| Begriff/ Autor/Ismus |
Autor |
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| Religion | Habermas | III 281 Religion/Habermas: Weltreligionen entwickeln sich nur in Hochkulturen, also im Rahmen von staatlich organisierten Gesellschaften, wo neue, vom Verwandtschaftssystem unabhängige Produktionsweisen und entsprechende Formen ökonomischer Ausbeutung entstehen.(1) Vgl. >Mythos/Habermas, >Magisches Denken. IV 135 Religion/Heiliges/Sprache/Habermas: In der grammatischen Rede sind die propositionalen Bestandteil mit den illokutionären und den expressiven so zusammengefügt, dass der semantische Gehalt zwischen ihnen fluktuieren kann. Alles, was sich sagen lässt, kann auch als Aussagesatz dargestellt werden. Daran kann man sich klarmachen, was ein Anschluss religiöser Weltbilder ans kommunikative Handeln bedeutet. >Kommunikatives Handeln/Habermas, >Kommunikationstheorie/Habermas, >Kommunikation/Habermas, >Kommunikative Praxis/Habermas, >Kommunikative Rationalität/Habermas, >Sprechakte, >Illokutionäre Akte, >Perlokutionäre Akte. Das Hintergrundwissen geht in die Situationsdefinitionen (…) ein. >Hintergrund. Da die semantischen Gehalte sakraler und profaner Herkunft im Medium der Sprache frei fluktuieren, kommt es zu einer Fusion der Bedeutungen: Die moralisch-praktischen und die expressiven Inhalte verbinden sich mit den kognitiv-instrumentellen in der Form kulturellen Wissens. Und zwar a) als kulturelles Wissen b) als Basis für instrumentelles Handeln. Dieses letztere macht aus der Religion erst ein Totalität beanspruchendes Weltbild. >Sprache/Habermas, >Weltbilder. 1. K. Eder, (Hrsg.) Die Entstehung von Klassengesellschaften, Frankfurt, 1973. |
Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |
| Religion | Weber | Habermas III 235 Religion/Weber/Habermas: Weber untersucht die religiösen Grundlagen der rationalen Lebensführung am Alltagsbewusstsein z. B. von Calvinisten, Methodisten, Pietisten, täuferischen Sekten. Hauptzüge sind - Radikale Verwerfung magischer Mittel - Vereinsamung des einzelnen Gläubigen - Weltliche Erfüllung der beruflichen Pflichten als gehorsames Werkzeug Gottes - Umformung jüdisch-christlicher Weltablehnung in eine innerweltliche Askese. - Prinzipiengeleitete autonome Lebensführung. >Calvinismus, >Judentum, >Christentum, >Religiöser Glaube. Habermas III 273 Religion/Weber/Habermas: Weber These: Es gibt eine gleichgerichtete Rationalisierung aller Weltreligionen. Laut F. H. Tenbruck steht Weber damit im Lager des damaligen Evolutionismus. (1) >Rationalisierung. Tenbruck: „Die rationalen Zwänge, denen die Religionen folgen sollen, ergeben sich aus dem Bedürfnis, eine rationale Antwort auf das Theodizeeproblem zu erhalten und die Stufen religiöser Entwicklung sind die immer expliziteren Fassungen dieses Habermas III 274 Problems und seiner Lösungen.(2) >Theodizee. Monotheismus/Weber/Tenbruck: Der Monotheismus war für Weber eine Idee, die erst einmal geboren werden musste, dann aber weitreichende Folgen hatte. Strafender Gott: Ebenso war die Vorstellung einer lohnenden und strafenden Gottheit neu, ebenso das Sendungsbewusstsein, nach dem der Mensch sich als Werkzeug Gottes verstehen musste. Protestantismus/Weber/Tenbruck: Der Protestantismus fügte dem noch die Prädestination (Vorherbestimmtheit) hinzu.(3) >Protestantismus. Habermas III 275/275 R. DöbertVsWeber: Döbert unterscheidet nicht genug zwischen der inhaltlichen Problematik und den Bewusstseinsstrukturen, die aus der Ethisierung der Weltbilder hervorgehen.(4) Inhalte: Inhalte spiegeln die verschiedenen Lösungen des Theodizeeproblems. Strukturen: Strukturen zeigen sich an den „Stellungnahmen zur Welt, die durch formale Weltkonzepte bestimmt sind. Vgl. >Weltbilder. Habermas III 281 Weber: Die Weltreligionen versuchen, „das rationale Interesse an materiellem und ideellem Ausgleich“ zu befriedigen, und zwar durch Erklärungen, die zunehmend systematischen Ansprüchen genügen.(5) Habermas III 293 Entzauberung/Weltbilder/Religion/Moderne/Weber/Habermas: Die Entzauberung beobachtet Weber vor allem an der Interaktion zwischen Gläubigen und Gott. Je stärker diese als Kommunikation gestaltet ist, Habermas III 294 umso strikter kann der Einzelne seine innerweltlichen Beziehungen unter den abstrakten Gesichtspunkten einer Moral systematisieren. Das bedeutet a) Das Herauspräparieren eines abstrahierten Weltbegriffs b) Die Ausdifferenzierung einer rein ethischen Einstellung, in der der Handelnde Normen befolgen und kritisieren kann c) Die Ausbildung eines zugleich universalistischen und individualistischen Personenbegriffs mit den Korrelaten des Gewissens, der moralischen Zurechnungsfähigkeit, der Autonomie, der Schuld usw. Die pietätvolle Bindung an traditionell verbürgte konkrete Lebensordnungen kann damit zugunsten einer freien Orientierung an allgemeinen Prinzipien überwunden werden. >Entzauberung. Habermas IV 281 Religion/Weber/Habermas: Weber hat gezeigt, dass die Weltreligionen von einem Grundthema beherrscht sind, nämlich von der Frage nach der Legitimität der ungleichen Verteilung der Glückgüter unter den Menschen. Theodizee/Weber/Habermas: die theozentrischen Weltbilder entwarfen Theodizeen, um das Bedürfnis nach einer religiösen Erklärung des als ungerecht wahrgenommenen Leidens in ein individuelles Heilsbedürfnis umzuinterpretieren und zu befriedigen. Kosmozentrische Weltbilder: Kosmozentrische Weltbilder bieten äquivalente Lösungen für dasselbe Problem. Gemeinsam ist religiösen und metaphysischen Weltbildern eine mehr oder weniger scharf ausgeprägte dichotomische Struktur, die es erlaubt, die soziokulturelle Lebenswelt auf eine Hinterwelt zu beziehen. >Metaphysik. Die Welt hinter der sichtbaren Welt des Diesseits und der Erscheinungen repräsentiert eine fundamentale Ordnung; solch Weltbilder können ideologische Funktionen übernehmen, wenn es gelingt, die Ordnungen der stratifizierten Klassengesellschaft als Homologien dieser Weltordnung darzustellen. 1. F.H. Tenbruck, Das Werk Max Webers, KZSS, 27, 1975, S. 677 2. Ebenda S. 683 3. Ebenda S. 685 4. R. Döbert, Systemtheorie und die Entwicklung religiöser Deutungssysteme, Frankfurt 1973. 5. M.Weber, Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, Bd. I Tübingen, 1963, S. 253. |
Weber I M. Weber Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus München 2013 Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |
| Revolution | Parsons | Habermas IV 423 Revolutionen/Parsons/Habermas: Parsons begreift diese drei Revolutionen als strukturelle Differenzierungen des Gemeinschaftssystems vom ökonomischen, vom politischen und vom kulturellen Teilsystem: Die im späten 18. Jahrhundert in England einsetzende industrielle Revolution Die Französische Revolution von 1789. Die Erziehungsrevolution, d.h. die Erweiterung der formalen Schulbildung, die bereits im 18. Jahrhundert einsetzte, aber erst Mitte des 20. Jahrhunderts radikal durchgeführt wurde.(1) Habermas IV 424 Diese trennten die frühe von der entfalteten Moderne und erfüllen die Ausgangsbedingungen für ein internationales System hochkomplexer Gesellschaften, auf die Parsons Standardbeschreibung von sozialen Systemen mit jeweils vier Subsystemen zutrifft. >Subsysteme/Parsons. „Vorläufer-Revolutionen“ sind für Parsons Reformation und Renaissance, die den Übergang zur Moderne dadurch ermöglichen, dass sie die in der Überlieferung des Christentums und der römisch-griechischen Antike enthaltenen, bis dahin nur von kulturellen Eliten, in den Mönchsorden und auf den Universitäten bearbeiteten kognitiven Potentiale entbinden und Habermas IV 425 auf institutioneller Ebene wirksam werden lassen. Die Institutionen einer auf religiöser Toleranz beruhenden legalen Herrschaft und einer auf Lohnarbeit beruhenden landwirtschaftlichen Produktion sind die Grundlage für die drei „Revolutionen“, mit denen die Hülsen einer stratifizierten, berufsständisch noch fixierten Klassengesellschaft sprengt. >Klassengesellschaft, >Religion, >Toleranz. 1. T.Parsons, The System of Modern Societies, Englewood Cliffs 1971, S. 101. |
ParCh I Ch. Parsons Philosophy of Mathematics in the Twentieth Century: Selected Essays Cambridge 2014 ParTa I T. Parsons The Structure of Social Action, Vol. 1 1967 ParTe I Ter. Parsons Indeterminate Identity: Metaphysics and Semantics 2000 Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |
| Terminologien | Beck | I 49 Bumerangeffekt/Terminologie/Beck: auch die Reichen und Mächtigen sind nicht sicher vor der Verbreitung von Risiken. I 293 Gesetz der Irrtumslosigkeit: mit der Risikopotenzierung wächst der Zwang, sich als fehlerfrei zu unterstellen und damit der eigenen Lernfähigkeit zu berauben. I 122 Fahrstuhleffekt/Terminologie/Beck: die Klassengesellschaft insgesamt wird eine Etage höher gefahren. Dabei sind jedoch die Relationen sozialer Ungleichheit weitgehend konstant geblieben. |
Beck I U. Beck Risikogesellschaft Frankfurt/M. 2015 |
| Theodizee | Habermas | III 281 Theodizee/Habermas: Die Neubewertung des individuellen Leidens, die die Frage nach dem Sinn des Sinnlosen zum Ausgangspunkt eines über lokale Mythen hinausdrängenden religiösen Denkens macht, ist das Ergebnis von Lernprozessen, die in Gang kommen, als die in den Stammesgesellschaften etablierten Gerechtigkeitsvorstellungen mit der neuen Realität von Klassengesellschaften zusammenprallen. >Rechtfertigung, >Letztbegründung, >Leiden, >Religiöser Glaube. |
Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |