Lexikon der Argumente


Philosophische Themen und wissenschaftliche Debatten
 
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Autorität Rawls I 462
Autorität/Sittlichkeit/Rawls: Rawls leitet die gesellschaftliche Begründung von Autorität aus der Struktur der Familie ab. Er vermutet, dass der Gerechtigkeitssinn nach und nach von den jüngeren Gesellschaftsmitgliedern erworben wird. >Familie, >Sittlichkeit.
I 463
Zusatzannahme: Die Grundstruktur einer wohlgeordneten Gesellschaft beinhaltet die Familie in irgendeiner Form. Dabei Kinder die ersten Adressaten der legitimen Autorität ihrer Eltern. Das Kind besitzt zunächst weder das Wissen noch das Verständnis um die Autorität herauszufordern. Daher können die elterlichen Verfügungen nicht begründet angezweifelt werden. Eltern: Wir nehmen weiter an, dass die Eltern das Kind lieben und das Kind dazu kommt, den Eltern zu vertrauen.
>Gesellschaft/Rawls.
Kindesliebe/Rousseau: These: Das Kind beginnt die Eltern erst zu lieben, wenn diese ihm Liebe entgegenbringen.(1)
Kind/Rawls: Sein Verhalten ist letztlich durch bestimmte Instinkte und Bedürfnisse bestimmt.
>Entwicklungsphasen.
I 464
Die Liebe des Kindes ist dabei nicht rational-instrumentell zu erklären: sie dient dem Kind nicht als Mittel zur Erreichung von Zwecken. Ansonsten könnte es sich so verhalten, als ob es die Eltern liebte; dann aber würde sein Verhalten nicht dazu führen, dass seine ursprünglichen Bedürfnisse transformiert werden. Rawls: Es gibt Zwischenstufen auf dem Weg zur Spiegelung der elterlichen Gefühle: dem Kind wird sein eigener Wert als Person klar, es fühlt Dankbarkeit gegenüber dem, was mächtigere Personen ihm auferlegen, es erlebt elterliche Zuwendung als bedingungslos; das Wohlgefallen der Eltern an seinen spontanen Äußerungen ist nicht vom disziplinierten Befolgen von Anweisungen abhängig. So bildet sich Vertrauen heraus. Damit kommt das Kind dazu, weitere Fähigkeiten auszubilden und zu testen. Dadurch wächst sein Selbstvertrauen. Während dieses Prozesses wächst auch die Zuneigung des Kindes zu seinen Eltern. Es verbindet die Personen der Eltern mit seinen Erfolgen.
Liebe: wie zeigt sich die Liebe des Kindes? Dabei müssen wir die Situation berücksichtigen, in der es mit der Autorität konfrontiert ist. Es kann ja nicht rational protestieren.
I 465
Schuldgefühle/Kind/Rawls: während das Kind seinen Handlungsbereich auszubauen versucht stößt er auf Widerstände durch die Eltern, die es, zunächst akzeptiert, weil es annimmt, dass sie durch die bedingungslose Elternliebe begründet sind. Dabei setze ich voraus, dass Schuldgefühle von Furcht und Ärger unterschieden sind(2).
I 466
Autorität/Kind/Entwicklung/Rawls: Das Autoritätsgefühl des Kindes besteht dann darin, zu bestimmten Verhaltensweisen disponiert zu sein, ohne Orientierung auf Belohnungen oder Strafen gewissen Prinzipien zu folgen, die ihm selbst willkürlich erscheinen mögen. Es will sich dann konform mit den mächtigen Personen verhalten, die es liebt und denen es Vertrauen entgegenbringt. Es kommt zu dem Schluss, dass diese ein Verhalten an den Tag legen, das eine Person charakterisiert, die es selbst werden möchte. >Person, >Intersubjektivität.

1. Vgl. J. J. Rousseau, Emile, (London, 1908) S. 174.
2. Vgl. E. E. Maccoby, „Moral Values and Behavior in Childhood“, in Socialization and Society, Hrsg. J. A. Clausen (Boston, 1968), M. L. Hoffman, (1970) „Moral Development, S. 282-319.

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005
Ethik Glover Singer I 234
Ethik/Glover: (J. Glover(1975)(1)): These: Das Ignorieren nichtmessbarer Schädigungen führt uns in die Irre. Bsp Ein Dorf mit hundert Einwohnern die jeder hundert Bohnen essen, wird von hundert hungrigen Banditen überfallen. Jeder Bandit schnappt sich eine Schale mit Bohnen und leert sie. Eine Woche später planen sie, dasselbe zu wiederholen, jedoch – geplagt von Schuldgefühlen – soll jeder nur eine Bohne aus jeder Schale nehmen, so dass kein merklicher Schaden für den Einzelnen entsteht. Am Ende ist jeder Einwohner des Dorfs jedoch ebenso um hundert Bohnen ärmer, die Verantwortung ist bloß scheinbar vermindert. >Klimawandel/Singer, P., >Klimawandel, >Statistik, >Verteilungsfunktion, >Verursachung, >Klimaschäden, >Verantwortung.


1. J. Glover (1975). „It makes no difference whether or not I do it“ in: Proceedings of the Aristotelian Society, Suppl. Vol. XLIX.

Glov I
Jonathan Glover
I: Philosophy and Psychology of Personal Identity London 1991

SingerP I
Peter Singer
Practical Ethics (Third Edition) Cambridge 2011

SingerP II
P. Singer
The Most Good You Can Do: How Effective Altruism is Changing Ideas About Living Ethically. New Haven 2015
Gefühl Rawls I 443
Gefühle/Scham/Rawls: Bedauern und Scham betreffen einen selbst, die Scham jedoch in einem stärker auf die Person konzentrierten Maß. Sie betrifft den Wert unserer Person(1)(2)(3)(4). Die Scham steht in Relation zu einem Prinzip das verletzt wurde.
>Prinzipien/Rawls.
I 444
Natürliche Scham/Rawls: Natürliche Scham rührt nicht vom Verlust eines Guts, sondern von einer Verletzung unserer Selbstachtung im Zusammenhang mit der Nichtausübung einer Fähigkeit, die wir besitzen(5). >Moral/Rawls.
Moralische Scham/Rawls: Moralische Scham stellt sich ein, wenn wir zu dieser obigen Bestimmung noch den Begriff der guten Person, des guten Menschen hinzunehmen und dieser Mensch jene Eigenschaften versäumt einzusetzen, die er selbst als wesentlich für die Ausführung seines Lebensplans bezeichnet.
I 445
Schuldgefühle/Rawls: Schuldgefühle haben dagegen einen von einem selbst gefühlten Verstoß gegen das Rechtsgefühl oder das Gerechtigkeitsprinzip zum Anlass. >Schuldgefühle, >Gerechtigkeit.

1. Siehe William McDougall, An Introduction to Social Psychology (London, 1908), S. 124-128.
2. Siehe auch Gerhart Piers and Milton Singer, Shame and Guilt (Springfield, Ill. 1953).
3. Siehe auch Erik Erikson, „Identity and the Life Cycle“, Psychological Issues, Bd. 1 (1959), S. 39-41, 65-70.
4. Siehe auch Stanley Cavell, „The Avoidance of Love“, in Must We Mean What We Say? (New York, 1969, S. 278, 286f.)
5. Siehe William James, The Principles of Psychology, Bd. I (New York, 1890).

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005
Kant Rawls I 251
Kant/Gerechtigkeit/Prinzipien/Kategorischer Imperativ/Rawls: Meine Interpretation von Kant konzentriert sich auf den Begriff der Autonomie. >Kategorischer Imperativ, >I. Kant als Autor, >Über Kant.
RawlsVsHare: Wir sollten Kant nicht in erster Linie in Bezug auf Universalität und Allgemeinheit verstehen. Das wäre eine zu schmale Basis, um eine Moraltheorie zu konstruieren(1).
Für ein vollständiges Verständnis muss man Kants spätere Schriften berücksichtigen.
Moral/Kant/Rawls: Kant beginnt damit, dass moralische Prinzipien rational gewählt werden und rational beurteilt werden.
I 252
Als Gesetzgebung für ein Reich der Zwecke müssen moralische Prinzipien nicht nur für alle zustimmungsfähig sein, sondern auch öffentlich bekannt. Sie müssen von freien und gleichermaßen rationalen Individuen akzeptiert werden können. Autonomie/Kant/Rawls.
Kategorischer Imperativ/Kant/Rawls: Der Schleier des Nichtwissens (in meiner Theorie) beraubt die Personen in der Anfangssituation einer zu errichtenden Gesellschaft sowieso aller Informationen über ihre zukünftige Position, was zugleich garantiert, dass sie als freie und gleichermaßen rationale Personen entscheiden.
>Schleier des Nichtwissens.
Rawls: Damit wird Kants Begriff mehreres hinzugefügt: z.B. dass die gewählten Prinzipien nicht nur auf Individuen, sondern auf die Gesellschaft angewendet werden. Dennoch glaube ich, dass wir nahe bei Kant bleiben.
I 255
RawlsVsKant: Kant hat nicht gezeigt, dass unser Handeln aus dem moralischen Gesetz heraus unsere Natur auf eine erkennbare Weise zeigt, wie es ein Handeln nach gegenteiligen Prinzipien es nicht tun würde. Lösung/Rawls: unsere Annahme der Anfangssituation mit dem Schleier des Nichtwissens behebt diesen Mangel: wir müssen nur zeigen, dass unsere zu wählenden Prinzipien anwendbar sind. Wir nehmen die Anfangssituation als eine an, die vom noumenalen Selbst in Kants Sinn betrachtet wird. Qua noumenale haben sie die freie Wahl zwischen Prinzipien. Gleichzeitig wollen sie aber ihre Rationalität in der Lebenswelt zum Ausdruck bringen, d.h. ihre Unabhängigkeit von kontingenten Besonderheiten der Natur und der Gesellschaft. Wenn das Argument aus der Vertragstheorie richtig ist, definieren gerade jene Prinzipien das moralische Gesetz.
>Vertragstheorie/Rawls, >Rationalität.
I 256
Unser Verlangen, uns gerecht zu verhalten, entspringt dann zum Teil dem Wunsch, uns als freie und gleichermaßen rationale Wesen auszudrücken. Ich glaube, deswegen spricht Kant davon, dass es ein Grund für Scham ist, wenn wir uns fehlverhalten und nicht ein Grund für Schuldgefühle. >Gefühle/Rawls.
I 257
Gesellschaft/Wahl/Selbst/Kant/RawlsVsKant/Rawls: In zwei Punkten weiche ich besonders von Kants Konzeption ((s) wie sie im kategorischen Imperativ angelegt ist) ab: 1. Die Wahl (der Prinzipien) als noumenales Selbst nehme ich als die Wahl eines kollektiven (Selbst) an. Diese Wahl muss von anderen Selbsten akzeptiert werden können.
2. Ich nehme an, dass die Parteien wissen, dass sie den Bedingungen des menschlichen Lebens unterliegen. Im Licht dieser natürlichen Beschränkungen werden die Prinzipien gewählt. Bei Kant sieht es so aus, als schlösse er auch die Freiheit Gottes oder die Freiheit reiner Intelligenzen mit ein, diese unterliegen aber nicht den Beschränkungen, die verlangen, Andere als gleichermaßen rationale und freie Wesen anzuerkennen.
>Intersubjektivität, >Freiheit, >Gemeinschaft, >Gesellschaft.

1. Vgl. R. M. Hare, Freedom and Reason, Oxford, 1963, S. 123f.

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005
Kategorischer Imperativ Rawls I 251
Kategorischer Imperativ/Moral/Kant/Rawls: Kant beginnt damit, dass moralische Prinzipien rational gewählt werden und rational beurteilt werden.
I 254
Kant/SidgwickVsKant/Sidgwick/Rawls: Sidgwick schreibt, dass nichts in Kants Ethik auffallender ist, als die Idee, dass der Mensch sein wahres Selbst dadurch zum Ausdruck bringt, dass er nach dem moralischen Gesetz handelt. Wenn er dagegen bestimmten Bedürfnissen nachgibt, handelt er nach dem Gesetz der Natur(1). >H. Sidgwick, >I. Kant, >Moral, >Ethik.
I 255
Kant versäumt es nun nach Sidgwick, zu erklären, warum der Schurke in seinem schlechten Leben nicht genauso sein Selbstsein zum Ausdruck bringt wie der Heilige dies in seinem Leben tut. KantVsSidgwick/KantVsVs/Rawls: Kant sollte erwidern, dass jedes konsistente Handeln nach Prinzipien das Ergebnis einer Entscheidung des noumenalen Selbst sein könnte, dass aber nicht jedes Handeln des phänomenalen Selbst dieses als freies und gleiches rationales Wesen offenbart.
RawlsVsKant: Kant hat nicht gezeigt, dass unser Handeln aus dem moralischen Gesetz heraus unsere Natur auf eine erkennbare Weise zeigt, wie es ein Handeln nach gegenteiligen Prinzipien es nicht tun würde.
Lösung/Rawls: unsere Annahme der Anfangssituation mit dem Schleier des Nichtwissens behebt diesen Mangel: wir müssen nur zeigen, dass unsere zu wählenden Prinzipien anwendbar sind. Wir nehmen die Anfangssituation als eine an, die vom noumenalen Selbst in Kants Sinn betrachtet wird. Qua noumenale haben sie die freie Wahl zwischen Prinzipien. Gleichzeitig wollen sie aber ihre Rationalität in der Lebenswelt zum Ausdruck bringen, d.h. ihre Unabhängigkeit von kontingenten Besonderheiten der Natur und der Gesellschaft. Wenn das Argument aus der Vertragstheorie richtig ist, definieren gerade jene Prinzipien das moralische Gesetz.
>Vertragstheorie/Rawls, >Prinzipien/Rawls, >Lebenswelt.
I 256
Unser Verlangen, uns gerecht zu verhalten, entspringt dann zum Teil dem Wunsch, uns als freie und gleichermaßen rationale Wesen auszudrücken. Ich glaube, deswegen spricht Kant davon, dass es ein Grund für Scham ist, wenn wir uns fehlverhalten und nicht ein Grund für Schuldgefühle. >Gefühle/Rawls.

1. Sidgwick, „The Kantian Conception of Free Will“, Mind, Bd.13, 1888, S. 511-516.

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005
Regulation Deci Cor I 443
Regulation/Selbstbestimmungstheorie/SDT/Deci/Ryan: Externe Regulation hängt von Belohnungen und Strafen ab. Es ist die am wenigsten autonome Regulation. Es kann sehr motivierend sein, spiegelt aber nicht die Interessen der Menschen wider.
>Motivation/Deci.
Introjizierte Regulation: ist eine teilweise, aber nicht vollständig internalisierte Regulation. So beinhaltet introjizierte Regulation, dass Menschen ihr eigenes Verhalten kontrollieren, um ihren Selbstwert zu erhalten oder zu bestätigen, Schuldgefühle zu vermeiden oder die Zustimmung anderer zu spüren.
Identifizierte Regulation: ist eine autonomere Art der Motivation. Sie resultiert aus der Identifikation von Menschen mit der persönlichen Bedeutung einer Aktivität für ihre selbst gewählten Ziele und Werte. Wenn Menschen eine Verhaltensregulation als ihre eigene akzeptiert haben, wird die Regulation transformiert worden sein und wahrscheinlich als gewollt und eigenständig erlebt werden.
Extrinsische Motivation: resultiert, wenn der Internalisierungsprozess am effektivsten funktioniert hat, ist eine integrierte Regulation. Sie kommt in Menschen vor, die eine Identifikation mit anderen Aspekten ihres zentralen Selbst ("core self") aufnehmen.
>Selbstbestimmungstheorie/Deci/Ryan, >Autonomie/Deci/Ryan.

Edward L. Deci and Richard M. Ryan, „Self-determination theory: a consideration of human motivational universals“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press
Regulation Ryan Corr I 443
Regulation/Selbstbestimmungstheorie/SDT/Deci/Ryan siehe auch >Motivation/Deci. Externe Regulation hängt von Belohnungen und Strafen ab. Es ist die am wenigsten autonome Regulation. Es kann sehr motivierend sein, spiegelt aber nicht die Interessen der Menschen wider.
Introjizierte Regulation: ist eine teilweise, aber nicht vollständig internalisierte Regulation. So beinhaltet introjizierte Regulation, dass Menschen ihr eigenes Verhalten kontrollieren, um ihren Selbstwert zu erhalten oder zu bestätigen, Schuldgefühle zu vermeiden oder die Zustimmung anderer zu spüren.
Identifizierte Regulation: ist eine autonomere Art der Motivation. Sie resultiert aus der Identifikation von Menschen mit der persönlichen Bedeutung einer Aktivität für ihre selbst gewählten Ziele und Werte. Wenn Menschen eine Verhaltensregulation als ihre eigene akzeptiert haben, wird die Regulation transformiert worden sein und wahrscheinlich als gewollt und eigenständig erlebt werden.
Extrinsische Motivation: resultiert, wenn der Internalisierungsprozess am effektivsten funktioniert hat, ist eine integrierte Regulation. Sie kommt in Menschen vor, die eine Identifikation mit anderen Aspekten ihres zentralen Selbst ("core self") aufnehmen.
>Selbstbestimmungstheorie/Deci/Ryan, >Autonomie/Deci/Ryan.

Edward L. Deci and Richard M. Ryan, „Self-determination theory: a consideration of human motivational universals“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Regulation Selbstbestimmungstheorie Corr I 443
Regulation/Selbstbestimmungstheorie/SDT/Deci/Ryan: (> href="https://www.philosophie-wissenschaft-kontroversen.de/details.php?id=2094021&a=$a&autor=Deci&vorname=Edward%20L.&thema=Motivation">Motivation/Deci) Externe Regulation hängt von Belohnungen und Strafen ab. Es ist die am wenigsten autonome Regulation. Es kann sehr motivierend sein, spiegelt aber nicht die Interessen der Menschen wider.
Introjizierte Regulation: ist eine teilweise, aber nicht vollständig internalisierte Regulation. So beinhaltet introjizierte Regulation, dass Menschen ihr eigenes Verhalten kontrollieren, um ihren Selbstwert zu erhalten oder zu bestätigen, Schuldgefühle zu vermeiden oder die Zustimmung anderer zu spüren.
Identifizierte Regulation: ist eine autonomere Art der Motivation. Sie resultiert aus der Identifikation von Menschen mit der persönlichen Bedeutung einer Aktivität für ihre selbst gewählten Ziele und Werte. Wenn Menschen eine Verhaltensregulation als ihre eigene akzeptiert haben, wird die Regulation transformiert worden sein und wahrscheinlich als gewollt und eigenständig erlebt werden.
Extrinsische Motivation: resultiert, wenn der Internalisierungsprozess am effektivsten funktioniert hat, ist eine integrierte Regulation. Sie kommt in Menschen vor, die eine Identifikation mit anderen Aspekten ihres zentralen Selbst ("core self") aufnehmen.
>Selbstbestimmungstheorie/Deci/Ryan, >Autonomie/Deci/Ryan.

Edward L. Deci and Richard M. Ryan, „Self-determination theory: a consideration of human motivational universals“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Strafen Sozialpsychologie Parisi I 139
Strafe/Sozialpsychologie/Nadler/Mueller: In Ermangelung zwingender Beweise zum Nachweis der Schuld verwenden Geschworene manchmal die Tatsache der Vorstrafen des Angeklagten als Grund für eine Verurteilung (T. Eisenberg und Hans, 2009(1)). Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn
Parisi I 140
die früheren Straftaten dem aktuellen Vorwurf ähnlich sind (Greene und Dodge, 1995(2); Lloyd-Bostock, 2000(3); Wissler und Saks, 1985(4)). Wahrnehmung: Wenn wir Personen wahrnehmen, entscheiden wir sofort, ob ihre Absichten uns gegenüber gut sind und wie kompetent sie sind, ihre Absichten auszuführen (Fiske, Cuddy und Glick, 2007)(5). Wir verwenden diese Informationen auch, um Entscheidungen darüber zu treffen, wie tadelnswert ein Akteur ist. Rückschlüsse auf den Charakter treiben Urteile über Verantwortung, Schuld und sogar Verursachung an (Alicke, 1992(6), 2000(7); Alicke und Yurak 1995(8). Nadler, 2012(9); Nadler und McDonnell, 2012(10)).
Charakterzüge: Schlechte Motive sind eine Quelle für Rückschlüsse auf einen schlechten Charakter, aber sie sind nicht notwendig. Selbst leicht negative Charakterzüge führen zu Rückschlüssen auf den Charakter, die die Beurteilung der Schuldfrage beeinflussen. Zum Beispiel wird eine Frau, die ihre widerspenstigen Hunde nicht beaufsichtigt, eher für einen Todesfall verantwortlich gemacht, wenn sie asozial ist und einen ungesunden Lebensstil hat, als wenn sie sehr sozial ist und einen gesunden Lebensstil hat (Nadler und McDonnell, 2012)(10).
Opfer: Der moralische Charakter von Opfern kann ebenfalls Schuldurteile beeinflussen. Schaden an unschuldigen Opfern löst mehr Schuldgefühle aus als Schaden an gefährlichen Kriminellen oder an Opfern, die in anderer Weise als verdorben wahrgenommen werden. So wird z.B. eine Person, die einen Fremden in ihrem Haus erschießt, mehr beschuldigt, wenn sich das Opfer als der Freund ihrer Tochter herausstellt, als wenn das Opfer ein Einbrecher ist, selbst wenn man die Gefahrenwahrnehmung des Schützen konstant hält (Alicke, Davis und Pezzo, 1994)(11).
Moralischer Charakter: Der vermeintlich fragwürdige moralische Charakter einer Frau (z.B. Alkoholkonsum, Drogenkonsum, vorehelicher Geschlechtsverkehr, Ehrbarkeit) benachteiligt sie im gesamten Justizprozess und führt zu mehr "Victim Blaming" (dt. Beschuldigung des Opfers) sowie einer milderen Bestrafung (Burt und Albin, 1981(12); C. Jones und Aronson, 1973(13)). Wenn sie den moralischen Charakter einer Frau anzweifeln, ist es weniger wahrscheinlich, dass Staatsanwälte überhaupt Anklage erheben (Spohn et al., 2001)(14). Außerdem sind Verurteilungen unwahrscheinlicher und die Strafen kürzer, wenn die sexuelle Vorgeschichte einer Frau erwähnt wird, selbst wenn sie relativ unerfahren ist (L'Armand und Pepiton, 1982)(15).
>Entschuldigungen/Sozialpsychologie, >Attraktivität/Sozialpsychologie, >Vergeltung/Abschreckung/Sozialpsychologie.
Parisi I 141
Regeln/Sozialer Status: Expressive Theorien der Bestrafung gehen davon aus, dass Strafe Regeln und soziale Normen kommuniziert (Duff, 2011(16); Durkheim, 2014(17)) und eine Botschaft an Opfer, Täter und Dritte gleichermaßen sendet, die das begangene Unrecht ankündigt und korrigiert. So kann eine strafrechtliche Bestrafung mit identifizierbaren Opfern als ein Mittel fungieren, das kommuniziert, wie sehr das Opfer geschätzt und respektiert wird (Hampton, 1988(18); 1994(19)). Die Bestrafung kann dazu dienen, den Status quo zurückzusetzen, indem sie zum Ausdruck bringt, dass das Opfer wertvoll genug ist, um die Ausgabe von Ressourcen zur Aufdeckung, Verfolgung und Bestrafung des Täters, der ihr geschadet hat, zu rechtfertigen (Bilz, 2014). Bilz (2014) hat experimentell gezeigt, dass sowohl Opfer als auch Dritte eine Bestrafung als Erhöhung des sozialen Status des Opfers wahrnehmen und das Unterlassen einer Bestrafung als Senkung.
1. Eisenberg, T. and V. Hans (2009). "Taking a Stand on Taking the Stand: The Effect of a Prior Criminal Record on the Decision to Testify and on Trial Outcomes." Cornell Law Review 94: 1353.
2. Greene, E. and M. Dodge (1995). "The Influence of Prior Record Evidence on Juror Decision
Making." Law and Human Behavior doi:10.1007/BF01499073.
3. Lloyd-Bostock, S. (2000). " The Effects on Juries of Hearing about the Defendant's Previous
Criminal Record: A Simulation Study." Criminal Law Review 1:734-755.
4. Wissler, R. L. and M. J. Saks (1985). "On the Ineffcacy of Limiting Instructions: When Jurors
Use Prior Conviction Evidence to Decide on Guilt." Law and Human Behavior 9(1): 37-48.
doi:10.1007/BF01044288.
5. Fiske, S. T., A. J. C. Cuddy, and P. Glick (2007). "Universal Dimensions of Social Cognition: Warmth and Competence." Trends in Cognitive Sciences 1 1 (2):77—83. doi:16/j.tics.2006.11.005.
6. Alicke, M. D. (1992). "Culpable Causation." Journal of Personality and Social Psychology
63(3): 368-378. doi:10.1037/0022-3514.63.3.368.
7. Alicke, M. D. (2000). "Culpable Control and the Psychology Of Blame." Psychological Bulletin
126(4): 556-574. doi:10.1037/0033-2909.126.4.556.
8. Alicke, M. D. and T. J. Yurak (1995). "Perpetrator Personality and Judgments of Acquaintance Rape“.Journal of Applied Social Psychology 25(21):1900-1921.
9. Nadler, J. (2012). "Blaming as a Social Process: The Influence of Character and Moral Emotion on Blame." Law and Contemporary Problems 75: 1.
10. Nadler, J. and M.-H. McDonnell (2012). "Moral Character, Motive, and the Psychology of
Blame." Cornell Law Review 97:255.
11. Alicke, M. D., T. L. Davis, and M. V. Pezzo (1994). "A Posteriori Adjustment of A Priori Decision Criteria." Social Cognition 12(4):281-308.
12. Burt, M. R. and R. S. Albin (1981). "Rape Myths, Rape Definitions, and Probability of Conviction.“ Journal of Applied Social Psychology 11(3):212-230.
13. Jones, C. and E. Aronson (1973). "Attribution of Fault to a Rape Victim as a Function of
Respectability of the Victim." Journal of Personality and Social Psychology 26(3): 415-419. doi:10.1037/h0034463.
14. Spohn, C., D. Beichner, E. D. Frenzel, and D. Holleran (2001). Prosecutors' Charging Decisions
in Sexual Assault Cases: A Multi-Site Study, Final Report (No. 197048). National Institute
of Justice.
15. L'Armand, K. and A. Pepitone (1982). "Judgments of Rape A Study of Victim-Rapist Relationship and Victim Sexual History." Personality and Social Psychology Bulletin 8(1): 134-139. doi:10.1177/014616728281021.
16. Duff, A. (2011). "Retrieving Retributivism," in M. D. White, ed., Retributivism: Essays on
Theory and Policy, 3-24. New York: Oxford University Press.
17. Durkheim, E. (2014). The Division of Labor in society. New York: Simon and Schuster.
18. Hampton, Jean (1988). "Punishment as Defeat," in Jeffrie G. Murphy and Jean Hampton,
eds., Forgiveness and Mercy, 124—132. Cambridge: Cambridge University Press, Cam-
bridge.
19. Hampton, Jean (1994). "Retribution and the Liberal State." J. Contemp. Legal Issues 5: 117.

Nadler, Janice and Pam A. Mueller. „Social Psychology and the Law“. In: Parisi, Francesco (Hrsg.) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Bd. 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University Press

Parisi I
Francesco Parisi (Ed)
The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017
Strafen Verhaltensökonomik Mause I 182
Strafe/Verhaltensökonomik: Slogan: „Eine Strafe ist ein Preis“. Bsp Eltern, die eine Strafe für das zu späte Abholen ihrer Kinder aus dem Kindergarten zahlen sollten, kamen von da an noch später. Sie konnten es sich leisten und waren ihre moralischen Schuldgefühle los.(1) Der Marktanzreiz hatte die moralische Abwertung der Pflichtverletzung (…) weggewischt.
>Märkte, >Moral, >Ethik, >Verhalten, >Entscheidungen.

1. Uri Gneezy und Aldo Rustichini. A fine is a price. Journal of Legal Studies 29, (1) 2000, S. 1– 17.

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Vertrauen Rawls I 462
Vertrauen/Autorität/Kindliche Entwicklung/Rawls: Rawls leitet die gesellschaftliche Begründung von Autorität aus der Struktur der Familie ab. Er vermutet, dass der Gerechtigkeitssinn nach und nach von den jüngeren Gesellschaftsmitgliedern erworben wird. >Familie, >Herrschaft.
I 463
Zusatzannahme: Die Grundstruktur einer wohlgeordneten Gesellschaft beinhaltet die Familie in irgendeiner Form. Dabei Kinder die ersten Adressaten der legitimen Autorität ihrer Eltern. Das Kind besitzt zunächst weder das Wissen noch das Verständnis um die Autorität herauszufordern. Daher können die elterlichen Verfügungen nicht begründet angezweifelt werden. Eltern: wir nehmen weiter an, dass die Eltern das Kind lieben und das Kind dazu kommt, den Eltern zu vertrauen.
Vgl. >Generationengerechtigkeit.
Kindesliebe/Rousseau: These: Das Kind beginnt die Eltern erst zu lieben, wenn diese ihm Liebe entgegenbringen(1).
Kind/Rawls: sein Verhalten ist letztlich durch bestimmte Instinkte und Bedürfnisse bestimmt.
>Liebe.
I 464
Die Liebe des Kindes ist dabei nicht rational-instrumentell zu erklären: sie dient dem Kind nicht als Mittel zur Erreichung von Zwecken. Ansonsten könnte es sich so verhalten, als ob es die Eltern liebte; dann aber würde sein Verhalten nicht dazu führen, dass seine ursprünglichen Bedürfnisse transformiert werden. Rawls: Es gibt Zwischenstufen auf dem Weg zur Spiegelung der elterlichen Gefühle: Dem Kind wird sein eigener Wert als Person klar, es fühlt Dankbarkeit gegenüber dem, was mächtigere Personen ihm auferlegen, es erlebt elterliche Zuwendung als bedingungslos; das Wohlgefallen der Eltern an seinen spontanen Äußerungen ist nicht vom disziplinierten Befolgen von Anweisungen abhängig. So bildet sich Vertrauen heraus. Damit kommt das Kind dazu, weitere Fähigkeiten auszubilden und zu testen. Dadurch wächst sein Selbstvertrauen. Während dieses Prozesses wächst auch die Zuneigung des Kindes zu seinen Eltern. Es verbindet die Personen der Eltern mit seinen Erfolgen.
Liebe: Wie zeigt sich die Liebe des Kindes? Dabei müssen wir die Situation berücksichtigen, in der es mit der Autorität konfrontiert ist. Es kann ja nicht rational protestieren.
I 465
Schuldgefühle/Kind/Rawls: Während das Kind seinen Handlungsbereich auszubauen versucht stößt es auf Widerstände durch die Eltern, die es, zunächst akzeptiert, weil es annimmt, dass sie durch die bedingungslose Elternliebe begründet sind. Dabei setze ich voraus, dass Schuldgefühle von Furcht und Ärger unterschieden sind.(2) >Gefühle/Rawls, vgl. >Entwicklungsphasen/Psychologie.

1. Vgl. J. J. Rousseau, Emile, (London, 1908) S. 174.
2. Vgl. E. E. Maccoby, „Moral Values and Behavior in Childhood“, in Socialization and Society, ed. J. A. Clausen (Boston, 1968), M. L. Hoffman, (1970) „Moral Development, S. 282-319.

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005