weiter. Wir haben keine ähnlichen Antworten für die Kapitalbilanz - und wir sollten versuchen, sie zu entwickeln. ((s) Geschrieben im Jahr 1999). Feldstein I 457 Gleichgewicht/Fischer: (...) Ich habe große Schwierigkeiten zu wissen, woher wir wissen, ob der Markt das Richtige tut, ob es nicht ein anderes Gleichgewicht gibt, und was genau diese Situationen antreibt. Aber wenn man davon ausgeht, dann muss man sich fragen, ob die Länder in einer Krise oder in anderen Situationen nicht zumindest versuchsweise einen Standpunkt dazu einnehmen sollten, wo der Wechselkurs sein sollte. Natürlich können sie unter diesen Umständen nicht in großem Umfang auf Reserven zurückgreifen, um einen bestimmten Kurs zu verteidigen, aber sie können versuchen, den Zinssatz zu nutzen, um zu verhindern, dass er sich zu weit bewegt. Ansteckung: Eine Ansteckung liegt vor, wenn ein Land unter den objektiven Umständen mit größerer Wahrscheinlichkeit in eine Krise gerät, wenn ein anderes Land ebenfalls in einer Krise steckt. Die Daten zeigen, zum Beispiel in einem Papier von Eichengreen, Rose und Wyplosz (1996)(1), dass eine Ansteckung vorliegt, ein Ergebnis, das angesichts der europäischen Krise, der lateinamerikanischen Krise und der südostasiatischen Krise leicht zu glauben ist. Frage: (...) sollte der IWF unter diesen Umständen Kredite vergeben und schafft dies zu viel Moral Hazard? >Moral Hazard. Moral Hazard /Fischer: Artikel I des IWF-Übereinkommens, in dem die Ziele des Fonds festgelegt sind, enthält Folgendes: „Den Mitgliedern Vertrauen zu geben, indem ihnen die allgemeinen Mittel des Fonds unter angemessenen Sicherheitsvorkehrungen vorübergehend zur Verfügung gestellt werden, um ihnen so die Möglichkeit zu geben, Fehlentwicklungen in ihrer Zahlungsbilanz zu korrigieren, Feldstein I 458 ohne auf Maßnahmen zurückzugreifen, die den nationalen oder internationalen Wohlstand zerstören.“ Wir wurden unter anderem gegründet, um Krisenländern Kredite zu gewähren und werden daher einem Mitglied nicht sagen, dass wir ihm aufgrund des moralischen Risikos keinen Kredit gewähren können. Moralisches Risiko gibt es bei jeder einzelnen Versicherungsregelung. Wir alle kennen die Analyse, dass Sicherheitsgurte die Geschwindigkeit erhöhen, mit der die Menschen fahren, und die Intensität der Unfälle erhöhen und sogar die Zahl der Unfälle erhöhen könnten. Das gilt auch für das moralische Risiko der Kreditvergabe durch den öffentlichen Sektor in Situationen, in denen sich ein Land in ernsten Schwierigkeiten befindet und es nichts anderes zu geben scheint, was ihm helfen könnte, Maßnahmen zu vermeiden, die den nationalen Wohlstand zerstören, was eine sehr, sehr tiefe Rezession bedeutet. 1. Eichengreen, Bany, Andrew Rose, and Charles Wyplosz. 1996. Contagious currency crises. NBER Working Paper no. 5681. Cambridge, Mass.: National Bureau of Economic Research. Stanley Fisher. „Crises that don’t happen.“ In: Martin Feldstein (ed). International Capital Flows. Chicago: University of Chicago Press. 1999. |
Fischer St I Stanley Fischer Imf Essays From a Time of Crisis Boston: MIT 2005 Feldstein I Martin Feldstein (ed.) International Capital Flows. Chicago: University of Chicago Press. 1999. Chicago 1999 |
| Wechselkurse | Fischer | Feldstein I 455 Wechselkurssysteme/Feste Wechselkurse/Schwankende Wechselkurse/Stanley Fischer: Wir verkünden oft, dass Länder eine solide makroökonomische Politik und ein solides Finanzsystem haben müssen, um Krisen zu verhindern. Wie sieht es mit dem Wechselkurssystem aus? Wir sagen im Allgemeinen, dass man mit einer guten makroökonomischen Politik auch einen stabilen Wechselkurs hat. Ist das wirklich so? Haben Japan und die Vereinigten Staaten zwischen 1995 und 1996 eine instabile makroökonomische Politik betrieben? Ist das der Grund, warum der Wechselkurs in diesem Zeitraum um 50 Prozent gestiegen ist? Der Standpunkt, dass die Wechselkurse stabil sind, wenn die Politik tugendhaft ist, wird von den Beweisen nicht gut unterstützt. Aber wir sind uns nicht sicher, welches System wir empfehlen sollen. Ich bin skeptisch gegenüber frei schwankenden Wechselkursen, insbesondere für Entwicklungsländer, und glaube, dass ein Land, das versucht, sich durch die Integration in die Weltwirtschaft zu entwickeln, diese Aufgabe umso schwieriger macht, wenn es nicht in irgendeiner Weise versucht, den Wechselkurs zu stabilisieren. Im Falle eines extremen Sturms ist es wahrscheinlich von Vorteil, den Kurs schwanken zu lassen, aber der Kurs muss trotzdem verteidigt werden. Zweifellos gäbe es noch mehr zu sagen, aber es ist erstaunlich, dass in dieser wichtigen Frage noch so viel Unsicherheit herrscht. >Wechselkursschwankungen/Rogoff. Stanley Fisher. „Crises that don’t happen.“ In: Martin Feldstein (ed). International Capital Flows. Chicago: University of Chicago Press. 1999. |
Fischer St I Stanley Fischer Imf Essays From a Time of Crisis Boston: MIT 2005 Feldstein I Martin Feldstein (ed.) International Capital Flows. Chicago: University of Chicago Press. 1999. Chicago 1999 |
| Welt | Nietzsche | Ries II 17 Welt/Erlösung/Nietzsche: Anspruch einer Erlösung der Welt zum »Tanzboden für göttliche Zufälle«. Danto III 45 Welt/Werte/Nietzsche/Danto: Die Welt als wertlos zu bezeichnen heißt noch lange nicht, ihr im Rahmen eines Werteschemas einen niedrigen Wert beizumessen (…) es muss darum nicht sinnvoll sein, ihr überhaupt einen Wert beizumessen. Werte sind auf die Welt nicht besser anwendbar als Gewichtsmaße auf Zahlen. Es gibt weder Zwecke noch Ordnung, weder Dinge noch Tatsachen, also gar nichts, dem unsere Überzeugungen entsprechen können. Und so sind all unsere Überzeugungen falsch. Dies betrachtet Nietzsche als extremste Form des Nihilismus.(1) >Nihilismus/Nietzsche. Danto III 46 Nach Nietzsches eigener Erfahrung wirkt das Wissen darum, dass die Welt bar aller Form und Bedeutung ist, berauschend; und sollte diese Erkenntnis irgend etwas nahelegen, dann ein „dionysische(s) Ja-sagen zur Welt, wie sie ist, ohne Abzug, Ausnahme und Auswahl.“(2) >Terminologie/Nietzsche. Danto III 159 Welt/NietzscheVsHegel/Nietzsche/Danto: Die Welt hat keine vernünftige Gestalt neben derjenigen, die wir ihr verliehen haben. Dann stellen wir aber auch in keinem höheren Maße vernünftige Wesen dar, als die Welt selbst ein vernünftiger Ort ist. Das heißt nicht, dass wir irrational sind, sondern lediglich, dass die Unterscheidung zwischen Rationalität und Irrationalität nicht in Anschlag zu bringen ist. Dass alles Wahre falsch sei, dass Erkenntnis Unkenntnis gleichkommt – dies und ähnliches zu sagen, bedeutet nichts weiter, als Worte zu verdrehen und aufzubauschen. Das heißt nicht, dass wir vor diesen Luftschlössern Reißaus nehmen sollten. Danto III 274 Welt/Nietzsche/Danto: Nach Nietzsche ist die Welt etwas von uns Gemachtes und immer wieder zu Machendes. Sie hat keine andere Gestalt oder Bedeutung, als diejenige, die wir ihr auferlegen. >Welt/Denken/Nietzsche, >Realität/Nietzsche. Nietzsche: Der Glaube, dass die Welt, die sein sollte, ist, wirklich existiert, ist ein Glaube der Unproduktiven, die nicht eine Welt schaffen wollen, wie sie sein soll. Sie setzen sie als vorhanden, sie suchen nach Mitteln und Wegen, um zu ihr zu gelangen. ‚Wille zur Wahrheit‘ – als Ohnmacht des Willens zum Schaffen.(3) ((s) Vgl.Putnam: ‚Warum es keine Fertigwelt gibt‘ in Von einem realistische Standpunkt, Frankfurt, 1993). 1. F. Nietzsche Nachlass, Berlin, 1999, S. 555. 2. Ebenda, S. 834. 3. Ebenda, S. 549. |
Nie I Friedrich Nietzsche Sämtliche Werke: Kritische Studienausgabe Berlin 2009 Nie V F. Nietzsche Beyond Good and Evil 2014 Ries II Wiebrecht Ries Nietzsche zur Einführung Hamburg 1990 Danto I A. C. Danto Wege zur Welt München 1999 Danto III Arthur C. Danto Nietzsche als Philosoph München 1998 Danto VII A. C. Danto The Philosophical Disenfranchisement of Art (Columbia Classics in Philosophy) New York 2005 |
| Welt/Denken | Putnam | McDowell I 177 PutnamVsDavidson: Wenn die Ursache-Wirkungs-Beschreibung komplett ist, dann können die Geräusche, die wir äußern, keineswegs mehr sein, als bloßer "Ausdruck unserer Subjektivität". RortyVsPutnam: Putnam versteht unter einer "Erklärung von X" immer noch eine Zusammenschau, die Synthese von äußerem und innerem Standpunkt. Die Vertreter der Zitattilgung glauben, die Menschen ließen sich nur in behavioristischer Manier schildern. Aber warum sollte es ausgeschlossen sein, Ergänzungen durch normative Darstellungen in Betracht zu ziehen? (Putnams Philosophie sei letztlich traditionell.) >Zitattilgung, >Behaviorismus, >Normen/Putnam. McDowell I 177 Kausalität/Putnam: Der Wunsch, eine Geschichte über die kausalen Beziehungen von menschlichen Verlautbarungen und Umwelt zu erzählen, schließt nicht aus, dass man eine Geschichte erfindet, nach der die Sprecher Gedanken ausdrücken, und Behauptungen aufstellen, und dabei versuchen, keine Fehler zu machen. Diese Geschichten sind dann aber vielleicht gar nicht auseinanderzuhalten! >Kausaltheorie des Wissens, >Pragmatismus. |
Putnam I Hilary Putnam Von einem Realistischen Standpunkt In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Frankfurt 1993 Putnam I (a) Hilary Putnam Explanation and Reference, In: Glenn Pearce & Patrick Maynard (eds.), Conceptual Change. D. Reidel. pp. 196--214 (1973) In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (b) Hilary Putnam Language and Reality, in: Mind, Language and Reality: Philosophical Papers, Volume 2. Cambridge University Press. pp. 272-90 (1995 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (c) Hilary Putnam What is Realism? in: Proceedings of the Aristotelian Society 76 (1975):pp. 177 - 194. In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (d) Hilary Putnam Models and Reality, Journal of Symbolic Logic 45 (3), 1980:pp. 464-482. In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (e) Hilary Putnam Reference and Truth In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (f) Hilary Putnam How to Be an Internal Realist and a Transcendental Idealist (at the Same Time) in: R. Haller/W. Grassl (eds): Sprache, Logik und Philosophie, Akten des 4. Internationalen Wittgenstein-Symposiums, 1979 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (g) Hilary Putnam Why there isn’t a ready-made world, Synthese 51 (2):205--228 (1982) In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (h) Hilary Putnam Pourqui les Philosophes? in: A: Jacob (ed.) L’Encyclopédie PHilosophieque Universelle, Paris 1986 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (i) Hilary Putnam Realism with a Human Face, Cambridge/MA 1990 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (k) Hilary Putnam "Irrealism and Deconstruction", 6. Giford Lecture, St. Andrews 1990, in: H. Putnam, Renewing Philosophy (The Gifford Lectures), Cambridge/MA 1992, pp. 108-133 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam II Hilary Putnam Repräsentation und Realität Frankfurt 1999 Putnam III Hilary Putnam Für eine Erneuerung der Philosophie Stuttgart 1997 Putnam IV Hilary Putnam "Minds and Machines", in: Sidney Hook (ed.) Dimensions of Mind, New York 1960, pp. 138-164 In Künstliche Intelligenz, Walther Ch. Zimmerli/Stefan Wolf Stuttgart 1994 Putnam V Hilary Putnam Vernunft, Wahrheit und Geschichte Frankfurt 1990 Putnam VI Hilary Putnam "Realism and Reason", Proceedings of the American Philosophical Association (1976) pp. 483-98 In Truth and Meaning, Paul Horwich Aldershot 1994 Putnam VII Hilary Putnam "A Defense of Internal Realism" in: James Conant (ed.)Realism with a Human Face, Cambridge/MA 1990 pp. 30-43 In Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994 SocPut I Robert D. Putnam Bowling Alone: The Collapse and Revival of American Community New York 2000 McDowell I John McDowell Geist und Welt Frankfurt 2001 McDowell II John McDowell "Truth Conditions, Bivalence and Verificationism" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell |
| Wikipedia | Benkler | Zittrain I 198 Wikipedia/Benkler/Zittrain: Wikipedia, als Werkzeug der Gruppengenerierung (siehe Terminologie/Zittrain), spiegelt den Charakter von Tausenden von Menschen wider. Benkler vergleicht den Eintrag von Wikipedia über Barbie-Puppen mit dem anderer traditionell entwickelter Enzyklopädien und stellt fest, dass die meisten anderen keine der Kontroversen um Barbie als Kulturikone erwähnen.(1) Wikipedia bietet eine ausführliche Diskussion zu diesem Thema. Britannica weist ebenfalls einen Anteil dieser auf. Benkler räumt freiwillig ein, dass ein Werkzeug der Gruppengenerierung wie Wikipedia nicht der einzige Weg ist, um wichtige Standpunkte einzubeziehen, die nicht mit den monolithischeren Ansichten dessen übereinstimmen, was er die "industrielle Informationswirtschaft" nennt. Auch traditionellere Institutionen, wie z.B. Universitäten, haben ein gewisses Maß an Unabhängigkeit geschaffen. Er erkennt auch an, dass Werkzeuge der Gruppengenerierung von einer Gruppe missbraucht werden können; es kann mächtige Normen geben, die eine Mehrheit einer Minderheit aufzwingt und gewisse Ansichten aus dem Weg räumt. Benkler schlägt jedoch zu Recht vor, dass die Welt durch eine Vielzahl von Modellen der Produktion von Kultur verbessert wird. I 199 Diese sind Modelle, die sich auf unterschiedliche Anreize mit unterschiedlichen Vorurteilen stützen und es den Menschen ermöglichen, einer Vielzahl von Standpunkten ausgesetzt zu sein, was ein Monopol auf die Wahrheit ausschließt. Das Gleiche kann für unsere Technologie gelten, hier für die Technologie, die unseren Zugang zu diesen Standpunkten und unsere Fähigkeit, unsere eigenen anzubieten, untermauert. Kann man Gruppen vertrauen, dass sie sich in Abwesenheit einer formalen Regierung gut verhalten und ihre Exzesse eindämmen?(2) 1. YOCHAI BENKLER, THE WEALTH OF NETWORKS at 287—88. 2. See Isaiah Berlin, Two Concepts of Liberty, in FOUR ESSAYS ON LIBERTY 122 (1969). |
Benkler I Yochai Benkler The Wealth of Networks: How Social Production Transforms Markets and Freedom New Haven 2007 Zittrain I Jonathan Zittrain The Future of the Internet--And How to Stop It New Haven 2009 |
| Wirkungsgeschichte | Gadamer | I 305 Wirkungsgeschichte/Gadamer: Ein wirklich historisches Denken muss die eigene Geschichtlichkeit mitdenken. Nur dann wird es nicht dem Phantom eines historischen Objektes nachjagen, das Gegenstand fortschreitender Forschung ist, sondern wird in dem Objekt das Andere des Eigenen und damit das Eine wie das Andere erkennen lernen. Der wahre historische Gegenstand ist kein Gegenstand, sondern die Einheit dieses Einen und Anderen, ein Verhältnis, in dem die Wirklichkeit der Geschichte ebenso wie die Wirklichkeit des geschichtlichen Verstehens besteht(1). [Es geht nicht darum] als solle die Forschung eine solche wirkungsgeschichtliche Fragestellung entwickeln, die neben die auf das Verständnis des Werkes unmittelbar gerichtete trete. Die Forderung ist vielmehr theoretischer Art. Das historische Bewusstsein soll sich bewusst werden, dass in der vermeintlichen Unmittelbarkeit, mit der es sich auf das Werk oder die Überlieferung richtet, diese andere Fragestellung stets, wenn auch unerkannt und entsprechend unkontrolliert, mitspielt. Wenn wir aus der für unsere hermeneutische Situation im ganzen bestimmenden historischen Distanz eine historische Erscheinung zu verstehen suchen, unterliegen wir Immer bereits den Wirkungen der Wirkungsgeschichte. I 306 (...) wir vergessen die ganze Wahrheit dieser Erscheinung, wenn wir die unmittelbare Erscheinung selber als die ganze Wahrheit nehmen. Geschichte: Das gerade ist die Macht der Geschichte über das endliche menschliche Bewusstsein, dass sie sich auch dort durchsetzt, wo man im Glauben an die Methode die eigene Geschichtlichkeit verleugnet. Die Forderung, sich dieser Wirkungsgeschichte bewusst zu werden, hat gerade darin ihre Dringlichkeit - sie ist eine notwendige Forderung für das wissenschaftliche Bewusstsein. Das bedeutet aber keineswegs, dass sie in einem schlechthinnigen Sinne erfüllbar wäre. Dass Wirkungsgeschichte je vollendet gewusst werde, ist eine ebenso hybride Behauptung wie Hegels Anspruch auf absolutes Wissen, in dem die Geschichte zur vollendeten Selbstdurchsichtigkeit gekommen und daher auf den Standpunkt des Begriffs erhoben sei. >Situation/Gadamer. I 346 Wirkungsgeschichte/Gadamer: Wie gehören hier Wissen und Wirkung zusammen? [Das] wirkungsgeschichtliche Bewusstsein [ist] etwas anderes ist als die Erfor- I 347 schung der Wirkungsgeschichte, die ein Werk hat, gleichsam der Spur, die ein Werk hinter sich her zieht - (...) es [ist] vielmehr ein Bewusstsein des Werkes selbst (...) und [tut] insofern selber Wirkung (...). >Reflexion/Gadamer. I 352 Wirkungsgeschichte/Gadamer: Das wirkungsgeschichtliche Bewusstsein (...) hat die Struktur der Erfahrung. >Erfahrung/Gadamer. I 383 Wirkungsgeschichte/Gadamer: Die Dialektik von Frage und Antwort, (...) erlaubt (...) näher zu bestimmen, was für eine Art von Bewusstsein das wirkungsgeschichtliche Bewusstsein ist. >Frage/Gadamer. Zwar redet ein Text nicht so zu uns wie ein Du. Wir, die Verstehenden, müssen ihn von uns aus erst zum Reden bringen. Aber es hatte sich gezeigt, dass solches verstehendes Zum-Reden-Bringen kein beliebiger Einsatz aus eigenem Ursprung ist, sondern selber wieder als Frage auf die im Text gewärtigte Antwort bezogen ist. Die Gewärtigung einer Antwort setzt selber schon voraus, dass der Fragende von der Überlieferung erreicht und aufgerufen ist. Das ist die Wahrheit des wirkungsgeschichtlichen Bewusstseins. Es ist das geschichtlich erfahrene Bewusstsein, das, indem es dem Phantom einer völligen Aufklärung entsagt, eben damit für die Erfahrung der Geschichte offen ist. Seine Vollzugsweise beschrieben wir als die Verschmelzung der Horizonte des Verstehens (...) >Horizont/Gadamer. 1. Hier droht beständig die Gefahr, das Andere im Verstehen „anzueignen“ und damit In seiner Andersheit zu verkennen. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Wirtschaftswachstum | Swan | Harcourt I 5 Messungen/Wirtschaftswachstum/Faktorentlohnung/Marginalprodukt/Swan/Harcourt: Im Jahr 1956 veröffentlichte Swan(1) eines der ersten einer Reihe von neoklassischen Modellen des Wirtschaftswachstums, in denen die Gleichheit der Faktorentlohnung mit den Grenzprodukten eine entscheidende Rolle spielt. >Produktionsfaktoren, >Faktorpreise, >Kapital, >Faktormarkt, >Produktionstheorie, >Kapitalstruktur. Im Anhang zu seinem Artikel legte er eine Begründung für sein Verfahren vor. Sie enthielt zwei Stränge. 1) Die erste war die Verwendung einer primären Einheit, nämlich einer einzigen Allzweckware - sein berühmtes Modell der Baukasten-Sets, so dass das Kapital an seiner eigenen Einheit, d.h. an sich selbst, gemessen werden kann. Außerdem ist die Ware formbar, so dass sowohl von der Spezifität als auch von der Heterogenität - zwei wesentlichen Merkmalen von Investitionsgütern - abstrahiert werden kann, und die Folgen enttäuschter Erwartungen im Sinne einer Abweichung der tatsächlichen von den erwarteten Quasirenten vermieden werden können. In der Tat ist es so, „als ob immer vollkommene Voraussicht herrschen würde. Das „Kapital“ als Produktionsmittel und als Privateigentum, das von den Eigentümern gehalten oder investiert wird, sind nicht mehr zu unterscheiden. Man kann sich also gleichzeitig auf eine Produktions- und eine Verteilungstheorie berufen. Das heißt, das Produktionsniveau und seine Verteilung auf Arbeit und „Kapital“ werden gleichzeitig durch dieselbe Gruppe von Faktoren erklärt. 2) Die zweite Verteidigung bestand darin, das neoklassische Verfahren der Betrachtung fiktiver Veränderungen an Gleichgewichtspunkten in einem stationären Zustand zu untersuchen. SwanVsChampernowne: Swan argumentiert, dass das Champernowne-Kettenindexmaß des Kapitals besonders geeignet ist, um dieses Verfahren bei der Analyse eines Akkumulationsprozesses im Laufe der Zeit zu bewältigen. >Kapital/Champernowne. RobinsonVsSwan: Dieser Standpunkt wurde (…) von Joan Robinson vehement bestritten, die argumentiert, dass Vergleiche von Gleichgewichtspositionen untereinander nicht das geeignete Instrument für die Analyse von Prozessen oder Veränderungen außerhalb des Gleichgewichts sind und dass das neoklassische Verfahren für die Bewältigung des Problems der „Zeit“ denkbar ungeeignet ist Vgl. >Zeit/Rothbard. Harcourt I 34 Wirtschaftswachstum/Swan/Harcourt: In Swans Modell des Wirtschaftswachstums (Swan [1956](1)) muss sich das Verhältnis zwischen Kapital und Arbeit im Zuge der Akkumulation im Laufe der Zeit beträchtlich ändern, damit nach einer Änderung eines Parameters, z. B. der Sparquote, sowohl ein stabiles Gleichgewicht zwischen Kapital und Produktion als auch zwischen Kapital und Arbeit wiederhergestellt werden kann. Harcourt I 35 Auf diese Weise werden erhebliche Prozesse ausgelöst bzw. analysiert. Außerdem verwendet er eine Cobb-Douglas-Produktionsfunktion und geht davon aus, dass die Ersparnis die Investitionen bestimmt und dass es konstante Skalenerträge, Vollbeschäftigung, statische Erwartungen und vollkommenen Wettbewerb gibt, so dass der Lohn der Arbeit ihrem Grenzprodukt bei Vollbeschäftigung und die Gewinnrate des Kapitals ihrem Grenzprodukt entspricht. >Produktionsfunktion, >Cobb-Douglas-Produktionsfunktion. RobinsonVsSwan. Kapital/SwanVsRobinson: Seine erste Verteidigungslinie besteht in der Annahme, dass das Kapital aus Maschinenaggregaten besteht, die kostenlos und zeitlos in jede beliebige Form umgewandelt werden können, so wie es das neueste Handbuch vorgibt (also unter Einbeziehung des technischen Fortschritts), um mit der Arbeit als Reaktion auf die Anziehungskraft der Veränderungen der relativen Faktorpreise und des technischen Fortschritts zusammenzuarbeiten. Relative Preise: Die relativen Preise von Produkten (einschließlich Bausätzen) ändern sich nie, unabhängig davon, wie sich die Lohn- und Gewinnraten (und manchmal auch die Mieten, wenn Land, das wir ignorieren, berücksichtigt wird) ändern. Aggregation: Auf diese Weise wird die Aggregation heterogener Kapitalien, sowohl im Querschnitt als auch im Zeitverlauf, wo sie „unendlich haltbar und sofort anpassbar“ sind, im Sinne einer eigenen technischen Einheit möglich (…). Denn mit der Formbarkeit können enttäuschte Erwartungen und unvollkommene Voraussicht vermieden werden, da der Kapitalstock in jede gewünschte Form gebracht und an jedes verfügbare Arbeitsangebot angepasst werden kann. Auf diese Weise hofft man, die langfristigen Auswirkungen der Substitution von Kapital und Arbeit unabhängig von den problematischen kurzfristigen keynesianischen und anderen Rätseln analysieren zu können. 1. Swan, T. W. [1956] 'Economic Growth and Capital Accumulation', Economic Record, xxxn, pp. 334-61. |
Swan I Trevor W. Swan Trevor Winchester Swan, Volume I: Life and Contribution to Economic Theory and Policy (Palgrave Studies in the History of Economic Thought) London 1922 Harcourt I Geoffrey C. Harcourt Some Cambridge controversies in the theory of capital Cambridge 1972 |
| Wissen | Hegel | Gadamer I 361 Wissen/Absolutes Wissen/Hegel/Gadamer: Nach Hegel ist es (...) notwendig, dass der Weg der Erfahrung des Bewusstseins zu einem Sichwissen führt, das überhaupt kein Anderes, Fremdes mehr außer sich hat. Für ihn ist die Vollendung der Erfahrung die „Wissenschaft“, die Gewissheit seiner selbst im Wissen. Der Maßstab, unter dem er Erfahrung denkt, ist also der des Sichwissens. Daher muss die Dialektik der Erfahrung mit der Überwindung aller Erfahrung enden, die im absoluten Wissen, d. h. in der vollständigen Identität von Bewusstsein und Gegenstand erreicht ist. >Erfahrung/Hegel. Höffe I 328 Wissen/Phänomenologie/Hegel/Höffe: [am Anfang der Phänomenologie steht] das unmittelbare Wissen, die sinnliche Gewissheit. Nach ihrem Selbstverständnis hat sie von ihrem «Gegenstande noch nichts weggelassen», so dass sie als die umfassendste und «wahrhafteste» Erkenntnis erscheint. Sie richtet sich jedoch auf ein «Dieses» im «Jetzt» und «Hier». >Jetzt/Hegel. Dies/hier/jetzt/Hegel: Diese Wahrheit kann durch ihr Aufschreiben, erklärt Hegel, nicht verlorengehen: «Dieses hier und jetzt» kann zum Beispiel mein Stehpult um 9.30 Uhr in meinem Arbeitszimmer sein (...) und so weiter. Folglich liegt die Wahrheit des «Dieses» in allem «Diese», entsprechend die Wahrheit des «Jetzt» in allem Jetzt, mithin nicht in einer unmittelbaren, zugleich nichts weglassenden Wahrheit, sondern in einem inhaltslosen Allgemeinen. Inhalt/Zeigen/Meinen: Dieses gewinnt erst dann einen Inhalt, wenn man das Ding meint, auf das man beim «Dieses» zeigt. Dieses Dinges, (...) ist man sich aber nicht mehr unmittelbar gewiss, sondern man nimmt es wahr, womit man die zweite Bewusstseinsstufe erreicht: Nach der sinnlichen Gewissheit von Diesem, Hier und Jetzt findet man sich auf der Stufe der Wahrnehmung eines Dinges. Absolutes Wissen: Seinen Höhepunkt und zugleich die Endstufe der damit begonnenen Erfahrung mit sich selbst gewinnt das Bewusstsein im Standpunkt der spekulativen Philosophie, dem (...) erst von ihm erreichten «absoluten Wissen». >Absolutheit/Hegel, >Spekulative Philosophie/Hegel, >Spekulative Philosophie/Gadamer. Dialektik/Stufen: Gemäß der Dialektik werden die verschiedenen Gestalten nicht nebeneinander platziert, vielmehr erscheinen sie in einer Hierarchie, die dem Bewusstsein aber nicht von außen herangetragen wird. Sie ergibt sich aus den Erfahrungen, die das Bewusstsein mit sich selbst macht.(1) >Dialektik/Hegel, >Dialektik. 1. Hegel, Phänomenologie des Geistes, 1807 |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Wissen | Minsky | Minsky I 72 Wissen/Minsky: Um als Experte zu gelten, benötigt man eine große Menge an Wissen über nur relativ wenige Arten. Im Gegensatz dazu umfasst der gesunde Menschenverstand eines gewöhnlichen Menschen eine viel größere Vielfalt an verschiedenen Arten von Wissen - und dies erfordert kompliziertere Managementsysteme. Es gibt einen einfachen Grund, warum es einfacher ist, sich Spezialwissen anzueignen als gesunden Menschenverstand. Jede Art von Wissen benötigt irgendeine Form der Repräsentation und eine Reihe von Fertigkeiten, die an diesen Repräsentationsstil angepasst sind. Ist diese Investition erst einmal getätigt, ist es für einen Spezialisten relativ einfach, weiteres Wissen anzusammeln, vorausgesetzt, das zusätzliche Fachwissen ist einheitlich genug, um zum gleichen Repräsentationsstil zu passen. I 124 Wissen/Akkumulation/Minsky: Uniframing funktioniert nicht immer. (>Uniframing/Terminologie). Wir versuchen oft, eine alltägliche Idee zu präzisieren - finden aber einfach nicht viel Einheit. Dann können wir nur Sammlungen von Beispielen anhäufen. (Def Uniframe/Minsky: eine Beschreibung, die so konstruiert ist, dass sie auf mehrere verschiedene Dinge gleichzeitig anwendbar ist). Höchstwahrscheinlich haben sich verschiedene Teile unseres Gehirns so entwickelt, dass sie beide Arten von Strategien anwenden können. Die Anhäufung von Beispielen muss nicht länger dauern, um sie zu manipulieren, wenn alle Beispiele gleichzeitig von separaten [Software-]Agenten bearbeitet werden können, die sich nicht gegenseitig stören. Aber wenn diese Prozesse erst einmal anfangen, sich gegenseitig zu helfen, wird die Effizienz der gesamten Gesellschaft (>Society of Minds) rapide abnehmen. I 125 Oberflächlich betrachtet mag es einfacher erscheinen, Akkumulationen vorzunehmen als Uniframes - aber die Wahl, was akkumuliert werden soll, erfordert möglicherweise tiefere Einsichten. Klassifizierung/Lernen: Unsere verschiedenen Motive und Anliegen erfordern wahrscheinlich unvereinbare Wege, die Dinge zu klassifizieren. I 126 Vereinheitlichung: Anhäufungen scheinen selten ganz zufriedenstellend zu sein, weil wir der Meinung sind, dass Vorstellungen mehr Einheit haben sollten. Wir hätten kein Wort für Stuhl oder Bogen oder Währung, wenn sie nichts anderes bedeuten würden als Listen von Dingen, die nichts miteinander zu tun haben. Viele gute Ideen sind in Wirklichkeit zwei Vorstellungen in einer - die eine Brücke zwischen zwei Bereichen des Denkens oder unterschiedlichen Standpunkten bilden. Rationalität/Mittel/Zwecke/Minsky: Unsere verschiedenen Welten von Zielen und Mitteln passen normalerweise nicht sehr gut zusammen. Wenn wir also in einer solchen Welt einen nützlichen, kompakten Einheitsrahmen finden, entspricht das oft einer Anhäufung in unseren anderen Welten. >Klassifikation, >Regeln/Minsky. |
Minsky I Marvin Minsky The Society of Mind New York 1985 Minsky II Marvin Minsky Semantic Information Processing Cambridge, MA 2003 |
| Wittgenstein | Eco | I 227 Wittgenstein/Eco: Eco setzt Wittgenstein in Verbindung mit dem Zen. (Sagen/Zeigen, Verstummen). Es ist die Weigerung, aus der Welt herauszutreten. >Perspektive, >Standpunkt, >Innen/außen, >Zeigen. |
Eco I U. Eco Das offene Kunstwerk Frankfurt/M. 1977 Eco II U, Eco Einführung in die Semiotik München 1972 |
| Zeit | Rothbard | Rothbard II 167 Preistheorie/Zeit/Rothbard: Hier müssen wir einen entscheidenden Unterschied zwischen dem richtigen Status der „kurzen Frist“ und der „langen Frist“ in der Wirtschaftstheorie betonen. In der eigentlichen Preistheorie sollte der „short run“ Vorrang haben, weil er der reale Marktpreis ist, während der „long run“ die ferne, ultimative Tendenz ist, die nie eintritt und nur dann eintreten könnte, wenn alle Daten für mehrere Jahre eingefroren würden. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir nur dann in der unwahrscheinlichen, wenn nicht gar unmöglichen Welt des langfristigen allgemeinen Gleichgewichts leben könnten - in der alle Gewinne und Verluste gleich Null sind - wenn alle Werte, Technologien und Ressourcen für Jahre eingefroren würden. In der Geldtheorie sollte die Rangfolge jedoch anders sein. Denn in der Geldtheorie sind die Auswirkungen partieller „realer“ Faktoren auf das Preisniveau, die Wechselkurse und die Zahlungsbilanz allesamt Eintagsfliegen, die von den allgemeinen Faktoren bestimmt werden: dem Angebot an und der Nachfrage nach Geld. Diese monetären Einflüsse sind nicht „langfristig“ in dem Sinne, dass sie in weiter Ferne liegen, sondern sie sind in der realen Welt tagtäglich vorhanden und dominant. Der monetäre Einfluss, der dem langfristigen allgemeinen Gleichgewicht entspricht, wäre ein Zustand, in dem alle Preisniveaus und alle Reallohnniveaus in einer Welt mit Goldstandard identisch oder streng proportional zu den relativen Währungsgewichten von Gold wären. In einer Welt des frei schwankenden Fiat-Geldes wäre dies die Situation, in der alle Preisniveaus streng proportional zu den Währungsverhältnissen zu den internationalen Marktwechselkursen wären. Die dominierenden Einflüsse von Geldangebot und -nachfrage auf das Preisniveau und die Wechselkurse treten jedoch in der realen Welt ständig auf und haben stets Vorrang vor den ephemeren „realen“ spezifischen Preis- und Ausgabenänderungen. Die Analyse der realen Welt, die immer Vorrang haben muss, umfasst daher eine kurzfristige Preisanalyse und eine etwas längerfristige (aber immer noch weit vom endgültigen Gleichgewicht entfernte) monetäre Argumentation. Mit anderen Worten: In der realen Welt werden alle Preise durch das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage bestimmt. Für die einzelnen Preise bedeutet dies die Bewertung der Verbraucher und die Nachfrage der Verbraucher nach einer bestimmten Ware: Angebot und Nachfrage in der realen Welt. Dies ist eine „kurzfristige“ Mikro-Analyse. Für die Gesamtpreise oder das „Preisniveau“ ist das relevante Angebot und die relevante Nachfrage das Angebot an und die Nachfrage nach Geld: das Ergebnis der individuellen Nutzenbewertung der gegebenen Geldmenge zu einem bestimmten Zeitpunkt. Und obwohl sie ebenso real und dominant in der Rothbard II 168 Makrosphäre“ sind, aber dies ist etwas längerfristig entscheidend als die oberflächlichen ‚realen‘ Faktoren, die von Anti-Bullionisten in allen Zeiten betont wurden. >Geld, >Geldmenge, >Geldnachfrage, >Bullionismus, >Inflation, >Zentralbanken. Rothbard III 277 Zeit/Handlung/Ökonomie/Rothbard: Es ist zweckmäßig, die beiden Standpunkte zu unterscheiden, aus denen ein Akteur sein Handeln beurteilt, nämlich ex ante und ex post. Ex ante: Ex ante ist seine Position, wenn er sich für eine Handlungsweise entscheiden muss; sie ist die relevante und dominante Überlegung für menschliches Handeln. Der Akteur erwägt seine Handlungsalternativen und die Folgen jeder dieser Alternativen. Ex post: Ex post ist seine aufgezeichnete Beobachtung der Ergebnisse seines vergangenen Handelns. Es ist die Beurteilung seiner vergangenen Handlungen und ihrer Ergebnisse. Ex ante wird er also immer die vorteilhafteste Handlungsweise wählen und immer einen psychischen Gewinn erzielen, wobei die Einnahmen die Kosten übersteigen. Im Nachhinein kann er von einer Handlung profitiert oder verloren haben. Die Einnahmen können die Kosten übersteigen oder auch nicht, je nachdem, wie gut er als Unternehmer seine ursprüngliche Aktion durchgeführt hat. Es liegt auf der Hand, dass seine Ex-post-Urteile für ihn hauptsächlich bei der Abwägung seiner Ex-ante-Überlegungen für künftige Handlungen von Nutzen sind. Nehmen wir an, ein Endverbraucher kauft ein Produkt und stellt dann fest, dass er sich bei diesem Kauf geirrt hat und die Ware für ihn wenig oder gar keinen Wert hat. So könnte ein Mann einen Kuchen kaufen und feststellen, dass er ihn überhaupt nicht mag. Ex ante war der (erwartete) Nutzen des Kuchens größer als der Grenznutzen des Geldes, auf das er beim Kauf verzichtet hat; ex post stellt er fest, dass er sich geirrt hat und dass er den Kuchen nicht gekauft hätte, wenn er noch einmal die Wahl hätte. Der Kauf lag in der Verantwortung des Verbrauchers, und er muss sowohl den Verlust als auch den Gewinn aus seiner freiwilligen Transaktion tragen. Natürlich kann niemand die Vergangenheit noch einmal erleben, aber er kann dieses Wissen nutzen, um z. B. den Kauf eines solchen Kuchens zu vermeiden. Es sollte klar sein, dass der einmal gekaufte Kuchen wenig oder gar keinen Wert hat, obwohl der Mann ursprünglich mehrere Goldkörner dafür bezahlt hat. Kosten: Die Kosten des Kuchens waren der entgangene Grenznutzen der drei Goldkörner, die dafür bezahlt wurden. Aber diese in der Vergangenheit entstandenen Kosten können dem Kuchen heute keinen Wert mehr verleihen. Dies scheint offensichtlich zu sein, und doch hat die Wirtschaftswissenschaft immer unter der Vernachlässigung dieser Wahrheit gelitten, insbesondere im neunzehnten Jahrhundert in Form verschiedener „Kosten“-Werttheorien. Jahrhundert in Form verschiedener „Kostentheorien“ des Wertes. Diese Theorien behaupteten, dass der Wert einer Ware durch die Kosten oder Opfer bestimmt wird, die bei ihrem Erwerb in der Vergangenheit angefallen sind. Im Gegenteil, es ist klar, dass der Wert eines Gutes nur durch den Wunsch der Individuen, es in der Gegenwart direkt zu nutzen oder in der Erwartung, es in der Zukunft an diese Individuen zu verkaufen, verliehen werden kann.(1) Rothbard III 378 Zeit/Rothbard: Der reine Kapitalist (...), der eine kapitalfördernde Funktion im Produktionssystem ausübt, spielt eine Art Vermittlerrolle. Er verkauft Geld (ein gegenwärtiges Gut) an die Faktoreigentümer im Austausch für die Dienste ihrer Faktoren (zukünftige Güter). Zum „reinen“ Kapitalisten siehe >Evenly Rotating Economy/Rothbard; >Produktion/Rothbard, >Investition/Rothbard. Er besitzt diese Güter und lässt so lange an ihnen arbeiten, bis sie in Konsumgüter (gegenwärtige Güter) umgewandelt sind, die er dann gegen Geld (ein gegenwärtiges Gut) an die Öffentlichkeit verkauft. Die Prämie, die er aus dem Verkauf der gegenwärtigen Güter im Vergleich zu dem, was er für die zukünftigen Güter gezahlt hat, verdient, ist der Zins,, der sich aus dem Tausch ergibt. >Zinsen/Rothbard, >Kapitalismus/Rothbard, >Kredit/Rothbard. Produktion: Der Zeitmarkt ist also nicht auf den Kreditmarkt beschränkt. Er durchdringt die gesamte Produktionsstruktur der komplexen Wirtschaft. Alle Produktionsfaktoren sind Zukunftsgüter: Sie bieten ihrem Besitzer die Erwartung, dem Endziel des Konsums näher zu kommen, einem Ziel, das die Daseinsberechtigung für das gesamte Produktionsunternehmen darstellt. Es handelt sich um einen Zeitmarkt, auf dem die verkauften zukünftigen Güter keine Kredittransaktion darstellen, wie dies auf dem Kreditmarkt der Fall ist. Das Geschäft ist in sich abgeschlossen und bedarf keiner weiteren Zahlung durch eine der beiden Parteien. In diesem Fall verdient der Käufer der zukünftigen Güter sein Einkommen durch die Umwandlung dieser Güter in gegenwärtige Güter und nicht durch die Geltendmachung eines Anspruchs auf einen Schuldschein gegenüber dem ursprünglichen Verkäufer eines zukünftigen Gutes. >Kapitalismus/Rothbard. Zeitmarkt/Rothbard: Der Zeitmarkt, der Markt, auf dem gegenwärtige Güter gegen zukünftige Güter getauscht werden, ist also ein Aggregat mit mehreren Bestandteilen. In einem Teil des Marktes tauschen die Kapitalisten ihre Geldersparnisse (gegenwärtige Güter) gegen die Leistungen zahlreicher Faktoren (zukünftige Güter). Dies ist ein Teil und der wichtigste Teil des Zeitmarktes. Ein weiterer Teil ist der Markt für Konsumentenkredite, auf dem die Sparer ihr Geld im Rahmen eines Kreditgeschäfts im Austausch gegen einen I.O.U. ((s) „I owe you“, Schuldverschreibungen) von zukünftigem Geld verleihen. Rothbard III 379 Die Sparer sind die Lieferanten des gegenwärtigen Geldes, die Kreditnehmer die Lieferanten des zukünftigen Geldes, in Form von Schuldverschreibungen. Rothbard III 388 Die Zeit-Markt-Schemata aller Individuen werden auf dem Markt aggregiert, um Markt-Angebots- und Markt-Nachfrage-Schemata für gegenwärtige Güter in Form von zukünftigen Gütern zu bilden. Der Angebotsplan steigt mit steigendem Zinssatz, der Nachfragesplan sinkt mit höheren Zinssätzen. >Produktionsstruktur/Rothbard, >Angebot/Rothbard, >Nachfrage/Rothbard. Rothbard III 404 Produktionsfaktoren: Die reinen Nachfrager von Gegenwartsgütern auf dem Zeitmarkt sind die verschiedenen Gruppen von Arbeitern und Grundbesitzern - die Verkäufer der Dienstleistungen der ursprünglichen Produktionsfaktoren. Ihr Preis auf dem Markt (...) wird gleich dem Grenzwertprodukt ihrer Einheiten gesetzt, abgezinst mit dem herrschenden Zinssatz. Je höher der Zinssatz ist, desto geringer wird der Preis für ihre Dienstleistung sein, oder vielmehr, desto größer wird der Abschlag von ihrem Grenzwertprodukt sein, das als reifes gegenwärtiges Gut betrachtet wird.(2) Rothbard III 420 Der Zusammenhang zwischen den Investitionsrenditen und den Geldkrediten an die Verbraucher ist nicht offensichtlich. Aber es ist klar (...), dass beide Teile des gleichen Zeitmarktes sind. 1. Wie Wicksteed feststellt: „Der Wert dessen, was man bekommen hat, wird nicht durch den Wert dessen beeinflusst, was man aufgegeben hat oder worauf man verzichtet hat, um es zu bekommen. Aber das Maß der Vorteile, auf die man zu verzichten bereit ist, um eine Sache zu bekommen, wird durch den Wert bestimmt, den man erwartet, wenn man sie bekommen hat. (Wicksteed, Common Sense of Political Economy, I, 93 und 89) 2. Cf. Böhm-Bawerk, Positive Theory of Capital,New York: G.E. Stechert, 1930. Reprinted by Books for Libraries Press, 1971. S. 299–322, 329–38 |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Zirkularität | McDowell | I 195 Zirkel/Peacocke/McDowell: Warum glaubt Peacocke, dass es in der Erfahrung Brücken zwischen dem Begrifflichen und dem, was sich außen befindet geben muss? Er glaubt, damit eine Zirkel vermeiden zu müssen. Um den Besitz eines Beobachtungsbegriffs zu erklären, dürfen wir (nach Peacocke) nicht schon den Inhalt als begrifflich auffassen. >Beobachtungssprache/Peacocke, >Theoretischer Term/Peacocke, >Erfahrung/Peacocke. Bsp Farben: es wird dann nicht nur der Begriff "Rot" vorausgesetzt, sondern, schlimmer noch, der "Begriff des Besitzes des Begriffs "Rot"". I 196 Zirkel/McDowellVsPeacocke: Das verschiebt nur das Problem. Warum sollten wir eigentlich annehmen, dass wir immer in der Lage wären, zu erklären, was es heißt, einen Begriff zu besitzen? Bsp die neurophysiologische Bedingungen würde sich gar nicht auf das beziehen, was jemand denkt, wenn er dankt, dass etwas rot ist. (Genau das will aber Peacocke). Zirkel/McDowell: Die Erklärung für Beobachtungsbegriffe muss sich immer außerhalb des Raums der Begriffe befinden. (Auch Wittgenstein). Aber nicht eine "seitliche Perspektive". I 197 Zirkel/Erfahrung/Grund/Seitenperspektive/McDowell: Wegen der Unmöglichkeit, die "seitliche Perspektive" einzunehmen (sich außerhalb von allem aufzubauen), ist der Zirkel nicht zu vermeiden, aber er ist im Fall von Beobachtungsbegriffen nicht schlimm! Vgl. >Mythos des Gegebenen. Das Problem des motivierten Gedankens tendiert dazu, den motivierenden Gedanken zu unterminieren. Die erforderliche "Seitenperspektive" (Aussenstandpunkt) unterminiert die Verständlichkeit von "aus dem Grund, dass...". |
McDowell I John McDowell Geist und Welt Frankfurt 2001 McDowell II John McDowell "Truth Conditions, Bivalence and Verificationism" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell |
| Zusammenhang | Dilthey | Gadamer I 228 Zusammenhang/Dilthey/Gadamer: Der entscheidende Schritt, den Diltheys erkenntnistheoretische Grundlegung der Geisteswissenschaften zu tun hat, ist (...) der, dass von dem Aufbau des Zusammenhangs in der Lebenserfahrung des einzelnen der Übergang zu dem geschichtlichen Zusammenhang gefunden wird, der von keinem einzelnen mehr erlebt und erfahren wird. Hier wird es - trotz aller Kritik an der Spekulation - nötig, an die Stelle wirklicher Subjekte „logische Subjekte“ zu setzen. >Subjekt/Dilthey, >Erfahrung/Dilthey. Dilthey ist sich über diese Misslichkeit klar. Aber er sagt sich, dass das an sich nicht unstatthaft sein kann, sofern die Zusammengehörigkeit der Individuen - etwa in der Einheit einer Generation oder einer Nation - eine seelische Wirklichkeit darstelle, die man als solche anerkennen müsse, gerade weil man nicht erklärend hinter sie zurückgehen könne. Gewiss handele es sich hier nicht um reale Subjekte. Das lehre ja schon das Fließende ihrer Grenzen; auch seien die Einzelindividuen nur je mit einem Teil ihres Wesens dabei. Dennoch aber ist es nach Dilthey keine Frage, dass sich über solche Subjekte Aussagen machen lassen. Der Historiker tut das ja ständig, wenn er von den Taten und Geschicken der Völker spricht(1). Die Frage ist nun, wie solche Aussagen erkenntnistheoretisch zu rechtfertigen sind. >Erkenntnistheorie/Dilthey. (...) nicht, wie überhaupt Zusammenhang erlebbar und erkennbar wird, ist das Problem der Geschichte, sondern wie auch solche Zusammenhänge erkennbar sein sollen, die niemand als solche erlebt hat. Immerhin kann kein Zweifel sein, wie sich Dilthey die Aufklärung dieses Problems vom Phänomen des Verstehens aus dachte. Verstehen ist Verstehen von Ausdruck. Gadamer I 229 Es bezeichnet die neue methodische Klarheit, die [Dilthey] aus der Anlehnung an Husserl gewann, dass er den Begriff der Bedeutung, die sich aus dem Wirkungszusammenhang erhebt, am Ende mit Husserls "Logischen Untersuchungen" integrierte. Diltheys Begriff der Strukturiertheit des Seelenlebens entsprach insofern der Lehre von der Intentionalität des Bewusstseins, als auch diese nicht nur einen psychologischen Tatbestand, sondern eine Wesensbestimmung des Bewusstseins phänomenologisch beschreibt. Jedes Bewusstsein ist Bewusstsein von etwas, jedes Verhalten ist Verhalten zu etwas. >Bedeutung/Dilthey, >Lebensphilosophie/Dilthey. Gadamer I 235 Dass ein Strukturzusammenhang sich aus seiner eigenen Mitte heraus verstehen lässt, entsprach (...) dem alten Grundsatz der Hermeneutik und der Forderung des historischen Denkens, dass man eine Zeit aus ihr selber verstehen müsse und nicht mit Maßen einer ihr fremden Gegenwart messen dürfe. Nach diesem Schema - so meinte Dilthey - ließe sich die Erkenntnis immer weiterer geschichtlicher Zusammenhänge denken und bis zur universalgeschichtlichen Erkenntnis ausweiten, genau wie sich ein Wort nur vom ganzen Satz aus, der Satz nur im Zusammenhang des ganzen Textes, ja der gesamten überlieferten Literatur voll verstehen lässt. GadamerVsDilthey: Die Anwendung dieses Schemas setzt freilich voraus, dass man die Standort-Gebundenheit des historischen Betrachters überwinden könne. Genau das aber ist der Anspruch des >historischen Bewusstseins, zu allem einen wahrhaft historischen Standpunkt zu haben. So hat sich Dilthey als der wahre Vollender der historischen Weltansicht gefühlt, weil er die Erhebung Gadamer I 236 des Bewusstseins zum historischen Bewusstsein zu legitimieren suchte. Was seine erkenntnistheoretische Reflexion rechtfertigen wollte, war im Grunde nichts anderes als die großartige epische Selbstvergessenheit eines Ranke. Nur trat an die Stelle der ästhetischen Selbstvergessenheit die Souveränität eines allseitigen und unendlichen Verstehens. Die Grundlegung der Historik in einer Psychologie des Verstehens, wie sie Dilthey vorschwebte, versetzt den Historiker in eben jene ideelle Gleichzeitigkeit mit seinem Gegenstand, die wir ästhetisch nennen und an Ranke bewundern. 1. Dilthey, Ges. Schriften V Il, 282ff. Das gleiche Problem sucht Georg Simmel durch die Dialektik von Erlebnissubjektivität und Sachzusammenhang - also am Ende psychologisch - zu lösen. Vgl. Brücke und Tür, S. 82f. 2. Ges. Schriften V Il, 291 »Wie die Buchstaben eines Wortes haben Leben und Ge- schichte einen Sinn. « |
Dilth I W. Dilthey Gesammelte Schriften, Bd.1, Einleitung in die Geisteswissenschaften Göttingen 1990 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Zwillingserde | Searle | II 89 Zwillingserde/Erfüllungsbedingung/Searle: Was am Gehalt ist ausschlaggebend, dass die Gegenwart von Sally und nicht Zwillings-Sally zu den Erfüllungsbedingungen gehört (qualitativ identische visuelle Erlebnisse)? Wie man das feststellt, ist nicht die Frage, sondern was hier auf der Erde zuvor identifiziert wurde, kann die Bedingungen erfüllen. >Erfüllungsbedingung/Searle. SearleVs: Das ist der Standpunkt der Dritten Person, wir brauchen aber den Standpunkt der Ersten Person. >Erste Person. ad II 255 Zwillingserde: Putnam/(s): Die Zwillingserde hat nicht eine andere Art Wasser (Tradition), sondern eine andere Art Flüssigkeit. II 283 Selbstbezüglichkeit/Searle: Selbstbezüglichkeit wird gezeigt, aber nicht gesehen. >Selbstbezüglichkeit. Zwillingserde: "Dieser Mann" hat einen unterschiedlichen Fregeschen Sinn, auch wenn Erlebnisse typidentisch sind: Wahrnehmung und Äußerung sind selbstbezüglich, sie würden bei Vertauschung nicht erfüllt. Selbstbezüglichkeit/Freges "vervollständigender Sinn": Intentionale Gehalte sind niemals unbestimmt. SearleVsQuine: Kein unbestimmtes Segelboot kann gewünscht werden. >Sinn/Frege, >Fregescher Sinn. II 316 Zwillingserde/Referenz/Searle: Bezug kann sich nicht auf deskriptiven Gehalt berufen, unsere Namen bezögen sich bei identischer Wahrnehmungssituation immer noch auf unsere heimischen Gegenstände. SearleVsPutnam: Kausale Selbstbezüglichkeit reicht aber aus! >Referenz/Bezug. |
Searle I John R. Searle Die Wiederentdeckung des Geistes Frankfurt 1996 Searle II John R. Searle Intentionalität Frankfurt 1991 Searle III John R. Searle Die Konstruktion der gesellschaftlichen Wirklichkeit Hamburg 1997 Searle IV John R. Searle Ausdruck und Bedeutung Frankfurt 1982 Searle V John R. Searle Sprechakte Frankfurt 1983 Searle VII John R. Searle Behauptungen und Abweichungen In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Searle VIII John R. Searle Chomskys Revolution in der Linguistik In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Searle IX John R. Searle "Animal Minds", in: Midwest Studies in Philosophy 19 (1994) pp. 206-219 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 |
| Begriff/ Autor/Ismus |
Autor |
Eintrag |
Literatur |
|---|---|---|---|
| Ext/Intern | Danto, A. | I 184 Def Externalismus/Nietzsche/Danto: Wissen beschreibt die Art und Weise, wie Lebewesen einer bestimmten Spezies sich die Welt vorstellen. ((s) Wenn es um Vorstellung geht, stellt sich die Frage des Skeptizismus gar nicht). Def Internalismus/Descartes/Danto: These Wissen ist etwas, das von einem Standpunkt innerhalb des Bewusstseins und dessen Voraussetzungen aus gesucht werden muß. Wenn Wissen gerechtfertigte wahre Überzeugung ist, dann gibt es hier für den Externalisten überhaupt kein Problem. |
|
| Anti-Realismus | Fine, A. | Rorty IV 19 Arthur Fine/Rorty: Fine möchte einen Standpunkt jenseits von Realismus und Antirealismus ausfindig machen. (VsDummett). (Auch FineVsWahrmachen). |
Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 |
| Standpunkt | Rorty, R. | I passim Rorty These: Es ist heute kein fundamentaler Standpunkt oder allumfassender Rahmen denkbar, von dem aus oder innerhalb dessen sich eine Gesamtheit von Erkenntnissen rechtfertigen oder in frage stellen lassen könnte. II 42 Rorty These: Männer und Frauen aller Zeiten und Länder besitzen keinen anderen gemeinsamen Kern als ihre Verletzbarkeit durch Schmerz und Erniedrigung. II 152 Rorty These: es gibt keinen neutralen Boden, es geht keinen archimedischen Punkt in der Philosophie, von dem aus man die ganze Sache betrachten und diskutieren könnte. Man kann sich nicht außerhalb des Ganzen stellen. |
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| abslout | Stalnaker, R. | I 29 Objektivität/absolut/Stalnaker: der absolute, objektive Standpunkt ist die Sicht von unserer wirkliche Welt (WiWe) aus. Fiktion: wir gestehen zu, daß fiktionale Charaktere von ihrem Standpunkt aus, dasselbe Recht haben, ihre Realität zu behaupten, wie wir unsere. Aber ihr Standpunkt ist fiktional. semantische These: ist die These, daß die indexikalische Analyse von "aktual" die korrekte ist. metaphysische These: ist die, daß die Def Aktualität der WiWe nicht mehr ist als die Relation zwischen ihr und den Dingen, die in ihr existieren. Dabei kann man die semantische These akzeptieren und irgendwelche Universen aus der Ontologie ausschließen. |
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| Non-Objektivism. | Wiggins, D. | Put III 116 Williams: These "NichtObjektivismus": Standpunkt, der zwar den Relativismus ablehnt, wonach Gesetze nicht schlechthin wahr oder falsch sondern nur für eine Kultur so sind, aber dennoch "etwas wahres am Relativismus" ausfindig macht. Bsp "Caligula war ein wahnsinniger Tyrann" sowohl deskriptiv als auch wahr. |
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| Begriff/ Autor/Ismus |
Autor |
Eintrag |
Literatur |
|---|---|---|---|
| Zwei Aspekte | Fechner, Th. | Chisholm II 193 Zwei-Aspekte-Lehre/Fechner/Stubenberg: These: Personen haben einen "inneren" und einen äußeren" Aspekt. Die "inneren" Aspekte sind geistig. Die Theorie ist nicht bloß ein anderer Name für die Identitätstheorie. II 195 Fechner: These: Körper und Geist oder Materielles und Ideelles sind nicht im letzten Grund und Wesen, sondern nur nach Standpunkt und Auffassung oder Betrachtung verschieden. Was sich selbst aus innerem Standpunkt als geistig erscheint, vermag einem Gegenüberstehenden leiblich erscheinen. Verschiedenheit der Erscheinung hängt vom Standpunkt ab. Stubenberg: das ist eine protagoräische Position (Der Mensch ist das Maß aller Dinge). II 196 Stubenberg: die meisten Interpretationen von Fechners Theorie sind falsch, weil sie von der Analogie von zwei Seiten einer Medaille usw. ausgehen. Fechner: die Zwei-Aspekte-Auffassung ist fest im Alltagsverstand verankert. II 197 Fechner: es gibt gar keine Notwendigkeit, der geistigen oder materiellen Erscheinung jeweils ein Wesen zu unterlegen. 1. "Geistig" heißt, was sich selbst, "körperlich", was einem anderen erscheint. 2. Wir "haben" uns in zweifacher Weise. 3. Die Identität das Grundwesens. |
Chisholm I R. Chisholm Die erste Person Frankfurt 1992 Chisholm II Roderick Chisholm In Philosophische Aufsäze zu Ehren von Roderick M. Ch, Marian David/Leopold Stubenberg Amsterdam 1986 Chisholm III Roderick M. Chisholm Erkenntnistheorie Graz 2004 |